Die Mediatheken von ARD und ZDF: ein Horrortrip

YouTube, Netflix oder das ZDF: Wer ist der größte Internetpionier?

Die Antwort klingt absurd, aber es ist tatsächlich: das ZDF. Schon 2001 hat man dort die erste Version seiner Mediathek ins Netz gestellt – vier Jahre, bevor YouTube überhaupt gegründet wurde und sechs Jahre, bevor Netflix sein DVD-in-Briefumschlägen-Geschäft auf Video-on-Demand umgestellt hat.

Klar: Dass die Jugend Deutschlands sich heutzutage bei Snapchat und Tinder nicht zu „Mediathek and chill“ verabredet, hat natürlich in erster Linie mit besseren Inhalten zu tun. Aber ganz so verschlafen wie das Klischee besagt, scheinen sie in Mainz dann doch nicht zu sein. Und selbst die ARD, die ihre Mediathek erst im Jahr 2007 an den Start brachte und damit gemütliche sechs Jahre nach den Kollegen vom ZDF, hat damit immer noch genau so viele Jahre Streamingerfahrung wie Netflix. Nicht schlecht für zwei Sender, die sonst gerne mit Behörden verglichen werden.

Und dennoch: Schaut man sich heute in den öffentlich-rechtlichen Mediatheken um, hat man schnell den Eindruck, dass hier Leute am Werk sind, die weder das Internet mögen, noch ihre Inhalte, noch ihren Job. Schlecht gewählte Vorschaubilder reihen sich an lieblose bis nichtssagende Teasertexte; es gibt keine nachvollziehbare grafische Hierarchie, dafür diverse Buttons, Badges und Overlays, die einem dutzendweise vor die Füße gekübelt werden.

Das Bewusstsein, hier als Sender den letzten verbleibenden Strohhalm in der Hand zu haben, um Leute unter 30 doch noch an die netten Öffentlich-Rechtlichen zu gewöhnen, es scheint komplett zu fehlen. Und auch die Älteren haben doch längst auch einen schlauen Fernseher mit Netflix-App zu Hause und damit den Gold-Standard als Vergleich.

Doch was auf den ersten Blick klingt wie die logische Verlängerung fehlender Redakteurs-Leidenschaft ins Internet, hat bei näherer Betrachtung noch eine zweite, viel grundlegendere Ursache: Nicht nur gibt man sich bei den Sendern zu wenig Mühe, man hat auch einfach die falsche Idee davon, was man hier überhaupt macht.

Startseiten-Frust

Die Frustration des Mediathekenbesuchers beginnt – und da verlängern ARD und ZDF ihren Markenkern geschickt ins Internet – unmittelbar beim Einschalten. Und interessanterweise ist der erste Stolperstein ein visueller. Einer der Gründe, warum Amazon-Gründer Jeff Bezos sein Handelsimperium mit Büchern begonnen hat, war angeblich, dass diese sich im Internet gut visualisieren lassen: Im Gegensatz zu Hosen, Schuhen oder Lebensmitteln kann man Buchcover einfach einscannen und hat sofort ein passables Ergebnis.

Wer jetzt annimmt, dass Fernsehsender, die mit nichts anderem als Bildern handeln, ähnliche Vorteile beim Anpreisen ihrer eigenen Ware haben, der hat nicht mit dem Gestaltungswillen öffentlich-rechtlicher Online-Redakteure gerechnet.

Beispiel ARD: Es ist ein Verbrechen an sich, das einzige visuell interessante Objekt auf der ganzen Startseite – das Foto von einem Dokumentarfilmer in Kanada – zu fast 50 Prozent mit Grafik und Text zuzukleistern. Aber die Hilflosigkeit, mit der diese zwei großen blauen Knöpfe mit türkis-grünen Pfeilen rechts und links an das Foto drangeklebt und mit riesigen, halbkreisförmigen Schatten unterlegt werden, ist im schlechtesten Sinne sehenswert – genau wie die sorgfältig ausgesuchten Stock-Fotos, die unten rechts die Rubriken markieren. Es ist nicht ganz klar, warum die Frau hinter der Filmklappe in Abendgarderobe vor einer Wand aus Plastikfolie sitzt, man kann sich aber immerhin vorstellen, dass genau solche Probleme am Vorabend behandelt werden.

Das Symbolfoto für die Rubrik „Comedy & Satire“ dagegen macht insofern neugierig, als dass man sich fragt, wann das letzte Mal eine ARD-Komödie Frauen unter 30 zu solchen Posen animiert hat. Immerhin – da kennt die ARD ihr Lieblingsgenre vorwärts wie rückwärts – das Symbolfoto für die Rubrik „Krimi“ sind natürlich Handschellen und Fingerabdrücke.

Aber noch mal zurück zum Premiumplatz auf der Seite, und damit zur „Weltspiegel Reportage“, die uns dort ans Herz gelegt wird. Der „Weltspiegel“ und seine Reportagen sind ein etabliertes, sehenswertes Format, öffentlich-rechtliches Vorzeigefernsehen. Aber ist die Wort-Bild-Marke, wie wir sie da sehen, wirklich so wichtig und so attraktiv, dass man sie so präsent über die Nebel Kanadas pflastert?

Und der Sendungstitel innerhalb der Reihe: „Kanada“. Prinzipiell nichts gegen auszusetzen: Jeder mag Kanada. Aber dann liest man sich den Vorschautext durch und erfährt: Ne, ne, also nicht Kanada an sich, sondern nur ein Staudamm in Kanada. Darum geht’s. Also eigentlich.

Klickt man auf den Pfeil auf dem großen Schattenmonster, um sich anzuschauen, was sonst so in der Hot Rotation ist, merkt man schnell: das Drive-By-Layouting der „Weltspiegel Reportage“, es ist keine Ausnahme. Gleich der nächste Eintrag empfiehlt einem die Tagesschau von 17:50 Uhr, und es verrät einem viel über interne Arbeitsabläufe bei der ARD, dass die ollen Online-Redakteure von den smarten Nachrichten-Highflyern aus Hamburg keine Version ohne Senderlogo in der Ecke bekommen, die sie als Vorschaubild benutzen könnten, sondern anscheinend selbst einen Screenshot machen müssen.

Kein Wunder, dass sie dann auch keine Lust mehr haben, fünf Sekunden vorzuspulen, um einen Ausschnitt ohne Text-Bauchbinde zu bekommen: Sieht man ja auch fast gar nicht, die Bauchbinde, schließlich liegt in der Mediathek der Vorschautext drüber, und der ist fast gar nicht durchsichtig, also wirklich kaum.

Drittes Beispiel: „Die jungen Ärzte“. „Egon Garowski kommt mit gebrochener Nase in die Klinik“, verrät der Teasertext, was deshalb so wichtig ist und Lust auf mehr macht, weil Egon Garowski eine Episodenrolle ist, die wir vor und nach dieser Folge nie mehr wiedersehen werden. Es gibt also im Leben jedes ARD-Zuschauers nur eine Chance, den fiktiven Egon Garowski mit gebrochener Nase zu sehen, und die ist jetzt und hier, und es kommt ja sogar noch besser, denn: „Der einfache Eingriff wird jedoch zu einem Medizinkrimi…“, und das ist fast noch wichtiger als die Tatsache, dass es hier um Egon Garowski geht, weil, mal ehrlich, wie oft kommt das vor, dass in einer Krankenhaus-Serie ein einfacher Eingriff zu einem Medizinkrimi wird, noch dazu mit drei Pünktchen am Satzende? Fast schon beängstigend, wie virtuos die eiskalten Online-Redakteure hier auf der Click-Baiting-Klaviatur spielen.

Man wird das Gefühl nicht los: Irgendwo in der ARD gibt es eine Excel-Datei mit allen Sendungen, und in dieser Tabelle schwirren beliebige Informationsbrocken herum, die alle nicht irrelevant sind, aber vor allem für interne Zwecke geschrieben wurden, und dann mailt das jemand an die Onlineredaktion, und drei Minuten Copy&Paste später ist alles in der Mediathek „eingepflegt“.

