„Focus Online“ hilft beim Einstieg in die Homöopathie

Neulich in der Rubrik „Gesundheit / Ratgeber“ auf den Seiten von „Focus Online“: Eine Journalistin, die an Homöopathie glaubt*, interviewt einen Arzt, der an Homöopathie glaubt und mit dem sie schon gemeinsam Bücher über Homöopathie geschrieben hat, in einem Special, das von einem Hersteller homöopathischer Produkte finanziert wird, zum Thema Homöopathie. Der Arzt hat gerade auf die Frage, ob die Mittel Nebenwirkungen haben, geantwortet: „Es sind keine Nebenwirkungen bekannt“, da unterbricht die „Focus Online“-Redaktion das Gespräch für eine kursiv geschriebene „Anmerkung“:

Homöopathie gilt als nebenwirkungsfrei, weil die Arzneimittel so stark verdünnt sind. Trotzdem können auch sie unbeabsichtigte Nebeneffekte haben. Wer sich im Fall schwerer Krankheiten wie Krebs ausschließlich auf homöopathische Mittel verlässt, nimmt seinen Tod in Kauf.

Mit anderen Worten: Wer homöopathische Mittel für Medizin hält, riskiert es zu sterben. Ja, das ist vielleicht ein nicht ganz zu vernachlässigender „unbeabsichtiger Nebeneffekt“ der Homöopathie oder des Glaubens an ihre Wirkung.

Der Einschub ist bemerkenswert – schon aus Prinzip, aber auch, weil er ein überraschendes Indiz dafür ist, dass selbst bei „Focus Online“, gegen alle Wahrscheinlichkeit, noch Leute mit Restskrupel arbeiten. Die an entscheidender Stelle im kuscheligen Interview ihrer Autorin mit ihrem „Experten“ einen Warnhinweis platzieren – und sei es nur aus juristischen Gründen.

Bemerkenswerter als der Einschub ist aber das Special an sich.

Es beginnt damit, dass es sich „Naturheilkunde“ nennt. Anders als ihre Verfechter gern suggerieren, hat Homöopathie mit Naturheilkunde nichts zu tun. Naturheilkundliche Verfahren sind solche, die auf Mittel aus der Natur zurückgreifen, deren Wirkungen auf den Körper aber nachweisbar und wissenschaftlich erklärbar sind. Das ist bei der Homöopathie nicht der Fall.

Ein einziger Artikel in dem „Naturheilkunde“-Special befasst sich aber tatsächlich mit naturheilkundlichen Verfahren. Unter der Warnung „Naturmedizin ist nicht harmlos“ warnt er davor, dass Heilkräuter fatale Nebenwirkungen haben können. „Pflanzliche Arzneien gelten als sanft und sind daher beliebte Hausmittel“, heißt es im Text. „Doch wo eine Wirkung besteht, gibt es Nebenwirkungen.“ Das stimmt. Interessant wäre es auch, diesen Grundsatz auf die Homöopathie anzuwenden, die ja laut ihrer Verfechter praktisch frei von Nebenwirkungen ist.

In den vergangenen Monaten hat „Focus Online“ in diesem Special sechs Artikel zum Thema Homöopathie veröffentlicht. Alle sind von Sabine Knapp verfasst, die gemeinsam mit Markus Wiesenauer vor zehn Jahren zwei Bücher über „Homöopathie für Schwangerschaft und Babyzeit“ und „Entschlacken mit Homöopathie“ geschrieben hat. Wiesenauer ist auch ihr Interviewpartner in einem der Artikel und ihr einziger Experte in drei anderen, in denen er viele konkrete homoöopathische Mittel empfiehlt: zur „Selbstmedikation bei leichten seelischen Störungen“, „bei Schnupfen, Husten, allgemeiner Schwäche oder Frösteln“ sowie „zwölf Mittel für die homöopathische Hausapotheke“. In einem Einschub wird eine homöoopathische „Kur für das Immunsystem“ mit drei konkreten Globuli angepriesen.

Ein weiterer Artikel Knapps empfiehlt unter Berufung auf einen anderen Arzt und Homöopathie-Anhänger homöopathische Mittel in der Schwangerschaft, der jüngste homöopathische Mittel für Haustiere.

Ist das alles Werbung oder soll es Journalismus sein? Über den Artikeln stand zunächst das Logo des Herstellers von homöopathischen Mitteln, Deutschen Homöopathie-Union (DHU), und sein Slogan: „Mit der Kraft der Natur“ – aber keine weitere Kennzeichnung als Anzeige oder irgendwie bezahlter Inhalt. Nachdem wir beim Burda-Verlag nachgefragt hatten, verschwand das DHU-Logo von den Seiten.

„Special“-Seitenkopf vor unserer Anfrage
„Special“-Seitenkopf nach unserer Anfrage

Das ist merkwürdig, denn laut Auskunft von „Focus Online“ handelt es sich um einen sogenannten „Editorial Branded Hub“, den „Focus Online“ „in Kooperation“ mit DHU gestartet hat. Ein „Editorial Branded Hub“ ist ein eigenes Ressort, das ein Werbekunde bekommt und präsentiert. Es enthält neben klassischen Anzeigen zwei verschiedene Formen von Inhalten. In der Darstellung von „Focus Online“:

1. Redaktionelle Inhalte, die thematisch zum Special passen (Redaktion schreibt frei, Inhalte werden nicht mit dem Kunden abgestimmt. Lediglich Themenklammer für das Special, in diesem Fall Homöopathie, wird festgelegt.)

2. Gesponserte Inhalte bzw. Native Advertising Content, der in Absprache mit der DHU und unserem Partner Studio erstellt und entsprechend als solcher gekennzeichnet wird. Dabei handelt es sich nicht um produktbezogene Werbung.

Ein solches „Hub“ kostet laut Unternehmensbroschüre von Burda Forward mindestens 95.000 Euro netto ab drei Monaten. Dafür gibt es standardmäßig sechs gesponserte Artikel plus mindestens neun redaktionelle Artikel.

Als gesponserter Inhalt gekennzeichnet ist im „Naturheilkunde“-Special bisher ein Artikel, der dafür wirbt, bei Heuschnupfen auf homöopathische Mittel zurückzugreifen.

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Das Homöopathie-Unternehmen DHU hat sich also für ein bisschen Geld eine Rubrik auf „Focus Online“ gekauft, wo nun neben (sehr klein) als gesponsert gekennzeichneten Artikeln auch andere, nicht gekennzeichnete Texte erscheinen, in denen die behaupteten Vorzüge dieser esoterischen Methode in den Vordergrund gestellt werden. „Focus Online“ nennt die Autorin dieser Texte eine „redaktionelle Expertin“ und sieht kein Problem darin, dass sie immer wieder auf die, nun ja, Expertise eines Arztes zurückgreift, mit dem sie schon Bücher geschrieben hat:

Ihr Schwerpunkt liegt auf dem Bereich Medizin, besonders auf der Naturheilkunde. (…) In einem speziellen Autorenkasten weisen wir unsere Leserinnen und Leser explizit darauf hin, dass Knapp zusammen mit einem anderen Experten (Facharzt für Allgemeinmedizin und Homöopathie) ein Buch zum Thema „Homöopathie“ verfasst hat. Auf Buchtitel und Affiliate-Links haben wir in diesem Zusammenhang bewusst verzichtet.

Außerdem schreibt uns „Focus Online“:

Da wir bei „Focus Online“ redaktionell das ganze Bild zeigen, kommen auch die kritischen Punkte in unseren Beiträgen zur Sprache. Das heißt im konkreten Fall, dass wir bei jedem Artikel zur Homöopathie auch auf Grenzen und Risiken dieser Therapieform transparent hinweisen.

Tatsächlich ist in jedem Artikel ein Kasten, in dem es unter anderem heißt: „Homöopathie ist keine anerkannte Wissenschaft. Rational ist die Methode nicht erklärbar (…).“ Die Frage, ob die Homöopathie „eine wirksame Heilkunde“ sei oder ihr Erfolg allein auf dem Placebo-Effekt beruhe, sei ein „Glaubenskrieg“, steht da. Das ist sehr Homöopathie-freundlich formuliert, denn um Glauben geht es nur auf der einen Seite dieser Auseinandersetzung – auf der anderen Seite steht die Wissenschaft.

Die Redaktion aber steht im Zweifel auf Seiten ihres „Editorial Branded Hub“-Partners.

*) Nachtrag, 18. Mai. „Focus Online“-Mitarbeiterin Sabine Knapp, Co-Autorin der Bücher „Homöopathie für Schwangerschaft und Babyzeit“ und „Entschlacken mit Homöopathie: Selbstheilung aktivieren, Beschwerden heilen“, legt Wert auf die Feststellung, dass die Behauptung, sie glaube an Homöopathie, nur meine Annahme sei.

83 Kommentare

  1. Ich fürchte, Verkäufer von pseudowissenschaftlichem Bullshit werden in drittklassigen Medien immer ein Sprachrohr haben. Das aus deren „jeder-darf-mal-ran“-Prinzip entstandene Sammelsurium haltloser Heilsversprechen ist für unterbezahlte Redakteure unter Zeitdruck einfach eine zu verführerische Alternative zu den rigiden Standards, die das Schreiben über echte Wissenschaft und Medizin formal und juristisch erfordert.

    Und meine Vermutung ist, dass Gegner der Pseudowissenschaft Ihren Unmut tendenziell in genervtes Stöhnen oder vielleicht mal einen Blogartikel kanalisieren, was aus Redaktionssicht natürlich ungleich komfortabler ist, als sich den (mindestens verbalen) Fackeln und Mistgabeln der die-Schulmedizin-hat-den-Krebs-doch-erst-erfunden-Fraktion entgegenstellen zu müssen.

  2. „Rational ist die Methode nicht erklärbar.“

    Klar, es gibt ja auch keine Wirkung die es zu erklären gäbe. ;)
    Aber so klingt’s natürlich besser. Mehr nach „die engstirnige, heutige Wissenschaft ist einfach noch nicht so weit, dass sie die ERSTAUNLICHE Wirkung der Homöopathie erklären könnte“.

    Ansonsten: Schon wunderlich, dieser „Vertrauensverlust der Medien“. Kann mir gar nicht erklären, wo der herkommt.

  3. Markus Wiesenauer und Mirko Berger arbeiten für die DHU.

    Über Mirko Berger und die Methoden der DHU:
    http://www.ariplex.com/ama/ama_amp.htm

    Über Markus Wiesenauer
    http://www.transgallaxys.com/~kanzlerzwo/index.php?board=104.0

    Perverserweise sind ausgerechnet die Skeptiker die größten Unterstützer und Wegbereiter der Homöopathen. Das Beharren auf „Da ist nichts drin“ und „Placebo-Effekt“ verschweigt die übelsten Tricks und Methoden der Homöopathen und macht sie sogar Salon- und Politik-fähig – anstatt sie das das zu bezeichnen, was sie in Wahrheit sind: Täuschungsmanöver, Betrug, Unterwerfung unter sadistische Indoktrinationsmethoden, die Krankheit, Leid, Siechtum und Tod hochstilisieren anstatt sie wirkungsvoll zu bekämpfen.

