„Ein exotisches Paar, ich sag’s mal so salopp“

Das ZDF berichtet von der Hochzeit zwischen Prinz Harry und Meghan Markle in Großbritannien. Besonders ausführlich reden die anwesenden „Experten“ über die bürgerliche Herkunft der Braut und vor allem – über das „afroamerikanische Esprit“, das ins Königshaus einheirate.

Zuschauer kritisierten die Wortwahl und das übersteigerte Interesse an Markles Herkunft. Auf die Frage, ob man die Kritik nachvollziehen könne, teilte die Pressestelle des ZDF laut „Spiegel Online“ mit:

„Es gab einige Anrufe von Zuschauerinnen und Zuschauern mit Fragen sowie Lob und Kritik zu unterschiedlichen Aspekten der Übertragung.“

Neben Lehmann saßen „Adelsexpertin“ Julia Melchior, „Gala“-Unterhaltungschefin Luise Wackerl und der Londoner „Welt“-Korrespondent Thomas Kielinger in der Runde.

Schnitt: Franzi Bährle
Quelle: „Harry & Meghan – Die Traumhochzeit“ (ZDF) 19.5.2018

26 Kommentare

  1. Möchte nicht unhöflich sein, finde aber, wer sich so einen heterosexistischen Kram wie diese Hochzeit reinzieht, sollte sich nicht wundern, wenn sie*er dabei auf, nennen wir es unzeitgemäße oder sogar diskriminierende Aussagen trifft.

  2. Ein Vetter von meiner Mutter hatte eine Ivorerin geheiratet. Dessen Mutter (aus den schwätteren Teilen des Sauerlandes) fand das dem Vernehmen nach ganz gut: „Dann lernt er endlich wieder zu beten.“ Die Schwiegertochter war nämlich katholisch. (Bitte nicht verallgemeinern, es gibt dort auch viele Muslime und Angehörige anderer Religionen, also an der Elfenbeinküste jetzt. Im Sauerland herrscht konfessionelle Trennung.) Ist das jetzt auch „ein Auge zudrücken“?
    Das würde bei Windsors nämlich nie passieren, die heiraten keine Katholik(inn)en.

    Aber ja, echt super, dass angehende Herzoginnen keinen Ariernachweis brauchen. Die Ansprüche, die manche da stellen, was als „exotisch“ gelten darf, sind aber trotzdem ziemlich niedrig.
    Oder, wenn schon exotisch: Die allermeisten Menschen halten ja schwarze Haare für völlig normal und unexotisch, im krassen Gegensatz zu rotblond. Und die Statistik gibt den allermeisten Menschen Recht, weil die allermeisten Menschen tatsächlich schwarze Haare haben. Ergo heiratet hier, wenn schon, ein Exot eine 08/15-Frau.
    Also, jetzt nichts gegen 08/15-Frauen…

  3. Mal abgesehen davon, dass Norbert Lehmann sowieso von kaum was eine Ahnung hat und man rätselt, warum er so etwas überhaupt machen darf – sie sind auf der Herkunftsfrage zu viel rumgeritten, das stimmt.
    Andererseits ist es nun mal so, dass die Thematik eine Rolle gespielt hat und auch in Großbritannien selbst thematisiert wurde. Es ist nun mal eine Neuigkeit gewesen, dass jemand wie Meghan mit ihrer Herkunft in das Königshaus einheiratet, und auch die Gestaltung der Hochzeit sollte das ja unterstreichen. Von daher sollte man die Kritik auch nicht übertreiben und hier Rassismus unterstellen.
    Kritisieren könnte man zB auch die fragwürdige Bildgestaltung des ZDF mit dem oft eingeblendeten roten Rahmen. Man will doch die Bilder der Hochzeit sehen, nicht die Kommentatoren. Reicht doch wenn man die hört (hören muss…).

  4. Also ich bin weder ein Freund der Monarchie (selbst wenn sie konstitutionell ist), noch interessieren mich die damit verbundenen und gern medial verwursteten Boulevard-Themen.

    Aber wenn jemand mit afroamerikanischen Wurzeln in den englischen Hochadel einheiratet, finde ich das durchaus bemerkenswert und mit Blick auf royalistisches Standesgehabe, auch als positiv zu bewertende Öffnung.

