Vom „Hurensohn“ zum wohltätigen „Virensohn“

Am 15. März erschien in der „Welt am Sonntag“ eine der bislang brisantesten politischen Geschichten rund um die Corona-Pandemie: Wirtschafts-Ressortleiter Jan Dams hatte herausbekommen, dass hinter den Kulissen zwischen den USA und Deutschland ein Streit um die exklusive Vermarktung eines möglichen Covid19-Impfstoffs aus deutscher Produktion entbrannt sei: Demnach wolle sich US-Präsident Trump den Impfstoff im Falle einer erfolgreichen Zulassung exklusiv für den amerikanischen Markt sichern.

Dietmar Hopp und die Ausrisse vieler lobpreisender Artikel

Die Tübringer Firma, um die es geht, heißt CureVac. Deren damaliger Chef, Daniel Menichella, nahm Anfang März an einem Treffen mit Trump im Weißen Haus teil. Der US-Präsident habe eine Milliarde Dollar für die Exklusivrechte geboten, schrieb die „WamS“. Die Bundesregierung aber verhandle mit der Firma, um einen solchen Deal zu verhindern. CureVac selbst schwieg.

Mehrere Mitglieder der Bundesregierung bestätigten die Geschichte: Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sagte: „Deutschland steht nicht zum Verkauf“. Außenminister Heiko Maas (SPD) verkündete: „Dieses Virus werden wir nur gemeinsam besiegen, nicht gegeneinander.“ Innen- und Heimatminister Horst Seehofer (CSU) gab zu Protokoll, die Angelegenheit werde Thema im Krisenstab der Bundesregierung sein. Und Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gab im ZDF bekannt, dass „die Übernahme vom Tisch“ sei:

Trotzdem werden seitdem Zweifel am ursprünglichen Hergang laut, geäußert an erster Stelle vom Botschafter der USA in Deutschland, Richard Grenell. Er twitterte am 15. und 16. März gleich mehrfach zu der Sache – und bestreitet bis heute den gesamten Sachverhalt:

CureVac selbst blieb nach der Publikation zunächst bei der Strategie, sich nicht zu äußern, schwenkte am 16. März aber um. Auf Twitter verkündete das Unternehmen, „während und seit der Sitzung der Task Force im Weißen Haus am 2. März kein Angebot von der US-Regierung oder verwandten Einrichtungen erhalten“ zu haben. Man weise „alle Vorwürfe der Presse zurück“.

Kaum glaubhafte Dementis

Allerdings gab es rund um die Veröffentlichung der Geschichte zwei Führungswe…

9 Kommentare

  1. Wie bitte? Erst wird Hopp vorgeworfen er gäbe gezielt Interviews und dann dass er Interviewanfragen ablehnt?
    Und wo er sich wieder als altruistischer Wohltäter inszeniert wird hoffentlich noch in einer Fortsetzung belegt.

  2. @butterchicken
    Gezielt Interviews gehen bedeutet doch genau das. Man sucht sich raus mit wem man spricht (die Wohlgesonnen) und mit wem nicht (die Kritischen).

    Zum Wiederspruch und Altruismus. Er inszeniert sich jetzt halt als Wohltäter, weil er es so darstellt, dass er ja (aus Großmut) das Geld für die Forschung gegeben hat und, mit der Weigerung zu verkaufen, das Bollwerk gehen die US-Interessen ist. Das es so nicht stimmt belegen frühere Aussagen, wonach er in erster Linie Gewinnabsichten hat.

    PS.: Sitzt die Firma wirklich in Tübringen oder doch in Tübingen? (2. Ansatz)

  3. Man spürt hier richtig, dass Andrej Reisin kein Freund von Dietmar Hopp ist. Das hängt vielleicht auch damit zusammen, dass Andrej Reisin einen recht engen Kontakt zu Fußball-Ultras pflegt – und sich in der Auseinandersetzung Ultras/Hopp bereits vor etlichen Wochen recht eindeutig positioniert hat.
    Hinzu kommt, dass Reisin nicht frei ist von einer sichtbaren Motivation, anderen Medienvertretern schlechte Arbeit nachweisen zu wollen. Ein Über-Journalist also. Nun gut, das ist ja hier nicht selten.

