In your face!

Beim Applaus schaut sie nach unten. Schließt kurz die Augen, die Lider flattern einen Moment. Dann erwartungsvolle Spannung, vielleicht auch Befürchtung in ihrem Gesicht, wie diese Rede wohl weitergehen mag.

„Nicht was ihr jetzt denkt.“ Ein gequältes Lächeln. Sie schließt erneut kurz die Augen, beißt sich auf die Unterlippe. Dann ein Blick nach oben, kurz vorm Augenrollen, doch nicht, nur die Augenbrauen heben sich subtil. Weiterhin das diplomatische, höfliche Lächeln. Ein hilfesuchender Blick zur Seite.

Linda Teuteberg während der Rede von FDP-Chef Christian Lindner beim Bundesparteitag der FDP 2020 in Berlin
Linda Teuteberg während der Rede von FDP-Chef Christian Lindner beim Bundesparteitag der FDP 2020 in Berlin. Screenshots: Phoenix

Den Gesichtsausdruck von Linda Teuteberg, der am Samstag auf dem FDP-Bundesparteitag aufgenommen wurde, kennt jede Person, die schon mal in der Öffentlichkeit, in kleinem Rahmen oder auf größerer Bühne, in welcher Form auch immer, gedemütigt wurde und sich irgendwie dazu verhalten musste.

Frauen kennen diesen Gesichtsausdruck, wenn sie in einer Männerrunde einen degradierenden Witz über sich ergehen lassen müssen. Auch Ostdeutsche und/oder Menschen mit sichtbarem Migrationshintergrund kennen ihn, wenn sie gequält lächelnd irgendeine stereotypische Zuschreibung hinnehmen. Homosexuelle kennen ihn, wenn in einer Runde voller Heterosexueller jemand gönnerhaft zu ihnen sagt: „Solange keine Kinder betroffen sind, hab ich kein Problem mit eurem Lebensentwurf.“

Kein Entrinnen für Teuteberg

Bei Teuteberg nun wirkte es so, als wollte sie sich eigentlich nicht dazu verhalten, beziehungsweise: als wollte sie sich nicht dazu verhalten müssen. Es ist ein erzwungenes Mienenspiel, bei dem die Gesichtszüge flüchten wollen – die konnten im Falle von Teuteberg jedoch nirgendwo hin, denn es wurde alles gefilmt und in Großaufnahmen unerbittlich eingefangen, als Christian Lindner sagte:

„Ich denke gerne daran, Linda, dass wir in den vergangenen 15 Monaten ungefähr 300 Mal, ich hab mal so grob überschlagen, ungefähr 300 Mal den Tag zusammen begonnen haben.“ Vereinzelte Lacher im Saal. Pause. Lindner fährt fort: „Ich spreche über unser tägliches, morgendliches Telefonat zur politischen Lage. Nicht, was ihr jetzt denkt.“

Ha, Brüller, da war wohl jemand in der Annegret-Kramp-Karrenbauer-School-of-Comedy. Ich weiß auch nicht was unlustiger ist, dieser Nicht-Witz oder die Vorstellung, jeden Morgen mit Christian Lindner telefonieren zu müssen.

Lindner beteuerte später, dass es nicht seine Absicht gewesen wäre, einen Gag zu platzieren:

Lindners recyclter Witz

Gegen diese Erklärung spricht allerdings der Umstand, dass er ein wortgewandter und routinierter Rhetoriker ist, die Kunstpause nun ja, sehr kunstpausig wirkte und er diese misslungene Pointe in den letzten drei Jahren bereits mehrfach gemacht hat. Mal mit Claudia Roth …

… und mal mit Jens Spahn.

Ein professioneller Komiker recycelt eben seine besten Gags.

Gegen die unterstellte Absicht könnte genauso jedoch der Umstand sprechen, dass er – wie schon gesagt – ein wortgewandter und routinierter Rhetoriker ist – und daher eine Person, die zu klug ist, um allen Ernstes so eine breitbeinige Zote in eine Rede einzubauen.

Aber: Im Grunde ist es auch egal, denn unabhängig davon, ob der Herrenwitz einer war oder eben einer wurde, liegt der Sexismus ohnehin eine Ebene tiefer; nicht nur in dem unangenehmen Ausfall, sondern vor allem in der gesamten Architektur der Szene, in der Lindner Teuteberg adressierte. In diesem peinlich-berührenden Moment wurde eine machtstrukturelle Ungleichheit sichtbar, die bedingte, dass Teuteberg nicht anders auf diese Übergriffigkeit zu reagieren vermochte, als sie über sich ergehen zu lassen.

Teil dieser Architektur ist nämlich auch, dass jede Reaktion, die über Gefasstheit hinausgeht, ihr als Emotionalität, Dünnhäutigkeit oder Übersensibilität negativ ausgelegt hätte werden können – Attribute, die stereotypisierend Frauen im Beruf zugeschrieben werden, um ihre Belastbarkeit und Kompetenz in Frage zu stellen. Egal, ob sie reagierte hätte („hysterisch“) oder es eben nicht tat („hat sich nicht gewehrt“), es wird ihr als als weiblich definierte Unprofessionalität vorgehalten.

Nahaufnahmen wie im Film

Teutebergs Gesicht wurde in der Konstellation dieses rhetorischen Tiefschlags zu einem besonderen affektiven Bild unausgesprochener, unsichtbarer Machtstrukturen und politischer Vermittlung, denn ihre Mimik ersetzte jeden Kommentar, sprach Bände und das in einer universellen Form, die man normalerweise mit dieser Wirkung vor allem aus dem Film kennt: durch eine Großaufnahme.

Ich ertappte mich dabei, wie ich beim Schauen des Parteitagvideos an einen Close-Up-Klassiker der Filmgeschichte schlechthin denken musste: den Historienfilm „Die Passion der Jungfrau von Orléans“ (1928) des dänischen Regisseurs Carl Theodor Dreyer. Ein Film, der nahezu nur aus Großaufnahmen besteht, in denen sich auf dem Gesicht der Schauspielerin Renée Falconetti das gesamte unterdrückte Leiden einer Frau abzeichnet, die in machtpolitischen Spielchen verwaltet und der dann am Ende ein demütigender Inquisitionsprozess gemacht wird. Komisch, kommt einem irgendwie bekannt vor.

