Was passierte, als ich mich beim ZDF übers Programm beschwerte

Der ZDF-Fernsehrat hat mir ein Arbeitszeugnis ausgestellt. Da steht zum Beispiel drin, dass mein Tonfall „ironisch“ sei, und dass ich O-Töne „pointiert“ einsetzen würde. Aber es gibt auch Kritik: Mein Video, das der Fernsehrat begutachtet hat, sei „suggestiv“ geschnitten, steht da. Was natürlich jetzt nicht so schön ist. Noch weniger schön ist aber, dass ich von all dem fast gar nichts erfahren hätte, weil der Fernsehrat es mir nicht mitgeteilt hat.

Vor einem halben Jahr hatte ich eine Programmbeschwerde ans ZDF gerichtet, meine erste. Es ging um die Krimi-Reihe „In Wahrheit“, die ich vor der Beschwerde bereits in besagtem Video kritisiert hatte, insbesondere die Folge „Still ruht der See“. Weil die Kommissare da andauernd in ihren dicken BMWs durchs Saarland gurken. Was arg werblich wirkt. Nicht nur auf mich.

Ich hatte den Sender damals gefragt, wie er das sieht, und wenig überraschend sah er es anders: Es handle sich nicht etwa um Schleichwerbung, sondern um legitime Produktionshilfe, bei der ein Autohersteller (hier: BMW) Wagen zur Verfügung stelle. Und da dachte ich: Machste mal offizielle Programmbeschwerde, damit der Fernsehrat, das Aufsichtsgremium des ZDF, das ganz offiziell klärt. Das Video fügte ich an. Dann begann das Prozedere.

Das Verfahren

Wer sich beim ZDF beschweren will, ruft entweder an, schreibt einen Brief oder eine Mail, oder kettet sich freitags an die Hauptpforte am Lerchenberg, was aber eher unpopulär ist. Eine Programmbeschwerde ist der formelle Weg, festgeschrieben in der ZDF-Satzung, und dafür gibt es zwei Formulare im Internet (eins für TV-Sendungen, eins für Online-Angebote des ZDF), die jede/r Zuschauer/in ausfüllen kann, die oder der sich beschweren will.

Stufe 1: Antwort vom Intendanten

Als Erstes bekommt dann Thomas Bellut die Beschwerde, der Intendant. Damit er sich drüber beugen und antworten kann. Meine Beschwerde fand Bellut leider nicht so trefflich, das hat er auch ausführlich begründet: auf zwei eng bedruckten DIN-A4-Seiten.

Bellut schrieb mir, die Krimi-Produktion verstoße gegen keinerlei Richtlinien, auch nicht gegen den Rundfunkstaatsvertrag. Das ZDF achte

„sehr genau darauf, dass Fahrzeugdarstellungen ausschließlich dramaturgisch begründet sind und […] auf das in diesem Sinne notwendige Maß beschränkt bleiben“.

Generell greife der Sender auch deshalb auf kostenlose Produktionshilfen zurück, um „die Beitragszahler zu entlasten“. Also sei nichts zu beanstanden, wie der Intendant realitäts- und mobilitätsphilosophisch ausführt:

„Dass sich die Ermittler im Film mit einem Auto fortbewegen, um etwa zum Tatort oder zu Verdächtigen zu gelangen, ist zu einem erheblichen Teil der realistischen Darstellung der Polizeiarbeit geschuldet.“

Fragt sich eben nur, wie hervorgehoben die Marke dabei inszeniert wird.

Die Fahrszenen dienten „der Orientierung des Zuschauers im Handlungsverlauf und dazu, die Handlung in der Landschaft des Saarlandes zu verankern“, so Bellut. Insgesamt stellten die Szenen ohnehin nur „einen Bruchteil der abgebildeten Lebenswelt und Handlung dar“ und die Kameraführung beruhe „auf künstlerischen Erwägungen von Kamera und Regie und ist sinnvoll im situativen Kontext verankert“. Was Bellut zu dem Schluss führt:

„Eine gehäufte, dramaturgisch unbegründete Darstellung des Fahrzeugs, wie sie Ihr Zusammenschnitt bei übermedien.de suggeriert, findet nicht statt“.

Auch der Intendant findet also, ich würde suggerieren. Außerdem seien gar nicht alle Fahrzeuge Bereitstellungen von BMW gewesen, sondern nur zwei: für den Kommissar und die Spusi. Ein weiterer BMW sei vom ZDF angemietet worden. (Wie auch andere Fahrzeuge von VW oder Audi.)

