Breaking News: Die Startseite wurde aktualisiert!

In genau diesem Moment wird irgendwo auf der Welt eine Startseite aktualisiert.

Während Sie diese Zeilen lesen, erscheinen vielleicht neue Artikel auf „Spiegel Online“ oder bei sueddeutsche.de, womöglich sogar auf der Internetseite des „Stern“.

Hallo?

Sind Sie noch da?

Ach, Sie wollen trotzdem noch diesen Artikel weiterlesen? Das ist aber nett. Das ist ja nicht selbstverständlich heutzutage.

Wenn ein Leser den Fehler macht, ein bisschen länger auf einer Seite zu verweilen, schiebt sich seit einiger Zeit bei den meisten deutschen Online-Medien ein Hinweisschild zwischen ihn und den Text. Es weist ihn mit der freundlichen Penetranz eines Obdachlosenmagazin-Verkäufers darauf hin, dass er, statt hier untätig rumzulungern oder gar weiterzulesen, auch einfach zur Startseite wechseln könnte.

Ähnliche Hinweise gibt es unter anderem bei Süddeutsche.de schon einige Jahre. Aber seit kurzem kommt man kaum noch an ihnen vorbei.

Die Schilder sind in der Regel so gestaltet, dass leicht zu erahnen ist, welche Wahl das Medium dem Nutzer nahelegt. Der Link, der ihn vom Artikel wegführt, ist oft deutlich attraktiver, farbig hervorgehoben oder attraktiv gestaltet:

(Das Hellhellgrau auf Weiß des „Abbrechen“-Links ist eine Art gestalterische Dezenz, die sonst bei Bild.de völlig unbekannt ist.)

In jedem Fall gilt: Wer einfach in Ruhe weiterlesen will, kann das erst nach einem Klick tun.

Wer Links gerne im Browser in Tabs öffnet und erst nach einer Weile abarbeitet, wird massenhaft mit solchen Störern konfrontiert: als wären die Artikel in der Zwischenzeit schon abgelaufen; als sollte man sich lieber aus dem neuen Angebot bedienen, wo die Inhalte ganz frisch sind, worin auch immer sie bestehen mögen.

Unklar ist auch, worin genau der Anreiz bestehen soll, auf die Startseite zu wechseln oder sie zu aktualisieren: Weil dort jetzt irgendetwas publiziert wurde? Ein trauriges Bild von den Beschränktheit der Nutzer, aber auch von der Bedürfnishaftigkeit der Medien kommt darin zum Ausdruck.

Entsprechend fallen die öffentlichen Reaktionen auf Twitter aus:

Doch die Verlage sagen, es gebe nur wenige ablehnende Reaktionen auf diese Einblendungen. Bei stern.de will man überhaupt keine negativen Meldungen von Nutzern bekommen haben. Stefan Plöchinger, Mitglied der Chefredaktion bei der „Süddeutschen Zeitung“, räumt ein: „Wir bekommen regelmäßig Post von Lesern, die die Funktion nicht mögen. Das waren am Anfang mehr, inzwischen – sicher durch Gewöhnung über die Jahre – vielleicht ein halbes bis ganzes Dutzend im Monat.“ Sie dächten gerade darüber nach, in Zukunft registrierten Nutzern die Abschaltung zu ermöglichen. Das sei aber aufwändig und könne noch etwas dauern.

Aber was soll das überhaupt? Warum diese Störung? Nur für den Klick, für den Augenblick?

Die schon häufiger totgesagte Homepage ist immer noch der Ort, an dem die Online-Medien die höchsten Werbepreise aufrufen können. Jedes zusätzliche Laden der Startseite macht sich entsprechend positiv bemerkbar – insbesondere in einer Zeit, in der Mobil-Reichweite wächst und Desktop-Reichweite schrumpft. Zehn bis 15 Prozent mehr Klicks auf die Homepage hat sueddeutsche.de nach eigenen Angaben registriert, nachdem sie die Einblendungen eingeführt hat. „Das ist auch konstant so“, sagt Plöchinger, „viele Leute nutzen das also wirklich.“

„Zeit Online“-Chefredakteur Jochen Wegner spricht von „wenigen Prozent“ mehr Traffic auf der Homepage. Daniela von Heyl, Digital Business Director G+J Digital Products, will über die konkreten Nutzungszahlen bei stern.de keine Auskunft geben: Vermarktungserlöse seien an den Layer nicht gekoppelt.