    „Homöopathie ist nichts anderes als Trickbetrug und organisierte
    Kriminalität und Korruption“
    http://ariplex.com/folia/archives/585.htm

  4. Zitat: „Das Homöopathie-Unternehmen DHU hat sich also für ein bisschen Geld eine Rubrik auf „Focus Online“ gekauft, wo nun neben (sehr klein) als gesponsert gekennzeichneten Artikeln auch andere, nicht gekennzeichnete Texte erscheinen, in denen die behaupteten Vorzüge dieser esoterischen Methode in den Vordergrund gestellt werden.“

    Es ist schon bemerkenswert, wenn Menschen in der Homöopathie nicht nur eine Alternative zur anerkannte Medizin, sondern auch eine Alternative zur Pharmaindustrie und dem dahinterstehenden Lobbyismus sehen, obwohl die Homöopathie-Hersteller selbst ein riesiges Lobbynetzwerk betreiben.
    Anders lässt es sich kaum erklären, dass man für wirkungsloses Zuckerwasser so viel Werbung betreiben kann; das Apotheken es bewerben und Krankenkassen sogar die Kosten dafür übernehmen.

    @5. Aribert Deckers: „Täuschungsmanöver, Betrug, Unterwerfung unter sadistische Indoktrinationsmethoden, die Krankheit, Leid, Siechtum und Tod hochstilisieren anstatt sie wirkungsvoll zu bekämpfen.“

    Mindestens genauso bemerkenswert ist die Fülle an homöophatischen Mittel, die wie Nahrungsergänzungsmittel für jedes Wehwehchen verkauft werden: Mückenstiche, Schürfwunden, Sodbrennen, Heißhunger… letztens wurde beim Teleshopping-Sender HSE24 sogar eine homöophatische Aroma-Sprühkur für die Zimmerpflanzen verkauft. Die Fülle an homöopathischen Mitteln ist gefühlt endlos und soll dem Kunden eigentlich nur beibringen, dass man jeden ungewünschten Gemütszustand mit dem Einnehmen von Pillen beheben könne. Wo das jetzt die Alternative zur herkömmlichen anerkannten Medizin sein soll, ist mir schleierhaft.

  5. Vielen Dank für den Artikel! Homöopathie ist für mich nur ein weiteres Anzeichen dafür, dass sich leider immer mehr Menschen von dem mühsam erkämpften Konsens im Bezug auf Fakten und deren Nachweis entfernen.
    Leider scheint es in allen Bereichen immer mehr Menschen zu geben, die lieber an irgendetwas glauben, als sich an wissenschaftliche Fakten zu halten. Und dabei ist es egal ob es sich um Klimawandel, Medizin oder Politik handelt. Ich hoffe dass diese Phase irgendwann ohne größeren Schaden überstanden ist…

  6. @7: Hey, dieses Wochenende kommt der heilige Geist vom Jesusdude und beglückt seine Jünger nach 50 Tagen symbolischer Menschheits-Abstinenz mit seiner Anwesenheit und alle so: Jo, lass Montag mal lieber frei machen.

    Auf diesem Glauben fußt nach CSU Meinung unsere gesamte Gesellschaft.
    Jagt mir jedes Mal einen Schauer über den Rücken, dass erweachsene Menschen so ’nen Quatsch glauben.

  7. Also Herr Niggemeier, wie können Sie nur von einem Arzt sprechen, der an Homöopathie glaubt?
    Der befragte Sachverständige ist laut dem Waschzettel, der dem Interview vorangestellt wurde ein Facharzt für Allgemeinmedizin und Homöopathie.
    Ein Facharzt glaubt nicht – er weiß.
    Da wäre mal echt spannend, bei welcher Landesärztekammer man mittlerweile seinem Facharzt für Homöopathie ablegen kann, meines Wissens gibt es keine derartige Facharztprüfung.
    Außerdem wäre interessant, ob sich Herr Wiesenauer selbst so bezeichnet oder ob der Focus ihm diese Facharztzulassung verliehen hat.

  8. Nach dem Artikel kann man sich auch denken, warum die Bevölkerung so regelmäßig und ausführlich über die Ereignisse (Schülertheater, Frühjahrsfeste, …) an Waldorfschulen informiert werden.

  9. @anderer Max

    Naja, nur dass wir uns nach der Aufklärung eigentlich darauf geeinigt hatten, dass jeder glauben darf was er will, die Grundlage der Gesellschaft aber Wissenschaft und Fakten sind.
    Ich bin mir sicher, dass auch die meisten Christen das so sehen und nur sehr wenige ernsthaft glauben, dass Jesus übers Wasser laufen konnte und wiederauferstanden ist. Die Christen, die ich kenne, nehmen Jesus eher als so eine Art Vorbild, sich „gut“ zu verhalten (10 Gebote und so). Und da kann man ja jetzt nicht grundsätzlich dagegen sein.
    Die Anzahl an fundamentalen Christen in Deutschland dürfte wohl eher gering sein.

  10. Nachtrag:

    Nur diese ganzen „neuen“ Aberglauben nehmen aus irgendwelchen Gründen zu. Homöopathie, bachblüten, schüssler salze, Osteopathie, dieser ganze anthroposophische Quatsch etc. Und VTs werden ja auch immer populärer (z. B. Klimaleugner). Alles eine eklige Soße…
    Solange die Leute sich damit nur selber schaden würden wäre mir das ja auch noch egal, aber leider gehen ja viele politische Entscheidungen auch in diese Richtung…

  11. @ICHBINICH – #7

    „Homöopathie ist für mich nur ein weiteres Anzeichen dafür, dass sich leider immer mehr Menschen von dem mühsam erkämpften Konsens im Bezug auf Fakten und deren Nachweis entfernen.
    Leider scheint es in allen Bereichen immer mehr Menschen zu geben, die lieber an irgendetwas glauben, als sich an wissenschaftliche Fakten zu halten.“

    Dass dies dieser Tage so ist, hat ganz sicher sehr viele Gründe. Es scheint jedoch ein Stückweit in der menschlichen Natur zu liegen, sich in unsicheren Zeiten (oder solche die als unsicher empfunden werden) deutlicher dem Glauben und Aberglauben zuzuwenden.
    Wenn mich meine Erinnerungen nicht trügen, hatten z.B. die Schriften von Nostradamus immer dann Hochkonjunktur, wenn die Menschen oder gar die ganze Welt vor einem großen Konflikt stand.
    Und ich meine, dass Thomas Mann mit Blick auf seinen Protagonisten Felix Krull mal sinngemäß sagte, dass der Erfolg von Hochstaplern ein Indiz für den Verfall einer Gesellschaft sei.

    Ich persönlich denke ja, dass unsere Gesellschaft im Zuge der Neoliberalisierung seit mehr als zwei Jahren in einer Art Alarmbereitschaft gehalten wird. Egal wie gut die deutsche Wirtschaft auch dastehen mag, stets lauert da irgendwo eine nächste große Krise, die Lohnzurückhaltung und Einschränkung der Arbeitnehmerrechte fordert oder Umbrüche, die mit Massenarbeitslosigkeit einhergehen werden. Teile der Unterschicht haben in dieser Zeit bis zu 20% Einkommensverlust hinnehmen müsen, die Löhne der Mittelschicht stagnieren, der Kündigungsschutz wurde gelockert und das soziale Auffangnetz wurde mit der Agenda 2010 zum Stigma, vor dem man sich fürchten muss.

    Wie gesagt, es mag viele Gründe für den derzeitigen Erfolg von Bauernfängern geben, aber dass das Vertrauen in etablierte Institutionen und in eine sichere Zukunft erschüttert wurde, dürfte auch ein Grund dafür sein, dass die Verlierer dieser Entwicklung nun nach Alternativen suchen.
    Darüber, ob das dumm ist, kann man trefflich streiten, aber losgelöst von Diskussionen über die Ursachen, wird dies bestenfalls zu nichts führen, schlechtestenfalls die oppositionelle Haltung der „Suchenden“ noch weiter bestärken.

  12. @SCHREIBKRAFT

    Interessante These. Nach meiner Wahrnehmung ist dieses „Suchen nach Alternativen im Glauben u. Ä.“ eher bei Leuten ausgeprägt, denen es wirtschaftlich sehr gut geht. (z. B als Klischee: der typische Grünen-Wähler) Und die dementsprechend auch eher gebildet sind. (wie ja übrigens viele AFD Wähler auch im gehobenen Bürgertum zu finden sind).
    Und das verstehe ich nicht. Entweder sind das dann wirklich alles irgendwelche unterbewusste Ängste vor dem Abstieg, oder es hängt an etwas ganz anderem. So richtig überzeugt mich das mit den unsicheren Zeiten etc. nicht. Ich habe aber leider auch keine bessere Idee…

  13. @ICHBINICH

    Bei Homöopathie und teilweise auch bei Esotherik würde ich tendenziell zustimmen.
    Bei bildungsferneren und damit zumeist ärmeren Menschen bemerke ich in meinem Umfeld jedoch verstärkt die Hinwendung zu Verschwörungstheorien (u.a. jene der Reichsbürger und anderer rechter Bauernfänger) und ein starkes Misstrauen gegen Eliten, zu denen auch Journalisten und Wissenschaftler gezählt werden. Teilweise sehe ich da auch eine Verzahnung zur sogenannten alternativen Medizin, die über Ablehnung der Wissenschaft und Misstrauen in Wirtschaft, bzw. Pharmaunternehmen stattfindet.

    Vorhin habe zufällig bei Spiegel TV einen Bericht über Demagogie gesehen. Darin werden auch die Themen Framing und Angst als Erfolg der Demagogen genannt und von Fachleuten (u.a. Neurowissenschaftler) erklärt:
    http://www.spiegel.tv/videos/1385407-demagogen?utm_source=sponhp

    Aber alles allein mit der Angst erklären zu wollen, greift aber natürlich viel zu kurz.

  14. Verschwörungstheorien werden geglaubt, weil’s einfach ist.
    Benötigen keine Belege und die subjektive Erfahrung alleine kann sie bestätigen.
    So lästige Dinge wie Plasusibilität, Reproduzierbarkeit und Falsifizierbarkeit brauchen die nicht.
    Da sind die „echten“ Religionen ja noch ehrlicher, sie sprechen wenigstens konsequent von „Glauben“ und nicht von „Alternativ-Irgendwas“.

    @13:
    Klar darf jeder glauben was er will.
    Rosa Häschen, fliegende Spaghettimonster, wiedergeborene Tischler, Schwangerschaft ohne Geschlechtsverkehr, alles glaubbar, für einige aber halt nicht so ganz glaubhaft.

  15. @schreibkraft

    Das kann sicher stimmen (auch wenn ich immer nicht genau weiß, wer diese „Eliten“ eigentlich genau sein sollen).
    Es scheint mir aber so, als gebe es ein paar „Einstiegsdrogen“ im Sinne der alternativen Fakten. Ich habe beobachtet, dass manche Leute anfangen mit z. B. Homöopathie — oder bei VTs ist 9/11 sehr beliebt — und dann immer weiter in die VT-Welt abdriften. Denn wer einmal angefangen hat, an wissenschaftlichem Arbeiten bzw. faktenbasiertem Wissen zu zweifeln, der macht das dann überall. Deswegen nervt mich die Homöopathie auch so, obwohl sie ja im Gegensatz zu z. B. Reichsbürgern doch eher harmlos ist…
    Nur wie gesagt der Grund dafür — oder noch besser das Gegenmittel — habe ich noch nicht wirklich gefunden.

    @anderer Max

    Das war ja aber schon immer so. Zumindest gefühlt nimmt der Anteil der Leute, die an dieses alternative Zeug glauben aber zu. (habe aber noch keine Studie dazu gefunden, ob das wirklich so ist oder nur medial mehr ausgeschlachtet wird). Und da frage ich mich schon, warum.

  16. @ICHBINICH

    Auch da würde ich zustimmen. Die Geschichte dieser „Einstiegsdrogen“ dürfte weit zurückreichen und hat den Ursprung meiner Einschätzung nach – anders als man es erwarten würde – auch in rechter Mythologie und Esoterik (interessant hierzu das Thema Hexen), die über den ökologischen Aspekt und New Age- und Hippi-Bewegung auch Einzug in die eher linke Szene fanden.

