Wie schaffen diese Männer das bloß, Kinder und Karriere unter einen Hut zu bringen?
Erfolgreiche Väter müssen in Interviews selten erzählen, wie sie das mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf hinbekommen – Mütter hingegen ständig. Wie gut wäre es, alle danach zu fragen!
Linken-Politiker Gregor Gysi, Porsche-Chef Michael Leiters, Chefarzt Lars Hellmeyer (von links)Fotos: Fraktion Die Linke, Porsche, Solveig Schiebel
Wahrscheinlich musste niemand öfter öffentlich seine Familienplanung erklären als Ursula von der Leyen, EU-Kommissionspräsidentin, langjährige CDU-Politikerin und Mutter von sieben Kindern. Sie wurde zum Beispiel 2009 vom „Focus“ gefragt:
„Wie schaffen Sie es, Kinder und Karriere unter einen Hut zu bringen?“
Ursula von der Leyen antwortete:
„Ich frage mich da immer, wie oft diese Frage wohl schon Ministern gestellt wurde, die auch Väter, Ehemänner und Söhne sind. Sicher kann ich verstehen, dass ich anderen Müttern unheimlich bin. Sieben Kinder und Karriere, das kann doch gar nicht sein…“
Superfamilie und Superjob
Damals war Ursula von der Leyen Bundesfamilienministerin, ein Amt, das Angelika Slavik Jahre später in der „Süddeutschen Zeitung“ so charakterisierte: „Eine Familienministerin ist im Nebenjob Vorbild. Sie soll beweisen, dass alles klappen kann: Superjob, Superfamilie, Superleben.“
Das ganze Gedöns
Familie, Feminismus, Gefühle: Jahrzehntelang haben Redaktionen diese Themen belächelt, mittlerweile dominieren sie die Startseiten. Als Journalistin für Psychologie und Familie freut sich Barbara Vorsamer darüber – vermisst aber manchmal die Qualität und Expertise, die in anderen Ressorts selbstverständlich sind. Bis es so weit ist, schreibt sie diese Kolumne.
Als freie Autorin schreibt Barbara Vorsamer auch sonst über Psychisches, Politisches, Persönliches, oft für den „Spiegel“ und einmal wöchentlich in ihrem Newsletter „Innen und Außen“. War davor viele Jahre Redakteurin bei der „Süddeutschen Zeitung“. Lebt in München, hat zwei Kinder.
Doch auch viele Frauen, die sich in ihrem Beruf überhaupt nicht mit Familie und Vereinbarkeit beschäftigen, müssen in Interviews Fragen dazu beantworten. Die naheliegende feministische Forderung: Schluss damit! Vor einigen Wochen ertönte sie mal wieder, nachdem Laura Backes für den „Spiegel“ mit der Gynäkologin Mandy Mangler gesprochen hatte.
Der Text hatte die Überschrift „Mein Baby hat ein Jahr mit mir im Büro gelebt“, und die Redakteurin fragte, wie Mangler es schaffe, zwei Kliniken zu leiten, Professorin zu sein, erfolgreiche Bücher zu schreiben, Podcasts aufzunehmen und dabei auch noch fünf Kinder zu haben.
Wie regeln die das alle?
Ich hingegen würde es sehr bedauern, wenn solche Interviews nicht mehr erschienen. Mich interessiert es brennend, wie andere Frauen Menschen dieses Vereinbarkeits-Dings regeln. Meine Forderung ist daher: Bitte weiter fragen – aber alle. Auch die Männer.
An viele Interviews und Porträts gehen Reporterinnen und Reporter schließlich mit dem Ziel heran, der Person nicht nur möglichst viele Informationen zu entlocken, sondern sie auch als Menschen greifbar zu machen. Das funktioniert oft über Details, die nicht viel mit ihrer Arbeit zu tun haben. Über Franziska Giffey las ich mal, dass sie keine einzige Jeans besitzt. In diesem Porträt über Bahn-Chefin Evelyn Palla steht, dass ihr Sohn gerade Possessivpronomen in der Schule lernt.
In journalistischen Texten haben derlei Informationen dieselbe Aufgabe wie Kräuter in einem Gericht. Nicht zwingend notwendig, und zu viel davon kann alles verderben – aber in der richtigen Dosierung machen sie das Ganze häufig erst richtig interessant.
Vereinbarkeit ist kein „Frauenproblem“
Zum Problem werden die privaten Fragen dann, wenn sie:
Viel Platz oder Zeit vom eigentlichen Thema wegnehmen und damit die Expertise der Befragten entwerten.
