„Presseclub nachgefragt“

Nichts als Schweigen? Jörg Schönenborn, die AfD und der Vorwurf der „Vorzensur“

Das Unbehagen ist Jörg Schönenborn anzusehen am vorigen Sonntag. Eben noch hat er den „Presseclub“ im Ersten moderiert, zur anstehenden Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, nun läuft „Presseclub nachgefragt“ bei Phoenix und WDR 5, die Sendung direkt im Anschluss, in der Menschen anrufen und mitreden können. Und als sich dort Herr Fischer aus Groß-Rohrheim in Hessen meldet, wird es ungemütlich.

Jörg Schönenborn (M.) bei „Presseclub nachgefragt“, 30.5.2021 Screenshot: Phoenix

Herr Fischer – der Stimme nach schon etwas älter – hat zunächst eine „grundsätzliche“ Anmerkung: Wann immer die AfD im „Presseclub“ im Gespräch sei, sagt er, werde sie „zum Problem“ gemacht, „heute auch wieder“. Dabei werde die Partei ja „von vielen Leuten“ gewählt, das sei „ein Fakt“.

Außerdem habe er etwas zu monieren: „Schon zig mal“ habe er angerufen bei „Presseclub nachgefragt“, sagt Herr Fischer, aber immer „wenn ich ein positives Meinungsbild abgeben wollte, pro-AfD, wurde ich nicht zugeschaltet“. Dieses Mal habe er im Vorgespräch dann einfach ein „negatives Bild zur AfD“ gezeichnet, „und ruckzuck bin ich bei Ihnen in der Sendung“. Da sei er „als Gebührenzahler“ sehr enttäuscht. Herr Fischer findet, es sei „Vorzensur“, wenn die ARD Menschen, die die AfD gut finden, offenbar aussortiere.

„Toll, dass Sie in der Sendung sind“

Jörg Schönenborn versucht ein Lächeln. Klappt halb. Was sagt man da als Moderator, wenn einem jemand in einer Live-Sendung „Zensur“ vorwirft?

Schönenborn sagt:

„Herr Fischer, ich finde’s toll, dass Sie in der Sendung sind. Aber sagen… bringen Sie doch einfach Ihren Punkt an. Also, Meinungsvielfalt ist mir wichtig, und deshalb freue ich mich, dass Sie anrufen.“

Auf den Punkt, den Herr Fischer bereits angebracht hatte, geht Schönenborn nicht ein. Er sagt stattdessen weiter:

„Also, Sie haben einen Punkt genannt, Sie haben völlig recht, also, äh… für diejenigen, die die AfD wählen, ist sie nicht das Problem, für die politischen Wettbewerber, klar, ist sie das Problem.“

Was man ungefähr so auch über jede andere Partei sagen könnte.

„Aber: Sagen Sie Ihre Position.“

Herr Fischer sagt dann, dass er die AfD und was sie macht „normal“ finde, ganz so, wie die Partei derzeit für sich werbe: „Deutschland. Aber normal“. Herr Fischer spricht von teilweiser „Desinformation“ und wünscht sich mehr Journalisten, „die eine positive Meinung über die AfD vertreten“. Als (für ihn) hervorragende Beispiele nennt er etwa das rechtsradikale Magazin „Compact“, wobei er mit „rechtsradikal“ als Zuschreibung ein Problem hat.

Sprachloser WDR-Programmdirektor

Als Programmdirektor Information, Fiktion und Unterhaltung, wie der hochrangige Posten heißt, den Schönenborn beim WDR inne hat, hat man an dieser Stelle eigentlich keine Wahl. Man muss auf das, was Herr Fischer sagt, eingehen. „Zensur“ und „Desinformation“ – das sind harte Vorwürfe, gemacht von jemandem, der als Bürger den öffentlich-rechtlichen Rundfunk mitfinanziert. Aber was macht Schönenborn? Er sagt nichts dazu. Null. Er widerspricht auch nicht. Warum bloß? Eine Möglichkeit wäre: Er hat nichts zu entgegnen. Was ein miserables Zeugnis wäre.

