Killer-Chick in Disneyland: Die US-Propaganda bei N24

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Neulich bin ich in eine dieser Militär-Dokus auf N24 reingeraten. Hin und wieder bekommt man ja mit, dass es da mitunter recht laut und amerikanisch zugehen soll, aber so richtig damit beschäftigt hatte ich mich nie. Diesmal bin ich drangeblieben. Und ich hatte ja keine Ahnung.

Die Doku (hier können Sie sich selbst ein Bild machen) ist keine Doku, es ist ein Werbefilm für das US-Militär. Nein, kein Werbefilm. Eine Hymne.

Sie heißt:

… und ist Teil einer Serie, die in den USA produziert wurde und dort unter dem Namen „Air Warriors“ lief. N24 zeigt (und wiederholt) seit 2012 vier Folgen davon in übersetzter Fassung.

Der Film feuert dem Zuschauer eine gute Stunde lang genau drei Botschaften um die Ohren: Dieses Flugzeug ist der absolute Oberwahnsinn. Das US-Militär ist in jeder Hinsicht unschlagbar. Und Amerika ist die allergroßartigste Nation der Welt.

„Die A-10 ist ein wunderbares Flugzeug“, sagt ein Pilot von der US Air Force gleich zu Beginn, neben ihm der Jet, hinter ihm die amerikanische Flagge. „Sie ist einfach zu fliegen, sie ist stabil, sie gibt dir das Gefühl, mit ihr deinen Job erledigen zu können, damit die Jungs sicher nach Hause kommen.“

Den „Job erledigen“ heißt in diesem Fall vor allem: die gewaltige Kanone abfeuern. Der Pilot geht näher an den Jet heran und tippt mit der Hand sanft an das polierte Geschütz. Sechs Meter nochwas lang, fast zwei Tonnen schwer, „das schwerste an einem Flugzeug montierte Automatikgeschütz“, „über 1000 Schuss im Magazin“, „fast 70 Schuss pro Sekunde“. Wenn er damit schieße, habe alles innerhalb eines Zwölf-Meter-Radius „Pech gehabt“, sagt der Pilot und versucht, ein mitleidiges Gesicht zu machen.

Aber eigentlich schießen sie ja nicht, um zu töten, sondern um zu retten.

„Die A-10 und ihre Piloten haben vielen amerikanischen Soldaten das Leben gerettet“, sagt der Sprecher.

„Wenn ich meinen Job mache, kommen mehr amerikanische Männer und Frauen heil nach Hause“, sagt der Pilot.

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11 Kommentare

  1. ich habe den Eindruck, dass auf dem Nachrichtensender viel mehr solcher „Dokus“ laufen als echte Nachrichten vorgelesen werden.

    N24 kommt mir vor wie die Privatfernsehversion von ZDFInfo

    Zu N24 schalte ich auch nur, wenn der Finger an der Fernbedienung klebt

  2. Solche Programminhalte nennt man „Männeraffin“.
    Fragen Sie mal beim Sender Sport1 nach, was man dort unter dem Begriff versteht, wenn kein Sport gezeigt wird!

  3. Bei N24 wundern mich diese militärverherrlichenden „Dokus“ US-amerikanischer Bauart ehrlich gesagt nicht: Vermutlich sehr billig einzukaufender Schund, der den Zeitrahmen zwischen den Werbeblöcken füllt. Peng, aus, fertig, im wahrsten Sinne des Wortes.

    Viel mehr regt mich auf, dass solche US-amerikanischen „Dokus“ auch auf ZDFInfo laufen, wie im ersten Kommentar bereits anklang. Zwar nicht nur, aber auch mit Militärgedöns, vorzugsweise eingekleidet in eine „Doku“ über 1939-1945. Oder aber mit einem Informationsgehalt, den man in einer Minute transportieren könnte, aufgeblasen auf 30 oder 45 min mit nervigen Fragen (eine Doku sollte doch Antworten liefern …), schnellen Schnitten immer gleicher nachgestellter Bilder/Szenerien und sonstigem Kokolores. Da fragt man sich schon, warum „GEZ-Gebühren“ (die ich nicht generell kritisiere) für so einen Schund rausgeschmissen werden, wenn man doch mutmaßlich über ein Archiv mit tausenden tollen Dokus verfügt. Ich würde mir sehr viel lieber eine Tierdoku o.Ä. aus den 80ern anschauen (technisch vielleicht ein wenig remastered), statt mir von einem Amerikaner mit deutscher Synchronisation (muss ja auch irgendwie bezahlt werden) zum 300. Mal irgendwas von/mit/über Hitler erklären zu lassen.

