Die falsche Geschichte vom Hilfsgüter-Konvoi, den Maduro anzünden ließ

Als die venezolanische Opposition vor vier Wochen Hilfsgüter über die Grenze ins Land bringen wollte, schreckten die Machthaber nicht einmal davor zurück, einen Konvoi mit Lebensmitteln und Medizin in Brand zu setzen. Das war nur ein Detail in einem eskalierenden blutigen Konflikt, aber es wurde zu einem mächtigen Symbol für die Perversität des Maduro-Regimes. Und zu einem gewichtigen Argument für eine militärische Intervention durch die Vereinigten Staaten.

Nur war es offenbar gar nicht so. Der Konvoi auf einer Grenzbrücke zwischen Kolumbien und Venezuela wurde allem Anschein nach nicht von Maduros Leuten in Brand gesteckt, sondern durch einen Molotow-Cocktail, den ein oppositioneller Demonstrant in Richtung der Regierungstruppen warf.

Das zeigt eine Rekonstruktion der Vorgänge aufgrund von Video-Aufnahmen, die die „New York Times“ vor zwei Wochen veröffentlicht hat. Blogger und alternative Medien hatten bereits vorher entsprechende Hinweise veröffentlicht. Die Masse der etablierten Medien in Deutschland aber hat diesen Erkenntnissen, die ihrer Berichterstattung widersprechen, bis heute keine Aufmerksamkeit geschenkt.

Die Behauptung, dass Maduro den Konvoi anzünden ließ, geht auf einen venezolanischen Reporter zurück. Sie wurde schon wenige Minuten nach dem Vorfall von führenden amerikanischen Politikern verbreitet und entsprechend kommentiert.

Führende deutsche Medien übernahmen diese Darstellung. Zum Beispiel die „Tagesschau“. Die Korrespondentin der ARD vor Ort, Xenia Böttcher, wiederholte die Behauptung, dass Maduros Leute die Lastwagen in Brand setzten, immer wieder in ihren Berichten. Mal war es das Militär, mal die Polizei, mal unbestimmte Anhänger.

In der 9-Uhr-„Tagesschau“ am 24. Februar:

Am frühen Nachmittag verbrennt das venezolanische Militär drei Transporter mit Lebensmitteln und Medikamenten an einem Grenzübergang.

In der 12-Uhr-„Tagesschau“ am 25. Februar:

Am Samstag zünden venezolanische Militärs LKW mit Lebensmitteln und Medikamenten an. Hilfsgüter verbrennen.

Am 25. Februar um 13 Uhr:

Die Polizei steckt die LKW mit Lebensmitteln und Medikamenten in Brand.

[Demonstrant:] „Die Feiglinge haben sie lieber verbrannt, als zuzulassen, dass sie in ein Krankenhaus kommen.“

In den „Tagesthemen“ desselben Tages:

Drei der Lastwagen gingen in Flammen auf, als Maduro-Anhänger sie angriffen.

Mehrmals stellten die Korrespondentin oder ihre Gesprächspartner einen Zusammenhang zum Thema einer möglichen Intervention her. In einem Schaltgespräch im ARD-„Mittagsmagazin“ erläuterte Böttcher:

Aber man kann natürlich auch jetzt sagen, die Welt hat gesehen, Hilfsmittel brennen, es gibt Tote, das heißt, es gibt jetzt eine legitimen Grund um weitere Sanktionen einzuführen oder vielleicht sogar eine militärische Intervention.

Der „Spiegel Online“-Korrespondent meldete als Tatsache:

Kurz danach gehen drei von vier Lkw mit Hilfsgütern auf der Grenzbrücke in Flammen auf. Einheiten der venezolanischen Polizei setzen die Anhänger in Brand, der Rauch ist in ganz Cúcuta zu sehen. Medikamente, Nahrungsmittel und Hygieneartikel im Wert von Tausenden Euro verbrennen.

Agenturen, Leitmedien, Ronzheimer

Auch die Nachrichtenagenturen verbreiteten diese Version. Der Evangelische Pressedienst (epd) meldete:

Drei Lastwagen, die von Kolumbien die Grenze passiert hatten, wurden im venezolanischen Ureña von Maduro-treuen Sicherheitskräften angezündet.

AFP:

Auf der Santander-Brücke in Ureña wurden zwei Lastwagen von Maduros Truppen angezündet.

Associated Press (AP) formulierte es etwas vorsichtiger:

Zu einem dramatischen Höhepunkt bei der Konfrontation kam es, als Aktivisten unter Führung von venezolanischen Exil-Abgeordneten drei beladene Tieflader an einem Grenzposten ins Landesinnere bringen konnten, jedoch von Sicherheitskräften zurückgedrängt wurden. Die Fracht fing Feuer. Einige Augenzeugen berichteten, Nationalgardisten hätten eine Plane, die die Kisten mit den Gütern bedeckte, mit Benzin übergossen und in Brand gesteckt.

Auch dpa erweckte den Eindruck, dass venezolanische Sicherheitskräfte den Brand der Lastwagen verursachten. Ähnlich war es im ZDF, bei „Bild“, „Süddeutscher Zeitung“, „Frankfurter Rundschau“ , „Welt“ und vielen anderen.

Und so steht es da unkorrigiert bis heute.

Paul Ronzheimer, ein Chefreporter der „Bild“-Zeitung, machte die angebliche Verbrennung von Hilfsgütern durch das Maduro-Regime zum zentralen Punkt eines „Bild“-Leitartikels:

Wer ist das Propagandamedium?

Der Journalist Glenn Greenwald hat dokumentiert, wie amerikanische Medien die falsche Geschichte verbreiteten. Der Nachrichtensender CNN behauptete sogar, dass seine eigenen Leute gesehen hätten, wie die Lastwagen durch Brandgeräte der Polizei in Flammen aufgingen – und wollte sich nur nicht festlegen, ob das mit Absicht geschah.

Greenwald zeigt auch im Detail, wie früh alternative Medien diesen Behauptungen widersprachen, und er weist auf die Ironie hin, dass es nicht zuletzt der russische Staats- und Propagandasender RT war, das die falschen Behauptungen auf der Grundlage von Videomaterial widerlegte.

Greenwald stellt die bittere Frage:

Wer hat hier wie lügende Propagandisten und Staatsfernsehen-Agenten gehandelt und wer wie ein Journalist, der versucht, die Wahrheit zu verstehen und zu berichten?

Leser des von „Bild“ als „Feindsender“ bezeichneten RT waren in diesem Fall besser informiert als das Publikum der etablierten Medien. Man kann das natürlich damit abtun, dass die Korrektur der Falschmeldung über Maduro auch im Interesse der russischen Regierung war, die ein Verbündeter des Regimes ist. Das ändert aber nichts daran, dass die etablierten Medien in diesem Fall die falsche Version verbreitet haben, die der amerikanischen Propaganda in diesem Konflikt diente. Und nicht einmal die Recherche der „New York Times“ hat dafür gesorgt, dass die deutschen Medien sich korrigierten.

Ist das ein bedauerlicher Fehler oder ein systematisches Versagen? Ist es einfach zu verführerisch und naheliegend, den für viele Grausamkeiten verantwortlichen Machthaber Maduro für jede Untat verantwortlich zu machen? Ist es Ausdruck einer bewussten oder unbewussten Parteilichkeit in diesem Konflikt?

Bestenfalls ist es Schlampigkeit und Blauäugigkeit, die dazu führte, sich eine – wie sich herausstellte: falsche – Version der Vorfälle zu eigen zu machen. Und das, obwohl die Kommentierungen der Journalisten zeigen, dass ihnen bewusst war, welche Symbolkraft diese Szene hatte, nicht zuletzt zur Legitimation eines möglichen Eingreifens der USA. Es mangelt eigentlich nicht an warnenden Beispielen, wenn Journalisten in solch entscheidenden Situationen zu Kriegstrommlern werden.

„Tagesschau“-Chef Kai Gniffke hat auf Anfrage von Übermedien angekündigt, die Vorwürfe gründlich zu prüfen. Nach Abschluss der Recherche werde die Redaktion dazu einen Artikel veröffentlichen.

Nachtrag, 23. März. Auf ihrer „Faktenfinder“-Seite hat die „Tagesschau“ jetzt dokumentiert, auf welchen Informationen ihre Berichterstattung beruhte. Mehrere Augenzeugen blieben auf Nachfrage der ARD bei ihrer Darstellung, dass das Feuer durch Tränengaskartuschen ausgelöst wurde, die von Regierungsseite abgefeuert wurden. Fazit der Redaktion:

Mit dem Wissen von heute lässt sich der tatsächliche Ablauf nicht exakt rekonstruieren. Zumindest sind Zweifel angebracht. Genau deshalb hätte die tagesschau wesentlich vorsichtiger texten sollen und nicht eine der möglichen Versionen als Gewissheit darstellen sollen.

56 Kommentare

  1. Nach meiner Erinnerung wollten die Maduro-Gegner Hilfsgüter nach Venezuela bringen. Sie hofften vergeblich, das Militär werde sich auf ihre Seite schlagen. Allgemein wurde die Aktion in unseren Medien als Schlappe der Regime-Gegner dargestellt. Diese Einzelheit ändert an dem gesamten Konflikt nichts. Wenn dieser einzelne Vorfall anders war, als damals dargestellt, so kann man es gerne korrigieren. Aber der empörte Unterton ist fehl am Platze. Es ist kein Skandal, sondern eine Petitesse.
    Der eigentliche Skandal ist die Unterdrückung großer Teile des Volkes in Venezuela durch Maduro und seine scheinsozialistische Militärclique. Die Großmachtinteressen von Russland und China auf der einen Seite und der USA auf der anderen Seite sind leider traurige Realität. Als Schiedsrichter fällt EU-Europa leider aus, denn es ist militärisch ein Zwerg.

  2. Oder, mit anderen Worten:
    Natürlich müssen wir Fakenews-Propaganda mit allen Mitteln bekämpfen. Aber doch nicht die eigene!

    Vermeintliche Ähnlichkeiten zu bedauerlichen Fehlern in der Berichterstattung rund um den Maidan sind natürlich rein zufällig.

    Da bin ich gespannt aufs Gniffke-Bingo: Was wird es diesmal?
    Alle haben es geschrieben, also musste es doch stimmen?
    Unsere Redaktionen bemühen sich doch unter schwerster Belastung bis an den Rand der Selbstaufopferung, was will man denn noch? Oder…?

    (Ist das eigentlich die gleiche angeblich frisch blockierte Grenzbrücke, die in Wahrheit noch nie eröffnet worden war?)

  3. @ YONG MEIER

    Sie meinen also, Medien mit gesetzlichem Auftrag und andere mit sogenannten Kodizes müssten lügen, um es einem „Unterdrücker mit seiner scheinsozialistischen Militärclique“ so richtig zu geben? Aufgewachte Mediennutzer haben bereits vor drei Wochen auf diese „FakeNews“ hingewiesen und wurden dafür von sogenannten Qualitätsjournalisten als Trolle verunglimpft. Was Sie Petitesse nennen ist ein Skandal, der einem vermeintlichen Gegner in die Hände spielt und das Vertrauen in die Medien weiterhin untergräbt, weil da vor allem eins immer sichtbarer wird: Aktivistentum, Interessenpolitik, Kriegstrommelei an der Heimatfront und vor Allem mangelnder Anstand. Herrn Niggemeier gebührt für diesen aufklärerischen Artikel Respekt und Anerkennung.

  4. Klasse Recherche!!!
    Es ist anstrengend jeden Bericht – egal in welchem Medium man liest – auf die Goldwaage legen zu müssen, weil sie permanent mit den adjektiven „…links grün versifft…“, „..propaganda..“, „…rechts populistisch“….versehen werden und sich Meinung und Reportage nur schwer auseinanderhalten lassen.

  5. Mein Dank an Herrn Niggemeier, dass das Thema hier auf Übermedien aufgegriffen wird. Über die Reaktion von Herrn Gniffke könnte man bass erstaunt sein, wäre man das von ihm nicht leider längst gewöhnt. Der Bericht der NYT ist vom 10. März, und Herr Gniffke kündigt jetzt (!), auf Nachfrage von Übermedien (!!) an, die „Vorwürfe gründlich zu prüfen“.

    Man kann, sollte Herr Gniffke den SWR-Intendantenposten ergattern, nur hoffen, dass man beim NDR einen Nachfolger findet (und finden will), der sich als Journalist versteht.

  6. #2 Symboltroll:

    Da haben Sie die Antwort des „Faktenfinders“, es ist Nummer 1: viele andere haben es auch so geschrieben ;-)

    Nun ja. Mit diesem Textschwulst, in dem die eigene journalistische Fehlleistung mehr versteckt als ausgesprochen wird, hält der „Faktenfinder“ jedenfalls sein Niveau.

    „Mehrere Augenzeugen blieben auf Nachfrage der ARD bei ihrer Darstellung“. Augenzeugen sagen unterschiedliche Dinge, und manche bleiben bei ihren Darstellungen, komme was wolle. Ja, wer hätte das bloß gedacht?

  7. Das ist ein echter Hammer! Immerhin hat der faktenfinder der ARD eure Meldung nun zum Anlass für Selbstkritik genommen. Nur leider wird die tagesschau wohl keine Richtigstellung senden. Das ist eine Schande.

  8. Also nach dem Lesen des Artikels der New York Times, bleibt eigentlich nur, der Kritik der „Tagesschau“ zuzustimmen: Man hätte nicht eine mögliche Version als Gewissheit darstellen sollen. Aber alles andere ist auch Spekulation. Die NYT schreibt z.B. das gesichtete, unveröffentlichte Video-Material „suggests that a Molotov cocktail thrown by an antigovernment protester was the most likely trigger for the blaze.“ Also „der wahrscheinlichste Auslöser“, aber nicht „der Auslöser“. Es lässt sich also nicht mit Sicherheit sagen, was oder wer tatsächlich die Lastwagen in Brand gesetzt hat. Von daher ist die „Tagesschau“-Korrektur absolut richtig.

