So schamlos wird Michael Schumacher ausgenutzt!

Ende des Jahres soll eine Dokumentation über Michael Schumacher ins Kino kommen. Mit Aufnahmen aus dem Privatarchiv und Interviews mit der Familie und Weggefährten widmet sich der Film den Höhepunkten der Karriere des Rennfahrers.

Oder wie es „Das neue Blatt“ aus dem Heinrich-Bauer-Verlag formuliert:

„‚Ganz schlimm finde ich das'“, zitiert das Blatt eine „erboste Stimme im Internet“: Sein Schicksal werde „schamlos ausgenutzt“, er sei eine „am Leben erhaltene Geld-Druckmaschine. Solange er lebt, rollt der Rubel“.

„Die Familie sollte sich schämen, diese Profit-Geilheit ist doch erbärmlich!“

Die traurige Ironie ist ihnen vermutlich nicht mal aufgefallen beim „Neuen Blatt“, das seit Jahren regelmäßig so aussieht:

Um einen kurzen Einblick zu geben, worum es da so geht:

Als Schumachers Tochter nach einem Reitturnier mit ihrem Handy telefonierte, titelte „Das neue Blatt“: „Sensationelles Telefongespräch – Er nimmt wieder am Leben teil“. Denn, so die Beweisführung: „Wen hat das junge Mädchen angerufen, wenn nicht den eigenen Vater, der leider nicht anwesend sein konnte?“

Als ein Arzt, der Schumacher eine Zeitlang im Krankenhaus in Lausanne behandelt hatte, beruflich nach London ging, titelte „Das neue Blatt“: „Dramatische Entwicklung in Lausanne – Sein Arzt gibt auf!“

Als „Das neue Blatt“ verkündete: „Bewegende Video-Botschaft aufgetaucht: Michael Schumacher – Er spricht!“

… ging es in Wahrheit um ein altes Interview, das vor seinem Unfall aufgezeichnet wurde.

Im E-Paper wurden diese (und viele weitere) Schlagzeilen inzwischen geschwärzt:

Schumachers Familie geht immer wieder juristisch gegen solche Artikel vor, erst neulich gab es wieder ein Urteil vor dem Landgericht Frankfurt. Die Zeitschrift „Die Zwei“ hatte (wie viele andere Medien) darüber geschrieben, dass Erzbischof Georg Gänswein vor zwei Jahren bei Schumacher zu Besuch war. Nachdem der Erzbischof der „Bunten“ und der „Bild“-Zeitung offenherzig davon erzählt hatte, sahen sich viele Zeitschriften zu Schlagzeilen veranlasst wie „So geht es Schumi wirklich“ oder „Sensationelle Schicksals-Wende“ oder „Kann der Papst ein Wunder bewirken?“

Gegen einige Artikel ging Schumachers Anwalt vor, im Fall von „Die Zwei“ bestätigte das Landgericht Frankfurt im vergangenen Monat eine einstweilige Verfügung. Es ging um die Frage,

ob die Medien eine Angelegenheit von öffentlichem Interesse ernsthaft und sachbezogen erörtern bzw. den Informationsanspruch des Publikums erfüllen und damit zur Bildung der öffentlichen Meinung beitragen oder ob sie lediglich die Neugier der Leser nach privaten Angelegenheiten Prominenter befriedigen.

Das Landgericht kam zu den Schluss, dass „die enthaltenen Darstellungen nur eine geringe Informationstiefe haben“. Der Besuch sei privat gewesen und habe nichts mit Schumachers früheren Tätigkeit als Rennfahrer zu tun. Die Berichterstattung stelle einen rechtswidrigen Eingriff in seine Privatsphäre dar.

Oder anders formuliert:

7 Kommentare

  1. Die Formulierung „am Leben erhaltene Gelddruckmaschine“ finde ich besonders mies – als ob Familie Schumacher Michael deshalb pflegt. Ist ja nur „eine Stimme aus dem“ I-Net, die da zitiert wird, aber trotzdem.
    (Und man hat auch schon Dokus über Tote gedreht. Man muss also nicht am Leben sein, um Gegenstand einer Doku zu werden.)

  2. „am Leben erhaltene Geld-Druckmaschine“ – Das ist an Boshaftigkeit kaum noch zu toppen, da schüttelt es einen.

  3. dass dieses widerliche Schmierfinkengesindel bei Worten wie „am Leben erhaltene Gelddruckmaschine“, „Jetzt kommen alle Lügen ans Licht“ oder „Sein Schicksal werde schamlos ausgenutzt“, nicht die leisesten Skrupel empfunden haben muss, zeigt nur, welch abgrundtief niederträchtige, skrupellose Typen da am Werk sind.
    Ekelhaft!
    Und sowas nennt sich „Journalisten“. Diese Typen sind eine Schande für den Berufsstand.

  4. Nennt mich altmodisch, aber was ist das denn für ein Geistlicher, der nach dem Besuch „offenherzig“ der Knallpresse davon erzählt? Ich dachte, dieser Berufsstand würde es mehr mit Integrität und Vertraulichkeit halten wollen, um ein vertrauensvolles Verhältnis im Rahmen seelsorgerischer Tätigkeit nicht zu gefährden. Da hab ich mich wohl geirrt.

  5. Machen wir uns nichts vor: Jeder der beim Unfall stehen bleibt und gafft oder auf der Gegenspur der Autobahn langsamer Fährt und gafft ( um nur 2 Beispiele zu nennen) ist nicht besser als diese Schmierfinken und deren Leser. Warum wohl existieren diese Blätter noch?

  6. Wie groß wohl die Schnittmenge von „Das Neue Blatt“-Leser und „Übermedien“-Leser ist..?
    (könnte hier auch mal recherchiert werden…)

Einen Kommentar schreiben

Mit dem Absenden stimmen Sie zu, dass Ihre Angaben gemäß unseren Datenschutzhinweisen gespeichert werden. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.