Von wegen „Nazi-Methoden“: Die falsche Inszenierung von Bernd Lucke als Opfer

Am 3. Mai 1926 hetzen Dutzende rechtsradikale Korpsstudenten den deutsch-jüdischen Philosophen Theodor Lessing durch Hannover, nachdem sie zuvor gewalttätig dessen Vorlesung an der Universität gestört hatten. Lessing flüchtet sich in ein Caféhaus im Georgengarten, die feixenden und johlenden Studenten belagern ihn an den Nebentischen knüppelschwingend, bevor sich die Meute irgendwann davon macht. Sogar Fotos werden geschossen, in der damaligen Zeit deutlich aufwendiger als mit dem Smartphone.

Im Juni besteigen dann 1.500 völkische Kooperierte einen extra angemieteten Sonderzug nach Braunschweig, um ihren „Auszug“ aus der Technischen Hochschule Hannover androhen, falls der jüdische „Schmutzfleck im Lehrkörper“ weiter Vorlesungen abhielte. Der Rektor der Hochschule handelt schließlich und nötigt Lessing, auf seine Lehrtätigkeit zu verzichten. Stattdessen bekommt er einen deutlich schlechter honorierten „Forschungsauftrag“ – und seine Tätigkeit als Hochschullehrer ist de facto beendet. Obwohl Lessing bereits am 1. März 1933 ins tschechische Exil flieht, wird er dort wenige Monat nach der Machtübernahme der Nazis in Marienbad von SA-Mördern durch sein Arbeitszimmerfenster erschossen. Das waren Nazi-Methoden.

Stören und schreien gegen Lucke

Screenshot: NDR

Was Bernd Lucke dagegen am Mittwoch vergangener Woche an der Hamburger Uni wiederfuhr, war studentischer Protest. Protest gegen einen, der einst aus der Uni auszog, um die deutsche Nachkriegspolitik zu verändern – und damit erfolgreicher war, als er es für möglich gehalten hat. Bernd Lucke, AfD-Gründer, einst von konservativen Medien gefeiert, dann gescheitert – am völkischen Flügel, der heute seine ehemalige Partei dominiert. Lucke, der wie Goethes Zauberlehrling die Geister, die er rief, nicht mehr los wurde.

Nein, Lucke ist kein „Nazi“ – ebenso wenig aber ist der Protest in einem Hörsaal gegen ihn eine „Nazi-Methode“ oder das Ende der Wissenschaftsfreiheit oder eine Gefährdung „unserer Freiheit“ durch „die Antifa“, wie „Bild“ meint.

Nun wird Lucke mithilfe zahlreicher empörter Medienkommentare von „taz“ bis „Welt“ als Opfer linksextremer Studenten dargestellt, die angeblich alles und jeden niederbrüllen, was ihnen nicht in den Kram passt. Nur allzu willfährig lassen sich viele Journalisten, die die AfD als Luckes „Professorenpartei“ einst groß geschrieben haben, auch heute wieder auf eine Inszenierung ein.

Wie rechts war die Lucke-AfD?

Dabei tritt ein erhebliches Maß an medialer Vergesslichkeit zutage: So schreibt etwas Detlef Esslinger in der „Süddeutschen Zeitung“, man könne Lucke

„keinesfalls vorwerfen, dass er ein Rassist oder Rechtsextremist wäre, einer, der nicht auf dem Boden des Grundgesetzes stünde. Es gibt in dieser Hinsicht von ihm keinen einzigen falschen Ton, keine einzige kalkulierte Zweideutigkeit. Im Gegenteil, er hat die AfD in dem Moment und aus dem Grund verlassen, da er erkannte: Der Kampf gegen die Rechtsradikalen und -extremisten ist für ihn nicht zu gewinnen.“

Wie bitte? Bernd Lucke bezeichnete Flüchtlinge als „Bodensatz“ und sprach von „Entartung von Demokratie und Parlamentarismus“. Auch seine AfD-Nachfolgetruppe „Liberal-konservative Reformer“ wirbt für „Merkel muss Weg“-Demos, die eine erhebliche rechtsradikale Schlagseite haben.

Zu keinem Zeitpunkt konnte er einen Gauland, einen Poggenburg oder einen Höcke eindämmen oder aus der Partei ausschließen. Und die AfD verlassen hat er, nachdem er und sein autokratischer Führungsstil sang- und klanglos abgewählt wurden – und damit die Chance auf eine echte politische Karriere im Bundestag oder gar auf der Regierungsbank vorbei war.

Verbeamtet den Neoliberalismus predigen

Nun kehrt Lucke also an die Uni zurück, als wäre nichts gewesen. Dass ein gescheiterter Parteigründer und Prediger des reinen Wassers des Neoliberalismus selbst doch lieber den Wein des sicheren Beamtenverhältnisses trinkt, stößt einigen übel auf. Doch das geltende Recht räumt ihm diese Möglichkeit ein.

Doch es wären von einer kritischen Öffentlichkeit durchaus Fragen zu stellen: Was hat einer, der sich politisch so verzockt hat, der die Bedrohung durch völkische Nationalisten in seiner Partei entweder nicht erkannt oder so lange geduldet hat, bis sie ihn hinfort jagten, jungen Studierenden beizubringen? Wie berufen ist jemand, „Makroökonomie“ zu unterrichten, dessen ökonomische Einschätzungen und Untergangsszenarien im Hinblick auf den Euro und den EU-Wirtschaftsraum– Stand heute – samt und sonders nicht eingetroffen sind? Auch Luckes wissenschaftliches Renommee ist umstritten.

Träumen von Nazi-Methoden

Die AfD, die Lucke geschaffen hat, bedroht derweil die Existenzen von Millionen Menschen in Deutschland, die entweder „Ausländer“ sind – oder einen sogenannten „Migrationshintergrund“ haben. Sie alle laufen Gefahr, zu Bürgern zweiter Klasse oder gar vertrieben zu werden, wenn es nach den Fantasien eines Björn Höcke geht. Denn, so Höcke in seinem Buch „Nie zweimal in denselben Fluss“:

„Neben dem Schutz unserer nationalen und europäischen Außengrenzen wird ein großangelegtes Remigrationsprojekt notwendig sein. Und bei dem wird man, so fürchte ich, nicht um eine Politik der ‚wohl-temperierten Grausamkeit‘, wie es Peter Sloterdijk nannte, herumkommen. […] Die Verantwortung dafür tragen dann diejenigen, die die Notwendigkeit dieser Maßnahmen mit ihrer unsäglichen Politik herbeigeführt haben.“

Das wären Nazi-Methoden, denn schon jene wähnten sich in einem rücksichtslosen „Selbstverteidigungskampf“ für das deutsche „Volk ohne Raum“. Zu dessen Überleben mussten folglich die Juden ermordet und die Slaven versklavt werden – und zahlreiche andere „Volksfeinde“ ebenfalls. 1943 attestierte SS-Reichsführer Heinrich Himmler seinen Männern dann auch folgerichtig, bei der „Ausrottung des jüdischen Volkes […] abgesehen von menschlichen Ausnahmeschwächen anständig geblieben zu sein“. „Wohl-temperierte Grausamkeit“ eben – man konnte halt nicht anders.

Lucke ist kein Opfer

Dass dieser Jargon, dieses Kokettieren mit ethnischer Säuberung auf die Bühne der deutschen Politik zurückgekehrt ist, verdanken wir nicht zuletzt Bernd Lucke. Man mag sich ausmalen, was es für Studierende mit Migrationshintergrund heißt, bei einem zu studieren, der Flüchtlinge für „Bodensatz“ hält. Man mag sich hineinfühlen in diejenigen, deren berufliche Karrieren nun wieder vom Votum eines Bernd Lucke in Berufungskommissionen und Prüfungsausschüssen abhängen.

Was Lucke vergangene Woche wiederfahren ist, hat ihn laut Beobachtern betroffen und wütend gemacht. Es ist ein Bruchteil der Betroffenheit und Wut, die diejenigen aushalten müssen, die seine Ex-Partei zu Zielscheiben erkoren hat. Es ist ein Bruchteil des Schmerzens, der über sie gekommen ist, seit Lucke die Büchse der Pandora geöffnet hat.

Die mediale Opfer-Inszenierung

Natürlich, Recht ist Recht: Über kurz oder lang wird die Universität Hamburg dafür sorgen müssen, dass Bernd Lucke seine Vorlesungen halten kann. Am Donnerstag soll eine andere Veranstaltung bereits störungsfrei verlaufen sein. Wobei Lucke seinerseits zwei Studentinnen hinaus warf, die er vom Vortag wieder erkannt zu haben glaubte.

Diejenigen aber, die meinen, die Hamburger Studierenden hätten „Nazi-Methoden“ abgewandt oder würden Lucke und der AfD nur den Gefallen tun, sich als Opfer zu inszenieren, sollten sich lieber fragen, wer diese Inszenierung eigentlich auf die Bühne bringt: sie selbst nämlich.

Wo waren die ganzen Freiheitsmahner und Demokratiewächter eigentlich, als es darum gegangen wäre, Lucke zu konfrontieren? Nie wurde er von der medialen Öffentlichkeit für das zur Verantwortung gezogen, was er an Zerstörung von politischer Kultur in diesem Land angerichtet hat. Dafür, dass er eine Partei geschaffen hat, die das friedliche Zusammenleben von Menschen unterschiedlichster Herkunft und Ansichten in diesem Land infrage stellt. Um es mit Alexander Gauland zu sagen: Eine gestörte Vorlesung ist dagegen ein Vogelschiss.

221 Kommentare

  1. Linker Protest: Nazimethoden, Redefreiheit, Mimimi!
    Rechter Protest: Bürgerpflicht, Verteidigung, Werte!

    Möchte mal einen Kommentar von links hören, dass z. B. Pegida mit ihrem Protest die Redefreiheit einschränke.
    Oder anders herum, einmal von rechts nichts hören, wenn linke das gleiche Recht wahrnehmen.

  2. Bezüglich der Aussage, dass Flüchtlinge den Bodensatz der Gesellschaft darstellen: Ist das nicht so? Kaum einer könnte behaupten das Flüchtlinge mitten in unserer Gesellschaft ankommen, mit all der Freiheit, all dem Wohlstand. Stattdessen werden sie wie eine neue tiefste Schicht der Gesellschaft gesehen. Den Bodensatz eben.

  3. Zu dieser Begriffsverwendung hat Lucke im Merkur dies gesagt:
    „Ich habe das Wort „Bodensatz“ nie mit bösartiger Absicht verwendet, sondern um zu beschreiben, dass unqualifizierte Zuwanderer bei uns keine wirtschaftlichen Entfaltungsmöglichkeiten haben.“

  4. Erlauben Sie mir, zu einigen Passagen kritische Anmerkungen zu hinterlassen:
    „Was hat einer, der sich politisch so verzockt hat, der die Bedrohung durch völkische Nationalisten in seiner Partei entweder nicht erkannt oder so lange geduldet hat, bis sie ihn hinfort jagten, jungen Studierenden beizubringen?“
    Was hat das eine mit dem Anderen zu tun? Ohne Luckes Rolle bei der Entstehung der AfD beschönigen oder kleinreden zu wollen, seine Qualifikation als Lehrender steht mit dieser Fehlleistung in keinem Zusammenhang. Anderes Beispiel: Ein begnadeter Ingenieur kann die krudesten politischen Ansichten vertreten, man würde ihm aber deswegen wohl kaum sein technisches Wissen oder die Fähigkeit absprechen, dieses weiterzugeben.

    „Wie berufen ist jemand, „Makroökonomie“ zu unterrichten, dessen ökonomische Einschätzungen und Untergangsszenarien im Hinblick auf den Euro und den EU-Wirtschaftsraum– Stand heute – samt und sonders nicht eingetroffen sind?“
    Auch hier die Frage: Was hat das eine mit dem Anderen zu tun? Es ist kein Widerspruch, die gängige Lehrmeinung eines Fachgebiets zu kennen und zu vermitteln und mit dieser gleichzeitig nicht überall übereinzustimmen. Ich traue Herrn Lucke, wie eigentlich jedem Lehrenden an einer Universität zu, eine Grundlagenvorlesung basierend auf dem wissenschaftlichen Konsens halten zu können, ohne dass die eigene wissenschaftliche und/oder politische Sichtweise zu stark durchfärbt.

    „Dass dieser Jargon, dieses Kokettieren mit ethnischer Säuberung auf die Bühne der deutschen Politik zurückgekehrt ist, verdanken wir nicht zuletzt Bernd Lucke.“
    Wir verdanken das den regelmäßigen fremdenfeindlichen Entgleisungen diverser AfD-Politiker, aber ich hätte gern eine Erläuterung dafür, inwiefern Bernd Lucke irgendwie für diese Aussagen verantwortlich zeichnet.

    „Man mag sich hineinfühlen in diejenigen, deren berufliche Karrieren nun wieder vom Votum eines Bernd Lucke in Berufungskommissionen und Prüfungsausschüssen abhängen.“
    Man mag sich ebenso in Bernd Lucke und die vielen Bernd Luckes (m/w/d) an anderen Universitäten hineinfühlen, deren berufliche Karrieren mittlerweile von der „richtigen“ Geisteshaltung und weniger von exzellenter Forschung, hervorragender Lehre oder dergleichen unsinnigen Bewertungskriterien abhängen.

  5. „Und die AfD verlassen hat er, nachdem er und sein autokratischer Führungsstil sang- und klanglos abgewählt wurden – und damit die Chance auf eine echte politische Karriere im Bundestag oder gar auf der Regierungsbank vorbei war“
    Das ist ein Vorwurf gegen Lucke, den man exakt so auch von seinen alten Feinden in der AfD hören und lesen kann. Selbst von Höcke könnte es dafür Beifall geben.
    Aber wahrscheinlich ist Beifall von der falschen Seite hier (ausnahmsweise) kein Problem.

  6. @Ton G. Warrior: Genau das ist so ein Beispiel für zweideutige Anmerkungen. Diese Methode hat Lucke von Anfang an betrieben, die AfD nach ihm sie perfektioniert. Ich sage etwas, dass so oder so ausgelegt werden kann (direkte Auslegung an meine rechten Follower, alternative Auslegung die nicht anrüchig ist, auf die ich mich dann zurückziehe) und generiere dann eine zweite Meldung mit meiner Klarstellung. Auch, dass „entartet“ ein Begriff mit Geschichte ist, war ihm ja angeblich nicht bewusst. Einem Professor, in Deutschland. Really?

  7. @Anderer Max
    „Linker Protest: Nazimethoden, Redefreiheit, Mimimi!
    Rechter Protest: Bürgerpflicht, Verteidigung, Werte!“

    Sie vermischen da etwas – meiner Meinung nach unzulässig. Der „Linke Protest“ wurde von einigen Medien so eingeordnet, wie Sie es hier beschreiben. Die Begriffe für den „Rechten Protest“ sind Selbstbeschreibungen der „Protestierenden“. In den Medien (mal abgesehen von den ganz rechten) wird das nirgends so beschrieben. Sie werfen hier also den Medien vor über Linken Protest kritisch zu berichten und die AfD- und Pegida-Demos sprachlich weich zu spülen. Mit Verlaub, dass ist schon eine starke Verdrehung der Berichterstattung der letzten Jahre.

    @Artikel
    Ich habe tatsächlich auch ein Problem damit, dass vom ASta unliebsame Leute im Hörsaal so angegangen werden, dass sie 90 Minuten lang nicht zu Wort kommen und finde es auch problematisch, dass die Grüne Frau Fegebank – mit Ambitionen auf den Posten des Ersten Bürgermeisters der Hansestadt Hamburg (und wohl auch Chancen) -das dann als „diskursive Auseinandersetzung“ einordnet und erst nach medialem Gegenwind merkt (oder vom PR-Berater eingeflüstert bekommen hat), dass das wohl für ihre Karriere nicht so gut war. Ein freiheitliches, demokratisches Land funktioniert nicht indem man (von welcher Seite auch immer) Andersdenkenden das Rederecht entzieht und sich dabei noch für den Gipfel der Moral hält.

    Von den dort gefallenen Begriffen sind einige meiner Meinung nach vom intellektuellen Niveau sehr vergleichbar zu denen, die von Pegida in Dresden der politischen Führung entgegen gebrüllt wurde. Allerdings: Der Ort ist ein anderer und das finde ich dann sehr problematisch. Wer entscheidet, wer reden darf und wer nicht? Linksgerichtete Studenten als moralische Instanz, die Rederechte einräumt? Das geht meiner Meinung nach genau so nicht, wie rechte Demonstranten, die sich zum einzig stimmberechtigten Bestandteil der Bevölkerung ernennen und Abweichler „Volksverräter“ schimpfen. Die moralische Gewissheit mit der die politischen Ränder mittlerweile die anderen zum Schweigen bringen wollen, halte ich für ein großes Problem.

    Schwierig ist auch, dass heute immer gleich die Nazikeule geschwungen wird. Waren das in Hamburg solche Methoden? Demokratische und freiheitliche waren es meiner Meinung nicht. Zu „Nazimethoden“ ist dann aber doch eine große Lücke. Der Begriff ist auch insofern problematisch, weil man nie weiß welche „Nazimethoden“ denn überhaupt gemeint sind. Die aus den 20er-Jahren oder die in den 40er-Jahren. Zu den 20er-Jahren könnte man gewisse Übereinstimmungen finden, zu den späteren nicht. Der Begriff erklärt nichts und dient nur als Kampfbegriff. Seriöse Medien sollten ihn vermeiden oder erklären.

    Problematisch finde ich auch, dass im Artikel mit der mittlerweile gern genutzten Argumentation: auf Inszenierung von xy hereingefallen („Nur allzu willfährig lassen sich viele Journalisten, die die AfD als Luckes „Professorenpartei“ einst groß geschrieben haben, auch heute wieder auf eine Inszenierung ein.“) jegliche Kritik dann auch für unzulässig hält, weil man ja sonst auf die AfD herein gefallen sei.

    „Wo waren die ganzen Freiheitsmahner und Demokratiewächter eigentlich, als es darum gegangen wäre, Lucke zu konfrontieren?“
    Hat man das wirklich nicht? Und wenn ja, vielleicht, weil er mit seiner damaligen AfD politisch so klein war, dass sich das gar nicht zu lohnen schien. Warum auch immer, die Argumentation ist mir zuwider, dass ein Versäumnis vor vier Jahren nun dazu führt, dass man jetzt bitte auch schweigen möge.

    Darf man zu diesem Ereignis keinen kritischen Bericht schreiben, sich keine Sorgen um die Meinungsfreiheit an Unis machen, weil man sonst auf die AfD herein fällt? Wirklich? Einen größeren Gefallen kann man Extremisten gar nicht tun, als sich von ihnen Themenverbote aufnötigen lassen. Dieses beinah schon krankhafte Vermeiden von allem was irgendwie von rechts (erstaunlicherweise selten von links) instrumentalisiert werden könnte, ist pures Gift für diese Gesellschaft.

    Was ich am Artikel vermisse ist eine brauchbare Empfehlung, wie man mit solchen Situationen verfahren soll. Hier wird wieder nur aufgezählt, was alles falsch gewesen sein soll. Befund: Medienversagen. Der AfD und Lucke auf den Leim gegangen. Lücke nicht schon vor vier Jahren journalistisch zerlegt. Setzen Sechs!
    Was machen wir, wenn in Hörsälen rechte oder linke ihre politischen Gegner die Sprache entziehen? Es ist ja nun auch nicht das erste mal, dass politisch unerwünschte Gespräche oder Personen unterbunden wurden. Wollen wir das? Stärken wir so die Demokratie?

  8. „Was Bernd Lucke dagegen am Mittwoch vergangener Woche an der Hamburger Uni wiederfuhr, war …“

    … rot lackierter Faschismus

    „die angeblich alles und jeden niederbrüllen, was ihnen nicht in den Kram passt“

    angeblich?

  9. „Zu dieser Begriffsverwendung hat Lucke im Merkur dies gesagt:
    „Ich habe das Wort „Bodensatz“ nie mit bösartiger Absicht verwendet, sondern um zu beschreiben, dass unqualifizierte Zuwanderer bei uns keine wirtschaftlichen Entfaltungsmöglichkeiten haben.“

    Nun ja, klar – ich verwende ‚Inkontinentes Arschloch‘ für solche Leute natürlich auch nie mit bösartiger Absicht, sondern schlicht zur Beschreibung ihrer Funktion.

    Als Täter Opfer spielen können ’se alle gut, die Knallrechten.

  10. ach Sensenmann, mit solch abgedroschenen Phrasen aus der Mottenkiste rechter Dumpfbacken können Sie niemanden beeindrucken oder gar überzeugen. Rechte erklären sich ständig zu Opfern, wenn man ihnen entgegentritt, und quaken dann immer gleich von „rotem Faschismus“. Im Grunde zeigen Sie damit nur, dass Sie weder begriffen haben, was Faschismus ist, noch dass Sie Argumente auf der Pfanne hätten.

    Niedergebrüllt wird man indes ständig von eben rechten Dumpfbacken, die es nicht ertragen, dass man ihnen ihre verrottete Ideologie wie einen Spiegel vor die Nase hält.

    Halten Sie also einfach mal die Luft an.

  11. Es stimmt, dass die Behauptung von“Nazi-Methoden“ abwegig ist. Mich stört aber an Ihrem Kommentar, dass Sie Lucke eine Ursünde anhängen, die ihn sein Leben lang die Schuld an allem zuweist. „Soll er sich doch nicht so anstellen, der Lucke!“, sagen Sie nach meiner Auffassung sinngemäß. Und seine fachlichen Qualifikation sei auch fraglich!
    Soll Lucke also lieber einsehen, dass er nichts mehr öffentlich machen darf…?
    Ich vermute, bei Übermedien gäbe es nicht diesen Kommentar, wenn Varoufakis einen VWL-Gastvorlesung hielte und die Jungen Liberalen würden massiv stören.
    Die AStA schoss hier weit über das Ziel hinaus. Das ist doch klar, dass Lucke sich wehrt. Wenn Höcke einen Geschichtsvorlesung hält, dann wäre so eine Aktion in Ordnung.
    Zuletzt etwas grundsätzliches: Zur AfD heißt es: Wehrte den Anfängen (es wird immer schlimmer)! Zu Aktionen der Gegenbewegung heißt es: Es ist nicht so schlimm (und wird es auch nie).
    Ich habe mit der schlimmen AfD nichts am Hut und auch nicht mit Lucke. Aber ich möchte eine faire Einschätzung. Das bekomme ich bei Übermedien fast immer. Hier leider nicht.

  12. #9: „Mich stört aber an Ihrem Kommentar, dass Sie Lucke eine Ursünde anhängen, die ihn sein Leben lang die Schuld an allem zuweist.“

    Geht’s auch weniger melodramatisch? „sein Leben lang“, „an allem“, „Ursünde“ – meinen Sie das wirklich ernst?

    Lucke gründete (mit anderen) die AfD im Jahr 2013, (Höcke ist seit 2014 dabei), in 2015 ging Lucke wieder, gründete die LKR – eine Partei, die genauso rechts außen steht wie die AfD und zumindest letztes Jahr noch zu von Neonazis organisierten ‚Merkel muss weg!‘-Demos aufrief.

    Schauen Sie mal nach, was man bei der LKR in Hamburg so als Lektüre empfiehlt, als „Alternative“ zu den „herrschenden Medien“…

    Und jetzt ‚Schwamm drüber‘, ‚der arme Mann‘, ’sein ganzes Leben‘, schnell den Persilschein ausgestellt? Wofür?