  9. „Ist es einfach zu verführerisch und naheliegend, den für viele Grausamkeiten verantwortlichen Machthaber Maduro für jede Untat verantwortlich zu machen?“

    Herr Niggemeier, haben Sie das mit den vielen Grausamkeiten aus der Tagesschau und den Mainstreammedien? Können Sie drei Grausamkeiten aufzählen, die über die Grausamkeiten hinausgehen, die wir in der EU in den letzten drei Jahren erlebt haben?

    Venezuela hatte diesen Journalisten vermutlich widerrechtlich für vier Monate festgehalten, aber war das Maduro persönlich? Gibt es eine unabhängige Justiz in Venezuela (ich weiß es nicht, aber Sie bestimmt auch nicht)?

    Es wurden Demonstranten ermordet, aber in großer Überzahl diejenigen Demonstranten, die für Maduro demonstriert hatten, und zwar von den Guaidós rechten Anhängern.

    Übrigens, was die Medien auch nie berichten: die allermeisten Venezuelaner haben eine braune Hautfarbe. Guaidó und seine Anhänger sind alles Weiße. Kein Zufall.
    https://www.youtube.com/watch?v=HeNCbXVHrR8

  10. @schiesser
    Darf ich in Erinnerung rufen, daß die „Berichterstattung“ der ARD nahezu von Hörigkeit gegenüber Guaido gekennzeichnet war? Der Gipfel dieser speziellen Form der Friedensförderung war, Verständnis für eine Intervention von außen zu bekunden. Wer sich solcherart an vorbereitender Kriegspropaganda beteiligt, hat jegliche Glaubwürdigkeit verSPIELT. Als jemand, der zu acht Milliarden Zwangsbeitrag für die Ö/R sein Teil zusteuert, habe auch ich Anspruch auf Nachrichten, die dem Rundfunk-Staatsvertrag entsprechen. Darin ist von umfassender und unvoreingenommener Berichterstattung die Rede im Sinne von Völkerverständigung und eben Friedensförderung. Völlig konträr zu diesen gesetzlichen Verpflichtungen stehen die Artikel über Venezuela und auch zur Ukraine bzw. Krim. Das sind Zeugnisse vorauseilendem Gehorsams gegenüber westlichen Oligarchen von Bezos bis Soros. Daran ändert die „Korrektur“ nichts. Sie ist nichts weiter als ein gehauchtes „Vielleicht“ nach dem Vorbereiten für militärische Interventionen, kriegslüstern und blutrünstig.

  11. „Von daher ist die „Tagesschau“-Korrektur absolut richtig“

    Das wurde in der Tagesschau korrigiert? Es besteht also keine Gefahr, dass die Millionen Zuschauer, die die ursprüngliche „Story“ serviert bekommen haben, sich weiterhin ihr Bild von den Vorgängen auf Basis dieser Propaganda machen? Und ebensowenig die Leser der Print-/Online-Medien? Die „Korrekturen“ wurden mit der selben Reichweite platziert? Vorbildlich.
    Ein erster schwerer Schlag gegen die populistischen Honigsauger der Qualitätsmediendamönisierer. Weiter so, das ist der einzig erfolgversprechende Weg.

  12. „Es wurden Demonstranten ermordet, aber in großer Überzahl diejenigen Demonstranten, die für Maduro demonstriert hatten, und zwar von den Guaidós rechten Anhängern.“

    Ich war nicht dabei, ich weiß nicht was passiert ist.
    Aber ich werde regelmäßig misstrauisch, wenn die Inhaber der Macht sich gegen die Machtlosen wehren.

    Wer, bitteschön, demonstriert für Maduro?

  13. Man konnte das damals am folgenden Tag in linken Guaido-abgeneigten Medien, online und offline, lesen, dass die LKW viel zu frph brannten, als dass Maduros Unterstützer das gewesen sein könnte. Die großen Medien haben sich hier mit Ansage auf eine Version eingelassen, die unserer Regierung und ihrem antilinken Weltbild entgegen kam. Die Lüge wird fettgedruckt, die Richtigstellung kriegt keiner mit und am Ende heiligt der Zweck die Mittel, siehe Post 1.

    Auch die NYT hat viel zu lang gebraucht, vermutlich muss man das dann auch so gründlich machen, wenn man weiß, dass die meisten Leser eher Guaido-freundlich sind.

  14. Ein großes Lob an Herrn Niggemeier für diesen Artikel!

    Ich bezweifle, dass die Einseitigkeit der Medien in diesem Fall einfach dem Zufall zuzuschreiben ist
    Es scheint nämlich im Wesentlichen zu gelten, dass Medien oftmals in weitgehender Übereinstimmung mit den Machteliten berichten und kommentieren, was auch als „Indexing“ bezeichnet wird. Wenn also keine starke Opposition die Regierung in einer wichtigen Fragen herausfordert, dann werden die Medien häufig mehr oder weniger im Sinne der Regierung berichten. Es handelt sich bei der Indexing-Nomen natürlich nur um in Faustregel – aber besonders bei den zentralen und fundamentalen Fragen (wie etwa der Sicherheits- und Wirtschaftspolitik) scheint sie recht effektiv zu greifen.

    Uwe Krüger legt in seinem auch auf Übermedien (sehr positiv) rezensierten Buch „Mainstream“ anhand vieler Beispiele in einer m.E. überzeugenden Weise dar, dass dieses Indexing-Prinzip auch für Deutschland gilt, und welche Mechanismen hinter ihm stehen. Krüger führt zudem aus, wie sehr sich deutsche Medien im Gleichklang mit transatlantischen Eliten befinden – wird die deutsche Sicherheitspolitik kritisiert, dann aus deren Blickwinkel und nicht aus der Perspektive der deutschen Bevölkerung, die in ihrer Mehrheit ganz anders denkt.

    (Für weitere Argumente und Beispiele für die Indexing-Norm siehe auch „Die Lückenpresse“ von Ulrich Teusch. Es gibt Modelle, die tausend mal seriöser und plausibler erklären, wie Medien oftmals de facto weitgehend zu Werkzeugen der Staatspropaganda werden als absurde Theorien der Form, dass nun irgendwo eine zentrale Verschwörung stattfinde oder alle Journalisten ihre Anweisungen aus dem Kanzleramt bekämen. Und dennoch – oder gerade deswegen – setzen sich viele Journalisten offenbar weit lieber mit absurden und daher leicht zu widerlegenden Verschwörungstheorien auseinander als mit der weit stärkeren und differenzierteren Kritik, die es auch gibt.)

    In diesem Sinne verwundert es nicht, wenn die Medien überwiegend im Sinne der westlichen Akteure berichten. Es überrascht daher auch nicht, dass sie zahllose Lügen und Unwahrheiten, die von westlichen Regierungen verbreitet wurden und über Krieg und Frieden (mit)entschieden haben (z.B. Tonkin, Brutkasten, Hufeisenplan, Massenvernichtungswaffen im Irak, drohendes Massaker in Bengasi) oftmals weitgehend unkritisch verbreitet haben.
    Der letzte Golf-Krieg war insofern eine Ausnahme, als sich mit der Bundesregierung eine wesentliche Gruppe innerhalb der politischen Eliten einmal gegen die US-Politik stellte. (Nach Krüger eröffnete dies womöglich erst einen Raum für die Medien, um selbst kritisch zu berichten und zu kommentieren. In den USA, in denen der Irak-Krieg kaum politischen Widerstand fand, gab es hingegen auch wenig mediale Kritik.)

    Entsprechend würde man im Fall Venezuelas bereits a priori vermuten, dass die Berichterstattung einseitig und tendenziös zugunsten „des Westens“ ist, da diesmal keine starke politische Kraft hierzulande dessen Sichtweise infragezustellen scheint. Empirisch scheint sich dies zu bestätigen. Media Lens etwa haben mehrere Artikel zum Thema publiziert, in dem sie diesen Vorwurf bezogen vor allem auf die britischen Medien dartun. Siehe etwa hier:
    http://www.medialens.org/index.php/alerts/alert-archive/2019/893-venezuela-blitz-part-2-press-freedom-sanctions-and-oil.html

    Media Lens kritisieren zwar vor allem britische Medien, aber mein Eindruck ist, dass sich ähnliche Kritik auch im Fall zahlreicher deutscher Medien formulieren ließe.

    Man beachte besonderes auch den von Hern Niggemeier verlinkten Artikel von Glenn Greenwald. Greenwald dürfte vor allem bekannt sein, weil Edward Snowden ihn kontaktiert und ihm Material zukommen hatte, das Greenwald dann später veröffentlichte. Wie auch Herr Niggemeiers Text ist Greenwalds Artikel ausgesprochen lesenswert. Greenwald kritisiert eingehend die etablierten Medien und ihre Doppelmoral. Nur folgende Worte seien zitiert:

    Every major U.S. war of the last several decades has begun the same way: the U.S. government fabricates an inflammatory, emotionally provocative lie which large U.S. media outlets uncritically treat as truth while refusing at air questioning or dissent, thus inflaming primal anger against the country the U.S. wants to attack.

    So everything the New York Times so proudly reported last night has been known for weeks, and was already reported in great detail, using extensive evidence, by a large number of people. But because those people are generally skeptical of the U.S. Government’s claims and critical of its foreign policy, they were ignored and mocked and are generally barred from appearing on television, while the liars from the U.S. Government and their allies in the corporate media were, as usual, given a platform to spread their lies without any challenge or dissent, just like the manual for how to maintain State TV intructs.

    Indeed, none of the people questioning the original claim about the burning trucks, or citing this evidence to argue that the U.S. Government and its Venezuelan ally Guaidó were lying, ever made it onto national television to present their dissent. They weren’t allowed on. To the extent they were acknowledged at all, it was to defame them as Maduro apologists – for telling the truth – just as those who tried to combat the propaganda of 2002 and 2003 were smeared as being pro-Saddam. Only Rubio, Bolton, Pompeo, and various other U.S. officials were permitted to spread their lies without any challenge.

    What we have here is classic Fake News – spread on Twitter, by U.S. officials and U.S. media stars – with the clear and malicious intent to start a war. But no western proponents of social media censorship will call for their accounts to be cancelled nor call for their posts to be deleted. That’s because “Fake News” and the war against it is strictly a means of combating propaganda by U.S. adversaries; the U.S. and its allies [verlinkte Beleg-Quelle] maintain extensive [verlinkte Beleg-Quelle] programs to spread Fake News online [verlinkte Belegquelle] and none of those anti-Fake News crusaders call for those to be shut down.

    And the next time claims are made about Venezuela designed to fuel regime change and wars, the independent journalists and analysts who were absolutely right in this instance – who recognized and documented the lies of the U.S. Government weeks before the New York Times did – will again be ignored or, at best, mocked. Meanwhile, those in the media and Foreign Policy Community who uncritically amplified and spread this dangerous lie will be treated as the Serious People whose pronouncements are the only ones worth hearing. With rare exception [verlinkte Belegquelle], dissent on Venezuela will continue to be barred.

    Greenwald weist außerdem (wenn auch nur am Rande) auf weitere verzerrende Darstellungen der Mainstream-Medien im Zusammenhang mit der Venezuela-Krise hin.

    Was die New York Times angeht, so könnte sie auch darauf hinweisen, welch bedeutende Rolle westliche Sanktionen, vor allem die Sanktionen der USA, für die Krise in Venezuela spielen, anstatt allein (!) Maduro die Schuld zu geben, wie sie das in dem verlinkten Artikel tut.

    Schön ist ja, dass der Faktenfinder überhaupt einen Artikel zum Thema bringt, indem der sich kritisch gegenüber der bisherigen Berichterstattung zeigt. Nur: Wer wird diesen Artikel lesen?

    Dr. Gniffke wäre im Übrigen anzuraten, sich auch Glenn Greenwalds Medien-Kritik im Detail anzusehen und sich die Frage zu stellen, ob nicht ein Großteil dieser Kritik mutatis mutandis auch auf die von ihm verantworteten Sendungen zutreffen könnte.

  15. Das hat Niggemeier gut gemacht.

    Allerdings: Bereits am 24.2.19 bestritt Blumenthal den Wahrheitsgehalt dieser Nachricht.
    Auch Amerika21 verwies – wenn auch nicht so gründlich wie Niggemeier – relativ früh
    auf den Propagandagehalt der Meldung hin.

    https://www.youtube.com/watch?v=k2ZMCa6uuZk
    https://amerika21.de/

    Aber das alles ist ja nicht neu.
    Es gehört zum üblichen journalistischen Handwerk von ARD-aktuell, z.B. immer wieder Nachrichten vom Hörensagen
    zu veröffentlichen, wenn die „Bösen“ wie Putin, Maduro, Erdogan, die Linken oder die Rechten betroffen sind. ARD-aktuell meint dann, der Hinweis, dass die Betroffenen die Behauptungen bestritten hätten, reiche als Beleg für objektiv-orientierten Journalismus aus.

    Henning Venske hat zu dieser inzwischen weitverbreiteten Unsitte in seiner unnachahmlichArt gesagt:

    „Nicht wissen, aber labern … wer Nachrichten mit gesicherten Informationen verwechselt, der frisst auch gelben Schnee“.

    https://www.nachdenkseiten.de/?p=50295

  16. Der Eine grausamt hin,der Andere grausamt zurück!
    Von dem Einen wird „nur“ gefalschmeldet,vom anderen wird „nur“ gerechtmeldet!
    Bei dem Einen wird kondoliert,beim Anderen gratuliert ,wenn Beiden Ansehen und Anhänger verlustig gehen.
    Obwohl auf beiden Seiten das Selbe passiert,wird es nie das Gleiche sein!

