Hollywood-Interviews aus der Kopierfabrik?

Edmund Brettschneider hatte sie angeblich alle: Brad Pitt, George Clooney, Nicole Kidman, Arnold Schwarzenegger, Sharon Stone. Mehr als einhundert Hollywood-Stars gewährten dem Reporter erstaunlich intime Einblicke, sprachen mit ihm über Ehekrisen, Alkoholprobleme, Affären.

Seit Jahrzehnten veröffentlichen deutsche Medien Brettschneiders Star-Interviews, und nie scheint jemandem etwas komisch vorgekommen zu sein. Schaut man sich einige Gespräche aber genauer an, kommen Zweifel auf, wie „exklusiv“ sie sind – und ob sie teilweise überhaupt stattgefunden haben.


Edmund Brettschneider begegnet uns zum ersten Mal vor gut zwei Jahren, kurz nach unseren Recherchen zu gefälschten Interviews im Klatschblatt „Freizeitwoche“ aus dem Bauer-Verlag. Damals stießen wir zufällig auf ein Interview mit Angelina Jolie, das 2009 im „Kölner Stadtanzeiger“ erschien.

Darin fragt Interviewer Edmund Brettschneider die Schauspielerin unter anderem, ob es stimme, dass ihre Kinder auch bei Dreharbeiten dabei seien. Jolie antwortet:

Natürlich. Ich brauche sie. Meine Kinder bringen mir so viel Freude und so viel Frieden. Selbst wenn ich in Los Angeles drehe, lasse ich sie, sooft es nur geht, zum Lunch an den Drehort bringen. Und nach Drehschluss eile ich schnurstracks zu ihnen nach Hause, um mit ihnen herumzualbern, bis es Zeit ist, in die Falle zu gehen. Ich kann den schlimmsten Tag haben – wenn ich dann bei meinen Kindern bin, ist alles vergessen.

Fünf Jahre später, 2014, interviewt Brettschneider Angelina Jolie erneut, diesmal anlässlich einer Auszeichnung durch die Queen. Das Gespräch erscheint in den „Stuttgarter Nachrichten“.

Darin fragt Brettschneider die Schauspielerin unter anderem, ob es stimme, dass ihre Kinder auch bei Dreharbeiten dabei seien. Jolie antwortet:

Natürlich. Ich brauche sie. Meine Kinder bringen mir so viel Freude und Frieden. Wir essen am Drehort gemeinsam zu Mittag. Und nach Drehschluss eile ich schnurstracks zu ihnen nach Hause, wo immer das gerade ist, um mit ihnen herumzualbern, bis es Zeit ist, in die Falle zu gehen. Ich kann den schlimmsten Tag haben. Wenn ich dann bei meinen Kindern bin, ist alles vergessen.

Auch an anderen Stellen finden sich verblüffende Ähnlichkeiten. Im Interview von 2009 sagt Jolie:

Der Trick, mit sechs Kindern fertig zu werden, ist zu wissen, dass bei Nummer vier ohnehin der Knackpunkt erreicht ist und von da an alles verrückt wird. Das Chaos mehr fällt dann nicht mehr ins Gewicht.

Im Interview fünf Jahre später sagt sie:

Der Trick, mit sechs Kindern fertig zu werden? Zu wissen, dass bei Kind Nummer vier ohnehin der Knackpunkt erreicht ist. Von da an wird so oder so alles verrückt. Das zusätzliche Chaos, das durch weitere Kinder entsteht, fällt dann nicht mehr weiter ins Gewicht.

Zwei Interviews, geführt angeblich im Abstand von fünf Jahren und zu zwei verschiedenen Anlässen: 2009 geht es vor allem um Jolies Arbeit als UN-Botschafterin und ihre Drehpause, 2014 um die Auszeichnung der Queen und um Filme, die Jolie kurz zuvor gedreht hatte. Und dann stellt Brettschneider teilweise die gleichen Fragen? Und Jolie antwortet dasselbe? Fast Wort für Wort?

Interviews mit der Crème de la Crème de la Crème

Wir fragen uns damals, wen dieser Brettschneider noch so interviewt hat. Wir durchsuchen Tageszeitungen, Frauenzeitschriften, TV-Magazine, Online-Medien – und finden: 240 Interviews mit der Crème de la Crème de la Crème, mit Tom Cruise, Julia Roberts, Robert De Niro, Bruce Willis, Cameron Diaz, Johnny Depp, Meryl Streep, Robert Redford und vielen, vielen mehr.

Nur ein Teil des erstaunlichen Werks Edmund Brettschneiders.

Mehr als 100 hochkarätige Hollywood-Stars hat Brettschneider angeblich interviewt, mehr als die Hälfte davon nicht nur einmal, sondern zwei-, drei-, vier-, manche sogar achtmal: Pierce Brosnan zum Beispiel, George Clooney oder Dustin Hoffman. Siebenmal unterhielt er sich angeblich mit Jennifer Lopez und mit Meryl Streep. Sechsmal mit Brad Pitt, sechsmal mit Julia Roberts, sechsmal mit Sharon Stone, und so weiter.

Erschienen sind die Interviews in verschiedenen Medien: im „Kölner Stadtanzeiger“, in den „Stuttgarter Nachrichten“, im „Berliner Kurier“, der „Hamburger Morgenpost“, dem „Kölner Express“, in den Zeitschriften „Greta“, „My Illu“ und „Neue Welt“. Mit Abstand die meisten Brettschneider-Interviews druckt der Bauer-Verlag, vor allem in der „TV Movie“ und in „Das neue Blatt“, außerdem in „Woche Heute“, „Alles für die Frau“ und „Das Neue“.


Eigentlich müsste Edmund Brettschneider selbst ein Star sein. Einer, der mit den Stars der Filmbranche auf Fotos posiert. Einer, der bekannt ist für seine vielen Interviews und seine Kontakte, zumindest in der eigenen Branche. Aber wen wir auch fragen: Edmund Brettschneider ist niemandem ein Begriff.

Ein Journalist, zum Beispiel, der seit mehr als 15 Jahren internationale Prominente interviewt und als Chefredakteur mit vielen Reportern zusammengearbeitet hat – von Edmund Brettschneider hat er noch nie gehört.

Oder ein Fotograf, der 30 Jahre lang für deutsche (Boulevard-)Medien im Einsatz war und Promi-Reporter auf der ganzen Welt begleitete – Edmund wer?

Dabei ist Brettschneider schon lange im Geschäft. Seine Karriere begann vor fast fünf Jahrzehnten beim Bauer-Verlag.


Heiligabend im Jahr 1971.

Juliane Koepcke, die 17-jährige Tochter zweier deutscher Biologen, sitzt in einem Flugzeug über dem südamerikanischen Regenwald. Plötzlich gerät die Maschine in schwere Turbulenzen, wird von einem Blitz getroffen und zerbricht in der Luft. Juliane Koepcke, festgeschnallt an ihrem Sitz, stürzt 3.000 Meter in die Tiefe – und überlebt als einzige. Zehn Tage lang schleppt sie sich verletzt durch den Dschungel, bis sie schließlich gefunden wird.

Die Nachricht geht um die Welt. Kurz darauf belagern Journalisten das peruanische Krankenhaus, in dem das Mädchen behandelt wird. Darunter auch zwei Reporter, die im Auftrag des Bauer-Verlags aus Hamburg eingeflogen sind. Einer der beiden heißt: Edmund Brettschneider.

Erst „Stern“-Reporter, Buch-Autor – dann mitten in Hollywood

Die Dschungel-Reise ist einer seiner ersten Einsätzen für den Bauer-Verlag. Bettschneider ist damals Mitte 30, hatte davor unter anderem als Reporter für den „Stern“ gearbeitet und diverse Bücher geschrieben.

Anfang der Siebziger macht ihn der Bauer-Verlag zum Leiter des Auslandsbüros in Kalifornien. Von dort versorgt er die Bauer-Medien fortan mit Geschichten – vor allem über: Hollywood, Filme, Stars. Brettschneider besucht Filmsets, wird Mitglied der „Hollywood Foreign Press Association“, die die Golden Globes vergibt, er schreibt über „Star Trek“ oder Greta Garbo oder „Remington Steele“. Brettschneider ist offenbar mittendrin.


