Sachsen, ein Trauerspiel der Berichterstattung

Wenn es darum geht, Sachsen als hoffnungsloses Land zu beschreiben, lassen sich Journalisten in Hamburg und Berlin von keinen Tatsachen bremsen. Hinter jeden ungeklärten Kriminalfall schieben sie eine braune Kulisse, die ruhig später zusammenkrachen kann – das nächste Sebnitz kommt bestimmt. Eine „Stern“-Titelgeschichte ist ein besonders abschreckendes Beispiel.

Seit Jahrzehnten gibt es ein Fachblatt für Buntes und lange Fotostrecken, das gelegentlich auch ins seriöse Fach ausgreift, etwa, wenn es gilt, den Sexismus eines angeschickerten Rainer Brüderle zu enthüllen. Ganz gelegentlich schreibt der „Stern“ auch mit Verve Geschichte um beziehungsweise neu, zuletzt die des „kleinen Bundeslandes am äußersten rechten Rand“, nämlich Sachsen. Praktischerweise braucht es dazu nicht die ausgebuddelten Tagebücher August des Starken. Die Aufzeichnungen des „Stern“-Autors Walter Wüllenweber aus dem großen Bundesland oben halb links genügen dazu vollauf. Wüllenweber zeigt anschaulich, was es heißt, heute von dieser Position aus Journalismus zu betreiben. Mut zur Lücke und zur kreativen Faktenneuordnung und gelegentlicher Erfindergeist sind da unverzichtbar.

„Stern“-Titel vom 20. Oktober 2016

Vorhang auf also zu Walter Wüllenwebers Titelstory „Sachsen, ein Trauerspiel“.

Gleich am Anfang klärt der Autor seine Leser darüber auf, dass es sich bei dieser schlecht ausgewischten dunkeldeutschen Ecke bestenfalls um eine Halbdemokratie handelt:

Vor 26 Jahren wurde Kurt Biedenkopf zum „König“ des Freistaats gewählt. Seitdem regiert die CDU ohne Unterbrechung. Nur die SED war in Sachsen länger an der Macht.

Nun regierten die Wettiner das Land deutlich länger, die SED hielt Wahlen für Quatsch, was den Vergleich mit der CDU zur albernen Arabeske macht, außerdem existierte das Land Sachsen zwischen 1952 und 1990 nicht. Aber das sind Feinheiten, die den Wüllenweberschen Textfluss nur gestört hätten. Außerdem müssen die Dinge schon allein deshalb anders gedeutet werden, weil sie in Sachsen stattfinden. Banalitäten zu Papier bringen kann jeder, etwa, dass auch die SPD in Brandenburg 26 Jahre lang die Wahlen gewonnen hat und beispielsweise in Hamburg noch etwas länger am Stück durchregierte.

Wie schlimm es in der Sachsen-CDU zugeht, illustriert Wüllenweber am Fall des sächsischen Justizministers Sebastian Gemkow, dem man zu Recht vorwerfen kann, nach dem Selbstmord des Terroristen Jaber al-Bakr im Leipziger Gefängnis nicht zurückgetreten zu sein. Der „Stern“-Journalist erkennt in ihm allerdings noch ein ganz anderes Symptom:

Sebastian Gemkow ist ein Kind dieser Sachsen-CDU. Sein Vater war nach der Wende Ordnungsbürgermeister in Leipzig, sein Großonkel Rudolf Krause wurde von Kurt Biedenkopf in dessen erstes Kabinett berufen. Fast zwangsläufig wurde das Eigengewächs der Partei mit nur 36 Jahren Deutschlands jüngster Minister.

Posten, so Wüllenwebers Subtext, werden in Sachsen nicht erarbeitet, sondern vererbt. Feudalismus comme il faut!

Nun amtierte Gemkows Großonkel Krause von 1990 bis 1991, bis ihn seine Partei wegen dessen verschwiegener Stasi-Spitzelei vom Hof jagte. Profitiert hätte Gemkow jr. also schwerlich von dieser Verwandschaft – zumal der Junge damals gerade 13 Jahren alt war. Sein Vater Hans-Eberhard Gemkow starb 1994 an Krebs – da war der Sohn 16. Aber die schöne Geschichte von der CDU-Politik als zwangsläufige Familienbandenbildung muss ein Autor ja nicht mutwillig kaputtrecherchieren. Zumal, wenn es um das ganz große Bild eines kleinen dunklen Landes geht.

Der braune Faden

Aber warum ist eigentlich unentwegt von der CDU die Rede? Wollte der Hamburger Fernbeobachter nicht vor allem mit dem braunen AfDPegidaNeonazipacksachsen abrechnen? Gemach. Alles hängt bei Wüllenweber nämlich mit allem zusammen, nicht unbedingt kausal, aber verknüpft durch den „braunen Faden“. Wie das geht?

Ein Vierteljahrhundert hielt sich die CDU an die Biedenkopf-Doktrin: das konsequente Leugnen des Offensichtlichen. Es wurde zum braunen Faden der sächsischen Landespolitik. Clausnitz, Heidenau, Freital, Mügeln, Bautzen, Dresden. Auf jeden Anschlag folgt die Beteuerung: Mit Sachsen hat das nichts zu tun. Anschlag-Leugnen-Anschlag-Leugnen. Der sächsische Refrain.

Es protestierten und brüllten ein paar Dutzend Clausnitzer im Februar tatsächlich gegen die Ankunft eines Busses mit Asylbewerbern. Ein Anschlag war das nicht. Und noch nicht einmal strafbar.

In Heidenau riefen Demonstranten Parolen gegen die Kanzlerin, gewalttätige Demonstranten verletzten Polizisten – nicht ganz so viele wie bei einer routinemäßigen revolutionären Feier im Hamburger Schanzenviertel, aber doch einige. Um einen Anschlag handelte es sich aber auch in Heidenau nicht.

In Mügeln kam es 2007 zu einer Kirmesschlägerei zwischen Einheimischen und Indern, die sich später in den Ermittlungen dann doch als, nun ja, ambivalent herausstellte. Also ebenfalls kein Anschlag.

In Bautzen brannte im Juni 2016 das leerstehende Hotel „Husarenhof“, das für Asylbewerber vorgesehen war, durch Brandstiftung ab. Bis jetzt stehen die Täter nicht fest, die Generalstaatsanwaltschaft ermittelt ausdrücklich in alle Richtungen.

Ebenso Dresden: Wer hinter der Explosion von Flaschen mit einer brennbaren, noch nicht identifizierten Flüssigkeit vor der Tür der Dresdner DITIB-Moschee in Dresden-Cotta verantwortlich ist, wissen die Beamten noch nicht.

Nur in Freital und Umgebung verübte eine Gruppe von Rechtsextremisten tatsächlich Anschläge gegen Asylbewerberheime.

Für den „Stern“ ist der braune Hintergrund in allen Fällen trotzdem schon ausermittelt. Ganz nebenbei: Welcher sächsische Politiker „leugnet“ die Vorfälle von Mügeln bis Dresden eigentlich? Und ist eigentlich schon jemand auf die geniale Idee gekommen, die massive linksextreme Szene in Berlin mit der langen Regierungszeit der Berliner SPD zu erklären?

