Wie „Bild“ es dem Kevin mal so richtig gezeigt hat

An den Ausschreitungen in Hamburg konnte man wieder sehen, wie dünn der Firnis der Zivilisation ist, und an den Reaktionen der „Bild“-Zeitung, wie dünn der Firnis des Journalismus.

„Bild“-Titelseite am Montag (Unkenntlichmachungen von uns).

„Bild“ hat am Montag mit einer groß angelegten, eigenmächtigen Fahndung nach „G20-Verbrechern“ begonnen. Das Blatt zeigt fast 20 Leute, die fotografiert wurden, wie sie Steine oder Flaschen werfen oder einen Supermarkt plündern, teils groß auf der Titelseite. Es sucht nach Lesern, die sie identifizieren können, und kombiniert das mit dem Satz, den man von Mördersuchen bei „Aktenzeichen XY“ kennt: „Sachdienliche Hinweise bitte an die nächste Polizei-Dienststelle.“

Die Redaktion hat erkennbar umgeschaltet auf einen Kampf-Modus, in dem selbst für das Bisschen an Differenzierung, Sorgfalt und Zurückhaltung, das sie sich sonst erlaubt, kein Platz mehr ist. Die Konsequenz, mit der sie das tut, lässt erahnen, wie sehr das ihrer Natur entspricht.

Es gibt nur noch Gut und Böse, die Guten sind von ungetrübter Reinheit und die Bösen von grenzenloser Schlechtigkeit. Beides gehört zusammen: Die Verkitschung und Verherrlichung aller Polizisten als Helden und Opfer und die Dämonisierung aller Steinewerfer und Diebe als „Verbrecher“.

Im Kampf gegen „Verbrecher“ ist jedes Mittel recht. Wer darauf verweist, dass auch Straftäter Rechte haben oder dass der Pressekodex zur Zurückhaltung mahnt, steht unter Verdacht, gemeinsame Sache mit den Idioten zu machen. Wenn die Idioten verhindern wollten, dass sie groß auf der Seite 1 der „Bild“-Zeitung als „Verbrecher“ bezeichnet werden, hätten sie sich halt nicht idiotisch verhalten sollen. Alle Konsequenzen daraus sind allein die Konsequenzen ihres Verhaltens – nicht des Verhaltens der „Bild“-Zeitung. Eine eigene Verantwortung des Blattes und seiner Redakteure spielt in dieser Kampf-Logik keine Rolle. Der Rechtsstaat auch nicht. Für den Pressekodex hat „Bild“ im Zweifel ohnehin nur Verachtung übrig.

Das Vorgehen von „Bild“ hat eine gefährliche innere Logik: Der Staat hat in Hamburg versagt. Er hat es nicht geschafft, die Bürger zu schützen, und er scheint es nicht einmal zu schaffen, die Verdächtigen dingfest zu machen. Also muss „Bild“ übernehmen.

Das Vakuum, das der Staat hinterlassen hat, ist gefährlich, aber gefährlich ist auch, dass „Bild“ es ausfüllen will. Die Zeitung übernimmt die Rolle des Fahnders, und sie maßt sich dabei gleichzeitig die Rolle des Richters an. Ihr Urteil über die Menschen, nach denen sie öffentlich fahnden lässt, ist schon gefällt, und ein Teil der Strafe in Form des öffentlichen Prangers schon vollstreckt.

Das ist keine Grenz-Überschreitung, wie sie im Überschwang schon mal passieren kann, das ist ein kalkulierter Regel-Bruch. Und falls es einen großen Aufschrei gibt, eine Missbilligung vom Presserat, Verfügungen von Gerichten – dann würde sich „Bild“ umso mehr darstellen können als einsamer Kämpfer für Gerechtigkeit, gegen alle Widerstände, Bedenkenträger, Weicheier.

Keine Frage: Es ist furchtbar frustrierend, die Videos von vermummten Horden zu sehen, die marodierend durch Hamburg ziehen, wahllos und ungestört Autos in Brand stecken und Geschäfte zerstören, und zu ahnen, dass es fast unmöglich sein wird, die Täter je dingfest zu machen. Auch „Bild“ kann daran nichts ändern. Aber „Bild“ hat etwas gegen den Frust: Vielleicht kann das Blatt wenigstens andere Leute dingfest machen, die anderweitig aufgefallen sind und dabei identifizierbar fotografiert wurden.

