Broder rückt Journalisten in die Nähe der SS

Der Nazi-Vergleich ist verpönt, aber gerade deshalb so reizvoll. Es gibt gute Gründe, andere Verbrechen nicht auf eine Stufe mit den Verbrechen der Nationalsozialisten zu stellen und das Verhalten anderer Menschen nicht dem der Nationalsozialisten im Dritten Reich. Andererseits macht gerade das Tabu den Einsatz dieser rhetorischen Waffe so mächtig: Einfach mal eine Ähnlichkeit von Journalisten, die man verachtet, mit der SS andeuten und von der Gefühlskälte, die man ihnen unterstellt, mit dem Völkermord an den Juden.

Der bekannte Publizist und „Welt“-Autor Henryk M. Broder arbeitet sich in diesen Tagen in ganz besonderer Form an den seiner Meinung nach falschen Reaktionen auf die Anschläge und Angriffe der vergangenen Tage ab. Er fordert auf der Seite „Die Achse des Guten“, wenn ich ihn richtig verstehe, weniger Differenzierung und Genauigkeit und mehr blindwütiges Verurteilen und Beschuldigen des Islams und der Einwanderer.

Die Möglichkeit, dass es sich etwa bei dem neunfachen Mörder von München um einen ganz normalen Amokläufer gehandelt haben könnte, ohne Verbindungen zum Islamismus, tut er als kalkulierten Unsinn ab.

Dann zählt er mehrere Kommentare auf, die er offenbar nicht apokalyptisch genug findet, nicht panisch, undifferenziert oder islamfeindlich genug; bei denen er zuviel Verständnis für die Täter vermutet oder zuwenig Bereitschaft, zu sagen, was für ihn offenkundig ist.

Er nennt die Kommentare von Brigitte Fehrle („Berliner Zeitung“), Birgit Wentzien (Deutschlandfunk), Aiman Mazyek („Zentralrat der Muslime“) und Christian Bommarius („Frankfurter Rundschau“) gefühllos und brutal, und das geht natürlich völlig in Ordnung. Er fügt aber hinzu:

Ja, auf diese Experten und ihre Expertisen freuen wir uns schon wie Bolle auf das Oktoberfest. Man hat wirklich selten Gelegenheit, solche Gefühlskälte, Mitleidslosigkeit und Brutalität im Gewande der Sachlichkeit am lebenden Objekt studieren zu können. Das durchgehalten zu haben, und dabei – abgesehen von Ausnahmen menschlicher Schwächen – anständig geblieben zu sein, das hat unsere Besten hart gemacht.

Mit dem letzten Satz endet seine kleine Glosse.

Dieser Satz ist nicht von ihm, sondern ein Zitat. Aus den „Posener Reden“ von SS-Reichsführer Heinrich Himmler. Am 4. Oktober 1943 äußerte sich Himmler unverstellt über den Holocaust:

„Ich meine jetzt die Judenevakuierung, die Ausrottung des jüdischen Volkes. Es gehört zu den Dingen, die man leicht ausspricht. – ‚Das jüdische Volk wird ausgerottet‘, sagt ein jeder Parteigenosse‚ ‚ganz klar, steht in unserem Programm, Ausschaltung der Juden, Ausrottung, machen wir.‘ […] Von allen, die so reden, hat keiner zugesehen, keiner hat es durchgestanden. Von Euch werden die meisten wissen, was es heißt, wenn 100 Leichen beisammen liegen, wenn 500 daliegen oder wenn 1000 daliegen. Dies durchgehalten zu haben, und dabei – abgesehen von Ausnahmen menschlicher Schwächen – anständig geblieben zu sein, das hat uns hart gemacht und ist ein niemals geschriebenes und niemals zu schreibendes Ruhmesblatt unserer Geschichte.“

Broder identifiziert das Zitat nicht als solches, aber die Formulierung ist bekannt. Es ist für ihn, mutmaßlich, nur eine lustvolle Provokation. Aber er spielt damit, die von ihm verachteten Publizisten in die Nähe von SS-Offizieren zu rücken und ihre behauptete Gefühllosigkeit und Brutalität mit der zu vergleichen, mit der die SS den Massenmord an den Juden beging.

Auch wenn Broder es nicht explizit ausformuliert: Seine angedeutete Parallele lässt sich als einer der brutalsten Nazi-Vergleiche lesen, die man sich vorstellen kann.

98 Kommentare

  1. Mir war der Vergleich nicht bekannt, weil ich nicht danach suche. Aber wer von dem Kern der Aussagen Broders ablenken will, der holt die Nazikeule und erschlägt den Andersdenkenden, nicht dessen Argumente. So auch hier.

    Wie Broder mutet es für viele Leser seltsam an, dass der Mainstream Legenden entwickelt. Zur Differenzierung der Taten und Täter werden Indizien versponnen und in aller unlogischen Eindeutigkeit zu eindeutigen Geschichten zurechtgeschustert.

    Sicherlich gab es neben den drei Flüchtlingstaten auch den Münchner Migrantensohn. Aber an seinem Beispiel werden die Fragen lauter. Ein ganz und gar nicht nordisch wirkender Jüngling ist zwar psychisch geschädigt, ewiges Mobbing-Opfer und Sonderling, aber eben auch Nationalist. Welcher Nazi ist er denn? Der arische Volksreinerhaltungs-Nazi kann er wohl nicht sein? Vielleicht der Reichsbürger-Nazi a la Xavier Naidoo, der auch schon in die Ecke geschrieben wurde?

    Stellt kein Journalist mehr Fragen, wie A, B und C zusammen passt, nur weil die Geschichte des David (der eigentlich Ali David heißt) so schön von der fehlenden Integrationsfähigkeit von vielen Migranten ablenken kann?

    Aus Reutlingen ein Shakespearsches Liebesdrama zu basteln, war da doch schwieriger. Frau getötet, aber fünf weitere verletzt, bis ein Migrant in mit seinem BMW vorsätzlich stoppen konnte. Broder hat zurecht auf seine sieben Sachen verwiesen, die er mitnimmt. Die Machete gehört sicherlich in unserer Kultur noch nicht dazu. Sorry, war ja nur ein Dönermesser, rufen schon die nächsten Salonlinken und lenken von den Opfern ab.

    Beim Würzburger Axtterroristen und dem Ansbacher IS-Selbstmordattentäter wurde es dann schon schwieriger. Aber einige versuchten es dennoch.

    Differenziert nur weiter. Damit wir weiter um den heißen Brei herumtänzeln können. Mit spitzer Feder wird jedes Detail gesucht, damit die Grausamkeit der Kultur, die sich nicht mehrheitlich integrieren will, nicht beim Namen genannt wird. Parallelgesellschaften sind Realität, wie die Türkendemos zeigen. Oder aber die mafiösen Strukturen von Clans. Oder aber die unter den Teppich der politischen Korrektheit gekehrten mehr als 50 Missbrauchsfälle in unseren Schwimmbädern innerhalb der letzten beiden Wochen.

    Darüber diskutieren wir nicht. Wir kritisieren lieber Broders Anleihe an eine Himmlerrede. Ablenken ist Täuschung. Täuschung ist Lügen. Lügen und Presse erhallt derzeit in Kombination in den Straßen. Warum nur!

  2. @Lauris Mauris: Der SS-Vergleich steht als Pointe am Ende von Broders Kolumne. Er ist womöglich sowas wie die Essenz seiner ganzen Glosse. Und wenn man darauf hinweist, lenkt man vom Kern der Aussagen Broders ab?

    Woher wissen Sie, dass David S. in Wahrheit Ali David S. heißt? Nach meinen Informationen, heißt er David S., und Ali ist sein Spitzname. Verschiedene deutsche Medien nennen ihn unterschiedlich. Wo ist das Problem? Was ist überhaupt die überragende Bedeutung des Vornamens S.? Der Migrationshintergrund ist doch bekannt und wurde sofort benannt.

    Und, ja, dann hat Broder einen ganzen Artikel über die Machete geschrieben und am Ende war es ein Dönermesser. Es nimmt dem Mord nichts von seiner Brutalität, dass der Täter die Frau mit einem Dönermesser umgebracht hat statt mit einer Machete, aber gerade die Machete als ein Gegenstand, den kein Mensch einfach so mit sich herumtragen wollte, war Broder doch als Symbol so wichtig. Leider taugt es nicht als solches Symbol. Es ist einfach nur eine schreckliche Tatwaffe.

    Ihr „Darüber diskutieren wir nicht“ ist grotesk. Wir alle diskutieren über nichts anderes.

  3. Broders Vorliebe für unterschiedlichste „Nazi-Vergleiche“ ist ja nichts Neues. Aber ist dieses Zitat dafür wirklich ein so gutes Beispiel? Das beschränkt sich doch eher auf eine sprachliche Anspielung, mit der Broder seinen Blog-Eintrag für Kenner des Himmler-Zitats noch etwas aufmotzt (ok, der Übergang zu einem Nazi-Vergleich mag fließend sein). Aber dieser abgewandelte Himmler-Ausspruch steht da merkwürdig losgelöst. Der Bezug zu den kritisierten Journalisten ist – soweit beabsichtigt – sprachlich jedenfalls missglückt. Es scheint so als wäre Broder selbst nicht klar, wie er zum Schluss noch die Kurve zum üblichen Futter für die Zielgruppe kriegt. Aber „einer der brutalsten Nazi-Vergleiche, die man sich vorstellen kann“? Naja, ich weiß nicht. Aber Stefan Niggemeier scheint sich ja selbst nicht so sicher zu sein, soweit man Formulierungen wie „nicht explizit ausformuliert“ „angedeutete Parallele“, „kann man lesen als“ heranzieht.

  4. Vornamen sagen doch alles, wozu differenzieren? Der amtierende Präsident der USA heisst doch auch Hussein, also was braucht man da noch zusätzlich?
    Nur 50 Missbrauchsfälle? Wenn man nicht differenzieren braucht, werden da doch mehr zusammen kommen…

  5. „dass es sich etwa bei dem neunfachen Mörder von München um einen ganz normalen Amokläufer gehandelt haben könnte“
    Könnte durchaus, wenn die Berichte denn stimmen. Broders Polemik hat jedenfalls nicht dazu beigetragen, den Nebel um diese Tat zu lichten, sondern zusätzlichen Nebel erzeugt.
    Die Version, auf die man sich offiziell geeinigt hat, wird dadurch nicht besser: Amok-Täter, die ihre Amok-Bücher im Rucksack spazieren tragen sind mir ähnlich suspekt wie Terroristen, die ihren Ausweis am Tatort verlieren. Merkt denn niemand, dass bei allen diesen Anschlägen immer viel zu schnell verkündet wird, was es gewesen sein soll? Ein Amoklauf mit einem Jahr Vorbereitung und das Ganze nach 1 Tag aufgeklärt. Das ist doppelt absurd.

  6. Also ich habe noch nirgends gelesen, dass das ganze offiziell und gänzlich aufgeklärt ist. Stattdessen lese ich häufig das Wort „offenbar“.

  7. „Differenziert nur weiter. Damit wir weiter um den heißen Brei herumtänzeln können“

    Sagen die IS-Propagandisten auch immer, wenn es gegen den großen Teufel geht und jemand zaghaft einwendet, dass doch aber nicht alle Amerikaner/Europäer/Juden blutrünstige Moslemmörder und Mohammedschänder sind. Genug rumgelabert, schnallt euch die Gürtel um.
    Auch die Parallele zur Putinmonstermalerei ist unübersehbar.