Aber gut, denkt man sich, vielleicht ist das alles ein ARD-Problem, eine Konsequenz der bösen föderalen Struktur, in der sich ein Dutzend Online-Chefredakteure gegenseitig auf den Füßen rumstehen. Dann schaut man rüber zum ZDF, auch nicht die stromlinienförmigste aller Organisationen, aber immerhin komplett versammelt in wenigen Häusern auf einem einzigen Hügel, und stellt fest: Dort ist es genau so schlimm, nur auf andere Art.

Grundsätzlich hat, wer im Internet Videos an den Mann bringen will, zwei Möglichkeiten, seinen digitalen Laden zu gestalten: Entweder die Seite ist so flexibel darin, Fremdmedien wie Vorschaubilder und Teaser anzuzeigen, dass es komplett egal ist, wie diese aussehen und welche Form sie haben. Oder aber die Seite ist so starr, dass all jene, die Material zuliefern, dieses penibel an die Gestaltungsvorgaben der Webseite oder App anpassen müssen.

Beim ZDF verfolgt man eine Kombination beider Strategien: Die Mediathek bietet ein starres Gerüst, und allen, die Material zuliefern, ist das komplett egal.

Das führt dann unter anderem dazu, dass einem die neue Folge des Quotengaranten „Wilsberg“ mit einem Foto angepriesen wird, das zu 60 Prozent aus Backsteinen besteht und Schauspieler Roland Jankowsky unter einem schwarz-durchsichtigen Overlay versteckt, das so wichtig zu sein scheint, dass man es nur zu einem Drittel mit Text befüllt.

Doch immerhin: Titel und Vorschautext sind hier – bis auf die anscheinend obligatorischen drei Punkte – durchaus brauchbar. Der zweite Play-Button vor dem „MünsterLeaks“ allerdings ist komplett überflüssig, doppelt er sich doch mit großen Knopf ganz in der Mitte und hat ohnehin eine fragwürdige Daseinsberechtigung: Wäre irgendjemand ernsthaft überrascht, wenn er oder sie in einer Mediathek auf einen Sendungstitel klickt und damit ein Video startet?

Eine Kachel weiter findet man die neue Folge „Maybrit Illner“, und wieder ist das Vorschaubild ähnlich katastrophal gewählt: Der Einzige, der hier auf Anhieb zu erkennen ist, ist der sehr ernst schauende Zuschauer neben dem Play-Button, während uns die eigentlichen Protagonisten allesamt den Rücken zuwenden oder unter Grafik versteckt werden.

Der Hinweis unten links, dass die Sendung 60 Minuten lang ist, macht die Wahl des Bildes nur absurder: Wer auch immer genau diesen Ausschnitt ausgewählt hat, war offensichtlich der Meinung, dass Olaf Scholz einer der wichtigsten Teilnehmer dieser Runde gewesen ist – er ist neben Bettina Schausten, die in dieser Folge Maybrit Illner vertritt, eindeutig der Bildmittelpunkt. Dann aber, Mediathek sei Dank, verschwindet genau dieser Olaf Scholz unter dem dunkelgrauen Overlay.

Such-Frust

Okay, dann haben die Mediatheken von ARD und ZDF also keine hübschen Startseiten. Geschenkt. Schließlich hat man ja ein schlaues Publikum, das fleißig Zeitung ließt, in sozialen Netzwerken den richtigen Leuten folgt und praktisch vorher schon genau weiß, welcher Arthaus-Film diese Woche vom Deutschlandfunk empfohlen wurde. Und überhaupt: Das Internet ist doch selbst so unordentlich, das sind wir doch alles gewohnt – solange es nur eine gute Suchfunktion gibt. Doch die Realität: sieht leider anders aus. Pünktchen, Pünktchen, Pünktchen.

Vor kaum zwei Wochen zeigte die ARD den Doppelfilm „Brüder“ – öffentlich-rechtliche Premiumware, viel beworben und absolutes Vorzeigeprodukt. Man sollte meinen, dass solche Filme auch in der Mediathek einen herausgehobenen Platz verdienen. Doch tippt man naiv das Wort „Brüder“ in die Suchmaschine, bekommt man eine Liste mit 298 Treffern, deren beste Plätze sich „Die Pfefferkörner“ und „Hubert und Staller“ teilen.

Scrollt man dann die Liste hinab, findet man nicht nur nicht die gesuchte Sendung, sondern absurderweise noch nicht mal Ergebnisse, die nachvollziehbar mit dem Suchwort „Brüder“ zu tun haben. Gleich der vierte Eintrag ist ein Ausschnitt aus der Sendung „Weltspiegel“, dessen einziger zusätzlicher Text wie folgt lautet:

Aus Äthiopien kommen positive Signale: Die Wirtschaft wächst seit Jahren um acht bis zehn Prozent, die Regierung fördert den Aufbruch und Prestigeprojekte. Ein Beispiel ist der Renaissance-Staudamm, den das Land am Blauen Nil baut.

Nicht unvorstellbar, dass sich hier in den Meta-Tags der Datenbank irgendwelche Brüder-relevanten Infos verstecken, aber: Wiegen die wirklich schwerer als ein ganzer Film, der das Wort „Brüder“ im Titel trägt? Natürlich nicht.

Und wie sich dann herausstellt, glaubt das noch nicht einmal die ARD-Suche. Irgendwann, auf dem Weg zurück an den Anfang der Seite, fallen einem die zwei kleinen Knöpfe über den Suchergebnissen auf, mit denen man diese sortieren kann: nach „Relevanz“ und nach „Datum“. Und jetzt einmal schnell auf die Grafik geschaut: Welcher Button ist der aktive? Der linke, graue? Oder der rechte, türkisgrüne?

Das Interessante an dieser Frage ist vor allem, dass man sie bei guter Gestaltung gar nicht stellen müsste.

Jedenfalls sortiert die Suchfunktion der ARD-Mediathek standardmäßig gar nicht nach Relevanz. Das ZDF immerhin tut das, ist sich aber anscheinend selber nicht ganz klar darüber, wie genau diese Relevanz denn konkret definiert wird. So fördert die Suche nach der ZDFneo-Serie „Die Lobbyistin“ zwar tatsächlich alle sechs verfügbaren Folgen zu Tage und sogar eine Infoseite, die alle Folgen bündelt, würfelt diese aber bunt durcheinander.

Über die geheimen Google-Algorithmen wird viel geschrieben, was genau dagegen die Mediatheken-Software dazu bewegt, Folge 4 für relevanter einzuschätzen als Folge 3, und beide zusammen für sogar noch relevanter als die Hauptseite der Sendung, ist wahrscheinlich ein ähnlich großes Mysterium. Immerhin: Man kann auch nach Datum sortieren, jedoch nur absteigend, kriegt also die Folgen praktisch in der richtigen Reihenfolge angezeigt, nur halt genau doch nicht, nämlich rückwärts.

Moment, aber hat sich da gerade nicht eine gute Nachricht im Text versteckt: Jede Sendung hat eine eigene Unterseite, auf der alle Folgen zu finden sind? Das ist tatsächlich so. Hat man sich also einmal für eine Sendung entschieden, die man dauerhaft gut finden möchte, hat man eine realistische Chance, die hässlichen Startseiten und die dysfunktionalen Suchmaschinen komplett zu ignorieren. Kleiner Trost für Masochisten: die Unterseiten der Sendungen, sie sind auch furchtbar.

Sendungsseiten-Frust

Die Sendungsseite vom Ersten für die „Vorstadtweiber“ zeigt drei Fotos, die überraschenderweise alle gut ausgesucht wurden, und bietet die aktuellsten zwei Folgen zum sofortigen Schauen an. Aber jetzt, mit einem Blick: Wo muss man hinklicken, um zu den anderen Folgen zu kommen? Auf den Knopf „Folgen“ natürlich.