Dass deren Vergehen teilweise geringer erscheinen oder nicht eindeutig klar sind, spielt dabei keine Rolle. Es ist auch eine Ersatzhandlung.

„Bild“-Titelseite am Dienstag (Unkenntlichmachungen von uns).

Einer musste einfach daran glauben, weil es von ihm ein Foto gab, das sich gut auf der ersten Seite der „Bild“ machte. Dort fand er sich am Montag und am Dienstag, einmal über der Schlagzeile „GESUCHT!“ einmal über der Schlagzeile „GESTELLT!“.

Am Dienstag gab „Bild“ bekannt, dass er Kevin heiße, 19 Jahre alt sei und bei seiner Oma wohne. Obwohl er sich bei der Polizei gemeldet hatte und angab, ein schlechtes Gewissen zu haben, und sich selbst nach der „Bild“-Logik diese konkrete Fahndung (erfolgreich) erledigt hatte, brachte das Blatt sein Foto noch einmal unverpixelt auf der ersten Seite. Strafe muss sein.

Auf Twitter schrieb die Chefredakteurin der Papier-„Bild“, ein solcher Pranger und eine solche Fahndung nenne sich „Pressefreiheit“. Sie schrieb:

Verdachtsberichterstattung ist zulässig. Ich habe irgendwie den Verdacht, dass der Mann da gerade einen Stein auf Polizisten wirft …

Ob sie das wirklich glaubt oder sich nur dumm stellt, ist unklar. „Verdachtsberichterstattung“ ist nur unter engen Voraussetzungen erlaubt. Dazu gehört, dass der Verdächtige nicht vorverurteilt werden darf. „Bild“ erklärt die von ihr Gezeigten nicht nur für schuldig, sondern gleich zu „Verbrechern“. Verbrechen sind Straftaten, die mit mindestens einem Jahr Haft bedroht sind. Das trifft nicht einmal auf den Vorwurf des besonders schweren Landfriedensbruchs zu.

Aber auch diese Diskussion um Wörter ist aus Sicht der „Bild“-Leute und ihrer Unterstützter natürlich völlig abwegig. Ein „Verbrecher“ ist der, der von „Bild“ so genannt wird, und wenn man von „Bild“ nicht „Verbrecher“ genannt werden will, soll man halt nichts tun, was zwar kein Verbrechen ist, aber von „Bild“ so genannt werden könnte. Wer darauf beharrt, dass der Begriff nicht stimmt, riskiert, dass „Bild“ ihm unterstellt, Plündern und Steinewerfen zu einem Kavaliersdelikt verharmlosen zu wollen. Es gibt kein Dazwischen mehr für sie.

„Bild“-Chef-Chef Julian Reichelt sagt, wer etwas dagegen habe, dass er am „Bild“-Pranger steht, könne sich ja melden – und dann werde „Bild“ seine Daten der Polizei übergeben. „Bild“ gibt sich als Rächer der Opfer und des Staates; als der grobschlächtige Helfer, der für die Polizei die Drecksarbeit übernimmt, die die nicht leisten kann, weil sie durch so blöde Sachen wie Gesetze daran gehindert wird.

Wie problematisch das ist, nicht nur grundsätzlich, sondern ganz konkret, hatte „Bild“ gerade erst erleben müssen. Bild.de hatte am Samstag groß ein Foto von einer Situation gezeigt, in der ein Polizist verletzt wurde. Drunter stand: „Ein Chaot wirft einem Polizisten einen Böller in den Nacken, kann danach fliehen“.

Von Bild.de nachträglich verpixelte Version des Fotos Screenshot:
Bild.de

Es ist ein Standbild aus einem Video, doch der Mann, der darauf zu sehen ist und wie der Täter wirkt, ist nicht derjenige, der den Böller geworfen hatte. Die Hamburger Polizei sah sich gezwungen, das klarzustellen und dazu aufzufordern, die „Internet-Fahndung“ nach ihm, die Bild.de offenbar mit angeheizt hat, einzustellen. Sie fügte hinzu:

Die „Fahndung“ wurde nicht durch uns initiiert. Trotzdem greifen wir ein, wir möchten einen Unschuldigen vor einer „Online-Hetzjagd“ schützen.