  17. Da sieht man mal wieder, dass Übermedien nicht nur interessant, sondern leider auch richtig wichtig ist, um der Mainstream-Agenda nicht schutzlos ausgeliefert zu sein.
    Ich finde, die Zweifel sind hier etwas sehr zurückhaltend formuliert. Wenn man sich ansieht, was der Tagesschau-Faktencheck ergeben hat und auf welchen Originalaussagen das beruht, da bleibt ja nichts Substanzielles übrig. Beide Kronzeugen-Journalisten meinen, gesehen zu haben, das die LKW brannten, bevor die Brandsätze flogen. Das New York Times-Videomaterial belegt das Gegenteil. Dort sieht man ja sogar, dass der Brand seitlich beginnt, wo eine Gaskartusche gar keinen Halt finden würde. Es wäre ja auch seltsam, wenn von diesen Kartuschen neuerdings eine Brandgefahr ausgeht.

    Aber abgesehen vom jounalistischen Pfusch: die politische Aussage ist ja auch völlig verdreht. Ein Brand durch die Kartuschen wäre ja ganz offensichtlich kein Vorsatz. Also selbst wenn man an diese Version glaubt, gäbe es ja keinen Grund dafür, aus den Bränden einen Vorwurf – oder wie die ARD-Korrespondentin – eine Legimitation für eine Intervention abzuleiten.

  18. Ich frage mich, wie ist es möglich, dass trotz der vielen anderen Lügen westlicher Verantwortlicher, siehe Brutkastenlüge, siehe Hufeisenplan,siehe Massenvernichtungswaffen usw. alles aus dem sog. „Werte Westen“ verbreitete Lügen, immer wieder Lügen verbreitet werden. Es geht hier nämlich überhaupt nicht darum, sondern einzig und alleine um eine Ideologie, um erneut einen illegalen Putsch des Westens zu rechtfertigen. Alleine seit dem Ende des zweiten Weltkriegs, hat der Westen mehr als 40 illegale Kriege mit Millionen Getöteten auf Grund von Lügen zu verantworten. Es ging und geht dem Westen noch nie um Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Freiheit, sondern immer nur um Interessen Geo Politische Interessen sprich um die Bodenschätze dieser Länder. Wenn Verantwortliche was anderes behaupten, sollte man schnellstens den Raum verlassen. Die Verantwortlichen gehören alle in Den Haag als Kriegsverbrecher angeklagt. Um das zu verhindern, werden Verantwortliche in Den Haag, mit Sanktionen belegt, sollten sie es wagen gegen westliche Kriegsverbrecher zu ermitteln.

  19. Aufschlussreich, zu welchen gedanklichen Verrenkungen Menschen imstande sind. In Venezuela findet nichts anderes als der Kollaps einer durchaus fortentwickelten Zivilgesellschaft statt. Zusammenbruch der medizinischen Versorgung und allgemeine Hungersnot, in Zeitlupe, und wir alle dürfen dabei zusehen. Weil das so schwer zu ertragen ist, fantasieren manche hier lieber vom Golf von Tonkin und anderen ollen Kamellen. Ihr seid bloß zu feige, um hinzusehen.

    Quelle zB: https://www.dw.com/de/venezuela-der-hunger-bedroht-eine-ganze-generation/a-42787487

  20. Danke für diesen Artikel.

    Wenn man auch andere Medien liest, im Fall von Venezuela z.B. auch lateinamerikanische, konnte man längst merken, dass von den öffentlich-rechtlichen Medien aber auch von vielen Zeitungen in Deutschland seit Jahren tendenziös berichtet wird.

    Zur Ergänzung ein Artikel von Amerika21 bzw. Hintergrund, der sich mit der Venezuela-Berichterstattung von ARD-aktuell seit ca. einem Jahr befasst:
    https://amerika21.de/analyse/224027/venezuela-manipulation-mit-staatsvertrag

    @ 13 „Wer, bitteschön, demonstriert für Maduro?“
    Da demonstrieren all diejenigen, die nicht wollen, dass ihr Land invadiert wird. Übrigens sind darunter auch Leute, die Maduro kritisieren (z.B. weil er eine Diversifizierung der Wirtschaft verpasst hat und nur auf Ölexport gesetzt hat, was Venezuela nicht erst seit kurzem auf die Füße fällt) und sich etwas mehr Bewegung in der Entwicklung Venezuelas wünschen. Aber sie wollen eben eine Entwicklung des Landes und kein Zurück zu vor 21 Jahren mit einem Guaidó oder anderem US-hörigen Präsidenten an der Spitze.

    @20: Warum verhindert die EU das Auslaufen von Schiffen mit Medikamenten nach Venezuela? Keine Hillfslieferungen, sondern Medikamente, die Venezuela gekauft hat. Leider wird davon im DW-Beitrag gar nichts erwähnt. Es geht halt tatsächlich gar nicht um die Menschen und ihr Wohlergehen oder gar um Demokratie. Die Bilder von Mangel und Leid dienen rein geopolitischen Interessen. Die „normalen“ Menschen verlieren immer.

  21. #20 Durch einen Artikel über die Katastrophe in Venezuela, in dem das Wort „Sanktion“ nicht ein Mal vorkommt, fühlen Sie sich ausreichend informiert, um daraus in gedanklich beachtenswerten Verrenkungen einen Vorwurf der Feigheit zu generieren – gegenüber denen, die besser informiert sind?
    Das wirkt, nicht nur intellektuell, beschämend und ist höchst destruktiv aus meiner Sicht.

    Truth prevails.

  22. @Aristophanes
    „In Venezuela findet nichts anderes als der Kollaps einer durchaus fortentwickelten Zivilgesellschaft statt. Zusammenbruch der medizinischen Versorgung und allgemeine Hungersnot…“
    – Und die Sanktionen der USA, die Sperrung der Goldreserven durch das UK haben damit absolut gar nichts, gar nie nicht, unter keinen Umständen auch nur einen Hauch damit zu tun, ganz klar, lupenrein erkennbar.

    „Weil das so schwer zu ertragen ist, fantasieren manche hier lieber vom Golf von Tonkin und anderen ollen Kamellen. Ihr seid bloß zu feige, um hinzusehen.“
    – Vielen herzlichen Dank für die Ermutigung, endlich mal über diese Kinkerlitzchen wie Napalm, Agent Orange in Vietnam bzw. Brutkastenlüge in Irak hinwegzusehen nur als Beispiel. Waren ohnehin nur lästige olle Kamellen. Sie sind für mich der Held des Jahrzehnts.

  23. @Remco

    „Da demonstrieren all diejenigen, die nicht wollen, dass ihr Land invadiert wird.
    Aber sie wollen eben eine Entwicklung des Landes und kein Zurück zu vor 21 Jahren mit einem Guaidó oder anderem US-hörigen Präsidenten an der Spitze.“

    Naja. Dafür gibt es eigentlich Wahlen, von denen Maduro offenbar nicht sonderlich viel hält…

    “ Warum verhindert die EU das Auslaufen von Schiffen mit Medikamenten nach Venezuela? Keine Hillfslieferungen, sondern Medikamente, die Venezuela gekauft hat.“

    Eine seriöse Quelle dazu gibt es sicher auch?

    Ansonsten: danke für den Artikel! Es ist wichtig, dass besonders bei solchen Themen Fehler benannt und behoben werden! Gerade wenn von allen Seiten im Konflikt gelogen wird, muss man genau hinschauen.

  24. @ 24 Ichbin ich

    Maduro war in 2018 mit großem Abstand für eine reguläre Amtsperiode von sechs Jahren zum Präsidenten gewählt worden. Wie meinen Sie das, er würde von Wahlen nicht viel halten? Soll es jährlich in Venezuela Präsidentschaftswahlen geben?

    Haben Sie an der Wahl in 2018 etwas auszusetzen?

    In Venezuela werden Wahlmaschinen benutzt, die Wahlbestätigungen auf Papier ausdrucken und sammeln. Nach dem Zufallsprinzip wird bei jedem zweiten Automaten noch mal manuel nachgezählt. Das ist ein Standard, von dem US-Amerikaner nur träumen können.

    Es gab Gegenkanditaten zu Maduro: Falcón (politisch wie Guiadó) und vier weitere Kandidaten. Während das Fernsehen auf der Seite Maduros war, waren die Zeitungen auf der Seite der Rechten. Die rechte Opposition hatte wahrheitswidrig behauptet, die Wahlen wären nicht fair, womöglich schon in Vorbereitung einer späteren US-Invasion. Das ist ein Fehler der Opposition, nicht des Wahlsystems.

    „Verschoben wurde die Wahl, weil Staatschef Nicolás Maduro und der Oppositionskandidat Henri Falcón vereinbart haben, UNO-Generalsekretär Antonio Guterres zu bitten, Wahlbeobachter zu entsenden.“
    https://www.srf.ch/news/international/machtkampf-in-venezuela-uno-soll-wahlbeobachter-nach-venezuela-schicken

    Die UNO-Wahlbeobachter hatten bestätigt, das die Wahl in Ordnung war. Außerdem noch zum Wahlsystem in Venezuela allegemein: „Speaking at an annual event last week in Atlanta for his Carter Centre foundation, the politician-turned philanthropist [Carter] stated, “As a matter of fact, of the 92 elections that we’ve monitored, I would say the election process in Venezuela is the best in the world.”“ https://venezuelanalysis.com/news/7272

  25. #20 Die Deutsche Welle als Quelle ausgewogener Berichterstattung aufzuführen, wenn es um ein neues geostrategisches Spielfeld der westlichen Wertegemeinschaft geht, hat schon Satirepotential.

    Kein einziger öffentlich-rechtlicher Sender (und der Staatsfunk schon garnicht) bringt es fertig, auch nur eine einzige ausgewogene Sendung zur Krise in Venezuela zu bringen, in der auch die Schikanen des Westens thematisiert werden. Wenn man dann mal wieder auf Fehler im Text aufmerksam macht, dann kommt sowas als Antwort: https://publikumskonferenz.de/forum/viewtopic.php?f=30&t=3001#p9211
    Fordert man nachdrücklich und ausdrücklich die Korrektur von Falschmeldungen, wird man von leitenden Angestellten als Nazi und Diktatorenfreund diffamiert.
    https://publikumskonferenz.de/forum/viewtopic.php?f=44&t=2979#p9168
    Wo ist das verdammte Problem dieser Leute über klare Sachverhalte vernünftig und ohne diese alberne Mätzchen zu berichten? Mal ganz im Ernst, wer hier den Vorsatz nicht erkennt, der hat Tomaten auf den Augen.

  26. @ Aristophanes, 20:

    Wie der in # 15 von mir verlinkte Artikel überzeugend darlegen dürfte,

    – tragen westliche Sanktionen in hohem Maße zum Elend in Venezuela bei (auch wenn sie nicht die einzige Ursache sind, sondern die die Misswirtschaft der Regierung ebenfalls erhebliche negative Folgen hat).
    – geht es vielen Ländern „armutsmäßig“ so schlecht schlechter als Venezuela, ohne dass dies irgendwen stören würde.
    – bringt Saudi-Arabien mit freundlicher Unterstützung des Westens in grob völkerrechtswidriger Weise weit mehr Elend über den Jemen, als es in Venezuela herrscht.
    – sind viele Länder undemokratischer oder unfreiheitlicher als Venezuela und werden dennoch vom Westen unterstützt.
    – wollen die allermeisten Venezuelaner, egal ob Maduro-Anhänger oder nicht, KEINE ausländische Intervention.
    – ist es extrem unglaubwürdig, dass es bei der westlichen Politik um humanitäre Ziele geht.

    Wenn Sie wissen wollen, worum es in Wahrheit geht, dann beachten Sie folgende Aussagen von US-Präsident Trump (zit. n. Andrew MCabe, einem ehem. stllv. FBI-Chef) und John Bolton, dem Nationalen Sicherheitsberater des Präsidenten. Zwei Aussagen übrigens, die ich bei meiner letzten Recherche trotz (oder wegen??) ihrer Brisanz nirgendwo in deutschen Mainstream-Medien hatte finden konnte.

    Trump:
    „I don’t understand why we’re not looking at Venezuela. Why we’re not a war with Venezuela? They have all the oil and they’re in our back door.“

    Bolton:
    „It’ll make a big difference to the United States economically if we could have American oil companies invest in and produce the oil capabilities in Venezuela.“

    Sie schreiben, dass „manche hier“ lieber „vom Golf von Tonkin und anderen ollen Kamellen“ fantasieren würden.

    Welche Fantasien denn? Dass die USA und ihre westlichen Verbündeten immer wieder unter dem Deckmantel von Lügen Kriege angefangen haben? Beispielsweise im Zusammenhang mit der Tonkin-Lüge? Ist das eine „Fantasie“?
    Und wieso sind das „olle Kamellen“, wenn es sich dabei offenbar um Momente eines konstantes, zeitübergreifenden und noch immer aktuellen Musters handelt, bei dem sich auch Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit anführen lassen?

    „Ihr seid bloß zu feige, um hinzusehen.“

    Warum genau sind „wir“ feige? Woran genau machen Sie fest, dass wir nicht hinsehen?
    Daran, dass „wir“ uns nicht einseitig informieren? Oder daran, dass „wir“ nicht NUR bei Maduro gravierende Fehler verorten, sondern zusätzlich auch nah der Rolle des Westens fragen? Oder daran, dass wir nicht die Kriegstrommel für die USA rühren, damit diese die nächste Intervention in einem ölreichen Land gegen den Willen der großen Mehrheit der betroffenen Menschen durchführen – nachdem der Irak-Krieg bereits eine Million Tote produziert und Libyen-Krieg ein ganzes Land entstaatlicht hat? Zwei Kriege übrigens, die ebenfalls auf Unwahrheiten basiert haben und ebenfalls humanitär verbrämt wurden…

    Media Lens kommentieren in genanntem Artikel treffend:

    Time and again, we are asked to give the benefit of the doubt to famously cynical, greed-driven Western political leaders and parties. We can’t believe they can be simply lying to us, making it up – week after week, month after month – so that they and their powerful corporate allies can get their hands on oil. Time and again, too many of us defer to authority and whole countries are destroyed.

