Wie die „Welt“ Google einen Kampf gegen „Breitbart“ unterstellt

Häufig staunt man, wie Kommentatoren unter den Artikeln auf Nachrichtenseiten abgehen; wie sie die schlimmsten Untergangsszenarien heraufbeschwören und das Gefühl haben, diese ganze Demokratie mit ihrer Meinungsfreiheit und allem sei nur noch eine leere Hülle. ></p>
<p>Manchmal staunt man aber auch nicht, weil der Artikel über diesen Kommentaren eine genau solche Reaktion nahelegt.</p>
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Dieser Artikel auf den Seiten der „Welt“ ist so einer. Er erweckt den Eindruck, dass Google sein Quasi-Monopol missbraucht, um gegen politisch missliebige Seiten vorzugehen. Dabei spricht – zumindest bei den hier behandelten Fällen – nichts dafür, dass das der Fall ist.

„Google packt die schärfsten Waffen gegen Breitbart & Co aus“, steht über dem Artikel, und – um das vorweg zu nehmen – nichts in dem Artikel handelt davon, dass Google seine schärfsten Waffen gegen Breitbart auspackt.

Die schärfste Waffe – das Nicht-Anzeigen einer Seite in den Suchergebnissen – hat Google nicht gegen die nationalistische amerikanische Nachrichtenseite „Breitbart“ gezückt, sondern gegen die radikale Verschwörungs- und Anti-Pharma-Seite „Natural News“. Aber auch das augenscheinlich nicht, wie der „Welt“-Artikel über weite Strecken suggeriert, weil sie „Fake News“ verbreitet, sondern wegen eines von Google ausdrücklich untersagten technischen Tricks, um Besucher auf andere Seiten weiterzuleiten.

Erst im sechsten Absatz kommt der „Welt“-Artikel kurz darauf zu sprechen. Vorher aber fällt immer wieder das Stichwort „Fake News“ – als sei das oder der „Rechtspopulismus“ der Betreiber der Grund für die Auslistung. („Rechtspopulismus“ ist ohnehin ein abwegiger Begriff für den gefährlichen und aggressiven Fanatismus der Seite „Natural News“ und ihres Betreibers Mike Adams.)

Schon im Seitentitel heißt es bei der „Welt“:

Google wirft Fake News und rechte Seiten aus dem Index

Und im Vorspann:

Der Suchmaschinen-Gigant Google weigert sich, die Fake-News-Seiten amerikanischer Rechtspopulisten anzuzeigen. Auch Werbeeinnahmen werden blockiert. Die Betreiber reagieren mit verbalen Entgleisungen.

Und später etwa:

Denn Google trifft die Wasserträger der alternativen Rechten an ihrer empfindlichsten Stelle, nämlich dort, wo die Geldbörse sitzt. (…)

„Natural News“ ist nicht die einzige Fake-News-Seite, die aktuell unter dem Liebesentzug der Internetbranche leiden muss. Google dürfte sie in diesem Falle angewendet haben, da „Natural News“ und die Schwesterseite „Info Wars“ einige Nutzer auf weitere Seiten der alternativen Rechten weitergeleitet haben.

Zunächst einmal: „Info Wars“ ist keine Schwesterseite von „Natural News“, höchstens eine Schwesterseite im Geiste. Und „Info Wars“ ist auch nicht von einer Auslistung durch Google betroffen.

Vor allem aber: Laut Google hat die Auslistung von „Natural News“ nichts mit „Fake News“ zu tun: „Natural News“ habe gegen die Richtlinien für Seitenbetreiber von Google verstoßen. Darin sind viele Gründe für eine solche Bestrafung vorgesehen – das Verbreiten von „Fake News“ gehört nicht dazu.

