Missstände bei DW Arabia

Wie kann die Deutsche Welle ihre Werte so verraten?

Exklusiv für Übonnenten

­Lange Zeit galten westliche Radiosender wie die britische BBC und das französische Radio Monte Carlo mit ihren arabischen Programmen als vorbildliche Medien in der arabischen Welt – einer Welt, in der die Menschen nur Staatssender kannten, die regimetreue Propaganda verbreiten.

Dann kamen arabischsprachige Fernsehkanäle aus dem Westen hinzu und es entstand eine Debatte über ihren Auftrag und die Botschaften, die sie vermitteln. Zu diesen Sendern gehört auch DW Arabia, ein Kanal der Deutschen Welle, deren Budget von fast 400 Millionen Euro aus deutschem Steuergeld finanziert wird. Zum Auftrag der Deutschen Welle gehört es, ein positives Image Deutschlands in der Welt zu verbreiten, zudem Demokratie, Menschenrechte, Zivilgesellschaft und Frauenrechte zu stärken.

Als ich noch in Syrien lebte, kannte so gut wie keiner meiner Bekannten DW Arabia. Der Sender war zu blass, die vier Nachrichtensendungen, alle am Nachmittag, waren zu wenig, zu unoriginell und zu unattraktiv – sowohl inhaltlich wie stilistisch und optisch. Hinzu kam, dass der Sender kein Netzwerk an Korrespondenten hatte, die aus der Region berichteten, und viele Wiederholungen brachte.

Ende 2015, kurz nachdem die Anzahl arabischsprachiger Menschen in Deutschland stark zunahm, richtete DW Arabia ein spezielles Angebot für die Neuankömmlinge ein. Für viele Geflüchtete wurde diese arabische Redaktion zu einer wichtigen Quelle für Informationen aus Deutschland und aller Welt. Auch für mich, als ich 2015 aus Syrien nach Deutschland flüchtete.

Nachdem ich hier angekommen war, begann ich, das Programm von DW Arabia regelmäßig zu verfolgen. Ziemlich schnell fielen mir Widersprüche in der redaktionellen Linie auf: Mal heißt die syrische Armee „Assads Armee“, mal „reguläre Armee“, mal „Armee der syrischen Regierung“; das gleiche gilt für die „syrische Revolution“, den „Aufstand in Syrien“, den „Bürgerkrieg in Syrien“.

Damals dachte ich, das wären bloß Flüchtigkeitsfehler. Mit der Zeit wurde mir klar, dass es um Politik geht, um die Weltsicht einzelner. Es gibt offenbar keine einheitliche Linie wie in anderen Redaktionen, wie etwas formuliert oder benannt wird, auch bei zentralen Begriffen nicht. Je nach verantwortlichem Redakteur ändert sich die Benennung. Da spielt natürlich auch seine politische Auffassung mit hinein.

Foto: IMAGO / imagebroker

Nicht immer vor Ort

Von Bedeutung fü…

6 Kommentare

  1. Klingt schlimm. Aber eine einheitliche redaktionelle Linie vorzuschreiben klingt überhaupt nicht zielführend. Erstens ist das ein Eingeständnis, dass man eben doch nicht unabhängig berichtet, sondern sich auf einen festen Standpunkt festgelegt hat. So wie die BILD ihren Redakteuren vorschreibt, Israel zu lieben.

    Un zweitens scheint das Problem hier doch ein Mangel an journalistischer Unabhängigkeit zu sein, und kein Überschuss. Die kritischen Journalisten können nicht schreiben wie sie wollen, weil sie von mächtigeren Menschen daran gehindert werden.

  2. Zunächst einmal vielen Dank an Übermedien und an Yahya Alaous hier über diese Zustände in der DW zu berichten.
    Ich unterstelle dem deutschen Journalismus ein profunde Kenntnis und dedizierte Meinungen über Deutschlands wirtschaftliche Beziehungen zur Arabischen und Persischen Welt, wenn es um die Waffenschmieden, ihre Exporte, den Maschinenbau und seine Bedeutung für den deutschen Wohlstand geht. Waffen haben ihre geliebte Tradition in Deutschland, der Stahl von Krupp ist die Metapher wie die Lederhose aus Bayern die Metapher für die doch im Kern friedliche biertrinkende deutsche Nation (hätte Serbien 1914 und Polen 1939 sie nicht provoziert -sicherheitshalber schreibe ich noch dazu: Ironie off), die in letzter Zeit um ihre Identität ringen muss, weil die arabischen Verhältnisse sie darum bringt.
    Die Goethe Institute sind da der einzige Lichtblick in der bundesrepublikanischen Geschichte. Das war‘s aber auch schon.
    Aber genauso unterstelle ich ihm, dem deutschen Journalismus, und das vor allem dem öffentlich rechtlichen, nur wenig Kenntnisse über die differenzierten Lebenswelten der arabischen Welt zu haben. Und wer sie nicht hat, kann sie auch nicht vermitteln. Und wo kein Wille ist, ist auch kein Weg.
    Also: machen Sie weiter, Herr Alaous, berichten Sie und klären Sie auf. Danke schön.

