Eine zweifelhafte Expertin fürs „Charakter-Profiling“

Unter der Überschrift „Auch Menschen ohne Facebook-Konto haben ein Problem“ hat „Spiegel Online“ vor kurzem ein Interview mit der „Online-Profilerin“ Suzanne Grieger-Langer veröffentlicht. Sie berät „als Charakter-Profilerin auf Grundlage von Datensammlungen große Unternehmen bei der Einstellung neuer Bewerber“, schreibt „Spiegel Online“.

Charakter-Profilerin? Einstellung von Bewerbern aufgrund von Datensammlungen? Spätestens da müsste jeder Redakteur aufhorchen. Mit einem Charakter-Profiling anhand von Datensammlungen würde sich jedes Unternehmen strafbar machen. Denn die Nutzung personenbezogener Daten ohne Zustimmung des Betroffenen ist nicht erlaubt.

Doch wer ist Suzanne Grieger-Langer? Ein detaillierter Lebenslauf lässt sich nicht finden. Laut ihrem Xing-Profil ist sie Diplom-Pädagogin mit Ausbildung in Transaktionsanalyse, einer wissenschaftlich nicht anerkannten Form der Psychotherapie.

Ich habe Grieger-Langer im vergangenen Jahr selbst erlebt. Auf der „Digital Mind Change“-Konferenz von Xing stellte sie sich als „Psychologin, Psychotherapeutin und Psychoanalytikerin“ vor. Von einem Abschluss in Psychologie und einer Ausbildung in Psychoanalyse, die eigentlich nur Psychologen und Ärzten offensteht, findet man jedoch nichts; auch auf Anfrage gibt sie nicht an, ein Psychologiestudium abgeschlossen zu haben. Mit einer falschen Angabe könnte sich Grieger-Langer sogar strafbar machen. Denn die Bezeichnung Psychotherapeut ist geschützt und setzt ein Studium der Medizin oder Psychologie voraus.

Auf der Konferenz erklärte Grieger-Langer: „Seit der Jahrtausendwende können wir den psychogenetischen Code berechnen, ohne mit der Zielperson in Kontakt zu kommen.“ Dafür genügten schon Name, Geburtsdatum und ein Foto. Dann suche sie aus dem Internet alles, was es zu der Person gibt, und berechne mit Hilfe von Algorithmen das „Charakter-Profil“. Darin erkenne man zum Beispiel, wie jemand mit Geld umgeht oder ob er loyal gegenüber seinem Unternehmen sein kann. Damit wiederum wählt sie angeblich Führungskräfte für Unternehmen aus. Mehr Unsinn geht kaum.

Aufschlussreich ist auch ein Artikel aus der „Süddeutschen Zeitung“ aus dem Jahr 2010. „Manche Personen kann man in drei Minuten lesen“, behauptete Grieger-Langer dort. Das sei eben wie bei der DNA, wo auch schon eine Hautschuppe genüge. Manchmal sei auch ein 20 Jahre altes Foto ausschlaggebend. Aber auch Körperform, Frisur, Brillentyp und Stimme würden analysiert.

Falsche Lorbeeren

Bei ihren angeblichen Tätigkeiten für Hochschulen schmückte sich die Online-Profilerin nach meinen Recherchen mit falschen Lorbeeren. So behauptete sie, für die Frankfurt School of Finance and Management den Studiengang „Certified Profiler“ entwickelt zu haben. Das war falsch.

Sie habe lediglich ein eintägiges Wahlmodul im 22-tägigen Zertifikatsstudiengang „Certified Fraud Manager“ unterrichtet, schrieb die Hochschule und mahnte sie ab. Daraufhin wechselte sie die Hochschule aus und schrieb auf ihrer Website: „Für die Steinbeis University Berlin entwickelte sie den Studiengang ‚Certified Profiler'“. Doch auch das war falsch.

„Frau Suzanne Grieger-Langer ist keine Mitarbeiterin der Steinbeis-Hochschule und wurde von uns auch nicht beauftragt, einen Studiengang ‚Certified Profiler‘ zu entwickeln“, teilte Carsten Rasner mit, der Direktor der Steinbeis School of Management and Innovation an der Steinbeis-Hochschule Berlin. „Unsere Geschäftsführung hat Frau Grieger-Langer aufgefordert, diese Angabe unverzüglich zu entfernen.“

All diese Informationen sind im Netz leicht zu finden. Doch bei „Spiegel Online“ hat man offenbar nicht recherchiert, sondern der Interviewerin vertraut.

