Versuch, den Stadl unter Konfetti zu begraben, knapp gescheitert

Das Jahr 2016 hat gerade im Bereich Musik viele prominente Opfer gefordert. Das größte dürfte dabei zweifelsohne der „Musikantenstadl“ sein. Nachdem Andy Borg das Flaggschiff der Schunkelunterhaltung im Jahr 2015 verließ, sollte plötzlich mit Hilfe von Alexander Mazza und der Schweizer Sängerin Francine Jordi ein jüngeres Publikum angesprochen werden. Das Konzept der rundum erneuerten „Stadlshow“ ging nicht ganz auf, und so war das frühere Maß der Dinge in Sachen Bierbänke und Blasmusik nur noch ein Schatten seiner selbst. Als Konsequenz daraus wird es bis auf Weiteres erstmal nur noch den „Silvesterstadl“ geben.

Unser Stadl-Sonderkorrespondent Markus Herrmann hat sich die Wrestlemania der volkstümlichen Musik komplett angesehen und das schwer fassbare Geschehen in Wort und Bild dokumentiert.

Jörg Pilawa feiert als Moderator neben der mittlerweile bewährten Francine Jordi seine Stadlpremiere. Ansonsten soll laut ORF-TV-Unterhaltungschef Edgar Böhm alles in der „bewährten Musikfarbe“ ablaufen. Welche Farbe wäre das eigentlich? Vielleicht so wie ein Rauhaar-Dackel? Oder das Lila, welches sich ergibt, wenn weiße Haare im Selbstversuch schwarz getönt werden sollen? Noch ehe man sich weitere Gedanken dazu machen kann, kommt Jörg Pilawa auch schon mit hundert Sachen auf Skiern in die Mehrzweckhalle in Graz gedonnert.

Es scheint, als würde er zwischen Fähnchen und Lederhosen für einen kurzen Moment inne halten und sich fragen, warum er nicht einfach beim Quiz geblieben ist. Hilft alles nichts, jetzt muss abgeliefert werden! Millionen von Omas haben schließlich gerade die gemischte Palette Knabbermix aufgetischt.

Nachdem das erste kleine Tischfeuerwerk in Sachen Gags eher verpufft, wird direkt zum D-Böller in der Partykiste gegriffen: DJ Ötzi! UH! AH! AWANNANOOH OHH OHHH OHHHHH! Während der Rest des Publikums auf eine halbe Sekunde Fernsehzeit hofft, greift sich ein Weihnachtsbeamter ein Herz und springt direkt ins Licht, um DJ Ötzi noch rechtzeitig vor Jahresende seinen Steuerbescheid zu überreichen.

Wie soll DAS denn bitte noch gesteigert werden?! Kaum eine Viertelstunde auf Sendung, schon stehen die Amigos auf der Bühne. Bernd und Karl-Heinz singen von einem Feuerwerk in ihrem Herzen. Genauer gesagt davon, wie es wie in einem Vulkan in ihnen brennt. Zur Info: Laut Wikipedia herrschen in einem Vulkan Temperaturen zwischen 1000 und 1300 Grad Celsius. Man kann sich also kaum ausmalen, was die Amigos tagtäglich durchmachen müssen, während sie in ihren feuerfesten Anzügen seichte Vengaboys-Beats erfinden.

Co-Moderatorin Francine Jordi lässt sich zum ersten Mal blicken und hat direkt eine sichere Bank in Sachen Stimmung parat: Macarena! 23 Jahre nach Veröffentlichung des Songs wird der Tanz noch einmal einstudiert. Allerdings auf halber Geschwindigkeit, damit das Publikum im Saal nicht überfordert ist. Schließlich soll später noch der Macarena-Weltrekord gebrochen werden! Zeitgleich werden im Backstagebereich die Amigos mit Hilfe eines Eisbeckens auf etwa 500 Grad Celsius runtergekühlt.

