Geil, ein echter Krimi!

In Stralsund ist ein Mann verbrannt, aus bislang ungeklärter Ursache. Er wurde am Sonntagmorgen vor einem Parkhaus gefunden und konnte nicht mehr gerettet werden. Um wen es sich handelt, ist unklar. Die Polizei ermittelt.

Oder um es mit den Worten der „Ostsee-Zeitung“ zu sagen:

„Eine Nacht nach der Ausstrahlung des jüngsten Teils der Stralsund-Krimireihe im ZDF läuft die Polizei am Sonntag in der Hansestadt wieder zur Form auf: Diesmal nicht im Film, sondern in Wirklichkeit. Das hier ist keine Fiktion.“

Flotte Krimi-Reportage Screenshot: Ostsee-Zeitung

So beginnt die die „Ostsee-Zeitung“ ihren Bericht über den Fall. Wobei: Bericht trifft es nicht. Es ist eine Reportage, die einerseits die Wirklichkeit betont, diese andererseits aber als Krimi-Szene schildert:

„Es ist 8 Uhr morgens, als Streifenwagen an den Frankenwall gerufen werden, weil eine Frau zwischen der Gerhart-Hauptmann- Schule und einem Parkdeck einen bereits toten brennenden Menschen gefunden hat.“

Die „Ostsee-Zeitung“ kümmert dieser brennende, dieser verbrannte Mensch offenbar kaum. Vielmehr interessiert sie sich für die Arbeit der Beamten, die den Fundort absperren und Passanten „freundlich, aber bestimmt“ abweisen, sie interessiert sich für den „Kriminaldauerdienst“ und die „Zivilermittlerin mit grauer Wollmütze und blauen Gummihandschuhen“, für die „Instrumente zur Spurensicherung“, die in einem „blauen Bus“ verstaut sind, und für diese „weißen Einweg-Overalls“ und den „dunkelroten Leichensack“.

Es ist eben alles sehr aufregend, eine Nacht nach dem Stralsund-Krimi. Andererseits: Im ZDF ist es schon lauter an so einem abgesperrten Fundort, oder?

„Das Polizei-Flatterband raschelt im Wind, ansonsten ist es morgens anders als in einem Fernsehkrimi noch sehr still am Fundort, von dem noch nicht sicher ist, ob er auch ein Tatort ist. Die sich langsam aufbauende Kriminalszenerie macht aber den Eindruck, dass die große Hektik hier erst noch bevorsteht.“

Die „sich langsam aufbauende Kriminalszenerie“ fasziniert den Reporter anscheinend so sehr, dass er die Fakten zu dem Fall, um den es geht, wie in einem Krimi einstreut, geradezu beiläufig.

„Ein anderer Zivilpolizist telefoniert auf der gegenüberliegenden Seite des Frankenwalls gut wahrnehmbar mit seinen Kollegen: ‚Der hatte noch Schuhe und Socken an.'“

Beamte treten auf und ab, Menschen laufen vorbei, Fahrzeuge fahren vor, aber irgendwann, tja, ist auch diese Szene der realen Stralsund-Folge vorbei:

„Dinge, die mit dem Mann und seinem Tod in Zusammenhang stehen könnten, sind in durchsichtigen Plastiktüten gelandet, die Flatterbänder werden entfernt, Leichenwagen und Polizei verschwinden.“

Ende der Reportage.

Erst dann, am Ende dieses kühl geschilderten Krimis, kommt die „Ostsee-Zeitung“ noch kurz auf einen Verdacht zu sprechen, der im Internet kursiert. Offenbar nächtigt in der Nähe des Fundorts der Leiche häufiger ein Straßenmusiker. Er wird nun angeblich vermisst. Ob er es ist, der ums Leben kam, kann noch keiner sagen. Auch nicht, ob es ein Suizid war, ein Unfall oder der Mann vielleicht Opfer eines Verbrechens wurde. Aber davon erzählt sicher eine der nächsten echten Krimi-Folgen in der „Ostsee-Zeitung“.

