Journalisten sind Aktivisten

Jetzt ist es also passiert: Die „New York Times“ hat die Steuererklärungen von Donald Trump ergattert und mit einer Reihe von Geschichten über die Inhalte begonnen. Ich habe sehr sehnsüchtig darauf gewartet, obwohl nichts in den Papieren steht, das wir nicht exakt so erwartet haben. Es tut trotzdem gut, es zu wissen, aber darum geht es hier nicht.

Die „New York Times“ hat mit dieser Geschichte private Daten öffentlich gemacht, die der Betroffene ganz offensichtlich nicht veröffentlichen wollte.1)Er behauptet das Gegenteil, wehrt sich aber seit Jahren sehr vehement gegen die Veröffentlichung. Wir können lebensnah annehmen, er hätte sie niemals selbst veröffentlicht. Einen ähnlichen Fall hatten wir direkt danach in Deutschland: „Zeit Online“ hat einen hochrangigen AfD-Funktionär, der in einem heimlich aufgenommenen Gespräch darüber fantasiert, Migranten zu erschießen oder zu vergasen, mit Namen geoutet – was in der Fernsehreportage „Rechts. Deutsch. Radikal.“, die gestern auf ProSieben ausgestrahlt wurde, bewusst nicht getan wurde. Es wird möglicherweise noch Prozesse darum geben, ob die Veröffentlichungen legal waren, aber auch ohne das abschließend zu klären, kann man sagen: Die „New York Times“ und „Zeit Online“ haben sich in diesem Fall in etwa so verhalten wie Wikileaks in Bezug auf die Dokumente über Kriegsverbrechen im Irak.

Ob es legal war oder nicht, meiner Meinung nach waren die Veröffentlichungen richtig. Manchmal müssen Medien handeln wie Aktivisten – weil sie es sind: Aktivisten dafür, dass wichtige relevante Informationen im öffentlichen Raum zugänglich sind. Die politischen Mordfantasien von Politikern gehören dazu, ebenso wie die Erpressbarkeit und die Lügen des amerikanischen Präsidenten.

Mit der guten Sache gemein machen

Es ist in den vergangenen Tagen viel darüber gesagt und geschrieben worden, dass „Stern“ und „taz“ zum Weltklimatag Ausgaben von Klimaaktivisten der Bewegung „Fridays for Future“ haben gestalten lassen, auch auf Übermedien, aber noch nicht von jedem. Deshalb ich nochmal, aber ganz anders, und aus einem Bedürfnis heraus.

Hanns Joachim Friedrichs 1987 Foto: imago images / teutopress

Ich hasse solche Diskussionen, weil ich die ganze Zeit angespannt darauf warte, dass jemand das – sorry: DAS – Hajo-Friedrichs-Zitat falsch anwendet, nachdem Journalisten sich angeblich mit keiner Sache gemein machen dürfen, auch nicht mit einer guten.2)Wenn man den Kontext betrachtet, hat er mit dem Satz mal in einem Interview erklärt, warum er in den „Tagesthemen“ auch furchtbarste Nachrichten mit möglichst unbewegtem Gesicht vorlas.  Es ist sehr nervig, wenn Menschen von Journalisten Dinge verlangen und sich dabei auf falsche Zitate berufen, weil richtig zu zitieren etwas ist, das man von Journalisten unbedingt erwarten muss, sich nicht mit einer guten Sache gemein zu machen aber nicht.

Im Gegenteil: Ich erwarte von Journalisten, dass sie sich mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung gemein machen, dass sie für die Pressefreiheit einstehen, für die Meinungsfreiheit und eine ganze Reihe anderer Freiheiten, und dass sie radikale Aktivisten sind dafür, dass eine Regierung sehr, sehr gute Gründe braucht, um, in absoluten Ausnahmefällen, Informationen vor der eigenen Bevölkerung zu verbergen – und das gilt auch für die geschäftlichen Verwicklungen eines Staatsoberhaupts. Journalisten können schon per Definition nicht anders, als hier Aktivisten zu sein und sich mit der guten Sache gemein zu machen.

Objektivität ist keine menschliche Eigenschaft

Aber das ist wahrscheinlich auch schon längst nicht mehr die eigentliche Diskussion. Objektivität ist keine menschliche Eigenschaft, insofern wird sie im Journalismus erst einziehen, wenn Menschen durch künstliche Intelligenz ersetzt sind. Abgesehen davon können ja auch offenbar alle ganz gut damit leben, dass Journalisten hochgradig subjektiv sind, so lange „Meinung“ oder „Kommentar“ oder etwas ähnliches drüber steht.

Das Thema, über das wir reden, ist Unabhängigkeit. Journalismus soll allen Mächten gleich fern stehen, oder? Um bei dem Beispiel von oben zu bleiben: Wenn sich Wikileaks zum Werkzeug russischer Wahlmanipulation macht, ist das mit den Informationen zumindest in Teilen eine andere Geschichte.3)Auch wenn ein großer Teil des Versagens hier war, dass die US-amerikanischen Medien die an sich ja eher nicht so wichtigen und nicht so relevanten geleakten Emails, die Wikileaks von russischen Hackern bekommen hatte, nicht mit der Missachtung gestraft haben, die sie verdient hatten.  Oder etwa nicht?

Die Antwort ist im Kern schlicht: Die wichtigste Eigenschaft einer Information ist, dass sie stimmt. Die zweitwichtigste ist ihr Kontext, nämlich wie sie sich zu allen anderen relevanten Informationen verhält. Ihre Herkunft ist eigentlich nur wichtig, um die beiden ersten Punkte einschätzen zu können. Denn die Wahrheit ist: Es gibt kaum Informationen im öffentlichen Raum, die nicht von irgendjemandem mit irgendeinem Ziel dort platziert werden. Es ist im Journalismus wie auch sonst im Leben eine ganz gute Faustregel, mindestens so viel Energie darauf zu verwenden zu verstehen, warum jemand etwas sagt, wie darauf, was er sagt.

Informationen verbreiten, nicht Lösungen anpreisen

Ich persönlich halte den Kampf um Minimierung des Klimawandels für ebenso wichtig wie das ewige Ringen um und für die Demokratie, und ich habe schon gesagt, dass ich Journalisten für Demokratie-Aktivisten halte, insofern finde ich die „Übernahme“ der „taz“ und des „Stern“ durch Klimaaktivisten eine ziemlich gute Idee.4)Offenlegung: Vor einem Jahr habe ich bei dem Magazin „JWD“ eine große Strecke verantwortet, die von FFF-Aktivisten gestaltet war. Ich hätte mir die Aufregung natürlich damals gewünscht. Offenlegung 2: JWD erschien unter dem Dach des „Stern“. So lange die Informationen richtig sind, sie korrekt in ihrem Kontext präsentiert werden und ihre Herkunft klar ist, glaube ich, dass ein Leser das für sich bewerten und aushalten kann. Aber es gibt für mich eine sehr klare Abgrenzung: Parteien und Unternehmen dürfen es meiner Meinung nach nicht. Denn es gibt einen fundamentalen Unterschied: Ich halte Journalisten für Aktivisten für die Verbreitung von Informationen, nicht für die Anpreisung von Lösungen.

Politik ist im Wesentlichen der Versuch, Mehrheiten zu organisieren für die angebliche Lösung der Probleme der Zukunft. Ich meine das „angeblich“ nicht verächtlich, sondern nur bezogen darauf, dass heute niemand wissen kann, ob die Lösung, von der er überzeugt ist, das Problem dann auch wirklich löst. Um diese Lösungen muss gerungen werden, das ist der demokratische Prozess, und wenn wir ehrlich sind, hat am Ende keiner der Beteiligten immer nur Recht.5)Allerdings durchaus ein paar immer Unrecht. Nennen wir sie Bernd. Was Menschen über die Zukunft zu sagen haben, ist selbst im allerbesten Fall immer nur das, von dem sie überzeugt sind, dass es stimmt. Das zu verbreiten, ist ihr gutes Recht, aber Journalisten sind dabei die Beobachter.

Den wissenschaftlichen Konsens über den Klimawandel nachdrücklich zu verbreiten, ist Kern der journalistischen Aufgabe, weil von ihm eine tödliche Gefahr ausgeht. Ähnliches gilt für das Corona-Virus, und es ist auch der Grund, warum die Covidioten keine „Stern“-Ausgabe gestalten sollten – ihre Informationen stimmen nicht, wenn man sie nach den Regeln der journalistischen Sorgfalt prüft, der wissenschaftliche Konsens, so es ihn hier gibt, sagt etwas deutlich anderes als Avocadolf Hildmann.

Damit der Souverän eine informierte Entscheidung treffen kann

Wer der hochrangige Faschisten-Funktionär ist, nämlich Christian Lüth, ist eine für die Demokratie hochrelevante Information, genau wie das Geschäftsgebaren des US-Präsidenten und selbstverständlich jede Art Kriegsverbrechen, im Irak und sonstwo. Es sind Informationen, die in die Öffentlichkeit gehören, damit der Souverän – das sind Sie und ich – eine informierte Entscheidung treffen kann.

Und jetzt kommt der letzte entscheidende Punkt: Ich finde, das sollten wir. Ich glaube, wem etwas an der Demokratie und der Menschheit im Allgemeinen liegt, der sollte informierte Entscheidungen treffen, der sollte sich also informieren,6)Es gibt ein griechisches Wort für den Menschen, der sich von der Politik abwendet und ins Private zurückzieht. Es wird gern als „Privatmann“ übersetzt, meint aber den, der sich von der Gesellschaft abkoppelt. Das Wort ist „Idiot“. und wenn wie im Fall des Klimawandels diese Informationen über Jahrzehnte ignoriert werden, dann leisten unsere Kinder einen Dienst an der Menschheit, wenn sie mit Nachdruck darauf hinweisen.

Denn das ist schließlich der Grund, warum wir möglichst unabhängigen Journalismus brauchen: Wir sind alle abhängig von der Wahrheit.

Fußnoten   [ + ]

1. Er behauptet das Gegenteil, wehrt sich aber seit Jahren sehr vehement gegen die Veröffentlichung. Wir können lebensnah annehmen, er hätte sie niemals selbst veröffentlicht.
2. Wenn man den Kontext betrachtet, hat er mit dem Satz mal in einem Interview erklärt, warum er in den „Tagesthemen“ auch furchtbarste Nachrichten mit möglichst unbewegtem Gesicht vorlas. 
3. Auch wenn ein großer Teil des Versagens hier war, dass die US-amerikanischen Medien die an sich ja eher nicht so wichtigen und nicht so relevanten geleakten Emails, die Wikileaks von russischen Hackern bekommen hatte, nicht mit der Missachtung gestraft haben, die sie verdient hatten. 
4. Offenlegung: Vor einem Jahr habe ich bei dem Magazin „JWD“ eine große Strecke verantwortet, die von FFF-Aktivisten gestaltet war. Ich hätte mir die Aufregung natürlich damals gewünscht. Offenlegung 2: JWD erschien unter dem Dach des „Stern“.
5. Allerdings durchaus ein paar immer Unrecht. Nennen wir sie Bernd.
6. Es gibt ein griechisches Wort für den Menschen, der sich von der Politik abwendet und ins Private zurückzieht. Es wird gern als „Privatmann“ übersetzt, meint aber den, der sich von der Gesellschaft abkoppelt. Das Wort ist „Idiot“.

