Apokalyptische Writer

Wer prognostiziert den politischen Untergang am unheilvollsten? Wie viele Hiobsbotschaften darf man aus einer politischen Entwicklung extrapolieren, bevor man beim Schreiben eine Warnweste tragen muss? Sind Saskia Esken, Norbert Walter-Borjans, Olaf Scholz und Klara Geywitz die vier Apokalyptischen Reiter?

Schaut man sich die politischen Kommentare an, die in den vergangenen beiden Tagen über die Wahl der neuen SPD-Parteivorsitzenden erschienen sind, scheint der Zusammenbruch der deutschen Demokratie unmittelbar bevorzustehen.

So schreibt Frank Pergande in der FAS:

„Esken und Walter-Borjans bekommen nun ihre Chance, aber die SPD gibt sich auf, und für Deutschland ist das ein politisches Erdbeben. Niemand sollte sich etwas vormachen: In dieser SPD können auch Esken und Walter-Borjans schneller als gedacht scheitern.“

In der heutigen FAZ setzt Jas­per von Al­ten­bock­um die Allusion an das Seismographische fort:

„Mit Sas­kia Es­ken und Nor­bert Wal­ter-Bor­jans wird es kei­ne neue Mor­gen­rö­te ge­ben. Die SPD wan­delt durch ei­ne Trüm­mer­land­schaft.“

Unweigerlich stelle ich mir Jas­per von Al­ten­bock­um als eine publizistische Trümmerfrau vor, die durch ein postapokalyptisches Berlin irrt. Wo soll er helfen, was kann er aufbauen?

Im „Tagesspiegel“ geht Stephan Haselberger einen Hauch vorsichtiger an die Sache ran:

„Auf diese Entscheidung, so viel ist sicher, werden schwere Erschütterungen folgen. Sie können die große Koalition zum Einsturz bringen und die deutsche Sozialdemokratie als Volkspartei zerstören.“

Und in der „Zeit“ klingt es fast ein bisschen pop-lyrisch, wenn Lisa Caspari feststellt:

„Nun ist etwas gebrochen, und es könnte der Moment sein, in dem die SPD auseinanderfällt – und sich die Welt einfach ohne sie weiterdreht.“

Die „Bild“-Zeitung lettert indes auf ihre Titelseite ein riesiges „EIN DRAMA!“ und zitiert damit Brigitte Seebacher, die Witwe von Willy Brandt. Während sie angeblich „entsetzt über die SPD“ ist, bin ich entsetzt darüber, wie entsetzt alle sind.

Doppelt dramatisch sieht es Jochen Arntz für die „Berliner Zeitung“, mal zur Abwechslung nicht wegen Silke und Holger, sondern wegen Saskia und Norbert:

„Die Suche nach einer neuen SPD-Spitze war sehr demokratisch, fast urdemokratisch. Das Ergebnis ist dramatisch, sehr dramatisch.“

Mein Lieblingskommentar ist jedoch in seinem Memento-mori-artigen, suizidfaszinierten Understatement der Take von Gabor Steingart, der sein heutiges „Morning Briefing“ mit folgenden Worten einleitet:

„Die Sozialdemokraten aller Herren Länder laden in diesen Tagen zum Totentanz. In einer spektakulären Choreografie tänzeln moribunde Parteien und ihre präfinalen Protagonisten an den Bühnenrand, um ihre Wollust am eigenen Untergang mit dem Publikum zu teilen.“

Luxemburg, Marx und Brecht kommen in dieser Hieronymus-Bosch-Fantasie ebenfalls vor.

Kränkungen der Deutungshoheit

Weil sich viele JournalistInnen in ihrem Katastrophen-Kommentarismus zu #Eskabolation geradezu beängstigend einig sind, wirkt es wie ein kleiner stiller Wettbewerb, in dem es darum geht, die dramatischste Kassandra-Haltung an den Tag zu legen, ohne eine gekonnte Kenner-Pose vermissen zu lassen. Diese überzeugte Einstimmigkeit ist vor allem deshalb bemerkenswert, da hier mit nostradamischer Gewissheit die Zukunft der SPD nun nicht mehr nur vermutet, sondern selbstsicher gewusst wird, obwohl der Wahlsieg von Esken und „Nowabo“ offenbar zuvor in den Kristallkugeln und vorgefertigten Textbausteinen der BerichterstatterInnen nicht aufgetaucht war.

Der seltsam passiv-aggressive Sound der Stücke ist um keinen defätistischen Superlativ verlegen und klingt stellenweise, als sei man eingeschnappt darüber, dass die Wahl anders ausging, als man es empfohlen oder vorhergesagt hatte; kompensatorisch dafür, dass man wie Christian Lindner von dem Ergebnis übertölpelt wurde, musste es jetzt erst recht ins Katastropheske hinabgeschrieben werden – denn wenn man schon falsch lag, dann wenigstens bei etwas, wo alle blöd dastehen.

In den Kommentaren schimmern vor allem drei große Kränkungen durch:

1. Die kosmologische Kränkung

Der unterstellte politische Egoismus der SPD-Basis, die sich trotzig gegen die Groko positioniert, weg von der Mitte nach links, journalistisch gerne mit den Hülsen „Groko-kritisch“ und „Groko-Skeptisch“ umschrieben.

Der Vorwurf: Man handele durch diese Wahl willentlich autodestruktiv und nicht utilitaristisch genug, ignoriere Warnungen und Mahner zugunsten von „neuen sozialdemokratischem Unsinn“ und einer Mission, die übers „Selbsttherapeutische“ nicht hinausgehe.