Denkt man. Stimmt aber natürlich nicht. Klickt man auf „Folgen“, komm man zu einer tristen Übersichtsseite, die einem einen Teasertext zu Folge 10 präsentiert – immerhin eine Folge vor der aktuellen, die man eine Seite vorher ja schon gucken kann, man ist also verdammt nah dran an am Seriengeschehen.

Dieser Teasertext aber, der an Trostlosigkeit schwer zu überbieten ist, ist symptomatisch für ein riesiges Missverständnis, das ähnlich bedrohlich über den fiktionalen Inhalten der Mediatheken schwebt wie die fiesen Halbkreisschatten über den Wiesen Kanadas: der feste Glaube daran, dass das, was die Zuschauer sich da alles angucken, unbedingt noch mal in schriftlicher Form irgendwo hinterlegt werden muss, sicherheitshalber. Entweder weil man noch mal nachlesen will, dass „Caro die Lust nach Seitensprüngen nach der Erfahrung mit Bertram vergangen ist“, oder weil es einen wahnsinnig neugierig macht, dass Anwältin Tina „vor der größten Herausforderung ihrer Karriere“ steht.

Das ZDF macht seine Sache layoutmäßig ein bisschen besser, tappt aber inhaltlich in die gleiche Falle. Auf den Unterseiten für Serien findet man kreisrunde Fotos, die ein bisschen größer werden, wenn man die Maus drüber hält und bei Klick mittellange Texte offenbaren, die jedes bisschen Zauber, das man beim Schauen des eigentlichen Werkes eventuell gespürt hat, mit sicherem Griff in die Phrasenkiste zerstäuben lassen.

So erfahren wir auf der Unterseite von „Zarah“, vom Sender praktisch als deutsches „Mad Men“ geplant, dass die namensgebende Hauptfigur „fast immer unter Dampf“ steht, sich „geschmackvoll, weiblich und up to date“ kleidet und ein „intensives Leben“ führt, das jetzt noch mal „eine ganze Spur intensiver“ wird. Na, Lust gekriegt?

Die Frage ist jetzt: Wen interessiert das alles? Menschen, die „Zarah“ schon gesehen haben, haben all diese Informationen hoffentlich aus der Serie selbst ableiten können. Menschen dagegen, die “Zarah” erst noch sehen wollen, ist mit solch hilflosen Textschablonen auch nicht geholfen: Tony Soprano, Don Draper und sogar Bojack Horseman – haben die nicht alle ein intensives Leben geführt, das während der Serie noch mal eine ganze Spur intensiver wurde?

Jeder, der beruflich ein wenig mit öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern zu tun hat, weiß, wie diese Texte entstehen und wofür sie gedacht sind. Alles, was irgendwie fiktional ist, durchläuft jahrelange Entwicklungsprozesse, in denen jede noch so eingängige, prägnante Idee Monat für Monat aufs Neue in einseitige, zweiseitige, zehnseitige Konzepte verkleidet werden muss, um sie durch bestimmte Hierarchien zu schleusen. Handlungssynopsen, Figurenbeschreibungen, Kurz-Exposés, Lang-Exposés, komplette apokryphe Schriftreihen, die tonal nichts mit dem eigentlichen Produkt zu tun haben, sondern nur einer Sache dienen: dem Verkauf. Erst intern, den Redaktionen und Abteilungsleitern gegenüber, und dann extern, der Presse. In diesem Zusammenhang, und nur in diesem Zusammenhang, sind diese Texte okay. Vor dem Zuschauer hingegen haben sie nichts zu suchen.

Das Absurde ist: Bei all dem Aufwand, den ARD und ZDF betreiben, dem Zuschauer online Dinge vorzukauen, die er normalerweise und bevorzugt aus der Sendung selbst erfährt, vergessen beide Sender genau die Informationen, die man tatsächlich nirgendwo anders auftreiben könnte: Listen der an dem Film oder an der Serie beteiligten Personen zum Beispiel. Wer hat Regie geführt, wer hat das Buch geschrieben, wer die Kamera gemacht?

Auch dort, wo die Mediatheken tatsächlichen Mehrwert bieten, werden durch grobe Unfähigkeit gleich wieder verstolpert: Beim ZDF zum Beispiel hat man sich überlegt, seine Serie „Die Lobbyistin“ mit zwei Erklärstücken zum Thema Lobbyismus zu begleiten – super Idee eigentlich, im besten Sinne öffentlich-rechtlich. Weil aber die Vorschaubilder für beide Erklärvideos aus grafischen Texttafeln bestehen, die dann wiederum von anderen Texttafeln überlagert werden, kommt Folgendes dabei heraus:

Die „Zarah“-Macher haben dem Sender eine Handvoll tatsächlich gut gemachter Info-Clips geliefert, die neben Gesprächen mit Schauspielerinnen auch das Autorenteam und die Szenenbildnerin zu Wort kommen lassen. Kurzer Blick auf die Vorschaubilder: In welchem der Clips geht es um was?

Es ist schlicht nicht zu erkennen. Das liegt gleichermaßen an den völlig beliebigen Vorschaubildern, den austauschbaren Überschriften und dem kompletten Fehlen von Kurzbeschreibungen.

15 Minuten Zeit, vier Screenshots und rudimentäre Photoshop-Kenntnisse reichen aus, um zu zeigen, wie die gleiche Übersicht stattdessen aussehen könne: mit Vorschaubildern, die einen logischen Zusammenhang mit dem Inhalt bilden, und Infotexten, die diesen prägnant zusammenfassen.

Und fällt Ihnen noch was auf? Der total unauffällige Hinweis darauf zum Beispiel, es hier mit nie gesehenem exklusiven Bonusmaterial zu tun zu haben? An sich keine schlechte Idee, dieser kleine Extra-Hinweis, wenn sich nicht gefühlt die Hälfte aller Beiträge mit ihm schmücken würde. Von den 24 Ergebnissen auf der ersten Ergebnisseite der Suche nach „Die Lobbyistin“ tragen ganze 14 den Hinweis auf Exklusivität. Es gibt ganze Seiten in der Mediathek, in denen nichts nicht exklusiv ist.

Das Interessante an dem „Exklusiv“-Hinweis ist, dass hier nicht das ZDF spricht, sondern die Mediathek – es sind nicht die eigenproduzierten Sendungen, die den Hinweis tragen, sondern das Zusatzmaterial zu diesen Sendungen. „Exklusiv“ heißt also in dem Fall: exklusiv in der Mediathek, und eben nicht linear.

Aber muss man einem Medium, das ohnehin die Zukunft auf seiner Seite hat, mit solchem Schnickschnack nachhelfen? Und überhaupt: Ich bin ja schon beim ZDF – ist es dann nicht selbstverständlich, hier Dinge vom ZDF zu bekommen? Wenn ich in ein beliebiges Restaurant gehe, das keiner Kette angehört, und mir etwas zu Essen bestelle, ist dieses Essen ja streng genommen auch „exklusiv“ – der Koch kocht nur hier und nicht gegenüber, im Nachbarsort oder in Mainz. Trotzdem steckt er kein orangenes Schildchen mit der Aufschrift „Exklusiv“ in meine Nudeln.

Mediatheken-Inflation

Jetzt sind wir so tief hinabgestiegen und haben so schlimme Dinge gesehen: Ich glaube, Sie sind bereit für eine Nachricht, die ich Ihnen zu Beginn des Textes verschwiegen habe. Die ARD nämlich hat gar nicht nur eine Mediathek. Die ARD hat zwölf Mediatheken. ZWÖLF. Eine für jede Rundfunkanstalt, eine für die Deutsche Welle, einen für den Sender „Das Erste“ und eine, die das alles bündelt.

„Bündelt“ ist die Pointe. Denn natürlich, das geht alles furchtbar, furchtbar schief. Der Ausgangspunkt aber könnte besser gar nicht sein, denn das Programm, das sich in diesen zwölf verschiedenen Töpfen versteckt, ist zusammen genommen Gold wert.