Ein Mitarbeiter der Google-Suchfunktion erklärte, dass die Entscheidung nichts mit dem redaktionellen Inhalt der Seiten zu tun habe, sondern allein mit einer heimlichen Umleitung der Nutzer auf der Mobilseite. Sobald diese technischen Tricks entfernt seien, könne sich die Seite wieder um die Aufnahme in den Suchindex bewerben – und nach einer Überprüfung werde sie ganz normal wieder über eine Google-Suche gefunden.

Für Außenstehende sind die genauen Vorgänge meistens nicht transparent nachzuvollziehen. Wer allerdings, wie die „Welt“, den Eindruck erweckt, es handele sich um eine politisch motivierte Aktion von Google, übernimmt die Erzählung der radikalen Verschwörungstheoretiker. Entsprechend heftig sind die Reaktionen der Kommentatoren.

Abschneiden von Werbeeinnahmen

So. Bis hierher hat die „Welt“ also erzählt, wie Google seine schärfste Waffe auspackt, aber nicht gegen Breitbart. Nun geht es einen Absatz lang um Google und eine andere Waffe: Den Ausschluss aus dem Werbenetzwerk von Google. Die „Welt“ schreibt:

Seit Ende Januar hat Google über 200 Seiten der rechten „Fake News“-Szene von ihrer wichtigsten Geldquelle abgeschnitten. Die rechten Webseiten bekommen schlicht keine Werbeanzeigen mehr über Googles Netzwerk zugespielt – und das ist immerhin das größte weltweit zur Vermittlung von Werbeplätzen im Internet. Damit dürfte für viele der Seitenbetreiber das Hauptmotiv zur Verbreitung der falschen Nachrichten wegfallen.

Dass Google Adsense 200 „Publisher“ aus seinem Netzwerk geworfen hat, berichteten amerikanische Medien Ende Januar. Die Zahl bezieht sich auf November und Dezember 2016. Es geht dabei auch, aber nicht nur um „Fake News“ – also Seiten, die sich als bekannte Nachrichtenseiten tarnen.

Kurze Zwischenfrage: War „Breitbart“ davon betroffen? Der Name steht ja groß in der Überschrift, und mit einem Screenshot von „Breitbart“ ist auch das in den Artikel prominent eingebaute Video bebildert (in dem konsequenterweise nicht von „Breitbart“ die Rede ist). Antwort: Nein, „Breitbart“ ist weiter Teil des Google-Adsense-Programms. Insofern ist der folgende Absatz des „Welt“-Artikels gleich mehrfach irreführend:

Nicht nur Google weigert sich aktuell, die rechte Szene durch Online-Werbung zu finanzieren. Ausgerechnet Breitbart.com, die von Trumps Chefberater Steve Bannon aufgebaute rechte Propaganda-Nachrichtenseite, wird seit einigen Wochen von mehreren großen Werbenetzwerken blockiert.

Nun sind wir also – nach einem völlig rätselhaften „ausgerechnet“ – bei Breitbart angekommen. Allerdings geht es fortan – man merkt es beim flüchtigen Lesen kaum – nicht mehr um Google. Sondern um das Werbenetzwerk Omnicom. Viele Kunden, die über Omnicom ihre Anzeigen schalten, schließen die Werbeplätze von „Breitbart“ inzwischen aus.

Das ist ein finanzielles Problem für „Breitbart“ – das, wie gesagt, nichts mit Google zu tun hat.

Die „Welt“-Kommentatoren aber sind ganz aufgebracht darüber, wie dieser Konzern seine Macht zur Zensur missbraucht. Man kann es ihnen nicht einmal verübeln. Sie haben ja vorher diesen „Welt“-Artikel gelesen, der ironischerweise ganz viel von „Fake News“ handelt.

Nachtrag, 23 Uhr. Die „Welt“ hat online die Überschrift geändert in: „Google wirft rechte Seiten aus dem Index“. Sie haben also nichts verstanden.

Nachtrag, 26. Februar. Die „Welt“ hat den Artikel jetzt gründlich überarbeitet und verbessert und die Überschrift geändert in: „Google zeigt US-Verschwörungsseite nicht mehr an“.

