Und nun zum Thema Afrika: Alles sehr schlimm

Ostersonntag, Aufmacher der 20-Uhr-Ausgabe der „Tagesschau“. Ein prominenter Sendeplatz, um über Afrika zu sprechen. Doch das Coronavirus rechtfertigt das, denn „Experten gehen davon aus, dass die Ansteckungsrate dort (in Afrika) viel höher sein wird, als in Europa oder den USA“, erklärt zumindest Sprecherin Linda Zervakis.

Linda Zervakis moderiert einen "Tagesschau"-Beitrag über Afrika an
„Tagesschau“-Sprecherin Linda Zervakis moderiert den Beitrag über das neue Coronavirus in Afrika an. Screenshot: „Tagesschau“

Den entsprechenden Experten nennt Zervakis auch gleich: Bill Gates. Microsoft-Gründer und Multimilliardär, der gemeinsam mit seiner Frau die „Bill & Melinda Gates Stiftung“ gegründet hat, die sich für soziale und medizinische Zwecke einsetzt. Unter anderem auch in afrikanischen Ländern. Allerdings: Zu einem ausgewiesenen Virus- oder Afrika-Experten macht das Bill Gates deshalb noch nicht. Trotzdem taucht er als einziger „Experte“ im folgenden Beitrag von Korrespondent Norbert Hahn aus Nairobi auf.

Stimmen und Einschätzungen von Politiker*innen oder Wissenschaftler*innen aus afrikanischen Staaten fehlen.

Der Blick von außen

Der Beitrag der Tagesschau verdeutlicht, wo noch immer Probleme in der Berichterstattung vom afrikanischen Kontinent liegen: Die Einordnung kommt oft von westlichen Expert*innen, Berichte behandeln Afrika wie ein Land, stellen oft nur die negativen Aspekte dar – und beeinflussen damit unsere Wahrnehmung des Kontinents.

Für Philipp Lemmerich ist das „entsetzlich, gerade weil die ‚Tagesschau‘ aktuell unglaublich hohe Einschaltquoten hat“. Lemmerich ist selbst Journalist und Mitgründer der Medienagentur „JournAfrica!“

Dass in Berichten aus afrikanischen Ländern vor allem westliche Stimmen und Sichtweisen dominieren, wurde schon in mehreren Studien belegt. „Stimmen aus dem Süden oder mit einer Gegenmeinung fehlen oft“, sagt auch Martin Sturmer, Gründer der Nachrichtenagentur „afrika.info“.

Kaum Differenzierung

Was dadurch in der aktuellen Corona-Krise untergeht: Viele Staaten in Afrika haben sehr schnell und streng auf das Coronavirus reagiert – teilweise entschlossener als Regierungen in Europa.

Doch dieser differenzierte Blick fehlt oft, und so wird schnell vergessen: Dieses Afrika ist kein Land! Es ist ein Kontinent. Ein sehr großer sogar. Dennoch heißt es oft pauschal „in Afrika“. Eine Formulierung, die suggeriert, dass 55 Staaten und Regierungen einheitlich agierten und mehr als 1,3 Milliarden Menschen unter den gleichen Umständen lebten.

So auch im Beitrag der „Tagesschau“: „Im Kampf um die knappen Ressourcen, wie Schutzmasken und Beatmungsgeräte, ist Afrika den reichen Ländern auf dem Weltmarkt hoffnungslos unterlegen“, erzählt Korrespondent Norbert Hahn. Afrika als homogene Einheit. Für Philipp Lemmerich ist das problematisch:

„So ein Satz prägt sehr stark. Dann kommt der weiße Retter ins Bild. Da ist die Machtstruktur klar.“

Ganz nebenbei: Eine Fabrik in Kenia wurde jüngst umgerüstet und soll dort nun 30.000 Gesichtsmasken am Tag für ärmere Menschen produzieren.

Die „Tagesschau“ ist nicht allein

Immerhin: Die Korrespondent*innen in afrikanischen Staaten erkennen das Problem. Einige Staaten würden kaum auftauchen, heißt es immer wieder. Der Kontinent würde zu undifferenziert dargestellt.