Badeunfall, Rassistischer Mord, Badeunfall

Wenn es um das schwarzbraune Sachsen geht, lassen sich Pressekommissare aus Hamburg und Berlin nicht beirren. Im Jahr 2000 übertitelte die BILD eine Horrorgeschichte aus dem sächsischen Sebnitz: „Gegen 50 Neonazis hatte der kleine Joseph keine Chance“, die „taz“ wusste: „Badeunfall erweist sich als rassistischer Mord“. Und praktisch die gesamte deutsche Presse trampelte der Geschichte aus Dunkelsachsen mit wohligem Grusel hinterher. Bis sich nur Tage später der angebliche Mord an dem deutsch-irakischen Kind Joseph Kantelberg-Abdullah als Badeunfall herausstellte und die von der Mutter gesammelten Augenzeugenberichte als zurechtgefälscht. „Aber es hätte doch so sein können“, beharrte taz-Redakteurin Bettina Gaus, bevor sich ihr Blatt für die Headline eine Rüge des Presserates fing.

Als 2008 im sächsischen Mittweida eine Jugendliche behauptete, Nazi-Skinheads hätten ihr ein Hakenkreuz in die Hüfte geritzt, schlagzeilten etliche Medien: typisch Sachsen! „Passanten schauten zu“, dichtete die Korrespondentin der „Süddeutschen Zeitung“. Das hatte zwar noch nicht einmal das vermeintliche Opfer ausgesagt – aber es machte die Sachsen-Geschichte süffiger. Später stellte sich dann der Überfall als erfunden heraus und das Hakenkreuz als Selbstfabrikation der psychisch etwas wackeligen jungen Frau. Sie wurde rechtskräftig wegen Vortäuschung einer Straftat verurteilt.

Im Januar 2015 fanden Anwohner den erstochenen Asylbewerber Khaled Idris Bahray im Hof eines Plattenbau-Gevierts. „Der erste Pegida-Tote“,trompetete der „Stern“. Auch dieses Mal war es nicht ganz so: die Polizei überführte kurz darauf einen anderen Asylbewerber als Täter.

Und nach dem – wie beschrieben – bis heute unaufgeklärten Brand im Bautzener Husarenhof wusste fast die gesamte helldeutsche Presse zu berichten, ein „Mob“ habe die Löscharbeiten behindert. Im Polizeibericht stellte sich der Mob dann als Ansammlung von drei besoffenen Jugendlichen heraus, von denen die Beamten zwei in eine Arrestzelle zum Ausnüchtern steckten. Dass die vollgetankten Gestalten sie bewusst behindert hätten, dementierte die Bautzner Feuerwehr. Nützte nur nichts: Die „Hamburger Morgenpost“ färbte damals auf einer Deutschlandkarte Sachsen komplett braun ein und druckte die Zeile daneben: „Der Schandfleck“.

Zwanghaftes Durchladen und Feuern

Nur als kurzer Einschub, da im Zusammenhang mit Sachsen so viel von Hetze die Rede ist: Im Paragraf zur Volksverhetzung (130 StGB) heißt es: „Wer die Menschenwürde anderer dadurch angreift, dass er eine vorbezeichnete Gruppe, Teile der Bevölkerung oder einen Einzelnen wegen seiner Zugehörigkeit zu einer vorbezeichneten Gruppe oder zu einem Teil der Bevölkerung beschimpft, böswillig verächtlich macht oder verleumdet, wird mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.“ Und noch ein Apropos: Wie war das eigentlich mit dem quer durch die Presse beklagten postfaktischen Zeitalter?

Vor allem aber scheinen sich Hochmoralexperten wie Wüllenweber und Kollegen nie Gedanken darüber zu machen, ob ihr zwanghaftes Durchladen und Feuern bei jedem sächsischen Thema nicht vielleicht etwas mit den vielen journalistischen Rohrkrepierern der Vergangenheit zu tun haben könnte: Irgendwann, so hoffen sie offenbar, muss es doch einmal mit dem Wirkungstreffer klappen, der alles erwischt, die CDU, die AfD, die vier Millionen Sachsen und ihre unvermeidlichen Nazis. Denn immer geht es nicht um einen Fall, sondern ein ganzes Kollektiv: In „Bild“ hieß es seinerzeit über den vermeintlichen Kindermord in Sebnitz: „eine ganze Stadt hat es totgeschwiegen“, in Mügeln hatte ein ganzes Dorf Inder gehetzt, in Mittweida eine Riesenmenschentraube gegafft – und bei Wüllenweber ist ganz Sachsen „ein Trauerspiel“.

Nun gäbe es ja genügend authentischen Stoff für Reportagen über Rechtsradikalismus in Sachsen (über Linksradikalismus auch). Und auch für Berichte über Sachsen, die sich gegen Rechtsradikale engagieren. Aber dazu bräuchte es schon Recherchen am Ort. Von Hamburg und Berlin aus geht es einfach schneller und bequemer, hinter jeden ungeklärten Kriminalfall eine braune Kulisse zu schieben, die ruhig ein paar Tage oder Wochen später zusammenkrachen kann. Tut nichts, das nächste Sebnitz kommt bestimmt. Macht sich eigentlich jemand in den diversen Redaktionen Gedanken, warum das Wort von der „Lügenpresse“ als erstes in Sachsen auftauchte?

Der Sachsensumpf-Sumpf

Klappt es partout nicht mit dem Nazihintergrund, dann muss wenigstens eine Mafia- und Verschwörungsgeschichte her. Zu diesem Zweck exhumiert Wüllenweber die so genannte Sachsensumpf-Affäre, eine wahre Sauherde, die 2007 durch das Mediendorf getrieben wurde. Ganz Sachsen, hieß es damals, ächze im Würgegriff einer pädophilen Immobilien- und Justizmafia, schlimmer als das Dutroux-Netzwerk in Belgien.

„Bislang galt der ‚Sachsensumpf‘ als schillerndstes Beispiel dafür“, weiß Wüllenweber:

Die Ermittlungen in einem Immobilienskandal führten die sächsische Kriminalpolizei damals auch in ein Bordell, in dem minderjährige Mädchen zur Prostitution gezwungen wurden. Die Opfer identifizierten einen hochrangigen Richter sowie einen ehemaligen Staatsanwalt als Freier. Das Ende der Affäre: Die ermittelnden Beamten wurden versetzt oder beurlaubt, Journalisten verklagt, die Opfer kamen wegen Verleumdung vor Gericht. Der Richter blieb im Amt, der Staatsanwalt wurde zum Präsident eines Gerichts. Fast 20 Jahre beschäftigte der Fall die sächsische Justiz. Er wurde nie aufgeklärt.

Das klingt nach Tatort mit allem Tatütata. Zumindest, solange man nicht recherchiert. Tatsächlich stürmte die Leipziger Polizei 1993 ein Bordell, in dem Minderjährige anschaffen mussten. Der Bordellbetreiber bekam eine Haftstrafe von vier Jahren und zwei Monaten. Und es gab einen Mordanschlag auf einen Manager der Leipziger Wohnungsbaugesellschaft, der ebenfalls ausermittelt wurde. Die beiden Täter erhielten lebenslänglich. Eine zunächst vermutete Verbindung zwischen beiden Fällen bestätigte sich nicht.

Erst viel später, 2007, kamen Akten des sächsischen Verfassungsschutzes in die Öffentlichkeit, die die alten Gerichtsfälle mit neuen V-Mann-Berichten mischten und eine gewaltige Verschwörung konstruierten. Wie sich in den folgenden Ermittlungen herausstellte, ging die Verdachtsschöpfung auf einen frustrierten Kriminalpolizisten, eine V-Frau und pathologische Lügnerin und eine eifrige „Bild“-Journalistin zurück. Keine ihrer Behauptungen ließ sich belegen. Die beiden Ex-Prostituierten verwickelten sich in erhebliche Widersprüche. Einer der beschuldigten Juristen klagte sogar auf Schadenersatz gegen den Freistaat wegen Verleumdung durch den Verfassungsschutz. Er bekam 12 500 Euro Schmerzensgeld.