25 Kommentare

  1. Da fehlt tatsächlich nur noch der Cliffhanger, um auf Folge 2 neugierig zu machen. Man muss aber zur Verteidigung des Schreiberlings anführen, dass man bei der Masse an Ostsee-Krimis auch den Eindruck gewinnen könnte, dass in der Gegend ausschließlich gemordet und gebrandschatzt wird.

  2. Wo genau ist jetzt das Problem? Ich halte es eher für im positiven Sinne bemerkenswert, dass sich in regionalen Tageszeitungen noch stilistisch etwas anspruchsvollere Texte finden, die über das Aneinanderreihen vermeintlicher Fakten hinausgehen, ohne wild zu spekulieren und zu skandalisieren. Für mich ist das ein überdurchschnittlich guter Artikel.

    Aber ich bin auch ja auch kein Medienkritiker. Nur Leser. Und als solcher empfinde ich hier bei Übermedien mittlerweile eine Tendenz zum Belanglosen.

  3. „Für mich ist das ein überdurchschnittlich guter Artikel.“
    Für die Familie des Verstorbenen sicher auch!

  4. @ Anderer Max:
    Auch auf die Gefahr, dass ich Sie mit einer solchen Nachfrage jetzt komplett überfordere: Gibt es auch irgendwelche sachlichen Argumente, warum die Familie von einer solchen Form der Berichterstattung besonders betroffen sein sollte? Generell, aber auch im Vergleich zu den Gepflogenheiten der Boulevardpresse?

  5. Vielleicht hat der Autor der Ostsee-Zeitung sich ein Beispiel an Egon Erwin Kisch nehmen wollen, keine Ahnung, und da hat er sich bei einigen Formulierungen etwas verhoben. Nicht schön, aber weiß Gott auch kein Drama. In dem Text ist nichts wirklich Schlimmes enthalten.

    Warum nun „Übermedien“ meint, daraus eine Nummer stricken zu müssen, ist mir allerdings nicht klar. Das wirkt hier so wie ziemlich kleines Karo, gerade weil Boris Rosenkranz die Sache so verdammt wichtig nimmt. Make Übermedien great again, please.

  6. @4: Ich weiß, das wird Sie jetzt überfordern: Inwiefern kann Betroffenheit sachlich sein?

    Also ich fänd’s schon recht scheiße wenn mein Mann getötet wird und der Artikel in der Lokalzeitung dann eben nicht sachlich berichtet, sondern mit so.

    Aber mit Zurückhaltung und Anstand haben’s hier viele nicht so, das ist mir auch schon aufgefallen.

  7. So traurig der Anlass auch ist, fuer mich ist das ein Indiz wie sehr viele Medienformate sich mittlerweile damit beschäftigen ‚richtigen Menschen‘ beim Arbeiten zuzuschauen und das zu dokumentieren. Denn im Kern wird hier Polizeiarbeit beschrieben. Ob man nun mit dem Abschleppunternehmen, Busfahrer, Privatermittlern usw. unterwegs ist oder sich eine Stunde an einen Tat- bzw. Fundort stellt-irgendwie gibt es ein Beduerfnis ‚echte‘ Tätigkeiten zu begleiten-gerne im Rahmen von Polizeiarbeit (gibt es eigentlich noch LKW-Kontrollen auf der Autobahn ohne Kamera?!?).

  8. Boris Rosenkranz, #6

    Auf mich wirkt das hier so, als ob die Überschrift „Geil, ein echter Krimi!“ gar nicht fett genug sein konnte.

    Die Überschrift insinuiert eine Haltung des Reporters, die sich allein aus dem Artikel heraus so nicht hundertprozentig erschließt. Ebenso könnte man auch mutmaßen, ihm sei an der Unterscheidung TV-Krimi/Realität gelegen, und das wollte er – im Guten – skizzieren, indem er sich an das Krimi-Format anlehnt. Dass er dabei m.E. stilistisch scheitert, sagt ja nichts über seine Haltung aus.

    Man hätte ihn einfach anrufen oder ihm eine Mail schicken können, um das zu klären. Meine Vermutung: das ist nicht versucht worden.