Kommissar Kinderlieb, staunendes Mädchen ZDF/Arte

Und was ist mit der Szene, in der ein Kind einen BMW großäugig bestaunt, als der Kommissar ihr unter anderem die elektrischen Fensterheber (!) vorführt?

Auch dafür hat Bellut eine lange Erklärung. Kurz gefasst: Auf diese Weise werde „sowohl die prekäre Herkunft“ des Mädchens „aus sehr einfachen Verhältnissen“ verdeutlicht, als auch die „Kinderliebe“ des Ermittlers. Dass das Auto „besonders schön oder begehrenswert sei“, werde durch den Dialog nicht ausgedrückt. Und, außerdem: Genau dieses Auto sei das angemietete gewesen.

Schließlich räumt der Intendant aber dann doch noch ein:

„Im Nachhinein kann man selbstkritisch sagen, dass ein Fahrzeug einer anderen Marke hätte angemietet werden sollen, um diesem Anschein klar die Grundlage zu entziehen.“

Stufe 2: Entscheidung des Fernsehrats

An dieser Stelle kann ein Beschwerdeverfahren schon enden. Wenn sich die Person, die sich beschwert hat, mit der Antwort des Intendanten zufriedengibt. Sonst kann man beantragen, dass es weitergeht.

Weil mich Belluts Antwort nicht abschließend befriedigte, bat ich, die Sache dem Fernsehrat vorzulegen. Das ist der zweite und letzte Schritt des Verfahrens, der Endgegner. Nein, Scherz. „Der Anwalt des Zuschauers“, so nennt sich der Fernsehrat. Auch wenn das hier nicht trifft. Der Fernsehrat vertritt einen nicht „anwaltlich“ bei einer Beschwerde, er prüft sie. Und entscheidet.

Dafür tritt zunächst der Beschwerdeausschuss zusammen, der nicht-öffentlich tagt. Der schlägt dem gesamten Fernsehrat vor, was er beschließen soll, was der dann auch so macht. In meinem Fall wurde die Beschwerde in der (öffentlichen) Sitzung des gesamten Fernsehrats mit der „vielleicht längsten bisher im Fernsehrat verlesenen Begründung“ zurückgewiesen. Dort kommt auch das mit der Ironie vor. Was mir aber nie zugestellt wurde.

Post vom Fernsehrat

Stattdessen kam eine viel kürzere Begründung. So richtig als Brief. Meine Beschwerde sei „eingehend beraten“ worden, schreibt Marlehn Thieme dort, die Vorsitzende des Fernsehrats. Sie erklärt:

„Anders als in der suggestiven Zusammenstellung beanstandeter Szenen ist das Auto bei der Entwicklung der Hauptfigur als Symbol von Status und Aufstiegswillen bzw. als Schutzraum und Möglichkeit zur Abgrenzung zu ihrer sozialen Herkunft inhaltlich eingebunden.“

(Auch hier ist also wieder vom suggestiven Schnitt die Rede.)

Thiemes Begründung schließt natürlich nicht aus, dass die Szenen trotzdem werblich wirken können. Aber das findet der Fernsehrat auch nicht: Die Kameraführung bewege sich „im Rahmen einer dramaturgisch motivierten Bildgestaltung“, zudem sei das Auto der Hauptfigur auch gar nicht von BMW gestellt worden. Wie auch Thomas Bellut schon schrieb. Ohnehin orientiert sich die Begründung des Fernsehrats sehr an der des Intendanten.

Und deshalb, alles in allem: Beschwerde „als unbegründet zurückgewiesen“.

Alle Beschwerden „zurückgewiesen“

Überraschend ist das nicht. Die meisten Beschwerden werden „zurückgewiesen“, eigentlich alle. Ich habe das beim Fernsehrat noch mal separat erfragt: 2018 gingen demnach 57 Beschwerden ein, 19 wurden im Fernsehrat beraten; 2019 waren es bis dato 29 Beschwerden, zehn wurden beraten – und keiner einzigen wurde stattgegeben. Oder wie der Fernsehrat es ausdrückt: „nicht in vollem Umfang“.

Zuweilen nämlich räume der Intendant schon im ersten Schritt Fehler ein; diese Beschwerden werden dann generell zurückgewiesen. Und in „einigen Fällen“ sei ja „eine sog. Tenorierung“ enthalten, ein Zusatz, „in dem der Fernsehrat Hinweise bzw. Erwartungen an das Haus formuliert“, wobei er „häufig Monita der Beschwerdeführer/innen“ aufgreife.

