Doppelpunkt-Minus-Klammer-zu

Es gibt jede Menge Wörter in der deutschen Sprache, die ich wirklich ungern verwende: „Eichelkranzfurche“, „Tomatengesäß“, „Robin Schulz“ … Die Liste ist genauso wie der Vor- und Zuname eines berühmten chinesischen Pianisten: Lang! Wie gesagt: Ich benutze sie ungern, aber richtigen Hass, wie der kundige Leser ihn aus Kommentarspalten deutscher Leitmedien kennt, mögen sie bei mir nicht auslösen.

Da muss man schon tiefer wühlen. Denn ja: Es gibt eine Zeichenkombination, die bei mir echten Schaum am Mund und hemmungsloses Nasenbluten hervorrufen kann. Es ist weniger ein fester Begriff, mehr eine zur Interpunktion gewordene Emotion. Diese Zeichenzusammenstellung strotzt vor solch einer bizarren Unästhetik, dass ich es nicht wage, mit ihr diesen Text zu verunstalten, und doch weiß jeder, was gemeint ist, wenn ich sage: Doppelpunkt-Minus-Klammer-zu! Turbo-Igittigitt des Todes!

Doppelpunkt-Minus-Klammer-zu. Wahlweise auch die Abwandlung Semikolon-Minus-Klammer-zu oder schlicht Doppelpunkt-Klammer-zu ganz ohne Minus. Nach meiner Beobachtung wird dieses Relikt aus den Anfängen des Internets, (zumindest öffentlich) meist nur noch von Journalisten auf sämtlichen Social Media-Kanälen benutzt. Es stammt aus einer Zeit, in der noch nicht in „männlich“ und „weiblich“ unterschieden wurde, sondern in „im Besitze eines Penis“ oder „kastriert“. Damals, als Frauen noch nicht wählen durften, war diese Kombination ein waschechter Gassenhauer auf zum Beispiel Plattformen wie ICQ (ca 500 v. Chr.)! Wirkt scheinheilig freundlich und tut augenscheinlich niemandem etwas.

Doch Vorsicht: Wer ihm traut, sich von seiner schmierigen Schmunzelmaske täuschen lässt, übersieht welchen Schaden er anrichten kann. Um das zu erkennen, muss man nur hinsehen, aus welchem Grund diese Smileys benutzt werden.

Während man bei einem Emoji noch rechtfertigen könnte, dass er etwas Farbe in einen sonst sehr drögen Post bringt, hat der altertümliche Doppelpunkt-Minus-Klammer-zu-Smiley nur eine Bedeutung: „Achtung! Vorsicht! Aufgepasst! Keine Gefahr: Das, was gerade gesagt wurde, war nur ’n kleiner Spaß! Nagelt mich nicht darauf fest. Ich bleibe der Seriosität treu. Jetzt darf kurz geschmunzelt werden, dann aber zurück an die Arbeit“.

Ironie ja, aber sie muss schon ganz klar erkennbar sein! Das liegt wohlmöglich in der Natur des Journalisten: Er möchte ja Klarheit schaffen, Licht ins Dunkel bringen, erklären und Missverständnisse aus dem Weg räumen. Das ist seine ehrenwerte Pflicht. Jedoch ist eine Erklärung und Einordnung bei einem Witz ähnlich fehl am Platz wie Dr. Dre auf dem Ärtzekongress Babelsberg (sehr).

Es gibt nur zwei Gründe, einen Gag als solchen öffentlich erkennbar zu machen: Entweder man hält die Pointe selbst für zu schwach, als dass man sie unmissverständlich erkennen könnte, oder man unterschätzt sein Gegenüber so sehr, dass man ihm nicht zutraut, eine ironische Aussage richtig interpretieren zu können.

Kein ernst zu nehmender Humorschaffender würde unironisch einen Doppelpunkt-Minus-Klammer- zu-Smiley zur Unterstützung des eigenen Witzes benutzen. Ich vermute, sie springen nach dieser Aussage erzürnt auf und plärren: „Obacht! Ich meine mich dunkel zu entsinnen, dieses Phänomen schon das ein oder andere mal auf dem Twitter-Account von Bülent Ceylan beobachtet zu haben.“

Dazu kann ich nur folgendes entgegnen: Ja, klar tut er das! Aber erstens sagt er, wenn in seiner Show keiner lacht, auch wegweisende Sätze wie „Jetzt könn‘ se ruhig ma abblaudiere, damit ich weiß: war gut“ und zweitens möchte ich mich nicht soweit aus dem Fenster lehnen und Bülent Ceylan als „Humorschaffender“ bezeichnen. Doppelpunkt-Minus-Klammer-zu!

