Männer, die wie rechte Bots agieren, und was man gegen sie tun kann

Es heißt in diesen Tagen oft, die Demokratie stehe auf dem Spiel, und wenn man sich die Kontrahenten in diesem Kampf ansieht, hat man den Eindruck, dass sich die eine Seite formiert hat wie eine römische Armee in einem Asterix-Comic, während die andere aufgescheucht und unsortiert über das Feld rennt und nicht weiß, wie sie auf die Taktik des Gegners reagieren soll. Der Kampf im Netz hat sich radikalisiert.

Adam Tinworth, Journalist und Blogger aus London, hat vor kurzem einen interessanten Gedanken in die digitale Welt gesetzt: Was den klassischen Journalismus von der Meinungsmaschine im Digitalen unterscheidet, ist, dass ihm ein Rahmen fehlt, ein Narrativ, wie man heute gern sagt.

Journalisten erzählen Geschichten auf der Basis von Fakten und Recherche. Das heißt nicht, dass ihrer Arbeit nicht auch zu oft eine versteckte Agenda zugrunde liegt. Auch die klassischen Medien sind nicht frei von Ideologie, Weltanschauung und Rudelbildung. Dass sie so tun, als sei es anders, und die Menschen spüren, dass das nicht stimmt, ist ja gerade eines der Probleme unserer Zeit. Aber ihre Agenden unterscheiden sich voneinander, sie kämpfen auf einem Markt um Anhänger, und manchmal ändert das Rudel auch unterwegs seine Richtung.

Der Marsch einer geschlossenen Einheit

Diejenigen, die im Netz gegen die sogenannten Mainstream-Medien anschreiben, erzählen dagegen eine große zusammenhängende Geschichte. Ihr Fundament ist ein allen gemeinsamer Blick auf die Welt und sie nutzen die digitalen Technologien, um ihre Erzählung zu verbreiten. Sie tun genau das, was sie den Medien vorwerfen: Sie marschieren in einer geschlossen Einheit durch die digitale Welt, weil sie sich als das notwendige Korrektiv für eine gleichgeschaltete Medienlandschaft betrachten. Deshalb sind sie so viel lauter.

Ihre Mission: uns vor der Apokalypse zu warnen, weil sie Gefahren auf uns zukommen sehen, die anderen noch verborgen bleiben, weil ihnen die Romantik den Blick verstellt oder der Befehl aus dem Kanzleramt. Jeder Kommentar, jeder Tweet und jedes Mem, werden zu den Einzelteilen einer Erzählung, die nie endet. Es ist ein asymmetrisch geführter Krieg um Deutungshoheit, der insofern die Strategie von Terrororganisationen adaptiert, als er jeder und jedem die Möglichkeit gibt, zur Armee der Worteskrieger zu gehören, indem man sich zu ihr bekennt.

Anders formuliert: Wenn sogar Vera Lengsfeld auf ihrer Seite dazu aufruft, ihr Spenden zukommen zu lassen, weil, wie sie schreibt, unabhängiger Journalismus zeitaufwendig sei, dann weiß man, dass etwas ins Rutschen geraten ist. Das ist so, als würde sie sagen, sie sei jetzt auch Opernsängerin, weil sie beim Duschen so gern singt. Journalismus entsteht nicht dadurch, dass man in der Lage ist, etwas zu veröffentlichen. Journalismus ist zu allererst eine Übereinkunft über die Einhaltung professioneller Standards. Zu denen gehört unter anderem, dass man die Wirklichkeit nicht verdreht, bevor man sie deutet.

Die Werte einer aufgeklärten Gesellschaft zersetzen

Man könnte über solche Auswüchse milde lächeln, wären die Folgen nicht so schmutzig. Denn dieser Erzählung liegt eine Haltung zugrunde, die die Werte einer aufgeklärten Gesellschaft zersetzt. Die Kanzlerin betreibe die Auflösung des deutschen Staates. Die Medien seien ihre willfährigen Helfer. Wer sich dieser Sicht nicht anschließe, sei entweder ein linksrotgrün verseuchter Ideologe, ein Multikulti-Träumer oder ein Deutschland-Hasser, den es auszuschalten gilt, bevor er Deutschland zerstört hat und damit alles, was unser Leben in den vergangenen Jahrzehnten ausgemacht hat: Kultur, Sicherheit, Wohlstand.

Man sollte sich in diesen Tagen nicht allein mit Trump und den Folgen seiner „Politik“ für die USA und die Welt beschäftigen (sogar er selbst tut sich ja schwer, sich als Politiker zu bezeichnen, wie er in seiner bereits jetzt legendären Pressekonferenz in der vergangenen Woche bekannt hat). Seine Anhänger leben auch hier bei uns. Ein besonders schönes Beispiel dafür ist der Dresdner Anwalt Dr. Maximilian Krah, ein Mann, der seit seinem Studium in New York nach eigener Aussage glühender Trump-Fan ist. Er erlangte eine gewisse überregionale Bekanntheit, als er während des Amoklaufs im vergangenen Sommer in München, als dessen Hintergründe noch völlig unklar waren, twitterte: „Ich bin in München. Das muss der Wendepunkt sein: Die Willkommenskultur ist tödlich. Es geht um unser Land!“

Im vergangenen Herbst ist er aus der CDU ausgetreten. Begründung: Mit seinen Ansichten habe er früher in der Mitte der Partei gestanden, in der Merkel-CDU gelte er jetzt als Rechtsaußen. Einige Zeit später ist er in die AfD eingetreten. Solange sie Männer wie Krah hat, kann die Partei locker im Bundestagswahlkampf auf Bots verzichten.

Sehnsucht nach übersichtlicheren Zeiten

Seine Kritik an Zuwanderungs-, Energiewende- und Währungspolitik ist der konservative Kanon derer, die sich in eine Zeit zurückwünschen, in der die Welt noch übersichtlich war, und die Merkel persönlich für die Komplexität unserer Zeit verantwortlich machen. Laut Twitterprofil arbeitet Krah als Unternehmer und Anwalt. Für seine ehrenamtliche Arbeit als Mob-Bot mit Einstecktuch bleibt aber trotzdem genug Zeit. Krah twittert und retweetet eine Welt daher, die in Auflösung zu sein scheint. Für ihn hat Trump bei seiner Kundgebung am vergangenen Wochenende nicht über einen Anschlag, ein Attentat, ein Irgendwas in Schweden gesprochen, das gar nicht stattgefunden hat – er hat eine Diskussion über das Multikulti-Vergewaltigungs-Paradies Schweden angezettelt. Nur sind die Medien zu doof, es zu kapieren. Er ist Anhänger von Milo Yiannopolous. Die Spanier sind dem Wahnsinn verfallen, als sie die Regierung aufgefordert haben, ihre Zusage zur Aufnahme von 17.000 Asylbewerbern einzuhalten. Den Retweet einer Meldung über den vermeintlichen Versuch vierer junger Syrer, einem Deutschen das Ohr abzuschneiden, bebildert mit dem Foto eines Iren aus dem „Daily Mirror“ von 2015, überschreibt er mit: „Meine Güte. Es geht also los.“

Wenn er auf Twitter aktiv ist, dann in beeindruckendem Tempo. Da kommen dann innerhalb von ein paar Minuten gern mal zehn Tweets und Retweets zusammen. Der vor kurzem in der „Süddeutschen Zeitung“ zu Wort gekommene Leipziger Juraprofessor Thomas Rauscher, der Anwalt Joachim Steinhöfel, jemand, der sich „braves Bürgerlein“ nennt („Es gibt viele Wahrheiten. Hier lesen Sie meine.“), der Blogger Kolja Bonke, alle dabei. Maximilian Krah – der Mann mit dem blauen Daumen.