Dieser Film etablierte die Großaufnahme im Bewegtbild auf neuartige Weise als erzählerisches Mittel. Filmtheoretiker wie Béla Balázs oder Gilles Deleuze haben anhand von Dreyers Film beschrieben, wie das menschliche Gesicht in der Großaufnahme auf spezifische Weise changiert: Zum einen zeichnen sich auf ihm Reaktionen auf etwas anderes ab, es nimmt diese auf. Zum anderen aber spiegelt es das Empfangene auch und gibt es auf eine veränderte Form ab. Das Gesicht wird somit zu einer Art doppelter Projektionsfläche, da es etwas sichtbar macht und zugleich etwas aus sich heraus reflektiert. In dieser Gleichzeitigkeit von Empfangendem und Reagierendem kann in der Großaufnahme eines Gesichts eine gewisse Unbestimmtheit entstehen, eine Spannung, bei der unklar ist, wohin diese führt.

Ein ganzes innerparteiliches Drama in einem Gesicht

In den Großaufnahmen von Linda Teuteberg ist dieses unbestimmte Oszillieren deutlich wahrzunehmen. In ihrem Gesicht lässt sich das schwer erträgliche Wechselverhältnis zwischen gleichzeitigem Einstecken(müssen) und Verhalten(müssen) ablesen, das zudem eine tiefere Wahrheit über die strukturellen, politische Kräfteverhältnisse zu offenbaren scheint.

Ich würde sogar sagen, dass Teutebergs Geschicht auf sonderbare Weise in diesen Aufnahmen zu einem politischen Gesicht wird, da im Zusammenspiel mit dem Blick auf Lindner sich in Teutebergs Mimik ein ganzes innerparteiliches Drama entfaltet, das mehr Aussagekraft besitzt als lange Dialoge und Lindners Ansprache.

In ihrer Arbeit „Face, Facework and Political Discourse“ haben die Psychologen Peter Bull und Anita Fetzer in der „Revue internationale de psychologie sociale“ den englischsprachigen politischen Diskurs anhand des Gesichter seiner Akteure und ihrer Gesichtsarbeit untersucht.

Sie betrachteten hierbei den Einsatz eines, wie sie es nennen, positiven und negativen Gesichts in Fernsehinterviews, in aufgezeichneten parlamentarischen Debatten und Ansprachen. Je nach politischem Genre wurde zumeist gezielt ein passendes Gesicht aufgesetzt, doch der spannendste Moment ist der der politischen Rede: Denn oft wird die politische Ansprache auch benutzt, um einen politischen Gegner dazu zu bringen, seine Gesichtszüge entgleiten zu lassen, indem man ihn adressiert, attackiert, beleidigt und über ihn spricht – ohne ihm die Möglichkeit einer augenblicklichen Erwiderung zu gestatten.

Im Grunde funktioniert auch das jährliche „Derblecken“ auf dem Münchner Nockherberg nach diesem Prinzip: Es werden Witze auf Kosten von anwesenden PolitikerInnen gemacht, die diese aushalten müssen. Als Zuschauer lacht man über die karikierende Kritik, aber vor allem darüber, wie sehr die kritisierten Politiker sich vor den Fernsehkameras bemühen, gute Miene zum Spiel zu machen – und angestrengt mitlachen.

Das Gesicht wahren und sein Gesicht verlieren meint hier sowohl das politische Gesicht als auch ganz konkret das physische. Mit einer ähnlichen Situation hatten wir es auch zu tun, als Angela Merkel auf dem CSU-Parteitag 2015 stoisch die Rede von Horst Seehofer über sich ergehen lassen musst und ihr Pokergesicht im Grunde bereits alles kommunizierte, was es dazu zu sagen gab.

Wann wird aus der Großaufnahme Voyeurismus?

Was nun den Einsatz der Großaufnahme in der politischen Berichterstattung angeht, bin ich in einem Dilemma: Wenn erst oder vor allem das Gesicht das sichtbar macht, was durch joviale Rhetorik und rhetorischer Selbstvermarktung verwischt werden soll und kann, müsste es als Bildelement viel häufiger zum Einsatz kommen, um mehr die Bezeichneten beobachten zu können als die Bezeichnenden, um bestenfalls visuell eine unmittelbare Wahrheit über die politische Wirklichkeit zu erfahren.

Zugleich hat diese Draufhalten natürlich etwas Voyeuristisches, Invasives, Ausbeuterisches, denn das Gesicht ist der Ort, an dem das Politische auch privat wird. Brauchen wir die Großaufnahme der Demütigung, um das Ungleichgewicht der Situation zu erkennen?

Nun, zumindest bei den Knaller-Pointen von Politikern möchte ich weiterhin in Großaufnahme sehen, wie keiner lacht.

60 Kommentare

  1. Ihr seid so gute Menschen hier, denen nie, nie, nie mal was durchrutscht, was nicht 100% steril und hinsichtlich aller möglichen Erniedrigungsopfer dreißigmal glattgebügelt wurde.

    Kein Wunder, dass ihr geradezu zerbrecht an der Schlechtigkeit der ganzen Welt.

  2. Wenn eine Anspielung gemacht wird, daß zwei Personen, von denen eine eine Frau und die andere ein Mann ist, miteinander Sex gehabt haben könnten, dann wird offenbar davon ausgegangen, daß dies ein Witz zu Lasten der Frau sei. Nicht nur Samira El Ouassil hier bei den Übermedien, auch Margarete Stokowski in ihrer Spiegel-Kolumne äußert sich ja entsprechend.

    Dabei ist bei der hier vorliegenden Konstellation eindeutig Christian Lindner das Sexobjekt. Er ist der schnuckelige Dressman, bei dem sogar Frank Plasberg im Rahmen der Wahlberichterstattung extra betont, er wolle ich „nicht anmachen“. Wieso wird dann aber gar nicht in Betracht gezogen, daß Herr Lindner einen Scherz über sich selbst gemacht hat?

    Offenbar besteht haben sowohl Samira El Ouassil als auch Margarete Stokowski immer noch die alte patriarchale Vorstellung verinnerlicht, daß ein Mann, der Sex hat, ein toller Hecht sei, während eine Frau keinerlei sexuelle Affaire haben dürfe.

    Und das finde ich sehr traurig.