Die Edlseer feiern ihr 25-jähriges Bandjubiläum, weshalb sich zur Anmoderation ein ganz besonderer Gratulant aus der steirischen Heimat blicken lässt. Wir fassen an dieser Stelle kurz zusammen: Nach weniger als einer halben Stunde gab es bereits Jörg Pilawa auf Skiern, DJ Ötzi, Die Amigos (heiß!), Macarena und Arnold Schwarzenegger. Was soll denn in den kommenden 19 Stunden jetzt schon noch groß folgen?!

Die Edlseer haben allerdings ein Problem mitgebracht: Sie haben sich in eine Frau verliebt, die bereits vergeben ist, wollen als ehrenhafte Männer allerdings nicht dazwischen funken. Und was macht man da? Richtig, warten bis die Frau gestorben ist! Genauer gesagt: „Aber dann im Garten Eden, wo a jeder darf mit jedem, wo dann alles ist erlaubt. Du, dann küss I di, daß nur so staubt.“ Okay … ähm … also … na ja … lassen wir das. Es mag in diesem Fall die wahrscheinlich unbedeutendste Frage sein, aber … warum staubt es dann beim Küssen?

Nach so viel Musik gibt es zum Runterkommen erstmal Tricky Niki mit dem kleinen Drachen Emil, der davon schwärmt „wie geil die heiße Schnitte von Moderatorin ist“ und später mal Erotikstar werden möchte. Ähm, okay. Fragt sich jetzt nur, ob zu Lebzeiten oder dann im staubigen Garten Eden.

Bevor der Chauvi-Drache Sachen wie „Aber die Frauen sind doch selbst Schuld, wenn sie sich so anziehen!“ sagen kann, tritt schnell die Spider Murphy Gang auf. Nach all den Jahren sind die schon so eingespielt, dass sie nicht mal mehr Stromkabel brauchen. Spider Wifi Gang!

Jetzt singen Anita und Alexandra Hofmann ein Abba-Medley. Besonders beeindruckend dabei ist, dass eine von beiden rund 15 Arme hat.

Nachdem eine Blaskapelle wieder Zucht und Ordnung in den Saal gebracht hat, gibt es ein wichtiges Stadl-Erfolgsrezept: Blasmusik-Kinder! Der kleine Raphael hat allerdings nicht so richtig Lust, den großen Zampano zu machen und will einfach nur nach Hause und weiter an seinem E-Commerce-Start-Up tüfteln. Das Interview mit ihm läuft wie folgt:

Jörg Pilawa: Wann wirst du 13?
Raphael: Im November.
Pilawa: Das ist ja noch lange hin. Hast du jetzt schon einen Wunsch? Noch können wir ja alles klar machen!
Raphael: Nein.
Jörg Pilawa: Überleg noch ein bisschen. Wie lange bist du dabei?
Raphael: Ein Jahr.
Jörg Pilawa: … wer ist denn der älteste bei euch, weißt du das?
Raphael: Nein?

Das ziemliche Gegenteil von Raphael ist die Saragossa Band. Die reihen diverse Wörter, die nach Strand und Vanilleparfum klingen, einfach aneinander und tanzen fröhlich dazu. Von Radetzky-Marsch zur Copacabana in unter einer Minute! Im Prinzip fehlt dazwischen nur noch ein Verkäufer mit „Adihash“-T-Shirts.

Aber genug vom Strand. Der hat in den Alpen schließlich nichts zu suchen! Stattdessen singen „Die Jungen Zillertaler“ jetzt ihr „Fliegerlied“. Das ist vom Mitmachlevel sowas wie „Macarena“ aus dem Zillertal und reicht als Ohrwurm bis mindestens 2019.

Während nach einer kurzen Pause inklusive Stadtrundgang mit Johann Lafer nun zum zünftigen Schunkeln angesetzt wird, gibt es für einen kurzen Moment ein einzigartiges Naturschauspiel, als zwei Generationen aufeinander prallen. Während im Hintergrund die steirische Humpdada dudelt, nutzt ein Dirndlmädchen ihre 0,5 Sekunden Stadlruhm und setzt zum Dabben an! Was ist denn hier los?!

Jetzt kommt langsam alles durcheinander. Auf einmal singt Jörg Pilawa von der Nordseeküste!