67 Kommentare

  1. Michalis,

    eigentlich ist es traurig, dass derart Selbstverständliches noch eigens geschrieben werden muss. Trotzdem (oder gerade deswegen) besten Dank dafür.

  2. Herzlichen Dank für diesen wieder großartigen Kommentar.

    Besonders hervorzuheben ist der Dienst, den Sie mir mit der Erklärung der Etymologie von „Idiot“ gemacht haben. Kein sonderlich gutes Argument, wohl, aber dennoch sehr gut zu wissen.

    In einem Detail muss ich hingegen besprechen, auch wenn es null darum ging: Nachdem Künstliche Intelligenz von Menschen programmiert wird (oder, wenn mal „echte“ kommt, dennoch von Menschen erschaffen und beeinflusst werden wird), ist es zwar verbreitet, aber falsch, anzunehmen, diese wäre per se objektiver als Menschen. Sie ist immer nur so objektiv, wie sie gemacht wurde. (Was, wenn man sich die Demografie typischer Programmierer oder KI-Forscher ansieht, als „wahrscheinlich nicht sehr“ anzunehmen ist.)
    Aber wie gesagt, darum ging es natürlich nicht, also sorry für den Exkurs.

  3. völlig d’accord, solange das „aktivistendasein“ nicht bewusst (unliebsame) perspektiven im Rahmen der recherche ausblendet. das wäre ein echtes problem für den journalimus. getreu dem motto: ich weiß was richtig und gut ist, und zwar für uns alle!

  4. „Ich halte Journalisten für Aktivisten für die Verbreitung von Informationen, nicht für die Anpreisung von Lösungen.“

    ist das ein problem für den „konstruktiven journalismus“?

  5. Journalisten sind Aktivisten. Das stimmt wird sonst aber gerne bestritten.
    Insofern ist Michalis Pantelouris hier ehrlicher als mancher seiner Kollegen.
    Was dabei herauskommt kann man dann in diesem Beispiel bewundern: Informationen, die wie eine Zeitbombe passend vor einer Wahl verbreitet werden. Nicht der Wert der Information, sondern die angestrebte Wirkung ist das worauf diese „Aktivisten“ hinsteuern.
    Bei den „Ibizza Videos“ bspw. war es ähnlich. Eine alte monatelang vorbereitete Falle (deren Hintermänner und Auftraggeber bis heute nicht bekannt sind, und die die „Journalisten“ pardon „Aktivisten“ auch nicht interessieren, sofern sie es nicht sogar selber waren) die dann passend zur Wahl präsentiert wird.

    Die Konsequenz: Traue keinem Journalisten, bevor du nicht seine politische Agenda kennst.
    So schafft sich Vertrauen in Journalismus selber ab.

  6. @#7: Wenn ein Politiker faschistische Äußerungen tätigt, soll ich den Journalisten, die das öffentlich machen, misstrauen, weil sie eine Agenda verfolgen?

    Ich habe da eine bessere Idee…

  7. @8: Mir geht es nicht um die Art der Äußerung.
    Journalistische Regeln müssen selbstverständlich für alle Weltanschauungen gleich gelten. Verdeckte Methoden sind gut wenn es „Rechtspopulisten“ betrifft und sind abzulehnen wenn es die eigene Partei betrifft?
    Wo kommen wir denn hin, wenn der Journalist/Aktivist bei einer Partei Bomben platzen lassen kann, und bei der ihm selbst politisch nahestehenden dann über bestimmte Dinge hinwegsieht?
    Die Antwort ist einfach: Zu einem Journalismus dem niemand mehr traut, weil er nicht informieren will, sondern eine politische Agenda hat.
    Um es kurz zu sagen, zu einem Journalismus der nichts Wert ist und dem man auch nicht vertrauen sollte.

  8. Wenn die Veröffentlichung von Informationen durch eine wie auch immer geartete Agenda motiviert ist, schmälert das nicht den Informationswert. Zudem sehe ich es nicht als Problem für den Journalismus als Ganzes an, wenn Journalisten einseitig berichten. Das tun sie im Grunde genommen alle, und in einer pluralistischen Medienlandschaft – deren Existenz niemand leugnen kann – kommt dann ein breites Meinungsspektrum heraus. Anders gesagt: Wenn Greta Thunberg mal wieder in ein Flugzeug steigen sollte, werden Sie es bestimmt erfahren.

  9. @10:
    Der Journalist als Aktivist, der im Sinne einer Agenda tätig ist, will (s)ein politisches Ziel erreichen. Das macht er bspw. durch eine zeitliche Platzierung mit größtmöglicher Wirkung, oder durch gestellte Fallen, oder durch Skandalisierung, oder, oder.
    Dazu kommt das zweite Problem, dass derselbe Journalist/Aktivist nur eine einseitige Sichtweise auf ein Thema zulässt und beschreibt und andere Sichtweisen und Aspekte auslässt.
    Das ist ebenso wenig zu entschuldigen, auch nicht mit Ihrem Argument, dass es ja eine pluralistische Medienlandschaft gibt und sich dann vielleicht jemand anders findet, der die andere Seite der Geschichte erzählt. Wie soll das bei einem ör Medien wohl funktionieren linke Tagesschau und rechte Tagesschau?
    Ich erwarte von guten Journalisten, dass sie mir alle wesentlichen Aspekte eines Themas mitteilen, dass sie auch Gegenmeinungen einblenden und nicht nur eine schöne einseitige Geschichte erzählen, die sie wunderbar in ihr Weltbild rein gebogen haben.
    Alles andere ist journalistischer Aktivismus mit dem Ziel die öffentliche Meinung zu lenken. Nein danke, auf den kann ich verzichten !

  10. Herr Weller, die „Falle“ war also z.B. bei den Ibiza-Enthüllungen, dass…ja, was eigentlich, dass ne Flasche Schnaps und Red Bull zur Verfügung standen, und nicht gesagt wurde „passen Sie auf, dass Sie nix Skandalöses sagen!“? Und die Ihnen fehlende Sichtweise wäre in diesem Beispiel ein langer Absatz mit dem Tenor „vielleicht hat er ja alles gar nicht so gemeint und eigentlich ist das ja auch alles eine gute Idee gewesen?“.

    Und die NYT sollte wohl auch schreiben, dass 750$ gar nicht verwerflich sind sondern bloß zeigen, wie genial der Mann das System austricksen kann? Das widerspricht Ihrer Forderung, dass alle wesentlichen Aspekte mitgeteilt werden – Sie fordern vielmehr einen Spin in eine Ihnen genehme Richtung ein, wenn Ihnen die Berichterstattung bzw. die Faktenlage nicht gefällt.

  11. Korrektur zu #10: Statt Greta Thunberg hätte ich besser Luisa Neubauer geschrieben, die ist, glaube ich, als Reizfigur inzwischen eher en vogue, insbesondere wenn es um Flugreisen geht.

    @Mr. Re: Sehr treffender Kommentar, mir ging ähnliches durch den Kopf, konnte das aber nicht so eloquent ausdrücken wie Sie.

  12. @Mr Re
    Wenn Sie nicht die „Falle“ bei den Ibiza Videos erkennen, dann tut es mir für Sie leid. Vielleicht finden Sie jemand, der Ihnen das erklären kann.
    Ich fordere übrigens keinen „Spin einer mir genehmen Richtung“. Ich hoffe Sie sind kein Journalist, sonst wären Sie jetzt schon beim Quellenstudium durchgefallen. Ich schrieb „Ich erwarte von guten Journalisten, dass sie mir alle wesentlichen Aspekte eines Themas mitteilen, dass sie auch Gegenmeinungen einblenden und nicht nur eine schöne einseitige Geschichte erzählen, die sie wunderbar in ihr Weltbild rein gebogen haben.“
    Ich liege aber sicher nicht ganz falsch, wenn ich annehme, dass Sie selber kein Problem mit Fallen und falschen Gesprächspartnern haben wenn es die in Ihren Augen „Richtigen“ also FPÖ, Trump, AfD,… trifft.
    Wenn aber ein linker Politiker hereingelegt wird, dann ist das natürlich empörend und der „rechte Täter“ wird zum eigentlichen Thema, oder es wird totgeschwiegen. (Beispiele: Ralle Stegner als kurzzeitiger Minister, oder Kahrs akademischer Abschluss).
    Genauso ticken „Haltungsjournalisten“, und daher bleibe ich dabei:
    Traue keinem Journalisten, bevor du nicht seine politische Agenda kennst.

  13. Herr Weller, dann sagen Sie doch mal: Was wäre die „Gegenmeinung“ bei der Ibiza-Affäre, faschistischen Äußerungen von AfDlern und Trumps Steuergeschichten gewesen, die Sie gerne gelesen hätten? Und warum die kein Spin gewesen wäre. Und warum die Berichterstattung über o.g. Themen in Ihren Augen bloß „eine schöne Geschichte, die sie wunderbar in ihr Weltbild reingebogen haben“ sind. Und warum Whataboutism Ihre beste Argumentationsstrategie zu sein scheint.
    Oh, und: Trauen Sie einem Journalisten tatsächlich, wenn Sie seine politische Agenda kennen? Und die Ihnen dann nicht gefällt?

  14. Ich schrieb weiter oben, dass eine Information nicht an Wert verliert, wenn sie einer bestimmten Agenda dient. Die Geschichte mit dem faschistischen AfD-Expressesprecher ist hierfür ein Paradebeispiel. Auch dass ihm, um seine Aussagen zu provozieren, eine entsprechende „Falle“ gestellt wurde, finde ich völlig legitim, eben weil diese so einen hohen Informationswert haben. Zudem sind die eingesetzten Mittel nicht moralisch verwerflich und mindestens seit der Watergate-Affäre im Journalismus üblich. Sie sind, was das Niveau an Heimtücke betrifft, mit einer versteckten Geschwindigkeitskontrolle vergleichbar. Unter anderem deshalb ist Ihr Furor, Herr Weller, so unverständlich.

    Darüberhinaus kam mir der Gedanke, dass es manchmal geradezu notwendig sein könnte, als Journalist eine Agenda zu haben. Wenn man sich z.B. eine antifaschistische Gesinnung verbietet, aus Gründen der Objektivität, wer wird dann z.B. über rechtsextreme Netzwerke bei der Polizei berichten? Ulf Poschardt oder Julian Reichelt wohl eher nicht.

    Ich stelle erst jetzt beim Schreiben fest, dass Herr Pantelouris das alles in der frei zugänglichen Einleitung zum Artikel ganz ähnlich beschreibt:

    „Manchmal müssen Medien handeln wie Aktivisten – weil sie es sind: Aktivisten dafür, dass wichtige relevante Informationen im öffentlichen Raum zugänglich sind.“

  15. @Mr Re + Anonym:
    Ich registriere gesinnungsmässige Empörung, aber leider keinen neuen Argumente….
    Welche journalistischen Fallen Sie nun für legitim halten und ob es überhaupt welche sind (darüber müssten Sie sich mal einig werden) ist mir recht wurscht.
    Ich erwarte das Journalisten gegenüber gewählten Politikern gleiche Maßstäbe ansetzten. Und ich erwarte, dass Journalisten mir ein möglichst vollständiges Bild geben und nichts weglassen, weil es störend für ihre politische Agenda ist.
    Ich möchte soweit als möglich objektive informiert werden.
    Ein Journalist der sich als Aktivist versteht (siehe Artikel „Journalisten sind Aktivisten“) scheidet als seriöse Informationsquelle aus, selbst wenn er nicht lügt!
    Ich kann nicht beurteilen was er alles unberücksichtigt gelassen und was er aufgebauscht hat. Sein Hauptziel ist nämlich nicht mich zu informieren und mir dann die Beurteilung und Meinung darüber zu überlassen, sondern mich in seine politische Richtung zu beeinflussen.
    Mir muss die Agenda des Journalisten nicht gefallen, aber ich kann seine Arbeit dann besser einordnen wenn ich sie kenne.
    In Zeiten des „Haltungsjournalismus“ ist das eine immer notwendigere Sache.