 
Medien besser kritisieren.

30 Kommentare

  1. Ich kenne die verpönte Zeichenkombination auch als Zeichen für allg. Freundlichkeit.
    Aber gut, entweder traut mir mein Gegenüber nicht zu, Freundlichkeit auch so zu erkennen, oder es ist nicht freundlich und lügt.

  2. @mycroft es kann auch ganz einfach eine Verstärkung der Freundlichkeit sein oder zum Ausdruck bringen, dass man sich wohl fühlt 🙂.

  3. Ich wurde in einem öffentlichen Forum sogar einmal gerügt weil ich einen offensichtlich ironisch gemeinten Beitrag gepostet hatte von dem der Ersteller sich angegriffen fühlte. Begründung der Rüge: Der Beitrag sei nicht als ironisch zu werten gewesen weil kein Smiley dahinter gestanden habe!

  4. Wenn man etwas sagt kann man über den begleitenden Gesichtsausdruck sehr viel zusätzliche Information transportieren. Bei Diskussionen in Internetforen ist das leider nicht möglich. Dafür haben findige Leute im Usenet irgendwann vor Deiner Geburt Emoticons erfunden. Tolle Sache das ;-).

  5. Wenngleich die inflationäre Verwendung von Smileys einen Text schnell in’s Billige oder Lächerliche abgleiten lassen kann, können gezielt eingesetzte Smileys aber durchaus noch eine kleine andere Stimmfarbe hinzufügen. Von daher: ein Hoch auf :-), ;-) & :-D. Und manchmal auch auf :-(, :-| & :-}~.

  6. Ich mag das :) ganz gern. Wohingegen ich Seiten doof finde, die es automatisch in diese gelben Dinger verwandeln. Danach sieht der Text immer aus, als hätte jemand hineinuriniert. Das ist nicht schön.

  7. ich bekomme bei eigentlich allen Emojis die Krätze.
    Entweder, man drückt sich so aus, dass der Text richtig verstanden wird, oder man lässt es ganz bleiben. Am schlimmsten sind Leute, die auf eine Frage oder eine Mitteilung nur mit einem Emoji antworten. Das heißt dann so viel wie „leck mich am Arsch“ – selbst wenns ’ne Grinsefratze ist.

    (kein smiley)

  8. @6 Leo
    FULL ACK ;-)
    Vom Bild es Autors her weiß der kaum was Usenet ist und wie und warum man seinerzeit aussschließlich in ASCII kommunizierte.

  9. Schmidt123 ist in der Lage ohne Missverständnisse zu kommunizieren,wau! Und er ist nicht in der UNO,was für ein Verlust für die internationale Diplomatie!
    Und/Oder er ist sowas/jemand wie Sheldon Cooper,der grundsätzlich Probbleme mit Ironie und/oder Sarkasmus hat.
    Aber ansonsten absolut brlliant ist
    und sich daran berauscht.
    Ohne Ironie-Zeichen würde ich den Text als agressiv ansehen,oder?!
    Aber es gibt Leute,die nicht in der Lage sind zuerkennen das man über sie nachgedacht hat und beschlossen hat sie nicht 100%ig ernst zunehmen!
    Das das Netz das erlaubt wird von manchen aufgrund ihrer „Wahrnehmungstörung“ als gegen sie persönlich gerichtet angesehen!
    HEE es ist das Internet nicht die echte reale f*cking Welt!!!

  10. :-/
    Es ist nicht zu verhindern, dass in der öffentlichen, schriftlichen Kommunikation die Mimik ihre Form findet. Das ist menschlich und notwendig. Kommunikation ist mehr als Text. Ich kann sehr gut mit eiserner Mine kommunizieren und Blicke aufsetzen, die tödlich sind, ich kann aber auch ebenso gut mit einem zarten Lächeln das Eis zum Schmelzen bringen oder den Funken zur Weißglut. Man sollte also mitnichten seine Möglichkeiten reduzieren, sondern erweitern. Dass man damit nicht immer den Geschmack oder die Erwartungen aller trifft, gehört dazu. Genau so könnte man das Lächeln grundsätzlich doof finden.