„Ansonsten Tschüss“

Krah und seine Mitstreiter (es sind nahezu ausschließlich Männer) fühlen sich ziemlich unangreifbar. Denn jeder, der gegen ihre Welt anzuargumentieren versucht, liefert damit nur den Beweis für die Notwendigkeit der Attacke. Die einzige Schlacht, die sie nicht gewinnen können, ist die gegen die Wirklichkeit. In einem Interview auf „Russia Today“ beschrieb Krah vor kurzem, was das wahre Problem ist in unserem Land: Angela Merkel begreife sich als Verwalterin eines Regierungsbezirks im Weltstaat Erde, die Interessen der Deutschen seien ihr egal. Es ist die Wahrheit, die man sich unter den Schilden in der römischen Schildkröte zuflüstert, während man auf den Feind zumarschiert. Auf ihrer Fahne steht der Tweet von Sarah S.: „Mein Tipp: Merkel rausschmeißen, neuen Kanzler stellen, Grenzen dicht und auf Deutschland konzentrieren. Ansonsten Tschüss.“

Nicht vorgesehen ist in diesem Weltbild, dass die Welt durch Globalisierung, Klimawandel und eine Weltregion, die in Chaos und Gewalt versinkt, zunehmend zu einem Ort wird, in dem Nationalstaaten die Folgen nur durch eine Mischung von Abschottung, Egoismus und selektiver Wahrnehmung vom eigenen Staatsgebiet fern halten können. Nicht vorgesehen ist, dass der Wohlstand der Deutschen auch darauf gründet, dass wir uns die Vorteile von Freihandel und Ressourcenverbrauch zu nutze machen, aber vor den Folgen die Augen verschließen. Ein gesunder Nationalchauvinismus – das sei es, was unser Land jetzt braucht.

Eine Demokratie lebt vom Wettstreit der Ideen, von der leidenschaftlichen Diskussion und dem Kampf um die beste Problemlösung. Die Überforderung von Menschen, die in ihren Städten und Gemeinden das Gefühl haben, mit den Folgen der Flüchtlingsströme allein gelassen zu werden; der Eindruck, der Komplexität unserer Zeit nicht mehr Herr zu werden; die Ursachen, die zur Wahrnehmung einer gleichgeschalteten Medienlandschaft führen – all diese Themen würden es unbedingt notwendig machen, über die Grenzen der eigenen Überzeugungen hinweg ins Gespräch zu kommen. Doch es geht den Leuten wie Krah offensichtlich nicht ums Diskutieren. Sondern darum, dass sich die Erzählung, an der sie mitschreiben, am Ende durchsetzt. Deutschland macht die Grenzen dicht und stellt seine Interessen über die aller anderen Staaten. Ansonsten Tschüss. Das wäre dann tatsächlich ein Deutschland, das nicht mehr wiederzuerkennen ist.

Nicht schwarz-weiß, nicht rosarot

Man kann sich jetzt die Finger wund tippen und wird daran nichts ändern können. Was es dafür umso mehr braucht, ist eine Erzählung der anderen Seite, an der diejenigen mitschreiben, die in einer solchen Welt nicht leben wollen. Nicht initiiert von den sogenannten Mainstream-Medien, sondern von Bürgerinnen und Bürgern. Genauso engagiert, aber nicht verlogen. Eine Geschichte, die auf die Komplexität unserer Zeit neue Antworten sucht und nicht alte und in der nicht alles schwarz-weiß ist, aber auch nicht alles rosarot.

Die Polizei in Chemnitz bestätigt zum Beispiel: Der Tatverdächtige ist syrischer Abstammung. Das Gerücht vom Versuch, ein Ohr abzuschneiden, will sie wegen des laufenden Verfahrens nicht kommentieren. Dies beim Namen zu nennen, gehört genauso zur Wirklichkeit wie die Wahrheit, dass jedes Verbrechen eines zu viel ist, aber nicht alle Flüchtlinge potentielle Kopfabschneider sind, und dass eine Lüge als Aufforderung zu einer sachlichen Diskussion so gut taugt wie eine Ohrfeige als Einladung zu einem Flirt. Eine solche Banalität hinschreiben zu müssen, ist ja eigentlich schon eine Ohrfeige – für den Intellekt. Aber: Es ist 2017.

In seinem Beitrag zitiert Adam Tinworth zum Ende eine Analyse: Von allen Facebook-Posts der einflussreichen neurechten amerikanischen Nachrichtenseite „Breitbart“ im Jahr 2016 hatten nicht die Links zu den Artikeln die größte Reichweite, sondern Fotos und Videos. Und der meistgeteilte Post war ein Mem, das nach dem Wahlsieg Trumps gegen die Demokraten polemisierte. Auf einer quadratischen Texttafel stand: „Remember that time Republicans rioted, beat innocent democratic voters, destroyed property and torched American flags? Me neither.“

Es war so erfolgreich, weil es damit so einfach war, sich zu der einen Seite zu bekennen. Es wird deshalb Zeit, dass sich auch die andere Seite bewaffnet, um damit zu signalisieren: Wir wissen, dass wir über das, was in unserer Gesellschaft passiert, sprechen müssen – aber nicht auf eure vergiftete, infame Weise. An die Meme!

Offenlegung: Kai Schächtele ist Journalist und Bürger.

Medien besser kritisieren. Mit Ihrer Unterstützung.

 
Medien besser kritisieren.

54 Kommentare

  1. Danke für den Artikel. Was ich ein wenig schwierig finde, ist der Begriff der „Wirklichkeit“, was soll das denn sein? Wenn ich mir „Narrative“ und damit einhergehenden Wirklichkeitsbeschreibungen anschaue, die meinetwegen Wolfgang Schäuble oder die FAZ befördern, dann finde ich auch, dass das nicht „die Wirklichkeit“ ist – Auch wenn die „Wirklichkeit“ (meine Wirklichkeit, genau genommen), auf einem anderen Niveau verschleiert wird, als das Herr Krah tut.

    Und da liegt vielleicht ein Problem der vom Autoren vorgeschlagenen Gegenstrategie. Wir, die, ich nenne es mal DemokratInnen, sind ja eine äußerst heterogene Gruppe. In den, vor-AfD/vor-Trump-Zeiten (kommt mir lange her vor, und als sei die Welt da noch in Ordnung gewesen), fand ich, dass die Politik von Angela Merkel und ihrer Regierung ursächlich für den kommenden Weltuntergang sei. Jetzt scheinen sich die Lager auf einmal verschoben zu haben. Auf einmal wäre ich froh, wenn Angela Merkel und nicht Frauke Petry Bundeskanzlerin wird. Aber wenn ich genauer nachdenke, dann besagt mein eigenes Narrativ, dass es auch (nicht nur), die Politik der aktuellen Regierung (und ihrer Vorgänger-Regierungen) war, die beispielsweise mit ihrer Austeritätspolitik, die aktuelle Situation erst erzeugt haben. Ich finde zum Beispiel, dass gerade ein sehr gefährliches Narrativ entsteht, nämlich das „Vor Trump war alles gut“-Narrativ. Ganz gefährlich, weil damit unter Umständen die Ursachenforschung „Warum ist Trump möglich?“ geworden, verhindert wird.

  2. Ich fürchte, Kai Schächtele hat es geschafft, sich mit diesem Beitrag auf eine Seite zu stellen, auf der ich auch nicht stehen möchte.
    Natürlich ist er weit von der Dummheit und Einseitigkeit seiner Gegner entfernt, aber ich bin dagegen, mich auch nur in die Richtung zu bewegen und finde das da oben deshalb schon zu polemisch und undifferenziert, um mich dahinter stellen zu wollen.
    Und das Mem… Ach Gott, das Mem. Ja, nee.
    Zum Glück ist das aber andererseits egal. Ihr schafft das hoffentlich auch ohne mich.

  3. Deutschland kann nicht die Armen der ganzen Welt aufnehmen. Und solange es darauf keine Antwort der Politik und der Mainstreammedien gibt läßt mich dieses Gehetze hier kalt.
    Vor der Bundestagswahl wird hier gekonnt abgewiegelt was leider zu Wählerverlusten bei der AFD führen wird.

  4. Noch mal danke, diesmal für diesen Gedanken:

    „Auch die klassischen Medien sind nicht frei von Ideologie, Weltanschauung und Rudelbildung. Dass sie so tun, als sei es anders, und die Menschen spüren, dass das nicht stimmt, ist ja gerade eines der Probleme unserer Zeit. Aber…“

    Leider ist das wahr und es stellt die Ideale und Werte, die uns wichtig waren, die freie Presse, den Kodex und alles auf den Kopf.

    Großer Respekt vor Medien, die ihre Fehler erkennen, nicht gleich wieder, gefolgt von einem „aber… “ alles relativieren, sich besinnen und sich ändern. Hinnehmen, wegducken und warten, bis es vorbei geht, geht nicht mehr.

  5. Ich befürchte nur, auf *diesem* Schlachtfeld wird man der Opposition der raunenden Apokalyptiker niemals beikommen können. Wer die Komplexität der echten Welt schlicht über Bord wirft und sie durch eine Groschenroman-Story mit viel Blut, finsteren Mächten und einsamen Kämpfern ersetzt, die mutig gegen den Strom anschwimmen, wird im Kampf um die schnelle Aufmerksamkeit immer die Oberhand haben. Bin ich zu pessimistisch? Ich hoffe es.