  4. Gemeint ist wohl „Killer-Chick“, nicht dass das irgendwas verbessern würde, aber beim „Killer-Chic“ dachte ich erst an irgendwelche Mode im RSS-Feed…

  5. @Wilhelm: Ja, ich war auch verwirrt von dem „Killer-Chic“ – ich dachte zuerst, es ginge in dem Artikel um Kritik an deutscher Pro-Hillary-Wahlkampfberichterstattung.

  6. @R. Ott
    Wieso nur Kritik am „pro“?
    Es war doch eher die „kontra“-Seite, die mit dem Blödsinn ankam, wenn sie sich mal nicht über Vorfälle aufregen konnte, die bereits untersucht und als „dumm, aber nicht strafbar“ beurteilt werden konnten.

    Zum Thema:
    Persönlich finde ich es schon unangenehm, wenn solche „Ego-boost“-Dokus über Autos etc. gemacht werden. Man merkt doch den Unterschied zwischen echter Begeisterung und den Testosteron-Melkmaschinen (die es in anderer Form gewiss auch an Frauen gerichtet gibt).
    Aber Waffen für so etwas zu missbrauchen ist schon arg daneben. Sie mögen notwendig sein oder nicht, darüber kann man diskutieren, doch sollten Waffen nicht für billige Schaueffekte benutzt werden. Was mich am meisten verstört: sollten die Soldaten, die sie benutzen, wirklich so über sie denken? Wie 18-jährige Buben, die ihren ersten, aufgemotzten Golf vorführen? Ich würde eigentlich auf geskriptete Aussagen und manipulativen Schnitt setzen, doch andererseits haben amerikansiche Soldaten zuweilen genauso gehandelt.

  7. In Hoolywood hat sich der Begriff „Militainment“ etabliert. Produktionen, die das Militär positiv darstellen, werden vom Pentagon und den dargestellten Teilstreitkräften logistisch und mit Manpower unterstützt, was die Kosten niedrig hält. „Top Gun“ ist ein bekanntes Beispiel, entsprechend heroisch stellt der Film die Leistungen der Flieger dar.
    Antikriegsfilme wie „Platoon“ oder „Apocalypse Now“ konnten mit dieser Unterstüzung nicht rechnen, was die Produktionskosten in die Höhe schnellen ließ und die Regisseure an den Rand des Bankrotts getrieben hat.
    Ich kann mir gut vorstellen, dass es bei den oben vorgestellten Dokumentationen ähnlich läuft.

  8. Diese „Dokus“ aka Militärwerbefilmchen lassen uns etwas ratlos zurück weil wir hierzulande ein etwas distanzierteres Verhältnis zum Militär haben. Unvorstellbar daß wir mit Deutschlandfahne im Hintergrund Soldaten erzählen lassen, wie effizient man den Feind niedergemetz.. äh.. ihre Kameraden gerettet haben. Oder das Soldaten auf Werbetour in die Schulen kommen, wobei das schon mal vorgekommen sein soll. Oder ist’s gar schon Realität ? Würde ich aber nicht befürworten.
    In den USA hängt die Flagge quasi auf dem Klo und auf Stützpunkten einen Fleck zu finden wo mal *keine* Flagge hängt, könnte schwierig werden.
    Das ist absolut seichtes Entertainment, das Kochrezept ist einfach, billig und gelingt jedes mal. Ob das Pentagon das unterstützt oder nicht, ist für mich unerheblich. Die bekommen von jedem Stützpunkt PR Material en masse. Man braucht ja auch neue Soldaten.
    In Uk oder Irland gibts solche Filmchen auch, fallen aber meist deutlich dezenter aus.

  9. „Chic“ fand ich wie bei der Doku über den Huey ,der Walkürenritt-Clip mit flüchtenden Vietcong verwendet wurde und dann zu einem deutschen Grenzschutzbeamten umgeschnitten wurde….der aber schon in Pension war und von der Huey vorschwärmte!
    Die Kombination fand ich „faszinierend“ ;-)
    ES gibt auch noch so Mischformen wo amerikanisches Material mit deutschen gemischt wird ,aber durch das Editing merkt man mit ein bisserl Erfahrung-„DA hat sich aber keiner Mühe gemacht!“

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