50.000 Euro für das Weihnachtswunder­märchen

"Bunte"-Titel von Dezember 2015 mit der Schlagzeile "Exklusiv. Michael Schumacher: Er kann wieder gehen"
„Bunte“-Titel Nr. 53/2015

Die Zeitschrift „Bunte“ muss 50.000 Euro Entschädigung an Michael Schumacher zahlen.

Das Blatt hatte im Dezember 2015, zwei Jahre nach Schumachers schwerem Ski-Unfall, unter Berufung auf einen „Vertrauten“ aus dem Umfeld der Familie ein „Weihnachtswunder“ verkündet: Schumacher könne wieder gehen.

Diese Behauptung sei unwahr, stellte heute die Pressekammer am Hamburger Landgericht in ihrem Urteil fest, nachdem sie Schumachers Anwalt und die Autorin des Artikels, „Bunte“-Vizechefin Tanja May, im Februar unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu der Sache befragt hatte. Immerhin: Den Informanten gebe es tatsächlich, so das Gericht, sonst wäre die Geldentschädigung noch höher ausgefallen. Als erschwerend wertete die Kammer, dass die Autorin nicht bei der Managerin von Schumacher nachgefragt und dass die „Bunte“ ihre Weihnachtsausgabe auch in der „Bild“-Zeitung beworben hatte.

Ob das Blatt gegen das Urteil in Berufung gehen wird, war beim Verlag heute nicht zu erfahren. Doch selbst wenn es rechtskräftig werden sollte, wird sich die „Bunte“ davon ganz gewiss nicht beirren lassen. Hat sie ja auch sonst nicht. Erst ein paar Wochen vor dem Weihnachtswundermärchen hatte sie groß getitelt:

Michael Schumacher
Schlimme Nachrichten
Sein Zustand hat sich nicht verbessert
Dramatischer Gewichtsverlust

Die Familie ging dagegen vor, das Blatt musste die Schlagzeile schwärzen – und machte einfach weiter.

Mehr als ein Dutzend Titelgeschichten über Schumachers Schicksal hat die Burda-Zeitschrift (Motto: „Leidenschaft für Menschen“) bisher gebracht.

Im März dieses Jahres – gerade mal einen Monat nach der gerichtlichen Befragung von „Bunte“-Vize Tanja May – erschien diese Geschichte:

Es ging um einen Onkel von Schumacher. Autorin des Artikels: Tanja May.

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5 Kommentare

  1. man fragt sich ob die Schreibkraft Tanja May Rache übt, Rache für verlorene Prozesse und verlorenes Geld. Fühlt sie sich möglicherweise in ihrer (hüstel) Ehre angekratzt, wenn sie vor Gericht eine verdiente Klatsche bekommt?

    Ich empfinde für solche Figuren jedenfalls inzwischen nur noch Ekel.
    Dieses schäbige Wühlen in Bettlaken und Unterhosen, in Privatsphäre und Intimem von Prominenten, ist widerwärtig. Die ständigen Lügen, Verdrehungen und übergeigten Schlagzeilen, hinter denen sich Banalitäten verstecken – zum Kotzen.

    Schäbiges Tun von ebensolchen Typen.

  2. Wobei Krebstragödie in seiner Familie ja mal etwas weniger nunvirtuelles Clickbaiting ist als sonst üblich.

  3. In zehn Jahren schreibt Tanja May ihre große und schreibenswerte Vita. Darin wird sie beschreiben, wieviel Ekel ihr diese Arbeit bei BILD und BUNTE immer gemacht hat und daß sie nun geläutert sei, damit abgeschlossen habe und ab jetzt nur noch ein friedliches Leben auf dem Lande mit ihren zwei Hunden verbringen möchte.
    Dann tingelt sie von Lanz über Schlomka zu Böttinger und bietet auch Lesungen in jeder deutschen Großstatd an.

  4. @Onkel Hotte:
    zuvor wird sie allerdings bei Lanz sitzen, der sie aber nicht zu Wort kommen lässt – was ein Segen wäre … – wobei – ich überlege gerade ob es ein Segen wäre, wenn Lanz dauernd quatscht.

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