  11. Erstens: Ich bin kein Journalist, ich benutze die klassischen Emoticons auch nicht auf Twitter (wenn ich mich nicht irre), und trotzdem glaube ich nicht dass es für mich ohne sie ginge.
    Allerdings benutze ich sie um meine Stimmung die ich herüber bringen möchte zu unterstreichen, selten wenn ich Ironie oder vor allem Sarkasmus einsetze, dann vor allem wenn ich auf gar keinen Fall will, dass der Kommentar für ernst genommen wird.
    Und wenn jemand ein Problem damit hat, warum sollte das mein Problem sein?

  12. „kann man über den begleitenden Gesichtsausdruck sehr viel zusätzliche Information transportieren. Bei Diskussionen in Internetforen ist das leider nicht möglich.“

    Hm, wie haben das nur Musil, Mann, Tucholsky, Gernhardt, Brecht, Willemsen, Goldt, Eilert, Henschel, Henscheidt, Dostojewski, Kafka, Polt, Roth, Kempowski, Boehlich, Proust, Schopenhauer … hinbekommen schriftlich auch ironisch gemeinte Gedanken zu transportieren, ganz ohne Emoticons? Achsojarichtig, die haben ja nicht in Internetforen diskutiert. Verstehe. (kein Smiley).

  13. #15@Maximillion – Da würde auch dazu passen – warum gibt es in Höhlenmalerei keine Smileys. Errate welche Emotion mich zu diesem Kommentar getrieben hat.

  14. @Maximillion, #15:
    Lindgren nicht zu vergessen.
    Achnee, die hat es ja gar nicht geschafft, und wird posthum angegriffen, weil eine ihrer Figuren was Negatives über Leute aus Nicaragua oder wo sagte.

    2×3=4 und so.

  15. „Während man bei einem Emoji noch rechtfertigen könnte, dass er etwas Farbe in einen sonst sehr drögen Post bringt,“

    Im Gegenteil. Die heute allgegenwärtigen Zwangsgrafiken von Facebook + Messengern sind tatsächlich meine persönlichen #hassgrafiken, da Sie übermäßig infantil und niedlich gestaltet sind und daher keine vernünftige emotionalen Ausdruck transportieren, sondern immer wie ein drittklassiges Manga wirken.

  16. Wer sagt MAXIMILLION, dass die genannten Autoren Bücher, Romane, Novellen schruben und nicht an Diskussionen teilnahmen?
    Man überbringe ihm die Botschaft per Kurier zu Pferde.

  17. „[..] hat der altertümliche Doppelpunkt-Minus-Klammer-zu-Smiley nur eine Bedeutung: „Achtung! Vorsicht! Aufgepasst! Keine Gefahr: Das, was gerade gesagt wurde, war nur ’n kleiner Spaß! Nagelt mich nicht darauf fest. Ich bleibe der Seriosität treu. Jetzt darf kurz geschmunzelt werden, dann aber zurück an die Arbeit.“

    Smileys sind dazu da, die Stimmung des Schreibenen auszudrücken, da der angeschriebene ja die Mimik und Gestik nicht sehen kann. Ein Standard-Smiley einfach pauschal auf „Kleiner Spaß“/“nicht ernst gemeint“ zu reduzieren ist doch Blodsinn! Bei mir heißt das „:-)“ einfach „Ich freue mich“, für Ironie wird „;-)“ oder „:-P“ verwendet. Klar, wenn jemand immer nur das gleiche Smiley für verschiedene Kontexte benutzte, dann hilft das nicht viel weiter, und derjenige könnte es auch sein lassen. Aber wer die Smileys sinnvoll einsetzt, kann sehr effizient Verwirrungen vermeiden. Und darum sollte es doch gehen, dass wir uns auch in geschriebener Form richtig verstehen. Ein „Nutzt keine Smileys!“ wird dabei auf jeden Fall nciht behilflich sein :-/.

  18. Zu spät! Die wahre Hipster-Avantgarde-Stilpolizei reitet schon längst wieder euphorisch die Smileywelle, nur echt in Comic Sans gesetzt.
    Das ist deren feine Rache an den Fashion-Konventions-Followern. Distinktion und Timing machen den Hipster hot.

    Es wurde übrigens vergessen, den Anlass zu erwähnen. (10 JahresJubiläum der Smiley-Schmähung)

    Am angesagtesten ist immer gerade das, was für den Rest das absolute NoGo ist. Und andersrum. Euer Hass macht den neuesten Trend.