  27. „…geht es vielen Ländern ‚armutsmäßig‘ so schlecht schlechter als Venezuela, ohne dass dies irgendwen stören würde.“

    Sollte natürlich heißen: „so schlecht oder noch schlechter“

  28. Danke, lieber LLL, wieder mal (und auch weiter oben) gekonnt versachlicht und die Dinge auf den Punkt gebracht!

    Es sieht wirklich ganz so aus, Aristoteles, dass Sie sich früher oder später und besser gewollt als gezwungen mit den Fakten auseinandersetzen müssten. Insbesondere dann, wenn Sie sich 1. eine Meinung bilden, und 2. diese dann auch noch Anderen um die Ohren klatschen müssen. Was Sie vielleicht nicht wissen: Beides ist nicht nötig. Und das zweite ist frech, insbes. verbunden mit Beschimpfungen wie „feige“ (Alter, ey, geht’s noch??), spätestens dann wenn aus den verlauteten Statements pure Unwissenheit trieft; steht jetzt im Netz, für alle sichtbar! Gut, dass Sie anonym schrieben, was? An Ihrem Inneren ändert’s nix.. und darum geht’s doch.
    Aber Achtung: Eine Meinung muss man nicht unbedingt haben; man kann vorher einfach mal Infos sammeln (und wenn’s wirklich wichtig scheint: gegen-checken!), dann entwickelt die sich vielleicht, vielleicht auch nicht. Und wenn man dann aber nunmal eine hat, muss man sie trotzdem nicht zwangsläufig rausposaunen (vielleicht hat man die wesentlichen Fakten noch nicht; dann wird’s sogar ein bisserl peinlich..). Und letztendlich: Dann auch noch Andere zurechtweisen? ANSTATT sich besser zu informieren? Hammer! Völlig unangemessen – kurz: INakzeptables Verhalten in Kommunikation mit Menschen!

    Ja, das ist (m)eine Meinung, und ich posaune sie raus. Und zwar weil’s ziemlich viele ziemlich gute Gründe dafür gibt: Ohne akzeptable Umgangsformen können wir uns die Zukunft von der Backe schmieren! (auf Nachfrage benenne ich gern einige der Gründe für diese meine Einsicht)

    Und, ja, wir alle bedauern es sehr: Im ÖR und insbesondere in der DW (wo der Begriff „Staatsfunk“ in Anbetracht des Auftrags absolut angemessen ist; ja, das bedeutet, er ist dafür da, die Sichtweise der Bundesregierung in die Welt zu tragen – kann also kaum ausgewogener berichten als es Herr Seifert dann auf der BPK zusammenfasst: Was Merkel&Co. wollen, dass die Welt erfährt – ob bewusst gelogen, äh, gerframet oder nur mit Fehlern aus Versehen behaftet!) wird man nicht (mehr?) informiert. Man wird erzogen (erfolgreich oft, wie man an Ihnen / Aristoteles #20 sieht). Man wird über genau die Dinge unterrichtet, die man glauben und vertreten soll – mit deren alternativlosen Konsequenzen man in Zukunft leben soll.
    Widersprüche, teils innerhalb einer einzigen Meldung / eines Beitrages, fallen dann nicht weiter auf, und das dürfen sie auch nicht. Reaktionen der Macher (z.B. ZDF / heute journal, eines unserer Leitmedien! Siehe weiter oben verlinkt.) sind von Verachtung, Unterstellungen und entmenschlichtem Desinteresse geprägt. Am Ende muss nur geschluckt werden, was uns in den Rachen gedrückt wird (von vielen Wohlmeinenden unter den Medienschaffenden sicher nur halb-bewusst / gut gemeint. Aber letztendlich kommt eben nur durch, was darf!) – damit sein darf, was so oder so und an jedem einzelnen unserer eigentlichen Interessen vorbei, aber gut für ganz wenige immer Profitierende, passieren soll. Beispiele: Eigentlich ALLE. Ob Irak (Öl), Afghanistan (Mohn), Libyen (Öl), Vietnam (geostrategische Position etc.), Syrien / Iran (strategische Position / Öl / Unabhängigkeit vom Westen) oder eben Venezuela (Öl / Unabhängigkeit vom USA) – NICHT EINE dieser Terror- oder humanitären Krisen-Interventionen basierte auf Fakten. ALLE auf faustdicken und voll-bewussten Lügen. Wovon jede einzelne so so sehr ans Herz ging, taten sie das nicht (Brutkastenbaby-Tötungen bis zu Blockade von Hilfskonvois)? Alle (!) nachgewiesen erstunken.
    Aber kaum je einer hat was mitgekriegt davon, dass diese Lügen eingeräumt wurden; was sie behaupteten – in ALLEN westlichen Medien rauf und runter und gänzlich un-hinterfragt! – bleibt noch immer haften in den meisten Köpfen.

    Wie LLL / medialens schreibt: Es ist einfach zu blauäugig, hinter all dem nicht das System zu erkennen. Eines das logisch und seit Jahrzehnten unverändert bzw. immer weiter optimiert (nach Vietnam keine unkontrollierten Kameras mehr => „Embedding“ etc.) funktioniert.
    Also: DIE sind nicht zu dumm, um daraus ihre Schlüsse zu ziehen – die erleben ja tagtäglich, dass ihnen die Mehrheit auf den Leim geht (DAS ist das Beschämende).

    GUT daran: WIR können es ändern, weil viel Besseres viel besser wär!
    Haken: Wir MÜSSEN es ändern, damit sich’s ändert!
    Deshalb: Bitte um Feedback, Herr Aristoteles – Danke! (auch wenn’s so klingt: ich bin nicht hier, um Sie zu bashen! Es geht mir um das Prinzip, dem ich bis vor kurzem und Sie bis in Kürze ständig hilflos ausgeliefert waren: Die Medien machen die Gefühle, und ich hab sie / Sie haben sie! Ne?)

    Aber:
    Wir sind ALLE.
    Menschen.

    Truth prevails.

  29. @ICHBINICH #24: Warum hält Maduro nicht viel von Wahlen? Er wurde rechtmäßig gewählt. Die Präsidentschaftswahlen wurden auch international nicht beanstandet. Die Frage ist wohl er, wieviel Guaidó eigentlich von Wahlen hält. Diese Frage müsste man auch mal den Regierungen stellen, die Guaidó flugs anerkannt haben. Darunter auch unsere Bundesregierung, die zudem noch bei der Anerkennung von Guaidó als Präsidenten bleibt, obwohl der wissenschaftliche Dienst des Bundestages festgestellt hat, dass diese Anerkennung völkerrechtswidrig ist.

    Und ja, in Venezuela wurden Wahlen beanstandet, aber das waren die zum Parlament. Weil hier eine Handvoll Kandidaten von der Oposition sich nicht gesetzeskonform angemeldet hatten bzw. nach ihrer Anmeldung Änderungen in ihrer Kandidatur vorgenommen haben, die nicht gesetzeskonform waren. Deswegen hat Venezuela derzeit ein nicht legitimiertes Parlament, das eigentlich aufgelöst werden müsste. Aber die Oposition weigert sich.

    „Eine seriöse Quelle dazu gibt es sicher auch?“
    Schauen Sie einfach mal bei Amerika21. Da können Sie ganz viele Artikel über Venezuela lesen. Sie können dort filtern (nach Region/Land) oder sich das Dossier Venezuela in der Krise durchlesen https://amerika21.de/dossier/venezuela-krise
    Manchmal sind die Übersetzungen etwas holprig, aber die Texte sind verständlich.
    Falls Sie spanisch sprechen/lesen, nenne ich Ihnen gern noch weitere Quellen.

  30. Und vermutlich droht den Medien die nächste Vertrauenskrise, nachdem nun sehr wahrscheinlich davon auszugehen ist, dass die „Russiagate“-Affäre sich weitgehend in Luft auflöst.

    Glenn Greenwald kommt zum Ergebnis, dass das Versagen der Medien nicht von den negativen Folgen, wohl aber von der Art her noch viel größer ist als das Versagen bei den irakischen Massenvernichtungswaffen:

    … But what prevented me from writing anything is that Matt Taibbi brilliantly wrote everything I wanted to say in this definitive article on the debacle, one that I urge everyone to read. It lays out in indisputable, horrific detail the media’s indescribably and relentlessly reckless behavior over the last three years, whereby they abused and exploited valid fears of Trump to sell – for their own profit and benefit – completely false and baseless conspiracy theories that have now been completely debunked by their own anointed authority.

    As Taibbi says, while the Iraq War was far worse in terms of impact (at least thus far), the media’s endless series of deceitful and manipulative behavior and spreading of blatantly false conspiracy theories since 2016 was far worse.

    https://theintercept.com/2019/03/25/watch-a-contentious-constructive-debate-on-the-media-and-political-humiliation-from-the-mueller-report/

    Auf Twitter schreibt er:

    „While standard liberals outlets obediently said whatever they were told by the CIA & FBI, many reporters at right-wing media outlets which are routinely mocked by super-smart liberals as primitive & propagandistic did relentlessly great digging & reporting. Sorry this is true:“

    Wäre interessant, wie deutsche Mainstream-Medien sich verhalten haben. Zumindest laut „Cicero“ haben sie im Allgemeinen schlechter abgeschnitten als die amerikanischen, da es kaum Gegengewichte gegeben habe („Die Realität der Trump-Gegner liegt in Scherben“):

    In der deutschen und europäischen Öffentlichkeit werden die Ergebnisse der Mueller-Untersuchungen noch verständnisloser aufgenommen als in den USA. Der Grund für diese Disparität ist, dass den US-Amerikanern mit Fox News und Konsorten immerhin eine konstante Quelle für ein gegenläufiges Narrativ zur Verfügung stand, auch wenn diese gern die Fakten zugunsten des Präsidenten dreht. … Die US-Amerikaner mussten nur durch ihre Fernsehkanäle zappen, wenn sie sich vor Augen führen wollten, wie derselbe politische Vorgang zu komplett entgegengesetzten Interpretationen der Realität führen konnte. … Dieser Luxus ist deutschen und europäischen Medienkonsumenten großflächig vorenthalten geblieben. Denn gleicht man beispielsweise die US-Berichterstattung der deutschen Medien mit ihren US-amerikanischen Pendants ab, so fällt unzweifelhaft auf, dass die Trump zugeneigte Fox-Perspektive im deutschsprachigen Raum gänzlich fehlt. Zwecks Ursachenforschung ist es ebenso erhellend, die Standpunkte und Interaktionen der deutschen US-Korrespondenten in den sozialen Medien zu verfolgen.

    Das Auseinanderfallen ihres Mueller-Narrativs vor den Augen der Weltöffentlichkeit bietet den Medien zwar zumindest theoretisch auch eine große Chance: Wenn sie der Frage, wie sich diese gigantische, selbsttäuschende Maschinerie überhaupt erst in Gang setzen konnte, durch ehrliche Reflexion und Introspektion auf den Grund gehen würden, so ließe sich viel Vertrauen retten und zurückgewinnen.

    Die ersten Anzeichen deuten allerdings eher darauf hin, dass sie sich recht panisch bemühen, den Ausgang der Mueller-Ermittlungen sang- und klanglos zu begraben und ihren einseitigen Anti-Trump-Spin weiterzudrehen, nur mit veränderten Themen.

    Die verbitterten Hoffnungen, die die Medienschaffenden so unverhüllt in ein Scheitern Trumps setzen, werfen außerdem inzwischen ein deprimierenderes Licht auf sie selbst denn auf Trump.

    Hier könnte man hinzufügen, dass genügend alternative Medien – und zwar auch solche, die eher „links“ sind und Trump sicherlich nicht nahestehen – schon seit Langem kritisch berichtet haben.

  31. @REMCO

    „Warum hält Maduro nicht viel von Wahlen?“

    Weil er das gewählte Parlament ignoriert bzw. umgeht und versucht aufzulösen.

    „Schauen Sie einfach mal bei Amerika21. Da können Sie ganz viele Artikel über Venezuela lesen“

    Hab dort nix dazu gefunden, dass angeblich ein Schiff mit Medikamenten in der EU am Auslaufen gehindert wird. (abgesehen davon, dass ich Amerika21 jetzt nicht als seriöses Medium bezeichnen würde).

  32. Entsteht die Vertrauenskrise der Medien eigentlich dadurch, dass selbsternannte Medienkritiker den Medien eine Vertrauenskrise attestieren? Self-fulfilling prophecy?

    https://medienvertrauen.uni-mainz.de/forschungsergebnisse-der-welle-2018/
    Sieht jetzt nicht so dramatisch aus.

    Außerdem ist Medium ja nicht gleich Medium.
    Klar misstraue ich der Bildzeitung, dubiosen Internet-Verschwörungsseiten und Mario Barth.
    Das würde ich dann aber nicht „Vertrauenskrise“ nennen sondern „gesunder Menschenverstand“ (wobei der Ausdruck ja auch gerne umgedeutet wird).