    „Soll Lucke also lieber einsehen, dass er nichts mehr öffentlich machen darf…?“

    Geht’s auch weniger melodramatisch? Lucke kehrt zurück in die gut dotierte Position an der Uni, nachdem es mit der bezahlten Politkarriere nichts wurde – Einsicht ist allerdings auch in minimalster Dosis nicht zur erkennen. Stattdessen typisch knallrechtes Rumgeopfere, eklige „Greta-Kritik“ (wie sie ja in diesen Kreisen gerade in Mode ist) und euphemisierende Rechtfertigung (’nein, ich hab‘ sozialer Bodensatz doch nicht abwertend gemeint‘). Wo ist denn da _irgendeine_ Einsicht?

    „Zur AfD heißt es: Wehrte den Anfängen (es wird immer schlimmer)!
    „Zu Aktionen der Gegenbewegung heißt es: Es ist nicht so schlimm (und wird es auch nie).“

    Halten Sie die Ansicht „es wird immer schlimmer“ wirklich für falsch?

  13. Was lernen wir aus diesem Artikel?

    1. So lange es keine Toten gibt, sind es keine Nazi-Methoden.

    2. Lucke predigt Wasser („Neoliberalismus“) und trinkt gerne Wein („öffentlicher Dienst“). Und damit kopiert er doch tatsächlich ganz frech die 1968er, die die Revolution predigten, um dann ganz schnell unter den warmen Rock des öffentlichen Dienstes zu schlüpfen. Und heute beklagen sie sich über die Höhe ihrer Pensionen.

    So etwas wie die roten Faschisten gegen Lucke sollten mal irgendwelche Braunen versuchen. Diese Republik wäre von einem Tag auf den anderen eine andere.

  14. Stimme @9 Jens zu.
    Ich hätte es überzeugender gefunden, bei Lucke selbst zu bleiben, anstatt den Bogen ständig zu Höcke und dessen völkischer AfD zu spannen. So wirkt die Argumentation, eine torpedierte Vorlesung sei doch nur ein Vogelschiss im Vergleich mit der immensen braunen Erbschuld, die Lucke nun trägt, leider einen Schritt zu weit hergeholt.

  15. Ja, ja, der brave Herr Lucke, das protestantische Unschuldslamm – in Wikipedia als „liberal konservativer Reformer“ beschrieben. Im Deutschlandfunk gab es vor ein paar Tagen ein Interview mit einem Politiker der Linken (sein Name habe ich mir nicht gemerkt) und Rupert Polenz (CDU). Es fielen unter anderen auch die hier aufgeführten Zitate. Beide waren sich in der Wirkung Luckes einig, das hat mich überrascht. Der Artikel hier zeigt die Tragweite des gesellschaftlichen Klimas auf, das der feine Herr Professor mitbegründet hat – unter wohlfeilen Worten und genau mit dem Konzept, das Samira el Ouassil hier in Übermedien an anderer Stelle fein filetiert hat: das Sagbare zu verschieben, mit gezielten Provokationen und späteren Klarstellungen (…soooo war das doch nicht gemeint).
    So einen Typen jetzt an der Uni zu ertragen? Das ist doch in Ordnung, seinem Unmut Ausdruck zu verleihen und ihn erst einmal anzubrüllen, wenn man die Möglichkeit hat – das hilft gegen Magengeschwüre 10 Jahre später. Was soll man denn Bitte sonst gegen die verbeamtete Ignoranz machen?
    Und bitte: ist man, wenn man brüllt ein Faschist? Sicher, lustiger wäre die Variante der Spassguerilla: z.B. auf den Tisch scheißen..

  16. #11: „So wirkt die Argumentation, eine torpedierte Vorlesung sei doch nur ein Vogelschiss im Vergleich mit der immensen braunen Erbschuld,“

    Grotesk. Sie versuchen, genau wie Jens, die Rolle Luckes beim Aufstieg und auch der Faschisierung der AfD herunter zu spielen und ihn zum unschuldigen Opfer zu stilisieren, indem Sie sich zu seinen Gunsten monströse Begrifflichkeiten aus den Fingern saugen. Erst „Ursünde“, jetzt „Erbschuld“. Lucke wusste, was er tat und er ist bis heute keinen Deut davon abgewichen. Sie (beide) wissen auch, was Sie tun.

  17. Ganz unterhaltsam – für „Medienkritik“ geben die Herausgeber offenbar auch mal ihre Standards auf .

    Gerade auch taz und Sueddeutsche hier als „willfährig“ zu beschreiben, die „Luckes ‚Professorenpartei‘ einst groß geschrieben haben“, die sich „auch heute wieder auf eine Inszenierung “ einließen (!) und davon zu schwurbeln, dass Lucke „von der medialen Öffentlichkeit“ nie „zur Verantwortung gezogen“ wurde …

    Der Unterschied zum rechten „Lügenpresse“-Gekreische liegt darin, dass es hier intellektuell noch etwas verbrämt wird, die Gemeinsamkeit darin, dass jeder, der die eigene Position kritisiert, diskreditiert wird.

    Zum Lucke-Protest an der Uni: War richtig & wichtig, gut gemeint ist nicht immer gut gemacht, einfach etwas dazu lernen, Mund abputzen, weitermachen und die Schuld nicht andern geben.

  18. Ich finde die ganze Diskussion als hinterfragungswürdig.
    1. „Recht ist Recht und juristisch nicht anfechtbar und deshalb nicht zu tadeln“. Es ist aber laut Hegel notwendig von seiner Durchsetzbarkeit.
    Sie haben dabei nicht erwähnt, dass nicht Herr Lucke darüber entscheidet ob er einen Lehrauftrag erhält, sondern die Universität und dass nicht Herr Lucke darüber entscheidet, ob seine Vorlesungen gehört werden, sondern die Studenten.
    2. die durchaus populäre aber falsche Festlegung von „Faschismus“ auf das rechtsextreme Milieu. Faschismus ist nicht explizit „rechts“ oder „links“. Die Hauptmerkmale des Faschismus sind Massenbasis und Führerprinzip. Deshalb sind bei genauerer Betrachtung mindestens 75% der Deutschen Faschisten. Die meisten Deutschen lehnen Kompromisse und den Schutz von Minderheiten in der Politik ab. Der Ruf nach Plebisziten oder auch “ direkter Demokratie“ ist zutiefst faschistisch.
    3. Lassen sich studentische Proteste von Linken heute, natürlich mit den gewalttätigen Aktionen der Corpsstudenten von 1926 vergleichen, hätten sie deren Macht, würden sie genauso vorgehen. Sie könnten auch einfach demokratisch seinen Vorlesungen fernbleiben.

  19. +++ BREAKING NEWS +++

    Der Bundestag hat soeben mit einer Mehrheit von 87,5% das Grundgesetz geändert. Art. 5 lautet jetzt
    Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten, sofern sie dem Andrej Reisin in den Kram passt.

  20. @ Someonesdaughter:

    „Nun ja, klar – ich verwende ‚Inkontinentes Arschloch‘ für solche Leute natürlich auch nie mit bösartiger Absicht, sondern schlicht zur Beschreibung ihrer Funktion.“

    Da würde ich anraten, dass Sie sich mal an Ihren eigenen Kommentar halten:

    „Geht’s auch weniger melodramatisch?“

    Denn so problematisch der Begriff „Bodensatz“ auch ist – denn die originale Wortmeldung und die spätere Erklärung stimmen durchaus gut überein.
    (Die Süddeutsche zum Original-Kontext: „Lucke erklärt, dass es Menschen gebe, die ins Land kämen, ohne Deutsch zu können, überhaupt ohne Bildung. Sie kämen voller Hoffnung und Naivität. Doch wegen ihrer schlechten Voraussetzungen könnten diese Menschen gar nicht zurechtkommen. Für sie bliebe nur ein Leben in Hartz IV. ‚Dann bilden sie eine Art sozialen Bodensatz – einen Bodensatz, der lebenslang in unseren Sozialsystemen verharrt.‘ Ein dauerhaftes Leben in Hartz IV aber wäre nicht menschenwürdig. Man solle sie aus Verantwortungsgefühl auch für sie nicht ins Land lassen.“)

    Die Argumentationsrichtung ist hier die gleiche, die Lucke später geltend macht beiden Fällen die gleiche. Klar, die gute Absicht mag komplett geheuchelt sein – beweisen lässt sich das aber kaum. Und die ganze Art der Argumentation kann man problematisch finden – aber das ist wieder ein anderer Punkt und ändert wenig daran, dass Ihre „Analogie“ hinkt.

  21. Ich finde diesen Text von El Oaussil doch recht einseitig. Auch wenn die Autorin in dem einen oder anderen Punkt recht hat, wird m.E. erkennbar, dass ihr die Distanz und Überparteilichkeit fehlen, die zu einem fairen und ausgewogenen Urteil notwendig wären.
    Nur um ein Beispiel zu geben: Das Verhindern von Vorlesungen wird zum „studentischen Protest“ herabdefiniert. Kritik an der Vorgehensweise gibt es nicht. Umgekehrt scheint jedes Verständnis für Lucke zu fehlen.

  22. @Gernot#15
    Auch Sie versuchen als Satiriker die abstrusesten „Meinungen“ darzustellen?
    Es gelingt!
    Irgendwer hatte neulich bei Ihnen oder einem derjenigen, die ähnlich wie Sie schreiben, gefragt, ob Sie Redakteur der Titanic sind. Ich kann mir fast vorstellen, dass das stimmt, weil ich mir kaum vorstellen kann, dass man solche Beiträge wie Ihre ernst meinen kann.

    @LLL#16
    „Und die ganze Art der Argumentation kann man problematisch finden “
    Menschen, die man nicht kennt, allesamt Naivität und Chancenlosigkeit zu attestieren und diese dadurch als Bodensatz zu deklarieren ist nur Problematisch?

    LLL#17
    „Ich finde diesen Text von El Oaussil doch recht einseitig.“
    Der Text ist von Andrek Reisin.

    „wird m.E. erkennbar, dass ihr die Distanz und Überparteilichkeit fehlen, die zu einem fairen und ausgewogenen Urteil notwendig wären.
    Nur um ein Beispiel zu geben: Das Verhindern von Vorlesungen wird zum „studentischen Protest“ herabdefiniert. “

    Der Text beschäftigt sich damit, dass Lucke sich mit den Opfern der Alt-Nazis vergleicht. Und er Text zeigt sehr differenziert auf, was den Opfern damals in vergleichbaren Situationen geschehen ist.
    Dagegen ist das, was bei Luckes Vorlesung passiert ist, maximal ein studentischer Protest.

    „Umgekehrt scheint jedes Verständnis für Lucke zu fehlen.“
    Das Unverständnis für Lucke war ziemlich sicher ein Auslöser für diesen Artikel. Und die beiden einleitenden Absätze erklären sehr gut, woher dieses Unverständnis kommt.

  23. @LLL
    Meines Erachtens wird in erster Linie auf die Medienreaktion Bezug genommen und die Störaktion vor dem Hintergrund Luckes eingeordnet. Jetzt weiß ich natürlich nicht, wo genau Sie gerne mehr Verständnis für Lucke gehabt hätten, aber ich kann die Argumentation des Textes schon nachvollziehen. Da gründet ein Mann ein Sammelbecken für die Wirtschaftshaie, Rechtsnationalen und Rechtsradikalen dieser Welt, ist damit mitverantwortlich für eine Verschiebung des Diskurses nach rechts mit all den praktischen Auswirkungen und kehrt nach seiner Abwahl und einer Art plötzlichen Erwachens in den sicheren Hafen der Professur zurück. Ist natürlich menschlich verständlich, dass er sich geläutert und geschockt zeigt und den jetzigen Zustand der AfD ablehnt (und manches nehme ich ihm sogar ab), aber das entbindet ihn nicht von der Verantwortung, und es gibt genügend Menschen, auf die die letzten Jahre ziemlich unangenehme Auswirkungen hatten. Wenn jetzt also Lucke einfach da weitermachen will, wo er aufgehört hat, Studierende aber ein Zeichen gegen diesen Normalisierungswunsch setzen und die Presse daraufhin Luckes Opferdarstellung übernimmt, finde ich das zumindest bedenkenswert. „Studierende halten Professor von Vorlesung ab und gefährden dadurch die Freiheit der Lehre und damit die Grundregeln unserer Demokratie“ ist die eine Sichtweise, „Studierende setzen Zeichen gegen den Wegbereiter von Rechtsextremisten“ wäre eine andere. Im Gegensatz zu vielen anderen Menschen ist Lucke von Konsequenzen seines Handelns weitgehend verschont geblieben, da mutet eine solche Aktion jetzt nicht sonderlich unverhältnismäßig an. Aber wie Johannes Schneider auf ZON zu einer anderen Begebenheit schrieb:

    „Wer aber könnte sich nun von einem flammenden Appell gegen Rassismus und Intoleranz angegriffen fühlen? Neben den Rassisten und Intoleranten sind es vielleicht noch die, die Pluralismus als Gespräch mit Rassisten und Intoleranten missverstehen; ferner jene, die fortwährend befürchten, kommunikative Akte der Ausgrenzung von Ausgrenzern trieben die gesellschaftliche Spaltung nur voran. Vor allem aber sind es Leute, die Faschismus und Antifaschismus für „gleich schlimm“ halten, respektive für die zwei sich nahenden Enden eines Hufeisens.

    Wer entsprechenden Extremismustheorien anhängt (beziehungsweise ihren populären Missverständnissen), dem fehlen die Kategorien, um das wirklich Schlimme und Zersetzende von einer misslichen Bühnenpräsenz zu trennen. Wer gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit nicht von der Feindschaft zur Gruppe der Menschenfeinde unterscheiden kann, dem bleibt nur der Tonfall als Unterscheidungsmerkmal zwischen dem Harmlosen und dem Gefährlichen.“

  24. @ Ritter der Nacht #19
    „es gibt genügend Menschen, auf die die letzten Jahre ziemlich unangenehme Auswirkungen hatten“
    Unangenehme (und noch schlimmere) Auswirkungen gibt es ja wirklich.
    Aber welche meinen Sie konkret? Welche Verantwortung daran trägt Lucke? Gab es diese Dinge vor seiner Parteigründung wirklich noch nicht?
    Die Auswirkungen, die mit nichts etwas zu tun haben, können Sie ja eher nicht meinen. Für die ist ja nie jemand verantwortlich, noch nicht einmal die Ausführenden selbst.
    So unterscheiden wir in den letzten Jahren zwei grundsätzlich verschiedene Arten von Auswirkungen: verantwortliche und verantwortungslose.
    Und damit gleichzeitig zwei Arten von Menschen: Verantwortliche und Verantwortungslose.
    Die Verantwortlichen befinden sich in der Opposition bzw. noch nicht einmal mehr dort. Die Verantwortungslosen sind dagegen eher in Amt und Würden.
    Kommt nur mir das ein wenig absurd vor?

  25. Diese „studentischen Proteste“ sind in erster Linie mal schlechtes Benehmen und typisch studentisch unreif Flegelhaft.
    Hatten die rechten Studis der zwanziger Jahre noch erbsengroße Gehirne, so braucht man bei den Kameraden der Antifa von 2019 schon eine Luftpumpe um auf das Volumen der Hülsenfrucht zu kommen.

  26. Herr Lucke war (und ist sicherlich auch noch) auf der politischen Bühne ein „Zündler“ – und zwar wohlkalkuliert und bewusst. Er hat im politisch-öffentlichen Raum klar auf Affekte gesetzt und Affektäußerungen genutzt und gefördert. Den Charakter der AfD als klare „Affekt“-Partei hat er maßgeblich mitgeprägt. Es ist im Zusammenhang völlig unerheblich, ob er dem „völkischen“ (=offen rassistischem) Teil der „Bewegung“ ablehnend gegenüberstand – seine Hetzkampagnen gegen Euro und EU, die damals und heute nichts anderes als völlige Aussenseiter- und Crank-Meinungen darstellten, obwohl er für ihre Legitimation seine Professorenwürde nutzte, reichen als ein Beispiel für diese Affekt-Triggerei völlig aus.

    Wer auf der politischen/öffentlichen Bühne unverhohlen auf Affekt setzt, darf meiner Meinung nach in der Folge sich weder wundern noch beschweren, wenn das Affekt-Pendel gegen ihn schwingt. Das muss man dann eben hinnehmen und ertragen. Auch eine Vorlesung ist ein öffentlicher Akt und das Professoren-Katheter ist ein öffentliches Amt und mithin im selben öffentlichen Raum angesiedelt wie seine politischen Aktivitäten. Er (und die Institution) kann da nicht willkürlich nach eigenem Gusto trennen in zwei verschiedene, nicht miteinander verbundene Bereiche. So funktioniert „öffentlicher Raum“ nicht.

    Wer auf Affekt setzt, darf sich über Affekt nicht beschweren. Wer Affekt als (politische) Waffe benutzt, kann sehr wohl durch die Waffenwirkung selbst betroffen sein. So war es immer schon, und so wird es auch immer sein.

  27. @20: 1+1 ist 2, 2+2 ist 4, 4 ist die Zahl des Teufels, Erwin Teufel ist ein Politiker also sind alle Politiker des Teufels!

  28. @Gernot

    Ist das noch Satire oder schon trollen?

    @Frank Reichelt

    Oje­mi­ne, diese Jugend von heute. Und immer diese Antifa…
    Danke Merkel!

  29. sorry, aber einige Begriffe, die Lucke verwendet hat, sind rein naturwissenschaftlicher Basis: Die Entartung ist ein Begriff aus der Naturwissenschaft, der leider mit der „entarteten Kunst“ der Nazis Ähnlichkeit hat.
    Der Bodensatz ist nun mal das, was beim Kaffeetrinken unten bleibt.

    Dass Lucke mit dem rechten Rand des Konservatismus an der Grenze zu den Nazis gespielt hatte, ist klar. Aber das war an der Grenze vor den Nazis wie Höcke und Co

    Ich glaube, Höcke sah den Protest gegen ihn auch sehr entspannt und wollte kein Mitleid von irgendwelchen Journalisten.
    Was den Protest aber eben entlegalisierte war, dass man Höcke einen Nazi nannte. Das zeigte, dass die PRotestierenden in Höcke nur die heutige AfD sahen, aber nicht den Mann von damals oder von Alfa.

  30. sorry, bei @25 muss es im letzten Absatz im ersten Satz „…Lucke sah den Protest“ heißen.
    Außerdem: „…dass man Lucke einen Nazi nannte.“

    Ich hatte den Höcke vom letzten Satz schon in den Fingern

  31. Ich wollte gerade einen längeren Kommentar zu diesem abwegigen Artikel schreiben. Aber ach: Es ist jeder Satz so abstrus, so völlig falsch, so tendenziös und insinuativ, so halbwahr und halbgar, dass man gar nicht weiss, wo man anfangen soll.

    Ein Beispiel: „Dass ein gescheiterter Parteigründer und Prediger des reinen Wassers des Neoliberalismus selbst doch lieber den Wein des sicheren Beamtenverhältnisses trinkt, stößt einigen übel auf. Doch das geltende Recht räumt ihm diese Möglichkeit ein“. Was ist die rechtspolitische Prämisse dieses Satzes, welches rechtspolitische Problem wird hier beschrieben, wie wäre eine etwaige Lösung? Schon nur kurzes Nachdenken führt zwangsläufig zu der Erkenntnis, dass ein Nichtproblem (!) beschrieben wird, so dass jeder „Lösungsversuch“ in eine Aporie münden muss – mag das jemandem übel aufstoßen oder auch nicht.

    Noch ein Beispiel: „Auch Luckes wissenschaftliches Renommee ist umstritten“. Ach, tatsächlich? Gibt es eine Diskussion in der Fachwelt über Luckes Renommee? Ohne in der VWL-Materie drin zu sein: Das ist schwer vorstellbar. Möglicherweise sind seine Auffassungen umstritten. Aber Hochschullehrer, deren Auffassungen allgemein konsentiert sind, gibt es nicht – und wenn, hätten sie etwas falsch gemacht. Die Vorlesung gibt Lucke die Möglichkeit, seine Ansichten zu vertreten (Art. 5 Abs. 3 GG), aber er ist auch verpflichtet, den Forschungsstand zunächst darzustellen. Dass er dies in sachwidriger Weise tut oder sonstige Bedenken gegen seine fachliche Eignung bestünden, ist nicht ersichtlich.

    In Summa: Wird der Satz: „Keine Toleranz gegenüber der Intoleranz“ nicht nur gegen Verfassungsfeinde, sondern auch gegen mehr oder weniger missliebige Personen wie Lucke angewendet, führt dies in der Tat zu einer Diskursverschiebung, weil dann beliebige Mittel gegen missliebige Meinungen zulässig werden. Auch gegenüber diesem als Meinungsartikel daherkommenden Dokument der Intoleranz gilt daher: Wehet den Anfängen! So etwas darf nicht veröffentlicht werden …

  32. @Mike Hunt
    Wie Sie aus meiner Formulierung „typisch“ und die Bezugnahme auf die Vorkommnisse der zwanziger Jahre durch rechte Studenten entnehmen mussten, handelt es sich nicht um ein Phänomen der Jugend von heute.
    Die studentische Unreife ist Generationen- und sogar Ideolgieübergreifend.
    Wahrscheinlich haben Sie das sogar verstanden, aber dann konnten Sie natürlich nicht Ihren Punkt machen.
    Ein neues Mitglied der wachsenden Fraktion “ Ich lese nur das heraus, was mir nützt.“
    Was Frau Merkel damit zu tun haben könnte, bleibt ebenfalls unklar!

  33. @ Civichief #26
    „Lucke…Höcke…“
    Macht nix: Ist alles eins und Differenzieren etwas für Weicheier :-)
    Vielleicht sollten wir ihn ‚Hucke‘ nennen?
    Wäre Bernd Hucke nicht ein pensionierter Richter am Bundesgerichtshof, wäre das tatsächlich eine elegante Sprachregelung für eine ganzheitliche Analyse.

  34. Lucke glaubt tatsächlich, er könne nach der Gründung der NSDAP 2.0 in sein altes Leben zurückkehren und so tun, als ob nichts wäre. Ich bin froh über eine Jugend, die ihm diesbezüglich den Kopf wäscht. Wir Alten hängen ja nur noch tatenlos auf dem Sofa und labern Kommentarspalten mit fadem Zeug voll.

  35. weil er also „bodensatz“ gesagt hat, ist er jetzt doch ein nazi?
    aha.

    Lucke 2015:
    „In der AfD sehe ich dafür leider keine Möglichkeit mehr, ohne gleichzeitig als bürgerliches Aushängeschild für politische Vorstellungen missbraucht zu werden, die ich aus tiefer Überzeugung ablehne. Dazu zählen insbesondere islamfeindliche und ausländerfeindliche Ansichten, die sich in der Partei teils offen, teils latent, immer stärker ausbreiten und die ursprüngliche liberale und weltoffene Ausrichtung der AfD in ihr Gegenteil verkehren. “

    Ihr schreibt, Lucke sei nun Schuld daran dass „Kokettieren mit ethnischer Säuberung auf die Bühne der deutschen Politik zurückgekehrt ist“ und dass er die „politische Kultur zerstört“ habe.

    Und er sollte seinen Beruf nicht mehr ausführen, weil er politisch gescheitert ist.
    Ist das Euer ernst?
    Der arme Mann.

  36. Die Verteidigung Luckes von Seiten der AfD ist maximale Heuchelei. Nur mal so zum Vergleich, wie die AfD damals Lucke rausgeworfen hat:

    https://www.vice.com/de/article/ex75b7/die-afd-ist-jetzt-die-kaputteste-partei-deutschlands-in-jeder-hinsicht-624

    Als Bernd Lucke danach vors Mikrofon tritt, muss er nichtmal ein Wort sprechen, um die ersten Buhrufe zu ernten. Während seine Anhänger ihn bejubeln, buht und pfeift ihn etwa die Hälfte der versammelten Parteimitglieder aus. Zwischendurch sagt er Versöhnliches, grenzt sich aber immer wieder auch ab. Von Björn Höcke zum Beispiel. Höcke ist Fraktionsvorsitzender der AfD im Thüringer Landtag und fällt immer wieder durch Nähe zu Neonazis auf. Aus dem Publikum kommen darauf „Höcke, Höcke“-Rufe. Als Lucke klarstellt, dass rechtsradikale Ansichten für ihn keinen Platz in der Partei haben, erntet er erneut Pfiffe und Buhrufe.