    Die ganze Bandbreite von Pharmaverschwörung, Impflüge, und Neue Germanische Medizin, über Ufologie, bis hin zu 9/11 bietet z.B. der Kopp-Verlag, der meiner Einschätzung nach vor der Neuen Rechten Bezugsquelle von Büchern für linke wie rechte Jongleure alternativer Fakten verhökerte.
    Interessant ist, dass über diesen Verlag auch Leute ihre Bücher vertreiben, die gerade in der Anfangsphase der Neuen Rechten versucht haben, eine rechts-linke „Querfront“ über „gemeinsame“ Verschwörungstheorien zu errichten, wie z.B. Jürgen Elsässer.
    Diese Verkettung könnte ich nun noch ein gutes Stück weiterführen, will aber hier auch kein Derailing betreiben, weil es zu weit weg vom eigentlichen Thema Homöopathie führt.
    Die ist zwar keine klassische Verschwörungstheorie, hat ihre Wurzeln jedoch irgendwo dort, wo auch Verschwörungstheorien ihre Anfänge genommen haben.

    Ein überaus interessanter Aspekt dabei: Letztlich siegt bei der Homöopathie ganz offensichtlich der freie Markt (man kann es auch Kapitalismus nennen) über die Wissenschaft. Das stimmt mich bezüglich des ganzen anderen Irrsinns, der dieser Tage so geglaubt wird, ziemlich nachdenklich.

    Und der Begriff ist mit Blick auf den oben verlinkten Bericht und dem darin erwähnten Framing übrigens überaus passend gewählt, weil daraus durchaus so eine Art neurologischer Selbstläufer werden kann.

    Zu den Eliten: das sind die, die man früher einfach „die da oben“ nannte.
    In der Tat beides schwammige Bezeichnungen mit denen gewähntes Urecht quasi eine Art (be)greifbare Gestalt gegeben wird.

    @Anderer Max

    „Verschwörungstheorien werden geglaubt, weil’s einfach ist.“

    Das wiederum ist mir ein gutes Stück zu einfach (formuliert).

    Schaut man sich Verschwörungstheorien genauer an, so sind diese durchaus ziemlich komplex und wer da so richtig einsteigt, weiß auch mindestens so viel, wie jemand der populärwissenschaftliche Bücher liest.

    Einfach an Verschwörungstheorien ist, dass sie, anders als die komplexe Realität, zumeist einen klar erkennbaren Gegner/Schuldigen/Sündenbock bieten.

  17. @ ICHBINICH

    Hoppla, ich habe ein Wort vergessen, der einen Absatz unverständlich macht:

    „Und der Begriff EINSTIEGSDROGE ist mit Blick auf den oben verlinkten Bericht und dem darin erwähnten Framing übrigens überaus passend gewählt, weil daraus durchaus so eine Art neurologischer Selbstläufer werden kann.“

  18. @ Schreibkraft:
    „Einfach an Verschwörungstheorien ist, dass sie, anders als die komplexe Realität, zumeist einen klar erkennbaren Gegner/Schuldigen/Sündenbock bieten.“

    Stimmt, daher verstehe ich Ihren Versuch, zwischen „Glauben“ und „Aberglauben“ zu differenzieren in #14 auch nicht.
    Wie Sie schon sagen, alles eine Soße.
    Aber klar, nach wie vor: Jeder darf an das glauben, an das er glauben will. Hauptsache, er will mir das nicht als alternativen Fakt verkaufen.

  19. @Anderer Max

    „Stimmt, daher verstehe ich Ihren Versuch, zwischen „Glauben“ und „Aberglauben“ zu differenzieren in #14 auch nicht.“

    Nun ja, ich würde sowohl zwischen „an etwas Glauben“ (im Sinne von meinen oder denken), religiösem Glauben und Aberglauben differenzieren wollen, auch wenn man bei allem natürlich irgendwo Parallelen findet, wenn man nur aufmerksam genug sucht.
    Zugleich wollte ich meinen Kommentar auch nicht noch weiter (in der Länge) ausufern lassen und habe das deshalb verkürzt zusammengefasst.

    „Wie Sie schon sagen, alles eine Soße.“

    Ich hatte gehofft, mich doch etwas differenzierter ausgedrückt zu haben.

    „Aber klar, nach wie vor: Jeder darf an das glauben, an das er glauben will. Hauptsache, er will mir das nicht als alternativen Fakt verkaufen.“

    Das mag bei dem Irrsinn der vom Internet beflügelt gerade so die Runde macht nicht immer einfach zu akzeptieren sein, aber ja, da haben Sie Recht.
    Allerdings darf man nur öffentlich aussprechen, was sich innerhalb des rechtlichen Rahmens bewegt und an dessen Grenzen wird gerade ziemlich häufig gerüttelt.

  20. Ich möchte mir hier in diesem fiesen Beitrag beziehen vor allem auf die Kontroverse zwischen Schreibkraft und Anderer Max.

    Beides sind vermutlich Synonyme für Schreiber, die nur in irgendeiner Redaktion existieren – wahrscheinlich in der selben ….

    Nun, das wäre nicht schlimm!
    Ich bin mir nicht sicher, ob ich an dieser Stelle meine eigene Meinung zur Debatte kundtun sollte …
    Aber über eines bin ich mir sicher! Nämlich darüber, wie die Kräfteverhältnisse beschaffen sind, die solche oder solche Informationen nutzbringend verstreuen.
    Die Seite der Homöopathie“Gläubigen“ scheint Ihrer Meinung nach allein schon dadurch diskriminiert zu sein, dass sie den bisher effizient wirkenden „wissenschaftlich fundierten“ Beweisen einer „Wissenschaft“ widerspricht, die gar keine ist.
    Nun, wie auch immer. Ich denke, dass kein wirkliches Wissen an Orten entstehen kann, an denen man vorher schon weiß, wie das „Neu Entdeckte“ auszusehen hat…

    Dass die Homöopathie einem solchen System nichts entgegen zu setzen hat, spricht nach meinem Dafürhalten nicht gegen Sie.
    Gegen die Dummheit ist kein Kraut gewachsen. Das muss ein Schlauerer gesagt haben – ich war’s jedenfalls nicht – aber ich finde ihn beachtenswert!

  21. Egal, was in diesem Forum über Homöopathie gesagt wird, mir hat es geholfen. Ich war an einem gutartigen Tumor erkrankt, der entzündet und damit inoperabel war. Was die Schulmedizin bei mir in drei Monaten nur geringfügig geschafft hat, hat die Behandlung mit Homöopathie komplett ausgeheilt und zwar innerhalb von einem Monat. Die behandlung mit Homoöpathie erfolgte im Anschluss an einen dreimonatigen Klinikaufenthalt durch meinen damaligen Hausarzt. Ich kann es beweisen. Durch Ultraschallaufnahmen vor Beginn der Behandlung mit Homöopathie und nach Ende der Behandlung. Und ich habe seither keine Beschwerden mehr gehabt. Ich bin vollkommen gesund geworden und auch gesund geblieben. Samuel Hahnemann sei Dank.
    So, und nun dürfen Sie mich gerne in der Luft zerreissen.

  22. Man muß nur den einfachsten Grund nehmen ud schonkommt die Lösung:

    Werbung ist dank des Internets sehr billig und gezielt geworden.
    Da man mit sehr vielen Dingen(nützlich oder nicht ist egal)Geld verdienen kann sind die Skrupel naturgemäß gering.
    Natürlich gibt es auch genug Menschen die keine Hoffnung haben ,daß der Schmerz abnimmt/die soziale Lage sich bessert.
    Da probiert man sowas halt aus.
    Entweder als letzte Hoffnung auf Heilung oder damit man sich nicht eingestehen muß ,daß man es zu nichts gebracht hat und sein Leben versoffen hat.Da ist es doch viel einfacher wenn DIE Juden/Flüchtlinge/Amerikaner schuld sind.

    Wer keine Hoffnung aufs überleben hat nimmt dies entweder hin oder versucht alles damit es doch noch geht.Ob sowas dann 5 oder 500€ kostet spielt dann doch sowieso keine Rolle für die betroffene Situation.

  23. @26: Ist doch schön für Sie, trotzdem gibts keinerlei Beweise, dass man von Ihrem Einzelfall auf ein allgemeingültiges Muster schliessen kann.
    Niemand hat je behauptet, dass Leute nach homöopathischer Behandlung NICHT gesund werden können.
    Es gibt auch Menschen, die eine Geisterfahrt auf der Autobahn überlebt haben, trotzdem würd ichs keinem empfehlen.

  24. @25:
    „Beides sind vermutlich Synonyme für Schreiber, die nur in irgendeiner Redaktion existieren – wahrscheinlich in der selben ….“
    In Wahrheit sind wir sogar ein und dieselbe Person, nämlich Angela Merkel!

    „(…) einer „Wissenschaft“ widerspricht, die gar keine ist.“
    Wissenschaft basiert auf 3 Prämissen: Plausibilität, Repoduzierbarkeit und Falsifizierbarkeit.
    Sobald das (in 24-facher Zehnerpotenz) Rückverdünnen eines Wirkstoffs bis hin zur Nichtnachweisbarkeit auf molekularer Ebene diese Kriterien erfüllt, wird die Homöpathie automatisch zu einer Wissenschaft.
    Bis dahin muss man halt dran glauben.

    @26:
    Welches „Forum“?
    Allein schon die Differenzierung zur „Schulmedizin“ ist unseriös. Wenn Homöpathie Medizin wäre, wäre es eben Mediezin und kein Glaubensansatz, der sich zwanghaft von „Medizin“ abgrrenzen möchte.
    Zur Wissenschaftlichkeit gehört eben auch Empirie (Reproduzierbarkeit): Eine Einzelerfahrung bestätigt oder widerlegt eben noch garnichts.
    Ich zweifle Ihre Einzelerfahrung um Gottes Willen nicht an, nur ist die Schlussfolgerung leider falsch.
    Erst die Summe an Erfahrungen und deren statistische Auswertung nach Abzug des Placeboeffekts kann hier ein valides Bild ergeben.

    Ich empfehle diesen Artikel von Florian Freistetter, der die Methodik der bücherverkaufenden Homöopathie-Päpste gut analysiert:
    http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2018/03/13/warum-ich-in-talk-shows-nicht-ueber-esoterik-diskutiere/

  25. Nicht nur der Autor dieses Artikels ist der Meinung, dass die Autorin des Focus-Interviews Homöopahtie-gläubig ist. Wer die Kommentare unter das Interview liest wird bemerken, dass auch andere dieses festgestellt haben. Dementsprechend ist das Sternchen überflüssig.
    Die Einschübe vom Focus sind nur der Formhalber, von kirtischem Journalismus, wie er auch von Kommentaren auf Focusonline bemängelt wird, ist keine Spur in dem Interview zu lesen.
    Ich finde es bedauerlich, dass die Dame es nicht einmal für nötig hielt die Begriffe „Naturheilkunde“ (wo für eine Prüfung pflicht ist: http://www.gesetze-im-internet.de/heilprg/index.html#BJNR002510939BJNE001000314) und „Homöopathie“ zu erklären und zu unterscheiden.
    So etwas sollte doch Grundlage sein.

  26. Um „homöopathische Heilpraktiken“ anwenden zu dürfen ist folgendes notwendig:

    Genau, nichts.
    Ein 2-8 wöchiger Einführungskurs wird empfohlen.