    @Maike: Ich halte es bei der ubiquitären Frage “was heißt denn schon Wirklichkeit” mit Philip K. Dick – Wirklichkeit ist das, was nicht weggeht, wenn man aufhört, daran zu glauben.

  6. Ich kann mit diesem Artikel leider so gar nichts anfangen. Erstmal kann ich dieses Gerede von Narrativen und Gegenerzählungen wirklich nicht mehr hören. Ich sehe auch nicht, was irgendwie neu, originell oder sonst wie weiterführend wäre, an dem was hier an „Gegenmaßnahmen“ angeführt wird. Ehrlich gesagt, weiß ich überhaupt gar nicht, worauf dieser Artikel hinaus will – außer einer ziemlich konfusen Zusammenstellung von Beispielen (Wer ist dieser Krah? Muss man den kennen, wenn man nicht auf Twitter ist?) und wohlfeilen Forderungen (besserer Journalismus und natürlich mehr „Erzählung“ auf der anderen Seite…).

    Und diese Asterix-Analogie ist ja nun wirklich völlig daneben. Hat der Mann denn nie Asterix gelesen? Die Römer hatten doch trotz ihrer einheitlichen Schlachtordnung nie eine Chance gegen die Gallier. Und jetzt sollen die Gallier die römische Strategie übernehmen? Das was Herr Schächtele da anbietet, ist jedenfalls nicht der Zaubertrank.

  7. Es gibt auch Frauen, die munter mitmischen: Karoline Seibt, Anabel Schunke, Jacqui Wütherich und Ronai Chaker.

  8. Das Problem mit den beiden Memen ist folgendes: Auch wenn Donald Trump vor der Wahl verkündet hatte, die Wahl nicht anzuerkennen, mein Bauchgefühl sagt mir, dass er noch etwas Nachwahlgetöse veranstaltet und sich dann von dannen gemacht hätte. Und seine Wähler und Fans hätten sich wieder ihren täglichen Sorgen zugewandt, so wie sie es mit seinem Gewinn auch machen. Solche Krawalle, wie wir sie jetzt zum Teil beobachten, hätte es meiner Meinung nach in der Tat nicht gegeben.

    Jetzt zum zweiten Meme: Hier stimme ich zu 75% zu. Auch die Konservativen haben sich Strohmannfeindbilder aufgebaut, auf die sie dann eindreschen. Das ist richtig.

    Aber sich mit „der Wirklichkeit“ anlegen? Linke haben die Wahrheit auch nicht für sich gepachtet, auch und gerade nicht zu Zeiten, in denen sie ihre Zeitungen danach benannt haben („Prawda“).

    Wirklichkeit ist ein sehr komplexes Gebilde, was jeder Straßenpolizist bestätigen kann, der schon mal Augenzeugeberichte eines Verkehrsunfalls aufnehmen musste. Und hierbei sind diese Augenzeugen meistens unbeteiligte Dritte mit keinerlei emotionaler Beziehung zu den Unfallbeteiligten!

    Und so baut sich unsere „Wirklichkeit“ aus Linken zusammen, die jeden zum Nazi machen, der nicht für unbegrenze Zuwanderung ist und Konservative, die Unisextoiletten für den Untergang der westlichen Welt halten

  9. @JanM
    Ich glaub dann halt trotzdem, dass das weggeht :-)
    @ DJ Doena
    In meiner Wirklichkeit ist diese Gleichsetzung von rechten und linken Verrückten falsch und politisch gefährlich.

  10. Ich bin zu faul zum Memebasteln. Krah geht mir am Arsch vorbei. Elsässer auch. Das Broder- und Tichy-Gefolge ebenfalls. Im Grunde alle alten Männer, die keine Visionen für einen lebenswerten Globus mehr haben, sondern die Flinte ins Korn geworfen haben und jetzt glauben, sie müssten das der Menschheit in einem Buch oder einem Blog mitteilen. (Trump und seine Speichellecker gehören auch dazu.)

    Die letzten drei Jahre habe ich gedacht, Counterspeech würde es bringen. Tut’s aber nicht. Es füttert die Hobbyhitler nur unnötig mit Energie. Ohne Gegner langweilen sie sich in ihren Kommentarspalten so sehr, dass sie aus Popel Endzeitszenarien formen oder sich eine blauädrige Steve-Bannon-Nase ansaufen.

    Ich habe definitiv keine Lust mehr, mich freiwillig und unbezahlt diesen ganzen schlechten Energien auf Twitter und FB auszusetzen. Seit Dezember mache ich Pause. Das tut mir gut.

  11. Na ja, „Wirklichkeit“ ist relativ zu akzeptierten Überprüfungsverfahren, hier eben journalistischen. Die werden in der BILD nicht so gut eingehalten, wie etwa in der New York Times. Krah, Trump u. a. erzeugen aber ihre Wirklichkeit Reality TV-mäßig (performativ). Dabei ist es Trump gelungen, auf von der digitalen Revolution aus der Gesellschaft Ausgeschlossene aufmerksam zu machen. Und sie stehen tatsächlich hinter ihm, wie Umfragen zeigen.
    Der Kampf gegen die „fake media“ besteht darin, auf diesen Exklusionsprozess aufmerksam zu machen.
    In Deutschland ist ein vergleichbarer Exklusionsvorgang durch die rotgrünes Hartzreformen in Gang gesetzt worden. So wurde ständig in Politik und Medien behauptet, die Arbeitslosigkeit nehme seit 2005 stetig ab. Tatsächlich wurde die Zahl der ALG I-Bezieher/innen halbiert. Dafür schwankte die Zahl der B. von Grundsicherung zw. vier und sechs Millionen, was in vielen Medien ganz selten erwähnt wird. Die SPD hat sich vor einem Monat entschlossen, das nicht mehr alternativfaktisch zu ignorieren. Wie es „wirklich“ war, wurde von der Bundesagentur keineswegs verschwiegen, von Politik und Medien aber doch überwiegend

  12. @Michael Frey Dodillet: Wenn ich Kai Schächtele richtig verstanden habe, dann fehlen genau die positiven Visionen („Narrative“) für einen lebenswerten Globus. Erstens in den Medien, aber ich denke auch im Bewusstsein vieler Menschen, denen es zwar gut geht, aber ohne dass ihnen die notwendigen Voraussetzungen („Meme“) bewusst sind – oder dass sie diese zwecks Replik gegen die rechten Vereinfachermeme zur Hand hätten.

    Kurz: Wir können nicht verständlich erklären, wie wir leben wollen und warum deshalb gewisse Grundlagen des fairen und friedlichen Zusammenlebens nicht zur Disposition stehen.

    Vielleicht kann man mit vielen rechten Angstbeissern nicht mehr argumentieren. Aber man kann ihnen immer entgegenhalten, warum man nicht in einer Welt nach ihren Visionen leben möchte. Und das wirkt auch auf jene, die den lauten Pooulisten hilflos gegenüber stehen.

  13. @Jaddy

    Ja, da haben Sie recht. Man muss innerlich allerdings sehr gefestigt sein, um sich mit seinen guten Gedanken und Ideen der Häme der populistischen Schwarzseher und ihrer Ashrams auszusetzen. Humor hilft auch ganz gut. Diese Leute lachen nicht gern.

    Beides ist mir unlängst abhanden gekommen. Sozialmediale Überdosis Hörig, Pirinçci, Compact, Storch. Ich bin selber schuld. Man muss sich nicht jeden Scheiß geben.

  14. Vielleicht habe ich die Brillianz des Artikels ja nicht erkannt, aber das einzige, was bei mir hängenblieb, ist, daß im Netz auch Menschen mit konservativer und/oder rechter Gesinnung ihre Meinung kundtun und daß Kai Schächtele das nicht mag.

    Eines aber weiß ich: Die Offenlegung wurde bei Übermedien bislang immer sinnvoll eingesetzt. Das hier ist die peinlichste, pseudo-lustigste „Offenlegung“ ever.

  15. „Eine Demokratie lebt vom Wettstreit der Ideen, von der leidenschaftlichen Diskussion und dem Kampf um die beste Problemlösung“. Das sind schöne und wahre Worte!

    Wenn man wie Kai Schächtele sich jetzt darüber beschwert, dass Diskussionteilnehmer „wie rechte Bots“ reagieren, muss man sich aber auch den Anfang dieser Entwicklung ansehen:
    Zuwanderungskritische Meinungen wurden in vielen Medien
    – Erst ausgeblendet
    – Dann diffamiert („Rassisten, Hetzer, Nazis“)
    Diskussion unerwünscht!