Auch der Sumpf-Fall wurde sehr wohl geklärt – nur nicht so, wie sich etliche auf Sachsen kaprizierte Journalisten es sich gewünscht hatten. Ja typisch, willfährige schwarze Sachsenjustiz! Die Ermittlungen lagen damals allerdings – unter anderem – in der Hand des Oberstaatsanwaltes Christian Avenarius, einem überzeugten Sozialdemokraten, der überdies für freche Widerworte gegen das Justizministerium bekannt war.

Heute ist Avenarius Vorsitzender der Dresdner SPD. In Wüllenwebers Story kommt er selbstredend nicht vor. Selbst die Opposition aus Linken und Grünen konnte übrigens in einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss keine Belege für die Sachsensumpf-Verschwörung zutage fördern.

Postfaktisch? Kontrafaktisch!

Die Kunst, drei sachlich und zeitlich auseinanderliegenden aufgeklärte Kriminalfälle für die „Stern“-Leser zu einem zusammenzubinden und nicht einmal post- sondern kontrafaktisch zu behaupten, er sei „nie aufgeklärt“ worden – das liegt künstlerisch schon zwei Stufen über dem Trick, tatsächliche Anschläge, drei Nicht-Anschläge und zwei ungeklärte Anschläge mit einem braunen Faden zum Paket zu schnüren.

Wo bleibt eigentlich die AfD in der „Stern“-Moritat? Die kommt ganz zum Schluss. Frauke Petry habe 2014 einen Kandidaten von der AfD-Liste streichen lassen, deshalb sei die Landtagswahl womöglich ungültig und müsse wiederholt werden, was der AfD allerdings nach den Umfragen einen Stimmenzuwachs eintragen würde:

Eine Partei verhält sich grob undemokratisch – und wird von den Wählern reich belohnt. So etwas kann passieren. In Sachsen.

Nun verhält es sich wie fast immer etwas komplizierter: Der AfD-Vorstand – nicht Petry allein – hatte tatsächlich jemanden gestrichen, der Landeswahlausschuss nahm damals aber keinen Anstoß. Und derzeit kann die AfD bei jeder Wahl mit Stimmengewinn rechnen, egal ob der Termin außer der Reihe oder regulär stattfindet. Einmal musste in Deutschland tatsächlich schon einmal eine Landtagswahl wiederholt werden, 1993.

In Hamburg.

Wir wissen zwar nichts Genaues. Aber die Drahtzieher der vorher schiefgegangenen Wahl werden wohl in „Stern“-Redaktion gesessen haben. Wir schreiben das jedenfalls mal so hin.

56 Kommentare

  1. Es wird noch Jahre, vermutlich sogar Jahrzehnte dauern bis die Sachsen halbwegs in Deutschland integriert sind. Dazu reichen ein paar Sprach- und Staatsbürgerkundekurse nicht aus! Leider haben die auch noch ein dauerhaftes Bleiberecht! Von wegen Weltniveau!

  2. Ich weiß jetzt nicht, was ich davon halten soll, dass ausgerechnet ein Redakteur vom angebraunten „Focus“ einen relativierenden Artikel zu rechtsextremen Vorkommnissen in Sachsen. Vor gar nicht allzu langer Zeit hat Stefan Niggemeier auf seinem Blog noch sehr schön das „rassistische Clickbaiting“ von Focus Online illustriert. (http://www.stefan-niggemeier.de/blog/21855/unglaublich-so-macht-focus-online-stimmung-gegen-fluechtlinge/)
    Zu der von Herrn Wendt attestierten „Ambivalenz“ schreibt die Welt: „Die Polizei hat den Angaben zufolge bisher mehr als 125 Zeugen vernommen. Dazu gehören auch die acht Inder, die bei dem Stadtfest in Mügeln von einem Mob von etwa 50 Menschen verfolgt wurden.“ Und: „Allerdings sei es vor der Pizzeria zu „eindeutig fremdenfeindlichen Äußerungen Einzelner“ aus einer Menschenmenge heraus gekommen.“ Am Ende gibt es 14 (!) Verletzte. Aber der Mann vom Focus ruft: ‚Juhu, kein Anschlag!‘

    Auch die Tatsache, dass das leerstehende Hotel „Husarenhof“ nicht nur gebrannt hat (das alleine ist schon schlimm genug), sondern dass vor dem brennenden Gebäude auch applaudierende Schaulustige standen und sogar Personen die Löscharbeiten behindert haben sollen, erwähnt der Herr Wendt vom „Fakten, Fakten, Fakten“-Magazin lieber nicht.

    Seine Relativierungs-Orgie würzt der Herr Wendt vom Focus natürlich auch noch mit ein bisschen Whataboutism. Was ist denn eigentlich mit den Protesten im Schanzenviertel in Hamburg? In Hamburg gibt es mehr verletzte Polizisten durch Linke, als in Heidenau durch gewalttätige Demonstranten. Schief ist der Vergleich dazu auch noch.

    „Stoff für Fremdenfeinde: die erfolgreiche Social-Media-Strategie von „Focus Online“ wird auf Übermedien fortgesetzt.

  3. Ich, als Bautzner, kann Ihnen sagen, Sachsen und speziell die Bautzner Ecke ist viel, viel brauner ist als der Autor denkt. Schauen Sie sich nächstes Jahr bitte das Bautzner Oktoberfest an, dieses Jahr haben sich die Besucher reihenweise mit Hitlergruss begrüßt.

  4. Ich nehme Euch ja gerne ab, dass bei der Sachsen-Berichterstattung des „Stern“ einiges im Argen liegt. Aber muss man das wirklich mit so viel Schaum vor dem Mund und diesen durchgenudelten Stern-Klischees (Bunte Bilder! Brüderle!! Hitler-Tagebücher!!!) erzählen. Das ist genau dieser Hau-Drauf-Journalismus, den Ihr bei anderen Angeboten – zu Recht – kritisiert. (Und, ja, ich muss zugeben, ich bin deswegen beim Lesen nicht über die ersten paar Absätze hinaus gekommen.)

  5. Sachsen HAT ein ernsthaftes Problem. Die CDU, die dort seit 1990 die Regierung stellt, hat bei fremdenfeindlichen Übergriffen jahrzehntelang beide Augen zugedrückt und umgekehrt zivilgesellschaftliche Initiativen gegen Rechts kriminalisiert und pauschal als „linksradikal“ diffamiert. Und in den eigenen Reihen ist die CDU gegenüber Ausreißern nach rechts wesentlich toleranter, als es die CDU in den meisten anderen Ländern ist. Damit hat die CDU in Sachsen das Rechtsextremisten-Problem (das es keineswegs nur in den Neuen Bundesländern gibt, aber dort infolge der vierzig Jahre DDR relativ stärker als im Westen) nochmals deutlich verschärft. Genau darin liegt das sächsische Problem, das in dieser Form eben nicht ein allgemeines, auch kein allgemein ostdeutsches ist.

    Dass es in den überwiegend westdeutsch geprägten Leitmedien eine bevormundende Grundhaltung gegenüber Ostdeutschland gibt und eine Tendenz, alles, was außerhalb der Innenstädte von Berlin, München, Frankfurt und Hamburg passiert (eben, wo die Journalisten der Leitmedien sitzen), zu provinzialisieren: geschenkt. Das diese STERN-Geschichte, wie viele andere STERN-Geschichten auch, auf die plakative Schlagzeile hin geschrieben wurde, und gegenüber Land und Menschen in Sachsen völlig anmaßend daherkommt: gebongt. Wenn überbordende Opportunisten auf eine Story aufspringen und sie verzerren, ist das aber noch kein Beweis dafür, dass sie nicht zumindest im Kern WAHR ist. Der Aufklärung der sächsischen Verhältnisse und der politischen Kultur im Land hat der STERN damit auf jeden Fall keinen Gefallen getan.