    Medizinstudenten, wenn ihr einfach Geld verdienen wollt, seid Ihr auf dem Holzweg!

  27. Das ist so herrlich absurd, von dem Satz mit den Nebenwirkungen bis zum Nachtrag … Das Lachen fällt aber schwer, wenn ich dran denke, wie diese Leute gerade die ausnehmen, die wirklich jedes Mittel versuchen wollen, weil sie nichts zu verlieren haben.

  28. @Peter Pöhlmann -#25

    „Ich möchte mir hier in diesem fiesen Beitrag beziehen vor allem auf die Kontroverse zwischen Schreibkraft und Anderer Max.

    Beides sind vermutlich Synonyme für Schreiber, die nur in irgendeiner Redaktion existieren – wahrscheinlich in der selben ….“

    1) Inszenierte Diskussionen unter einem kritischen Zeitungsartikel, die direkt aus einer Redaktion stammen…

    „Aber über eines bin ich mir sicher! Nämlich darüber, wie die Kräfteverhältnisse beschaffen sind, die solche oder solche Informationen nutzbringend verstreuen.“

    2)… die wiederum Teil von etwas viel Mächtigerem ist.

    „Die Seite der Homöopathie“Gläubigen“ scheint Ihrer Meinung nach allein schon dadurch diskriminiert zu sein, dass sie den bisher effizient wirkenden „wissenschaftlich fundierten“ Beweisen einer „Wissenschaft“ widerspricht, die gar keine ist.“

    3) Der Wissenschaft auf diffuse Weise Unwissenschaftlichkeit vorwerfen.

    4) Die daraus resultierende Ungerechtigkeit und nastürlich die eigene Opferrolle durch den Vorwurf der Unterdrückung/Diskriminierung hervorheben.

    5) Auch weiterhin den Eindruck erzeugen (Ihnen), dass nur wenige, aber dafür mächtige Stimmen den Diskurs bestimmen.

    „Ich denke, dass kein wirkliches Wissen an Orten entstehen kann, an denen man vorher schon weiß, wie das „Neu Entdeckte“ auszusehen hat…“

    6) Den eigenen freigeistigen Standpunkt (Homöopathie) durch den Hinweis auf die Begrenztheit der Gegenseite (Wissenschaft/Medizin) aufwerten.

    „Dass die Homöopathie einem solchen System nichts entgegen zu setzen hat, spricht nach meinem Dafürhalten nicht gegen Sie.“

    7) Argumentative oder wissenschaftliche Unterlegenheit zu einem Vorteil umdeuten – korreliert gut mit den Punkten 1-6 und macht insbesondere bei der Homöopathie, die mittlerweile teils gar zur Kassenleistung geworden ist, auch Sinn.

    „Gegen die Dummheit ist kein Kraut gewachsen.“

    8) Herabwürdigung der Gegenseite durch Beleidigung mit Bezug zu ihrer Unwissenheit…,

    „Das muss ein Schlauerer gesagt haben – ich war’s jedenfalls nicht – aber ich finde ihn beachtenswert!“

    9) … bei gleichzeitiger Ablehnung jeglicher Veranantwortung für das Gesagte.

    Vielen Dank, wir werden das umgehend in unser redaktionelles „Handbuch zur Abwehr Unterdrückung alternativer Wahrheit“ aufnehmen.

    Notiz an unseren Lektor:
    Die Fehler in meinen Kommentaren können nun korrigiert werden, wir sind eh aufgeflogen.

  29. @PETER PÖHLMANN

    Lassen Sie mich raten: Sie haben eigentlich keine Ahnung was Wissenschaft ist, wollten aber gerne mal ein Statement abgeben, oder?
    Aber Hauptsache Sie fühlen sich wohl auf Ihrer Seite der „Unterdrückten“ (so stark unterdrückt wie die Homöopathie ist ja sonst eigentlich niemand… Ist ja nicht so, als ob die meisten Krankenkassen diesen Humbug nicht schon als Leistung bezahlen….)

  30. @26: Ihr Fall beweist dennoch nicht die Wirksamkeit von Homöopathie. Denn es ist nicht festzustellen, wie der Heilungsprozess verlaufen wäre, wenn Sie die richtige medizinische Behandlung fortgesetzt, von Anfang an Homöopathie benutzt, zu einen anderen Zeitpunkt gewechselt oder die Behandlung ganz abgebrochen oder gar nicht erst begonnen hätten.

    Spontanheilungen sind zwar selten, kommen aber vereinzelt vor. Auch ist möglich, dass just in dem Moment, in dem Sie von richtiger zu homöopathischer Medizin gewechselt sind, die richtige Behandlung angeschlagen hat und der Rest vom Placebo-Effekt erledigt wurde.

    Man wird es nie erfahren. Und genau deshalb müssen richtige Medikamente einen Zulassungsprozess durchlaufen, in dem sie eine Wirksamkeit jenseits des Placebo-Effekts nachweisen müssen. Komisch, dass die Homöopathie-Lobby dagegen ist, angesichts der ach so großen Wirksamkeit müsste sie doch einen endgültigen Beweis herbeisehnen?

  31. Wer sich im Fall schwerer Krankheiten wie Krebs ausschließlich auf homöopathische Mittel verlässt, nimmt seinen Tod in Kauf.“
    Jeder, der lebt, nimmt seinen Tod in Kauf. Und schwere Krebserkrankungen werden von der Schulmedizin zum größten Teil auch nicht geheilt, sondern führen zum Tod. Meine Freundin hat sämtliche schulmedizinischen Methoden über sich ergehen lassen, Op, Chemo, Bestrahlung. Sie ist mit 62 an einem Magenkarzinom gestorben, mein Hausarzt, Schulmediziner mit wissenschaftlicher Lehrpraxis ist nach Stahl, Strahl, Chemie mit 68 an einem Hirntumor gestorben. Tun Sie doch nicht so, als würden diejenigen, die sich auf die Schulmedizin verlassen, nicht den Tod in Kauf nehmen. Im Gegenteil, viele gehen erst dann zum Homöopathen, wenn sie von der Schulmedizin als „austherapiert“ gelten und zum Sterben nach Hause geschickt werden. Wenn dann die Homöopathie auch nicht mehr helfen kann, weil es zu spät ist, dies der Homöopathie anzulasten, ist mehr als heuchlerisch. Mir hat jedenfalls die Homöopathie schon viele Male erstaunlich geholfen. Alles Placebo? Mir völlig egal, Hauptsache, es hilft. Und die Wirkungsweise des Placebos können Sie ja ganz genauso wenig erklären, wie die der Homöopathie. „Ich weiß, dass ich nichts weiß“ soll Sokrates gesagt haben. Seine Äußerungen besagen nach Platons griechischem Text, dass er sich des Umstands bewusst sei, dass ihm Weisheit oder ein wirkliches, über jeden Zweifel erhabenes Wissen fehle. Von dieser Einsicht sind die selbstüberschätzenden Kritiker der Homöopathie noch meilenweit entfernt. (Ich weiß, dass ich nichts weiß, aber weil ich weiß, dass ich nichts weiß, weiß ich mehr, als die, die nicht wissen, dass sie nichts wissen.)

  32. @38: „wir wissen, dass wir nix wissen“ das ist also Ihre komplette Argumentation pro Homöopathie?
    Und nochmal: nein, es gibt keinen Beweis, dass Ihnen die Homöopathie geholfen hat, denn Sie wissen nicht, was ohne deren Anwendung passiert wäre.

  33. Wer heilt, hat recht!
    Und wer den Genesungsprozess gekonnt hinter Voodoo verscheihert, der kann damit noch richtig Kohle aus den Taschen seiner Opfer fingern!
    Und in öffentlichen Foren multiplizieren die Wundergeheilten dann sogar noch den Quatsch, völlig gratis, einfach nur das Homöopathie-Anthoposophie-Alternativmedizin-Buch kaufen!

    Nicht vergessen: Homöopathie benötigt kein Studium oder sowas, das kann jeder einfach so machen! 3 Wochenendkurse in der VHS reichen da völlig aus um mit dem Leben anderer rumzuspielen.

    Muss man die Zuckerkügelchen mit 10^24 rückverdünntem (Wirk-)stoff eigentlich noch mit einem Zauber belegen, damit das wirkt?
    Oder reicht ganz feste dran glauben aus?

    Das schlimme ist, dass diese ganzen Quacksalber schon unzählige Menschenleben auf dem Gewissen haben. Und dass die Krankenkassen da mitmachen ist der größte Witz im postfaktischen Zeitalter.

    Beim angeblichen Klangverhalten von Kupferkabeln kann ich über Voodoo ja noch lachen, es tifft immerhin nur den Geldbeutel von gut betuchten „Highendern“, aber wenn es um Menschenleben geht hört m. E. der Spaß auf.

  34. Viele Krankheiten werden von sich aus besser, wenn man sie in Ruhe läßt (mit oder ohne Homöopathie). Andere Krankheiten sind so schlimm, dass man daran stirbt (mit oder ohne Homöopathie). Dazwischen gibt es aber eine ausgedehnte Grauzone – Krankheiten, wo die “Schulmedizin” nachweislich wirksame Therapien zu bieten hat und die Homöopathie eben nicht. Das liegt in der Regel daran, dass wir inzwischen einiges über die menschliche Physiologie, Pathologie, Biochemie, Pharmakologie, … wissen, was Samuel Hahnemann nicht zur Verfügung stand (er glaubte noch an “Miasmen” und ähnlichen abstrusen Kram), und wir dieses Wissen medizinisch ausnutzen können. Außerdem hat die wissenschaftliche Methodik sich so weit verfeinert, dass wir besser einschätzen können, welche Mittel wirken und welche nicht.

    Tatsächlich ist inzwischen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit etabliert, dass Homöopathie eben nicht wirkt – und das, was wir seitdem über Physik und Chemie gelernt haben, suggeriert uns auch, dass Homöopathie nicht wirken *kann*, es sei denn, wir hätten die Natur ziemlich gründlich missverstanden. Genau diese Grundlagenforschung bleiben uns die Befürworter von Homöopathie aber schuldig, dabei wäre da mit Sicherheit der eine oder andere Nobelpreis zu holen.

    (Anhänger der Homöopathie behaupten gerne, dass die “Schulmedizin” ja auch nicht erklären kann, wie jedes Medikament im Körper wirkt. Aber das ist auch erst mal egal, solange man zeigen kann, *dass* es wirkt –Stichwort Aspirin –, und genau das ist das Problem bei der Homöopathie, denn es hat offensichtlich keinen großen Sinn, die Wirkmechanismen von Medikamenten zu erforschen, die nicht wirken.)

  35. „Tatsächlich ist inzwischen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit etabliert, dass Homöopathie eben nicht wirkt (…)“
    Das ist doch völlig egal!
    Die Wirksamkeit muss belegt werden. Nicht die Nicht-Wirksamkeit widerlegt.

  36. @38:gute nachvollziehbare Argumentation.
    Aus meiner Sicht spricht nichts gegen den „normalen“ Weg:

    Schulmedizin und dann Homöopathie
    Oft (bzw die „besonderen“ Fälle) zeigen dann aber einen anderen Weg
    Direkt Homöopathie und Patient stirbt.

    Zusätzlich kostet diese „Behandlung“ sehr viel Geld.
    Ohne den hohen Preis wäre das Ganze weniger ethisch problematisch.

    @39:Erkläre den Placeboeffekt,also warum es ihn gibt.Warum Patienten,obwohl Sie nur an die Wirkung der wirkungslosen Pille glauben wieder gesund werden.
    Geht nicht! Weil es keine rationale Erklärung gibt.
    Also ist Homöopathie eine (teure)Placeboabgabe,aber de Facto nicht wirkungslos.

