Schlechte Beispiele für schlechten Journalismus

Susanne Gaschke beklagt in einem Essay in der „Welt am Sonntag“ die „Hybris der Journalisten“. Bei aller berechtigten Kritik an diesem Berufsstand: Mit der Hybris von Susanne Gaschke können die meisten Kollegen vermutlich doch nicht mithalten.

Susanne Gaschke
Susanne Gaschke Foto: Random House CC BY 3.0 de

Gaschke war lange Redakteurin bei der „Zeit“, scheiterte dann kurz als Kieler SPD-Oberbürgermeisterin und schreibt nun für die „Welt“.

Sie beginnt ihren Text mit drei Zitaten, die das übertriebene Selbstbewusstsein der Journalisten belegen sollen. Eines davon geht so:

Ein Mitglied der „Zeit“-Chefredaktion sagt in einem Jubiläumsinterview zum 70. Geburtstag der Wochenzeitung, wenn auch mit einem relativierenden Nachsatz: „Wir Journalisten haben eine Muezzin-Position.“

In der Tat, es gibt einen „relativierenden Nachsatz“ (den Gaschke sicherheitshalber nicht nennt). Die stellvertretende „Zeit“-Chefredakteurin Sabine Rückert sagte im „Meedia“-Interview:

Andererseits haben wir Journalisten aber immer auch eine Muezzin-Position. Was wir rufen, wird immer noch lauter gehört. Da muss man sich schon anders benehmen. Die alte Rücksichtslosigkeit nach dem Motto „Ich bin die ‚Zeit‘, ich habe recht“, kann man sich heute nicht mehr leisten. Was in Ordnung ist.

Im Kontext wird aus dem vermeintlichen zur Schau gestellten Selbstbewusstsein ein Plädoyer für Demut oder mindestens Verantwortungsbewusstsein.

Aber Frau Gaschke hat ja noch zwei Hybris-Beispiele:

Der „Spiegel“ vergleicht Journalisten in einem Artikel aus diesem Frühjahr mit den demokratisch gewählten Abgeordneten der Parlamente: „Wenn man so will, sind auch die Medien in Deutschland repräsentativ. Journalisten haben es zu ihrem Beruf gemacht, die Nachrichten zu gewichten und zu entscheiden, was wichtig und was nicht so wichtig ist“, schreiben die Autoren – und stellen ihren Lesern gleich noch die „Vertrauensfrage“.

Von einer Anmaßung, die Gaschke aus diesen Zeilen liest, bleibt nicht sehr viel übrig, wenn man die nächsten Sätze in dem „Spiegel“-Stück liest:

Nicht die einzelnen Journalisten haben die Macht, sondern die Institution, für die sie arbeiten, etwa Zeitungen oder Magazine. Sie müssen sich am Markt behaupten und können ihre Haltungen frei wählen. Von der konservativen „FAZ“ bis zur linken „taz“ war das ein über Jahrzehnte eingeübter gesellschaftlicher Prozess, der mehr oder weniger gut lief.

Das Internet hat all das durcheinandergebracht. Es fördert den antiinstitutionellen Impuls der Menschen. Das Antielitäre. Das Autonome.

Es ist ein ungewöhnlich nachdenklicher „Spiegel“-Text. Er endet mit den Sätzen:

Wir würden gern Ihre Meinung wissen über die deutschen Medien, die Arbeit von Journalisten und die Berichterstattung des SPIEGEL.

Bitte schreiben Sie uns unter: vertrauensfrage@spiegel.de

Aber Gaschke hat ja noch ein drittes Beispiel für das, was sie unter Bezug auf den verstorbenen FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher „journalistisches Übermenschentum“ nennt:

„Die Medien sind ja die vierte Gewalt“, soll ein ehemaliger Chefredakteur der „Berliner Zeitung“ einmal gescherzt haben, „aber was sind noch mal die anderen drei?“

Ein Scherz. Ein mindestens acht Jahre alter Scherz. Und der „ehemalige Chefredakteur“, der ihn gemacht haben soll, ist der überaus umstrittene Josef Depenbrock, der diese Position 2006 gegen den Widerstand der Redaktion einnahm, während einer unglücklichen Phase, in der das Blatt dem Finanzinvestor David Montgomery gehörte.

Das sind die drei Beispiele für Hybris von Journalisten, mit denen Susanne Gaschke ihren Text über die Hybris von Journalisten einleitet. Jo.