Anfang der Neunziger bringt der Bauer-Verlag in Deutschland die „TV Movie“ auf den Markt. Sie wird schnell zum Erfolg, drei Jahre nach dem Start liegt die Auflage schon bei mehr als zwei Millionen. Es ist die goldene Zeit der Fernsehzeitschriften. Verlage reißen sich um die Leser: Je exklusiver das Interview, je größer der Star, desto besser.

Ein Job für:

Ausriss: „TV Movie“ (2004)

1992, kurz nach ihrer Gründung, fängt Brettschneider an, „TV Movie“ mit Hollywood-Geschichten zu beliefern. Mindestens 87 seiner Interviews und Porträts erscheinen seit 1997 (weiter reicht das Archiv, in dem wir recherchiert haben, nicht zurück).

Bauers Mann am „Puls der Traumfabrik“

Die Redaktion nennt ihn: ihren Mann „am Puls der Traumfabrik“. Allein 2003 interviewt er angeblich 22 Top-Prominente für „TV Movie“: Nicolas Cage, Ben Affleck, Meg Ryan und andere. Brettschneider ist damals 67 Jahre alt.

Im Jahr darauf, es ist Herbst 2004, hört Brettschneiders Interviewserie plötzlich auf. Wenig später verkündet der Mediendienst „kress“:

bauer schließt büro in L.A.

Weg von der Westküste ist der Heinrich Bauer Verlag: Er hat sein Auslandsbüro in Los Angeles geschlossen. Fünf Mitarbeiter hatten von dort aus Titel von Bauer und anderen Verlagen in Deutschland beliefert. Anlass für die Schließung: Der Büroleiter Edmund Brettschneider ist in den Ruhestand gegangen.

Doch mit dem Ruhestand legt Brettschneider erst richtig los.


Statt für die „TV Movie“ schreibt er nun Interviews für „Das neue Blatt“, mit fast 70 Jahren eine der ältesten Klatschzeitschriften Deutschlands, herausgegeben vom Bauer-Verlag und eigentlich spezialisiert auf deutsche Schlagersänger und britische Royals. Dazwischen finden sich seit einigen Jahren aber auch immer wieder angeblich exklusive Gespräche mit Hollywood-Stars. Autor dieser Gespräche, ausnahmslos: Edmund Brettschneider.

Allein in den vergangenen zehn Jahren, die wir uns angesehen haben, druckte „Das neue Blatt“ mehr als 100 (!) Star-Gespräche.

Seit seinem so genannten Ruhestand erscheinen Brettschneiders Interviews auch in seriösen Tageszeitungen: der „Kölner Stadtanzeiger“ veröffentlichte bisher sechs Interviews, die „Stuttgarter Nachrichten“ zwei, die „Mainpost“ auch. Und es geht munter weiter: Kürzlich erst erschien in „Das neue Blatt“ ein Brettschneider-Interview mit Hollywood-Star Melanie Griffith.

Brettschneider ist jetzt 82 Jahre alt – und weiter am „Puls der Traumfabrik“?


Am einfachsten wäre natürlich, die zu fragen, die angeblich interviewt wurden. George Clooney müsste sich ja wenigstens an eines seiner acht Interviews mit diesem deutschen Reporter erinnern. Nur: Wie erreicht man jemanden wie George Clooney, wenn man nicht Edmund Brettschneider ist?

Vielleicht über eine Agentur. Die Creative Artists Agency ist eine der größten Künstleragenturen der Welt. Sie vertritt etliche bekannte Hollywood-Schauspieler, auch viele von Brettschneiders Interviewpartnern.

Die deutsche Niederlassung verweist an die Zentrale in den USA. Dort begrüßt eine Frau in amerikanischster Freundlichkeit: „Good morning! How are you doing today?“ Nachdem wir ihr den Fall geschildert haben, ist sie etwas irritiert, aber nicht uninteressiert. Sie verweist uns an diverse Agenten und Büros, da sollen wir es mal versuchen. Wir versuchen es. Keine Antwort.

Wir kontaktieren andere Agenturen, Anwälte, Pressesprecher. Eine ehemalige Managerin von Kevin Costner meldet sich zurück. Sie könne sich nicht an die Interviews mit Edmund Brettschneider erinnern, sie arbeite aber inzwischen nicht mehr mit dem Schauspieler, wir könnten es mal bei seinem Publizisten versuchen. Doch der Publizist antwortet nicht.

Viele Texte werden als „Exklusiv-Interviews“ angepriesen

Eine deutsche Agentur, die für viele Hollywoodfilme die PR-Arbeit in Deutschland übernimmt und dabei oft für Interviews zuständig ist, schreibt uns, dass Brettschneider als Mitglied der „Hollywood Foreign Press Association“ „jederzeit Zugang zu Hollywood-Stars“ habe, „denn für fast alle US-Filme finden Pressetage für die HFPA statt. Wir in Deutschland erfahren aber meist nicht, welches Mitglied dann auch wirklich vor Ort war.“

Hat Brettschneider dort seine Interviews geführt? Viele seiner Texte werden als „Exklusiv-Interviews“ angepriesen. In „Das neue Blatt“ stehen häufig Sätze wie: „In DAS NEUE BLATT verrät der Schauspieler exklusiv …“ oder „Wir sprachen mit dem Weltstar über …“ oder „Wie die Schauspielerin im Interview mit DAS NEUE BLATT klarstellt …“ – aber haben die Interviews auch wirklich stattgefunden? Persönlich und exklusiv?

Einige Prominente schreiben wir direkt an, über ihre Internetseiten, ihre Stiftungen oder Soziale Medien. Doch die Nachrichten bleiben unbeantwortet.


Vielleicht stecken die Antworten in den Interviews selbst. Was schnell auffällt: Selbst wenn Brettschneider einen seiner Interviewpartner schon zum sechsten, siebten oder achten Mal trifft, liest sich jedes der Gespräche so, als wäre es das Erste, und als hätten die vorherigen Treffen nicht stattgefunden.

Suizidversuche, Ehekrisen, Alkohol – es gibt keine Grenzen

Brettschneider spricht oft aktuelle Projekte der Stars an. Er beschreibt das Anwesen oder das Hotelzimmer, in dem er sie trifft. Er schildert die Körpersprache seiner Interviewpartner.

Und Brettschneider kennt keine Grenzen: Er spricht Suizidversuche an, Ehekrisen, Alkoholprobleme. „Haben Sie einen neuen Liebhaber?“ „Wie steht’s mit Sex?“ „Sie haben sich wirklich noch nie unters Messer gelegt?“ „Waren Ihre vielen Affären wenigstens glücklich?“ „Haben Sie noch Gefühle für Ihren Ex-Mann?“ Egal, wie intim die Frage auch ist, Brettschneider stellt sie – und nie springt ein Manager dazwischen.

Noch etwas fällt auf: Es gibt keine Fotos. Bei anderen Interviews in „TV Movie“ oder „Das neue Blatt“ lächeln Reporter und Promi oft gemeinsam in die Kamera. Doch bei 240 Brettschneider-Interviews mit 100 Superprominenten stammen die Fotos entweder von Agenturen oder aus Interviews anderer Medien. Edmund Brettschneider samt Promi sieht man nie. Wieso?


Ein typisches Brettschneider-Interview besteht aus etwa 10 bis 15 Fragen und Antworten. Vieles davon ist allerdings alles andere als exklusiv. In etlichen Interviews erzählen die Prominenten längst bekannte Stationen ihres Lebens nach. George Clooney zum Beispiel:

Mein Onkel José Ferrer verschaffte mir einen Job als Komparse in einem Film, in dem er eine Rolle hatte. Tja, und danach setzte ich mich in mein Auto „Monte Carlo“, Baujahr 1976, und fuhr nach Los Angeles, um mich als Schauspieler zu versuchen.

Die Geschichte steht in so ziemlich jeder Clooney-Biografie.

Meryl Streep erzählt in einem Brettschneider-Interview:

Ich kam aus einem liebevollen, kultivierten Elternhaus. Ich ging auf ein exklusives College, später auf die Schauspielschule in Yale. Ich kam zum Theater, hatte bald meinen Durchbruch beim Film.

Steht auch in ihrem Wikipedia-Eintrag.

Im Gespräch mit Jane Fonda erwähnt Brettschneider die Parkinson-Erkrankung ihres Mannes. Fonda antwortet:

Ja, er hatte es mir gleich bei unserem ersten Date gesagt.