  37. Nicht wirksam = Nicht über den Placeboeffekt hinaus wirksam.

    „Warum Patienten, obwohl Sie nur an die Wirkung der wirkungslosen Pille glauben wieder gesund werden.“
    Wieder das alte Missverständnis: Man wird nicht gesund, weil man an eine Wirkung glaubt. Warum die Genesung eintritt weiß man ja eben nicht genau.

    Siehe #37: „Und genau deshalb müssen richtige Medikamente einen Zulassungsprozess durchlaufen, in dem sie eine Wirksamkeit jenseits des Placebo-Effekts nachweisen müssen.“

  38. @44: Richtig ,jenseits des Placeboeffektes.Was aber bestätigt was alle hier wissen.Es gibt einen Placeboeffekt.
    Warum und wie dieser Effekt wirklich ganz genau ausgelöst wird ist aber nicht bekannt.Aber dran zu glauben hilft wohl ziemlich gut,denn die jeweilige Kontrollgruppe eines Medikamententestes glaubt ja nur Sie bekämen das Medikament.Bekommen aber nur eine Pille(die so aussieht wie das echte Medikament?).
    Also wenn „Pille ohne Wirkstoff + dran glauben“ wirkt muss es am „dran glauben“ liegen ,denn die „Pille ohne Wirkstoff“ wird wohl wenig Erfolg bringen.

    Man darf Patienten ja sonst keine Placebos geben(?),wenn man diesen Patienten aber eine „Wunderpille“ gibt ,von der der Arzt weiß „ist Mumpitz“ und die Patienten dran glauben dasse wirkt ist dies doch nicht verwerflich!Es ist nur verwerflich ,wenn man dafür viel Geld verlangt. Der Zweck heiligt die Mittel,zumindest in solchen Fällen wo Medikamente sonst nicht mehr gewirkt haben.

    Ich möchte auch nicht ausschließen,das mancher Patient einen Anti-Placebo-Effekt auslöst indem er nicht an das Medikament glaubt.

    Manch einer(z.B. Ich) habe schon eine positive Wirkung gehabt indem der Arzt überhaupt ein Medikament verschrieben hat.Hört sich seltsam an und wäre es mir nicht passiert würde Ich es nicht glauben,war aber so.

  39. Ja, danke, dass Sie noch mal den Placeboeffek (stark verkürzt) erklärt haben. Wie gesagt, um als Medikament durchzugehen, muss eine Wirkung über den Placeboeffekt hinausgehend nachgewiesen werden.
    Diesen Nachweis bleiben alle „Alternativ“-Blabla Methoden schuldig, denn sonst müssten sie sich nicht „Alternativ“ nennen.

    Außerdem sollte man „sich besser fühlen“ nicht mit „Heilung“ verwechseln.
    Der Placeboeffekt ist ein Suggestionseffekt. Warum oder ob überhaupt eine Heilung eintritt, weiß man nicht. Der Patient fühlt sich besser. Das war es auch schon.
    Ich bin ja der Meinung (gesicherte Studienergebnisse gibt es da m. W. noch nicht), dass die Anamnese dafür verantwortlich ist.
    Der Alternativmedizinler nimmt sich mehr Zeit, geht mehr auf die Bedürfnisse des Patienten ein und hört sich seine Leidensgeschichte an. Das macht ihn schon mal symphatischer, als die weiße Hausarztpraxis, wo man 2 Minuten abgehört wird bevor der nächste dran ist.
    Immerhin erhält man dort dann ein zugelassenes, nachgewiesenermaßen wirksames Medikament von einem ausgebildeten Arzt.

    „Der Zweck heiligt die Mittel“ … Da kann ich nur vehement widersprechen.
    Nur weil jemand sich „besser fühlt“ geht es ihm noch lange nicht besser.

  40. @ Rainerwahnsinn: der Placebo-Effekt ist noch nicht endgültig geklärt – spricht aber auch nicht für Homoöpathie. Denn man könnte ihn ja auch wesentlich günstiger erzielen.

    Das ist überhaupt das lustigste an den Homoöpathie-Anhängern: stellen sich als große Kämpfer gegen Pharmakonzerne als Inbegriff des SYSTEMs dar und kaufen stattdessen vielfach überteuerten Zucker, in dem noch nicht mal irgendeine Forschungsleistung steckt.

  41. Um meinen letzten Gedanken noch zu Ende zu führen: gerade die Kinder des Eso-Muttis, der unermüdlichen Kämpferinnen gegen das ausbeuterische Pharmaindustriesystem, lernen oft von frühester Kindheit an, dass gegen jedes noch so kleine Wehwehchen (Schürfwunde am Spielplatz etc.) ein Pillchen hilft – und werden dieses Verhalten dann natürlich auch als Erwachsene anwenden.

    Bei normalen Eltern wird der Sand abgeklopft und einmal gepustet. Aber *das* sind ja die Dummen, die einem unbarmherzigen System, das nur Geld verdienen möchte, hinterherrennen und auf es hereinfallen, richtig? :)

  42. @47: „wesentlich günstiger“
    Es geht noch günstiger, als wasserbesprühte Zuckerkügelchen?

    Achso, Sie meinen für den Verbraucher!
    Man könnte die Homöopathieindustrie ja mal fragen, wieviel Marge da so dran ist, an einem Zuckerkügelchen.
    Vielleicht fällt das ja schon unter „sittenwidriges Rechtsgeschäft“, §138, BGB.

    Gratis Geschäftstipp:
    Smarties umverpacken und als Alternativ-Heilmittel an Gutgläubige verticken.

  43. @Anderer Max: ist mir schon klar,deshalb schreib Ich ja überteuert usw.
    Aber wenn jmd. sonst nicht dran glaubt und mit einer wirkundslosen Pille schon und deshalb geheilt wird ist dies doch immer noch besser als dran zu sterben oder krank zu bleiben.

  44. @42: “Die Wirksamkeit muss belegt werden. Nicht die Nicht-Wirksamkeit widerlegt.”

    Und genau diesen Wirksamkeitsnachweis bleibt die Homöopathie uns ja seit über 200 Jahren schuldig. Für irgendein homöopathisches Präparat und irgendeine Krankheit. Trotz diverser Bemühungen.

    Das legt durchaus den Schluss nahe, dass an der Homöopathie nicht wirklich was dran ist, und der Umstand, dass deren Grundideen diversen ganz gut etablierten Naturgesetzen widersprechen, tut ein Übriges dazu. Inzwischen müßten schon sehr überzeugende Ergebnisse “pro Homöopathie” auftauchen, um die Sache noch zu retten. Jede Menge Anekdoten und ein paar windige Studien mit Resultaten, die marginal besser sind als Placebo, reichen da nicht aus.

  45. @50: Sorry, aber nein … nicht böse gemeint.

    „mit einer wirkungslosen Pille schon und deshalb geheilt wird“
    Wenn die Pille keine Wirkung hat, ist sie nicht für die Heilung verantwortlich, sondern etwas anderes.
    Der Placeboeffekt lässt den Patienten sich besser fühlen, subjektiv.
    Das bringt ihm nur wenig, wenn er dennoch stirbt.

    Auch so eine Sache von „Alternativ“-Buchverkäufern:
    1. Wundermittel eingeworfen und Heilung erfolgt:
    Wundermittel dafür verantwortlich.
    2. Wundermittel eingeworfen und Heilung erfolgt nicht:
    Wundermittel nicht verantwortlich.
    3. Kein Wundermittel eingeworfen und Heilung erfolgt:
    „Gott handelt auf mysteriöse Weise“
    4. Kein Wundermittel eingeworfen und Heilung erfolgt nicht:
    Hätts’te mal das Wundermittel eingeworfen!

    Die sind argumentativ komplett immunisiert.
    Und das, obwohl die Impfungen hassen! (höhö…)

    Sorry für so viele Beiträge hier von mir … Das Thema betrifft mich leider persönlich, daher der Eifer…

  46. Placebo ist schon etwas mehr, als „sich besser fühlen“, sondern medizinisch nachgewiesene Heilung! Tatsächlich sind die meisten Homöopathen ausgebildete Ärzte. Das Problem ist allerdings, das es sehr viele Homöopathika gibt und es nicht immer einfach ist, das genau passende Mittel herauszufinden. Kritiker führen gern an, dass ab einer bestimmten Verdünnung kein einziges Molekül oder Atom des ursprünglichen Wirkstoffes mehr in der Lösung vorhanden ist. Das ist richtig, es zeigt aber den materialistischen Ansatz des Denkens, der hier eben falsch ist. Es geht hier um Informationsübertragung. Wenn ich ein Buch lese, habe ich auch keinen einzigen Buchstaben aus dem Buch aufgenommen, kein einziges Atom, trotzdem habe ich (im Idealfall, wenn ich es nicht vergesse) die Information aufgenommen.
    Wenn hier jemand „betroffen“ ist, weil vielleicht durch Homöopathie nicht geholfen werden konnte, ist doch die Frage, ob denn die Schulmedizin geholfen hätte. Ich bin jedenfalls dankbar, schon oft durch Homöopathie Hilfe erfahren zu haben und was wir heute ach so exakte Wissenschaft nennen, sieht in hundert Jahren vielleicht schon ganz anders aus, wie es zu Galileos Zeiten auch noch ganz anders aussah. Ich finde es jedenfalls ignorant, etwas abzulehnen, nur weil wir es heute noch nicht genau erklären können.

  47. @ Anna Schmidt

    Nachdem ich Ihren letzten Kommentar gelesen habe, zweifele ich, ob Bücher lesen zwecks Informationsübertragung tatsächlich funktioniert. Wäre es nicht viel besser Bücher einfach (auch) zu essen? Vielleicht kommt auf diesem Weg mehr Information im Körper an? :-)

  48. @Telemachos: Anstatt AM das verstehende Lesen abzuschreiben sollten Sie nach ihrer Bücherliste fragen,diese dann lesen und erklären warum das dort stehende Quatsch ist.
    Selbstverständlich ist dies aufwendig und komplex ,wäre aber der beste Weg um unsinniges zu widerlegen(oder um zu erkennen ist vielleicht doch etwas dran.

  49. tele MACHO Naja, dazu fällt mir jetzt nichts mehr ein, außer Schopenhauer: Wenn Du keine Argumente hast, versuche es mit Beleidigungen. Manchmal klappt’s ja.

  50. Das mit der “Informationsübertragung” klingt als Postulat ja gut und schön. Nur können Homöopathen in keiner Weise schlüssig erklären, (a) um welche “Information” es dabei überhaupt gehen soll, (b) wie diese “Information” von der Urtinktur in das immer weiter verdünnte homöopathische Mittel und schließlich auf die Globuli transportiert wird, und das (c) ohne mit den “Störsignalen” in Konflikt zu geraten, die alle möglichen Verunreinigungen usw. zwangsläufig in den Prozess einbringen, und (d) wie der menschliche Körper sich diese “Information” wieder zunutze macht und wofür. Mit anderen Worten handelt es sich bei der Sache mit dem “Informationstransfer” um Technobabbel, wie man ihn in der Science Fiction antrifft. Chefingenieur Scotty erklärt uns so auch den Warp-Antrieb des Raumschiffs Enterprise; im Film ist das unterhaltsam, in der Realität dagegen eher peinlich.

    Dass homöopathische Globuli nicht wirklich irgendeine “Information” enthalten, merkt man z.B. daran, dass niemand auf der Welt in einem blinden Test zuverlässig homöopathische Globuli der Sorte A von homöopathischen Globuli der Sorte B (oder normalen nicht homöopathischen Kügelchen aus Milchzucker) unterscheiden kann. Leute, die das wirklich können, können sich bei der GWUP 50.000 Euro abholen.