  33. @Jaheira

    Ja klar….
    Aus wikipedia:
    „Bei den Parlamentswahlen in Venezuela 2015 erhielt die Opposition zwei Drittel der Mandate. Maduro regiert seitdem mit Notverordnungen. Die Versorgungslage im Land wurde immer prekärer. „Maduro-Diät“ nannten die Venezolaner die steigende Mangel- und Unterernährung.[28] Laut einer Umfrage haben drei Viertel der Venezolaner im Jahr 2016 im Schnitt acht Kilogramm Körpergewicht verloren.[29]

    Demonstranten fordern ein Referendum über die Abberufung von Präsident Maduro (Oktober 2016)
    Anfang Mai 2016 wurde von der Opposition das Abberufungsreferendum in Venezuela 2016 gestartet. Im Juli 2016 wurde von offizieller Seite bekannt gegeben, dass mit 399.412 gültigen Unterschriften ausreichend Unterstützer für die erste Runde des Referendums vorliegen. Dabei mussten in allen Bundesstaaten mindestens ein Prozent der Wahlberechtigten erreicht werden. In der zweiten Runde müssen innerhalb von drei Tagen 20 Prozent der Wahlberechtigten (ca. 4 Mio. Venezolaner) unterschreiben. Dafür werden in diesen drei Tagen Wahlzentren überall im Lande geöffnet. Gelingt dies, muss der Text des Referendums bald umgesetzt werden, und Nicolas Maduro wird als Präsident abgesetzt. Geschieht das noch vor dem 10. Januar 2017, sieht die Verfassung Neuwahlen vor. Danach würde Maduro von seinem Vizepräsidenten, dem Sozialisten Aristóbulo Istúriz, ersetzt werden. Denn die Verfassung des Landes schreibt vor, dass es im Falle eines erfolgreichen Abwahlreferendums keine Neuwahlen gibt, falls zum Zeitpunkt eines erfolgreichen Referendums der aktuelle Präsident nicht mehr länger als zwei Jahre im Amt wäre. Da die Amtszeit Maduros am 10. Januar 2019 endet, war dies schon nach dem 10. Januar 2017 der Fall.[30][31] Die Regierung Obama hat das Referendum unterstützt.[32] Der nationale Wahlrat von Venezuela setzte das Datum auf Februar 2017 fest und stellte die (verfassungswidrige) Hürde auf, dass das Quorum von 20 Prozent in allen Staaten erreicht werden müsse.[33] Auch die Regionalwahlen von Ende 2016 sind in Venezuela vom Regime von Maduro „auf den Sankt-Nimmerleins-Tag“[34] verschoben.

    Ende Oktober 2016 eröffnete das Parlament ein politisches Verfahren wegen des Verdachts auf „Verfassungsbrüche, Menschenrechtsverletzungen, Angriffe auf die Demokratie und die wirtschaftliche Krise“ gegen Maduro. Er wurde aufgefordert, am 1. November im Parlament Fragen zu beantworten und zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen. Das Parlament setzte auch einen Untersuchungsausschuss ein.[35] Im Dezember 2016 bezeichnete das Oberste Gericht einen Vorstoß des Parlaments, das eine Amtsenthebung gefordert hatte, für verfassungswidrig.[36] Zu dieser Zeit hatten sich in einer Meinungsumfrage 80 Prozent der Venezolaner für eine Absetzung Maduros ausgesprochen.[37]

    Am 9. Januar 2017 erklärte das Parlament den Präsidenten für abgesetzt und hoffte auf Neuwahlen. Auch weil sich das Verfassungsgericht präsidententreu verhält, hatte das Votum keine Auswirkungen, da die Begründung für die Absetzung war, dass Präsident Maduro seine verfassungsmäßigen Pflichten nicht erfülle, also in der Krise „abwesend“ sei.[38]

    Am 29. März 2017 hob das Maduro treue Oberste Gericht[39] die Immunität aller Parlamentarier auf, entzog dem Parlament alle Kompetenzen und übertrug sie sich selbst. Zwei Tage später bezeichnete die Generalstaatsanwältin dieses Vorgehen als Verfassungsbruch.[40]“

    Viel Spass beim Lesen, falls es sie wirklich interessiert.

  34. Es geht jetzt um die Präsidentschaftswahl im Jahr 2018. Der Wikipedia-Text bezieht sich überhaupt nicht auf diese Wahl.

    Bitte zitieren Sie wenn möglich Quellen, die nicht anonym sind. Für Kommentare finde ich Anonymität völlig in Ordnung, aber zitierfähige Quellen im Internet sollten eine verantwortliche Person mit Klarnamen haben. Bei Texten aus Deutschland jemanden mit einer ladungsfähigen Adresse in Deutschland.

  35. @JAHEIRA

    es geht möglicherweise bei Ihnen um die Präsidentschaftswahl, mir geht es um den Fakt, dass Maduro nicht viel von Wahlen und Demokratie hält (wie oben beschrieben).

    „Bitte zitieren Sie wenn möglich Quellen, die nicht anonym sind. Für Kommentare finde ich Anonymität völlig in Ordnung, aber zitierfähige Quellen im Internet sollten eine verantwortliche Person mit Klarnamen haben. Bei Texten aus Deutschland jemanden mit einer ladungsfähigen Adresse in Deutschland.“

    Keine Ahnung, was Sie damit meinen. Falls Sie den Link alleine nicht finden: https://de.wikipedia.org/wiki/Nicol%C3%A1s_Maduro

  36. Venezuela hat das größte Erdöldeposit der Welt.
    Das Land hat schon immer vorzugsweise darauf gesetzt, seit Hugo Chavez noch mehr.
    Gleichzeitig haben die Sozialisten den bis dahin für die Exploration und Reinvestition abgezweigten Teil der Erlöse für anderweitige Zwecke verballert.
    Das ging lange Zeit ganz gut, weil die Machtübernahme durch Chavez am Zeitpunkt von historisch niedrigem Ölpreis stattfand. Am Beginn seiner Regierungszeit weniger als 20, am Ende über 100$/Barrel.

    Socialist governments traditionally do make a financial mess. They always run out of other people’s money. It’s quite a characteristic of them.
    So ist das überall. In Venezuela mit dem kleinen Unterschied, dass den Sozis nicht das Geld anderer Leute, sondern die Einnahmen aus der Grundrente verlorengegangen sind.

    Natürlich ist das zweifelhaft und vielleicht sogar völkerrechtswidrig, wenn der große unbeliebte Nachbar nun versucht, aus dem halbtoten Gaul ein paar Stücke rauszuschneiden. Aber so ist nun mal die Welt.
    Wer sich selbst beide Beine abhackt und das noch als Erfolg rausstellt, der zeigt damit dass er nicht nur körperlich, sondern auch geistesschwach ist. Und der hat eben schlechte Karten wenn es nötig ist, vor dem Fressfeind wegzulaufen.

    Ja, es irritiert, dass sich die USA ausgerechnet im Fall Venezuela „verpflichtet“ fühlen, dem armen Volk zu Wohlstand und Demokratie zurückzuhelfen (warum nicht Papua-Neuguinea, Tschad oder Malawi?).

    Aber es irritiert genauso, dass unsere Edelhumanisten ihr Herz für Venezuela erst entdecken, seitdem die US-Geier ein Auge auf das Land werfen. Solange wie die Sozialisten das Land zerstört haben, hat es die einen nicht interessiert, die anderen haben den Wahnsinn zum Sozialismus des 21. Jahrhunderts hochgejubelt.

    Mit ist auch nicht ganz wohl beim Anblick des als vermeintlichen Erlöser präsentierten Guaidó. Auf mich wirkt der wie das Retortenbaby Macron.
    Woher kommen solche Typen eigentlich?
    Und von wem werden die finanziert?

    „Da demonstrieren all diejenigen, die nicht wollen, dass ihr Land invadiert wird.“

    Eher nein.
    Die Sozialisten haben die Wirtschaft verstaatlicht, einschl. der Gewerkschaften.
    Die heute für das Regime demonstrieren sind die Staatsangestellten.
    Die laufen mit, weil der Abteilungsleiter das anordnet. Das ist der einzige Grund.

    Und dass eine Opposition (wer ist das eigentlich?) diese Demonstrationen angreift, glaube ich in dem Augenblick, in dem jemand gerichtsverwertbare Beweise vorlegt.
    Keine Sekunde früher!

  37. „Hier könnte man hinzufügen, dass genügend alternative Medien – und zwar auch solche, die eher „links“ sind und Trump sicherlich nicht nahestehen – schon seit Langem kritisch berichtet haben.“

    In Deutschland?

    Manchmal löcken die Nachdenkseiten vorsichtig den Stachel.
    Und die Rote Fahne ist so originär links (Interessenvertreter der arbeitenden Klasse), dass es nach den aktuellen Kriterien der Merkelkratie wie Nazi wirkt.

    Aber sonst, gibt es noch ein links-alternatives Medium, dass sich ernsthaft von FAZ und SZ unterscheidet?

  38. Volker Bräutigam (zusammen mit Friedhelm Klinkammer) bezieht sich auf Stefan Niggemeiers Artikel und kritisiert Kai Gniffke:

    Aktuell gibt es übrigens wieder ein typisches Problem in der Berichterstattung von ARD-aktuell. Es geht um den mit Molotow-Cocktails abgefackelten US-Hilfskonvoi auf der Grenzbrücke zwischen Kolumbien und Venezuela. Der Medienkritiker und Blogger Stefan Niggemeier hat sorgfältig analysiert und belegt, dass ARD-aktuell zu Unrecht die Maduro-Sympathisanten bezichtigte, die Lastwagen mit Hilfsgütern aus den USA angezündet zu haben.

    Gniffkes „Fehler muss man zugeben“-Selbstanspruch sieht im vorliegenden Fall so aus: In einer diskreten Nische, auf tagesschau.de, „erklärt“ sein „Faktenfinder“ gewunden, „Die anderen haben es doch auch so gemacht.“ Peinlich, einfach nur peinlich. Die Falschmeldung vor dem Millionenpublikum der Tagesschau-Gucker zugeben und ihnen berichten, was wirklich auf der Brücke vorgefallen war? Selbstverständlich wird ein Gniffke das nicht machen.

    https://www.nachdenkseiten.de/?p=50507

    @ Anderer Max:

    „Außerdem ist Medium ja nicht gleich Medium.
    Klar misstraue ich der Bildzeitung, dubiosen Internet-Verschwörungsseiten und Mario Barth.“

    Na ja, dass man sehr gut beraten ist, auch sog, „seriösen Medien“ mit erheblicher Vorsicht zu begegnen, wurde doch nun wirklich genug beweisen. Sehen Sie sich beispielsweise nur die Ausführungen von Herrn Niggemeier in diversen Artikeln zur Ukraine- und Griechenland-Berichterstattung an (Stefan Niggemeier zur Griechenlandberichterstattung: „Ich fürchte, dass selbst Sisyphos den Auftrag ablehnen würde, all die Fehler, Irrtümer, Boshaftigkeiten, Unterstellungen, Voreingenommenheiten, Verdrehungen und Ressentiments in der Berichterstattung deutscher Medien über die neue griechische Regierung richtigzustellen, aus Sorge, die Aufgabe könnte ihn zu einem unglücklichen Menschen machen.“)

    Oder denken Sie an die unverschämten Lügen, die große seriöse Medien bis hin zur Presseagentur dpa (wenn zum Glück in diesem Fall auch keineswegs alle Medien) immer wieder zum Leistungsschutzrecht verbreiten – und man muss unterstellen, dass es sich hier tatsächlich nicht um Fehler, sondern wirklich um absichtsvolle Lügen handelt. Oder denken Sie an die Venezuela-Berichterstattung bezogen auf das Beispiel dieses Artikels oder auch allgemeiner (siehe auch den von mir in meinem ersten Beitrag hier verlinkten Artikel). Man könnte ein weiteres Beispiel nach dem anderen geben. Viele andere Beispiele enthalten auch von mir mehrfach erwähnte seriöse Bücher, von denen eines sogar hier auf Übermedien sehr positiv rezensiert wurde.

    Wenn das alles nicht ausreicht, um den Medien mit einem erheblichen Misstrauen zu begegnen, dann frage ich mich wirklich, was denn dann überhaupt ausreichen würde.

  39. @ Ahnungsloser:

    „Natürlich ist das zweifelhaft und vielleicht sogar völkerrechtswidrig, wenn der große unbeliebte Nachbar nun versucht, aus dem halbtoten Gaul ein paar Stücke rauszuschneiden. Aber so ist nun mal die Welt.“

    Wenn beispielsweise Russland eine verfehlte Wirtschaftspolitik eines mit dem Westen verbündeten Staates (etwa Estlands oder Georgiens) in einer solchen Weise ausnutzen wollte, und wenn Sie das entsprechend kommentieren würden, dann müssten Sie wohl aufpassen, nicht zum Zyniker abgestempelt zu werden.

    Ach wenn dieser Vorwurf womöglich ungerecht wäre. Denn wenn Sie Ihre Aussage nicht normativ, sondern nur deskriptiv meinen, dann kann man das wohl so sagen. Nur SOLLTE man es dann auch entsprechend sagen; und „man“ heißt hier: „die Medien“. Diese sollen kritisch die Motive der US-Regierung und der Bundesregierung analysieren, anstatt so zu berichten, so zu kommentieren und sich einer solchen Wortwahl zu bedienen, dass einem einseitigen Bild entsteht Vorschub geleistet wird. Die Medien sollen AUCH (nicht: allein) solche Tatsachen nennen und angemessen einordnen, die geeignet sind, westliche Narrative infragezustellen.

    Und sie sollten eine imperiale und völkerrechtswidrige Durchsetzung von westlichen Interessen genauso empört anprangern wie eine vergleichbare Machtpolitik, wenn sie von Russland oder China betrieben wird.
    Oder man soll gleich ganz auf moralische Wertungen verzichten. Dann aber bitte überall also etwa auch bei Russland und China oder anderen „Feinden“ des Westens. (Auch einen Adolf Hitler sollte man dann übrigens – wenn überhaupt – höchstens noch für ganz schlimme Sachen wie Völkermorde kritisieren, aber nicht mehr beispielsweise dafür, dass er andere Länder mit mit militärischer Macht erpresst hat.)