Steht genau so in ihrem Blog.

All diese Antworten könnte man sich also einfach ergoogeln.

Andere Antworten könnten auch von einem Wandkalendern stammen: „Liebe kann, wie man so schön sagt, blind machen.“ „Um gesund zu bleiben, sollte man viel Obst essen.“ „Jeder Mensch ist von Zeit zu Zeit einsam.“ „Man darf nie den Glauben an sich selbst verlieren.“

„In-Gruppe“? Komisches Wort. Wir googeln.

Und dann gibt es Antworten, die herausstechen. Weil die Prominenten kuriose Anekdoten erzählen. Besonders emotional werden. Ungewöhnliche Worte benutzen. Dustin Hoffman, zum Beispiel, sagt in einem Brettschneider-Interview von 2015:

In der Schule gehörte ich nie zur In-Gruppe. Das schleppte ich lange mit mir herum.

„In-Gruppe“? Komisches Wort. Wir googeln – und finden ein „New York Times“-Interview mit Dustin Hoffman aus dem Jahr 1998. Darin sagt der Schauspieler:

(…) in high school, I was never in the ‚in‘ group, and in a way that’s stuck with me.

Und weiter sagt Hoffman im Brettschneider-Interview:

Ich gehe nie zu einer [Party nach einer Preisverleihung]. Ich begebe mich stattdessen voll in Schale geschmissen zu einem Imbiss und esse mit Genuss meinen Hamburger in der Limousine während der Heimfahrt.

In einem Interview aus dem Magazin „Bon Appétit“, das zwei Jahre zuvor erschien, sagt Hoffman:

We never go to parties after awards ceremonies. We go to In-N-Out – in the limo, all dressed up – and eat hamburgers all the way home.

Im Brettschneider-Interview:

[Ich sage mir:] „Du wirst nun mal immer älter. Na und? Sollst du vorgeben, es nicht zu werden?“ Ich danke heute Gott dafür, dass ich noch immer Akne habe, weil die Hand in Hand mit hohem Testosteronspiegel geht. Ich habe Akne immer gehasst. Jetzt begrüße ich die Pickel.

Zwölf Jahre zuvor in einem Interview mit „Independent“:

I’m getting older, so what am I going to do? Am I going to pretend that I’m not? I thank God that I still have acne because that goes hand in hand with a high testosterone count. I’ve always hated acne, now I say, ‚Come on pimples, stay with me!‘

Brettschneider-Interview in „Das neue Blatt“ (2015)

Solche wörtlichen Übereinstimmungen mit anderen Interviews finden sich zahlreich in Brettschneiders Gesprächen. Oft liegen die anderen Interviews schon Jahre zurück. Diese Doppelungen sind uns bisher aufgefallen:

Joan Collins

„Mirror“, 2015 Brettschneider, 2018
„I eat a lot of avocado, raw spinach, broccoli. My exercise regime for the past two months has been swimming at my home in the South of France. I try to do 30 laps a day, and 15 minutes of floor work three times a week.“ „Ich esse viel Avocado, rohen Spinat und Brokkoli. Ich schwimme, wo immer und wann immer ich kann, täglich meine 30 Bahnen und mache drei Mal in der Woche 15 Minuten Bodenturnen.“
„Ageing is inevitable but you can fight it all the way. I don’t want to fight it with Botox, fillers or facelifts, they make people look silly, I fight it by taking scrupulous care of my skin.“ „Wissen Sie, alt werden ist etwas Unvermeidliches. Aber man kann bis zum Ende dagegen ankämpfen. Ich wollte nie mit Botox, Fillers oder Faceblifts dagegen vorgehen. So etwas gibt Leuten ein komisches Aussehen. Ich kämpfe, indem ich gewissenhaft, fast penibel meine Haut pflege.“
I never put my face in the sun. I see all the time how staggeringly bad that is. I love being in the sun though. I’ve decided I don’t care about it on my body but I do on my face. So I’m tanned everywhere except my face which is white as a sheet. I put on several coats of my First Base foundation to match my body. Then I wear SPF, moisturiser, sunglasses and a hat. Ich setze mein Gesicht nie der Sonne aus. Ich sehe immer wieder, wie schlimm die Folgen sind. Beim Rest des Körpers ist mir das egal, weil ich gern in der Sonne bin. Und so habe ich überall einen Teint, nur mein Gesicht ist weiß wie ein Blatt Papier und damit die beste Grundlage für Make-up, das zu meinem Körper passt. Dazu kommen Creme mit UV-Schutz, Sonnenbrille und Hut.
I don’t go designer shopping, it’s a waste of money. Couture clothes are a complete, well, I won’t say disgrace, but to spend £20,000 on a dress is obscene. I know what I like and I have a lot of things made because they don’t exist in the shops. I have a fabulous dressmaker. Ich gehe nicht designershoppen. Das ist Geldverschwendung. 25.000 Dollar für ein Couturekleid ausgeben, finde ich obszön. Ich lasse mir vieles anfertigen, weil es das nicht zu kaufen gibt. Ich habe einen fabelhaften, aber normalen Schneider.

Susan Sarandon

„Vogue“, 2016 Brettschneider, 2017
I never have been very up on the latest trends in fashion or beauty. I am of the generation that was baking bread and living in the country, so I was aware of what I was putting into my body but not necessarily getting waxed and getting my hair done every week or anything like that.“ „Ich war nie interessiert, auf dem neuesten Stand in Sachen Mode und Schönheit zu sein. Ich gehöre noch zu der Generation, die selbst ihr Brot backte, am liebsten auf dem Land lebte. So war ich mir immer bewusst, was mein Körper braucht, was ich Gutes tun kann. Jede Woche zum Friseur zu gehen, gehörte nicht dazu.“
„The Scotsman“, 2010 Brettschneider, 2014
„But [my daughter] has already given me instructions on how to be a good grandmother. First of all, listen. Then you won’t be boring. And spoil your grandchildren. Do everything the parents don’t want you to do.“ Meine Tochter hat mir vorher Instruktionen gegeben, wie ich als Großmutter sein sollte. Erstens zuhören, dann würde man nicht langweilig sein. Zweitens, die Enkelkinder verwöhnen. Drittens, all das tun, was die Eltern deiner Enkel nicht wollen, dass du es tust.
„Telegraph“, 2010 Brettschneider, 2014
„It stands for ‚A New Dawn A New Day‘. It’s supposed to remind me that if there are disappointments or mistakes, the next day I can just start again.“ „‚A New Dawn A New Day‘. Es erinnert daran, dass ich bei Enttäuschungen oder Fehlern am nächsten Tag von Neuem anfangen kann.“

Pierce Brosnan

„GQ“, 2014 Brettschneider, 2018
„I met Tom Brosnan. He came to visit me when I was Remington Steele. (…) We sat and had a cup of tea. It was on a Sunday. Talked about this and that, and downstairs, I met a few first cousins who I didn’t know, had pints of Guinness and he got on the minibus and drove away and… That was it.“ „Ich habe Tom Brosnan nur ein Mal zu Gesicht bekommen, da war ich 31. Ich drehte damals „Remington Steele“ in Irland, und er kam eines Sonntags unverhofft vorbei. Wir tranken eine Menge Tee, einige Biere. Dann bestieg er einen Bus und ich sah ihn nie wieder.“
„Origin Magazine“, 2013 Brettschneider, 2014
„I play tennis in the morning after dropping the boys at school. Then I go to the gym and I come home. Make a cup of coffee, go up to my studio, and paint for a while. Read scripts, answer phone calls, have lunch with Keely. Then I go back to the studio and paint for a while. Pick the boys up from school. That’s about it, really. It’s very simple. I live a very simple existence when I’m not on the road.“ „Ich spiele morgens etwas Tennis, wenn ich die beiden Jungs zur Schule gebracht habe. Danach geht es ins Fitness-Studio, dann nach Hause. Ich mach mir einen Kaffee, geh‘ hinauf in mein Atelier und male eine Weile. Ich lese dann Drehbücher, beantworte Anrufe und habe Mittagessen mit meiner Frau Keely. Dann gehe ich zurück ins Atelier und male noch etwas. Danach hole ich die Jungs wieder von der Schule ab. Das ist alles. So einfach ist mein Alltag, wenn ich nicht unterwegs bin.“

