Es sind keine „Sex-Vorwürfe“

Sex ist eine lustvolle Handlung, die Einvernehmlichkeit voraussetzt. Davon kann im vorliegenden Fall keine Rede sein: Bei den Vorwürfen gegen den Regisseur Dieter Wedel geht es um Nötigung, sexuellen Missbrauch, Vergewaltigung und Körperverletzung. Also nennt es nicht „Sex-Vorwürfe“!

„Abendzeitung“
„Augsburger Allgemeine“
„Badische Zeitung“
„Berliner Kurier“
„Bild“
„Focus Online“
„Freenet“
„Hannoversche Allgemeine“
„HNA“
„Horizont“
„Kieler Nachrichten“
„Nordwest Zeitung“
„RTL Next“
„Saarbrücker Zeitung“
Sat.1
„Tag24“
„Vip.de“

(Die Liste könnte noch fortgesetzt werden.)

 

23 Kommentare

  1. Übermedien, was ist los? Bis Donnerstag kein Bahnhofskiosk und stattdessen ein „Artikel“ bestehend aus einem Einleitungssatz und Headline-Screenshots? Kommt schon…!

  2. V*r*e*a*t*g*n* kann bei manchen Menschen ein Trigger sein, und dann ein vermutlich ziemlich heftiger, deshalb ist es vllt. nicht das Verkehrteste, das nicht ausgerechnet auf den Titelseiten auszuschreiben.

    Aber ansonsten haben Sie Recht, diese vagen Umschreibungen erschweren das Verständnis oft sehr. Wenn ich von „Sexismus“ lese, kann das inzwischen alles sein von: „Frau kriegt Job nicht, obwohl schlechter qualifizierter männliche Mitbewerber mehr Gehalt verlangen“ bis zum oben genannten.

  3. Man könnte „Sex“ in dem Fall auch einfach so verstehen, dass ein Zusammenhang mit Sexualität besteht. So wie in „sexuelle Belästigung“ oder „Sexualdelikt“. Beides hat auch wenig mit einvernehmlichem Sex zu tun. Klar könnte man „Vergewaltigungs-Vorwürfe“ schreiben, aber das würde nur einen Teil der Vorwürfe abdecken. Insofern finde ich den Begriff hier nicht unpassend.

  4. „Sex-Vorwurf“ ist genauso verniedlichend, falsch und bescheuert wie „Schummel-Software“.
    Herrn Wedel wird sexuelle Gewalt gegen Frauen vorgeworfen und VW hat mit seiner Software Betrug begangen.
    Aber „ist ja alles halb so wild“, nicht wahr?

  5. V*r*e*a*t*g*n* kann bei manchen Menschen ein Trigger sein

    Wie gut, dass „Sex“ mal so gar nicht triggert.

  6. Sorry, aber das Niveau der Inhalte sinkt hier unaufhörlich. Begriffs und Wortklauberei scheint zurzeit die Journalisten mehr zu interessieren als die Sache an sich. Was bringt es, über Begriffe zu diskutieren? Nichts, außer das ein weiterer Blogbeitrag generiert wird. Wie viel Zeit müssen Journalisten haben, um über so was überhaupt nachzudenken? Irgendwie ist Übermedien inzwischen austauschbar mit manchen Kolumnenschreiber von SPON oder der TAZ. Banales wird aufgebauscht und das eigentliche Thema dem Lesser verleidet.

  7. @7 Das Brot

    Genau diese „Wortklauberei“ ist doch des Pudels Kern der Debatte um #metoo: Was einige als bloß nebensächliche „Sexelei“ verharmlosen ist oftmals tatsächlich Nötigung, Missbrauch etc.

  8. Na gut, ich werde quasi gezwungen, mir Überschriften von Internetseiten anzusehen, die ich sonst nie aufrufen würde, weil sie mich nicht interessieren. Es folgt…nichts! Keine Einordnung, keine Diskussion, kein Kommentar, noch nicht mal Fußnoten! Watt sull datt?

  9. „Sex-Vorwürfe“ klingt immer so, als würde ihm seine Frau vorwerfen, dass ihr Mann keine Lust mehr auf Sex mit ihr hat. Ich find das Wort „Vorwürfe“ auch irgendwie blöd, aber mir fällt ein kein besseres ein gerade. Die Leute werfen ja nicht einfach was vor. Sie haben sich das vermutlich lang überlegt und denen fällt es wahrscheinlich nicht leicht.

    Ich finde das Wort Missbrauch gut in dem Zusammenhang, weil da eine Situation oder vielleicht Machtverhältnisse missbraucht wurden und die Person in dem Moment auch, mindestens belästigt.

  10. @Wonko:
    wegen der Allgegenwart des Wortes „Sex“ einerseits und weil andrerseits nicht jeder Sex eine posttraumatische Belastungsstörung zur Folge hat, ist das eben ein Kompromiss.