Auch weitere Hochschulen bestreiten inzwischen auf Anfrage die Verbindungen, die Grieger-Langer zu ihnen behauptet. Grieger-Langer lässt gegenüber Übermedien erklären, sie sei weder von der Frankfurt School of Finance and Mangement noch von der Steinbeis Hochschule abgemaht worden. Einen detaillierten Lebenslauf veröffentliche sie seit Jahren nicht mehr, „da wir in der Vergangenheit mehrfach sehr unangenehme Erfahrungen mit Stalkern machen mussten“.

Am Tag, als das Interview erschien, habe ich die Leiterin des Netzwelt-Ressorts, Judith Horchert, und Chefredakteurin Barbara Hans auf die Zweifel an der Seriosität der Interviewpartnerin aufmerksam gemacht und ihnen die entsprechenden Links geschickt. Es passierte nichts. Antwort bekam ich nicht – erst auf eine erneute Anfrage ausdrücklich für die Berichterstattung auf Übermedien.

Auch das Interview selbst ist peinlich. Grieger-Langer sagt darin:

„So, wie Cambridge Analytica psychometrische Methoden einsetzt, sind sie sehr mächtig. Die Nutzer müssten eigentlich wissen, was sie mit ihren Daten preisgeben. Sie wollen es aber nicht wissen und verhalten sich online so, als wären ihnen alle wohlgesonnen.“

Das ist im Zusammenhang mit dem Skandal um Cambridge Analytica Unsinn. Denn dabei wurden die Daten von bis zu 87 Millionen Facebook-Nutzern widerrechtlich genutzt. Entwickler einer App an der Cambridge University hatten Daten an Cambridge Analytica weitergereicht, wo man dann wiederum für das Wahlkampfteam von US-Präsident Donald Trump gearbeitet hatte. Einen guten Überblick über das ganze Vorgehen gibt ein Artikel im „Tagesanzeiger“.

An der Cambridge University wollte man damals herausfinden, ob sich aus den Facebook-Likes etwa zu Filmen, Stars oder Büchern – und damit aus an sich unverfänglichen Angaben – ein valides Persönlichkeitsprofil erstellen lässt. Die Aussage von Grieger-Langer, dass Nutzer eigentlich wissen, was sie mit ihren Likes preisgeben, ist daher unsinnig. Zudem lassen sich bisher heute aus den Daten keine validen Persönlichkeitsprofile erstellen. Aber man findet bestimmte Vorlieben und Verhaltensweisen, die für die gezielte Ansprache – wie im Wahlkampf – genutzt werden können.

SPIEGEL ONLINE: Sie beraten große Unternehmen bei der Rekrutierung neuer Mitarbeiter. Welche Rolle spielen Facebook-Profile in Ihrer Arbeit?

Grieger-Langer: Eine marginale. Neben den Daten, die ein Kandidat mit der Bewerbung abliefert, holen wir Daten aus dem offenen Internet. Vieles ist frei und ohne Passwortschutz zugänglich, auch auf Plattformen wie Facebook. Die Menschen sollten sorgsamer mit Daten umgehen. Auch Menschen ohne Facebook-Konto haben ein Problem.

Auch hier gilt: Unternehmen, die das tun, machen sich strafbar, wenn sie nicht die Berechtigung der Personen haben, die Daten zu nutzen.
 
Völlig wirr und in sich unschlüssig wird es bei der folgenden Antwort:  

Daten können kein Eigenleben entwickeln. Algorithmen können aber schlecht berechnet sein und Relevantes auslassen, sodass die Maschine nur scheinbar ein Ergebnis liefert. Bei Beurteilungsverfahren in Assessment-Centern etwa wird oft gesagt, die Technik biete ein mogelfreies Verfahren. Aber die Maschine rechnet nicht damit, dass der Mensch über die Technik hinausdenkt und überlegt: „Der Arbeitgeber wünscht Teamfähigkeit. Ich bin nicht teamfähig, weiß aber, wie sie sich ausdrückt. Also klicke ich die Antwort an, die ein teamfähiger Mensch auswählen würde.“

Einmal geht es um Assessment Center (also einer Verhaltensbeobachtung von mehreren Bewerbern durch mehrere Beobachter), einmal offenbar um Fragebögen („dann klicke ich die Antwort an“) und ein anderes mal um Algorithmen. Doch was hat Verhaltensbeobachtung mit Algorithmen zu tun?