Helen Mirren

„AARP The Magazine“, 2016 Brettschneider, 2017
„We got married in the end because we realized that we were going to be together forever. We got married, ultimately, for legal reasons more than anything else. Estate planning and other complicated things like that. And our families, we sensed, wanted us to be married. I always said I have nothing against marriage, it just wasn’t to my taste, like turnips. It took me a very long time to come round to acquiring the taste. I just had to meet the right turnip.“ Wir heirateten am Ende, weil wir erkannten, dass wir für immer zusammenbleiben würden. (…) wir heirateten letztendlich auch vor allem aus rechtlichen Gründen. Vermögensplanung, Erbschaft und anderes kompliziertes juristisches Zeug. Zudem spürten wir auch, dass unsere Familien es gerne gesehen hätten. Ich hatte immer gesagt, dass ich nichts gegen die Ehe habe. Sie war nur nicht nach meinem Geschmack, wie Kohlrüben. Ich habe lange gebraucht, an Kohlrüben Geschmack zu finden. Ich musste einfach nur die richtige Kohlrübe für mich finden.“
„(…) you only have two options in life: Die young or get old. There is nothing else. The idea of dying young when you’re 25 is kind of cool — a bit romantic, like James Dean. But then you realize that life is too much fun to do that. It’s fascinating and wonderful and emotional.“ „Man hat doch im Grunde nur zwei Optionen im Leben: Stirb jung oder werde alt. Die Idee, jung zu sterben, ist cool, wenn du 25 bist. Es hat etwas Romantisches, etwas Heldenhaftes wie James Dean. Aber später erkennst du, dass das Leben zu viel Spaß macht. Es ist faszinieren und wundervoll.“

Sharon Stone

„AARP The Magazine“, 2012 Brettschneider, 2017
„I would go to these [philanthropic] events where I had to get on stage. I would be in the wings, with people looking at me, my head on the floor, praying: ‚God, please help me. I know I have to go out there and raise money. But I’ve lost my child, I’ve lost my health, I’ve lost everything.‘ I was just broken.“ „Ich nahm an Wohltätigkeitsveranstaltungen teil und während ich auf meine Auftritte wartete, betete ich: ‚Gott, bitte lass mich nicht im Stich. Ich weiß, dass ich dort gleich rausmuss, um für Geldspenden zu sorgen. Aber ich habe mein Kind verloren. Ich habe meine Gesundheit verloren. Ich habe alles verloren. Bitte, Gott, hilf mir.‘ Ich war wirklich am Ende.“

Julianne Moore

„Parade Magazine“, 2015 Brettschneider, 2017
„Right before I met my husband, I always felt as if the party was happening somewhere else. (…) And once I met him and we had our children, I was like, ‘This is where the party is.’ There’s nowhere else I want to be.“ „Ich hatte bis [ich meinen Ehemann traf] immer das Gefühl gehabt, dass die Party stets irgendwo anders stattfand. Aber sobald ich Bart kennengelernt hatte und wir unsere Kinder bekamen, wusste ich: Das ist, wo die Party stattfindet. Ich wollte nirgendwo anders mehr sein.“

Isabella Rossellini

„Guardian“, 2016 Brettschneider, 2017
“My mum told me that there is no job for women between 45 and 60, because you are in-between. You are not young enough to play the young girl, but you are also not old enough to play the matriarch, the witch or grandmother. So there is a period of 15 years where you’re in limbo and they don’t know how to hire you. Then after 60, a lot of work comes back.“ „Meine Mutter Ingrid Bergmann pflegte zu sagen, dass es ein Zwischenalter gibt, das für Schauspielerinnen sehr hart ist, es sei denn, man arbeitet am Theater. Zwischen 45 und 60 ist man nicht alt genug, um eine Großmutter oder Hexe zu spielen. Ab 60 kehrt die Arbeit zurück.“
„Telegraph“, 2014 Brettschneider, 2017
„When my jobs started to become less, and my children were grown up, I felt like an empty-nester,” she explains. “So, like a good American, I went to therapy and asked, ‘What do I do with my life?’ I said I would like to do something about animals, and my therapist said, ‘Why not?’“ „Als meine Jobs anfingen spärlich zu werden und meine Kinder erwachsen und aus dem Haus waren, hatte ich das Gefühl, auf einem leeren Nest zu sitzen. Also ging ich wie ein guter Amerikaner in Therapie und fragte: Was fange ich jetzt mit meinem Leben an? Meinem Therapeuten sagte ich, dass ich gern etwas über Tiere machen möchte.“

Cate Blanchett

„GQ“, 2015 Brettschneider, 2016
Have you ever attempted to do something else entirely?

„Yeah, but I don’t know what it is. What should I do? You got any suggestion? I can’t write. I can’t knit. I’m not crafty. I can cook. I can’t retire. What would you do, develop a hobby like golf? I tried golf; I’m really bad at it. I’m a full-time mother and I’m doing that.“

Sind Sie je in Versuchung gekommen, etwas anderes zu machen?

„Klar, aber ich wüsste nicht was. Ich kann nicht schreiben, jedenfalls keine Drehbücher oder Romane. Ich kann nicht stricken, bin nicht geschickt mit meinen Händen. Ich kann kochen. Aber das ist auch alles. Ein Hobby? Ich habe Golf probiert. Ich bin miserabel darin. Eine Vollzeitmutter sein? Ich bin es bereits.“

Renée Zellweger

„Daily Mail“, September 2016 Brettschneider, November 2016
„She says that during that time, she re-charged her creative batteries by allowing herself to do all the things she hadn’t had time for while establishing her career. ‘I wanted to keep some promises to myself I had made a very long time ago.'“ „Ich hatte das Bedürfnis, meine kreativen Batterien aufzuladen, mich Dingen zuzuwenden, für die ich nie Zeit hatte, weil ich zu sehr mit meiner Karriere befasst war. Ich hatte mir über die Jahre viele Dinge versprochen, die ich ausprobieren wollte.“

Kate Winslet

„Telegraph“, 2013 Brettschneider, 2016
„Marriage is about the meeting of two minds and two souls and hoping that it is going to work forever. But sometimes it doesn’t happen, and that’s a shame.“ „Ehe ist das Zusammentreffen des Verstandes zweier Menschen und ihrer Seele in der Hoffnung, dass es für immer gut geht. Manchmal geht das nicht, das ist schade.“

Angelina Jolie

„Hello!“, 2008 Brettschneider, 2009
„(…) there was a big discussion in our house of, ‘Should I go back to work?’ Brad was wonderfully supportive. He said, ‘Your work is part of you and you should do this. We’ll be fine – the babies will be sitting up and hanging out in your trailer, and the kids will come to visit when they’re not at school’.“ „(…) es gab bei uns zu Hause eine große Diskussion darüber, ob ich wieder in den Job zurückkehren sollte. Aber Brad war einfach wunderbar, als er sagte: „Wir sitzen alle im selben Boot, und uns geht es allen bestens. Die Babys werden in deinem Wohnwagen sein. Die anderen Kinder sind in der Schule und werden dich am Drehort besuchen.“
„60 Minutes“, 2011 Brettschneider, 2014
„I went through heavy darker times and I survived them. I didn’t die young, so I’m very lucky.“ „Ich hatte sehr dunkle, harte Zeiten. Doch ich habe überlebt. Ich bin nicht früh gestorben. Aber nur, weil ich großes Glück hatte.“

George Clooney

„News.com.au“, Mai 2015 Brettschneider, August 2015
„And since [Amal] is smarter than me, the only way we resolve anything is by arm wrestling. That is my only chance of winning anything with her because if it’s an intellectual battle, I would lose.“ „Und Amal ist unglaublich intelligent. Nur im Armdrücken hätte ich eine Chance gegen sie. In einem intellektuellen Wettkampf wäre ich ihr hoffnungslos unterlegen.“
„The town has the greatest pub in the world which is something like 200 years old. Amal and I walk from our house over a bridge, through a graveyard and into the pub. It’s fine going there but coming back is a little, eh,“ he jokes. „Amal und ich gehen über eine Brücke, durch einen Friedhof zu einem Juwel von einer Kneipe. Das Ding ist an die 200 Jahre alt. Wir fühlen uns dort bereits richtig heimisch. Nur der Weg zurück zu später Stunde ist ein wenig gespenstisch.“
„Our only adjustments are figuring out our schedules. Our deal is that we can’t be more than a week apart. So far that’s worked out pretty well.“ „Die einzige wirkliche Umstellung ist, darum zu kämpfen, unsere Terminkalender in Einklang zu bringen. (…) Unser Ziel war von Anfang an, nie mehr als eine Woche getrennt zu sein. Das haben wir uns geschworen, und bislang hat das ganz gut geklappt.“