    Typische Parallele zwischen ISlamisten und Führerbunker-Gruft-Rechten (das ist für „Salonlinke“) und das ist überhaupt gar nicht zufällig.

    Wir differenzieren weiter, denn wir haben weder Bock auf Steinzeit-Islamisten noch auf Steinzeit-Faschisten.

    Falls ihr es mal schafft, das Differenzieren abzuschaffen, bricht hier die Hölle auf Erden aus. Im IS-Gebiet können Sie sich einen Vorgeschmack abholen, falls Sie wirklich so scharf darauf sind.

  8. Tja, Broder halt, der Text sollte eigentlich für (im Sinne von gegen) sich selbst sprechen. Aber die Beifallsbekundungen in den Kommentaren unter dem Text zeigen, wie fruchtbar der Boden ist, auf den so was fällt.

    @Andreas Müller, #6
    Was soll denn dieses Geraune, was bitte ist daran so absurd? Was hat die Dauer der Planung mit der Dauer der Aufklärung zu tun? Wie lange sollte man denn Ihrer Meinung nach brauchen, die Hinterlassenschaften eines Täters auszuwerten und seinen Hintergrund zu ermitteln? Und wie fänden Sie es, wenn man sich angesichts bestimmter Funde „offiziell einigen“ würde, gewisse Erkenntnisse erst mal nicht zu „verkünden“?

  9. No worries, „man“ (Regierung, Polizei, Lügenpresse, eben alle, oder so…) könnens nur falsch machen. Schnelle Aufklärung ist verdächtig, wenns länger dauert, wirds eben vertuscht bzw grade das Lügengebäude gebaut…
    Und so Details wie ein „offenbar“ interessieren doch längst nicht mehr. Müsste man ja differenzieren für…

  10. @2: Sie sagen, man lenke von Broders Argumenten ab, finden den SS-Hintergrund nicht so schlimm und drehen das ganze dann schnell mal zum Link zu Ihrem Meinungsbild ohne sich dann mit Broders Argumenten wirklich auseinanderzusetzen. Schön, können Sie ja so machen, aber sehen sie da bei sich nicht auch eine kognitive Dissonanz am werkeln? Genau dieses sich unangreifbar machen und die vorauseilende Scheuklappentaktik macht aus einem einen Täter: Ich sehe den Anderen gar nicht mehr vor lauter Ego, weil der da mir eh weh tut, mir was weg nehmen will oder nicht an das glaubt, an das ich glaube.

  11. @Lauris Mauris, 2: Vielleicht kommen Sie ja eines Tages darauf, dass der von Ihnen benannte heisse Brei über kurz oder lang anbrennt, wenn wir uns das Differenzieren verbieten. Ihre Verallgemeinerungen und Pauschalisierungen führen dann zu solch absurden Aussagen wie „damit die Grausamkeit der Kultur, die sich nicht mehrheitlich integrieren will, nicht beim Namen genannt wird. „. Wenn Pegida in Dresden „Lügenpresse“ ruft oder Frau Petry mit dem Ausdruck Pinocchio-Presse kokettiert, dann geb ich da – bitte entschuldigen Sie – einen „Scheiss“ drauf. Da reicht es, wenn man sich die Postings von Pegida und der AFD in den sozialen Netzwerken anschaut und man bekommt eine sehr gute Vorstellung davor, auf welcher Seite gelogen wird. Sie, lieber Lauris Mauris, erleben gerade, wie populistische Bewegungen/Parteien Feindbilder erschaffen und gehen ihnen dabei voll auf Leim.

  12. #9
    „Wie lange sollte man denn Ihrer Meinung nach brauchen, die Hinterlassenschaften eines Täters auszuwerten und seinen Hintergrund zu ermitteln?“
    Tage bis mindestens Wochen ist der Zeithorizont in jedem Krimi. Wie kann ich innerhalb eines Tages herausfinden, ob und wie jemand etwas ein Jahr lang geplant hat? Ein Tag ist ein Hinweis darauf, dass die virtuelle Totalüberwachung ein Ausmaß angenommen hat, das Orwell erblassen lassen würde. Oder dass es nur ein Schnellschuss ist, mit welchem Ziel auch immer
    #10
    „Und so Details wie ein „offenbar“ “
    Ich kann Ihnen Beispiele eines solchen frühen „offenbar“ zeigen, die den Eindruck erwecken, als müsste man die Fakten nur noch pflücken und in Körben sammeln, um daraus mit Leichtigkeit Beweise zu machen. Danach hat man dann aber leider niemals mehr irgendetwas Substanzielles über das Offenbare gehört. Der erste Eindruck, der sich in den Köpfen festsetzt, scheint also da das eigentliche Ziel zu sein.

  13. „Falls ihr es mal schafft, das Differenzieren abzuschaffen, bricht hier die Hölle auf Erden aus.“

    Ich finde es ja immer spannend, wenn jemand Visionen hat, aber trotzdem sollte man den Bezug zur Realität nicht verlieren. Mal angenommen, Merkel hört auf die ganzen heutigen „Wir sind das Volk“-Rufer, brandmarkt eine ganze Volksgruppe aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit und versucht diese auszuschaffen, dann bin ich mir ziemlich sicher, dass dies aus auch nicht unbedingt einen positiven Effekt für das reinrassige deutsche Volk hat.
    Wie kommt man überhaupt auf die Idee, dass etwas, das vor 70 Jahren schon nicht geklappt hat, heute klappen könnte? Und inwiefern würde der Kriegszustand zu einer Verbesserung der Lebensumstände des deutschen Volkes führen (ich kann mir kaum vorstellen, dass die internationale Staatengemeinschaft zusieht, wie wir die Lager wiedereröffnen)?

    Und übrigens: Sollten die Sehnsüchte der undifferenzierten Islamhasser wirklich mal in Erfüllung gehen, dann ist das Geschrei sicherlich groß, wenn jemand total undifferenziert entscheidet, dass Herr Lauris Mauris ja auch irgendwie aussieht wie ein Moslem und er sich plötzlich in Aleppo wiederfindet.

  14. Habt Ihr schonmal darüber nachgedacht, aus Broder-Zitaten eine lose Serie zu machen? Da kommt doch bestimmt in Zukunft noch mehr dieser Art! Ihr könntet die Kolumne „Brodis Kosmos“ nennen!

  15. „Wie kommt man überhaupt auf die Idee, dass etwas, das vor 70 Jahren schon nicht geklappt hat, heute klappen könnte?“

    Um die Inhalte geht es doch gar nicht wirklich. Das Ziel ist immer, die rein emotional-unreflektierten Affekte so anzuregen, dass differenziertes Denken als unterwürfige Schwäche denunzierbar wird.
    Selbstverständlich nur den anderen gegenüber. Nennt man diese Vögel Nazi, beweist der Mangel präziser Differenzierung plötzlich doch den totalitären Charakter des vermeintlich Salonlinken Regimes.

    Auch z.B. Trump agiert nur mit den Mitteln des sowohl gewieften wie auch skrupellosen Verkäufers, seine (Insightorientierte-)Kommunikations-Strategie ließe sich am besten und schnellsten mithilfe der Marketing-Pyramide darstellen.

    Machen wir uns nichts vor, das hat, passende sonstige Umstände vorausgesetzt, vor 70 Jahren funktioniert, aber auch vor 700 oder 7 Jahren. Irgendwo auf der Welt funktioniert es immer gerade bestens. Übrigens auch im Dienste der Richtigen bei uns, also jener, die die passenden Umstände erst kontruiert haben.

    Dass es auch bei uns im „Westen“ derzeit einen steilen Popularitätsschub verzeichnet, zeigt nur, dass die Etablierung der „passenden sonstigen Umstände“ bereits weit gediehen ist.

    Solange die Eliten der sozioökonomischen Alternativlosigkeit noch zu borniert für die Erkenntnis bleiben, dass man sich nicht dauerhaft unbemerkt per Doppelsprech vom arbeitenden Pöbel abkoppeln -und ihn ausplündern – kann, ihr Weg also nicht nachhaltig ist, wird das auch erst der Beginn des Westweltweiten Siegeszuges der Demagogen sein.

    Wer – ursprünglich wenig politisiert -zunehmend das Gefühl bekommt, von Ratten regiert -und in den wesentlichen Fragen informiert- zu werden, fängt eben an, den Rattenfängern hinterherzulaufen.

  16. „Es ist für ihn, mutmaßlich, nur eine lustvolle Provokation.“

    Ja, so sehe ich das auch.

    “ Aber er spielt damit, die von ihm verachteten Publizisten in die Nähe von SS-Offizieren zu rücken und ihre behauptete Gefühllosigkeit und Brutalität mit der zu vergleichen, mit der die SS den Massenmord an den Juden beging.“

    Hier verstehe ich das ‚Aber‘ am Anfang des Satzes nicht. Genau das, was danach kommt, ist doch die lustvolle Provokation.

  17. War das wirklich eine codierte Anklage? Oder hat er Himmler’s Formulierung nur direkt für sich genutzt, weil sie ihm so gut gefällt, sie so gut zu seinem Stil passt?

    Immerhin sprach Himmler vom Aushalten der eigenen Taten, wenn man sie begeht und davon, das zu verkraften, ohne dabei moralisch zu verkommen, wassozusagen eine interne Auslese der Besten und Härtesten war, quasi ein informelles Ritterkreuz für Massenmörder.

    Broder sieht dagegen die Leichenberge der Islamisten und die menschenverachtenden Kommentare der Gutmenschenjournaille und ist stolz darauf, dass er und seine Genossen das ertragen, ohne dabei moralisch zu verkommen. Er und seine Genossen sind also nicht -wie bei Himmlers Adressaten- Täter, sondern Opfer.

    Für mich deutet das eher darauf, dass er diese Himmler-Rhetorik undercover gewinnbringend für seine Zwecke nutzen wollte, als dass das ein verdeckter Diffamierungs-Code war.

    Das liegt aber vielleicht auch nur daran, dass mir dieses Himmler-Zitat nicht bekannt war.
    Und welche der beiden Interpretationen ich noch schlimmer fände, weiß ich auch nicht.

  18. Broder verweist zuletzt gern auf die Klugheit der „kleinen Leute“. Bei seinem heimlichen Himmlerzitat vertraut er aber offenbar darauf, es werden nur jene entdecken, die er damit piesacken will oder einschlägig belesene? Hält er die Gefahr für gering, er könnte damit seine Fans irritieren? Weil er davon ausgeht, die werden diesen Ausspruch von Himmler nicht kennen? Hält er die „kleinen Leute“ am Ende für nicht klug oder belesen genug?
    Was ist widerlicher? Das Gejammer von Himmler, mit dem der einst millionenfachen Mord zu einem Opfer für eine gelegentlich zimperliche Elite, erbracht von noch viel elitäreren und moralisch höher stehenden Vorkämpfern umdeutete, die den ganzen Schmutz ertragen haben, der beim Massenmord entsteht? Oder diese elitäre Arroganz, mit der Broder scheinbar für selbstverständlich hält, er wird mit dieser kalkulierten Unanständigkeit keinen davon abhalten, ihn für seinen vermeintlichen Nonformismus zuzujubeln oder dafür zu lieben, wie er einem den eigenen Alltagsrassismus zu einem grundanständigen Gefühl und einer normalen menschlichen Regung erklärt. Oder sucht er am Ende neue Fans? Welche, bei denen er annimmt, die kennen und erkennen Nazizitate wohl und die er mit entsprechendem Rumhantieren beeindrucken kann? Dann freilich wäre er endgültig durchgeknallt!