Weil ich mich bei Jörg Pilawas Gesang- und Tanzeinlage hinter dem Sofa zusammengekauert habe, habe ich jetzt leider verpasst, wer das hier ist. Aber sie singen davon, dass sie gern ein- oder zweitausend Jahre am Leben wären, um sich letztlich „in der Ewigkeit dann nie mehr zu verlieren“. Aber wie ist das jetzt geregelt, wenn einer von den Edlseern blicken lässt und alles staubig küssen will? Ist das dann rechtens? Man merkt: Das Leben nach dem Tod scheint ein zentrales Thema zu sein.

Nachtrag: Das waren grad „Die Paldauer“. Nach Schlager-Schwergewicht Nik P. und irgendeinem Mann mit Gitarre wird noch mal „Macarena“ geübt. Das Publikum kann aber nur so halb folgen. Erschwerend hinzu kommt nämlich, dass zwischenzeitlich Knicklichter verteilt wurden. Wer soll sich da denn bitte konzentrieren?!

Im „Silvesterstadl“ wird es einfach nie ruhig und man ist immer auf der Suche nach etwas Stunk. Nachdem die kölsche Band Brings davon singt, dass in jedem „e kölsche Jeck“ steckt, treten die Paldauer noch mal auf und singen von ihrem „Düsseldorf Girl“. Der Song handelt davon, dass man sich wieder richtig fit fühlt und mit der Harley ins Büro fährt, wenn man ein Düsseldorfer Girl mit blonden Haaren an der Angel hat. Aha. Viel interessanter ist allerdings, dass es im „Silvesterstadl“ bereits seit knapp zwei Stunden ununterbrochen Konfetti regnet. Wenn das so weiter geht, sind noch vor Mitternacht alle im Konfetti-Jenseits!

Der nächste Programmpunkt ist ein Magier, dessen Assistentin sich von einem Trickkleid ins nächste zaubert. ESC-Fans in ganz Europa dürften dabei Tränen in den Augen haben. Und das Beste ist – selbst der Magier verwandelt sich am Ende in Konfetti! Asche zu Asche, Konfetti zu Konfetti. Und dann darf jeder jeden anfassen.

Halbzeit im „Silvesterstadl“, Zeit für die Überhymne „Sierra Madre“. Endlich Knicklichter!

Da sind sie wieder! Die Amigos! Dieses Mal geht es um „Sehnsucht, die wie Feuer brennt“, genauer gesagt: „… dann weiß ich, du fehlst mir so, denn mein Herz brennt lichterloh.“ Wir wissen jetzt nicht genau, von welchem Brennstoff sie hier singen, müssen aber davon ausgehen, dass es sich um eine Flammentemperatur von etwa 2000 Grad Celsius handelt. Wahnsinn! Was müssen diese Männer nur durchmachen. Und viel wichtiger: Wo kommt eigentlich die Musik her, wenn Karl-Heinz gar keine Gitarre umhängen hat?

Und obwohl diese Männer mehrere tausend Grad heiß sind, werden auch sie mit Konfetti beregnet. Brandschutz gleich null!

Es folgt eine Trommlervereinigung, die erst was mit Western und Feuer machen und dann plötzlich zu Außerirdischen werden. Im Publikum beginnt erstes leichtes Fummeln, da sich einige bereits im Jenseits wähnen.

Der Bildungsauftrag in Sachen „Macarena“ muss erfüllt werden, weshalb es nun die nächste Fortbildung gibt. Dieses Mal allerdings ohne Musik. Es werden einfach nur Anweisungen ins Publikum gerufen. Wie sich das eben für einen fröhlichen, spanischen Tanz gehört. Hand! Hand! Schulter! Schulter! Ohr! Ohr!

Weil das zum Feiern auf Befehl ganz gut passt, dürfen nun die Karnevalsexperten von Brings wieder ran. Wie sich herausstellt, dienen sie aber nur als Verschnaufpause für das Verstörende, was nun folgt:

Der Bauchredner ist zurück. Dieses Mal ohne seinen Chauvi-Drachen, stattdessen mit Jörg Pilawa und seiner Schwester. Man kann sich nicht vorstellen, wie lustig das ist, denn während Jörg Pilawa jetzt eine Frauenstimme hat, hat die Frau eine tiefe Männerstimme.