Stattdessen wiederholt Schönenborn am Ende einfach noch mal, was Herr Fischer so gesagt hat – nah am Wahlslogan der AfD:

„Okay, Herr Fischer, Sie haben Ihren Punkt gemacht. ‚Normal‘, haben Sie gesagt, ist Ihr Gefühl bei vielem, was die AfD fordert. Danke für den Beitrag in der Sendung. Tschüss nach Groß-Rohrheim! Ähm, und… dann würde ich mal vorschlagen, gehen wir weiter nach Oranienburg.“

So traurig. Der nächsten Anruferin dankt Schönenborn, „dass Sie sich das von der Seele geredet“ habe; einem anderen Anrufer pflichtet er bei; später sagt Schönenborn noch, dass er in der Sendung immer verspreche: „Eine Frage, eine Antwort.“ Und es sei ja „viel Emotion“ dabei. Die Emotionen von Herrn Fischer aber moderiert der Programmdirektor eilig ab.

Das alles macht nicht nur einen kläglichen Eindruck, es ist auch ein Geschenk für die AfD. Denn natürlich kursiert der Ausschnitt im Internet. Der Partei und ihren Anhängern dient er als Beleg dafür, dass AfD-Positionen unterdrückt werden, insbesondere bei ARD und ZDF. Etwas besseres kann einer Partei wie der AfD vor einer Landtagswahl nicht passieren. Es passt perfekt zu der Erzählung, die sie – quasi seit ihrer Gründung – kolportiert.

Zwei Tage nach dem „Presseclub“ hat AfD-Bundestagsabgeordneter Stephan Brandner ein Video veröffentlicht, in dem er die „angebliche Meinungsvielfalt“ im „Staatsfunk“ anzweifelt; so nennen sie bei der AfD den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. AfD-Positionen kämen dort in der Berichterstattung kaum vor. Was hält man da entgegen? Jörg Schönenborn würde wahrscheinlich antworten: „Okay, Herr Brandner, Sie haben Ihren Punkt gemacht. Danke für den Beitrag. Dann gehen wir weiter nach Oranienburg.“

„Austausch kontroverser Argumente“

Auf unsere Anfrage, ob tatsächlich nur Menschen mit einer negativen Meinung zur AfD in die Sendung geschaltet würden, antwortet der WDR:

„Eine Auswahl nach Parteipräferenz findet nicht statt.“

Und wie viele Menschen mit AfD-nahen Positionen wurden in den vergangenen Monaten in die Sendung durchgestellt? Darauf geht der Sender in seiner Antwort nicht ein.

Die Hotline könne „pro Sendung 30 bis 50 Anrufe entgegen nehmen“, schreibt der WDR. „Der Moderator kann über einen Bildschirm Namen, Wohnort und Stichworte zum Thema sehen und wählt danach spontan in der Sendung aus. Wegen der 15-minütigen Sendezeit können nicht alle aufgenommenen Anrufer*innen auch in der Sendung zu Wort kommen.“

Als „entscheidendes Auswahlkriterium für die Fragen“ nennt der WDR, „dass sie Bezug zum Thema und der Debatte der Sendung haben“. Diese sei außerdem live, deshalb könnten Anruferinnen und Anrufer ihre Meinung „ungefiltert“ äußern. „Dabei suchen wir bevorzugt kontroverse Meinungen aus, soweit sich dies aus den Vorgesprächen ableiten lässt.“

Kam deshalb also Herr Fischer in die Sendung, wegen seiner kontroversen Meinung? Offenbar nicht.

Viel (zu viel) Raum gegeben

Der WDR schreibt, Herr Fischer habe sich im Vorgespräch „anders geäußert, als er es in der Sendung darstellte“. Er habe „laut Protokoll“ die Frage gestellt: „Ist die AfD im Osten auch deshalb so stark, weil die anderen Parteien dort lange Zeit nur westliche Repräsentanten gehabt haben?“ Etwas, das ein anderer Anrufer später ungefähr genau so in der Sendung vorbrachte.

Schönenborn habe die Notiz zum Vorgespräch mit Herrn Fischer gekannt, schreibt der WDR, er sei sich auch bewusst gewesen, „dass die Angaben des Anrufers nicht zutreffend waren“. Er habe sich aber dennoch „entschieden, ihn nicht in der Sendung mit diesem Widerspruch zu konfrontieren“.