  19. #15 Gunnar
    „Mal angenommen, Merkel .. brandmarkt eine ganze Volksgruppe aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit und versucht diese auszuschaffen“
    Jetzt wollen wir aber mal die Kirche im Dorf lassen: es gibt nur wenige, die mehr verlangen als ein Nichthereinlassen von zusätzlichen Leuten und die ernsthafte Anwendung gültiger Gesetze für alle hier Lebenden. Was Sie hier betreiben, nenne ich #hatespeech.
    Das passt aber bestens ins Bild, wenn man sich ansieht, wie Sahra Wagenknecht heute die Worte im Mund umgedreht werden: Wenn sie sagt, dass die Aussage der Kanzlerin sich als leichtfertig herausgestellt hat (was eine milde Kritik ist), kommt doch bestimmt ein Büttel daher und behauptet, sie würde ALLE Flüchtlinge mit Terroristen in einen Topf werfen. Dabei ist doch klar, dass das Land ein gewaltiges Problem hat, wenn nur 1% der Flüchtlinge auf einen Bad Friedrichshaller, Würzburger, Reutlinger oder Ansbacher Pfad geraten. Dann können 99% so schutzbedürftig und harmlos sein, wie sie nur wollen. Die Frage muss gestellt werden, wer hier vom Wahnsinn umjubelt ist und die absurdesten Projektionen und Wahnideen zur Grundlage der breiten Debatte machen will, um jede Kritik (an den Regierenden) zu unterbinden.

  20. @Stefan Niggemeier: Aber genau das ist doch das Wesen einer Provokation…dass sich jemand meldet, der sagt: „Hier hört der Spass auf.“

  21. @20, Symboltroll: Ja, dieses Verständnisproblem habe ich auch. Aber Broders wilde Assoziationsketten, aus denen er wirre „Nazi-Pointen“ zusammenschraubt, sind für Außenstehende, die nicht in Broders Oberstübchen wohnen, eben oft nur schwer verständlich. Und diese ganze Anspielung auf Himmler und die SS ist – wie man sie auch immer verstehen will – ja sowieso absurd.

    Aber ich würde schon sagen, dass es eher unwahrscheinlich ist, dass Broder ausgerechnet eine Formulierung von Himmler „so gut gefällt“ und er glaubt, dass sie „gut zu seinem Stil passt“. Ich denke auch nicht, dass er das „Aushalten“ und „anständig bleiben“ (im pervertierten Himmlerschen Sinn) irgendwie auf sich selbst beziehen würde. Aber das ist wohl jetzt schon zu viel der Broder-Sprachexegese. Gerade wegen des kaum verständlichen Sinns eignet sich mMn dieses Textteil eben nicht besonders als Beispiel für einen der vermeintlich „brutalsten Nazi-Vergleiche aller Zeiten“.

  22. @ Lauris Mauris

    „damit die Grausamkeit der Kultur, die sich nicht mehrheitlich integrieren will, nicht beim Namen genannt wird“

    Ja, genau. Und diese Kultur heißt: Pegida und Co.

    „Parallelgesellschaften sind Realität, wie die Türken Pedigademos zeigen.“

    Sie haben sich nämlich unabsichtlich selbst entlarvt – man nennt das in der Psychologie Projektion.

    „Darüber diskutieren wir nicht.“

    Dann diskutieren Sie doch mal über Pegida und Co.
    Wos, des wollens net? Jo mei, dann hättens holt lieber amol a bisserl differenziert, meinens net?

  23. @23
    Was ist der Sinn dieser Provokation? Broder provoziert um der Provokation willen. Ich finde in der heutigen Zeit, ist das was wir am wenigsten brauchen blökende Publizisten.
    Diese hatten in den 80er/90ern ihre Berechtigung, aber wenn schon in der Politik genug Irre rumspringen, wäre mehr Sachlichkeit wünschenswert.

  24. Fazit: Broder hat dieses Mal nicht überzeugt, sondern klar überzogen. Kopf hoch, Henryk, morgen ist (wahrscheinlich) auch noch ein Tag.
    Der Tagessieg geht aber an den Postillon, der die erhitzten Gemüter beruhigt und eine echte Innovation für die Welt von Morgen vorgestellt hat. Nicht jammern, sondern positiv gestalten!

  25. Dass das eine Himmleranspielung ist, hätte ich nicht gewusst.
    Aber offenbar will er gewisse Leute als so unmenschlich abgebrüht darstellen wie die SS.
    Was jetzt schon deshalb hinkt, weil besagte Journalisten mit den Amokläufen, Terroranschlägen oder was auch immer deutlich weniger zu tun haben als die SS mit dem Holocaust.

    „Ganz normaler Amokläufer“ klingt witzig. Was wäre denn das Gegenteil? Ein völlig geistesgestörter Amokläufer?

  26. Lügenpresse und so. Das ist eine Sache, für die wir uns in dieser Einfachheit nicht einkaufen lassen sollen. Ein anderes Thema ist der Stil der Berichterstattung. Der hat in den deutschen Medien die Ekelgrenze erreicht oder vielleicht schon überschritten. Da kann ich Broders Frust gut verstehen. Gutmenschen, Obrigkeitsbeleherer, Trendschreiber setzen zur Meinungsbildung an. Meistens ohne Elementarkenntnisse über das Thema, über das sie schreiben. Glaubhaftigkeit der Printmedien in Deutschland unter 50% nach einer Statistik die die „Zeit“ mal gebracht hat. Nicht nur dass die Printmedien durch ihre sinkenden Auflagenzahlen diese Art Journalismus beenden. Die Journalisten tun alles, um das zu beschleunigen.

  27. Ich kann einfach niemandem in diesem Forum glauben, das Zitat nicht zu kennen. Bei täglich fünf bis zehn Nazidokus im deutschen Fernsehen gehört das fast schon eher zu den Pflichtkenntnissen.

  28. @Julius
    Geht’s noch ne Nummer gröber?
    Und welche „Elementarkenntnisse“ können Sie eigentlich vorweisen?

    Totschlagbegriffe wie „Gutmensch“ können kein Argument ersetzen, und falls Ihnen das nicht auffällt, sagt das mehr über Sie als über uns.

    Welche Meinungsbildung eigentlich? Ich lese zwischen Guardian, Spiegel und Welt bis hin zur FAZ schon eine Vielfalt von Sichtweisen. Na los, zeigen Sie uns doch mal die völlig gleichlautenden Berichte aus, sagen wir mal, Guardian und Welt.

  29. @Lauris Mauris

    „Mit spitzer Feder wird jedes Detail gesucht, damit die Grausamkeit der Kultur, die sich nicht mehrheitlich integrieren will, nicht beim Namen genannt wird.“

    Welche Grausamkeit bringt eigentlich eine Kultur mit, in der elfjährige Mädchen erschossen werden, weil sie an Silvester Silvesterkracher verwendet haben?
    http://www.n-tv.de/panorama/53-Jaehriger-schoss-aus-Wut-auf-Janina-article16757946.html

    Welche Grausamkeit bringt eigentlich eine Kutltur mit, in der Heime für Kriegsflüchtlinge angezündet werden?

    Welche Grausamkeit bringt eigentlich eine Kultur mit, in der Menschen mit politisch anderer Meinung mit Messern niedergestochen werden?

    Welche Grausamkeit bringt eigentlich eine Kultur mit, die einen Mann hervorbringt, der mal eben 150 Flugzeuginsassen mit in den Tod reißt, weil er mit dem Leben nicht mehr klar kommt (Germanwings)?

    Welche Grausamkeit bringt eigentlich eine Kultur mit, die Massenmörder wie Breivik hervorbringt, die als Vorbild für den Amoklauf in München gedient haben?

    Welche Grausamkeit bringt eigentlich eine Kultur mit, in der gezielt türkischstämmige Mitbürger ermordet werden und zunächst hauptsächlich gegen Familienangehörige ermittelt wird (NSU Morde)?

    In unserer westlichen Kultur gibt es genauso Verrückte, wie in anderen. Weshalb genau sollte sie jetzt diesbezüglich überlegen sein? Weil kein Dönermesser – oh, Verzeihung – keine Machete zum Einsatz kommt?
    Ich empfehle dir, dich mal über das Phänomen der selektiven Wahrnehmung schlau zu machen und dich danach gründlich selbst zu hinterfragen.

  30. @24.Hanno
    Der kaum verständliche Sinn, die Vieldeutigkeit, bei mir löst das gerade keine Beschwichtigung oder gar Nachsicht mit Broder aus, sondern nur gesteigerten Ekel. Mir fällt dazu nur ein: Selbstgefälligkeit und ein abgehobener, zusammenhangsloser, aber unbedingter Wille zur Diffamierung!
    Herr Broder hat ja ein ganzes Buch darüber verfasst, was darauf hinausläuft, wenn man eine angemessene Reaktion auf Auschwitz, Naziterminologie oder Nazivergleiche benötigt, dann gibt es dafür eigentlich nur einen sinnvollen Umgang, nämlich den Broder fragen. Der ist die einzige Instanz, die hier was sinnvolles entscheiden kann.
    Und der Meister der Provokation, der Titan der schrägen Metapher reibt es natürlich gewieft rein. Göbbels rufen kann ja jeder. Finde es trotzdem daneben und vielleicht müsste sich ja auch der Aust davon vorsichtig distanzieren, wenn er dieses Prunkstück des Blog-Journalismus öffentlich überreicht bekäme. Dann wäre ja wieder fein was los und es würde ein Geheule anheben, man wolle den Broder mundtod machen und ihm an seine kleine Existenz… Bei diesem Gejammer würde ich persönlich abgehoben, zusammenhangslos und selbstgefällig an den im Selbstmitleid zerfließenden Himmler denken… Gemein oder?

  31. @Andreas Müller

    „Jetzt wollen wir aber mal die Kirche im Dorf lassen: es gibt nur wenige, die mehr verlangen als ein Nichthereinlassen von zusätzlichen Leuten und die ernsthafte Anwendung gültiger Gesetze für alle hier Lebenden.“

    Naja, dann begeben Sie sich doch mal bitte in die Tiefen der Kommentarspalte von pi-news, oder machen Sie mal einen Rundgang durch Facebook-Profile. Die detaillierten Schilderungen möglicher Mordabsichten stehen dem Daesh in Widerwärtigkeit und Menschenverachtung in nichts nach.

    (Stefan Niggemeier hat übrigens einige Perlen auf seinem privaten Blog archiviert.)

  32. Die selbsternannte Achse des Guten, die doch eine alternative zu den gleichgeschalteten Medien sein soll hat aber erstaunlich gleichgeschaltete Kommentare unter den Artikeln…

  33. @35, Ingo: Nur um das klarzustellen: Um „Nachsicht“ oder „Beschwichtigung“ geht‘s mir dabei nicht. Ich wollte auch nicht Stefan Niggemeiers (ja sehr verhaltener) Interpretation widersprechen. Man ahnt ja leider, was so ungefähr in Broders Kopf bei dieser Anspielung vorgehen könnte. Und dass das ziemlich abstoßend ist, da gebe ich Ihnen Recht. Aber das Ganze ist nicht nur so schief und merkwürdig nebulös formuliert, sondern auch in all seinem denkbaren (Un-)Sinn so hoffnungslos abwegig und absurd, dass ich tatsächlich Ihre Empörung zwar nachvollziehen, aber für mich nicht teilen kann.

  34. @Gast#32, ich habe es wirklich nicht gewusst. Zu meiner Schande sehe ich nicht jede Rede von Hitler, Himmler und Co. an, bis ich sie auswendig kann.