  16. @ Dieter Weller
    Aber diese Objektivität, die Sie sich wünschen gibt es doch gar nicht. Alle Informationen im Zusammenhang mit dem Gegenstand der Berichterstattung sind niemandem bekannt und nicht alle bekannten Informationen sind für das Verständnis und ein Einordnen können relevant. Eine Verkürzung muss notwendigerweise immer stattfinden. Wollen Sie Artikel lesen, die von der Schuhgröße der Protagonisten bis zur momentanen Wetterlage alles beinhalten?
    Die Abwägung, welche Informationen im öffentlichen Interesse sind, ist doch immer eine subjektive, die selbstverständlich auch von den persönlichem Einstellungen und dem individuellen Selbstverständnis der Journalist*innen beeinflusst sind. Dass sich diese Abwägung in vielen Fällen von Ihrer eigenen unterscheidet, liegt doch in der Natur der Sache. Ich persönlich würde mir z.B. bei Wirtschaftsthemen einen stärkeren Fokus auf Aspekte wie Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit wünschen, beklage aber deshalb nicht mangelnde „Objektivität“.
    Sicherlich lässt sich im Durchschnitt der Berichterstattung der ein oder andere Bias identifizieren aber sollen deshalb Journalist*innen ihren Wertekanon, der wahrscheinlich einen Großteil ihrer Motivation ausmacht, an der Redaktionstür ablegen müssen? Wie soll das aussehen?

  17. Klar, Herr Weller, gesinnungsmäßige Empörung. Da Sie nun so ein hübsches Buzzword unterbringen konnten, wären Sie wohl so freundlich, die o.g. Fragen zu beantworten (u.a. welche Gegenmeinung Ihnen fehlt etc.)?

  18. #17: „Ein Journalist der sich als Aktivist versteht (siehe Artikel „Journalisten sind Aktivisten“) scheidet als seriöse Informationsquelle aus, selbst wenn er nicht lügt!“

    Heißt das, Sie ignorieren jegliche Informationen, die aus einer Quelle kommen, welche in Ihren Augen unseriös ist? Selbst dann, wenn diese Informationen der Wahrheit entsprechen? Was dann dazu führt, dass Sie, wenn ein AfD-Politiker Ausländer erschießen oder vergasen lassen möchte, mit den Schultern zucken – „Mir geht es nicht um die Art der Äußerung.“, Kommentar #9 – und sich lieber über den perfiden, agendaverseuchten Journalismus aufregen?

  19. Nachtrag: Ich beziehe mich auf folgende Passage aus dem von Herrn Pantelouris verlinkten Zeit-Artikel:

    Zuletzt ergeht Lüth sich sogar in Gewaltfantasien. Lisa Licentia fragt ihn: „Vor allem klingt das so, als ob es in deinem Interesse wäre, dass noch mehr Migranten kommen?“ Darauf Lüth: „Ja. Weil dann geht es der AfD besser. Wir können die nachher immer noch alle erschießen. Das ist überhaupt kein Thema. Oder vergasen, oder wie du willst. Mir egal!“

  20. @Anonym:
    „Ein Journalist der sich als Aktivist versteht (siehe Artikel „Journalisten sind Aktivisten“) scheidet als seriöse Informationsquelle aus, selbst wenn er nicht lügt!“ Dazu stehe ich.
    Zu Ihrer Nachfrage: Ich ignorieren natürlich nicht Informationen, die aus einer Quelle kommen, welche nach dieser Definition unseriös ist, sofern sie stimmen.
    Aber, und das hatte ich auch erklärt, muß ich diese anders einordnen, wenn ich weiß welche politische Agenda der Journalist/Aktivist hat.
    Der Journalist als Aktivist ist nämlich nicht nur der Beobachter eines Geschehens, sondern spielt selber mit. Seine Rolle muß ich natürlich kennen.
    Um beim dem Beispiel der Ibizza-Falle zu bleiben nehme ich natürlich zur Kenntnis, welche menschlichen Defizite der ehemalige österreichische Vizekanzler hat.
    Ich nehme aber auch zur Kenntnis, dass mit den Videos, die schon Monate alt waren, nicht frühestmöglich informiert werden sollte, sondern so, dass sie maximale Wirkung erzielen. Ich muß auch zur Kenntnis nehmen, dass die Öffentlichkeit von 7 Stunden nur eine halbe zusammengeschnittene Stunde präsentiert bekommt. Kann ich den Journalisten trauen mir einen fairen Zusammenschnitt zu präsentieren, wenn ich weiß dass diese sich (im Sinne von Pantelouris) doch offensichtlich als Aktivisten verstehen?
    Und schließlich ist die ganze Ibizza Geschichte erst erzählt, wenn bekannt ist wer für wie viel Geld in wessen Auftrag mit welcher Zielsetzung diese aufwendige Inszenierung überhaupt durchgeführt hat. Das herauszufinden interessiert vielleicht noch richtige Journalisten, aber sicher keine mit (linker) politischer Agenda.
    Von daher ist die Definition des „Journalisten als Akteur “ eine berufsschädigende. Wer sich diese zu eigen macht, sollte sich nicht über mangelndes Vertrauen in seine Arbeit beschweren, sondern fordert diese geradezu heraus.

  21. Herr Weller,

    ein von Ihnen so bezeichneter „Haltungsjournalist“ achtet die freiheitliche demokratische Grundordnung. Ein Rechtspopulist tut das nicht. Er verachtet sogar das Prinzip des Aufklärung und zieht es in den Dreck (und nutzt die Errungschaften einer freiheitlichen Demokratie für seine Zwecke). Meine Frage an Sie: Ist die freiheitliche demokratische Grundordnung für Sie verhandelbar?

  22. @Hans: Ein „Haltungsjournalist“ kann jede erdenkliche politische Meinung haben, von ganz links bis ganz rechts.
    Es ist daher keineswegs so, dass dieser per se ein Garant des Grundgesetzes ist, wie Sie unterstellen. Ganz linke und ganz rechte politische Journalisten/Aktivisten wollen sicher eine andere Republik herbei schreiben.
    Ob ein „Rechtspopulist“ immer -wie Sie unterstellen- die freiheitlich demokratische Grundordnung „verachtet“, weiß ich nicht. Ich würde das bezweifeln, aber wenn für Sie Rechtspopulismus = Rechtsradikalismus = Nazi ist, dann wahrscheinlich schon.
    Und nein, die freiheitlich demokratische Grundordnung ist für mich nicht verhandelbar.
    Ihrer Einlassung liegt wohl die idealistische, aber weltfremde Idee zu Grunde, dass die Journalisten/Aktivisten per se Kämpfer für das Gute sind, und die, welche sie entlarven oder schlecht schreiben wollen die Bösen.
    Diese Einordnung (gut, böse richtig falsch, sinnvoll, sinnlos,…) möchte ich in jedem Fall selber treffen und mir selber aufgrund möglichst objektiver Informationen und möglichst vieler Aspekte eines Themas eine eigene Meinung bilden und nicht von einem „Haltungsjournalisten“ vorgegeben bekommen.
    Früher war das eine journalistische Selbstverständlichkeit, und heute (speziell in eher linksorientierten Blogs wie Übermedien) sollen sich Journalisten als Aktivisten und Retter des vermeintlich Guten aufspielen.
    Das können sie machen, aber ihre Glaubwürdigkeit wird dann auf der Strecke bleiben, oder sie werden von Andersdenkenden nicht mehr gelesen und können nur ihre eigene Blasen bespaßen.

  23. Hallo Herr Weller,

    Wer den Rechtspopulismus verteidgt und damit die Aufklärung verhöhnt, der ist kein Demokrat. Das widerspricht sich rein faktisch. An diesem Punkt müssen sie sich (und alle anderen auch) entscheiden. So einfach ist das. Hier bei Übermedien wird die Demokratie verteidigt, in der Compact definitiv nicht. Suchen Sie sich ein Heft aus.

  24. @Hans
    Habe ich den Rechtspopulismus verteidigt? Wohl kaum!
    Ich verwende das Wort normalerweise nicht einmal, denn es fehlt an einer genauen Definition was nun darunter zu verstehen ist.
    Warum sollte ich Ihrer Meinung nach Compact lesen, weil ich „Journalisten als Aktivisten“ sachlich hinterfragt habe?
    Haben Sie sich davon mit einem einen einzigen Punkt auseinandergesetzt und ihn sachlich widerlegt? Nein das haben Sie nicht!
    Ihre Antwort ist unsachlich und sie offenbart darüber hinaus ein recht beschränktes Weltbild.
    Das passt jedenfalls nicht zu jemandem der nach eigener Aussage die „Aufklärung verteidigt“.
    Wenn jemand wie Sie mit solchen Unterstellungen „die Demokratie verteidigt“, dann wird mir um die wirklich Angst und Bange.

  25. @ Dieter Weller:
    „Wenn Sie nicht die „Falle“ bei den Ibiza Videos erkennen, dann tut es mir für Sie leid.“

    Es gibt eine Falle, und es gibt jemanden, der hineintappt.
    Wenn Strache nicht öffentliche Aufträge an die Fake-Oligarchen hätte vergeben wollen, wäre überhaupt nichts passiert.

    Oder – wo die ganze Geschichte öffentlich ist: Merz‘ Äußerungen in Bezug auf einen homosexuellen Kanzler.
    Auch auf die zehnte Nachfrage wäre mir persönlich nicht eingefallen, sexuelle Identität und Kindesmissbrauch gedanklich zu verbinden. Oder mit dem Strafrecht. Merz offenbart ein veraltetes Weltbild. Und nichts anderes wurde von den „Aktivisten“-Journalisten festgestellt.

  26. Journalisten sind Aktivisten?
    Wissenschaftler sind Aktivisten?
    Richter sind Aktivisten?
    Ärzte sind Aktivisten?
    Ingeneure sind Aktivisten?
    Piloten sind Aktivisten?
    Lehrer sind Aktivisten?

    Erzeugnisse, die mit Aktivismus angereichert sind, halte ich für bestenfalls irrelevant. Oft sind sie schädlich. So meide ich solche Erzeugnisse so weit, wie möglich, selbst dann, wenn mir die „aktivistische Ausrichtung“ des Leistungserbringers gefällt. Aktivsmus schadet langfristig jedem Berufsstand. Journalismus ist davon nicht ausgenommen.

  27. Manchem schmeckt das Bier halt erst, wenn es mit der richtigen Gesinnung gebraut wurde. Und so Mancher drinkt sein „Gesinnungsbier“ auch dann, wenn es ihm nicht schmeckt.

    Jeder nach seiner Façon.