Was ja auch noch lustiger gewesen wäre. Wenn Schönenborn zu Herrn Fischer gesagt hätte: „Moment mal! Im Vorgespräch haben Sie noch gar nicht von ‚Zensur‘ gesprochen – so geht das aber nicht, Herr Fischer!“

Schönenborns Ziel sei vielmehr gewesen, schreibt der WDR, „Meinungen und Argumente einzuholen“. Deshalb habe er „dem Anrufer viel Raum gegeben und ihm durch eine Nachfrage auch geholfen, seine Position zu verdeutlichen.“ Auch lustig. Die „Nachfrage“ war: „Aber: Sagen Sie Ihre Position.“

Es stimmt zweifellos: Schönenborn hat Herrn Fischer viel Raum gegeben, Vorwürfe zu formulieren, um diese dann unwidersprochen so stehen zu lassen. Aber wie wirkt das, wie sieht das aus? Es sieht so aus, als hätte es Schönenborn kalt erwischt – und Herr Fischer recht.

Ist es am Ende tatsächlich so, dass bei „Presseclub nachgefragt“ möglichst nur Leute mitreden sollen, die die AfD kritisch sehen? Aber die Sendung will doch für „Meinungsvielfalt und Austausch kontroverser Argumente“ stehen und auch ganz normale Menschen zu Wort kommen lassen. Wäre es da nicht zwingend, ebenfalls solche durchzustellen, die der AfD etwas abgewinnen können und sie, zum Beispiel am Sonntag in Sachsen-Anhalt, wählen? Um dann womöglich sogar, Achtung: mit ihnen zu diskutieren? Und wenn 15 Minuten dafür zu kurz sind: Ja, dann macht halt eine halbe Stunde daraus!

Nachtrag, 4.6.2021. Der „Presseclub“ schreibt auf Twitter, es gebe bei „Presseclub nachgefragt“ „keine Zensur“, zig Sendungen würden das belegen. „Wir wählen danach aus, ob ein Anrufer klar formulieren kann und die Frage zum Thema passt. Richtig ist allerdings, dass wir es versäumt hatten, das in der Situation sofort richtigzustellen.“

31 Kommentare

  1. Schön, dass Herr Fischer das Thema der Sendung, halt was mit Osten, einfach durchbricht, weil er „mal ne grundsätzliche Frage“ hat.
    Im Internet nennt man das Trollen.

  2. Hallo Herr Rosenkranz, ich würde dazu gerne mal einen allgemeinen Gedanken loswerden. Denn wenn über dieses Thema der Darstellung in der AFD oder den Umgang von Medien mit der AFD gesprochen wird, dann geht eigentlich immer irgendwie um so psychologisierende Annahmen dazu, wie das beim Wähler ankommt. „Ein Geschenk für die AFD“ oder „das hilft nur der AFD“ und sowas. Was mir da fehlt ist, dass man zuerst mal seine eigene Bewertung der Situation prüfen könnte, ganz ohne Dritte miteinzubeziehen und sowas immer sozusagen unter so einem Marketing-Gesichtspunkt zu sehen. Ich will ja gar nicht sagen, dass alle diese Annahmen so fernliegend sind, aber es bleibt doch immer eine psychologisierende Fremdbeurteilung, aus Sicht von Menschen, deren Perspektive man gar nicht hat, sondern nur vermutet. Wenn ich die Situation – die ich live miterlebt habe – mal aus meiner Sicht schildere, ohne dass ich irgendwie berücksichtige, wie andere sie verstehen könnten, dann habe ich das so erlebt: Wenn dieser Hr Fischer also da schon einige Male angerufen hat und allgemein etwas positives über die AFD sagen wollte, dann kann ich das total verstehen, wenn die Redaktion oder auch der Moderator des eher aussortiert hätten, denn die Sendung ist zum Fragestellen da und ich verstehe die Nachgefragt-Sendung auch sonst so, dass ganz genauso mit jemand umgegangen würde, der der da einfach mal seine Begeisterung für die Gründen oder die FDP abladen will. Mir erschien das sofort plausibel und keinesfalls skandalös und auch nicht weiter erklärungsbedürftig. Ich würde hier (und auch an ähnlichen Stellen) gerne die Frage nach dem Verursacher aufwerfen wollen: Es ist doch in erster Linie dann Herr Brandner, der das dann zu einem Skandal umdeutet und dazu muss er die Dinge auch teilweise fehlerhaft darstellen oder wenigsten seinerseits mit Annahmen arbeiten, die nicht belegt sind. Oder anders gefragt: Muss denn jetzt, wo es die AFD gibt, tatsächlich jeder im Daueralarmmodus übervorsichtig auf alles reagieren und sich stets besonders absichernd äußern, damit das nicht missbraucht werden kann. Ich finde darauf kann es nicht hinauslaufen. Was ist mit uns vernünftigen Rezipienten, die da keinen Skandal sehen? Diese Dauerpanik bei der AFD geht mir langsam etwas zu weit. Die machen doch ohnehin was sie wollen.