Goldie Hawn

Buch von Goldie Hawn, 2011 Brettschneider, 2015
„I went to my knitting basket and found some old threads of red, white, and blue. Knitting has always been a form of meditation for me, and so I began to knit the American flag.“ „Dann griff ich zum Korb mit meinem Strickzeug. Stricken war für mich schon immer eine Form von Meditation gewesen. Ich fand ein paar Wollknäuel, fing an die amerikanische Fahne zu stricken.“
„If I could help just one little girl or boy move beyond those images that will haunt us all, that would be a gift.“ „Ich sagte mir: Wenn du nur ein paar kleine Mädchen und Jungen diese schrecklichen Bilder vergessen lässt, ist das ein Geschenk.“

Salma Hayek

„Guardian“, März 2015 Brettschneider, November 2015
„I am a feminist because I love women and I am ready to fight for women. I am a feminist because I am proud to be a woman, and I am passionate about making the world a better place for women.“ „Ich bin Feministin, weil ich stolz bin, eine Frau zu sein. Weil ich mit Leidenschaft darum kämpfe, eine bessere Welt für Frauen zu schaffen.“
„The amount of pressure on women now, it’s crazy. You have to be much better than your male colleagues, just so you can maybe try and get the same salary as them. And you still have to be a good wife and mother. And now you also have to be skinny, and you have to look 20 when you’re 40. It’s too much.“ „Der Druck, dem Frauen heutzutage ausgesetzt sind, ist reiner Wahnsinn. Eine Frau hat besser zu sein als ihre männlichen Kollegen, um vielleicht einmal das gleiche Gehalt zu bekommen. Sie hat eine gute Ehefrau und Mutter zu sein. Und wenn sie in ihren Vierzigern ist, soll sie schlank sein und den Look einer Zwanzigjährigen haben. Das ist einfach zu viel.“

Kevin Costner

„Good Housekeeping“, 2007 Brettschneider, 2015
„But I feel really good about the kind of dad I was the first time around. I was there for all the little moments, like when my kids forgot to sing in their school play because they were too busy waving at me. I can’t wait to have those moments again.“ „Ich glaube, ich kann von mir mit gutem Gewissen sagen, dass ich bei meinen ersten Kindern ein sehr guter Vater war. Ich habe sie bei jedem ihrer neuen Schritte begleitet. War bei all den kleinen, wichtigen Momenten dabei. Wenn zum Beispiel meine Kinder bei einer Schulaufführung vergaßen zu singen, weil sie zu sehr damit beschäftigt waren, mir zuzuwinken. Ich bin überglücklich, dass mir das zum zweiten Mal bei den kleinen Kindern vergönnt ist.“
„Telegraph“, 2011 Brettschneider, 2015
„I’ve been very lucky with the movies, but I think essentially I’m a blue-collar kind of guy.“ „Ich hatte großes Glück im Filmgeschäft, aber im Grunde bin ich ein Bursche im Blaumann geblieben und im Arbeitermilieu verwurzelt.“

Jennifer Aniston

„New York Times“, Januar 2015 Brettschneider, März 2015
„I’ve been on too-thin lists. I’ve been on what-happened-to-her lists.“ „Ich war auf den Listen der zu Dünnen, und ich stand auf den Listen der ‚Was ist denn bloß los mit ihr?‘-Frauen.“

Brad Pitt

„Hello! Magazine“, 2014 Brettschneider, 2015
„We have six kids and our kids were asking [about a wedding], so we thought it would be a lovely thing to do with our family, and it was.“ „Unsere Kinder fragten uns immer wieder [nach einer Hochzeit]. Schließlich sagten wir uns, es wäre sicherlich ein wunderschönes Ereignis für sie, wenn wir im Kreise der Familie und mit einigen guten Freunden auf unserem Anwesen in Südfrankreich unsere Hochzeit feiern würden.“
„But I was surprised afterwards that it is more than just a ceremony. I was surprised by the furthering of the depth of commitment.“ „Ich würde heute nicht mehr sagen, dass Ehe nur ein Titel ist, ein Stück abgesegnetes Papier oder eine Zeremonie. Sie ist mehr als das. (…) Ich war überrascht wie es die Hingabe und Bindung vertieft.“

Barbra Streisand

„Harper’s Bazaar“, 2010 Brettschneider, 2013
She describes what she does wear in one word: „Black.“ „I like simple things. Elastic waists,“ she adds, laughing, „so I can eat.“ „Ich trage immer Schwarz und am liebsten mit Gummiband um die Taille, damit ich gut essen kann.“

Nicole Kidman

„Harper’s Bazaar“, 2011 Brettschneider, 2012 & 2014
„[When we first met] I remember thinking, Oh, my God, if you ever gave me a man like that, I promise I would be completely devoted for the rest of my life.“ „Bei unserer ersten Begegnung dachte ich: Oh Gott, wenn du mir jemals einen wie diesen gibst, verspreche ich, hingebungsvoll für den Rest meines Lebens zu sein.“

Julia Roberts

„Mirror“, Januar 2014 Brettschneider, Mai 2014
„I wake up at 5.15am every day just to get things sorted out… breakfast for the kids and getting them off to school. Four days a week I volunteer at their school, then I get home and start getting dinner ready.“ „Ich stehe um Viertel nach fünf auf, um die Dinge für den Tag zu planen. Dann ist Frühstück für die Kinder an der Reihe und ich mache sie für die Schule fertig. Vier Tage in der Woche arbeite ich ehrenamtlich in ihrer Schule. Wenn ich nach Hause komme, bereite ich das Abendessen vor.“

Kathleen Turner

„The Inquirer“, 2012 Brettschneider, 2014
„I love acting—it’s what I was born to do. The idea of not being able to move well enough to be a good actor was terrifying to me. At one point, they told me I would be in a wheelchair for the rest of my life—at which point, I fired that doctor immediately. It took a lot of hard work.“ „Ich liebe die Schauspielerei. Die Vorstellung, nicht mehr in der Lage zu sein, mich gut genug bewegen zu können, um eine gute Schauspielerin zu sein, war erschreckend für mich. An einem Punkt meiner Untersuchung wurde mir gesagt, ich würde den Rest meines Lebens im Rollstuhl verbringen müssen. Ich feuerte nicht nur sofort den Arzt, der mir das sagte, ich spürte auch eine unglaubliche Willenskraft in mir, es nicht dazu kommen zu lassen. Das allerdings erforderte harte Arbeit.“
„My husband helped me hide it a lot. We had these elaborate tricks like, for example, if we had to go out for dinner with people I had business with, if I needed to get up from the table, my husband would be this extraordinary gentleman. He’d say, “Darling, wait.” He’d come around and, while they couldn’t see, he would get his hands under my arms so he could lift me. Because I couldn’t stand up on my own.“ „Mein Mann half mir sehr, meinen Zustand zu verbergen. So zum Beispiel, wenn wir zum Dinner mit Leuten ausgehen mussten, mit denen ich geschäftlich zu tun hatte. Wenn ich vom Tisch aufstehen musste, verwandelte sich mein Mann in einen außergewöhnlichen Gentleman und sagte: „Liebling, warte.“ Dann eilte er zu mir und fuhr mit seinen Händen unter meine Arme, ohne dass die Gäste es sehen konnten, und hob mich hoch. Allein konnte ich nicht aufstehen.“

Der Großteil dieser Passagen stammt aus Bauers „Das neue Blatt“, einige stammen aus dem „Kölner Stadtanzeiger“, der „Mainpost“ und den „Stuttgarter Nachrichten“. Und womöglich gibt es noch viele weitere Übereinstimmungen.


In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Interviews, bei denen später bekannt wurde, dass sie teilweise erfunden oder aus anderen Interviews zusammengesetzt worden waren. Keins davon stammt von Edmund Brettschneider, aber es fällt ein Muster auf.

