Mutmenschen unter sich: Ein Journalistenpreis für Birgit Kelle

Dr. Jörg Mutschler ist Arzt und Leserbriefschreiber. Er hat in Bad Lobenstein mit Erfolg eine Reha-Klinik geleitet und im „Focus“ mit Ausrufezeichen auf beunruhigende Tendenzen in der deutschen Politik hingewiesen.

Dr. Mutschler meinte schon vor drei Jahren, dass der „Umgang mit kritischen Andersdenkenden in diesem Lande“ sich „mit Riesenschritten und freundlicher Unterstützung, auch und gerade der sog. ‚Öffentlich-Rechtlichen‘, an Zustände im Dritten Reich und in der ‚DDR'“ annähere. In der „Tagessschau“ dürften „linksradikale Fundamentalisten“ (der Publizist Patrick Gensing und der Sozialwissenschaftler Alexander Häusler) die AfD diffamieren. „Inflationär explodierende Heerscharen linker ‚Forscher'“ versuchten, das „Volk“ zum „dauerhaften, mutigen, ja heldenhaften ‚Kampf gegen Rechts'“ zu animieren, um so die „finale Vernichtung des politischen Gegners“ zu erreichen. Auch das sei kaum subtiler „als während des Dritten Reiches oder der ‚DDR‘ Diktatur“.

Vor ein paar Jahren hat Dr. Jörg Mutschler beschlossen, etwas dagegen zu tun. Er hat eine Stiftung gegründet, die „Dr. Jörg Mutschler-Stiftung“. Sie will „politische und gesellschaftliche Bildung auf der Basis von christlichen und demokratischen Werten“ fördern, zum Beispiel durch Unterstützung einer „Großveranstaltung“ der „Zivilen Koalition“ der heutigen Berliner AfD-Landesvorsitzenden Beatrix von Storch.

Mutschlers Mutschler-Stiftung hat außerdem einen mit 5000 Euro dotierten Preis ausgelobt „für politischen Journalismus, welcher herausragende Zeichen für Zivilcourage und Demokratieerhalt in Deutschland und Europa setzt“. In der vergangenen Woche wurde er zum zweiten Mal verliehen: an die Publizistin Birgit „Dann mach doch die Bluse zu“ Kelle.

Moderiert wurde die Übergabe von „Focus“-Herausgeber Helmut Markwort, der das auch schon vor drei Jahren tat, als der Dr.-Jörg-Mutschler-Preis zum ersten Mal verliehen wurde, damals an den „Focus“-Autor Michael Klonovsky und praktischerweise gleich in der „Burda-Bar“ im Burda-Verlag. (Eine Laudatio hielt ein Mann namens Matthias Matussek, der damals noch bei „Spiegel“ war. Klonovsky macht aktuell von sich reden, weil er frappierende Parallelen zwischen Angela Merkel und Adolf Hitler entdeckte und eine „womöglich fundamentale, ins Metaphysische reichende Allianz zwischen den beiden“ konstatierte.)

Diesmal fand die Verleihung im Rotonda Business-Club in Köln statt, und Markwort beglückwünschte die Anwesenden laut einem Bericht von Peter Winnemöller „zu ihrem Mut, an einer ’nichtlinken‘ Preisverleihung teilzunehmen“. Getraut hat sich auch der frühere FAZ-Herausgeber und langjährige „Bild“-Kolumnist Hugo Müller-Vogg. Er hatte sogar die Courage, die Laudatio zu halten.

Er erwähnte, dass die Preisträgerin durch ihre Auftritte in vielen Talkshows bekannt geworden sei. „Allein durch ihre starke Präsenz“, so paraphrasierte ihn der Berichterstatter, „stelle sie oft genug die Argumente der Gegner in der Diskussion kalt.“ (Soll wohl heißen: Die anderen reden, und Kelle muss bloß dasitzen, um zu gewinnen.)

Müller-Vogg schwärmte laut Winnemöller weiter:

Die Preisträgerin stehe für einen Feminismus, der Männer auch noch Männer sein läßt und Frauen wirklich stärkt. Männer und Frauen sollen sich frei entscheiden können, wie sie ihr Leben gestalten. Mütter sollten die Wahl haben, ob sie bei ihren Kindern bleiben wollen und dadurch keine Nachteile haben. Gleichberechtigung sei eben keine Gleichmacherei. Eine solche Haltung der Ehefrau und vierfachen Mutter passe natürlich den unverheirateten Superfeministinnen nicht in den Kram.

An Frau Kelle sehe man, so Müller-Vogg, was auch eine verheiratete Frau mit vier Kindern auch ohne Quote erreichen könne. (Dr.-Jörg-Mutschler-Preisträgerin werden.)

Nun ist natürlich nicht das Geringste dagegen zu sagen, dass konservative und AfD-nahe Publizisten gefördert von konservativen und AfD-nahen Gönnern einander mit Preisen auszeichnen. (Selbst wenn es konkret eine Frau ist, deren Spruch „Dann mach doch die Bluse zu“, den sie Frauen entgegenhielt, die sich über Sexismus beklagten, erstaunlich ähnlich klingt wie das, was der Salafist Sami Abu-Yusuf in Bezug auf die Kölner Silvesternacht sagte: „Diese Frauen tragen selbst die Verantwortung für die Übergriffe, weil sie halb nackt herumlaufen und sich parfümieren. Es ist nicht überraschend, dass die Männer sie attackiert haben. Sich so anzuziehen, ist wie Öl ins Feuer zu gießen.“)

Bemerkenswert ist aber, wie sehr all diese konservativen Publizisten sich als Opfer stilisieren, als verfolgte Minderheit, als mutige Menschen, die gegen den Strom schwimmen. Immerhin scheint Birgit Kelle selbst das ein bisschen zurechtgerückt zu haben, als sie in der Danksagung sagte:

„Sehr viele Frauen sagen mir, dass ich ihnen aus der Seele spreche. Von daher empfinde ich meine Arbeit gar nicht so sehr als ein Gegen-den-Strom-Schwimmen.“

Doch auf diesem Gedanken baut die ganze Inszenierung dieser publizistischen Szene auf: Sie sind zwar längst der Strom, aber sie geben sich weiter als Revolutionäre, als bewundernswerte Kämpfer, als Individuen, als Querdenker – und feiern sich für ihren „couragierten“ Journalismus. Sie beanspruchen, für den gesunden Menschenverstand zu sprechen, für die schweigende Mehrheit, und werfen sich gleichzeitig in die Pose des einsamen Rufers in der Wüste, was sich eigentlich ausschließen sollte, aber ihre Rolle ungleich wagemutiger und interessanter erscheinen lässt.

Sie saßen und sitzen an führenden Positionen in der deutschen Medienlandschaft, und sagen ununterbrochen, was man angeblich nicht sagen darf. Die Inszenierung als Opfer verleiht ihnen und ihren Positionen erst diese ganz besondere Glaubwürdigkeit und Attraktivität.

Das Symbolfoto auf der Seite von Dr. Mutschlers Mutschler-Stiftung zeigt die Selbstwahrnehmung (oder Selbstinszenierung) in ihrer ganzen Schlichtheit:

mutschler

Die „Gegenrichtung“ zum „Mainstream“ ist schon deshalb die attraktivere, weil sie suggeriert, dass alle anderen sich ja nur treiben lassen – während man selbst eigenständig denkt, individuell agiert, auch wenn man strampeln muss und es Kraft kostet. Und Mut.

Hugo Müller-Vogg zitierte bei seiner Laudatio entsprechend auch das angeblich chinesische und fast gar nicht abgegriffene Zitat: „Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom!“ Der Preis für Birgit Kelle sei nicht nur eine Auszeichnung für ihre Courage, sondern mache auch Bürgern Mut, sich gegen den Mainstream zu stellen.

Welcher „Mainstream“ ist das? Ist „Mainstream“ zum Beispiel der Versuch, erklärungsbedürftige, kontroverse Positionen bei der Frage einzunehmen, wie Kinder am besten in der Schule lernen, selbstbestimmt mit ihrer Sexualität umzugehen? Und die, die dagegen mit Übertreibungen und Falschdarstellungen, Panikmache und Populismus auf die Straße gehen, sind die mutigen Widerstandskämpfer gegen den „Mainstream“?

Man kann in der Sache über die richtigen Lehrpläne streiten, aber die Inszenierung der einen Seite als lemminghafte entindividualisierte Masse und der anderen als Gruppe einsamer, kluger, unverstandener Rufer in der Wüste – wenigstens die sollte man diesen Leuten nicht durchgehen lassen. Und nicht die Opferpose.

Birgit Kelle hat es mit ihren „mutigen“ Thesen und Positionen unter anderem in die Talkshows „Beckmann“, „Maybrit Illner“, „hart aber fair“, „Markus Lanz“ und „Menschen bei Maischberger“ geschafft. Sie schreibt und schrieb laut Wikipedia unter anderem für: „Die Welt“, den „Focus“, das katholische Online-Portal kath.net, die „Freie Welt“, das Online-Magazin des Kopp-Verlags, den „Bayernkurier“, „eigentümlich frei“ und die „Junge Freiheit“. Sie gilt und dient „Focus Online“ als „Expertin“ für Fragen der Frauen- und Familienpolitik.