Gutes Beispiel: Der BR zeigte am 30.11. den Polanski-Film „Der Gott des Gemetzels“ und damit genau die Sorte Film, für die jeder Euro Rundfunkbeitrag gut angelegt ist.

Und jetzt die Frage: Über wie viele der zwölf Mediatheken ist dieser Film zu finden? Über zwei: die des Bayrischen Rundfunks und die der ARD. In allen anderen Mediatheken ist der Film entweder nicht zu finden, oder – noch viel verwirrender – er wird gefunden, aber nur, weil er auch dort schon mal irgendwann verfügbar war, es jetzt aber nicht mehr ist. Im Ersten zum Beispiel lief der Film, das erfahren wir in der dortigen Suche, am 9. Juli 2017, und weil man dort so spendabel ist, gibt es immerhin noch eine Fotostrecke und eine kurze Zusammenfassung der Handlung, aber keinen Hinweis auf die gerade verfügbare Version beim BR.

Gut, also von jetzt an einfach nur noch die große Sammelmediathek der ARD nehmen, weil da alles zusammenläuft? Viel Spaß! Wer jemals mit jemand anderem zusammen gezogen ist und dabei versucht hat, die jeweiligen Buch- und CD-Sammlungen in ein gemeinsames Ordnungssystem zu überführen, der ahnt, wie es bei der ARD zu geht: ähnlich, aber zwölf Mal schlimmer und vermutlich ganz ohne körperliche Zuneigung.

Das führt unter anderem dazu, dass man „Der Gott des Gemetzels“ im Ordnungssystem der ARD als Teil der Sendung (!) „Film & Serie“ entdeckt. Alles klar, denkt man sich, dann ist „Film & Serie“ einfach die Sammelrubrik für Filme und Serien in der ARD und das Label „Sendung“ nur ungeschickt gewählt.

Von wegen! Die mit „Film & Serie“ betitelte „Sendung“ in der ARD-Mediathek ist das Sammelbecken für Filme und Serien, die in jüngster Zeit beim Bayrischen Rundfunk produziert, wiederholt oder lizensiert wurden. Super leicht zu erkennen übrigens an den zwei riesigen, kontraststarken BR-Logos im Hintergrund der Rubrikengrafik.

Auch die anderen Dritten haben natürlich „Sendungen“ für Filme und Serien; die aber – Anstalts-Föderalismus sei Dank – haben wiederum alle ihre ganze eigenen Bezeichnungen und Labels. Das führt dazu, dass unter dem mehr als vorzeigbaren Polanski-Einkauf diese Box auftaucht, die einem „Mehr aus der Sendung“ verspricht.

„Uta Danella – Das Geheimnis unserer Liebe“ aber ist gar kein Straight-to-DVD-Spinoff aus dem Polanski-Spätwerk, sondern nur ein seelenloser Fernsehfilm, der in der schlecht gepflegten und anscheinend komplett unflexiblen Mediatheks-Datenbank bloß die gleiche Spalte bewohnt wie das eingekaufte Hollywood-Werk.

Stern oder Herz

Technisch ganz hinterm Mond lebt die ARD nicht: Wer einen Film, eine Serie oder auch nur einen Nachrichtenbeitrag mag, kann ihn über eine praktische Reihe von Knöpfen entweder mit seinen Freunden teilen oder – und das gibt es selbst bei Netflix nicht – ausdrucken.

Das ZDF ist weniger print-gläubig, zeigt aber vor allem im sozialen Bereich, wo man der Konkurrenz selbst aus dem Silicon Valley nach wie vor mehrere Jahre voraus ist: Während Twitter sich seine beliebtesten Inhalte jahrelang mit Sternchen markieren ließ und erst vor kurzem unter schwerem Ächzen auf Herzchen umstellte, gibt es beim ZDF einfach beides, Sterne und Herzen. Wäre ja auch gelacht, bei all den Rundfunkbeiträgen.

Super leicht zu merkender Unterschied: Mit Sternchen markiert man Videos oder Folgen, die einem gefallen, mit Herzen dagegen Seiten. Weil jede Form von Bewegtbild grundsätzlich auf einer Seite auftaucht, kann man seine Entzückung in dem Fall doppelt ausdrücken.

Mit jedem Sternchen – das versteht man irgendwann – markiert man seine persönlichen Favoriten, um sie später wiederzufinden, mit jedem Herzchen dagegen seine bedingungslose Liebe für jede mögliche Art von Inhalt, die sich beim ZDF finden lässt. Wirklich: jede mögliche. Mit ein bisschen Langeweile und Mut zum Blick in den Abgrund kann man sich durchklicken auf die ZDF-Unter-Unterseite mit dem Titel „Gremien“ und findet dort – man kann es sich nicht besser ausdenken – ein einzelnes Herz.

Das grundlegende Missverständnis

Man könnte jetzt noch sehr lange damit weiter machen, all diese großen und kleinen Schludrigkeiten aufzuzählen und sich stundenlang über die Lieblosigkeit ärgern, mit der hier teilweise großartiges Programm ins Internet verklappt wird. Aber je tiefer man vordringt in die öffentlich-rechtlichen Mediatheken, desto mehr hat man das Gefühl, dass hier noch eine andere, viel grundlegendere Sache schief läuft.

Während viele der offensichtlichsten Fehler schlicht auf mangelnden Ehrgeiz der Mediatheken-Macher zurückzuführen sind, finden andere der aufgezählten Probleme ihre Ursache in zu großem Ehrgeiz: Manche der Aufgaben, die sich die öffentlich-rechtlichen Mediatheken stellen, sind schlicht unlösbar.

Die ARD-Mediathek, die das gesamte digitale Programm aller Mitgliedssender bündeln soll, ist vielleicht das offensichtlichste Beispiel, aber gar nicht mal das beste. Schon die inhaltliche Vielfalt eines einzelnen linearen Senders wie des ZDF, der sich geschmeidig zu jeder Tages- und Nachtzeit auf andere Art an die jeweilige Zielgruppe ranschmeißt, wird in dem Moment zum Problem, wo all diese komplett unterschiedlichen Inhalte im Deckmantel einer einheitlichen Mediathek angeboten werden sollen: Filme, Serien, Nachrichten, Dokumentationen, Talkshow, Quizshows, Sport, Regionales – alle diese Formen haben streng genommen nur gemeinsam, dass in ihnen Dinge vor einer Kamera passieren. Alles andere – wer in ihnen auftritt, wie viele in ihnen auftreten, ob das Wer wichtig ist oder nicht, ob das alles morgen noch relevant ist oder nur heute, ob es überall relevant ist oder nur in Nordbayern – unterscheidet sich von Form zu Form extrem.

Ein gutes Ordnungssystem ist exakt auf die Inhalte angepasst, die es ordnen soll. Ein Ordnungssystem wie das der Öffentlich-Rechtlichen, das all diese komplett unterschiedlichen Formen unter einem Dach präsentieren will, ist zum Scheitern verurteilt.

Deshalb ist der Vergleich der öffentlich-rechtlichen Mediatheken mit Netflix natürlich unfair. Weil Netflix sich auf nur zwei Formen konzentriert – Filme und Serien – die noch dazu sehr ähnlich sind, während das ZDF versuchen muss, mit der gleichen Schablone auch noch jedes denkbare andere Format anzubieten. Das jedoch ist ein Problem, das sich das ZDF und genauso die ARD komplett selbst eingebrockt haben, und das in seiner Konsequenz zu einer viel größeren Frage führt:

Was ist überhaupt eine Mediathek?

Die Frage ist deshalb so interessant, weil die Antwort so offensichtlich scheint: Wir kennen Bibliotheken, wir kennen Videotheken – also sind Mediatheken so ähnlich, nur halt moderner. Im Internet eben.