  3. Den Vorschlag, in „Presseclub nachgefragt“ mit AfD-Wählern zu diskutieren, sehe ich ziemlich kritisch. Sollte man nur über die AfD reden, wird diese Partei wieder überproportional viel Aufmerksamkeit bekommen. Dies dürfte dann dazu beitragen, dass es bei der Bundestagswahl zu einer Polarisierung „Alle anderen gegen die AfD“ kommt, was ziemlich schlecht für den politischen Diskurs in Deutschland wäre. Außerdem würde die AfD dies ebenso als Beleg dafür ansehen, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk „links-grün“ gesteuert sei, da sich nur ihre Wähler öffentlich rechtfertigen müssten.
    Eine andere Möglichkeit wäre, mit Wählern aller Parteien über deren Wahl zu diskutieren, aber das würde ich sehr merkwürdig finden. Zum einen möchte ich als Zuschauer, der sich an einer politischen Diskussion im Fernsehen beteiligt, nicht das Gefühl haben, mich in einer mündlichen Prüfung zu befinden. Zum anderen finde ich es falsch, politische Diskussionen auf die Wahl von Parteien zu reduzieren.

  4. Parteien, die vom Verfassungsschutz beobachtet werden/wurden:
    NPD, Die Rechte, Der III. Weg.
    KPD, MLPD, KBW, DKP, Teile der Partei Die Linke (bspw. Kommunistsiche Plattform und Cuba Si ).
    Und die AfD. Also nein, die AfD ist keine normale bürgerliche Partei.
    Die Beobachtung des VF resultieren unter anderem daraus, dass wiederholt Medien verleumdet, angegriffen und bedroht wurden, aus der Partei. Teile der AfD sind offen rechtsradikal.
    Was muss eigentlich passieren, bis man sich weigert solchen Menschen eine Plattform zu bieten? Glaubt jemand ausgerechnet in Deutschland, die Unterstützung einer Partei durch einen größeren Teil der Bevölkerung stelle irgendeinen Hinweis auf deren Demokratieverbundenheit-, oder deren Verfassungstreue dar?
    Punkt.

  5. ich kann nur 2 von angekündigten 4 Kommentaren lesen. Woran liegts?

    Interessante Frage, so im Hinblick auf die Überschrift (damit meine ich nicht das Schweigen, den Schönenborn und die AfD).

  6. Na, bevor der Witz noch öfter kommt: Manche Kommentare landen automatisch in der Moderationsschleife und müssen freigeschaltet werden. Das kann schon mal dauern. Einen Kommentar schalte ich nicht frei, weil dort spekuliert wird, wer Herr Fischer sein könnte.

  7. @Boris Rosenkranz: Der Witz verpuffte vermutlich, wenn nur die freigeschalteten Kommentare gezählt würden.

  8. Manche Kommentare landen automatisch in der Moderationsschleife

    Meine Kommentare landen immer in der Moderationsschleife.

  9. Wie der Herr, so’s Gescherr. Was dem Herrn Schönborn vom WDR recht ist, ist dem Herrn Domian billig. Wobei ich hinzufügen möchte, dass ich ein langjähriger Zuschauer seiner Sendung bin und Domian sehr schätze..
    Aber vor etwa einer Stunde hat mich Jürgen Domian doch sehr enttäuscht. In seiner Sendung „Domian live“ am Freitag, dem 4. Juni 2021, um 23:30 Uhr lud er wieder zu Anrufen „ohne Tabu“ ein. Insbesondere rief er zu Meinungsäußerungen zum Thema Rücktritt des Kardinals Marx auf. Etwa in der Mitte der Sendung wurde ein Anrufer durchgestellt, der etwas zu einem Mann sagen wollte, der wegen nicht gezahlter Rundfunkgebühren im Gefängnis säße.
    Domian sagte, seine Redaktion hätte ihm soeben etwas über seinen Kopfhörer mitgeteilt, nämlich dass der Anrufer die „Vorzensur“ getäuscht habe, er wolle etwas zu Kardinal Marx sagen. Dafür hatte der sonst so verständnisvolle Domian überhaupt kein Verständnis.
    Er sprach von Mogelei und unterbrach die Verbindung zum Anrufer abrupt. Warum hat er den Anrufer nicht angehört? Er hätte ihm ja anschließend zustimmen können oder ihm widersprechen können.