Sie hat sich mit ihren konservativen Thesen und Positionen erfolgreich in den Medien etabliert. Dafür erhält sie aus den Händen von Hugo Müller-Vogg, moderiert von Helmut Markwort, den Preis eines Mannes, der meint, dass es um die Meinungsfreiheit in der Bundesrepublik fast so schlecht bestellt ist wie im Dritten Reich.

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Medien besser kritisieren.

66 Kommentare

  1. Wie ich schon beim Artikel über Anja Reschke schrieb: Bei der Inflation der Journalistenpreise wird das doch alles beliebig. Ob nun Frau Reschke zur Journalistin des Jahres gewählt wird oder Frau Kelle von einem anderen Gremiun einen Preis bekommt, who cares?

  2. „Bemerkenswert ist aber, wie sehr all diese konservativen Publizisten sich als Opfer stilisieren …“

    Stimmt, der linke medienschaffende Flügel, zudem sich ein Großteil der Journalisten zählt, stilisiert sich gegenüber dem Establishment nicht als Opfer. Weil sie das Establishment verkörpern! Bei denen erzeugt nur der Mob dicke Tränen. Kein Artikel, der nicht den heroischen Kampf „für“ das ideologieanfällige deutsche Völkchen beschreibt und wie undankbar der Mob reagiert. Wie lautet die Botschaft der Ideologiewächter? Ihr alle da draußen seit – PEGIDA – , vom Polizisten bis zum Rentner.

    „Wenn der Faschismus wiederkehrt, wird er nicht sagen: «Ich bin der Faschismus» Nein, er wird sagen: «Ich bin der Antifaschismus».“

  3. @Rainer Gerlinski
    Warum wundert es mich nicht, dass Sie die richtige Anwendung von „seid“ und „seit“ nicht kennen. Sie hatten eine 50-Prozent-Chance und haben verloren!

  4. Erstens: Das Faschismus-Zitat passt wie die Faust aufs Auge auf alles. Weil der neue Faschismus sich als genau das ausgeben wird, was er eigentlich nicht sein kann. Zweitens: Auch wenn ich die Richtung etwas diskussionswürdig finde würde es mich brennend interessieren, wo diese Mainstream-Wahrnehmung herkommt und warum sie sich – abgesehen von ihrem diskursiven Erfolg – hält. Der letzte Horst ruft „wir sind das Volk“ und glaubt dennoch, er schwimme gegen den Mainstream. Ich kenne mich mit Selbstbezeichnungen in der Politik gut aus und dennoch: Wie funktioniert das?

  5. Als ich Kelles Buch »Dann mach doch die Bluse zu« las, musste ich immer wieder feststellen, wie sie Feminismen auf einen Feminismus (à la Schwarzer) kondensierte und sich über nur halb richtig wiedergegebene Argumente von Judith Butler etc. lustig machte. Darüber hinaus ist ihr zynischer Ton dermaßen abstoßend, dass ich allein aufgrund ihrer Schreibe hätte aufhören wollen. Dabei wundert mich, wieso sie in Talkshows nicht so bissig ist …

    Ach, und viele ihrer eigenen Argumente sind übrigens von anderen Feministinnen vertreten worden, was aufzeigt, dass sie von ihrem Gegenstand keine Ahnung hat.

  6. Ich finde das auch eher merkwürdig. „Wenn bloß alle die das denken den Mund aufmachen würden“ habe ich letztens von einer dieser Personen gehört. Und immer wieder ein Renner „Sowas darf man in Deutschland ja nicht sagen!“ Kurz nachdem man es gesagt hat und weit und breit keine Sirene zu hören ist.

  7. @6 Daniel
    Kurzfristig funktioniert es mit selektiver Wahrnehmung der eigenen Position. Langfristig funktioniert es gar nicht.

  8. Eine narzistische kränkung, die einen immer von außen zugeführt wird, wird über selbsterhöhung und opferrolle kompensiert, das außen, der andere wird noch mehr als bedrohlich inszeniert oder schlicht als abnormal abgegrenzt. Das ist selbsterhaltungstrieb, verschlimmert jedoch das symptom, wenn nichts abschließend durchgearbeitet wird. Leichter und schneller ist regression.

  9. @ Daniel
    Hannah Arendt hob dank ihrer Totalitarismusforschung bereits die Gemeinsamkeiten des rechten und linken Totalitarismus hervor. Im Bezug auf – Establishment – hat ein – Wir sind das Volk – in Deutschland bereits Geschichte geschrieben und gewaltfrei ein linkes totalitäres Regime gestürzt. Historisch gesehen fast mit Alleinstellungsmerkmal.

  10. @Daniel
    Das Wortspiel „Faust aufs Auge“ bedeutet doch das etwas nicht zusammenpasst. Ist Ihr Einwurf entsprechend zu werten?

  11. Niggemeiers Artikel liest sich wie der einer übergangenen, beleidigten Leberwurst. Er mutet so peinlich an wie ein zurückgewiesener Liebhaber, dessen Typ einfach nicht mehr gefragt ist. Es mangelt ihm nun offenbar an Aufmerksamkeit in seiner einsamen, verqualmten Schreibstube : Andere kriegen Preise, er nicht. Gemein!
    Denen, die derzeit an ihm vorbeiziehen und ihren Milieus hält er piefbürgerlich nölend vor , was in seinem eigenen Milieu jahrzehntelang Gang und Gebe war. Ja, Privilegien zu verlieren tut weh. Das die Figur des jungen, rebellischen linken Gutmenschen, mit flatternden Stirnband und erhabenem Blick in die goldene Fernen zur Figur des verfetteten, faschistoiden Gesinnungsterroristen im quietschenden Bürosessel mutiert ist, passt ihm nicht. Die ältlichen, z. T. fürstlich bezahlten Lohnschreiber, die ihre medialen Stalinorgeln gegen demokratisch gewählte VolksvertretInnen richten wirken nicht mehr sexy sondern bösartig und fratzenhaft. Ihre Abonnementen bleiben weg. Den ehemaligen Partei-Proletariern (inzwischen zu Wohlstand und Bildung gekommen) bleiben die Wähler und Wählerinnen weg. Was Wunder, wirkt es doch nach wie vor unmännlich, Töchter und Schwestern mit einem Achselzucken oder zynischen Grinsen der Geilheit der Stärkeren preiszugeben. Ob den bürgerlichen Männern vor 100 Jahren oder dem muslimischen Mob auf den Domplatten der Republik. Enteierte gegenderte Halbmänner sind einfach nicht attraktiv. Das verzweifelte, hysterische Dämonisieren ihrer Gegner : das Stilisieren der AfD zur neuen NSDAP, die Pegida Spaziergänger als Heerscharen aus den Höllen der Finsternis, Naziblogger überall… wirkt lächerlich. Genauso wie alle Abgewiesenen.

  12. Angesichts des publizistischen Gebarens der (mindestens) Rechtspopulisten frage ich mich schon seit Jahren, was mehr an ihnen nervt: ihre intellektuelle Unredlichkeit, ihre empathiefreie Gehässigkeit oder doch eher ihre Weinerlichkeit? Denn sie arbeiten für Massenmedien und in deren Redaktionen, oft in leitender Position, sie publizieren ihre Inhalte in Massenmedien, sie werden von anderen Massenmedien fortwährend eingeladen, ihre Inhalte auch dort zu veröffentlichen.
    Aber in der Hitze des öffentlichen Diskurses beklagen sie umgehend „Zensur“, sobald sie sich mit ihren Argumenten stellen müssen und dabei untergehen, bejammern ein angebliches Diktat links-liberaler Medien. Dass ihre eigenen Veröffentlichungsorte, Focus etwa, kommerziell erfolglos sind und politisch immer schon irrelevant waren, nehmen sie als Beweis dafür. Es ist ein Jammerkreislauf.
    Aber, zugegeben, derzeit haben sie doch mal einen Lauf. Insofern Danke für diesen Text!

  13. wie nennt man es wenn einer in den kommentaren ein im haupttext bereits widerlegtes, falsches argument wiederholt? „Gegen den linken Mainstream“?
    cc Rainer Gerlinski

  14. Nicht ganz klar ist mir, worauf denn die Kritik genau abzielt beziehungsweise worauf sie mehr oder worauf sie weniger abzielt. Geht es um das unsägliche Gebaren von Leuten wie diesem Herrn Markwort, dessen Name sich auf Schlagwort reimt, was er leider wörtlich zu nehmen scheint, und wie diesem Herrn Müller-Fog, der geflissentlich im Nebel des Grauens wandert.

    Oder geht es um die Einstellung / Haltung / Meinung von Frau Kelle zum Thema Sexismus(debatte) respektive Gender / Feminismus.

    Oder um beides?

    Zu ersterem fällt mir die Zombie-Welle ein, die ja auch gerade im Gange ist. Ich frage mich nur, ob man da nicht die Zombies beleidigen würde, wenn man Vergleiche anstellt; also lasse ich es lieber.