Und wer jetzt schon denkt, die Spitze deutscher Unterhaltungskultur wäre erreicht, der irrt sich gewaltig! Die jungen Zillertaler sind zurück, und während sie wie ein Hovercraft der guten Laune zwischen den Bierbänken umher tanzen, wird langsam klar, was sie da eigentlich singen. Eine Zillertaler Coverversion von „Das geht ab“ von „Die Atzen“. „Berlin Tag & Nacht“ trifft Sauerkrautdampf, welch einzigartiges Naturschauspiel.

Nachdem die mittlerweile 80-jährigen Kessler-Zwillinge kurz auf die Bühne durten, ist die Spider Wifi Gang zurück!

Kabel sind einfach Stimmungsbremsen. Was ist da viel wichtiger? Richtig, Konfetti! Hinter der Messehalle in Graz wurde nur für diese Sendung ein Containerhafen eingerichtet, damit ununterbrochen neues Konfetti aus der ganzen Welt geliefert werden kann.

Im Humor-Farbkasten wird aber auch so gar nichts ausgelassen. Jetzt gibt es eine Neuauflage von „Die Wanne ist voll“, während Jörg Pilawa die ganze Zeit betont, wie unangenehm ihm das eigentlich ist. Wann ist endlich 2017?

Nach Blasmusik zum Runterkommen wird es etwas kompliziert. Zum 30-jährigen Jubiläum von „Ohne Dich“ kommt nicht die Münchner Freiheit sondern deren ehemaliger Sänger Stefan Zauner mit seiner Frau Petra Manuela. Und damit sie da nicht so alleine stehen, spielt die Spider Wifi Gang auch gleich mit. Später wird erklärt, dass es Petras Idee war, das Stück etwas rockiger zu machen. Leider wurde niemand in der Regie darüber informiert, da es das gleiche Playback wie vor 30 Jahren war.

Ah, der Chauvi-Drache ist zurück. Dieses Mal hat er sich in der Umkleide von Francine Jordi verschanzt und sagt, dass er nur noch drei Minuten bräuchte.

Puh. Da hilft zum Aufmuntern nur, dass sich hier eine Frau im Blumenstrauß versteckt hat.

Bei Melissa Naschenweng kann man jetzt nur hoffen, dass der Chauvi-Drache bereits in U-Haft ist. Kleiner Funfact an dieser Stelle: Frau Naschenweng ist jünger als nahezu alle Songs, die vor ihr gespielt wurden.

Meine Damen und Herren, der Macarena-Weltrekord!

Besonders ärgerlich übrigens für Bad Kissingen, wo dieser Rekord erst im August beim Rakoczyfest geknackt wurde. Im „Silvesterstadl“ fällt dafür auf, dass niemand was zu trinken hat. Die leben alle nur von Luft und Konfetti!

Trotz des Flüssigkeitsmangels denkt das Stadlpublikum in den vorderen Reihen aber immer noch mit. Was, wenn eine der Kameras ausfällt oder einfach vergessen wird, die Sendung im Fernsehen auszustrahlen? Keine Sorge, ein aufmerksamer Herr filmt alles mit dem Handy mit. In HD! Besonders schön an dieser Stelle ist übrigens, dass sich hier eine Frau den Traum erfüllt, einmal neben ihrem Liebling Nik P. im Fernsehen zu sein. Leider hat sie die Rechnung ohne den Notfilmer gemacht.

Kurz vor Mitternacht peitschen Waldorf und Statler des volkstümlichen Schlagers noch mal die Mengen von ihrem Balkon aus an, bevor nach über dreieinhalb Stunden Sendung eine undenkbar geglaubte Premiere geschieht …

… es wird live gesungen! Und plötzlich EINERN STÄHN wird einem bewusst, DER DAIIIINEN NAMEN TRÄÄÄG dass Playback doch gar nicht so schlimm ist HOOOOCH ANN HIMMELSZELT.

Die letzten zehn Minuten des alten Jahres werden in einer unendlichen Polonäse verbracht. Wie spät ist es mittlerweile? 2027?