Als 2010 mehrere Zeitungen des DuMont-Verlags ein gefälschtes Interview mit Michael Douglas druckten, teilte dessen Sprecher mit:

„Dieses Interview wurde sorgfältig zusammengesetzt aus Bemerkungen, die Michael Douglas auf verschiedenen Pressekonferenzen und in Interviews im vergangenen Jahr gemacht hat. Aber das meiste ist komplett ausgedacht.“

2016 erschien ein gefälschtes Interview mit George Clooney im Magazin „Hello!“. Die Redaktion fand später heraus, dass es aus Erfindungen und alten Interviewaussagen zusammengesetzt worden war.

Auch ein im vergangenen Jahr veröffentlichtes gefälschtes Interview mit den „Tatort“-Schauspielern Jan Josef Liefers und Axel Prahl bestand, wie DWDL herausfand, zum Teil aus alten Interviewaussagen. Erschienen war diese Fälschung in – Bauers Programmzeitschrift „TV Movie“.


Wie viele der angeblich exklusiven Interviews von Edmund Brettschneider sind aus alten Zitaten zusammengesetzt? Sind Teile der Gespräche möglicherweise sogar erfunden? Und haben alle Interviews tatsächlich stattgefunden?

Bauer antwortet nach „engem Austausch“ mit Brettschneider

Wir schicken der Bauer Media Group, die sich immer wieder mit Brettschneiders „ExklusivInterviews“ schmückt, einige der oben aufgelisteten Passagen, die mit Aussagen in anderen Interviews übereinstimmen. Wir fragen, ob der Verlag das erklären könne, und ob er vielleicht Belege dafür hätte, dass die Interviews stattgefunden haben – und ob wir diese Belege sehen könnten.

Die gleichen Fragen stellen wir auch Edmund Brettschneider.

Die Antwort des Verlags, die er uns nach „engem Austausch“ mit Edmund Brettschneider „auch in seinem Sinne“ schickt:

Seit vielen Jahren arbeiten wir sehr vertrauensvoll und professionell mit Edmund Brettschneider als freiem Redakteur zusammen. Er ist ein renommierter, von der Branche geschätzter Journalist, der seit Jahrzehnten tadellos arbeitet und sehr gut vernetzt ist. Zu den von Ihnen aufgeführten O-Tönen hat er uns sehr glaubwürdig vermittelt und bestätigt, dass diese absolut korrekt seien. Er hat uns ebenfalls bestätigt, dass mit den Interviews alles in Ordnung ist. Wir haben keinerlei Grund zur Annahme, an der Richtigkeit seiner Aussage zu zweifeln. Dass Prominente ihre O-Töne auch gegenüber anderen Medien wiederholen oder von weiteren Medien aufgegriffen werden, ist nicht nur gängige Praxis, es manifestiert darüber hinaus deren Richtigkeit.

Der Bauer-Verlag zweifelt also in keiner Weise an den „Exklusiv“-Interviews, und Belege, ob es sie tatsächlich gab, kann oder will er nicht vorlegen.

Wir schicken daraufhin noch mehr Passagen, die sich auch in Interviews anderer Medien finden. Die Verlagssprecherin antwortet: „Wir haben uns Ihre Fragen angeschaut und bleiben bei unserem Statement“. Auf unsere Frage, weshalb Brettschneider nie auf Fotos zu sehen ist, im Gegensatz zu anderen Interviewern des Bauer-Verlags, geht die Sprecherin nicht ein.


Wir fragen auch bei der „Mainpost“ nach, ob sie Belege dafür habe, dass die Brettschneider-Interviews, die sie veröffentlicht hat, wirklich stattgefunden haben. Der Chefredakteur schreibt:

„In unserem Archiv befindet sich lediglich ein Interview von Herrn Brettschneider, und zwar das von Ihnen angeführte mit Angelina Jolie.“

(Tatsächlich erschien noch ein weiteres mit Meryl Streep, das steht auch noch online.)

Das mit Angelina Jolie jedenfalls, so der Chefredakteur,

„wurde von unserem damaligen Kulturchef eingekauft, der allerdings bereits seit Jahren in Ruhestand ist. Deshalb kann ich nicht sagen, ob er damals Belege dafür hatte, dass das Interview stattgefunden hat. Ich gehe davon aus, dass er seinerzeit diese Frage vorab so sorgfältig wie möglich geklärt hat.“


Die Mediengruppe DuMont, die mindestens sieben Interviews von Brettschneider gedruckt hat, schreibt auf Anfrage:

„Der Kölner Stadt-Anzeiger hat vor etlichen Jahren einige wenige Interviews von Edmund Brettschneider über ein Pressebüro bezogen und veröffentlicht.“

(Tatsächlich veröffentlichten auch andere DuMont-Zeitungen ein Interview von Brettschneider; der „Berliner Kurier“, der Kölner „Express“ und die „Hamburger Morgenpost“.)

„Diese Art von Interviews“, schreibt der Unternehmenssprecher weiter, „entsteht meist im Rahmen von Pool-Interviews, die die Interviewten über ihre Agentur organisieren.“ Das Format, in dem die Interviews im „Kölner Stadtanzeiger“ erschienen sind, sei „vor einigen Jahren eingestellt“ worden.


Auch der verantwortliche Ressortleiter der „Stuttgarter Nachrichten“ erklärt, er habe keine Belege für die Echtheit der Gespräche. „Wie diese Interviews den Weg zu uns gefunden haben, lässt sich nicht mehr genau rekonstruieren.“ Die Honorierung sei über eine Medienagentur in Bremen erfolgt. Und weiter:

„Die Erklärung für die Ähnlichkeit der Antworten bei uns und in der anderen angeführten Quelle ist aus unserer Sicht, dass solche Interviews häufig als Gruppen-Interview geführt werden: Mehrere Journalisten fragen durcheinander, alle aus der Runde dürfen die Antworten auf alle Fragen für ihr Interview nutzen. Gängiges Verfahren – egal ob bei Hollywood-Stars, Nobelpreisträgern oder Bundesligatrainern.“


Auf solche Gruppen-Interviews weist uns auch ein Reporter hin, der seit Jahren Star-Gespräche führt: Er wisse von Interviewrunden, in denen mehrere Journalisten anwesend seien, die sich danach ihr eigenes Interview „basteln“.

Wieso gibt es keinerlei Überschneidungen?

Wäre so etwas auch bei den Brettschneider-Interviews der Fall, müsste es aber auch in den Interviews der verschiedenen ausländischen Medien Ähnlichkeiten geben. Nehmen wir also nochmal das Beispiel Dustin Hoffman.

Brettschneider-Interview in „Das neue Blatt“ (2015)

Angenommen, dieses Interview ist wirklich bei so einem Pool-Gespräch entstanden, das heißt ein Reporter von der „New York Times“, einer von „Bon Appétit“, einer vom „Independent“ und Edmund Brettschneider von „Das neue Blatt“ haben mit Dustin Hoffman zusammengesessen, und danach hat jedes Medium dieses Pool-Gespräch als eigenes Interview verkauft.

Warum gibt es dann in den ausländischen Interviews keinerlei Überschneidungen? Warum steht in dem „New York Times“-Interview etwas komplett anderes als in dem in „Bon Appétit“ oder dem im „Independent“? Warum ist das Interview von Edmund Brettschneider das einzige, in dem Aussagen vorkommen, die auch in einem der anderen Interviews stehen? Und wenn es tatsächlich ein Gruppengespräch war, warum hat die „New York Times“ es bereits 1998 veröffentlicht, „Das neue Blatt“ aber erst ganze 17 Jahre später?


Vor zwei Jahren stießen wir schon einmal in „Exklusiv-Interviews“ einer Bauer-Zeitschrift, der „Freizeitwoche“, auf etliche Ungereimtheiten. Autor war nicht Edmund Brettschneider, doch das Muster ähnelt auch hier: Viele Passagen waren offenbar aus anderen Interviews abgeschrieben, einige erfunden.

Die Reaktion des Verlags war zunächst ähnlich: Als wir Bauer damals konfrontierten, verteidigte der Verlag sich und seinen Autoren zunächst, Belege konnte er aber nicht vorbringen. Ein Fall landete dann vor Gericht. Die Anwältin der Bauer Media Group teilte mit, der Verlag sei, wenn die Interviews denn tatsächlich gefälscht seien, selber von dem Autoren betrogen worden.