Die Bedingungen nicht thematisieren, unter denen das Familienleben der Betreffenden stattfindet.
Immer nur stereotyp an Frauen und nie an Männer gestellt werden.
Solange ausschließlich Frauen über Karriere und Kinder und die (Nicht-)Vereinbarkeit davon sprechen, verfestigt sich die gesellschaftliche Vorstellung davon, dass das ausschließlich „ihr“ Problem ist. Doch nicht nur Mandy Mangler musste für ihre Karriere Opfer bringen. Lars Hellmeyer, Chefarzt für Geburtsmedizin und Gynäkologie an zwei Berliner Kliniken, erzählt im Buch „Was Männer nie gefragt werden“ von Fränzi Kühne, dass er für seinen Job viele Jahre pendelte und einen großen Teil der Kindheit seines Sohnes verpasste. Die Trauer darüber ist im Gespräch spürbar.
Auch wissen wahrscheinlich die wenigsten, dass Linken-Politiker Gregor Gysi mal alleinerziehender Vater war. Er wird selten dazu befragt. Schade eigentlich. Denn wie viel Gysi zum Thema zu sagen hätte, zeigt dieser „Zeit“-Text. Lisa Paus von den Grünen musste als Familienministerin hingegen sehr häufig über ihr Dasein als alleinerziehende Mutter sprechen.
Hillary Clinton fühlte sich wie ein begabter Hund
Was sich Journalisten bei all diesen Gesprächen schleunigst abgewöhnen müssen, ist die staunende Haltung gegenüber erfolgreichen Frauen. Hillary Clinton schrieb in ihrer Autobiografie, dass sie sich manchmal fühle wie ein Hund, der rechnen kann. Man begaffte das Wunder der klugen und ehrgeizigen Frau ausgiebig, nahm sie aber kein bisschen ernst.
Dabei war und ist Hillary Clinton natürlich ein Ausnahmetalent. Gynäkologin Mandy Mangler ist es vermutlich auch, genau wie Gynäkologe Lars Hellmeyer, die Politiker Gregor Gysi und Ursula von der Leyen, Bahnchefin Evelyn Palla und Porsche-Chef Michael Leiters. Wer in seiner oder ihrer jeweiligen Branche so weit aufsteigt, ist fast immer überdurchschnittlich begabt, überdurchschnittlich leistungsfähig, überdurchschnittlich ehrgeizig.
Wer Geld hat, kann sich Au-Pairs leisten
Deswegen sind die privaten Konstrukte solcher Menschen zwar hochinteressant, erhellen die allgemeine Debatte über Vereinbarkeit von Beruf und Familie aber kaum. Es ist ein Problem, wenn über Titelzeilen a la „Politikerin XY zeigt: Kind und Karriere ist möglich“ der Anna Normalfrau vermittelt wird: Die ist Ministerin mit sieben Kindern – du hast nur zwei, wieso kriegst du nichts gebacken?
Während Männer für sich als Individuum selbst stehen dürfen, wird eine Frau schnell zur Repräsentantin ihres ganzen Geschlechtes und ein Beispiel dafür, dass etwas geht. Oder eben nicht. Dabei würde doch auch niemand von einem Mann verlangen, die hundert Meter in unter zehn Sekunden zu laufen, nur weil Usain Bolt das kann.
Was mittlerweile immerhin oft thematisiert wird, sind die privilegierten Bedingungen, unter denen viele der Ausnahmefrauen ihre Ausnahmeleistungen bringen: Au-Pairs, Omas, Haushaltshilfen, Ganztagskitas und vieles mehr. Wer wichtig genug ist, um andauernd interviewt zu werden, ist meist auch wohlhabend genug, um sowas zu bezahlen.
Wo bleibt das Interview mit Lars Klingbeil?
Bleibt die Zeit und der Platz, den Medien aufwenden, um mit Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen, Wirtschaftschefinnen über ihre Familie zu sprechen, während ihre männlichen Kollegen davon unbehelligt über ihr Fachthema sprechen dürfen. Beides kann okay sein – und beides falsch. Es ist alles eine Frage der Gewichtung.
Mandy Mangler zum Beispiel hat in den vergangenen Jahren in so vielen Interviews über Gynäkologie und Geburtshilfe gesprochen, dass dieses eine Interview, in dem sie ausschließlich über ihre Mutterrolle und über Vereinbarkeit spricht, ihren Status als Expertin meiner Meinung nach nicht ankratzt.