  10. @Jörn: ich kann es nachvollziehen…

    Was ich Ihnen unbesehen glaube.
    Das ist eines der faszinierensten Phänomene heutzutage. Die Prediger von Bundheit und Vielfalt verfallen vorhersehbar jedesmal(!) in Schnappathmung, wenn jemand mit einer abweichenden Meinung daherkommt. Das geht dem verehrten Herrn Schönenborn so und dem Carsten; und allen anderen Buntlern und Vielfaltlern auch.

    Wenn ich darüber nachdenke, so neu ist das Phänomen doch nicht. Es wurde schon mal ein Staat beschrieben, mit einem Ministerium für Überfluss, einen Ministerium für Liebe und einem Wahrheitsministerium. In letzterem, Carsten, könnten Sie es bestimmt bis zum Staatssekretär schaffen.

    KRIEG BEDEUTET FRIEDEN
    FREIHEIT IST SKLAVEREI
    UNWISSENHEIT IST STÄRKE

  11. @15: Man ist also ein „Buntler“, wenn man Ihren Unsinn nicht lesen mag? Dann bin ich auch einer. Weiß man ja – auf Kommentare eines Jörn gern verzichten zu können ist der letzte Schritt vor der 1984-Diktatur! Mit Schnappatmungspflicht!

  12. @Jörn: Ich sehe da schon einen Unterschied zwischen „abweichender Meinung“ und der pseudoarroganten Herumnölerei, wie Du sie hier regelmäßig praktizierst.

  13. Ich schaue den Presseclub nicht häufig, ich habe aber vor einiger Zeit mal eine Ausgabe gesehen, in der vor der US-Wahl über eben diese gesprochen wurde. Ich fand die Sendung ärgerlich, weil wann immer einer der Gäste über einen interessanten Aspekt redete, der Moderator Schönenborn die Antwort abwürgte, weil ja die Zeit drängte und noch andere Fragen an andere Gäste gestellt werden mussten.

    Was ich damit sagen möchte: kann es sein, dass der hilflose Umgang mit dem Herrn Fischer nichts damit zu tun hat, dass es um die AfD geht, sondern dass das Konzept der Sendung nichts anderes zulässt und Herr Schönenborn nur auf die Uhr schaut und die nächste Frage im Kopf hat, anstatt auf die Antworten der Gäste zu hören?

  14. #6 bringt’s auf den Punkt!
    Und die Hilf- und Tatenlosigkeit der Öffentlich Rechtlichen gegenüber den vermeintlich harmlosen Einwürfen dieses radikalen bürgerlichen Spektrums ist hanebüchen.

  15. pseudoarroganten Herumnölerei

    Arrogante Herumnörgelei hätte ich ja noch durchgehenlassen.
    Aber Pseudo? Das geht zu weit!

    Im Übrigen kam bis jetzt noch kein Argument. Was auch nicht wundert. Denn die „pseudoarroganten Herumnölerei“ ist ja nichts weiter, als dass ich die Tür zur Echokammer einen Spalt breit öffne. Was bei den Insassen zu den üblichen und vorhersehbaren Wutanfällen führt.
    Deshalb hier nur kurz der Hinweis, es gibt eine Welt außerhalb der Echokammer. Man nennt diese Welt die Realität.

  16. @Florian Blechschmied

    Es bleibt aber jedem, auch Domian, die Freiheit der Themengestaltung. Wenn er also etwas zu Marx hören wollte (egal mit welcher konkreten Meinung) in seiner Sendung, dann ist er ja auch frei, solche Themenbeiträge auszuwählen.
    Finde, das passt überhaupt nicht in den Domian-Kosmos, wenn ein GEZ-Gegner absichtlich in den Knast geht.