Das klingt im „Tagesspiegel“ so:

„Allen Warnungen zum Trotz hat die SPD-Basis die Zukunft des Landes und die Zukunft der SPD in die Hände von Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans gelegt. (…)

Nach einem Exit aus der Groko können daraus schnell Werte unter der 10-Prozent-Marke werden, zumal der Ausstieg aus dem Regierungsbündnis in der Sache nur schwer zu begründen sein dürfte. Mit großem Verständnis der Bürgerinnen und Bürger können Esken und Walter-Borjans nicht rechnen.“

Warum hören die Wähler denn nicht mehr auf Warnungen? In der „Zeit“ konstatiert man konsterniert:

„Mit der Wahl von Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken haben sich die SPD-Mitglieder für den Bruch entschieden. Sie haben alle Warnungen des Parteiestablishments ignoriert (…).“

Aha, eine Antwort ist in der FAS zu finden, die wichtigen Warner warnten nicht mehr:

„In der SPD gab es immer die altvorderen Ratgeber und die Warner, auf die gehört wurde. Dieses finale Mal blieben sie stumm. (…) Es ist rätselhaft, dass so viele Sozialdemokraten nicht zu merken scheinen, dass die Farce, die die Partei gerade inszeniert, eine letale Tragödie sein wird.“

In der „Berliner Zeitung“ ist ein latenter Vorwurf des mangelnden Machtwillens zu lesen, der mit der Wahl zum Ausdruck gebracht werde – eine interessante Einschätzung dieses demokratischen Akts:

„Wer möchte einer Sozialdemokratie seine Stimme geben, deren Basis gerade klar gemacht hat, dass sie am liebsten von denen geführt wird, die eigentlich nicht regieren wollen. Von denen, die politische Macht, aus der ja Gestaltungskraft erwächst, nicht unbedingt anstreben?

Das werden wohl noch weniger Wähler wollen, als die wenigen, die bisher noch bei der SPD verblieben waren. Deshalb mag die Basis der Partei sich nun darüber freuen, dass sie die Vorsitzenden bekommt, die sie wollte. Als politische Kraft aber hat sich die SPD gerade selbst abgewählt.“

Pergande stellt das Verantwortungsbewusstsein der Basis in Frage, wenn er in der FAS väterlich feststellt:

„Zerstört die SPD sich so selbst? Zumindest lässt die Wahl von Esken und Walter-Borjans die Partei weiter im Ungewissen. Und sie zeugt nicht von staatspolitischer Verantwortung.“

Er ist sich da mit Thorsten Jungholt einig, der in der „Welt am Sonntag“ enttäuscht?, verschnupft?, eine Vernunft von damals einer Selbstbezüglichkeit von heute gegenüberstellt. SPD, aber früher warst du doch nicht so!

„Vor zwei Jahren noch hatte die Vernunft obsiegt. Die Mitglieder der ältesten Partei Deutschlands stimmten damals mit klarer Mehrheit für den erneuten Eintritt in die große Koalition – entgegen der Gefühlslage in der Sozialdemokratie. (…) Es war eine staatstragende Entscheidung der SPD-Basis, nach dem Motto: Erst das Land, dann die Partei.

Das ist Geschichte. (…) Die Sozialdemokratie hat sich gegen das Regieren und für die weitere Selbstbeschäftigung mit der eigenen Befindlichkeit entschieden.“

2. Die psychologische Kränkung

Die Empörung über die Abwahl von Scholz, obwohl er laut Kommentatoren der geeignetere Kandidat gewesen wäre, was also einer Ablehnung der Wahlempfehlung der Kommentatoren gleichkommt, was den Schluss nahelegt, dass nächstes Mal vielleicht besser die Kommentatoren abstimmen sollten.

Anne Will fragte gestern zu Beginn ihrer Sendung sinngemäß, was denn damit gewonnen sei, dass man Olaf Scholz derart gedemütigt habe, als ob das ein Handlungsmotiv der Wähler oder die Intention der Gegen-Kandidaten gewesen wäre. Wenn auch „Spiegel Online“ von einer „Quittung“ schreibt, ist es, als ginge man davon aus, dass willentlich gegen Scholz gestimmt wurde, statt für Esken und Walter-Borjans.

In der „Berliner Zeitung“ ist man sich gewiss, dass man zwar nicht direkt für Scholz ist, aber noch viel weniger gegen ihn:

„Sicher, die Alternative Olaf Scholz war auch schwierig, weil relativ offen ist, wofür Scholz politisch steht. Eins aber ist klar: Er will, dass die SPD eine Partei ist, die aus Wählerstimmen einen Regierungsauftrag macht.“

Jasper von Altenbockum betont, was die Wahl vor allem für Olaf Scholz, den Vizekanzler bedeutet:

„Als Par­tei­chef soll [Walter-Borjans] nun aber Au­tori­tät ge­gen­über ei­nem Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter ent­wi­ckeln, der zehn­mal so viel Er­fah­rung hat wie er, als sein Ge­gen­kan­di­dat in der Ur­wahl aber so de­mon­tiert wur­de, dass sei­ne Po­si­ti­on als Vi­ze­kanz­ler ram­po­niert ist.“

Und auch die „Berliner Zeitung“ betrauert, bei aller Unsicherheit, vor allem Olaf Scholz, den Vizekanzler:

„Sie wollen der Union nun Bedingungen für einen Verbleib in der Regierung stellen. Mit Olaf Scholz, dem Vizekanzler, wäre das nicht passiert.“

Apropos betrauern: In „Zeit Online“ analysiert Peter Dausend wiederum die Analyse von Scholz.

„Wissend, was sich gehört, hat er dann die Bühne im Willy-Brandt-Haus für Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans geräumt, sich an den Rand gestellt und so lange hinter einer Grinsemaske versteckt, bis Malu Dreyer beendet hat, was ihm wie ein Spuk vorkommen muss. Und dann ist er verschwunden. Keine Nachfragen, keine Interviews, kein Wort mehr. Nur noch weg hier. Es ist vorbei.