Übrigens: Nur im „Silvesterstadl“ können unbemerkt fünf Stunden lang ein übergroßer Waschbär und ein noch größeres Reh untertauchen.

389 … 388 … 387 … … … 4 … 3 … 2 … 1

Es ist geschafft. 39 Stunden einzigartige Stadlunterhaltung sind vorbei und 2017 ist endlich da. Ein besonderer Respekt geht an dieser Stelle an die Zuschauer in der Halle, welche Plätze nicht etwa im Trubel auf dem Parkett hatten, sondern volle 73 Stunden auf dem Rang in ihren Plastikschalensitzen ausharrten. Die Körperhaltung nach 127 Stunden „Silvesterstadl“ sagt: „Lass uns nächstes Jahr vielleicht was anderes machen.“.

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25 Kommentare

  1. HölleHölleHölle!
    Was hat der Autor verbrochen um diesem menschenverachtenden Selbstversuch ausgesetzt zu werden?
    Ich wollte schon nach dem Satz »Halbzeit im „Silvesterstadl“« freiwillig aus dem Leben scheiden.
    Aber Danke für die „Spider Wifi Gang“ :)

  2. Das war schlimmstes Kindergarten-Niveau mit einer Pädagogik aus den 50er Jahren.
    Wenn die Ösis das brauchen – hier ist das mehr als flüssig – überflüssig

  3. Mich regt es immer auf wenn sich jemand eine Sendung anschaut die er nicht gut findet und danach darüber schreibt.

    Da kann ja keine gute Kritik dabei herauskommen.

    Die „Gegner“ vom Stadl sollten doch einfach mal akzeptieren das es Leute gibt die sich das gerne anschauen.

  4. Thomas, ich bin kein Gegner vom Stadl, ich bin ein Gegner von schlecht gemachter Unterhaltung und ich finde es schade, wenn andere Menschen sich mit solcher unqualifizierter Kost zufrieden geben. Daraus ziehe ich dann 2 Fragen: a) Sind diese Menschen bereits so „plattgemacht“? b) Wenn nicht: warum wehren sie sich nicht.

  5. [quote=“Winfried“]Daraus ziehe ich dann 2 Fragen: a) Sind diese Menschen bereits so „plattgemacht“? b) Wenn nicht: warum wehren sie sich nicht.[/quote]

    Ich nehme c) Muss ich mich damit abfinden, dass es Menschen gibt, die solche Sendungen gern gucken?
    Und ich möchte lösen: Nein, muss ich nicht. Ich tue es aber trotzdem. Das erleichtert das Leben ungemein.

    Großartiger Artikel! Ich habe sehr gelacht.

  6. Ich verstehe Thomas. Nix ist einfacher und verspricht mehr Beifall, als eine Medienkritik über eine Volksmusikshow zu schreiben. Da weiß man vorher schon, wie schlimm es wird.

  7. War der Stadl jemals anders? Das ist doch genau das, was das angesprochene Publikum sehen will. Und die Leute mitten in der Halle haben offensichtlich Spaß, schaut im Gegensatz dazu mal in die Gesichter des Publikums in anderen Shows. Einen Vorklatscher braucht es hier sicher nicht.

    Zum Chauvi-Drachen: Wurde der Stadt nicht von einem ebensolchen erfunden und jahrzehntelang moderiert?

  8. @Thomas: Jubelkritik von dem das man mag als einzig zulässige?

    Nur weil wer Spass an etwas hat, ist es nicht immun gegen Kritik oder sollte sakrosankt sein. Du findest immer jemanden, der Spass mit etwas hat. Da könnte man gleich jegliche Kritik abschaffen.

  9. Ich habe natürlich nichts gegen Kritik. Allerdings sollte Kritik geschrieben werden von Personen die auch sonst die jeweilige Sendung anschauen. Und diesen Eindruck habe ich hier nicht. Was war denn an der Ausgabe großartig anders wie an früheren Sendungen ?