    Die Person Frau Kelle und ihr Buch „Dann mach doch die Bluse zu“ kenne ich nicht. Gern will ich zum gleichnamigen Artikel auf folgendes hinweisen: Die titelgebende Aussage im Text bezieht sich auf die häufig sehr offenherzig auftretende Schauspielerin Megan Fox und auf Frauen, die sich ähnlich verhalten, aber trotzdem nicht als sexuelle Wesen wahrgenommen werden wollen. Kein Widerspruch?

    Die Aussage bezieht sich nicht auf Frauen, die tatsächlich sexuell diskriminiert werden.

    Und was ist mit Frauen, die gern als sexuelle Wesen wahrgenommen werden wollen? (Soll es ja auch schon mal gegeben haben). Denen kann man ja nun nicht einmal mehr sagen „Dann mach doch die Bluse auf“. Denn woher soll mann wissen, bei welcher Frau er nun hinschauen soll und bei welcher nicht?

    Also, bitte lieber miteinander statt übereinander reden. Und wenn Frauen Nein sagen und Typen Ja verstehen, dann schreie ich mit ihnen zusammen auf. Gerade als Mann, denn meines Erachtens sind Sexisten keine richtigen Männer. Echte Männer bringen Frauen nämlich Wertschätzung entgegen, ob die Bluse nun offen ist oder nicht. So.

  15. Ich hab Kommentar #14 („Hedi Dohme“) einfach mal zu Dokumentationszwecken freigeschaltet, weil es als Hass- und Schlagwort-Kondensat so eindrucksvoll und, wie ich fürchte, nicht untypisch ist.

  16. @14
    „…links-liberaler Medien.“

    „Liberal ist eine politische Weltanschauung, die die Freiheiten des einzelnen Menschen in den Vordergrund stellt und jede Form des geistigen, sozialen, politischen oder staatlichen Zwangs ablehnt.“

    So definiert die Bundeszentrale für politische Bildung „liberal“. Meine Frage an Sie, sind wir in Deutschland noch geistig, sozial und politisch freie Menschen? Oder gibt es bereits eine mediale Diktatur, die bis in den Kühlschrank hineinreicht? Darf der Bürger noch ohne Stigmatisierung für sich persönlich entscheiden, was er für falsch oder richtig hält? Meine Einschätzung, wir leben bereits in einer Meinungsdiktatur.

  17. Ja, Frau Anja Reschke und Frau Anne Wizorek, wurden ausgezeichnet für Halten und Gegenhalten!
    Nun ist natürlich nicht das Geringste dagegen zu sagen, dass linksgrüne und SPD-nahe Publizisten gefördert von linksgrünen und SPD-nahen Gönnern einander mit Preisen auszeichnen.
    Ich halte es halt mit Frau Kelle, 29.01.2013: „Die amerikanische Schauspielerin Megan Fox ziert gerade in Unterwäsche das aktuelle Cover des „Esquire“, gibt aber gleichzeitig von sich, sie wolle von ihrem sexy Image weg. Dann mach doch die Bluse zu, möchte man ihr da zurufen! Vielleicht schaut dir dann auch mal einer in die Augen.“(The European)
    Und Sie finden, dass das „erstaunlich ähnlich klingt wie das, was der Salafist Sami Abu-Yusufdas“ verlauten lässt, 22.01.2016:“„Die Frauen tragen selbst Verantwortung für die Übergriffe, wenn sie halbnackt herumlaufen und sich parfümieren“, sagte Abu-Yusuf in einem Interview gegenüber dem russischen Sender REN TV. „Wenn man so herumläuft, passieren eben solche Dinge“, so der Imam weiter. (sputniknews.com)
    Herr Niggemeier, das ist frech, mit dieser Art Journalismus sollte sich mal http://uebermedien.de beschäftigen, dafür kaufe ich das und werde das weiter beziehen!
    Grüße, herb

  18. Na ja, möglicherweise würde Kelle auch bei FAZ, WELT, SPIEGEL, STERN usw. publizieren. Eine streitbare Meinung hat sie ja. Aber man lässt sie nicht. Weil sie solche Preise annimmt, wie auch schon zuvor einen Preis der JF. Also wer möchte da widersprechen, wenn bestimmte Publikationen solche Haltungen tabuisieren. Man darf natürlich nun über die Haltungen streiten. Aber nicht bestreiten, das ihre Arbeit durchaus Einschränkungen unterliegt, die „Mainstreamer“ nicht zu befürchten haben. Zu behaupten, Sie könne und dürfe doch überall ist der verkehrte Weg, richtig?

  19. @Antek: Wann haben Sie zum letzten Mal „Welt“ und „FAZ“ gelesen, um zu überprüfen, was dort für Positionen vertreten werden bzw. ob es ein Tabu gibt, solche wie die von Kelle zu verbreiten? Sie wären womöglich überrascht.

    Und meinen Sie, dass Meinungsvielfalt bedeutet, dass jedes Medium Texte von Frau Kelle publizieren muss?

  20. Birgit Kelle ist als ernstzunehmende Publizistin ein Totalausfall:

    – Sie hat keinerlei Expertise in den von ihr behandelten Themengebieten.
    – Sie polemisiert auf billigste Weise gegen Wissenschaftler und Pädagogen, ohne sich ernsthaft mit deren Fachgebieten auseinandergesetzt zu haben. Frau Kelle hat bis auf ein – nach ein paar Semestern abgebrochenes – Jurastudium keinerlei akademische Bildung vorzuweisen schon gar nicht in Sachen Geschlechterforschung.
    – Sie verbreitet Halbwahrheiten und falsche Behauptungen.
    – Sie diskriminiert schürt bewusst Ängste und Hass auf Minderheiten.
    – Sie veröffentlicht ungeniert in antidemokratischen Medien wie der rechten Zeitung „Junge Freiheit“, der rechten Monatszeitschrift „eigentümlich frei“ und dem Online-Magazin des für seine bedenklichen Verschwörungstheorien bekannten Kopp Verlags.
    – Nikolaus Schneider, der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland bezeichnete Kelles „Aufschrei“ gegen einen „vermeintlichen Genderwahn“ als eine „populistische Anbiederei an veränderungsunwillige konservative Kreise“.

    Es ist erschreckend, dass eine solche Populistin sich derart in der deutschen Medienlandschaft einnisten konnte und als „konservative Stimme“ wahrgenommen wird. Die Frau ist nichts anderes als eine fundamentalistische Hetzerin, die eine Karriere daraus gebastelt hat, gegen sexuelle Minderheiten, Aufklärung und Geschlechtergleichberechtigung zu polemisieren.

  21. @Andreas V

    Mit dem Vorwurf zum mangelnden Studiumabschluss haben Sie gerade den halben Bundesvorstand der „Die Grünen“ ,u. a. mit Katrin Göring-Eckardt und Claudia Roth, diskreditiert. Es gab sogar mal einen deutschen Außenminister, dessen einzige bestandene Prüfung der „Personen Beförderungsschein“ war. Und einen Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche als Gleichstellungsexperte zu nennen, der keinen Widerspruch zwischen gepredigter archaischer Bibel und Gender erkennt, ist auch nicht förderlich für Ihren Einwand. Obwohl die neue gendersensitive Bibelauslegung mich jetzt Lügen straft. Da wirken jetzt Jüngerin und Apostelin, „Glaube“ wird durch „Vertrauen“ ersetzt, also statt ein „Glaubensbekenntnis“ ein „Vertrauensbekenntnis“. Wo Jesus nicht mehr DER Sohn Gottes ist, sondern WIE ein Sohn. Wo „die Heilige“ auftaucht und aus „Du sollst nicht ehebrechen!“ ein „Verletze keine Lebenspartnerschaft!“ wird. Für mich als Atheisten hat das schon etwas von Satire, aber für Sie sicher ein Schritt in die richtige Richtung.

  22. @Bernd Assmann:
    Da diskutieren Sie jetzt mehr als nur leicht vorbei und vom Thema weg. Es ging in meinem Kommentar darum, dass Kelle sich als Expertin in Gender-, Frauen- und Familienfragen darstellt und die fundierte Arbeit von Wissenschaftlern diskreditiert, obwohl sie nicht mal über einen Studienabschluss in den entsprechenden Disziplinen verfügt. Sie maßt sich an, es besser zu wissen, als Menschen, die jahrzehntelang akademisch zu diesen Themen geforscht haben. Das sollte noch viel öfters erwähnt werden. Was das ausgerechnet mit den Grünen zu tun haben soll, wissen wohl nur Sie.

    Und beim Zitat von Nikolaus Schneider geht es nur darum, dass selbst ein ehemaliger Ratsvorsitzender einer der großen deutschen Kirchengemeinschaften diese Frau als sich anbiedernde Populistin bezeichnet. Punkt. Daraus zu schließen, dass ich einer Kirche angehöre oder mich für Bibelauslegungen interessiere, ist etwas weit hergeholt und wirr.