Die politische Welt des Olaf Scholz ist an diesem Samstagabend, um 18:07 Uhr, zusammengebrochen.“

(Wenn man den Text in die Vergangenheit setzt und laut liest, klingt es wie eine sehr schöne Grabrede.)

Im Kommentar von Nico Fried in der „Süddeutschen Zeitung“ hört man fast die Enttäuschung eines Elternteils raus, das über die finale Partnerwahl der Kindes mehr als unglücklich ist.

Außerdem wird durch die Entscheidung der Basis offenbar nicht nur Olaf Scholz selbst brüskiert, sondern alle Personen, die für Scholz gearbeiteten haben und vielleicht auch alle seine Vorfahren und Kindeskinder.

„Obwohl fast alle Bedingungen, die die Sozialdemokraten sich und dem Koalitionspartner damals selbst gestellt haben, erfüllt, manche sogar übererfüllt wurden, hat die Basis ihre Unzufriedenheit über die große Koalition nun an deren Protagonisten ausgelebt. Denn das Ergebnis der Stichwahl brüskiert nicht nur Scholz, es ist eine Ohrfeige für alle Bundesminister und Parlamentarischen Staatssekretäre, für die Bundestagsfraktion und nicht zuletzt für die verbliebene Übergangsvorsitzende Malu Dreyer, die sich für die SPD und in der Koalition in den vergangenen Monaten beispiellos ins Zeug gelegt hat. Sie alle haben gegen Esken und Walter-Borjans verloren.“

3. Die evolutionsbiologische Kränkung

Die Kandidaten, die im eigenen Survival-of-the-fittest-Ranking nicht ganz vorne stehen, feiern einen politischen Erfolg, obwohl sie nach Wahrnehmung der Kommentatoren inkompetent und unbekannt sind.

Der „Tagesspiegel“ prognostiziert selbstsicher, wie die besten Freunde des Hochzeitspaars:

„Eine weithin unbekannte Bundestagsabgeordnete vom linken Rand und einen mäßig erfolgreicher Landesfinanzminister außer Dienst an der Spitze von Deutschlands ältester Partei – das kann nicht gut gehen.“

In der „Welt“ ist Walter-Borjans ein „Politrentner“, Esken eine „Hinterbänklerin“. Überraschend sei das Ergebnis auch, weil beide überschaubare Qualifikationen für ihre neue Aufgabe hätten:

„Immerhin hat der rheinische Grieche Regierungserfahrung, was sich von seiner Partnerin Esken nicht behaupten lässt. Die sitzt seit 2013 auf den hinteren Bänken des Bundestags und will ihre Erfahrungen im zerstrittenen Landeselternbeirat Baden-Württemberg, den sie nach eigener Aussage in zwei Jahren demokratisierte, nun auf die Partei übertragen.“

Auch Pergande in der FAS betont, dass beide „deutlich weniger bekannt als etwa Olaf Scholz“ seien, interessant ist allerdings auch, dass das Alter in Kombination mit ihrer Vita gegen die beiden angeführt wird: „Esken ist 58 Jahre alt, Walter-Borjans 67. Beide hatten noch nie bundespolitische Ämter inne und haben von der Führung der schwierigen SPD bestenfalls eine vage Vorstellung.“

Altenbockum in der FAZ ringt sich noch ein „Mit Verlaub“ ab, die argumentativen Bauteile sind jedoch nahezu identisch:

„In der Bun­des­tags­frak­ti­on muss sich, soll­te der Par­tei­tag dem Vo­tum der Mit­glie­der fol­gen, der Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de künf­tig von ei­ner, mit Ver­laub, Hin­ter­bänk­le­rin und Ko­ali­ti­ons­geg­ne­rin er­klä­ren las­sen, wie es für ihn und die Ko­ali­ti­ons­be­für­wor­ter, die Mehr­heit der Frak­ti­on, wei­ter­geht. An Es­kens Sei­te soll ein Ko-Vor­sit­zen­der ste­hen, der we­der Man­dat noch Par­tei­amt hat, der sich erst ein­mal ein­ar­bei­ten muss und des­sen höchs­te Spros­se auf der Kar­rie­re­lei­ter das Amt des Fi­nanz­mi­nis­ters von Nord­rhein-West­fa­len war, ein Amt, das er mit­tel­präch­tig aus­füll­te.“

Das journalistische Urteil: Sie haben sich nicht ausreichend erarbeitet und deswegen nicht wirklich verdient, gewählt zu werden.

Blättervohersage

Die Analysen, die prophetisch sein wollen, aber an die Grenzen des eigenen Journalisten-Egos stoßen müssen, erzeugen Zyklen und Routinen, stetig wiederkehrenden Formulierungen, die die Lücke des Spekulativen überbrücken sollen.

Dieser Effekt wird hier durch die fast schon unheimliche Einhelligkeit der Einstellung zur SPD verstärkt und erinnert an die Texte, die der Landsberger Poesieautomat von Hans Magnus Enzensberger herstellt. Diese Apparatur setzt per Zufallsprinzip Satzglieder zusammen, die am Ende in ihrer Willkür Poesie ergeben, Zufallsgedichte.

Die Verblüffung sagt viel über die journalistische Wahrnehmung der sozialdemokratischen Partei aus, in der eine sozialdemokratischere Ausrichtung nur eine trojanische Finte von Kevin Kühnert sein kann. Und in der die Wähler gar Truppen sind, die in seinem Auftrag „zur Wahlurne stürmen, um der ungeliebten Großen Koalition einen Denkzettel zu verpassen“, wie es Michael Bröcker, ehemaliger Chefredakteur der „Rheinischen Post“, heute in Steingarts „Morning Briefing“ beschreibt.