  3. „Und das finde ich sehr traurig.“ Es wird darauf abgestellt, dass man den Witz umgekehrt nicht machen würde.
    Also Merkel nicht über Seehofer.
    Was natürlich nur am Patriarchat liegt und nicht daran, dass Merkels Humor ein anderer ist, nämlich… ähhh… [File not found]

  4. @4
    Verblüffend, wie verquast man denken kann.
    Falls ich den Ironie-Button übersehen habe: Tschuldigung, is schon spät.

  5. @Daniel Rehbein: Klassische Täter-Opfer-Umkehr. Verbrüderle. Lassen Sie sich helfen! Oben steht, wie die Frau reagiert, auf den herablassenden „Witz“, den Ihr „Schnucki“, der sie zudem politisch abgesägt hat, da erzählt. Sie wirkt nicht wie ein präpotent grunzender Realität gewordener Alt-FDP-Herren-Witz, der sich bestätigt fühlt, und sich gleich noch einen an der Theke genehmigt.

  6. Daß Frank Plasberg öffentlich sagt, er wolle Christian Lindner „nicht anmachen“, um dann über dessen Sex-Appeal zu sprechen, das habe ich mir ja nicht ausgedacht, das ist ja tatsächlich so passiert.

    Und doch ist es offensichtlich in der Gedankenwelt vieler Menschen fest verdrahtet, daß Sexobjekte immer nur Frauen sind, niemals Männer. Und selbst, wenn man (wie ich in Kommentar #4) explizit darauf hinweist, daß man sich von dieser patriarchalen und heteronormativen Sichtweise doch heutzutage endlich gelöst haben sollte, selbst dann wird vehement daran festgehalten.

  7. @Daniel Rehbein
    Dann hätte CL den Witz aber ziemlich schlecht formuliert. Da hätte er nämlich so was sagen müssen wie: „Dass Du das Vergnügen hattest mit mir aufzuwachen…“ oder so. Die Formulierung war aber aber genau anders herum, dass das Vergnügen auf seiner Seite war. Demütigung per Witz funktioniert übrigens nur mit Machtgefälle, falls Ihnen das ein Begriff ist.
    Naja, wie auch immer, wenn Sie Ihren Kommentar ernst meinten, kann man das nicht ernst nehmen und wenns Sie lustig meinten, kann man darüber nicht lachen. Tut mir leid.

    @Mycroft
    Es wird immer wieder darüber berichtet, dass Merkel in kleiner Runde einen sehr feinen und selbstironischen Humor hat. Manche öffentliche Bemerkung über Trump zeigte das durchaus. Und die Sommer-BPK mit ihr soll auch meistens recht ämusant sein. An der beschriebenen Szene 2015 aufm CSU-Parteitag war indes ja nichts lustiges dran. Und im Allgemeinen hat Frau Merkel es einfach nicht nötig, jemanden per Witz zu demütigen. (Was erstmal natürlich nichts damit zu tun hat, dass sie eine Frau ist.)

  8. Nur dass Sexobjekt Lindner gerade seine tägliche Morgenbegleitung ihres Postens enthoben hat. Als Chef. Insofern hat er Schluss gemacht und anstatt sie respektvoll zu verabschieden, sexualisiert er den Kontext. Ungewollt oder gewollt, beides ist peinlich und unwürdig auf der Bühne.
    Brüderle im Herzen…

  9. „Es wird immer wieder darüber berichtet…“ [insert yeti joke here] Auch feiner Humor kann von Menschen kommen, die ihre Mitmenschen nicht leiden können, aber einfach zu schlau sind, sich das anmerken zu lassen, um keine angriffsflächen zu bieten.

    „Dann hätte CL den Witz aber ziemlich schlecht formuliert.“ Wird ja auch von niemanden bestritten, allerdings: „Dass Du das Vergnügen hattest…“ käme ja NOCH demütigender rüber – nicht er hätte den Spaß gehabt, sondern sie, weil ER ja so toll ist. In jeder Beziehung.
    Kann ja sein, dass das demütigend gemeint war, aber das ginge auch mit einer Frau im Parteivorsitz über einen Mann im Publikum, der gerade weggelobt wurde und sich vergiftete Komplimente anhört.

  10. Also Herr Sievert, nun wird die Diskussion aber ganz komisch. Davon, daß Herr Lindner mit jemandem zusammen aufgewacht ist, hat er gar nicht gesprochen. Wenn er das Wort „aufgewacht“ eingeflochten hätte, wäre das deutlich intimer gewesen. Statt dessen hat er dieses völlig vage „Nicht, was ihr jetzt denkt“ eingeflochten, nachdem der Sachverhalt eigentlich schon klar war.

    Ich mache diese „Nicht, was ihr jetzt denkt“-Scherze durchaus auch gerne mal. Zum Beispiel sage ich bei der Begrüßung zu einem morgendlichen Besprechungstermin:

    „Ich bin heute mit dem Zug gekommen. Also nicht, was Sie jetzt denken. Ich bin bloß als Fahrgast mitgefahren.“

    Das ist natürlich auch nicht der Brüller. Es gehen vermutlich alle Anwesenden ohnehin davon aus, daß ich mir keine eigene Lokomotive geleast habe, sondern in einer Bahnverbindung im Rahmen des öffentlich einsehbaren Fahrplans mitgefahren bin. Aber es ist einfach ein lockerer Satz, um nicht gleich so ernst anzufangen.

    Die Äußerungen von Herrn Lindner sind auch nicht der Brüller. Die Zuhörer werden vermutlich ohnehin davon ausgehen, daß er nicht über sexuelle Affairen sprechen will. Es war vermutlich auch nicht explizit als Witz gemeint, sondern eher eine sprachliche Assoziation bei bestimmten Wörtern.

    Nun will ich das gar nicht in Abrede stellen, daß es ein Fehler ist, in beruflichem oder politischen Kontext sexuelle Anspielungen zu machen.

    Ich stelle aber die Frage: Warum funktionieren diese Worte überhaupt, warum haben die Zuhörer bei „Nicht, was ihr jetzt denkt“ die gleiche Assoziation wie der Redner? Wäre das genauso, wenn die Geschlechter anders wären, wenn also eine Frau Lindner mit denselben Worten über ihr morgendliches Telephonat mit einem Herrn Teuteberg sprechen würde?