Offenbar scheint der Vorfall bei „Bild“ nicht dazu geführt zu haben, das Prinzip der öffentlichen Hetzjagd insgesamt in Frage zu stellen. Bisschen Schwund ist bei so Selbstjustiz ja immer, und wenigstens der Kevin hat sich ja nun gestellt.

Oder wie der „Bild“-Chef-Chef heute Nachmittag twitterte:

(Unkenntlichmachungen von uns)

33 Kommentare

  1. Egal, was passiert, jeder folgt seinen üblichen Reflexen: „Bild“, Herr Niggemeier, die Pro- und Contra-Kommentatoren.
    Das ändert nichts daran, dass in Hamburg linke Gewalttäter aktiv waren, anderswo rechte, anderswo religiöse.
    In unserer Demokratie gilt das Gewaltmonopol des Staates.

  2. Was hat das bitte mit Reflex zu tun? Die hier angeführte Kritik ist keine Lapalie. Öffentliche Pranger brauchen wir nun wirklich nicht und solche Aktionen wie von der Bild beinhalten ja durchaus auch die Gefahr der Selbstjustiz. Sowas geht echt gar nicht, eben weil das Gewaltmonopol beim Staat liegt. Fahndungsaufrufe obliegen der Polizei bzw. ganz allgemein den Ermittlungsbehörden.

  3. Wie wäre es denn, wenn die Springerpresse einmal ein längerfristiges Projekt zu einem solchen Ereignis verfolgen und über Monate recherchieren würde, wieviele Tatverdächtige identifiziert, angeklagt und tatsächlich verurteilt werden? Endziel: eine richtig saubere Dokumentation, die das Thema quantitativ und auch im Detail greifbar macht. Das würde mich interessieren: Wer waren die Täter? Was haben sie gemacht? Welchen Organisationen gehören sie wirklich an? Was trieb sie an?
    Dass sie Stimmungsmache ohne Fakten kann, hat sie bereits 1967 erfolgreich bewiesen. Es dauert eben manchmal Jahrzehnte, bis einigermaßen klar ist, wer was getan hat.

  4. Max Goldt:

    Diese Zeitung ist ein Organ der Niedertracht. Es ist falsch, sie zu lesen. Jemand, der zu dieser Zeitung beiträgt, ist gesellschaftlich absolut inakzeptabel. Es wäre verfehlt, zu einem ihrer Redakteure freundlich oder auch nur höflich zu sein. Man muss so unfreundlich zu ihnen sein, wie es das Gesetz gerade noch zulässt. Es sind schlechte Menschen, die Falsches tun.

    ’nuff said

  5. Natürlich sind sie selbst schuld! Sie hätten einfach vorher die Bild-Zentrale in Schutt und Asche legen müssen, dann wäre das Ganze nicht passiert. Meine Prognose: Das machen sie das nächste Mal rechtzeitig!

  6. Apropos Verbrecher. Die schlimmsten Mörder unserer Zeit, politisch verantwortlich für Krieg und Elend auf der ganzen Welt, treffen sich zu einer Konferenz. Aber was ist das schon im Vergleich zu Steinewerfern : )

  7. Entschuldien Sie bitte Herr Niggemeier, aber könnten Sie auch Nicht-Abonennenten diesen Satz bitte erklären?
    Sie schreiben: „(…) Das Vakuum, das der Staat hinterlassen hat, ist gefährlich, aber gefährlich ist auch, dass „Bild“ es ausfüllen will. (…)“

    Wollen Sie hier den Gedankengang der Bild-Redaktion beschreiben oder meinen Sie wirklich, dass der Staat ein Vakuum hinterlassen hat?

    Danke

  8. Bei Bildblog wird Dr. Marcel Leeser zitiert das vorgehen der Bild sei „klar rechtswidrig“.
    Ist da was in Mache? Anzeige? Oder wird die Staatsanwaltschaft bei sowas schon von sich aus tätig?