Gaschke stellt – wenig überraschend – eine Entfremdung zwischen Publikum und klassischen Medien fest, ein früher ungeahntes Maß an Unzufriedenheit. Als „wirkmächtigsten“ Trend im „journalistischen Handwerk“, der dazu beigetragen habe, macht sie – ziemlich überraschend – die Abkehr vom (partei)politisch klar verortbaren Journalismus aus:

Wer Ulrike Meinhof las oder Gerhard Löwenthals ZDF-Magazin ansah, wusste, worauf er sich einließ. Und wollte sich in seiner eigenen Weltsicht entweder bestätigt fühlen oder sich über die absurden Argumente der Gegenseite aufregen. Dem Mediennutzer wurde die Souveränität zugebilligt, den Standpunkt des Absenders einordnen zu können.

Das waren die guten alten Zeiten? In denen die Beziehung von Publikum zu Medien noch intakt war? Zeiten, in denen man wusste, wo ein Journalist stand, und deshalb auch vorher wusste, ob man sich über ihn ärgern würde oder ihm zustimmen müsste? Und überhaupt: Das ist die Aufgabe von Journalismus? Berechenbar parteiisch zu sein, um die Leute in ihren Urteilen zu bestätigen, der Übersicht halber?

Dass es keine Meinhofs und Löwenthals mehr gibt, könnte natürlich auch daran liegen, dass die Zeiten sich geändert haben, aber so zu tun, als gäbe es keine Journalisten mit Standpunkt mehr, ist völlig abwegig. Vielleicht könnte ihr jemand die Leitartikel von Jasper von Altenbockum in der „FAZ“ zeigen oder die von Heribert Prantl in der „SZ“?

Gaschke aber behauptet:

Seit etwa 20 Jahren – und vielleicht nicht zufällig parallel zu der neoliberalen Bewegung, die ja auch an eine einzige, quasi-wissenschaftliche Wahrheit in politischen und in Wirtschaftsfragen glaubte – soll der Journalismus immer entschiedener „neutral“ sein. Jedenfalls, was den politischen Standpunkt angeht (…).

Wer fordert denn das? Vielleicht das entfremdete Publikum, aber Gaschke meint ja, im Gegenteil, dass diese Pflicht zur Neutralität ein Problem sei. „Neutralität“ ist aber ohnehin ein Strohmann, denn in ihrer Ausbildung lernen Journalisten seit Jahrzehnten, dass es keine „Objektivität“ gibt. Gaschke:

Viele Verlage operieren mit Compliance-Regeln, die diese Neutralität garantieren sollen.

Ich habe noch nie von einer solchen Regel gehört. Was es gibt, zum Beispiel bei der „Zeit“, sind Regeln gegen Interessenkonflikte bei Journalisten, die ein Partei-Mandat innehaben. Aber Compliance-Regeln, die Neutralität garantieren sollen? Wirklich?

Gaschke kritisiert dann unter anderem noch die fehlende Empathie von Journalisten und den Herdentrieb und recycelt Formulierungen, Beispiele und Befunde aus einem Artikel, den sie vor sieben Jahren für die „Zeit“ geschrieben hat – ergänzt anscheinend um Verbitterung aus ihren Erfahrungen mit dem Medienbetrieb als Politikerin.

Sie hat mit ihrer grundsätzlichen Kritik an vielen Formen des Journalismus nicht Unrecht. Aber ihr Text ist das beste Beispiel für schlechten Journalismus, weil er sich nicht um Fakten schert.

Als Beispiel dafür, wie Journalisten Politikern böswillig schaden, nennt sie Klaus Wowereit, der sich von seinen Interviewern bescheinigen lassen musste, er sei eine „leere Hülle, die in Hülsen redet“. Auch hier nennt Gaschke nicht die konkrete Quelle (wie ihr Artikel auch online keinen einzigen der kritisierten Texte verlinkt). Es ist ein Abschiedsportrait von Hajo Schumacher und Benjamin von Stuckrad-Barre in der „Berliner Morgenpost“, das sich ausgiebig damit beschäftigt, wie ein Politiker – gerade auch als Reaktion auf Angriffe der Medien – sich verschließt und „verpanzert“. Der Artikel endet damit, wie Wowereit einmal „aus Versehen“ dann doch einmal konkret und persönlich und angreifbar wird – und der Sprecher hinterher sagt, das müsse er beim Autorisieren natürlich herausstreichen. Es ist ein Artikel, der genau die schwierige Beziehung von Medien und Politik beschreibt – und wohin sie führen kann. Und den wählt Susanne Gaschke als Beispiel für Journalismus, der nur verletzen will?