    Aber gut, vermutlich denkt nicht jede Zeitung über sowas nach, sondern hält „Nötigungs-, sexuellen Missbrauchs-, Vergewaltigungs und Körperverletzungsvorwürfe“ einfach für zu lang. Und außerdem „Sex sells“.

  11. @ Martin Purrer:
    „Man könnte „Sex“ in dem Fall auch einfach so verstehen, dass ein Zusammenhang mit Sexualität besteht. So wie in „sexuelle Belästigung“ oder „Sexualdelikt“.“

    Um so schlimmer, wenn von Journalist_innenseite oder auch hier in den Kommentaren so ein Zusammenhang aufgemacht wird. Das ist Täter_innensprech, denn die bestimmen dann, was da stattgefunden hat. Dass Täter_innen und ihr Denken in unser Gesellschaft so einen großen Platz eingeräumt bekommen, ist ein Thema für sich, wird aber auch hier wieder deutlich.
    Ich mache es immer wieder gerne und auch nun sei auf einen Spruch aus der Selbsthilfebewegung Betroffne_r sexualisierter Gewalt hingewiesen: „Wenn mich jemand mit einer Suppenkelle verprügelt, nenne ich das ja auch nicht kochen.“

  12. Sex ist eine lustvolle Handlung, die Einvernehmlichkeit voraussetzt.

    Das ist der zentrale Punkt dieses „Kommentars“. Leider kann ich nicht nachvollziehen, woher diese Definition kommt, da keines meiner Offline- und Online-Wörterbücher und auch kein mir zur Verfügung stehendes Lexikon Einvernehmlichkeit zwingend voraussetzt, im Gegenteil: i.d.R. wird Vergewaltigung als nicht einvernehmlicher Sex definiert.
    Es gibt viele Probleme bei der #metoo-Debatte. Dass hier ein boulevardesker Begriff benutzt wird, gehört meiner Meinung nach nicht dazu. Insbesondere nicht mit einer solchen Begründung. Man kann darin natürlich eine Verniedlichung und damit Verharmlosung der schwerwiegenden Vorwürfe und Beschuldigungen sehen. Aber das ist hier ja offenbar gar kein Grund, Anstoß zu nehmen.

  13. Nochmal: bitte etwas mehr Tiefgang hier auf Übermedien. Schlagzeilen kritisieren geht immer. Z.B.: „Rassismus auf Strassenschildern:
    Seit Jahren fordern Interessengruppen die Umbenennung der Berliner Mohrenstraße.“ (ZON)
    Was ist Rassismus? Was sind „Interessengruppen“? Ist „seit Jahren“ ein Qualitätsmerkmal oder nur verbohrt?

    Ist das wirklich relevant?

  14. Jetzt mal philosophisch gefragt: Wenn Sex per definitionem Einvernehmen voraussetzt, haben sich paarende Regenwürmer also keinen Sex?

    Oder ist gemeint, dass Sex Einvernehmen voraussetzen sollte?

  15. Nein, Sex ist nicht immer lustvoll. Nein, Sex ist nicht immer einvernehmlich. Sex kann für einen oder beide Teilnehmenden ohne Lust stattfinden und auch ohne Einvernehmen. Die Definition klingt nett, ist jedoch falsch.
    Dennoch ist der Begriff „Sex-Vorwürfe“ verharmlosend, denn niemand wirft diesem m.E. völlig überschätzten Regisseur vor, „Sex“ gehabt zu haben, als ginge es um Seitensprünge und Affären, sondern dabei, damit und dazu grässliche Straftaten begangen zu haben.

  16. Ist was dran. Warum ist das bei den „Sex-Vorwürfen“ gegen Kevin Spacey nicht aufgefallen? Warum nicht beim „Sex-Mob“ von Köln?

  17. Warum ist das bei den „Sex-Vorwürfen“ gegen Kevin Spacey nicht aufgefallen? Warum nicht beim „Sex-Mob“ von Köln?

    Ist es. Aber die Bandbreite derer, die fälschlich so titeln ist schlicht und ergreifend zu groß; viel größer als die derjenigen, die auf die falsche Wortwahl hinweisen.

  18. „Warum ist das bei den „Sex-Vorwürfen“ gegen Kevin Spacey nicht aufgefallen? Warum nicht beim „Sex-Mob“ von Köln?“

    Es ist bei beiden Gelegenheiten aufgefallen und thematisiert worden.

    So wie auch bei andern gleichartigen Gelegenheiten vorher auch schon. Deswegen wird es es ja wieder und wieder thematisiert, weil es offensichtlich weder ihnen noch einer gehörigen Menge Journalisten auffällt wen wieder und wieder Straftaten dermaßen verharmlost werden.

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