  51. Nachtrag zu den verwendeten Stilmitteln der Homöpathie-Branchenvertreter hier oben im Theread:

    Galieo Gambit – „Über Galileo haben sie früher auch gelacht, und ihr wisst ja, wie das ausging.“
    https://www.ratioblog.de/entry/fehlschluss-19-das-galileo-gambit

    Beweislastumkehr – Statt eine These belegen zu müssen, soll der Argumentationspartner die Gegenthese belegen (siehe #55)
    https://www.ratioblog.de/entry/beweis-mir-doch-mal-das-gegenteil-oder-die-bequeme-umkehrung-der-beweislast

    Nebelkerze – „Placebo ist (…) medizinisch nachgewiesene Heilung!“
    Es geht nicht darum, wie Placebos wirken, sondern ob Homöopathie über den Placeboaeffekt hinaus wirkt.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Red_Herring_(Redewendung)

    Wer Homöopathie verwendet, muss an folgendes Glauben:
    „Zur Begründung der Hochpotenzen ging er davon aus, dass sich hier „die Materie […] roher Arznei-Substanzen […] zuletzt gänzlich in ihr individuelles geistartiges Wesen auflöse.“

    Etwas materialles wird so lange verdünnt, bis nur noch ein Geist übrig bleibt.
    Das sind Bibi und Tina auf Amadeus und Sabrina! Hex Hex!

  52. @53: „Ich finde es jedenfalls ignorant, etwas abzulehnen, nur weil wir es heute noch nicht genau erklären können.“
    Sie sprechen von ignorant? Es gibt null Beweise für die Wirksamkeit von Homöopathie , deshalb wird sie von vielen abgelehnt. Aber mit „Ihr seid nur zu doof, es zu verstehen“ kann man natürlich alles schönreden…

  53. @58: Was hab Ich denn behauptet?
    Sich in den anderen rein versetzen und deshalb seine Argumente( und die Fehler dahinter) besser nachvollziehen zu können ist aber keine höhere Mathematik.
    Aber normaler,ziviler Umgang ist nicht jedermanns Sache.

  54. @60: Die moderne Medizin hat kein besonders großes Problem damit, die Wirkung eines Medikaments nicht genau erklären zu können. Beim Aspirin (Acetylsalicylsäure) zum Beispiel hat es fast 100 Jahre gedauert, bis man es schließlich herausgefunden hat.

    Aber der große Unterschied zwischen Aspirin und homöopathischen Globuli ist nun mal: Aspirin wirkt, und das wurde praktisch von Anfang an schlüssig und nachvollziehbar gezeigt. Solange aber homöopathische Globuli überhaupt gar keine konsistente Wirkung zeitigen, ist die Frage nach einem Wirk-*Mechanismus* offensichtlich reine Zeitverschwendung.

  55. @61:
    Um Wirkmechnismen nachvollziehen zu können, braucht es höhere Mathematik.
    Genau das ist das Problem: Homöopathie oder andere Esotherik-Heilversprechen meinen, ohne diese auszukommen.
    Da bleibt dann halt nur der Glaube übrig – Wem’s reicht.

    Argumente habe ich sehr viele geliefert, im Gegensatz zu Ihnen.
    Sagen Sie gerne Bescheid, wenn Sie diese nachvollziehen können und darüber reden möchten.

    Was Sie anwenden ist übrigens wieder ein rhetorisches Mittel: Sie unterstellen mir indirekt „normaler, ziviler Umgang“ sei nicht mein Ding, dann müssen Sie sich nämlich nicht mit dem Inhalt beschäftigen und können auf die Form verweisen,
    Wem’s reicht.

  56. @61: „Es geht hier um Informationsübertragung.“
    Das wär zB eine Behauptung, die Sie nirgends beweisen. Und um bei Ihrem Vergleich mit dem Lesen zu bleiben: Natürlich gibts da eine Übertragung und zwar von Licht, im Finstern wirds schwierig mit dem Buch.
    Wie genau wird denn die Information bei massiver Verdünnung übertragen?

  57. @38, 53, 56

    Hallo Frau Schmidt, mich beeindruckt die Gelassenheit, mit der Sie einigen der hier getätigten „dumpfbackigen“ Äußerungen begegnen können. Gratulation. Ich wünsche ich hätte ein bisschen was von Ihrer Toleranz. Statt dessen möchte ich manchmal nur schreien in diesem Forum wegen soviel unverfrorener Überheblichkeit.

  58. @63 Nee nee, anderer Max,

    Um Wirksamsamkeitsnachweise zu erbringen muss man noch nicht mal alle Grundrechenarten beherrschen – Addieren und Subtrahieren reicht da völlig, naja – vielleicht sind die anderen fünf auch noch hilfreich…. (Steuer, Werbung, Telefonanlage, Berufsverband, Pharma-Zuwendungen…)

    Das verhält sich im homöpathischen Bereich völlig anders. Eher hier ist die höhere Mathematik gefragt, weil die Herangehensweise eine ganz andere ist – die ist deutlich komplizierter, obwohl auch die Grundrechenarten beherrscht werden sollten.
    Um für wissenschaftliche Beweise überhaupt eine Basis zu schaffen, müssten zunächst einmal möglichst gleich gute Repertorisateure gefunden werden. Das alleine schon würde ein Dissertationsthema für Etliche sein können. Dann müssten weiterhin gleiche Erkrankungsstadien mit gleicher Organotrophie an psychisch vergleichbar strukturierten Patienten gefunden werden, um eine Studie im von Euch verlangtem Sinne zu veröffentlichen, und selbst wenn so etwas wie durch ein Wunder – gesponsert durch D. Trump – oder durch Jehova, würden sich trotzdem Mängel der Studie zeigen.

    Also, was soll diese quatschige Verurteilung als „Hokuspokus“ der Homöpathie!
    Jeder der sich mit einer positiven Bilanz seiner homöopathischen Selbsterfahrungen meldet bei Euch bleibt unbeantwortet – es sind ja eh nicht viele, die sich das überhaupt noch trauen.

    Oh Mann, – und das ist eine FOCUS-Website??? Das lässt blicken – und zwar tief!

    P.S.: Bin ich übrigens nicht Mitglied des nicht bestehenden Berufsstandes der homöopathischen Behandler und auch nicht Schweigersohn vom DHU-Chef

  59. Sehr geehrter Herr Lignau,

    der Art, wie Sie formulieren, und auch Ihrer Sachkenntnis, die immer wieder durchschimmert hab ich mal freizügig entnommen, dass Sie Mediziner sind – oder jedenfalls sachkundig in diesem Bereich.

    Dass Sie der Homöopathie allerdings ihren Nutzen absprechen wollen, enttäuscht mich, da Sie doch zumindest eine „Ahnung“ davon haben.

    Ich möchte Ihnen nicht zu nahe treten und trotzdem sagen dürfen:

    Es gibt große Unterschiede zwischen den vielen Menschen, die Homöopathie ausüben.
    In diesem Blog ist stellenweise gesagt worden, jeder könne Homöopathie ausüben, sofern er sich über einen 6-8-wöchigen Block qualifiziert hat.
    Das ist natürlich völliger Quatsch! Ist doch klar!

    Das mag bei Ärzten der Fall sein, die sich danach mit der Zusatzbezeichnung „homöopathische Behandlung“ schmücken dürfen. Dasselbe mag auch für Heilpraktiker zutreffen, die im Nachhinein diese zusätzliche Aufwertung haben können.

    Das alles hat aber nichts mit einer systematischen homöopathischen Ausbildung zu tun, die nämlich dauert mit Sicherheit viel länger als sechs Wochen, weil sie in der Intensität ungefähr einem halben Medizinstudium entspricht – oder noch mehr.

    Wenn man also hier über Homöopathie redet, dann sollte man es richtig tun. Ohne die Erfahrungen, die landläufig gemacht werden mit Komplexmitteln, die gerne von Ärzten gegen Magen/Darm-Geschichten oder gegen Bronchitis usw. verschrieben werden, gegen Schwindel, Haarausfall und Aftersausen, weil die Ärzte keine Zeit dazu haben, wirklich zu repertorisieren – die lassen wir mal weg.
    Die allermeisten Behandler könnens‘ ja auch gar nicht, wollen aber gerne eine breite Klientel!

    Als homöpathischer Arzt in der heutigen Zeit zu überleben scheint sehr schwer zu sein.

    Echte Homöopathie sieht anders aus! Und da ich weiß, wovon ich schreibe – schreibe ich es halt auch!

    Mein Appell:

    Wenn Ihr ein wirkliches Problem habt, das auf den Euch geläufigen Wegen (Hausarzt, Spezialist) oder Operateur, nicht oder nicht auf Dauer gelöst werden kann, dann sucht Euch einen wirklich guten Homöopathen. Ich selber hab‘ kein Geld mehr dafür, sonst würde ich mich nie mehr anders behandeln lassen.

    Homöopathie ist kein Anker für von der traditionellen Medizin aufgegeben Menschen, sie ist der Anker für eine gebeugte Haltung.
    Eine Haltung, aus der heraus der richtige Strahlwinkel bestimmt werden kann z.B. für einen feuchten Furz gegenüber jedem naheliegenden Ziel!

    Warning: Wer Homöopathie in Ihrer Reinform (lt. Hahnemann) kennengelernt hat, der ist danach für andere Therapieformen gänzlich verdorben – Andere Leute werden halt durch was Anderes verdorben – und jeder glaubt, seine Erfahrungen seien die richtigen….

  60. @66:Nein nicht von Focus-Online.Es geht um Focus-Online und (positiv formulierte)bezahlte Berichte über bestimmte Themen.In diesem Fall Homöopathie.
    Hier bei den Kommentaren wird aber mehr diskutiert ob es überhaupt
    Effekte der Homöopathie gibt.

  61. @Peter Pöhlmann:
    „In diesem Blog ist stellenweise gesagt worden, jeder könne Homöopathie ausüben, sofern er sich über einen 6-8-wöchigen Block qualifiziert hat.
    Das ist natürlich völliger Quatsch! Ist doch klar!“

    Ja stimmt, um Homöopathie anwenden zu dürfen wird KEINE Ausbildung benötigt.
    Die 6-8 Wöchigen Kurse sind dazu da, den angehenden Quacksalbern schon einmal ein paar unwirksame Produkte näher zu bringen, die sie dann den gutgläubigen Patienten andrehen können.

    „Als homöpathischer Arzt in der heutigen Zeit zu überleben scheint sehr schwer zu sein.“
    Es gibnt keine „homöpathischen Ärzte“. Es gibt Ärzte, die sich ein Zubrot mit dem Verkauf von unwirksamen, homöopathischen Substanzen verdienen.

    „Das alles hat aber nichts mit einer systematischen homöopathischen Ausbildung zu tun, die nämlich dauert mit Sicherheit viel länger als sechs Wochen (…)“
    Nö, dauert gar nicht. Die Anwendung von Homöopathie benötigt keine Ausbildung. Darf jeder einfach so machen. Es gibt den Ausbildungsberuf des „Heilpraktikers“, der allerdings deutliche mehr können muss, als Zuckerkügelchen zu verkaufen.

    „(…) weil die Ärzte keine Zeit dazu haben (…)“
    Genau die These hatte ich oben wieter auch schon aufgestellt: Homöpathie und andere esotherische Verfahren nehmen sich Zeit für den Patienten und die Anamnese. Dadurch fühlt sich der Patient „in guten Händen“. Hat leider nur nichts mit wirksamer Medizin zu tun.