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28 Kommentare

  1. Ich finde ja, dass viele Leute auch mit diesem Begriff “quasi-Monopol“ ein bisschen leichtfertig umgehen. Es ist ja nicht so, als wäre es irgendwie schwierig, andere Suchmaschinen zu finden und dann halt die zu benutzen, wenn man will.
    Es will nur niemand.
    Ich weiß (natürlich nicht nur deshalb) auch gar nicht, ob ich es verwerflich fände, wenn Google Seiten auslisten würde, die ihnen nicht gefallen.
    Deshalb kann ich den Kommentatoren doch verübeln, wie aufgebracht sie sind. Guck: *verübel*
    Kommt, macht alle mit!

  2. @MURIEL, #1
    Naja, Google *ist* (hat) das Quasimonopol – es ist die Hauptanlaufstelle für Otto Normalbenutzer genauso wie Twitter/FB/YT¹ in ihren Segmenten). Die Herausforderung besteht ausserdem, wie bei auch Twitter/FB/YT, darin, dass der Nutzer gar nicht sieht/weiss/erfährt, dass ihm etwas vorenthalten wird.
    Wenn der einzige örtliche ‚Charakter’gastronom sagt „Wir bedienen keine Nazis“², dann weiss der gemeine nicht-Linke das und geht eben einen Ort weiter. Bei Google & Co. erfährt er aber gar nicht, dass es noch andere Gastronomen gibt. Da sehe ich den Unterschied.

    Zudem: siehe Fefe: https://blog.fefe.de/?ts=a64f8633

    ¹ das russische Pendant vk.com oder die chinesischen Dienste weibo.com/renren.com sind da, haben aber kaum Reichweite
    ² ich möchte mal den #Aufschrei erleben, wenn da steht „Wir bedienen keine Moslems.“

  3. P.S. Vielen Dank an Stefan Niggemeier für die Recherche!
    P.P.S. Hehe, dann war der Welt-Artikel ja auch #Fake-News.

  4. „Es will nur niemand.“
    Bin ich niemand?
    Ich nutze schon geraume Zeit „StarPage“.

  5. @ Muriel (1): Also wenn Google einfach mal so Seiten auslisten würde, die ihnen nicht gefallen, fände ich das äußerst verwerflich. Den (völlig zu Recht erfolgenden) Aufschei möchte ich mal sehen, wenn Google demnächst die Seiten von VW, mymuesli, BNN, tripadvisor & Arte aussperrt, nur weil sie die nicht mögen.

    Aber wie man sieht, hat Google gute Gründe für Sperren.

  6. Also nur eine Sanktion wegen Verstoßes gegen die AGBs. Schade.

    Ich fände es ausgezeichnet, wenn Google Seiten auslistet, die – sagen wir mal – dem Chef nicht gefallen. Im Kapitalismus hat jeder die Freiheit zu entscheiden, ob er irgendwelche radikalen Idioten von seinem Geschäftsmodell profitieren lassen möchte oder nicht.

    Wenn Toyotahändler den IS nicht mehr mit Pickups beliefern würden, würde ich das auch mögen. Mir gefällt auch, dass Nobelhart & Schmutzig in Berlin die AfD nicht mehr bekocht.

  7. @KDM: „Ich nutze schon geraume Zeit „Star[t]Page“.

    Schau mal auf das „Enhanced by Google“ rechts neben dem Suchfeld. ;)
    „Enhanced“ ist schon etwas dick aufgetragen, denn es _ist_ eine Googlesuche, die lediglich anonymisiert wird. Ergo, wenn Google was aus dem Index nimmt, dann wird es auch bei Startpage nicht gefunden.