    Ist es wirklich nur das Machtgefälle zwischen den beiden Personen, weshalb die Situation von Samira El Ouassil und von Margarete Stokowski so bewertet wird? Würden sie die Situation genauso bewerten, wenn die beiden Personen dasselbe Geschlecht hätten?

    Ich bin überzeugt, daß nicht nur in der Situation selbst, sondern auch in der Bewertung der Situation sehr viel Patriarchat und Heteronormativität hineinspielt.

  11. „Ist es wirklich nur das Machtgefälle zwischen den beiden Personen, weshalb die Situation von Samira El Ouassil und von Margarete Stokowski so bewertet wird?“

    Hauptgrund dafür, dass diese beiden die Situation so bewerten ist, dass die beiden davon leben, Situationen so (und nicht etwa völlig unspektakulär) zu bewerten.

  12. Wie mich diese Empörungsindudtrie nervt…
    Haben manche wirklich keine andere Beschäftigung, als nur zu lauern, was einer sagt, wie es gesagt wird oder ob vielleicht auch mal nichts gesagt wird?

    Wortverdrehungen, Sinnentstellungen, neumodische Prüderie.
    Lindner hat ein Späßchen gemacht, Merz hat auf eine dämliche Frage das gesagt, was geltende Rechtslage ist.

    Wer hat die Zeit, sich über sowas zu empören?
    Leute, geht was arbeiten.

  13. @Daniel Rehbein

    Es ist nicht nur das Machtgefälle. Das Problem ist vielmehr, dass die charmant-pubertäre Art mit der Herr seinen flachen Mittelstufenwitz vortrug, also diese Formulierung „nicht was Sie jetzt denken“ impliziert, dass er davon ausgeht, dass die anwesenden Männer eben doch genauso denken. Und warum denken die so? Weil es um Frauen geht.

    Das lässt sich nicht mehr damit retten, dass es ein Witz war, im Gegensatz zu Ihrem wirklich furchtbar unlustigen Lokführerwitz (das erzählen Sie nicht ernsthaft im beruflichen Kontext, oder?) basiert das hier auf uralten Vorurteilen.

    Ob das zum Skandal taugt, mögen andere entscheiden, dass es mal wieder ein typischer Lindner war, liegt auf der Hand. Der Mann hat im sozial-kommunikativen Bereich noch einiges zu lernen. Das Leben ist eben kein Werbespot und Herr Lindner hat offenbar Probleme das intellektuell zu erfassen. Unter anderem.

  14. Interessant mal wieder, dass sich hier im Thread die Männer wieder dicke machen, um zu entscheiden, was Frauen sich gefallen zu lassen haben. Von Männern. Ohne zu erkennen, dass genau das das Problem ist. Es ist erbärmlich.

  15. @9,10,11
    Wie auch immer. Der Witz war jedenfalls eindeutig auf Teuteburgers Kosten.

    Gehe voll und ganz mit, dass auch ein Mann Opfer einer solchen Demütigung hätte sein können. Dann wäre der Witz halt nicht sexistisch, sondern vielleicht über Gewicht, Größe, Alter oder irgendwas anderes gewesen, wofür der gute Mann nichts gekonnt hätte. Es zeugt eher von Lindners schlechtem Stil, sie erst raus zu schmeißen und dann so einen Witz auf ihre Kosten zu machen.
    Speziell dieser Artikel erwähnt ja auch explizit andere Gruppen (z.B Ostdeutsche), die solchen (normalerweise eher einfach nervigen) Herabsetzungen ausgesetzt sind und legt den Fokus dann auf den Aspekt, dass die Gesichtszüge aufgezeichnet wurden bei der Demütigung und für jedermann sichtbar. Das ist das Hauptthema. Der sexistische Aspekt spielt da keine Rolle mehr.
    Ist der Witz sehr hart? Sicher nicht, aber stellen Sie sich vor, Ihr Chef macht nen blöden Witz über Sie vor voller Mannschaft am Tage Ihrer Degradierung. Dann wirkt es halt nochmal anders, speziell, wenn Sie wissen, dass gerade Kameras auf Sie gerichtet sind.

  16. Merz hat auf eine dämliche Frage das gesagt, was geltende Rechtslage ist.

    Und inwiefern ist die geltende und nebenbei auch vollkommen unstrittige Rechtslage irgendwie relevant im Kontext der Frage?

    Wer hat die Zeit, sich über sowas zu empören?

    Sie zumindest haben offensichtlich die Zeit, sich über die Empörung zu empören :)

  17. @Peter Sievert
    Jetzt schreiben Sie den Namen auch noch falsch, obwohl der im Artikel ziemlich oft genannt wird, toller Witz! Und jetzt kommen Sie mir nur nicht mit halbgaren Entschuldigungen nach dem Motto: „Es war nur ein Versehen.“
    Was muss die arme Frau von den Männern eigentlich noch ertragen?

  18. „…also diese Formulierung „nicht was Sie jetzt denken“ impliziert, dass er davon ausgeht, dass die anwesenden Männer eben doch genauso denken.“ Also wollen Sie implizieren, dass Sie davon ausgehen, dass Frauen nicht so denken? Warum?
    „…dass sich hier im Thread die Männer wieder dicke machen, um zu entscheiden, was Frauen sich gefallen zu lassen haben.“ Wieso nicht? Frauen erzählen Männern doch auch, was sich Männer von ihnen gefallen zu lassen haben.

    „Gehe voll und ganz mit, dass auch ein Mann Opfer einer solchen Demütigung hätte sein können. Dann wäre der Witz halt nicht sexistisch…“ Doch. Eine Demütigung wäre nur dann eine _solche_ Demütigung, wenn der Witz sexistisch wäre. Oder meinetwegen erstmal „nur“ sexuell, der *ismus entsteht durch die Demütigung. Oder meinen Sie, Frauen könnten das nicht?
    „Es zeugt eher von Lindners schlechtem Stil…“ Ja. Wenn Merkel offenbar keine Witze in der Öffentlichkeit reißt – angenommen, Nahles hätte so einen mal über Kühnert gerissen, unter ansonsten gleichen Umständen. Oder, wenn Sie es gerne abstrakter hätten, als Gedankenexperiment die Geschlechtertauschprobe nach Stokowski: Christina Lindner vs. Leon Teuteberg. Gleicher Spruch. Gleiche Reaktion?
    „Der sexistische Aspekt spielt da keine Rolle mehr.“ Genau der Aspekt wird praktisch überall diskutiert.