    Als Bernd Lucke dann seine zweite Rede des Tages hält—die eigentlich ein Bericht über seine Sprechertätigkeit hätte sein sollen—wird klar, dass er sich auch selbst keine Hoffnungen auf eine Wiederwahl mehr macht. Statt sich bei den Parteirechten anzubiedern, teilt er aus: Er attackiert den nordrhein-westfälischen AfD-Vorsitzenden, der die Partei vorher als Pegida-Partei bezeichnet hatte und die „Systemfrage“ stellen wollte. Es folgen erneute Buhrufe, Pfiffe, Gelächter. Als Lucke dann noch dazu aufruft, mehr für Flüchtlinge zu tun und Hilfe für Flüchtlinge in aller Welt auch mit deutschen Geldern zu unterstützen, wird es einigen zu viel. Er wird wüst beschimpft, ihm werden rote Karten entgegengestreckt, ein Parteimitglied versucht sogar, auf die Bühne zu klettern, um Lucke am Weiterreden zu hindern. Der vergleicht die Mitglieder seiner Partei mit der Leipziger Antifa: Die seien die letzten gewesen, die ihn durch Buhrufe am Reden gehindert hätten.

    Sang- und klanglos will Lucke aber nicht abtreten. Er tritt an ein Mikrofon im Saal, wird, noch bevor er etwas sagen kann, von Frauke Petry abgewürgt: Man könne sich gerne persönlich unterhalten, wolle aber nun mit dem Programm weitermachen. Lucke hat hier offensichtlich nichts mehr zu melden. Unter lauten Buhrufen, wüsten Beschimpfungen und vom Sicherheitsdienst abgeschirmt macht sich Lucke auf den direkten Weg zum Podest des Fernsehsenders Phoenix.

  37. Vielen Dank für den lesenswerten Kommentar! Rückt mein Weltbild wieder gerade. ;-)

    Eine klitzekleine Anmerkung zum Artikeleinstieg: Die Formulierung „deutsch-jüdisch“ finde ich immer so schwierig, so klassifizierend, ausgrenzend. Es spricht ja auch niemand vom „deutsch-katholischen Politiker“ oder der „deutsch-protestantischen Lehrerin“. „Der deutsche, jüdische Philosoph wäre treffender, denke ich. Sonst klingt es wie „deutsch-italienisch“ oder „franko-kanadisch“, bringt also eine ethnische Komponente ins Spiel, die ja eigentlich nicht gewollt sein kann. (Anders ist das natürlich bei „serbisch-orthodox“ oder „russisch-orthodox“, aber da geht es NUR um die Religionszugehörigkti, die sich eben je nach Landeskirche unterscheidet, und nicht per se um die Ethnie – auch wenn die Nationalisten in diesen Ländern das sicher anders sehen werden…)
    Vielleicht ist das jetzt Haarspalterei, aber Sprache schafft Realität. Auch wenn es nur um einen kleinen Bindestrich geht.

  38. @ Micha:

    „Menschen, die man nicht kennt, allesamt Naivität und Chancenlosigkeit zu attestieren und diese dadurch als Bodensatz zu deklarieren ist nur Problematisch?“

    Mir scheint es offensichtlich, dass Lucke hier über eine Gruppe spricht, und nicht über jedes einzelne Mitglied dieser Gruppe. Alles andere wäre ja absurd, und das weiß auch Lucke. Dass er die Leute nicht persönlich kennt, spielt hier keine Rolle; er schließt ja nicht von der Persönlichkeit dieser Leute, sondern von sozialen Rahmenbedingungen.

    „Der Text ist von Andrek Reisin.“

    Stimmt. (Entschuldigung an Herrn Reisin und Frau El Ouassil.)

  39. „Dass ein gescheiterter Parteigründer und Prediger des reinen Wassers des Neoliberalismus selbst doch lieber den Wein des sicheren Beamtenverhältnisses trinkt, stößt einigen übel auf. Doch das geltende Recht räumt ihm diese Möglichkeit ein.“

    Nur um ein Wort zu diesem Satz zu sagen, auf den Herr Koch hinweist:

    Nur die hartgessottensten Neoliberale dürften wohl etwas dagegen haben, dass es den Staat und staatliche Beamte gibt (und dass Beamte für eine politische Tätigkeit zeitweise von ihrem Dienst freigestellt werden können).
    Hat Lucke je gefordert, dass es keinen Staat und keine Staatsdiener geben solle? Oder dass Staatsdiener, die in die Politik gehen, später nicht mehr in ihr Beamtenverhältnis zurückgehen können sollen? Oder folgt so aus einer einzigen seiner wirtschaftspolitischen Äußerungen? Ich wage einmal die Antwort: Sehr wahrscheinlich nicht.

    Dann gibt es aber keinerlei auch nur ansatzweise rationalen Grund, es sich „aufstoßen“ zu lassen, wenn Herr Lucke nach Ende seiner politischen Tätigkeit wieder als Beamter arbeitet. Oder jedenfalls keinen, der mit seinen wirtschaftsliberalen Ansichten in einem wie auch immer gerateten Zusammenhang stünde.
    Abgesehen davon kann man es natürlich generell doof finden, wenn Leute, die in einem sicheren Beamtenverhältnis sind, anderen „noeliberalen Wein“ einschenken. Aber das gilt dann unabhängig von Lucke und seiner politischen Tätigkeit ganz allgemein.

    Insoweit scheint mir Herrn Reisins Bemerkung reine Polemik zu sein, die seine tiefe Aversion gegen Herrn Lucke, die den ganzen Text durchzieht, offenbart.

    @ Th. Koch:

    Die Äußerungen von Herrin Reisin zu Lucke als Wissenschaftler erscheinen in der Tat als naiv:
    – Gerade in den Wirtschaftswissenschaften gibt es erhebliche Divergnzen.
    – Über „dominierende“ noeklassiche Theorie wurde mit ernsten Argumenten gesagt, dass sie einer Pseudowissenschaft nahekomme.

    @ Frank Reichelt:

    „Die studentische Unreife ist Generationen- und sogar Ideolgieübergreifend.“

    Und dasselbe gilt für die Unreife zahlreicher anderer Gruppen – etwa die von Politikern, Schauspielern, Verlegern…
    (Unter Studenten finden sie mehr Leute, die sich in radikalen Theorien verrennen als beim Rest der Bevölkerung; sie finden aber auch mehr Leute, die gegen Diktaturen demonstrieren. Und daneben finden sie unter Studenten im Allgemeinen vor allem Leute, die gar nicht demonstrieren und völlig unauffällig sind.)

    @ Michael Frey-Dodillet:

    Können Sie belegen, dass die AfD unter Lucke – Zuspitzungen geschenkt – in irgendeinem vernünftigen Sinne als „NSDAP 2.0“ bezeichnet werden könne?

    (Ich möchte hier nur darauf hinweisen, dass Äußerungen, die man damals von der CSU hörte, wohl mindestens so „rechts“ waren wie solche, die man damals von der AfD hörte.)

  40. @ ErwinZK, 33:

    Interessantes Zutat. Wäre vielleicht auch mal lesenswert für diejenigen, für die Lucke nicht weit davon entfernt ist, ein zweiter Hitler zu sein.

  41. @ LLL #36
    „lesenswert für diejenigen,…“
    Exakt, vgl. #4
    @ErwinZK #33
    „Der vergleicht die Mitglieder seiner Partei mit der Leipziger Antifa“
    Ups, von der Art von Vergleich handelt ja auch der Artikel. Aber es ist nicht statthaft diejenigen, die Lucke niederbrüllen, mit denen zu vergleichen, die ihn am Reden hindern. Geht gar nicht, denn die einen tun es aus ehrenwerten Motiven!

  42. #16: „Da würde ich anraten, dass Sie sich mal an Ihren eigenen Kommentar halten:“

    ‚selber, selber‘? Echt jetzt?

    [„Bodensatz“begriffsverteidigung]

    Schon auffällig, wie emsig die selben Leute, die Lucke mit monströsen Andichtungen zum denkbar unschuldigsten Opfer böser Antifa-Studenten deklarieren – nach „Ursünde“ und „Erbschuld“ legen Sie selbst „zweiter Hitler“ nach – soziale Vertikalismen wie „Bodensatz“ verteidigen.

    Und noch eine Perle:

    #21: „Diese „studentischen Proteste“ sind in erster Linie mal schlechtes Benehmen und typisch studentisch unreif Flegelhaft.

    Hatten die rechten Studis der zwanziger Jahre noch erbsengroße Gehirne, so braucht man bei den Kameraden der Antifa von 2019 schon eine Luftpumpe um auf das Volumen der Hülsenfrucht zu kommen.“

    Ein echter Reichelt – mit flegelhaftem Vokabular über Flegelhaftigkeit greinen. Und en passant die knüppelschwingenden Antisemiten zu „rechten Studis“ und die pöse „Antifa“ als noch darunter stehend etikettiert.

    In jeder Hinsicht: eklig.

  43. Eine durchaus sinnvolle Aktion unserer künftigen Elite. Ein Teil der Ausführungen de Maizieres hätte das Auditorium bestimmt verunsichert.

  44. Sind Sie der echte Tom G. Fischer? Weil der Inhalt Ihrer Beiträge so überhaupt nicht zu dem Inhalt seiner Kolumnen im Deaf Forever passt. Just saying.

  45. Ok, die Leipziger Antifa, die AfD an seinem letzten Parteitag UND jetzt die Studenten lassen ihn nicht zu Worte kommen. Und wenn letzteres Nazimethoden benutzen, was sagt das über Antifa und AfD aus? Alles Nazis, alles klar.

    NaTÜRlich muss Lucke Nazivergleiche machen. Wenn er etwas harmlosere Vergleiche heranziehen würde, dann würde ja auffallen, dass seine Politik ja schlimmer war. (Bzw., wenn er die AfD mit der Antifa und NICHT mit den Nazis vergleicht, dann wohl deshalb, weil sich die AfD mehr beleidigt fühlt.)

    Selbst, wenn man die Proteste in der Form für überzogen hält, eine bessere Einordnung als „Lucke war doch noch ok“ wäre dem Thema schon angemessen.

  46. Noch gestern wäre der Artikel völlig legitim, aber heute wurde Thomas de Maizière genau so wie Lucke bei der Lesung verhindert.

    Wer in diesem Land bestimmt, wer ein Nazi ist – das ist die Frage. Antifa hat diese Aufgabe selbst für sich genommen. Tja, genau wie Nazis damals.

  47. @35 LLL 22. Oktober 2019 um 12:57 Uhr
    „Nur die hartgessottensten Neoliberale dürften wohl etwas dagegen haben, dass es den Staat und staatliche Beamte gibt … “

    Nun ist Lucke aber nicht Kriminalbeamter sondern Professor. Dass Forschung und Lehre privat viel, viel besser wären, ist aber meines Wissens schon Teil des neoliberalen Credos. Lucke zeigt die typische Blindheit seines Stands

    „Mehr als 90 Prozent der Präsidiumsmitglieder der führenden Wissenschaftsorganisationen gaben an, die Arbeitsbedingungen im Wissenschaftsbereich müssten noch flexibler werden. So hoch war die Zustimmung zu flexiblerer Arbeit nicht einmal unter den Konzernchefs. Und das, obwohl schon neun von zehn Stellen in der Wissenschaft befristet sind. Das zeigt, die Realität der Führungsebene, in der alle verbeamtet sind, hat mit der der Angestellten nichts mehr zu tun. “

    https://www.zeit.de/2018/33/michael-hartmann-eliten-soziologie-soziale-gerechtigkeit

  48. Klarer Widerspruch zu diesem Artikel von Andrej Reisin!

    Bedrängen, Beleidigen, das freie Wort -ein Seminar- verhindern, das sind für mich Nazi-Methoden!

    Was würde dieser glorreiche Autor mit dem einseitigen Blickwinkel wohl schreiben, wenn Neonazis exakt das gleiche bei einem linken Professor gemacht hätten?
    Das würde er dann auch nicht Nazi-Methode nennen?

    Wirklich, dieser Artikel ist ein einseitiger und desinformierender Mist!

  49. „@ SENSENMANN,
    Ist das Satire?“

    Ich glaube Sensenmann ist ein alter weißer Mann, mental in der Zeit von Kurt Schumacher hängengeblieben.
    Richtig muss es natürlich heißen: rot-grün lackierter Faschismus.

  50. Was Bernd Lucke dagegen am Mittwoch vergangener Woche an der Hamburger Uni wiederfuhr, war studentischer Protest.

    Adorno schrieb kurz vor seinem Tod im Sommer ’69 an Herbert Marcuse: »Die Meriten der Studentenbewegung bin ich der letzte zu unterschätzen: Sie hat den glatten Übergang zur total verwalteten Welt unterbrochen. Aber es ist ihr ein Quentchen Wahn beigemischt, dem das Totalitäre teleologisch innewohnt.« An der Wahrheit dieser Aussage scheint sich in den letzten 50 Jahren wenig geändert zu haben.

    Ich habe vor 15, 20 Jahren an meiner Uni selbst an solchen Aktionen teilgenommen. Ich kenne also das Gefühl, das einem so etwas nicht nur als gerechtfertigt, sondern sogar als notwendig erscheinen lässt. Und die rabulistischen Argumente, warum in solchen Situationen die – eigentlich hochgeschätzte – Redefreiheit nicht gelten soll, kenne ich auch.

    Damals geriet ich in Begeisterung angesichts der gefühlten Relevanz des eigenen Handelns; heute ist mir die Sache eher peinlich. Die Nazi-Vorwürfe gegen die Proteste sind völlig daneben. Richtig muss ich sie als erwachsen gewordener Linker aber auch nicht finden (solange es, wohlgemerkt, um Leute wie Lucke geht – bei tatsächlichen Nazis sieht die Sache anders aus).

  51. Leider muss man immer wieder Empathielosigkeit feststellen.
    Allen die das kriminelle Verhalten des Pöbels missbilligen sollten sich fragen, wie sie handeln würden, hätte ihnen jemand das Hirn lahmgelegt.
    Eben.
    Die haben keine andere Artikulationsmöglichkeit.
    Pöbeln, prügeln, brandschatzen – mehr ist nicht drin im Werkzeugkasten der rot-grünen Dumpfbacken.
    Das haben die vor ein paar Tagen in Hamburg demonstriert. Und hier legen die Trolle nach.
    Die können nicht anders.

    (Dieter Weller, 46.)
    „Wirklich, dieser Artikel ist ein einseitiger und desinformierender Mist!“

    Nein. Der Artikel ist hochinformativ.
    Es gibt nicht viele Artikel, die einen so detaillierten Einblick ins linke intellektuelle und moralische Elend ermöglichen.

  52. #50 „Allen die das kriminelle Verhalten des Pöbels missbilligen sollten sich fragen, wie sie handeln würden, hätte ihnen jemand das Hirn lahmgelegt.“

    Die, die das Verhalten als „kriminell“ missbilligen, handeln so wie Sie: Mit lahmgelegtem Hirn pöbelnd, hassend, hetzend und Täter-Opfer-Umkehr betreibend. Und manche morden auch.

    Gut, dass wie das klären konnten.

  53. @ Someone’s Daughter:

    „selber, selber‘? Echt jetzt?“

    Wieso denn nicht? Ich bin der Meinung, dass Sie selbst gut beraten wären, Ihren eigenen Appell zu Herzen zu nehmen und weniger „melodramatisch“ zu schreiben. Das hat rein gar nichts mit etwa einem illegitimen „Tu quoque“ zu tun. Das ist Ihnen aber schon selbst klar und bekannt, oder?

    „Schon auffällig, wie emsig die selben Leute, die Lucke mit monströsen Andichtungen zum denkbar unschuldigsten Opfer böser Antifa-Studenten deklarieren – nach ‚Ursünde‘ und ‚Erbschuld‘ legen Sie selbst ‚zweiter Hitler‘ nach – soziale Vertikalismen wie ‚Bodensatz‘ verteidigen.“

    Wenn Sie sich die Mühe machen würden, meinen Beitrag zu lesen und zumindest kurz zu reflektieren, würde Ihnen Folgendes auffallen:

    – Ich habe Lucke sicher nichts Monströses „angedichtet“.
    – Ich habe Lucke nicht zum „unschuldigen Opfer“ deklariert.
    – Das „nicht weit davon entfernt, ein zweiter Hitler zu sein“, war eine Polemik, nachdem jemand Lucke im vollen Ernst als Gründer der „NSDAP 2.0“ bezeichnet hatte.
    – Den Begriff „Bondensatz“ habe ich nicht „verteidigt“, sondern als ziemlich problematisch dargestellt „Denn so problematisch der Begriff ‚Bodensatz‘ auch ist“…). Selbstverständlich sollte man (soweit das nötig ist) weniger heikle Begriffe verwenden, etwa „Prekariat“.

    Statt den Begriff „Bodensatz“ zu „verteidigen“, habe ich einfach darauf hingewiesen, dass Luckes Originalaussage (die mit dem Terminus „Bodensatz“) inhaltlich sehr gut zu seiner späteren Äußerung dazu, wie er seine Original-Aussage gemeint habe, passt.
    Wenn Sie das „Verteidigung des Begriffs ‚Bodensatz'“ nennen wollen sollten, was recht absurd wäre, so wäre meine „Verteidigung“ nichts anderes als ein Hinweis auf eine relevante Tatsachen-Wahrheit.

    Natürlich kann den wörtlichen Sinn von Luckes (ursprünglichen) Äußerung unglaubwürdig finden.
    Aber: Dass es so offensichtlich sein soll, dass Lucke den Begriff „Bodensatz“ in bösartiger Absicht verwendet hat, wie es offensichtlich ist, dass jemand, der „inkontinentes Arschloch“ sagt, dies in böser Absicht tut, ist weder per se noch insbesondere vom Kontext von Luckes Original-Aussage evident.

    @ ThorstenV:

    Die neoliberale Grundhaltung von Leuten, die selbst abgesichert leben, kann man zweifellos kritisieren. Dass Lucke aber nach seiner Freistellung zurück zu seinem Beamten-Beruf geht, ist aber wieder etwas anders. Und dass Leute wie Lucke der Meinung sind, dass Forschung und Lehre privat organisiert werden sollte, wäre mir neu. War das je Teil von Luckes Forderungen? Oder eine der AfD zu seiner Zeit?
    Und selbst wenn: Müsste er dann aus Prinzip seine staatliche Stelle aufgeben? (Ein anderes Beispiel: Sollte ein Lehrer, der der Meinung ist, dass Schule eigentlich besser Bundes- als Landessache sein sollte, seinen Lehrer-Beruf beim Bundesland NRW aufgeben?)

  54. @ Sachse

    Könnten sie mir nochmal den Faschismus definieren?

    Ich befürchte ich habe da in der Schule nicht aufgepasst. Ich kann beim besten Willen nicht sehen wo der hier zu finden sein soll. Rot, grün oder auch rot-grün lackiert.

  55. #54, LL*L: „Wieso denn nicht? “

    Weil es, selbst für Ihre Verhältnisse, reichlich infantil ist. Aber wenn Ihnen halt sonst nichts einfällt …. wiederholen Sie es halt noch mal:

    „Ich bin der Meinung, dass Sie selbst gut beraten wären, Ihren eigenen Appell zu Herzen zu nehmen und weniger „melodramatisch“ zu schreiben.“

    Wenn Ihnen halt sonst nichts einfällt … Wenn Sie der Pathos von „Ursünde“ und „Erbschuld“ nicht stört, Sie gar „zweiter Hitler“ hinterher schieben, mutet es reichlich schräg an, „Arschloch“ für melodramatisch zu halten. Aber irgendwie mussten Sie das hilf- und einfallslose ’selber, selber‘ ja begründen (nein, die Mühe, in Ihren verbalen Verwindungen weiter rumzustochern, mache ich mir nicht. Lohnt nicht.).

  56. „Leider muss man immer wieder Empathielosigkeit feststellen.“

    Sagt der Vertreter einer Rassenbiologie.

    Es IST Satire. Es ist das wahnwitzige Projekt eines Rechtsextremismusdarstellers bzw. einer Laienspielgruppe, die schon mal ihr Stück zur Wiedergeburt ihres Heilands probt, das am 20. April Premiere hat.

    Es ist Derailing von unten, mit den Mitteln des Pöbels.

    Und Bernd Lucke, ja, der ist durchaus ein Opfer der Folgen seines eigenen Handelns, aber er ist sicher kein „OPFER1111“ und erst recht keines von „Nazi-Methoden“, auch wenn manche Rechtsextreme bei dem Vergleich sicher feucht werden: endlich wieder Nazi-Methoden, da wartet man doch schon so lange drauf.

  57. „Die, die das Verhalten als „kriminell“ missbilligen, handeln so wie Sie: Mit lahmgelegtem Hirn pöbelnd, hassend, hetzend und Täter-Opfer-Umkehr betreibend.“

    Das ist interessant. Bis dahin glaubte ich, der rot-grüne Mob hätte Lucke daran gehindert, die geplante Vorlesung zu halten.
    Von @Someonesdaughtes habe ich nur erfahren, Lucke hat das Gesocks am Pöbeln gehindert.

    Man lernt nie aus.

  58. @Mike Hunt (55.)
    „Ich befürchte ich habe da in der Schule nicht aufgepasst“

    Den Eindruck habe ich bei Ihnen schon lange.

  59. Dös basst scho.
    Wenn @Sachse über Leute redet, deren Hirn lahmgelegt ist, da würde man eigentlich erwarten, dass die Angesprochenen das Gegenteil beweisen. Nicht so Someonesdaughter. Dafür vielen Dank.

  60. @ Someonesdaughter:

    Ihren Appell, weniger „melodramatisch“ zu sein, wollte ich zum Anlass genommen, um Sie diplomatisch darauf hinzuweisen, dass etwas mehr Zurückhaltung und Sachlichkeit Ihnen selbst auch nicht schaden könnten.

    Was daran „infantil“ sein soll, erschließt sich mir selbst dann nicht, wenn ich testweise annehme, meine Kritik wäre in der Sache unbegründet. Und was daran „hilflos“ und „einfallslos“ wäre, verstehe ich auch nicht – ganz abgesehen davon, dass es mir hier nicht darum ging, originell oder einfallsreich zu sein.
    Aber gut, Sie werden es mir nicht erklären, denn meine Beiträge sind ja „Verwindungen“, die die Mühe einer Antwort nicht lohnen. Oder jedenfalls nicht die Mühe einer sachlichen Antwort, um genau zu sein.

    „Wenn Ihnen halt sonst nichts einfällt …“

    Ich habe Sie im entsprechenden Kommentar in einer speziellen Sachfrage kritisiert und diese Kritik begründet. Also ist mir wohl doch „sonst“ auch noch was eingefallen. Mir geht es hier aber auch nicht darum, wie Sie wohl insinuieren, dass ich mir irgendwas „einfallen“ lassen wollen würde, um etwas Kritisches in Ihre Richtung sagen zu können.

    „Wenn Sie der Pathos von ‚Ursünde und ‚Erbschuld‘ nicht stört […]“

    Nö, stört mich in der entsprechenden ironischen Wendung nicht.
    Und was den „zweiten Hitler“ angeht (so heftig habe ich das im Original auch nicht formuliert): Das ist eine absurde Überspitzung, die als Reaktion auf eine absurde Behauptung erfolgt. Die Behauptung war, dass Lucke die „NSDAP 2.0“ gegründet habe, was man kaum anders verstehen kann, als dass die Lucke-AfD eine Art Wiedergänger der NSDAP gewesen sei.
    Da passt die Polemik mit dem zweiten Hitler dann doch nicht so schlecht. Dass eine ironisch-polemische Überspitzung noch eins draufsetzt, liegt dabei in der Natur der Sache.