Ich halte es hingegen für ein journalistisches Versäumnis, dass noch kein großes Interview mit Lars Klingbeil darüber geführt wurde, wie es ihm als jungem Vater in so einem verantwortlichen Posten wie dem des Finanzministers geht und wie viel Zeit er für sein kleines Kind trotz all der Koalitions- und SPD-Krisen findet. Auch fehlte in den vielen Porträts des neuen Porsche-Chef Michael Leiters die Info, welche Schulfächer seine Kinder mögen und ob er ihnen am Wochenende bei den Hausaufgaben hilft.
Es lohnt sich, auch mit Männern über so etwas zu sprechen, denn auch sie sind Menschen und haben ein (Privat-)Leben. Was für Gespräche dabei entstehen können, lässt sich in Fränzi Kühnes Buch „Was Männer nie gefragt werden“ nachlesen.
12 Kommentare
Dem stimme ich zu 100% zu.
Neben dem offensichtlich sexistischen Beigeschmack dieses medialen Ungleichgewichts hat das übrigens noch eine andere Auswirkung, die hier nicht thematisiert wird: Da Männer so gut wie nie öffentlich gefragt werden zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie, ist es auch kaum sichtbar, wie schwer es eben auch den (vielen) Männern fällt, die sich wirklich um die Familie kümmern wollen. Das führt dann zusammen mit den klassischen Rollenbildern (Papa holt das Geld rein, Mama kümmert sich um die Kids) dazu, dass die ganze Mühe nicht ernst genommen wird, was dann wiederum an der Motivation kratzt (hallo Teufelskreis).
Ich weiß, das klingt jetzt ein bisschen wie „die armen Männer haben’s doch so schwer“-Rumgeheule. Aber genau das ist ja der Punkt mit dem Bild, das die Medien hier vermitteln: Es wird nicht thematisiert, dass Männern, die es „besser“ machen wollen, unnötige Steine in den Weg gelegt werden aufgrund überholter patriarchalischer Vorstellungen.
Ich habe während meiner Elternzeiten von einmal 10 und einmal 8 Monaten vor allem Neid erfahren – gewundert haben sich eigentlich nur Angehöhrige der Nachkriegsgeneration.
Es wird wirklich Zeit, dass Unternehmen, die explizit oder subtil Väter für lange Elternzeit abstrafen, dafür öffentlich gebrandmarkt werden.
„Es ist ein Problem, wenn über Titelzeilen a la „Politikerin XY zeigt: Kind und Karriere ist möglich“ der Anna Normalfrau vermittelt wird: Die ist Ministerin mit sieben Kindern – du hast nur zwei, wieso kriegst du nichts gebacken?“
Ob das tatsächlich die Titelzeile aussagen will, sei mal dahingestellt, aber wenn man sich die Herkunft von von der Leyen anguckt und die von ihrem Mann, wird schon klar, warum die das „gebacken“ bekam. Und, wenn das ein Trost ist, ihre Facharztausbildung hat sie abgebrochen, nachdem sie Zwillinge bekam.
(Und dass sieben Kinder zumindest beim Familienministerium ein Gegenargument gewesen sein sollen, halte ich mal für abwegig.)
Aber ja, man sollte solche Fragen auch Männer fragen. Oder ist das verboten?
@ #3: „(…) warum die das „gebacken“ bekam.“
Genau, wer Allem einfach Geld hinterherwerfen kann, der kriegt auch Alles gebacken. Auch das ist also wieder mal eher eine Verteilungs-, als eine Geschlechterfrage. Aber Bücher müssen nun mal verkauft werden.
„Genau, wer Allem einfach Geld hinterherwerfen kann, der kriegt auch Alles gebacken.“ Das wäre vermutlich auch bei vielen männlichen Elternteilen in Spitzenpositionen die Erklärung.
Gerade im Fall von von der Leyen halte ich „Warum schafft die das und Du nicht?“ für bestenfalls eine sehr rhetorische Frage und schlimmstenfalls für eine sehr dumme.
Aber ja, die Frage kann geerell auch Männern gestellt werden. Wobei 2021 sich schon jemand aufregte, warum eine Frau Baerbock wegen ihrer Kinder gefragt wurde und ein Herr Laschet nicht. (Spoiler: Laschets Kinder waren da schon alle erwachsen…)
Gute Fragestellung. Ich bin zweigeteilt: Einerseits stimmt es, dass es ein Missverhältnis gibt: Männer werden das nicht gefragt. Andererseits interessiert es mich – ganz ehrlich – nicht, wie Politiker, Wirtschaftsleute und so weiter ihr Privatleben führen.