    „Die „Ostsee-Zeitung“ kümmert dieser brennende, dieser verbrannte Mensch offenbar kaum.“

    Auch das ist eine These, die sich aus dem Artikel alleine nicht erschließt. Was hätte er denn schreiben sollen? Den Zustand der Leiche beschreiben? Betroffenheit formulieren? Und warum wird bemängelt, dass er „erst dann, am Ende“ Spekulationen über die Identität des verbrannten Menschen erwähnt? Hätte er diese Spekulationen in den Mittelpunkt rücken sollen?

    So wird m.E. ein konsistentes Bild eines sich aufgeilenden Lokalreporters gezeichnet. Da ist kein Platz für Zwischentöne, die Nummer hier sollte offenbar eindeutig sein. Das ist in gewisser Hinsicht boulevardesk.

    Man kann das natürlich machen, warum sollte man nicht Journalisten kritisieren. Aber hätte man das nicht ebenso schaffen können, ohne hier deutschlandweit einen unbedeutenden Lokalreporter vorzuführen? Ist diese Reportage wirklich ein so krasser Einzelfall oder typisch für einen allgemeinen Missstand, dass man derart draufhauen muss?

    Wie gesagt: mich hätte da schon interessiert, was der Reporter, was die Zeitung selbst dazu sagt. Und ich bin mir noch nicht einmal so sicher, dass das weniger konstruktiv und leserfreundlich gewesen wäre.

  9. Wie berechtigt der Artikel ist, zeigen gerade die zuweilen zynischen Kommentare hier. Die Empathielosigkeit eines Zeitungsartikels wird kritisiert. Und wer bemängelt das? Genau: Leserinnen oder Leser, denen es offensichtlich ganz gehörig an Einfühlungsvermögen mangelt.
    #2, Axel, freut sich, „dass sich in regionalen Tageszeitungen noch stilistisch etwas anspruchsvollere Texte finden“. Ja, dafür ist ein frischverkohlter Mensch als Anlass sicher ganz gut geeignet.
    Und #9, TH, findet es unfair, dass der Reporter nicht selbst zu Wort kommen durfte. „Man hätte ihn einfach anrufen oder ihm eine Mail schicken können, um das zu klären.“ Super Idee, der hätte den Vorwurf der Empathielosigkeit sicher toll widerlegt und mal alles richtiggestellt, dann wäre es wieder in Butter. Und der Journalist hätte nicht „deutschlandweit vorgeführt“ werden müssen. Dabei wird der Name hier überhaupt nicht genannt, und weitere Hinweise auf den Verfasser des Artikels sind auch nicht zu finden – außer denen, die sich auf den Text beziehen.

  10. Natürlich kann man sich fragen, ob ein Leichenfund dafür der richtige Anlass ist. Aber grundsätzlich ist nichts dagegen einzuwenden, wenn ein Journalist versucht, sich einem – in Stralsund offenbar besonders häufig wiederkehrenden – Thema mal auf einem neuen Weg zu nähern.

  11. „Ob er es ist, der ums Leben kam, kann noch keiner sagen. Auch nicht, ob es ein Suizid war, ein Unfall oder der Mann vielleicht Opfer eines Verbrechens wurde.“

    Genau, das muss polizeilich erst ermittelt werden. Darüber zu spekulieren, bevor es Erkenntnisse gibt, ist nicht sinnvoll.

    Es ist leider andernorts schon vorher passiert, dass ein verbrannter Toter aufgefunden wurde. Die Ermittlungen brauchten mehrere Monate, waren dann aber erfolgreich.
    http://www.badische-zeitung.de/elsass-x2x/verbrannte-leiche-bei-offenburg-verdaechtiger-festgenommen–116664886.html

  12. @ Anderer Max, #7:

    »Inwiefern kann Betroffenheit sachlich sein?«

    Gar nicht. Ein seriöser Journalist muss selbstverständlich eine mögliche emotionale Wirkung seiner Texte bedenken, schreibt aber eben nicht für persönlich Betroffene, sondern für die Öffentlichkeit, also die anderen 99,9999 Prozent seiner Leser.