    Und jetzt:
    Hetze scheint es (auch bei Kai Schächtele) nur von rechts zu geben. Dass diese auch von links kommt, und teilweise auch Platz in unseren Leitmedien hat, wenn es darum geht mit allem Verfügbaren auf die AfD einzuschlagen, oder gar allen AfD Wählern des Rassismus zu verdächtigen (ZEIT Online), dann ist für mich auch Hetze!

    Auch viele Leidmedien sind weit davon entfernt andere Meinungen alles legitim und gleichberechtigt zu akzeptieren, ein „Wettstreit der Ideen“ eine „leidenschaftlichen Diskussion“ findet nicht statt.
    Willkommen in der Wirklichkeit!

  16. @Maike: Was im Moment passiert (und was der verlinkte Beitrag von Adam Tinworth ganz schlüssig aufzeigt), ist, dass eine zahlenmäßig im Vergleich kleinere Gruppe ein Klima erzeugt, dass unsere Gesellschaft und unsere Politik jetzt schon verändert, obwohl es dafür, zumindest bei uns, noch gar keine parlamentarischen Mehrheiten gibt. Diejenigen, die diesen Kurs vehement einfordern, mobilisieren sich. Die heterogene Gruppe der DemokratInnen, wie Sie sie nennen, tut das nicht, zumindest nicht in vergleichbarer Weise. Natürlich gibt es keine Wirklichkeit, auf die sich alle einigen können, Watzlawick grüßt herzlich aus seinem Grab. Aber wenn wir uns, wie @JanM vorgeschlagen hat, darauf einigen würden, dass Wirklichkeit nicht da aufhört, wo die die Welt da draußen nicht mehr ins Weltbild da drinnen passt, wäre schon viel geholfen, gerade jetzt.

    @DJ Donna: Es geht nicht darum, mit einer linken Verschwörung a la Prawda dagegen zu halten, sondern an einem Klima mitzuwirken, dass erstmal die Grundlagen dafür schafft, im Rahmen einer Demokratie, wie zumindest ich sie mir wünsche, über politische Lösungen zu diskutieren. Und da stehen sich dann die politischen Seiten gegenüber, so wie immer.

    @Martin Pöttner: Ich stimme Ihnen völlig zu. Und genau deshalb ist es so wichtig, diesen so elementaren Diskurs denen aus den Händen zu reißen, die ihn für ihre eigenen Zwecke missbrauchen.

    Und @Raoul: Die ist gar nicht so lustig gemeint, wie Sie denken. Als Journalist ist man heute im Verdacht, entweder von der Regierung indoktriniert oder Mitglied eines sogenannten Establishments zu sein. Jede Äußerung wird damit diffamiert.

  17. Das fehlende Gegen-Narrativ ist zurzeit eines der beliebtesten Trost-Narrative derer, die sich von der Volksarmee der Merkel-&Ausländer-Hasser bedroht fühlen. Es würde sozusagen nur an der richtigen Kommunikation fehlen. Wie kann das denn sein!? Die Diagnose der Neurechten ist ja nicht verkehrt, dass die vorherrschenden Werthaltungen gegen die primitive Sicht der Dinge gerichtet sind. „Wir sind Papst“, können Links-Grüne sogar sagen. SPD und CDU haben eine solide Mehrheit. Die extremistischen Positionen der AfD finden kaum Anklang, positive Artikel zur AfD in den auflagestärksten Magazinen und Zeitungen sind, glaube ich, noch nicht verfasst worden, auf keinem Fall in großer Zahl.
    Es fehlten also nicht an klarer Front, sondern am Erschüttern der erstarrten Positionen. Das nach meiner Erfahrung einzige geeignete Mittel dafür ist der Dialog. Der beginnt nicht mit „Dagegenhalten“, sondern mit Aufnehmen: Was sagt da jemand? Was meint er? Wo drückt der Schuh? Das tun Linke aber nicht, vermutlich aus Frucht, in intellektuelle Dilemma-Situationen zu geraten. Lieber stecken sie alle in einen Sack, da wird dann, wo man schon mal beim Sichblindstellen ist, auch Ronai Chaker oder Annabel Schunke zusammen mit Krah und Elsässer zusammengeworfen (als würde Chaker nicht ständig dem Krah eins überziehen, dass es kracht), Stempel auf den Sack drauf „Rechte Rassisten“ und schon haben sich Diskussion und Dilemma erledigt.
    Wo liegt der Fehler? Der Fehler liegt dort, wo man das Problem der Gegenseite für inexistent erklärt. Die Konservativen haben das in den 70er Jahren gegenüber denen getan, die für mehr Naturschutz eintraten. Da gingen sogar CDUler der CDU von der Fahne. Danke, das hat die Grünen groß gemacht, weil das Verdrängen des Problems es am Ende größer werden lässt. Irgendwann bekommt jeder das Problem, das er hat (gut möglich, dass die grünen im Herbst nicht die 5% mehr schaffen). Heute verhält sich nämlich ein Teil des Links-Grünen-Milieus ebenfalls als Problemvergrößerer, jedenfalls ist das der zentrale Vorwurf, der im Raum steht und der durch keine Erzählung aufzulösen ist. Vermutlich kann man über alles reden bei Bier und Rohkostsalat, wenn man nur unideoologisch genug wäre, um die Frage zuzulassen, wie ein theoretisch unbegrenzter Zuzug von Flüchtenden aus buchstäblich aller Welt praktisch zu bewältigen ist? Gegenüber dieser Frage sind jede Menge „Gegenerzählungen“´im Umlauf, die meist nur aus einem Stempelwort bestehen. Da liegt die Asymmetrie. Genauso wie die Naturschützer seinerzeit massiv die Wände hochgingen und zu Kämpfer wurden, als die massiven Landschafts- und Artenschutzprobleme als Panikmache abgebürstet wurden, genauso treibt man heute Menschen in die Wut, wenn man ihre praktischen Fragen für übertrieben, gehässig, rassistisch erklärt. Immerhin, sie machen es ja ihren Gegner so einfach wie möglich. Die Hatespeech-Vorwürfe sind ja perfekt, um dem Problem ausweichen zu können: „Wenn sie so anfangen, dann rede ich keine Sekunden länger mit ihnen!“ Und diese Nervgestalten wie Krah oder Kolja Bonke haben es ja geradezu als Strategie, die Dialogfähigkeit zu sabotieren – russischer Spaltungs-Infowar spielt da vielleicht auch mit. Das diskreditiert sich ja alles von selbst, auch in den AfD-Fan-Gruppen wird nur noch so erbärmlich im eigenen Brei von Hass, Verzweiflung und Dialogunfähigkeit gerührt, dass man sich darum eigentlich nicht kümmern muss – der Wirrsinn streut kaum in die Gesellschaft hinein. Was sich zunehmend ausbreitet, ist die Aufmerksamkeit für die praktischen Probleme. Der Fall Anis Amri hat das aufgedeckt. Wenn jetzt bei der Registrierung von Flüchtenden, die keine Papiere haben, ersatzweise ins Handy geschaut werden soll, gibt es sofort Grüne, die voll in die Falle tappen und gleich „dagegenhalten“: Geht gar nicht. Das ist okay. Aber dann muss eine bessere Idee auf den Tisch, und nicht eine „Gegenerzählung“.
    Haltung ist die bequemste Form der Politik überhaupt, wenn man Opposition ist. Haltung löst aber keine Probleme. Man löst sie auch nicht dadurch, dass man sie für nicht wirklich vorhanden erklärt.
    Die Bevölkerung merkt schon, dass die Werte-Parteien (Linke, AfD, Grüne) nicht die kompetentesten Lösungen bringen. Es gibt ja sogar schon Grüne, die insgeheim an der Pragmatikerin und Problemanalytikerin Merkel hängen. Gibt es überhaupt irgendwen bei Linken und Grünen, die die derzeit heißesten Probleme nicht nur als Haltungsfrage, sondern auch als schnöde Praxisfrage analysieren? Das ist ja auch DIE Schwäche der AfD, dass sie viel politischen Krawall für ein politisches Programm machen, dass praktisch nur Müll wäre.

  18. @16
    Ach Gott, sind wir wieder armes Opfer von „vielen Medien“.
    Wo sind denn die achsotollen Ideen, die es sich lohnt in einen „Wettkampf“ zu schicken?