Ich mag diesen People-Ansatz überhaupt nicht. Denn das Privatleben sagt mMn nichts über die Eignung für den Job aus.
Mein Ansatz wäre eher konservativ: Fragt nach Positionen, Ansichten, Ideen. Das Privatleben wäre höchstens dann von Interesse, wenn es den öffentlichen vorgetragenen Positionen krass zuwiderläuft. Also eigentlich fast nie.
Bei von der Leyen erklärt sich die Vereinbarkeit übrigens schon durch die immer wieder kolportierte groteske Überlänge der Kiesauffahrt zum Anwesen der Albrechts (von der Leyens Familie).
@ #5: „Das wäre vermutlich auch bei vielen männlichen Elternteilen in Spitzenpositionen die Erklärung.“ Genau, deswegen schrieb ich ja „Auch das ist also wieder mal eher eine Verteilungs-, als eine Geschlechterfrage.“
„Was mittlerweile immerhin oft thematisiert wird, sind die privilegierten Bedingungen, unter denen viele der Ausnahmefrauen ihre Ausnahmeleistungen bringen: Au-Pairs, Omas, Haushaltshilfen, Ganztagskitas und vieles mehr.“
All das trifft natürlich auch auf Männer zu.
Es ist keine Geschlechterfrage. Wer Bücher über Geschlechterfragen verkauft, wird es aber so aussehen lassen wollen.
@Chateaudur:
Da bin ich entschieden anderer Ansicht. Die vermeintliche Trennung von „privat“ und „beruflich“ ist ein zentraler Grund dafür, dass Macht und Politik bis heute überwiegend männlich besetzt sind – praktisch wie ideologisch.
Das ist mir während und nach den Wintereinbrüchen der letzten Wochen hier in Hamburg wieder besonders aufgefallen: Die Konzepte der Stadtreinigung setzen dieselben Prioritäten, die man vielerorts in der Stadtpolitik sieht. Ergebnis: Pflegebedürftige Menschen, Menschen mit unsicherem Gang, Menschen mit Kinderwagen oder auf dem Fahrrad werden nicht nur übersehen – ihnen werden, damit Autoverkehr „funktioniert“, teils sogar zusätzliche Hindernisse in den Weg geräumt.
Das passiert nicht unbedingt aus böser Absicht. Es ist vor allem ein Perspektivenproblem: Die Sicht des Autofahrers ( und die ist bei uns in der Konsequenz eher eine männliche ) im Stau dominiert über jedes Maß.
Und weil Frauen nach wie vor den Löwenanteil der Care-Arbeit leisten, haben sie oft einen anderen, sehr konkreten Blick darauf, was gute Stadtpolitik bedeutet. Ich gehe sogar so weit zu sagen: Die Pariser Verkehrswende mit ihren sichtbaren Erfolgen wäre in dieser Konsequenz wahrscheinlich nur mit einer Bürgermeisterin anschiebbar gewesen.
°Wer Bücher über Geschlechterfragen verkauft, wird es aber so aussehen lassen wollen.° Wenn man nur einen Hammer hat, ist die Welt halt voller Nägel.
Als alleinerziehender Vater in ein einer Führungsperson in einem Konzern habe ich die genau entgegengesetzte Erfahrung:
Männer werden nie gefragt, „wie Sie irgendetwas eigentlich schaffen.“ Sie müssen es einfach schaffen. Punkt. Zwei Kinder sind da nur eine weitere Zeile in einer langen To-Do Liste, in der alles gleich wichtig, Prio eins, ist.
Liebe Frauen, freut euch doch einfach über die Anteilnahme an dieser riesigen Aufgabe. Diese erfahren wir Väter nämlich nicht.
Ich denke mir mal, bei Männern geht man einfach davon aus, dass Ihnen Frauen den Rücken freihalten. Die richtigen Fragen wäre also bei beiden Geschlechtern:
„Managen Sie Kinder und Familie mit einem/r Partner/in gemeinsam oder haben Sie andere Unterstützer/innen? Welchen Anteil leisten öffentliche Einrichtungen ? Welche finanziellen Mittel benötigt man zur Bewältigung der Aufgaben? Sollte man Alleinerziehende nicht endlich mal besser unterstützen?“
„Ich denke mir mal, bei Männern geht man einfach davon aus, dass Ihnen Frauen den Rücken freihalten.“ Oder Männern macht man nicht den Vorwurf, dass die ihre Kinder vernachlässigten, denn Kinder bräuchten angeblich keine Väter.