Algorithmen suchen nach Korrelationen zwischen verschiedenen Variablen. Sie können nicht „scheinbar ein Ergebnis liefern“. Sie liefern immer ein Ergebnis, das allerdings auf Scheinkorrelationen beruhen kann.

Das Interview erweckt an etlichen Stellen den Eindruck, dass weder Frau Grieger-Langer noch die Autorin noch die Redaktion wissen, um was es eigentlich geht.

Ist das Interview vielleicht im hektischen Tagesgeschäft durchgerutscht und wurde nicht mehr gegengelesen? „Spiegel Online“ bestreitet das auf Nachfrage. „Selbstverständlich ist das Interview vor der Veröffentlichung sowohl im Ressort als auch von einem Chef vom Dienst gründlich gegengelesen und redigiert worden. Zudem wurden die Antworten von Frau Grieger-Langer autorisiert“, erklärt Ressortleiterin Horchert.

Und die inhaltliche Kritik? „Wir konnten keine groben sachlichen Fehler entdecken, die einer Richtigstellung bedürften. Es mag sein, dass sich die Interviewpartnerin im Gespräch hier und da ungenau ausdrückt oder Dinge sagt, die polarisieren. Beides ist unserer Auffassung nach in einem Interview völlig normal.“
 
Immerhin gesteht „Spiegel Online“ ein, dass man sich nicht die Mühe gemacht hat, über die Online-Profilerin zu recherchieren. Meine Recherchen zur Arbeit von Frau Grieger-Langer seien der Redaktion nicht bekannt gewesen. „Wir haben sie aber zur Kenntnis genommen und werden sie ggf. zukünftig berücksichtigen.“

Besonders interessant ist natürlich das „ggf“. Vielleicht greift „Spiegel Online“ ja bald wieder auf die „Expertise“ dieser Dame zurück? So ändern sich die Zeiten. Früher wurden bei „Spiegel online“ häufiger Scharlatane entlarvt, heute werden sie promotet.

15 Kommentare

  1. Interessante Einblicke, aber zum Thema „Daten, die man im Internet über potentielles Personal findet“, ist dieser Einwand sehr akademisch:
    „Auch hier gilt: Unternehmen, die das tun, machen sich strafbar, wenn sie nicht die Berechtigung der Personen haben, die Daten zu nutzen.“

    Das ist ungefähr so, als würde ich sagen, wer in mein Haus eindringt, ohne eine Berechtigung zu haben, macht sich strafbar. Ist an sich nicht falsch, aber kein Argument, nicht abzuschließen.
    Hinzu kommt, dass man als nicht genommener Bewerber oder Bewerberin i.d.R. nicht gesagt bekommt, dass die Absage an Dingen lag, die man gegoogelt hat.
    Und dazu kommt noch, wenn ein Unternehmen mich nicht nimmt, weil es meine I-Net-Vorgeschichte erforscht hat, will ich es darauf verklagen, mich doch noch einzustellen oder bin ich froh, da nicht gelandet zu sein? Oder habe ich als Arbeitsuchender eigentlich die finanziellen Kapazitäten, so eine Klage anzustrengen? Für so ein Unternehmen könnte das ein kalkuliertes Risiko sein.

  2. Die Zusatzausbildung zum Psychotherapeuten steht grundsätzlich auch studierten (Sozial-)Pädagogen offen. Daher ist es kein Ding der Unmöglichkeit, dass die Dame eine solche Ausbildung absolviert haben könnte.
    Es gibt aber, wie im Artikel dargestellt, genügend andere Anhaltspunkte, um die Frau kritisch zu betrachten.