    @Niggemeier#30, danke, aber „normal“ im Zusammenhang mit Amokläufern akzeptiere ich nur mit sehr viel Ironie, also mehr, als ich bei Broder sehe; denn die Artikel, die den fehlenden IS-Zusammenhang melden, tun nicht so, als wäre die Toten irgendwie weniger tot, oder als wäre es besser, für eine andere Sache als für den Islamismus getötet zu werden, wie z.B. für ein Mobbingopfer.

    Das einzige, weswegen ein typischer Amokläufer „harmloser“ ist als ein typischer Terrorist, ist der Umstand, dass Terroristen typischerweise Vereinigungen bilden, und sich Amokläufer häufiger im Zuge der Tat selbst umbringen, weswegen man beim Amoklauf in München nicht mehr nach Mittätern sucht. Das war am Abend selbst ja noch nicht klar.

    Entweder, Broder weiß das nicht, oder er ignoriert diese Erkanntnis, um zu erklären, dass manche Leute emotional verkümmert seien.

  35. Lieber eine Täterlogik verharmlosen, als auf eine Provokation verzichten. Für diesen billigen Effekt sind dann auch Verbrecher des industrialisierten Massenmords ohne Kontextualisierung zitabel. Das lässt tief blicken und zumindest aus der Nummer kommt er auch nicht mehr raus.

  36. @36
    „Naja, dann begeben Sie sich doch mal bitte in die Tiefen der Kommentarspalte von pi-news“.
    Nö. Ich bin nicht bei PI unterwegs, es ist nicht interessant und auch nicht repräsentativ.
    In solchen Foren muss man außerdem grundsätzlich auch die bezahlten Provokateure und die Sockenpuppen abziehen. Niemand weiß, wieviel dann noch an echten Personen mit einer solchen Meinung übrigbleibt.
    „, oder machen Sie mal einen Rundgang durch Facebook-Profile. “
    Auch da bin ich nicht unterwegs. Was interessiert mich das Facebookprofil von Hans oder Grete, wenn ich nachlesen kann, mit welchem intoleranten Furor selbst moderate Kritiker der Kanzlerlinie wie Seehofer, Palmer oder Wagenknecht von namentlich bekannten Kommentatoren verfolgt wurden und werden?

  37. @Niggemeier#41; jaaa, bei Broder, aber er bezieht sich ja auf andere Artikel und Texte, von denen einer etwas von der „Normalität“ des Terrorismus und keiner etwas von „normalen“ Amokläufen schreibt. Broder interpretiert das also ziemlich gegen den Strich.

    Und, wie gesagt, nirgends lese ich bei den kritisierten Stellen etwas, was ich als unterschiedliche moralische Wertung „normaler“ Amoklauf und „unnormaler“ islamistischer Anschlag verstehe, weder in die eine noch in die andere Richtung, oder generell als kaltschnäuzige Geringschätzung von Toten und Verletzten.

  38. Das Himmler-Zitat scheint es Broder tatsächlich angetan zu haben. Er hat es bereits – offen – gegen Claus Peyman verwendet (achgut.com/artikel/aufbewahren/) und ein weiteres Mal – verdeckt – damit auf die „deutschen Gutmenschen“ eingedroschen (achgut.com/artikel/osamas_vergessene_opfer/). Vermutlich können wir uns schon auf das nächste Mal freuen – „wie Bolle auf das Oktoberfest“.

  39. Wie häufiger bei Herrn Broder schein mir einiges in dem Artikel schnell runter geschrieben und etwas konfus. Dazu gehört auch die Aussage des letzten Satzes. Ist mit „das“ die „Gefühlskälte“ gemeint oder das Studieren der Gefühlskälte? Sind entsprechend mit „unsere Besten“ (sarkatisch) die genannten Journalisten gemeint oder jene wie Broder, die diese Kommentare lesen?

    Entsprechend ist mir auch nach Grübeln nicht klar, ob Broder sich und seinesgleichen oder die Journalisten in die Nähe von SS-Offizieren rückt.

    Ich vermute, dass es ihm auch weitgehend egal ist, ihm gefällt der versteckte Tabubruch. Und als Bonus kann er sich im Zweifelsfall leicht rausreden, dass seine Kritiker zu dumm sind, das (seiner Meinung nach) offensichtlich gemeinte, nicht richtig verstanden zu haben.

  40. Ohne den Inhalt/ das Zitat verharmlosen zu wollen: Wie relevant ist diese/r Kolumne/Hr. Broder?
    Kannte weder die Seite vorher noch einen Artikel von Hr. Broder.
    Kann jetzt natürlich an der Informations-Filterblase liegen, aber interessiert das wirklich andere außer dem kleinen Journalistenzirkel, in dem sich Hr. Broder bewegt?

  41. „In solchen Foren muss man außerdem grundsätzlich auch die bezahlten Provokateure und die Sockenpuppen abziehen.“

    Das ist nicht die Geburt einer Verschwörungstheorie, sondern höchstens deren zombiehaftes Wiedergängertum.

    Man könnte nun auch fragen: sind die Teilnehmer bei Pe- und Legida, bei den diversen „Nein zum heim“-Veranstaltungen, bei den unsäglichen Demonstrationen im 3.-Weg-Die-Rechte-AfD-Umfeld, sind all die überaus zahllosen Kommentatoren in den Kommentarspalten vieler großer Medien und deren „Abschieben, abschieben“-Geplärr… sind die demnach auch alle inszeniert?

    Haben wir dann überhaupt noch eine Wirklichkeit, wenn dem so ist? Oder ist ganz Deutschland eine Inszenierung nach Unterlagen des verstorbenen Schlingensief?

    Das führt natürlich weit vom Thema weg, aber wer leugnet, dass es einen Volkshass gibt, der stramm richtung Pogrom marschiert, nur um seine rechtspopulistischen Thesen von verschlossenen Grenzen (niemand hat die Absicht..) als vermeintlich humanistischen Ansatz zu propagieren, der entlarvt sich lediglich als Liebhaber kreidehaltiger Speisen.

  42. zu Bolle+Oktoberfest – Theorie 1: Bolle hat nichts mit dem Oktoberfest zu tun, also freut er sich nicht drauf, also heißt „sich freuen wie Bolle aufs Oktoberfest“ „sich gar nicht freuen“.
    Theorie 2: Bolle freut sich auch über eher nicht so gut Sachen, da das Oktoberfest aber eine tolle Sache ist, überschreitet Bolles Freude hier sogar das normale Bolle-Freu-Niveau. Und das soll ironisch sein, weil „wir“ uns ja über solche Artikel nicht freuen.
    Theorie 3: Bolle freut sich über jeden Sch..wachsinn, und das Oktoberfest ist für Broder der Bodensatz allen Schwachsinns, d.h., „sich freuen wie Bolle aufs Oktoberfest“ ist eine fehlgeleitete, eher masochistische Art der Freude.
    Theorie 4: Broder denkt nicht immer so genau nach über das, was er so schreibt, und falls er Leute zum Korrekturlesen hat, halten die das für genial, weil sie es nicht verstehen.

    Durchnummerierung ist keine Wertung der jeweiligen Wahrscheinlichkeit.

  43. „sich freuen wie Bolle“ = sich über jeden Unsinn zu freuen („aber trotzdem hat sich Bolle janz köstlich amüsiert“).

    Broder hat diese Redewendung offenbar mißverstanden und hält sie für eine sarkastische Aussage darüber, sich in Wirklichkeit NICHT auf/ über etwas zu freuen.

    „Indiz für eine breite Vertrautheit mit dem Lied ist, dass die am Ende jeder Strophe wiederholte Feststellung „Aber dennoch hat sich Bolle ganz köstlich amüsiert“ zur sprichwörtlichen Redensart wurde, die man anwendet, „wenn ein kleineres oder größeres Missgeschick jemandes gute Laune […] nicht trüben konnte“ (Duden 1993).“

    http://www.liederlexikon.de/lieder/bolle_reiste_juengst_zu_pfingsten

  44. @45 Gerald Beeckmann: Dann ist die Provokation beim ersten Mal (Danke für den Hinweis!) wohl nicht in gewünschter Weise erkannt/problematisiert worden und wird halt solange wiederholt, bis es klappt („Scheiße, sie haben mein verkapptes Himmler-Zitat schon wieder nicht erkannt…“)

  45. @49 Stefan Pannor
    „Das ist nicht die Geburt einer Verschwörungstheorie, sondern höchstens deren zombiehaftes Wiedergängertum.“
    Es ist Realität, dass Sie überall dort, wo Sie substanziell Regierungshandeln in Frage stellen, jederzeit mit schmierigen Gestalten rechnen müssen, die Sie zu pauschalen und unhaltbaren Äußerungen über den Islam und Moslems im Allgemeinen oder auch antisemitischen Äußerungen bringen wollen. Das ist auffällig und kein Zufall.

    „..Volkshass gibt, der stramm richtung Pogrom marschiert,..“
    Ist das hier Volkshass, der Richtung Pogrom marschiert:
    http://www.telegraph.co.uk/opinion/2016/07/25/germany-is-in-a-dangerous-state-of-denial-about-immigration-isla/
    Wenn es irgendein Dorfbewohner eines sächsischen Dorfes auf deutsch sagen würde, wäre es das garantiert. In England, Frankreich, Dänemark und den Niederlanden ist es dagegen eine ganz normale Meinungsäußerung und wird in anständigen Zeitungen abgedruckt und debattiert. In Deutschland werden die Räume für legitime Meinungsäußerungen dagegen extrem verengt. Kritik an der Staatsspitze wird mit moraltriefenden, hyperventilierenden Unterstellungen mundtot gemacht, selbst wenn sie von der Oppositionsführerin selbst kommt. Um die Absurdität dieser autoritären Show zu erkennen, muss man sich nur einmal alte Reden aus der Zeit anschauen, als die Kanzlerin selbst noch Oppositionsführerin war: das ist schlicht grotesk und mit rationalen Überlegungen nicht mehr erklärbar.

  46. @Andreas Müller (#43): Sie meinen die „moderate Kritik an der Kanzlerlinie“ eines Seehofers, der gerne, bittschön, entgegen der Menschenrechtskonvention abgelehnte Asylbewerber auch in Kriegsgebiese abschieben möchte? Hey, aber es fordert ja niemand ernsthaft mehr, als einfach nicht mehr so viele Halunken reinz zu lassen, nicht wahr?

  47. (Das „entgegen der Menschenrechtskonvention“ bezieht sich auf das Abschieben, nicht auf das Ablehnen. Ist missverständlich, sorry)

  48. @ Andreas Müller (#53): Sie finden, dass die „schmierigen Gestalten“ im PI-Forum diejenigen sind, die Sie angeblich „zu unhaltbaren Aussagen zum Islam“ provozieren wollen und nicht diejenigen, die auch noch jede widerwärtige Entgleisung wie die, um die es hier geht, relativieren wenn nicht gar beklatschen? Aha.

  49. „Es ist Realität, dass Sie überall dort, wo Sie substanziell Regierungshandeln in Frage stellen, jederzeit mit schmierigen Gestalten rechnen müssen, die Sie zu pauschalen und unhaltbaren Äußerungen über den Islam und Moslems im Allgemeinen oder auch antisemitischen Äußerungen bringen wollen. “

    Ertappt. Ich hoffe, ich bekomme dennoch mein Geld, obwohl Sie nicht darauf hereingefallen sind. Sie sind einfach zu schlau für mich.

    Ihr Eintrag ist ansonsten reiner Whataboutism und typisch neurechtes Rumgeopfere. Dafür, dass die Meinungsfreiheit so eingeengt ist, können Sie sich erstaulich offen äußern. (Ich hoffe jedenfalls, dass Sie sich offen äußern. Denn wenn das die entschärfte Version Ihrer Gedanken ist, will ich nicht wissen, wie die komplett ungehemmte Version aussieht.)

