Das macht die „Huffington Post“ mit Einwanderern

Wie oft wurde schon, hier und andernorts, kritisiert, wie scham- und rücksichtslos die „Huffington Post“ um Klicks bettelt, vor allem auf Facebook. Aber die so genannten Journalisten dort machen es immer wieder und sie untertreffen sich dabei ein ums andere mal selbst. Auch heute wieder:

"Huffington Post" Screenshot Facebook

Screenshot: facebook.com/huffingtonpostde

Erraten Sie es, was die Einwanderer da mit unseren deutschen Kindern machen? Das steht da ja so: „Das machen Einwanderer mit deutschen Kindern“, und es gibt „1000 Fälle im Jahr“ – Fälle, verstehen Sie? Woran denken Sie da? Auch wenn Sie das (Symbol-)Foto dazu sehen, lauter dunkelhaarige Kerle, der eine mit Bart, böse dreinblickend, der andere mit Handy – ach, genau! Die filmen unsere Kinder! Und verkaufen die Filme wahrscheinlich ins Ausland, sind ja Ausländer! Ist es das?

Nein, geben Sie sich keine Mühe, Sie werden nicht drauf kommen. Klickt man auf den Link, was man ausdrücklich nicht tun sollte, gibt es dort ein Video, in dem erzählt wird, dass mit der zunehmenden Migration nach Deutschland „auch die Namensvielfalt“ wachse. In den Geburtsurkunden spiegele sich wider, dass „Zuwanderer das Land Tag für Tag ein Stück vielfältiger“ machen. Und dann geht es um Vornamen, etwa: „Superman, Wikileaks, Waldmeister“.

Das also machen Einwanderer mit unseren deutschen Kindern!

(Uwe Ochsenknecht ist meines Wissens übrigens Deutscher, und er hat seine Kinder Wilson Gonzales, Jimi Blue und Cheyenne Savannah genannt, aber das nur nebenbei.)

Die „Huffington Post“ betreibt Clickbaiting, das offenbar ganz gezielt rassistische Reflexe triggern soll – und triggert. Mehr Beispiele? Bitte:

Screenshot "Huffington Post" Facebook
Screenshot: facebook.com/huffingtonpostde
Screenshot "Huffington Post" Facebook
Screenshot: facebook.com/huffingtonpostde
Screenshot "Huffington Post" Facebook
Screenshot: facebook.com/huffingtonpostde

Die Flüchtlinge haben den „hilflosen Rentnern“ geholfen, der Mann aus dem Jemen hat das gefundene Geld bei der Polizei abgegeben, und hinter dem Post ganz unten wird Erich Kästners Gedicht „Die andere Möglichkeit“ rezitiert, in dem Kästner ausmalt, wie (schrecklich) dieses Land wäre, „wenn wir den Krieg gewonnen hätten“ – worunter die „Huffington Post“ Bilder von Pegida, Lutz Bachmann oder Flüchtlingen gelegt hat. Und nun schauen wir noch mal auf das Symbolbild im Posting, mit dem die „Horrorvision“ bebildert wird.

Aber um die Geschichten hinter den Links geht es ja eigentlich gar nicht. Die Leute sollen klicken, kommentieren. Und sie tun es: In den jeweiligen Kommentaren grassieren Hohn und Spott, nicht selten tropft Hass aus den Zeilen. Zum neuesten Posting, dem mit den Vornamen, schreibt zum Beispiel jemand: „Was für ein kultureller Gewinn – endlich wieder ein paar Mustafas und Fatimas mehr in Deutschland! Habt ihr überhaupt noch alle Latten am Zaun?“ Oder: „Kein Türke würde auf die Idee kommen, seinem Kind den Namen ‚JOSEF‘ oder ‚MARIA‘ zu geben.“ Zum Glück gesellen sich immer öfter jene dazu, denen die Masche der „Huffpo“ auf den Sack geht: „Ihr würdet für einen Klick auch Eure Seele verkaufen, oder?“

Ob er seine Seele verkaufen würde, ist nicht überliefert, ganz bestimmt aber wird „Huffington Post“-Chefredakteur Sebastian Matthes das sicher bald wieder feiern, was da so „Hitziges“ bei ihnen los ist in den Kommentaren, wie er es Anfang des Jahres schon tat, und Cherno Jobatey, der Herausgeber, wird ihm dann bestimmt grinsend auf die Schulter klopfen.

Inzwischen, offenbar aufgrund von Kritik, hat die „Huffington Post“ das Posting zum Vornamen-Beitrag übrigens umgeschrieben. Chefredakteur Matthes nennt den Eintrag nun via twitter „einen Fehler“, er habe „so nie erscheinen dürfen“ und: „Wir lernen daraus“. Und doch ist es eher unwahrscheinlich, dass diese kurzfristige Einsicht langfristig etwas ändert.