    »Also ich fänd’s schon recht scheiße wenn mein Mann getötet wird und der Artikel in der Lokalzeitung dann eben nicht sachlich berichtet, sondern mit so.«

    Ja, das hatte ich verstanden. Meine Frage bezog sich auf das „Warum“. Weil der Autor eben nicht über die persönliche Geschichte des Toten, mögliche Abläufe und Hintergründe des Geschehens spekuliert, sondern statt dessen von Absperrbändern und Spurensicherung erzählt?

    Machen wir uns nix vor: Sie haben den Originaltext wahrscheinlich gar nicht gelesen und sind einfach nur auf den von Herrn Rosenkranz in Gang gesetzten Zug gesprungen. Dann ist man ja auf der sicheren Seite und kann sich mit einem hingerotzten Ausrufezeichen-Satz positionieren, ohne selbst denken und argumentieren zu müssen.

    »Aber mit Zurückhaltung und Anstand haben’s hier viele nicht so, das ist mir auch schon aufgefallen.«

    Genau. So einfach wird man zum anständigen, lediglich besorgten Bürger. Indem man kurzerhand alle Andersdenkenden für unanständig erklärt und sich das in seiner Filterblase regelmäßig bestätigen lässt. Macht man ja heute so.

    Aber ich bin zu alt für diesen Scheiß.

  13. @ Paul, #10:

    Meinen ernst gemeinten Respekt. Sie sind der erste, der konkret wird und sich damit in die „Gefahrenzone“ der Argumentation begibt.

    »[…] Darüber zu spekulieren, bevor es Erkenntnisse gibt, ist nicht sinnvoll.«

    Absolut richtig. Nur: Der zitierte Satz ist das genaue Gegenteil von Spekulation. Er besagt, dass es eben noch keinerlei Hinweise auf die Ursache gibt und hebt nicht mal andeutungsweise eine der Möglichkeiten als wahrscheinlicher hervor, geschweige denn, dass er sie effekthaschend ausschmücken würde.

    Der Schreibstil muss (und kann) nicht jedem gefallen, aber ich finde an dem Text auch nach mehrmaligem Lesen nichts Verwerfliches, geschweige denn etwas, das als Beispiel für die Verrohung der Sitten taugen würde, wie hier andeutungsweise suggeriert wird.

    Noch weniger Angriffsfläche könnte man doch nur bieten, wenn man lediglich die Pressemeldung der Polizei kopieren und gar keine eigenen Texte mehr produzieren würde. Und genau darauf läuft es gerade bei Lokalredaktionen ja auch hinaus. Der Grat zwischen den ehemaligen Extremen „Wie billig, die kopieren ja nur Pressemeldungen“ und „Boah, widerlich, wie die dramatisieren und skandalisieren, nur um mehr Zeitungen zu verkaufen“ wird leider immer schmaler.

    Ich wundere mich, dass es nach wie vor junge Leute gibt, die den Ritt auf der Rasierklinge wagen und Journalisten werden wollen. Was sie neben dem Handwerkszeug vor allem brauchen werden, ist ein sehr, sehr dickes Fell.

    Zurück zum Feuilleton.

  14. „Aber ich bin zu alt für diesen Scheiß.“
    Ne, das hat nichts mit dem Alter zu tun, sondern mit Kompetenz und dem Willen, sein Gegenüber zu verstehen.

    „Sie haben den Originaltext wahrscheinlich gar nicht gelesen (…)“
    So unsicher mit Ihren „Argumenten“?

    Ne, da haben Sie recht, bei dieser „Diskussion“ will ich garnicht mitmachen ;)

  15. @15 Anderer Max:
    „Ne, das hat nichts mit dem Alter zu tun, sondern mit Kompetenz und dem Willen, sein Gegenüber zu verstehen.“

    Das es Ihnen deutlich daran mangelt, stellen Sie ja nicht nur hier oft genug zur Schau.