Bei stern.de nennt man den „Interaktivitäts-Layer“ ein „Element der proaktiven Nutzerführung“: Er werde angezeigt, wenn der Nutzer eine Zeitlang (offenbar rund dreieinhalb Minuten) nicht gescrollt oder geklickt hat. „Wir gehen in diesem Fall davon aus, dass er schon eine gewisse Zeit etwas ganz anderes macht. Auf diese Weise möchten wir seine Aufmerksamkeit wieder auf stern.de lenken.“ Der Hinweis, dass es neue Artikel gibt, ist aber nicht daran gekoppelt, dass es tatsächlich neue Artikel gibt. „Da die Homepage kontinuierlich aktualisiert wird, sind für ihn dann auch neue Inhalte verfügbar“, sagt von Heyl.

Ähnlich hält man es bei der DuMont-Mediengruppe, die die Hinweise seit kurzem bei „Berliner Kurier“, „Berliner Zeitung“, „Express“, „Hamburger Morgenpost“, „Kölner Stadt-Anzeiger“ und „Mitteldeutscher Zeitung“ testet, um, wie es heißt, „unseren Lesern einen Mehrwert“ zu bieten. Dort erscheinen die Popups nach 15 Minuten automatisch. Das werde aber gerade technisch noch optimiert.

Für Stefan Plöchinger wäre eine solche bloße zeitliche Steuerung „Leserverwirrung“. Bei Süddeutsche.de erscheine der Hinweis nur, wenn es tatsächlich neue Inhalte gebe. „Wir zeigen nach dem Neuladen über dem ersten Aufmacher auch an, was sich getan hat.“ Bei „Zeit Online“ ist es eine Kombination aus Zeitschaltung und neuen Inhalten: „Es gibt eine Zeitspanne, während der die Box nicht erscheint, auch, wenn die Homepage bereits aktualisiert wurde“, sagt Jochen Wegner. „Erst nach dieser Zeit erscheint die Box – und zwar genau dann, wenn sich die Homepage wirklich aktualisiert hat.“

„Zeit Online“ hat die Popups schon seit September 2014 im Einsatz. Anfangs hatten sie einen hinterhältigen Trick: Wenn jemand auf das kleine „x“ oben rechts klickte, um vermeintlich das Fenster zu schließen und einfach weiterlesen zu können, wurde die Seite ebenfalls neu geladen. Jochen Wegner sagt: „Aufgrund von Userbefragungen haben wir wie bei jedem Feature kleinere Anpassungen vorgenommen.“ Mehr als 50 Prozent der Leser klickten auf „Neu Laden“, auf „Abbrechen“ lediglich sechs Prozent.

„Spiegel Online“ hat die Mechanik erst in diesem Frühjahr eingeführt. „Wir haben lange gezögert“, sagt der Geschäftsführende Redakteur Matthias Streitz und räumt ein: „Das ist eine Gratwanderung: Ist das ein Service, über den sich der Nutzer vielleicht sogar freut? Oder stör ich ihn?“ Die konkrete Gestaltung sei Ausdruck eines Versuchs, möglichst wenig zu stören: Ein relativ kleines Rechteck, das intern „Sticky Lasche“ genannt wird, erscheint, wenn sich unter den Aufmachern auf der Startseite etwas geändert hat.

Mit einem Klick lässt sich – ähnlich wie bei Bild.de – ausschalten, dass der Hinweis wieder angezeigt wird. Das soll dann für drei Monate gelten. Nach Angaben von „Spiegel Online“ haben rund 130.000 Leser die Anzeige auf diese Weise deaktiviert, die Zahl nehme nicht zu. Dem stehe eine konstant sechsstellige tägliche Zahl von Klicks zurück auf die Startseite gegenüber. Das vorläufige Fazit von „Spiegel Online“: Es bringt wohl mehr als es schadet.

„Focus Online“ pflegt seit drei Jahren eine andere Form des „Inaktivitäts-Layers“: Nach einer halben Stunde wird der Artikel ersetzt durch einen Hinweis, man habe ihn sich „gemerkt“. Weil darunter schon die Startseite angezeigt wird, muss jemand, der auf der Seite bleiben will, auf der er war, praktisch erst zu ihr zurückkehren.