    Ob das in den besagten Sendungen zu häufig, zu sensationslüstern oder zu banal abgehandelt wurde, kann ich allerdings nicht beurteilen, weil ich mir die komplette, stundenlange Sendung nicht angeschaut habe und ein etwas über zweiminütiges Video keinen Aufluss darüber erlaubt, ob diesem Thema unangemesen viel Platz eingeräumt wurde.

  5. @Mycroft – #3

    „Aber ja, echt super, dass angehende Herzoginnen keinen Ariernachweis brauchen.“

    Das stimmt und sie brauchen mittlerweile nicht einmal mehr einen adligen Stammbaum. Ich bin kein Adelsexperte, würde dies aber als Lehre aus der arrangierten Heirat zwischen Charles und Diana bewerten.
    Ach ja… und wurde damals nicht von den Medien auffällig häufig thematisiert, dass Diana zuvor als Erzieherin gearbeitet hatte, was dann wiederum Anlass war, das zu so einer Art Aschenputtel-Hochzeit zu stilisieren, was wierum viel über das hiesige Geschlechter- und Standesdenken aussagte?
    Mich würde ernsthaft interessieren, ob dies heutzutage ähnliche Reaktionen hervorbringen würde, wie die Berichterstattung zu der jüngsten royalen Hochzeit.

    „Die Ansprüche, die manche da stellen, was als „exotisch“ gelten darf, sind aber trotzdem ziemlich niedrig.“

    Ich würde ja normalerweise nicht darauf herumreiten, aber da Sie hier schon mehrfach sehr aktiv über Wortbedeutungen und Wortherkunft diskutiert haben, mal die Anmerkung, dass „exotisch“ laut Duden nicht zwangsläufig irgendwas mit einer fremdländischen Herkunft zu tun haben muss, sondern auch „ausgefallen, nicht alltäglich, ungewöhnlich“ bedeuten kann.

    Zugegeben, hätte ich es durch den Wirbel um die Berichterstattung nicht jüngst erst erfahren, wäre mir bis heute nicht bewusst, dass die Braut afroamerikanische Wurzeln hat.
    Dass sie diese hat, macht sie meines Wissens nach zu einer absoluten Ausnahme in den europäischen Monarchien.
    Nach der Definition des Dudens dürfte das also als exotisch gelten, auch wenn die Bezeichnung aufgrund der zweiten Duden-Definition (fremdländisch) und dem damit verbundenen (oftmals „positiven“) Rassismus zweifelsohne recht unglücklich gewählt wurde.

    @Thema

    Das verhält sich meiner Ansicht nach auch mit der Aussage so, dass die „Queen da wohl ein Auge zugedrückt“ hat. Denn ich halte es für wahrscheinlich, dass die Queen oder andere royale „Sittenwächter“ dieses völlig neue Szenario zuvor sorgsam abgewogen haben – auch mit Blick auf die Neue Rechte, die dies aller Voraussicht nach als Bruch mit den Traditionen instrumentalisieren wird. Dass die Hochzeit mit dem pompösen Segen der Royals stattfand, kann man also in gewisser Weise auch als Positionierung des Königshauses betrachten. Interessant wäre, ob dies auch so gelaufen wäre, wenn der Thronfolger eine Frau mit afroamerikanischen Wurzeln hätte heiraten wollen. Wenn nicht, wäre die Heirat zwischen Harry und Meghan tatsächlich eine Art Kompromiss zwischen Tradition und Weltoffenheit und die Anmerkung über das zugedrückte Auge eine unglückliche, aber nicht gänzlich falsche Aussage.

    Es ist zwar richtig, dass Medien sich bemühen sollten, Klischees oder gar Alltagsrassismus nicht durch unbedachte Wortwahl zu fördern. Aber bei mehrstündigen Live-Sendungen, die daraus ausgelegt sind, dass Journalisten und Gäste die Zeit mit belanglosem Geplapper füllen, täte man gut daran, nicht jedes Wort auf die Goldwaage zu legen.