  3. „Das Interview erweckt an etlichen Stellen den Eindruck, dass weder Frau Grieger-Langer noch die Autorin noch die Redaktion wissen, um was es eigentlich geht.“
    Das scheint mir der Kern des Problems zu sein. Alle beteiligten simulieren Wissen. Reihen Buzzwort an Buzzthema. Und fertig ist der Online-Artikel. Liest sich ok, eine „Expertin“ hat mitgewirkt. Alles gut. Was will man mehr?
    Was immer wieder erschreckt, ist die Kritikresistenz. Da stört nur jemand den normalen Ablauf…

  4. Diplom-Pädagogin, Transaktionsanalyse, Psychotherapeutin, Psychoanalytikerin…..

    Wann sollte eine angebliche Diplom-Pädagogin wissen, dass der Begriff „Psychotherapeut“ gesetzlich geschützt ist? Vorrangig, wenn sie eine Ausbildung zur „Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin“ absolviert hat. Ebenfalls ein durch das Psychotherapeutengesetz geschützter Begriff. Wenn das nicht der Fall ist, macht sie sich definitiv strafbar. Dann würde eine etwas fragwürdrig arbeitende Dame sich mit falschen (nicht fremden, sondern falschen) Federn schmücken.

    Im Nebel stochern geht auch einfacher. Solange die Entscheider in Unternehmen glauben, dass sich Psychogramme mittels einer Abart des Kaffeesatzlesens erstellen lassen, muss ich mir um den Niedergang essentieller Werte in der deutschen Wirschaft keine Gedanken machen. Er ist gesichert.

    Und: Solange das psychologische Wissen ausschließlich in der Köpfen der „Gelehrten“ verbleibt und nicht den Weg in die Köpfe der Menschen auf der Straße findet (siehe Schulz von Thun), werden psychologisierende Scharlatane immer leichtes Spiel haben.

  5. „All diese Informationen sind im Netz leicht zu finden. Doch bei „Spiegel Online“ hat man offenbar nicht recherchiert, sondern der 22-jährigen Autorin vertraut.“

    Bezieht sich die Altersangabe auf Frau Grieger-Langer? In dem Artikel der SZ von 2010 ist ihr Alter als 37 angegeben. Demnach sollte sie heute 45 sein.

  6. Also das Buzzword-Bingo in den Zitaten hätte mich schon stutzig gemacht in der Kompetenz der Dame.
    Dass da kein Redakteur hellhörig wird, bedeutet, dass hier gar kein Interesse bestand, um was es eigentlich geht.
    Hauptsache „persönliche Daten“ und „Cambridge Analytics“ kommt irgendwie vor.

    Aber gerade für die Netzwelt-Redaktion ist das sehr peinlich vor allem kurz vor Inkrafttreten der EU-DSGVO, in der nochmal ausdrücklich – wie auch im bestehenden BDSG – auf Datensparsamkeit und die BEschränkung der Nutzung von personenbezogenen Daten hingewiesen wird, mit Strafandrohung bei Verstoß gegen diese Prinzipien.

  7. Mal wieder das alte Problem von Journalisten: Es wird über etwas geschrieben, von dem man eigentlich keine Ahnung hat. Psychologie, Psychotherapie, Psychiatrie? Da gibt es Unterschiede? Auch bei der Ausbildung?!

  8. @9: „Der Journalist an sich …“
    Sippenhaft?
    Ich bin doch auch kein nationalsozialistischer Massenmörder, nur weil ich dieselbe Konfession („Lutheraner“) wie der bekloppte Breivik habe.
    (Hab‘ ich nicht mal, ist nur exemplarisch gemeint.)

  9. Insgesamt ein interessanter und lohnender Artikel! Insoweit geht mein Lob für die Recherche an die Autorin.

    Allerdings möchte ich bei einem Detail etwas einhaken – nämlich wenn gesagt wird, dass die Transaktionsanalyse „eine[…] wissenschaftlich nicht anerkannte[…] Form der Psychotherapie“ sei.

    Das suggeriert m.E. etwas Falsches, nämlich dass es eine relativ klare Unterscheidung zwischen wissenschaftlich anerkannten und wissenschaftlich nicht anerkannten Formen gebe. Die ersteren, so würde man vermutlich meinen, fußen auf Erkenntnissen der Wissenschaft, sind effektiv und finden in der Fachwelt allgemeine Anerkennung – die letzteren hingegen haben keine wissenschaftliche Grundlage, sind vermutlich ineffektiv und werden von den meisten Fachleuten kritisch gesehen.