  19. Die Situation für Linda Teuteberg war – nach der Erwartungspause auf Publikumsgelächter Lindners – eindeutig, sie war Objekt der Selbstdarstellung Lindners. Ihre Mimik bestätigt, sie hat es genau so verstanden, wie auch das Publikum. Dass sie sich danach dankend, lächelnd erhebt, sich also ihrer von Lindner definierten Rolle fügt, das hätte nicht sein müssen. Wäre sie doch aufgestanden und gegangen. Oder ist das für eine FDP-Frau undenkbar?

  20. @Frank Reichelt
    Wieso denn „auch noch“? Was hab ich der guten Frau denn ansonsten getan? Ein Witz war das sicher nicht. Ich war einfach zu faul in dem Moment, am Telefon nochmal hoch zu scrollen. Ich habe übrigens den Namen von ihrem Nachfolger überhaupt nicht auf der Pfanne.
    Für FDP-Mitglieder mach ich da keinen Finger krumm :-p
    Die Entschuldigung, die Sie mir aufoktruieren, gibt es übrigens nicht. Schon gar nicht, wenn Sie mit dem Ausrufezeichen um die Ecke kommen ;-)

    @Mycroft
    Lesen Sie nochmal nach. Ab „Nahaufnahmen wie im Film“ geht es nicht mehr um die sexistische Natur der Demütigung. Sie wird nicht mal beiläufig mehr erwähnt.

  21. @Döhmann-Rohwold
    Nach meiner persönlichen Erfahrung haben Demütigungen eine durchaus lähmende Wirkung. Und wie Frau El Ouassil richtig feststellt: Dann hätte das halt als hysterische Überreaktion gewertet werden können. So zu tun, als ob gar nichts passiert wäre, ist erstmal die zu erwartende psychologische Schutzreaktion, vermute ich.
    Auf ner rationalen Ebene: In Ihrem Alter hat Frau Teuteberg sicher noch Hoffnung auf eine Fortsetzung ihrer politischen Karriere.

  22. „Ab „Nahaufnahmen wie im Film“ geht es nicht mehr um die sexistische Natur der Demütigung.“ Und? Mit „überall diskutiert“ meinte ich offensichtlich nicht nur den obigen Artikel. Und natürlich reicht es, die sexistische/machtmissbräuchliche/sonstige Natur einer Demütigung jeweils einmal zu erwähnen.

  23. @Mycroft
    Wenn Sie aus einem Absatz zitieren, den ich mit „Speziell in diesem Artikel…“ beginne und entsprechend ausführe, können sie mir schlechterdings die Aussagen darin mit Beobachtungen im Rest der Welt widerlegen.

  24. @24
    Wie andere wohl ihr Verhalten werten, läuft auf die alte lähmende Frage hinaus: „Was denken die anderen von mir?“
    Sie hat sich für loyales Verhalten einem illoyalen Lindner gegenüber entschieden, ob das die FDP für Frauen attraktiver macht?

  25. Eine treffende & gelungende Analyse. JA! So ist es. JA! Die Momente sind real, in denen Frauen miese Witze auf ihre Kosten weglächeln, um sich nicht ins Abseits zu schießen. NEIN! Frauen machen in der Regel keine Sexwitze auf Kosten der Männer in großer Runde, während die Männer beschämt zur Seite schauen. Das ist die Realität. Ich bin froh daß es endlich thematisiert wird.

  26. „Wenn Sie aus einem Absatz zitieren, den ich mit „Speziell in diesem Artikel…“ beginne …“ Die Aussage „spielt keine Rolle mehr“ klang für mich so, als hielten Sie das Sexismusthema für generell unwichtig, und selbst für den Artikel halte ich das für falsch.
    Aber ok, sehen Sie wohl nicht so, sorry, mein Fehler.

    „Frauen machen in der Regel keine Sexwitze auf Kosten der Männer in großer Runde, während die Männer beschämt zur Seite schauen.“ Aha.

  27. @28:
    Und auch einige Kommentare zeigen, wie nötig das ist. Gipfel der Absurdität ist wohl der Versuch, Lindner als den Attraktiveren-, und deshalb als, wenn überhaupt, Target von Sexismus definieren zu wollen.

    Irgendwie sind es idR auch Männer, die sich über Lindners „Attraktivität“ auslassen. Vielleicht auch nur, weil Frauen wissen, wie es ist, Nobelpreise zu gewinnen und bei der Verleihung auf die Rocklänge angesprochen zu werden.
    Vor allem aber gilt, dass, ebenso wie Regentropfen nicht nach oben fallen, strukturelle Unterdrückung nicht in Gegenrichtung zur Hierarchie funktioniert.

  28. @Tobias

    Für Ihren Einsatz für die entrechtete Frau bekommen Sie bestimmt mal von einer ein paar warme Worte.

    Ins Bett gehen die dann aber mit den anderen.

    Ich hoffe, Sie tragen das mit Fassung.

    (Wenn man sich übrigens diese Empörungsstück durchliest, ohne zu wissen, was Lindner gesagt hat, könnte man echt meinen, der habe eine böse sexistische Spitze gesetzt. Wenn man dann liest, was er wirklich gesagt hat: Meine Güte, was für ein Zirkus um nichts, um gar nichts.

    Im übrigen scheint das Opfer die ganze Sache deutlich weniger dramatisch zu finden als ein paar Empörungsexperten irgendwo im Web.)

  29. Früher durfte frau augenrollend über eine dumme Bemerkung hinweggehen. Heute wird ein bundesweiter Skandal draus.

  30. @33
    Ja ja, friiiiieeeeeher.
    Die „gute“ alte Zeit.
    Wenn der Sparkassenvorstand von Hintertupfing so einen schäbigen Move wie Lindner abliefert, interessiert es auch heute noch niemanden.
    Aber den innerparteilichen Gegner abservieren und dann noch sexistisch nachtreten, das kann man schon mal berichten.