  6. Achja: Vielen Dank ans Übermedien-Team, hier auch mal jemanden von der „dunklen“ Seite der Medienmacht schreiben zu lassen. ;)

  7. Also ich hätte nicht gedacht, dass man auf Uebermedien ein Focus-Redakteur schreiben lässt. Das hat ein Gschmäckle – somit hebt sich Uebermedien auch nicht weiter von anderen Medienportalen ab. Vielleicht hatte ich eine zu naive Vorstellung. Ich danke Gunnar für seinen Kommentar, dieser passt hier wunderbar.

  8. Zu einigen kritischen Hinweisen auf Focus Online möchte ich darauf hinweisen, dass es sich bei Focus Print und Focus Online um unterschiedliche Unternehmen handelt. Den Gastbeitrag hier auf Übermedien verfasse ich übrigens als Autor und nicht als Repräsentant von Focus.

  9. Ich hatte, wie eigentlich gewohnt, eine unaufgeregtes, objektives Auseinandernehmen der Thematik erwartet.

    Bekommen habe ich einen schockierend relativierenden und aufgeregten Artikel, in dem der Author u.a. mehrfach betont, dass es sich bei diversen Vorkommnissen immerhin um keine Anschläge handelt.

    Bedeutet das nun etwa, dass ein Problem mit Rechtsradikalismus sich nur dadurch definiert, dass Anschläge tatsächlich geschehen und auch eindeutig als solche zugeordnet werden?

    Allein anhand Ihrer Beispiele gesehen: In Clausnitz werden ankommende Flüchtlinge von „ein paar Dutzend“ Einheimischen angebrüllt, beschimpft, verstört; in Heidenau kommen aus der großen Menge Parolen wie „dem deutschen Volke“, in Mügeln fallen fremdenfeindliche Parolen. Von dem damaligen Bürgermeister Gotthard Deuse heißt es: „Solche Parolen können jedem mal über die Lippen kommen.“ (öhm… öh… nein?!)

    Und um was handelt es sich hier?
    Hier handelt es sich auch um Rechtsradikalismus. Denn genau diese verbalen Entgleisungen und das aggressive Vertreten des Gedankengutes sind ein großer Teil dessen, was dies ausmacht.

    Wenn man sich natürlich „nur“ auf die Anschläge beschränkt, dann mag das Problem durchaus geringer sein – allerdings wird dann auch die Gesamtproblematik schlichtweg geleugnet.

  10. Unsauberer Journalismus ist immer ein Ärgernis und der Autor hat das schön aufgedröselt. ABER: Sachsen hat ein Problem mit rechts. Die ganze ehemalige DDR hat das weil sich nach der Wende Raum sucht was Jahrzehntelang unterdrückt wurde. Die nationale Identität. Und das lenkten rechte Ideologen gezielt in braune Bahnen. Und die CDU sah zumindest nichtstuend zu oder unterstütze das sogar (Rechtsextreme innerhalb der CDU). Auch aus den gleichen Gründen. Weil auch bei der CDU endlich der Korken weg war der den Patriotismus zurückhielt. Das es bei uns keine „68er“ gab wird aber auch eine Rolle spielen.

  11. @12 Peter Tosch
    „Also ich hätte nicht gedacht, dass man auf Uebermedien ein Focus-Redakteur schreiben lässt.“
    Ähm, wie? Ein(e)(n) was? In einer Zeit, in der der Ex-Chefredakteur des Spiegel Chefredakteur der WELT sein kann, niemals nie einen Beitrag von ein Focus-Redakteur? Iss ja ’n Ding!
    Über Inhalte und Wertungen kann man immer streiten, aber diese Aussage ist ja nun wirklich ein sehr stolzes Brett für jeden gut sichtbar vor dem Kopf. Nein, mitten durch.

  12. @C.S.: Der Punkt ist, dass der „Stern“ alles mögliche als „Anschläge“ bezeichnet. Deshalb der Widerspruch.

    Es geht nicht darum, dass nur Anschläge ein Problem sind und alles, was kein Anschlag ist, kein Problem ist. Es geht darum, Dinge als das zu bezeichnen, was sie sind, und nicht als etwas anderes. Das hat mit Relativierung nichts zu tun.

    (Aufgeregt kommt mir der Text gar nicht vor.)

  13. @Gunnar:

    Auch die Tatsache, dass das leerstehende Hotel „Husarenhof“ nicht nur gebrannt hat (das alleine ist schon schlimm genug), sondern dass vor dem brennenden Gebäude auch applaudierende Schaulustige standen und sogar Personen die Löscharbeiten behindert haben sollen, erwähnt der Herr Wendt vom „Fakten, Fakten, Fakten“-Magazin lieber nicht.

    Kann es sein, dass Sie den ganzen entsprechenden Absatz – samt Links – übersehen haben?

  14. Nur mal so: Der Sound von Wendt auf dessem Facebook-Profil

    „Die Außenbezirke von Paris zeigen uns die Zukunft etlicher deutscher Stadtviertel in zehn Jahren. Im Jahr 2026 werden Merkel und Laschet ihre unverdiente Pension genießen, Roth und Göring-Eckardt können sich auf Unzurechnungsfähigkeit hinausreden. Daimler-Zetsche und andere Spitzenmanager („die Flüchtlinge sind gut ausgebildet und hoch motiviert“) werden in ihren Schweizer Chalets oder in ihren Londoner Stadthäusern sitzen und aus beruhigendem Abstand verfolgen, wie die Territorialkämpfe ausgehen.“ (zum von ihm gesetzten Link eines FAZ-Artikels über Gewalt in der Pariser Banlieue)

    Es ist der Sound, den wir von der sog. Neuen Rechten kennen. Es ist der Sound des Milieus, in dem Wendt publizistisch zu Hause ist.
    Der „stern“-Text hat Schwächen, erhebliche sogar. Und Wendts Einwände sind in einigen Punkten sicher berechtigt. Ich hätte mir trotzdem einen Kritiker gewünscht, bei dem die eigene politische Agenda nicht wichtiger ist als die handwerkliche Kritik. Noch dazu, wenn es solch eine politische Agenda ist.
    (Das Facebook-Zitat ist willkürlich wie zufällig gewählt, von relativ weit oben in Wendts Timeline. Ich mochte nicht noch tiefer in diese Grube steigen)

  15. @19 Carsten
    Sie regen sich aber sehr selektiv auf: harte und tatsächlich polemische Worte von Wendt auf seinem Facebook-Profil machen Ihnen offensichtlich erheblich mehr zu schaffen als der FAZ-Bericht, um den es dort geht.
    Das ist merkwürdig, denn das Verbrechen in La Grande Borne stellt alles in den Schatten, was bei den im Beitrag diskutierten Vorfällen in Sachsen gesichert auf rechte Gewalt zurückzuführen ist.
    Denken Sie ruhig einmal darüber nach: wenn eine Gruppe Rechter in Sachsen vor einem Bus steht und sehr unfreundlich pöbelt, dann ist das ganz, ganz barbarisch und rechtfertigt auch noch den Ruf nach Bomber Harris. Wenn aber eine Gruppe migrantischer Gewalttäter ein Auto mit Insassen tatsächlich abfackelt, dann ist Wendts Polemik das Hauptproblem. Stellen Sie sich mal vor, was erst los wäre, wenn ER nach Bomber Harris gerufen hätte, damit der in der Banlieue aufräumt oder auch nur nach Sarko, dem Mann mit dem Kärcher.
    Ei, ei, ei, da hätten aber die doppelten Standards eine saubere Orgie abgefeiert! Diese doppelten Empörungsstandards vergiften die Debatte. Und ja, die gibt es rechts natürlich auch, aber das macht die Sache nicht besser.