    Das Problem an diesen über soziale Netzwerke und Medien angetriebenen Empörungswellen ist doch, dass sie Journalisten, Politikern und sonstigen Personen des öffentlichen Lebens zu einer robotterhaften Selbstkontrolle zwingen, wenn sie nicht im Auge eines Shitstorms landen wollen. Das führt letztlich zu mehr Telepromtern, von denen abgelesen wird, zu bis in die Fragen hinein zuvor vereinbarten Interviews ohne unbequeme Konfrontationen und zu leeren, unverfänglichen Antworten und Aussagen, die wiederum Medien- und Politikverdrossenheit beflügeln.

  6. …sondern auch „ausgefallen, nicht alltäglich, ungewöhnlich“ bedeuten kann.

    Ja.
    SO ausgefallen finde ich das aber trotzdem nicht. Bzw., für Leute, deren Hochzeit live übertragen wird, jedenfalls.

  7. Die Frage ist aber auch, wo liegt die feine Grenze zwischen (Alltags-)Rassismus und schlichter journalistischer Schludrigkeit.
    In der Bildergalerie auf tagesschau.de zur Hochzeit
    https://www.tagesschau.de/multimedia/bilder/windsor-hochzeit-105~_origin-7cf13ac0-bdde-4768-9cad-fee7d83b0283.html
    findet sich unter Bild 4 die Beschriftung:
    „Der US-Schauspieler Idris Elba mit seiner Verlobten Sabrina Dhowre und US-Moderatorin Oprah Winfrey auf dem Weg zur Kirche. | Bildquelle: AP“

    Ist es da einem schlicht egal, oder müssen einfach alle Schwarzen ganz automatisch aus den Staaten kommen?
    Idris Elba ist jedenfalls nach wie vor Brite.

    Und da ich gerade erst das Video angesehen habe: „Gewinner von Britain Got Talent“? WTF! Der Cellist war „BBC Young Musician of the Year“, einem Wettbewerb, der ganz andere Ansprüche stellt als dieses Privat-TV-Trallala.
    Dieser Split-Screen und das mit allen möglichen Einblendungen zugekleisterte Bild ist es, was mir das deutsche Fernsehen inzwischen total verleidet hat. Sogar itv hat die Übertragung ohne das sonst übliche Senderlogo absolviert, das auf dem Hauptkanal auch erst mit der Umstellung auf die geschwungene CI vor ein paar Jahren eingeführt wurde.

  8. Der Zusammenschnitt ist etwas fies, weil v.a. Julia Melchior sehr aufschlussreich und wissend kommentiert hat. Norbert Lehmann ist natürlich immer schwierig.

    Es ist ja so, dass Meghan Markle ihre Herkunt bei der Hochzeit selbst stark referenziert hat, mit Gospelchor, Prediger und weiteren Attributen. Da finde ich es auch in Ordnung, darauf einzugehen. Dass die ZDF-Adelsexperten die tagesaktuell freigegebene Sprachregelung zu PoC verinnerlicht haben würden, konnte nicht ernsthaft jemand erwarten. Ich bin da bei Kommentar #2.

  9. Natürlich stößt es einem auf, wenn auf den Herkunftsaspekt so herumgeritten wird. In dem Ü-Beitrag wird dieses noch einmal ein Stück unerträglicher, weil es derart komprimiert wird, dass man nichts mehr anderes hört.

    Ich glaube aber schon, dass diese Heirat gerade wegen der Herkunft der Braut eine kleine Sensation ist, die man gerne auch feiern darf, weil sie in vielerlei Hinsicht Vorbildfunktion hat. Dieses bildet in Zeiten rechter Rhetorik ein gerade zu befreiendes Narrativ im Kontrast zu ausländerfeindlichen Parolen. Gut zu sehen übrigens, auch an dem Zuspruch, den die Hochzeit in der Bevölkerung erfährt.

    Natürlich wäre es schön, wenn die Herkunft einer Person kein Thema mehr wäre, welches explizit erwähnt werden muss. Soweit sind wir in unserer Gesellschaft allerdings noch nicht – auch weil die Rufe gegen Ausländer die Stille derjenigen übertönt, für die Diversität kein Thema mehr ist.

    Aus lerntheoretischer Sicht kann man m.E. in der Zwischenzeit nicht häufig genug über die Herkunft sprechen, weil sich erst mit der Übersättigung des Themas ein Gefühl der Normalität einstellt.