    Aber vor allem:
    Wer hat Ihnen eigentlich befohlen, das hier zu lesen?
    Wer zwingt Sie dazu, am öffentlichen Diskurs von 2020 teilzunehmen?
    Und wenn Sie es dennoch tun, wie oft wollen Sie den Menschen vorhalten, dass Sie sich nicht mehr, wie Sie bspw., mit dem Rollenbild der 50iger des letzten Jahrhunderts abspeisen lassen wollen?
    Dringt es vielleicht irgendwann auch zu Ihnen durch, dass es heute viele Menschen gibt, die die 50iger gar nicht so erstrebenswert fänden?
    Die wenig Lust auf Schwulengesetze, Ehemann darf bestimmen, ob und was Frau arbeitet, und Vergewaltigung in der Ehe gibt es nicht, um nur ein paar zu nennen, haben?
    „Früher war alles besser“ und „die heutige Jugend“ … 2 rhetorische Topen, die schon vor Jahrtausenden bei den alten Sumerern Menschen gelangweilt haben.

  31. @ Frank Gemein:

    Sie wissen gar nichts über mich. Kennen weder mein Alter noch meine politische Einstellung. Außerdem hatten Sie angekündigt, meine Beiträge nicht mehr zu lesen. Wäre schon, wenn Sie sich dran hielten.

  32. @Frank Gemein
    Was ist denn mit Ihnen los? Stehen Sie unter der Knute des Chefs oder unter dem Pantoffel der Frau, das Sie offensichtlich als Kompensation den Leuten hier ständig ins Gesicht springen.
    Nichts von dem was Sie „Kritischer Kritiker“ unterstellen, hat er auch nur ansatzweise kommentiert.
    Machen Sie ihrem Vornamen Ehre. nehmen Sie sich ein wenig zurück und sind nicht so pubertär.

  33. Frage an die Autorin
    beißt sich auf die Unterlippe

    Beißt sie sich eigentlich mit der Zunge auf die Unterlippe? Oder ist da nur versehentlich ein Bild reingeraten, wie sie sich das Mäulchen leckt?

  34. @Frank Reichelt
    Ein bißchen ad hominem zur Begrüßung?

    Meine Assoziationen zu Kommentaren, die mit „früher“ beginnen und mit „heute“ fortgesetzt werden, würde ich auch retrospektiv als berechtigt erachten.

    Und Ihre Mutmaßungen erlauben einen fast zu intimen Blick auf Ihre eigene Befindlichkeit.

    Lassen Sie das besser.
    Zu viel Information Herr Reichelt.

  35. …und so zieht sich die Diskussion über Sweet Linda Teutebecker wie ein alter Kaugummi… oder ein alter Käse…“Ich könnte dich durchlöchern wie nen alten Käse“ (Don Stroud als Lamarr Simms zu Clint Eastwood als Joe Kidd in „Sinola“. Darauf Kidd : „Wieso alt?“)

  36. @ Bazooka Joe, #31
    „Für Ihren Einsatz für die entrechtete Frau bekommen Sie bestimmt mal von einer ein paar warme Worte.

    Ins Bett gehen die dann aber mit den anderen.“

    Sie haben keine Probleme, das flache Niveau Lindners noch zu unterbieten.

  37. @Peter Sievert
    Eindeutig? Aber selbst wenn, nach dem Text müsste es das zweite Foto sein.

    Hier gibt es schöne Zeitlupen, ab 4:30
    https://youtube.com/watch?v=ip4uyg5rTfg

    (Die Werbung am Ende des Videos bitte ignorieren.)

    Ich würde das Video ohne Ton (oder die Fotos) mal einer Person vorlegen, die den Vorfall nicht kennt, und fragen, was für Emotionen sie bei der Dame erkennt.

    Ich glaube, man interpretiert da auch leicht was hinein, weil man bereits aus anderen Gründen eine Meinung dazu hat.

    Sollen Medien sich jetzt auf Mimik im Zehntelsekundenbereich stürzen, jeden Seitenblick dokumentieren und jeder Gefühlsschwingung nachforschen? Das hier ist doch ein boulevardkritisches Blog, eigentlich wäre mal ein Übermedien-Artikel fällig über Boulevardesken in der Wochenschau-Kolumne.

  38. „Die arme Frau, sexistisch angegriffen und den Tränen nahe. Lasst uns das im Nahaufnahme als Bilderserie zeigen.“

    Bigotterie war immer schon das Ekligste von allem.

  39. @ Frank Gemein (#38):

    Meine Assoziationen zu Kommentaren, die mit „früher“ beginnen und mit „heute“ fortgesetzt werden, würde ich auch retrospektiv als berechtigt erachten.

    Wie Sie selbst schreiben: Was Sie in #33 über mich entdeckt zu haben meinen, beruht auf Ihren Assoziationen mit dem Wort „früher“.

    Sie scheinen sich Ihrer Assoziationskette ungebremst hingegeben zu haben, denn das Ergebnis sind Gedanken über mein Denken, die sich in ihrem Kopf vielleicht richtig anfühlen, aber keinerlei Entsprechung in der Wirklichkeit haben (sowas passiert oft, wenn man unreflektiert seinen Assoziationen vertraut).

  40. @44:
    Sie haben also etwas weniger „Früher“ gemeint?

    „Früher durfte frau augenrollend über eine dumme Bemerkung hinweggehen. Heute wird ein bundesweiter Skandal draus.“

    Früher musste frau das machen, ansonsten war sie eben hysterisch. Lose/Lose Situation.

    Heute ist das zum Glück nicht mehr so.
    Und es ist ja nicht so, dass Lindner auf einer Familienfeier im Kegelclub gewitzelt hätte.
    Nope, erst hat er sie abgesägt und dann noch nachgetreten. Aus so etwa wird beim Bundesvorsitzenden der FDP ein „bundesweiter Skandal“.
    Augen auf bei der Berufswahl.
    Wären es nur alte Menschen, die mit den 50iger Jahre Standards um die Ecke kämen, wäre mir übrigens wohler.

  41. »Nope, erst hat er sie abgesägt und dann noch nachgetreten.«

    Typischer Boss-Move und absolut widerlich, ja. Und dazu noch die Lindner-Fanboys, die vergnügt mit ihren kleinen Ständerchen durch die Kommentarspalten hüpfen.

    Es wäre an der Zeit, ein Würgsmiley einzuführen. Dann müsste ich hier nicht soviel tippen.

