Holger ruft an (16)

Facebook und die Verlage: Fremde oder Freunde?

Facebook hat in Australien die Verlage entfreundet: In dem sozialen Netzwerk werden seit Mittwoch keine Links und keine Inhalte mehr von Medienhäusern angezeigt (und als Kollateralschaden auch die Inhalte vieler anderer Seiten, inklusive einer eigenen Facebook-Seite von Facebook).

Es ist Facebooks Antwort auf ein Gesetz, das gerade im australischen Parlament kurz vor der Verabschiedung steht und in erster Linie Facebook und Google dazu verpflichten soll, für journalistische Inhalte zu bezahlen. Und zwar allein schon für Links. So sollen die in den letzten Jahren weggebrochenen Werbeeinnahmen ausgeglichen werden, die auch in Australien zu größten Teilen zu den Internetkonzernen abgewandert sind.

Erst Australien, dann Europa?

Die Diskussionen rund um das Gesetz kommen einem bekannt vor. Stichworte Leistungsschutzrecht und EU-Urheberrecht.

Das Hauptargument der Plattformen, warum sie den Verlagen gar nichts schulden, ist dabei immer das gleiche: Wir schicken euch Leser. Das Argument der Verlage, warum sie was vom Werbekuchen abhaben wollen, ist ebenfalls überall das gleiche: Erst durch unsere Inhalte werdet ihr attraktiv.

Und wer hat recht, Julia Reda? Das fragt Holger Klein in unserem Podcast die Expertin für das digitale Urheberrecht und frühere EU-Parlamentsabgeordnete. Sie meint, dass ein solche Gesetz der falsche Ansatz sei: Das Geld zur Förderung von Journalismus sollte nicht an das Verlinken und Verbreiten von Artikeln geknüpft werden.

Aber was dann? Man müsste die Digitalunternehmen – auch Amazon – stärker besteuern und aus diesen Einnahmen den Journalismus fördern, schlägt Reda vor.

Aber sind wir dann nicht bei Staatsmedien angekommen, die aus Steuern finanziert werden? Und zeigt Facebook nicht gerade, indem es schon vor Inkrafttreten des Gesetzes die Inhalte der Verlage sperrt, wie es seine Marktmacht ausnutzt? Und was erwartet eigentlich die Nutzer*innen in Deutschland, nachdem der Europäische Gerichtshof das Leistungsschutzrecht 2019 gekippt hat?

Darüber diskutieren Reda und Klein in unserem Podcast „Holger ruft an“.

(Sie können den Podcast auch über die Plattform oder App Ihrer Wahl hören. Hier ist der Feed.)

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Ein Kommentar

  1. Holger Klein ist ernsthaft der Meinung, Facebook sei für die Nutzer erst dadurch interessant, dass dort Pressetexte verlinkt seien.
    Vielen Dank.
    Jahrelang habe ich nach d e m Beispiel dafür gesucht, dass Journalisten die am meisten abgeschotteten Filterblaseninsassen von allen sind, und er schenkt es mir einfach mal so en passant. Holger kann wahrscheinlich ohne innere Rechtfertigung nicht Facebook aufmachen und macht er es mal widerwillig und von Schuldkomplexen zerrissen heimlich doch auf, wie ich früher die BRAVO, dann sieht er die ganzen Katzenbilderorgien nicht. Er fixiert sich auf den wirklichen Content. Und findet er dann mal unter dem ganzen Schrott, der Facebook als grösste Trashhalde der Menschheitsgeschichte überhaupt für die meisten attraktiv macht, einen Link zur NYT oder gar zu @übermedien, dann murmelt er für sich: ‚Dafür muss es Facebook geben, damit auch die Leute an Nachrichten kommen, die den offiziellen Kanälen verlorengegangen sind, warum auch immer. D a s macht es so attraktiv.‘
    Weltfremder kann kein Einsiedler denken.

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