Sie haben schon recht, das könnte man alles fragen, aber wer davon ausgeht, die Antwort zu kennen, ist halt kein guter Interviewer.
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Dem stimme ich zu 100% zu.
Neben dem offensichtlich sexistischen Beigeschmack dieses medialen Ungleichgewichts hat das übrigens noch eine andere Auswirkung, die hier nicht thematisiert wird: Da Männer so gut wie nie öffentlich gefragt werden zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie, ist es auch kaum sichtbar, wie schwer es eben auch den (vielen) Männern fällt, die sich wirklich um die Familie kümmern wollen. Das führt dann zusammen mit den klassischen Rollenbildern (Papa holt das Geld rein, Mama kümmert sich um die Kids) dazu, dass die ganze Mühe nicht ernst genommen wird, was dann wiederum an der Motivation kratzt (hallo Teufelskreis).
Ich weiß, das klingt jetzt ein bisschen wie „die armen Männer haben’s doch so schwer“-Rumgeheule. Aber genau das ist ja der Punkt mit dem Bild, das die Medien hier vermitteln: Es wird nicht thematisiert, dass Männern, die es „besser“ machen wollen, unnötige Steine in den Weg gelegt werden aufgrund überholter patriarchalischer Vorstellungen.
Ich habe während meiner Elternzeiten von einmal 10 und einmal 8 Monaten vor allem Neid erfahren – gewundert haben sich eigentlich nur Angehöhrige der Nachkriegsgeneration.
Es wird wirklich Zeit, dass Unternehmen, die explizit oder subtil Väter für lange Elternzeit abstrafen, dafür öffentlich gebrandmarkt werden.
„Es ist ein Problem, wenn über Titelzeilen a la „Politikerin XY zeigt: Kind und Karriere ist möglich“ der Anna Normalfrau vermittelt wird: Die ist Ministerin mit sieben Kindern – du hast nur zwei, wieso kriegst du nichts gebacken?“
Ob das tatsächlich die Titelzeile aussagen will, sei mal dahingestellt, aber wenn man sich die Herkunft von von der Leyen anguckt und die von ihrem Mann, wird schon klar, warum die das „gebacken“ bekam. Und, wenn das ein Trost ist, ihre Facharztausbildung hat sie abgebrochen, nachdem sie Zwillinge bekam.
(Und dass sieben Kinder zumindest beim Familienministerium ein Gegenargument gewesen sein sollen, halte ich mal für abwegig.)
Aber ja, man sollte solche Fragen auch Männer fragen. Oder ist das verboten?
@ #3: „(…) warum die das „gebacken“ bekam.“
Genau, wer Allem einfach Geld hinterherwerfen kann, der kriegt auch Alles gebacken. Auch das ist also wieder mal eher eine Verteilungs-, als eine Geschlechterfrage. Aber Bücher müssen nun mal verkauft werden.
„Genau, wer Allem einfach Geld hinterherwerfen kann, der kriegt auch Alles gebacken.“ Das wäre vermutlich auch bei vielen männlichen Elternteilen in Spitzenpositionen die Erklärung.
Gerade im Fall von von der Leyen halte ich „Warum schafft die das und Du nicht?“ für bestenfalls eine sehr rhetorische Frage und schlimmstenfalls für eine sehr dumme.
Aber ja, die Frage kann geerell auch Männern gestellt werden. Wobei 2021 sich schon jemand aufregte, warum eine Frau Baerbock wegen ihrer Kinder gefragt wurde und ein Herr Laschet nicht. (Spoiler: Laschets Kinder waren da schon alle erwachsen…)
Gute Fragestellung. Ich bin zweigeteilt: Einerseits stimmt es, dass es ein Missverhältnis gibt: Männer werden das nicht gefragt. Andererseits interessiert es mich – ganz ehrlich – nicht, wie Politiker, Wirtschaftsleute und so weiter ihr Privatleben führen.
Ich mag diesen People-Ansatz überhaupt nicht. Denn das Privatleben sagt mMn nichts über die Eignung für den Job aus.