  10. Thomas, man muß nicht jede ( schlechte ) Sendung sehen, um Kritik an einer konkreten Sendung üben zu können. Hier geht es um die Sendung vom Silvesterabend. Selbst Du hast bisher nirgends irgendetwas gebracht, was dieser Sendung so etwas wie „Unterhaltungsniveau“ bescheinigt. Wenn Dir das genügt und Du keine weiteren Ansprüche an guter Fernsehunterhaltung ( ja, die gibt es gelegentlich ) hast, wird Dir das vom Grundgesetz her „garantiert“. Irgendwie werde ich allerdings den Eindruck nicht los, dass Dir seichteste Berieselung bereits reicht und das finde ich schade.

  11. Toller Leser-Service von Übermedien.

    Nicht, dass ich über derartige Kultur-Formate reden wollte, aber nun könnte ich es tun, ohne mich dem konzentrierten Frohsinn der schunkelnden Dichter und Denker selbst ausgesetzt zu haben. Wer weiß, wozu das noch mal gut sein wird.

    Danke!

  12. Ich möchte Jörg Pilawa zum Kasper des Silvesterabends krönen. Es war mehr als peinlich was er abgeliefert hat. Einen Nordteutschen in eine Lederhose zu stecken oder auf Skiern zu stellen ist lächerlich .
    Es war überhaupt keine Natürlichkeit, alles wirkte aufgesetzt.
    Andy Borg hats besser gemacht !
    Die ARD sollte sich was anderes einfallen lassen.

  13. @ Thomas (#9): Dass der Autor oben als „Unser Stadl-Sonderkorrespondent Markus Herrmann“ vorgestellt wird, hat schon seinen Grund. Er schaut schon seit Jahren diese Sendungen an und berichtet über die skurrilen Vorkommnisse, und zwar, wie ich finde, durchaus auf sehr liebevolle Weise. Ein bisschen wie ein Alien, der über die merkwürdigen Gebräuche einer fremden Art berichtet.

  14. Achtung, morgen bei Rainer Meier (Don Alphonso):

    „Linker Blog denunziert deutsches Brauchtum
    Auf dem Gemeinschafts-Blog des „Medien“-Journalisten Stefan Niggemeier und des ÖR-Journalisten Boris Rosenkranz ist Kritik an deutschem Brauchtum seit jeher ein Garant für hohe Klickzahlen.
    Der Stadl vertrittt seit jeher deutsche Werte im ÖR Rundfunk und war den Verantwortlichen daher immer schon ein Dorn im Auge. Wie praktisch für Politik und Medienvertreter, dass nun opportune Kritik aus Richtung eines anscheinend „kritischen“ Blogs kommt, der ironischerweise von einem ÖR Mitarbeiter mit-betrieben wird.
    …“

    Erster Kommentar:
    „merkel hat ja dafür gesorgt das die deutschen werte abgeschafft werden, toll. sollen wir still und leise umgevolkt werden??? erst der stadl dann der staat oderwie???
    danke auf jedenfall der deutschen polizei das die uns in köln soooo toll beschützt haben vor den nafris! DANKE!!!“

    Dies ist ein Werk der Fiktion und dient (mir) als Ventil.
    Danke für Ihr Verständnis.

  15. Der Musikantenstadl ist nicht meine Musikrichtung, aber so eine „Kritik“ geht gar nicht.
    Daher habe ich meinen ersten guten Vorsatz umgesetzt und das Abo gekündigt.
    Unsachliche Kritik, pure Polemik und das Vorführen des Publikums einer Sendung , Zitat: „Während der Rest des Publikums auf eine halbe Sekunde Fernsehzeit hofft, greift sich ein Weihnachtsbeamter ein Herz und springt direkt ins Licht, um DJ Ötzi noch rechtzeitig vor Jahresende seinen Steuerbescheid zu überreichen.“ (höhöhö, wie lustig!).
    Im Prinzip dasselbe „Lustige“ wie schon 2009, aber immer gut, wenn man die Jokes und Klischees 2xmal verkaufen kann.

  16. @Spandauer: Schade, dass Sie gekündigt haben, und wenn Sie es nicht lustig finden, finden Sie es nicht lustig. Aber: Meinen Sie nicht, dass man sich über jemanden lustig machen darf, der in dieser Situation vor der Kamera versucht, in dieser Weise die Aufmerksamkeit des Sängers zu erhaschen?