  42. @ Frank Gemein:

    Zur Aufklärung (ich habe es ja wirklich im Unklaren gelassen und selbst nur assoziiert): Mein Bezug waren feministische Frauen, mit denen ich in der Göttinger linken Szene um das Jahr 2000 herum zu tun hatte. Die hätten angesichts eines solche Sprüche klopfenden Mackers je nach Situation entweder Contra gegeben oder die Sache mit einem Augenrollen quittiert, das für das Publikum deutlich als: „Erbärmliches Würstchen!“ zu lesen gewesen wäre.

    In beiden Fällen hätten sie ein Zeichen der Souveränität ausgesendet – die Opferrolle wäre an den Typen zurückgefallen, der solche Sprüche nötig hat, um sich seiner Männlichkeit zu versichern (auch in der linken Szene gab es solche Leute, den konkreten Spruch hätten die sich allerdings nie zu sagen getraut).

    Keine Ahnung, wie Teuteberg die Situation empfunden hat (nicht als angenehm, so viel dürfte sicher sein). El Ouassil meint es aber zu wissen und interpretiert den Seitenblick, der genausogut genervt sein könnte, als „hilfesuchend“. Damit macht sie Frau Teuteberg im Konkreten und Frauen im Allgemeinen ganz klein – hilfsbedürftig und gedemütigt, nur weil ein Typ einen Spruch macht. Abhängig vom Wohlverhalten der Männer statt autonom.

    Ich finde das nicht sehr feministisch, gleichwohl ich weiß, dass sich Feminismus in den letzten Jahren (spätestens seit #metoo) immer mehr über die Bennenung von Opfersituationen definiert. Für andere Empanzipations-Bestrebungen gilt das ähnlich – aber das führte jetzt zu weit.

    Jedenfalls: Das „Früher“, das ich meinte, war nicht das Patriarchat der 50er, sondern ein Feminismus, der einem Lindner den Stinkefinger gezeigt hätte, statt „gedemütigt“ und „degradiert“ nach Hilfe und bundesweitem Twitter-Beistand Ausschau zu halten. (Wobei der Zustand der Demütigung ja nur die Interpretation der Kommentatorinnen ist – die Gefühle von Frau Teuteberg kennen wir nicht.)

  43. @47:
    Ich finde den Vergleich einer „Göttinger linken Szene“ und eines FDP Bundesparteitags etwas unglücklich. Besonders, weil es die FDP von Lindner und Kubicki 2020 ist.
    #metoo zur Täter-Opferumkehr zu benutzen ist übrigens auch kein kluger move. Die Behauptung, dass #metoo dem Feminismus schade, weil es die Frauen in einer Opferrolle zwinge, ist nicht originell, aber abenteuerlich.
    Es gibt keine Möglichkeit Täter zu benennen, ohne auch die Opfer zu nennen. Täter davon kommen zu lassen, um nicht in eine Opferrolle zu schlüpfen, heisst neue Opfer zu ermöglichen. Und zwar auch solche, die es nicht mehr geben müsste.

    Ich schätze Frau Teuteberg nicht nur politisch nicht besonders-, sondern auch so ein, dass die Miene einem Augenrollen nahe kommt.
    In der HH „linken Szene“ ( auch vor 20 Jahren ) die ich kenne, wäre eine Aktion wie der boss-move von Lindner sicher anders angenommen worden. Mit Augenrollen begnügt(e) sich da niemand, auch nicht die anderen Anwesenden. Rein verbal, aber sehr deutlich, hätte man das Männchen eingeNORDet.

  44. Das interpretieren des Gesichtsausdrucks von Frau Teuteberg erinnert mich an die misslungene Rede des damaligen Bundestagspräsidenten Philipp Jenninger anlässlich des 50. Jahrestages der Reichspogromnacht 1988. Es gibt ein Foto von Jenninger nach seiner Rede, er sitzt neben der jüdischen Schauspielerin und Prinzipalin Ida Ehre, die sich die Hände vors Gesicht hält.
    https://m.bpb.de/cache/images/9/171589-3×2-original.jpg?41037
    Natürlich wurde die Geste als Erschütterung über Jenningers Vortrag exegiert.
    Frau Ehre sagte drauf angesprochen singemäß, sie sei nach einem Krankenhausaufenthalt lediglich noch etwas geschwächt gewesen, sie musste nach der Veranstaltung aus dem Saal geleitet werden und hat von der Rede nichts mitbekommen.

    Frau Teuteberg hat Lindners Rede mit Sicherheit mitbekommen, aber ob die die Deutung des Gesichtsausdrucks wie in der Kolumne beschrieben richtig ist, wissen wir nicht.

  45. @49: Interessante Spekulation. Wenn aber nicht einmal der Cicero mehr großartig anders wertet, als alle anderen „Mainstreammedien“, dann wächst der Zweifel.
    Persönlich gefällt mir Ariane Bemmer vom Tagesspiegel ( neben der sehr geschätzten Frau El Ouassil natürlich ) mit ihrer Analyse besonders gut:


    Gute Nacht, Herr Lindner […]
    Wenn auf einem Parteitag ein „Aufbruch“ ausgerufen wird, aber das Wort, das davon hängenbleibt, „Altherrenwitz“ lautet, ist etwas schief gegangen. “

    [ Tagesspiegel ]

    Tiefer ins Klo geht kaum.

  46. Vielleicht reden wir über die Vergangenheit. Die FDP hat sich dermaßen in die Sackgasse manövriert, keine Ahnung wie die dort wieder rauskommen könnten.

    Trotzdem darf man sich wundern, warum Samira el Ouassil ausgerechnet ihr Herz zwar nicht für Frauen, aber ausgerechnet für diese Frau entdeckt hat.

    Ansonsten steht das Thema ja nicht ganz oben auf ihrer Prioritätsliste. Was die Frauen in der Kölner Silvesternacht an Demütigungen zu erdulden hatten, war um einige Größenordnungen demütigender als was Linda Teuteberg ausbalancieren musste. So what?

    Die Seite Ehrenmord.de listet über 600 Fälle, was Samira el Ouassil nicht aus der Ruhe bringt.
    Offenbar ist das nur bedingt witzig, und außerdem sind die Täter keine alten Herren.