    „„Sie haben den Originaltext wahrscheinlich gar nicht gelesen (…)“
    So unsicher mit Ihren „Argumenten“?“

    Warum? Das war auch mein erster Gedanke, nachdem ich den Originaltext dann Ihre „Argumente“ gelesen hab.

  16. #14

    den Satz hatte ich unterstrichen, nicht angezweifelt :)

    Ich möchte schon wissen, was da passiert ist. Aber ich weiss, ich muss Geduld haben. Ich bin ziemlich sicher, wir werden es erfahren.

  17. @16: Haben Sie etwa neue Infos? Ist mittlerweile sicher, dass es sich um einen (familienlosen ??) Obdachlosen handelt, der gerne ABBA gecovert hat?

    Also ich verstehe Ihr bzw. Axels Argument durchaus:
    Sie finden das Format in Ordnung und sehen kein Probelm darin, so darüber zu berichten. Sie verteidigen also die Spekulationen über die Identität des Opfers und finden es gut, wenn man aus Polizeisicht erfährt, wie es sich zugetragen haben könnte. Ok, kein Ding, Ihre Meinung.
    Ich teile diese nicht, genau wie BR anscheinend auch.

    Wo ist jetzt das Problem bzw. die Grundlage, mir das Nichtlesen des Artikels zu unterstellen?

    Und das mit dem Anstand:
    Ich bin halt Freund von PC und habe die Einstellung, bei zweifelhaften Aussagen einfach mal die Fresse zu halten.
    Sie sagen nun: „Aber ich darf doch!“
    Ja klar dürfen Sie.
    Aber ich darf das halt auch nicht zielführend finden.

    In #4 und auch in #7 versuche ich garnicht zu argumentieren sondern teile meine Meinung mit, dass ich den Artikel für pietätlos gegenüber der Familie des Verstorbenen halte.
    Diese ganze „sachliche Diskussion“, die Sie einfordern kann es ja garnicht geben, da es keine Fakten gibt, außer dass dieser Artikel de facto existiert.

  18. @18: Danke, dass Sie so eindrücklich bestätigt haben, dass es Ihnen – Zitat: „[an] Kompetenz und dem Willen [mangelt], sein Gegenüber zu verstehen.“

    Da ich weder in Stralsund noch in der näheren Umgebung wohne und auch nicht den obdachlosen Straßenmusiker kenne, habe ich keinen Grund, mich an irgendwelchen Spekulationen zu beteiligen.

    Und hätten Sie den Artikel gelesen, so hätten Sie festgestellt, dass auch die Zeitung sich nicht wirklich an Spekulationen beteiligt. Sie weißt lediglich darauf hin, dass es in den (as)sozialen Medien wilde Spekulationen über das Opfer gibt, dass besagter Strassenmusiker in der nähe des Fundortes oft übernachtet hat und nun nicht mehr dort ist. Dass aber nur eine Obduktion Klärung herbeischaffen kann.

  19. „Ich bin halt Freund von PC und habe die Einstellung, bei zweifelhaften Aussagen einfach mal die Fresse zu halten.“

    Das halte ich für ein Gerücht.

  20. Nichts gegen eine detailierte Reportage der Polizeiarbeit am Fundort einer Leiche.
    Irritierend ist, dass hier der Reporter Fiktion und Realität auf die gleiche Erzählebene hebt:“Eine Nacht nach der Ausstrahlung (…) der Stralsund-Krimireihe im ZDF läuft die Polizei wieder zur Form auf: Diesmal nicht im Film, sondern in Wirklichkeit.“
    Das ist vergleichbar mit Unfallgaffern, die Unfallopfer ins Visier nehmen, als handele es sich nicht um Realität, sondern eine Filmszene. Die Gefühle sind auf Spannung/Erlebnis, nicht auf Empathie geeicht. Das Opfer wird zum Statisten.

  21. @Anderer Max
    Wenn PC zur Obsession wird und Sie sich genötigt sehen, jeden tatsächlichen und vermeintlichen Verstoß dagegen auf Übermedien zu kommentieren, sollten Sie vielleicht mal über das eigene Selbstverständnis nachdenken.
    Sie streiten sicher für eine gute Sache, ich in der Regel auch, trotzdem möchte ich Sie lieber nicht in meinem Team haben wollen.