  16. @ 20 Andreas Müller

    Es ging bei meiner Anmerkung nicht um die Verhältnisse in Pariser Vororten. Die sind, wie sie sind, Ergebnis desolater französischer Politik und Stadtplanung – und selbstverständlich weder hinzunehmen noch zu verharmlosen.
    Nur: Wo in Deutschland sehen Sie solche Viertel? Wendt sieht sie offenbar zuhauf, ohne allerdings Belege zu nennen. Und auf dieser Wahnvorstellung errichtet er dann sein Weltbild: Demnach sind die da oben elitäre Volksumwandler wie Schäuble oder Zetsche, die sich das Ergebnis ihrer deutschenfeindlichen Politik später von ihren im Ausland befindlichen Luxusdomizilen aus betrachten würden. Oder sie sind schlicht geisteskrank wie Roth oder Göring-Eckardt (nicht zufällig Grüne und vor allem nicht zufällig Frauen). Das meine ich mit dem Sound der Neuen Rechten. Ihren Vorwurf des „doppelten Empörungsstandards“ verstehe ich in diesem Zusammenhang schlicht nicht.

  17. kleine Korrektur zu 21. :
    Schäuble bitte streichen: Wendt nannte stattdessen Merkel und Laschet. Heißt ja in seinen Kreisen schließlich auch „Danke, Merkel“ und nicht „Danke, Schäuble“.

  18. Ein „Focus-Mann“ schreibt über den Stern: „Ein Fachblatt für Buntes und lange Fotostrecken“.
    Zur Erinnerung: Focus eine Mischung aus Bunte und Stern, kurz vor Compact und Junger Freiheit mit vielen Listen wie die 500 besten Anwälte, Ärtze usw.
    Aktuell eher ein Fitness-Blatt für „Spaziergänger“ mit jeder Menge Gesundheitsgeschichten, da wird selbst die Apotheken-Umscha neidisch.
    Ein Autor der für solche ein Blatt schreibt sollte eher schweigen oder das Feuilleton der TV14 übernehmen.

  19. @ Carsten
    „Ergebnis desolater französischer Politik und Stadtplanung“
    Ach so, die Täter sind natürlich mal wieder ganz außen vor und eigentlich nur Opfer der Politik. Es waren ja keine rechten Sachsen, nicht wahr? Bei allem Respekt, man kann diese Zustände nicht ohne einen Blick auf fehlgeschlagene Einwanderung betrachten. Und natürlich haben dazu auch Fehler der französischen Politik beigetragen. Aber wenn man das alles nur im Ausland erkennt und glaubt, dass das jetzt in Deutschland automatisch so viel besser laufen wird mit zwei Integrationskursen und ein wenig linkem Willkommensblabla, steckt darin ein erhebliches Maß (uneingestandener) nationaler Arroganz.
    Wenn ich beruflich in Frankreich unterwegs bin, fallen mir immer wieder die Kollegen maghrebinischer Abstammung auf, die unglaublich französisch sind, assimiliert in einem Maß, das wir in Deutschland mit den türkischen Einwanderern leider meist nicht geschafft haben. Das ist die positive Seite der Medaille, die keineswegs kleiner ist als die negative. Und zwei Bedingungen waren im Mittel immer besser als in Deutschland: die Sprachkenntnisse der Einwanderer und die Aufgeschlossenheit vieler Einheimischer für Fremde. Deshalb bin ich gar nicht so pessimistisch für Frankreich, wenn es sich nur endlich entschließen würde, den Euro zu kicken, der ihm ökonomisch schadet und damit auch die Integration aller Jugendlichen ins Berufsleben behindert, nicht nur der Einwandererkinder.
    Den naiven, arroganten Glauben daran, dass Deutschland es (natürlich) besser kann als Frankreich, finde ich erschreckender als Wendts Polemik gegen zwei grüne Betroffenheitsautomaten.
    „Wo in Deutschland sehen Sie solche Viertel?“
    Die Anfänge scheinen in NRW, Bremen und Berlin bereits vorhanden zu sein, wenn man lesen muss, dass 70 Angehörige sich zusammenrotten, wenn zwei Polizisten einen jugendlichen Intensivtäter verhaften wollen oder dass ein Prozess gegen einen arabischen Clanchef platzt, weil sich kein Schöffe traut. In dem Kommentar war von 10 Jahren Rückstand die Rede. Nach dem Einschnitt von 2015 ist diese Befürchtung nicht abwegiger als ein dahergesagtes „Wir schaffen das!“.

  20. Alexander Wendt – das ist bekanntlich irgendwie das Sprachrohr der CDU in Sachsen schon immer gewesen. Auf dem rechten Auge schon immer blind. Zum Sachsensumpf hätte er einfach die parlamentarischen Untersuchungsausschüsse und die Ergebnisse, die von SPD, Grünen (http://www.johannes-lichdi.de/sachsensumpf.html) und Linken öffentlich dokumentierbar sind, lesen sollen. Die stehen in kraßem Widerspruch zu dem was Wendt wieder einmal Unsägliches von sich gibt.

  21. @ 3 (Gunnar)

    Ich habe Ihren Kommentar gelesen, dankbar den Hinweis auf den von Herrn Niggemeier kommentierten Artikel im Focus aufgenommen und letzteren aufgerufen.
    Entschuldigung, aber ich finde darin nichts anderes, als eine absolut sachliche, wertungsfrei gehaltene Darstellung derjenigen Leistungen, auf die Flüchtlinge in Deutschland Anspruch haben.
    Mir scheinen diese Leistungen nicht besonders hoch, ich käme damit keine Woche aus und frage mich, inwiefern aus deren blosser Auflistung auf „unglaublich – so macht focus online Stimmung gegen Flüchtlinge “ geschlossen werden kann:

    Erscheinen die dort dargestellten Leistungen Herrn Niggemeier denn zu hoch oder woraus folgt die „unglaubliche Stimmungsmache“?

  22. Noch nicht ganz unter einen Hut bringe ich die guten Ergebnisse der Sachsen bei vielen Bildungstests und das gepflegte Image als Heimat rechter „Dumpfbacken“. Jüngst wurden sie in Deutsch und Englisch sogar nur noch knapp von uns Bayern übertroffen:
    http://www.zeit.de/news/2016-10/27/bildung-schueler-vergleichstest-sachsen-und-bayern-vorn-27201603
    Da stellt sich doch die Frage, ob Intelligenz und gute Bildung die Leute rechts machen oder ob, umgekehrt, linke Politik die Leute dumm macht. Als ehemaliger Linker habe ich viel Freude mit solchen Überlegungen. Ich muss aber dazusagen, dass mir linke Bildungspolitik schon als Schüler suspekt war. Mein Geburtsland hat Rot-Grün ja jetzt auch in kürzester Zeit in den Bildungskeller reformiert.
    Deutschland hat einen (maßvollen) Rechtsruck dringend nötig, damit Kinder aus eher armen Familien (auch aus Einwandererfamilien übrigens) auch morgen noch etwas in der Schule lernen, mit dem sie nicht zum Sozialamt müssen.