Dieser Gedanke ist deshalb trügerisch, weil schon Bibliotheken und Videotheken zwei komplett verschiedenen Paradigmen folgen. Bibliotheken sind historisch bedingt in der Regel umsonst, in öffentlicher Trägerschaft und haben einen inhaltlichen Allgemeinheitsanspruch: Es gibt von allem ein bisschen, mehr oder weniger repräsentativ.

Videotheken dagegen gibt und gab es fast ausschließlich privatwirtschaftlich organisiert und mit kleinerem Fokus. Wer in den 90ern in der Provinz gewohnt hat und gerne Arthaus- oder Dokumentarfilme sehen wollte, musste nicht in die nächste Videothek fahren, sondern in die nächste Großstadt.

Ein wichtiger Unterschied, der sich aus der Art der Trägerschaft – privat oder öffentlich – ergibt, ist der der Bringschuld: Weil eine Videothek Geld verdienen muss, gibt es einen starken Anreiz für ihre Besitzer, ihr Angebot nicht nur so genau wie möglich auf die örtliche Nachfrage zuzuschneiden, sondern dieses Angebot auch so attraktiv wie möglich darzustellen. Eine Bibliothek dagegen hat das Glück, finanziell nicht direkt von ihren Besuchern abhängig zu sein, und kann deshalb ihr Angebot nach anderen – idealistischeren – Gesichtspunkten optimieren.

Eine Videothek, die sich einen kaum nachgefragten Dokumentarfilm ins Regal stellt, der nur alle zwölf Monate einmal vom örtlichen Philosophiedoktoranden ausgeliehen wird, macht einiges falsch. Eine Bibliothek, die das Gleiche mit selten gelesenen, aber kulturell wichtigen Büchern macht, macht alles richtig.

Um es kurz machen: Was die Videothek für Videos ist, ist für Bücher ja eben nicht die Bibliothek, sondern der Buchladen.

ARD und ZDF haben sich mit ihren Mediatheken ein ähnliches Dilemma erschaffen. Denn die Mediatheken, wie sie jetzt existieren, wurden ja nicht aufgebaut, um mit Netflix mitzuhalten – sie wurden aufgebaut, damit Menschen, die eine Sendung im linearen Programm verpasst haben, sich diese einen Tag später im Internet raussuchen können. Und diese Grundidee (nicht wir Sender müssen etwas liefern – der Zuschauer darf sich etwas holen) ist der fatale Konstruktionsfehler in den öffentlich-rechtlichen Mediatheken. Diese Grundannahme – Anfang des Jahrtausends durchaus nachvollziehbar, inzwischen aber von der Realität komplett überholt – erklärt viele von den Dingen, die einem als Netflix-verwöhnter Kunde das Leben schwer machen:

  • Die Sortierung nach Aktualität? – Direkte Konsequenz aus der Orientierung am linearen Programm.
  • Die Flut an sinnlosen Labels („Der Fernsehfilm im Ersten“, „Der FilmMittwoch“, „MontagsKino“, „Film im rbb“, „Film im BR“)? – Nur ein Spiegel des alten Denkens in Sendeplätzen.
  • Fehlender Originalton? – Gibt’s doch linear auch nie!
  • Stablisten zum Nachlesen? – Pff!

Natürlich wäre es vermessen, zu behaupten, dass in den Mediatheken von ARD und ZDF alles schief läuft. Es ist ein Wille zu erkennen, es doch wenigstens hier und dort mal langsam anders zu machen; denen bei Netflix nicht allein das Feld zu überlassen.

Immer mehr öffentlich-rechtliche Serien feiern ihr Debüt im Internet – manchmal nur Stunden vor der linearen Ausstrahlung, aber immerhin. Manche davon werden sogar komplett online gestellt – mit allen Folgen, lange bevor sie im linearen Fernsehen laufen. Und neulich, nachdem in den sozialen Netzwerken der Ruf nach einem Soundtrack zur Serie „Zarah“ immer lauter wurde, hat sich tatsächlich jemand hingesetzt und auf der Sendungsseite eine Songliste eingepflegt – nur als PDF und nicht zeitgemäß als Playlist für Spotify und Apple Music, aber immerhin.

Doch trotz allem: Selbst die motiviertesten Online-Redakteure können keinen guten Job machen, wenn sie in der falschen Struktur arbeiten.

Was also anders machen? Drei Dinge liegen nah:

  • ARD und ZDF sollten ihre Mediatheken von Grund auf neu denken – mit anderem Paradigma: die Mediathek als Verkaufsraum, nicht als Stadtbücherei.
  • Beide Sender sollten eigene Mediatheken für Filme und Serien auf der einen Seite und Nachrichten, Shows und sonstige aktuelle Sendungen auf der anderen Seite aufbauen, die nur auf diese Inhalte hin optimiert sind.
  • Mediatheken sollten stärker als eigenständige Einheit gedacht werden, inklusive eigener Redakteure, Autoren und Grafiker. Prägnante Vorschautexte und -bilder sind zu wichtig, um sie als bloßen Nebenschauplatz zu behandeln.

ARD und ZDF denken, ihre Mediatheken seien die Zukunft, dabei orientieren sich beide in ihrer jetzigen Form viel stärker am linearen Fernsehen als am Streaminggeschäft. Und zugegeben: Dinge im Internet zu organisieren ist so schwer, dass es einerseits kaum jemand ordentlich hinkriegt, und andererseits die paar wenigen, die es doch hin und wieder schaffen, stinkreich davon werden. Google, Facebook, Amazon – jede dieser Firmen beschäftigt sich mit sehr unterschiedlichen Dingen, die aber alle die eine fundamentale Sache gemeinsam haben, dass sie eine gefühlt unendliche Anzahl an Objekten kuratieren und damit überhaupt erst zugänglich machen.

Es wäre ein leichtes, die ganze Debatte als Luxusproblem abzutun, als Rummäkeln an Oberflächlichem in einer Zeit, in der ganz andere Dinge viel wichtiger sind. Aber gerade das ist ja der Kern der ganzen Debatte um Fake News, Lügenpresse und Filterblasen: Nie zuvor in der Geschichte der Massenmedien gab es eine ähnliche Inflation der Inhalte, nie zuvor aber auch eine stärkere Konzentration der Plattformen, die den Großteil dieser Inhalte an Konsumenten verteilen. Wenn der öffentlich-rechtliche Rundfunk es hier nicht schafft, mit seinen Mediatheken seinen berechtigten Platz in der Aufmerksamkeit der Menschen zu verteidigen, dann wird in wenigen Jahren nicht mehr über hässliche Knöpfe, schlechte Vorschaubilder oder über den genauen Centbetrag der Rundfunkbeitragserhöhung diskutiert, sondern plötzlich über alles – grundsätzlich.

35 Kommentare

  1. Ja, die Webseiten der Mediatheken sind wirklich nicht intuitiv. Ich empfehle statt dessen MediathekView ( https://mediathekview.de/ ). Da gibt’s alles von allen ÖR Mediatheken zum Suchen und Herunterladen. Vor Jahren habe ich dort selbst mal ein wenig code zugeliefert.

  2. Zu @1: Wer braucht Mediathekview, wenn das Programm der Sender sowas von bis zum Erbrechen auf allen möglichen Kanälen runtergenudellt wird.
    Auf allen Kanälen irgendwas mit H.Lichter, bei dem ich mir als Raucher immer wünschte, ich stünde ihm mit dem Wunsch nach einer anzuzündenden Zigarette gegenüber.
    Stundenlange Werbesendung für „B…“ wie gestern Abend, zeitgleich mit der Grinsefigur Crantz im Ersten.
    Spielfilme(Krimis) mit den immer gleichen Ossi-Darstellern auf allen Kanälen.
    Irgendwas mit Hitler, ersatzweise Weltraum auf ZDF-Info.
    Grausam…
    Für sowas eine Mediathek?
    Irgendwas mit Tieren u.o. Kochen?
    Björn Freitag u. Yvonne Willicks? Meine Lieblings-Dummschwätzer.
    Gibt es alles, vorausgesetzt, die Fernbedienung spielt mit…
    Schluss mit Frust. Ein bischen Klassik-Radio noch.
    Beruhigt.