    Und Sie gehen mit keinem Wort auf das Hauptargument ein: dass diejenigen, von denen Sie behaupten, es seien nur bezahlte agents provocateur, längst die Straße besetzt halten.

  50. Btw., nix gegen den Telegraph. Aber ein opinion piece ist ein opinion piece. Und die Position des Telegraph zur Immigration ist bekannt. Ich bin sicher, Sie finden im Bayernkurier einen ähnlichen Text.

    Darf ich mit dem Independent kontern?
    http://www.independent.co.uk/voices/how-angela-merkels-open-door-immigration-policy-protects-germany-from-terrorism-in-the-long-run-a7156756.html

    Und ja, auch das ist nur ein opinion piece. Sie verstehen schon.

  51. @58 Stefan Pannor
    Ich begrüße ausdrücklich, dass es beide Opinion Pieces in eine Zeitung geschafft haben. Das ist England, und der Guardian oder der Independent sind mir je nach Frage ebenso recht wie der Telegraph . Es wird Ihnen vielleicht auch aufgefallen sein, dass der Kommentator im Independent in der Sache argumentiert, ohne einen einzigen Satz auf Spekulationen zu verschwenden, dass Leute anderer Meinung als er selbst wahrscheinlich nur verkappte Nazis sind, die viel Kreide gefressen haben und in Wahrheit gerne ein Pogrom veranstalten würden.
    Letzteres ist der deutsche Debattenstil, den Sie dankenswerterweise in zwei Kommentaren oben sehr schön illustriert haben: das moralisch verengte Meinungsspektrum, wo ständig jemand „außerhalb der Meinungsfreiheit“ steht, rein auf der Basis von Unterstellungen.
    Am Ende entscheidet in England jedenfalls der bockige Wähler, und wenn er mit 52% der Meinung ist, dass der Independent doch ein wenig sehr luftig optimistisch argumentiert hat, dann ist das ein Fakt und nicht Nazi.
    Argumente findet er unter dem Meinungsstück genügend. Mir persönlich reicht in diesem Fall fast schon der Titel: „in the long run“ verlängere ich quasi automatisch immer zu „we are all dead“, frei nach Keynes.

  52. Was mir bei Terrorakten, Amokläufen und dergleichen auch oft fehlt, ist eine klare Verurteilung, die auch der potentiell nächste Täter versteht. Ein blasses „Wir verurteilen …“ ist da zu wenig. Man muss denen schon klar sagen, dass es Idioten und Arschlöcher sind und dass sie evtl. im Munde geführte Götter auch als mickrige Arschlöcher aussehen lassen. Die Medien schaffen das nicht. Die einen leisetreten in der großen Angst, das könne zu Fremdenfeindlichkeit führen, die anderen hauen auf den Putz und nutzen es, um ihre Lieblingsform der Menschenfeindlichkeit zu propagieren. Zur letzten Sorte zählt Broder.
    Anständig bleiben, darum geht es B. wohl, sei falsch, und darum zitiert er den Nazisatz mit seiner Perversion des Anstands.

  53. @56
    Ich hatte eigentlich klar gesagt, dass ich das PI-Forum nicht für relevant halte und nicht kenne. Die entsprechenden Provokateure finden Sie gerade da, wo es um berechtigte Recherchen wie die zur Verwicklung des Staates in Terrorismus geht, egal ob Links- oder Rechtsterrorismus. Dort werden Provokateure gebraucht, nicht da, wo Fanatiker sowieso bereitwillig herumpöbeln. Honorige, unpolitische Leute, die Unglaubliches ans Licht bringen, werden auch gerne mal als „traumatisierte Angehörige“ lächerlich gemacht, damit brave Bürger sie nicht so ernst nehmen, wie sie es verdient haben. Die Marginalisierung ist der Zweck, alles andere nur ein Mittel dazu.
    „auch noch jede widerwärtige Entgleisung wie die, um die es hier geht“
    So schlimm ist diese Entgleisung nun auch wieder nicht. Wenn die Guten an jeder Ecke einen Nazi ausmachen, darf Broder an jeder dritten Ecke einen SS-Mann erkennen, auch unter Journalisten. So what? Broder hat eben auch einen Nazi/SS-Tick, der jetzt nach einer ruhigeren Phase mal wieder mit ihm durchgegangen ist. Da kann man nichts machen.
    Ich habe es jahrelang verfolgt, wie er jeden zum unterbewussten Links-Nazi erklärt hat, der Bush einen Lügner und Kriegsverbrecher genannt hat. Da kräht kein Mensch mehr danach, obwohl die Vorwürfe heute erwiesen sind. Im Gegenteil: heute spricht die Antifa von rechtsradikaler Verschwörungstheorie, wenn jemand andeutet, dass schon 911 nicht ganz koscher war. Vor 15 Jahren war das linksradikal oder islamistisch.
    Da darf man nicht so zimperlich sein, das ist der ganz normale Wahnsinn. Es geht um die Deutungshoheit, also die Macht und die Ausnutzung für weitere Ziele, nicht um die Wahrheit.
    Gerade eben habe ich einen wunderbaren kleinen Text aus der deutschen Geschichte dazu gelesen, den ein echter Kenner auf dem Gebiet heute auf sein Blog gepostet hat:
    http://siegfriedmayr.de/Blog/politische-ermittlungen-im-november-1939/
    Georg Elser, eindeutig der bessere Widerstandskämpfer als Stauffenberg, war ein absoluter Einzelkämpfer, ein Genie, durfte es aber offiziell nicht sein, weil er als Agent der Engländer politisch besser gepasst hat.

  54. @Lars, #61:
    „…Verurteilung, die auch der potentiell nä. Täter versteht…“ mit Verlaub, aber meinen Sie etwa, dass potentielle Gewalttäter (Terroristen oder Amokläufer) irgendwie zu dumm sind, um zu verstehen, dass wir was dagegen haben, weil da bloß „wir verurteilen“ steht? Oder dass die da nicht auch von alleine drauf kämen?
    Ich behaupte mal, dass das alle Menschen wissen, die in eine Menschenmenge schießen, mit Bomben werfen oder was der Dinge mehr sind, und sie es nicht trotzdem, sondern gerade deshalb machen.

    Was interessiert die unsere Meinung, unser Leben ist ihnen ja auch nichts wert.
    Ob da steht „wir verurteilen“ oder „wir halten Euch alle für idiotische Armleuchter“, wen interessiert das schon? Außer denen, die das eh‘ nicht machen?

  55. Herr Müller, relativ zu Ihrem Nazivergleich ist Broder ja noch dezent.

    Wir fassen zusammen: es gibt da also irgendwelche agents provocateur, die – von wem? – ausgesandt werden, um in rechtsextremen Blogs Rechtsextreme zu simulieren, damit die rechtsextremen Inhalte der rechtsextremen Blogs durch scheinbare rechtsextreme Leser mit rechtsextremen Ansichten diskreditiert werden. So weit, so absurd.

    Und als Beweis, dass diese Strategie angewendet wurde, zitieren Sie einen Kopp-nahen, zur seltsamen Gruppe der NSU-Leugner gehörenden, Goebbels als rhetorisches Vorbild angebenden Autor, der – wir nehmen mal an, das Dokument ist echt – zeigt, wie im 3. Reich aus dem Einzeltäter Georg Elser Teil einer fiktiven Verschwörung gemacht wurde.

    Das ist entweder reiner Wahnsinn, der Sie die inneren Widersprüche nicht erkennen lässt, weil Sie so groß sind, oder ein ganz Bewusstes In-die-Nähe-rücken des heutigen Deutschlands mit dem 3. Reich.

    Und das alles nur, damit Sie weiterhin leugnen können, dass es eine wachsene ausländerfeindliche Schicht in Deutschland gibt, die bei weitem radikalere Mittel fordert als ihre sich moderat gebende, identitäre und weltfeindliche Idee von einem Europa der hochgesteckten Grenzzäune aus Sicherheitsgründen.

  56. @64
    Welcher Nazi-Vergleich?
    „NSU-Leugner“
    Die NSU-Geschichte der Bundesanwaltschaft hat mit der Realität nichts zu tun. Die muss man leugnen, wenn man sich nicht unter der Verblödeten begeben will. Das ist das Kernproblem: in einem Gemeinwesen, das diese Geschichte zu seiner Staatsraison erheben kann und auf Biegen und Brechen am Leben erhält, kann es keine rationale Diskussion über Tatsachen mehr geben. Deswegen stehen inzwischen überall nur noch Verschwörungstheorien gegen Verschwörungstheorien. Deswegen handelt das Ausland völlig unverständlich und irrational, wenn es deutscher Politik nicht folgen will.
    Sie sollten versuchen zu erkennen, welche geistige Katastrophe sich in Deutschland abspielt. Es wird bald wieder notwendig sein, das Lesen und Sehen ausländischer Medien unter Strafe zu stellen, um die deutsche Fantasiewelt am Leben zu erhalten, bei der Euro-„Rettung“, bei der Einwanderungspolitik und eben auch beim NSU. In allen drei Feldern hat der unbedingte Wille zum Glauben jede rationale Analyse verdrängt und die deutschen Medien desinformieren inzwischen jenseits von Gut und Böse. Es wird schlimm enden.

  57. @Andreas Müller
    „Die NSU-Geschichte der Bundesanwaltschaft hat mit der Realität nichts zu tun. Die muss man leugnen, wenn man sich nicht unter der Verblödeten begeben will.“

    Jetzt machen Sie mich neugierig. Welche Geschichte ist zu leugnen?

    „Es wird bald wieder notwendig sein, das Lesen und Sehen ausländischer Medien unter Strafe zu stellen, um die deutsche Fantasiewelt am Leben zu erhalten“

    Niemand braucht das Lesen ausländischer Presse verbieten. Jedenfalls nicht der britischen. Die denkt nämlich wie die deutsche, aufgeteilt in konservativ, liberal und Drecksblätter.
    Wenn überhaupt sollten die „besorgten Bürger“ Reisen in gewisse Länder meiden – geht doch nicht an, dass die Armen damit konfrontiert werden, wie normal man den Wunsch der Kriegsflüchtenden nach Sicherheit finden oder wie tolerant man gegenüber Immigranten sein kann…

  58. Lieber Herr Niggemeier!
    Ich bin ja so froh, dass es noch echte, wahre, wackere Journalisten wie Sie gibt, die gnadenlos den Finger in die Wunde legen! Nein, wirklich, wo kämen wir denn hin, wenn wir durch Sie nicht erfahren würden, wo schon wieder jemand ein zu Recht (ups) völlig in Vergessenheit geratenes Zitat gebraucht hat? Nicht auszudenken, das! Übrigens, ich bin sicher, dass die Nazis auch Begriffe wie „Guten Tag“ oder „Auf Wiedersehen“ oft benutzt haben! Das müsste Ihnen doch einen Aufklärungsartikel wert sein, oder? Sie können es ja mal bei Gelegenheit mit Frau Kahane bei einem Milchkaffee besprechen :-)

  59. Man darf in Deutschland seine Meinung nicht mehr äußern, sagen ausländer-, islam-, schwulen- etc. feindliche Leute, obwohl sie es massenhaft tun. Was sie damit meinen, ist, dass sie dann immer Widerspruch erhalten von Leuten, die ihre xenophobe Haltung als solche klar benennen.
    Gleichzeitig werden diejenigen, die von Ersteren als Gutmenschen diffamiert werden, beschimpft, beleidigt, bedroht. Wer heute sagt, er halte die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin für richtig, erhält Morddrohungen. So viel halten besorgte Bürger nämlich von Meinungsfreiheit, wenn mal jemand nicht ihrem dumpfen Fremdenhass zustimmt.