Nur nachhaltig geändert hat sich nichts. „Das Problem ist oft die Erwartungshaltung der Abnehmerredaktionen“, sagt Martin Sturmer. „Bei Burkina Faso beispielsweise wissen die meisten Leser*innen oder Zuschauer*innen schon nicht mehr, wo das liegt.“*

Die „Tagesschau“ ist dabei mit ihrem Beitrag nicht allein. Auch andere Medienhäuser differenzieren „Afrika“ in ihren Berichten nicht weiter aus. So titelt n-tv.de: „Afrika stemmt sich gegen das Corona-Sterben“. Bei „T-Online“ heißt es: „In Afrika droht eine Katastrophe“. Und auf der Website der „Süddeutschen Zeitung“ steht: „Afrika steht allein am Abgrund.“

Extrem negative Sprache

Die Differenzierung fehlt nicht nur zwischen afrikanischen Staaten. In den Berichten mangelt es auch an unterschiedlichen Positionen. Oft spricht nur eine Seite. Und die sieht meist extreme Folgen für Afrika. Extrem negative. Nicht nur, wenn es um die Auswirkungen des Coronavirus‘ geht.

„Afrika ist oft der leidende Kontinent“, bemängelt Martin Sturmer. Das Problem: Allein durch die Wortwahl kann sich bei einigen Leser*innen und Zuschauer*innen ein Schubladendenken verfestigen: Afrika, ein Land, abgehängt und arm, ohne Hoffnung.

Dass uns aus afrikanischen Staaten eher negative Bilder und Nachrichten erreichen, ist dabei noch das geringste Problem. Es lässt sich sogar leicht erklären, wenn man weiß, wie Medien funktionieren. „Es ist vermessen zu sagen, dass man die Gefahren in Afrika ausblendet“, sagt Philipp Lemmerich: „Das hilft nicht.“ Man müsse eher fragen: „Wie sind unterschiedliche Gesellschaften betroffen? Nämlich hochgradig ungleich!“ Diese Ungleichheit zählt unbestritten zu den großen Herausforderungen in vielen afrikanische Staaten. Und in einigen Staaten auch Hunger, Terror oder Korruption. Aber eben nicht überall. Und schon gar nicht überall gleich.

Einheimische Journalisten als Co-Autoren

Wie könnte ausgewogene Afrikaberichterstattung also aussehen? Lemmerich schlägt vor: „Mehr Berichterstattung, differenzierter, mit Stimmen von vor Ort. In anderen Ländern klappt das schon besser: Einheimische Journalisten sind Co-Autoren, nicht nur Fixer.“

Auch Martin Sturmer wünscht sich eine stärkere Zusammenarbeit mit afrikanischen Journalist*innen, um andere Perspektiven darzustellen. Der langjährige „Spiegel“-Korrespondent Bartholomäus Grill plädierte in seinem Buch „Ach, Afrika“ für folgende Darstellung des Kontinents:

„Kritisch, ohne ihn zu verdammen, optimistisch, ohne ihn zu verklären.“

Beispiele für entsprechende Berichte gibt es bereits – in den öffentlich-rechtlichen wie auch in privaten Medien. Nur sind diese Beispiele noch nicht die Regel. Die „Süddeutsche Zeitung“ veröffentlichte zuletzt einen Text eines senegalesischen Ökonomen, der sagt: Viele Staaten könnten beim Coronavirus glimpflich davonkommen.

„Die düsteren Prognosen für Afrika sind trotzdem nicht völlig von der Hand zu weisen“, sagt Martin Sturmer. Die Wahrheit sei aber, dass wohl niemand die Auswirkungen des Coroavirus‘ wirklich absehen könne. Auch nicht oder erst recht nicht in afrikanischen Staaten. Konkrete Prognosen, wie stark das Coronavirus die afrikanischen Länder treffen könnte, fehlen auch im „Tagesschau“-Beitrag.

Am Ende steht „Afrika“ auch in Zeiten der Corona-Pandemie genauso da, wie so oft in der Berichterstattung: als armer, abgehängter Kontinent mit einer wenig versprechenden Zukunft.

*) Nachtrag, 16. April. Wir haben nach einem Hinweis von Martin Sturmer das Zitat geändert und „Leser*innen oder Zuschauer*innen“ eingefügt.