  19. @Maximillion: Ja schon. Nun sind wir aber, die wir heutzutage alle öffentlich unsere Meinung kundtun können, ohne dafür erst einen Verleger finden zu müssen, nicht alle kleine Musils oder Kafkas oder Schopenhauers. Sie verstehen? (Zwinkersmiley)

  20. „Hasswort“ hat leider irritierend häufig etwas sehr Zwiebelfischiges an sich. Ist mir glaube ich noch nie so stark aufgefallen wie bei diesem Beitrag.

  21. Dieser Artikel wirkt auf mich unvollständig, wie mittendrin abgebrochen. Oder eher kurz nach der Einleitung bereits abgebrochen. So bleibt nur der Eindruck zurück, ein Stück nichtssagendes Text gelesen zu haben, obwohl ich zunächst neugierig gespannt auf die Argumentation des Autors gewesen bin… die dann aber nicht kam.

  22. so sad :(

    Und solln wir jetzt alles so machen, wie diese zweifelsohne großen Schriftsteller? Keine Smileys, keine Homepage, kein social media, …

    schönen Sonntag noch :)

  23. Ich verwende deswegen mittlerweile in jedem Satz einen Smiley um meine Stimmung kund zu tun… und lasse ihn bei ironisch gemeinten Sätzen weg.

  24. „Man unterschätzt sein Gegenüber so sehr, dass man ihm nicht zutraut, eine ironische Aussage richtig interpretieren zu können.“

    Erinnert sich eigentlich noch jemand an die Fernsehsendung „Extratour“, die in den 80ern von Radio Bremen produziert und im ersten Fernsehprogramm ausgestrahlt wurde? Eine Jugendsendung, in der aus künstlerischen Gründen auch schon mal eine halbe Sendung in Schwarz/Weiß ausgestrahlt wurde, aus der die Bezeichnung von Christian Schwarz-Schilling als „Der Sonnenschein der Republik“ (basierend auf der Affaire um die Batteriefabrik Sonnenschein) oder der Spruch „Achtung, jetzt kommt ein Karton“ stammt.

    Da gab es eine Folge, in der thematisiert wurde, daß ein Politiker sich über die Sendung beschwert hatte, weil er einen Beitrag nicht als Satire erkannt hatte. In dieser Sendung wurde dann immer wieder eine Baubinde mit den Text „Achtung, Satire!“ eingeblendet. Und bei bestimmten Beiträgen wurde explizit dazugesagt, daß das jetzt gerade keine Satire war, weil ja der Text nicht eingeblendet war.

    Ach, eigentlich müsste ich in dieser Nacht noch ein letztes Mal meinen Fernseher einschalten. Im Ruhrgebiet wird in dieser Nacht auf DVB-T2 umgestellt, und mein Apparat kann nur DVB-T. Aber war sollte ich gucken? Für Ute, Schnute, Kasimir ist es jetzt um 22 Uhr zu spät. Derrick ermittelt nicht mehr, Kommissar Köster als „Der Alte“ auch nicht. Ganoven-Ede jagt weder Verbrecher noch Nepper, Schlepper und Bauernfänger. Wim Thoelke ist tot, Hans Rosental und Hans-Joachim Kuhlenkampff ebenso. Die ZDF-Hitparade, in der gefühlt in jeder zweiten Ausgabe auf die BILD-Zeitung hingewiesen wurde, läuft auch nicht mehr. Als Jugendlicher in den 80ern habe ich mit Interesse im Dritten Programm die Sendung „Hilferufe“ gesehen. Gibt es die eigentlich noch?

  25. Schriftsteller, die Bücher schreiben, nehmen keine Beziehung auf. Letztlich sind es Monologe, Texte ins All geschleudert.
    Im Dialog ist es manchmal für mich wichtig, über den Text hinaus eine Beziehung auszudrücken und das mache ich mit ;). Emojis finde ich schrecklich.

    Manchmal bin ich in Foren sehr scharf und sarkastisch. Da kann ich mit dem Zeichen trennen, ob ich nur den Text oder darüberhinaus auch die Person meine. Freund-Feind-Schema darstellen.

    Manchmal kann es auch höhnisch sein.

  26. „„Man unterschätzt sein Gegenüber so sehr, dass man ihm nicht zutraut, eine ironische Aussage richtig interpretieren zu können.“

    Das lässt tief auf die Schicht und Umgebung des Aussagenden schließen. In dem Regionalforum, wo ich schreibe, können eine ganze Reihe Menschen komplexe ironische Aussagen nicht identifizieren, so dass schon angemahnt wurde, diese zu kennzeichnen. “ oje „

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