    @ Andreas Müller: Dass Sie das Wort „koscher“ verwenden im Zusammenhang mit einer Verschwörungstheorie zum 11. September, war das Absicht oder ein freudscher Verschreiber? Nicht jede Verschwörungstheorie zum 11. September ist nämlich rechtsradikal, es gibt islamistische und womöglich auch linksradikale. Wer jedoch die jüdische Weltverschwörung dafür verantwortlich macht, dem darf man dann schon Antisemitismus vorwerfen, nicht wahr?

  60. Och Uli, hat Ihnen niemand gesagt, dass Ironie nur mit emotionaler Distanz funktioniert? Mit Schaum vorm Mund wirkt das immer so krampfig…

  61. Andreas: auf den ganz realen Mob auf den Straßen sind Sie immer noch nicht eingegangen. Auch nicht auf den Punkt, wer denn nun jene angeblichen Rechtsextremismus vortäuschenden Trolle auf rechtsextremen Seiten im Netz steuert.

    Sie weichen aus, wo Sie faktisch werden sollen. Und das alles entlarvt Ihre Behauptungen als komplett substanzlos. Egal, wie oft Sie das Thema wechseln und neue, noch absurdere Behauptungen in den Raum werfen.

  62. @Andreas Müller, #65:
    Ja, ich rechne eigentlich noch damit, dass herauskommt, dass Mundlos und Böhnhardt die ganze Zeit für den Verfassungsschutz die Dienstwagen gewaschen haben, den Rasen gemäht und ab- und zu sogar die Verfassungsschutzhunde Gassi führten. Ich meine, nur so ergibt die ganze Geschichte überhaupt irgendeinen Sinn.

    Was ich erschreckend finde, ist, dass man sich heutzutage tatsächlich dafür bezahlen lässt, fremden-, juden-, moslem-, und wer-weiß-was-noch-alles-feindlich zu sein. Ich bin erschüttert. Das hätt’s führer nicht gegeben…

  63. Diese aufgescheuchte Medienwelt geht mir mittlerweile extrem auf die Nerven. Nichts von dem Gelaber ist nachhaltig, wie gedopte Katzen springen sie von einem Thema zum anderen und laufen im Kreis. Der öffentliche Diskurs, der öffentliche Diskurs… Jaja, grundsätzlich schon wichtig, aber was kommt letztlich dabei raus? Nächste Woche ist alles von heute wieder vergessen und das nächste Thema wird beackert. Meinem Empfinden nach werden selten Lehren aus dem Geschehenen gezogen, die Analysen bleiben oberflächlich und distanziert und die Leute sehen Nachrichten und Tagespolitik glaube ich mehr als einen angenehmen Mix aus Empörung und Entertainment denn als Ideengeber für notwendige Entwicklung. Jeder hat eine Meinung, zu allem, und immer sofort. Aber die wenigstens lesen mal ein Buch zu einem Thema.

  64. Gern will ich zu Ingas Kommentar (68) noch folgenden Gedanken hinzufügen:

    Meinungsfreiheit ist keine Faktenfreiheit. Und das ist ein Faktum.

  65. @Inga #68/69
    Inga, ich finde es höchst unhöflich von Ihnen, meine Gedanken immer mit so viel besseren Worten auszudrücken! :)

    @Anon #73
    Meinen Sie denn, es sei Aufgabe der Medien, bei z.B. Rassisten die ’notwendige Entwicklung‘ durchzuführen?
    Was wünschen Sie sich denn? Dass Medien jedes Thema ignorieren, das sie nicht endgültig klären können oder das zu kurz nach einem anderen Ereignis statt findet?
    Ich glaube, was Sie meinen sind diese Dinger…Bücher oder so heißen die… ;)

  66. @MYCROFT, 63: Och, ich glaub schon, dass es ganz sinnvoll ist, dieses Pack expressis verbis als solches zu bezeichnen und immer wieder darauf hinzuweisen, was für ein elender Wicht der Allah ihrer Vorstellung doch sein muss, in dessen Namen sie da zu handeln meinen. Wenn jemand im Namen irgendeiner „Ehre“ mordet, dann muss klar und deutlich gesagt werden, was er nun gerade deshalb für ein ehrloser Scheiß ist.
    Sicher, damit erreicht man nicht bereits völlig radikalisierte Vollidioten, aber vielleicht doch Leute, die ihren Restverstand noch nicht gänzlich abgegeben haben.

  67. @LARS, #63:
    Nun, auch den nicht so radikalisierten Vollidioten dürfte es wenig ausmachen, wenn die Gesellschaft, von der sie sich marginalisiert und ausgegrenzt fühlen, verbal ausfallend wird. Vllt. sollte man sie ja mit Nazis vergleichen. Achnee, das macht man ja schon bei Journalisten.

    Und nur fürs Protokoll, Ehrenmorde sind noch was anderes, da geht es um den sozialen und finanziellen Status einer Familie. Wie bei Romeo und Julia.

    Ehrlich, wenn mir ein Neonazi sagte, dass ich ein Volksverräter sei, der ehrlosen Scheiß abzieht, und was für ein elender Wicht diese Merkel sein muss, wenn ich mich für sie nicht umbringen lasse, würde mein Verhalten sich nicht ändern, weil des Neonazis Ideale und Vorstellungen nicht die meinen sind, und es mir entweder egal ist, ob ich ihnen entspreche, oder ich mich durch seine Ablehnung sogar bestätigt fühle.

    Für die Islamisten sind wir die Neonazis. Sorry.

  68. @66
    „Welche Geschichte ist zu leugnen?“
    Die Geschichte, dass ein isoliertes Trio über 12 Jahre unerkannt im Untergrund gelebt und alle diese Morde, Bombenanschläge und Banküberfälle (allein) begangen hat, inklusive der Nebengeschichten von all den Pannen und Fehlern, die das möglich gemacht haben: das ist ein Märchen. Die Anklagebehörde hält offensichtlich wesentliche Fakten unter dem Tisch und aus dem Verfahren. Die Erinnerungslücken beamteter Zeugen und die abgelehnten Beweisanträge sprechen für sich.

    „Jedenfalls nicht der britischen. Die denkt nämlich wie die deutsche“
    Die britische Presse mit der deutschen zu vergleichen ist unfair. In der britischen Presse gibt es Meinungsvielfalt und einen gewissen Grundrespekt vor dem Votum der Bürger. Keine Zeitung, auch keine konservative, hätte je die Meinung vertreten, dass Cameron um jeden Preis im Amt gehalten werden muss. Das hatten wir doch oben schon an zwei Beispielen.
    „Reisen in gewisse Länder meiden“
    Ach ja, welche wären das denn?

    @68
    ‚Dass Sie das Wort „koscher“ verwenden‘
    sollte sie nicht überraschen bei jemandem, der regelmäßig liest, was Broder (eigentlich das Thema dieses Beitrags!) so schreibt. Koscher und natürlich Chuzpe sind dann einfach ganz normale deutsche Wörter, die man unbedingt kennen muss. Aber unabhängig davon mag ich den jiddischen Einfluss auf das Deutsche sehr.
    Inhaltlich dachte ich mit „nicht koscher“ aber eher an die Saudi-Connection, u.a. wegen der geschwärzten 28 Seiten im offiziellen Bericht, die derzeit immer mal wieder Thema sind. Wenn Sie eine andere Spur vorne im Kopf haben, sollten Sie das nicht mir vorwerfen.

    @70
    „auf den ganz realen Mob auf den Straßen“
    Welchen Mob auf welchen Straßen meinen Sie? Die Szene ist bunt: Die Rigaer Straße und die brennenden Autos, Erdogan-Fans und -Gegner, der Kölner Flash-Mob, Heidenau…. Die Dresdner Pegida-Demonstranten sollen da eher zu den harmloseren gehören. Sagen sie doch einfach, welchen Mob Sie meinen und welchen Hut ich dazu grüßen soll!
    In München und Bayern habe ich noch nie Mob auf den Straßen gesehen, dem ich irgendetwas vorwerfen könnte. Die Leute haben eher fatalistisch auf die Ereignisse vom letzten Wochenende gewartet. Viele waren sich sicher, dass etwas im Unheimliches im Anmarsch war, aber man konnte es ja nicht wissen.

    @72
    „das man gar nicht kennt“
    Ich habe mir das in der Frühzeit mal angesehen, weil aus anderen Foren zu PI verlinkt wurde. Die Pauschalität und Totalität der Beschuldigungen, der Anti-Individualismus und der wüste Ton sind aber nicht mein Ding. Gerade so, als wären Menschen zu 100% und auf ewig Sklaven der Religion und der Welt, in die sie hineingeboren wurden.

  69. „Auch wenn Broder es nicht explizit ausformuliert: Seine angedeutete Parallele lässt sich als einer der brutalsten Nazi-Vergleiche lesen, die man sich vorstellen kann.“

    So eine unselige Analogie habe ich schon lange nicht mehr gelesen. Unglaublich, was Sie Herrn Broder unterstellen.
    „Brutalste Nazivergleiche“? Sie haben Fantasien im Kopf – meine Herren!

    Wie gut, dass es einen Don Alphonso bei der FAZ gibt. Was Sie hier betreiben ist unanständig und hochgradig verleumderisch. Sie und Ihr Bildblog sind irgendwann Geschichte, weil es einfach nur noch unerträglicher Gesinnungsmüll ist, den Sie verbreiten. Statt genau hinzusehen suchen Sie die rechtsaußen-Nadel im Heuhaufen. Statt, sehr aktuell, die Antonie-Amadeu-Stiftung mal zu untersuchen, widmen Sie sich einzelnen Personen, die Ihnen wie Fürze im Magen liegen. Heute ist es Broder, morgen wieder Ulfkotte. Die Achse scheint Ihnen besonders quer zu sitzen, ebenso wie Tichy oder KenFM.

    Wenn Sie so weitermachen, dann enden Sie wie die Krautreporter: Im Niemandsland.

  70. @Müller: Nein, Sie haben mit den Verschwörungstheorien angefangen, nicht ich. Und behauptet, man werde „in die rechte Ecke gesteckt“, sobald man Zweifel an der Anschlagsthese hege. Ich habe darauf hingewiesen, dass es unterschiedliche Verschwörungstheorien dazu gibt, auch rechtsradikale. Das werden Sie ja wohl kaum leugnen wollen, oder? Aber wenn Sie mal genauer erklären, was Sie mit der „Saudi-Connection“ konkret meinen, dann können wir Ihnen ggf. erklären, warum Sie, wenn Sie sich dazu äußern, wie Sie sagen, zu hören bekommen, Ihre Thesen seien rechts. Denn von selber kommen Sie ja offensichtlich nicht drauf, genauso, wie Sie vorgeben nicht zu erkennen, warum Ihre z.B. hier getätigten Äußerungen dem rechtsradikalen Sumpf entspringen.

  71. Ach, und was mich schon interessieren würde: Wer hat denn wo die Meinung vertreten, Merkel müsse „um jeden Preis im Amt gehalten werden“?
    Bitte mal konkret mit Link, danke.

  72. @LIL: Die „rechtsaußen-Nadel“ muss man aber nun wahrlich nicht sehr lange suchen, wo sie doch so blinkt und auf-und-ab-hüpft und wie eine Sirene herumheult, nicht wahr?