Noch irrer ist nur, dass sie „die (sicher ganz und gar nicht angemessene) Bezeichnung von Peer Steinbrück als ‚trauriger Clown'“ durch Journalisten beklagt.

Peer Steinbrück ist nicht als trauriger Clown bezeichnet worden. Steinbrück hatte 2013 mit Bezug auf die Wahlen in Italien gesagt, er sei „geradezu entsetzt, dass zwei Clowns gewonnen haben“. Bernhard Paul, der Chef des Circus Roncalli, hatte sich daraufhin bei ihm in einem Brief beschwert und unterschrieben mit: „Es grüßt Sie ein trauriger Clown.“

Susanne Gaschke wollte einen Artikel darüber schreiben, wie schlecht der Journalismus geworden ist, und ist gleich mal mit schlechtem Beispiel vorangegangen.

 
Medien besser kritisieren.

19 Kommentare

  1. Relativ spannend, dass in der ganzen Medien-Voreingenommenheits-Diskussion nie erwähnt wird, dass Verlage Tendenzbetriebe im arbeitsrechtlichen Sinne sind. Damit sind Kündgungen gegen Abweichler leichter möglich. Und natürlich ist ein Tendenzbetrieb keiner, der objektivem Handeln veerpflichtet ist.

  2. @Andreas Müller: Ich habe keine Ahnung, und mein Rechercheeifer war jetzt nicht so groß, einem knapp 10 Jahre altem, ohnehin nur kolportierten Zitat nachzurecherchieren. Aber Frau Gaschke selbst schreibt ja „scherzte“.

    Wenn man keine besseren Beispiele für die Hybris der Journalisten findet …

  3. Das ist tatsächlich dünn. Das Thema lässt sich nicht so einfach mit 3 unterkomplexen Beispielen belegen. Die Frage nach der persönlichen Hybris der Protagonisten sollte auch nicht das Hauptthema sein, denn diese folgt selbst der allgegenwärtigen (und schädlichen) Tendenz zur Moralisierung des Politischen.
    Die entscheidenden Fragen sind die nach der sehr geringen Bandbreite der „Tendenzen“ in scheinbar so zahlreichen „Betrieben“ und die tatsächlich regelmäßig nachweisbar geringe Faktentreue/Ehrlichkeit bei besonders politischen Themen. Zum letzten Punkt immerhin hat ja Übermedien schon das eine oder andere geliefert.

  4. Gute Beispiele für schlechten Journalismus gibt es aber schon eine ganze Menge – nicht nur auf meiner Seite, sondern auch anderswo.
    Ausdauernd gepfuscht, gelogen, vertuscht wird vor allem bei folgenden Themen: Ausländerkriminalität, Flüchtlingskrise, EU, Gender-Mainstreaming, Afd.
    Bei Übermedien liest man hierzu leider viel zu wenig…
    Hier wird lieber auf Schreihals Udo Ulfkotte rumgehackt.
    Damit macht Ihr es Euch aber etwas zu einfach – finde ich.

  5. 6, „Ben Truth“:
    Hab mir mal gerade ihre Seite angeschaut. Zitat: „Iris Klingelhöfer [Express] und der Geistliche bilden eine denkbar unheilige Allianz:
    Sie verfestigen bei unbeteiligten Beobachtern den Eindruck, das deutsche Volk ließe sich von einer Schar brutaler Henker widerspruchslos zum Schafott führen und abschlachten.“
    Sie sind ein widerlicher Nazi-Schreiber. Trollen Sie sich doch besser zu Ulfkotte rüber.

    Zum Thema. Susanne Gaschke und ihre Ex-Chefin Sabine Rückert sind etwa aus gleichem Holz. Komplett von sich eingenommen, mit Hybris geradezu vollgesogen. Gaschkes Auftreten als Politikerin in Kiel war schon nicht mehr von dieser Welt. Und bei Sabine Rückert erinnere ich nur an ihr Verhalten im Kachelmann-Verfahren und im Fall Gustl Mollath. Geradezu unterirdisch arrogant – und journalistisch komplett verpeilt.

    Guter Beitrag, Stefan Niggemeier!

