Vom „Hurensohn“ zum wohltätigen „Virensohn“

Am 15. März erschien in der „Welt am Sonntag“ eine der bislang brisantesten politischen Geschichten rund um die Corona-Pandemie: Wirtschafts-Ressortleiter Jan Dams hatte herausbekommen, dass hinter den Kulissen zwischen den USA und Deutschland ein Streit um die exklusive Vermarktung eines möglichen Covid19-Impfstoffs aus deutscher Produktion entbrannt sei: Demnach wolle sich US-Präsident Trump den Impfstoff im Falle einer erfolgreichen Zulassung exklusiv für den amerikanischen Markt sichern.

Dietmar Hopp und die Ausrisse vieler lobpreisender Artikel

Die Tübringer Firma, um die es geht, heißt CureVac. Deren damaliger Chef, Daniel Menichella, nahm Anfang März an einem Treffen mit Trump im Weißen Haus teil. Der US-Präsident habe eine Milliarde Dollar für die Exklusivrechte geboten, schrieb die „WamS“. Die Bundesregierung aber verhandle mit der Firma, um einen solchen Deal zu verhindern. CureVac selbst schwieg.

Mehrere Mitglieder der Bundesregierung bestätigten die Geschichte: Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sagte: „Deutschland steht nicht zum Verkauf“. Außenminister Heiko Maas (SPD) verkündete: „Dieses Virus werden wir nur gemeinsam besiegen, nicht gegeneinander.“ Innen- und Heimatminister Horst Seehofer (CSU) gab zu Protokoll, die Angelegenheit werde Thema im Krisenstab der Bundesregierung sein. Und Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gab im ZDF bekannt, dass „die Übernahme vom Tisch“ sei:

Trotzdem werden seitdem Zweifel am ursprünglichen Hergang laut, geäußert an erster Stelle vom Botschafter der USA in Deutschland, Richard Grenell. Er twitterte am 15. und 16. März gleich mehrfach zu der Sache – und bestreitet bis heute den gesamten Sachverhalt:

CureVac selbst blieb nach der Publikation zunächst bei der Strategie, sich nicht zu äußern, schwenkte am 16. März aber um. Auf Twitter verkündete das Unternehmen, „während und seit der Sitzung der Task Force im Weißen Haus am 2. März kein Angebot von der US-Regierung oder verwandten Einrichtungen erhalten“ zu haben. Man weise „alle Vorwürfe der Presse zurück“.

Kaum glaubhafte Dementis

Allerdings gab es rund um die Veröffentlichung der Geschichte zwei Führungswechsel bei CureVac, an deren pure Zufälligkeit schwer zu glauben ist: Vorstandschef Menichella, der noch am 2. März im Weißen Haus gewesen war, wurde am 11. März abgelöst – und durch Gründungs-CEO Ingmar Hoerr ersetzt. Dieser wiederum gab das Amt nach nur fünf Tagen wieder auf – vorübergehend aus gesundheitlichen Gründen, wie es heißt. Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Franz-Werner Haas führt seitdem die Geschäfte.

Jan Dams sagt im Gespräch mit Übermedien, dass ihn eine Quelle aus Berliner Regierungskreisen schon vor einiger Zeit auf den Vorgang aufmerksam gemacht habe – und er daraufhin weiter recherchiert habe, bis ihm die Informationen von weiteren Quellen in der Bundesregierung bestätigt worden seien.

CureVac habe die Gelegenheit zur Stellungnahme nicht genutzt, sondern innerhalb weniger Stunden und lange vor Ablauf der gesetzten Frist mitgeteilt, dass man sich nicht äußern werde.

Insgesamt spricht fast alles für die ursprüngliche „WamS“-Geschichte und wenig dagegen. Wenn man einen lange geplanten Wechsel an der Unternehmensspitze vollzieht, schickt man im Normalfall nicht den Chef ins Weiße Haus, der eine gute Woche später der Ex-Chef sein wird. Auch die Interessenslage gleich mehrerer Ministerien, den Vorgang fälschlich zu bestätigen, erscheint unklar: Was könnte man außer einer Brüskierung der USA erreichen?

Zudem gefährdet die Story das US-Geschäft einer in Deutschland ansässigen Firma, die hier Arbeitsplätze schafft. Und schließlich ist das Haus Springer ja gerade für seine feste Verbundenheit mit transatlantischen Prinzipien und seine Nähe zu den USA bekannt.