  28. Das ärgerliche an diesem Beitrag ist, dass hier versucht wird, den Begriff Aktivismus zu verändern. Selbstverständlich soll ein Journalismus für Meinungsfreiheit und die Veröffentlichung vorher nicht öffentlicher Informationen aktiv sein – das ist sein beruf. Genauso wie ein Wissenschaftler für belegte und überprüfte Aussagen (was man früher emphatisch Wahrheit genannt hat) eintrete soll. Das ist aber kein Aktivismus, wie er allgemein verstanden wird. Aktivismus meint – und so verstehen ihn die Kritiker aktivistischer Journalisten – das eintreten für eine bestimmte politische Richtung oder eine bestimmte Meinung mit einem weitergehenden Ziel als die reine Information unter manipulativen Methoden. Diese Methoden sind Lügen, Verheimlichen von Gegenargumenten, manipulative Darstellungen (emotionalisierte Begriffe z.B.) oder klare Parteinahme. Bei Covid immer nur die Infiziertenzahlen statt den Todeszahlen zu nennen, ist schlechter Journalismus. Das zu machen, weil man die Maßnahmen der Bundesregierung unterstützen will, ist Aktivismus – ganz einfach.

  29. Wenn man in dem Kontext des Artikels Aktivismus im Popper’schen Sinne als „Die Neigung zur Aktivität und die Abneigung gegen jede Haltung des passiven Hinnehmens.“ versteht, dann erübrigen sich wohl jede weitere Diskussionen.

    Allerdings weist ein Satz wie „Den wissenschaftlichen Konsens über den Klimawandel nachdrücklich zu verbreiten, ist Kern der journalistischen Aufgabe, weil von ihm eine tödliche Gefahr ausgeht.“ auf eine weitergehende Auffassung des begriffs „Aktivismus“ hin.

    Der Journalist kennt die „Wahrheit“ und hilft diese aufgrund der ihm vorliegenden Einsicht möglichst nachdrücklich (was bedeutet das genau?) zu verbreiten. Dann ist der Journalist Aufklärer und Verkünder einer bestimmten Sache. Also eher sowas wie ein Pressesprecher oder Lobbyist für die vermeintlich gute Sache, aber sicherlich kein unvoreingenommener Berichterstatter. Der Journalismus geht dann den Weg der Bankangestellten: Vom „Bankbeamten“ zum „provisionsgeilen Verkäufer“.

    Zudem beleidigt es meine Intelligenz, wenn jemand versucht Wissenschaft der Allgemeinheit als Konsensveranstaltung zu verkaufen. Genau das ist Wissenschaft eben nicht. Rascher Konsens stellt sich allenfalls in der Mathematik ein, zumindest dort wo ein formeller Beweis vorlegen wird, der von anderen Mathematikern überprüft werden kann. In der Regel entsteht wissenschaftlicher Fortschritt durch einzelne Abweichler und deren Erkenntnisse diffundieren – meist gegen den Widerstand der konsensfreudigen Wissenschaft – langsam in die Community ein. Wären wir im Mittelalter, würden Herr Droste und Herr Lauterbach gegen Corona vermutlich den Aderlass propagieren.

  30. Mal davon abgesehen, dass Journalismus schon immer mehr war als „reine Information“ (lesen Sie mal nach, welch Vielzahl an Textsorten es gibt), ist Ihr Beitrag in sich nicht schlüssig. Die Zahl der Infizierten zu nennen ist doch „reine Information“, siehe Operator „nennen“. Sie wünschen sich aber einen Kommentar dazu, dass die Zahl ja egal sei, weil dAs iSt jA bLoß nE GrIpPe und fordern damit das ein, was Sie „den Journalisten“ als Regierungshandlangern (hallo, VT) unterstellen… Von Meinungsfreiheit schreiben, aber nicht genehme Meinungen mit „Lügen“ und Manipulation zu verbinden ist putzig, aber kalter Kaffee.

  31. Wenn man in dem Kontext des Artikels Aktivismus im Popper’schen Sinne als „Die Neigung zur Aktivität und die Abneigung gegen jede Haltung des passiven Hinnehmens.“ versteht, dann erübrigen sich wohl jede weitere Diskussionen.

    Allerdings weist ein Satz wie „Den wissenschaftlichen Konsens über den Klimawandel nachdrücklich zu verbreiten, ist Kern der journalistischen Aufgabe, weil von ihm eine tödliche Gefahr ausgeht.“ auf eine weitergehende Auffassung des begriffs „Aktivismus“ hin. Der Journalist kennt die „Wahrheit“ und hilft diese aufgrund der ihm vorliegenden Einsicht möglichst nachdrücklich (was bedeutet das genau?) zu verbreiten. Dann ist der Journalist Aufklärer und Verkünder einer bestimmten Sache. Also eher sowas wie ein Pressesprecher oder Lobbyist für die vermeintlich gute Sache, aber sicherlich kein unvoreingenommener Berichterstatter.

    Ich befürchte dem Journalismus geht es dann ähnlich, wie dem Bankangestellten: Vom respektierten „Bankbeamten“ zum „provisionsgetriebenen Verkäufer“.

    Nebenbei stört es mich, wenn Journalisten versuchen Wissenschaft als Konsensveranstaltung darzustellen. Genau das ist Wissenschaft meist nicht. In der Regel entsteht wissenschaftlicher Fortschritt durch einzelne Abweichler und deren Erkenntnisse diffundieren – meist gegen den Widerstand der konsensfreudigen Wissenschaft – langsam in die Community ein. Wären wir im Mittelalter, dürfte die Konsensempfehlung der Medizin im Aderlass liegen.

  32. Entschuldigen sie bitte meinen DOPPELTEN Beitrag. Ich dachte tatsächlich, ich hätte mich beim ersten Mal im Ton vergriffen, wodurch ich mir die lange Nichtveröffentlichung erklärt habe, und wollte das korrigieren.

  33. „Der Journalist kennt die „Wahrheit“ und hilft diese aufgrund der ihm vorliegenden Einsicht möglichst nachdrücklich (was bedeutet das genau?) zu verbreiten. Dann ist der Journalist Aufklärer und Verkünder einer bestimmten Sache.“

    Sie haben wohl die Frage nicht mitbekommen, die seit Monaten (Jahren?) durch die Gazetten gereicht wird: Soll man jede Meinung als gleichwertig darstellen?
    Also beim Klimawandel die gleiche Sendezeit oder Spaltenbreite dem wissenschaftlichen Konsens wie auch der , naja, Gegenmeinung einräumen?
    Oder in Bezug auf Impfungen?
    Oder Flüchtlinge?
    Oder die Kugelgestalt der Erde?

    Nach neuesten Erkenntnissen dient selbst eine Widerlegung einer klaren Fake News deren Verbreitung, weil sich diese falsche Aussage eben auch im Hirn festsetzt.

    DAS wollen Sie?
    Und wenn nicht, wo ziehen Sie die Grenze?

  34. @ MR RE:

    „Sie wünschen sich aber einen Kommentar dazu, dass die Zahl ja egal sei, weil dAs iSt jA bLoß nE GrIpPe und fordern damit das ein […]“

    Wieder einmal einer dieser typischen Niveau-Limobo-Beiträge von Ihnen.
    Ich empfehle Ihnen, sich einmal die Kritik des Netzwerkes Evidenzbasierte Medizin zur öffentlichen kommunizierten Zahlen anzusehen. („Die mediale Berichterstattung sollte unbedingt die von uns geforderten Kriterien einer evidenzbasierten Risikokommunikation beherzigen und die irreführenden Meldungen von Absolutzahlen ohne Bezugsgröße beenden.“)

    Oder Sie könnten sich wenigstens diesen Beitrag der ARD und die Kritik und die Mahnungen unterschiedlicher Wissenschaftler dort zu Gemüte führen:
    https://www.ardmediathek.de/daserste/video/ard-extra/ard-extra-die-corona-lage/das-erste/Y3JpZDovL3dkci5kZS9CZWl0cmFnLWQxNDFlNjJlLTA3YTQtNDMzYS1hYzQ3LWIxZjdiMjVlMDU0MA/?startTime=699.00&endTime=1204.00

    Oder Sie denken einmal selbst nach:
    Sie testen viel mehr als früher, häufig asymptomatische Leute; aber die Positiven-Rate bleibt konstant niedrig. Sie haben also vielleicht einfach deshalb mehr Ergebnisse, weil Sie mehr testen. Die Todesfälle bleiben konstant niedrig. Die Hospitalisierungen bleiben konstant niedrig. Die Anzahl der Intensiv-Patienten bleibt konstant niedrig. Die Volksgesundheit wird also gerade NICHT zunehmend bedroht.
    Sie aber kommunizieren ganz überwiegend und zentral die absolute Anzahl positiver PCR-Tests ohne Einordnung und tun auch noch so, als handele es sich um Neuinfektionen oder gar Neuerkrankungen. Ja, wo könnte da bloß das Problem liegen?

    Es hat jetzt gerade eine Erklärung zahlreicher Wissenschaftler zu Corona gegeben, genannt, die „The Great Barrington Declaration“. Zu den Unterzeichnen gehören unter anderem Epidemiologie-Professoren der Elite-Universitäten Oxford, Stanford und Harvard.

    In den Medien findet sich dazu offenbar wenig oder nichts. Nun ja, wenn es eben keinen wissenschaftlichen Konsens gibt, dann muss man ihn halt produzieren. Das ist der reale journalistische
    Aktivismus, den wir haben.
    (Und da Leute Ihrer Art das gerne missverstehen: Nein, es geht mir nicht darum, dass die Medien Propaganda im gegenteiligen Sinne machen. Es geht mir um ein Maximum an Ausgewogenheit.)

    Es ist auch realer journalistischer Aktivismus, wenn im Fall Assange die Berichterstattung der Medien derart verzerrend und propagandistisch im Sinne der Regierungen des Werte-Westens ist, dass der angesehene Jurist und UNO-Sonderberichterstatter für Folter, Nils Melzer, nach ausführlicher eigener zum Ergebnis kommt, dass so ziemlich alles, was er über den Fall zu wissen glaubte, falsch ist. (Siehe „Vor unseren Augen kreiert sich ein mörderisches System“ auf Republik[dot]ch. Bitte wirklich lesen.)

    Es ist auch realer journalistischer „Aktivismus“, wenn Journalisten praktisch überhaupt nicht darüber berichten, dass inzwischen (auch durch zahlreiche Wiki-Leaks) sehr viel dafür spricht, dass die OPCW auf politischen Druck in einem weltpolitisch enorm brisanten Fall Berichte erstellt, die in etwa das Gegenteil dessen besagen, was die Experten vor Ort herausgefunden oder die konsultierten Toxikologen gesagt haben. (Siehe etwa „Der OPCW-Skandal und das Schweigekartell“ auf dem Multipolar-Magazin.)

    Und das sind jetzt gerade drei besonders eklatante Beispiel. Ganze Bibliotheken könnte man mit dem realen journalistischen Aktivismus füllen.

    Und es ist auch realer journalistsicher Aktivismus, wenn Übermedien zu solchen Themen von offensichtlicher großer medienkritischer Relevanz sich komplett ausschweigt, kein Wort dazu sagt. Es ist Aktivismus durch Unterlassen, Aktivismus durch Passivität. Aber es IST Aktivismus.

  35. Lieber LLL, wenn Sie mir schon im ersten Teil Ihres Beitrags „typisches Niveaulimbo“ vorhalten, werde ich auf die folgenden Tausend Zeilen Textrecycling, das Sie bei jeder (un)passenden Gelegenheit anbringen (OPCW mal wieder? Ist das Ihr ceterum censeo?), nicht eingehen.