  8. Immerhin ein/e Kommentator/in kam auf die Idee „breitbart“ bei Google einzugeben. Ein Lichtblick.

  9. Was im Artikel deutlicher hätte herausgestellt werden können ist, dass Google die Suchergebnisse ja prinzipiell niemals nach objektiven, inhaltlichen Kriterien listet. Die Reihenfolge ist allein durch einen Algorithmus bestimmt, der Googles bestgehütetes Geheimnis zu sein scheint.
    Einige vermuten, dass neben Werten wie ankommenden Links und Traffic die Geschäftsbeziehungen mit den Internetseiten einen entscheidenden Faktor darstellen.

    Kurz: Solange niemand aus dem Breitbart-Netzwerk aufhört, Google Adsense zu nutzen (und das macht aus naheliegenden Gründen niemand), wird Google die Seiten auch immer prominent listen, selbst wenn der Traffic nachließe.

  10. Vielen, vielen Dank Herr Niggemeier!

    Hab den Artikel heute gesehen, mich über die Überschrift sehr gewundert (weil ich mir das kaum vorstellen konnte) und nach schneller Lektüre auch gemerkt, dass da einiges nicht stimmt bzw. die Substanz nicht zur Präsentation passt.

    Nochmal danke, dass Sie das im Einzelnen aufgezeigt haben! Ich hoffe nicht, dass sich „Welt Online“ jetzt auf den Weg von „Focus Online“ begibt, wo sowas ja mehr oder weniger Standard ist, weshalb ich „Focus Online“ mittlerweile weitgehend boykottiere.

  11. man nennt das übrigens „cloaking“ und gehört tatsächlich zu den übelsten verfahren die google nicht einfach nur als negativ in bezug auf ihren pagerank bewertet, sondern das zum ausschluss führt, zurecht. da hat jemand nicht verstanden wie suchmaschinen funktionieren.

  12. @12 niggi: Worum es im Artikel geht, ist mir bewusst. Meine Anregung, was er on top auch hätte aufgreifen können, richtet sich auch in Richtung einiger, die vor mir kommentiert haben.

  13. Mal eine grundsätzliche Frage: dürfte Google in Amerika eigentlich Seiten auslisten? (rechtlich gesehen)
    Ich mein, schließlich ist Google ja eine private Firma, und wie bereits genannt dürfen Firmen ja durchaus selbst bestimmen, wen sie boykottieren wollen (aus welchen Gründen auch immer).
    Oder trifft Google da eine andere Rechtsprechung aufgrund der marktbeherrschenden Stellung? (als Monopol würde ich Google übrigens auch nicht bezeichnen, schließlich kann man ganz einfach andere Suchmaschinen nutzen und wird nicht davon abgehalten; ein Monopol besteht ja nur dann, wenn man als Kunde keine andere Wahl hat)

  14. Die CIA hat Mike Adams (dem Herausgeber von Naturalnews) erpresst zur Herausgabe von informationen, welches er verweigerte.
    Darauf hin hat die CIA in Kollaboration mit Google die Naturalnews Suchergebnisse und 140000 Seiten Inhalt vom Index gestrichen. Das hat nichts mit irgendwelchen Verstößen gegen Google Richtlinien zu tun, das sehe ich nur als vorgeschobenen Vorwand von Google.
    Diese Seiten sind nun für die Öffentlichkeit ganz einfach nicht mehr findbar, da die zum Teil delikaten Informationen für die Billionenschwere Krankheitsmaschinerie schädlich sein kann, inklusive für die darin verflechteten Lobbyisten und Politikern. Der Bevölkerung wird der Zugang zu freien Informationen, mit welchen Sie sich dann unter Awägung der gegenteiligen Ansichten, eine für sich persönlich eigene Meinung bilden können, um dann eine für sich persönlich richtige entscheidung zu treffen, schlicht verweigert.
    Es ist ein systematischer sehr trauriger Trend zu sehen, unabhängige und alternative Medien Mundtot zu machen. Das sollte uns allen sehr zu denken geben.