    Und nein, es geht mir nicht speziell um das „Arschloch“ und auch nicht nur die restliche Polemik jenes einzelnen Beitrages von Ihnen, sondern ganz allgemein um ihren Diskussionsstil, der sich in unzähligen Beiträgen und Debatten zeigt.
    Leider zeichnet der sich nämlich oftmals durch eine penetrant aufgeregte, emotionale, unsachliche und eskalierende Art aus, gepaart mit einem unangenehmen Moralismus, einem stets empörten Unterton, einem selbstgerechten und ständig „anklagenden“ Duktus.

    Das hat viel mit Unterstellungen zu tun, denn zu (böswilligen) Unterstellungen neigen Sie leider oft und häufig. Hinzu kommt leider nur zu oft die fehlende Bereitschaft, die Positionen und Argumente anderer Leute wenigstens mal nachzuvollziehen und korrekt zu referieren. So ergibt es sich dann nicht selten, dass Sie voll Entrüstung gegen Strohmänner (und Strohfrauen), die Sie sich selbst erschaffen haben, zu Felde ziehen.

    Kommt es zu einer Diskussion, bei der es auch (und sei es nicht einmal zentral) um „links“ und „rechts“ geht, dann erschöpfen sich Ihre Beiträge inhaltlich im Wesentlichen darin, dass Rechte doof sind und sich doch bitte nicht beklagen sollen („Mimimi“), weil sie doch eigentlich die Schlimmen sind.
    Ein etwas reflektierterer Zugang – der etwa auch die Frage mit einschließt, ob Rechte wenigstens in dem einen oder anderen Einzelfall vielleicht tatsächlich einen rationalen Grund haben könnten, sich zu beklagen – findet, so weit ich mich erinnere, bei Ihnen schlichtweg nicht statt. Wäre ich Sie, würde ich von „Einfallslosigkeit“ und „Unterkomplexität“ sprechen, und davon, dass man 90% Ihrer thematischen Beiträge vorhersehen kann.
    (Und nein, ich selbst bin ganz sicher kein „Rechter“, wie Sie etwa an meinen ausführlichen Diskussionsbeiträgen zum Thema „Islam“ und anderen Themen ersehen können.)

    Sie werden sich jetzt vermutlich wieder angegriffen fühlen und pampig reagieren – pampig sind Sie leider häufig.
    Vielleicht sollte es Ihnen aber zu denken geben, dass auch schon etliche andere Leute – darunter Herr Niggemeier – sich aufgrund Ihres sehr „speziellen“ Diskussionsstils genötigt gesehen haben, sich über die Art, in der Sie schreiben, zu beklagen oder Sie zu bitten, sich anders zu verhalten.

  61. Nur am Rande:
    Ich mag Someonesdaughter Beiträge sehr.
    Nicht nur, weil ich deren Inhalt oft richtig finde. Sondern weil da in wenigen, klaren Worten oft mehr transportiert wird als es anderen mit ganzen Textwänden gelingt.

    Außerdem sagt mir Someonesdaughter Stil auch deshalb mehr zu, weil da eine klare Haltung gegen diejenigen, die Werte und demokratische Normen mit den Füßen treten, zu sehen ist.
    Man kann natürlich immer versuchen, alles aus der rechten Ecke bis ins kleinste Detail zu analysieren und diese Analyse dann der Welt mitteilen wollen. Obwohl die Analyse eigentlich schon seit Jahren immer die gleichen Ergebnisse liefert.
    In der Zwischenzeit haben dann die Rechten wieder ein paar Grenzen, die der Anstand eigentlich setzen sollte, eingerissen.

    Aber gut, das muss jeder für sich selbst entscheiden, was da als besser angesehen wird.

  62. Ich schätze die Kommentare von someonesdaughter ebenfalls sehr. Im Übrigen ist die AfD natürlich nichts anderes als NSDAP 2.0. Die Blaupause der geplanten Machtergreifung (»Und dann holen wir uns unser Land und unser Volk zurück!«) stammt aus den Jahren 1929- 1933. Nicht nur der Flügel kopiert sie en detail.

    Was Luckes Verantwortung dafür angeht, stelle man sich einfach die Ricola-Frage: »Wer hat’s erfunden?«

  63. @Micha, #63
    So unterscheidet sich halt die Wahrnehmung, für mich ist someonesdaughters Stil das, was demokratische Werte und Normen mit Füssen tritt.
    So wie halt auch die Aktion eben Diskursverweigerung ist, und damit ebenfalls diese Werte ‚verrät‘, jedenfalls nicht unterstützt.
    Am schlimmsten finde ich bei der ganzen Geschichte, dass die Unileitung sich nicht entblödet, die ganze Auktion zum Diskurs zu adeln, den Herr Lucke gefälligst zu ertragen hat.
    Das war kein Diskurs, der war auch nicht erwünscht.
    Öffentliche Veranstaltungen zu verhindern scheint ja der neue heisse Scheiss zu sein.
    Gerade bei sich für links haltenden Menschen.
    Hab ich kein gutes Gefühl bei.

  64. Nö, PETERBAUSV. Der ganz heiße Scheiß scheint zu sein, nur 14 Tage nach Halle die Gefährdung unserer Demokratie durch protestierende, »linke« Studenten herbeizuschreien.

  65. Hat die Aktion etwas mit Halle zu tun, wurde durch Halle ermöglicht, ist in der Lage, ein weiteres Halle zu verhindern?
    Wurde für sowas nicht mal der Begriff whataboutism erfunden?

    Aber sie haben Recht, Diskursverweigerung gefährdet m.E. auch die Demokratie. Könne sie aber gerne anders sehen, ist ja ein freies Land.

  66. @ 66 Peterbausv

    “ … das, was demokratische Werte und Normen mit Füssen tritt.
    So wie halt auch die Aktion eben Diskursverweigerung ist ..“

    Mit Rechten redet man nicht. Rechte wollen keinen Diskurs. Rechte wollen keine Demokratie. Die wollen nicht nur spielen. Rechte macht man fertig – mit allen Mitteln. Sonst machen sie dich fertig. So einfach ist das.

    Und anders als unsere Polizei wusste die Polizei in Luxemburg schon 1994, wie man mit Rechten umgeht: https://www.youtube.com/watch?time_continue=90&v=GDwRew9-9FE

  67. Jedenfalls muss sich „LLL“ schonmal warm anziehen, das Echo wird fürchterlich sein. Ich möchte nicht in seiner Haut stecken. In der von „Peterbausv“ übrigens auch nicht.
    Noch ist der Himmel wolkenlos aber das Donnerwetter ist schon im Anzug.
    Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen, singt die Königin der Nacht!

  68. Der Eindruck ist aber schon so, dass es die Linke ist, die keinen Diskurs will.
    Das Opfer ist aber nicht Lucke, soweit kann man ja mit dem Kommentar konform gehen, das Opfer ist der Diskurs, und bedroht wird damit mittelfristig auch die Demokratie.

  69. @ Micha:

    Ich selbst bin „vom Prinzip“ her eigentlich inhaltlich oft nicht weit von SomeonesDaughters Beiträgen in ihrer Grundintention entfernt, finde diese Beiträge aber dennoch nicht prickelnd.
    Dass jemand irgendwie meine Meinung vertritt, genügt mir nicht, um einen Text gut zu finden.
    Es ist m.E. auch nicht dass Ziel einer rationalen Diskussion, es dem anderen irgendwie „mal so richtig zu geben“, sondern gute Argumenten zu bringen.

    Und ständige Aufgeregtheit und ständige Ad-hominem-Angriffe sind für mich ebenfalls kein Qualitätskriterium, sondern führen zum Aufschaukeln und Entgleisen von Diskussionen, wie wir es hier in letzter Zeit sogar noch häufiger als früher erleben. Am Ende haben wir Schlammschlachten ohne jeden Sachwert, bei denen man „Linke“ und „Rechte“ oftmals nur noch am Inhalt, nicht aber am Niveau des Auftretens unterscheiden kann. Ein großer Kindergarten.

    Eine halbwegs differenzierte, argumentierende Analyse ist da zumindest mir lieber als eine inhaltlich immer ähnliche aufgeregte Polemik.
    Und es bringt nach meiner Erfahrung auch mehr; wenigstens manchmal kann man mit guten Argumenten, in ruhigem Tonfall vorgebracht, auch etwas erreichen. Sicher nicht bei eingefleischten Neonazis; aber nicht jeder, der „rechts“ von der Union steht, ist gleich ein Neonazi.

    @ Kleitos:

    Ist das jetzt ernst oder satirisch gemeint? (Und falls ernst gemeint: Glauben Sie wirklich, dass es dem Wunsch der Betreiber dieser Seite entspricht, wenn hier nach den von Ihnen geforderten Prinzipien „diskutiert“ wird/würde?)

  70. @ 76

    Es gibt keinen Diskurs mit den Rechten. Linke wollen noch reden, die Rechten handeln bereits.

    Rechte sind ohne „Umweg“ über einen „fehlenden Diskurs“ eine direkte Bedrohung der Demokratie.

  71. Diverse kommentierende Siegfrieds und Freds kreisen gerade in der Warteschleife . Deren Ergüsse sind in meiner Mailbox bereits sichtbar. Hier schon mal vorauseilend mein Erbrechen und die Feststellung: Den Faschismus lasse ich mir in keiner Kommentarspalte dieser Welt schönreden.

  72. @ 81

    Das ist bitterer Ernst.

    Wo wird denn hier mit Rechten der Diskurs gepflegt?

    Hier wird über Rechte geredet, nicht mit Ihnen.

    Versuchen Sie doch mal einen Diskurs mit Sachse et al. …

  73. @ Kleitos, #84:

    Mit Sachse et al. wurde schon genügend diskutiert. Und nicht von Sachse et al. mit uns. Die Diskursverweigerung in einem Onlineforum stellt sich natürlich nicht durch Niederbrüllen dar, wie auch?, sondern durch Derailing, Whataboutismus oder schlicht ignorieren von Argumenten. Sie können sich z.B. gerne diverse Klimathreads auf dieser Seite zu Gemüte führen.

    Und die „Diskussionsbeiträge“ in diesem Thread spotten auch nur der Beschreibung. Es werden Provokationen a la „Bodensatz“ rausgehauen, diesen medialen Reflexmechanismus hat die AfD unter Lucke entdeckt, das hat aber nichts mit dem Artikel oder mit einer Diskussion zu tun.

  74. @86: Genau das! Als ob hier nicht jeder schon 10 Mal die Chance zu inhaltlichen Beiträgen bekommen hätte. Aber es kommt ja nix außer „Rotfaschismus“ und so.
    Siehe #20. bestes Beispiel. Statt inhaltlich etwas beizutragen, wird jeder Widerspruch gegen die eigene Meinung pseudo-heiter-ironisch als Meinungsdiktat bezeichnet – Obwohl es auch nur eine Meinung ist, genau wie die eigene.

    Daher wie so oft:
    http://www.sprachlog.de/2014/04/19/xkcd-meinungsfreiheit/

  75. @LLL#81
    „@ Micha:

    Ich selbst bin „vom Prinzip“ her eigentlich inhaltlich oft nicht weit von SomeonesDaughters Beiträgen in ihrer Grundintention entfernt,“
    Ich weiß.
    Deshalb ist auch Frank Reichelts Beitrag #79 Quatsch.

    „Dass jemand irgendwie meine Meinung vertritt, genügt mir nicht, um einen Text gut zu finden.“
    Mir reicht das auch nicht, im Gegenteil.
    Deswegen schrieb ich, dass ich in ihren Kommentaren oft mehr Inhalt finde als in anderen Kommentaren.
    Gerade weil nicht ewig abgewogen wird, was schon lange klar ist.
    Wie jetzt schon öfter in den anderen Beiträgen beschrieben wurde, wird hier von rechter Seite aus nicht kommuniziert, sondern Argumente werden ignoriert und es werden einfach weitere Opfermythen oder andere Dummheiten in die Welt gesetzt. Das im besten Falle.

    „Eine halbwegs differenzierte, argumentierende Analyse ist da zumindest mir lieber als eine inhaltlich immer ähnliche aufgeregte Polemik.
    Und es bringt nach meiner Erfahrung auch mehr; wenigstens manchmal kann man mit guten Argumenten, in ruhigem Tonfall vorgebracht, auch etwas erreichen. Sicher nicht bei eingefleischten Neonazis; aber nicht jeder, der „rechts“ von der Union steht, ist gleich ein Neonazi.“
    Ich diskutiere sehr gerne sehr differenziert mit Menschen, die Interesse an einem guten Diskurs haben.
    Und ich gehe jede Wette ein, dass das für someonesdaughter auch gilt.
    Aber hier gibt es halt ein paar Spezialisten, bei denen das nicht möglich ist, siehe oben.
    Und Ihre Zuspitzung „zweiter Hitler“ in Bezug auf Lucke ist ja nun mal auch nicht mehr als schwache Polemik, die eben diesen Leuten sehr in die Karten spielt.

  76. @ 86 Physeter

    Bin ganz bei Ihnen.

    Der Hinweis auf den Versuch eines Diskurses mit Sachse ? Co. sollte aufzeigen, dass dieser zum Scheitern verurteilt ist.

    Wie soll denn so ein Diskurs aussehen?

    Rechts: Ich will Genozid oder Deportation (Neudeutsch: Remigration)!
    Links: Ich will keinen Genozid und keine Deportation!
    „Mitte“: Ihr müsst miteinander reden und einen Kompromiss finden.
    Rechts: Ok, dann nur ein bisschen Genozid und ein wenig Deportation.
    Links: Nein, keinen Genozid und keine Deportation!
    Rechts und „Mitte“: Da sieht man es – die Linken wollen nicht …. verweigern den Diskurs … gefährden die Demokratie, etc. …

  77. Warum sind hier so viele der Meinung, dass linke Antidemokraten nicht so schlimm sind wie rechte Antidemokraten? Auf der einen Seite Hitler, Mussolini, Franco usw. auf der anderen Stalin, Pol Pot, Mau, Chavez, die koreanischen Kims usw. Ob AFD, NPD, Antifa oder Die Linke. Demokratie wollen die alle nicht. Die wollen alle nur ihre eigene Ideologie durchprügeln und jeden der nicht ihrer Linie entspricht sozial, psychisch und leider zum Teil auf physisch „vernichten“. Ob NSU oder RAF … ob AFD oder DIE LINKE … ob Antifa oder NPD … ich sehe da keinen Unterschied. Sorry aber der gefährlichste Mensch ist der, der meint er hätte die Weisheit mit Löffeln gefressen.

  78. Wieder schön den Faschismus relativiert, Brot. Wer keinen Unterschied sieht zwischen den Völkermordphantasien der NPD und denen, die sich diesen Phantasien entgegenstellen, der sagt auch, dass Richter genauso shclimm sind wie Täter: denn beide urteilen über Menschen.

    Wollen Sie das vielleicht nochmal überdenken? :-)

  79. @ Physeter
    Der Bodensatz kommt aber aus dem Artikel selber, nicht aus den Kommentaren.

    Und die Diskursverweigerung an der Uni hat nichts mit der Verweigerung anderer Leute hier zu tun.
    Wie kommt man darauf, die rechten bei ihrer Kernkompetenz zu schlagen?

  80. „Diskursverweigerung“ ist die KERNkompetenz Rechtsextremer?

    Auch an Sie die Frage, ob Sie das nochmal überdenken wollen.

    Im Übrigen ist da ein Unterschied zwischen „den Diskurs verweigern“ und „den Diskurs mit Rechtsextremen verweigern“, der sehr sehr entscheidend ist und auf der prinzipiellen, sich aus der Ideologie herleitenden Diskursunfähigkeit Rechtsextremer ableitet. Da unsere Gesellschaft aber nicht dichotom ist, ist die prinzipielle Führung eines Diskurses nicht davon berührt, dass man Rechtsextreme, die den Diskurs eh nicht führen wollen, aus ihm ausschließt.

    Und Lucke findet, soweit ich das überblicken kann, viel und weit Gelegenheit, seine Ansichten zu äußern. Mir scheint, das Verhindern von anderthalb Vorlesungen ist nicht wirklich mit einem Mundtotmachen bzw. Totmachen (der tatsächlichen Kernkompetenz Rechtsextremer) zu vergleichen.

    Aber gut, es gibt ja auch Menschen, die glauben, der Auflagenmillionär Sarrazin sei irgendwie ausgegrenzt und zum Verstummen gebracht worden, vermutlich, indem seine Bücher veröffentlicht wurden.

  81. @ thorstenv #53
    „einige in der AfD einige Dinge als wahr anerkennen“
    Dass Lucke ein eher glückloser Politiker ist, brauche ich gar nicht zu bestreiten. Sein Versuch, eine Maastricht-CDU neu zu gründen, musste ins Auge gehen, denn der Maastricht-Vertrag war Unsinn, sein Bruch bereits mit der Unterzeichnung programmiert. Ich habe aber noch gut in Erinnerung, wie stolz AfD-Anhänger einmal darauf waren, „Professoren-Partei“ zu sein. Das hatte natürlich zuerst mit Lucke zu tun.
    Und Lucke hatte natürlich jedes Recht, eine Partei zu gründen, die der CDU vorwirft, dass sie ihre Wähler hinters Licht geführt und den Vertrag gebrochen hat. Nichts brauchten Schäuble und Merkel nämlich mehr als den Anschein von Legalität, Kontinuität und Konsens.
    Für Höcke trägt Lucke dagegen keine Verantwortung. Höcke war aus Luckes Sicht einfach irgendwann da, und er musste sehen, wie er mit ihm klarkommt.
    Im Ergebnis hat Lucke nichts getan, was ihm das Recht nehmen würde, an der Uni seine Vorlesung zu halten. Luckes makroökonomische Kompetenz kann man allerdings auch bezweifeln, ohne ihn zum Rassisten oder Nazi zu erklären und ihm das Vorlesungsrecht zu bestreiten. Das haben größere Ökonomen als Karim Kuropka und der ASTA beizeiten getan.

  82. Herr Lucke verweigert ja eben nicht den Diskurs, die Studenten (und nicht mal seine, sondern irgendwelche anderen) verweigern ihn.
    Es ist relativ simpel, einfach jeden, dessen Meinung man nicht diskutieren möchte oder kann, als Rechtsextrem zu desavouieren und sich die Arbeit zu sparen.

    Ich will hier gar nicht alles nochmal schreiben, eigentlich hat HHCL in Kommentar #7 schon alles gesagt, ich sehe das genauso.
    Zusammen mit der Lesungsverhinderung von Herrn Dämlichsehr kommt bei mir ein unschönes Bild zusammen.

  83. „Es ist relativ simpel, einfach jeden, dessen Meinung man nicht diskutieren möchte oder kann, als Rechtsextrem zu desavouieren und sich die Arbeit zu sparen.“

    Opferrollenalarm.

    Manchmal ist ein Rechtsextremer einfach ein Rechtsextremer.

  84. @Peterbausv
    „Herr Lucke verweigert ja eben nicht den Diskurs, die Studenten (und nicht mal seine, sondern irgendwelche anderen) verweigern ihn.“
    Wann soll das geschehen sein?
    Die Studenten haben keinen Diskurs verweigert, sie haben dagegen protestiert, dass Lucke sich dem Diskurs um seine Person entzieht, in dem er einfach so weiter macht, als wäre nichts gewesen.
    Es ging nicht darum, dass Lucke sich hier einem Diskurs stellen wollte. Es war eine Vorlesung, die mit dem Diskurs, den Lucke ausgelöst hat, nichts zu tun hat.

    Dem Diskurs stellen wollte sich Lucke unter anderem auf dem AfD-Parteitag. Da waren die Menschen anwesend, die sich durch ihn ursprünglich angesprochen fühlten.
    Und die ihn dann ausgebuht haben, eben diesen Diskurs verweigert haben.
    Ansonsten hatte Lucke extrem viel Gelegenheit, seine Sicht der Dinge breit zu treten.
    Da haben ihn weder Medien, noch Linke, noch Studenten dran gehindert.
    Nur seine ehemals eigenen Leute haben ihn nicht nur nicht reden lassen, sondern vom Hof gejagt.

  85. @ 90 das Brot

    Saalschlachten in den 20er und 30er Jahren.

    Die Ärzte konnten „auf dem Tisch“ die Akteure der beteiligten Parteien gut erkennen: Die mit den Platzwunden durch Stuhlbeine waren die Nazis, die mit den Lungenstichen durch Stiletts waren die Linken.

    Aber ist ja alles gleich … brennende Autos (Linke) oder brennende Menschen (Rechte) … alles gleich … Unterschiede gibt es da nicht …

  86. @ Micha
    Es war ein Protest, natürlich.
    Die Unileitung und die Spitzenkandidatin der Grünen haben das aber mit ‚Unabhängig davon ist festzustellen, dass Universitäten als Orte der Wissenschaft die diskursive Auseinandersetzung auch über kontroverse gesellschaftliche Sachverhalte und Positionen führen und aushalten müssen‘ kommentiert.
    Es war kein Diskurs, und das so zu beschreiben ist eine Verhöhnung des Begriffs.

    Und ein Diskurs über Personen?
    Ist sowas an der Uni richtig aufgehoben?

  87. Wie unerhört dieser Vorgang ist, kann man sich ganz einfach erklären. Man muss sich nur vorstellen, es wäre ein Nazi-Mob, der einen linken Professor am Reden hindern würde. Dann wäre die Republik am Brodeln.

    Früher hat man Bücher verbrannt. Heute hindert man Menschen am Reden. Es ging ja nicht nur Lucke so, auch Christian Lindner von der FDP wurde wieder ausgeladen.

  88. #101
    Parteipolitische Veranstaltungen sind laut Hochschulsatzung in den eigenen Räumlichkeiten unzulässig. Lindner kann ja einen Vortrag halten wie Wagenknecht. Dann darf er jederzeit an die Uni.

    Und nein, »die Republik« wäre nicht »am Brodeln«, wenn ein Nazi-Mob einen linken Professor »am Reden hindert«. »Die Republik« ist grundsätzlich nie am Brodeln, wenn von rechts gemobbt, getobt und getötet wird. Zum einen, weil »die Republik« die Gefahr von rechts seit 1945 konsequent leugnet oder unterschätzt, zum anderen, weil es jede Menge Nazi-Anhang gibt, der sofort »Ja aber die Linken…« trötet, wenn in Kassel ein Politiker und in Halle zwei Passanten umgebracht werden.

  89. Hm, mir fiele da spontan die DGB-Veranstaltung mit einem – linker Professorenschaft sogar unverdächtigen – Heiko Maas am 01.05.2016 in Zwickau ein. Republik hat nicht gebrodelt, soweit ich weiß.

    Sie brodelt auch nicht angesichts der unzähligen Versuche vom rechten Rand, mit Beleidigungen, Einschüchterungen und Drohungen „Menschen am Reden“ zu hindern. Spült immer nur mal dann über die Wahrnehmungsschwelle der Medien, wenn wieder mal ganz krasse Fälle publik werden. https://www.der-postillon.com/2019/09/berliner-landgericht.html

  90. das Donnerwetter ist schon im Anzug, wenn der adipöse Rechtsrentner Reichelt mal hinter seinem Keyboard aufsteht, da haben wir alle schwer Angst.

  91. @94 Andreas Müller 23. Oktober 2019 um 15:36 Uhr
    Fast völlige Zustimmung, nur, wer eine Partei rechts des Spektrums gründet gründet sollte sich schon bewußt sein, dass ihm rechter Rand, der sich legitimieren will zuläuft und sich frühzeitig abgrenzen.

  92. @Fred Heine

    Jetzt ist ein Prof der wegen ein paar Studenten zwei Vorlesungen nicht halten kann, schon quasi wie die Bücherverbrennungen damals.