  36. @ST
    Sie phantasieren unglaublich viel in meinen Beitrag rein, wollen Sie einen Strohmann-Argument aufbauen, dass Sie zerlegen können oder praktizieren Sie Gedankenlesen? Sie geben weder meine Meinung noch Implikationen derselben wieder.

    Wenn man einen Sachverhalt objektiv darstellen will, setzt man sich mit Thesen und Gegenthesen auseinander. Das ist mühsam und man kommt nicht umhin, zu selektieren, zu verkürzen und zu bewerten.

    Wenn man sich um Objektivität bemüht, dann wendet man die gleichen Kriterien bei These und Gegenthese an. Man ist mit anderen Worten fair. Wenn man psychologisch geschult ist, wird man der einem unangenehmen Perspektive im Zweifel mehr Sorgfalt und Wohlwollen widmen, als der einem genehmen Perspektive (das ergibt vermutlich für einen echten Aktivisten so gar keinen Sinn). Skepsis gegenüber der eigenen Haltung zielt darauf ab, den völlig natürlichen und unvermeidbaren Bias beim Bewerten von Sachverhalten im Zaun zu halten.

    Ich bin kein Journalist, hoffe aber, dass diese Methodik Teil der Ausbildung ist. Ein Wissenschaftler, der ein solches Vorgehen nicht beherzigt, ist keiner.

    So, wie macht das wohl ein überzeugter Aktivist (also jemand der sich in einer Sache bereits klar positioniert hat)?

    Je mehr man sich einer vermeintlich guten Sache verschrieben hat, desto höher ist der persönliche Bias und umso schwere wird es, objektiv mit Gegenargumenten umzugehen. Man verwechselt ganz gern den Prozess eines sich selbst bestätigenden Selektierens mit ausgiebiger Recherche. Gegenargumente durch dialektische Tricks der Lächerlichkeit preiszugeben, ist kein taugliches Mittel der Objektivierung.

    Was mich stört: Es wird nicht einmal mehr von Journalisten der Versuch unternommen, journalistische Objektivierungsversuche anderer zu würdigen („ich bin nicht seiner Meinung, aber er soll schreiben können, was er meint herausgefunden zu haben“). Im Gegenteil, wer etwas schreibt, dass nicht ins eigene Weltbild passt wird ungestraft mit irgendeinem „-ismus“ belegt. oder muss sich mit ad hominem herumschlagen.

    Also, welcher Journalist beschreibt einmal die Verdienste der Obama- und Trump-Regierung (aus Sicht der jeweiligen Befürworter) möglichst wohlwollend und stellt diese gegenüber? Die Erwiderung kenne ich schon – „Welche Verdienste?“ (gleicher Satz von den jeweiligen Anhängern). Mir persönlich ist dies Attitüde zu fadenscheinig.

  37. ST: „Nach neuesten Erkenntnissen dient selbst eine Widerlegung einer klaren Fake News deren Verbreitung, weil sich diese falsche Aussage eben auch im Hirn festsetzt.“

    Aber hier ist doch der Fehler. Journalismus geht von einer öffentlichen Meinung aus. Öffentliche Meinung ist dadurch definiert, dass es rationale und erkenntnisfähige Bürger gibt. Der Journalist versorgt die öffentliche Meinung mit den unterschiedlichsten Informationen, damit sie rational entscheiden kann. Er selektiert aber nicht die Informationen vor, um diese Entscheidung zu beeinflussen.

    Wenn ich nun die Ansicht vertrete (und Sie erlauben die Polemik: gemeinsam mit Goebbels), dass es gar keine erkenntnisfähigen Bürger gibt, dann gibt es eben keinen Journalismus, sondern tatsächlich nur Aktivismus und Propaganda.

    Aktivismus und Journalismus gleichzusetzen, geht von dieser zweiten Annahme aus, versucht aber Ansehen und Prestige der ersten Annahme für sich zu reklamieren.

  38. „The Great Barrington Declaration“

    Interessant. Diese Maßnahmen würden ja auch ein Hinnehmen der zwangsläufigen Covid-Todesopfer bedeuten, so wie man ja auch die Grippetoten hinnimmt.
    Wobei ich meine, schonmal etwas von diesem Ansatz irgendwo gelesen zu haben. Aber er bekommt in der Tat nicht die „Presse“, die der Lockdown-Ansatz bekommt.

    Zum Fall Assange ist es tatsächlich furchtbar, wie (hierzulande) die Presse damit umgeht. Oder besser: Nicht damit umgeht.
    Wenn man bedenkt, wie eilfertig von den gleichen Leuten die Bild als „Journalismus“ und Meinungsäußerung verteidigt wird.

    Das sollte man alles hinterfragen.
    Aber gleichzeitig in Betracht ziehen, dass es Objektivität eben nicht gibt. Wir sind alle durch unser freudsches „Es“ und „Über-Ich“ geprägt, worein auch Weltanschauungen spielen.
    Politischen Aktivismus würde ich es nicht nennen.

  39. @ Frank Möller, #41
    „Er selektiert aber nicht die Informationen vor, um diese Entscheidung zu beeinflussen.“

    Doch, tut er. Teils unbewusst, teils aus Zeitgründen, teils weil Sie als Rezipient keine 5 Stunden Zeit haben, die ganzen Informationen aufzunehmen.

    Es ist schon klar, dass wir in Deutschland eine journalistische Blase haben, dass die allermeisten Journalisten aus weißen Akademikerhaushalten kommen. Das ist ein Problem. Aber eine Lösung dafür hat irgendwie auch keiner.
    Im Grunde verdichtet Social Media dieses Problem. Dadurch fällt jetzt erst auf, wie eng die Blasen in unserer Gesellschaft sind, die vermutlich schon immer existiert haben. Eben _weil_ jede*r seine Meinung oder Information ungefiltert in die Welt setzen kann, also wie ein*e Journalist*in tätig sein kann. Durch den großen Unsinn der Verschwörungsmythen, die jetzt verbreitet werden, fällt auch der kleine Unsinn auf, der durch die Profis verbreitet wird.

    Demnach müssten wir das Konzept der „vierten Säule“ völlig neu denken.

  40. @ Hole, #40
    „Ich bin kein Journalist, hoffe aber, dass diese Methodik Teil der Ausbildung ist. Ein Wissenschaftler, der ein solches Vorgehen nicht beherzigt, ist keiner. “

    Es sind eben keine Wissenschaftler, sondern Journalisten. Wobei sich einige wie Wissenschaftler gebärden, unberechtigterweise…

    „Je mehr man sich einer vermeintlich guten Sache verschrieben hat, desto höher ist der persönliche Bias“

    So sind Journalisten mithin Opfer unserer Zeit, so wie wir alle eigentlich auch. Natürlich muss man dann darauf hinweisen, dass Journalisten ja „Profis“ sind und von Berufs wegen über diese Zusammenhänge nachdenken müssten.

    Da ich schon länger Texte von Herrn Niggemeier lese, weiß ich, dass derart grundsätzliches Nachdenken Journalisten fremd ist und maximal in Leitartikeln als Feigenblatt angedeutet werden.

    Zu meinem Beitrag #36: Derart differenziert haben Sie sich eben nicht ausgedrückt. Deshalb wollte ich meinen gewonnen Eindruck von Ihren Beiträgen überspitzen.

  41. @ST
    „Derart differenziert haben Sie sich eben nicht ausgedrückt. Deshalb wollte ich meinen gewonnen Eindruck von Ihren Beiträgen überspitzen.“

    Glauben Sie mir, ich schätze es wie jeder andere Forumsteilnehmer, mich mit fremden Menschen, die sich nach 3-4 Beiträgen ein Bild von mir gemacht zu haben glauben, über das, was ich EIGENTLICH ausdrücken wollte zu streiten. Aber drängen Sie nicht so, bleiben wir doch erst einmal bei dem, was TATSÄCHLICH geschrieben wurde.

    „Es sind eben keine Wissenschaftler, sondern Journalisten. “

    Die beschriebene Methodik kann man meiner Erfahrung nach allerdings jedem Kind beibringen. Das ist nur zunehmend schwerer, wenn man eine „heilige Mission“ in sich trägt. Bei vergleichsweise „unwichtigen“ Sachen gelingt das den meisten. Ein Journalist sollte aber besonders darauf geschult sein und zumindest ein schlechtes Gewissen haben, wenn er ein gutes Gegenargument unter den Tisch fallen lässt (so, wie ein Statistiker, der eine Zahl verdreht). Der Leser merkt das nämlich rasch, dass ihm etwas untergejubelt werden soll und deswegen verfängt der Begriff „Lügenpresse“ auch bei moderaten Menschen, genauso, wie eben anno dazumal der Begriff „Quacksalber“ (ich vermute, „Quacksalber“ wird im Zuge der Covid-Erfahrungen eine Renaissance erleben).

    Hier geht es für mich ganz klar um die Frage einer Qualitätssicherung – wie bei anderen Berufen über die Zeit, wie Ärzten, Piloten, Ingenieuren, usw. Deswegen ist Übermedien eine gute Idee, eigentlich..

    Ich sehe in diesem Zusammenhang zwei Problematiken: Journalisten werden prekär bezahlt und Journalist ist kein geschützter Beruf. Klar, nicht jeder ist hauptsächlich monetär motiviert, aber wenn ein Beruf kein Auskommen verspricht, bekommen die Idealisten, Spinner, Loser, Heilsbringer, Bekehrer und Selbst-Ausbeuter irgendwann die Oberhand. Von denen möchte ich weder operiert, noch geflogen werden. Und von denen will ich mir auch nicht die Welt erklären lassen.

    Beispiel: M.W hat die Süddeutsche 2018 oder so in München fest-freie Wirtschaftsredakteure (Abschluss einschlägiges Studium vorausgesetzt) gesucht, denen sie € 120 (€ 150?) Tagessatz angeboten hat. Wer sich auf so etwas bewirbt hat vielleicht von vielem eine Ahnung, aber sicherlich nicht von Ökonomie. Und dementsprechend liest sich dann das Geschreibsel.

  42. wenn die geforderte „Objektivität“ (eine absolute!!!) einfach nur wieder nur in den ganz privaten „Rechts-Spin“ driftet, nö wa? Einfach mal bei sich selbst beobachten! Der Rest ist einfach nur Blablablabla …Echt traurig.

    Es ist schon kein Zufall, dass die populistische Rechte mit dem Begriff „Lügenpresse“ zuerst den VErein kalt stellen will, der den eigenen Interessen im Weg steht. Um dann natürlich mit der eigenen „Wahrheitspresse“ (maximal objektiv) weiterzumachen. Hahahahaha

  43. @Hans
    „wenn die geforderte „Objektivität“ (eine absolute!!!) einfach nur wieder nur in den ganz privaten „Rechts-Spin“ driftet, nö wa? Einfach mal bei sich selbst beobachten! Der Rest ist einfach nur Blablablabla …Echt traurig.“

    Auf dem Südpol ist es so, dass jeder Schritt nach Norden führt, egal in welche Richtung man geht. Manche Leben auf dem Linkspol, manche auf dem Rechtspol. Die erreicht man eben nicht.