    Das stimmt so aber nicht, wie ich Punkt für Punkt ausführen möchte:

    Wissenschaftliche Fundierung:

    Bei zahlreichen Therapie-Verfahren – darunter auch solch prominenten und vom Wissenschaftlichen Beirat für Psychotherapie anerkannten wie der Psychoanalyse – ist umstritten, ob und inwieweit sie auf „wissenschaftlichen Erkenntnissen“ beruhen. Dies kann man ganz leicht selbst recherchieren, weshalb ich das hier wohl nicht weiter zu belegen oder zu vertiefen brauche.
    Doch selbst bei der kognitiven Verhaltenstherapie weisen sog. „Dismantling-Studien“ darauf hin, dass man Teile des Verfahrens einfach weglassen kann. Oder mit anderen Worten: Auch hier gelangen Rituale, die im jeweiligen Fall keinen nachweisbaren Effekt haben, zum Einsatz.

    Effektivität:

    Die Effektivität ganz unterschiedlicher Psychotherapie-Verfahren ist sehr ähnlich. Ob nun gar kein messbarer Unterschied besteht, wenn alle relevanten Variablen berücksichtigt werden („Dodo-Bird-Urteil“), oder ob doch zumindest geringfügige Differenzen zu verzeichnen sind, kann dabei offen bleiben. Die große Mehrheit der Metastudien zeigt jedenfalls, dass Unterschiede – wenn sie denn bestehen -, relativ unbedeutend sind. Entsprechend erklären therapeutische Techniken dann auch nur einen kleinen Anteil der Varianz vom Erfolg von Therapie. Das spricht stark dafür, dass es nicht so sehr einzelne Techniken oder Verfahren sind, sondern vor allem „unspezifische“ Faktoren, die bei der Psychotherapie die Hauptrolle spielen (etwa therapeutische Beziehung, Erwartung usw.). Ich weiß nun nicht, was speziell die Studienlage zur Transaktionnsanalyse ist; aber es ist sehr unwahrscheinlich, dass dieses Verfahren oder eine andere der weniger bekannten Therapien wesentlich ineffektiver wäre als die populäreren Therapie-Methoden.

    Akzeptanz in Fachkreisen:

    Es existiert eine enorme Anzahl psychotherapeutischer Verfahren, die (auch) von Psychologen und Psychiatern entwickelt wurden und von ihnen vertreten werden – und zu denen es oftmals Symposien, Ausbildungsangebote, akademische Bücher und Fachzeitschriften gibt. Die erwähnte Transaktionsanalyse wäre ein Beispiel, das all diese Bedingungen erfüllt.
    Es gibt natürlich Therapieverfahren, die populärer sind als andere – aber das hat nicht unbedingt damit zu tun, dass diese wesentlich mehr auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen würden oder wesentlich effektiver wären als andere (s.o.). Auch stehen unterschiedliche therapeutische Verfahren nicht zwingend in einem unüberbrückbaren Gegensatz, sondern lassen sich häufig kombinieren. Wenn also viele Therapeuten die bestimmte Methoden favorisieren, heißt das nicht, dass sie alle anderen Methoden ablehnen oder als „unwissenschaftlich“ betrachten müssten. Im Gegenteil kombinieren die meisten Kliniker in der Praxis ohnehin unterschiedliche Verfahren.

    Die Rede davon, dass ein Therapieverfahren wie etwa die Transaktionsanalyse „nicht wissenschaftlich anerkannt sei“ ist also problematisch, da sie beim nicht vorgebildeten Leser vermutlich einen irrigen Eindruck erzeugen wird.

    Wer übrigens meinen Ausführungen nicht glauben mag, der sei beispielhaft auf nachfolgenden Text von Bruce Wampold, einem führenden Psychotherapiefoscher, verwiesen; die meisten meiner Erläuterungen werden finden sich samt Belegen dort. Siehe insbesondere das Kapitel „Specific Effects“:
    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4592639/

  10. Schön, dass Frau Schwertfeger noch aktiv ist und weiter gegen unseriöse Psychoscharlatane anschreibt.

  11. Wenn das, was diese Online-Profilerin erzählt, Unsinn ist, dann ist es doch egal, was sie studiert hat. Da könnte sie eine richtige Frau Professor sein und es wäre immer noch Unsinn. Ihr vorzuhalten, dass sie nichts Rechtes studiert hat und dass sie sich mit fremden Federn schmückt … ja nun … macht dieses „Erwischt“ den Unsinn noch unsinniger?

  12. @Danny (13)
    Es geht hier ja um die Medien. Das Problem ist, dass sie sich mit solchen „Nichtexperten“ schmücken und als Autoritäten für Artikel nutzen.

    …könnte ja jeder kommen ;-)

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