  19. es gibt echte selbstbewusste Männer, die leben im Alltag.
    Es gibt weinerliche Angsthasen, die twittern sich selbst die Welt schlecht.

  20. Denjenige, die permanent behaupten, „grün-links-blablabla“ blende die angemahnte Flüchtlings-Katastrophe aus, sei gesagt, dass sie sich in die vielschichtige Diskussion um die Verhinderung von Fluchtursachen einklinken sollten, lösungsorientiert, kritisch usw.
    Oder sind das lauter Maurer-Lobbyisten, die nur noch Mauern können?

  21. @21

    Ja, sind es. Und damit ihr Unsinn Sinn macht, warnen sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit vor einem „theoretisch unbegrenzten Zuzug von Flüchtenden aus buchstäblich aller Welt“ nach Deutschland (siehe #18) und möchten auf allen Kanälen darüber sprechen. Dabei kommt in Wirklichkeit kaum einer.

  22. „Ihre Mission: uns vor der Apokalypse zu warnen, weil sie Gefahren auf uns zukommen sehen, die anderen noch verborgen bleiben“
    Dieses Muster ist weder neu noch auf eine politische Strömung beschränkt. Man könnte es ein universelles Oppositionsmuster nennen.
    Welche Narrative haben die Panik vor dem „Waldsterben“ besiegt? Es war allein das Ausbleiben des Weltuntergangs, also die Zeit.
    Kolja Bonke erzählt übrigens nie Geschichten: er verlinkt konsequent nur Meldungen etablierter Zeitungen und der Polizei und schreibt so etwas wie „Faustdicke Überraschung:“ davor. Hass findet man bei ihm nicht, nur beinahe genormten Sarkasmus. Es ist deshalb nicht möglich, ihn mit der FakeNews-Keule zu verfolgen, ohne etablierte Medien oder Behörden zu treffen, und auch nicht mit der Hatespeech-Keule. Seine Mission ist ebenso simpel wie wirksam: die Meldungen sollen nur das ursprünglich rosarote Narrativ von der Willkommenskultur ad Absurdum führen (aus der sowieso auch schon eine Abschiedskultur geworden ist). Seine Timeline ist nützlich, gerade weil er nichts Grundsätzliches (nach Höcke-Art) behauptet. Ich kenne keinen Tweet von ihm, der ihn daran hindern würde, mit einem ordentlichen Flüchtling ein Bier zu trinken und darüber auch zu twittern. Insofern agiert Bonke klug. Er ist durch kein Narrativ widerlegbar. Falls ihm in 1, 2, 3 oder 5 Jahren die einschlägigen Meldungen ausgehen sollten oder sie niemanden mehr interessieren, kann er es einfach beruhigt bleiben lassen und noch ein Bier trinken.
    Oder gibt es irgendwo da draußen vielleicht irgendwo eine Timeline mit Meldungen zum Waldsterben? Oder einen grünen Politiker, der konsequent zu Fuß geht, um den Wald zu retten? Nö, grüne Politiker schlagen heute fiese Schneisen in die schönsten Wälder, um Wege zu Windmühlen auf den Gipfeln zu bauen. C’est la vie.

  23. @Nr. 18 Fritz IV
    Schauen Sie sich die Beiträge an, die als Antwort auf die Aufforderung des Autors „An die Meme!“ geschrieben wurden (z.B. Nr. 11 „Ich bin zu faul zum Memebasteln.“)
    Wenn Sie so ‚was lesen, was erwarten Sie dann noch?
    So gut Ihr Text auch geschrieben ist, er bewirkt gar nichts. Das Dialogangebot ist sinnlos.

  24. Früher haben linksextreme Spinner ihre Weltverschwörungstheorien in irgendeiner Kolchose abgeladen. Mit dem Internet und seiner Kommerzialisierung versuchen nun die Ewiggestrigen im Zuge der Überreste der Merkelschen Politik sowohl die Zuhörerschaft, als auch die Einnahmen mit solchem wirren, populistischen Mist zu vergrößern. Wen interessieren schon die hetzerischen Faschismusphantasien überbezahlter Schwätzer im immerwährenden Kampf gegen das faschistische Bildungsbürgertum? Kriegsrethorik von römischen Marschkolonnen, Aufrüstung und Waffen erinnert eher an den toten Mussolini; der Vorwurf des linken Faschismus kommt offensichtlich nicht von ungefähr. Ebenso die Erkenntnis, dass Breitbart und Co. vor 5 Jahren noch bedeutungslos bzw. nichtexistent waren, aber man sich heute als deren Opfer aufführt und sich dabei auch nicht zu schade ist, die dann doch noch eingeräumte ideologische Berichterstattung als Rechtfertigung für den imaginären Kampf für bürgerliche Freiheit zu missbrauchen.
    Letztenendes bleiben solche „Journalisten“ immer als gescheiterte Existenzen erkennbar; die Welt ist ein Dorf und diese Journaillie ist ihre Kolchose- verkrachte Randexistenzen.

  25. @Kai Schächtele
    Ich finde dass der von Ihnen vorgeschlagene Claim „dass Wirklichkeit nicht da aufhört, wo die die Welt da draußen nicht mehr ins Weltbild da drinnen passt, wäre schon viel geholfen, gerade jetzt“, nicht wirklich geeignet ist, sich hinter ihm zu versammeln. Ich würde nicht mal von mir selber behaupten, dass ich „die Welt“ und „mein Weltbild“ klar auseinanderhalten kann. Und Wolfgang Schäuble kann das schon gar nicht – finde ich, er selbst sieht das anders.
    Und, dass große Teile der parlamentarisch gewählten Repräsentanten, in vorauseilendem Gehorsam die Forderungen derer, die noch gar keine parlamentarische Mehrheit haben, umsetzen (falls ich Sie da richtig verstanden habe), Sorry, das könnten die doch jetzt schon ganz einfach ändern. Durch Seinlassen.
    Im Übrigen hoffe ich, dass, Menschen wie der von Ihnen beschriebene Rechtsanwalt Krah, trotz zahlenmäßiger Unterlegenheit deswegen so viel Internetpräsenz haben, weil es den „Demokratinnen“ einfach irgendwann zu blöd wird, dieser ganze aggressive Internet-Mist und sie eben noch was Besseres in der sogenannten echten Welt zu tun haben und sich zurückziehen. Natürlich ist das, was im Internet passiert wichtig, aber es ist hoffentlich doch auch ein nicht ganz repräsentativer Ausschnitt.
    Wenn ich nun Ihren praktischen Vorschlag als unpraktikabel bezeichne, muss ich natürlich schon sagen, was denn sonst gemacht werden soll. Ich für mich, mache das, was ich sowieso mache, ich versuche durch mein Handeln, also das, was ich im realen Leben mache, für meine demokratischen Prinzipien einzustehen und zum Beispiel Rassismus entgegenzuwirken.

  26. @Kai Schächtele
    Wie sagt Maike doch so schön: „Ich finde dass der von Ihnen vorgeschlagene Claim „dass Wirklichkeit nicht da aufhört, wo die die Welt da draußen nicht mehr ins Weltbild da drinnen passt, wäre schon viel geholfen, gerade jetzt“, nicht wirklich geeignet ist, sich hinter ihm zu versammeln.“

    Sie brauchen gute Nerven, das steht mal fest. Weiterhin viel Glück mit den „DemokratInnen“, Herr Schächtele.

  27. Ich würde gerne etwas zu der Bemerkung „dass jedes Verbrechen eines zu viel ist“ sagen. Ich finde das nämlich nicht selbstverständlich. Und das wurde eigentlich auch schon so häufig gesagt: Wir haben Möglichkeiten, mehr Sicherheit zu schaffen, aber sie sind mit Abstrichen verbunden: In Komfort und Privatsphäre zum Beispiel. Und mit Kosten. Und dazwischen gilt es das Gleichgewicht zu finden.

    Natürlich kann man sich als Politiker nach einem Gewaltverbrechen nicht hinstellen und sagen „mit fünf Verbrechen dieser Art im ersten Quartal liegen wir im vorgesehenen Rahmen, wir werden also an unserer Strategie nichts ändern“. Dass ein Politiker es nicht aussprechen darf, macht es aber nicht falsch.