Informationen einer Quelle durch Nachbohren bei Ministerien zu erhärten, gehört zum Kerngeschäft von investigativem Journalismus. Jedes andere Medium hätte die Geschichte im Falle einer Bestätigung durch ein Ministerium auch gebracht. Dass sich einzelne Regierungsmitglieder dabei selbst auf die Schulter klopfen, tut dieser Methode weder Unrecht noch Abbruch: Denn die Relevanz der Story in Zeiten einer Pandemie ist evident.

Welche Rolle spielte Dietmar Hopp?

Weit weniger evident ist dagegen die Rolle von CureVac-Hauptinvestor Dietmar Hopp. Der sagte zu „Bild“:

„Wenn es uns hoffentlich bald gelingt, einen wirksamen Impfstoff gegen das Coronavirus zu entwickeln, soll dieser Menschen nicht nur regional, sondern solidarisch auf der ganzen Welt erreichen, schützen und helfen können.“

Hopp erklärte die exklusiven USA-Pläne seien für ihn „keine Option“ gewesen. Damit widerspricht er indirekt dem Dementi der Firma.

Der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ sagte Hopp am vergangenen Wochenende dagegen, „ob und in welcher Form es diese konkrete Anfrage gegeben hat, wissen wir nicht“. Die Dievini Hopp BioTech Holding, über die der Milliardär die Aktienmehrheit an CureVac hält, habe lediglich „auf eine Medienanfrage reagiert und unseren Standpunkt klargemacht“.

Doch Hopp reagierte nicht nur, sondern gab gezielt Interviews, neben „Bild“ und „FAZ“ auch noch dem Sender Sport1. Dort inszenierte er sich immer wieder als altruistischer Wohltäter – Anfragen anderer Medien, von denen Übermedien Kenntnis hat, ließ er jedoch unbeantwortet. Auch der Bundesligaverein TSG Hoffenheim diente wieder einmal als Hopps Sprachrohr:

Viele Medien folgten diesem Framing: Hopp, der noch vor Kurzem in diversen Fankurven als „Hurensohn“ verunglimpft uns ins Fadenkreuz genommen worden war, sollte nun der aufrechte Kämpfer gegen Corona sein: „Vom Fußball-Hurensohn zum Corona-Helden – so eine Geschichte fällt sonst nur Hollywood ein“, jubilierte Michael Horeni in der „FAZ“ – und sein Kollege Sven Astmeister forderte: „Gelingt CureVac der Durchbruch, gehört dem Mann in der Tat ein Denkmal gesetzt.“

Der stellvertretende Chefredakteur des „Hamburger Abendblatts“, Matthias Iken, kommentierte: „Deutschland braucht Menschen wie ihn“. Für „Börse ARD“ nannte Lothar Gries Hopp den „Unbestechlichen“, der „Rückgrat zeigt, erst gegen den Hass im Fußball, jetzt gegen Donald Trump.“ Und „Tagesspiegel“-Kolumnistin Hatice Akyün kürte Hopp zum „genialen Virensohn“:

Image-Kapital mindestens verdreifacht

Ein etwas anderes Bild zeichnet ein gut 15 Monate altes „Handelsblatt“-Interview aus dem Dezember 2018. Dort lautete die Überschrift: „Dietmar Hopp glaubt an seine Biotechs: ‚Wir werden unseren Einsatz verdreifachen‘“. Hopp berichtet, dass er insgesamt rund 1,4 Milliarden Euro in die Branche investiert habe, gestreut auf zehn verschieden Firmen mit Beteiligungen von fünf bis 95 Prozent.

Obwohl es in der Vergangenheit zu verschiedenen Fehlschlägen gekommen sei, ist Hopp sich seiner Sache sicher: „Wir werden an jeder dieser Firmen Geld verdienen, zum Teil sogar sehr viel“, gibt er zu Protokoll. Eine Verdreifachung entspräche also einem Gewinn von mindestens 2,8 Millarden Euro. Das klingt mehr nach knallhartem Investor, der Rendite für seinen Einsatz sehen will.