  73. @EARONN 75: Nicht die Entwicklungen durchführen, aber kluger und tiefgreifender reflektieren. Das Gegenteil ist der Fall, es werden viele Ressourcen von Machern und Konsumenten gebunden, um wie eine Art Kurzzeitgedächtnis zu wirken: Ah, da ist jemand umgekommen. Da sollte man.. Oh, da ist was explodiert.. Ah hier, ah nein da… Völlig hyperaktiv aus meiner Sicht. Was ist Sinn der ganzen Veranstaltung? Im schlimmsten Fall haben die Menschen Abends, wenn sie die Tagesschau gucken, das gute Gefühl, sich politisch am Weltgeschehen beteiligt zu haben.

  74. @80 Inga
    „Aber wenn Sie mal genauer erklären, was Sie mit der „Saudi-Connection“ konkret meinen“
    http://edition.cnn.com/2016/07/15/politics/congress-releases-28-pages-saudis-9-11/
    Kennen Sie eigentlich Google? Mit „saudi 911 28 pages“ findet man jede Menge ganz frischer Berichte. Lesen bildet!
    Wenn sie damit fertig sind, können Sie mir ja dankenswerterweise auch noch sagen, ob die Spur lechts oder rinks ist. Und vor allem natürlich, warum das Ganze 15 Jahre lang ‚classified‘ war, wo doch alles so gut dokumentiert ist, dass automatisch jede Spekulation darüber als VT gilt.

  75. Das mag Sie jetzt kränken, Herr Müller, aber Google kennt Sie weniger gut als Sie meinen und kann mir leider nicht Ihre Ansichten zu welch auch immer gearteter Verschwörungstheorie verraten. Das müssten dann schon Sie selbst tun. Oder Sie lassen es, weil: Ganz unter uns, soooo interessant finde ich die merkwürdigen Ansichten eines rechten Provokateurs im Internet dann auch wieder nicht.

  76. Gute Frau INGA,
    Sie sollen nicht mich bei Google finden, sondern die saudische Spur, nach der Sie höchstselbst gefragt haben. Ich habe Ihnen den Suchstring ja noch hingeschrieben. Bei mir gibt es dazu nichts. Sind Sie grundsätzlich so unglaublich schwer von Begriff? Genau deshalb verheddern Sie sich wohl ständig in ihren eigenen Unterstellungen. Daran müssen Sie arbeiten!

  77. Danke für die Pannor-Müller-Kontroverse. Habe das, wie einiges andere hier auch, mit Gewinn gelesen.
    Der eine gönnt dem anderen seine Trolle nicht, der andere dem einen nicht seinen Mob. Spannend, was sich daraus entspinnt. Und jedenfalls viel spannender, als auf Broders Blog. Dort lässt HMB ja nur seine „Jubelperser“ durch in die Kommentarspalte. Eine Weile hat er ja nicht mal geschnallt, dass nach einer IT-Umstellung im Blog verräterische Einträge unter seinen Posts verblieben, wieviele Kommentare er da jeweils ignoriert hat.
    Weil es zuviel Text wäre, spare ich mir, meine Ansichten zu beiden Phänomenen (Trolle, Mob) hier auszubreiten. Mir reicht an der Stelle erst mal die Feststellung, beides gibt es wohl!
    In meinem Umfeld beobachte ich eine gewisse „Politisierung“. Das korrespondiert mit dem „großen Ganzen“ meine ich. Einiges depremiert mich daran, weil ich mir Vernunft in die Welt wünsche. Andererseits frage ich mich, ob der Eindruck der Verschlechterung und des Niedergangs nicht ordentlich täuscht. Könnte doch immerhin sein, zu unterschiedlichen Zeiten artikuliert sich die „Dummheit“ unterschiedlich laut. Dann wäre das Ganze jedenfalls auch als Wahrnehmungsproblem zu untersuchen und diese „intellektuelle Spaltung“ nicht unbedingt die unmittelbare Übersetzung der sozialen Spaltung der Gesellschaft. Auf der Suche nach den besseren oder gar goldenen Zeiten konnte ich bisher jedenfalls nichts finden…
    Was immer geht und für meinen Geschmack oft zu kurz kommt, man kann und soll sich selber überprüfen. Auf „Hanno“ (siehe oben) habe ich zum Beispiel offenbar wesentlich empörter gewirkt, als ich es war oder für mich empfand. Aber ich bin geneigt den Grund dafür eher in meiner eigenen Wortwahl zu sehen, als in seinem Missverständnis…
    Ich gönne Herrn Broder seine Fans schon deshalb, weil ich gar nicht weiß, wie ich diese Gefolgschaften verhindern könnte?! Weder habe ich die Hoffnung, man oder ich könnte das Niederargumentieren noch kann man es Niederbrüllen… Trotzdem beobachte ich natürlich, wie weit das alles in „Die Welt“ hineinragt und ich finde das nicht schön, nicht lustig,… es ärgert mich… na und?
    Was ich an der Politisierung in meinem Umfeld unbedingt gut finde, die „Unverstelltheit“. (Der teilweise abweichende Umgang im Ausland oder der ausländischen Presse mit Interessen, war ja auch Teil der Kontroverse. Hier sehe ich eine Analogie.) Diesen „Utilitarismus“ erlebe ich als erfrischend, oder umgekehrt: das Geschwurbel alle Interessen und deren Kollisionen erstmal in einer moralisierten Metaebene sortieren zu müssen, das entfällt dort scheinbar zu gutem Teil. Und ich meine das gerade in den „direkteren“ Debatten mit Leuten wiederzuentdecken, die eigentlich doch immer so unpolitisch waren… Mir hilft das vor allem auch deshalb, weil sich in diesem weniger anonymen Rahmen zur der Direktheit so ein prinzipielles Wohlwollen gesellt. Dadurch sinkt für meinen Geschmack wohltuend der Reflex, sich an Kleinigkeiten aufzuhängen und den Widerspruch für wichtiger zu nehmen als die Gemeinsamtkeit.
    Mein Motiv ist dabei jedoch nicht die einfache Befriedigung meiner Harmoniesucht. Ich sehe auch einen intellektuellen Gewinn, weil eine wesentlich größere Chance zum Wesentlichen vorzustoßen, statt sich im Kleinkarierten zu verschleißen.
    Eine letzte Anmerkung: Ich halte die „anglikanische“, „utilitaristische Pressetradition“ nicht für prinzipiell überlegen. Ich kann auch nicht den großen Vorteil darin erkennen, wenn jüngst der Gedanke aufkommt, wer seine Glaubhaftigkeit erhöhen möchte, der muss dem Leser schon mal nach dem Munde reden. Andernfalls darf es sich nicht über schwindende Relevanz und Verkaufszahlen wundern. Für mich liegt die große Differenz zwischen dem Selbstanspruch des Journalismus, Wahrheit und Faktizität zu begründen oder wenigstens zu befördern und den tatsächlichen, oft ziemlich oberflächlichen, die eigenen Interessen mühsam verdeckenden Veranstaltungen. Da wünscht man sich doch, die Journalisten würden sich mal gegenseitig aufs Korn nehmen! Die Beißhemmung untereinander finde ich ganz erstaunlich und nur noch erstaunlicher, dass die kaum bis gar nicht thematisiert wird, nicht mal von den „Gegenjournalisten“…
    Ich selber bin kein Journalist, stelle mir aber manchmal vor, in einigen Foren segeln welche unter falscher Flagge und hauen aufeineander ein. Ein Gedanke, der mir merkwürdiger Weise ein wenig Hoffnung bringt…

  78. Herr Müller, ich habe Sie nach Ihrer Meinung gefragt und Sie geben mir einen Link zu Google. Wer ist hier nun „schwer von Begriff“?

  79. @ Andreas Müller #78

    Gerne noch einmal: in der britischen Presse gibt es so viel Meinungsvielfalt wie in der deutschen. Allenfalls die Ausreißer bei den Schmierblättern sind ausgeprägter. Ist das die Vielfalt, die Sie vermissen?
    Aber nun gut, welche britische Zeitung zeigt denn eine Richtung auf, die es in Deutschland nicht gibt?

    „Grundrespekt vor dem Votum der Bürger“?
    Was für ein Votum soll das sein? Im UK der Brexit, okay (und wenn Sie glauben, dass der flächendeckend respektiert wird…muahahahah!), aber welches Votum in Deutschland wird denn nicht respektiert?
    Beispiele?

    Wenn eine von Ihnen favorisierte Meinung in Zeitungen nicht erscheint, welche Erklärungen abseits von „pöhse Presse“ haben Sie untersucht?
    Denn wenn Sie Wissenschaftsmagazine lesen, werden Sie feststellen, dass dort Meinungen wie „Männer werden von Dämonen zum Ungehorsam verführt“ auch nicht vorkommen.

    Und wie Inga wäre ich sehr an Belegen interessiert, wie die deutsche Presse Merkel „unbedingt im Amt halten“ will.

    Länder zu meiden:
    Schottland. Ehrlich, die Rassisten sollten wegbleiben. Der Toleranzschock könnte zu groß sein.

    (@all Vorgestern wurde auch mir der Brief meines lokalen Abgeordneten zugestellt, in dem uns EU-Bürgern versichert wurde, wie willkommen wir auch nach dem Brexit sind und wie sich die schottische Regierung für uns einsetzen wird. Ich wünschte, sowas würde es auch mal für die anständige Mehrheit der Muslime in Deutschland geben. )

    Überigens: in einigen unserer Pubs wurde Merkels Asylpolitik als vorbildlich hingestellt und Cameron ob seiner Engherzigkeit kritisiert.

    „Sind Sie grundsätzlich so unglaublich schwer von Begriff?“
    Das war an Inga gerichtet, aber mal ehrlich: solche Sprüche sagen mehr über Sie als über Inga…

    @Anon
    Es liegt nun mal nicht in der Hand der Journalisten, wie viel weltweit geschieht. Mein Tipp wären Wochenzeitungen oder der „Long Read“ im Guardian, da werden Themen sehr intensiv beleuchtet.

  80. „Wenn eine von Ihnen favorisierte Meinung in Zeitungen nicht erscheint, welche Erklärungen abseits von „pöhse Presse“ haben Sie untersucht?
    Denn wenn Sie Wissenschaftsmagazine lesen, werden Sie feststellen, dass dort Meinungen wie „Männer werden von Dämonen zum Ungehorsam verführt“ auch nicht vorkommen. “

    Sorry, da fehlte die Erklärung: solche „Meinungen“ kommen in Wissenschaftsmagazinen nicht vor, schlichtweg weil sie nicht den Tatsachen entsprechen.
    Und ich vermute, dass einige der so schmerzlich vermissten „Meinungen“ in Deutschland deswegen nicht in Zeitungen erscheinen, einfach weil sie ebensowenig wahr sind. Ganz egal, wie viele sie für wahr halten (wollen).
    Daher: falls eine Meinung fehlt, muss das nicht an Bosheit / Unterdrückung/ PresseistdochallesgleichgeschaltetwennesmeineMeinungnichtbringt liegen. Könnte auch sein, dass man selbst sich irrt.