  9. Das Sonderbüro für „Pleiten, Pech und Pannen“ scheint in Hamburg wieder einmal im Einsatz zu sein: 13 Festgenommene sind bereits wieder frei, die während der Krawalle angeblich Betonplatten von einem Dach auf die Polizei werfen wollten. Das war eine der Nachrichten vom Wochenende, die die unglaubliche Brutalität der Chaoten veranschaulicht hat, eine Schlüsselnachricht. Die Nachricht über die Freilassung steht so ähnlich auch in der gedruckten Hamburger Morgenpost von heute früh.
    Das ist die Sorte von Nachrichten, denen echte Investigative (oder linke Parlamentarier) nachgehen müssten. Wer sind die 13? Wo kommen sie her? Was haben sie mit der linken Szene zu tun? Was wird aus den Ermittlungen? Es kann ja nicht sein, dass solche mutmaßlichen Taten die ganze linke Opposition diskreditieren (sollen), und die eigentlichen Ermittlungen einfach so im Sand verlaufen. Da spielt die Musik, nicht bei reflexhaften Vorwürfen gegen die Polizei im Allgemeinen.

  10. @1: Wo Gewalttäter (egal welcher Ideologie) am Werk sind, muss die Polizei ermitteln. Was hat das mit der im Artikel monierten Bild-Hetze zu tun?
    Das Gewaltmonopol des Staates gilt auch für die BILD-Redaktion.
    Genau darum geht doch, dass keine Presse als zweite oder dritte Gewalt auftritt, so wie die Bild es hier tut.

    Nur sicherheitshalber:
    Gewaltmonopol des Staates und physische Gewalt auf Demos sind völlig verschiedene Schuhe.

    Außerdem haben wir ja immer noch das Versammlungsrecht als Grundrecht. Dies darf keine Polizei einschränken, nur durchsetzen.
    Sprich: Für den Schutz der Demonstration sorgen, wie das z. B. bei NPD Demos auch zuverlässig funktioniert.

  11. @9:
    „Das ist die Sorte von Nachrichten, denen echte Investigative (oder linke Parlamentarier) nachgehen müssten“
    Sofern es sich um eine Straftat oder Vorbereitung einer Straftat handelt, muss hier erst mal die Polizei ermitteln. Genau darum geht es doch, dass Medien sich nicht als Exekutive aufführen sollen.

    Wer außer Ihnen redet außerdem davon, dass hier irgendwer „die gesamte linke Opposition diskreditieren“ will?
    Gibt’s dazu Fakten oder Aluhut?

    „reflexhafte Vorwürfe gegen die Polizei “ kann ich übrigens auch hier nirgendwo finden.

    Überhaupt: Ist es mittlerweile en vogue, „Reflexhaftigkeit“ zu unterstellen? Damit man sich dann nicht mit dem Inhalt beschäftigen muss?

  12. @12: Sie verwechseln hier wohl Recherche mit Strafermittlung.

    Und würde die Bild wirklich recherchieren, dann liefe sie ja vielleicht Gefahr doch noch ausversehen hin und wieder mal was seriöses abzuliefern. Ich glaube nicht, dass man eine solche Intention dort erkennen kann.

  13. @7
    Aufgabe des Staates wäre primär Schutz der Bürger und Ihres Eigentums, sekundär die Aufklärung und Bestrafung der rechtswidrigen Taten.
    Die primäre hat er nicht erfüllt, die sekundäre scheint er nicht zu erfüllen. Der Staat lässt hier seine Aufgaben unerledigt, die nach rechtsstaatlichen Grundsätzen kein anderer erledigen kann. Das ist mit dem Vakuum gemeint. Der Rest des Satzes erklärt sich dann von allein. Nun sehe ich im gesamten Kontext des Beitrages in der Darstellung des Vakuums eine abstrakte Sachverhaltsdarstellung, aber keine Bewertung des Vakuums, da das eine völlig andere Thematik darstellt, als die Aktivitäten der BILD.

  14. Na das wäre ja zu doof gelaufen, wenn jemand auf der Straße den Kevin erkennt, mit dem Finger auf ihn zeigt, ihn festhalten will, worauf er sich wehrt, wegläuft und vor einen LKW läuft und dann tot ist. Aber dann hätten ja alle nur gerufen, das geschähe ihm recht. Er wäre dann aber der einzige Tote im Rahmen des G20-Gipfels gewesen… das wird ja immer vergessen, die Randalierer haben Autos angezündet und keine Menschen.