Die allgemeine Fassungslosigkeit über die „rote Revolte“ ergäbe jedoch nur Sinn, wenn man bis dahin davon ausgegangen wäre, dass bisher doch alles wunderbar lief.

Außerdem: Hätte Olaf Scholz gewonnen, hätte man medial das „Weiter so!“ beklagt, die Erschütterungen, Beben, Totentänze, Selbstzerstörungen argumentativ zwar anders ausstaffiert – aber mit exakt demselben Fazit geschlossen:

  • „Als politische Kraft hat sich die SPD gerade selbst abgewählt.“ („Berliner Zeitung“)
  • „Die SPD ist sich selbst nicht gut genug.“ („Süddeutsche Zeitung“)
  • „Sie hat sich vielmehr selbst aufgegeben.“ („Welt“)

Da die SPD am 23. Mai 1863 gegründet wurde, ist ihr Sternzeichen Zwilling. Im Horoskop stand für den Zwilling am 30.11. folgendes:

„Das positive Sextil zwischen Merkur und Saturn bewirkt heute und morgen, dass wir nun auf unsere beruflichen Angelegenheiten großen Wert legen. Der Mond, der abends in den Wassermann tritt, macht uns generell freundlicher, als wir sonst sind. Die negative Seite könnte sein, dass wir jetzt ein sehr starkes und eigentlich irrationales Freiheitsbedürfnis verspüren, das sich extrem auswirkt bis hin zur Dickköpfigkeit, was von den anderen allerdings nicht verstanden wird.“

35 Kommentare

  1. Um meinen alten Deutschlehrer zu zitieren: Krass.

    Den kontinuierlich fallenden Umfragewerte könnte man entnehmen, dass die SPD-Zielgruppe mit der SPD-Linie nicht zufrieden ist, wozu mutmaßlich auch die GroKo gehört, weshalb die Wahl einer „Koalitionsgegnerin“ eigentlich die Konsequenz ist. Was man als GroKoFan oder SPD-Hasser natürlich nicht gut finden muss.

    Ansonsten lässt man das beim nächsten Mal mit dem Parteitag einfach; nur Journalisten sollten Parteivorsitzende wählen dürfen, die haben ja mehr Ahnung. Und Politiker schreiben Zeitungen, so wie früher.

  2. @ 1

    Es ist nicht nur eine geniale Überschrift…der Artikel ist auch klasse.

    @ Samira El Ouassil

    Was mich wirklich verwunderte, ist wie wenig es vielen Hauptstadtjournalisten um die geplanten Inhalte ging.

    So beschweren sich alle über das Klimapaket der Groko, aber will jemand dieses Paket aufschnüren, dann ist das auch falsch.

    Witzig auch wenn man überlegt, wie sich 2017 Lisa Caspari noch darüber beschwerte, dass die SPD bei der Kampagne zur Bundestagswahl selbst kein Risiko eingehen wolle.

    Jetzt geht die Partei ein Risiko ein und es ist auch verkehrt.

    https://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-08/spd-wahlkampf-bundestagswahl-wahlplakat/komplettansicht

    MfG

  3. Service-Kommentar: Willys Brigitte heißt Seebacher, nicht Seebach.

    Übrigens teile ich Frau El Ouassils entsetzen über das allgemeine Entsetzen. Es ist geradezu wunderbar entsetzlich…

  4. Eigentlich sollten die Zeitungen ihren Abonnenten Geld erstatten, wegen erwiesener Ahnungslosigkeit. Viele politisch Interessierte hätten zutreffendere Analysen und Vorhersagen abgeben können. Die zitierten Redakteure ( vielleicht sollte das Jahreseinkommen Pflichtangabe im Impressum werden) hättenja mal ihre prekär beschäftigten Kollegen oder unbezahlte Praktikanten fragen können, warum jemand etwas gegen ein Weiter-so haben könnte.
    Aber Weltbild ist wieder bestätigt. Nix linksgrün versifft hier, sondern der reaktionäre Block steht bei Fuß, wenn auch nur der Hauch von Revolution durchs Zimmer weht.

  5. Das kommt vom elenden medialen Spekulieren, eine Unart, die ich deshalb nicht zum journalistischen Handwerk zähle – es ist reine Aufschreiberei, Spaltenfüllerei mit einem Nichts, das in vielen Medien ein unerträgliches Übermaß erreicht hat und womit Leser belästigt werden. Nun haben sich diese Aufschreiber verspekuliert. Statt nun einfach zu schildern, was passiert ist, spekulieren diese Leute einfach weiter und verspekulieren sich mit dem ihrer Meinung nach nun unvermeidlichen Untergang der sPD womöglich schon wieder. Aber darüber möchte ich nicht spekulieren.

  6. Mich wundert dieses Entsetzen wenig.

    Deutschland wird seit 1982 erzkonservativ regiert. (Ja, ich zähle Schröder auch dazu.) Der gesamte Parteienblock rutschte über die Jahrzehnte immer weiter nach rechts. Komischerweise existiert eine geradezu irrationale Panik vor allem, was links ist. Ich denke, dabei handelt es sich um ein Phänomen wie Ausländerhass in Gegenden, wo es keine Ausländer gibt: Was man nicht kennt, fürchtet man erst recht.

    Jetzt ist die alte Tante SPD endlich wieder ein Stück in die Richtung gerückt, wo sie ursprünglich mal herkam – schon drehen alle am Rad. Ich mag das.