21 Kommentare

  1. Da ist viel Wahres, aber auch viel Erschreckendes in diesem Text. Welcher Journalist, ob nun in einer Abnehmerredaktion oder nicht, weiß nicht, wo Burkina Faso liegt? Zwar wird das Allgemeinwissen von Journalisten laut einem alten Kalauer als „groß wie der Ozean, aber genau 30 Zentimeter tief“ bezeichnet, aber dafür, die Staaten der Welt zumindest grob zu verorten, dürfte es schon reichen.
    Nachvollziehbarer scheint mir da der Vorwurf, Afrika werde oft als Land gesehen, obwohl es ein ganzer Kontinent ist. Diese Haltung stößt auch den Afrikanern sauer auf. Ich erinnere mich an meinem Besuch bei einem Arzt in Maroua im Norden Kameruns in den 90er-Jahren. Als ich ihm erzählte, Freunde hätten mit wegen Ebola in Uganda vor einem Besuch Kameruns gewarnt, antwortete er: „Das ist so, als wenn man mir sagen würde, ich solle nicht nach Irland reisen, weil auf dem Balkan gerade Krieg ist.“
    Die Nachrichtensprache im Zusammenhang mit Ghana, Uganda, Kamerun und vielen anderen Staaten des Kontinents, also mit Afrika insgesamt, trägt tatsächlich dazu bei, diese Vorurteile zu bekräftigen. Umso sensibler sollten wir Journalisten mit Sprache umgehen, was sowieso für alle Texte gilt. Und tatsächlich sollten wir uns immer um Innenansichten bemühen.
    Bei der Tagesschau/den Tagesthemen hatte ich übrigens den Verdacht, dass sie so stolz auf ihr Bill-Gates-Interview waren, dass sie das den ganzen Nachrichtenabend über ausgewalzt und sogar zur Spitzenmeldung in der Tagesschau gemacht haben. Für mich eine Fehlentscheidung, zumal angesichts der übrigen Nachrichtenlage.

  2. @Susanne:
    Martin Sturmer meinte mit „die meisten“ nicht die Redakteur*innen, sondern die „Leser*innen oder Zuschauer*innen“. Wir haben das Zitat deshalb geändert und das kenntlich gemacht.

  3. Berechtigter Hinweis, dass die afrikanischen Länder differenziert zu betrachten sein sollten.

    Nur macht es der Autor dieses Beitrags auch letztlich nicht. Er schreibt im vorletzten Absatz:“Die Wahrheit sei aber, dass wohl niemand die Auswirkungen des Coroavirus‘ wirklich absehen könne. Auch nicht oder erst recht nicht in afrikanischen Staaten. Konkrete Prognosen, wie stark das Coronavirus die afrikanischen Länder treffen könnte, fehlen auch im „Tagesschau“-Beitrag.“ Da frage ich mich, in welchen afrikanischen Staaten war denn nun Corona nicht abzusehen? Ägypten? Namibia? Burkina-Faso?

    Wenn die Tagesschau über „Afrika“ berichtet, aber leider zu kurz und undifferenziert, ist das schade. Da hat die Kritik ihr Recht. Das kann wohl an der Kürze des Beitrags liegen, in dem über Afrika als Summe aller afrikanischer Länder berichtet wird. Es wundert mich nur, dass in Ihre Kritik auch nicht differenziert und nur „die afrikanischen Länder“ geschrieben wird. In welchem Land wäre ein eigener Bericht denn sinnvoll? Ich denke mal, für jedes Land.

    Ich denke, dass die Berichterstattung über afrikanische Länder generell größer sein sollte. Die Kritik ist hier etwas drüber, wenn es sich ersichtlich um eine ZusMmenfassungg handelt. Ihre Kritik ist da das Gleiche: Eine Zusammenfassung für ganz „Afrika“.

    PS: Der Sinn der Kritik ist bei mir gleichwohl ankommen und ich stimme dieser zu!

  4. Ein halber Trost – Fotos aus Luxemburg werden herangezogen, um angebliche Brüche der dt. Koalitionsvereinbarungen zu dokumentieren.
    Aber nicht von Redakteuren irgendwo in Afrika, sondern von Ralf Schuler.
    Aber ja, Ralf Schuler ist keine Referenz.