  23. @ 3 (Gunnar), @ 9 (CMI), @ 12 (Peter Tosch), @ 23 (Dirk Weck):

    Auf Uebermedien einen Redakteur des Focus schreiben zu lassen, folgt allerbester Tradition, die alten Lateiner nannten es „audiatur et altera pars“ (sinngem. „gehört werde auch die andere Seite“), ein römischer Rechtsgrundsatz, eine Perle, menschlichen Denkens, die bis heute ab-so-lu-te Gültigkeit hat.

    @ 21 (Carsten):

    Der amtierende Berliner Justizsenator hat die Stadt (die ganze Stadt, einen Stadtstaat, ein Bundesland, kein „Viertel“) als „fest im Würgegriff arabischer Grossfamilien“ bezeichnet.
    Die Presse mag diese Äusserung nicht, sie wird nicht verbreitet, ihr auch inhaltlich nicht nachgegangen:
    Und ich habe wirklich geglaubt, auf eine solche Erkenntnis hin würde, wenn Berlin schon handlungsfähig ist, wenigstens der Bund tätig werden, mindestens einen Staatskommissar entsenden, höchstens EU-Kommissar Oettinger, die GSG 9, SEK’s, Fallschirmjäger, Feuerwehr, das THW, den TÜV, alles, was Beine hat. Jedoch Fehlanzeige.

  24. 30:

    „fest im Würgegriff arabischer Grossfamilien“

    Auch wenn das Zitat nicht von der Presse verbreitet wird: irgendeine Quelle werden Sie ja gewiss hier nennen können.

  25. @ 31 (TH)

    der Berliner Justizsenator heisst Thomas Heilmann, aufmerksam wurde ich gelegentlich einer von ihm veröffentlichen „neuen Studie“, bekanntgegeben auf nach m.E. Inforadio, hier 3 lesbare Quellen dazu, es gibt halt nicht viel:

    Tsp. 9.12.15: „In Berlin herrscht Klima der Angst“
    BZ gleichen Datums: Heilmann: „Haben keine Kontrolle mehr über die Grossfamilien“
    Junge Freiheit.de 10.12.15: „Thomas Heilmann: Machtlos gegen arabische Grossfamilien, die Behörden haben die Kontrolle über die arabischen Grossfamilien verloren“.

  26. @ 31 (TH):

    Immerhin, eine fand ich noch: Berliner Kurier, 9.12.15: „Gewalttätige Familienclans haben Berlin im Griff“.

    Grüsse – Muckusch

  27. 33: Ich habe mir all ihre „Quellen“ angeschaut. Nirgendwo finde ich die Aussage des Justizsenators, welche Sie in #30 wörtlich zitiert haben wollen. Auch dem Sinn nach nicht; der Justizsenator spricht sogar explizit von mehreren Problemkiezen, aber nicht von der gesamten Stadt.

    Offensichtlich hat der Senator das nie so gesagt, wie Sie es behaupten. Spätestens auf meine Frage hin hätten Sie das ja richtigstellen können. Also folgt daraus: Sie wollen uns hier belügen.

  28. @ 34 (TH)
    1. sprach ich von einer Radiosendung (s.o. 32), also etwas GEHÖRTEM und nicht gelesenem,
    2. habe ich die Aussage somit nicht nach einer schriftlichen Quelle wörtlich zitiert, also als Zitat gekennzeichnet, sondern in Parenthese gesetzt, was ich im Radio hörte,
    3. schrieb ich, dass die Presse die Äusserung “ nicht mag“, sie nicht verbreite, ihr inhaltlich nicht nachgehe (s.o. 30),
    4. schrieb ich, nur 3 lesbare Quellen gefunden zu haben, es gebe halt nicht viel (32) und
    5. schob ich eine 4. (den BK) nach.
    6. Es sind dieses nicht „meine Quellen“, denn meine Quelle war eine Radiosendung (s.o.32), sondern die Fundstellen zum Thema, die ich auf Ihre Bitte darum suchte.

    Ja, die von mir gehörte Äusserung steht dort nicht, habe ich auch nicht behauptet, sondern darauf hingewiesen, dass die Presse sie nicht möge. Es wäre dieses nicht die erste von einer Person des öfftl. Lebens später nicht authorisierte Äusserung.

    Statt „offensichtliche“ Schlüsse zu ziehen (vgl. Hasswort Herrn Kloeppels in diesem Medium), könnten Sie sich vielleicht mit dem befassen, was die zu der flüchtigen Äusserung festgehaltenen „Quellen“ in Ihren Augen belegen:
    Ja, Sie haben Recht, die Zeitung (BZ 9.12.15, nicht einmal der Senator) spricht dort von Teilen von Neukölln, Wedding, Moabit, Kreuzberg, Charlottenburg, der Senator soll augenscheinlich dazu gesagt haben, die „Tendenz sei zunehmend“. Das ist nicht viel und dürfte zur Vorstellung einer Studie wohl nicht ausreichend sein.
    Der Spiegel vom 11.12.15 zitiert ebenfalls die obigen Stadtteile (jeder immerhin so gross wie eine Kleinstadt) und geht dazu über, ohne direkte Rede, angekündigte Gegenmassnahmen, das jahrelange Ignorieren u.ä. darzustellen.
    RBB Online (9.12.15) zitiert nur die Studie selbst, nach der „gewalttätige Clans ihr Umfeld beherrschen und unterdrücken, kriminelle Clans – der Sender bekennt sich augenscheinlich nicht einmal dazu, dass es sich um arabische Clans handelt, die Presse mag das nicht.
    Wofür auch spricht, dass der Senator div. Gegenmassnahmen ankündigte, über deren Umsetzung und Erfolg jedoch nicht eine einzige Quelle oder Frage im Internet (durch mich) zu finden ist.
    Epoch Times, 10.12.15, wirft ein von den Behörden verharmlostes Problem vor, diese würden die arabischen Grossfamilien nur unzureichend kontrollieren, der Senator wird dazu lediglich zitiert mit „nach Angaben der BZ“: „teilweise hat der Rechtsstaat dort die Kontrolle verloren, das darf nicht sein, da müssen wir vorbeugen“, jetzt merken wir, dass wir bei der Integration nicht gut waren, das müssen wir nun nachholen“. Das ist abermals nicht viel.
    Die BZ spricht (5.1.16) von „Deutschland als Beuteland“, am 9.12.15 schreibt sie:
    Heilmann: Haben keine Kontrolle mehr über die Grossfamilien“ – davon, dass dieses nur in „einzelnen Problemkiezen“, gälte schreibt sie nicht. Das wäre eine Lüge.
    „Selbst die Polizei traut sich teilweise nicht mehr einzugreifen“ und „jungefreiheit.de“ zitiert die BZ, dass ein Prozess gegen eine arabische Grossfamilie geplatzt sei weil, „erstmalig in der Berliner Justizgeschichte, keine Schöffen bereit waren, daran teilzunehmen“.
    Trotz der Novität fand ich dazu überhaupt keine schriftliche Weiterung, halte sie deshalb dennoch nicht für eine „Lüge“.

  29. Und dann fällt ihm plötzlich ein, es im Radio gehört zu haben.

    Kann man schon mal vergessen, wenn man mit dem Kopf in Epochtimes und jungefreiheit versunken ist.