  6. @7 Theo
    Danke für den Hinweis auf die Verbindung von Sabine Rückert mit dem Fall Mollath. „Ein Kranker wird Held“: Das ist doch exakt der Beitrag für den die vornehme ZEIT vom Presserat gerügt wurde, der einzige Fall dieser Art in ihrer Geschichte.
    Damals dachte man wirklich, das sei ein journalistischer Tiefpunkt, der so schnell nicht mehr erreicht wird. Inzwischen wird immer mehr Lesern klar: es ist fast der Normalfall in der Arbeit vieler Blätter. Der große Ausnahmefall war es nur für den Presserat, der da einen seltenen Moment der Erleuchtung hatte.
    „Gaschkes Auftreten als Politikerin in Kiel…“
    Aus heutiger Sicht sollte man sich die Fakten und die Berichterstattung dazu nochmals ansehen. Wenn der Mini-Augstein ihr vorgeworfen hat, dass sie Ralf Stegner in herzlicher Abneigung verbunden war, dann sind das aus heutiger Sicht zwei Bonuspunkte für Gaschke mit einem einzigen Satz (den sie nicht einmal selbst geschrieben hat). Am Ende doch ein tapferes Schneiderlein?

  7. Wieso kann ich nicht weiterlesen, obwohl ich als Abonnent eingeloggt bin ?

  8. „Die entscheidenden Fragen sind die nach der sehr geringen Bandbreite der „Tendenzen“ in scheinbar so zahlreichen „Betrieben“ und die tatsächlich regelmäßig nachweisbar geringe Faktentreue/Ehrlichkeit bei besonders politischen Themen. Zum letzten Punkt immerhin hat ja Übermedien schon das eine oder andere geliefert.“
    Das ist ein interessanter Punkt der einem als „neutralen“ Leser verzweifeln lässt. Woher Informationen nehmen, wenn fast überall nur noch Meinungsjournalismus betrieben wird.
    Oft genug gibt es zwischen FAZ und TAZ und Tichys Einblick und Edition F nichts mehr. Als müsste man sich als Blatt und Journalist für eine Seite entscheiden.
    Das ist dem Wesen einer sachlich-neutralen Berichterstattung wenig dienlich.

  9. @8:

    „Inzwischen wird immer mehr Lesern klar: es ist fast der Normalfall in der Arbeit vieler Blätter.“

    „Immer mehr“ ist unter allen Nebelkerzen eine der simpelsten Konstruktionen. Und damit kennen Sie sich aus.

  10. @11
    Das „immer mehr“ ist in diesem Fall nichts als eine Trivialität. Allein die Entstehung von Meta-Medien wie Uebermedien belegt das seither massiv gewachsene Unbehagen über die Arbeit der Medien. Dazu kommen Essays zum unbelangbaren Alphajournalismus, u.a. von Schirrmacher und Meyer.
    Man muss sich auch die Kontroverse über den Fall Kachelmann mit Rückert nochmals im Detail ansehen:
    http://meedia.de/2011/04/12/der-mediale-missbrauch-im-fall-kachelmann/
    Die Vorwurf des medialen Missbrauchs wird hier geradezu absurd sophistisch verwendet. Die Kritik am Stil Rückerts scheint mir berechtigt gewesen zu sein, weil sie Prozessberichterstattung mit Kommentierung vermischt hat. Das ist aber inzwischen Alltag in deutschen Redaktionsstuben, war es gerade in diesem Fall, und es wurde Rückert aus den falschen Gründen vorgeworfen: Sie lag in ihren Kommentaren inhaltlich richtig und hatte sich damit deutlich gegen den Shamestream gestellt. Dieser hat im Fall Kachelmann versucht, die Justiz zu missbrauchen, um eine am wirklichen Leben scheiternde Ideologie zu verteidigen. Inhaltlich hat Sabine Rückert da voll ins Schwarze getroffen mit ihrer Häme über Frauen, die sich einem Mann unterwerfen bis zur totalen Selbstaufgabe und am Schluss statt der Selbsterkenntnis eine Vergewaltigung finden. Häresie!
    Das ist die große Parallele zu 2016: hemmungsloses Lügen zur Rettung gescheiterter, aber unantastbar „heiliger“ Ideologien, die inzwischen über allem stehen: über den Fakten, über der Rechtsstaatlichkeit und (last and least) über der demokratischen Mitbestimmung der Massen. Journalisten haben sich in beiden Fällen aufgeführt wie eine aristokratische, ja priesterliche Kaste. Bekämpft wird selten mangelhafte Arbeit, fast immer aber der Häretiker.
    Und es ist natürlich sehr aufschlussreich zu lesen, wie vehement Sie sich auch hier positionieren: nicht auf der handwerklichen, sondern auf der strenggläubigen Seite.