  3. Peter Limbourg kann offenbar weiterhin machen was er will. Es gibt keine Kontrolle. Danke für diesen erneut schockierenden Einblick in das Innenleben dieses Farce-Senders.

  4. Da scheinen tatsächlich ein paar Dinge im Argen zu liegen. Auch dass man die vermeintlichen Quertreiber entlässt statt ein strukturelles und/oder Managementproblem zu lösen, ist leider heutzutage gängige Praxis in großen Organisationen.

    Fast schon witzig finde ich dann das: „Dort [in Talkshows] wurde er [Suliman] als „Deutschlandexperte“ oder auch „Integrationsexperte“ präsentiert“
    Also hat die Deutsche(!) Welle keinen anderen Deutschland(!)experten gefunden als einen ehemaligen Al-Jazeera-Mitarbeiter?
    @DW Arabia: Ich könnte ein halbes Dutzend arabisch Sprechende vermitteln, die sich mit Deutschland so gut auskennen, wie jede/r der anderen 83 Mio. Bundesbürgerinnen und -bürger, allerdings ohne unklare Verbindungen zu Terrorregimen. Sag’s nur.

  5. Ich hätte ein paar Fragen zu dem Artikel.

    Dass der Herr Suliman ein „Assad-Apologet“ sein soll, steht zwar so in dem verlinkten Merkur-Artikel, wird dort aber nicht näher begründet. Nach einiger Suche konnte ich über Herrn Suliman nur herausfinden, dass er sich gegen den Einfluss von Staaten wie Saudi Arabien und Katar sowie von Muslim-Brüderschaften stellt und den Westen dafür kritisiert, die genannten Staaten aus wirtschaftlichen Interessen zu unterstützen. Und er kritisiert den Westen für die militärischen Eingriffe in Syrien (z.B. in einer Diskussion bei Maybrit Illner, dazu der Merkur-Artikel) nach dem angeblichen Giftgas-Einsatz durch das Assad-Regime wie auch grundsätzlich die Militär-Einsätze des Westens in anderen arabischen Ländern. Al-Jazeera hat er unter Protest aufgrund des aus seiner Sicht zunemenden Einfusses durch Katar verlassen. Soviel konnte ich zusammensuchen und ich sehe da keine Position, die besonders skandalös wäre oder die ihn als Assad-Apologeten qualifiziert. Er hat einmal gesagt, dass Syrien demonkratisch werden müsse und der Westen dann eine reguläre Wahl Assads akzeptieren müsse, aber auch das halte ich für eine valide Position. Dazu muss man kein „Assad-Apologet sein“, das sehen die meisten Linken ganz ähnlich.

    Was die politische Ausrichtung (!) von DW Arabia angeht, so heißt es: „Mehrere DW-Mitarbeiter berichten mir …“, „Das zeigen auch Dokumente, die ich einsehen konnte.“, „Zwei ehemalige Mitarbeiter der Arabischen Redaktion meinen …“, „Ein Mitarbeiter aus der Gründergeneration der arabischen Redaktion hat mir erzählt …“, „Für mich ist klar: …“

    Das kann ja alles stimmen. Vielleicht ist Herr Suliman ein glühender Assad-Anhänger, aber das müsste sich doch konkret belegen lassen. Vielleicht gibt es einen Assad-freundlichen Kurs bei DW Arabia, aber das müsste doch mit Beispielen belegbar sein. Das wäre für mich dann wesentlich überzeugender. Zumal Herr Alaous ja selbst eine anscheinend sehr konkrete Überzeugung zu dem Syrien-Konflikt zu haben scheint. Mir ist das hier zu viel Meinung und zu wenig belegbare Information.

    Zudem irritiert mich die Forderung nach einheitlichen Sprachregelungen. Das klingt für mich viel eher, als wolle da jemand DW Arabia auf eine einheitliche Linie festlegen, und das widerspricht doch eigentlich journalistischen Grundprinzipien, oder nicht?

    Disclaimer: Ich bin kein Assad-Apologet.

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