    Das wird ja immer doller hier :D

  93. „Früher hat man Bücher verbrannt. Heute hindert man Menschen am Reden. “

    Früher hat man Menschen verbrannt. Heute gibts in jedem Supermarkt Milch.

    Die zwei Sätze haben nichts miteinander zu tun? Richtig: man nennt das Scheinargument. Einfach zwei beliebige Aussagen in einer Reihe zusammenkloppen und hoffen, dass keiner merkt, dass da gar keine zusammenhängende Argumentation drin steckt.

  94. @ THORSTENV #106
    Wohin zu viel Abgrenzung führt, hat Lucke ja mit LKR später auch erlebt: in die Marginalisierung.
    Lucke hat sich vermutlich nicht als Gründer „rechts des Spektrums“ gesehen, sondern primär die CDU unter Merkel als Geisterfahrer. Das ist durchaus verständlich, wenn man die Union vor Merkel erlebt hat.
    Bis hinein in die Namensgebung hat er sich als Rebell gegen ihr Mantra der ‚Alternativlosigkeit‘ gesehen. Es war natürlich politisch naiv, die Eigendynamik dieser Gründung zu unterschätzen, die Gärung des Haufens.

  95. Fehler in Satz 1. Es waren nicht nur Corpsstudenten. Es waren fast alle Studenten der TH Hannover. Das macht es noch viel schlimmer.

  96. Soweit ich das hier überblicken kann liegt der grundlegende Dissens in der Frage, wie rechts Bernd Lucke ist. Der Protest wird hauptsächlich deshalb abgelehnt, weil Lucke als Demokrat wahrgenommen wird und deshalb nicht wegen der Verfehlungen anderer in seinem Leben gestört werden sollte, oder verteidigt, weil Lucke als rechtsextrem wahrgenommen wird und seine Tätigkeit als Lehrender in unserer Demokratie daher fehl am Platz ist.

    Andrej Reisin verlinkt dazu einen Artikel zum Thema „So rechts ist Lucke“: https://www.volksverpetzer.de/hintergrund/lucke-rechts/

    Das ist oben schon kurz zusammengefasst, aber wie das bei Links so ist werden sie selten alle angeklickt und gelesen. Als Indizien wurden zusammengetragen:

    Auch seine Nachfolgerpartei, die „LKR“ (Liberal Konservative Reformer), organisierte noch 2018 mehrere rechtsradikale „Merkel muss weg“-Demos (Quelle). 2013 bezeichnete er Flüchtlinge persönlich als „Bodensatz“ (Quelle). Vor wenigen Monaten hielt er noch eine Rede bei einer neurechten Organisation (Quelle). Und er verwendete bereits 2014 den Goebbels-Begriff der „Altparteien“ (Quelle). Er sagte 2014 den Satz: „Ich würds schöner finden, wenn NPD-Wähler die AfD wählen und nicht die NPD.“ (Quelle) Er sprach von einer „Entartung der Demokratie“ (NSDAP Sprache, Quelle)

    Auch unter ihm verwendete die offizielle AfD-PR schon Begriffe wie „Staatsmedien“, „Blockparteien“ und „Multi-Kulti-Umerziehung“ (Quelle). Beatrix von Storch, die einen Schießbefehl auf Kinder forderte, war ebenfalls Gründungsmitglied (Quelle). Den Satz „Multikulti hat die Aufgabe die Völker zu homogenisieren und damit religiös und kulturell auszulöschen“ wollte er nicht verurteilen, weil er dachte er stammte von ihr (Quelle).* Das spiegelt sogar die faschistische Ideologie eines Höcke wider. Auf einem der Wahlplakate zur Bundestagswahl 2013 verwendete die AfD bereits NPD-Slogans:

    Anfang 2014 sagte er: „Das Problem sind eher Randgruppen wie Sinti und Roma, die leider in großer Zahl kommen und nicht gut integrationsfähig sind“ (Quelle). Das ist ganz klar rassistisch und antiziganistisch. Auf dem Gründungsparteitag der AfD wurde schon die Frage gestellt, ob nicht die NSU Morde inszeniert waren (Quelle).

    Da muss wohl jeder selbst Schlüsse ziehen, ob Lucke damit rechtsextrem genug ist, um Protest zu rechtfertigen. Für die krassesten Aussagen war er nur indirekt als Vorsitzender verantwortlich und hätte dagegen protestieren können. Aber seine eigenen Aussagen sind auch mindestens doppeldeutig als Hundepfeife geeignet. Für mich sind das zu viele Vorkommnisse, als dass ein Universitätsprofessor sich da herausreden kann, nichts mit Rechtsextremismus zu tun gehabt zu haben.

    Desweiteren versucht die Rede von den „Nazi-Methoden“ von einer inhaltlichen Diskussion abzulenken und verharmlost rechtsextreme Ideologie als bloße Form statt Inhalt.

  97. @ Kleitos:

    Nach der üblichen Terminologie kann „rechts“ von „(sehr) konservativ“ bis hin zum Rassismus und zur Demokratiefeindlichkeit reichen. Daher ist auch bei Weitem nicht jeder, der in diesem weiten Sinne „rechts“ ist, auch ein antidemokratischer Rassist. Lucke etwa ist sicherlich ziemlich konservativ – dafür, dass es aber beispielsweise die Demokratie durch eine faschistoide Diktatur ersetzen will, dürfte hingegen jeglicher überzeugende Beleg fehlen.

    Natürlich können Sie „rechts“ auch mit „rechtsextrem“ gleichsetzen. Und diesen Sprachgebrauch gibt es auch. Dann müssen sie sich nur bitte bewusst sein, dass viele Leute, die im allgemeinen Sprachgebrauch im weiteren Sinne „rechts“ sind, NICHT unter Ihren engeren Begriff von „rechts“ im Sinne von „rechtsextrem“ fallen müssen.

    @ Micha:

    Someone’s Daughter mag ja auch gehaltvolle Beiträge schreiben (bzw. tut das manchmal auch). Aber zumindest nach meiner Wahrnehmung erschöpft sich wirklich ein großer Teil ihrer Texte im Wesentlichen darin, dass die Rechten immer „Mimimi“ machen, wenn man sie kritisiert – garniert mir einem ständig entrüsteten, polemischen Tonfall. Aber gut, unterschiedliche Leute haben unterschiedliche Wahrnehmungen.

    „Und Ihre Zuspitzung ‚zweiter Hitler‘ in Bezug auf Lucke ist ja nun mal auch nicht mehr als schwache Polemik, die eben diesen Leuten sehr in die Karten spielt.“

    Na ja, wenn Lucke eine moderne NSDAP gegründet haben soll und man bedenkt, dass polemische Überspitzungen überspitzen, ist das dann so abwegig? Ich finde nein. Wenn Sie das anders sehen, habe ich das so hinzunehmen.

    Ich kann es aber auch anders und „unpolemischer“ formulieren: Ich halte bei aller Kritik an der (Lucke-)AfD die Behauptung, dass die Lucke-AfD eine „NSDAP 2.0“ gewesen sein, für nicht nachvollziehbar. Das noch lang und breit zu begründen, halte ich für überflüssig; da genügt ein kleiner Vergleich der Ziele und Methoden der Lucke-AfD mit denen der NSDAP.
    Ist es so besser?

    „Die Studenten haben keinen Diskurs verweigert, sie haben dagegen protestiert, dass Lucke sich dem Diskurs um seine Person entzieht, in dem er einfach so weiter macht, als wäre nichts gewesen.“

    Man kann jemanden auch kritisieren, ohne ihn niederzubrüllen. Oder nicht?

    Und was müsste Lucke denn tun? Sich auf eine Diskussion mit Kritikern einlassen? Da dürfte er wohl als ehemaliger Parteipolitiker wenig dagegen haben. Oder muss er seinen bisherigen Überzeugungen feierlich abschwören, bevor er wieder zu seinem normalen Berufsalltag zurückkehren darf?

    Ich habe es leider nicht gesammelt, aber immer wieder habe ich im Lauf der Jahre bei den Äußerungen von CSU-Politikern gedacht: Na, das sollte mal die AfD sagen! Zu einer Zeit, als die AfD noch neuer und weniger rechts war als heute.
    Und es war die CSU, die es schaffte, der Bevölkerung so viel Angst in Bezug auf die EU-Osterweiterung einzujagen, dass nach Umfragen die Angst vor in unsere Sozialsysteme ziehenden Rumänen das wichtigste Thema für die Menschen in diesem Land war.
    Ich würde wetten, dass eine systematische Analyse zum Ergebnis kommen müsste, dass die AfD in ihrer Anfangsphase nicht (wesentlich) „rechter“ war als die CSU, und dass Lucke sich nicht rechtslastiger geäußert hat als mancher prominente Unions-Politiker.

    (Nachtrag: Inzwischen habe ich auch eine kleine Sammlung aktueller CSU-Sprüche gefunden. Lesen Sie selbst und überlegen Sie, ob Luckes Äußerungen wirklich „schlimmer“ sind.)
    https://www.mucbook.de/ausgehetzt-demo-muenchen-csu-rhetorik-13-zitate-hetze/ )

    Und was den Euro angeht: Den kann man auch aus sachlichen Gründen ablehnen, weil man zum Beispiel meint, dass er nicht gut funktioniert. Das ist eine absolut legitime Position; deswegen ist man ganz sicher noch kein Antidemokrat. Und es gibt auch linke Ökonomen, die den Euro – jedenfalls in seiner jetzigen Form – für dysfunktional halten, gerade auch für ärmere Länder in Europa. Das sind Sachfragen, die auch sachlich zu beantworten sind.

    Ich finde es ein wenig wohlfeil, auf einen Lucke einzudreschen, aber sich beispielsweise bei der CSU und ihren Spitzenpolitikern vornehm zurückzuhalten. Und das ist kein „Derailing“: Ich will gewiss nicht „ablenken“, wenn Lucke kritisiert wird. Ich möchte aber Heuchelei und Dopelmoral kritisieren.

    @ ErwinZK:

    Die Beleg-Sammlung zu Lucke ist aber höchstens zum Teil überzeugend (jedenfalls ohne weiteren Kontext). Beispiel:

    „Und er verwendete bereits 2014 den Goebbels-Begriff der ‚Altparteien‘.“

    Zum einen scheint es umstritten zu sein, ob der Begriff überhaupt viel mit den Nazis zu tun hat zurückgeht: Die „Welt“ jedenfalls hat (leider hinter einer für mich undurchsichtigen Paywall) einen Artikel mit dem Titel „Die Legende vom Nazi-Begriff ‚Altpartei'“ veröffentlicht.

    Und selbst andernfalls: Na und?
    Transportiert der Begriff eine intrinische Menschenverachtung (wie etwa „Untermensch“?)
    Wird er in besonderer Weise mit dem Nationalsozialismus assoziiert?

    Allein daraus, dass (auch?) Goebbels einen Begriff verwendet hat, zu schleißen, dass dieser Begriff zu tabuisieren sei oder dass ein Sprecher, der ihn verwendet, wohl ein (halber) Nazi sein müsse, wäre doch wohl reichlich merkwürdig. Jeder noch so intuitive Begriff, den irgendein halbwegs prominenter Nazi mal irgendwo verwendet hat, müsste dann für die gesamte Sprachgemeinschaft für immer tabu sein. Danke; so viel Macht über Definitionsmacht über Sprache will jedenfalls ich den Nazis ganz sicher nicht einräumen.

    Dass eine neue Partei den Begriff „Altparteien“ gebraucht, um sich polemisch abzugrenzen, ist zudem doch auch sachlich absolut naheliegend. Laut Bedeutung Online gilt:

    „Der Ausdruck ‚Altparteien‘ wird in der deutschen Politik immer wieder von neuen Parteien gebraucht, um Distanz zu etablierten Parteien aufzubauen. In den 1980er bezeichneten die Grünen alle anderen Parteien als ‚Altparteien‘. In den 2010er Jahren bezeichneten die Piraten die anderen Parteien als Altparteien. Zum Ende 2010er Jahre bezeichnen Angehörige der AfD die anderen Parteien als ‚Altparteien‘. […] Die Grünen bezeichneten in den 1980er Jahren – als sie erstmals in den Bundestag einzogen – CDU/CSU, SPD und FDP als ‚Altparteien‘. Auf ihrer Homepage schreiben sie über sich selbst: ‚Für die Altparteien sind Petra Kelly & Co. eine Zumutung und gleichzeitig eine Frischzellenkur‘.“

    Ist die Verwendung den Begriffs durch die Grünen also ein Indiz dafür, dass es sich da um eine (ehemalige) rechtsextreme Partei handelt? Oder „durften“ die Grünen den Begriff verwenden, Lucke aber nicht?

    Und das war jetzt nur ein Beispiel. Ich würde sehr vermuten, dass eine sorgfältige Analyse zeigen würde, dass zumindest einige weitere Argumente, die belegen sollen, dass Lucke so weit rechts steht, durchaus kritisch hinterfragt werden können. In einigen Fällen ist dies m.E. sogar prima facie der Fall.

  98. @ Micha:

    Ich möchte nur noch kurz ergänzen, dass Someone’s Daughter für sich ja offenbar gar nicht erst in Anspruch nimmt, sich in Bezug auf „Rechte“ in den Umgangsformen von diesen zu unterscheiden oder ihnen diesbezüglich moralisch überlegen zu sein. Auf die Äußerung von Aristophanes

    „Für die Auseinandersetzung mit der AfD ist es sehr wohl nützlich, selbst ein Minimum an Umgangsformen mitzubringen, jedenfalls dann, wenn man für sich selbst beansprucht, moralisch überlegen zu sein“,

    antwortet Someone’s Daughter wie folgt:

    „Und zwar _weil_? Für alle ‚das macht man nicht‘- Varianten in Ihrem Beitrag sehe ich keine einzige Begründung. Moralische Überlegenheit ist kein Selbstzweck, die NSAfD und ihre Kameraden schei**en Ihnen was auf Ihre Moral. […] Konfrontation, Delegitimation, Widerspruch und Demaskierung. Den groben Keil für die groben Klötze. Und wenn Sie dann weinen, weil auf das Austeilen endlich das Einstecken folgt: Nachtreten, mit den Fingern drauf zeigen und auslachen.

    Und Sie? Eine ‚Ohho, ich bin ja moralisch so überlegen und zivilisiert‘-Statistenrolle mit weit offener Flanke.“

    (Anderer Max hat dazu geschrieben: „Ich weiß ja nicht … Ich bleib‘ auf meinem Ast hocken und freue mich darüber, nicht nachtreten oder im Dreck liegende Menschen auslachen zu müssen, nur um meiner ‚Anti-AfD‘ Haltung Ausdruck zu verleihen.“)

    Dass Someone’s Daughter tatsächlich häufig auf diesem intellektuellen und menschlichen „Niveau“, welches ich besser unkommentiert lasse, agiert, hat sie m.E. hinreichend oft und deutlich beweisen.
    Wenn Sie das gut finden oder ernsthaft meinen sollten, damit sei etwas Sinnvolles im Kampf gegen Extremismus zu erreichen, sei Ihnen dies kopfschüttelnd zugestanden; mir sei es zugestanden, dass ich das vollkommen anders sehe. (Und was die Schlichtheit vieler der „Analysen“ von Someone’s Daughter angeht, so hatte ich bereits ein Beispiel gegeben, auf welches Sie nicht eingegangen sind. Allerdings sprechen auch die gerade zitierten Stellen auch in dieser Hinsicht für sich.)

    Michael Frey Dodillet schrieb (bezugnehmend auf entsprechende Beiträger von Someone’s Daughter):

    „Ich sehe das genau so wie Sie. Wenn sich die AfD und ihre Trabanten nach einer Verrohung der Debattenkultur und dem Wegfall der politischen Korrektheit sehnen, sollte diesem Wunsch entsprochen werden. Auf einen groben K-K-Klotz gehört ein grober K-K-Keil. [Anmerkung: Hier wird ein stotternder AfD-Mann ‚persifliert‘.]

    Das Niveau hebe ich mir für Diskussionen mit den Linken auf. “

    (Alle Zitate aus der Diskussion unter „Die Dummheit der ‚heute-Show‘ und der Fanatismus der AfD“.)

    Kann man so halten. Nur: Wenn man auf Niveau bewusst verzichtet, müssen wir uns nicht wundern, wenn viele Diskussionen hier immer mehr zu einer sinnlosen Polemik verkommen, bei der Linke und Rechte darum wetteifern, sich durch die niveulosesten und unterirdischsten Beiträge zu überbieten.

    Ich verstehe auch nicht, wieso manche Leute es offenbar darauf anlegen, sich zu blamieren und zu diskreditieren. Was im Kindergarten noch „Eindruck gemacht“ haben mag (verbale Kraftmeierei, Beleidigungen, Pöbeleien), ist in der Welt der Erwachsenen nur noch peinlich.

  99. Die eigentliche Kunst des Artikels besteht ja darin, die AfD-Gründung nicht in ihren geschichtlichen Zuwammenhang einzuordnen, sondern den Startpunkt willkürlich zu wählen. Subprime crisis, die deutschen Banken werden alle gerettet und kaufen sich untereinander auf, statt normale Insolvenzverfahren durchzuführen und die allgemeine Zahlungsabwicklung zeitweise staatlich einheitlich durchzuführen (anders in den USA), auch Griechenland wird „gerettet“ (gerettet wurden eher die in deutschen Versicherungen lagernden ausländischen Schuldverschreibungen, aber die abzuschreiben hätte das seit Jahrzehnten propagierte System der dreigliedrigen Alterssicherung ins Wanken und die Menschen zum Nachdenken darüber gebracht), und der Euro funktioniert faktisch wie eine Schuldnergemeinschaft. All das darf man kritisieren, opponieren und ändern wollen. Ich unterstelle einem Wirtschaftsprofessor da ganz gute Beurteilungsmöglichkeiten. So habe ich die AfD-Gründung in Erinnerung, und solch einen Ausgangspunkt habe ich vermisst. Er hätte, wie auch der in de Kommentaren verlinkte Vice-Artikel, halt nicht ins Narrativ gepasst. Und – kleiner Sprung – wer mal an einem Münzensammlerladen vorbeigeht, kann ja mal tief in sich gehen, ob er den Euro dort in 30 Jahren oder so als abgeschlossenes Sammelgebiet wiederzufinden glaubt.

  100. Sie liefern hier eine Wall of Text von rund 1.500 Wörtern ab und werfen tatsächlich an dessen Ende anderen „Verbale Kraftmeierei“ vor?
    Putzig ;)

  101. @ LLL #111
    Die Belege des „Volksverpetzers“ gegen Lucke sind natürlich zu 90%+an den Haaren herbeigezogen.
    Selbstverständlich ist es OK, einen Slogan „Merkel muss weg!“ zu verwenden, nicht anders als einen Slogan „Stoppt Strauss!“ auch.
    Wer solches inkriminiert, will den politischen Raum so kontrollieren, dass nur noch seine Themen, seine Ideen und seine Favoriten darin existieren können.
    Lucke ist als Politiker gescheitert und abgewählt. Wer ihn an der Ausübung seines Berufes hindert, will keinen Diskurs führen, sondern ein Exempel statuieren: „bestrafe einen, erziehe Hunderte“.
    Das ist durchsichtig, und der Name „Volksverpetzer“ gibt ja schon offen zu, dass letztlich nicht einzelne, sondern eine potenzielle Mehrheit zuerst angeschwärzt und dann zum Schweigen gebracht werden soll.
    Nomen est omen!

  102. @ Andreas Müller

    Seit wann ist es anschwärzen wenn man wiedergibt was unter Beifall und mit stolzgeschwellter Brust in aller Öffentlichkeit zum Besten gegeben wird:

    https://www.volksverpetzer.de/video/redereifm/

    Ist doch gut zu wissen für was für Gestalten das Kreuz bei der Afd steht.

    Und das der Name ne Anspielung auf den allseits beliebten „Volksverräter“ist, sollte doch offensichtlich sein.

  103. @ Mike Hunt #115
    Ich habe mir den Zusammenschnitt angetan.
    Einige Aussagen sind übel, bei anderen verstehe ich nicht, warum sie es in die Hitliste geschafft haben.
    Aber wesentlich für die Diskussion hier ist doch, dass eine Aussage von Lucke nicht dabei ist.
    Oder sollte ich die übersehen haben?

  104. @ Anderer Max
    „ich besuche solche Schmuddelseiten nicht“
    Einerseits sollten Sie dann auch davon schweigen, statt meine Seite ständig ins Gespräch zu bringen.
    Andererseits weise ich den Begriff „Schmuddelseite“ natürlich entschieden zurück. Ich liefere seriöse Beiträge für die vergleichende Lückenpresse-Forschung und die persönliche Meinungsbildung im demokratischen Diskurs.

  105. @ Andreas Müller

    Ich habe mich auf ihren letzten Absatz bezogen.

    @#120

    Ist ,, vergleichende Lückenpresse-Forschung “ so was ähnliches wie Verschwörungstheorieologie?

  106. @ Andreas Müller

    Solange es Eigenwerbung für den eigene Blog ist, sehen Sie Off-Topic doch auch nicht so eng.

  107. „Andererseits weise ich den Begriff „Schmuddelseite“ natürlich entschieden zurück. Ich liefere seriöse Beiträge für die vergleichende Lückenpresse-Forschung und die persönliche Meinungsbildung im demokratischen Diskurs.“

    Jemand, der sich auf Twitter Bürger18 nennt, sollte an der Stelle mit Vorsicht genossen werden. Jemand, der im Grunde nur von sich reden kann, ebenso.

  108. @ Mike Hunt #115
    „Und das der Name (‚Volksverpetzer‘) ne Anspielung auf den allseits beliebten ‚Volksverräter‘ ist, sollte doch offensichtlich sein“
    Allseits beliebt?
    Aber nützt ja nichts: „Two wrongs don’t make a right“

  109. @ Stefan Pannor #125
    „auf Twitter Bürger18“
    Alle Bürger von buerger1 bis buerger23 sind auf Twitter belegt.
    Manche sind wirklich so harmlos, dass sie hochzählen bis zum ersten freien Bürger. Diese Codes zu kennen (und für wichtig zu halten), gehört nicht zum demokratischen Kerngeschäft.

  110. Was ist falsch daran sich eines der Lieblingsschimpfwörter der Braunen für alle die ihnen nicht in den Kram passen, in leicht abgewandelter Form stolz auf die eigene Fahne zu stecken?

  111. @ Wonko:

    „Sie liefern hier eine Wall of Text von rund 1.500 Wörtern ab und werfen tatsächlich an dessen Ende anderen ‚Verbale Kraftmeierei‘ vor?
    Putzig ;)“

    Weil ein (sehr) ausführlicher Text nach Ihrer Meinung eo ipso „verbale Kraftmeierei“ ist? Anders macht Ihr „Argument“ nämlich keinen Sinn, und so ist seine Prämisse offensichtlich grotesk.

    Und wieder so ein Kommentar, dessen Abwegigkeit schon bei kürzestem Nachdenken evident ist.

  112. Ich halte von Berufsverboten nichts, ob sie nun von Rechten oder (vermeintlich) Linken gefordert werden. Ergo muss ich es hinnehmen, dass ein Lucke an seinen Arbeitsplatz zurückkehrt.

  113. @LLL
    Es ist schon bezeichnend, wenn man denjenigen, dem man für den Grundsatz ‚gleiches Recht für alle‘ eine AFD-Affinität unterstellen möchte, dann auch noch für ‚zu komplizierte Texte‘ rügt.
    Könnte lustig sein, wenn es nicht so traurig wäre.

  114. Jemand, der sich auf Twitter Bürger18 nennt, sollte an der Stelle mit Vorsicht genossen werden.

    Es sollte generell jeder mit Vorsicht genossen werden, der die Zeichen a…z und die Zahlen 0…9 verwendet.
    Alles Bestandteile von Nazikot.