    Beispiel für unredlicher Berichterstattung:
    „DIE LINKE: Erschießen von Reiche“. Jeder, der das Video ansieht, merkt im Kontext, was gemeint war und das die Erwiderung von Bernd Riexinger maximal ein launischer schlechter Witz war. Selbst ich, obwohl DIE LINKE wirklich die aller letzte Partei wäre, die ich wählen würde.

    Merkel: „..wir schaffen das..“ vs. „Das Motiv, mit dem wir an diese Dinge herangehen, muss sein: Wir haben so vieles geschafft – wir schaffen das! “

    Merkels Aussage wird durch die übliche Verkürzung meist, wenn nicht in ein völlig falsches Licht gestellt. Selbst die Tagesschau fabuliert über die Bedeutung des Satzes, und alles was dazu geschriebene wurde, wird durch Kenntnis des vollständigen Zitats völlig gegenstandlos. (https://www.tagesschau.de/inland/merkel-wir-schaffen-das-109.html)

    Und völlig egal, von wem solche Verdrehungen kommen, mich widern sie an.

    Ich habe mir wegen des obigen Artikels die Mühe gemacht Hanns Joachim Friedrichs Originalzitat im Kontext anzuschauen, und siehe da, ich muss dem Autor widerwillig Recht geben. Meine bisherige Interpretation des Zitats geht viel zu weit. Da habe ich doch heute tatsächlich etwas gelernt auch wenn ich mir gewünscht hätte, dass Friedrichs die Aussage fundamentaler gemeint haben könnte.

    Naja das Ringen um Objektivität („blablablablabla“) ist nicht jedermanns Sache, manche denken eben wie Fußballfans. Denen geht’s nicht ums Foulen, sondern darum, wer gefoult hat. Für gute journalistische Arbeit eine völlig untaugliche Haltung, wie ich meine.

  44. @ ST:

    „Zum Fall Assange ist es tatsächlich furchtbar, wie (hierzulande) die Presse damit umgeht. Oder besser: Nicht damit umgeht.“

    Und wie Übermedien mit diesem Nicht-Umgang wiederum umgeht!

    @ MR RE:

    Mein Beitrag hat sich zu einem Großteil direkt auf Ihren bezogen. Wenn Sie da in der Sache nichts dazu sagen können, dann sollten Sie dazu wenigstens stehen.

    Ach ja, und dies vorsorglich noch dazu, falls jetzt jemand sagt: Es gibt doch ab und an mal auch eine kritische Perspektive in den Medien etwa zu den „Infizierten-Zahlen“. Sie haben doch selbst eine verlinkt!
    Ja, gibt es und habe ich verlinkt. Das sind aber Ausnahmen, Inseln in einem Ozean, die die Folge-Berichterstattung in den Hauptnachrichten nicht beeinflussen
    https://www.nachdenkseiten.de/?p=65593

    (Und Sie brauchen auch nicht auf mich böse zu sein, nur weil Ihre Beiträge oft recht schlicht sind und Ihnen das mal irgendwann nach langem Zögern dann auch mal jemand sagt. Sie sollten das lieber zum Anlass nehmen sich zu verbessern.)

  45. @S. Hole
    Ist doch schön, wenn Sie sich „kritisch“ (!) mit der PResse auseinandersetzen. Aber aus Ihrer Haut (quasi in den objektiven Himmel) können Sie nicht, siehe hier: „Selbst ich, obwohl DIE LINKE wirklich die aller letzte Partei wäre, die ich wählen würde.“ Erwischt! es nimmt ihnen übrigens niemand übel, dass sie nicht die linke wählen, by the way. ist in einer demokratie voll krass in ordnung. was meinen sie, kriegen wir die #150 kommentarbeiträge noch voll, oder machen wir lieber was vernünftiges?

  46. @Hans

    Scheint, Ihnen ist die Pointe meines Beitrags entgangen.

    Obwohl, „Erwischt“ zu schreiben, wenn man etwas gelesen hat, was der andere genauso geschrieben hat, zeugt schon von Humor. Wenn Ihnen einer die Hand zur Begrüßung reicht, sagen Sie dann auch „hab ich Dich!“?

  47. @LLL: Was ist denn mit Ihnen plötzlich los? Was sollen die persönlichen Angriffe, das ist doch sonst nicht Ihr Stil: „typischen Niveau-Limobo-Beiträge“, „denken [Sie] einmal selbst nach“, „Leute Ihrer Art“, „Ihre Beiträge [sind] oft recht schlicht“ – entspannen Sie sich mal wieder, finden zurück zum zivilen Ton und dann äußere ich mich gerne auch zur Sache.
    Und keine Sorge, ich bin nicht böse auf Sie, so wichtig sind Ihre Beiträge hier nicht für meine emotionale Verfassung.

    PS: Kurze Rückfrage zu Ihren Verhaltenstipps – wenn ich Ihnen jetzt nach langem Zögern schreiben würde, Ihre Beiträge seien zu lang, repetitiv und sophistisch, würden Sie das dann zum Anlass nehmen, sich zu bessern? Oder wiesen Sie das alles bloß zurück und drohten wie neulich damit, hier nicht mehr so oft zu kommentieren und sich zurückzuziehen, bis man Ihnen Gehör schenkt?

  48. @ MR RE:

    Ich möchte Ihnen nicht persönlich zu nahe treten, aber in letzter Zeit fallen mir Ihre Beiträge doch kritisch auf. Vielleicht ärgert es mich, dass wir hier einfach irgendwie nicht vom Fleck kommen und immer auf derselben Stelle treten. Ich versuche es möglichst unpolemisch und sachlich.
    Sie schreiben:

    „Die Zahl der Infizierten zu nennen ist doch ‚reine Information‘, siehe Operator ’nennen‘.“

    Das ist es halt nicht. Es gibt nicht umsonst ein Buch mit dem Titel „Lügen mit Zahlen“. Die Präsentation reiner Zahlen kann Leute auch völlig von der Wahrheit weg und in die Irre führen.
    Die Zahl der „Infizierten“ allein und ohne Einordnung zu präsentieren, kann aus unterschiedlichen Gründen irreführend sein, von denen ich nicht mal alle nenne:

    – Nicht mal jeder mit richtig (!) positivem Test ist „infiziert“ oder gar erkrankt. (Wie es Drosten einmal im Zusammenhang mit MERS und der PCR-Methode formuliert hatte: „Wenn ein solcher Erreger zum Beispiel bei einer Krankenschwester mal eben einen Tag lang über die Nasenschleimhaut huscht, ohne dass sie erkrankt oder sonst irgend etwas davon bemerkt, dann ist sie plötzlich ein […] Fall.“)

    – Es gibt die Gefahr falsch positiver Tests. Manche Labore mögen das durch Doppel-Testung minimieren, aber es gibt keine verbindlichen Standards. Gerade bei einer geringen Prävalenz wird das zum echten Problem, wie auch Gesundheitsminister Jens Spahn bereits erklärt hatte. Wie viele Ergebnisse falsch positiv sind, wird von unterschiedlichen Experten unterschiedlich eingeschätzt (der frühere Forschungs-Chef von Pfizer meint sogar, es sei die große Mehrheit) – aber in jedem Fall ist das ein ernstes methodisches Problem.

    – Wer sucht, der findet. Wenn Sie zehn mal mehr Leute testen, müssen Sie sich nicht wundern, dass Sie auch zehn mal mehr positive Resultate erhalten. Genau das ist in etwa geschehen: Man hat die Zahl des Testungen enorm ausgeweitet. Trotzdem hat man pro durchgeführte 100 Tests eben NICHT mehr positive Resultate. Die Quote ist vielmehr seit dem Frühjahr dramatisch gesunken und pendelt nun in einem niedirgen Bereich meist unter 1% hin und her. (Natürlich haben wir es da nicht mit einer repräsentativen Untersuchung zu tun; wie sie die Prävalenz tatsächlich entwickelt, kann man also nicht genau sagen.)

    – Viele Schnupfen-Viren kommen auch häufig vor oder breite sich aus, und es interessiert auch niemanden, ob sie sich ausbreiten oder nicht. Warum nicht? Weil die Verbreitung einfacher Schnupfen-Viren in der Regel keine besonderen negativen Folgen hat. So sieht es jedenfalls derzeit (!) auch mit dem SARS-CoV-2-Erregerr aus. Die Zahl der Hospitalisierungen, Intensiv-Bett-Belegungen und Sterbefällen ist seit Langem niedrig und schwankt auf sehr bescheidenem Niveau. Dieser Effekt kommt wohl auch NICHT allein daher, dass Corona vor allem Jüngere betreffen würde. (Haralad Wallach hat das in einem Blog-Beitrag dargelegt.) Covid-19 ist derzeit für Deutschland also KEIN großes öffentliches Problem.

    – Ähnlich sieht es offenbar auch mit all unseren Nachbarn aus. Die Anzahl der registrierten Fälle steigt zwar gewaltig; Todesfälle gibt es aber sehr wenige. Die einzige leichte „Ausnahme“ ist Spanien, aber auch da ist die „zweite Welle“ VIEL geringer als die erste (ohne etwas verharmlosen zu wollen: Es ist in Relation ein kleines Wellchen). Sie können sich das selbst auf den Seiten der WHO einfach ansehen, indem Sie auf das entsprechende Land klicken (covid19[dot]who[dot]int). Betrachten Sie einmal die Werte („confirmed cases“ vs. „deaths“) z.B. für Deutschland Frankreich, Italien, Spanien, das UK und Schweden.

    – Jeder Tod ist bedauerlich, aber man muss die Dinge auch immer ins Verhältnis setzen. Pro Jahr sterben viele Menschen, und in den meisten Ländern hat Covid-19 die Anzahl der Verstorbenen nicht oder nur moderat erhöht.

    Das – und auch weitere Fakten, die ich hier übergehe – was bedeuten sie? Natürlich, dass die präsentierten Fallzahlen extrem wenig Aussagekraft haben! Dass man bei den Leuten einen falschen Eindruck erweckt, wenn man ihnen einfach so mit ernster Mine und ohne Erklärung und Kontextualisierung und ohne Spiegelung an gesundheitlich relevanten Parametern (wie der Zahl der Hospitalisierungen) präsentiert. Dass man Ängste weckt und schürt, die übertrieben sind, aber den Politikern und ihren Maßnahmen in die Hände spielen.
    Zumindest jetzt gerade ist die Situation sehr entspannt; das mag sich womöglich noch ändern (das ist umstritten), aber es geht mir hier nicht mal um Warnungen vor der Zukunft , sondern darum, wie die aktuelle (!) Lage dargestellt wird.

    Und es sollte evident sein, dass es absurd ist, wenn mit der nackten Zahl der positiv Getesteten einschneidende Maßnahmen gerechtfertigt werden, ohne wenigstens die Anzahl der Testungen und gesundheitspolitisch relevante Parameter zu berücksichtigen, und dass eine Öffentlichkeit, der man so etwas verkaufen kann, schlecht informiert ist.

    Es verwundert nicht, wenn der promovierte Mikrobiologe Andreas Bermpohl die irreführende Informationspolitik des RKI (welches ja eine Regierungsbehörde ist) als „grob fahrlässig“ bezeichnet. Es ist aber auch grob fahrlässig, wenn die Medien – abgesehen von dem einen oder anderen sporadischen Zwischenton – diese regierungsamtliche irreführende Informationspolitik unhinterfragt übernehmen und weiterreichen.