    In Berlin passieren täglich 2 Vergewaltigungen.
    https://www.focus.de/politik/deutschland/210-faelle-maerz-und-anfang-juli-jeden-tag-2-vergewaltigungen-in-berlin-haelfte-der-tatverdaechtige-sind-auslaender_id_12272692.html
    Wie viele Kolumnen hat´s evoziert?

    Aber wenn Lindner was deppertes Richtung Teuteberg sagt, dann geht´s los, analytisch, besorgt und engagiert.

    Woran das wohl liegt?

  47. #51
    »Woran das wohl liegt?«

    Ich erkläre es Ihnen gern. Sie scheinen Ihr Geld nicht mit Schreiben zu verdienen.

    Also: Das liegt daran, dass man sich ein Thema sucht. Zum Beispiel »Die Birnentarte im Wandel der Zeit«. Dieses beleuchtet man in vielen Fassetten und achtet streng darauf, den Faden nicht zu verlieren. Nebenstränge wie »Der Apfelkuchen der Normannen« oder »Berliner Vergewaltigungen und Ehrenmorde 2020« bleiben außen vor. Das nützt dem Leser.

    #servicekommentar

  48. Ach ja, der Herr Lindner. Er trifft mit seinen Reden eher das die PARTEI Motto „Inhalte überwinden“, nur weniger lustig – eher einfach strukturiert und ziemlich blöd. Und das ziemlich Blöde hat die Autorin wieder fein herausgearbeitet: er ist halt ein Kerl und ein armer dazu – er sitzt auf dem Posten des Parteivorsitzenden und kommt da nicht mehr weg. Und mit seinen stand-up Comedy ähnlichen Einlagen (die auch so gemeint sind, behaupte ich) versucht er sich ein bissl Profil zu verschaffen.
    Spätestens seit seinem „…ich stehe beim Bäcker in der Schlange..“ Spruch ist offenbar geworden, welch Geistes Kind dieser Typ ist und ganz in der Tradition eines Herrn Brüderle. Und genauso begründet er seine Entscheidung, sich von Teuteberg zu trennen. Professionell und mit Respekt geht anders.
    Grossformatige Aufnahmen von Gesichtern in belastenden Live Situationen finde ich in jedem Fall voyeuristisch und grenzwertig, zumal ich ihnen keinen entscheidenden journalistischen Wert beimesse.

  49. „#servicekommentar“ (52.)

    Ich glaub, jetzt hab ichs.
    Wenn zum Beispiel einer über den Splitter im Auge seines Brunders referiert, hat er sich ein Thema gesucht. Dies beleuchtet er in vielen Facetten und er achtet streng darauf, nicht den Faden zu verlieren. Nebenstränge wie „der Balken im eigenen Auge“ bleiben außen vor.
    Das nützt dem Leser.

    #dankekommentar

  50. „Ich hab dich, Linda, ja auch ca. 300 mal aus dem Bett geworfen! *Kunstpause, lachen* Wegen Telefonkonferenz, ihr versauten Schweine!“

    „gemeinsam den Tag beginnen“ insinuiert ja zusätzlich noch Einverständnis, ist also noch ein bisschen subtiler als ein blöder Altherrenwitz. „Sie wollte es doch auch, Zwinkersmilie. Also die Konferenz, keinen Sex. Kommt gebt zu, habt ihr doch alle dran gedacht!“

    Ich würde über Parteiwechsel nachdenken. Also die fesche Linda jetzt, nicht Alpha-Brudi Lindner, der ja gar keinen Witz machen wollte, ihr ganzen Extrafalschversteher und FDP-Hasser!

  51. „Wie viele Kolumnen hat´s evoziert?“

    Warten wir es ab, vielleicht war das bis jetzt nur zum Warmlaufen.

    In den letzten Jahren haben Samira el Ouassil & Co. sich erst mal abgearbeitet am schrecklichen Alltagssexismus mittel- und richtig alter weißer Männer, die mit ihren verbrecherischen Witzen und Anspielungen die Ehre der Damen verletzen und den hochqualifizierten Powerfrauen die Karriere abschneiden.
    Das Thema ist durch.

    Als nächstes wir sie sich die Gruppenvergewaltiger, Frauenhalsdurchschneider, Frauenwegsperrer, Frauenverschleierer, Frauenzwangsverheirater und Mädchenbeschneider vornehmen.

  52. Verwechslungsgefahr:
    Halsdurchschneider – Moslems
    Halsabschneider – Juden

    Hat keiner geschrieben und sicherlich auch nicht so gemeint.
    Findet alles nur in meinem Kopf statt (Einzelfall).
    Wie immer sind die Linksgrünen die eigentlichen Rassisten – q. e. d.
    (Falls nicht offensichtlich: /s)

  53. Den Ausschnitt vom Parteitag hatte ich im ersten Durchgang zufällig ohne Ton (aber mit Untertitelung) angesehen. Die Mimik von Linda Teuteberg ist mir deswegen auch sehr nahe gegangen, während ich auf den sexistischen Altherrenwitz wartete, der in der Beschreibung des Videos angekündigt wurde. Das Flattern ihrer Augenlider kam mMn daher, dass sie versuchte ein paar Tränen zu unterdrücken, als sie von Lindner so übertrieben gelobt wurde, nachdem sie doch vorher von ihrem Posten entfernt wurde, was auch alle im Saal wussten. Diese Situation scheint an der Stelle schon ziemlich unerträglich für sie zu sein und durch den Kampf mit den Tränen und beim Warten, dass es endlich vorbei ist, (während Lindner die Situation voll auskostet und absichtlich in die Länge zieht) bin ich mir nicht sicher, ob sie in dem Moment wirklich voll mitbekommen hat, welche peinliche Richtung er da noch eingeschlagen hatte.
    Als Zuschauerin fand ich die Unterstellung sexueller Assoziationen ziemlich frech und glaube auch kaum, dass irgendjemand im Saal die wirklich gehabt hat. Aber manche haben wohl früher als andere realisiert, dass das jetzt witzig gemeint gewesen sein soll und ein Lachen von ihnen erwartet wird.

  54. War ja klar zu erkennen, dass der „Gag“ kein Zufall war. Was denn die Damen in solchen Parteien wollen, kann einem ein Rätsel bleiben. FDP adé, keine Träne wert… Spätestens seit der Umfärbung der Plakate in Speiseeis ist auch dem Naivsten klar, dass es mit denen nur noch bergab gehen kann.

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