Tatsächlich wird die Homepage aber auch erst nach einem weiteren Klick geladen. Nach Angaben von „Focus Online“ ist die vorherige Ansicht der Startseite technisch nur ein Screenshot. Das heißt, die Objekte im Hintergrund werden vorher noch nicht geladen, erhöhen somit auch nicht künstlich die Zahl der Seiten- oder Anzeigenabrufe.

Die Logik hinter dem Layer erklärt ein Burda-Sprecher so: Er soll „dem interessierten User die Möglichkeit geben, seinen angelesenen Artikel zu beenden – oder alternativ – sich über die neuesten Entwicklungen auf der Startseite zu informieren.“ Was die ganze Verrücktheit all dieser Hinweise sehr schön auf den Punkt bringt; denn genau die beiden Möglichkeiten: einen angelesenen Artikel zu beenden oder mit einem Klick auf die Startseite zu kommen, hätte er natürlich jederzeit auch so, ganz ohne Einblendung und Umleitung. Bei „Focus Online“ heißt es dennoch, dass Lesertests belegten, dass der Nutzen für den User gegeben sei.

Der angeblich gemessene Erfolg steht im Kontrast zur an einigen Stellen wahrnehmbaren Genervtheit. Dass manche Nutzer so gereizt auf diese Störer reagieren, hängt auch damit zusammen, dass sie ein Symbol sind für so vieles sind, das im Online-Journalismus schiefläuft. Sie behandeln den Leser, als wäre er zu blöd oder zu unwillig, von selbst auf die Startseite zu klicken. Sie sind technischer Clickbait. Sie liefern ein Versprechen statt Inhalt: Man hofft, dass der Neugier-Trigger irgendwie ausreicht, auch wenn er völlig ohne Inhalt daherkommt. Es ist wie ein Restaurant, das draußen offen keine Speisekarten verteilt, sondern Zettel mit der Aufschrift: „Drinnen gibt es Essen! Kommen Sie rein!“

Und wenn Ihnen diese Analogie nicht gefällt, hätten wir noch folgende:

41 Kommentare

  1. mich nervt es auch.
    Aber abschalten hilft auch nur für eine Session, da man, wenn man nicht auf ewig getrackt werden will, alle Cookies beim Beenden des Browsers löscht. Sprich, am nächsten Tag bekommt man wieder die nervigen Hinweise.

    Und da wir grad beim Thema sind: ähnlich nervig ist der Login hier auf der Seite, der mir immer eine eMail schickt, anstatt mich einfach „reinzulassen“. Zwei klicks sind hier imho überflüssig. ;-))

  2. Mich stört dies gewaltig – daher habe ich eine Lösung gefunden.

    Mit dem Firefox-Addon „Stylish“ kann man diese „Hinweise“ ausblenden.

    Man sucht sich den Div-Containter heraus, der diesen „Hinweis“ beinhaltet. Nennen wir ihn „nervenderhinweis“. Dann blendete man ihn wie folgt aus.

    .nervenderhinweis {
    display: none !important;
    }

    Das funktioniert auch prima mit den „Cookie-Hinweisen“.

    Leider muss man dies für jede Website separat eingeben, aber man hat ja in der Regel nicht viele Lieblingswebseiten, die man regelmässig besucht.

  3. Danke für diesen schönen Beitrag, der mein Problem mit diesem Kundenservice ziemlich gut zusammenfasst. Auch wenn ich dem Feature schon seinen Nutzen abgewinnen kann, nervt mich die Umsetzung bei einigen Anbietern sehr. Gerade bei Spon wird mir persönlich sehr damit übertrieben, manchmal erscheint die Meldung noch mitten, während ich den Artikel lese, genau an der Stelle, an der ich gerade bin. Sowas finde ich besonders störend und frustrierend, zumal die Abstellfunktion bei mir nicht zu funktionieren scheint.
    Diese Penetranz ist äußerst nervig, zumal es Lösungen gibt, die den Lesefluss weniger stören. Die Stuttgarter Zeitung beispielsweise blendet den Slogan immer außerhalb des Textes, über dem Werbeblock schwebend ein – in meinen Augen wesentlich angenehmer, weil ich nicht mit dem Lesen aufhören muss, um das Ding wieder loszuwerden.