    Und das ist der politische Aktivismus, mit dem wir es in der Realität zu tun haben. Wenn Journalisten für Wahrheit, Vernunft, Wissenschaft, Rechtsstaat, Demokratie und Humanität Aktivisten sind, dann stört das die wenigsten. Aber das sind sie eben nicht nur. Sie sind auch und vielleicht sogar zuallererst Aktivisten für den Konsens der Mächtigen (Indexing-Theorie).

    Vielleicht noch ein anderes Beispiel, wie man die Leute mit Zahlen in die Irre führen kann. Überall hieß es ja, dass Schweden so eine enorme Übersterblichkeit durch Corona in diesem Jahr gehabt habe.

    Tatsächlich scheint diese Sterblichkeit im ersten Halbjahr 2020 vollkommen unauffällig gewesen zu sein. Wenn ich das richtig ausgerechnet habe, hatte Schweden in den ersten z.B. in den ersten sechs Monaten 2012, 2013 und 2014 sogar eine höhere Sterblichkeitsrate (Anzahl der Toten geteilt durch Gesamt-Bevölkerung) als in den ersten sechs Monaten des Jahres 2020, und in anderen etlichen ersten Halbjahren der letzten Dekade war die Rate ganz ähnlich wie 2020. Also absolut nichts Dramatisches!

    Quelle:
    https://www.scb.se/en/finding-statistics/statistics-by-subject-area/population/population-composition/population-statistics/pong/tables-and-graphs/quarterly-population-statistics–municipalities-counties-and-the-whole-country/preliminary-population-statistics-for-sweden-first-six-months-of-2010-2020/

    Meine Quelle (siehe Link) ist „Statistics Sweden“, welches über sich selbst sagt:
    „Statistics Sweden is responsible for official statistics and for other government statistics. This means that we develop, produce and disseminate the statistics. In addition, we coordinate the system for the official statistics in Sweden.“

    Schauen Sie es sich an, wenn Sie wollen (und setzen Sie vllt auch noch die Bevölkerungsgröße und Anzahl der Toten ins Verhältnis). Sie werden sehen, dass das erste Halbjahr 2020 offenbar völlig unauffällig war.

    Im nächsten Beitrag erfolgt der Link zu einem absolut sehenswerten Video, in welchem genau erklärt wird, wie die Medien durch hochgradig irreführende Darstelungen an sich korrekter Zahlen den Eindruck erwecken können, in Schweden seien viel mehr Menschen gestorben als sonst.

  49. Zu einem ganz ähnlichen Ergebnis wie die obige Statistik kommt auch Stafan Aust in der Welt am Sonntag unter der Übersc hrift „…denn sie wissen nicht, was sie tun“ (wobei er nur bis 2016 zurückgeht)

    Und ebenso das folgende Video, dessen Kenntnisnahme ich Ihnen und allen Mitlesenden besonders ans Herz legen möchte:

    https://www.youtube.com/watch?v=3MFiVTWefKE

    Man beachte auch den Link unter dem Video und die Graphen, die man auf der dort verlinkten Seite findet. In dem Video lernt man dann auch, auf welcher Basis die Medien uns in diesem Fall durch ihre Irreführung leimen, ohne explizit lügen zu müssen.

    (Die Zahlenangaben aus dem Video, von Aust und meiner Quelle unterscheiden sich geringfügig, vielleicht wegen leicht abweichender Zeiträume oder weil die einen Zahlen provisorischer und die anderen endgültiger sind – aber das fällt nicht wirklich ins Gewicht. Es ändert absolut nichts an der zentralen Aussage, dass die Sterblichkeit in Schweden im ersten Halbjahr 2020 absolut unauffällig war.)

    Und die Medien erzeugen einen ganz anderen Eindruck. Ja, das ist auch wieder Aktivismus. Aktivismus im Sinne eines regierungsfrommen Narrativs, nach welchem die Maßnahmen richtig waren und der milde Weg Schwedens ein großer Fehler gewesen sein muss. Aktivismus im Sinne des Konsenses der Mächtigen.

    Das ist der Aktivismus, der ein Riesen-Problem ist.
    Nur nicht auf Übermedien. Da ist die Welt der Medien heil und gut. Nicht immer und überall zur Gänze, gewiss (sonst bräuchte man Übermedien ja gar nicht), aber im Großen und Ganzen schon.

    Schauen Sie sich bitte das entsprechende Video und die Graphen an und sagen Sie mir dann, ob Sie ernsthaft abstreiten würden, dass unsere Medien bei einem sehr wichtigen Thema die Öffentlichkeit durch formell korrekte, in der Darstellung aber absolut irreführende Zahlen effektiv täuschen.

  50. @LLL: Meine Vermutung ist, dass Ihnen meine Beiträge (die eher sporadisch verfasst werden) sauer aufstoßen, seit wir nebenan beim Thema gendergerechte Sprache gegensätzliche Meinungen hatten. Aber sei’s drum, das tut hier nichts zur Sache. So wie Sie’s schreiben, wirkt es, als sei Ihr Qualitätsurteil über die Beiträge Anderer ausschlaggebend für deren Berechtigung, hier zu schreiben.

    Aber, Sie sagen es ja selbst: Wir treten auf der Stelle und die Diskussion um die Corona-Zahlen wurde auch bereits in mehreren Diskussionssträngen mit dreistelligen Kommentarzahlen geführt, die brauchen wir hier nicht ein weiteres Mal zu führen. Daher nehmen Sie es mir nicht übel, wenn ich nur auf das Zitat eingehe: Nur nackte Zahlen zu nennen ohne Einordnung/Spin/Einbettung war ja genau die Forderung von Frank Möller, der sich durch das Drumherum hinters Licht geführt fühlte. Natürlich ist die Auswahl der Zahlen keine neutrale Entscheidung, aber auch das war nicht mein Vorschlag, sondern die Forderung eines anderen Kommentierenden, der fälschlicherweise in ‚den Medien‘ betrügerische Subjektivität witterte und einforderte, dass sich Medienkonsumierende doch selbst ein Bild machen sollten.

  51. @ MR RE:

    Ich fand Ihre Kommentare in der entsprechenden Diskussion tatsächlich nicht luzide. Das ist wahr. Beispielsweise den Vergleich, wenn jemand seine Erfindung „Globus“ nennt (ob sich ein solcher Name durchsetzt oder nicht wird dann im Sprachgebrauch entschieden) und wenn andererseits durch Druck und Rechtsvorschriften versucht wird, die deutsche Grammatik zu ändern. Die Fälle scheinen mir so offensichtlich nicht vergleichbar zu sein, dass ich mich da einfach gewundert habe.
    Und nein, ich Maße mir nicht an zu sagen, wer hier schreiben soll und wer nicht.

    Frank Möller schrieb:

    „Bei Covid immer nur die Infiziertenzahlen statt den Todeszahlen zu nennen, ist schlechter Journalismus. Das zu machen, weil man die Maßnahmen der Bundesregierung unterstützen will, ist Aktivismus – ganz einfach.“

    Sie (MR RE) schreiben dazu:

    „Nur nackte Zahlen zu nennen ohne Einordnung/Spin/Einbettung war ja genau die Forderung von Frank Möller, der sich durch das Drumherum hinters Licht geführt fühlte.“

    Ich kann nicht nachvollziehen, wie man Herrn Möllers Äußerung so interpretieren kann. Ich interpretiere seine Aussage vielmehr so: Anstatt nur eine medizinisch weitgehend irrelevante Zahl zu nennen, sollte wenigstens ergänzend auch eine solche von med. Relevanz genannt werden. Dass da dann eine sachliche Einordnung nicht erlaubt sein dürfe, lese ich nicht aus Herrn Möllers Text heraus.

    „…der fälschlicherweise in ‚den Medien‘ betrügerische Subjektivität witterte …“

    Was ist denn falsch an dieser Witterung? Ist es denn keine grobe Irreführung, wenn die Medien so tun, als wären dramatisch steigende positive Testzahlen ein Beleg für eine dramatische Zunahme der Zahl Infizierten oder vielleicht sogar der Kranken?
    Und ist es keine Irreführung, wenn die Medien uns mithilfe von Zahlentricks weismachen wollen, dass Schweden ein Horror-Halbjahr mit unzähligen Toten hinter sich habe, wenn es ein vollkommen normales Halbjahr war?

    Sie hatten an Herrn Möller gerichtet als Antwort auf obiges Zitat auch geschrieben:

    „Sie wünschen sich aber einen Kommentar dazu, dass die Zahl ja egal sei, weil dAs iSt jA bLoß nE GrIpPe und fordern damit das ein, was Sie ‚den Journalisten‘ als Regierungshandlangern (hallo, VT) unterstellen…“

    Nein, das steht nicht da; kein Kommentar, sondern nur ergänzend eine Zahl, die die Bedeutung (resp. Bedeutungslosigkeit) der Zahl der positiv Getesteten illustriert. Das könnte auch die Zahl der Hospitalisierungen oder Intensiv-Patienten sein. Es geht zweifellos darum, dass die Leute verstehen, wie groß oder auch wie mäßig oder geringfügig die Gesellschaft aktuell medizinisch durch Covid-19 bedroht wird.

    Dass es bloß die Grippe sei, hat Herr Möller nicht gesagt. Das ist eine Unterstellung und ein Strohmann. Abgesehen davon IST Covid-19 für viele Länder, inklusive Schweden, jedenfalls bisher und sehr wahrscheinlich auch künftig tatsächlich nur so schlimm wie eine Grippe. Wie es zu lokalen Unterschieden kommt und in welchem Maß hier womöglich auch Fehlreaktionen eine Rolle spielen, ist eine andere Frage.

    Herr Möller hat auch nicht behauptet, dass Journalisten „Regierungshandlanger“ seien, und er hat auch keine „Verschwörungstheorie“ verbreitet. Was er gesagt hat ist, dass Journalisten die Maßnahmen der Bundesregierung unterstützen wollen. Dies ist aber keine „VT“, sondern eine offensichtliche Tatsache, wenn Sie sich den Umgang der Medien mit Corona anschauen – etwa, um nur zwei Beispiele zu nennen, den oftmals völlig unkritischen und in der Tat irreführenden Umgang mit der Zahl der positiv Getesteten. Oder das hochgradig irreführende Schweden-Bashing.

    Beides legitimiert die Regierungslinie, und das ist kein Zufall.

    (Eine rationale Diskussion würde feststhalten, dass es in Schweden trotz ungleich geringerer Maßnahmen nicht mehr Tote als bei einer durchschnittlichen Grippe gab – aber das könnte ja den viel restriktiveren Kurs der Bundes-Regierung sehr infragestellen. Also wird mit zum Teil atemberaubenden manipulativen Tricks der Eindruck erweckt, der schwedische Kurs sei katastrophal gescheitert.)

    Dass Medien häufig sehr unkritisch und affirmativ im Sinne der eigenen Machteliten berichten, wenn in diesen ein breiter Konsens herrscht, ist übrigens keine Verschwörungs- sondern eine Medientheorie mit guter empirischer Bestätigung.