Anders gesagt: Das Gremium weist eine Beschwerde ab, weil es keinen Verstoß gegen Richtlinien sieht, sagt dem Sender aber, dass er dies oder das trotzdem mal anders machen soll. Wie ein milde mahnender Erzieher.

Auch bei meiner Beschwerde: Es hätte von „größerer Sensibilität gezeugt“, wenn in dem Krimi „ein passendes Fahrzeug einer anderen Marke gewählt worden wäre“. Man erwarte deshalb vom ZDF „eine sorgfältige und breitere Auswahl dargestellter Fahrzeugmarken“. Eine „gut begründete, inhaltlich fundierte Beschwerde“, heißt es, bleibe im ZDF „nicht ohne Wirkung“.

Grundsätzlich hat der Fernsehrat übrigens, gemäß der Verfahrensgrundsätze, drei Möglichkeiten, auf Beschwerden zu reagieren: Er kann sie zurückweisen und gegebenenfalls mit einer Anregung bzw. Kritik versehen (siehe oben); er kann ihr stattgeben und das mit einer Erwartung, einem Hinweis versehen; und er kann einer Beschwerde umfassend stattgeben und vom Intendanten verlangen, dass die Beanstandung im Programm ausstrahlt wird.

(Meine Anfrage, wie viele Beschwerden zurückgewiesen wurden, habe man zum Anlass genommen, schreibt der Fernsehrat, „die Beschwerdeberichte auch auf der Seite ‚Eingaben‘ zu den Programmbeschwerden gesammelt einzustellen, damit die Nutzer/innen diese an zentraler Stelle leichter finden und nicht unter jedem Sitzungstermin danach suchen müssen“.)

Fazit

Man sollte sich nicht zu viele Hoffnungen machen, dass eine Programmbeschwerde beim ZDF erfolgreich ist, dass sie also tatsächlich Konsequenzen hat. Dennoch sollte man diesen Weg im begründeten Fall gehen. Allein, dass sich die Redaktionen mit den Vorwürfen befassen müssen, führt unter Umständen zu so etwas wie einer Sensibilisierung, vielleicht zu Umdenken. Darauf verweist auch der Fernsehrat in seiner Begründung an mich:

„Die intensive Diskussion mit den Programmverantwortlichen des ZDF, meist in den zuständigen Programmausschüssen, führt zu einem konstruktiven Umgang mit den Inhalten der Beschwerde und, wo nötig, auch zu Reaktionen in der redaktionellen Arbeit.“

Doof nur, dass der Fernsehrat seine Entscheidung in der Sitzung ellenlang begründet, das aber weder in Gänze veröffentlicht, noch mir als so genanntem Beschwerdeführer weiterreicht.

So wäre auch fast unbemerkt geblieben, dass der Fernsehrat sich richtig Mühe gegeben und bei der echten Kripo im Saarland nachgeforscht hat: Schaue man sich „im Rahmen einer kleinen Recherche“ deren Fuhrpark an, zeige sich, Trommelwirbel: „dass dort BMW-Fahrzeuge genutzt werden“! So hieß es in der ausführlichen Begründung. Was natürlich mit das lustigste Argument ist für den sehr augenfälligen Einsatz dieser Marke im fiktionalen Fernsehen. Zumal es ja gar nicht darum ging, ob dem ZDF hier eine alltagsrealistische Wirklichkeitskonstruktion gelungen ist. Sondern um mögliche Werbung.

26 Kommentare

  1. Früher fuhr die saarländische Polizei vorzugsweise Peugeot und Ford (weil Bezug zur lokalen Wirtschaft). Ob man das beim ZDF dann auch so bereitwillig als Realitätsbezug aufgegriffen hätte, wenn es keine deutschen Hersteller sind? ;)

  2. Ich wollte mal mitteilen, dass ich den Schreibstil von Boris Rosenkranz mag (gerade wenn der ironisch und suggestiv ist). Huch, genau das habe ich jetzt ja getan. Naja, ein bisschen Schleimerei muss auch mal sein.

  3. „[…]oder kettet sich freitags an die Hauptpforte am Lerchenberg[…]“

    Es ist fast 2 Uhr morgens und ich bin grad ziemlich kaputt — aber nach diesem Vorschlag erst recht, auf die bestmögliche Art :-)

  4. Ich erinnere mich an Zeiten, damals wurden häufig Markenembleme entfernt.

    Eigentlich müsste man Kamerateam und Regie der Produktion fragen, ob es Vorgaben gab, die Fahrzeuge so darzustellen.