    Also gerne wieder zurück zum Thema…

  23. @Andreas V
    Andreas V: „Was das ausgerechnet mit den Grünen zu tun haben soll, wissen wohl nur Sie.“

    „Die Grünen pflegen die geschlechtsneutrale Sprache…. Künftig soll von IS-Kämpfer*innen und Tagelöhner*innen die Rede sein: Der Gender-Stern soll in der Partei Pflicht werden.“

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/die-gruenen-machen-geschlechtsneutrale-sprache-zur-pflicht-a-1063228.html

    Vielleicht verstehen Sie so meine Intervention: „Die Grünen zu Gender“ gleich „Hebamme zu Baby“.

    Andreas V:„… dass selbst ein ehemaliger Ratsvorsitzender einer der großen deutschen Kirchengemeinschaften.. .“

    Ich versuche es mit den Worten eines anderen ehemaligen Ratsmitglied:

    „Das ehemalige Ratsmitglied Peter Hahne wirft der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) einen „Anschlag auf die Ästhetik unserer deutschen Sprache“ vor… Wie furchtbar würden sich die schönen Kirchenlieder oder Rilkes Gedichte anhören, wenn man sie durch den Filter der Sprachpolizistinnen und Sprachpolizisten der EKD jagen würde.“

    https://www.evangelisch.de/inhalte/95915/13-07-2014/peter-hahne-kritisiert-gender-unfug-der-evangelischen-kirche

    Schneider sagte übrigens in seiner Rede zur Einweihung des „Studienzentrum für Genderfragen“, er hätte früher die feministische Theologie für Unsinn gehalten und habe sich letztlich von seiner Frau überzeugen lassen. Aber vielleicht gibt es auch noch einen handfesten, populistischen Grund:

    „Wachstumspotenzial für die eigene Lehre“

    https://www.herder-korrespondenz.de/heftarchiv/68-jahrgang-2014/heft-9-2014/zur-kritik-an-der-vermeintlichen-gender-ideologie-wachstumspotenzial-fuer-die-eigene-lehre

    Warum war eigentlich Birgit Kelle, die zum Katholizismus konvertierte, so ein großes Thema bei der Tischrede von Schneider, sie ist doch ein kleines Licht? Weil sie ein kleines Licht ist! Papst Benedikt XVI. sagte über Gender:

    „Die tiefe Unwahrheit dieser Theorie und der in ihr liegenden anthropologischen Revolution ist offenkundig.“

    https://de.zenit.org/articles/papst-zur-gender-theorie/

    Sein Nachfolger Papst Franziskus noch direkter:

    „Papst Franziskus: Die Genderideologie ist dämonisch!“

    http://www.kath.net/news/45221

    Jetzt bin ich kein Insider, aber ich glaube, die Jungs haben richtig was zu sagen. Im Umkehrschluss würde dies bedeuten, eine nicht unbeträchtliche Anzahl Menschen auf diesem Planeten vertreten diese Ansicht und wollen kein Gender-Sternchen. Aber Benedikt, Franziskus und die Milliarden Gläubige sind eine Nummer zu groß, um sie so direkt in einer Tischrede anzugreifen. Man muss davon ausgehen, dass viele Mitbürger die Auszeichnung von Birgit Kelle begrüßen.

    Was ist jetzt Mainstream? „Pro oder Kontra Gender“! Für mich persönlich ist die Gender“forschung“ pure Verschwendung von Ressourcen.

    Danke für den Austausch.

  24. Hahaha, wieder grünlinker wir-schützen-unseren-Garten-Kram, viele Worte, aber es ist der souveräne Stasi-Sprech, dieser verklemmte Mix aus Besserwisserei und Überlegenheitsgehabe. wer das Geheule über die Kelle mitverfolgt hat, kann da nur grinsen; Souveränität sieht anders aus.

  25. Frau Kelle schießt manchmal sicher über das Ziel hinaus, aber ihr Zitat in den Zusammenhang einer Aufforderung zur Übergriffigkeit zu stellen, ist unredlich und eigentlich genau die Form des Journalismus, die durch Uebermedien doch eigentlich kritisch kommentiert werden wollen.

    „Mach doch mal die Bluse zu“ ist mitnichten mit „Die trägt einen Minirock,die ist verfügbar“ zu vergleichen, sondern es ist ein Appell an diejenigen Frauen, die einerseits die Scheunentore weit geöffnet haben , sich dann aber beschweren, wenn jemand hinschaut (schauen!!!).

  26. @Bernd Assmann:
    Ihre Mühe bei der Quellensuche in allen Ehren, aber Ihre Argumentation ist nicht schlüssig.

    Weil nun die Grünen eine geschlechtergerechte Sprache in ihren Parteischriftstücken verwenden und somit Frauen (sowie Menschen, die sich nicht in „männlich/weiblich“ einordnen lassen) sichtbar machen und nicht mehr sprachlich diskriminieren und damit Empfehlungen von behördlichen und akademischen Gleichstellungsbeauftragten in ganz Deutschland nachkommen, darf ich nicht kritisieren, dass Birgit Kelle gegen jede Art von Gleichstellung und Geschlechtergerechtigkeit auf platteste Art hetzt, ohne die Materie studiert zu haben und fundierte Argumente zu liefern? – Das macht keinen Sinn.

    Kelle und ihre Machenschaften sollen außerdem nicht kritisiert werden, wenn man nicht in einem Atemzug die katholische Kirche und den Papst mitkritisiert? – Das ist ein Möchtegern-Totschlagargument, demzufolge man Einzelpersonen gar nicht mehr für ihr Tun kritisieren könnte, wenn man nicht alle einschließt, die sich des gleichen Vergehens schuldig machen. Die anderen (Kirche, andere Fundamentalisten und Reaktionäre) bekommen schon in vielen anderen Beiträgen ihr Fett weg.

    Bernd Assmann: „Man muss davon ausgehen, dass viele Mitbürger die Auszeichnung von Birgit Kelle begrüßen.“
    Ja, es klatschen auch viele BürgerInnen Beifall, wenn Flüchtlingsheime brennen oder Zuflucht suchende Menschen davon abgehalten werden, ihre Behausung zu betreten. Macht es das besser?
    Die geschlechtergerechte Sprache ist übrigens in der Bevölkerung viel akzeptierter als Sie glauben: Schon 1997 waren laut einer repräsentativen Umfrage 42 % der Deutschen für neutrale Formulierungen, 37 % für die Beidnennung und nur 19 % für das generische Maskulinum. Folgende Studien in den Jahren danach haben eine breite Akzeptanz in der Bevölkerung bestätigt.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Geschlechtergerechte_Sprache#Akzeptanz_geschlechtergerechter_Sprache

    Bernd Assmann: „Für mich persönlich ist die Gender“forschung“ pure Verschwendung von Ressourcen.“
    Sie sind jetzt auf einmal auch Experte, der ein öffentliches Urteil über Genderforschung fällen kann? Sind Sie Geschlechterforscher oder wenigstens Soziologe? Wenn nicht sollten Sie solche Aussagen einfach unterlassen, denn sie sind anmaßend und wissenschaftsfeindlich.

  27. @29: Traurig, aber wahr.
    In ihrem Biotop wird einander „Ich darf nicht sagen was ich will“ zugebrüllt, um dann diesen Artikel zu lesen und direkt die „linksgrün versiffte Gutmenschen“-Angriffsrhetorik auszupacken.
    Aber der Artikel in Kombination mit der Kommentarspalte entlarvt das Ganze ja so gut, dass es schon fast gewollt sein könnte ;)

    Ich stelle mir da immer so eine jugendliche Gruppe vor, erst 2-3 Leute, die irgendetwas doof finden. Dann kommen mehr Leute, untereinander ist man sich einig, dass das auch wirklich doof ist und weil man ja jetzt schon mehrere sind, kann man ja auch handeln.
    Man wägt sich durch seinen „confirmation bias“ berechtigt, „etwas“, bzw. das subjektiv „richtige“ zu tun.
    Untereinander hört man immer die gleichen Argumente (Echokammer / Filterblase) , Gegenargumente verpuffen am Deflektorschild der Selbstimmunisierung oder bereits an der dogmatischen Ausgrenzung von Argumenten ad personam („Wenns von dem Ökospacken kommt, kann’s ja nur scheiße sein!“).

    Und so kommt es, dass sich der PI / Tichy / AfD / Dunstkreis nun in der „Überzahl“ wägt und „endlich“ die „Wahrheit“ öffentlich verkünden kann (aber nicht darf!). So füllen sich die Kommentarspalten dann mit Meinungen von Personen, die sich vorher in ihrem Milieu „radikalisiert“, sprich immer wieder gegenseitig in ihrer Meinung bestätigt haben.
    Und so lässt sich auch die Diskrepanz in der Selbst- und Fremdwahrnehmung erklären.

    Hinzu kommt, dass man sich als Märthyrer versteht, wenn man in ein Niggemeier-Blog kommt und mutig-heroisch sagt, dass man ihn doof findet.