  11. (Susanne Gaschke und ihre Artikel wirken auf mich wie eine dieser Mütter, die ihr Kind zu spät und nicht eingecremt in den Kindergarten bringen und dazu den schwarzen Audi vor dem Notausgang parken: Hektisch, laut, selten von Substanz. Aber ok, das ist mein Kommentar auch.)

  12. für frau gaschke war offb das ende ihrer kieler karriere ein damaskuserlebnis — ihre produktionen noch in der Zeit waren immer wieder paradebeispiele für eben die beklagte hybris.
    besonders unangenehm in erinnerung ein artikel auf der kinderseite zum „tag des urheberrechts“ — als gelernter ostdeutscher hat mich der in seiner diktion und einseitigkeit gruseligst an alte zeiten erinnert …

  13. Die Hybris eines großen Teil der Qualitätsmedien besteht darin, sich über ihr Publikum zu erheben, und eine eigenen Agenda zu verfolgen, die die Veränderung des Landes zum Ziel hat. Nach dem Motto:
    „Straftaten von Immigranten – das können wir so nicht schreiben, weil das die von uns gewünschte Willkommenskultur in Frage stellt“, „Selbstkritik der Medien – das können wir nicht bringen, das nützt nur der AfD“. Der Wutjournalist, der mit Schlagworten wie Nazi, Pegida, braun, völkisch, AfD, Rechtspopulismus wild um sich wirft, um eine gesellschaftlich notwendige Diskussionen zu unterbinden. Rechtsbrüche der Politik, die in den sogenannten Qualitätsmedien nicht oder nicht hinreichend thematisiert werden. Journalisten, die gegen mehr direkte Demokratie schreiben, weil sie denken, dass die politischen Fragestellungen so komplex seien, dass nur Journalisten sie durchschauen könnten, und nicht die Mehrheit der Bürger dieses Landes. Journalisten, die glauben, dass Europa, dass von vielen Menschen argwöhnisch beäugt wird, nur von oben gegen die zweifelnde Bevölkerung durchgesetzt werden kann.
    Intellektuelle und moralische Hybris sehe ich jeden Tag in den Medien.

  14. Ist ja billig, in den Kanon einzustimmen und mit draufzuhauen. Hier kann ich aber nicht anders. Denn tatsächlich ist mir Susanne Gaschke schon zu ihrer ZEIT-Zeit mit bewusst manipulativen und verfälschenden Textbeiträgen aufgefallen, weshalb mir der Name in negativer Erinnerung geblieben war. (Und das soll bei meinem unterentwickelten Faktengedächtnis wirklich was heißen.)

    Ich maße mir zwar nicht an, Frau Gaschkes Lebenswerk zu beurteilen, aber in der Summe festigt sich doch der Eindruck, dass sie sehr von sich überzeugt und bei der Wahl ihrer Mittel zur Verbreitung dessen, was sie persönlich für richtig und zu sagen erforderlich hält, wenig zimperlich ist. Selbstzweifel scheinen sie nicht zu plagen, was im Grunde beneidenswert, aber eben keine gute Voraussetzung für guten Journalismus ist.

  15. Das Problem hier ist das Frau Gaschke die falschen Hybris Beispiele gewaehlt hat die wiederlegt werden koennen. Aber es gibt genuegend Beispiele aus dem letzten Jahr aus der Phoenix-Runde oder im Presseclub. Z.B. mit der 4. Gewalt. In der Phoenix-Runde und bei anderen Polit-Talks habe ich das im letzten Jahr mehrmals gehoert. Leider habe ich nicht notiert von wem und in welcher Sendung.
    Aber selbst jetzt auf der Home Page von Uebermedien ist ja noch das Interview mit Giovanni di Lorenzo http://uebermedien.de/465/wo-ich-lautstarke-medienjournalisten-erwarte-hoere-ich-ohrenbetaeubendes-schweigen/. Einerseits ist er Kritisch, aber doch auch sehr stark relativierend.

  16. Auch ein kurzer (redaktioneller) Hinweis auf Frau Gaschkes wohl nicht jedem geläufiges politisches Intermezzo hätte dem Text sicher nicht geschadet – dafür müsste der Autorin noch nicht mal an Transparenz gelegen sein, nur dem Medium, in dem sie veröffentlicht. Bezeichnend, dass die Welt von Stefan Aust geleitet wird, zu dessen Zeiten Selbstkritik beim Spiegel ungefähr so beliebt war wie dieses Internet

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