Und auch ein anderer Abschnitt ist erhellend: Denn CureVac entwickelt nicht einfach neue Medikamente, sondern eine ganz neue Technologie. Das „Handelsblatt“ merkte damals kritisch an, dass „noch gar nicht bewiesen sei, ob man mit dieser Technik wirklich Medikamente entwickeln kann“. Hopp entgegnete, man sei „in der Tat noch in einer frühen Phase klinischer Studien. Wenn es schnell geht, könnte der Tollwut-Impfstoff, an dem CureVac arbeitet, in vier bis fünf Jahren eine Zulassung erhalten.“

Ein Medikament, an dem CureVac damals schon arbeitete, für das extrem gut erforschte, altbekannte Rabiesvirus, gegen das es schon andere Impfstoffe gibt, wäre demnach Ende 2023 marktreif gewesen – „wenn es schnell geht“. Doch für das völlig neue Corona-Virus soll dasselbe nun in sechs Monaten gelingen. Für Journalisten eigentlich eine gute Gelegenheit, Hopp jede Menge Fragen zu stellen. Doch die einen feierten ihn, anderen gab er keine Interviews.

Ob es nun klappt oder nicht – sein Image-Kapital hat Dietmar Hopp bereits mindestens verdreifacht. Dank der Jubelarien einiger Medienvertreter.


Nachtrag, 26. März, 23 Uhr. Wir haben das Ende des Textes überarbeitet und drei weitere Absätze eingefügt, die zuvor teilweise dem Redigat zum Opfer gefallen waren.

18 Kommentare

  1. Wie bitte? Erst wird Hopp vorgeworfen er gäbe gezielt Interviews und dann dass er Interviewanfragen ablehnt?
    Und wo er sich wieder als altruistischer Wohltäter inszeniert wird hoffentlich noch in einer Fortsetzung belegt.

  2. @butterchicken
    Gezielt Interviews gehen bedeutet doch genau das. Man sucht sich raus mit wem man spricht (die Wohlgesonnen) und mit wem nicht (die Kritischen).

    Zum Wiederspruch und Altruismus. Er inszeniert sich jetzt halt als Wohltäter, weil er es so darstellt, dass er ja (aus Großmut) das Geld für die Forschung gegeben hat und, mit der Weigerung zu verkaufen, das Bollwerk gehen die US-Interessen ist. Das es so nicht stimmt belegen frühere Aussagen, wonach er in erster Linie Gewinnabsichten hat.

    PS.: Sitzt die Firma wirklich in Tübringen oder doch in Tübingen? (2. Ansatz)

  3. Man spürt hier richtig, dass Andrej Reisin kein Freund von Dietmar Hopp ist. Das hängt vielleicht auch damit zusammen, dass Andrej Reisin einen recht engen Kontakt zu Fußball-Ultras pflegt – und sich in der Auseinandersetzung Ultras/Hopp bereits vor etlichen Wochen recht eindeutig positioniert hat.
    Hinzu kommt, dass Reisin nicht frei ist von einer sichtbaren Motivation, anderen Medienvertretern schlechte Arbeit nachweisen zu wollen. Ein Über-Journalist also. Nun gut, das ist ja hier nicht selten.

    Dass seine Anti-Hopp-Haltung nun auf die Covid-Thematik überschwappt, ist misslich. Da hätte ich mir von Übermedien etwas weniger Beißfreude erwünscht, denn dann hätte man diese Erzählung auch nicht so geradebiegen müssen.

    Die „Jubel-Kommentatoren“. Tja, was stellt er denen entgegen? Dass Hopp viel Geld in gemeinnützige Projekte steckt, ist doch Fakt. Dass Hopp zugleich daran interessiert ist, dass seine Firmenbeteiligungen lukrativ sind – ja, ist das wirklich ein Widerspruch?

    Dass man für den einen Virus-Impfstoff mehr Zeit benötigt als für einen anderen: Ist das moralisch fragwürdig? Echt jetzt? Kann man die beiden Sachen überhaupt miteinander vergleichen?

    Was zwischen Tübingen-Washington-Berlin tatsächlich gelaufen ist, das wird nur schwer zu belegen sein. Ich kann hier keine Belege erkennen, die Hopps Aussagen eindeutig widerlegen. Andrej Reisin bringt dazu ein paar Info-Splitter, aber das ist nicht mehr, als woanders zu lesen war.

    Hier beklagt sich ein Autor darüber, dass viele Medien einem Framing gefolgt seien. Doch das, was er selber macht, ist ähnlich. Er setzt ein Framing (mehr oder weniger unterschwellig: Hopp, der heuchlerische Großkapitalist) , sucht sich hier und da ein paar Bröckchen und rührt das alles zu einer Pampe. Kann man machen, passiert auch anderswo.