  7. Wieso um Himmels Willen, holt irgendein Blatt – auch wenn’s die „Bild“-Zeitung ist – einen Kommentar von Frau Brigitte Seebacher ein? Wen interessiert denn, was die Gattin von Hilmar Kopper, Ex-Sprecher und -Manager der Deutschen Bank, zur Wahl der SPD-Spitze zu sagen hat? Nur weil sie vor Jahrzehnten mit Willy Brandt verheiratet war, ist sie doch in Bezug auf die SPD-Spitze nicht kompetenter als Frieda Meier aus Bielefeld. Dass jemand mit sehr guten Beziehungen zur Bankwelt wohl lieber eine SPD-Sitze hätte, die der CDU möglichst nahe kommt, kann ich hingegen nachvollziehen. Aber die Logik mancher Journalisten schon weniger: Da wird der Untergang der SPD vorhergesagt, weil sie (eventuell) die GroKo verlassen könnte. Als ob das Verweilen in Selbiger den Erfolg der SPD garantieren würde. Seit die SPD in GroKos ist (nicht erst in der jetzigen) verliert sie beständig Wähleranteile. Und da wird dann ernsthaft darüber lamentiert, der Untergang stehe bevor, wenn die SPD dieses (Miss-)Erfolgsmodell verlasse? Erinnert mich an Paul Watzlawicks („Anleitung zum Unglücklichsein“) Definition neurotischen Verhaltens: Aus dem Fehlschlagen einer Handlung nicht zu lernen, nach einem neuen Weg zu suchen, sondern zu meinen, der Erfolg müsse sich einstellen, wenn die erfolglose Handlung nur perfektioniert und mit noch mehr Einsatz wiederholt wird.

  8. FAZ/FAS, Tagesspiegel, Zeit, sogar die BZ und noch die Süddeutsche, wenn ich keinen vergessen habe. – Das sind nicht „alle“. :-)

    Leider wird in dem Artikel versucht einen Popanz aufzubauen und zu suggerieren, es finde hier ein Kampf David gegen Goliath statt aber das ist schlicht und einfach nicht der Fall.

    Natürlich waren alle überrascht, schließlich hatten ja auch alle Zeitungen falsch gelegen, die mittigen genauso, wie die linken. Es ist deshalb also auch nicht sonderlich schwer, so kurz nach der Überraschung fast überall erschrocken Kommentare zu finden aber diese Überraschung hat sich auch schon teilweise wieder gelegt und die Positionierung beginnt.

    Seitens des mächtigen Leitmediums „Spiegel“ äußerte sich Markus Feldkirchen schon mal vorab:

    „Nein, die Wahl von Esken und Walter-Borjans ist nicht das Ende der SPD, so unerfahren die beiden als Führungskräfte auch sein mögen. Und das Ende der Großen Koalition wäre erst Recht nicht das Ende der SPD – eher das Gegenteil.“

    https://mobile.twitter.com/MFeldenkirchen/status/1200859709512790016

    In die Richtung werden also seine nächsten Kolumnen auch gehen.

    Auch Jakob Augstein freut sich wie Bolle und lässt zudem alle wissen, dass er das sogar „ehrlich“ meint. – Da fragt man sich doch unwillkürlich, ob der ansonsten vielleicht den ganzen Tag lügt, dass sich die Balken biegen, wenn nicht „ehrlich“ davorsteht?

    „DAS ist die ERSTE gute Nachricht aus der SPD seit langer Zeit! Ehrlich: Ich hab es den Genossen nicht zugetraut! Eine neue Hoffnung für die SPD!“

    https://mobile.twitter.com/Augstein/status/1200841511748943872

    Dreimal darf man also raten, was da Freitag im „Freitag“ stehen wird.

    Auch die Hauspostille der Grünen (die als einzige von schnellen Neuwahlen profitieren würden und sie deshalb auch als einzige Partei wirklich wollen) fährt schweres Geschütz auf.

    Am Schluß ihres frauenbewegten Artikels wird sogar Mahatma Gandhi bemüht um dem eher trögen Pflänzchen Esken etwas mehr Sonnenlicht und Glanz zu verleihen:

    „Für die Zukunft könnte Esken es mit einem Aphorismus halten, der Gandhi zugeschrieben wird, ein geschlechterübergreifend geeignetes Vorbild: Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.“

    https://taz.de/Umgang-mit-Frauen-in-der-Politik/!5641489/

    Na ja. – Man hat sich immerhin mit „könnte“ abgesichert. :-)

    Auch die Zeitungen des SPD-Medienimperiums, der Madsack-Gruppe, welche viele wichtige und auflagenstarke Lokalzeitungen im Portfolio haben, sind eher nicht von Katastrophenstimmung getragen, sondern verhalten sich erwartungsgemäß.

    Wenn wir also hier im Blog-Artikel apokalyptische Sätze wie diese lesen:

    „Diese überzeugte Einstimmigkeit ist vor allem deshalb bemerkenswert, da hier mit nostradamischer Gewissheit die Zukunft der SPD nun nicht mehr nur vermutet, sondern selbstsicher gewusst wird, ….“

    Diese „überzeugte Einstimmigkeit“ gibt es schlicht und einfach nicht, siehe oben. Meinungsführer wie der Spiegel fehlen wohl auch nicht ganz ohne Grund bei den aufgeführten Publikationen.

    „Schaut man sich die politischen Kommentare an, die in den vergangenen beiden Tagen über die Wahl der neuen SPD-Parteivorsitzenden erschienen sind, scheint der Zusammenbruch der deutschen Demokratie unmittelbar bevorzustehen.“

    Kommt halt drauf an *welche* politischen Kommentare genau – und welche nicht. :-)

    Das kuriose ist: Den meisten (eigentlich fast allen) Kommentaren, die im Blog-Artikel zu finden sind, denen stimme ich voll zu, vor allem Steingart hat es wieder mal gut getroffen.

    Ich wollte mit meinem Beitrag hier auch nur darauf hinweisen, das die neuen SPD-Parteivorsitzenden sowohl ihre Unterstützer als auch Skeptiker in der deutschen Presse haben – und sie deshalb nicht in Watte gepackt werden müssen.