    Generell scheinen mir die meisten Varianten dieses modernen Clickbaitings nur im Hinblick auf das Clickbaiting an sich ausgestaltet zu sein. Interessant wäre es, wenn mir die Meldung nur bei neuen Artikel aus einem mich interessierenden Themenbereichs angezeigt wird. Das müsste sich relativ einfach bewerkstelligen lassen und wäre in Kombination mit einem weniger aufdringlichen Hinweis sicher userfreundlicher.

  4. Den Eindruck, daß die deutschen Zeitungshäuser bei ihren Online-Angeboten nicht unbedingt wollen, daß man die Artikel vollständig liest, habe ich schon, seit ich Nachrichten auch mit Apps auf dem Smartphone lese.

    Ich habe die Apps von Spiegel, Stern, Focus, Zeit, Süddeutsche, Faz – und ich musste im Laufe der Zeit immer mehr feststellen, wie grottenschlecht sich diese Apps bei Funklöchern verhalten (oder bei Situationen, wo zwar Funkkontakt besteht, aber der Datendurchsatz nicht ausreicht).

    Ich fahre viel mit der Bahn und weiß auf einigen Strecken schon recht genau, wo die Funklöcher sind. Zu Anfang habe ich noch gedacht: „Okay, hier ist ein interessanter Artikel in der Süddeutschen. Aber gleich kommt eine längere Tunnelstrecke, also rufe ich noch einen Artikel aus der Zeit auf, dann kann ich während des fehlenden Funkkontakts beide Artikel lese.“ Aber Pustekuchen! Wenn ich zwischen den Apps wechsele, versuchen die, den bereits vollständig geladenen Artikel neu zu laden und zeigen mir dann eine Fehlermeldung.

    Dann musste ich aber auch feststellen, daß selbst in der Situation, daß ich innerhalb einer App bleibe, mir der Artikel, den ich gerade lese, unter dem Hintern weggezogen werden kann. Offensichtlich führen die Apps im Hintergrund irgendwelche Kommunikation durch, und wenn die nicht klappt, dann wird plötzlich der Bildschirm weiß und zeigt eine Fehlermeldung. Beim Focus ist das ganz extrem, weil die App die Artikel nur in kleinen Häppchen anzeigt. Immer dann, wenn man ein paar Absätze nach unten scrollt, werden die nächsten Absätze nachgeladen.

    Das scheint ein typisch deutschen Phänomen zu sein. Denn bei Schweizer Nachrichten sieht das ganz anders aus. Bei der Nzz werden mir keine Artikel während des Lesens einfach weggenommen. Und bei der App des Gratismagazins „20 Minuten“ werden die Artikel dann geladen, wenn Funkkontakt besteht, und ansonsten kann ich beliebig in den vorhandenen Artikeln blättern, es fehlen dann nur die Photos. Wenn ich beim App-Start von „20 Minuten“ Funkkontakt habe, lädt er sämtlich auf der Startseite verlinkten Artikel (offensichtlich nur die Texte, nicht die Photos) und kann anschließend beliebig durch diese Artikel klicken. Erst dann, wenn ich in einem Funkloch auf eine Verlinkung zu einem älteren Artikel klicke, ist der nicht vorhanden. Aber ich kann dann wieder zur Startseite zurück und die aktuellen Artikel lesen.

    Im Moment ist tatsächlich die App von „20 Minuten“ die einzige Nachrichten-App, die ich auf einer Bahnfahrt wirklich lesen kann. Warum schaffen die deutschen Nachrichtenmagazine das nicht?

  5. Gut, SpOns Lasche kann mit einem Klick pro Session gecancelt werden. Wenn ein paar Artikeln in Tabs geöffnet sind (kommt bei mir halt vor) sind’s auch ’n paar Klicks. Jaja, selbst schuld…aber wenn der browser geschlossen wird, wird halt auch der Verlauf gelöscht. Das soll so.

    Was ich viel witziger finde: es gibt – nach Betätigung der Lasche – bei SpOn nicht geringsten Hinweis, wo verdammt noch mal denn die Aktualisierung eigentlich stattgefunden hat. Panorama, Kultur, Sport…suchet so werdet ihr finden.