    Im Übrigen haben Sie natürlich recht, dass die Wirtschaftspolitik Venezuelas erhebliche Probleme verursacht hat. Sie erwähnen aber nicht, wie weitreichend die Sanktionen des Westens sind und welchen immensen Schaden sie anrichten. So schreibt der Independent (zit. n. Media Lens, siehe # 15):

    Former special rapporteur Alfred de Zayas, who finished his term at the UN in March, has criticized the US for engaging in „economic warfare“ against Venezuela which he said is hurting the economy and killing Venezuelans.‘

    „Sanctions kill,“ he told The Independent, adding that they fall most heavily on the poorest people in society, demonstrably cause death through food and medicine shortages, […].

    On his fact-finding mission to the country in late 2017, he found internal overdependence on oil, poor governance and corruption had hit the Venezuelan economy hard, but said „economic warfare“ practised by the US, EU and Canada are significant factors in the economic crisis.‘

    FAIR (zit. n. Media Lens, ebd.) schreibt:

    Trump ramped up the Obama administration’s sanctions, an action that caused Venezuelan oil production to plummet (FAIR.org, 12/17/18) and the economy to nosedive. Furthermore, US economic warfare against the country has cut Venezuela off from global capital markets—with the Trump administration threatening bankers with 30 years in prison if they negotiate with Caracas a standard restructuring of its debt (AlterNet, 11/13/17). The UN Human Rights Council formally condemned the US, noting that the sanctions target „the poor and most vulnerable classes,“ called on all member states to break them, and even began discussing reparations the US should pay to Venezuela.

    Würde man beispielsweise solche Informationen in den Medien im Zusammenhang mit der Venezuela-Berichterstattung prominent bringen, verbunden mit Hinweisen auf die Äußerungen von führenden US-Politikern, die ziemlich eindeutig (im Fall von Trump sogar ganz eindeutig) zeigen, dass es um die rücksichtslose und im Zweifelsfall gerne auch völkerrechtswidrige Durchsetzung eigener Interessen geht, dann würde das etwas einseitige Bild vom edlen Westen und vom bösen Maduro, dem man allenthalben begegnet, wohl ziemlich leiden.

    (Die erwähnten Informationen sind natürlich nicht die einzigen Informationen über Venezuela, die relevant und berichtenswert sind. Natürlich gibt es auch genügend wichtige Informationen, die die venezuelanische Regierung schlecht aussehen lassen, und die ebenfalls absolut berichtenswert sind (etwa das erhebliche Versagen in der Wirtschaftspolitik.) Dies nur zur Sicherheit; mir wurde nämlich zuletzt unterstellt, dass ich, wenn ich sage, dass AUCH bestimmte Informationen relevant sind, ich damit stets implizieren würde, dass NUR diese Informationen relevant seien – selbst wenn ich ausdrücklich das Gegenteil versichern würde.)

    „Aber es irritiert genauso, dass unsere Edelhumanisten ihr Herz für Venezuela erst entdecken, seitdem die US-Geier ein Auge auf das Land werfen.“

    Inwieweit haben diese denn „ihr Herz für Venezuela entdeckt“ – abgesehen davon, dass sie die herrschende Berichterstattung und die ziemlich wenig kritisierte Politik der USA hinterfragen? Meines Wissens sehen auch viele Linke die Politik Venezuelas negativ oder sind von ihr enttäuscht – soweit ich gelesen habe, gilt das beispielsweise auch für Chomsky.

    Oder liegt das Problem darin, dass die „Edelhumanisten“ die Berichterstattung zu Venezuela vor allem dann vermehrt kritisieren, wenn Venezuela im Fokus der Berichterstattung steht, und weniger dann, wenn es in der Berichterstattung kaum auftaucht? Oder darin, dass die „Edelhumanisten“ vor allem dann Kritik am Handeln der Venezuela-Politik der USA äußern, wenn die USA in der Causa handeln (oder damit drohen), und nicht dann, wenn wie nicht handeln?

    „Aber sonst, gibt es noch ein links-alternatives Medium, dass sich ernsthaft von FAZ und SZ unterscheidet?“

    Telepolis würde ich in der Gesamtheit als eher links einstufen, oder die „Junge Welt“, ebenso den schweizerischen Infosperber und verschiedene andere teils kleinere Seiten. Wenn man „Medium“ in einem weiteren Sinne definiert, könnte man wohl auch „Übermedien“ dazuzählen. Ich dachte in diesem Zusammenhang allerdings eh nicht nur an deutschsprachige alternative Medien, sondern auch an englischsprachige.

    @ alle:

    Noch zwei Gedankenexperimente:

    Gdankenexperiment 1:

    Verglichen mit Saudi-Arabien sind die Zustände in Venezuela im Hinblick auf Demokratie und Menschenrechte – bei aller Kritik – fast noch paradiesisch. Und das Elend, das Saudi-Arabien zwar nicht über das eigene Volk, aber in einem völkerrechtswidrigen Krieg über das Volk im Jemen bringt, ist WEIT schlimmer als die Situation in Venezuela (der Angriff auf ein anderes Land dürfte Saudi-Arabiens Verhalten völkerrechtlich sogar noch schwerer wiegen lassen).
    Nehmen wir an, Russland würde dies als Rechtfertigung nehmen, sich um den Sturz der saudiarabische Regierung zu bemühen und auch mit militärischen Interventionen drohen. Putin würde allerdings ziemlich unverhohlen sagen, dass es nur um die Kontrolle des saudischen Öls ginge.

    Würde man dann auch schulterzuckend reagieren? Würden die Medien mutatis mutandis genauso berichten und kommentieren wie in der Venezuela-Krise?

    Gedankenexperiment 2: Es gibt offenbar sehr guten Grund daran zu zweifeln, dass George W. Bush 2000 überhaupt demokratisch gewählt wurde die spätere Stimmenauszählungen ergeben haben. Selbst nach dem teils merkwürdigen amerikanischen Recht, wo auch der Kandidat mit weniger Stimmen gewinnen kann, wäre Bush demnach nicht demokratisch gewählt worden. (Siehe den Telepolis-Artikel „Nachgezählt: Al Gore hätte die US-Präsidentschaftswahl gewonnen“.)
    Zudem hat Bush mit dem Irak-Krieg einen Angriffskrieg mit einer Million Toten auf dem Gewissen. Das Nürnberger Trubunal bezeichnete Angriffskriege als „the supreme international crime“, weil sie für alle anderen Verbrechen gewissermaßen die Grundlage darstellen.
    Man wird Maduro wohl beim besten Willen kein Verbrechen in der Dimension eines Angriffskrieges mit einer Million Toten zuschreiben können.

    Wäre es also denkbar, dass Deutschland ohne große Kritik durch die Medien die damalige US-Regierung deshalb für illegitim erklärt und Sanktionen gegen die USA verhängt hätte? Oder dass auch nur die Medien erklärt hätten, dass die Bundesregierung eigentlich so handeln müsste, es aus Macht-Gründen aber leider nicht könne?

    Die Antworten auf diese Fragen sind jeweils offensichtlich. Sie unterstreichen, dass die westlichen Medien keine neutralen Beobachter sind, sondern parteilich zugunsten der westlichen Politik und westlicher Interessen berichten und kommentieren.

    Bernd Ulrich, der stellv. Chefredakteur und Politik-Ressortleiter der „Zeit“ und somit sicherlich ein „Mainstream-Journalist“, schrieb, dass zwar nicht „amerikanische Agenten Parolen ausgeben, die von deutschen Journalisten hernach unverzüglich und unverfälscht in die Zeitungen gebracht werden. Es wird dort sogar kontrovers diskutiert. Allerdings entsteht dabei eine eng umgrenzte Zone des Denkbaren und des Abwegigen, es werden Logiken und Sichtweisen geteilt, über die man sich so einig ist, dass sie gar nicht als Sichtweisen erscheinen, sondern als schiere Selbstverständlichkeit.“ (Zitiert nach Uwe Krüger, „Immer einer Meinung“, Blätter für deutsche und internationale Politik, 8’16, Aug. 2016, online abrufbar).

    Diese und ähnliche kritische Analysen lassen sich an unzähligen Beispielen verdeutlichen – und doch gibt es genug Leute, die das offenbar einfach nicht wahrhaben wollen und beim besten Willen keine Voreigenommenheit beim Gros der Medien erblicken können.

  40. @40: Mentalitätsunterschied, bzw. Weltbild. Ich ver- oder misstraue keinem Medium per se, sondern der Meldung, dem Autor, analysiere Fakten und bewerte sie für mich.
    Wenn ich zu der Schlussfolgerung komme „tagesschau hat in dieser Frage einseitig berichtet“ schlussfolgere ich daraus nicht, dass die tagesschau mich generell fehlleiten will. Das wäre ein Fehlschluss, egal wie oft der Einzelfall das (vermeintlich) belegt.
    Um es mit meinem Lieblingsthema Esotherik und Pseudowissenschaft zu vergleichen: Noch so viele Leute können mir erzählen, dass sie von Globuli geheilt wurden, das belegt nicht die Wirksamkeit von Globuli.

    Ich glaube, das was Sie als „Misstrauen“ bezeichnen, ist eine gesunde, menschliche Skepsis, die jedermann gegenüber jeder Aussage an den Tag legen sollte. Mich stört, ganz offen, das belehrende Element: Wer Springer konsumieren und denen glauben will, der soll es tun! Aber der soll halt dann auch nicht rumheulen, wenn man ihm sagt „Nö, das stimmt nicht“. Ebenso Esotheriker .. wer dran glauben will, soll dran glauben! Wer aber einen naturwissenschaftlichb egründeten Wirkmechanismus meint herleiten zu können, der muss mit Widerspruch rechnen.

  41. #42 – ich greife Ihre Formulierung mal auf:
    Wer interessengeleitete, abhängige, eingebettete Medien (die „seriösen“ Medien) konsumieren und denen glauben will, der soll es tun! Aber der soll halt dann auch nicht rumheulen, wenn man ihm sagt „Nö, das stimmt nicht“.

    Es geht nicht um Autor oder Medium. Es geht um, ganz genau: Fakten. Quellen. Vorgehensweise bei Recherche und Aufbereitung. Tatsächlich verantwortungsbewusste Berichterstattung – transparent genug, damit man sich ein eigenes Urteil bilden kann und gfs. Einschätzungen, Meinungen, Glossen und Kommentare nachvollziehen und deren Grundlage prüfen kann.
    Und nicht zuletzt gehört zum Verantwortungsbewusstsein: Etwaige unterlaufene Fehler einzugestehen, zu korrigieren und mindestens so präsent wie die ursprüngliche, falsche Berichterstattung zu veröffentlichen – also den Fehler nach Kräften wieder gut zu machen.

    Dies alles erlebe ich in größeren Teilen der freien Medien, vielfach selbstverständlich: Klare Quellenangaben, nachvollziehbare Schlüsse, Kritikfähigkeit und „schlimmstenfalls“ zähneknirschendes oder gar willkommenes Abrücken von vormaligen, inzwischen widerlegten Sichtweisen. – Es gibt andere, ja. Von denen spreche ich aber nicht, denn ich halte unseriöse Vorgehensweisen für nur willkürlich nützlich, und meide faktenarme oder -lose „Berichte“; solche ließen sich wohl am ehesten als „Verschwörungstheorien“ bezeichnen, da sie mit höchstens losem Faktenbezug über Zusammenhänge fantasieren. Ich überfliege nur oder meide so etwas, wenn ich an den Fakten interessiert bin.

    Und da sind wir auch schon bei „den seriösen Medien“:
    • Lose Zusammenhänge teils gar zu Hörensagen-„Fakten“ (Skripnik; Wissenschaftler sagen „wie mal in Russland gebaut“, die Politiker sprechen von „es müssen die Russen gewesen sein“ und verhängt deshalb Sanktionen, die Tagesschau präsentiert es so, dass wir seitdem wissen: Die Russen haben in GB einen Ex-Agenten vergiftet, Sanktionen sind angemessen und gut / alternativlos. Nichts von alldem wurde ernsthaft hinterfragt. Obwohl dies jeglicher Logik widerspricht, wie man leicht heraus findet, wenn man sich in freien Medien informiert. Die „Seriösen“: schweigen über das Wesentliche).
    • Vielfach fehlende Quellenangaben. Oft werden peinlicherweise sogar Quellen genannt, die das Gegenteil des Behaupteten aussagen (z.B.: In „Berichten“ über den MH-17 Absturz wird auf den Abschlussbericht eines Ingenieurverbandes in Russland verwiesen; dieser sagt aber aus, dass das Fazit o.g. Berichtes – dass Russland mit einer BUK-Rakete abgeschossen hat – unmöglich ist, es keinesfalls eine BUK-Rakete war!).
    • Jede Infragestellung der jeweils offiziellen Lesart von Ereignissen wird gebasht und tabuisiert; selbst sachlichste Kritik oder Hinweise auf Fehler in der Vorgehensweise werden mit frechen Unterstellungen und respektlosesten Behauptungen – oft persönlicher Art – gekontert und so gut wie nie ernsthaft bzw. überhaupt behandelt.
    • Erzwungene Richtigstellungen erscheinen unter ferner liefen..

    So, und dies sowie noch viel Beschämenderes erleben wir nun mindestens seit Jahrzehnten: JEDE offizielle Lesart wurde propagiert, bis die von Anfang an an die Wand gemalten alternativlosen „Notwendigkeiten“ – die jeweils auf Tod und/oder Leid vo Hunderttausenden bis Millionen hinausliefen!! – plausibel genug erschienen. Und am Ende hat bisher NIE* etwas davon gestimmt!