  10. @Winny – #9

    „In dem Ü-Beitrag wird dieses noch einmal ein Stück unerträglicher, weil es derart komprimiert wird, dass man nichts mehr anderes hört.“

    Nun ja, das Problem ist, dass das Video zwei Minuten lang ist, was bei einer rund vierstündigen Sendung erst einmal nicht sonderlich viel ist. Die interessante Frage für mich lautet, was folgte nach den teils unglücklichen Anmerkungen und Fragen, die die Herkunft der Braut thematisierten? Weitere unglückliche Formulierungen ohne Informationswert? Nichts? Oder vielleicht weniger unglückliche Diskussionen oder gar informative Erklärungen zu den für die Royals ja alles andere als üblichen Hintergründen?

    Das Problem an diesem komprimierten Video ist schlicht, dass es nur eine objektive Bewertung zulässt, wenn man die ganze Hochzeit live beim ZDF verfolgt hat.
    Wer sie nicht gesehen hat, hat die Wahl, die Botschaft des Videos unhinterfragt zu übernehmen (die zwar den anderswo geäußerten Rassismusvorwurf nicht übernimmt, aber darauf anspielt) oder aber den Informationsgehalt des Videos (im Vergleich zu diversen Übermedien-Artikeln) ziemlich unbefriedigend zu finden.

  11. Welch eine überfllüssige Aufregung über Meghan und Ihre afroamerikanischen Wurzeln, und daß die Kommentatoren das auch im Blick auf Meghans Mutter erläuterten, ist doch selbstverständlich, auch die historichen Anmerkungen und Hinweise von dem langjährigen Kommentator der „Welt“, Herrn Kieling.

    Ich habe ein Menge gelernt und mich mit den Briten und den 6 Berichtertattern über alles sehr gefreut, ihre Kommentare und besonders , daß Herr Lehmann spontan die Predigt des Bischhofs der Episcopal Church aus Chicago so eindurcksvoll und als Höhepunkt des Gottesdienstes fand und Ausschnitte daraus wiederholte, der Gospelchor mit „Stand By Me“ , der Cellist, alles war wunderbar und man sah den Gästen auch an, wie eindrucksvoll sie diese neuen Töne in der ehrwürdigen St George’s Chapel fanden.

    Und Hary’s Entscheidung für Meghan ist ein Glücksfall für die Briten, denn die Queen ist schließlich das Oberhaupt des Commeowealth, ihrer ehemaligen Kolonien.
    Die Einheirat von Meghan mit afroamerikanischen Wurzeln ist ein Geschenk für die Briten und so haben sie es auch gefeiert!
    Großes Lob auf das ZDF Team !!!!!

    Es war absolut nichts Rassistisches in den Kommentaren: was für ein Unsinn !
    Die Kritiker an den ZDF Berichterstattern zeigen einmal wieder die typisch deutsche negative und mißgünstige Reaktion auf eine engagierte positive Anteilnahme der Berichtenden über ein ausnehmend schönes Ereignis
    Vielen Dank!!!!
    Sabine

  12. Kam eigentlich vor, dass Personen irischer Abstammung bis vor nicht allzulanger Zeit eher nicht so richtig als Personen akzeptiert waren und daher wenig Aussicht hatten, ins englische Königshaus einzuheiraten?

    Ich meine, wenn man bei so einer Hochzeit über Tradition und Moderne redet, hätte das ja auch dazu gehört. (Kann natürlich nichts damit zu tun haben, dass für den mittelgebildeten Mitteleuropäer Iren und Engländer eh‘ alles das gleiche sind.)

  13. @13 Schreibkraft

    Man kann gerne darüber diskutieren, ob man von dieser Hochzeit eine vierstündige Live-Berichterstattung überhaupt braucht oder nicht. Mir hat ein Zusammenfassung bei tageschau.de gereicht.

    Es gibt aber Menschen, die wollen das. Nun gut. Für die Moderatoren und Berichterstatter ist das natürlich viel Zeit, die irgendwie mit Nichtigkeiten gefüllt werden muss. Frisur, Kleid, Elternhaus, Herkunft…

    Und die Herkunft ist insofern wichtig, da es sich hierbei im Grunde um ein Volksmärchen handelt: Die Vorstellung, dass wie bei Aschenputtel die Liebe über alle gesellschaftliche Schichten hinweg den gesellschaftlichen Aufstieg bis in die Königliche Familie ermöglichen kann, ist für viele Menschen – damals wie heute – wichtig, da es den Glauben an das Glück und zumindest hypothetisch die Möglichkeit, seine eigene eigene Stellung zu verändern mit einschließt.