    (Irgendwie beschlich mich beim Lesen nämlich genau das Gefühl. ;-)

  9. Es ist schon bemerkenswert, wie hier die Journalisten ihr Wissen preisgeben. Ich denke mal, dass sie der SPD nicht sehr nahe stehen. Zumindest war die Wahl die demokratischste, die ich in 50 Jahren Parteimitgliedschaft erlebt habe. Und allemal besser als nahles und Schulz sind sie schon

  10. Einfach nur genial geschrieben. Das war inhaltlich und stilistisch ein Genuss. Ein ehrliches Danke für diesen Artikel.

  11. Danke für diesen Beitrag! Ganz genau auch meine Beobachtung. Mich nervte auch, dass etwa Der Tagesspiegel schon Wochen vorher damit begann Olaf Scholz hoch zu schreiben (wtf!?).

  12. „Deutschland wird seit 1982 erzkonservativ regiert“

    Echt, nehmen Sie das so wahr?

    Kommt mir in der Rückschau ganz anders vor

    – Abschaffung der Wehrpflicht
    – Atomausstieg
    – Mindestlohn
    – Rente mit 63
    – Ehe für alle

    z.B. sind doch eher nicht erzkonservative Politikentscheidungen, völlig unabhängig davon ob man das nun für richtig oder falsch hält.

    Außerdem sollte man nicht vergessen, dass zumindest ein Teil von Deutschland bis 89 geradezu apokalyptisch progressiv regiert wurde.

  13. – Abschaffung der Wehrpflicht
    – Atomausstieg
    – Mindestlohn
    – Rente mit 63
    – Ehe für alle

    Es geht noch weiter
    Auch das Ausmaß von Steuern, Abgaben, Staatsinterventionismus, aufgeblähtem Staatsapparat sieht auch nicht gerade konservativ aus.
    Dazu passt auch, dass in den letzten vier Jahren wurden 2 Millionen Flüchtlinge ins Land geholt wurden.

  14. Die Autorin verteidigt Vertreter, die ihrer linken Gesinnung nahekommen. Das ist ihr gutes Recht.
    Glaubhaft ist es aber überhaupt nicht, denn die zahlreichen zitierten Kommentatoren irren nicht, eher Frau El Ouassil mit ihrem Wunschdenken.
    Die beiden gewählten Kandidaten ohne Eignung und Ausstrahlung, aber linker Attitüde, werden den Untergang der SPD nicht aufhalten, sondern beschleunigen.
    Wenn es jemanden ernstlich interessiert warum die SPD seit Helmut Schmidt nur noch gut ein Drittel Wähler hat, der soll sich auf YouTube Gespräche mit Helmut Schmidt über Zuwanderung, Islam und Parteiausschuss Thilo Sarrazin (war damals schon ein Thema) ansehen.
    Dann wird er wissen warum die SPD auf ihrem (völlig berechtigten) Weg in die Bedeutungslosigkeit ist.
    Wetten?

  15. Seit wieviel Jahrzehnten macht die SPD diese Self-Fulfulling-Press-Prophecy eigentlich mit?

    SPD handelt nicht nach Journalistenempfehlung –> SPD wird runtergeschrieben –> Schlechtes Wahlergbis –> Bäm hamwa doch gesagt! –> Was unternimmt ide SPD gegen den Abwärtstrend –> Unternimmt was, aber nicht nach Journalistenempfehlung –> Rinse and repeat.

    Und wie schafft die CDU es, nicht in diese Mühlen zu geraten?
    Da schießt man sich dann auf Merkel ein, aber ihr Parteibuch vergisst man gerne.

    @16:
    Alles Maßnahmen der CDU-geführten GroKo oder Schwatzgelb. Also definitiv konservativ. Rente z. B. konserviert den Sozialstaat für künftige Generationen. Nennt sich übrigens Sozialgesellschaft. Der gilt für Alle, bitte akzeptieren. Und schauen Sie sich mal die Defnition von „Flucht“ an, das ist ja peinlich.

  16. Bei NTV geht man sogar noch weiter und bezeichnet Kevin Kühnert als „den heimlichen SPD-Chef“, der im Hintergrund als Strippenzieher agiert und aufgrund seiner Mobilisierung der Jusos Hauptverantwortlich für das Wahlergebnis sei. Esken und Walter-Borjans seien von nun an „Vorsitzende von seiner Gnade“ und Kühnert fortan verpflichtet.

    Und alles ohne einen Hauch von Konjunktiv, das liest sich wie eine Verschwörungstheorie.

    https://www.n-tv.de/politik/politik_person_der_woche/Kevin-Kuehnert-der-heimliche-SPD-Chef-article21433600.html

  17. Wann schreibt der Sarazin endlich wieder ein Buch,
    das die BRD fokussifiziert,fasziniziert,demoralifiziert,elektrifiziert,sezifizert,
    demagogifiziert,metabolifiziert,exorziziert
    oder einfach die politische schreibende Zunft ziert!
    Je nach dem Defininziongrad von Zierrat ;-)
    Oder von der Es-Pe-Deee ablenkt ;-)
    Mal schauen wer stärker ist…die Realität oder das erwählte Traumpaar?

  18. Ich weiß, konservatives-Feuilleton-Man tut sich damit schwer, aber das Traumpaar ist Realität.
    Kein oder.

    Die Schwäche der SPD der letzten 20 Jahre liegt m. E. daran, dass die CDU unter Merel weiter von rechts weggerückt ist (nicht nach links gerückt!). So konnte man sich alle solzialpolitischen Themen der SPD abgrasen und so Wahlerfolge (naja) mit SPD-Themen feiern.
    Jetzt machen die Partei-Rechten Druck, noch mehr sozialdemokatisch darf das ehemalige NSDAP-Auffangbeckken ja nicht werden.
    Aber upps … rechts steht jetzt die AfD mit 25%.