    Nur: eine Plattform, die sich „Übermedien“ nennt, die sich immer wieder auch als journalistisches Korrektiv versteht, sollte andere Ansprüche an sich selbst stellen.

  4. @Mathias: Na ja, er hat drei Medien ein Interview gegeben. Dass man bei Sport1 (und vielleicht auch Bild) keine kritischen Fragen erwarten muss, räume ich natürlich ein, aber das der FAZ vorzuwerfen halte ich für unfair.
    Das er nicht alle Interview Anfragen annehmen kann und will, sollte aber eigentlich auch klar sein.
    Den FAZ Artikel habe ich gerade nochmal gelesen. Ich habe nicht den Eindruck, dass er sich wegen seines CureVac Invests als Wohltäter feiern lässt, das ist aber natürlich meine persönliche Wertung.
    Dass Hopp in seiner Heimatregion viel Gutes tut und es (wahrscheinlich) genießt wenn dort in der Lokalpresse viel drüber geredet wird ist auch unbenommen.
    Trotzdem habe ich wie FPS den Eindruck der Autor hat ihr eine Privatfehde, bei der er nur wahrnimmt, was er wahrnehmen will und hier für Übermedien Verhältnisse undifferenziert schreibt.
    Sein sehr erfolgreicher Tweet zum Thema Hopp hat für meinen Geschmack, auch mit zu vielen Halbwahrheiten und Auslassungen operiert .
    Natürlich stimmt die Grundthese, dass es sich viele Kommentatoren mit ihrer Verkürzung,erst in allen Stadien beschimpft und jetzt „rettet er Deutschland den Corona Impfstoff“, zu leicht, aber der ganzen Geschichte so einen Spin zu geben wie Andrej empfind eich als unanständig.
    Vielleicht (!) will hier ein Milliardär natürlich richtig Profit machen und hat trotzdem einen längeren Atem als mancher reine Finazinvestor. Dass er sich dafür, wenn es denn so ist, gerne seine medialen Streicheleinheiten abholt, nachdem ihm vorher zigtausende Stadiengänger beleidigt haben, ist aber auch verständlich und nicht so eine nArtikel wert.

  5. Dass sein Verein (und er ist Mehrheitseigner) ihn über den Vereins-Twitter-Account feiert, das Angebot quasi höchstselbst abgelehnt hat, sagte doch alles. Das hatte nichts mit Fußball zu tun, es ging einfach nur ums Image. Und leider springen extrem viele Medien auf.
    Es gab noch nichts zu verkaufen, ob es jemals was zu verkaufen gibt, wird sich zeigen – aber Hopp war der Wohltäter. Ohne etwas reales getan zu haben.

  6. „Ich kann hier keine Belege erkennen, die Hopps Aussagen eindeutig widerlegen.“

    Der Tweet der CureVac-AG:
    To make it clear again on coronavirus: CureVac has not received from the US government or related entities an offer before, during and since the Task Force meeting in the White House on March 2. CureVac rejects all allegations from press.

    https://twitter.com/CureVacAG/status/1239535638359281664

  7. „Welche deutschen Milliardäre spenden mehr als Hopp? Und versteuern sogar ihr Einkommen in Deutschland?
    Da finde ich das Framing in diesem Artikel doch recht schäbig.“

    In Ihrem Beispiel hat Hopp gar nichts gespendet – sondern die Dietmar-Hopp-Stiftung. Und gerade was das Steuern zahlen angeht (feiern Sie eigentlich nur Milliardäre für eine Selbstverständlichkeit ab oder auch Krankenschwestern und Bauarbeiter?) machen Sie sich vielleicht mal ein bisschen schlau, wie das mit Stiftungen so ist. Und vorher sprechen gerade Sie besser nicht von schäbigem Framing.

  8. @11:
    Das Unternehmen ist in Deutschland ebenso tätig wie in den USA. Es hat selbstverständlich kein Interesse daran, dieses Thema in den Medien zu halten. Wer in dieser Situation (auch mit einem erratisch agierenden Trump) Firmen-Verlautbarungen als unumstößliche Wahrheitsbeweise sehen will, kann das gerne tun.

    @12:
    Bin kein Fan von Herrn Hopp. Er hat zwei Drittel seines Vermögens in diese Stiftung hineingebracht. Klar reduziert das seine Steuerlast. Aber ich vermute, es gibt deutlich bessere Möglichkeiten, Steuern zu sparen.