    Helden der Gegenwart, selbsternannte Erlöser von morgen.
    /ironie

  28. Lieber Herr Niggemeier, obwohl ich Ihnen oft zustimme, finde ich Sie an einer Stelle nicht fair. Finden Sie wirklich, dass Ihre Aussage:

    „Selbst wenn es konkret eine Frau ist, deren Spruch „Dann mach doch die Bluse zu“, den sie Frauen entgegenhielt, die sich über Sexismus beklagten“

    nicht Frau Kelles ursprüngliche Aussage:

    „Die amerikanische Schauspielerin Megan Fox ziert gerade in Unterwäsche das aktuelle Cover des „Esquire“, gibt aber gleichzeitig von sich, sie wolle von ihrem sexy Image weg. Dann mach doch die Bluse zu, möchte man ihr da zurufen! “

    verzerrt? Biegen Sie da nicht Frau Kelles Aussage so hin, wie es Ihnen in gut passt – etwas, was Sie bei anderen oft zu Recht kritisieren?

  29. @ Andreas V

    „Wenn nicht sollten Sie solche Aussagen einfach unterlassen, denn sie sind anmaßend und wissenschaftsfeindlich.“

    Bzgl anmaßende Wissenschaftsfeindlichkeit und Gender sei hiermit auf den von Prof. Buchholz entwickelten Fragebogen verwiesen, der ausgewählten Expertinnen der Gender Studies im Rahmen einer qualitativen Erhebung vorgelegt worden ist.

    Es handelt sich um eine Reihe sogenannter offener Fragen, die keine standardisierten Antwortalternativen vorgeben, sondern frei beantwortet werden können
    nach dem Entstehungszusammenhang (A),
    nach dem Begründungszusammenhang (B), und
    nach dem Verwendungszusammenhang (C).

    Für die Frage der Wissenschaftlichkeit ist (B) zentral, weil es hier um die wissenschaftstheoretischen Grundlagen und die wissenschaftliche Methodik geht, also um die Konstitution von Wissenschaftlichkeit überhaupt.

    Aber anstatt nun die Gelegenheit einer überzeugenden Selbstdarstellung zu nutzen, wurde die Erhebung, wie im Text dargestellt, planmäßig boykottiert. Das allein lässt tief blicken, und umso wichtiger dürften die offen gebliebenen Fragen sein. Deshalb hat sie Prof. Buchholz auf der Homepage der Hochschule Hannover publiziert.

    Den Link auf die Publikation bekommen Sie, so er hier freigeschaltet wird.

  30. „Folgende Studien in den Jahren danach haben eine breite Akzeptanz in der Bevölkerung bestätigt.“

    Mal abgesehen von der staatsfeministischen Einflussnahme bei der deutschen WP, Andreas V – der abgrundtiefe Sexismus des hierzulande geltenden Beschneidungsgesetzes mithin legalisierter Genitalverstümmelung damit Verletzung elementarer Grundrechte pfeift auf die ‚Akzeptanz der Bevölkerung‘. Denn wie Ihre eher weniger subtile Argumentation geradezu exemplarisch erkennen lässt , funktioniert die repräsentative ‚Demokratie‘ bzw. legitimiert den autoritären bis totalitären Staat, wenn seine Vertreter mit Unterstützung ihm zuarbeitender Presse/Medien die Bevölkerungsmehrheit als fehlgeleitet, inkompetent und entmenschlicht darstellt, statt sie am demokratischen Prozess zu beteiligen. Was die Bonzen der repräsentativen ‚Demokratie‘ jedoch zuweilen vergessen: Die Eigendynamik der damit einhergehenden Radikalisierung gerät allerdings erfahrungs/naturgemäß ab einen gewissen Punkt komplett außer Kontrolle.

    MfG

  31. @33 (David): Sehen Sie sich bitte folgendes kurzes Video an, in dem Frau Kelle ihre Thesen kurz vorstellt: https://www.youtube.com/watch?v=8ksfBB9NDNs

    Im Großen und Ganzen ist es keine Verstellung ihrer vielen Aussagen, wenn man ihr vorwirft, sie würde Opfer von Sexismus – wobei mir hier der Begriff Misogynie besser gefällt – mindestens zum Teil selbst dafür verantwortlich machen.

    Außerdem frage ich mich, woher sie die Aussage von Megan Fox hat, denn anscheinend gibt es widersprüchliche Positionen:

    “How did you feel about being sexualized like that when you were 15?

    I thought it was awesome. I was going to a Christian high school and I wasn’t a feminist yet. I hadn’t sat back and analyzed society yet. I was 15! I just did what I was told to do.

    — What did your parents think?

    My mom was with me! I was always übersexual, so she wasn’t shocked. I was always wearing the smallest clothes I could find. I would go to the mall like that — in a short, short skirt and a giant wedge heel. That’s what you do when you’re a teenage girl in a small town.”

    http://www.ew.com/article/2009/06/10/megan-fox-fallen-angel

  32. @Rainer Gerlinski
    „Stimmt, der linke medienschaffende Flügel, zudem sich ein Großteil der Journalisten zählt, stilisiert sich gegenüber dem Establishment nicht als Opfer.“
    Ähmm wo jetzt genau?
    FAZ wohl eher nicht links.
    SZ wohl eher auch nicht.
    Focus schon dreimal nicht.
    Spiegel incl. SPON auch nicht mehr.
    Springer erst recht nicht.
    Öffis……auch nicht.
    Handelsblatt….neeee.
    Alle erzkonservativ bis neoliberal.

    Als „Links“ hätte ich mal den
    Freitag verortet, die TAZ (zumindest teilweise) und die Zeitungen die es sich sowieso dick auf die Fahne schreiben. Links neben der Mitte ggf. Tagesspiegel und Frankfurter Rundschau, wobei das von der Tagesform abhängt.

    @Niggemeier
    Hallo Hr. Niggemeier,
    vielleicht können Sie mal Licht ins Dunkle bringen. Die Unterstellung von Hrn. Gerlinski halte ich für wenig belastbar.
    Wenn man sieht welche Journalisten sich bei dem Journalistenpreis dieses Artikels tummeln wundert einen allerdings gar nix mehr.

  33. @Seb78

    Wir hatten vor Jahren einen Linksruck in Deutschland und haben eine CDU-Kanzlerin, die alle Themen der sich links definierten Parteien abdeckt. Die Kanzlerin setzt auf Themen wie Atomausstieg oder Klimawandel, weil die Journalisten mit ihrer Meinung Wahlen entscheiden und über 70 % der Journalisten ihre politische Heimat im grün-linken Spektrum sehen. Nationalkonservative Parteien wie die AFD finden Zulauf, weil viele konservative Wähler politisch heimatlos geworden sind. Bekannte vom mir sind AFD Anhänger, nur weil diese Partei den Klimawahn nicht mitmacht.

    Anbei ein Link zu einer Umfrage des „Institut für Demoskopie Allensbach“ zu „Parteineigung von Politikjournalisten und Bevölkerung“. Die Meinungsschere zwischen Journalisten und Bevölkerung ist besonders bei den Parteien „Die Grünen“ und „CDU/CSU“ sehr weit auseinander.
    http://www.buerger-fuer-technik.de/Hilfsb_124_Petersen_Allensbach_Kernenergieumfrage_2011.pdf

    Hier noch ein interessanter Gedankengang zum Thema von Jan Fleischhauer.
    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/s-p-o-n-der-schwarze-kanal-warum-sind-so-viele-journalisten-links-a-895095.html

  34. @Friedrich Jungeleit: Ähnliche Umfragen über die Parteipräferenz von Journalisten gab es schon vor Jahrzehnten, und trotzdem ist irgendwie Helmut Kohl Kanzler geworden und sehr lange geblieben. Ich fürchte, so einfach ist die Erklärung also nicht.

    Die AfD macht den Klimawahn nicht mit? Das ist super. Könnten die nicht konsequenterweise gleich sagen, wir machen die Klimaerwärmung nicht mit?

  35. @ Friedrich Jungeleit
    Also ich bin Ingenieur und kein Politikwissenschaftler.
    Nehme ich mal einfachhalber die Wikipediaquelle zur Definition der politischen „Linken“:
    „Die politische Linke versucht die herkömmliche, meist als reaktionär oder konservativ verstandene Politik, die am Rückschritt auf ehemalige (reaktionäre) oder Erhalt der bestehenden (konservativen) Staats- und Gesellschaftsstrukturen ausgerichtet ist, zu überwinden. Dem setzt sie eine progressive, das heißt als fortschrittlich verstandene Politik entgegen, die durch Reformen des Bestehenden, nicht selten auch durch revolutionäre Aktivitäten neue soziale, ökonomische und politische Verhältnisse zum Vorteil der eher unterprivilegierten Bevölkerungsschichten durchzusetzen versucht.“

    Rein aus wirtschaftspolitischer Sicht muss die CDU/CSU weite Teile der SPD als geradezu reaktionär betrachtet werden. Auch die Grünen haben bis auf Giegold wenig zu bieten. Ebenso die großen Gazetten FAZ, SZ und Co.
    Die AFD glänzt bei diesem Thema eigentlich vollständig mit Abwesenheit von Expertise.