    PS: Es besteht die Möglichkeit, dass ich da was falsch/nicht verstanden habe. Man weise mich dann darauf hin.

    PPS: der Kritk von @sky an der dämlichen blendle-email schliesse ich mich an.

  6. PS: Noch benutzerunfreundlicher als die Undeaktivierbarkeit der Popups ist nur der automatische Reload der sueddeutsche.de-Startseite, wenn man bei einem Artikel ganz ans Ende scrollt.

  7. Abschalten von Javascript auf bekannten Nachrichtenseiten schont die Nerven ungemein. Wenig Gezappel, kein Pop-Up-Terror.
    Das man dadurch oft auch die Kommentare des Wutpöbels nicht mehr lesen kann ist kein Verlust, sondern Bereicherung durch Misanthropienminimierung.
    Seiten die ohne JS nicht benutzbar sind wollen nicht gelesen werden, kann ich auch mit leben.

  8. @3 Delgorian „Gerade bei Spon wird mir persönlich sehr damit übertrieben, manchmal erscheint die Meldung noch mitten, während ich den Artikel lese, genau an der Stelle, an der ich gerade bin. Sowas finde ich besonders störend und frustrierend, zumal die Abstellfunktion bei mir nicht zu funktionieren scheint. Diese Penetranz ist äußerst nervig, zumal es Lösungen gibt, die den Lesefluss weniger stören.“

    Du unterliegst wohl der irrigen Annahme, dass die Verlage wirklich wollten, dass du die Artikel (online) bis zum Ende liest.

    P.S.: Ich danke für den Hinweis mit Stylish. Das Addon verwende ich auch zum Wegblenden solcher Hinweise.

    P.P.S.: Auch nervig: Endlos-Loop-GIFs bei Übermedien. Aber auch dafür gibt es ein Addon. Toggle animated GIFs

  9. die Übersteigerung sind jene Seiten, die zur Startseite umleiten, wenn man bis zum Boden des Artikels gescrollt hat und während man die letzten Zeilen liest, landet man auf der Startseite

    Z.B. sueddeutsche.de

  10. Dabei wäre dieses Problem doch relativ einfach in beidseitigem Interesse lösbar. Der Hinweis zur Aktualisierung wird schlicht unterhalb des Artikels, vor der Kommentarspalte eingeblendet und fertig. Mann kann in Ruhe weiterlesen, muss das nicht erst wegclicken und trotzdem ist der Hinweis gut erkennbar platziert, da viele Leute nach dem Lesen einen Blick in die Kommentare werfen.

  11. Ich hätte mir hier etwas mehr Tiefgang gewünscht. Erst eine Reihe von Screenshots dann ein Haufen Tweets. Ein „das nervt“ als Fazit. Fertig der Artikel.

    Es ist doch völlig klar warum die News-Seiten das machen. Wenn der Artikel geladen ist, sind alle Banner eingeblendet. Die Impression ist gezählt. Der Nutzer hat auch nach 15 Sekunden noch auf keine Werbung geklickt. Ob der Nutzer jetzt den Artikel zu Ende liest oder nicht, ist egal. Es ist kein Geld mehr mit ihm zu verdienen.

    Der Klick auf das Banner hingegen ist eine Interaktion. Entweder der Nutzer geht tatsächlich auf die Startseite (und läd jede Menge neuer Banner) oder er klickt auf Abbrechen. Jeder Klick ist eine Interaktion die man laut IVW zählen darf, theoretisch darf man dann sogar neue Werbung laden – keine Ahnung ob die Anbieter schon so dreist sind.

    Aber letztendlich sind diese Einblendungen nur eine weitere Folge daraus wie diese Seiten Geld verdienen.

  12. „Nur für den Klick, für den Augenblick?“

    Aua. Eine „Tic Tac Toe“-Referenz. Aber andererseits passend für die, die sich solche Aktualisierungspopups ausdenken, denn wie lautete das Lied, mit dem diese drei Rotzgören bekannt wurden…?

  13. Die Genervtheit der Nutzer nur daraus abzuleiten, wie viele sich wirklich die Mühe machen, sich auch noch aktiv per Mail darüber zu beschweren, halte ich schon für bewusste Realitätsausblendung/-verzerrung. Wenn man wollte, könnte man bei Twitter ein deutlich anderes Meinungsbild finden (wie ja im Artikel hier auch geschehen).