  30. @ 36 (TH)
    Das ist mir nicht „plötzlich“ eingefallen, sondern, s.o. schon 32.
    Sie nahmen es ja auch zum Anlass (nicht im mindesten „plötzlich“, sondern unter Ausserachtlassung dieses Hinweises, die auf Ihren Wunsch von mir gesuchten „Quellen“ (ich hatte ja schon zu 30 geschrieben, dass die Presse die Äusserung nicht möge, ihr nicht nachgehe) zu recherchieren und – etwas einseitig – (s.o. 35) auszuwerten.
    Ich bin auch nicht in Epochtimes und jungefreiheit versunken, sondern habe diese „Quellen“ als zu den wenigen zählend benannt, die ich um den Vorgang an sich gefunden habe.
    Hier in Uebermedien wird m.E. Zu viel Wert auf „Stubenreinheit“ gelegt, Focus-Redakteure sollen hier nicht schreiben, anders als „stubenrein“ Denkende werden gebeckmessert auf Teufel komm heraus, Epochtimes und jungefreiheit (ich wusste bis gestern nicht einmal, das es die überhaupt gibt) werden ohne jegliche Begründung pauschal herabgewürdigt und hätten mich versunken gemacht – wenn das linksliberale Methodik ist, liegt sie mir zu nahe an derjenigen, die den Diffamierten (vgl. oben 30 1. Abs.) unterstellt wird.
    ich erlaube mir, davon abzuraten, denn ebensowenig, wie die Partei immer Recht hat, sind Linksliberale auch nicht immer im Recht.
    Check @ Balances, Dialog, These und Antithese, Dialektik, Regierung & Opposition und, s.o., die andere Seite anzuhören, und zwar richtig (vgl. Herrn Niggemeiers berechtigten Einwand oben 18 @ Gunnar) ist m.E. gesellschaftliches ABC.
    Das kann dann ja hier wohl zu.

  31. Das hat mit linksliberaler Methodik wenig zu tun.

    Sie diskreditieren sich selbst, wenn Sie bewusst mit falschen Zitaten operieren. Ganz unabhängig von ihrer politischen Gemütslage. Lüge bleibt Lüge, da hilft auch keine Dialektik.

  32. @MUCKUSCH

    Wenn man auf einer Medienkritik-Seite kommentiert braucht es etwas mehr als nur geschraubte Sprache, Medienkomptenz ist da auch ganz hilfreich.
    Und wenn man im Jahre 2016 noch nicht weiß was JF und EpochTimes für Läden sind, hält man sicher auch PI-„News“ für einen Titanic-Ableger.

  33. @ 40 (Schnellinger)

    Wenn Medienkritik nur von „Medienkompetenten“ willkommen ist (die sich in der Kenntnis von JF und Epochtimes beweist…), welchen prozentualen Bevölkerungsanteil haben Sie denn da im Auge?

    Da hier schreiben und lesen Dürfende wohl auch mindestens linksliberal sein müssen (vgl. obige Beiträge zu 3, 9, 12, 23), idealiter ausserstande, Texte komplett zu erfassen (was ausser Herrn Niggemeier keinem auffällt, s.o. 18) und dann auch noch zu verstehen, bevorzugt aber anmassend bis beleidigend statt „geschraubt“ sich äussern, ist das ja ein ganz erlesener Publikumszuschnitt.
    Da ist mir um die Zukunft der Medien nicht bange, ich bin hier raus.

  34. @Stefan Niggemeier (18)

    Kann durchaus sein, ich bin ja auch nicht perfekt. (Wobei ich gerade noch etwas auf dem Schlauch stehe und nicht weiß, welchen Absatz Sie genau meinen.)

  35. @Gunnar: Naja, es gibt doch einen ganzen Absatz zu dem Thema:

    Und nach dem – wie beschrieben – bis heute unaufgeklärten Brand im Bautzener Husarenhof wusste fast die gesamte helldeutsche Presse zu berichten, ein „Mob“ habe die Löscharbeiten behindert. Im Polizeibericht stellte sich der Mob dann als Ansammlung von drei besoffenen Jugendlichen heraus, von denen die Beamten zwei in eine Arrestzelle zum Ausnüchtern steckten. Dass die vollgetankten Gestalten sie bewusst behindert hätten, dementierte die Bautzner Feuerwehr.

  36. Aus dem Polizeibericht:
    „Anwohner und auch einige teils alkoholisierte Schaulustige hielten sich im Umfeld des Käthe-Kollwitz-Platzes auf. Manche kommentierten das Brandgeschehen mit abfälligen Bemerkungen oder unverhohlener Freude. Die Polizei nahm die Personalien mehrerer Schaulustiger auf und erteilte Platzverweise gegen drei 19 und 20 Jahre alte Bautzener. Sie hatten die Arbeiten der Feuerwehr massiv behindert.“

    https://www.polizei.sachsen.de/de/MI_2016_41144.htm

    Also umfasste der Mob schon mehr als drei Personen, während Wendt insinuiert, da seien nur drei Krakeeler vor Ort gewesen. Das nenne ich ein gelungenes Beispiel für eine „kreative Faktenneuordnung“.

  37. #TH
    Zu Bautzen: Schauen Sie sich die Videos an, auf youtube.de sind die leicht zu finden. Na klar sind bei einem Großbrand Schaulustige. Was es aber nicht rechtfertigt, daraus einen rechtsradikalen Mob zu machen.

    Klasse Artikel Herr Wendt! Und das sage ich als Südhesse, der seit 20 Jahren in Sachsen lebt. Die Presse über Sachsen ist absolut faktenfreies bashing.

  38. 46:

    Klar. Filmchen auf youtube. Der Beweis. Auf welche Weise geschnitten, gedreht von wem und zu welchem Zeitpunkt – als die Polizei schon eingeschritten war?

    (als ob die Polizei dort bekannt dafür wäre, Probleme mit rechten Zeitgenossen zu überhöhen)

    Und alles andere ist gleich Lügenpresse. Ich glaub gern, dass Sie sich dort wohlfühlen.

  39. #TH
    Sie unterstellen einfach, weigern sich andererseits, Quellen zu nutzen.

    Natürlich haben Sie recht, auch Videos sagen uns nicht die ganze Wahrheit, aber doch eine Menge.

    Hier der Bericht der beteiligten Feuerwehrleute:

    https://www.welt.de/vermischtes/article153871958/Brand-Geruechte-Feuerwehr-Was-in-Bautzen-geschah.html

    Klar, kann auch sein, dass die alle lügen. Aber die behaupten zum Beispiel, dass die Leute bei jedem Brand klatschen, nämlich zur Anerkennung für die Feuerwehrleute.

  40. Nun, Herr Lock,

    dann haben die Feuerwehrleute, die gerade mitten bei der Brandbekämpfung waren, sicherlich einen besseren Überblick über das Geschehen weitab vom Brandort als die dort eingesetzte Polizei. ;-)

    Ich habe Ihnen als Quelle den offiziellen Polizeibericht verlinkt. Sie und ihresgleichen kommen mit Youtube-Filmchen und Quellen zweiter Hand („Welt“).

  41. Unabhängig vom Rest: Christian Avenarius war, ist aber nicht mehr Vorsitzender der SPD in Dresden. Das mag jetzt für den Bericht nicht wahnsinnig wichtig sein, ist aber etwas peinlich, wenn man doch (teilweise durchaus zurecht) die mangelnde Faktensicherung des Stern beklagt.

  42. @ TH:

    „Also umfasste der Mob schon mehr als drei Personen, während Wendt insinuiert, da seien nur drei Krakeeler vor Ort gewesen. “

    Der Polizeibericht (so weit Sie ihn zitieren) beinhaltet:

    1. Es gab einige Schaulustige (wie viel, steht nicht da; laut Feuerwehr waren es 20-30).
    2. Manche von ihnen haben sich fremdenfeindlich geäußert (das können 5 von 30 oder auch 10 von 20 Personen gewesen sein).
    3. Die drei betrunkenen Männer haben die Feuerwehr tatsächlich behindert (bis sie entfernt wurden); zu weiteren Behinderungen kam es jedoch nicht.