  3. …es ist trübe und schneit: Eine gute Zeit für „Solo Sunny“…
    Ersatzweise „Riverdance“.
    Kann man jeweils nichts mit kaputtmachen :D

  4. Ist ja alles richtig, aber wenn ich mir Netflix oder Youtube oder Amazon anschaue, da sind die ÖR-Mediatheken nicht nur Gold, geradezu Platin!

  5. Und noch einer: Beim Deutschlandfunk kann man sich mal einen Podcast anschauen. Da fällt auf dass die Links auf die MP3s offenbar von Hand getippt werden, obwohl sie im Wesentlichen das Datum enthalten. Manchmal ist das Datum auch falsch (Tag/Monat vertauscht). Da gibt’s also kein Skript das sowas tut, nein, irgend eine arme Seele macht das jede Nacht von Hand!

    $ curl ‚http://www.deutschlandfunk.de/podcast-das-war-der-tag-komplette-sendung.1951.de.podcast‘ 2>/dev/null | sed -rn ’s#.*(.*).*#\1#p‘

  6. Die Kommentarfunktion hat das Skript versaut. So besser?

    curl%20%27http%3A%2F%2Fwww.deutschlandfunk.de%2Fpodcast-das-war-der-tag-komplette-sendung.1951.de.podcast%27%202%3E%2Fdev%2Fnull%20%7C%20sed%20-rn%20%27s%23.%2A%3Clink%3E%28.%2A%29%3C%2Flink%3E.%2A%23%5C1%23p%27

  7. Mediathekview kann ich ebenfalls nur empfehlen – alle verfügbaren Sendungen mitsamt Beschreibung und Downloadmöglichkeit. Ein hervorragendes Programm (wenn es läuft und nicht immer mal wieder streikt).

  8. @6: Zumindest interessanter.

    Ich plädiere wirklich dafür, dem Kommentarfeld einen „Vorschau“-Button zu verpassen. Das kostet fast nix und man kann endlich sehen, ob der eigene Kommentar wie gewünscht angezeigt wird.

  9. @5 Sie glauben wirklich, dass für hunderte mp3s jeden Tag händisch Titel eingegeben werden? Sie sagen ja selbst, dass sie im Wesentlichen das Datum enthalten. Da liegt doch Automation viel näher.

  10. Wer an der Überforderung der Mediatheken von ARD und zdf Spaß hat, kann ja mal schauen wie es das „junge Angebot“ funk.net so macht. Spoiler: Es ist alles ganz schrecklich.

    Inhalte werden verspätet eingepflegt, Manchmal sind Serien (Dr. Who) tagelang als FSK16 konfiguriert und somit nicht mehr vor 22Uhr abrufbar. Die Navigation ist unübersichtlich, ein Mouse-over-Menu legt sich über die Folgenauswahl, dafür wurde die zwischenzeitlich vorhandene Chromecast-option vor längerer Zeit entfernt.
    Die Bewertungen? 2,8 von 5 Sternen. Mehr 1Stern-bewertungen als 5 Stern-Bewertungen. Schlechter als alle ARD-Mediatheken.

    Die (social-media)-Betreuung ist hilflos bis nicht vorhanden (der Link für Feedback in der App zeigt auf eine Webseite. Dort gibt es eine Zeile Text und den Verweis auf eine Mailadresse. Die Mailadresse reagiert nicht.) Über die Facebook-Seite https://www.facebook.com/funk/ bekommt man immerhin mal eine Antwort, wenn man direkt anschreibt, die Seite selbst ist uninspiriertes Abladen von Inhalten, darunter kommentieren dann Verschwörungstheoretiker und GEZ-Hater. Ob da moderiert wird, kann ich nicht erkennen. Inhaltlich gegen gesteuert wird nicht.

    Insgesamt macht es (auch hier) den Eindruck, das man musste aber nicht will.

  11. Zu schade, dass sich der Autor nicht auch noch in die Niederungen von funk begeben hat. Diese Seite ist dermaßen unbedienbar, dass es jeder Beschreibung spottet.

    Ansehen kann man dort nichts und finden erst recht nicht.

  12. Es war bisher tatäschlich immer ein Grauen, wenn ich mal zur Mediathek greifen musste, weil eine Sendung verpasst wurde.
    Beispeil „tatort“. suche die aktuelle Sendung. Findet man natürlich nicht auf Anhieb über die Suche. Irgendwann nach hunderten von alten Folgen oder Clips zur aktuellen Folge, findet man tatsächlich die aktuelle Folge in voller Länge. Dann drückt man auf die Play-Button und fürchtet sich vor dem Moment, wo man die Sendung mal anhalten muss. Dann ticket die Uhr, gnadenlos. Hat man die Sendung zu lange angehalten, geht der Stream wieder von vorne los.
    Ganz mutige Naturen versuchen sogar, mal vor- oder – noch besser – zurückzuspulen. Dann geht der Stream natürlich gnadenlos auch wieder von vorne los.
    Man hat echt das Gefühl, die Vogonen würden auch die Mediatheken betreuen. Aber da wird sich auch nie was ändern. Die Gremien, Strukturen, und Geldmittel sind überall fest verdrahtet, da bewegt sich nüschts.

  13. Stimme weitgehend zu, aber: Findet man wirklich so ganz allgemein, dass die Netflix-App da gut ist?

    Ich finde ganz schlimm, was da gemacht wird:

    Wenn ich es öffne, bekomme ich erstmal irgendeine Serie/ einen Film ganzseitig angeboten, die mir jemand aus mir unbekannten Gründen erstmal vor die Nase halten will. Das ist auch keine für mich passende Empfehlung, einfach irgendwas.

    Wenn ich nun die bereits gesehene Sendung weitergucken will, muss ich also das erstmal wegscrollen. Dann komme ich zu diesen von links nach rechts durchlaufenden Listen. „Mit dem Profil von ….weitergucken“ kommt heute erst an 4. Stelle. Zwei Plätze vorher die Liste: „Nochmal anschauen“. Ja warum zum Geier ist es denn wahrscheinlicher, dass ich schon Gesehenes nochmal anschaue, als begonnene Serien?

    Sodann kommen lauter Listen mit irgendwelchen Genres. Diese scheinen nicht unbedingt etwas mit meinem bisherigen Guckverhalten zu tun zu haben. Erst viel weiter unten: Eine Liste mit Empfehlungen für mich, die auf Basis meiner bisherigen Likes ausgewählt wird. Warum aber muss ich mich erst an zehn anderen Listen vorbeiscrollen? Das alles wäre ja noch verschmerzbar, wenn diese Reihenfolge der Suchlisten nicht jedesmal wieder komplett anders wäre.

    Die Genres sind zum Teil auch völliger Unsinn und was da einsortiert wurde ist zum Teil wunderlich. Da sind Serien unter Comedy einsortiert, die für Comedy-Fans massiv enttäuschend sein dürften usw.

    Ich nehme an, dass es auf Netflix hunderte Sachen gäbe, die ich gerne sehen würde, aber mir ist das so viel zu nervig. Da sehe ich kaum Vorsprung zu den ebenfalls schlimmen Mediatheken.

  14. @10 Anders kann ich mir die unterschiedlichen Dateinamen nicht erklären, mal ist der Monat ausgeschrieben, mal nicht, mal kommt der Untertitel vor dem Datum, mal danach…

    Noch ein Versuch:
    https://gist.github.com/anonymous/9f53baf9ba653a868438987417f77c8d

    Oder selber in den Seitenquelltext gucken:
    http://www.deutschlandfunk.de/podcast-das-war-der-tag-komplette-sendung.1951.de.podcast

    Ich bin auch erschrocken als ich das gesehen habe, denn natürlich liegt Automation viel näher! ich kann mir aber nicht vorstellen dass das automatisiert zu diesem ergebnis führt.