    Ich denke, es gibt da auch ein Vakuum, was das „Bild-Reporter auf offener Straße verdreschen“ angeht. Liegt aber daran, dass das illegal ist… Fahndungsaufrufe durch Nicht-Polizei ist auch illegal? Ach…

  15. „das wird ja immer vergessen, die Randalierer haben Autos angezündet und keine Menschen.“

    Die Videos auf den zu sehen ist wie Molotow-Cocktails auf Polizisten fliegen sind ihnen bekannt? Ihr Satz wird leider nur dann richtig, wenn Sie Polizisten nicht als Menschen betrachten. Das ist hoffentlich ein Mißverständnis.

  16. @16: „Die Videos auf den zu sehen ist wie Molotow-Cocktails auf Polizisten fliegen sind ihnen bekannt?“

    Die Frage richtet sich zwar nicht an mich, aber: mir sind sie nicht bekannt. Könnten Sie kurz aushelfen und sagen, wo ich die finde?

    Ich kenne nur die Aufnahme der Wärmebildkamera eines Hubschraubers, die der Hamburger Polizeichef als Superlativ der Gewalt vorführte und auf der zu sehen ist, wie jemand mutmasslich einen Molotov-Cocktail vom Dach aus auf einen Wasserwerfer wirft (wo der Molotov-Cocktail dann erlischt). Wäre ja ein Ding, wenn die Hamburger Polizei wesentlich drastischere Videos hätte, die sie auf der Pressekonferenz nicht zeigt. Danke für Ihre Hilfe!

  17. Jetzt bin ich aber auch mal gespannt. Wurden da jetzt wirklich Molotov Cocktails geworfen oder nicht???

  18. @Yosserian: Sorry kanns mir nicht verkneifen…da gibts bestimmt nen Catch 22! Im Sinne von Zwansläufigkeiten
    So vonwegen,wird über Demonstrationen berichtet,
    müssen!
    Molotov-Cocktails auftauchen und gegen Menschen eingesetzt worden sein.
    Wäre ja sonst keine Demo!
    Ich weiss nicht grad brilliant aber für den Hausgebrauch reichts…
    Ansonsten Bildzeitung:
    Angst,Hass ,Tittenund der Wetterbeicht

  19. @19: Ja, solche Ereignisse sind sicherlich ein Paradebeispiel für Catch 22 Argumentationen. :D Sehen wir gerade ja auch ohne Ende. Die Krawalle sind Folge des Vorgehens der Polizei, welche widerum in den Krawallen eine Rechtfertigung für ihr hartes Vorgehen sieht, woraufhin… und so dreht sich der Zirkelschluss ewig im Kreise.

  20. (mal vorneweg: Mein Bezug auf „keine Menschen angezündet“ bezieht sich auf den bekannten Spruch, auf den auch Lobo in seiner Kolumne Bezug nimmt, dass bei Linken Autos brennen und bei Rechten brennen dann die Menschen.)

    Aber um mal richtig zu provozieren: Hat die Polizei auch die Zahl der verletzten Polizisten angegeben, nachdem man die abgebrochenen Fingernägel abgezogen hat? Polizisten melden doch aus verständlichen versicherungsrelevanten Gründen jede noch so kleine Kleinigkeit, was im Einsatz zugestoßen ist, weil man ja nie weiß, was sich aus der Kleinigkeit mal erwächst. (Und wenn meine Chefs mich mit dieser lausigen Strategie verheizen, da würde ich hinterher auch keine Kulanz mehr kennen.)

    Daher: Mal schön runterkochen, von wegen 500 Polizisten verletzt, weil die Randalierer so schlimm zu ihnen waren. Ich denke, die Krankenhäuser in Hamburg platzen jetzt nicht gerade vor stationär aufgenommenen G20-Opfern.

    Molotov-Cocktails auf Polizisten… , so Leo, wo ist die Quelle…

  21. @16: „Die Videos auf den zu sehen ist wie Molotow-Cocktails auf Polizisten fliegen sind ihnen bekannt? Ihr Satz wird leider nur dann richtig, wenn Sie Polizisten nicht als Menschen betrachten. Das ist hoffentlich ein Mißverständnis.“

    Hallo? Jemand zuhause? Wo sind denn nun diese ominösen Videos? Oder war das nur ein „Missverständnis“? Man kann sich ja mal irren, sollte dann aber auch den Mumm haben, das zuzugeben.