  22. Also reicht die Tatsache, dass Axel E. aus B. es bemerkenswert findet, dass „stilistisch etwas anspruchsvollere Texte“ (durchaus streitbare Meinung) im Lokaljournalismus auftauchen als Begründung aus, dass man keine andere Meinung zu dem Text haben darf.
    Und wer findet, dass (siehe #21) in einem solchen Bericht Empathie vor Spannungsbogen kommen sollte, der darf nicht mit Frank Reichelt in einem Team spielen, weil er „besessen“ von PC ist.
    Und wer immernoch anderer Meinung ist, der hat den Text nicht gelesen!

    Ich werde nun ganz tief in mich gehen und über das eigene Selbstverständnis nachdenken.

  23. @Andere Max Sie haben nicht Ihre Meinung kund getan sondern konkret und ohne Argument ausgeteilt: „Aber mit Zurückhaltung und Anstand haben’s hier viele nicht so, das ist mir auch schon aufgefallen.“

    Ich kann die Empörung auch nicht nachvollziehen. Ein Verbrechen kann aus verschiedenen Perspektiven betrachtet werden. In Tageszeitungen ist die Sicht der Polizei üblich. Dabei wird auch nie hinterfragt, „wie es für die Angehörigen ist“. Manchmal wird auch der Boulevardstil benutzt, mit dem dann Empörung und (Vor-)verurteilung einhergeht. Um den geht es hier aber auch nicht.

    Das ein die Perspektive des interessierten Beobachter nicht mitfühlend ist, dürfte jedem Krimileser bekannt sein. Krimis sind trotzdem die erfolgreichste Erzählart. Das ein Lokareporter auf diesen Zug aufspringt erscheint mir logisch. Und wo das Empörungspotential ist mir ein Rätsel.

  24. #24, Struppi:

    Das ein die Perspektive des interessierten Beobachter nicht mitfühlend ist, dürfte jedem Krimileser bekannt sein. Krimis sind trotzdem die erfolgreichste Erzählart. Das ein Lokareporter auf diesen Zug aufspringt erscheint mir logisch.

    Klar, logisch, das ist endlich mal eines dieser super „Argumente“, die hier dauernd eingefordert werden. Die Käseblätter, deren Lügen-Geschichten der Hausherr hier regelmäßig thematisiert, sind auch erfolgreich. Da sollten Lokalreporter dann als nächstes aufspringen. Das ist einfach logisch. Und was soll schon dagegen einzuwenden sein, wenn sich’s gut verkauft? Ich vermisse Ihren Kommentar unter dem Artikel über die erfundenen Interviews der ‚Freizeitwoche‘ ….

    Die Spanner-Berichterstattung von BLÖD & Co. funktioniert genau wie dieser Artikel , Döhmann-Rohwold hat schon darauf hingewiesen.

    Gestern noch bei CobraXY auf RTL, heute live auf der Straße: der HORRORCRASH – „Geil, ein echter Unfall. Liebe Leserreporter, halten Sie voll drauf und schicken uns Ihre besten Bilder vom blauen VW-Bus der Spurensicherung, den ebenfalls blauen Handschuhen der Ermittlerin und besonders vom schwarzen Leichenwagen und dem dunkelroten Leichensack. Die Spekulationen steuert unsere Redaktion bei.“

    Und wo das Empörungspotential ist mir ein Rätsel.

    Etikettieren Sie eigentlich alle Artikel auf Übermedien mit „Empörungspotential“? Ist Medienkritik für Sie generell mit „Empörungspotential“ verbunden oder nur wenn Sie das nachvollziehen können? Ich frage nur interessehalber.

    Empatieloses Rumspekulieren im Krimiformat mit der Vermischung von Realität und Fiktion und ein bisschen angereicht mit Facebook-Spekualationen mag für manche die Krone des Journalismus sein – für andere eben nicht. Wo Ihr Empörungspotential darüber herkommt, ist mir ein Rätsel.

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