Screenshot "Huffington Post" Facebook
Screenshot: facebook.com/huffingtonpostde

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17 Kommentare

  1. Uwe Ochsenknecht stammt aber aus Biblis. Vielleicht steht das ja im Zusammenhang mit den „verstrahlten“ Namen seiner Kinder.

  2. Vielleicht kann man den Rechten mit dieser Honeypotmethode auch mal Nachrichten jenseits von compact, pi oder anderen verschwörungstheoretischen Quellen unterbreiten. Im Zeitalter der Überschriftenleser kann das natürlich sehr nach Hinten los gehen.

  3. Die Anreißer sind so übertrieben – man könnte sie glatt für Satire halten.
    Das kommt mir echt vor wie Postings vom Postillon. Leider sind die hier wohl wirklich ernst gemeint.

  4. Ekel. Hass. Sex. Katzen. Clickbait funktioniert nicht mit vielen Triggern. Und da die HuffPost gerne für eine seriöse Quelle politische Berichterstattung gehalten wird, geht im Moment halt nur Hass. Deswegen auch die Flüchtlinge. Funfact dazu: Facebook belohnt Posts, die Interaktion (Kommentare, Likes, Shares) haben mit Reichweite (mehr Leuten der HuffPo-Seite und auch mehr Leuten außerhalb wird der Post angezeigt), wodurch die Klickzahlen steigen (denn mehr Reichweite bei einer guten CTR bedeuten mehr Klicks auf der HuffPo-Seite).
    Das System funktioniert also nicht nur, es ist auch noch selbstverstärkend. Ich glaube übrigens nicht, dass HuffPo-Leute für Clicks ihre Seele verkaufen würden. Dazu mögen die sich selbst zu sehr. Aber Flüchtlingskinder oder Syrernieren, das bestimmt.

  5. Warum eigentlich noch so viel Mühe, da ist ja noch viel zu viel Bezug zum Inhalt des Artikels. Mein Vorschlag für Zukünftige Artikel:
    „Mord an Katzenbabies! Was dieser Ausländer macht, ist schrecklich!
    (Denn er muss ohne Familie nach Deutschland reisen. Auf unsere Nachfrage hält er Mord an Katzenbabies für eine abscheuliche Idee)“

    „Wir brauchen wieder einen kleinen Hitler!
    (Ist etwas, was wir nicht unterstützen, aber eine alte Frau in einem Laden hat uns das ins Mikrofon gesagt)“

  6. Die meisten Beispiele sagen viel mehr über die Leser der Huffington Post aus als über die Huffington Post selbst. Ich würde jedenfalls bei dem Schlagzeilen auf ganz andere Gedanken kommen.

    Bei einer Schlagzeile des Inhalts „Jemand sah eine hilfslose Person und wusste sofort, was zu tun war“ ist meine erste Assoziation: Da hat der Betreffende also Glück gehabt, es jemand anwesent, der madizinisch ausgebildet ist (oder zumindest noch profunde Kenntnisse aus dem Erste-Hilfe-Kurs hat). Und bei einer Schlagzeile des Inhalts „Jemand findet Geld und tut, was von erwartet“ denke ich „Jawoll, es gibt tatsächlich noch ehrliche Menschen“. Jemand tut, was man von ihm erwartet – das ist doch generell immer positiv, oder? Was sind das für Menschen, die bei einer Aussage wie „tut, was man erwartet“ etwas negatives hineininterpretieren?

    Bei der Schlagzeile „Das machen Einwanderer mit deutschen Kindern“ dachte ich erst mal „Hä? Was sollen die denn machen?“ Irgendetwas negatives kann es nicht sein, das wäre bereits überall thematisiert worden. Bringen die Einwanderer den deutschen Kindern Schokolade mit, wie am Ende des zweiten Weltkriegs die amerikanischen Soldaten?

    Selbst wenn die im Text geäußerte Assoziation „Die filmen unsere Kinder! Und verkaufen die Filme wahrscheinlich ins Ausland, sind ja Ausländer!“ richtig wäre, stellt sich die Frage: Was wäre denn daran schlimm? Es reisen deutsche Touristen nach Afrika und filmen dort die auf der Straße spielenden Kinder. Sie reisen zurück ins Ausland (also nach Deutschland) und erstellen aus ihren Aufnahmen ein öffentlich zugängliches Reiseblog oder verkaufen die Aufnahmen gegen Honorar an Reisemagazine. Wieso sollten ungekehrt Menschen aus anderen Teilen der Welt nicht filmen, wie hier in Deutschland die Kinder nicht mehr frei auf der Straße spielen können, sondern brav an der Hand ihrer Eltern gehen müssen, um im Autoverkehr nicht unter die Räder zu kommen?

    Nur die Schlagzeile „100 Jahre alte Horrorvision“, die lässt mich ratlos dreinblicken. Die Auflösung passt aber auch nicht: Das Gedicht „Die andere Möglichkeit“ ist noch lange keine 100 Jahre alt.