  5. Das Gegenstück dazu ist der amerikanische Kontinent. Stets ist in den Medien und bei Politikern die Rede von den „Amerikanern“, vom „amerikanischen“ Präsidenten oder einfach „Amerika“, wenn die USA gemeint sind. Das fällt schon niemandem mehr auf, denn in den Köpfen der meisten Menschen hat sich demnach ein imperialistischer Alleinvertretungsanspruch der USA für den Kontinent etabliert. Amerika ist aber sowohl Alaska, als auch Chile und Nigeria.

  6. @gerdos: Nein, Nigeria ist nicht Teil Amerikas… ;-)

    Mit Afrika in Überschriften kann ich leben. Da steht häufig genug auch „Europa“, was bekanntlich auch aus mehr als nur einem Land besteht. Problematischer ist – und das arbeitet der Beitrag auch heraus – ist die bemitleidende, besserwisserische Attitüde gegenüber dem Kontinent. Auch in Kenia, Südafrika oder Ägyten gibt es Wissenschaftler, die die Situation beobachten und einordnen können. Ich kann mir nicht vorstellen, dass keiner von denen zumindest für ein Skype-Interview zur Verfügung steht (klar, kann mal passieren, aber ständig?).

  7. Das Thema dieses Artikels ist nicht neu, wird nur leider höchst selten aufgegriffen. Deshalb begrüße ich die Initiative, denn Fundsachen dieser Art entdeckt man sehr oft. Einmal habe ich in einem Artikel gelesen: „Dazu erklärt Afrikaexperte XY: Afrika ist ein riesiges LAND, das …“. Das sind die Schlimmsten, diese selbsternannten und von deutschen Medien referenzlos zitierten AfrikaEXPERTEN. Heute noch irgendwo gelesen: „Mann aus Afrika randalierte …“. Wärs ein Franzose gewesen, hätte man nicht geschrieben „Mann aus Europa randalierte“. Der Amerikavergleich hinkt natürlich, oder gibt’s dort auch 54 Regierungen mit ihren jeweiligen Präsidenten?

  8. Bei Amerika liegt es aber daran, dass „Amerika“ einfach der Name des Landes ist. „Vereinigte Staaten“ sind die Staatsbezeichnung, wie etwa „Bundesrepublik“ oder meinetwegen auch „Volksrepublik“. Und „Amerika“ ist dann der Staatsname, wie etwa „Deutschland“ nach dem „Bundesrepublik“ oder „Polen“ nach dem „Vlksrepublik“ (einst). Und das „of“ wird zwar bei den USA gern als „von“ im Snne von „ein Teil von“ übersetzt, ist aber eher ein „namens“, wie ja auch bei „Republic of“ in diversen Staatsnamen.
    Komischerweise is das in Dutzenden Staatsnamen kein Problem und auch Australien ist sowohl ein Kontinent als auch ein Land. Nur bei den USA ist es wieder Imperialismus. Dabei reden vor allem Kanadier und Mexikaner von „Amerika“, wenn sie die USA meinen. Die Amerikaner selbst (und jetzt meine ich natürlich die in den USA) sprechen von den States oder the US. Und einer dieser 50 Staaten ist übrigens Alaska. Auch USA.

  9. Lieber Julian,
    vielen Dank für Deinen Beitrag. Natürlich müssen wir uns Kritik stellen, aber wäre es nicht sinnvoll gewesen, bei einem Beitrag über Afrika-Korrespondenten auch Afrika-Korrespondenten zu Wort kommen zu lassen? Die Kontaktdaten hättest Du nach Deiner Bachelor-Arbeit zu unserer Berufsgruppe ja durchaus gehabt. Auf das entschlossene Krisenmanagement in afrikanischen Ländern haben viele von uns hingewiesen – ich schicke Dir gerne Beispiele.
    Und es kommt durchaus vor, dass Fixer in die Autorenzeile genommen werden. Du hast recht, das sollte öfters geschehen, aber diese Feststellung gilt für andere Regionen, in denen Fixer zum Einsatz kommen, genauso wie für Afrika.
    Die möglichen Szenarien für den Kontinent transportieren in den meisten Fällen die durchaus allgemein auf Afrika bezogenen Warnungen von WHO, AU, WFP, MSF und Präsidenten wie Abiy Ahmed aus Äthiopien. Natürlich sind die Faktoren von Land zu Land unterschiedlich. Aber viele Nationen haben nun einmal gemeinsam, dass ihre Gesundheitssysteme im internationalen Vergleich schlecht entwickelt sind und in dieser Pandemie nicht nur auf medizinischer Ebene dringend auf internationale Hilfe angewiesen sind, während die Industriestaaten derzeit sehr mit sich selbst beschäftigt sind. Das ist eine relevante Tatsache, auf die wir hinweisen müssen.
    Das nur kurz als Anmerkung.
    Beste Grüße,
    Christian Putsch

  10. Ein sehr spannender Kommentar. Es ist erschreckend, wenn Bill Gates als einzige Person neben dem Korrespondenten zu Wort kommt. Er ist kein „Afrika-Experte“, wenn gleich er mit seiner Stiftung einige Projekte auf dem Kontinent unterstützt.