    Ich wünschte, eine Zeitung würde meine Meinung vertreten, dass wir weniger Amokläufe und Attentate hätten, wenn man nichts über die Täter lesen würde, aber dafür Alltagshelden auf den Titelseiten zu finden wären…

  81. …Broder und ich waren mal, während des Libanon-Krieges, auf Spon nicht einer Meinung, weswegen er mich im Forum eine „rheinische Knallschote“ genannt hat.
    Darauf bin ich heute noch stolz…

  82. @88 INGA
    Um zu verstehen, was da gespielt wurde, reicht es mir völlig aus, dass 28 Seiten über die saudische Verbindung zurückgehalten wurden, während gleichzeitig falsche Anschuldigungen gegen andere Staaten für Angriffskriege genutzt wurden. Angesichts dieses Sachstands haben alle Theorien ihre Berechtigung und „Verschwörungstheorie“ ist nur ein Kampfbegriff, mit dem Zweifel über die Rolle der Regierung unterdrückt werden. Mehr Meinung habe ich nicht dazu, bin aber an Fakten und guten Theorien immer interessiert.

    @89 EARONN
    „welche britische Zeitung zeigt denn eine Richtung auf“
    Es geht gar nicht um Richtungen, sondern fängt schon bei den Fakten an, die nicht berichtet werden:
    http://www.telegraph.co.uk/business/2016/07/28/imf-admits-disastrous-love-affair-with-euro-apologises-for-the-i/
    Das ganze Euro-Desaster wird von der deutschen Presse deformiert (im Sinn der Regierungspolitik) berichtet. Man gibt den Lesern keine fundierte Analyse an die Hand, sondern beruhigt sie mit Autoritätsargumenten wie „der IWF ist mit im Boot“. Deshalb konnte man auch die schweren Kämpfe und Fehlerbekenntnisse im IWF nicht angemessen berichten. „Linke“ und „rechte“ veröffentlichte Meinungen dazu sind strukturell gleich untauglich. Echte Kritiker wie Flassbeck, die in der Analyse mit AEP übereinstimmen, müssen draußen bleiben. Selbst Sinn ist in Ungnade gefallen, als er zugegeben hat, dass er der Analyse von Varoufakis zustimmt, dass Griechenland pleite ist und neue „Kredite“ deshalb Betrug.
    Sie können durchaus einwenden, dass England den Fakten stärker verpflichtet ist, weil es mit dem Euro nichts zu tun hat. Aber AEP diskutiert eben auch, dass der Brexit wirtschaftlich schwierig wird, obwohl er ihn unterstützt. Es gibt schlicht keinen Wirtschaftskolumnisten von AEPs Format in Deutschland.
    Ähnlich Positives könnte ich über Greenwald in seiner Zeit beim Guardian sagen. In Deutschland werden dagegen die Regierungsbehauptungen zuverlässig durchgefunkt, dass Snowden von Anfang an ein russischer Agent war. Kein Ton darüber, dass jedes andere Land als Russland bereits einen Weg gefunden hätte, ihn auszuliefern, auch wenn er zu 100% aus Gewissengründen gehandelt hätte.
    Das haben Sie in Deutschland garantiert auch nirgends gelesen (außer bei Bloggern, die gute Menschen ignorieren müssen, weil sie rechts sind):
    http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/europe/germany/angela-merkel/11654232/Nato-boss-praises-Angela-Merkels-wine-drinking-stamina.html
    Schauen Sie sich mal neuere Fotos von AM an. Dann sehen Sie sehr klar, was der Artikel im Guardian sagen wollte und was in Deutschland tabu ist. Sagen Sie bloß nicht, dass die englische Presse geschlossen schweigen würde, wenn einem Premierminister das Problem so ins Gesicht geschrieben wäre. Die englischen Spatzen pfeifen das von den Dächern: „You know, in private she looks even more miserable than in public“.

    „in einigen unserer Pubs wurde Merkels Asylpolitik als vorbildlich hingestellt und Cameron ob seiner Engherzigkeit kritisiert. “
    Heroisch. Zahle ein Pint und bekomme ein gutes Gewissen gratis dazu. Glücklich das Land, das Idealismus für seine Bürger so günstig anbietet.

    „Schottland.“
    Sehr schönes Land, auch wenn die Fussballfans ein wenig ruppig sind. Ihnen ist schon bekannt, dass J.K. Rowling von schottischen Nationalisten gerne als „Blairite bitch“ oder „Blairite scum“ beschimpft wird? Sie liegen ja nicht ganz falsch.
    „in dem uns EU-Bürgern versichert wurde, wie willkommen wir auch nach dem Brexit sind “
    EU-Bürger sind auch in Deutschland hochwillkommen. Niemand schimpft über Engländer, Franzosen oder Schotten. Es gibt auch Deutsche, die nach Polen auswandern, weil ihnen die Polen und ihre homogene Bevölkerung sehr angenehm sind.
    1.4% war 2011 der Anteil der Muslime an der schottischen Bevölkerung laut Wikipedia. Deutschland war sehr tolerant auf diesem Niveau, England noch viel toleranter. Ich will gar nicht sehen, was passieren würde, wenn Nicola Sturgeon sich an Angela Merkel ein Vorbild nähme. So dumm ist die auch nicht und die Engländer bilden für Schottland einen Riegel gegen die größten Dummheiten. Der schottische Nationalismus ist so ethnisch wie der deutsche. Deshalb verstehen wir uns instinktiv so gut mit ihnen, ebenso mit Iren und Walisern. Ein Bekannter von mir war als Student in Bangor und hing dort an der Uni mit den walisischen Nationalisten herum. Die englischen Studenten, im Dauerclinch mit den walisischsprachigen, meinten nur: „Welsh fascists. And now they have got a German instructor“.
    Auf dieser Karte können Sie sich die Gemeinsamkeiten ansehen:
    https://hintermbusch.wordpress.com/2016/05/22/erfindung-europas-erganzungen/
    So ganz einfach kann man die Welt nicht in Gut und Böse einteilen. Sie ist eben komplex. Trotzdem: ein Hoch auf die Schotten! nach Schottland würde ich sofort auswandern, wenn ich 20 Jahre jünger wäre. Ein Croft mit Netzanschluss für IT-Arbeit in den Highlands oder auf den Hebriden: das wär’s gewesen.

  83. Eigentlich gar nicht, aber die beiden lassen nicht locker :-)
    Und zum Schluss kommt auch noch ein Theo daher und dreht das Rad weiter. Von mir hiermit der tatsächlich überfällige Cut.

  84. @Andreas Müller
    Sehr gut, dann darf jetzt der Ingo vorbei kommen und das allerletzte Wort haben!
    Ich halte die „Verschwörungstheorie“ keineswegs nur für einen Kampfbegriff. Nach meiner Beobachtung lassen sich ziemlich viele Leute dazu hinreißen, den Unterschied zwischen möglich, wahrscheinlich und gewiss einzuebnen. Besonders beliebt ist dabei die Methode, durch Akkumulation von irgendwelchen Wahrscheinlichkeiten zur Gewissheit vorzudringen. (Richter und Juristen, die können manchmal vllt nicht anders, exakte Wissenschaft ist das aber nicht) Nun ist die Hypothese eine ganz brauchbare Einrichtung und man kann und soll schauen, wie weit man damit kommt. Weshalb jedoch, und genau das ist das durchgängige Muster von Verschwörungstheorien, durch die Identifizierung möglicher Interessen und Motive und der dazugehörigen Akteure und „Mächte“ aus der Möglichkeit ein Fakt wird, das verstehe ich sehr oft nicht. Und über das Geraune, man würde entweder borniert oder unterbelichtet sein oder vllt sogar selbst ein Büttel einer heimlichen oder unheimlichen Macht, wenn man diesen Zaubertrick nicht ganz so ernst nimmt, kann ich nur schmunzeln….
    Vor allem stört mich aber auch der Gedanke, jeder Verlauf wäre höchstwahrscheinlich nur scheinbar etwas chaotisches, zufälliges oder unbeherrschtes, sondern in Wahrheit ein aufgegangenes Kalkül. Man gerät so in eine Welt des Gelingens, der Abwesenheit von Schwäche, von menschlichem Scheitern und Unvermögen. Das gönne ich diesen Mitmenschen und Zeitgenossen einfach nicht. Mir geht ständig was schief in meinem kleinen Einflussbereich und die kriegen alles hin, in welcher Riesendimension auch immer? Ich glaube einfach, Scheitern und Irren ist menschlicher und weitaus gewöhnlicher…
    Aber klar, nachdenken und durchspielen kann man erstmal alles, wird man nicht dümmer von. Vertuschung findet statt! Auch klar… Indizien soll man verfolgen und ich ärgere mich auch, wie im Falle des NSU den Räuberpistolen über dessen Schlussakkord in Eisenach offenbar nicht beizukommen ist, weil die liebe öffentliche Debatte und die ganzen Investigatoren mal wieder jämmerich versagen… Man muss aber einfach in Kauf nehmen, im Gegensatz zu einem Sudoku muss das alles nicht immer auch aufgehen…

    Und da hilft mir eben auch nicht, alle möglichen Betrachtungen darüber anzustellen, welche klugen Aussagen von wem unterdrückt werden. Oder wer mehr von den guten, den richtigen und wahren Aussagen abdruckt. Weil sich jeder Zweifel daran, was vom Filter durchgelassen wird, ja gerechterweise Weise auch auf die Aussagen selber anwenden lassen sollte. Darauf verwende ich persönlich zum Beispiel meine Energie viel lieber…
    Ich laufe jetzt Gefahr, arrogant und belehrend zu wirken. Sei’s drum! Die „ökonomischen Wissenschaften“ sind für mich noch mehr als die Politologie „Verlautbarungswissenschaft“. Oder „Populärwissenschaft“ nicht in dem vllt ehemals klassischen Sinne, Ergebnisse von Wissenschaft populär zu machen, sondern vielmehr in einem missverständlichen Sinne, nämlich wissenschaftliche Methodik durch „populäres“ Geschwätz zu ersetzen. Hinsichtlich der Analyse- oder gar Vorhersagekraft erscheint mir berechtigt, einen sehr großer Teil der „modernen wissenschaftlichen Ökonomie“ noch hinter der Astrologie zu verorten.
    Mir hat das Studium ausländischer Medien gelegentlich zwar geholfen mal einen neuen Blickwinkel zu erfahren oder über alternative Verläufe von Debatten nachzudenken, großartige neue Erkenntnisse oder gar Wahrheiten habe ich da aber nicht gefunden, weil am Ende ganz ähnliche oder oft ja sogar die selben „Experten“ aufgerufen werden…
    Sehr treffend hat das mal ein Ökonom vorgeführt, dessen Name mir leider entfallen ist und der seinen Münchner Kollegen, Professor Sinn, in einem Radiobeitrag ungefähr so würdigte:
    „Die Aussage von Professor Sinn widerspricht zwar scheinbar allen empirischen Befunden, aber sie ist dennoch zweifellos richtig.“ Besser kann man den (Un-)Sinn nicht zusammenfassen!

  85. wo könnten Provokation so sinnvoll und wirksam sein wie in einem stinkfaden Medienland. Übrigens: wo bleiben die Lichterketten für die türkischen Kollegen im Gefängnis?

  86. @97, Peter Zwey:

    Ich lese und höre täglich von Leuten hier im Land, die sich für die Freilassung türkischer Journalisten starkmachen, die sich tatsächlich engagieren. Gewerkschaften ebenso wie Parteien und politische Gruppen.
    Nur von einer Seite kommt nicht viel, was den Inhaftierten helfen könnte: von der rechten. Unsere „besorgten Bürger“ nutzen das alles, um über „Mutti“ zu schimpfen und gegen den Türken-an-und-für-sich zu agieren – gegen den Muslim, der nicht ins Abendland gehört.

    Offenbar fällt es „besorgten Bürgern“ leichter, gegen etwas zu polemisieren als für etwas einzustehen. Vielleicht drücken Sie den AfD-Leuten mal Kerzen in die Hand?

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