    Das werden noch „lustige“ Jahre für eine CDU, die nicht linker werden kann und nicht rechter werden darf.
    Aber „Die Mitte“ zu erobern war ja auch erklärtes Ziel von Merkel.

  19. Die SPD wählt Sozialdemokraten an ihre Spitze. Unerhört. Personell rückt sie einen Millimeter nach links und schon taucht für die Leitmedien das Gespenst des Sozialismus am Horizont auf

    Was ich in den Kommentaren unter einige Spiegelartikel dazu las, ist nichts anderes, als öffentliches Mobbing. »Der Politrentner und die Frau aus dem NICHTS« (SPON) sind in den Augen vieler Foristen aus diversen Gründen für die Aufgabe angeblich völlig ungeeignet.

    Ich frage deshalb mal dagegen: Ist Herr Spahn Medizinier? Hat Frau Svenja Schulz Ökologie studiert oder war sie Jahrzehnte Mitglied bei Greenpiece oder Führungsperson beim BUND? Was verstand Frau von der Leyen von Strategien zur Landesverteidigung und wie gut kennt Frau Kramp‐Karrenbauer die Strukturen der Bundeswehr und ihre Bewaffnung? »Hattse überhaupt jedient?« Als Frau Dr. med. von der Leyen die Familienministerin spielen durfte, galt die Mutterschaft über 7 Kinder vermutlich als Überqualifikation. Von jetzt auf gleich wurde sie dann Arbeitsministerin. Bei diese „Allrounderin mit Omnikompetenz (!)“ stellte bisher niemand ihre Eignung als Präsidentin im EU-Parlament infrage.

    Die Bank‐ und Hotelkauffrau Karliczek darf sich die Rolle der Bildungsministerin zumuten. Zum Schluss unser Verkehrsminister, der ein völlig fachfremdes Studium absolviert hat. Ihn scheint allein für das Amt auszuzeichnen, dass er einen Führerschein besitzt. Bei Frau Klöckner wissen wir, dass sie sich als ehemalige Weinkönigin für das Ministeramt qualifizierte. Fachbezogenes Studium: Fehlanzeige.

    Auch die Talkshowmoderatoren laufen sich schon warm. Vor ca. 1 Woche waren beide Kandidaten bei Markus Lanz, der sie auf eine maximal respektlose Art und Weise vorzuführen versuchte. Das war dermaßen zum Fremdschämen, dass ich eigenlich mit einem Shitstorm, wenn nicht sogar mit einer Petition gegen Lanz gerechnet hatte, wie seinerzeit bei seinem Umgang mit S. Wagenknecht. Anne Will wollte da nicht zurückstehen und unterzog ihre beiden Gäste Borjahn und Esken einer regelrechten Inquisition.

  20. @23 (Gerdos):

    Mal abgesehen davon, dass Minister (in jedem Land der Welt) lediglich die große Linie vorzugeben haben und Fachkompetenz dafür zwar hilfreich aber eben nicht zwingend erforderlich ist:

    Alle Leute, die Sie beschreiben wurden doch nun wirklich dafür auch mehr oder weniger kritisiert (weil man eben in Deutschland der Meinung ist, ein Minister müsse zwingend auch vom Fach sein, das ist im Ausland nicht so verbreitet). Besonders Ursula von der Leyen hat sicher noch mehr Fett wegbekommen, als die meisten anderen.

    Warum also, sollten also wir jetzt die neuen (baldigen) SPD-Vorsitzenden in Watte packen?

    Alle die Sie in ihrem Beitrag angeführt haben, mussten da schließlich auch durch, also bitte, warum jetzt Extrawürste für die beiden?

  21. Holger: Weil Parteiführung und Ministeramt mit der Befugnis, Recht zu setzen (Verordnungen) für die Gesamtbevölkerung unterschiedliche Verantwortung und Auswirkungen haben.

  22. @25 (Gerdos):

    Nein.

    Minister setzen *im Idealfall* nur das durch, was ihre Parteitage beschlossen haben.

    Im *Regelfall* bleibt davon aber nur mal mehr oder weniger übrig, nämlich das, was nach den Koalitionsverhandlungen vereinbart wurde.

    In *beiden Fällen* aber setzen Minister nur etwas durch, was schon beschlossen wurde.

    Das tun Parteivorsitzende zwar auch, aber nicht hauptsächlich. Sondern Parteivorsitzende haben einen hohen Anteil *an der Schaffung* von dem, was ihre Minister später dann durchsetzen sollen.

    Das ist der entscheidende Unterschied, sie schaffen die parteipolitische Linie, sind also insoweit nicht so einfach mit Ministern gleichzusetzen.

    Es ist deshalb legitim, dass an ihre Qualifikationen auch höhere Anforderungen gestellt werden als an Minister.

    Genau darum ist es eben auch nicht egal, ob eine Parteivorsitzende schon Wählen gewonnen hat und Ministerpräsidentin eines Bundeslandes war oder ob eine Parteivorsitzende noch nicht mal in ihrem eigenen Wahlkreis eine Wahl gewinnen konnte.

  23. Holger: Als Wunschdenken würde ich diese Interpretation ja noch durchgehen lassen. Die Praxis und die Kompetenzen eines Bundesministers als Teil der Exekutive nach dem Grundgesetz sehen anders aus. Bestes Beispiel ist Bodo Ramelow, DIE LINKE.