    Die Hochzeit zeigt nun: diese Märchenerzählung gilt ab jetzt auch für Menschen, die bisher von diesem Narrativ ausgeschlossen waren. Dieses ist vergleichbar mit Barack Obamas Einzug in das weiße Haus. Hier war das Narrativ der American Dream.

    Ich stimme Übermedien zu, dass die Wortwahl („Exotisch“, „Auge zu drücken“ etc.) teilweise unangemessen ist. Man kann das – zu recht – kritisieren. Man muss aber auch sagen: die Moderatoren labbern über vier Stunden hinweg um die Sendezeit zu füllen und wissen anschließend selbst nicht mehr, was sie reden.

    Denen nun die Verwendung obiger Ausdrücke persönlich anzulasten und den Moderator durch das dreimalige Einspielen seines Versprechers bloßzustellen, finde ich nicht unbedingt den richtigen Weg. Lieber auf der Sachebene bleiben und die Ausdrücke selbst kritisieren z.B. in der Rubrik Hassworte oder im Rahmen eines Presseschau Artikels – im besten Fall mit einem Best-Practice Beispiel.

  14. Ich habe da kurz reingeschaltet und noch so gedacht, was es da in Deutschland die nächsten Tage wohl wieder zu meckern gibt. Und richtig … die „political correctness“ Wächter laufen wieder auf Hochtouren. Ehrlich gesagt glaube ich kaum, dass sich 99% der Zuschauer oder Betroffenen überhaupt über sowas Gedanken macht. Nur die 1% der selbsternannten journalistischen Sittenwächter bzw. selbsternannten „Halbgötter des Wissens“ machen aus sowas ein Politikum. Inzwischen ist es in Deutschland verdammt gefährlich nicht jedes Wort vor der Aussage zu überdenken und die Mainstreamtauglichkeit Tauglichkeit zu analysieren. Diese Entwicklung kann echt Angst machen. Mit einem unbedachten Wort kann man heutzutage alles verlieren … ein dummes Wort, einmal nicht nachgedacht … bumms …. die Übermenschen fallen über einen her und Karriere, Familie, Zukunft und zumeist das Jahrzehnte lang geführte anständige, vorurteilsfreie und ehrliche Leben verpuffen. Mensch, Mensch, Mensch … wie hieß es mal …. „der werfe den ersten Stein“ … Schönen Tag noch.

  15. @Winny

    Danke für die differenzierte Antwort.

    Im Prinzip sehe ich es sehr ähnlich, auch wenn sich mir aus vielen Gründen nicht so recht erschließt, warum der Märcheneffekt die historischen, mit demokratischen Grundwerten nur schwer zu vereinbarenden Hintergründe derart überlagert und das über die Grenzen aller Gesellschaftsschichten und Länder hinaus.

    Aber das ist wohl wieder ein anderes Thema, das hier bei Übermedien in der Zukunft sicherlich wieder den einen oder anderen Topf voll Gold füllen wird. Wetten, wann die Regenbogenpresse Meghan und Harrys erstes Kind gebären wird, können am Schalter nebenan angegeben werden…

  16. @ 19 Schreibkraft

    Korrekt. Das hier ist Yellow Press und nicht Tagesschau.

    Da sind solche Details wie die Herkunft „aus Marketinggesichtspunkten natürlich genial“ – insbesondere für die Medien, die mit solchen Geschichten ihr Geld verdienen.

    Einmal darauf eingeschossen, primt der Gedanke auch das Interviewerverhalten, wenn ein Interviewpartner zunächst mit seiner Herkunft vorgestellt wird anstatt mit seinem Beruf. Vermutlich wurde Afua Hirsch aber gerade deswegen als Interviewpartnerin hinzugenommen, weil man aus der Kritik am MDR Sachsen (https://uebermedien.de/27152/wir-wollten-halt-erreichen-dass-leute-ins-nachdenken-kommen/) gelernt hat, dass man besser mit Betroffene spricht als über sie. Wer weiß?