    Worauf ich also hinaus möchte (auf die Gefahr hin, Haare zu spalten, und der letzte zu sein, dem das beim Gebrauch dieser Formulierung nicht implizit klar ist): Ich denke, es ist nicht jedes Verbrechen eines zu viel. Erst zu viele Verbrechen sind zu viel. Verbrechen, die im Rahmen bleiben, sind ein kalkuliertes Risiko. Es gibt definitiv Situationen, in denen diese Aussage geschmacklos wäre, aber es gibt auch solche, in denen sie, meines Erachtens, angemessen ist.

  28. @Fritz Iv: Ich gebe Ihnen in einem Punkt völlig recht. Das Einzige, was uns wirklich voranbringt, ist der Dialog, gerade mit denjenigen, die eine andere Sicht auf die Dinge haben, weil sie etwa in jedem Anschlag die Erfüllung eines apokalyptischen Szenarios sehen und sich deshalb nicht mehr trauen, mit dem Linienbus zur Arbeit zu fahren oder zu einem Faschingsumzug zu gehen, oder weil sie wütend sind auf einen Staat, von dem sie das Gefühl haben, er übervorteile aus einem falsch verstandenen Humanismus alle zu uns Flüchtenden und vernachlässige seine eigenen Bürger. Solche Gespräche sind notwendig, weil sie im Kleinen Verständigung und Verständnis ermöglichen, wo man sich andernfalls in wildem Gezänk einander gegenüber stünde. Und weil sie im Großen Politik möglich macht, die auch die für die eigene Anschauung unangenehmen Fragen stellt und nach Antworten sucht. Dass dieser Dialog auch dadurch massiv behindert wird, dass jeder, der solche Sorgen äußert, zu einem Rechten abgestempelt wird, auch in den Medien, wo sich der Zuschauer dann etwa den vor Lachen wackelnden Bauch halten kann, weil die heute show mal wieder jemanden zum Lackaffen gemacht hat, ist unerträglich. Aber mir ist die Erklärung zu einfach, dass die in den Social Media-Kanälen grassierende Hetze eine Gegenreaktion gegen einen Ideologiefuror wäre. Im Gegenteil, deren Wortführer machen sich das Unbehagen zunutze, weil sie jetzt die Gelegenheit sehen, Deutschland das 68ern auszutreiben mit allem, was an Antidiskriminierung- und Emanzipationspolitik eingezogen ist, so wie es der verehrte Trump und sein Bannon (oder andersrum) in Amerika gerade vormachen. Und diese Leute müssen sehen, dass es eine nicht nur schweigende Mehrheit gibt, die sich das nicht länger bieten lässt, weil die Atmosphäre, die dadurch entsteht, dazu führt, dass das Land eben nicht nur über die notwendige Lösungen für die praktischen Probleme diskutiert und beschließt, sondern auch über die völlig unbrauchbaren wie Fußfesseln für Gefährder, die keinen anderen Zweck haben als hartes Durchgreifen zu simulieren.

  29. @Nr. 27 Maike
    „In aller Freundlichkeit: Sehr konstruktiv finde ich Ihre Beiträge nicht.“

    Da mir zu Ihren Beiträgen nichts mehr einfällt, muß ich gestehen:
    Sie haben mit obigem Satz absolut recht!

  30. @Blinse
    Ich kapiere schlicht nicht was Sie wollen. Wenn ich Sie richtig verstehe, gefällt ihnen einer meiner Beiträge aber auch der eines anderen Kommentierenden nicht. Das bringen Sie zum Ausdruck, aber ohne auch nur irgendeinen eigenen Beitrag/Argument. Das kann man ja so machen, aber wundern Sie sich dann echt, dass die Leute die Lust verlieren, im Internet zu diskutieren, ich mich nicht.

  31. @ Schnellinger #31
    „Er sagt sich nur Mist aus den Finger:“
    Er zitiert aus dem archivierten Artikel der Berliner Zeitung und fügt ein „Erstaunlich, dass“ hinzu. Das sollte reichen, um seine Methodik zu erläutern. Die Beschränkung auf etablierte Medien, die Auswahl und der lakonische Kommentar sind sein Prinzip. Juristisch ist das absolut unangreifbar. Jeder, der da reinschaut, muss aber wissen, dass diese Timeline in keinem Sinne ein repräsentatives Bild produziert. Es ist ein entschiedenes Gegenbild zu dem, was er an Rosarot-Färbung im globalen Bild der Politik und etablierten Medien vermutet, und damit schon per Konstruktion ohne Zweifel einseitig. Wer nur Bonke liest, hat ein Wahrnehmungsproblem, keine Frage.

  32. @Andreas Müller: Die Geschichte, die Kolja Bonke erzählt ensteht nicht dadurch, dass er lange breite Texte schreibt sondern dadurch, sich die richtigen Texte zum Verlinken auszusuchen. Genau das ist die Art subtiler Geschichtenerzählung um die es viel zu selten geht. „Ich habe nur verlinkt“ kann man dann sagen, dass man Artikel zueinander in Beziehung setzt ist dann ja egal.

  33. @35
    Bonke entwirft also „ein entschiedenes Gegenbild zu dem, was er an Rosarot-Färbung im globalen Bild der Politik und etablierten Medien vermutet“ indem er auf die etablierten Medien verweist um herauszustellen, was von eben jenen rosarot gefärbt wird?

    Excel streicht einem soetwas als Zirkelbezug an …

    Und gegen sowas soll ich meine kostbare Zeit opfern um einen „Gegen-Narrativ“ aufzubauen?

    Ich plädiere an der Stelle für mehr Geld für Bildung im Sinne des humboldtschen Bildungsideals damit die Menschen auch ohne Fake-News-Ministerium (was passiert eigtentlich, wenn das dann irgendwann mal von der AfD geführt wird?) dummen Schwachsinn als ebensolchen erkennen können

  34. @Kleitos
    Ich glaube, dass es weniger um „Wissen“ als um „Fühlen“ geht. Mehr Bildung, also mehr Wissen hilft da dann gar nicht direkt. Vielleicht indirekt, weil es möglicherweise zu mehr Selbstbewusstsein führen kann. Ich denke, dass die meisten AfD- oder auch Trump-WählerInnen jetzt schon wissen, dass nicht alles, was von dort behauptet wird, der „Wahrheit“ entspricht. Es ist ihnen aber egal, weil es ihnen um was anderes geht (Ausdruck von Wut, Verzweiflung, Protest und so etwas).

  35. Ja die Wirklichkeit. Ich war lange Zeit auch ein Freund offener Grenzen und unbegrenzter Zuwanderung. Alles so schön bunt hier, alles kein Problem. Bis das Kind zu Schule musste. Da stand ich dann vor der Frage ob ich bereit bin mein Kind in eine (öffentliche) Grundschule mit > 90% Migrantenanteil, von denen ein drittel kein Deutsch sprechen, zu schicken. Habe ich (sehr) kurz drüber nachgedacht. Bin ich nicht. Mit dieser Entscheidung kann ich jetzt schwerlich für offene Grenzen plädieren. Anderen mag das gelingen mir nicht. So war es passsiert: Wirklichkeit 1 – Leo 0. Aber zur Not ist es mir lieber für einen Afd-ler gehalten zu werden als ein Salonsozialist zu sein.

  36. @Leo
    Wie wäre es denn, vorerst mal über eine andere Verteilung von Schülern an Schulen zu diskutieren (oder anderen Maßnahmen, denen von ihnen beschriebenen Missständen zu begegnen), anstatt direkt die Grenzen dicht zu machen? Die direkte Verknüpfung von ich nenne es mal „negativen Auswirkungen von Migration“ mit Grenzpolitik finde ich manchmal etwas zu kurzschlüssig. Zum Beispiel auch im Fall Amri. Da wird ja immer gesagt „hätten wir die Grenzen dicht gehabt, hätte es den Anschlag nicht gegeben.“ Das stimmt ja sogar. Aber genauso ist der Satz richtig: „Hätte die Polizei die bereits geltenden Gesetze ordentlich umgesetzt, wäre der Anschlag auch nicht passiert.“ Oder?

  37. @Leo: Dieses Phänomen, dass Eltern an sich selbst beobachten, wie sie sich wenn es um ihre Kinder geht weniger liberal verhalten als sie es von sich gewohnt sind, ist bekannt (vlt. bekanntestes Beispiel: Berlin Mitte, das mittlerweile mit Berlin Wedding einen Bezirk bildet; das wirkt sich natürlich auch auf den Einzugsbereich der Grundschulen aus). Es gibt auch Studien darüber, dass schwangere Frauen xenophober sind als sie das vor der Schwangerschaft waren oder nach der Schwangerschaft wieder sind. Dafür gibt es Gründe; einige davon sind biologisch.