  15. @Onkel Hotte
    http://www.ardmediathek.de/tv/suche?searchText=tatort
    Ganz einfach. Da gibt’s dann alle Folgen chronologisch geordnet.

    Warum hier immer der Vergleich mit Netflix, auch noch als lobenswertes Beispiel herangezogen wird, verstehe ich nicht.
    Webseite und App sind eine Vollkatastrophe. Es sind nur rudimentäre Daten zu Filmen vorhanden, inklusive ein paar Nutzer (ähem)rezensionen. Keine Trailer, niemals, nicht. Filmbeschreibungen beschränken sich auf 3-4 Sätze.
    Dass die Webseite oft genug Fehler produziert lasse ich mal so stehen, geschenkt.
    Zu jedem Tatort erhalte ich mehr und detailreichere Informationen.

    ARD und ZDF machen nun wahrlich nicht alles richtig, präsentieren aber, im Gegensatz zu Netflix ein journalistisches Angebot und kein werbliches.
    Zum Glück.

    Ach ja: die Mediatheken von RTL, PRO7 oder Sat1 DAS sind Verbrechen an der Menschheit. Und nicht die der ÖR.

  16. Also im Vergleich zu den Mediatheken der privaten Fernsehsender oder auch zu Youtube finde ich Layout, Bedienung und Komfort geradezu vorbildlich.

  17. Ich finde die ÖR Mediatheken eigentlich auch ganz töfte.

    Dass wir alle einen eigenen Stream / Feed brauchen, der nach unseren Interesen geht und nur kommerzialisierte Videos anzeigt, haben sich die Marketer ja nur ausgedacht.
    Ich wäre froh, wenn YT aussehen würde, wie die ZDF Mediathek, ganz ohne Sarkasmus. Aber damit kann man halt nicht so geil Geld verdienen.
    Guckt euch doch an, wie die ganzen Youtuber rumheulten bei der Adpocalypse. Keiner vonn denen hat jemals „richtig gearbeitet“ und doch sind sie sich nicht zu schade das Portal zu verunglimpfen, das ihnen diesen Gammeljob ermöglicht hat.
    Wozu braucht es diese Leute? Damit Angela Merkel beim prominentesten Tränensack kostenlos ihre Reichweite vergrößert?
    Dann doch echt lieber ÖR.

  18. So wirklich geil macht es aber auch kaum einer. Zattoo fand ich beim Überfliegen ganz okay, aber da mit TV nicht interessiert nutze ich das Ding nicht.

    Netflix hat eine Discoverability jenseits von Gut und Böse und ist maximal etwas schneller, und zumindest auf den Content beschränkt im Design. Aber alleine der Umstand, dass bei jedem Reload der Seite oder Neustart der App die Reihen willkürlich durcheinander gewürfelt werden ist unheimlich nervend. Deren Monster-Teaser, mittlerweile mit Bewegtbild und Ton, ist auch keine Freude.

    Eine vernünftige Library sieht anders aus.
    Amazon ist nicht zu toppen, nicht mal von den ÖRs.

    Die zwei Mediatheken sind zwar furchtar, insbesondere wenn man etwas nicht ganz aktuelles oder 20:15Uhr Programm sucht, aber andere machen es auch nicht besser. Die Medienseiten der Privaten sind indiskutabel und die großen Streamingdienste Netflix und Amazon sind vor allem darauf aus, dass die Serien/Filme geschaut werden die dem Anschein nach das meiste Geld rein bringen. Oder bei Amazon eben die, die man dann kaufen kann.

    Das ist hässlichstes Algorithmengemauschel der besonders nervigen Art.

    Ganz zu schweigen davon, dass Netflix teilweise (?) FSK16 TV-Cut Filme einkauft. Ggf. aus lizenrechtlichen Gründen, dennoch eigentlich inakzeptabel. Aber das ist Geolocking generell. YT ist da eine Mischung aus all den Problemen, hat aber ggü. allen anderen eine funktionale Suchfunktion dank Google. Das benutze ich übrigens auch, um in Mediatheken Sachen zu finden, da die externe Suche i.d.R. besser funktioniert.

  19. Schöner Artikel, der einige Probleme aufgreift, die auch ich mit den Mediatheken habe, wie etwa die völlig absurde Sortierung von Filmen.

    Es gibt übrigens nicht nur die genannten Anstaltsmediatheken und die der ARD, sondern auch 3sat, Arte, Kika, Phoenix und ARD-Aktuell haben je eigene Mediatheken, funk sowieso, auch das Deutschlandradio hat eine, logischerweise nur für Audio, aber dafür gibt es wiederum die Audio-Sektion der ARD-Mediathek und seit kurzem die Audiothek der ARD, zusätzlich zur Audiothek des Deutschlandradios, die, wie gesagt, nicht mit der Mediathek des Deutschlandradios zu verwechseln ist. Und dann ist sind ARD&ZDF natürlich noch auf dem hassgeliebten YouTube vertreten, einmal als ARD, dann einige der einzelnen Anstalten, dann wiederum einzelne Programme, dann wiederum einzelne Sendungen, und schließlich noch Genrsspezifische Kanäle (z.B. die „ZDF-Lachbar“). Als beispielsweise auf „Eins Plus“ die Sendung „Walulis sieht fern“ lief, wurde anscheinend immer gelost, ob sie im Kanal der ARD, des SWR, von EinsPlus, oder im Sendungskanal von „Walulis sieht fern“ bereitzustellen war. Noch ärger ist es mit der Tagesschau, die sowohl im Kanal der Tagesschau als auch dem dem ARD bereitgestellt wird, dafür aber auf beiden nur unregelmäßig oder mit mehrtägiger Verspätung.

    Soweit so schlimm.

    Der Autor schlägt nun vor, neue und neukonzipierte MediathekEN (!) zu starten. Das ist einerseits völlig verständlich, erinnert aber andererseits an den alten Witz: „‚Wir haben acht unterschiedliche Systeme im Einsatz. Wie absurd. Wir bräuchten EIN System, das allen Ansprüchen gerecht wird!‘ – Ergebnis: nun sind neun Systeme im Einsatz.“ Tatsächlich kamen die Bündelsysteme ja erst nach den Anstaltssystemen dazu, um diesen Wildwuchs zu ersetzen, aber am Ende haben sie ihn nur vergrößert. Die ARD-Mediathek ist letztenendes nur ein gemeinsames Frontend, das automatisch aus den Sendermediatheken bestückt wird. Das merkt man zum Beispiel daran, dass, wenn der Server des MDR Schluckauf hat, die nur die MDR-Mediathek nicht mehr geht, sondern auch die MDR-Beiträge in der ARD-Mediathek nicht mehr laden.

    Redaktionell betreut werden, wenn überhaupt, nur die einzelnen Sender-Mediatheken. Genau hier liegt ein Hauptproblem. Die ARD bräuchte eine eigene ARD-Mediathek-Redaktion, die die Beiträge der Anstalten nicht nur nach Vorschrift einordnet, sondern aktiv und sinnvoll bündelt. Die wiederum würde Geld kosten (erst recht bei getrennten Genremediatheken), müsste genehmigt werden und ginge erst recht nicht ohne die üblichen „Debattenbeiträge“ von Döpfner, Hanfeld und VPRT vonstatten. Erst Recht, wenn in relevanten Umfang Zusatzinformationen gegeben werden, womöglich gar schriftlich (Presseähnlich! Nordkorea!) Daneben gibt es natürlich gegenüber Netflix&Co die nur den „Nachteil“, völlig verschiedene Genres anzubieten, sondern auch die gesetzliche Löschpflicht, die eigene kontinuierliche Entwicklung der Inhalte der Mediathek verhindert. Ein „Gott des Gemetzels“ darf eben nicht kontinuierlich angeboten werden, sondern nur im zeitlichen Umfeld einer linearen Ausstrahlung.

    Es ist wie so oft. Die ARD hat es nicht einfach, und dann macht sie es sich noch zusätzlich selbst schwer.