    Und ja, das kann man alles nur so drastisch formulieren.
    Die blumige Verkaufsrhetorik kann ja der Homöopath dann weiter zum Kundenfang benutzen, funktioniert ja anscheinend ganz gut.

  62. Ergänzend:
    „Das verhält sich im homöpathischen Bereich völlig anders. Eher hier ist die höhere Mathematik gefragt, weil die Herangehensweise eine ganz andere ist – die ist deutlich komplizierter, obwohl auch die Grundrechenarten beherrscht werden sollten.“

    Gehen wir das doch mal konkret durch, statt grauer Theorie:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Hom%C3%B6opathie

    Kurze Zusammenfassung:
    Homöopathie beruht auf der These, dass man „Gleiches mit Gleichem“ heilen könne. Der Wirkstoff soll (nicht willkürlich) sondern „so ausgewählt werden, dass die Inhaltsstoffe der Grundsubstanz unverdünnt an Gesunden ähnliche Symptome hervorrufen könnten wie die, an denen der Kranke leidet.“ (Der Beleg dieser These fehlt bis heute, nur am Rande.)
    Der Guru Hahnemann hat dafür Tabellen angelegt, die auf seinen Beobachtungen (Achtung: Nicht zu verwechseln mit empirisch erhobenen, validen Daten!) beruhten.
    Lapidar: Von Fingerhut kriege ich Magenkrämpfe, also hilft das gegen andere Magenbeschwerden. N’ja.

    Nun waren die Substanzen meist giftig, die Hahnemann da in seine Tabelle eintrug. Also stellte er ein weiteres Axiom auf: Man solle „die Grundsubstanzen einer sogenannten Potenzierung (Verdünnung) unterziehen, das heißt, sie werden wiederholt (meist im Verhältnis 1:10 oder 1:100) mit Wasser oder Ethanol verschüttelt oder mit Milchzucker verrieben.“
    So haben seine Substanzen den Patienten immerhin schon mal nicht kränker gemacht als vorher.

    Drittes Axiom:
    „Hahnemann nahm an, dass durch das besondere Verfahren der Potenzierung oder „Dynamisierung“ eine „im innern Wesen der Arzneien verborgene, geistartige Kraft“ wirksam werde. Zur Begründung (…) ging er davon aus, dass sich hier „die Materie […] roher Arznei-Substanzen […] zuletzt gänzlich in ihr individuelles geistartiges Wesen auflöse“

    Nun sind wir im Reich der Geister angekommen, höchste Zeit also für die extrem hohe Mathematik der Homöopathie. Beispiel soll eine oft gelesene, vielleicht schon selbst gekaufte „D24“ Lösung sein.
    D24 heißt, die die Ursubstanz (50:50 Ethanol / Arznei) wird 24 Mal im Verhältnis 1:10 verdünnt. Das Verhältnis von Wirkstoff zu Streck-Substanz beträgt also 1 zu 10^24. Oder auch 1 zu 1000000000000000000000000 oder auch „Eins zu einer Quadrillion“.
    Oder auch „etwa ein Tropfen im Volumen des Atlantiks“

    tl:dr
    Das Verfahren der Homöopthie verdünnt eine Substanz, von der man annimmt, dass sie unverdünnt die gleichen Symptome hervorruft, die der Patient bereits hat, und zwar so weit, bis sich die Arznei zuletzt gänzlich in ihr individuelles geistartiges Wesen auflöst (aka. kein Wirkstoff mehr nachweisbar ist).

  63. @67: “Dass Sie der Homöopathie allerdings ihren Nutzen absprechen wollen, enttäuscht mich, da Sie doch zumindest eine „Ahnung“ davon haben.”

    Das Problem an der Stelle ist, dass auf der einen Seite doppelt verblindete randomisierte klinische Tests stehen, die ganz überwiegend ergeben, dass Homöopathie nicht besser funktioniert als Placebo. (Allfällige Tests, die einen kleinen Effekt “zeigen”, basieren höchstwahrscheinlich auf – zu erwartenden – statistischen Anomalien.) Gut entworfene Tests versuchen zu erreichen, dass im Idealfall die einzige ausschlaggebende Variable die ist, ob jemand den Placebo bekommen hat oder das zu testende Präparat.

    Auf der anderen Seite stehen die Leute, die sagen “Mir hat die Homöopathie aber ganz toll geholfen”. Und genau diese Aussage hat keinen wissenschaftlichen Wert, da man eben nicht sagen kann, ob es letzten Endes die Globuli waren oder irgendeine Kombination aus allen möglichen anderen Effekten – vielleicht die Hühnersuppe oder dass man eine Woche nicht arbeiten war oder dass man zwei Wochen lang ein Antibiotikum geschluckt hat, bevor man zum Homöopathen gegangen ist, oder der Umstand, dass manche Krankheiten einfach von sich aus verschwinden. Selbst manche Arten von Krebs gehen mitunter (selten zwar, aber immerhin) in spontane Remission, und wenn man vorher Globuli genommen hat, dann liegt es natürlich nahe, denen die “Schuld” daran zu geben, auch wenn es dafür objektiv keinen Grund gibt. Andere Leute nehmen die Globuli und sterben trotzdem.

    Solche “Einzelschicksale” lassen also keine Bewertung der Homöopathie zu – man braucht eine Mehrzahl vergleichbarer Fälle, eine Kontrollgruppe, Statistik und vieles andere mehr. (Und das klappt natürlich auch mit aufwendig “repertorisierter” Homöopathie; entsprechende Studien gibt es tatsächlich.) Danach kommen dann “systematische Reviews”, die die Ergebnisse vieler solcher Studien zusammentragen und vergleichend analysieren, um zu einem Gesamtfazit zu kommen. Der Umstand, dass – allen Anekdoten zum Trotz – die Effekte der Homöopathie praktisch völlig verschwinden, wenn man sie auf diese Weise untersucht, legt (inzwischen ziemlich unumstößlich) nahe, dass Homöopathie nicht wirklich funktioniert. Und wie lange ein Homöopath sein Handwerk gelernt hat, macht da leider offenbar keinen Unterschied.

  64. Und um das noch mal abzuschließen:
    „Um für wissenschaftliche Beweise überhaupt eine Basis zu schaffen, müssten zunächst einmal möglichst gleich gute Repertorisateure gefunden werden.“
    Eben nicht. Wenn ein Ergebnis „wissenschaftlich“ sein soll, muss es 3 Kriterien erfüllen, hatte ich oben auch schon mal erklärt: Plausibilität (Schafft die Homöopathie nicht so ganz, da es auf Axiomen beruht. Im Rahmen dieser Axiome ist es jedoch plausibel.), Falsifizierbarkeit (Man kann nie sagen „so ist es“ sondern immer nur „so ist es nicht“) und Reproduzierbarkeit (Die Ergebnisse müssen unabhängig von durchführender Person, Ort, Wetter, etc. gleich ausfallen.).
    Wenn Sie sagen, man müsse erst mal „gleich gute Repertorisateure“ finden (Was m. E. ein Euphemismus ist für „wessen selbst angelegte Tabellen widersprechen sich nicht“), ist der Versuch nicht reproduzierbar und daher unwissenschaftlich, da die Ergebnisse mit der durchführenden Person variieren können.

    „Das alleine schon würde ein Dissertationsthema für Etliche sein können.“
    Nein, eine Dissertation muss wissenschaftlich sein, was das von Ihnen genannte Verfahren nicht wäre.

    „Dann müssten weiterhin gleiche Erkrankungsstadien mit gleicher Organotrophie an psychisch vergleichbar strukturierten Patienten gefunden werden, um eine Studie im von Euch verlangtem Sinne zu veröffentlichen“
    Das ist richtig aber so lange aber unwichtig, bis die wissenschaftlichkeit des Experimentes gegebn ist. Wie immer in der Wissenschaft sind eineiige Zwillinge hierfür am besten geeignet. Dieser Hürde müssen sich ALLE Medikamte stellen. Genau deshalb macht man empirische Studien und verlässt sich nicht auf diverse Einzelfall-Listen von „Repertorisateuren“.

  65. Und zu guter Letzt:
    „Jeder der sich mit einer positiven Bilanz seiner homöopathischen Selbsterfahrungen meldet bei Euch bleibt unbeantwortet – es sind ja eh nicht viele, die sich das überhaupt noch trauen.“

    Eine individuelle Erfahrung ist kein empirisch gesichertes Wissen, das man zur Behandlung von Patien anwenden darf.
    Ständige Wiederholung macht einen subjektiven Eindruck nicht zum allgemeingültigen Fakt.
    Wie man an diesem Threadverlauf sieht, wird die Kritik an der Einzelerfahrung generell als Angriff gewertet, statt als Ansatzpunkt zum Hinterfragen des eigenen Standpunkts.
    Man ist gerne Opfer eines schlechten Umgangstons, da man sich so nicht mit dem Inhalt des Gesagten beschäftigen oder gar seinen eigenen Standpunkt hinterfragen muss.

    „Bin ich übrigens nicht Mitglied des nicht bestehenden Berufsstandes der homöopathischen Behandler und auch nicht Schweigersohn vom DHU-Chef“
    Oh, dann sind Sie eines der Opfer der Homöpathie-Abzocker.
    Das tut mir Leid, aber genügend gedankliche Ansätze zum Hinterfragen Ihres Glaubens wurden ja geliefert!

  66. Vielen Dank dafür, dass Sie meinen Thread – benenne ich das richtig – ernstgenommen und beantwortet haben.

    In einer meiner vorhergehenden Äußerungen zu dem Thema „Wissenschaftlichkeit“ wurde ich ziemlich angefeindet, nicht nur durch Sie.
    Sie nennen in Ihrer Kritik an meiner Zuschrift nochmals die Kriterien, die „Wissenschaftlichkeit“ nach unserem heutigen Verständnis ausmachen. Und damit rücken Sie auch etwas ab von Ihrer vorherig von Ihnen vernommen Haltung: Wieder so ein Arschloch, dass es lernen muss, das Maul zu halten!
    Ich freue mich darüber, von Ihnen trotz meiner Äußerungen e- die den Ihren so rigoros widersprechen – ernst genommen zu werden.

    Danke dafür!

    Peter Pöhlmann

  67. Die meisten Leute können ja gar nichts dafür. Schließlich liegt die Sache ja auf der Hand: Es geht einem nicht gut, man redet mit dem Arzt (oder Homöopathen), bekommt ein Mittel verschrieben, das man einnimmt, und bald geht es einem besser. Klar, dass das Mittel geholfen haben muss! Das Mittel ist super. Jeder sollte es einnehmen.

    Aber so einfach ist es halt nicht unbedingt, denn wie erwähnt könnte die prompte Gesundung auch an allen möglichen anderen Ursachen liegen. Im einfachsten Fall ist es ein Regress zur Mitte: Rückenschmerzen zum Beispiel kommen und gehen, aber zum Medikus geht man natürlich vor allem, wenn sie besonders schlimm sind. Entsprechend, egal was der Medikus macht (inklusive gar nichts), stehen die Chancen nicht schlecht, dass es einem am nächsten Tag etwas besser geht, und dann waren das halt zum Beispiel die Globuli. (Für den Fall, dass es einem nicht schon am nächsten Tag besser geht, sondern doch erst am Tag drauf, haben die Homöopathen sich übrigens das nützliche Konstrukt der “homöopathischen Erstverschlimmerung” zurechtgelegt.) Aber es kann natürlich Dutzende von anderen Gründen geben. Der Lateiner nennt diese Art eines logischen Fehlschlusses “post hoc, ergo propter hoc” – “danach, also deswegen”.