Das Hamburger Landgericht verurteilte Bauer in diesem Fall schließlich zu einer Entschädigungszahlung von 50.000 Euro an die Schauspielerin Sandra Bullock. Sie ist die bisher einzige, die sich juristisch gewehrt hat: Sechs „Exklusiv-Interviews“ mit ihr waren in Bauers „Freizeitwoche“ erschienen – keines davon hatte je stattgefunden.

22 Kommentare

  1. Eine tolle und genau belegte Recherchearbeit! Tja, die Hefte müssen halt jedes Mal mit (nichtssagenden) „Star“-Interviews gefüllt werden, und wenn der Brettschneider, auch noch besonders kostengünstig, was liefern kann… dann schauen die Chefredaktionen offenbar nicht genau hin.

    Was natürlich auch was über deren Haltung gegenüber ihren Lesern aussagt.

    Bemerkenswert, dass sowas den ganzen Agenturen und PR-Leute des Promis eher egal zu sein scheint… Hauptsache man kann im Rechenschaftsbericht sagen, hier, 100 Interviews erschienen, breite Publicity erreicht.

  2. Sehr gute Recherche. Wenn man selbst miterlebt hat wie sehr amerikanische Stars gerade Print-Journalisten geringschätzen und als Plage betrachten, dann kann man über solche (angeblichen) Exklusiv-Interviews nur grinsen. Die internationalen Top-Stars geben Printleuten nie Exklusiv-Interviews. Besonders Film-Stars nicht. Sie sehen für sich keinen Mehrwert darin. Höchstens für TV. Daher bleibt den Verlagen nur übrig zu tricksen. Man will ja dem Leser suggerieren nahe am Superstar zu sein. In Wirklichkeit ist man meist genauso weit entfernt wie der Leser. Da muss man schon Mitleid mit den Redaktionen haben. Den Leser_Innen ist das aber auch oft egal. Viele gehen sogar davon aus, dass das Fake ist. :-)

  3. So muss investigativer Medienjournalismus aussehen! Das wurde ja auch nach Relotius gefordert – und es müsste noch viel mehr kritische, zeitaufwändige Recherche für genau solche Fälle geben. Toll!

  4. Dem Bauer-Verlag müsste man mal die ermäßigte Umsatzsteuer aberkennen. Das ist ja lächerlich, was die veranstalten.

  5. HE,besser gut kopiert als selber schlecht gemacht!
    Naja man sollte das mit dem „gut“ nicht zu hoch hängen…
    Weil sonst die Leute ,
    die Nivea nicht von Niveau unterscheiden können,
    Probleme bekommen.
    Sowohl der Produzent als auch der Konsument/ich habe bewusst nicht von Leser und Journalist gesprochen ;-)

  6. Interessant, wie sich Skandale gleichen: So wie jeder sich denken kann, dass ein neues Auto niemals nur 3 Liter Benzin auf 100 Kilometer verbraucht (obwohl es so ausgewiesen wurde), so ahnt ja auch jeder, dass diese Exklusivinterviews in Klatschblättern niemals echt sein können. Dass und ob diese Schwindeleien dann zum Skandal werden, hängt nur davon ab, ob eine kritische Masse erreicht wird, die den Zündsatz zur Explosion bringt. Hoffentlich interessiert diese Praxis genügend Leute, dass es hier einer wird.

  7. Ach, man muss das nur als Satire deklarieren wie beim rbb mit dem Palmerbeitrag oder bei dem Titanic-Mann, der Mariam Lau heißen Kaffee ins Gesicht schütten wollte. Dann tut das keinem weh und man kann wieder zur Tagesordnung übergehen.

  8. Schließe mich den Kommentaren 1, 3, 5 und 7 an: Ausgezeichnete Recherche, vielen Dank!
    Schade, dass das die ganzen Stars (bzw. ihre Agenturen, etc.) nicht zu interessieren schien … Aber vielleicht kommt da noch was.
    Und hoffentlich besinnen sich diese ganzen (Klatsch-)Blätter doch noch irgendwann auf ihren Rest von Seriosität. True Media und so.

  9. Für diesen Artikel habt Ihr Euch so viel Applaus verdient, so lange kann ich gar nicht applaudieren: Unglaublich, diese Recherche, das ist eine halbe Diplomarbeit – und entlarvend zum Fremdschämen. Das Schlimme daran: Für Bauer wird das, jedenfalls wirtschaftlich, so gut wie keine Konsequenzen haben. Denn die Käufer von Neues Blatt & Co sind leider ebenso ahnungslos wie leichtgläubig. Eigentlich wäre das eine klassische ordnungspolitische Aufgabe, dem nachzugehen. Und sollte es eine – wie man hier sieht – völlig berechtigte Untersuchung geben und sich herausstellen, dass das Attribut „exklusiv“ (und vielleicht/bestimmt weit mehr) völlig falsch ist, dann müsste eine ordentliche Strafe fällig werden, 20 Mio Euro oder so. Das würde lehren – und rasch mehr Sorgfalt bringen. Aber der Staat sieht hier nun mal keine ordnungspolitsche Aufgabe – Bauer trägt zur Wirtschaft bei, schafft Arbeitsplätze und dann passt das schon. Muss ja schließlich keiner kaufen, diese Neues Blatt & Co. Und sollte man mein Illusions-Szenario zu Ende phantasieren, dann würde der Verlag bestimmt laut schreien, dies sei ein Angriff auf die Pressefreiheit.

  10. Schon mal überlegt, dass es den Brettschneider vielleicht gar nicht gibt (oder dass er jedenfalls nicht mehr berufstätig ist), sondern dass irgendwer im Verlag die Interviews aus Archivmaterial zusammenstellt und der Name nur als Marke dient? Spätestens nach Brettschneiders 90. Geburtstag sollte man mal den Autorennamen wechseln bei Bauer ;-)

  11. @11 Thomas Clark

    Ich glaube, ich habe mehr Furcht vor Leuten wie dir, die bei jedem Unflat nach Regulierung und Strafe rufen.
    Was, wenn Übermedien morgen herausfindet, daß Horoskope auch dahergedichteter Unfug sind? Forderst Du dann eine Soko Astron?

    Als jemand, der mit derartigen Postillen nix anfangen kann, hab ich mehrmals die Gelegenheit gehabt und genutzt, Rezipientinnen zu fragen. Fast mitleidig gaben sie mir zu verstehen, daß sie ganz sicher nicht glauben, was sie dort lesen können. Es ist reine Unterhaltung, wie auch die regelmäßige Dosis Bergdoktor oder Schwarzbierkinik.

    Aber schön, daß man sich drüber aufregen kann…

  12. Der Gedanke von Stefan Anker in #12 kam mir beim Lesen dieses Blogpost auch: Was ist, wenn Edmund Brettschneider bloß noch als Pseudonym benutzt wird für einen Interviewer, den es gar nicht gibt?

    Ich musste jedenfalls denken an Peter Voss:
    https://uebermedien.de/14655/das-gesicht-der-neuen-welt-ist-ein-phantom/

    Was wäre, wenn unter den vielen Interviews mit den Prominenten nicht „Edmund Brettschneider“ stünde, sondern „Johann Wolfgang von Goethe“? Wäre die rechtliche Situation dann eine andere, weil damit offensichtlich würde, daß die Interviews keine real stattgefundenen Interviews, sondern literarische Werke sind?

    Wie wäre es einzuordnen, wenn ein Astrologie-Heft Interviews mit kürzlich verstorbenen Prominenten veröffentlichte, die es angeblich mit Hilfe eines übersinnlichen Medium geführt hat? Oha, ich komme ja auf ganz neue Geschäftsideen! :-)

  13. Hat „Brettschneider“ (oder wer immer jetzt diesen Namen als Pseudonym verwendet) in seinen „Interviews“ nie etwas kompromittierend oder grob Unwahres/Seltsames behauptet? Wenn nein, ist das vermutlich sein Erfolgsgeheimnis.: Er macht PR für Stars, ohne dass die noch mitwirken müssen. Eine Win-Win-Situation für alle. Niemand kommt auf die Idee, da genauer nachzuhaken, außer Übermedien, natürlich.