    Das ist alles ganz komisch. Woher wissen die Redakteure der Huffington Post, daß diese Schlagzeilen bei ihren Lesern negative Assoziationen wecken? Warum wecken die überhaupt bei den meisten Lesern negative Assoziationen? Kann mir das mal jemand logisch nachvollziehbar erklären?

  7. Ich glaube, arabischsprachige Einwanderer würden ihre Kinder eher Maryam und Yusuf nennen als Maria und Josef, aber was sollen die Sachargumente?

  8. „Auch wenn Sie das (Symbol-)Foto dazu sehen“
    Ahne ich bereits, dass das, was sie angeblich tun sollen, höchstwahrscheinlich genauso harmlos ist, wie die Leute auf dem Bild aussehen. Ergo: man sieht den Köder beinahe sofort, wenn man nicht wutblind ist. Spätestens beim zweiten Mal.
    Die HuffingtonPost treibt hier ein Geschäftsmodell auf eine beinahe satirische Spitze, das auch der Spiegel so ähnlich, aber bösartiger, betreibt. Oder glaubt hier jemand, dass Augstein und Diez an das glauben, was sie in ihren Kolumnen zum Besten geben, die „Philosophie des Flüchtlings“ zum Beispiel? Im Gegensatz zur HuffPo hetzt der Spiegel ungebrochen wirksam. Wer tiefer bohren will, mag darin den Unterschied von deutschem Autoritarismus gegen aufklärerischen angelsäschischen Humor erkennen. Schon der alte Augstein wusste ja nie, ob er den deutschen Nationalismus (und den geistigen Hegelianismus) verdammen, schüren oder doch lieben wollte. Nur wirklich auf den Arm nehmen konnte er ihn nie.

  9. @Mycroft: Nicht unbedingt. Vielen ist klar, dass die Chancen ihrer Kinder mit deutschen Namen höher sind später einfacher ins Berufsleben einzusteigen. Entsprechend werden einfach auszusprechende Namen ihrer Muttersprache genommen, Namen die sich leicht eindeutschen lassen, oder gleich die deutsche Entsprechung traditioneller Namen. Oder man macht es so wie ein Arbeitskollege von mir und beantragt eine Namensänderung von für deutschsprachige Münder fast unaussprechlich zu urdeutsch.

  10. „Woher wissen die Redakteure der Huffington Post, daß diese Schlagzeilen bei ihren Lesern negative Assoziationen wecken?“

    Nun, sie sind schlauer als Daniel Rehbein?

  11. Man erkennt immer wieder Muster der FUD-Propaganda (Fear, Uncertainty, Doubt). Das Clickbaiting zu Glyphosat, gegen die AfD oder zum Thema Klimawandel, um nur wenige Beispiele zu nennen, basiert aber auf denselben Mechanismen.

  12. Jetzt habe ich mal bei Wikipedia geguckt, was über den Jobatey steht: Er ist Pate der Aktion „Schule ohne Rassismus“.
    Jetzt erklär mir mal eine_r, wie er das mit solchen Schlagzeilen (die ja ganz offenbar auf die rechte Gruppierung zielt) mit seinem Gewissen vereinbart.
    Klicks sind nicht alles im Leben

  13. Ist doch toll. Da klicken die ganzen Verrückten auf den link weil sie denken: „der Syrer hat bestimmt die Rentner verprügelt“ und kriegt dann die positive Geschichte.
    Ideal um verbohrten Rechten andere Nachrichten als die von PI zukommen zu lassen. Ist doch ne gute Idee…

  14. Hmm… Und das funktioniert? Ich lese die deutsche HuffPo nicht; als naiver Nutzer würde ich bei diesen plump rassistischen Teasern denken: rechtsradikale Seite, bloß weg hier. Also eher Click-Prevention als Click-Baiting.

  15. Ist doch eigentlich ne nette Idee. Dann klickt Otto Normalfascho den Artikel an in der Hoffnung, wieder eine neue, tiefböse Eigenschaft der Flüchtlinge kennen zu lernen und bekommt dann „Nachrichten“ aufgetischt, die nicht unbedingt jedes Vorurteil bestärken. Wie diese „Nachricht“ mit dem Rentner.
    Ok, ich nehm die rosarote Brille ab…

  16. @ICHBINICH und PHIL I.AM: Eine schöne Vorstellung. Leider ist es so, dass die Verdummungsmaschine Facebook die Benutzer soweit konditioniert hat, dass diese verlinkten Artikel oft gar nicht gelesen werden, sondern nur die eingebettete Vorschau. Das gilt im Übrigen auch für Videos: was man nicht direkt in Facebook anschauen kann, wird nicht gesehen, weil man dazu ja die Seite verlassen müsste.

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