Gerichtsprozess

Mobbing von oben? Japanische Mitarbeiterin verklagt ihre Vorgesetzte im ARD-Studio Tokio

Exklusiv für Übonnenten

„Arbeiter und Angestellte wollen sich nicht mehr herumkommandieren, beschimpfen und herabsetzen lassen, wie es in vielen Unternehmen gang und gäbe ist.“ So formuliert es der ARD-Hörfunk voriges Jahr in einem längeren Radio-Feature aus Japan. „Immer mehr“ Menschen würden dort gegen ihre Arbeitgeber vor Gericht ziehen, „weil sie sich schlecht behandelt fühlen“. In außergerichtlichen Vergleichen erhielten sie dann „meistens ihr Recht“.

Logo des ARD-Studios Tokio Foto: ARD

In dem Beitrag geht es natürlich insbesondere um japanische Mitarbeiter in japanischen Unternehmen. Dabei hatte schon damals ausgerechnet das ARD-Studio in Tokio, Abteilung Hörfunk, seinen ganz eigenen Fall: Eine japanische Mitarbeiterin klagt gegen ihre deutsche Vorgesetzte. Wegen Mobbings. Sie fordert rund 6,5 Millionen Yen Schmerzensgeld von ihrer Chefin, umgerechnet gut 50.000 Euro.

Für „Mobbing von oben“, also durch Vorgesetzte, gibt es in Japan einen eigenen Begriff: pawahara (パワハラ), in Anlehnung an das englische power harassment. Die Gesetze dazu wurden erst 2019 verschärft, und auf die bezieht sich nun auch die Klägerin.

Die alleinerziehende Mutter arbeitet seit gut 14 Jahren festangestellt im ARD-Studio Tokio, zuvor war sie dort bereits frei beschäftigt. Als Hörfunk-Producerin plant, recherchiert und übersetzt sie für die deutschen Kollegen, aber sie ist auch selbst journalistisch tätig. Sie behauptet, seit gut zwei Jahren von ihrer (damals neuen) Chefin im ARD-Studio schikaniert zu werden.

Gewerkschaft: Kontinuierliche Eskalation

Vertreten wird die Klägerin von Minpororen, der Gewerkschaft für Rundfunk-Mitarbeiter, die in einem Schreiben von „einseitigen Änderungen der Arbeitsbedingungen zum Nachteil unseres Mitglieds“ und „abscheulichen und psychisch gewalttätigen Anschuldigungen und Erniedrigungen“ durch die Vorgesetzte spricht. Die Gewerkschaft stellt es als kontinuierliche Eskalation dar.

5 Kommentare

  1. Wenn eine Mitarbeiterin eine andere zivilrechtlich verklagt – wieso gewährt der Sender dann der einen Mitarbeiterin – und nur dieser – rechtliche Unterstützung, sogar von Top-Anwält*innen, die entsprechend teuer sein dürften? Warum schlägt sich der Sender umstandslos auf die Seite der Vorgesetzten?

    Auch wenn man vieles in so einem Fall von außen schlecht einschätzen und unmöglich prüfen kann: Diese klare Parteinahme spricht doch für ein merkwürdiges Top-Down-Selbstverständnis des Senders und damit für ein strukturelles Problem.

  2. Falls die ARD schon in Japan eine derart merkwürdige Umgangsweise mit lokalen Mitarbeitern pflegt, wie mag das erst in Ländern mit prekäreren Lebensumständen sein?

  3. Bitte bleibt da mal dran.
    Es wäre interessant, ein paar konkrete Beispiele für die unterschiedliche Behandlung etc zu erfahren.

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