    Die Darstellung des Kontinents ist aber, wie der Autor sagt, generell ein Problem und zwar ein strukturelles. Viele Medien haben zur Abdeckung der Themen gerade einmal ein bis drei Korrespondent*innen vor Ort. Diese müssen dann aber Geschichten des ganzen Kontinents erzählen. Eine Herausforderung, an der die meisten Journalist*innen in Deutschland verzweifeln würden. Das Problem ist wiederum gesellschaftlich. Denn wenn – und das ist nur für die Privaten eine Entschuldigung – die Einschaltquoten bei (z.B. positiven) Berichten aus den Ländern sinken, dann werden sie aus wirtschaftlicher Sicht diese eingrenzen.

    Julian Hilgers als Autor bezieht in diesem Beitrag nicht nur Stellung zum Tagesschau-Beitrag, sondern beurteilt allgemein die Berichterstattung rund um das Corona-Virus auf dem afrikanischen Kontinent. Hierbei macht er zwar deutlich, dass einige Länder vielleicht ohne viele Covid19-Fälle auskommen werden und erwähnt dies positiv, allerdings vergisst er (meiner Meinung nach) zu erwähnen, was soziale und ökonomische Folgen sind. Maßnahmen, die „teilweise entschlossener als Regierungen in Europa“ sind, mögen zu einer Eindämmung des Coronaviruses sein und müssen gelobt werden, gleichzeitig haben aber auch viele Menschen Sorgen, wie sie ohne unser soziales Sicherungsnetz genug Essen auf den Tisch bekommen. Dieser Teil muss, wenn man über eine berechtigte Kritik an der Tagesschau hinaus geht, auch erwähnt werden.

    Insgesamt können wir uns aber nur erhoffen, dass es immer mehr Journalist*innen gibt, die durch solche Beiträge aufmerksam werden und ihre Berichterstattung anpassen.

  11. Re: Weltoffenheit deutscher Redaktionen
    Hasnain Kazim hat in seiner letzten Lesung auf Facebook erzählt, man hätte sich in der Spiegel-Redaktion nicht vorstellen können, dass es über Pakistan genug zu berichten geben könne, um einen Journalisten dorthin zu entsenden. Das hat mich zwar nicht überrascht, aber doch entsetzt – das ist doch eine unfassbare, aus Ignoranz geborene Arroganz… mir fehlen die Worte.
    https://www.facebook.com/hasnain.kazim/posts/10157516109273264

  12. @Susanne #1
    „Als ich ihm erzählte, Freunde hätten mit wegen Ebola in Uganda vor einem Besuch Kameruns gewarnt, antwortete er: „Das ist so, als wenn man mir sagen würde, ich solle nicht nach Irland reisen, weil auf dem Balkan gerade Krieg ist.““

    Ja, so sage ich das auch immer, wenn ich solche Warnungen erhalte – das betrifft allerdings nicht nur Afrika, sondern ebenso den Nahen Osten, Südostasien, Mittel- und Südamerika.

  13. „Und einer dieser 50 Staaten ist übrigens Alaska. Auch USA.“ Wer bestreitet das?

    Es ist weniger Imperialismus, als die Unschärfe der Sprache, die so ärgerlich ist. Wer Afrika sagt, meint auch nicht unbedingt „Afrika“, sondern die zwei Drittel südlich der Sahara. Und manche sagen „Asien“ und meinen „China“.