    Schade, dass Sie auf meine inhaltliche Kritik so gut wie gar nicht eingehen. Denn nein, in den anderen Threads sind wir zum Beispiel noch gar nicht auf die augenscheinlich groteske Irreführung der Medien im Hinblick auf die Sterblichkeit in Schweden eingegangen.
    Es wäre eine gute Gelegenheit für Sie, Farbe zu bekennen, zumal nachdem ich Ihnen eine Statistik rausgesucht habe, die die Darstellung im Video in allen wesentlichen Punkten eindeutig belegt. Wir müssten nicht auf der Stelle treten, wenn Sie sich etwa an diesem Punkt inhaltlich einlassen würden und mir sagen könnten, ob Sie zustimmen, dass die Medien unter Anwendung von irreführenden Trickserien im Hinblick auf die schwedische Mortalität im ersten Halbjahr 2020 ein völlig irreführendes Bild der Realität zeichnen, oder wieso das Ihrer Meinung trotz der vorgelegten Evidenz nicht so sein soll.

  52. „Abgesehen davon können ja auch offenbar alle ganz gut damit leben, dass Journalisten hochgradig subjektiv sind, so lange „Meinung“ oder „Kommentar“ oder etwas ähnliches drüber steht.“

    Die Frage ist doch, ob der Berufsstand Journlismus gut mit folgenden Leben kann:

    „Alle haben sich daran gewöht, dass Journalisten hochgradig subjektiv sind, gleichgültig, ob da „Meinung“ oder ‚Kommentar‘ oder ‚Reportage‘ oder ‚gar nichts‘ drüber steht.“

    Unbhängigkeit als Qualitätsmerkmal reicht mir persönlich nicht aus, ich hätte auch gerne Integrität im Hinblick auf eine manipulationsfreie Informationsdarbietung. Leider kann man hier das Vertrauen schlecht erzeugen, aber sehr, sehr einfach zerstören. Das tun viele Journalisten im Moment, vor allem selbsternannte Aktivisten.

    Und Herrn Pantelouris ist sich über seinen eigenen Kernwiderspruch, den vielleicht nur ein „Aktivist“ intelektuell überbrücken kann, vermutlich gar keine Gedanken gemacht:

    „Ob es legal war oder nicht, meiner Meinung nach waren die Veröffentlichungen richtig. “

    vs.

    „Im Gegenteil: Ich erwarte von Journalisten, dass sie sich mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung gemein machen, .. “

    Eine freiheitlich-demokratischen Grundordnung basiert auf dem Prinzip Leglität, ob einem das in jedem Einzelfall behagt oder nicht.

  53. @ MR RE:

    Sie haben übrigens wohl recht, dass mein Ton nicht angemessen war; deswegen möchte ich ihn hiermit auch zurücknehmen.

    In der Sache selbst muss ich allerdings weiterhin eine kritische Position einnehmen; die Medien berichten m.E. in der Masse wesentlich anders, als unvoreingenommene Beobachter das täten. Beispiele gibt es genug; das letzte mit Schweden spricht Bände, und ich bitte wirklich jeden, der an der starken Voreingenommenheit der Medien Zweifel hat, sich das oben verlinkte Video zur Schweden-Berichterstattung anzusehen und sich dann dazu zu äußern.

    Um dies noch klarzustellen: In der kalten Jahreszeit wird es sicherlich zu einem Anstieg der Atemwegserkrankungen kommen, wahrscheinlich auch unter Beteiligung des SARS-CoV-2 Erregers. Ich halte dann u.a. folgende Fragen für offenkundig relevant:

    – Gibt es dann in der Summe deutlich mehr schwere akute respiratorische Erkrankungen als sonst?
    – Und in Bezug auf die Frage der Angemessenheit von Maßnahmen: Führt dies wiederum zu gravierenden Problemen (etwa drohende Überlastung von Intensiv-Stationen)?
    – Und wie wären positive vs. negative gesundheitliche Auswirkungen der Maßnahmen einzuschätzen?

    Wir werden sehen, ob die Medien sich ggf. solche Fragen stellen werden.

  54. „Ob es legal war oder nicht, meiner Meinung nach waren die Veröffentlichungen richtig“

    Ich halte dagegen mit:

    „Es gibt in meiner Einschätzung so ungefähr drei Stufen demokratischer Grundausstattung. … Die unterste Voraussetzung, die absolut notwendige, ist die Fähigkeit, sich an Regeln zu halten.“

  55. @ S. Hole
    wissen Sie, wie man das nennt, das Sinnieren über das Vergasen von Menschen mit der freiheitlichen demokratischen Grundordnung zu verteidigen? Rechten Meinungsaktivismus. Oder auch einfach nur: HH.

  56. Bedauerlich, dass „Übermedien“ in den eigenen Diskussionsforen den Schwurblern ungestört derart viel Raum lässt. Drüben verbreitet ein Herr rechte Gerüchte und setzt Links sogar zu einem Verschwörungsblog, hier wird – zum wiederholten Male – in Sachen Covid-19 massiv Verharmlosung betrieben.

    Beiträge veröffentlichen wie „Journalisten sind Aktivisten“, dann aber selbst bei klar irreführenden Kommentaren nur passiv zuschauen und Richtigstellungen den Lesern überlassen?

    Schade. Ich mag die Bühne für solche Leute nicht länger mitfinanzieren. Abo gekündigt.

  57. @ FPS:

    Gehen Sie doch einfach konkret auf meine Argumente und Belege ein und widerlegen Sie sie, falls Sie das können, anstatt bloße Behauptungen aufzustellen und Etiketten zu verteilen.

  58. LLL:

    Wenn man den Rauch einer Nebelkerze weggeblasen hat, wird ja eh gleich die nächste geworfen.

    Um es mit Drosten zu sagen: Ich habe Besseres zu tun.

  59. @ FPS:

    Dann zeigen Sie doch wenigstens exemplarisch in einem Fall, dass es sich bei einem meiner Argumente um eine „Nebelkerze“ handelt! Zeigen Sie in einem einzigen Fall, dass eine meiner Behauptungen falsch oder irreführend ist!
    Zeigen Sie, dass eine meiner Beleg-Quellen falsch ist!
    Begründen Sie z.B., wieso die amtliche schwedische Statistik falsch ist, oder alternativ, wieso aus ihr nicht folgen sollte, dass die Mortalität in diesem ersten Halbjahr völlig unauffällig ist!

    Aber das können Sie natürlich nicht. Deshalb versuchen Sie es auch gar nicht erst. Sie können nur diffamieren und leere Behauptungen aufstellen und mit Kampfbegriffen um sich werfen. Das ist alles.

    Und ob Herr Drosten in seiner Diskussionskultur so ein leuchtendes Beispiel ist, kann man übrigens auch bezweifeln:
    https://www.achgut.com/artikel/die_sehnsucht_nach_professor_brinkmann

    Und ja, ich würde auch lieber einen Artikel der Süddeutschen oder der FAZ oder der Zeit verlinken. Wenn es die gäbe.

    Ich möchte Sie allerdings auf einen Sachverhalt hinweisen, der Ihnen bis dato offenbar unbekannt war („und setzt Links sogar zu einem Verschwörungsblog“):
    Die Gültigkeit eines Argumentes hängt davon ab, ob aus (erkennbar) wahren Prämissen in logisch korrekter Weise eine Konklusion (Schlussfolgerung) gezogen wird. *
    Es ist hingegen völlig irrelevant, wer das Argument vorträgt. Wer dies missachtet, begeht einen sog. generischen Fehlschluss bzw. gebraucht (je nach Fall) ein Ad-hominem-Argument. In beiden Fällen handelt es sich um Fehlschlüsse.

    (* Ich spreche hier nicht von der speziellen Definition der Logiker, weil das nichts brächte, sondern vom üblichen Verständnis.)

    Deshalb habe ich zum Beispiel von dem verlinkten Video einfach recherchiert, ob die zentralen Aussagen stimmen, und nicht, ob das zugehörige Blog „verschwörungstheoretisch“ ist. Es ist auch völlig egal.

    Ich halte Ihnen zugute, dass Ihnen all das bisher vermutlich unbekannt war. Bitte lernen Sie aber dazu. Falls Sie künftig inhaltlich nachvollziehbar belegte Argumente kritisieren, dann bitte inhaltlich. Außer Sie wollen absichtlich logische Fehler produzieren.

  60. „wissen Sie, wie man das nennt, das Sinnieren über das Vergasen von Menschen mit der freiheitlichen demokratischen Grundordnung zu verteidigen? Rechten Meinungsaktivismus. Oder auch einfach nur: HH.“

    „„Wir erschießen sie [die Reichen] nicht, wir setzen sie schon für nützliche Arbeit ein“. Bernd Riexinger

    Man kann natürlich bei jeder, noch so dummen, Meinungsäußerung die „Freiheitliche Demokratische Grundordnung“ in Frage zu stellen. Ob Links- oder Rechts-Populistisch, die Methodik ist immer die Gleiche. Lässt man sich von provokantem Blödsinn auf die Palme bringen, leided das Beurteilungsvermögen.

  61. ein letzter Kommentar zur Versachlichung: eine Figur wie S.Hole ist ein Musterbeispiel für die Taktik der neuen Rechten, über pseudosachliche Diskussionen und die Verwischung aller Grenzen klaren Denkens Diskurshoheit zu gewinnen. Um nichts anderes geht es. Bye, bye …

  62. „ein letzter Kommentar zur Versachlichung: eine Figur wie S.Hole ist ein Musterbeispiel für die Taktik der neuen Rechten, über pseudosachliche Diskussionen und die Verwischung aller Grenzen klaren Denkens
    Diskurshoheit zu gewinnen. Um nichts anderes geht es. Bye, bye …“

    Und wenn einem das schon nach lesen weniger Worte dann klar wird, erübrigt sich jede Auseinandersetzung mit Argumenten, da reicht die Etikettierung und man deklariert einfach nur noch den Sieg.

    Aus Ihre Perspektive haben Sie völlig recht lieber Hans.

  63. Es ist im Grunde irrelevant, aber da ich ja auch in Kleinigkeiten korrekt sein möchte, hier eine kleine Korrektur. Ich hatte ja gesagt, dass die Sterblichkeit im 1. Halbjahr 2020 in Schweden unter der in den ersten Halbjahren 2012-2014 liege, wenn ich richtig gerechnet hätte.
    Ganz richtig war das nicht; man sollte seine Rechen-Ergebnisse aufschreiben oder abspeichern. Die Sterblichkeit für das jeweils 1. HJ beträgt nach meiner Rechnung, ausgehend von den Zahlen der schwedischen Statistik-Behörde (s.o. Link) und angegeben in Prozent:

    2012: 0,49899068843604
    2013: 0,49110940770094
    2014: 0,459594681105
    2015: 0,48307348612961
    2020: 0,49655200393339

    Es verhält sich also so, dass die Sterblichkeit im 1. HJ 2020 minimal höher ist als die im 1. HJ 2013 (oder auch 2015), etwas höher als im 1. HJ 2014 und minimal niedriger als im 1. HJ 2012. Wie gesagt kommt das verlinkt Video, das sich auf Eurostat beruft, zu geringfügig anderen Ergebnissen als ich anhand der Zahlen der schwedischen Statistik-Behörde. Aber das sind das Kinkerlitzchen, die keinen Einfluss auf den zentralen Befund haben, nämlich dass die Sterblichkeit im 1. HJ 2020 völlig im Rahmen des Erwartbaren, Üblichen und Normalen liegt. Mit welchen Tricks und Auslassungen die Medien es schaffen, diese Tatsache in ihr Gegenteil zu verdrehen (soweit sie sie nicht einfach ignorieren) wird wie gesagt im verlinkten Video erläutert.

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