    Darüberhinaus erkennt man Nazis daran, dass sie mit Messer und Gabel essen – wie Adolf Hitler und Angela Merkel.

    Immer schön aufmerksam bleiben, niemals den heimlichen Nazi durchkommen lassen.

  115. @ Andreas Müller, 114:

    Das wäre ein weiteres Beispiel für eines der doch recht fragwürdigen Argumente…

    @ PeterbauSV:

    Ja: Wenn jemand, der einen ausführlichen sachlichen Text mit vielen Argumenten (und keinen voll sinnloser Polemik) verfasst, sich allein schon deswegen unglaubwürdig machen soll, sobald er „verbale Kraftmeierei, Beleidigungen, Pöbeleien“ kritisiert, dann sollte man das am besten mit Humor nehmen. Wenn man aber ständig mit Beiträgen auf dieser Reflexionsebene konfrontiert ist, vergeht einem irgendwann vielleicht das Lachen.

  116. @ Andreas Müller:

    Also soll heißen: Wie Sie betrachte auch ich das von Ihnen kritisierte Argument als ziemlich fragwürdig.

  117. @ LLL #135
    „Argument als ziemlich fragwürdig“
    Sie sind zu nett mit der Petze!
    „Merkel muss weg!“ ist böse, aber „CDU zerstören!“ ganz harmlos.
    Da greift sich doch jeder ans Hirn, wenn er denn eines besitzt.

  118. Das Video von Rezo (sehr geile Zeit Kolumne betr. Gamer=Terroristen, btw!) hieß „Die Zerstörung der CDU“, nicht „CDU zerstören“ ^^
    Wenn wenigstens irgendeine Ihrer Äußerungen mal aufrichtig wäre …

  119. Ja, Ihre verfälschte Formulierung war im Imperativ.
    „Da greift sich doch jeder ans Hirn, wenn er denn eines besitzt.“

    Nicht zu vergessen, auch für Sachse: Combat18 wollte sich eigentlich Combat nennen und hat dann ganz harmlos hochgezählt und ist bei 18 stehen geblieben.

    Alles ganz unproblematisch, solange die Unschärfe nicht von Blauhaarigen kommt, gell?

  120. Sie sind offenbar besessen vom Combat, Maxl.
    Dabei sollten Sie bei Naziorganisationen mit englischen Namen immer ganz besonders vorsichtig sein. Auch wenn der Ku-Klux-Klan bei Heilbronn auftaucht, ist Unheil im Anzug.
    Das ist schon einmal größer schiefgegangen.
    Deshalb sollten Sie sich nie von diesem Nazi-Zauber an der Nase herumführen lassen! Und am Sonntag in Thüringen lieber Kemmerich/FDP wählen!

  121. Ja, ja, Combat18 und Bürger18 sind nur unglückliche Zufälle. Und Historiker haben herausgefunden, dass sich der Gröfaz eigentlich Xaver Zeller nennen wollte, dann aber beim Durchbuchstabieren einfach bei AH stehengeblieben ist. In diesem Sinne: Heil Höckler, die Herren Fanboys!

  122. Selbst wenn Lucke noch in der AfD wäre, muss er seine Vorlesungen halten können. Stören von Vorlesungen ist für mich eine Form der Nötigung. Freiheit der Lehre ist wichtig. Und es ist genau das gleiche, die gleiche antiliberale Denkungsart. Es fängt mit Störungen der Rede an und endet mit der Kugel im Arbeitszimmer.

    In meiner Zeit gab es immer ein paar linke, linksextreme Profs. Die waren bei den Studenten beliebt und haben oft den Finger in die Wunde gelegt. Auch Lucke ist ja ein Prof, der Opposition organisiert hat. Wir Studenten von damals verdanken den linken Profs viel, kritischen Geist, der manchmal etwas übersprudelte.

    Lucke aber liest ja gar nicht in Politik, Soziologie oder Gesellschaftsgedöns, sondern in seiner Profession. Natürlich ist er für sie qualifiziert, eine Habilitation gewinnt man ja nicht im Lotto.

    Wir sollte lieber darüber sprechen, dass Rädelsführer unter den Studierenden, die Freiheit der Lehre beschränken wollen und massiv Veranstaltungen an der Uni stören, von der Universität exmatrikuliert oder zeitweise suspendiert werden.

  123. Dies ist seine private Spielwiese zum Linkdropping. Ich hatte schon vor längerer Zeit den Verdacht geäußert, dass er einen Großteil seiner Zielgruppe hier akquiriert.
    Daher interesseirt ihn auch keine persönliche Anfeindung, im Gegenteil: Er generiert damit mehr Geld auf seiner eigene Website.
    Ich finde es nach wie vor sehr schade, dass das anscheinend kein Problem ist für übermedien.

  124. Vielleicht ist es ja deshalb kein Problem, weil schlechte, lange, unpointierte Texte eh keiner liest.

  125. Die Auflistung des Volksverpetzers muss jeder für sich selbst bewerten. Wenn das Urteil zuvor schon feststeht, sind alle Indizien leicht abweisbar. Dazu nur zwei Dinge:

    Erstens sind einige Aussagen Teil einer Kommunikationsstrategie namens Dogwhistle bzw Hundepfeife. Man sagt etwas mehrdeutiges und die (negative) beabsichtigte Bedeutung ist dem Gegner gegenüber abstreitbar und signalisiert dem eigenen Lager, „ich bin einer von uns“. Das machen andere Gruppen genauso, da wird halt öfter über „Freiheit“ oder „Kapitalismus“ geredet statt über „Altparteien“, „Staatsmedien“ oder „Multikulti“. Genauso sind die Zahlencodes mit 18 und 88 lange bekannt als immer wiederkehrende Identifikationsmerkmale von Neonazis, sodass ein zumindest rechter Bürger um diese Bedeutung wissen muss und sie willentlich in Kauf nimmt oder bewusst verwendet.

    Zweitens haben wir alle ein gewisses Spektrum von Meinungen und sind nicht nur ein Punkt auf einem Diagramm. Beispielsweise sympathisiere ich mit fast allem Linksextremen bis zur demokratischen Linken, bei Stalinismus oder Neoliberalismus hört es für mich aber auf. Politische Sympathien oder Toleranz für Rechtsextreme geht gar nicht, nicht mal als notwendiges „Übel“ um ein anderes politisches Ziel umzusetzen.

    Das ist bei den meisten demokratischen Menschen inklusive Politikern nicht anders. Die meisten Grünen- oder SPD-Mitglieder und -Wähler und vermutlich auch ein Großteil der CDU schreckt vor Zusammenarbeit mit offenen Nazis zurück, ebenso wie sie mit Kommunisten nicht reden. Lucke mag im Kern ein Konservativer sein, aber seine Bandbreite der Toleranz geht von neoliberalen FDP-Positionen bis ins Rechtsextreme und damit über das demokratische Spektrum hinaus.

  126. „Wenn es gegen rechts gehe, machten viele politische Mitbewerber vor Regelbrüchen keinen Halt mehr, dann gelten offenbar andere Maßstäbe…
    Dass dies der freien und offenen Debattenkultur schade, werde entweder nicht erkannt oder, was noch schlimmer sei, billigend in Kauf genommen…
    Antidemokraten seien nicht nur bei der AfD zu finden. Viele aus der politischen Mitte arbeiteten aus vermeintlich höheren Motiven mit an einer Dekonstruktion der Demokratie und ihrer Organe. …
    Das Motto lautet dann: Moral schlägt Recht. Als Demokrat will ich das nicht akzeptieren“

  127. „Führt der link rein zufällig wieder auf die eigene Seite?“

    Ja. Dabei sollte man Haffner nicht wegen, sondern trotz dieser Empfehlung lesen. AM18 betreibt hier die klassische neurechte Aneignungsstrategie, mit der sich Rechtsaußen zu Opfern ihrer eigenen Vorgehensweise erklären.

    (Außerdem betreibt er Namensverunglimpfung, und falls das nicht klappt, beherrscht er auch Klageandrohung und toxische Patriarchie als Tonfall. Die argumentative Schicht ist dünn.)

  128. „AM18 betreibt hier die klassische neurechte Aneignungsstrategie, mit der sich Rechtsaußen zu Opfern ihrer eigenen Vorgehensweise erklären“
    Uiuiui, Pannor, das ist aber vielleicht doch etwas zu kompliziert gedacht, um richtig zu sein?
    Ich meine, Sie arbeiten u.a. für das Relotius-Magazin, die „BILD-Zeitung für Intellektuelle“, wie ein konservativer Mitschüler von mir in den 80ern so klug sagte. Da müssen Sie Ihre Sätze schon ein wenig simpler konstruieren können, auch wenn sie mit der Idee von hinten durch die Brust ins Auge wollen.

  129. „Außerdem betreibt er Namensverunglimpfung, und falls das nicht klappt, beherrscht er auch Klageandrohung und toxische Patriarchie als Tonfall. Die argumentative Schicht ist dünn.“

  130. @ Pannor
    „Die argumentative Schicht ist dünn“
    Sehr dünn, wie man bei #153 sehen kann:
    „#151 ist eine fast 100%ige Übernahme einer DLF-Meldung in beinahe Originallänge“
    Und? Was ist mit den zitierten Aussagen?
    Natürlich Fehlanzeige: außer aufgeblasener Moralhuberei, Ad-Hominem-Gekläffe und leerer Korinthenkackerei („extrem dilletantisch geringfügig zusammengekürzt“) ist von Ihnen in Jahren eigentlich nie etwas gekommen.
    Ein Trauerspiel, wenn man sich die wütende Meute von Kötern ansieht, die sich am Ende an jedem Kommentar abarbeiten wie an einem Stück blutigen Fleischs.
    Und wahrscheinlich glauben sie noch, sie seien seit mindestens 20 Jahren Veganer, unsere lieben „Volksverpetzer“:-)

  131. @ Müller
    Wollen sie unter die zitierte Aussage jetzt ernsthaft zwei von Studenten gestörte Vorlesungen subsumieren?

    Lassen sie doch die Kirche bitte im Dorf.

  132. „Und? Was ist mit den zitierten Aussagen?“

    Meinungen haben keinerlei Beweiskraft, und ihre Überzeugungskraft speist sich aus der Schlüssigkeit des dargelegten Arguments. Was Kubicki denkt, sei ihm unbenommen, aber darauf eingehen kann man im zitierten Kontext nicht, da da nichts zum Draufeingehen dran ist.

    Es wird nicht klar, warum Sie einen substanzlosen und, wie gesagt, diletantisch zusammengestrichenen Beitrag einer reputablen Quelle diskussionswürdig finden bzw. was genau Sie da debattieren wollen. Sehr vermutlich wollen Sie schlicht persönliche Angriffe provozieren. Das ist zu primitiv, um es im von Ihnen gewollten Maß zu beachten. :-)

  133. Ich lese da immer noch keine Aussage raus auf die Bezug genommen werden soll.

    Was genau wollen sie denn jetzt sagen?

  134. @Mike Hunt: Was Wolfgang Michal ins Gedächtnis ruft: Adorno hatte nach Nacktprotesten sozialistischer Studentinnen seine Vorlesung abgesetzt. Er war hoch betroffen. Dann starb er plötzlich und unerwartet im Urlaub.

    (Keiner weiß mehr worum es genau ging)

  135. „Daher interesseirt ihn auch keine persönliche Anfeindung, im Gegenteil“

    Persönliche Anfeindungen? Wie kommen Sie darauf, doch nicht hier!
    Hier gibt es keine Anfeinde. Im Gegenteil, die Kommentare von Stefan Pannor, Anderer Max, Mike Hunt, ichbinich, Michael Frei-Dodillet & Gen. sind 100% sachbezogen und nicht mal ansatzweise ad hominem.

    Besonders traurig ist, dass dieser Andreas Müller auf die hochgeistigen Ausführungen eines Stefan Pannor ablehnend reagiert
    außer aufgeblasener Moralhuberei, Ad-Hominem-Gekläffe und leerer Korinthenkackerei ist von Ihnen in Jahren eigentlich nie etwas gekommen“.
    Das ist gar nicht nett.
    Vielleicht sogar könnte diese realistische Einschätzung den Stefan Pannor in den Selbstmord treiben. Aber das ist ein anderes Thema, an dem gerade im Parallelstrang eine „wütende Meute von Kötern … sich am Ende an jedem Kommentar abarbeiten wie an einem Stück blutigen Fleischs.

  136. Es ist vollkommen Schnuppe, was Prof. Lucke politisch verzapft hat und wo er parteipolitisch steht.

    Keiner kann sich das Recht rausnehmen eine Vorlesung eines Professors einer Hochschule zu verhindern, weil er politische Rechnungen mit dieser Person meint offen zu haben.

    Opfer ist nicht Herr Lucke. Opfer ist der akademische Diskurs. Opfer sind wir alle.

    Ich will eine Hochschule, an der alle reden können in ihren Veranstaltungen. Professoren müssen das Recht haben zu lehren. Dafür werden sie bezahlt. In der Veranstaltung ging es ja nicht einmal um Politik.

    Was jetzt passieren muss ist der Rücktritt der Verantwortlichen vom ASTA oder ihre zwangsweise Exmatrikulation.

    Versammlungsrecht hat hier der Versammlungsleiter. Der Professor. Nicht autoritär strukturierte Dritte, die eine Veranstaltung der Hochschule obstruieren.

  137. @Peterbausv, Nr. 99: Wenn Sie die PM zitieren, dann zitieren Sie sie doch bitte in ganzer Länge. Und berechnen Sie ein, dass sich der Hinweis auf den Diskurs, der in der PM gegeben wird, sich auf alle beziehen kann – es sei denn, man will unbedingt auch noch den Uni-Präsidentin und die Wissenschaftssenatorin als die Bösen sehen und Herrn Lucke als Opfer:
    „Die Durchführung freier wissenschaftlicher Lehre gehört zu den grundgesetzlich garantierten Pflichten und Rechten jedes Hochschullehrers und jeder Hochschullehrerin. Der Staat ist verpflichtet, die Durchsetzung dieser Rechte grundsätzlich zu gewährleisten. Unabhängig davon ist festzustellen, dass Universitäten als Orte der Wissenschaft die diskursive Auseinandersetzung auch über kontroverse gesellschaftliche Sachverhalte und Positionen führen und aushalten müssen – insbesondere vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte.“

  138. @ Andy, #167:

    „Opfer ist der akademische Diskurs.“

    Aufgrund von zwei verhinderten Vorlesungen an einer Universität? Nein. Der akademische Diskurs ist davon unbetroffen. Lucke hat seinen Posten behalten und darf weiter Vorlesungen halten und Bücher schreiben und veröffentlichen.
    Oder ist der Diskurs auch „Opfer“, weil Lucke anschließend Studentinnen des Saales verwiesen hatte, weil er in ihnen einige der Aufrührer*innen zu erkennen glaubte?

    Andersherum: Wie weit dürfen Studenten maximal gehen, um ihre Meinung während der laufenden Vorlesung zu artikulieren?
    Es ist doch wie mit den albernen Straßenblockierungen durch Extinction Rebellion. Die hat man geduldet und das Verkehrswesen ist nicht zusammengebrochen.

  139. @ ErwinZK:

    „Erstens sind einige Aussagen Teil einer Kommunikationsstrategie namens Dogwhistle bzw Hundepfeife. Man sagt etwas mehrdeutiges und die (negative) beabsichtigte Bedeutung ist dem Gegner gegenüber abstreitbar und signalisiert dem eigenen Lager, ‚ich bin einer von uns‘.“

    Das Phänomen gibt es sicherlich, aber die Gefahr ist dann auch, dass man von außen einfach was reininterpretiert und genau das bestätigt findet, was man „eh schon wusste“. Da muss dann im Einzelfall schon überlegt werden, wie überzeugend ein entsprechender Vorwurf tatsächlich belegt ist. Sonst hat man ganz schnell ein zirkuläres und sich selbst immunisierendes System.

    Heutzutage ist die CSU sicherlich deutlich weniger rechts als die AfD. Aber ich bezweifle wie gesagt (siehe meine Ausführungen oben), dass das bereits zu Lucke-Zeiten so eindeutig der Fall war.
    Dafür, dass man trotzdem viel leichter auf Lucke schießt, existiert nach meinem Eindruck u.a. auch ein sehr unschöner Grund: Die CSU ist eine etablierte, anerkannte, staatstragende Partei. Da hat man höhere Beißhemmungen. Eine solche Partei wird schon auch mal hart kritisiert, aber eben nicht so rasch bis hin zum Punkt grundsätzlicher Delegitimation.

    Was wäre etwa, wenn Lucke sich so geäußert hätte wie einige aktuelle CSU-Politiker (von „verflossenen“ fangen wir besser gar nicht erst an)? Zum Beispiel:

    „Wir werden uns gegen Zuwanderung in deutsche Sozialsysteme wehren – bis zur letzten Patrone.“

    Wenn Lucke das gesagt hätte, wäre das sicherlich nicht nur unerträglich „rechts“ gewesen, sondern womöglich auch Nazi-Sprech bzw. eine Bezugnahme auf die Nazi-Zeit. („Die Reichshauptstadt wird bis zum letzten Mann und bis zur letzten Patrone verteidigt.“)

    Oder:

    „Auf die linke Revolution der Eliten folgt eine konservative Revolution der Bürger. Wir unterstützen diese Revolution.“

    Wäre das von Lucke, dann hätte man das nicht nur extrem rechts bzw. rechtsextrem gefunden, sondern wohl auch gesagt, dass das auf antidemokratische Bestrebungen in der Weimarer Republik anspielen soll, die „[d]er sehr rechte Schweizer Historiker und Publizist Armin Mohler […] 1950 als Sammelbegriff für unterschiedliche konservative und deutschnationale Denker der Weimarer Republik“ verwendete, von denen viele „völkisch, rassistisch und antisemitisch“ (Süddeutsche) argumentierten. Usw. (Über Dobrindt heißt es hingegen sinngemäß, dass er das nicht in diesem Sinne meint und Begriffe nicht „bis zu Ende durch[denkt]“.)

    Ich gehe jede Wette ein, dass die aufgeführten – und andere – Zitate prominent in Herrn Reisins Artikel aufgetaucht wären, wenn sie von Lucke stammen würden, um zu belegen, wie weit rechts Lucke als Politiker doch in Wahrheit war. Samt einem Link zu einem Text, der auf die genannten angeblichen NS- bzw. Antidemokratie-Bezüge der fraglichen Zitate hinweisen würde.

    So wie man es Herrn Lucke auch sehr verübeln würde, wenn er so lange vor einer im Rahmen der EU-Osterweiterung angeblich drohenden Einwanderung von Osteuropäern in die deutschen Sozialsyeteme gewarnt hätte, bis selbige angeblich drohende Einwanderung von der deutschen Bevölkerung laut Umfragen als das wichtigste politische Problem überhaupt wahrgenommen wurde.

    Ein derart kritischer Artikel über die CSU und ihre führenden Köpfe ist hingegen wohl eher nicht zu erwarten.

    Mit anderen Worten: Wir haben hier wohl ein Messen mit zweierlei Maß zu Ungunsten Luckes und seiner damaligen AfD und zugunsten der CSU und ihrer Spitzenleute vor uns, das m.E. auch mit einer gewissen Feigheit und einem gerüttelten Maß an „staatstragendem“ Opportunismus zu tun haben dürfte.

    @ MR RE:

    Zitat (aus der Erklärung):

    „Unabhängig davon ist festzustellen, dass Universitäten als Orte der Wissenschaft die diskursive Auseinandersetzung auch über kontroverse gesellschaftliche Sachverhalte und Positionen führen und aushalten müssen – insbesondere vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte.“

    Ob es eine „diskursive Auseinandersetzung“ darstellt, die die deutschen Geschichte ehrt, wenn ein Professor während einer (versuchten) Vorlesung „als ‚Nazi-Schwein‘ beschimpft, körperlich bedrängt und am Reden gehindert“ wird (Deutschlandfunk), kann man wohl bezweifeln.

    Eine „diskursive Auseinandersetzung“ wäre jedenfalls für mich etwas anderes: Nämlich ein (kritischer) Diskurs, ein Gespräch, eine Diskussion – am besten mit Lucke, wenigstens aber über ihn. Aber ganz sicher nicht der Versuch, andere daran zu hindern, dass sie reden.
    (Und ein Beispiel für reinen „studentischen Protest“ wären etwa jene Studenten, die außerhalb des Hörsaals friedlich (auch mit Transparenten) gegen Lucke demonstrierten.)

    Natürlich sind die Aktionen gegen Lucke nicht der Untergang der Welt. Aber wenn – wie hier von Seiten Herrn Reisins – keinerlei negative Wertung zu erkennen ist, und wenn Herr Lucke in keinem Sinne „Opfer“ sein darf, sondern sich dreisterweise nur als Opfer „inszeniert“: Dann ist das schon eine recht einseitige Perspektive.

    Wenn man Herrn Reisins Artikel liest, könnte man meinen, der einzige, der hier irgendetwas falsch gemacht hat, sei Herr Lucke – und jene Medien, die so irregeleitet sind, auch noch ein gewisses Verständnis für Lucke aufzubringen.

    @ Physeter:

    „Der akademische Diskurs ist davon unbetroffen.“

    Der akademische Diskurs im Allgemeinen ja; im konkreten Einzelfall ist er aber betroffen. Und Herr Lucke ist betroffen. Wenn man Lucke zugesteht, dass er ein Recht darauf hat, nicht wüst beschimpft, körperlich bedrängt und niedergebrüllt zu werden, falls er eine (noch dazu unpolitische) Vorlesung hält, dann ist er eben sehrwohl „Opfer“. Nicht „Opfer“ in einem dramatischen Sinne wie das Opfer eines Mordes; aber eben doch in dem Sinne, dass er schlecht behandelt wurde und seine legitimen Rechte verletzt wurden.

    Und das sollte doch wohl für Kritik genügen.

  140. @ Mr.Re
    ‚Diskurs muss man aushalten‘ ist nichts, was mit der Situation zu tun hatte, dass ist der Kritikpunkt an der Aussage.
    Jedenfalls wenn man die Aussage an Herrn Lucke gerichtet liest.
    OK, vielleicht meinten die ja auch die Studenten, immerhin sind die es, die den Diskurs verweigern.
    Das lese ich aber nicht draus, ich lese ‚Ihr dürft das zwar nicht, aber wir werden euch nicht hindern, wenn ihr das nochmal macht.‘ oder anders gesagt: ‚Lasst das sein!‘ *ZWINKER *ZWINKER

    Jeder liest, was er will.

    @Physeter:
    Schöne Legende mit der Meinungsäußerung während der Vorlesung.
    Es waren aber keine Studenten von Lucke, die protestiert haben, weil etwas an der Vorlesung kritikwürdig gewesen wäre, sondern es waren andere Studenten (waren es alle Studenten?), die eine Vorlesung komplett verhindert haben, die Luckes Studenten (gerne?) gehört hätten.

  141. @Peterbausv und LLL: Insofern ist es doch eine sehr kluge Pressemitteilung der Universitätsleitung, die aus ihrem Dilemma, nicht in die Lehrveranstaltungen ihrer ProfessorInnen eingreifen zu dürfen/wollen/können, nicht anders herauskommt, als auf die Grundrechte der Freiheit von Forschung und Lehre (mit allen Ambivalenzen, die das mit sich bringt), zu verweisen.