    Wendts Darstellung ist (dem Polizeibericht nach) nicht ganz akkurat; die Behauptung, dass ein „Mob“ die Löscharbeiten behindert habe, ist es aber sicher noch weniger. Höchstens könnte man sagen, dass drei Leute die Arbeiten behindert haben, während ein Mob zugeschaut hat. Es stellt sich jedoch die Frage, ob man eine Ansammlung von Schaulustigen, von denen die meisten sich möglicherweise (!) nicht fremdenfeindlich geäußert haben, überhaupt als „Mob“ bezeichnen möchte, oder ob das nicht irreführend sein könnte.

    Trotz Wendts Ungenauigkeit bleibt seine zentrale Kritik – dass „die“ Medien bestimmte Ereignisse mal wieder wesentlich dramatisiert haben, damit die ins braune Bild passen – im Kern berechtigt.

  43. Aha, da möchte noch jemand relativieren.

    „Es stellt sich jedoch die Frage, ob man eine Ansammlung von Schaulustigen, von denen die meisten sich möglicherweise (!) nicht fremdenfeindlich geäußert haben, überhaupt als „Mob“ bezeichnen möchte, oder ob das nicht irreführend sein könnte.“

    Nein. Deswegen:
    „Manche kommentierten das Brandgeschehen mit abfälligen Bemerkungen oder unverhohlener Freude.“

    Anders als Sie muss ich da nicht erst spekulativ durchzählen, ob es 14 von 20 waren oder 21 von 30.

    Von mir aus können Sie gerne Wendt zustimmen. Derzeit scheint es ja hip zu sein, rechte Umtriebe kleinzureden, da sind ja auch Medienjournalisten beteiligt. Kann man wohl nichts machen, so ist der Lauf der Zeit.

    PS: Wenn Sie bei jedem Anschlag auf Flüchtlingsunterkünfte die Berichterstattung überprüfen wollen, haben Sie ja gut zu tun: http://www.nordbayern.de/politik/fast-800-angriffe-gegen-asylunterkunfte-in-deutschland-1.5561257

  44. @ TH:

    In meinem Kommentar hatte ich darauf aufmerksam gemacht, dass wir nicht wissen, ob die Leute, das Geschehen positiv kommentierten, einen bedeutenden Anteil der Menschenmenge ausmachten oder nicht; und dass es ein großer oder ein kleiner Anteil gewesen sein kann. Meine beiden je völlig unterschiedlichen Beispiele für mögliche Zahlenverhältnisse stellen insofern auch keine Spekulation dar. Sie dienen vielmehr der Veranschaulichung dafür, dass völlig verschiedene Möglichkeiten bestehen und wir es einfach nicht wissen. Es kann sein, dass sich die Menge überwiegend fremdenfeindlich verhalten hat; es kann aber auch sein, dass dies nicht der Fall ist.

    Was bedeutet Ihre Aussage, dass Sie nicht spekulieren müssten? Sofern Sie – so wie ich – eine agnostische Haltung einnehmen möchten, müssen Sie natürlich nicht spekulieren. Falls Sie hingegen eine Annahme dazu machen wollen, ob die Leute, die sich fremdenfeindlich äußerten, einen bedeutenden Teil der Menge ausmachten oder nicht, werden Sie wohl auf Spekulationen angewiesen bleiben. Es sei denn natürlich, es gelänge Ihnen, doch noch genauere Berichte zu finden.

    Ich habe auch nicht auf Ihr P.S. geklickt, da ich nicht die Absicht habe, „bei jedem Anschlag auf Flüchtlingsunterkünfte die Berichterstattung überprüfen [zu] wollen“. Ich weiß auch nicht, wie Sie zu einer solchen Annahme kommen, denn ich habe nichts in diese Richtung gehendes geäußert. Vielmehr wollte ich auf Ihren spezifischen Beitrag antworten.

    In meinem Beitrag habe ich einige Fakten genannt; ich habe geschrieben, was wir wissen und was wir nicht wissen. Meine Darstellung ist dabei sachlich doch vollkommen akkurat. Und ich habe dann anhand dieser Tatsachen festgestellt, inwiefern die Medienberichterstattung problematisch ist. Was an einem solchen sachorientierten Ansatz eine „Relativierung“ sein sollte oder auch nur sein könnte, entzieht sich meinem Verständnis.

    P.S. Persönlich würde ich gerne sachlich und ohne überflüssige Polemik diskutieren, wenn es Ihnen recht wäre. Da ich Sie nicht persönlich angreife oder Ihnen nichts unterstelle, wäre es nett, wenn Sie es umgekehrt auch so halten könnten. Danke.

  45. Für die Chronik im Fall „Husarenhof Bautzen“.
    Eine Meldung vom 21. November:

    Prozessauftakt gegen mutmaßliche Störer von Löscharbeiten
    Bautzen (dpa/sn) – Am Bautzener Jugendschöffengericht hat am Montag der Prozess gegen zwei Männer begonnen, die im vergangenen Februar die Löscharbeiten an einer geplanten Flüchtlingsunterkunft in Bautzen behindert haben sollen. Die beiden 21-jährigen Angeklagten räumten im Gerichtssaal ein, sich in den frühen Morgenstunden des 21. Februar im Gefahrenbereich des brennenden, noch unbewohnten sogenannten Husarenhofs aufgehalten zu haben. Sie bestritten aber, einem Platzverweis nicht gefolgt zu sein. Am Nachmittag sollten Zeugen befragt werden. Ein dritter mutmaßlicher Störer erschien nicht zur Verhandlung. Gegen ihn wurde Haftbefehl erlassen. Allen Beschuldigten werden noch weitere Straftaten zur Last gelegt. Die Anklage lautet unter anderem auf Widerstand, gefährliche Körperverletzung, Diebstahl, Beleidigung und Sachbeschädigung. Nach eigenen Aussagen hatten die 21-Jährigen auf einer Geburtstagsfeier über eine Whatsapp-Nachricht von dem Brand erfahren. Im bereits stark alkoholisierten Zustand hätten sie sich auf den Weg zur geplanten Flüchtlingsunterkunft gemacht. Den Platzverweis erhielten sie damals, weil brennende Ziegel herabzustürzen drohten. Doch dieser Anordnung widersetzten sie sich laut Anklage. Die Strafkammer hat noch zwei weitere Verhandlungstage angesetzt. Wer das Feuer damals legte, ist bisher ungeklärt.

    Und am 28. November fiel das Urteil:

    Gaffer müssen ins Gefängnis
    Zwei Männer sind in Bautzen zu Freiheitsstrafen verurteilt worden – allerdings wegen andere Delikte.

    Bautzen. Das Medieninteresse war groß: Kamerateams hatten sich vor dem Verhandlungsraum des Bautzener Amtsgericht aufgebaut, drin nahm in den Zuschauerreihen mehr als ein halbes Dutzend Journalisten Platz. Nach den heftig diskutierten Vorfällen im Umfeld des Husarenhofbrands sind jetzt zwei junge Männer verurteilt worden. Hauptsächlich allerdings für eine Reihe von Straftaten, die mit dem Brand der geplanten Asylunterkunft in der Nacht zum 21. Februar nichts zu tun haben. Eine Behinderung der Feuerwehrleute – wie zunächst von der Polizei und später in den Medien verbreitet – hat es nach Ansicht des Jugendschöffengerichts nicht gegeben…
    Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Eine Frage bleibt indes weiter offen. Die Generalstaatsanwaltschaft ermittelt noch immer, wer eigentlich hinter dem Brandanschlag auf den Husarenhof steckt.

    Quelle: http://www.sz-online.de/sachsen/gaffer-muessen-ins-gefaengnis-3551173.html

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