  14. Lügenpresse! Lügenpresse!
    Im Ernst: Natürlich ist es irgendwie egal, dass Zeitschriften, die ihre Seiten mit Erfundenem füllen ihre Seiten mit auswändig getarntem Erfundenen füllen.
    Der Schaden entsteht nicht dadurch, dass Unwahres verbreitet würde (offenbar interessiert es ja nicht mal die Betroffenen). Der Schaden entsteht dadurch, dass die Bauer-Schmierlappen damit die ordentlich recherchierenden Journalisten diskreditieren. Eigentlich sollten alle Journalistinnen und Journalisten, die ihren Job ernst nehmen (und ich bin sicher, dass das die Mehrheit ist!) mit Mistgabeln vor der Bauer-Firmenzentrale stehen und ihre „Kollegen“ zum Teufel jagen.
    Dieser Art von „Journalismus“ beschädigt die Demokratie – und zwar weit mehr, als es auf den ersten Blick scheinen mag.

  15. Ich schätze ÜBERMEDIEN über die Massen aber als jemand, der seit 20 Jahren in Hollywood Stars interviewt (oh doch, sie sprechen mit uns Print-Journalisten, jedenfalls, wenn sie einen Film zu bewerben haben und aufs Cover wollen), möchte ich die Vorwürfe gegen Herrn Brettschneider hier ein wenig entkräften. Es ist tatsächlich so, dass sein Verein, die Hollywood Foreign Press, Privilegien geniesst, von denen das journalistische Fussvolk nur träumen kann. Fakt ist, die HFPA bekommt „exklusive“ Pressekonferenzen von jedem Schauspieler, der scharf auf einen Golden Globe ist. In diesen Pressekonferenzen dürfen auch Fragen gestellt werden, für die ein gewöhnlicher Kollege davongejagt würde. Die Transcripts der exklusiven Pressekonferenzen der HFPA gehen an alle 80 Mitglieder, auch die, die nicht anwesend sind. Daraus erklärt sich, dass weltweit identische Interviews erscheinen. Zumal einige der Mitglieder auch die berüchtigten Interview-Agenturen beliefern, die die Ware dann unter Fantasie-Autorennamen international weiter verscherbeln. Abgesehen davon kenne ich keinen Hollywood-Reporter, der nicht schon mal in (sein eigenes) Archiv gegriffen hat, um ein dürres Interview ein wenig aufzupolstern. Tatsächlich wiederholen Schauspieler sich oft wortwörtlich, eben weil die Leute immer dasselbe von ihnen wissen wollen und sie sich eine zitable Antwort zurechtgelegt haben. In der Prä-Onlinemedia-Ära musste eine Schauspielerin vielleicht zehn Zeitungen erzählen, wie sie Karriere und Kinder bewältigt, heute gibt sie im 15 Minuten Rhythmus bis zu 200 Interviews in der heissen Woche vor dem Fimstart. Wer kann da noch originell sein? Im übrigen haben wir alle schon x Mal George Clooney und Angelina Jolie interviewt, das ist echt nichts besonderes. Neuer Film, neues Interview. Und zum Abschluss: Die Publicists nach den Namen der Journalisten zu fragen ist der falsche Ansatz auf der Spurensuche. Nicht die Journalistin wird für das exklusive Interview mit Brad Pitt auserkoren, sondern das Magazin, für das sie schreibt. Vielleicht sollten Sie es mal so rum versuchen.

  16. @13: P. Leon-Asmus (toller Name übrigens): Ich finde die Analogie zu Horoskopen unpassend. Dass man Texte über die Zukunft per se bezweifeln kann (und manche würden meinen: soll), liegt in der Natur der Sache, ist offenkundig. Bei einem Gespräch mit Dustin Hoffman, das angeblich ein Journalist geführt hat, ist es nicht offenkundig. Entweder, ich glaube es, weil der Text als Journalismus deklariert ist. Oder ich glaube es nicht, wie Du meinst, was aber zu einer zynischen Betrachtung führen muss, nämlich: Alles ohnehin egal, nur banale Unterhaltung. Nach dem Motto: Gebt dem „dummen“ Volk, was es will: Brot & Spiele. Ohne solchen Zynismus würden wir, denke ich, besser fahren. Aber dazu muss uns ein Blick in die Realität – und entsprechende Strafen bei Vortäuschung – schon gewährt werden.

  17. Tolle Arbeit! Aber ich habe den Eindruck, Ihr habt das Statement vom Bauer-Verlag mißverstanden: „Dass Prominente ihre O-Töne auch gegenüber anderen Medien wiederholen oder von weiteren Medien aufgegriffen werden, ist nicht nur gängige Praxis, es manifestiert darüber hinaus deren Richtigkeit.“ Das heisst doch, dass es für den Verlag okay ist, dass man O-Töne aus anderen Medien aufgreift. Und da dieses Statement die Antwort auf die Frage nach der Herkunft dieser Interviews war, bestätigt das doch euren Befund: Brettschneider hat die Interviews allem Anschein nach aus anderen Interviews zusammengeschnippelt und der Verlag findet das in Ordnung. Letzteres ist dann auf jeden Fall der größere Skandal!

  18. Lieber Thomas Clark,
    danke fürs Kompliment.
    Die (meine) Analogie zum Horoskop ist eine andere. Ich meinte den Wahrheitsgehalt. Ich finde es wenig erheblich, ob das offensichtlich ist oder nicht. Das schon allein, weil es einen Anspruch an den Rezipienten stellen würde. Es sind ja nicht alle gleich gebildet oder glaubensfähig.

    Ich habe, Alter sei dank, inzwischen ein eher abgeklärtes Verhältnis zu jedweder Verlautbarung. Dazu genügt mir schon die Erkenntnis, daß es DIE Wahrheit nur in seltensten Fällen gibt.
    Ich sehe die diversen medialen Dinge eher als Anregung, mich mehr und aus möglichst mehreren Quellen zu informieren und mir nach Kräften ein eigenes Bild zu machen. Dazu gehört oft genug der Verzicht auf eine abschließende sichere Meinung.
    Was „Prominente“ zu irgendwelchen Themen meinen oder wie es denen gerade geht, ist mir eher sehr egal. Ich frag mich höchstens, was den Journalismus treiben kann, das für bedeutsam zu halten. Das ist auch nur Brot und Spiele fürs Volk und ich kann, da ich relativ viele „prominente“ Menschen kenne, sagen, daß die auch nur mit Wasser kochen und es gewiss nicht nach Feilchen riecht, wenn sie aufm Topf waren. Vergleiche Prantl mit Fischer ein paar Artikel weiter. Es gibt sehr überschätzte Menschen. Vorsatz würde ich nicht unterstellen.

    Gegen Reglement und Strafe bin ich, weil ich den Aufstellern der Regeln das nicht zutraue (siehe z.B. Urheber-Uploadgedöns) und den Vollstreckern ebenfalls nicht, dafür aber den regelmäßigen Missbrauch sehen muss.

    Laut Wikipedia firmiert Herr Seibert bis heute als Journalist. Welche Ausnahmereglung müsste sich der Gesetzgeber da herbeihalluzinieren, den vor der Höchststrafe zu bewahren.
    Wie sollte mit Grautönen umgegangen werden? Wie mit Meinungen? Wie mit schlechter Quellenlage oder unzureichendem Wissen? Wäre ein Vorsatz immer beweisbar?
    Aus meiner Sicht wäre das schlicht nicht zu bewerkstelligen.

    Meine Idee ist der Traum vom aufgeklärten und selbst denkenden Rezipienten und der darf sich gern auch Unterhaltung reinziehen, wenns ihm Freude bereitet.

    Die Idee zu meinem Nick verdanke ich übrigens einem aktivistischen Journalisten. Mit seiner Agenda gehe ich weitestgehend konform. Mich stößt aber schlechter Stil eher ab.

  19. Erfundene Interviews habe ich persönlich auch schon „gehabt“.

    Zu einer relativ unbekannten Freizeitbeschäftigung, die eine Zeit lang mal „hipp“ war, wurde ich über zwei-drei Jahre immer wieder mal interviewt. Soweit so nett.

    Überraschend war dann eine Google-Alert-Nachricht auf meinen Namen, die ein „neues Interview“ verlinkte.

    Das Medium/der mir unbekannte Journalist veröffentlichte ein umfangreiches Interview mit mir, welches ich nie gegeben hatte. Die Aussagen waren einfach zusammengegoogelt.

    So einfach ist das und der Typ hat dann wohl damit sein Honorar „verdient“.

    Journalismus ist schon geil! Wenn weitere „Interviews“ in anderen Themengebieten so erfunden werden, dann ist klar, warum man Journalisten nicht mehr über den Weg traut…

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