    Aber Sie fabulieren über Menschen, die Ihre Vorstellung von Glaubwürdigkeit nicht teilen – sondern deutlich höhere Ansprüche in ihre Informationsbeschaffung einfließen lassen? Was ne Chuzpe!

    * die Gründe für die Angriffskriege auf Vietnam, Afghanistan, Irak, Libyen, Syrien, bald Venezuela und auch für mindestens einige der weiteren überfallenen Länder haben allesamt NICHT bestanden.
    Hammer eigentlich, für Sie aber wirklich nicht?

  42. @ 37 ichbinich

    Verstehe ich das richtig, dass Sie nicht in Frage stellen, dass Maduro 2018 legitim zum Präsidenten gewählt wurde, aber Sie kritisieren ihn wegen Haltungsfragen und möchten deshalb, dass per US-Invention ein Putschist eingesetzt wird?

    Wer hat den Wikipedia-Artikel geschrieben? Wenn Sie in die Versionsgeschichte schauen, sehen Sie, dass es in der letzten Zeit vor allem Anidaad war. Das ist ein Pseudonym. Sie zitieren also eine pseudonyme Quelle aus dem Internet.
    https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Nicol%C3%A1s_Maduro&action=history

  43. (41.) „Meines Wissens sehen auch viele Linke die Politik Venezuelas negativ oder sind von ihr enttäuscht“

    Natürlich habe ich über die Jahre keine systematische Datenerhebung betrieben.
    Aber was man so als leicht überdurchschnittlich Interessierter so aufschnappt war eben, dass die Linken enthusiasmiert waren vom lateinamerikanischen Sozialismus, der sich (Ungefähr) mit der Jahrtausendwende immer mehr ausbreitete.
    Dabei war in der Wertschätzung Venezuela ganz oben. Was wohl daran lag, dass der charismatische Hugo Chavez die feuchten Träume der Linken am meisten umgesetzt hatte.
    Jetzt, wo der sozialistische Karren wieder mal richtig im Dreck steckt, kommt die übliche Erklärung: kein Sozialismus.

    „Gedankenexperiment 1:“

    Ich denke, jeder Vernünftige hat im Hinblick auf Venezuela dieses (oder ähnliches) Gedankenexperiment schon durchgezogen.
    So wie es sich generell empfiehlt, unterschiedliche Wertungen zu gleichen Sachverhalten (volgo: Doppelstandards) zu identifizieren.
    Das bringt oft erstaunliche Ergebnisse. Und manchmal ganz fantastische Wutanfälle (wie hier vor ein paar Tagen von @ichbinich).

  44. @Jaheira:

    @ 37 ichbinich

    „Verstehe ich das richtig, dass Sie nicht in Frage stellen, dass Maduro 2018 legitim zum Präsidenten gewählt wurde, aber Sie kritisieren ihn wegen Haltungsfragen und möchten deshalb, dass per US-Invention ein Putschist eingesetzt wird?“

    Ich stelle infrage, dass Maduro demokratisch an der Macht ist, ja.
    Und nein, ich möchte keine US-Intervention in Venezuela. Ich halte auch die Anerkennung von Guaido für falsch. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass Maduro sich wie ein Diktator verhält, und das muss kritisiert werden.
    Gegenfrage: Für Sie ist Demokratie und Gewaltenteilung eine „Haltungsfrage“?

    „Wer hat den Wikipedia-Artikel geschrieben? Wenn Sie in die Versionsgeschichte schauen, sehen Sie, dass es in der letzten Zeit vor allem Anidaad war. Das ist ein Pseudonym. Sie zitieren also eine pseudonyme Quelle aus dem Internet.“

    Sie kritisieren Wikipedia für anonyme Autorenschaft? Ein Tipp: Alle Aussagen in Wikipedia sind mit Quellen verlinkt, die können Sie anklicken und überprüfen.
    Glauben Sie einer „normalen“ Enzyklopädie oder dem Duden auch nicht, weil da nicht überall dasteht, wer den Artikel geschrieben hat?
    Dann gleichzeitig aber Amerika21 als glaubhafte Quelle anzugeben entbehrt nicht einer gewissen Ironie…

    @Ahnungsloser:
    „Und manchmal ganz fantastische Wutanfälle (wie hier vor ein paar Tagen von @ichbinich).“

    Aja? Der ist mir irgendwie entgangen…

  45. @ Anderer Max:

    „Wenn ich zu der Schlussfolgerung komme ‚tagesschau hat in dieser Frage einseitig berichtet‘ schlussfolgere ich daraus nicht, dass die tagesschau mich generell fehlleiten will. Das wäre ein Fehlschluss, egal wie oft der Einzelfall das (vermeintlich) belegt.“

    Das stimmt natürlich. Wenn die Tagesschau allerdings bei vielen wichtigen Themen einseitig, selektiv und tendenziös berichtet, und zwar in aller Regel in eine bestimmte Richtung, dann darf man durchaus schlussfolgern, dass bei ihr erhebliche strukturelle Defizite im Hinblick auf die journalistische Arbeitsweise existieren. Des Weiteren darf man schließen, dass man als Medien-Konsument gut beraten ist, der Tagesschau mit erheblicher Vorsicht (oder Skepsis) zu begegnen. Mit einem höheren Maß an Vorsicht, als man es beispielsweise spontan mit dem Begriff „Qualitätsmedium“ in Verbindung bringen würde. (Natürlich sollte man immer kritisch sein; aber viele Medien geben mehr Grund für kritische Vorsicht, als ihnen gut anstehen würde.)

    @ Jens:

    Und auch in Wirtschaftsfragen orientieren sich die Medien gewöhnlich an der Politik. Gibt es dort weitgehende Einigkeit, dann wird die jeweilige Politik oftmals als mehr oder weniger „alternativlos“ dargestellt.

    @ Ahnungsloser:

    „Aber was man so als leicht überdurchschnittlich Interessierter so aufschnappt war eben, dass die Linken enthusiasmiert waren vom lateinamerikanischen Sozialismus, der sich (Ungefähr) mit der Jahrtausendwende immer mehr ausbreitete.“

    Die Frage wäre, was man mit „Linke“ bezeichnen möchte. Ich hatte eigentlich eher ein weites Spektrum als strammen Sozialismus im Sinne. Mein ursprünglicher Satz lautete ja:

    „Hier könnte man hinzufügen, dass genügend alternative Medien – und zwar auch solche, die eher ‚links‘ sind und Trump sicherlich nicht nahestehen – schon seit Langem kritisch berichtet haben.“

    Ich habe den weiten Begriff „eher ‚links'“ insbesondere auch in Abgrenzung zu den „right-wing“-Medien gebraucht, auf die Greenwald sich folgendermaßen bezieht:

    „While standard liberals outlets obediently said whatever they were told by the CIA & FBI, many reporters at right-wing media outlets which are routinely mocked by super-smart liberals as primitive & propagandistic did relentlessly great digging & reporting. Sorry this is true:“

    Gemeint war von meiner Seite: Nicht nur rechtslastige Medien, sondern auch alternative Medien, die tendenziell als „links“ gelten können und jedenfalls wenig mit Trump am Hut haben dürften, haben oftmals durchaus kritisch berichtet.
    Die von mir als „eher ‚links'“ bezeichneten Medien dürften eine heterogene Gruppe darstellen. Sie müssen – jedenfalls so, so wie ich die Begriffe benutze – nicht unbedingt „sozialistisch“ und von Chavez begeistert sein. Manche dieser Medien mögen Chavez tatsächlich verehrt haben oder verehren, andere wahrscheinlich eher nicht.

    „Ich denke, jeder Vernünftige hat im Hinblick auf Venezuela dieses (oder ähnliches) Gedankenexperiment schon durchgezogen.“

    Ihr Wort in Gottes Ohr! Und in das zahlreicher Medienschaffender! Dann würde uns vielleicht wirklich einiges an Doppelmoral erspart bleiben.

  46. Und wohl wieder ein alltägliches weiteres Beispiel dafür, dass Medien offenbar häufig selektiv, einseitig und irreführend im Interesse „des Westens“ berichten:
    Die Nachdenkseiten legen m.E. überzeugend dar, dass die Sanktionen der EU sehr viel Leid über die syrische Zivilbevölkerung bringen, ohne das Regime dort entscheidend zu beeinträchtigen.
    Sie führen weiter aus, dass dieses Thema in den Medien selten auftauche und dort, wo es auftaucht, teilweise heruntergespielt wird:

    https://www.nachdenkseiten.de/?p=50545

    Die Kritik scheint berechtigt zu sein:
    – Man findet tatsächlich kaum Beiträge aus Mainstream-Medien, wenn man nach entsprechenden Suchbegriffen (sanktionen, syrien, humanitär) googelt. Dafür findet man Beiträge alternativer Medien oder von Friedensorganisationen.
    – Auch die Quellen und Argumente, auf die die Nachdenkseiten sich berufen, um zu zeigen, wie schädlich die Sanktionen für die syrische Bevölkerung sind, scheinen stichhaltig zu sein.

    (Und auch hier möchte ich gleich betonen, dass ich natürlich nicht NUR die Sanktionspolitik des Westens und ihre Folgen für berichtenswert halte, sondern natürlich auch z.B. die Verbrechen des syrischen Regimes. Mir geht es nicht um eine „umgedrehte Einseitigkeit“, sondern um eine möglichst unvoreigenommene Berichterstattung, die alle wichtigen Themen aufgreift. Eigentlich finde ich es doof, das jedes einzelne mal betonen zu müssen, aber sonst wird mir wieder was unterstellt.)

    Man kann sich kaum des Eindrucks erwehren, dass Informationen, die der Sache nach sehr brisant sind, den Westen aber in einem sehr schlechten Licht erscheinen lassen, oft in der medialen Peripherie verbleiben. Allein wenn es um Sanktionen geht, fallen mir spontan drei herausragende Beispiel ein:

    – Die Sanktionen gegen den Irak hatten offenbar katastrophale Folgen. Zwei Leiter des Oil-for Food-Programms, Denis Halliday und Hans von Sponeck, gaben ihnen die Hauptschuld an der humanitären Krise im Irak, die 500.000 Kindern das Leben kostete. Sie beschuldigte den Westen explizit des „Völkermordes“. Berichtet wurde das meines Wissens nicht allzu groß.
    – Die Sanktionen gegen Venezuela haben – neben der schlechten Wirtschaftspolitik der dortigen Regierung – offenbar sehr zur humanitären Krise dort beigetragen. Berichtet wird auch das dem Anschein nach wenig.
    – Auch die Syrien-Sanktionen haben offenbar sehr negative Auswirkung auf die Situation der Bevölkerung dort, aber auch das wird augenscheinlich kaum berichtet.

    Ich ertappe mich dabei, dass ich mich inzwischen schon fast dazu zwingen muss, Mainstream-Medien überhaupt noch zu konsumieren, wenn es um Konflikte geht, bei dem die tonangebenden westlichen politischen Eliten ziemlich geschlossen gegen ein Land stehen. Ich erwarte einfach gar keine ausgewogene, faire, auch der eigenen Seite gegenüber kritische Berichterstattung mehr.

  47. #48 LLL:

    Ihr Syrien-Beispiel hat fast noch einmal eine andere Qualität. Während man im Fall der Venezuela-Hilfsgüter noch sagen kann, dass die Falscherzählung in den ersten Wochen die absolut dominante innerhalb des Mediensystems war, nur alternative Medien sich bereits mit den Bildern des Molotov-Cocktails beschäftigten, und man auch deshalb von vielen Medien nicht mehr als ein desinteressiertes mit-dem-Strom-schwimmen erwarten konnte, gibt es im Falle der Sanktionen gegen Syrien eine Vielzahl von seriösen Quellen (WHO, World Food Programme der FAO, ESCWA, die Friedrich Ebert Stiftung, duzendweise Aussagen von NGO-Mitarbeitern vor Ort, …), die die schädlichen Auswirkungen der Sanktionen auf die Zivilbevölkerung belegen. Vom gut untersuchten Beispiel Irak in den 90er Jahren zur Wirkung von solchen Sanktionen ganz zu schweigen (mir hallt immer noch Madeleine Albrights „500.000 dead children was worth it“ in den Ohren).

    Dass in der Zeit ein derartig grob entstellender Artikel erscheinen kann, ist auch bei gutem Willen nicht mehr mit Unachtsamkeit erklärbar.

  48. @ Illen:

    Wobei, wenn man zynisch wäre, könnte man fast schon sagen:
    Immerhin hat sich die ZEIT sich überhaupt (!) des Themas angenommen, wenn offenbar auch in einer sehr denkwürdigen Weise. Denn das scheint ja selten genug zu passieren.

    Es hat ganz den Anschein, dass die Medien sich vor allem dann für das Leid der Menschen in Ländern wie dem Irak, Syrien oder Venezuela vor allem dann interessiert, wenn es sich im Sinne neoimperialer westlicher Interessen ausschlachten lässt (wenn es sich also insbesondere für westliche Kriege oder „Regime Changes“ instrumentalisieren lässt).
    Soweit das Leid hingegen ganz wesentlich vom Westen (mit)verursacht wird und seine breite Diskussion also den Interessen des Westens abträglich wäre, interessiert es offenbar oftmals wenig.

    John Pilger hatte seinerzeit im Guardian im Hinblick auf die Irak-Sanktionen, deren desaströse Wirkungen er überzeugend darlegt hatte, erklärt:

    „Denial is easy, for Iraqis are a nation of unpeople in the West, their panoramic suffering of minimal media interest; and when they are news, care is always taken to minimise Western culpability.“

    Das dürfte sich ziemlich problemlos auf die Menschen in anderen Dritt-Welt-Staaten generalisieren lassen.