    Übrigens:

    „Auf einer Pressekonferenz am vergangenen Sonntag zeigte Einsatzleiter Dudde auch ein Video aus einem Polizeihubschrauber, das zeigen soll, wie ein Molotow-Cocktail von dort auf einen Wasserwerfer geworfen wird. Womöglich handelt es sich aber nur um einen Böller. Inhaber von Schanzen-Läden, die die Szenen beobachtet haben, zweifeln daran, dass es tatsächlich einen geplanten Hinterhalt gegeben hat – so wie es die Polizei darstellt. Sie hätten betrunkene Männer auf dem Gerüst gesehen, die mit Flaschen warfen.“

    http://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/krawalle164_page-2.html

    Und alle, die an/in/auf/hinter diesem Haus, das offenbar an der einzigen Straße steht, die ins Schanzenviertel führt (sonst hätte die Polizei ja einen anderen Weg nehmen können statt vier oder gar fünf Stunden zu warten), festgesetzt wurden, sind wieder frei. Weil die Staatsanwaltschaft nicht einmal den Versuch gemacht hat, Haftbefehle zu beantragen. Schon seltsam.

  22. @ someonesdaughter #22
    „Sie hätten betrunkene Männer auf dem Gerüst gesehen, die mit Flaschen warfen.“
    Danke für diesen Link. Genau hier muss die Analyse anfangen: bei dem, was wirklich war. Andere Medienberichte sprachen von Gewalttätern mit Gehwegplatten auf dem Dach: ein Fanal brutaler Mordlust. Im Ergebnis ein signifikanter Unterschied.
    „Und alle, die an/in/auf/hinter diesem Haus, …, festgesetzt wurden, sind wieder frei. Weil die Staatsanwaltschaft nicht einmal den Versuch gemacht hat, Haftbefehle zu beantragen. Schon seltsam.“
    In der Tat eine seltsame Geschichte: Fanal oder Furz? Ich würde das so gerne zuverlässig wissen. Wie schön, dass wir uns da einmal einig sind (siehe #9).

  23. Ich nehme alles zurück war gar kein Moltow-Cocktail war nur ein Böller also im Prinzip gar keine Gewalt . Alles gut.

  24. Jetzt nochmal ernsthaft. Möglicherweise war es kein Moltow-Cocktail auf dem einschlägigen Video kann ich gerne zugeben.

    Aber:

    Bei den mir noch sehr präsenten EZB-Krawallen in Frankfurt WURDEN Moltow-Cocktails auf Polizeiwagen in denen Polizisten saßen geworfen.

    Die These, dass linksextreme Gewalttäter nur Autos anzünden und keine Menschen scheint mir damit hinreichend widerlegt.

    http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/blockupy/blockupy-krawalle-in-frankfurt-ein-polizist-erzaehlt-13497700-p2.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

    Man hätte aus Frankfurt 2015 andere Schlüsse ziehen müssen um Hamburg 2017 zu verhindern.

  25. @Leo: Das ist aber eine merkwürdige Argumentationsart. Sie geben zu, dass es beim G20 Gipfel wohl tatsächlich keine Belege für Molotow Cocktails gab (wobei ich mir da nach wie vor nicht sicher bin), relativieren die Aussage dann aber direkt wieder mit dem Argument, dass es das aber woanders gegeben hätte und damit sei ihr Argument sozusagen trotzdem gerechtfertigt. Das halte ich für ziemlich dünn, denn Straftaten muss man immer noch begehen, um am Ende für sie belangt zu werden. Dafür ist es ziemlich irrelevant, was ein Mensch oder Menschen an anderer Stelle zu einer anderen Zeit getan haben.
    Und Molotow Cocktails sind keine Bagatelle. Da sollte man schon etwas vorsichtig mit den Anschuldigungen sein.

  26. Der komplette Einsatzablauf der Polizei am Freitagabend im Schanzenviertel ist höchst merkwürdig. Da warten mehrere Hundertschaften tatsächlich fast drei Stunden, bis eigens gerufene SEK-Kräfte von innen über die Treppe ein Hausdach stürmen? Dabei hatte die Polizei doch Tage vorher von diesem Hausbesitzer sogar den Schlüssel für die Eingangstür bekommen.
    Die Leute auf dem Dach waren nicht schwerbewaffnet. Überall in Hamburg waren bei der Räumung von Straßen Beweissicherungs- und Festnahmeeinheiten unterwegs. Die gehören zur normalen Bereitschaftspolizei, sind aber Spezialisten für robustes Vorgehen und auch Razzien. Die können in ein Haus eindringen und Türen aufbrechen. Die haben auch Feuerlöscher, sogar Maschinenpistolen.