Mein Ansatz wäre eher konservativ: Fragt nach Positionen, Ansichten, Ideen. Das Privatleben wäre höchstens dann von Interesse, wenn es den öffentlichen vorgetragenen Positionen krass zuwiderläuft. Also eigentlich fast nie.
Bei von der Leyen erklärt sich die Vereinbarkeit übrigens schon durch die immer wieder kolportierte groteske Überlänge der Kiesauffahrt zum Anwesen der Albrechts (von der Leyens Familie).
@ #5: „Das wäre vermutlich auch bei vielen männlichen Elternteilen in Spitzenpositionen die Erklärung.“ Genau, deswegen schrieb ich ja „Auch das ist also wieder mal eher eine Verteilungs-, als eine Geschlechterfrage.“
„Was mittlerweile immerhin oft thematisiert wird, sind die privilegierten Bedingungen, unter denen viele der Ausnahmefrauen ihre Ausnahmeleistungen bringen: Au-Pairs, Omas, Haushaltshilfen, Ganztagskitas und vieles mehr.“
All das trifft natürlich auch auf Männer zu.
Es ist keine Geschlechterfrage. Wer Bücher über Geschlechterfragen verkauft, wird es aber so aussehen lassen wollen.
@Chateaudur:
Da bin ich entschieden anderer Ansicht. Die vermeintliche Trennung von „privat“ und „beruflich“ ist ein zentraler Grund dafür, dass Macht und Politik bis heute überwiegend männlich besetzt sind – praktisch wie ideologisch.
Das ist mir während und nach den Wintereinbrüchen der letzten Wochen hier in Hamburg wieder besonders aufgefallen: Die Konzepte der Stadtreinigung setzen dieselben Prioritäten, die man vielerorts in der Stadtpolitik sieht. Ergebnis: Pflegebedürftige Menschen, Menschen mit unsicherem Gang, Menschen mit Kinderwagen oder auf dem Fahrrad werden nicht nur übersehen – ihnen werden, damit Autoverkehr „funktioniert“, teils sogar zusätzliche Hindernisse in den Weg geräumt.
Das passiert nicht unbedingt aus böser Absicht. Es ist vor allem ein Perspektivenproblem: Die Sicht des Autofahrers ( und die ist bei uns in der Konsequenz eher eine männliche ) im Stau dominiert über jedes Maß.
Und weil Frauen nach wie vor den Löwenanteil der Care-Arbeit leisten, haben sie oft einen anderen, sehr konkreten Blick darauf, was gute Stadtpolitik bedeutet. Ich gehe sogar so weit zu sagen: Die Pariser Verkehrswende mit ihren sichtbaren Erfolgen wäre in dieser Konsequenz wahrscheinlich nur mit einer Bürgermeisterin anschiebbar gewesen.
°Wer Bücher über Geschlechterfragen verkauft, wird es aber so aussehen lassen wollen.° Wenn man nur einen Hammer hat, ist die Welt halt voller Nägel.
Als alleinerziehender Vater in ein einer Führungsperson in einem Konzern habe ich die genau entgegengesetzte Erfahrung:
Männer werden nie gefragt, „wie Sie irgendetwas eigentlich schaffen.“ Sie müssen es einfach schaffen. Punkt. Zwei Kinder sind da nur eine weitere Zeile in einer langen To-Do Liste, in der alles gleich wichtig, Prio eins, ist.
Liebe Frauen, freut euch doch einfach über die Anteilnahme an dieser riesigen Aufgabe. Diese erfahren wir Väter nämlich nicht.
Ich denke mir mal, bei Männern geht man einfach davon aus, dass Ihnen Frauen den Rücken freihalten. Die richtigen Fragen wäre also bei beiden Geschlechtern:
„Managen Sie Kinder und Familie mit einem/r Partner/in gemeinsam oder haben Sie andere Unterstützer/innen? Welchen Anteil leisten öffentliche Einrichtungen ? Welche finanziellen Mittel benötigt man zur Bewältigung der Aufgaben? Sollte man Alleinerziehende nicht endlich mal besser unterstützen?“
„Ich denke mir mal, bei Männern geht man einfach davon aus, dass Ihnen Frauen den Rücken freihalten.“ Oder Männern macht man nicht den Vorwurf, dass die ihre Kinder vernachlässigten, denn Kinder bräuchten angeblich keine Väter.
Sie haben schon recht, das könnte man alles fragen, aber wer davon ausgeht, die Antwort zu kennen, ist halt kein guter Interviewer.