    Zum Zitat von Mrs. Albright fällt mir noch die Frage ein, ob sie sich wohl auch vergleichbar geäußert hätte, wenn die Sanktionen gegen den Irak dazu geführt hätten, dass dieses Land auch keine Güter, die für andere Völker lebenswichtig sind, mehr hätte ausführen können; und wenn die Sanktionen deshalb zum Tode von 500.000 US-amerikanischen, britischen oder israelischen Kindern geführt hätten.
    Und noch eine andere Frage stellt sich: Hätten die Medien sich genauso wenig für eine Sanktionspolitik interessiert, die den Tod von 500.000 US-amerikanischen, britischen oder israelischen Kindern heraufbeschworen hätte und von den verantwortlichen UNO-Leuten als „Völkermord“ bezeichnet worden wäre?

    Ulrich Teusch, der Professor für Politikwissenschaft ist und für den ÖR-Hörfunk arbeitet, hatte kürzlich Bilanz zu seinem Buch „Lückenpresse“ gezogen. Er schreibt:

    In der Lückenpresse hatte ich den Mainstream-Medien eine düstere Zukunft prophezeit; im Untertel [sic] war vom „Ende des Journalismus, wie wir ihn kannten“ die Rede. In dieser Prognose lag, wie ich zugebe, auch ein wenig Zweckpessimismus. Klammheimlich hatte ich gehofft, Unrecht zu haben und eines Besseren belehrt zu werden. All die medienkritischen Bücher (etwa von Uwe Krüger, Jens Wernicke, Volker Bräutigam, Friedhelm Klinkhammer und anderen), all die Artikel, Leserforen, Diskussionsrunden, Meinungsumfragen – das konnte doch auf die Dauer seine Wirkung nicht verfehlen, sagte ich mir.

    Und doch – all das hat seine Wirkung verfehlt! Ich kann keine Wende zum Besseren erkennen. Eher ist das Gegenteil der Fall. Und, ganz ehrlich, ich habe die Hoffnung aufgegeben, dass sich noch viel Positives tun könnte. Die etablierten Medien sind nicht reformierbar. Sie werden einfach weitermachen wie gehabt – und sich dann über die unvermeidlichen Folgen wundern.

    https://augenaufunddurch.net/2019/03/11/lueckenpresse-bilanz/

  49. @ 46 ichbinich

    Also geht es im Wesentlichen doch um die Frage, ob die Wahl Maduros im Jahr 2018 rechtens war. Alle anderen Fragen sind in meinen Augen Ablenkung. Und zur wesentlichen Frage haben Sie mir keinen Grund genannt, warum diese Wahl nicht legitim gewesen sein soll.

    Selbstverständlich bin ich für Gewaltenteilung und Demokratie, vor allem im eigenen Land. Wenn die Präsidentschaftswahlen 2018 legitim waren, wie würde dann die Aberkennung des Wahlergebnisses und Neuwahlen „Gewaltenteilung und Demokratie“ in Venezuela verbessern? Nach dem Motto, es muss solange gewählt werden, bis das Ergebnis passt? … Aber eigentlich ist auch das nur Ablenkung. Die Frage, die hier konkret im Raum steht, ist doch, ob die USA per Intervention Guaidó an die Macht putschen sollen oder ob Maduro Präsident bleiben soll. Argumente, Maduro sei ein schlechter Mensch oder es sollten Neuwahlen stattfinden zielen auf eine Putschregierung ab. Maduro oder ein Putsch sind die einzigen Optionen, die realistisch im Raum stehen.

    In der Wikipedia hat ein pseudonymer Autor aus einer Vielzahl möglicher Artikel über Venezuela eine kleine Auswahl getroffen, und aus diesen Artikel einen kleinen Ausschnitt ausgewählt. Es handelt sich nicht um eine Presseschau, sondern um das zusammenstückeln von Infoschnipseln, die die eigene Meinung darstellen. Der Amerika21-Artikel, den ich Verlinkt habe, wurde von Eva Haule geschrieben. Sie scheint eine ehemalige RAF-Terroristin zu sein … was jetzt gar nicht so vertrauenserweckend auf mich wirkt. Aber wer ist für die Zusammenstellung des Wikipedia-Artikels verantwortlich? Das könnte ja ebenfalls ein Ex-Terrorist sein. Oder ein PR-Angestellter bei der Atlantik-Brücke, beim Verfassungsschutz, bei einem Rüstungskonzern, bei eine Öl-Firma etc. oder ein bereits bekannter und überführter Lügner. Ich wüßte es gerne.

  50. #51 Jaheira, ichbinich:

    Ich will mich nicht inhaltlich in Ihre Debatte einmischen, aber zumindest kurz darauf hinweisen, dass man wikipedia bei aktuellen und iwS geopolitischen Themen in der Tat mit Vorsicht genießen muss. Das LG Hamburg hat vor ein paar Wochen zB im Hauptsacheverfahren der wikihausen-Macher gegen Jörg Grünewald alias „feliks“, einen wikipedia-Vielschreiber, dessen Deanonymisierung für rechtmäßig erklärt mit der Begründung, es bestehe wegen der hochgradig manipulativen und politischen Art der wiki-Arbeit von Grünewald sowie dessen Deckung durch einflussreiche Admins und wikimedia-Mitarbeiter ein öffentliches Interesse an der Deanonymisierung.

    Es ist ja auch leider kein Wunder, dass Wikipedia, einzig übrig gebliebenes relevantes Lexikon und fünfgrößte Webseite der Welt nach Visits (!) Ziel von PR- Agitprop- und sonstigen politischen Einflussversuchen ist. Man sollte dabei auch die tatsächliche Struktur der Wikipedia mit nur wenigen Hundert Vielschreibern und mächtigen Admins vs. einer breiten Masse an Kaum- und Wenigschreibern zur Kenntnis nehmen. Wikipedia ist längst nicht mehr – und war vielleicht auch nie wirklich – das basisdemokratische Schwarmlexikon, und das Urteil des LG Hamburg zeigt auch insofern, dass sich spätestens über die letzten Jahre dort Macht-Cliquen herausgebildet haben, die ihre politische Agenda bearbeiten und im Schutz der Anonymität aktiv abschirmen. Jedenfalls im Bereich politischer Artikel ist massiv Vorsicht geboten (einseitige Quellenauswahl und -Gewichtung, Weglassen von zum Verständnis Relevantem, Verunklarung durch Überschwemmung mit nebensächlichen Details, usw).

  51. #50 LLL:

    „Wobei, wenn man zynisch wäre, könnte man fast schon sagen:
    Immerhin hat sich die ZEIT sich überhaupt (!) des Themas angenommen …“

    Zynisch wäre dann sicherlich das richtige Wort, denn tatsächlich müsste man mE sagen: lieber kein Artikel, als so ein Artikel. Er ist ja erkennbar aus dem Versuch geschrieben, das nach Sachlage völlig eindeutige Thema Sanktionswirkungen zu verunklaren. Ich will der Zeit noch nicht mal Vorsatz vorwerfen, auch wenn dieser mit Blick auf die eindeutige und seriöse Quellenlage natürlich naheliegt. Ähnlich wie die unfassbare „Studie“ des Londoner King’s College neulich über „russische Narrative“, die sich beim Nachlesen dann nicht als Narrative, sondern bloß als der eigenen Seite unangenehme Fakten entpuppen, könnten bei der Zeit diesbezüglich auch einfach Gläubige sitzen, die ihre Weltsicht mit allen Mitteln verteidigen und sich dabei im Recht sehen, wie alle Gläubige.

  52. @Illen: Sehr sehr trefflich, Danke!
    Sowohl in Bezug auf Wikipedia – wo genau diese Tatsachen in ihrer Tragweite, auch gesellschaftlich, kaum zu überschätzen sind – als auch in Bezug auf die Zeit – wo (nicht-) Vorhandensein von bösem Willen oder Vorsatz aber eben doch auf ein auf-den-Kopf-Stellen und völliges Verunklaren der Tatsachen hinaus läuft. Auch, weil beides – so beängstigend eine solche Vorstellung auch ist – auf eine Übertragbarkeit zu nahezu allen Medien / Informationsquellen / „Tatsachen“ nicht nur auf der Hand liegt, sondern eigentlich zwangsläufig untersucht werden müsste. Weil Feststehendes scheinbar eher nur willkürlich / zufällig auch mal wirklich wahr ist, wie es dargestellt wird (von Wikipedia und Zeit, Tagesschau und Relotius, Bild, Spiegel und taz, US-Präsidenten oder -Oppositionellen, Seibert auf der BPK und Böhmermann auf Neo), steht die Frage im Raum:
    Was stimmt (in Bezug auf alle wichtigen, unser Leben bestimmenden Themen) denn wirklich?

    Daran genau hat allerdings zunächst niemand Interesse, der nicht schlagartig allen Boden unter den Füßen verlieren will – weder „die“ (Medienmacher / Informations-Bereitsteller), noch wir selbst!
    Ich z.B. mag es nicht besonders, wenn ich feststelle, dass ich nicht nur sackdreist belogen wurde, sondern dadurch auch noch alle, teils existentiellen „Wahrheiten“, die damit in Zusammenhang stehen, verliere. Plus: Dann muss ich ja sogar auch noch diese Lücke füllen! Und wer weiß, was dabei vielleicht noch viel Schlimmeres zu Tage tritt..?
    Andererseits: Truth prevails, anyway. Besser jetzt als schlimmstenfalls zu spät dann auch mit Tatsächlichkeiten umgehen, denke ich dann, anstatt weiter (etwas genauer betrachtet:) hanebüchen-konstruierten Dreck zu schlucken. Insbesondere wenn er ein um’s andere Mal in totale Desaster mündet in seiner jeweiligen Alternativlosigkeit: Ganz normale Menschen gehen inzwischen teils gewalttätig gegeneinander vor, und die, die noch Schlimmeres können, machen entsprechend ganze Länder und Völker platt – seit Jahrzehnten, immer lügen-basiert und dies, während zunehmend ganz Wenige an all dem verdienen, wofür der Rest (wir!) auch noch bezahlt!

    Aber 1. jeder wie er will und kann, und 2. war ich vor wenigen Jahren auch noch weit von solch einer Sicht auf die Dinge entfernt – und „Lügenpresse“-Behauptungen klangen mir ähnlich eklig und abwegig wie auch heute noch 88% der Menschen.. Wer bin ich also zu entscheiden, dass dies Andere ausgerechnet nun endlich auch begreifen müssen?

    Wichtig ist, dass weder die meisten (z.B. Zeit-) Mitarbeiter noch die, die ihre Auswürfe schlucken, dies aus böser Absicht oder vollkommener Blödheit so tun! Aus deren Sicht tun die das Beste, was sie aus dem Gegebenen machen können, genau wie wir das Beste aus unseren Gegebenheiten machen.. (ja, hoffentlich haben wir Wirkich viel bessere Gründe für unsere Sichtweisen als die offensichtlich für ihre! Dennoch.)
    Und alle können wir nur hoffen, dass wir rechtzeitig genug wirklich relevante und tatsächlich wirksame Informationen für unsere Schlüsse nutzen – und zwar wir alle, jede/r ihre/seine, damit wir spätestens dann etwas Besseres draus machen können endlich!
    Deshalb ist mir der Hinweis auf den wahrscheinlich nicht vorhandenen Vorsatz zur Verunklarung so sehr willkommen, Illen.

  53. @ Illen:

    „…denn tatsächlich müsste man mE sagen: lieber kein Artikel, als so ein Artikel.“

    Da haben Sie allerdings wohl recht. Die Argumente der Nachdenkseiten, dass der Zeit-Artikel viel Falsches enthält und die Wirklichkeit grob verzerrt, scheinen in diesem Fall tatsächlich schlagend zu sein.

    „Ich will der Zeit noch nicht mal Vorsatz vorwerfen…“

    Ich frage mich auch immer wieder, ob solche Leute selbst glauben, dass sie guten Journalismus produzieren. Vermutlich oftmals ja, auch wenn das für Außenstehende schwer zu begreifen ist.
    Ein Faktor ist vermutlich, dass sie es teilweise wohl tatsächlich selbst nicht besser wissen, was wohl auch damit zu tun hat, dass sie sich selbst oftmals einseitig informieren. Medien aus dem „Feindesland“ (wie Russland und China) etwa sind für viele Verantwortliche eh nur reine Propaganda, die man getrost komplett ignorieren kann. Und alternative Medien sind ohnehin suspekt. Anstatt die jeweiligen Inhalte KRITISCH zu rezipieren, rezipiert man sie gar nicht. Oder zugespitzt gesagt: Westliche Mainstream-Medien, die häufig unter einem prowestlichen Bias leiden, orientieren sich an anderen westlichen Medien mit demselben Bias.

    Allerdings erklärt fehlendes Wissen sicherlich nicht alles, denn manche Tatsachen sind ja offenbar bekannt, werden aber „unten gehalten“. Im Sinne der Vermeidung kognitiver Dissonanz scheinen viele Leute zu einer beachtlichen Selbsttäuschung in der Lage zu sein.

    Einen amüsant gehaltenen Artikel, der die Selbstgerechtigkeit und Ignoranz führender Alpha-Journalisten am Beispiel von Claus Kleber aufs Korn nimmt, hat der Kommunikationswissenschaftler Prof. Michael Meyen verfasst. Meyens Text stellt eine kritische Rezension von Klebers Buch „Rettet die Wahrheit“ dar. Man bekommt da eine Idee, wie Leute wie Kleber offenbar ticken:

    https://medienblog.hypotheses.org/958

    Lehrreich – und zugleich unterhaltsam und kurzweilig geschrieben, so mein Fazit. (Ich muss mein Urteil unter den Vorbehalt stellen, dass ich Klebers Buch nicht gelesen habe; ich glaube aber nicht, dass Meyen es wesentlich falsch darstellt.)

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