  15. @1:
    Stimmt. Ich ärgere mich ständig darüber, ziemlich ausgeschlossen zu sein, weil ich mich diesen modernen Kommunikationswegen aus gutem Grund verweigere.
    Noch reicht dieses sieben Jahre alte Netbook, um hier mitposten zu können.
    Mal sehen, wie lange noch.
    Mich ärgert regelmässig, dass ich bspw. im ÖR in praktisch jeder Sendung auch auf FB angefixt werde, obwohl es Alternativen gibt, siehe hier:
    https://whispeer.de/de/

    Für mich ein Ärgernis. Wenn dann noch vieles ohne ein Smartphone nicht mehr geht.
    Doppelt ärgerlich.
    Beispiel:
    http://www.rheinbahn.de/tickets/gelegentlich_unterwegs/Seiten/HappyHourTicket.aspx

    Helau…

  16. @ICHBINICH Der Kunde der sucht kann jederzeit wechseln, aber nicht der der gefunden werden will. Google hat eine Marktbeherrschende Stellung was Websuchen angeht. Wer dort nicht zu finden ist, wird kaum gefunden.

  17. @drdre nur kurz zur Ergänzung bei sonst weitestgehender Zustimmung: Der Vergleich Google zu FB/Twitter hinkt in diesem Zusammenhang ziemlich. Bei der Nutzung der Social Media Plattformen ist u.a. entscheidend wo sich mein soziales Umfeld befindet und ein Wechsel daher nicht möglich. Bei Suchmaschinen ist das völlig egal. Das Argument des Wissens zählt natürlich, es ist aber nicht so, dass z.b. Bing nicht auf vielen Windowsrechner vorkonfiguriert wäre oder z.B. bei iOS als Defaultsuchmaschine über Siri genutzt werden würde. Die anderen sind halt nur in weiten Teilen schlecht genug um Google nicht das Wasser reichen zu können. Aber das führt jetzt zu weit.

  18. @R K: Hier sieht man die Qualität eines freien Diskurses. Sie dürfen den Unsinn zwar schreiben, aber es glaubt Ihnen keiner, ganz ohne Zensur.

  19. @16: nochmal, es geht hier nicht um ein boykott, nucht um eine willkür, das ist verschwörungstheorie und beweist dass man keine ahnung von suchmaschinen hat. google ist die bisher noch immer und leider einzige suchmaschine mit recht guten kriterien des rankings, die stetig weiterentwickelt werden und filtersysteme gegen betrügerische arglistige verfahren um an mehr traffic zu gelangen (hier durch das cloaking) einsetzen. und zurecht hat google auch den alten pagerank abgeschafft bzw. weiterentwickelt/ergänzt, während etwa yandex noch immer den technischen stand der suchmaschinen von vor 5jahren hat. ich empfehle, sich einmal mit dem thema SEO auseinanderzusetzen.

  20. @STE: häh?
    Ich habe weder etwas von Boykott/Willkür noch sonst irgendwas bezüglich des Breitbart-Falles geschrieben. Ich habe nur die Frage gestellt, ob google das grundsätzlich DÜRFTE — nicht dass sie es getan haben. Und zwar ganz einfach, weil es mich interessiert (und ich würde es immer noch gerne wissen).
    Mehr nicht. Wie Sie darauf kommen, mir eine Verschwörungstheorie zu unterstellen ist mir ehrlich gesagt — auch nach nochmaligem Lesen meines Beitrages — schleierhaft.

  21. Ob Google eine Website bei Nicht-Gefallen aus seinem Index streichen und somit dem größten Teil der Suchmaschinennutzer vorenthalten dürfte, beantwortet kurioserweise das deutsche bzw. europäische Wettbewerbsrecht – mit „nein“. Unternehmen mit marktbeherrschender Stellung (das ist alles über ca. 30% Marktanteil) verlieren einen Teil ihrer Handlungsfreiheiten. So kann für sie etwa ein Kontrahierungszwang vorliegen oder ein verschärftes Diskriminierungsverbot. Dass also Google zumindest in der EU die Website “ breitbart.com“ wegen ihres Inhalts auslistet, ist juristisch nur sehr schwer vorstellbar. Das hätte der Welt-Autor bei ei er vernünftigen Recherche auch herausfinden müssen.