    Und natürlich wäre anderer Protest deutlich besser gewesen – eine studentisch organisierte Gegenvorlesung, die auf die zu bestehende Klausur vorbereitet; stiller Protest im Hörsaal, bei dem sich alle Studierenden mit dem Rücken zum Prof setzen; kollektives Nichterscheinen zur Vorlesung… die Möglichkeiten sind vielfältig, bei denen die Studierenden selbst als mündige AkteurInnen der Uni auftreten können und den inhaltlichen Quatsch, den Lucke in seinen Vorlesungen tatsächlich verbreitet, als solchen entlarven. Aber, um zum Kern des Artikels zurückzuschwenken: Zwei abgebrochene Vorlesungen machen Herrn Lucke noch lange nicht zum Opfer „neuer Nazimethoden“, auch wenn es ihm nach langer Zeit endlich mal wieder die gewünschte mediale Aufmerksamkeit beschert hat.

  142. Es gibt da auch kein Dilemma, die Vorlesung hat stattzufinden, die Uni hat das zu ermöglichen, fertig, alles andere ist doch aberwitzig.
    Es wäre auch eine andere Pressemitteilung möglich und nötig gewesen, das sind immerhin Profis.

    Und es ist ja eben nicht so, dass die Studenten von Herrn Lucke die Vorlesung verhinderten, das ist doch gerade das Problem, sondern es waren Studenten, die in der Vorlesung nichts zu suchen hatten.
    Es gab auch keine Vollversammlung, die da was beschlossen hätte, auch das wäre ja noch als demokratische Willensbekundung i. O.
    So ist es nur die Selbstermächtigung einiger Bummelstudenten.

    Und um auf den von ihnen angesprochenen Kern zurückzukommen: ich hatte schon geschrieben, dass Lucke nicht das Opfer ist, sondern der Diskurs.
    Lucke profitiert, ebenso die AFD, das ist absehbar und konnte man auch vorher wissen, warum macht man das dann?
    Weil die Linke von einer starken AFD zu profitieren hofft?

  143. „Es gibt da auch kein Dilemma, die Vorlesung hat stattzufinden, die Uni hat das zu ermöglichen, fertig, alles andere ist doch aberwitzig.“

    Das sagen Sie, aber das heißt nicht, dass das ein Fakt ist. Es gibt ja Präzedenzfälle, etwa die Entlassung des rechtsextremen Verschwörungstheoretikers Michael Vogt von der Uni Leipzig 2007. Tatsächlich kann sich eine Hochschule gegen einen Dozenten stellen, wenn sie etwa den begründeten Verdacht hat, dass dieser demokratische oder ethische Grundwerte verletzt.

    Sie kann sich auch nach außen hin neutral verhalten, wie bei dem AfD-ambivalenten Werner Patzelt, der zwar nicht entlassen wurde, bei dem Proteste aber nicht verhindert wurden.

    Eine Universität ist eben keine Paukhölle, bei der der Stoff notfalls mit Gummiknüppeln durchgehämmert wird.

  144. Wie oft denn noch, es verhindern nicht Luckes Studenten die Vorlesung, es verhindern dritte, dass Luckes Studenten die Vorlesung hören können.

    Man kann auch gerne Protestieren, vor der Uni, vor dem Hörsaal, hier geht es aber um die Verhinderung.
    Die Uni läßt sich am Nasenring durch die Manege ziehen, und im Ergebnis stärkt es die AFD, also danke für nichts.

  145. @Peterbausv: „So ist es nur die Selbstermächtigung einiger Bummelstudenten.“ und „es verhindern nicht Luckes Studenten die Vorlesung, es verhindern dritte, dass Luckes Studenten die Vorlesung hören können.“ – sagen Sie. Woher wissen Sie das? Halten sie die Hamburger VWL-Studierenden für so unpolitisch, dass da alle einfach ohne blassen Schimmer in die Vorlesungen latschen, ohne sich dazu Gedanken zu machen?
    Außerdem wurde protestiert vor dem Hörsaal, mit angemeldeter Kundgebung und allem, was das Herz begehrt. Von der gewählten Studierendenvertretung organisiert, also demokratisch vollkommen legitimiert, die sich nun im Gegenzug Morddrohungen ausgesetzt sieht. (https://www.asta.uni-hamburg.de/1-ueber-uns/1-news/2019-10-18-statement-zur-stoerung2.html)

  146. Ich sehe da eine Verschwörungstheorie als Grundlage des Arguments, die berühmten rangekarrten Demonstranten. Wenn Lucke aber Studenten der Vorlesung verweist, weil sie protestiert hatten, kann das so nicht stimmen.

    Grundsätzlich scheint mir das Argument verkehrtherum aufgebaut, die Sclussfolgerung wird als Grundlage behauptet. Sicher, man kann es so sehen, dass Proteste nicht stören dürfen. Aber nur weil man es so sieht, wird aus der Meinung noch nicht eine Tatsache.

  147. Mr. Re,
    wenn sie mir schon den Text des Asta empfehlen, lesen sie ihn doch selber, denn da steht genau das drin, was sie bestreiten.
    Zitat: Gleichwohl es Herrn Lucke, und auch SEINEN Studierenden, jederzeit möglich war, den Hörsaal zu verlassen und die Situation damit sofort und nachhaltig zu entschärfen, hat er sich entschieden, die Studierenden als Schutz zu benutzen.

    Mal vom victim-blaming zeigt das, dass die Protestierenden nicht die Studenten von Lucke waren, sondern eben andere.
    Und das der ASTA sogar selber sagt, dass nicht gewollt zu haben.

  148. Herr Pannor,
    es gibt viele Fachbereiche an Hochschulen, da laufen jeden Tag tausende Studenten rum, ohne dass man da jemanden extra hinkarren muss.
    Natürlich haben größtenteils Studenten protestiert, aber keine, die die Vorlesung bei Herrn Lucke auch belegen, sondern eben welche aus anderen Fachbereichen, vielleicht auch VWL-ler aus anderen Semestern, was weiß ich denn.
    Der ASTA selber sagt, und die Presse auch, dass da viel mehr Leute waren, als die Vorlesung besuchen, und der ASTA wirft Lucke sogar vor, mit seinem Schutzsuchen unter ’seinen‘ Studenten provoziert zu haben.

    Und selbst wenn es so wäre, dass einige seiner Studenten sich beteiligt hätten, was machen denn die Omas gegen Rechts im Hörsaal?
    Das ist doch alles schönreden, was sie hier machen.

  149. „Was weiss ich denn“ — eben.

    Ich könnte Ihnen auch Schlechtreden auf Basis willkürlicher Prämissen vorwerfen. Aber was brächte das?

    Mit denselben Behauptungen könnten Sie auch Streiks delegitimieren. Ich dagegen denke, dass Protest eine demokratische Freiheit ist, die umfassend gilt und nicht nur in ausgewiesenen Schutzzonen. Das Grundgesetz sieht das auch so. Ihr „Die Vorlesung hat stattzufinden“ ist eine Meinung, aber keine Tatsache, und als Meinung zu unbegründet und zu pauschal, um zu überzeugen. Sie versuchen eine doch recht komplexe Situation zu dekomplexieren, und das überzeugt mich nicht, mirbfehlen da die Argumente zur Behauptung.

  150. Peterbausv, Sie bleiben bei Ihrer Behauptung ohne Nachweise, und ohne dagewesen zu sein (oder?). Leute, die tatsächlich da waren, sagen, dass auch jene Studierenden Teil des Protests waren, die diese Vorlesung leider belegen mussten.
    Ihrer Logik nach sollten ja aber ohnehin nur diejenigen das Recht haben, zu protestieren, die ordnungsgemäß für die Vorlesung angemeldet waren (hält man neben seinem Plakat dann auch seinen Seminarplan hoch?). Natürlich waren mehr Leute da, als sonst die Vorlesung besuchen. Bei einer Demo gegen den türkischen Einmarsch in Syrien tauchen auch nicht nur Kurden auf, die dort ein Häuschen haben, und bei einer Pegida-Demo auch nicht nur Leute, denen Merkel persönlich mal gegens Schienbein getreten hat, um zwei weit auseinanderliegende Beispiele zu wählen. So funktioniert Protest.

  151. @ pannor & mr.re
    Vielleicht sollte man einfach Mal nicht so schnell mit Vorwürfen wie Verschwörungstheorie sein.
    Ich habe belegt, sie nicht.
    Wenn sie es nicht für die Aufgabe der Universität halten, dass die Vorlesungen stattfinden, ist mir das auch egal, ändert aber nichts daran, das dem so ist.
    Und ich lese im Statement der Universität nicht, dass die vorhaben, das durchzusetzen, sondern ein nicht zu Wort kommen lassen und niederbrüllen zum Diskurs adeln.
    Und mein Vorwurf ist, das so ein Vorgehen der AFD nützt.
    Da sie gerade auf diesen letzten Punkt nicht eingehen, scheint das wohl für sie in Ordnung zu sein.

  152. „und es gibt genügend Menschen, auf die die letzten Jahre ziemlich unangenehme Auswirkungen hatten.“

    Und wie.
    Nehmen wir Limburg. Dort hat sich vor drei Wochen ein rechtsradikaler LKW verselbständigt, gerade in dem Augenblick als ein Opfer darinnen saß.

    Vor drei Tagen hat in Limburg ein sog. „deutscher Staatsbürger“ öffentlich am hellichten Tag unter Zuhilfenahme einer Axt eine Ehescheidung zelebriert.
    In den nächsten Tagen werden wir erfahren, ob der Täter ein Rechtsextremist ist oder ein Rechtspopulist, dieser „deutsche Staatsbürger“. Wahrscheinlich kommt er aus dem rechtsradikalen braunen Schandfleck Sachsen. Wahlkampftechnisch gesehen wäre es allerdings besser, er wäre ein AfD-Mitglied aus Thüringen.
    Eins aber steht schon fest: Schuld ist dieser Lucke.
    Protest über ihn!

  153. @ Stefan Pannor #175
    „bei dem AfD-ambivalenten Werner Patzelt“
    Patzelt hat seinen Anteil daran, dass die CDU unter Michael Kretschmer bei der Landtagswahl in Sachsen doch noch vor der AfD ans Ziel gekommen ist.
    Schlecht zu wissen, dass man die Fähigkeit, Ansichten zu vertreten, die bei den Wählern noch mehrheitsfähig sind, jetzt ‚AfD-Ambivalenz‘ nennt. Diese Ansichten waren jedenfalls für mindestens 70% der Sitze im Landtag gut.
    Die Verlogenheit und finale Hoffnungslosigkeit der Journo-Linken erkennt man daran, dass sie nach der Wahl den (relativen) Sieg des Patzelt-Kretschmer feierten, ohne ihre eigene Ambivalenz noch mit einem Tönchen zu erwähnen.

  154. Herr Müller, Sie wissen, dass Sie mich mit Dummheit nicht aus der Reserve locken, sondern nur sich selbst als Dummkopf offenbaren :-)

    Patzelt hat oft genug in den letzten Jahren eine ambivalente Position zur AfD offenbart, und zu Pegida, deren ausserparlamentarischem Arm. Damit steht er für den Teil des Bürgertums, der Faschismus weniger schlimm findet als alles, was eventuell progressiv oder links sein könnte. Ich gehe davon aus, dass Sie Patzelts Geschichte kennen und hier nur den Idioten spielen, um zu provozieren.

    Aber wenn einer dumm tut, gilt er eben auch als dumm. ;-)

  155. „Patzelt hat oft genug in den letzten Jahren eine ambivalente Position zur AfD offenbart, und zu Pegida, deren ausserparlamentarischem Arm. Damit steht er für den Teil des Bürgertums, der Faschismus weniger schlimm findet als alles, was eventuell progressiv oder links sein könnte.“

    Alles Nazis! Darunter geht nichts mehr.

  156. @ Stefan Pannor #187
    „Patzelts Geschichte kennen“
    Klar kenne ich u.a. auch die Geschichte, dass Patzelt am CDU-Wahlprogramm mitgeschrieben hat.
    Und deshalb weise ich auch darauf hin, dass zwischen Kretschmers inhaltliche Aussagen, u.a. zu Chemnitz, und die von Patzelt eben manchmal kein Blatt Papier passt.
    Der Kretschmer hat teilweise einen guten Job gemacht, nur noch etwas mehr Unterstützung hätte ich ihm gewünscht.

  157. Empfehlen sie doch bitte einen Aluhut zum Besuch ihres Twitter Accounts.

    Die ganzen Wahrheiten dort sind sonst nur sehr schwer ertragbar.

  158. @ Mike Hunt #194
    „bitte einen Aluhut zum Besuch“
    Ein Besuch nur reicht aus, um zu erkennen, dass Sie ein seichter Dummschwätzer sind.

  159. Verzeihen sie es mir, die gleichgeschalteten Systemmedien haben mich gehirngewaschen und dadurch unfähig gemacht so wie sie hinter die Kulissen zu blicken.

  160. @Müller: Ihre Aussage zum Klimawandel und insbesondere zur Berechnung des historischen Meeresspiegels zeigt wirklich deutliche Aluhuttendenzen.

    Ich würde mir an ihrer Stelle nicht anmaßen, es besser zu wissen als die Fachleute.

  161. „Der Polizeidirektor hat über die Protestanten eine andere Meinung als Andrej Reisin.“

    Und wie steht er zu Katholiken?

    Aber ernsthaft: man nennt das Pluralismus. Womöglich sind beide Ansichten gleichermaßen fundiert. Was also sagt das aus, daß jemand eine andere Meinung hat? Welche Grundlage zur Debatte ist mit der reinen Verkündung hier gegeben?

    Da muss schon mehr kommen, wenn – und es ist ein sehr großes Wenn – Sie hier debattieren wollen und nicht nur Denkfragmente in die Gegend stellen.

  162. „Wenn sie es nicht für die Aufgabe der Universität halten, dass die Vorlesungen stattfinden, ist mir das auch egal, ändert aber nichts daran, das dem so ist.“

    Dem ist in eingeschränktem Maße so.

    Nehmen wir an, der Dozent erkrankt. Oder sein Zug hat Verspätung. Nehmen wir an, es gibt einen Feueralarm zur Zeit der Vorlesung. Dann würden die Veranstaltungen ausfallen. Es ist nicht die Aufgabe der Universität, eine Veranstaltung um jeden Preis stattfinden zu lassen.

    Nun sind beide genannten Beispiele Fälle von höherer Gewalt. Sie sind als solche nicht gleichzusetzen mit organisiertem Protest. Ich will das auch nicht gleichsetzen. Mir geht es allein darum, dass die Aussage „Es ist Aufgabe der Universität, eine Veranstaltung auf jeden Fall stattfinden zu lassen“ so falsch ist.

    Eine Universität ist in Deutschland kein monokausales from-up-to-down-Gebilde, in dem die Universitätsleitung Dinge anordnet und die Studenten sich daran zu halten haben. Universitäten in Deutschland sind teildemokratisch organisiert. Darum gibt es u.a. Studierendenvertretungen, es gibt in besondern wichtigen Fällen Generalabstimmungen, es gibt Wahlen. Das sind Möglichkeiten der Einflußnahme der Studierenden auf den Universitätsbetrieb.

    Und es gibt natürlich auch die Möglichkeit zum Protest. Das Universitätsbild, das Sie hier vermitteln, ist im Grunde Prä-68, das eines reinen Bimsinstitutes, oder alternativ für Ostdeutschland Prä-89. Mit den Realitäten eines Lehrbetriebes in einem demokratischen Staat hat es aber nichts zu tun.

    Ich denke, hier liegt auch das Problem für die Mißverständnisse: Sie schildern eine Universität, wie Sie Ihrer Meinung nach sein sollte, wobei dieses Bild stark undemokratisch geprägt ist. Die übrigen schildern Universitäten, wie sie sind.

    Persönlich muß ich sagen: die Politik hat schon genug Mist gebaut mit deutschen Hochschul-Lehrsystem. Eine zusätzliche Rückkehr zum Bimssystem der Fünfzigerjahre wäre letztlich der Todesstoß für deutsche Hochschulen. Ich lehne Ihr Idealbild also in zweierlei Hinsicht ab: sowohl als Idealbild wie als Darstellung von Fakten. Ersteres ist meine Meinung. Zweiteres aber ist eine Tatsache und als solches indisputabel.

    Ergo: Solange Hochschulen u.a. nach dem Prinzip demokratischer Teilhabe funktioniert, solange ist Protest sogar dann legitim, wenn er zum Abbruch der Lehrveranstaltung führt. Eine Verpflichtung der Hochschule, eine Lehrveranstaltung um jeden Preis stattfinden zu lassen, liegt nicht vor.

  163. Sie lesen zuviel hinein, insbesondere Dinge, die ich mir angeblich wünsche oder vorstelle, in dem sie einen Satz von mir aus dem Zusammenhang reißen, den ich eigentlich schon öfter konkretisiert habe.

    Nämlich dass die Uni-Leitung mit ihrem verklausulierten ‚Macht mal weiter, von uns werdet ihr keine Probleme bekommen‘ den Eindruck erweckt, es wäre der Wunsch der Uni-Leitung, die Vorlesung nie mehr stattfinden zu lassen.
    Lucke hat seinen Lehrauftrag, und es ist der Job der Uni, seine Vorlesungen zu ermöglichen, und nicht seinen Studenten zu schaden.
    Gerade im Blick auf zukünftige Veranstaltungen.

    Im übrigen hat selbst der ASTA geschrieben, dass eine Blockade der Vorlesung nicht geplant war, das ganze also etwas aus dem Ruder gelaufen ist und dadurch auch nicht dem Prinzip demokratischer Teilhabe unterliegt, die ein Protest außerhalb des Hörsaals selbstverständlich hat.

    Ihre Darstellung, Veranstaltungen an der Uni können nur stattfinden, wenn gerade kein Unbeteiligter was dagegen hat, ist ja wohl nur aus ihrem Wunsch heraus zu verstehen, kein Haar in der Suppe des guten Kampfes finden zu wollen. Ist mir zu billig.

  164. „Und wie steht er zu Katholiken?“

    Ich habe er mit verschiedenen Browsern probiert, alle stellen den Link farblich markiert dar.
    Bei Ihnen nicht?

  165. „das ganze also etwas aus dem Ruder gelaufen“

    Ist immer so bei rot-grünen Tätern. Passivkonstruktion.
    Neben „aus dem Ruder gelaufen“ ist die beliebteste Konstruktion „es kam zu …“.
    Da ist wie ein Erdbeben. Das hat auch keiner zu verantworten, passiert eben.

  166. Wenn Sie von „Tätern“ sprechen, werden Sie sicher auch eine strafrechtsrelevante Tat benennen können, die da begangen worden sein soll? Und auch hier wieder mal die Frage: Wie hätten‘s denn gern bei blau-braunen Tätern, auch mehr Passivkonstruktion?

    Ansonsten liefert #202 doch ein recht starkes Indiz für Sockenpuppeneinsatz, denn #190 stammt von Sensenmann, gelle?

  167. @ MR RE:

    „[…] die Möglichkeiten sind vielfältig, bei denen die Studierenden selbst als mündige AkteurInnen der Uni auftreten können und den inhaltlichen Quatsch, den Lucke in seinen Vorlesungen tatsächlich verbreitet, als solchen entlarven. “

    Es mag ja sein, dass das, was Lucke in seinen Wirtschafts-Vorlesungen sagt, weithin „Quatsch“ ist. Ich weiß über Luckes Art der Lehre zu wenig, um da kompetent mitreden zu können. Wenn er aber Unsinn redet, dann wohl vor allem wirtschaftspolitischen. Er wird wohl klug genug sein, in seinen Vorlesungen weitestgehend beim Thema zu bleiben.

    Was nun aber, wenn in der ökonomischen Lehre (vor allem wohl im Grundstudium) sehr viel Fragwürdiges gesagt wird – nicht nur (eventuell) von Lucke?
    So schrieb etwa der Mathematik-Professor Claus Peter Ortlieb über die Neoklassik, die dominante ökonomische Lehre:

    „Es fällt schwer, die Neoklassik unter wert- oder auch nur allgemein wissenschaftskritischem Aspekt zu beurteilen, weil sie bereits nach den üblichen Kriterien positiver Wissenschaft ein einziges Desaster ist. […] Offensichtlich ist es der Gebrauch mathematischer Modelle, mit dem sich die Neoklassik einen Anstrich von Wissenschaftlichkeit zu geben versucht und wohl auch selbst suggeriert. Nun ist aber mathematische Modellbildung mit einer bestimmten, von den Naturwissenschaften adaptierten Methodik verbunden, die sich nicht einfach abtrennen lässt, ohne das gesamte Erkenntnisinstrument zu zerschlagen. Genau dies aber macht die Neoklassik […]. Mathematische Modelle haben den Anspruch, abstrakte, idealisierte Abbilder der von ihnen beschriebenen Aspekte der Wirklichkeit zu sein. Die neoklassischen Modelle werden diesem Anspruch durchgängig nicht gerecht: Es handelt sich bei ihnen nicht um Abstraktionen oder Idealisierungen, sondern um Spezialfälle, die fälschlich für das Ganze genommen werden. Von mehreren Möglichkeiten (etwa: fallende, konstante oder steigende Grenzkosten, fallende, konstante oder steigende Arbeitsangebotsfunktion) wird diejenige als gegeben postuliert, die gerade in die eigene Sichtweise und Argumentation passt, ohne Rücksicht auf ihre tatsächliche Bedeutung und oft sogar unter Missachtung der Ergebnisse anderer Abteilungen der neoklassischen ‚Theorie‘. Dass sich auf diese Weise keine Erkenntnisse über den Untersuchungsgegenstand gewinnen lassen, die über die eigenen Vorurteile hinausgehen, ist evident. […] Tatsächlich zielen die neoklassischen Modelle auch ihrem eigene Anspruch nach gar nicht auf eine quantitative Übereinstimmung mit Beobachtungsdaten, sondern auf die Vermittlung bestimmter Sichtweisen.“
    https://www.math.uni-hamburg.de/home/ortlieb/Exit1CPOMarktMaerchen.pdf

    @ Stefan Pannor:

    „Es gibt ja Präzedenzfälle, etwa die Entlassung des rechtsextremen Verschwörungstheoretikers Michael Vogt von der Uni Leipzig 2007.“

    Lucke wäre aber doch wohl eher mit einem Stoiber oder Seehofer in eurokritischer Variante zu vergleichen, oder? Und gegen einen Strauß wäre er vermutlich ohnehin eher eine lahme Gurke gewesen…

    „Mit denselben Behauptungen könnten Sie auch Streiks delegitimieren. Ich dagegen denke, dass Protest eine demokratische Freiheit ist, die umfassend gilt und nicht nur in ausgewiesenen Schutzzonen.“

    Würden Sie das auch schreiben, wenn eine Grünen-Politikerin, die eine Vorlesung halten will, übel beschimpft, körperlich bedrängt und niedergebrüllt würde – sagen wir von Leuten, die so weit rechts stehen, dass sie gerade eben so noch nicht als „verfassungsfeindlich“ gelten? (Beachten Sie in diesem Zusammenhang auch bitte, wie lange etwa der Verfassungsschutz etwa gezögert hat, die AfD als potentiell verfassungswidrig einzuschätzen.)
    Wenn Sie nicht mit „ja“ antworten, dann müssten Sie ihren Satz wie folgt modifizieren:

    „Ich dagegen denke, dass Protest eine demokratische Freiheit ist, die umfassend gilt und nicht nur in ausgewiesenen Schutzzonen – solange der Protest sich gegen die Richtigen richtet.“

    Da würde jedenfalls ich sagen: Zumindest solange jemand noch nicht direkt „verfassungsfeindlich“ insbesondere im von den Gerichten definierten Sinne agiert, sollte der Protest sich in anderer Form zeigen als im Fall Lucke. Und selbst in extremeren Fällen würde ich jedenfalls wüste Beschimpfungen und das körperliche Bedrängen einer Person ablehnen.

    @ alle:

    Abgesehen davon habe ich manchmal das Gefühl, dass uns einige Maßstäbe verloren gehen.
    Was finden wir eigentlich „skandalös“? Wogegen demonstrieren „wir“?