  20. @chris und MAXIMILLION

    Dieses „Ordnung jedes Mal neu würfeln“ machen aber die mediatheken auch. Was der Sinn dahinter sein soll habe ich mich auch schon mehrfach gefragt. Vermutlich dass man die Sendungen, die man schauen will, nicht so einfach findet und an anderen „hängenbleibt“. Ist mir zwar noch nie passiert, aber so ist vermutlich der Gedanke dahinter…
    Noch alberner wird es aber bei den fsk Filmen. Warum zur Hölle soll ich da bis nach 22uhr warten müssen, nur weil man das im linearen Fernsehen nicht anders lösen kann? Es wäre doch wohl das Einfachste, dort eine Anmeldefunktion mit Alterskontrolle einzubauen. Aber ist halt neuland…

  21. Zitat von Nr. 11:

    Manchmal sind Serien (Dr. Who) tagelang als FSK16 konfiguriert und somit nicht mehr vor 22Uhr abrufbar.

    Das ist wirklich das beste Beispiel für ein von Grund auf reines, alles umfassendes Internet-Unverständnis.

    (Ja, ich weiß, daß dies einer rechtlichen Vorgabe folgt. Die Kritik richtet sich auch nicht gegen die Mediathek.)

  22. @Freiwild
    Dass es eigene Mediatheken von arte, 3sat etc. gibt, hat ja gute Gründe. Und ich kann mir im ÖR-Rundfunk nun ein Dutzend dringlichere Baustellen vorstellen als eine neue Mediathek.

  23. Ohne den a
    Artikel komplett gelesen zu haben: Wie viele ÖR-Mediatheken gibt es denn eigentlich? Und würde nicht eine – dann auch besser gepflegte und technisch ausgereiftere – Mediathek für alle öffentlich-rechtlichen Sender reichen, bzw. sogar sinnvoller sein? Was spricht da konkret dagegen? Die Angst der Intendanten, dass der Zuschauer der sich dort hin verirrt dann doch lieber die sendung vom bösen Konkurrenzdrittrundfunk sieht? Wieso müssen derartige Angebote (mediathekview) von Freiwilligen entwickelt werden, während bei den ÖR mutmaßlich dutzende hochbezahlte webcontentmanager parallel arbeiten und dennoch -oder gerade deshalb- eher mittelprächtige, unübersichtliche Ergebnisse (zudem eben nur mit dem eigenem Content) zustande bringen?

  24. Noch besser als mediathekview als Programm ist https://mediathekviewweb.de/ Da kann man einfach im Browser den gesamten Katalog der öffentlich rechtlichen durchsuchen und das Video auch gleich anschauen ohne was installieren oder runterladen zu müssen. Perfekt. Benutzerfreundlicher gehts nicht mehr. Kein Firlefanz, google für mediatheken sozusagen.

    Die ÖR könnten das genau so für ihre Startseite nehmen (und vorher das mediathekview team fürstlich entlohnen und open source projekte finanzieren), und ggf. noch um nachgelagerte (unterseiten) redaktionelle Inhalte ergänzen, tagesaktuell und noch mit Rubriken wie News, Doku, Tierfilm, Serie usw.

    Zum Artikel: Nicht die Online Redakteure trifft die Schuld, die sind nicht für die Konzeption verantwortlich…

  25. btw.: Und wenn dann noch alle Inhalte die von allen (den Gebührenzahlern) bezahlt wurden, auch zeitlich und örtlich uneingeschränkt für alle zur Verfügung stehen, wäre das gut. (Wie krank, dass das nicht so ist)

  26. Zur Entspannung bei all dem Mediathekenstress kann ich nur die Audiothek des DLF empfehlen. Sicherlich laden die Inhalte dort auch eher zu guter Sortierung ein, ich finde die App aber trotzdem überraschend gut.

  27. Zitat: „Fehlender Originalton? – Gibt’s doch linear auch nie!“

    Stimmt nicht! Zweikanalton gab’s schon in den Achtzigern, zu Anfang sogar in der Form, dass auf dem linken Kanal die eine und auf dem rechten Kanal in der anderen Sprache gesendet wurde.

    Das wurde auch über eine Texteinblendung kenntlich gemacht, aber immer mit dem Zusatz „Originalton nicht über Satellit“.

    Und das dürfte auch genau der Grund sein, warum auch die Internetinhalte nicht im Originalton verfügbar sind: Die Lizenzen wären gleich deutlich teurer. Die Sender müssten nicht nur die Lizenz für den deutschsprachigen Raum bezahlen, sondern praktisch weltweit.

    Die Ausstrahlung über Kabel oder Antenne hat da den Charme der impliziten Reichweitenbegrenzung.

  28. Die Frau bei Comedy & Satire ist das „overexposed model“ … Einfach mal nach dem Begriff suchen und den Tumblr Link anschauen

  29. Einen interessanten Fun-Fact am Rande: Die ARD schafft es immerhin die Files der Sendungen nur einmal „Vorzuhalten“. Soll heißen: Eine Sendung wird nur einmal gestreamt und dann werden nur noch die Metadaten in die jeweiligen Mediatheken gepusht (bis auf BR, glaube ich). Das spart bei den Wiederholungen viele Kosten. Also hat die ARD physikalisch eigentlich nur eine Mediathek. Vieles ist auch automatisiert – und die Sendedaten, Teasertexte und Bilder werden (bei der Menge an Programm) nur „gepassed“, selten redigiert. Für Daserste.de und ARD.de arbeiten in den Mediatheken nur eine Handvoll Redakteure. Das System ist durchaus komplexer als es aussieht. Die Presseabteilungen erstellen die Texte, die im EPG ausgespielt werden und die Grundlage der Teasertexte sind. Die Bilder werden von den Redaktionen der Sendungen rausgesucht. Oft sind diese die einzigen, die Zugang zum Material haben. Die Programmplanung legt wert, dass Dachmarken (FilmFilm) auftauchen etc.pp. Zuschauer fragen am allermeisten nach, welche Sendungen zuletzt liefen – und sonst recht wenig. Vieles ist ja auch durch die 7-Tage-Regelung (und andere Verweildauern) nicht erlaubt. Das nur am Rande, die Meinung des Autor ist ja schon gebildet – da will ich (am Medium uninteressiert, am Job gescheitert, und sowieso nicht sehr helle – nicht stören.

  30. Ich stimme all dem zu! Ich rege mich schon lange über die öffentlich-rechtlichen Mediatheken auf. Hinzufügen würde ich noch, dass ich diese hot-rotation-Ansichten total nervig finde. Ich will nicht für jede einzelne Mini-Vorschau der Sendungen/Filme einmal weiterklicken müssen. Warum sind zum Beispiel die drei auf der Startseite von zdf.de oben positionierten Sendungen/Filme nicht einfach kompakter und nebeneinander und ich kann mir aussuchen, was mich interessiert? Das wäre viel übersichtlicher und praktischer.
    Interessant fände ich auch noch einen Beitrag von Ihnen zur Arte-Mediathek. Dort gibt es sehr komische Kategorien, zum Beispiel „Entdeckung der Welt“. Was soll das denn bedeuten? Aktuell gibt es dort Beispielsweise die Doku „Die Reise der Schneeeule“. Das könnte man aber genauso unter der Kategorie „Wissenschaft“ vermuten. Diese komischen Kategorien sind einfach etwas sinnlos und erschweren das gezielte Suchen nach einer Sendung.
    LG

  31. Vielleicht könnten sich die Verantwortlichen mal den iplayer von der BBC anschauen. Übersichtlicher geht es nicht. Alle Lieblingsprogramme lassen sich bookmarken und tauchen dann in MyChannel auf. Das junge Online-Angebot BBC3 ist dort integriert und 95% aller Programme lassen sich runterladen und offline anschauen. Im iplayer werden 10 Sender vereint und eine deutsche Firma hat mitentwickelt.

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