  9. @12 SOMEONESDAUGHTER:
    1. Nichtsdestotrotz: woher kommen die 100 Mio aus meinem Beispiel? Aus seinem Privatvermögen. Und die Uniklinik Heidelberg hat sie bekommen. Ich argumentiere, dass er sein Privatvermögen sozial verteilt. Sie argumentieren nun, dass die Spende aber über seine Stiftung kommt. Kommt ihnen das wirklich nicht ein kleines bisschen kleinkariert vor? Mir schon. Aber sich kann das jeder anders sehen.
    Oder leben wir in einem Land in dem solche Spenden von anderen Reichen nichts ungewöhnliches sind? Und zwar ohne Stiftung?
    2. Krankenschwestern, Bauarbeiter und Leute wie ich kommen nicht darum herum, in Deutschland Steuern zu zahlen. Deshalb fände ich es komisch, sie für etwas zu feiern, zu dem sie objektiv gezwungen werden. Bei Reichen ist es anders. Ich meine mich zu erinnern dass Boris Beckers erster Flug, nachdem er Wimbledon gewonnen hatte, ihn nach Monaco führte, um sich dort steuersparend anzumelden. Ich meine mich zu erinnern, dass z.B. ein Herr Müller mit vielen Subventionen sein Milchwerk in den Osten verlegte und dann seinen Wohnsitz wegen den Steuern ins Ausland… Wenn Sie nun erwarten, dass Hopp seine Steuern in Deutschland zahlt dürfen Sie das gerne; ich wollte darauf hinaus dass er es nicht müsste und viele an seiner Stelle nicht täten bzw. auch nicht tun. Das schätze ich dann doch.
    Natürlich muss es uns nicht gefallen, dass Normalverdiener den Steuern nicht ausweichen können, Reiche hingegen schon – um dann trotzdem immer wieder die Qualitäten unseres Landes zu nutzen. Sollte es ihnen darum gehen wären wir uns einig.

    @10 Ingo: Ich hatte die Situation so verstanden, dass für den Verkauf von etwaigen Rechten in die USA viel Geld geboten wurde – und Hopp das nicht annehmen wollte. Das macht nun niemandem zum Heiligen, aber ist es unpassend dafür Respekt aufzubringen?

    Da finde ich das Framing in diesem Artikel doch recht schäbig.

  10. #14: M.SCHILLINGER: „1. Nichtsdestotrotz: woher kommen die 100 Mio aus meinem Beispiel?“

    Die kommen aus den Dividenden der 28 Millionen SAP-Aktien, die steuermindernd in eine gemeinnützige Stiftung überführt wurden.

    Sie können natürlich weiter den Eindruck erwecken, das seien quasi vom Privatkonto und aus reinem Altruismus überwiesene Euro – dem muss aber niemand folgen.

    Wissen Sie, es ist das eine, soziales Engagement entsprechend zu würdigen, aber etwas anderes, das mit zum Teil hanebüchenen Argumentationen quasi zum moralischen Gottkönigtum aufzublasen. Oder wie es nennen: schäbiges Framing zu betreiben.

    „Oder leben wir in einem Land in dem solche Spenden von anderen Reichen nichts ungewöhnliches sind?“

    Wir leben in einem Land, in dem es eine Krankenschwester oder einen Bauarbeiter im Zweifel finanziell sehr viel deutlicher schmerzt, einen Teil ihres Einkommens an die Seenotrettung oder SOS Kinderdörfer zu spenden, als einem Multimilliardär, der 28 Millionen Aktien ‚spendet‘.

    „2. Krankenschwestern, Bauarbeiter und Leute wie ich kommen nicht darum herum, in Deutschland Steuern zu zahlen. Deshalb fände ich es komisch, sie für etwas zu feiern, zu dem sie objektiv gezwungen werden.“

    Stattdessen feiern Sie ernsthaft jemanden dafür ab, dass er keine Straftaten (Steuerhinterziehung) begeht? Kommt Ihnen das nicht selbst ein bisschen sehr gaga vor?

    „Wenn Sie nun erwarten, dass Hopp seine Steuern in Deutschland zahlt dürfen Sie das gerne;“

    Wie überaus großzügig von Ihnen. Das erwarte ich von Hopp wie von Boris Becker (den Sie in Stellung bringen müssen, um Hopp noch besser aussehen zu lassen und der wegen dieser von Ihnen angesprochenen Steuerhinterziehung verurteilt wurde) und von allen anderen auch. Und ich feiere niemanden dafür ab, dass er keine Steuerstraftaten begeht. Sie dürfen das aber natürlich weiterhin tun, da bin ich so großzügig wie Sie.