    Als Ingenieur sag ich jetzt mal nix zu Ihrem Ausdruck „Klimawahn“.
    Zu vermuten, dass sich die CDU/CSU und SPD rein aus Umweltschutz gewissen Themen annimmt ist doch reichlich naiv. Sowohl CDU/CSU als auch SPD sind auch beim Umweltschutz reaktionär und leider auch planlos und besetzten diese Themen rein aus Machterhalt (es ist halt grad „in“).
    Auch die großen Gazetten glänzen meistens durch Inkompetenz auf diesem Gebiet.
    Wie bei der Wirtschaft, als auch beim Umweltschutz besitzt insbesondere die AFD keinerlei Fachkenntnis. Und das ist völlig wertfrei gemeint. Da ist niemand mit dem man sich über erneuerbare Energien etc. unterhalten könnte.

    Jan Fleischauer schreibt zwar viel, i.d.R. aber ohne Substanz. Er passt damit bestens zur AFD, würde sich selbst wahrscheinlich dort nicht sehen. „Angry white man“ würde gut passen.

    Ihre Bekannten treffen damit zu 100% auf die allg. Beschreibung eines AFD Wählers. Gegen alles ohne Kenntnis, erzkonservativ und reaktionär, das eigene Verhalten nicht reflektierend und Ausländer mag man irgendwie auch nicht.
    Das amerikanische Gegenüber sind Trump und Teaparty.

  36. Jede sich organisierende politische Alternative hat natürlich mit unerbittlichen Widerstand seitens des Establishments zu rechnen. Stellen sie doch eine potenzielle Gefahr für Pfründe und Pöstchen dar.

    Rio Reisers „ALLES LÜGE“ ist aktueller denje.
    Man erinnere nur die Denunziationen gegenüber einer für mehr Transparenz gegenüber waltenden Parteienfilz antretenden Piratenpartei. Da war jedes Mittel recht. Kein Tag ohne öffentlich rechtliche Stigmatisierung als ‚frauenfeindlicher Nerdverein‘. Und bekanntlich mit personeller/inhaltlicher Infiltrierung am Ende auch nachhaltig erfolgreich nämlich: versenkt.

    Man kann von einer AfD halten was man will – auch für sie liegt der Masterplan inkl. Plan B längst bereit.

  37. @ Herrn Niggemeier
    Bitte, nicht grünen Klimawahn mit Klimaerwärmung verwechseln. Wir haben nach der „Kleinen Eiszeit“ 1850 in Europa (eine Horrorzeit für die Menschen) eine Erwärmung von 0.7 bis 0.9 Grad. Je nachdem, welche Temperaturreihe man Glauben schenken möchte. Wie viel davon ist anthropogen? PIK (für deutsche Journalisten eine gern zitierte Quelle) sagt alles, für die gibt es überhaupt keinen natürlichen Zyklus. Das IPPC sagt im AR5 mit > 90 % Wahrscheinlichkeit > 50 %, wobei auch andere menschliche Aktivitäten wie Rodungen dazugerechnet werden. Viele namhafte Klimaforscher wie Judith A. Curry sagen < 30 %! Es tobt ein Meinungskampf unter den Wissenschaftler zu diesem Thema, der in den deutschen Medien meist ausgeblendet wird.

    Beispiel der Blog von Hans von Storch, einer der renommierten Klimaforscher. Lesen Sie mal die Kommentare zu der Karl et al. Studie, die den Hiatus ad-hoc verschwinden lies. Viele Kommentatoren dort sind Forscher des Helmholtz Instituts. Die schreiben von Glauben, ob man sich den Hiatus hat aufzwingen lassen, dass die Klimamodelle nicht funktionieren usw.. Sehr interessant dieses „science is settled „ Geschichte.
    http://klimazwiebel.blogspot.de/2015/06/einschatzung-des-hiatus-zu-revidieren.html

    Dann die alarmistische NASA (dank anthropogen Klimawandel viel zusätzliches Forschungsgeld) meldet Ende letzten Jahres:

    „Die Satellitendaten widerlegen, dass die Antarktis Eis verliert und global der Meeresspiegel um 0,27 mm pro Jahr ansteigt – er müsste sich um 0,23 mm pro Jahr senken, da das Wasser gefriert. Die Analyse der Daten ergab demnach einen Netto-Zuwachs der Eismassen von 112 Milliarden Tonnen pro Jahr für die Jahre 1992 bis 2001 und 82 Milliarden Tonnen jährlich für die Jahre 2003 bis 2008.“
    https://www.nasa.gov/feature/goddard/nasa-study-mass-gains-of-antarctic-ice-sheet-greater-than-losses

    Ehrlich Antwort Herr Niggemeier, wie sattelfest ist ihr Wissen zum Thema Klimawandel, und mit welcher Selbstsicherheit fallen Sie dennoch über skeptisch denkende Menschen her? Der 100% anthropogen Klimawandel ist ein typisch linkes Thema, man kann den Menschen zum Sünder erklären und den Menschen ihren Lebenswandel diktieren. Paradiesische Zeiten, was zählen da schon Fakten!

    @Seb78

    Mit dem Godesberger Programm verließ die SPD das Arbeiterlager und wurden Bürgerliche. Und hat sich nicht die politische Handlungsweise geändert? Konservative wie die CDU, früher Grenzenbewahrer und Abschottungsfans, können heute nicht schnell genug Globalisieren und Freihandelsverträge abschließen. Die Linken, früher die Internationalen, bekämpfen die Globalisierung, werden zu Bewahrer. Und die Grünen, gegen Genforschung, gegen Fusionstechnik, gegen industrialisierte Landwirtschaft, gegen Pränataldiagnostik, für Kleinbauerntum mit antiker Windmühlentechnik.

    „… und Ausländer mag man irgendwie auch nicht.“

    Vorurteil? Die Frau hat italienische Wurzeln. Wir sollten uns alle vom stereotypen Denken verabschieden und die Menschen individueller beurteilen.

    @Wenzel
    Stimmt! Bei parteilandschaftlichen Veränderungen in Deutschland ist “Godwin’s law” als Prolog „Business as usual “! Dies ist unstrittig spätestens seit Neulandnerds mit Piratenflagge medial zu frauenfeindliche am Totalitarismus feilenden Braunhemden stigmatisiert wurden.

  38. @Jungeleit
    „Linksruck in Deutschland und haben eine CDU-Kanzlerin, die alle Themen der sich links definierten Parteien abdeckt.“

    Ach Angela Merkel ist auf einmal Kapitalismuskritikerin wie die von den Linken?
    Geil, dann wähl ich die auch.
    Und hol noch Pocprn für mehr Wenzel Postings…

  39. Für die Durchsetzung einer zentralverwalteten, grenzenlosen Freihandelszone mit Patent auf weltweit standardisierte Produkte für weltweit marktkonform standardisierte Konsumenten sind – wie sich zeigt – die Genoss_*Innen auf dem Weg dahin doch ausgesprochen nützliche Idioten, wenn es darum geht, den Widerstand der Bevölkerungsmehrheit gegen Monsanto & Konsorten und ihrer gekauften repräsentativen ‚Demokratie‘ zu delegitimieren, zu dämonisieren, zu brechen.
    Wie am Ende mit linken ‚Freiräumen‘ und ‚Projekten‘ verfahren wird, zeigt aktuell recht anschaulich das Geschehen um die Berliner Wagenburg “Radikal Queerer Wagenplatz Kanal“. Verteilungskampf pur. (Popkorn nicht vergessen)

  40. @Stefan Niggemeier
    Keinesfalls. Er bezieht sich auf den vermeintlichen „Linksruck“ hierzulande in #46.

  41. @Jungeleit
    Na und wo ist das jetzt links per Definition?
    Und zur Ihrer Aussage „italienische Wurzeln“ kann man kaum noch was sagen. Was das jetzt mit Ausländerfeindlichkeit zu tun erschließt sich mir nicht. Natürlich kann man auch mit 2/3 Peruaner knallharter Ausländerhasser sein. Ist die AFD feemndenfeindlich? Ja. Das ist ja auch die Grundlage Ihres Bestehens. Fluchtursachenbekämpfen etc. alles nicht Thema. Nur „die dürfen hier nicht rein“. Ihre Verwandeten könnten ja auch der Linken beitreten. Da kommt Dann das SED Geschwätz. Oder man wählt FDP. Nein man geht zur AFD weil die den Klimawahn nicht mitmachen. Ne ist klar.

  42. Sicher, für jemanden der tatsächlich in der Annahme ist, Merkel tue nicht etwa das, was sie (NSA-begleitet) aus dieser Position heraus im Interesse des Kapitals tun soll, sondern wandele gänzlich selbstbestimmt und dem Wählerwillen folgend s.h. demokratisch legitimiert mit entsprechender medialer Begleitmusik als Reinkarnation von Mutter Theresa über diese Erde, mag das schwer vermittelbar sein, Herr Niggemeier. Fraglich ist dann allerdings nur, wie diese Annahme mit linken Überzeugungen bzgl. Kapitalismus/Marktwirtschaft (innerhalb dessen es radikale Freiräume zu erkämpfen gilt) vereinbar ist.