  17. Zitat aus dem Bericht: „Die Edlseer haben allerdings ein Problem mitgebracht: Sie haben sich in eine Frau verliebt, die bereits vergeben ist, wollen als ehrenhafte Männer allerdings nicht dazwischen funken. Und was macht man da? Richtig, warten bis die Frau gestorben ist! Genauer gesagt: Aber dann im Garten Eden, wo a jeder darf mit jedem, wo dann alles ist erlaubt.“

    Das ist ja unglaublich politisch, was da im Musikantenstadl vorgetragen wird: Das Paradies ist Polyamorie, ist freie Liebe, ist Bi- oder sogar Polysexualität. Jeder darf jeden lieben, küssen, begehren. Frau, Mann, Trans-Menschen, Neutrale, Wer-auch-immer: Alle sind frei, das miteinander zu tun, worauf sie Lust haben.

    Die Edlseer machen uns mit ihrem Liedtext klar, daß wir das Paradies schaffen können, wenn wir Besitzansprüche und damit einhergehende Eifersucht überwinden. Die gesellschaftliche Vorgabe der Monogamie (von Markus Hermann fälschlicherweis als „ehrenhaft“ bezeichnet) ist es, die den Menschen vom Glücklichsein abhält. Daß das erst nach dem Tot stattfinden dürfte, ist die Interpretation von Markus Hermann. Tatsächlich spricht nichts dagegen, den von den Edlseern besungenen Garten Eden der Polyamorie bereits zu Lebzeiten zu erreichen und zu genießen.

    Als Student Anfang der 1990er-Jahre war ich an der Uni Dortmund in der Schwulengruppe. Da haben wir zum Beispiel diskutiert über die Abschaffung des Rechtsinstituts der Ehe in der damaligen Form. Es gab den BVH (Bundesverband Homosexualität), der eine allgemeine Partnerschaft forderte: In einer Partnerschaft können beliebig viele Menschen sein. Jeder Mensch kann in beliebig vielen Partnerschaften sein. Demgegenüber stand der SVD (Schwulenverband Deutschland), der eine Ausdehnung der existierenden monogamen und ausschließlichen Ehe auf Lesben und Schwule forderte. [*]

    Ich war damals schon großer Abhänger des Modells des BVH. Ich hatte schon immer das Modell des polyamorösen Lebens vor Augen, auch wenn es diesen Begriff damals noch gar nicht gab. In der idealen Gesellschaft spielen die Geschlechter keine Rolle mehr, es gibt keine gesellschaftliche Präferenz für monogame Beziehungen, alle Menschen dürfen sich gegenseitig als Sexualobjekte ansehen und das auch sprachlich äußern (ja, der Bauchredner-Drache ist kein Chauvi, wie Markus Hermann glaubt, sondern Verfechter eines progressiven Gesellschaftsmodells), in freier Vereinbarung sprechen Menschen miteinander ab, worauf sie sich gemeinsam einlassen wollen und worauf nicht.

    Dieses fortschrittliche Gesellschaftmodell, das ich durch den Bundesverband Homosexualität kennengelernt habe, finde ich im Jahr 2017 wieder in einem auf „Übermedien“ zitierten Liedtext aus dem Musikantenstadl, einer allgemein als erzkonservativ angesehenen Fernsehsendung. Ist die Gesellschaft also doch schon wesentlich weiter, als wir einzeln denken? Ist die Volksmusik doch wesentlich offener für progressive Lebensentwürfe als ihr immer nachgesagt wird?

    [*] Ein bischen etwas über die Situation der Lesben- und Schwulenbewegung in den 1990ern erzähle ich hier:
    https://www.youtube.com/watch?v=2eccPGw5zPo

  18. @14 Rainer Meier, wann wird eigentlich offiziell verkündet das er der Chef des deutschen Breitbart-Ablegers wird?
    hashtag Formsache

  19. Danke für den Artikel, ich hatte viel Spaß daran. Auch weil die Kritik mit einer ordentlichen Portion Verhöhnung gestreckt wurde.