    Beispiel: 2013 wurde zu Ehren eines Mannes eine Stiftungsprofessur (durch den deutschen Innenminister) ins Leben gerufen, welcher dringlichst im Verdacht steht, hunderttausende (!)Menschen illegal getötet zu haben, und über den selbst ein ehemaliger Mitarbeiter sagte:

    „Wenn wir Henry Kissinger nach den gleichen Maßstäben beurteilen, wie wir es mit den anderen Staatschefs und Politikern in anderen Gesellschaften getan haben, z. B. in Deutschland und Japan nach dem Zweiten Weltkrieg, dann wird er sicher irgendwann als Kriegsverbrecher verurteilt werden.“

    Nun, als Kriegsverbrecher wurde er nicht verurteilt; dafür wurde er von unserer aller Regierung für seine großen Verdienste geehrt.
    Proteste? Ein bisschen von den Grünen. Nichts Großes. Warum auch…

    Und so gibt es so einiges, was sicherlich weit skandalöser ist als die Tatsache, dass Lucke Wirtschaft lehrt. So besteht beispielsweise offenbar der konkrete und begründete Verdacht, dass der deutsche Staat in Form der Berliner Behörden (insbesondere durch Waffen- und Sprengstofflieferungen) maßgeblich zur Militarisierung der späteren RAF beitrug und letztlich vielleicht sogar entscheidend dafür war, dass es überhaupt zum Terror der RAF kam – sich aber bis heute konstant weigert, diese seine Rolle offen zu durchleuchten. (Siehe etwa „Genau das Stückchen Arbeiterklasse“, Süddeutsche Zeitung, online.)

    Aufklärung? Fehlanzeige. Allein diese Weigerung des Staates (d.h. namentlich etwa des heutigen Innenministers Horst Seehofer und der heutigen Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel), die mutmaßliche (jedenfalls mittelbare) erhebliche Mitverantwortung des Staates für Mord und Terror offen zu untersuchen: Ist das nicht skandalöser als alles, was Lucke jemals gesagt oder getan hat? Weit skandalöser?
    Und doch: Offenbar gibt es keinen großen Protest, der die Regierung zwingen würde, ihren Kurs des Totschweigens zu ändern.

    Derailing? Weder will ich von kritikwürdigen Äußerungen oder Taten Luckes ablenken, noch gäbe es dafür Erfolgsaussichten, wenn ich es wollte.
    Ich möchte nur darauf hinweisen, dass wir manchmal in unserer selbstgerechten „Anständigkeit“ vielleicht ein wenig die Maßstäbe aus den Augen verlieren. Klar, es ist nicht geboten, „nur“ gegen Riesen-Skandale zu protestieren (wobei ich es hier offen lassen möchte, ob es wirklich überhaupt ein „Skandal“ ist, wenn Lucke als Professor Ökonomie lehrt). Jedoch habe ich aber manchmal das Gefühl, dass gerade viele wirklich brisante Skandale kaum vorkommen. Wir leben m.E. mitunter in einer Gedankenwelt, in der wir uns in (relative) Kleinigkeiten reinsteigern, die echten Ungeheuerlichkeiten aber außer acht lassen. Und diese Gedankenwelt hat auch mit den Medien zu tun.

    Manche werden meiner Wertung widersprechen wollen, und es kann ja jeder für sich selbst entscheiden, was seine Prioritäten sind. Aber zumindest ich würde sehr viel lieber in einem Land leben, in dem Lucke ungestört alle seine Vorlesungen halten kann, in dem man aber staatlicherseits darauf verzichtet, Massenmörder mit einem Ozean von Blut an den Händen zu ehren, und wo man stattdessen lieber die Rolle des eigenen Staates im Zusammenhang mit Verbrechen schonungslos aufklärt – als in einem Land, wo das alles genau umgekehrt abläuft…

  168. LLL, die Medienkritik, mit der sich diese Seite befasst, bedeutet nun einmal, Werte und Maßstäbe auf das einzelne Medienerzeugnis anzuwenden. Den Medien ganz allgemein vorzuhalten, was sie alles nicht machen, erscheint mir jedenfalls hier, auf einer Medienkritikseite, deplatziert (aber auch sonst zu wohlfeil, schließlich hat heute jeder die Möglichkeit, selbst einen medialen Beitrag zu produzieren). Im Übrigen plädiert der Ausgangsbeitrag ja nun gerade dafür, den Lücke-Vorgang nicht zu überdramatisieren/skandalisieren.

  169. @LLL: Da sind wir uns doch vollkommen einig – Neoklassik in der VWL ist zwar absoluter Mainstream, aber in großen Teilen auch wissenschaftlicher Humbug, der mehr auf Wunschdenken als auf Empirie fußt. Allein dagegen haben Studierende auch schon früher protestiert und eigene Seminare und Vorlesungsreihen ins Leben gerufen. Könnten sie hier auch wieder machen, finde ich.

  170. @164: Die Tatsache, dass Sie sich über Anfeindungen beschweren (können) belegt letztlich nur, dass hier Meinungsfreiheit herrscht.

  171. LLL:

    „Und doch: Offenbar gibt es keinen großen Protest, der die Regierung zwingen würde, ihren Kurs des Totschweigens zu ändern. “

    Tja … was hindert Sie, den Protest zu organisieren? Ist sicher effektiv, als lange Riemen fürs Internet zu verfassen. Das ist hier eine Demokratie, da dürfen Sie das.

    Wohlfeil, wenn Sie den Begriff schon anwenden, ist es, ein Übel mit einem (vermeintlichen oder auch nicht) größeren Übel zu vergleichen und dann zu sagen, dass es relativ dazu gar nicht so schlimm sei. Das ist Biedermeiers Bequemlichkeit. Interessant auch, dass Ihnen dazu Peter Urbach einfällt, nicht etwa der NSU.

    Wohlfeil ist auch, dass Sie sich beschweren, dass die Zusammenhänge VS/ RAF kaum thematisiert würden: das wurden sie, zuletzt 2018, dem „Jubiläumsjahr“ (ein unpassendes Wort).

    Nur kann man eben nicht jedes Thema dauerhaft durchhecheln (und das ist eine rein pragmatische Aussage, kein Werturteil). Wenn Sie also sagen

    „Ich möchte nur darauf hinweisen, dass wir manchmal in unserer selbstgerechten „Anständigkeit“ vielleicht ein wenig die Maßstäbe aus den Augen verlieren.“

    dann sind Sie selber es, der den Maßstab verliert, indem er beliebige Dinge gegeneinander stellt und so tut, als stünden die in Relation zueinander.

  172. @ Stefan Pannor #209
    „Wohlfeil ist auch, dass Sie sich beschweren, dass die Zusammenhänge VS/ RAF kaum thematisiert würden: das wurden sie, zuletzt 2018.“
    2017 war das Jubiläumsjahr. Und es stimmt, dass folgenloses Belabern erlaubt ist, sogar erwünscht.
    Das ändert nur nichts daran, dass mit Ausnahme des Mordfalls Ponto bei keinem RAF-Mord die persönliche Täterschaft wirklich geklärt ist. Da trifft es sich doch ganz gut, dass rechtzeitig eine summarische Bestrafung von Tätergruppen bei Terrorverbrechen ins Gesetz geschrieben worden war. Das sind eben diese kleinen Fügungen.
    „Was hindert Sie, den Protest zu organisieren?“
    Wohlfeil ist ein goldener Aluhut für jeden, der sich eines solchen Themas ernsthaft annimmt. Und es wäre keine Überraschung, wenn Sie oder Mike den Preis überreichen.

  173. Mit der Zahl haben Sie recht, aber thematisiert wurde es (mindestens) zuletzt 2018 von der Deutschen Welle. MWn nicht Träger des Goldenen Aluhuts, auch nicht nominiert.

    Insofern: geht die dauernde Opferrolle, dies oder jenes nicht sagen oder tun zu dürfen (während man in Wirklichkeit shclicht zu faul, zu feige oder zu doof dafür ist) nicht irgendwann auf den Nacken?

  174. @LLL

    Mit Kritik an der CSU rennen Sie bei mir offene Türen ein. Hat die CSU nicht auch mit dem Sozialamt der Welt plakatiert? Plus Obergrenze, Maut, Überwachungsstaat etc. Meiner Meinung nach ist die richtige Schlussfolgerung aber nicht, Kritik an Lucke zu relativieren, sondern im Gegenteil bei gegenwärtigen und zukünftigen faschistoiden Verlautbarungen aus der CSU ebenso zu protestieren. Das geht auch noch weiter, es sind ja nicht nur CSU-Politiker, BILD-Redakteure und andere Personen vom demokratischen rechten Rand, die mit eigenen politischen Forderungen die AfD vor- oder nachmachen. Waffenlieferungen in Kriegsgebiete, Frontex und die Deals mit der Türkei oder Nordafrika verdanken wir ja wohl kaum der AfD, sondern der „demokratischen Mitte“, und dennoch sind das alles nationalistische Maßnahmen, mit denen der Tod von Ausländern bewusst in Kauf genommen wird.

  175. @ Vannay:

    Es scheint mir eben durchaus manchmal so zu sein, dass manche Sachen (auch von den Medien, wenn auch nicht alleine) hochgejubelt und skandalisiert werden – egal, ob das jetzt die Lucke-Vorlesung selbst ist oder die Proteste gegen sie. Andere Ereignisse, die jedenfalls m.E.
    relevant und brisant sind, werden hingegen wenig erwähnt. Medien haben nach wie vor eine wichtige Aufgabe, die durch private Blogs nicht ersetzt werden kann. Wenn Medien – wie ich das glaube – hier oftmals Verzerrungen unterliegen, dann ist das aus meiner Sicht problematisch.

    @ MR RE:

    Es gibt ja diese Forderungen nach mehr Pluralität in der Lehre in der Ökonomie. Ich würde hoffen, dass das was bringt, denn bisher scheint der Erfolg begrenzt zu sein.

    @ Stefan Pannor:

    „Tja … was hindert Sie, den Protest zu organisieren?“

    Wirkungsvollen Protest zu organisieren ist – je nach Thema und genauen Umständen – nicht so einfach. M.E. wäre es primär die Aufgabe von Medien, durch Berichterstattung und Kommentierung öffentlichen Druck zu erzeugen.

    „Wohlfeil, wenn Sie den Begriff schon anwenden, ist es, ein Übel mit einem (vermeintlichen oder auch nicht) größeren Übel zu vergleichen und dann zu sagen, dass es relativ dazu gar nicht so schlimm sei.“

    Wieso denn? Dinge in Relation zu setzen ist doch erst mal absolut legitim. Es geht hier ja nicht darum, ein Thema einfach „abzuwürgen“. Das Thema wurde lang und breit diskutiert, und ich selbst habe mich an der Diskussion beteiligt. Sondern es ging darum nebenbei mal eine Meta-Perspektive einzunehmen.

    Und der NSU wäre natürlich auch ein interessantes Thema. Es gibt zwar auch da die Theorie, dass staatliche Stellen den Terror begünstigt haben müssen; es ist m.W. nicht so eindeutig bewiesen wie im Fall der RAF-Vorgänger. Auch gibt es in diesem Fall wenigstens Aufklärungsbemühungen (z.B. Untersuchungsausschüsse). Zudem habe ich den Eindruck, dass beim NSU mehr (auch staats)kritisch berichtet wird als im Hinblick auf die Rolle des Staates bei der RAF.

    Trotzdem haben Sie recht: Auch da könnten die Medien sicherlich weit mehr kritischen Druck aufbauen (etwa wenn Akten für über 100 Jahre geschlossen werden sollen).

    Dass die Zusammenhänge zwischen Staat und RAF kaum thematisiert werden, habe ich so nicht behauptet. Es wird m.E. aber viel zu wenig öffentlicher Druck (auch durch die Medien) aufgebaut, dass diese Sachen endlich aufgeklärt werden.
    Abgesehen davon: So wahnsinnig viel berichtet wurde nach meinem Eindruck auch nicht. Wenn ich etwa ‚Peter Urbach‘ und ‚RAF‘ in die Google-News-Suche eingebe, dann werden nur sehr wenige (passende) Treffer bei (klassischen) Medien angezeigt. Dasselbe gilt für die normale Google-Suche. Für ein Thema, das (anders als Lucke) an die Grundsubstanz der Rechtssaatlichkeit geht, bei dem der Verdacht im Raum steht, dass der Staat seine Gegner mit Absicht in Gewalt und Terror getrieben hat, um sie besser bekämpfen zu können, ist das recht wenig.

    „…dann sind Sie selber es, der den Maßstab verliert, indem er beliebige Dinge gegeneinander stellt und so tut, als stünden die in Relation zueinander.“

    Ob zwei Ereignisse in direkter Relation zueinander stehen, ist im Sinne der Medienkritik nicht zwingend entscheidend. Wesentlicher ist in diesem Zusammenhang, dass beide Ereignisse (potentielle) Elemente der Medienwirklichkeit sind. Dies allein kann Vergleiche sinnvoll machen – etwa den, wieviel Aufmerksamkeit die Ereignisse angesichts ihrer jeweiligen Relevanz bekommen.

    Wenn etwa ein SPD-Politiker Bürgermeister einer Kleinstadt wird und der US-amerikanische Präsident ermordet wird, dann mögen beide Ereignisse in keinerlei „intrinsischer“ relevanter Beziehung zueinander stehen. Würden die Medien aber nur ganz kurz von der Ermordung des amerikanischen Präsidenten berichten, lang und breit auf S. 1 aber über die Wahl des SPD-Mannes, dann wäre dies dennoch (ceteris paribus) ein krasses Missverhältnis der medialen Aufmerksamkeit, welches kritikwürdig wäre.

    Klar, das Beispiel ist besonders offensichtlich und eklatant; aber es geht mir hier um das Grundsätzliche: Dass man durchaus (kritisch) vergleichen kann, wie Medien bestimmte Themen jeweils behandeln, selbst wenn diese Themen keinen „inhärenten“ Bezug zueinander haben.

    @ ErwinZK:

    „Meiner Meinung nach ist die richtige Schlussfolgerung aber nicht, Kritik an Lucke zu relativieren, sondern im Gegenteil bei gegenwärtigen und zukünftigen faschistoiden Verlautbarungen aus der CSU ebenso zu protestieren.“

    Das kann man durchaus so sehen. Nach meinem Eindruck gehen die Medien aber mit anderen Maßstäben an die CSU und die AfD heran – das heißt sie behandeln ähnlich Kritikwürdiges nicht ähnlich kritisch. Und ich glaube wie gesagt, dass dies damit zu tun hat, dass die CSU eine etablierte „staatstragende“ Partei ist.

    Leider finde ich es nicht mehr: Aber wenn ich mich richtig erinnere, hatte irgendwo ein großes Medium (war es die Süddeutsche?) sinngemäß geschrieben, dass der Journalismus „staatstragend“ sein solle. Damit ist wohl nicht gemeint, dass der reale Staat am idealen gemessen und ggf. schonungslos kritisiert werden soll. Gemeint ist wohl eher eine gewisse Nähe zum „real existierenden“ Staat – und die dürfte sich eben auch darin zeigen, dass beispielsweise über etablierte, „staatstragende“ Parteien nicht extrem kritisch berichtet wird, nicht in einer Weise, die sie ethisch grundsätzlich infragestellen könnte.
    Und darin, dass Themen, die das „Vertrauen in den Rechtssaat“ ganz grundlegend erschüttern und den Staat fundamental delegitimieren könnten, nicht unbedingt gerade die Lieblingsthemen der Medien sind.

    (Marcus Klöckner („Sabotierte Wirklichkeit“) macht dazu diesen Punkt im Zusammenhang mit einer wichtigen Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes zum Anschlag auf das Oktoberfest, über die im Verhältnis zu Unwichtigem wenige berichtet wurde:
    „Anders gesagt: Ein Fall wie das Oktoberfestattentat, bei der der Verdacht einer wie auch immer gearteten Verstrickung des Staates im Raum steht, scheinen Träger des besprochenen Habitus [gemeint sind Journalisten] mit einem großen Unbehagen zu begegnen. […] Locker-leichte Artikel wie die über ein ’schwangeres Model‘ oder politisch unbedenkliche Berichte […] sind sicheres Terrain, auf dem nicht verlangt wird, den Blick auf eine heterodoxe Erfassung der Wirklichkeit zu richten.“)

  176. „Wirkungsvollen Protest zu organisieren ist – je nach Thema und genauen Umständen – nicht so einfach. M.E. wäre es primär die Aufgabe von Medien, durch Berichterstattung und Kommentierung öffentlichen Druck zu erzeugen. “

    Irgendwas ist ja immer. Hauptsache, man muss den Hintern nicht vom Online-Gerät wegbewegen. Es ist nicht so einfach, jammer jammer. Ist es manchmal tatsächlich nicht. Na und?

    Sorry, aber das ist eine faulefaulefaule Ausrede, um im Netz lange Vorträge halten zu können, aber in real nicht dafür einzustehen, was man so von sich gibt. Sie outen sich damit als klassischer Sesselrevoluzzer, Sesselfußballtrainer. Heiße Luft, nichts dahinter.

  177. @ Stefan Pannor:

    „Irgendwas ist ja immer. Hauptsache, man muss den Hintern nicht vom Online-Gerät wegbewegen. Es ist nicht so einfach, jammer jammer. Ist es manchmal tatsächlich nicht. Na und?“

    Meinen Sie, Leute hätten kein moralisches Recht darauf, ein ihrer Meinung nach zu geringes Medieninteresse an einem Thema zu kritisieren, solange sie nicht selbst einen Protestmarsch oder eine Demo zu diesem Thema organisiert haben?

    Damit würde Medienkritik weithin delegitimiert, und zwar vollkommen unabhängig von ihrer sachlichen Berechtigung. Kaum jemand wäre dann noch moralisch dazu „berufen“, ein bestimmtes Medienverhalten (etwa hier in den Kommentaren auf Übermedien) zu kritisieren, oder gar noch mehrere Fälle von problematischem Medienverhalten.

    Mit demselben Argument könnte man im Übrigen jedem (auch jedem Journalisten), der eine bestimmte Politik kritisiert, bescheiden, er solle erst mal selbst in die Politik gehen oder jedenfalls politische Demonstrationen organisieren, bevor er einen Kommentar oder Leserbrief oder gar einen kritischen Artikel schreibt. Nach dem Motto: ‚Mach’s Du erst mal besser. ‚
    Dasselbe gälte dann für die Wirtschaft oder generell.

    Im Übrigen: Selbst wenn ein Kritiker tatsächlich das gebotene persönliche Engagement vermissen lassen würde und daher selbst Kritik verdienen würde, könnte seine Kritik in der Sache immer noch berechtigt sein.

    Tatsächlich wird man einem Kritiker im Allgemeinen aber nur dann eine Vorhaltung machen können, wenn er genauso in der Pflicht wäre wie die von ihm Kritisierten. Es ist schön, wenn Lieschen Müller zehn Leute zusammentrommelt, um ein eklatantes Versagen der Politik zu kritisieren; das ändert aber nichts daran, dass es doch wohl primär Aufgabe der Medien ist, ein eklatantes Versagen der Politik anzuprangern.

  178. „Meinen Sie, Leute hätten kein moralisches Recht darauf, ein ihrer Meinung nach zu geringes Medieninteresse an einem Thema zu kritisieren, solange sie nicht selbst einen Protestmarsch oder eine Demo zu diesem Thema organisiert haben?“

    Doch, natürlich haben sie das. Das war und ist nicht der Punkt.

    1. ist das keine rechtliche, sondern eine ethische Frage, die rechtliche Dimension ist durch das GG, das Hausrecht hier und die Gesetze zum Internet in Deutschland abgedeckt,

    ABER

    2. geht es darum, dass dieses „die anderen sollen doch machen“ rein ethisch ein Armutszeugnis ist.

    Klar kann und soll und darf man kritisieren, bevorzugt sachlich. Aber wenn’s zu einem ceterum censeo wird, dann wirds halt irgendwas zwischen lächerlich, peinlich und lästig. Sich damit rauszreden, dass man nichts macht, weils halt die anderen machen sollen, ist kein schwaches Argument, es ist gar kein Argument, es ist eine Ausrede.

    Ansonsten, Sie wissen schon, Erich Kästner und Gutes und so.

  179. Heute hat Luckes Vorlesung im 3. Versuch stattgefunden, unter starkem Polizeischutz:
    „Die Wissenschaftsbehörde hatte per Dienstanweisung darauf bestanden, dass die Vorlesung stattfinden soll. Ein Angebot der Universität, eine Online-Vorlesung zu halten, hatte Lucke nach Angaben des Hamburger Senats abgelehnt. Laut Hochschule sind rund 300 Studierende für die Vorlesung angemeldet – sie ist eine Pflichtveranstaltung für das Studienfach Volkswirtschaft.
    Inzwischen hat die Universität eine zusätzliche Lehrveranstaltung für Makroökonomik II ab der kommenden Woche angekündigt, damit die Studierenden frei wählen können, ob sie bei Lucke angemeldet bleiben wollen oder nicht“
    Hält es die Uni selbst ebenfalls für eine Zumutung, bei Lucke eine Pflichtvorlesung hören zu müssen? Zumindest beim NDR liest sich das ein wenig so.
    Frei wählen zu können, ist ja eine feine Sache, aber mutmaßlich werden nicht alle Vorlesungen an der Uni HH doppelt angeboten, damit das immer so ist.

  180. @ Stefan Pannor:

    Dass die Medien zu wenig tun, um den Staat zu drängen, sein mögliches Involviertsein in Terroranschläge kritisch und transparent aufzuarbeiten, ist aber nun nicht unbedingt ein „Ceterum censeo“ bei mir.
    Abgesehen davon, dass ich die Punkte aus meinem letzten Beitrag nach wie vor valide finde.

  181. Ja, innerhalb sehr enger Grenzen sind sie auch valide: innerhalb der Grenzen von „die anderen solln mal machen“. Ich teile das Bezugssystem Ihrer Logik in diesem Fall schlicht nicht, da ich der Überzeugung bin, dass Demokratie vom Mitmachen lebt, nicht vom Mitmeckern. Ihr Bezugssystem ist zu eng, ganz auf Sie bezogen, solipsistisch.

    Und ich fand und finde es beispielhaft, wie Sie sehr reflexhaft jede Idee, selbst zum Akteur zu werden, aus dem Schutz der Anonymität von sich weisen.

    Und nein, ihr ceterum censeo ist natürlich Krüger/ Teusch. Ich habe hier nur beispielhaft argumentiert, und ich find meine Punkte verblüffend valide. ;-)

  182. @ Stefan Pannor:

    Wie ich schon schrieb, würde sich Folgendes aus Ihrer Argumentation ergeben:

    „Damit würde Medienkritik weithin delegitimiert, und zwar vollkommen unabhängig von ihrer sachlichen Berechtigung. Kaum jemand wäre dann noch moralisch dazu ‚berufen‘, ein bestimmtes Medienverhalten (etwa hier in den Kommentaren auf Übermedien) zu kritisieren, oder gar noch mehrere Fälle von problematischem Medienverhalten.“

    Und ich selbst wäre dann wohl auch nur einer von vielen Adressaten (hier auf Übermedien oder überhaupt), an die sich Ihre Kritik richten sollte. Ob Sie selbst ebenfalls unter Ihre eigene Kritik fallen, wissen nur Sie; aber die meisten Leute hier, die Medien oder Politik kritisiert haben, haben vermutlich noch keine thematisch zugehörigen Demos organisiert.

    Die Bücher von Krüger und Teusch finde ich in der Tat in vielen Punkten inhaltlich überzeugend. Ich verweise dort auf sie, wo ich dies sachlich für sinnvoll halte. (Immerhin ist dies ja ein medienkritisches Blog und die Bücher, auf die ich mich beziehe, sind medienkritisch.) Man kann das auch positiv sehen: Ich gehöre damit zu jenen, die ihre Thesen mit Beleg-Quellen stützen.

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