    Nicht minder nervig finde ich auch den Unfug von sueddeutsche.de, beim Scrollen am Ende der Seite automatisch zurück auf die Homepage zu springen. Bei den heutigen Seiten weiß man schließlich nie, ob unten noch eine Liste mit verwandten Artikeln, Kommentare oder sonstiger Inhalt kommen könnte, so dass die Mehrheit der Nutzer wohl sicher schon aus Gewohnheit automatisch so lange scrollt, bis nix mehr passiert.

    Beides zeigt mir, dass die Entscheider solcher „Features“ entweder überhaupt keine Ahnung davon haben, wie der Durchschnittsleser sie nutzt oder es ist ihnen bewusst, aber sie nerven die Konsumenten absichtlich (und sei es nur zur Generierung zusätzlicher Pseudoklicks, die in den Statistiken eine höhere Reichweite simulieren).

    Auf jeden Fall wird das Lesen von Medienseiten zunehmend lästige Arbeit und die Bereitschaft zum Bezahlen solcher nutzerverachtend dargebotenen Angebote sinkt kontinuierlich weiter.

  14. @Andreas Gohr: Kann es sein, dass Sie den Artikel gar nicht ganz lesen konnten (zum Beispiel, weil Sie kein Abonnent sind)? Da stehen zum Beispiel halbwegs konkrete Zahlen, was diese Einblendungen der „Süddeutschen“ und „Spiegel Online“ an zusätzlichen Klicks bescheren, Statements von Dumont, Burda, „Zeit Online“…

  15. Oh mann, wie diese PopUps nerven. Und natürlich werden sie mir mitten vor die Nase geknallt, weil ich ja nichts besseres zu tun habe, als blöde zu klicken.

    Ja, und die Unsitte, am unteren Ende des Artikels automatisch auf die Startseite weiterzuleiten, ist nur noch blöd.

    Da mögen sich die Zeitungen ja selber noch so auf die Schulter klopfen und kein Problem mit diesen Taktiken sehen, aber ich bin kurz davor , auf die deutschen Zeitungen (bei meinen paar internationalen ist es mir noch nicht untergekommen) ganz zu verzichten.

    @Schnellinger
    „Bereicherung durch Misanthropienminimierung“
    You made my day. :)

  16. Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie lange es noch dauern wird bis solche Aktualisierungs-Banner mit einem Countdown versehene werden. „Noch 13 Sekunden bis zur Weiterleitung auf die Startseite…“

  17. @Stefan Niggemeier: oh! In der Tat, ich bin kein Abonnement sondern bin einem Twitterlink hierher gefolgt. Dass der Artikel eigentlich noch weiter geht, ist mir nicht aufgefallen. Sorry. Mea Culpa.

  18. @1/Sky: hat mich auch genervt, aber neuerdings bietet mir Blendle alternativ den „klassischen Login“ ohne Mail an? (direkt unter dem „Weiter“-Button, Link „Mit Passwort einloggen“).

  19. @Marc
    Ich würde den Verantwortlichen einiger Portale gerne sachliche Verbesserungsvorschläge zumailen – nur gibt es oft keine email-Kontaktmöglichkeiten oder diese sind so gut versteckt, dass man diese nicht finden kann.

    Also sagt man dort „Wir haben kein negatives Feedback seitens der Leser erhalten“

  20. @2:
    Danke für den Tipp mit Stylish.

    Gegen die Cookie-Hinweise hilft das Firefox-Addon „I don’t care about cookies“ sehr zuverlässig.

    Vielleicht gibts demnächst ja ein „I don’t care about homepage update“ ;-)

  21. Ich finde diese Hinweise gut und hilfreich. So verpasse ich keinen neuen Artikel.
    (Ich wollte auch mal eine Meinung vertreten, die nicht Mainstream ist. Auch wenn es nicht meine eigene ist.)

  22. Leider kann auch ich den Artikel nicht in Gänze lesen mangels Blendle-Abo. Da also auch ich nicht weiß, wie der Artikel weitergeht, hier nur eine Frage: Wurde auch angesprochen, daß die mit den besprochenen Praktiken teilweise einhergehenden „Forced Views“ dem Advertiser vielleicht nicht bekannt sind und darum auch eine gewisse rechtliche Relevanz haben könnten…?