  43. Ihre Arbeit schätze ich insgesamt hoch, Herr Niggemeier. Aber das war jetzt nicht gerade der stärkste Artikel, den Sie je verfasst haben.

    1. Es gibt doch viele Preise und Auszeichnungen auf dieser Welt, bei denen sich Leute mit je ähnlicher politischer Gesinnung gegenseitig auf die Schulter klopfen. Darunter wird es vermutlich auch einen geben, den links-liberale Journalisten zu erhalten größere Chancen haben als rechts-konservative – oder nicht?

    2. Dass man sich gerne als marginalisierte Minderheit darstellt, ist (leider) nicht ungewöhnlich. So übertrieben und unangemessen das im konkreten Fall sein mag (und die Aussagen speziell von Herrn Mutschler sind natürlich absurd): Ganz so unverständlich finde ich es zumindest grundsätzlich nicht, wenn „Wertkonservative“ das Gefühl haben, nicht nur am Rande zu stehen, sondern auch an den Rand gedrängt zu werden. Jedenfalls von der Medienseite her weht ihnen oftmals ein „frischer Wind“ ins Gesicht, um es mal so zu auszudrücken. Das Betreuungsgeld etwa (das ich ablehne ) wird selbst von „seriösen“ Medien als „Herdprämie“ bezeichnet. Und zwar nicht nur in Kommentaren, sondern sogar im Nachrichtenteil. Hier gilt aber, was ein Journalist, der das Betreuungsgeld ebenfalls ablehnt, mal in einer Diskussionsrunde äußerte: Es handelt sich um einen Kampfbegriff. Somit werden bestimmte Positionen nicht nur kritisiert (was ich für völlig berechtigt halte), sondern von vornherein, nämlich bereits durch die Wortwahl, lächerlich gemacht. Wer hier oder in genügend anderen Fällen ständig die große Mehrheit der Medien samt zugehöriger Polemik gegen sich hat – ob zurecht oder nicht -, wird in gewisser Weise von alleine dazu neigen, sich in der Opferrolle zu sehen.

    3. Dass die Sexualpädagogik, die sich etabliert hat oder dabei ist, sich zu etablieren, von ihren Gegnern teilweise völlig verzerrt dargestellt wird, ist wahr. Ob Birgit Kelle sich da irreführend geäußert und es ggf. besser gewusst hat, weiß ich nicht; aber es gibt sicherlich auch Leute, die es tatsächlich nicht besser wissen. Kein Wunder im Übrigen, wenn teilweise selbst sog. „Qualitätsmedien“ die Leser zielgerichtet hinters Licht führen in einer Weise, die einfach nur noch sprachlos macht, und wenn mitunter gerade mal ein einsamer Blogger (den Sie immerhin seinerzeit verlinkt hatten) dagegenhält:
    http://www.alexandervonbeyme.net/2014/10/16/unter-dem-deckmantel-des-journalismus/
    Wo bleibt die „großflächige“ sachliche Auseinandersetzung der Medien mit den Vorurteilen – oder ist mir das einfach mangels ausreichendem Medienkonsum entgangen? (Und nein, ich will damit nichts entschuldigen; aber das Medienversagen macht manche unerfreuliche Entwicklung in diesem Umfang doch erst möglich.)

    4. Es mag viel an Birgit Kelle zu kritisieren geben (ich habe mich bisher nicht mit ihr auseinandergesetzt) – aber Sie kritisieren nicht viel. Oder jedenfalls nicht substantiell. Stattdessen schreiben Sie:
    „(Selbst wenn es konkret eine Frau ist, deren Spruch ‚Dann mach doch die Bluse zu‘, den sie Frauen entgegenhielt, die sich über Sexismus beklagten, erstaunlich ähnlich klingt wie das, was der Salafist Sami Abu-Yusuf in Bezug auf die Kölner Silvesternacht sagte: ‚Diese Frauen tragen selbst die Verantwortung für die Übergriffe, weil sie halb nackt herumlaufen und sich parfümieren. Es ist nicht überraschend, dass die Männer sie attackiert haben. Sich so anzuziehen, ist wie Öl ins Feuer zu gießen.‘)“
    Nein, das hat sie (zumindest im verlinkten Text) Frauen, „die sich über Sexismus beklagten“, eben nicht entgegengehalten; sie hat es vielmehr genau einer Frau entgegengehalten – und das in einem sehr speziellen Kontext:
    „Die amerikanische Schauspielerin Megan Fox ziert gerade in Unterwäsche das aktuelle Cover des ‚Esquire‘, gibt aber gleichzeitig von sich, sie wolle von ihrem sexy Image weg. Dann mach doch die Bluse zu, möchte man ihr da zurufen!“
    Und nein, das klingt auch nicht „erstaunlich ähnlich“ wie die Aussage des zitierten Salafisten. Kelle hält die Sexismus-Debatte für überzogen und teilweise für heuchlerisch, und man muss nicht ihrer Meinung sein. Ungeachtet dessen sind manche ihrer Überlegungen durchaus bedenkenswert:
    „Wenn eine Heidi Klum fröhlich erzählt, das Erste, was ihr an ihrem Ex Seal auffiel, sei das große Gemächt in der engen Radlerhose gewesen, dann ist das unser Heidi, ach nein wie süß. Der gleiche Spruch von einem Mann über den Busen seiner Frau wäre Sexismus. Er könnte einpacken. Wir messen mit zweierlei Maß.“
    Ist dieser Vorwurf so abwegig? Oder will man sagen, dass das Kräfteverhältnis von Mann und Frau auch heutzutage noch so unterschiedlich sei, dass wir ruhig mit zweierlei (doch sehr unterschiedlichen) Maßstäben messen dürfen, ja, messen sollen? (Eine der Frauen, die bei einer Talkshow für die „Aufschrei“-Seite vertreten war, äußerte sich genau in diesem Sinne; es war jedoch ganz am Ende der Sendung und ging unter.)
    Solche kritische Fragen wurden doch in der ganzen „Aufschrei-Debatte“ eher am Rande thematisiert; sie auch mal zu stellen und zu diskutieren ist durchaus legitim, wenn nicht sogar verdienstvoll.

    5. Zusammenfassend: Die Kritik an den absurden Positionen des Preisstifters und eines früheren Preisträgers ist sicher berechtigt; und die Kritik an der Larmoyanz von Markwort und Müller-Vogg weitgehend auch. Allzu viel weitere fundierte Kritik finde ich dann jedoch leider nicht in diesem Artikel.

  44. @ HS @ Seb78

    Linksruck bedeutet, etwas verschob sich nach links, in die linke Richtung, nicht direkt in die linke Ecke. Atomausstieg, doppelte Staatsbürgerschaft, Klimawandel, offene Asylpolitik und Mindestlohn sind nicht gerade konservative Themen. Finden übrigens auch „Die Linken“.

    „Angela Merkel bekommt Beifall von den Linken“
    http://www.tagesspiegel.de/meinung/fluechtlingspolitik-angela-merkel-bekommt-beifall-von-den-linken/12917046.html

    Franz Josef Strauß sagte: „Rechts neben uns ist nur noch die Wand.“

    Das beherzigt die CSU weiter, deshalb der tiefe Graben zwischen CSU und CDU, und die gefühlte politische Nähe der CSU zur AfD. Wobei die CSU-Profis ihre Forderungen nach Grenzschließung, Kontingente für Flüchtlinge, Sachleistung statt Geld und schneller Abschiebung rhetorisch besser Verpacken.

    @ Seb78

    Fremde, die fremdenfeindlich sind? Sie meinen, wenn AfD-Wähler Migrationshintergrund besitzen, haben wir es mit einem reflektierten Selbsthass zu tun? Vielleicht haben Menschen mit Migrationshintergrund einfach nur Existenzängste, dass „Wir schaffen das“, was bei Merkel immer „Ihr schafft das“ heißt, besonders auf ihren Rücken ausgetragen wird. Dass ihre ohnehin schon schlechte Jobsituation (Arbeitslos, Aufstocker, oft Zeitverträge und schlechte Bezahlung) noch prekärer wird. Viele deutsche Mitbürger teilen diese Situation übrigens. Der Mindestlohn wird doch für bestimmte Gruppen bereits infrage gestellt. Es sollten differenziert die Ängste der Menschen hinterfragt werden, aber anscheinend wollen das die etablierten Parteien nicht. Vielleicht, weil sie keine Antworten besitzen.

    Meine politische Ausrichtung wurde leider in Deutschland als Idee 1848/49 standrechtlich erschossen und als politisch heimatloser Liberaler (nicht dieser als Liberalismus getarnte Kapitalismus der FDP) ist der Nationalkonservatismus der AfD mein natürlicher politischer Gegner, aber diese Nationalkonservativen liegen auf einer Welle mit vielen EU-Regierungen wie Polen, Slowakei oder Ungarn. Österreich bastelt anscheinend bereits wieder am Habsburgerreich. Und was soll man der AfD oder den meisten europäischen Regierungen entgegnen ( Deutschland steht ja zunehmend isoliert dar), wenn diese der deutschen Kanzlerin Rechtsbruch vorwerfen? Darf eine Person in der EU selbstständig europäisches und deutsches Recht aushebeln, hat eine Person trotz Demokratie so viel Macht?