    Hier ab 32:12 zu hören übrigens: https://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr/domian-2021/domian-2021-100.html

    Festzuhalten ist:
    1) Domian spricht nicht selbst von „Vorzensur“.
    2) Domian lehnt das Thema nicht wegen des Themas ab, sondern, weil der Mann im Vorfeld gelogen hat.
    3) Domian hat den Mann erstmal ausreden lassen und geäußert, er hätte davon in der Zeitung was gesehen.

    Ich finde es darüber hinaus absolut sinnvoll, die eigene Sendung, die besonderen persönlichen Schicksalen/Geschichten gewidmet ist, nicht für politische Propaganda gegen den Rundfunkbeitrag kapern zu lassen.

  17. #1 hat es m. E. schon auf den Punkt gebracht: Trollen.
    Mir fällt da sofort ein Bewerbungsgespräch ein, wo der Bewerber falsche Angaben macht und bei Einstellung nicht für den Job gewappnet ist. Das ist aber keine „Vorzensur“ (Ungleichbehandlung) einer vermeintlich linksgrünen HR-Abteilung, sondern schlicht Vortäuschung falscher Tatsachen.
    Die Domian Geschichte erinnert mich an die Schulzeit, Klassenarbeit. „Aber Herr Lehrer es ist total ungerecht ne 6 zu bekommen, nur weil ich nichts zum Thema geschrieben habe sondern irgendwas willkürliches auf das ich gerade Lust hatte.“

    Interessant ist doch eher, was die AfD kommunikativ aus der Sache macht. Und dass das 6 Jahre nach „Wir schaffen das“ immer noch funktioniert. Die Lernresistenz der ÖRR ist bemerkenswert.

    Pro AfD Trolls sind mittlerweile cooler Punkrock.
    Anti-Establishment ist nun rechts. Links ist langweilig. Klimaschutz ist konsens.
    Das sieht man auch am Duktus der hier kommentierenden AfD-Fans: Man sieht sich selbst als Partisanen für etwas Gutes, etwas Revolutionäres, Anti-Elitäres.

    Ich weiß, ich wiederhole mich, aber momentan ist es nicht mehr „Ein Geisterfahrer? Hunderte!“ sondern „Linksgrüne Zensoren wollen mir die freie Wahl der Fahrspur verbieten!“.
    Man muss immer überlegen, wann einem welches Narrativ zu blöde wird.

  18. „Pro AfD Trolls sind mittlerweile cooler Punkrock.“
    In welchem Universum ist das so?
    Sachsen-Anhalt?

    Hier Hamburg ist die AfD so „Punkrock“ wie ein Jägerzaun.

  19. Mir fällt da sofort ein Bewerbungsgespräch ein, wo der Bewerber falsche Angaben macht und bei Einstellung nicht für den Job gewappnet ist.

    Gerade läuft im Politikerstadl so eine Show.
    Die Pöse ist dabei allerdings nicht die Bewerberin mit ihren auffällig unvollständigen und trotzdem in sich widersprüchlichen Bewerbungsunterlagen. Zumal ihr track record ansonsten auch nicht so aussieht, als wenn sie für den Job gewappnet wäre.
    Die Pösen sind jene, die das in jedem Bewerbungsverfahren übliche anfordern: Zeig mal Deine Zeugnisse. Das ist sexistisch, frauenfeindlich und überhaupt. Kein Wunder, denn die Drahtzieher der „Schmutzkampagne“ sind Russland und die Türkei.

  20. Im Internet ist das so, zumindest wenn man sich zwischendurch mal außerhalb der eigenen Blase befindet. Dass die dauerhafte Opferrolle in Kombination mit einem einfachen „libtards owned“ Narrativ in der Zielgruppe gut ankommt ist ja wohl nicht bestreitbar.

    Anhand dieses Beispiels kann man das ganz gut sehen:
    https://www.volksverpetzer.de/analyse/maassen-baerbock-tweet/

    Punkrock richtete sich damals gegen das konservative/rechte Establishment. Mittlerweile sind die Ideen des Punkrock (Gleichheit, Umweltschutz, Ungerechtigkeiten ansprechen) zumindest als Lippenbekenntnis selbst zum Establishment geworden.
    Die Diskrepanz kommt meines Erachtens dadurch zustande, dass es de facto nicht so ist (z. B. http://www.deliberationdaily.de/2021/06/die-unernsthaftigkeit-bei-der-bekaempfung-des-klimawandels/), aber sich die gemäßigten Konservativen halt dennoch gerne damit schmücken.
    So ein Maaßen oder auch Merz z. B. reitet ja auf der Welle des Rumeierns innerhalb der CXU. Laschet ist das Wellenbad.