    Meine Art von Unterhaltung. So wie andere Silvesterstadl gucken…

  20. Während an den Stammtischen der Mob tobt und täglich Lynchfantasien gegen alle missliebigen Personen geteilt werden, halten andere nicht mal das kleinste bisschen wohlwollenden Spott aus. Leute, wenn jemand was doofes macht, dann darf man sich auch ein bisschen lustig drüber machen. Es soll sogar Leute geben, die über sich selbst lachen können. Habe ich mal gehört.

  21. Inga, prinzipiell gebe ich Ihnen Recht. Zumindest im privaten Bereich. Wir befinden uns hier allerdings im öffentlich-rechtlichen Fernseh-Bereich, der von allen Wohnungsinhabern in Deutschland finanziert wird. Für das Geld hat der Beitragszahler das Recht auf Qualität. Oder nicht? Dann würde sich die derzeitige Finanzierung selbst ad absurdum führen.
    In einer Zeit, in der fake-news aus dem Internet verfolgt werden, nicht aber aus den Regierungssendern, ist kein Platz für niveaulose Albernheiten. Und was da stundenlang an Silvester auf die Leute abgelassen worden ist, ist nach wie vor allerunterste Schublade gewesen. Da sollte einem das Lachen im Hals schon steckenbleiben dürfen.

  22. @Winfried: Falls das nicht klar wurde, ich habe dafür plädiert, dass man sich ruhig ein bisschen über die Qualität der Sendung und die darin auftretenden Personen lustig machen darf. Das war an die Ich-kündige-mein-Abo-weil-ihr-so-böse-auf-Leute-eindrescht-die-sich-hier-freiwillig-in-die-Kamera-reindrängen-für-ihre-5-Minuten-Ruhm-Fraktion gerichtet.
    Und ansonsten würde ich mir auch ein bisschen (viel) mehr Qualität bei den Öffis wünschen, aber finde, dass auch blödsinniger Quark gesendet werden darf, der ja offenbar auch seine begeisterten Anhänger zu finden scheint.

  23. Schade, daß in dem Bericht nichts darüber drinsteht, was die Spider Murphy Gang gesungen hat. Denn die Spider Murphy Gang ist ja nicht gerade bekannt für konservative Volksmusik. Sie ist in den 1980ern angetreten mit der Anprangerung der bürgerlichen Doppelmoral und dem Eintreten für die Liberalisierung der Prostitution. Obwohl sie in bayuwarischer Mundart singen, werden sie von meisten zur Neuen Deutschen Welle dazugerechnet.

    Die Neue Deutsche Welle war ja geprägt von frechen und häufig auch sexuellen Texten, wie zum Beispiel Combo Colossale („Schwarze Fäden führen sie in fremde Betten“), die Crackers („Oh komm doch mit Bambino, wir geh’n ins Pornokino“) oder Ixi („Detlef, ich bitte Dich, geh doch für mich auf den Strich“).

    Die meisten Künster der Neuen Deutschen Welle sind danach wieder verschwunden. Und auch von der Spider Murphy Gang habe ich lange nichts mehr gehört. Umso interessanter wäre es zu wissen, was diese denn nun zu Sylvester 2016 gesungen haben. Sind sie jetzt bürgerlich-angepasst, oder singen sie weiterhin gesellschaftlich aufrührerische Texte?

    Aber ich habe den Eindruck, Markus Hermann hat inhaltlich gar nichts mitbekommen. Da wird in einer Volksmusik-Sendung eine Lobeshymne auf die Polyamorie gesungen, aber Markus Hermann ist total beeindruckt von Konfetti. Wo möglich wurde in den anderen Musiktiteln die Weltrevolution ausgerufen, und niemand hat es gemerkt – noch nicht einmal der Kommentator von Übermedien.

  24. Der Verfassungschutz sollte sich mal um die Gefährder in der sogenannten Volksmusik kümmern…da ist ein Potenzial an Revolutionären Gedankengut,das harmlos daher kommt!
    Aber weil die Leute total harmlos wirken,bekommen sie nicht die Aufmerksamkeit die sie verdienen…
    Merke:
    Wer so harmlos daher kommt muss was verbergen!

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