  22. @Volker, #24

    Na, da hat aber Einer in Staatsbürgerkunde nicht aufgepasst?!
    Im „Kampf gegen Rechts“ ist schlicht *alles* erlaubt (der Zweck heiligt die Mittel)- da käme so ein Delisting nur gelegen (siehe „Fake-News“-Kampagnen) und würde wohl recht wohlwollend/zustimmend aufgenommen werden.

    „Schlicht *alles* erlaubt“? Ja, von der Nötigung über Bedrohung, Sachbeschädigung, Körperverletzung bis hin zum Ausserkraftsetzen von ganzen Teilen der Verfassung (bes. Art. 2, 3, 5, 8) (nur ein Beispiel von Vielen). Jeweils mit Wohlwollen begleitet von Politik und Medien (siehe vorhergehender Link: SWR). Es gibt sogar wieder staatliche Fördermittel dafür (letzter Absatz).
    Die Politik ist sich ihrer Sache und Unangreifbarkeit so sicher, dass sie den „Kampf gegen Rechts“ auch nicht (nachvollziehbar) „Kampf gegen Faschismus“ o.ä. nennen (und darauf beschränken!), sondern ganz offen auf den politischen Gegner AfD und dessen Sympathisanten zielen. Dazu wird auch gerne mal die Statistik zurechtgebogen (CTRL-F „hineingezählt“), um die Gefahr plastischer erscheinen zu lassen oder die AfD bewusst in die Nähe der Nazis¹ ² (2 Links) gerückt.
    Die Situation nähert sich mMn bedenklich den 1920ern / frühen 1930ern – nur dass die Fronten vertauscht sind und der AfD noch ein ‚Blaufrontkämpferbund‘ fehlt, der ihre Leute und Veranstaltungen vor Übergriffen schützt.

    P.S. Noch ein Artikel, den ich recht informativ finde:

    ¹ die Neonazis könnten die Verbrechen des NS-Regimes kaum wirksamer verharmlosen, als es die „Guten“ jetzt mit diesen Vergleichen tun.
    ² ein Migrant baut Mist == „Man muss da differenzieren, darf nicht alle Migranten über einen Kamm scheren!“. Ein AfD-ler baut Mist == „Haben wir doch gesagt! Die AfD sind Nazis!“.

  23. @23: Eine Auslistung erfolgt gemäß der Verstöße gegen Richtlinien der jeweiligen Plattform (hier Google) und nicht willkürlich; egal ob es sich um eine deutsche, amerikanische, russische oder sonst was Webanwendung handelt. Und dies ist bitte nicht zu verwechseln mit einer staatlichen Exekutive. Google will mehr und mehr die Anwender dazu bringen, sich mehr um ihren Content zu kümmern und weniger technische Manipulationen zu nutzen. Auch auf die echte Qualität der Backlinks wird vermehrt Rücksicht genommen und künstliche Verlinkungsstruktur (Linkfarming) abgestraft.

  24. @STE, #23

    Ich sehe einen wichtigen Teil der Politik Googles in der echten Abstrafung (anstatt dass ‚Tricksereien‘ nur wirkungslos, aber nicht selbst-schädigend wären) der Missetäter.
    Zu oft ist es IRL so, dass ‚erwischt werden‘ gegenüber dem hohen Nutzen der Übertretung kaum Schaden produziert. Umweltschutz ist dafür glaube ich ein gutes Beispiel, hier wiederum exponiert der Abgas-Skandal.

  25. danke für den artikel! ich habe gestern den welt-artikel gelesen und war mit jeder zeile verwirrter. adsense, ranking, weiterleitung, alles wurde so vermixt, dass man nichtmal mit der feststellung „der schreiber hat was missverstanden“ zurückrechnen konnte, was wirklich geschehen ist.

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