  11. Das allerwichtigste Framing im Kontext ist das vom Dietmar Hopp als Mutter Spendentheresa, verkündet im Trumpsprech: Der GRÖßTE, WOHLTÄTIGSTE, UNEIGENNÜTZIGSTE Spender aller Zeiten. Man sollte ihn immer nur als Gröspaz titulieren, größterSpenderallerZeiten.
    Sobald in den Medien in irgendeiner Form über irgendetwas im Zshg. mit DH berichtet wird, das nicht nur pflichtgemäße Huldigung im Hofstaatsstil darstellt, passiert zuverlässig immer das selbe:

    Eine signifikante Anzahl von Hoppverherrlichern schlägt im Forum auf und beklagt schäbiges Framing, weil das Framing vom Gröspaz nicht als Monstranz alles andere überstrahlt, wie es in den Hoppverherrlichungskreisen für obligatorisch gelten wird.

    Sicher bin ich mir aber, das DH nichts davon selber explizit eingefordert hat. In solchen Kreisen profiliert man sich dadurch, dass einem der Gutsherr nicht alles extra anweisen muss, sondern man von selbst initiativ wird. Wie der z.b. Arena-Hausmeister mit der Schallstöranlage.

    Ansonsten scheut DH natürlich auch nicht davor zurück, persönlich zu intervenieren, wenn in der Tageszeitung gegen oben genanntes Gebot verstoßen wird. Wer will, fragt mal bei der Rhein-Neckarzeitung nach, was aus dem Journalisten wurde, der in den Anfangsjahren auch mal kritisch berichtete, da gab es eine persönliche Intervention und bald keinen schäbig eingeframten „Journalismus“ mehr.

    Gut, die klassischen Altmedien hat er schon lang in der Tasche. Für Übermedien empfiehlt sich sicher eine weitere gemeinnützige Stiftung, in irgendeinem Bereich, wo man was gemeinsam machen kann.
    Man müsste ÜM ein Angebot machen, das sie nicht ablehnen können, es mit Geld so zuscheissen, dass es das Risiko, Andrej Reisin hier veröffentlichen zu lassen, einfach nicht mehr wert ist.

  12. @Symboltroll: Neben viel wirrem Zeug schreibst du man sollte bei der RNZ nachfragen, was mit einem kritischen Reporter in den Anfangsjahren geschehen sei.
    Leider springt da schon der Anrufbeantworter an. Also solltest du deine Behauptungen belegen.
    Welche Anfangsjahre meinst du? Seine Schulzeit? Die Anfangsjahre der SAP? Die ersten Jahre der TSG Hoffenheim im Profifußball?
    Und was hat wer mit welchem Reporter gemacht?
    Du und Someones Daughter sollten nicht traurig und verbitter sein, weil eure Fußballvereine nicht mehr die gleiche Rolle spielen, wie in den 70ern. Gibt heutzutage andere Probleme,

  13. „Welche Anfangsjahre meinst du?“

    Bis zu -inklusive- den Berichten zu den Fällen:
    Prince Tagoe
    Rangnick/Gustavo mit der angeblich ebenso intolerablen wie anlasslos beleidigenden Entgleisung von RR

    In beiden Fällen war es die RNZ, die die unappetitlichen Details öffentlich machte. Mit etwas googeln finden sie bestimmt das RNZ-Statement in eigener Sache, in dem sie später beteuern, durchaus auch weiterhin kritisch berichten zu wollen, auch wenn es zuletzt nicht mehr diesen Eindruck gemacht habe. Das sollte dem Sachkundigen genug zeitliche Einordnung ermöglichen.

    „Du und Someones Daughter sollten nicht traurig und verbitter sein, weil eure Fußballvereine nicht mehr die gleiche Rolle spielen, wie in den 70ern.“

    Danke für das Framing. „Mein“ Verein allerdings ist ein völlig anderes Kaliber als die TSG, so ziemlich in jeder Hinsicht. Und die 70ger waren nicht gerade unsere besten Jahre. Mehr so bis 60ger und seit den 90gern.
    Das nur im Hinblick auf : „Wirres Zeug reden“

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