    Letzten Endes beruht ja die ganze Lehre der Homöopathie auf genau so einem falsch verstandenen Einzelfall: Samuel Hahnemann nahm Chinarinde und bekam Fieber. Klar ist, dass (a) Hahnemann noch kein Fieber hatte, als er die Chinarinde einnahm und (b) die Chinarinde bekanntermaßen ein Mittel gegen Fieber ist. Ergo das berühmte Prinzip: “Gleiches heilt Gleiches”, hurra! Dumm nur, dass Hahnemanns Fieber nichts mit der Chinarinde zu tun haben konnte, denn die verursacht normalerweise nun mal keins. Trotzdem haben Hahnemann & Co. sehr viel Zeit damit verbracht, alle möglichen Mittel auszuprobieren, um festzustellen, welche Symptome sie beim (einzelnen) gesunden Menschen “auslösen” – und auf dieser riesigen Anekdotensammlung baut die Homöopathie auf.

    Man kann das Hahnemann nicht wirklich übelnehmen; zu seiner Zeit wusste man es nicht besser, und die moderne Medizin war noch nicht erfunden. Tatsächlich war die Homöopathie, als sie neu war, durchaus ein Schritt vorwärts gegenüber der damaligen “Schulmedizin”, wo der Aderlass (natürlich mit einem Messer, an dem noch die vorigen paar Patienten klebten) die Standardbehandlung war und Blei- und Quecksilber-Pillen auch – es gab also ein sehr reales Risiko, an der Therapie zu sterben oder zumindest so richtig krank zu werden, und da war eine Modalität, die wie die Homöopathie gar nichts machte, eine eindeutige Verbesserung. Denn, wie erwähnt, die meisten Krankheiten gehen auch von selber weg. Nur hat die medizinische Forschung in den zwei Jahrhunderten seit Hahnemann eben ganz gewaltige Fortschritte gemacht (unser Wissen über Bakterien und Antibiose, um nur etwas ganz Offensichtliches zu nennen, ist ja noch nicht gar so alt), und diese Erkenntnisse sind an der Homöopathie komplett vorbeigegangen. Sie stützt sich ja immer noch auf Hahnemanns Symptomkataloge und wirkstofffreie Globuli, wo die moderne Medizin in vielen Fällen etwas über die *Ursachen* von Krankheiten zu sagen hat und diese auch direkt therapieren kann.

    Homöopathie ist letzten Endes nichts anderes als eine Form von Analogiezauber, dem nicht nur jeglicher Wirkungsnachweis abgeht, sondern der auch in völligem Widerspruch zu unseren (ziemlich gut etablierten) Vorstellungen von Physik und Chemie steht und schon allein deshalb unplausibel ist. Entsprechend gehört sie auf den Schutthaufen der Medizingeschichte, zusammen mit den unsterilisierten Aderlass-Lanzetten und den Quecksilber-Pillen der Hahnemann-Zeitgenossen. Wir können es inzwischen besser. Nicht perfekt, aber besser.

  68. @74:
    „Sie nennen in Ihrer Kritik an meiner Zuschrift nochmals die Kriterien, die Wissenschaftlichkeit nach unserem heutigen Verständnis ausmachen.“

    Naja, „nach unserem heutigen Verständnis“ impliziert, dass sich da fundamental was ändern könnte. Das ist aber auch wieder das „Galileo Gambit“. Oder, um es wie Harald Lesch zu sagen: „Unsere Wissenschaft müsste schon verdammt gut falsch sein!“
    Eigentlich sind die 3 von mir genannten Faktoren auch nicht Voraussetzungen für „Wisenschaftlichkeit“ sondern ein generelles, erkenntnistheoretisches Konzept, mit dem man auf „Wahrheitssuche“ gehen kann (bzw. ausschließen kann, was nicht die Wahrheit ist ;)

    „Und damit rücken Sie auch etwas ab von Ihrer vorherig von Ihnen vernommen Haltung: Wieder so ein Arschloch, dass es lernen muss, das Maul zu halten!“
    Die Haltung legen Sie mir in den Mund.
    Ich halte es nur nicht für zielführend, blumig darüber zu diskutieren.
    In meinen Augen müssen Scharlatanerie, Wucher und Unwissenschaftlichkeit als solche benannt werden.
    Die Opfer dieser Bauernfängerei tun mir in erster Linie leid, sind meist jedoch selbst Schuld. Vor Allem wenn man sich freiwillig zum Gratis-Multiplikator der esotherischen Heilsversprechen macht, sollte man mit Widerspruch rechnen.
    Dass ich damit Betroffenen, wie Verkäufern auf die Füße trete, ist mir bewusst und Teil des Erkenntnisprozesses, den ich anregen möchte und an dessen Ende hoffentlich ein positives Ergebnis steht.

    Noch eine persönliche Anmerkung:
    Ich halte niemanden für ein „Arschloch“, weil er sich von schmierigen Homöopathie-Verkäufern hat abzocken lassen.
    Dazu fällt mir immer nur ein „Dummheit ist, das Gleiche zu tun, aber ein anderes Ergebnis zu erwarten“.

    Es ist nur immer so in solchen Internetdiskussionen, dass ganz zum Schluss, wenn die Debatte durch ist, die Homöpathie-Branchenvertreter in der Kommentarspalte auftauchen (siehe „Anna Schmidt“, die Namen sind überigens auch immer reindeutsch) und noch einmal schnell hinschreiben, dass man eigentlich nichts wissen kann (Weil bei Decartes in der 10. Klasse war Schluss) und die Kritiker ja auch nur an Wissenschaft glauben.
    Damit wird der Torpfosten verschoben:
    Gesicherte Erkenntnis soll in Frage gestellt werden.
    Aus „Wissenschaft vs. Glaube“ soll „Glaube an Wissenschaft vs. Glaube an Homöpathie“ gemacht werden.
    Und genau darauf möchte ich hinweisen.

  69. Also erstens bin ich kein „Homöopathie-Branchenvertreter“, zweitens ist Anna Hebräisch (von Hannah) und drittens heißt der gute Mann Descartes, auch wenn man das „s“ im Französischen nicht ausspricht. Viertens habe ich die Schule auch nicht nach der 10. Klasse abgebrochen sondern ein naturwissenschaftliches Abi gemacht und mit Bio auch ein naturwissenschaftliches Fach studiert. Persönliche Angriffe dieser Art, die obendrein auf Vermutungen beruhen, dürften nicht der netiquette entsprechen. Eine Diskussion um eine nicht geklärte Ansicht ist im Prinzip nie beendet und dass ich nicht von Anfang an dabei war, liegt einfach daran, dass ich nur zufällig darauf gestoßen bin. Und ich bin immer noch froh, dass mir die Homöopathie (und die meisten Homöopathen sind Ärzte, also alle ebenfalls mit einem naturwissenschaftlichen Hintergrund), schon oft und billig geholfen hat, denn ein Fläschchen kostet zwischen sieben und zehn Euro, während ich für andere Medizin locker 50 bis 100 € auf den Tisch legen muss.

  70. Alles klar, ‚tschuldigung für die falsche Zuordnung.
    Das war ein Schnellschuss, ein Fehler von mir für den ich mich aufrichtig entschuldigen möchte.
    Das ist nicht persönlich gemeint, es passte einfach nur zu 100% in diesen Frame des „zufällig“ zu spät kommenden Branchenvertreters.
    Sorry für diesen persönlichen Angriff, das meine ich komplett ernst.

    Inhaltlich:
    „eine nicht geklärte Ansicht“
    Es ist nicht „Ansicht vs. Ansicht“ sondern „Wissen vs. Glauben“.
    Dadurch, dass sie an Homöpathie glauben, erklären Sie die wissenschaftlichen Errungenschaften der letzten 150 Jahre für falsch und negieren somit den gesellschaftlichen Konsens, was Medizin ist.
    Sie wollen daran glauben, Sie dürfen daran glauben.
    Jeder darf glauben, was er möchte – Das möchte ich hier auch noch mal klarstellen: Wenn jemand sagt „Ich glaube an Homöopathie!“ dann habe ich da 0 Problemo mit!
    Diesen Glauben jedoch auf die gleiche Stufe, wie gesichertes Wissen heben zu wollen, ist falsch, dreist und sehr unfair gegenüber den wissenschaftlichen und erkenntnistheoretischen Errungenschaften der letzten 2 Jahrhunderte.

    Um es mal wieder lapidar zu sagen:
    Sie benutzen einen Computer, um hier zu schreiben.
    Diese Technologie könnte es nicht geben, wenn Homöpathie wirksam wäre.
    Dann würde die Informationsübertragung nämlich nicht in Paketen (Quanten), sondern „geistartig“ verlaufen, was auch immer das sein mag.
    Die Tatsache, dass Sie Quatentechnologie (Ihren Computer) verwenden, beweist quasi schon, dass eine andere Informationsübertragung als auf Quantenbasis nicht möglich ist.
    Wie gesagt: „Unsere Wissenschaft müsste schon sehr gut falsch sein“

    „für andere Medizin“
    Da Homöpathie keine Medizin ist, muss sie sich ja auch nicht mit Medizin vergleichen.
    Klar sind Zuckerkügelchen ohne Wirkstoff billiger, als Medikamente, deren Wirksamkeit belegt ist.
    Die Preise für Homöopathie anzuheben ist übrigens keine seriöse Lösung des Problems.

  71. Homöopathische Globuli sind mit weitem Abstand die teuerste Möglichkeit, reinen Milchzucker zu kaufen, die es gibt. Bei der EDEKA zum Beispiel kosten 500 Gramm Milchzucker nicht ganz €3. In Gestalt etwa der populären Arnica-C30-Globuli dagegen, je nachdem, wo man einkauft, zwischen €300 und €500. Für entsprechend skrupellose Naturen ist die Herstellung homöopathischer Globuli also durchaus einträglich, zumal die Großhandelspreise für Milchzucker sicher nochmal deutlich unter denen der EDEKA liegen dürften.

    Denn dass homöopathische Präparate auf den ersten Blick so preisgünstig scheinen, hat natürlich auch damit zu tun, dass deren Hersteller sich die lästigen Forschungsarbeiten, klinischen Studien der Phasen 0, I, II und III, Sicherheitsbewertungen usw. sparen können, die für echte Medikamente aus gutem Grund vorgeschrieben sind und typischerweise Abermillionen verschlingen, die die Herstellerfirma irgendwie wieder einspielen muss (von der Querfinanzierung anderer Projekte, die letztendlich nicht zu marktreifen Produkten führen, ganz zu schweigen).

    Der britische National Health Service hat sich übrigens aus der Finanzierung von Homöopathie zurückgezogen, auch weil sich gezeigt hat, dass Homöopathie unter dem Strich nicht billiger ist als echte Medizin, sondern im Gegenteil teurer. Das liegt nicht nur direkt an den dreisten Preisen für Globuli, sondern indirekt auch daran, dass Leute mitunter zuerst mit Homöopathie an sich herumdoktern und später, wenn sie ihre Krankheit nicht in den Griff kriegen, zum Arzt gehen oder gar im Krankenhaus landen für Sachen, die bei frühzeitiger richtiger Behandlung womöglich gar nicht so schlimm gewesen wären. Viele Krankheiten gehen von selber wieder weg, auch wenn man sie homöopathisch behandelt, aber eben nicht alle.

  72. @schreibkraft

    Danke für den Artikel, sehr interessant! Die Frage, warum immer mehr Menschen (vor allem auch innerhalb der „Elite“) an dieses Zeugs glauben verrät er allerdings leider nicht…
    Er zeigt nur, dass es in unseren Hochschulen offenbar Reformbedarf gibt.

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