    Und diese Kräfte waren mit Sicherheit nicht weit weg von der Schanze. Zudem berichten ja nicht wenige Augenzeugen, daß die Polizei ebenso hätte aus einer anderen Richtung kommen können. Da stellt sich dann schon die Frage, warum das so und nicht anders abgelaufen ist. Ging das alles wirklich nicht anders? Herrschte Chaos bei der Einsatzleitung? Oder wollte man vielleicht sogar bewußt die Lage ein wenig eskalieren lassen?

  27. #24, LEO: „Ich nehme alles zurück war gar kein Moltow-Cocktail war nur ein Böller also im Prinzip gar keine Gewalt . Alles gut.“

    Wie eklig ist das denn? Wir lesen mal kurz nach:

    Erst tun Sie so, als wüsste Ihr Gegenüber nicht, worüber er spricht

    „Die Videos auf den zu sehen ist wie Molotow-Cocktails auf Polizisten fliegen sind ihnen bekannt?“

    Dann schieben Sie eine mühsam bemäntelte Verunglimpfung nach:

    „Ihr Satz wird leider nur dann richtig, wenn Sie Polizisten nicht als Menschen betrachten.“

    Und nach Belegen für Ihre Behauptung gefragt, haben Sie weder den Mumm, sich zu korrigieren noch den Anstand, betreten zu schweigen, sondern sondern das Folgende ab?

    „Ich nehme alles zurück war gar kein Moltow-Cocktail war nur ein Böller also im Prinzip gar keine Gewalt . Alles gut.“

    Nein, es ist nicht alles gut. Sie haben über das bekannte Maß an Gewalttätigkeit hinaus schwerste Straftaten – Plural – behauptet (warum? War es nicht schlimm genug für all die Superlative der letzten Tage? Gehen die Narrative flöten?) und noch dazu, dass diese dokumentiert seien (beides gelogen) und besitzen die Frechheit, Ihre aufgeflogene Lüge mit dieser wiederum unterstellenden Weinerlichkeit zu bemänteln? Das ist ebenso infam wie Ihr nachgeschobenes ‚woanders aber, zu anderen Zeiten‘. Das ist eskalativer Verbal-Hooliganismus in Reinkultur. Woanders und zu anderen Zeiten haben Lügen zu Lynchmorden geführt – wollen Sie sich den Schuh anziehen?

    Oder ist das alles nur ein „Missverständnis“: Sie sind tatsächlich (jetzt) der Meinung es sei alles gut und es habe keine Gewalt gegeben? Sind Sie das, Herr Wendt?

  28. #23: „In der Tat eine seltsame Geschichte: Fanal oder Furz?“

    Nach jetzigem Kenntnisstand: Furz. Einer, der so übel riecht, dass ich dem Emittenten eine Magen- und Darmspiegelung empfehlen würde. Ich würde das auch gerne zuverlässig wissen wollen, was denn da nun genau gesehen ist und warum – alleine: ich habe keine Hoffnung, das je zu erfahren. Und erführe man es, würde es völlig unabhängig vom Ausgang an der Haltung der „Mordbrenner“– „Molotov-Cocktails auf Polizisten geworfen“-„Hängtsiehöher“-Superlativ-Fraktion nicht ein Jota ändern.

  29. Vorsicht Sarkasmusgefahr:
    Leute,Leute,mal ganz ruhig-die Besonnenheit der Polizei hat schlimmstes verhindert.Sie haben sich nicht davon provozieren lassen das am Bf Altona die zunächst schwarzgekleideten Autonome weisse T-Shirts angezogen haben.Eine Verfolgung dieser Täter hätte die Kette der Polizeikräfte zur sehr gespannt..Kleiderwechsel bei Täter gibts sonst nur im Tv-Krimi und wird der von Pvbs als unrealistisch eingestuft.
    Die Attacken der Polizei auf untätige Demonstranten ist als Nachwuchsförderung zu verstehen
    -bestimmt kriegen von diesen Demonstranten ein paar den vollen Polizeihass und werden in Zukunft Gegner…
    so kann man der Einsparungspolitik zumindest teilweise begegnen!

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