    Dass seine Anti-Hopp-Haltung nun auf die Covid-Thematik überschwappt, ist misslich. Da hätte ich mir von Übermedien etwas weniger Beißfreude erwünscht, denn dann hätte man diese Erzählung auch nicht so geradebiegen müssen.

    Die „Jubel-Kommentatoren“. Tja, was stellt er denen entgegen? Dass Hopp viel Geld in gemeinnützige Projekte steckt, ist doch Fakt. Dass Hopp zugleich daran interessiert ist, dass seine Firmenbeteiligungen lukrativ sind – ja, ist das wirklich ein Widerspruch?

    Dass man für den einen Virus-Impfstoff mehr Zeit benötigt als für einen anderen: Ist das moralisch fragwürdig? Echt jetzt? Kann man die beiden Sachen überhaupt miteinander vergleichen?

    Was zwischen Tübingen-Washington-Berlin tatsächlich gelaufen ist, das wird nur schwer zu belegen sein. Ich kann hier keine Belege erkennen, die Hopps Aussagen eindeutig widerlegen. Andrej Reisin bringt dazu ein paar Info-Splitter, aber das ist nicht mehr, als woanders zu lesen war.

    Hier beklagt sich ein Autor darüber, dass viele Medien einem Framing gefolgt seien. Doch das, was er selber macht, ist ähnlich. Er setzt ein Framing (mehr oder weniger unterschwellig: Hopp, der heuchlerische Großkapitalist) , sucht sich hier und da ein paar Bröckchen und rührt das alles zu einer Pampe. Kann man machen, passiert auch anderswo.

    Nur: eine Plattform, die sich „Übermedien“ nennt, die sich immer wieder auch als journalistisches Korrektiv versteht, sollte andere Ansprüche an sich selbst stellen.

  4. @Mathias: Na ja, er hat drei Medien ein Interview gegeben. Dass man bei Sport1 (und vielleicht auch Bild) keine kritischen Fragen erwarten muss, räume ich natürlich ein, aber das der FAZ vorzuwerfen halte ich für unfair.
    Das er nicht alle Interview Anfragen annehmen kann und will, sollte aber eigentlich auch klar sein.
    Den FAZ Artikel habe ich gerade nochmal gelesen. Ich habe nicht den Eindruck, dass er sich wegen seines CureVac Invests als Wohltäter feiern lässt, das ist aber natürlich meine persönliche Wertung.
    Dass Hopp in seiner Heimatregion viel Gutes tut und es (wahrscheinlich) genießt wenn dort in der Lokalpresse viel drüber geredet wird ist auch unbenommen.
    Trotzdem habe ich wie FPS den Eindruck der Autor hat ihr eine Privatfehde, bei der er nur wahrnimmt, was er wahrnehmen will und hier für Übermedien Verhältnisse undifferenziert schreibt.
    Sein sehr erfolgreicher Tweet zum Thema Hopp hat für meinen Geschmack, auch mit zu vielen Halbwahrheiten und Auslassungen operiert .
    Natürlich stimmt die Grundthese, dass es sich viele Kommentatoren mit ihrer Verkürzung,erst in allen Stadien beschimpft und jetzt „rettet er Deutschland den Corona Impfstoff“, zu leicht, aber der ganzen Geschichte so einen Spin zu geben wie Andrej empfind eich als unanständig.
    Vielleicht (!) will hier ein Milliardär natürlich richtig Profit machen und hat trotzdem einen längeren Atem als mancher reine Finazinvestor. Dass er sich dafür, wenn es denn so ist, gerne seine medialen Streicheleinheiten abholt, nachdem ihm vorher zigtausende Stadiengänger beleidigt haben, ist aber auch verständlich und nicht so eine nArtikel wert.

Einen Kommentar schreiben

Mit dem Absenden stimmen Sie zu, dass Ihre Angaben gemäß unseren Datenschutzhinweisen gespeichert werden. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.