    Vielleicht sind die Journalisten aber wirklich nur gedankenlose Rassisten und Sexisten. Aber – und da sind wir wieder bei der Märchenerzählung – die meisten romantischen Geschichten zeugen von einem veralterten Rollenbild, in dem die Prinzessin vom Prinzen errettet wird und die verliebte Braut ihren frisch Angetrauten „immer mit großen Augen anguckt und ihn bewundert“.

  17. Das mit dem „Märcheneffekt“ kommt mir logisch vor. Demokratisch gewählte Politiker sind extrem unromantisch, selten sexy und nur bedingt als SympathieträgerInnen geeignet.

    Das Rollenbild wurde aber auch schon umgedeutet, in Richtung „Feministin rettet verkrustete Familie vor Spieß“bürger“lichkeit.“ bzw. „vor Inzuchtdepression“. Ist irgendwie auch nicht so richtig besser, auch wenn man Spießbürger und Inzucht ablehnt, weil das das ganze auf das Funktionale reduziert.

    Ich würde übrigens keine Frau heiraten, die ich nicht bewundere und stundenlang angucken kann (gr00ße Augen habe ich bereits qua Brille), von daher weiß ich nicht, was schlecht daran sein soll, wenn Prinzessinnen oder sonstige Frauen das auch so handhaben?

  18. Zu Onkel Maike (#2): Ist so eine Hochzeit (also die Hochzeit, nicht die Berichterstattung deutscher Fernsehsender) tatsächlich „heterosexistischer Kram“?

    Also angenommen, der Prinz Harry wäre schwul, und er hätte deshalb einen Mann geheiratet: Wäre die Hochzeit dann weniger pompös ausgefallen? Wäre bei der Hochzeit irgendetwas relevantes wesentlich anders verlaufen als es jetzt verlaufen ist? Wenn ja, warum?

  19. @ Mycroft

    Ich finde das Konzept der Bewunderung ebenso befremdlich, wie das des Neids. Mein Ding sind Respekt und Augenhöhe, aber jeder hat letztlich seine eigene Vorstellung von Romantik.

    Was die royale Hochzeit angeht, so ist mir zwar bewusst, dass Monarchien zur Entwiclungsgeschichte europäischer (und anderer) Gesellschaften gehören und wenn die Briten für die Fortführung Steuergelder verkloppen möchte, soll mir das egal sein.
    Aber ich bezog mich bei meiner Kritik auf das mir suspekte Standesdenken, zu dem bis vor kurzem ja auch noch das Konzept des reinen Blutes (Wer hat’s erfunden?) gehörte und ich finde ja schon, dass man das als halbwegs moderner Demokrat gruselig finden sollte.

  20. Bewunderung kann (und sollte bei sowas) auch auf Gegenseitigkeit beruhen, das wäre dann ebenfalls Augenhöhe, nur eben mit größeren Augen.
    Respekt und Augenhöhe habe ich gegenüber vielen Menschen, das heißt nicht, dass ich die alle heiraten wollte. Aber ja, jeder hat andere Vorstellungen von Romantik.

    In vielen Märchen geht es darum, dass die arme Bauerntochter einen Prinzen kriegt, oder der arme Schustersohn die Prinzessin. Und das ist dann ja auch das, was hier thematisiert wird, wenn auch recht unangemessen. Mir fehlen wie gesagt Sprüche wie: „Und früher wurde in England ja diskutiert, ob man Iren essen kann.“

  21. Man mag das Thema Herkunft für völlig überflüssig halten, ist es im Zusammenhang mit Royals aber nicht. Denn was macht Royals zu Royals? Die Herkunft. Die Frage, was die Eltern, Großeltern und Urgroßeltern so gemacht haben, erhält damit eine ziemliche Relevanz.

    Eine nichtadelige und dann auch noch nichteuropäische Herkunft werden damit zu einem hochinteressanten Thema, das den Rahmen des Drumherums der Berichterstattung über eine royalen Hochzeit sprengt und das auch noch mit anderen gerade für das britische Königshaus interessante Themen wie geschiedene Amerikanerin konkurriert.

    Alles royalistische Kackscheiße, aber wer sich so eine Hochzeit anschaut, steht halt drauf.

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