  23. @Stefan Niggemeier: Auch ich hatte mich innerlich schon Andreas Gohrs Wünschen angeschlossen, um erst nach dem Hinweis auf mein fehlendes Abo zu lernen, dass es hier noch mehr Content gäbe.
    Daraufhin noch einmal nach oben, an das vermeintliche Ende des Artikels, gescrollt um nach meiner frühmorgendlichen Aufmerksamkeitslücke zu suchen. Ich finde sie immer nooch nicht.
    Werde jetzt wohl einen ganzen Arbeitstag zweifelnd damit verbringen, was ich bislang unbemerkt alles in meinem Leben verpasst habe.
    Ein deutlicher Hinweis auf Artikelfortsetzung dank Abo könnte hier dem (kritisierenden) Nutzer (vollständie Artikel) als auch dem Seitenbetreiber (mehr Abos) helfen.
    Sollte dieser nicht zu findende Hinweis meinem alten iPad mit uralt-Safari geschuldet sein, nehme ich alles zurück und behaupte das Gegenteil.
    Zum Thema: ja, die Popups nerven.

  24. Was mir hilft: Scripte abschalten. Letzens einen geilen Link bekommen für wenn man einen Browser ohne Noscript hat: htttp://scriptless.xyz/http://www.spiegel.de verwenden und dann wird Der SPIEGEL geladen ohne dass er Scripte ausführen darf. Klar, manche anderen „netten Features“ gehen dann auch nicht, aber einfach den Artikel lesen geht auch ohne Scripte. Wer kein NoScript mag kann auch uMatrix nehmen.

  25. Interessant, wie sich die ganzen Online-Medien so liebevoll um mich als „Nutzer“ kümmern. Schön, ein ganzes Wellness-Team von Interaktivitäts-Checkern, Neuigkeits-Anweisern und Nutzungs-Führern beim „nutzen“ hinter mir zu wissen. Und alles so selbstlos, so kostenlos. Können die auch für mich „nutzen“? Wäre noch bequemer für mich. Die klicken sich ihre Klicks gleich selbst. Dieses „nutzen“ als „Nutzer“ ist mir eh meist zu unnütz geworden. Ausser Übermdien.de natürlich, hier lese ich als Mensch gerne.

  26. Dass die Menschheit überhaupt noch ohne dieses komische Internet lebt, ist sowieso ein Wunder.

    „Bitte Einatmen.“
    Jetzt / Später erinnern

  27. Also ich bin mir schon 99% sicher, daß es um zusätzlich Ad Impressions geht, um die (elend geringen) Klickhonorare aufzubessern…

    Vor dem Alert kommt noch kein Pagerequest, danach aber nun mal schon.
    Das müsste jeder Online-Vermarkter hier doch beantworten können.

  28. Ich vermisse, dass der eigentliche Widerspruch dieser Meldungen nur am Rande thematisiert wird: Man wird darauf hingewiesen, dass die Seite aktualisiert wurde, aber nicht wo. Wenn dann wenigstens darauf hingewiesen werden würde, welcher Artikel aktualisiert wurde, könnte ich einen Mehrwert vielleicht erkennen. Aber so? Erwarten die allen Ernstes, dass ich mich noch daran erinnere, welche Beiträge da vorher standen?

    Als ich das zum ersten Mal „erlebt” habe, bin ich zum Seitenanfang, weil ich erwartete, dass dort eine wichtige Meldung steht. Aber nein, der Aufmacher war derselbe.

    Damit bleibt der „Mehrwert”, dass man sein visuelles Gedächtnis schult. Quasi Memory spielt und versucht zu raten, welcher Beitrag vorher schon da war und welcher nicht. Also ich klicke das immer weg.