    In einem Artikel in der FAZ haben vier Rechtswissenschaftler die Rechtslage analysiert. Zwar sehr fachlich geschrieben, aber wirklich lohnenswert, wenn man z. B. die europäischen Partner und ihre starke Kritik an Merkel nachvollziehen möchte. Wir brauchen in Deutschland und in der EU den Diskurs, der besonders in Deutschland erstickt wird. Wer den Artikel in der FAZ liest, weiß auch warum.

    http://www.faz.net/aktuell/politik/fluechtlingskrise/fluechtlingskrise-in-deutschland-rechtsstaatlich-machbar-14060376.html

    Ansichten einer Birgit Kelle vertreten den Zeitgeist konservativer Mitmenschen, die Denkverbote erkennen, Bevormundung empfinden, ihre Weltsicht und Werte politisch nicht mehr vertreten sehen. Auch bei Menschen mit Migrationshintergrund, ob jetzt AfD-Wähler oder AfD-Abgeordneter.

    AfD-Abgeordneter Aslan Basibüyük:

    „… dass die AfD gerade für Zuwanderer und ihre Nachkommen viel zu bieten habe: „Die AfD betont ja den Schutz der Familie, und die Familie ist für die meisten Migranten sehr wichtig – SPD und CDU, die haben auf diesem Gebiet ja in den letzten Jahren alles aufgegeben.“

    http://www.n-tv.de/politik/Wieviel-Multikulti-vertraegt-die-AfD-article13811691.html

    Wählerwanderung* zu der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen am 31. August 2014
    http://de.statista.com/statistik/daten/studie/323543/umfrage/waehlerwanderung-von-und-zu-der-afd-bei-der-landtagswahl-in-sachsen/

  45. Meine 3 Reichstaler:
    1. Frau Kelle ist übrings Rumäniendeutsche, nicht italienisch.
    Aber vor allem: Warum können „Ausländer“ nicht rassistisch sein:
    Redet ihr nicht immer von der „Inländerfeindlichkeit“ der Ausländer (nicht Fr. Kelle, die richtigen Ausländer)? Von „Weissenfeindlichkeit“, wenn Schwarze Obama wählen statt Reps usw.?

    2. Linksrutsch in Deutschland? Na klar, nicht seit 1968, sondern eher seit 1768!
    War denn die Abschaffung der Leibeigenschaft kein Linksrutsch? Die Judenemanzipation?
    Das Wahlrecht für Frauen? die Legalisierung der Homosexualität?
    War nicht schon Kanzler Adenauer ein dicker fetter Linksrutsch? – Im Vergleich mit seinem Vorgänger jedenfalls.

    3. Ich finde, Herr Gerlinski hat recht! Ja.
    Man denke nur an die Gefahren des Linksfaschismus, des Klimafaschismus, des (linken) Meinungsfaschismus, den Ökostalinismus, und natürlich die Feminazis.
    Und Keller, Tichy & Co. sind hier die Antifa! SO stimmt das Zitat. :-)

  46. Sehr geehrter Herr Niggemeier,

    gibt es einen besonderen Grund, warum Sie Kommentare nicht freischalten? Ich hoffe, ich habe in Ihren Augen nicht gehetzt, Hasskommentare geschrieben oder war gar politisch unkorrekt. Ich möchte Ihnen nicht unterstellen, dass Sie Diskussionen manipulieren, aber offener Diskurs sieht anders aus.

    Friedrich Jungeleit

  47. Sehr geehrter Herr Rosenkranz ,

    ich werde mich bessern und zukünftig nicht mehr ungeduldig und hektisch bereits nach 18 Stunden nach einem Kommentar fragen, nur weil später erstellte Kommentare bereits freigeschaltet sind.

    Mein Fehler!

  48. Könnte Herr Jungeleit in den nächsten 18 Stunden vielleicht mal Quellen für diese „Denkverbote“ gegen Kelle nennen? Ich sehe die ständig in den Medien und habe davon noch nichts mitbekommen.
    Also wer hat die wann und wo ausgesprochen und kann ich das nachlesen?

  49. @Jungeleit
    Im Bewusstsein, dass ich es gleich bereuen werde:
    „Ansichten einer Birgit Kelle vertreten den Zeitgeist konservativer Mitmenschen, die Denkverbote erkennen, Bevormundung empfinden, ihre Weltsicht und Werte politisch nicht mehr vertreten sehen.“

  50. @ Daniel
    Vielleicht wird es so klarer.

    „Ansichten EINER Birgit Kelle vertreten den Zeitgeist konservativer Mitmenschen, die Denkverbote erkennen, …“

    Birgit Kelle ist nicht Mittelpunkt der erkannten Denkverbote, konservative Menschen erkennen kein fokussiertes Denkverbot ausgerechnet GEGEN Frau Kelle, sondern empfinden allgemein Denkverbote. Frau Kelle äußert eine Meinung und erzeugt Reaktionen wie Kommentar 23, rückt in salafistische Nähe und wird Feinbild von Nikolaus Schneider.

    Dabei hat sie für mich – diesmal – nicht nur ein konservatives Meinungsbild zur Gender-Ideologie skizziert. Und vielleicht steckt wie beim postulierten anthropogen verursachten Klimawandel mehr religiöser Background dahinter als Herr Schneider es zugeben möchte. Interessanter Artikel bei sciencefiles.org …:

    „Im selben Jahr hat John Money in einem Fachbeitrag dargelegt, dass der biblische Schöpfer ein Hermaphrodit sei („manwoman God“)…“
    http://sciencefiles.org/2015/12/29/vorabdruck-ulrich-kutschera-das-gender-paradoxon/

    Und Denkverbote zu bestimmten Themen erkennen ja auch „linke“ Politiker.

    “Es gab in Deutschland tatsächlich einige Monate, in denen jedwede Kritik an der Flüchtlingspolitik als rechtsradikal eingestuft wurde und verboten war, ich habe das in meiner eigenen Partei erleben müssen.”

    Sigmar Gabriel, SPD, in der Sendung Maybrit Illner am 25. Februar 2016

    Die sogenannte Euphemismus-Tretmühle, die Probleme mittels Sprachpolizei nur neu verschleiert statt löst, ist auch eine Richtung von Denkverboten. Oder dieser Artikel, in dem der von mir verehrte Karl Raimund Popper zitiert wird, thematisiert Denkverbote in Deutschland.

    Deutsche Absurdität: Demokratie ohne Meinungsfreiheit
    http://sciencefiles.org/2016/02/28/deutsche-absurditaet-demokratie-ohne-meinungsfreiheit/

    Für mich beinhaltet die gepredigte Alternativlosigkeit einer politischen Handlung bereits ein Denkverbot.

  51. @ Daniel

    Vielleicht fielen Sie nur dem Stilmittel des Artikels zum Opfer. „Unter sich“ suggeriert ja, es handelt sich um einsame Zeitgenossen, um eigenbrötlerische Außenseiter, isolierte Einzelgänger. Und so interpretierten Sie eventuell, Birgit Kelle sei die letzte deutsche konservative Stimme und Denkverbotsvorwürfe könne demnach nur noch Frau Kelle betreffen.

    Bereits weiter vorne entstanden ja Textschwierigkeiten. Sie grübeln über Kommentar 3 mit dem Faschismuszitat nach, weil Sie nicht verstehen, dass der letzte Horst (Ihre Formulierung zu den Protestlern) „Wir sind das Volk“ und „Mainstream“ als Gegensatz skandiert. Doch der Kommentar 3 beinhaltet nicht Ihr Wort „Mainstream“, sondern den Begriff „Establishment“. Er meint also Establishment-Journalismus, nicht Mainstream-Journalismus. Sonst wäre es ein Oxymoron, da Mainstream auch mit „Massengeschmack“ übersetzt wird:

    „Massengeschmack-Medien vs. Massengeschmack“

    Entweder kämpfen die Verlagshäuser mit sinken Auflagen, mangelnden Abos und Akzeptanz in der Bevölkerung, weil sie den Massengeschmack nicht mehr repräsentieren oder es läuft prima und sie repräsentieren den Massengeschmack. Mainstream oder nicht? Da die Antwort bekannt ist, stellt sich die Frage, was oder wen repräsentieren die meisten deutschen Alpha-Journalisten? Mir fiele zu diesem Thema einige Adjektive ein.

    Doch wir sollten an dieser Stelle den »Austausch« beenden, die Karawane zog bereits weiter.

  52. „Zieh dir was an, Mädchen.
    Wer etwas kann, Mädchen,
    zieht dann und wann, Mädchen,
    ein bisschen was an, Mädchen.“
    Birgit Kelle hat schamlos abgeschrieben und sich ihre Promotion durch Markigwort erschlichen. Sie muss den Preis sofort zurückgeben!

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