    Wo ich Ihnen nicht folge, ist wenn Sie in dieser anderen, unvertrauten Seite, die sie an sich kennen lernen, auf einmal ihr wahres Ich gefunden zu haben glauben. Es ist erst einmal nur eine weitere Seite. Eine, die sie offenbar erst ziemlich spät entdecken — ist die plausibelste Erklärung wirklich, dass Sie sich die ganze Zeit selbst belogen haben?

    Ich habe leider schon zu häufig den von Ihnen beschriebenen Orientierungsprozess beobachtet, in dem jemand erst schließt, es belögen sich alle selbst; er aber sei der einzige, der es sähe und sich eingestünde. Das hat dann zwei Folgen: Der Feedbackschleife, die sich aus dem erhabenen Gefühl ergibt, etwas als einziger zu verstehen, ist nur schwer wieder zu entkommen. Außerdem und auch deswegen ist es sehr anstrengend, sich mit so jemandem auseinanderzusetzen; entsprechend stellt man die Debatten oder gar den Kontakt dann irgendwann komplett ein. Damit ebbt dann die Widerrede vollkommen ab. Ohne diese Verbindung zu sehr betonen zu wollen: Es ist die gleiche Feedbackschleife, die auch Verschwörungstheoretiker ergreift und nicht mehr loslässt.

    Ich male das alles einfach mal für Sie an die Wand, in der Hoffnung, Ihnen einen kleinen Schreck damit einzujagen. Wenn Sie sich darin nirgendwo wiederfinden, umso besser. Wenn doch, denken Sie doch bitte mal darüber nach.

  38. @Leo
    Nun, Leo, jetzt haben Sie 2 prima Antworten auf Ihre ich nenn’s mal innere Einstellung bekommen, das müßte eigentlich reichen, um wieder *anständig* durch’s Leben zu kommen : )

    @Maike
    Spaß beiseite: Wie, liebe Maike, kann man so etwas schreiben und es auch noch ernst meinen? Zitat: „Die direkte Verknüpfung von ich nenne es mal „negativen Auswirkungen von Migration“ mit Grenzpolitik finde ich manchmal etwas zu kurzschlüssig.“ Der Familienvater Leo hat diese Verknüpfung zu spüren bekommen, sie ist in seiner Realität angekommen. Würden Sie, Verehrteste, das bitte mal zur Kenntnis nehmen?
    Und weiter: „„Hätte die Polizei die bereits geltenden Gesetze ordentlich umgesetzt, wäre der Anschlag auch nicht passiert.“ Erklären Sie mir oder der Groko oder irgendeinem Ihnen mehr geneigtem Leser hier, wie die Polizei die geltenden Gesetze umsetzen soll, wenn sie zahlenmäßig zu dünn besetzt ist und dieses Land in 2015 regelrecht geflutet wurde mit einer Riesenzahl an Flüchtlingen in sehr kurzer Zeit. Die Chefin hat Chaos angerichtet und es ist noch nicht vorbei. In diesem Chaos die Polizei an den Pranger zu stellen, ist ein ganz trauriger Witz.
    Es kommt mir so vor, Sie, liebe Maike, basteln solange an allen möglichen Szenarien, die sich neben der sich tatsächlich abspielenden Realität hätten ebenfalls ereignen können, bis Sie selbst nicht mehr wissen, in welcher Matrix Sie jetzt gerade sind.

    Sie können gern davon träumen, daß die Schulproblematik durch bessere Verteilung zu lösen wäre und daß die Polizei nur gewissenhaft Ihren Dienst tun müsse, dann wäre alles in Ordnung. Abgemacht! Ich träum‘ mal kurz mit, habe da allerdings noch eine Frage: Wo ist die Regierung bzw. Partei, die das umsetzt?

    @Anonym
    Respekt, werter Anonym, den guten Leo zu Brei geredet, das muß man erst mal nachmachen. Vielleicht war ja Leo schwanger und nicht seine Frau, dann wäre alles biologisch zu erklären. Toll!

    „Ich male das alles einfach mal für Sie an die Wand…“ Das Bild seh ich vor mir. Schreiben kannst du, Hut ab.

  39. 2015 wurde gar nix geflutet. Und schon mal überhaupt nicht „regelrecht“.

    Im Übrigen empfehle ich wirklich, die „Männer, die wie rechte Bots agieren“, nicht allzu ernst zu nehmen. Das ist nix anderes als ein etwas größerer Muppet-Show-Balkon im Netz.

  40. @Blinse
    Ich diskutiere gerne mit Ihnen (sofern ich Ihnen nicht zu realitätsfern bin, dann müssen wir es lassen). Aber könnten wir freundlich sein? Alles andere finde ich unproduktiv. „Verehrteste“ ist ja noch fast nett. Sie können mich ruhig mega-dumm finden, aber sagen Sie es nett, okay.

    Also: Ich meine das, was ich sage, total ernst.
    Vielleicht habe ich mich bezüglich des Falles Amri etwas unklar ausgedrückt. Ich wollte dessen Nicht-Festsetzung keinen individuellen Polizeibeamten in die Schuhe schieben. Ich wollte lediglich sagen, dass wenn die geltenden Gesetze umgesetzt worden wären, wozu es möglicherweise (dazu kenne ich mich mit dem konkreten Fall zu wenig aus) gekommen wäre, wenn die Polizei mehr Beamte hätte, dann wäre der Fall nicht passiert. Mit anderen Worten, die Option keine Flüchtlinge ins Land zu lassen (Was ja so gefordert wird) ist nur eine Möglichkeit, Terrorismus vorzubeugen.

    Genau dasselbe mit der Schule: Ich habe doch gar nicht geschrieben, dass das, was Leo schreibt, nicht real ist oder ihm seine Erfahrung abgesprochen. Dennoch finde ich auch in dem Fall, dass es gegen eine schlechte Situation in Schulen andere Möglichkeiten gibt, als Zuwanderungsstopps. Und da bin ich ja nun auch nicht die Einzige.

    „Wo ist die Regierung, die das umsetzt?“, fragen Sie dann. Ich persönlich würde da mehr Hoffnung in eine Regierung mit einer starken linken Beteiligung setzen als in eine Regierung mit starker CDU/FDP. Ich ahne bereits, dass Sie das anders sehen.

  41. Zur Grundschulproblematik:
    Man könnte Maßnahmen ergreifen, die der Ghettoisierung entgegenwirken, indem man Asylsuchende und -habende gleichmäßig verteilt. Ja, manche sehen das als einen Eingriff in die freie Wohnortswahl, und ja, manche wollen nicht, dass Flüchtlinge gleichmäßig auf _ihre_ Stadt oder Gemeinde verteilt werden. Wäre aber besser für Schulunterricht.
    Die andere Möglichkeit wären Grundschulen mit Deutsch als Fremdsprache. Die müsste man erstmal bauen, bzw. mal gebaut haben.

    Man kann im übrigen für eine Lösung des Problems sein, die _nicht_ in einem Flüchtlingsstopp besteht, und trotzdem sein Kind auf eine Schule mit mehr Deutschsprachigenanteil schicken, weil man mit der Einschulung ja nicht warten kann, bis das Problem gelöst ist.

  42. Ich äußere mich selten, weil ich sofort das Gefühl habe, ich werde damit einem ideologischen Lager zugeordnet, oder müsste mich im Sinne eines Lagers äußern. Je mehr ich hier, auf den Nachdenkseiten, im BildBlog oder wo auch immer ich in Medien, unterwegs bin, geht es im Grunde nur darum Recht zu haben, seine ideologische Meinung bestätigt zu wissen. Ich bin inzwischen der Überzeugung das genau dies das Problem ist. Es geht nicht um gelebte Werte, die in allen Lebensbereichen, konsequent ungesetzt werden und damit auch persönliche Opfer kosten werden. Man pickt sich raus was gerade zu passen scheint und beharrt darauf. Das machen Rechte, Linke, Mitte, Gleichgültige, Engagierte, Dicke, Dünne, Arme, Reiche, usw. In diese Richtung, Lagerkampf, geht auch dieser Artikel und viele Kommentare. Eine Lösung könnte sein, das ist inzwischen meine Überzeugung, ein gemeinsamer gelebter Werte Kontext sein, der nicht Gegenstand einer ideologischen Meinung ist.
    Diesen hätten wir sogar schon das GG, nur würde darum zu werben und zu streiten, selbst bei vielen, die es gut meinen schon wieder persönliche Opfer notwendig. Vieles was wir so den ganzen Tag treiben, auch ohne Rechts oder überhaupt politisch zu sein, wäre dann nicht möglich und würde Opfer erfordern. Da hört es nur meist auf, mit gut sein wollen, da opfern wir lieber unsere Integrität und warten mal ab. Sich richtig zu fühlen, ist eben leichter als richtig zu sein (ja ich weiß, wer bestimmt was richtig ist – siehe GG). In dem Sinne ziehe ich mich wieder zurück und lese weiter :-)

  43. Sorry habt ihr meinen Kommentar von gestern zensiert? Was passt euch den nicht an meiner Meinung, danke für den Einblick darin, wie ihr tickt.

