Steingarts „Morning Briefing“ über Marias neues Religions-Startup

Illustration: Christoph Rauscher

25.12.0000

Guten Morgen,

die Welt ist ein unwirtlicher Ort geworden. Wir sind Zeitzeugen einer neuen Normalität, auf die uns keine Universität und kein Lehrbuch vorbereitet hat.

Je weiter man sich vom akademisch gebildeten Großstadtmilieu in Richtung der Vorstadt und von dort in die Dörfer bewegt, desto flüchtiger wird die Vision von Elektroauto, Sojaschnitzel und Latte Macchiato. Dort draußen auf den Feldern riecht es wie gehabt nach Bratwurst, Diesel und Eseldung.

Wer genau hin riecht, riecht aber auch den Schweiß der Fleißigen, der zugleich das Lebenselixier der Sozialstaatprofiteure ist.

Mitten in dieser Landschaft hat der Wohlfahrtsstaat sein großes Zirkuszelt aufgeschlagen. Ein Zirkus, der immer weniger Besucher anzieht. Und in dessen eckigem Rund sich die Sägespäne längst vergangener Zeiten wie Mehltau ausgebreitet haben.

Selbstverantwortung und Eigeninitiative sind die zahnlosen Tiger, die dort von einem müden Dompteur namens Groko lustlos durch die Manege geführt werden. Eine traurige Musikantentruppe spielt dazu den Totenmarsch.

Geleitet wird der Zirkus von einer Kanzlerin Merkel, deren Peitschenknall nur noch wie ein zaghaftes Pfeifen im Wald klingt. Deren kostbarstes Gut lange Zeit das Gesundheitssystem war: Der medizinische Sektor war die Melkkuh, die goldene Eier legt, aber nun selbst als Pflegefall im Rollstuhl sitzt und ihre Wunden leckt.

Währenddessen reiten die Horror-Clowns von Linkspartei und AfD auf ihren stolzen Lipizzanerhengsten durch die Manege und lachen der Kanzlerin frech ins Gesicht.

Konnte sich Merkel früher auf ihre treuen Hochseilartisten und Jongleure aus CDU und CSU verlassen, sind es nun eben diese, die sie am Nasenring durch die Manege führen.

Vom johlenden Wahlvolk wird sie währenddessen mit Konfetti beworfen. Ein Verlust jeglicher Würde! Jener Würde, über die der französische Romancier Gustave Flaubert so treffend sagte: „Ich würde jetzt am liebsten einen guten Cognac trinken“!

Das traurige Spektakel wird begleitet vom Chor der Ewig-Gestrigen. Das Lied ein unfreiwilliger Abgesang auf das kostenlose All-you-can-Eat-Buffet der medizinischen Rundumversorgung.

Die Fehler sind hausgemacht: Zu lange hatte Gärtnerin Merkel versucht, mit der Heckenschere der Kostendeckelung die Auswüchse des wuchernden Sozialstaats zurückzuschneiden. Doch sie glich damit nur dem Kammerjäger, der mit Kanonen auf Spatzen schießt, die es bereits von den Dächern pfeifen. 

Ein zu kurz gesprungener zahnloser Tiger, der auf dem Rücken der Wähler sein politisches Süppchen kocht!

Dass es auch anders geht, hat gestern auf eindrucksvolle Weise eine junge Frau bewiesen. Ihr ist das gelungen, was viele vor ihr vergebens versucht haben: Den aufgeblähten Sozialstaat mit seinem wucherndem Gesundheitssystem bloß zu stellen.

Eine Frau, die weiß, wie man Probleme in Gelegenheiten verwandelt. Eine Frau, die mit wenigen Handgriffen einen heruntergekommenen Stall zum hochmodernen Kreißsaal umfunktioniert. Eine Frau, die etwas von Markenbildung und Marketing versteht und mit ihrem Mann Josef ein Religions-Startup gründen will.

Und die nicht das übliche Nörgeln der berufstätigen Mutter an den Tag legt, sondern ihren Sohn Jesus mit in ihre unternehmerischen Überlegungen einbeziehen, ihn vielleicht zum Aushängeschild ihrer Firmengründung machen will.

Ich habe mit der jungen Dame gesprochen, die sich nur „Maria“ nennt und war schwer beeindruckt. Ein Eindruck, den Sie vielleicht teilen werden, wenn Sie sich unser Gespräch im Podcast anhören. Ich denke und hoffe, dass Sie diese Minuten berühren und bereichern werden.

Ich wünsche Ihnen einen heiteren Start in diesen Tag. Es grüßt Sie auf das Herzlichste Ihr

Gabor Steingart
Journalist & Buchautor


Gabor Steingart ist Journalist & Buchautor. Er verschickt seit Juni 2018 täglich „Steingarts Morning Briefing“, einen Newsletter mit Metaphern zum politischen Tagesgeschehen.

7 Kommentare

  1. Schreibt der Herr „in echt“ wirklich so einen metaphorischen Stuss? 95% völlig irrelevantes und redundantes Geschwafel? Wer liest sowas? Und: wer braucht das? Wie verdient man damit seinen Lebensunterhalt? Ich selbst würde dieses Geschwurbel keine zwei Tage aushalten.

    Ansonsten verfolgt mich, wie bereits einmal am Anfang des Monats hier bemerkt, das Thema mit der Jahreszahl: 25.12.0000 ist es im heutigen Artikel, 25.12.0001 war es im Gebrabbel von – ich hoffe, ich liege richtig – C. Kleber. Ein weiterer Kommentator hatte mich auf den zugehörigen Wikipedia-Artikel verwiesen, der mich allerdings nicht wirklich nachhaltig erhellte bzw. zufrieden stellte

  2. Wer wettet mit?
    Hinter dem Türchen 24 verbirgt sich Niggemeiers Recherche, die akribisch eine von dpa vermeldete Nachricht der Geburt eines sog. Erlösers als fake entlarvt. Er interviewte Astronomen, die belegen, dass das Erscheinen des Sterns auf statistischen Fehlberechnungen basiert, der Stern wird erst 2050 erglänzen. Das Halten von Tieren in festen Stallungen sei für die Region Bethlehem nicht nachweisbar.
    Der Artikel kann wegen einer Bezahlschranke nicht weitergelesen werden. Es lohnt sich schon für diese weltbewegende Aufdeckung dieser ungeheuerlichen Lüge, Mitglied bei Übermedien zu werden.

  3. @ Joachim B.

    Schreibt der Herr „in echt“ wirklich so einen metaphorischen Stuss? 95% völlig irrelevantes und redundantes Geschwafel?

    Naja, die Metapherndichte ist aus satirischen Gründen natürlich gesteigert. Aber die Tendenz zum rhetorischen Overkill inklusive inhaltlichen Bullshits, alberner Fotos und roter Fettungen – die ist real. Schauen Sie hier: https://www.gaborsteingart.com/newsletter-morning-briefing/grossbritannien-sieg-fuer-brexit-boris/?wp-nocache=true

  4. @ Kritischer Kritiker:

    Ja, Sie haben recht. Die Satire trifft ganz gut. Stilistisch ist Steingart bedenklich, seine Gedanken-Fragmente sind deutlich weniger smart, als er glauben machen will und die ideologische Verbrämung findet sich ebenso.

Einen Kommentar schreiben

Mit dem Absenden stimmen Sie zu, dass Ihre Angaben gemäß unseren Datenschutzhinweisen gespeichert werden. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.