  21. @ #25: „Pöse“ ist mittlerweile auch schon Hundepfeife? Monty Python wären nicht begeistert, vermute ich.

    Sagen Sie es doch einfach: Sie sind der Meinung, dass die Ungereimtheiten in Annalena Baerbocks Lebenslauf Grund genug sind, sie als Kanzlerkandidatin abzulehnen. Dürfen Sie sagen, ist kein Problem. Dieses vor sich her getragene Präventiv-Verklausulieren um den Eindruck zu erwecken, man dürfe etwas nicht sagen geht mir so dermaßen auf die Eier.

    Und dann ganz am Ende der Spin: Die Kritik an den de facto existierenden Ungereimtheiten würde als „Sexismus und Frauenfeindlichkeit“ geframt und daher deligimiert. Bull-fucking-shit. Die ekelhaften sexistischen Angriffe gegen weibliche Politikerinnen finden parallel zu den ganzen „Zeig mal dein Zeugnis“-Aktionen statt.
    https://www.spiegel.de/politik/deutschland/annalena-baerbock-die-hass-kampagne-der-maskulinisten-gastkommentar-a-a69b7641-e716-49b2-b660-061d7909e07a

    Und die Lebenslauffetischisten sind selbstverständlich ausschließlich altruistisch daran interessiert, die Fakten gerade zu rücken und nicht etwa, dem politischen Gegner zu schaden. Zwinkerfuckingsmilie.

    Diese Unehrlichkeit und Unaufrichtigkeit ist so entlarvend.
    Aber die mediale Debatte dreht sich um „Ist sie denn nun wirklich Mitglied beim German Marshall Fund?“
    Als ob das vorher irgendwen interessiert hätte!

    Und ich werde nicht mal die Grünen wählen, aber aus anderen, homöopathischen Gründen.

  22. “ Mittlerweile sind die Ideen des Punkrock (Gleichheit, Umweltschutz, Ungerechtigkeiten ansprechen) zumindest als Lippenbekenntnis selbst zum Establishment geworden. “
    Tut nicht viel zur Sache, aber entscheiden: NEIN.

    Ich empfehle dringend „Lipstick traces“ von Greil Marcus zu lesen.
    „The book covers 20th century avant-garde art movements like Dadaism, Lettrist International and Situationist International and their influence on late 20th century countercultures and The Sex Pistols and punk movement. “

    Punk läßt sich keinem politischen Lager zuordnen, auch wenn es mit Anarcho Punk und dem, was sich daraus entwickelte ( Crass, Oi polloi und schliesslich auf Red Skins auch klar radikal linke Positionen zeigten ).
    Aber Dackelkrawatten, zwangsgesteuerte Faschisten als Geschichtslehrer oder marktradikale Sozialdarwinisten, matchen da gar nicht.

  23. Puh, also die akademisch-historische Definition hatte mich da gar nicht so interessiert.
    Mir ging es da eher um die Art und Weise: Wir sind die einzigen, die noch „echte“ Kritik üben, daher sind wir moralisch überlegen und dürfen auch ohne bessere Vorschläge an allem rumnörgeln und wehe man widerspricht, dann ist man Feind.
    Passt zum Punk und zur AfD.

    Diesen Duktus hat die Band „Tod und Mordschlag“ mal sehr treffend im Song „Autonome“ verarbeitet.

  24. Hm, also eher die unterkomplexe ( sry ) Variante, in etwa wie Antifa Mitgliedsausweis und BRD GmbH, der stereotype Autonomen-quark.

    Ich weiss, dass „das ist heute Punkrock“ so ein geflügeltes Wort ist.
    Nur eben idR von Leuten, die keine Ahnung haben, was „Punkrock“ ist. Der Buchtip war ernst gemeint. Das Buch von Greil Marcus ist sehr unterhaltsam und interessant. Tatsächlich gehen die Verweise auch bis zurück ins Mittelalter zu den sog. „Freidenkern“.

  25. Ja ich hab mich auch etwas in Rage geschrieben, sorry.
    Muss jetzt erst mal das Bildblog Buch lesen ;)

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