  44. @Joachim
    Ich denke auch manchmal, dass viele Menschen nicht bereit sind, für ihre Werte viel zu geben oder sogar vielleicht aufzugeben. Das Wort „opfern“ mag ich irgendwie nicht so, keine Ahnung, warum. Viel politisches Engagement hört auch da auf, wo der Spaß aufhört. Da würde ich Ihnen zustimmen Viele Grünen-Wähler gehen in den Biosupermarkt, aber fliegen nach Mallorca, was ja nun wirklich nicht gut für die Umwelt ist. Allerdings kenne ich auch sehr viele Gegenbeispiele, ich kenne viele Leute, die sich für Flüchtlinge engagieren, was denen häufig überhaupt keinen Spaß macht, sondern oft sehr traurig ist, also „Opfer“ erfordert, wenn Sie so wollen.
    Mit der Aussage, dass es vielen Menschen ums Recht haben geht, haben Sie wiederum auch Recht. Aber es geht den meisten doch gleichzeitig auch darum, andere zu überzeugen, weil wir halt, das, was wir glauben, für das Richtige halten. Ich glaube, dass da nur hilft, selber mit gutem Beispiel voranzugehen, und eben nicht so „rechthaberisch“ zu sein, sondern sich eher um Verständigung zu bemühen.
    Im übrigen bleibt einiges, was Sie schreiben für mich etwas unklar. Warum zum Beispiel erfordert es unbedingt Opfer, für das Grundgesetz zu werben? Ich finde, dass das sehr gut ohne große Opfer geht.

  45. @Stefan – Sorry für meine Ungeduld, habe es gesehen als ich den zweiten abgesendet habe :-). Wäre auch schade weil ich diese Seite und BildBlog aufgrund der klugen und neutralen Fakten Recherche sehr schätze.

    @Maike – Danke für die Antwort, ich bin inzwischen auch der Meinung, dass man bei sich selbst anfangen muss.
    Der Hinweis auf das Grundgesetz plus „Opfer“ war als Minimalanforderung akzeptierter, Werte gemeint. Alles andere ist sowieso Meinung oder „ideologische Interpretation“ von Werten, deren Vielfalt man halt respektieren muss.

    Mein Hinweis auf das GG is schon ein wenig von dem Frust geprägt, das alle Welt (sehr viele) scheinbar eine Menge Energie darauf verwendet die eigene „Ideologischen“ Ansichte anderen auf das Auge zu drücken, mit welchen Mittel auch immer. Überzeugen wäre ein Austausch von Fakten und Meinung, was seltener der Fall ist.

    Dabei kann ich nicht feststellen das man sich auch nur die Mühe macht, mal darüber nachzudenken, wie wenig man anderen Menschen das zugesteht was man selbst einfordert. Ich halte inzwischen jede Ideologie für fehlerhaft, weil es keine einzige gibt, die nicht alle anders denkenden ausgrenzt. Das steht aber nicht in Artikel 1 GG.

    Dort steht auch nicht, ich bin das wichtigste und Hauptsache mir geht es gut. Es kümmert aber nicht allzuviele, ganz gleich ob die regierenden in unserem Namen diese Artikel (entschuldige die Ausdrucksweise) in den Dreck treten, oder wir selbst.

    Dein Hinweis auf die vielen Helfer für Flüchtlinge macht es für mich leider nicht besser. Viel zu oft habe ich erlebt, dass sich in bestimmten Aspekten bemüht wird, aber alle anderen vernachlässigt werden. Das kann man aber nie pauschal beurteilen sondern nur bei der individuellen Person. Um es zu verdeutlichen was ich meine, ich kann so vielen Flüchtlingen hier in D helfen wie ich will, wenn ich nicht gleichzeitig etwas gegen die tägliche „Wahnsinn“ unternehme, Sklavenarbeit in der Dritten Welt zu unserem Vorteil, Waffenlieferungen unserer Regierung (mit der Folge noch mehr Flüchtlinge), Freihandelsabkommen Afrikanische Staaten auf das Auge gedrückt etc. usw. und so fort.

    Ich wollte nur klären, was ich mit meinem Hinweis auf das GG gemeint habe. Anstatt allen unsere Ideologie auf das Auge zu drücken, sollten wir mal anfangen die Minimal Anforderung an Werte zu leben. :-) Ist nicht persönlich gemeint, weil ich dich nicht kenne, daher war auch nichts persönlich gemeint.

  46. @Joachim,
    Du sagst: „Dein Hinweis auf die vielen Helfer für Flüchtlinge macht es für mich leider nicht besser. Viel zu oft habe ich erlebt, dass sich in bestimmten Aspekten bemüht wird, aber alle anderen vernachlässigt werden.“
    Da kann ich Dir im Grundsatz nur wieder zustimmen. Es kann einen schon verrückt machen, darüber nachzudenken, woher die Fluchtursachen kommen. Und wer darüber verzweifelt, den kann ich auch verstehen. Aber was soll ich gegen Waffenhandel tun? Bei mir läuft es darauf hinaus, dass ich oft die Linkspartei wähle, weil die sich dagegen, glaube ich, am konsequentesten positioniert und deren Bundestagsabgeordneter Jan van Aken zu dem Thema gute Arbeit leistet. Aber wäre die Linkspartei an der Regierung, tja, ich glaube Bodo Ramelow in Thüringen hat da noch nicht die Rüstungsindustrie abgeschafft…

  47. @Maike
    Danke für die Antwort.
    Ich kenne die Hilfslosigkeit durchaus, inzwischen setze ich ich nicht mehr darauf, dass gewählte Menschen mit dem Beruf „Politik“ das für mich regeln werden. Ich denke das wäre auch zuviel verlangt, den Politiker sind auch nur ein Spiegelbild der Gesellschaft. Sind nicht besser und nicht schlechter als wir, auch wenn es als Erkenntniss nicht das ist, was an haben möchte.
    Wenn es nicht so wäre, dann könnten wir Bürger, schon aufgrund der schieren Masse das lösen. Das ist nicht als Aufruf zur Revolution zu verstehen. Nur wir könnten mit den digitalen Kommunikationsmittel dieser Zeit ohne Problem ein gemeinsames Bürgerforum einrichten über das wir analysieren und priorisieren was die drängensten Probleme wären um für diese Probleme mit allen Beteiligten, als Gleichberechtigte, Lösungen zu erarbeiten.
    Diese Lösungen über eine eigene Partei als politischer „Vollstrecker“ von uns gegründet und gewählt, dann zu beschliessen, wäre auch möglich.
    Aber ich glaube nicht mehr daran das dies derzeit umsetzbar ist.
    Lange Rede kurzer Sinn, es ist aufwendig, aber ich vermeide alles mit dem ich mich an Dingen beteilige, die meinen Werten widersprechen und warte ab. Auch nicht die Super Lösung, aber ich habe keinen „Martyrer“ Hang. :-). Damit meine Stimme nicht verloren geht, wähle ich „Die Partei“ oder die Tierschutz Partei, die haben wenigsten noch nicht dazu beigetragen, zu dem was wir haben. Im Gegensatz zu mir, mit meiner Stimme für die SPD.

  48. @Joachim,
    ja, es wäre einfach, Dinge zu beeinflussen, wenn sich ein ausreichende Anzahl von Menschen einig wäre. Aber es gibt halt so viele Sichtweisen auf die Welt, da wären wir dann wieder beim Thema „Wirklichkeit“. Für die einen besteht das größte Problem Deutschlands im „Islam“ und der Bedrohung der Überfremdung und zu vielen Flüchtlingen. Ich sehe das Problem eher woanders und andere wieder wo ganz anders. Deswegen ist es so schwer, glaube ich. Die Partei zu wählen, habe ich auch schon mal überlegt, weil ich Serdar Somuncu eigentlich ganz gut finde. Aber eine richtige Lösung ist das natürlich auch nicht :-)

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