  14. Wir haben seit Ewigkeit dafür plädiert, dass deutsche Journalisten gebildete afrikanische Mitbürgerinnen in ihre Berichterstattung über Afrika einbinden. Infolge einer Konferenz am Erich Brost Institut für internationalen Journalismus der Technischen Universität in Dortmund 2012 haben wir zum Thema ein Buch herausgegeben. Da habe ich ein Kapitel beigesteuert. Es leben mittlerweile sehr viele Deutsche mit afrikanischen Wurzeln in Deutschland und viele von uns sind promovierte Sozialwissenschaftler, die zum ähnlichen (also journalistisch interessanten) Themen arbeiten. Einige von uns sind auch schon sichtbar in der deutschen Wissenschaft geworden. Warum man uns noch ignoriert, ist mir ein Rätsel. Ist aber Fakt. Da können alle Beteiligten nur gewinnen.

  15. @9, Newyorker: Es reden vor allem Kanadier und Mexikaner von „Amerika“, wenn sie die USA meinen? Yeah, don’t think so. American Dream, American Beauty, Make America Great Again, American Psycho, „the American people won’t stand for this“, America’s Most Talented, America’s Most Wanted, American Exceptionalism, American Way of Life….alles mexikanisch-kanadischer Diskurs, richtig?

  16. Peergroup-Phänomen. „Wir“ sehen „Uns“ differenziert, „Die“ verschmelzen in unserer Wahrnehmung zu einer einheitlichen Masse.
    Man müsste als Journalist den Mechanismus verstehen, um ihm nicht allzuleicht zum Opfer zu fallen. Und dann auch noch einen Abnehmer haben, der sich mit sowas profilieren will.
    Aus dem Markt mit Massenreichweite ist man damit natürlich raus. Schöner selbstverstärkender Kreislauf zwischen Medien und Kundschaft zwischen antizipiertem und tatsächlichem Kundeninteresse.

    Aber ist dieser Peergroupeffekt und die damit verbundene Wahrnehmungsformung eigentlich Lehrinhalt an jenen Journalistenschulen, aus denen die meisten Massenmedienjournalisten kommen? Als Leser habe ich diesen Eindruck meist nicht, egal bei welchen politischen oder kulturellen Themen.

    Gewiss gibt es sehr viele Journalisten, die den Mechanismus explizit kennen oder implizit verstehen und vermeiden. Sich damit in einem Massenmedium karrieretechnisch profilieren zu wollen, dürfte allerdings aussichtslos sein.
    Die weniger oberflächliche Perspektive dürfte also weiter die Domäne der Nische und des Spätprogramms im +bouquet bleiben.
    Ist jetzt im Hinblick auf das verbreitete Afrikabild in der allgemeinen Bevölkerung ein bisschen blöd, wird sich aber trotzdem wohl kaum ändern.

  17. „Hasnain Kazim hat in seiner letzten Lesung auf Facebook erzählt, man hätte sich in der Spiegel-Redaktion nicht vorstellen können, dass es über Pakistan genug zu berichten geben könne, um einen Journalisten dorthin zu entsenden.

    Pakistan ist eine Atommacht mit 216 Mio Einwohnern, eine belanglose, uninteressante, nebensächliche Nebensache.

    Die Redaktionsentscheidung mag moralisch zweifelhaft sein, kaufmännisch ist sie richtig.
    Der Wurm soll dem Fisch schmecken, nicht dem Angler.
    Die Redaktion macht die Zeitschrift für den SPIEGEL-Leser. Der hat sich eingerichtet in seiner kleinen Welt, der will nur, dass alle Kuscheltiere (Nazis, Gender, Klima, Trump, die Polen, Apartheidstaat Israel, Putin, Orban, Erdogan zzgl. diverser Phobien und Denkstrukturen) im Gitterbettchen liegen.
    Der SPIEGEL müsste mit dem Klammerbeutel gepudert sein, würde er die Fensterläden zu öffnen, der Realitätsschock führte die Kundschaft zu Atemnot und Schlimmerem.

  18. Ich wundere mich auch immer, wie beispielsweise die ARD eine sinnvolle Berichterstattung über Afrika hinbekommen will, wenn es gerade mal vier Auslandsstudios in Afrika betreibt. Das da mal eine räumliche Nähe zwischen Staaten suggeriert wird, die in der Realität nicht vorhanden ist oder man mal pauschal von ganz Afrika redet, ist eigentlich zu erwarten. Was ich fragwürdig finde. Kostet die ARD aber auch nur 0,19 EUR des monatlichen Rundfunkbeitrages, beschämend.

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