  29. Wäre Lustig gewesen wenn ihr für genau diesen Artikel einen eigenen Hinweiß erstellt hättet der so alle 30 Sekunden kommt :)

  30. Ich weiß, dass Vergleiche von Internetfunktionen mit der realen Welt meist etwas hinken, aber man stelle sich diese Funktion einmal in echt vor:

    Man durchstöbert gerade einen Buchladen, da kommt eine freundliche Verkäuferin vorbei, stellt sich vor ihnen und brüllt: „Hey Sie! Wir haben gerade ein neues Buch ins Regal gestellt! Wollen Sie den Buchladen noch einmal neu betreten?“

    Na gut. Man verlässt also den Laden, betritt ihn von neuem und… „Wo ist denn nun das neue Buch, in welchem Regal? Und um welches Buch geht es überhaupt?“

    „Keine Ahnung! Aber: Hey Sie! Wir haben gerade ein neues Buch ins Regal gestellt! Wollen Sie den Buchladen noch einmal neu betreten?“

  31. Die SZ scheint sich gebessert zu haben und blendet zumindest bei mir nur noch oben in der Leiste ein Häuschen mit einem roten Punkt und einer Zahl ein. Das verführt mich dann ohne nerven dazu drauf zu klicken…ich kann da nicht anders. ^^

  32. Ein anderes Phänomen: durch einen Klick auf einen Link in einem Newsletter kommt man auf Seiten, auf denen umgehend ein Pop-up erscheint, man möge doch den Newsletter abonnieren um nichts zu verpassen. In der aufgerufenen URL steht klar & deutlich „…source=nl…“ oder ähnliches. Das nervt erheblich.

  33. Kann man bei den online Medien nicht auch mal hinterfragen, warum jeder längere Artikel über mehrere Seiten verteilt werden muss?

    Mir erschließt sich absolut überhaupt kein Mehrwert für den Nutzer. Im Gegenteil, diese Praxis erhöht eher die Warscheinlichkeit, dass ich unterwegs das Interesse verliere und den Artikel nicht zu Ende lese. Das heißt aus redaktioneller Sicht sehe ich da auch keinen Nutzen. Sollten also wirklich die generierten Extra-Klicks der einzige Grund für diese Stückelung sein?

  34. @36:

    Um in Sachen Realweltvergleiche noch was hinkendes hinterherzuschieben:

    Du sitzt im Restaurant und beginnst genüsslich an deinem bestellten Mahl zu knabbern, als der Ober dir im Vorbeigehen ein Touchscreen-Pappschild aufs Essen oben drauf klatscht, mit dem Text:
    „Unser Koch hat gerade eines unserer Menüs neu abgeschmeckt, möchten Sie wieder zur SpeiseKarte zurück? “ Und fasst man das Schild an der falschen Ecke an, kommt der Köbes wieder, bringt die -unveränderte- SpeiseKarte wieder, schnappt sich deinen Teller und verschwindet damit.

    Irgendwann fragst du dann den Patron, was das soll und erfährst, dass sein Speisekartensponsor auf der Karte erwähnt ist und deshalb…

    Hinkend dieser Vergleich jedoch ist, weil wir in diesen Restaurants eben nie eine Rechnung zahlen.
    Andererseits erinnert mich das an die Spelunken, die sich wegen wenig Umsatz so Glücksspielautomaten in die Stube holen: Damit verbessern sie erstmal die Einnahmesituation, vergraulen aber durch die daraus resultierende ungastliche Athmosphäre (Geräte-Randaleakustik) Ihre letzten richtigen Gäste.
    Wobei sich mir da auch eine Analogie zur VW-Prüfstandssoftware aufdrängt: Dort wo gemessen wird, mithilfe zweckentfremdeter Mechanismen das Ergebnis schönen.
    Aus meiner Sicht wird das in der Form nur eine vorübergehende Erscheinung des Bauernschlau-Marketings bleiben.

  35. Apropos:

    „Bei Süddeutsche.de erscheine der Hinweis nur, wenn es tatsächlich neue Inhalte gebe. … „Zeit Online“ … Anfangs hatten sie einen hinterhältigen Trick: Wenn jemand auf das kleine „x“ oben rechts klickte, um vermeintlich das Fenster zu schließen und einfach weiterlesen zu können, wurde die Seite ebenfalls neu geladen“

    Habe gerade mal neugierhafterweise geprüft, ob mich meine Erinnerung trog, was sie nicht tat … diesen „hinterhältigen Trick“ wendet die SZ weiterhin an. Klick aufs Abbruch-X lädt Homepage neu.

    Das eine ist lästige Aufdringlichkeit. Das mit dem X kommt eher als vorsätzliche Leserverarschung rüber. Was wiederum bestens mit meiner Wahrnehmung des neuen SZ-Journalismus-Stils korreliert.

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