    Ramelow selbst sieht sich nicht als „Vertreter der Linken in der Staatskanzlei“, sondern als „Ministerpräsident einer Dreierkoalition“, erklärte er nach seiner Wahl 2014 gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). Wenige Tage später betonte Ramelow erneut, er werde „nicht Ministerpräsident der Linken“ sein. Dabei ist das Amt des Ministerpräsidenten ohnehin kein parteipolitisches – weshalb es auch so ungewöhnlich ist, dass ein Ministerpräsident zur Amtseinführung die Distanz zur eigenen Partei betont. „Nicht mal auf das Grundsatzprogramm seiner Partei“ lasse sich der „gnadenlose Pragmatiker“, „der Linke für die Mitte“, noch verpflichten, ließ die Süddeutsche Zeitung ihre Leser damals wissen.

    Auch ein Winfried Kretschmann aus Ba-Wü agiert nicht wie ein GRÜNER. Eher so wie ein CDU-Mann. Muss ich wohl nicht weiter begründen.

    Ein Parteivorsitzender repräsentiert die Partei nach außen und hat sie nach innen auf Linie zu halten. In demokratisch organisierten Strukturen ist eine Quali dafür zwar wünschenswet, aber nicht erforderlich. Charaktereigenschaften wie Aufrichtigkeit, Transparenz, Authentizität, Glaubwürdigkeit und Idealismus sind mir wichtiger.

  24. „Ramelow selbst sieht sich nicht als „Vertreter der Linken in der Staatskanzlei“,…“

    Ja, und genau darin stimmen ihm Teile der Linkspartei, wie z.B. die „Kommunistische Plattform“ ja auch voll und ganz zu.😊😊😊

    Ähnliches gilt bekanntlich auch für Kretschmann und die Grünen.

    Im Ernst:

    Sie vermischen jetzt Landes- und Bundespolitik und setzen auch noch voraus, das Politiker immer auch das machen, was sie sagen.😊

    Das die Provinzfürsten (egal welcher Partei) sich oft herzlich wenig darum scheren, was die Bundespartei *eigentlich* beschlossen hat und in Koalitionsverhandlungen viel davon preisgeben, das ist ja nix neues, ändert doch aber nichts an der Sachlage insgesamt.

    Sie sollen ja als Landesväter auch integrativ wirken, sollen ja auch die MP aller sein. Im Idealfall geht das mit der beschlossenen Politik, meistens müssen aber ein paar landestypische Abweichungen rein und Koalitionspartner haben die ja auch immer noch.

    Sie setzen dann das, was noch übrig bleibt aber schon durch, also ganz so ist das nun auch nicht.

    Der Weg ist jedenfalls schon so, wie im Post 26.

  25. Danke für den Artikel, wobei mir hier die TAZ fehlt die auch einen eher negativen Kommentar hatte.

    Dass man in der Opposition keinen Einfluss auf die Regierung haben stimmt auch nicht, da viele Regierung aus Angst vor Parteien am rechten Rand Entscheidungen treffen die deren Forderungen mindestens begünstigen.

  26. @Holger#24
    „Warum also, sollten also wir jetzt die neuen (baldigen) SPD-Vorsitzenden in Watte packen?

    Alle die Sie in ihrem Beitrag angeführt haben, mussten da schließlich auch durch, also bitte, warum jetzt Extrawürste für die beiden?“

    Fuck, schon das zweite Mal, wo ich Ihnen zustimmen muss.

    Insgesamt sehe ich das ganze zwar dennoch eher in der Richtung von Frau El Ouassil, aber das eben nur, weil sie meiner grundsätzlichen Meinung Nahe kommt.
    Was aber nichts an den objektiven Tatsachen ändert, dass hier nur der selbe Medienzirkus stattfindet, wie er immer statt findet.

    Und mensch will ja objektiv bleiben, daher stimme ich Ihnen gerne zu, dass hier ein Pferd geritten wird, was eigentlich schon tot geritten ist.

    Die Details zu dem Einfluss von Parteivorsitzenden oder Landesfürsten wären aus meiner Sicht noch diskutabel, aber der Artikel, unter dem wir schreiben, da stimme ich Ihnen zu, bemängelt im Grunde wirklich nur, was eigentlich bei jeder Personaldebatte immer und immer wieder vorkommt.

  27. „Warum also, sollten also wir jetzt die neuen (baldigen) SPD-Vorsitzenden in Watte packen?“

    Wer tut das denn oder hat dazu aufgefordert?
    Das ist ein Strohmann.

    Esken und Borjans sind 3 Tage im Amt, da gibt es schlicht nichts zum in Watte packen.

    Spätestens mit dem „Provinzfürsten“-Satz in #28 weiß ich dann aber auch, wohin Sie gedanklich wollen.

  28. @24, 30: „Was aber nichts an den objektiven Tatsachen ändert, dass hier nur der selbe Medienzirkus stattfindet, wie er immer statt findet.“ Naja, an einer (oder zwei) Personalentscheidungen festzumachen, dass eine ganze Partei bzw. politische Strömung dem Untergang geweiht ist … das ist nach meiner Erinnerung nicht „immer“ der Fall.

    @31: Sie sind noch nicht mal im Amt.

  29. @32: Vor Allem, weil der Artikel selbst genau das kritisiert! Und dann schlagen die Dauernörgler hier auf und kopieren eben das kritisierte Verhalten.
    Kannste dir nicht ausdenken.

  30. @31 (dermax):

    „Spätestens mit dem „Provinzfürsten“-Satz in #28 weiß ich dann aber auch, wohin Sie gedanklich wollen.“

    Ich bemühe mich immer zu zeigen, wo ich gedanklich hin will, deshalb werden meine Beiträge ja auch oft etwas länger. :-)

    Allerdings hat ihr obiger Satz auch schon wieder einen Unterton, wo es einen leicht gruseln kann. Wenn Sie glauben einen doppelten Boden gefunden zu haben, dann sprechen Sie es bitte aus, herrgott, dafür ist das hier schließlich eine Diskussion.

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