    Interessant, aber eher auf Fachmotorpresse bezogen, ist der aktuelle Podcast Die Hupe, wie die PRessebilder bei Autotests entstehen: Die Hersteller geben den „Journalisten“ einen Fotografen oder Videodreher mit:
    Ab 22 Minuten: https://diehupe-podcast.de/folge-10-auto-und-motorradmedienwandel-sowie-kettenfahrzeuge-fuer-den-garten-und-yamaha-tracer-700/

  5. Mit ihrer Erfahrung sind sie nicht allein. Sowohl beim ZDF-Fernsehrat wie auch bei den ARD-Rundfunkräten tut man sich grundsätzlich sehr schwer, Programmbeschwerden stattzugeben. Alles ist auf abwiegeln ausgelegt. Der juristische Laie hat gerade bei der ARD ohnehin keine Chance. Je nach Sendeanstalt ist es wirklich anspruchsvoll, tatsächlich den Rundfunkrat zu erreichen. Nach meinem Eindruck wird es umso intransparenter, je weniger Öffentlichkeit in den Aufsichtsgremien herrscht. Ich habe das Thema Schleichwerbung beim NDR bereits durch. Interessanterweise wird die Beschwerde zwar zurückgewiesen, in der Praxis ändert sich jedoch durchaus etwas. Den Gremien fällt es erkennbar schwer, Fehler der Sendeanstalt einzuräumen, die sie beaufsichtigen.
    In Extremfällen macht es nach meiner Erfahrung Sinn, sich nicht auf die Gremien zu verlassen sondern parallel auch an Aufsichtsbehörden heranzutreten oder die Staatsanwaltschaft zu informieren. Schleichwerbung beispielsweise hat nach meiner Auffassung auch immer einen Korruptionsaspekt.

  6. Ach ja, das leidige Thema Programmbeschwerden. Sie sind so effektiv wie Dienstaufsichtsbeschwerden: fristlos, formlos, folgenlos.

    Auch meine letzte Programmbeschwerde wurde nur von einem „wichtigen“ Mitarbeiter beantwortet, dann der Gremiengeschäftsstelle vorgelegt. Nie wieder habe ich etwas davon gehört. Gründe für eine Programmbeschwerde gibt es massenhaft. Wenn ich nur an den in sogenannten Gesundheitsmagazinen des ÖR-TV verbreiteten medizinisch zum Teil verantwortungslosen Unsinn denke (z. B. „rundum gesund“ mit dem med. Laien Dennis Wilms. Oder meinetwegen auch die „Ernährungsdocs“, die meinen, 90 % aller Krankheiten mit Gewichtsreduzierung bekämpfen zu können. Ich sage nur: Maulhuren der Pharmaindustrie.

    Anderes Beispiel: Rangar Yogeshwar behauptete in einer seiner wissenschaftlichen Sendungen, dass in Deutschland das Bier immer noch nach dem Reinheitsgebot von 1516 gebraut würde. Auf meine Beschwerde wurde mit mitgeteilt, dass der mit Preisen überflutete Moderator für die Inhalte seiner Sendung nicht verantwortlich sei, sondern das Redaktionsteam.

    Anlässe für Programmbeschwerden gibt es doch permanent (Plasberg und Maischberger sind eine wahre Fundgrube). Ich schreibe Sie gelegentlich auch nur noch, wenn ich Langeweile habe. Denn es wird niemandem gelingen, den Fernsehanstalten das Monopol Definitionsmacht streitig zu machen. Wir können sie lediglich zwingen, immer unverschämter zu lügen.

  7. So ein Quatsch, sollen die Ermittler zu Fuss gehen oder mit dem Taxi fahren. Vielleicht mit einer öden Kiste wie ein Fiat Punto? Dann schaue ich mir lieber ein schönes Auto an. Außerdem, das ist nur ein 3 er BMW, also nicht zu protzig!

  8. @Gerdos

    Ich wollte schon anmerken, dass man nichts aber auch garnix vom Rundfunkrat zu erwarten hat („Ok wir wechseln dann nächstes Mal auf VW und Audi, der Abgaspranger kann jetzt mal gelockert werden“) wenn man sich schon bei einer eher profanen Beschwerde derartig dreht und windet…..(Ach, Product-Placement, ist ja mal was ganz Neues ? Ok, aber wer zum Kuckuck guckt noch launige Wohlfühl-Krimis beim Schnarchsender 2 der Nation ???? – guckt überhaupt noch TV wenn er geistig intakt bleiben will ? Ich jedenfalls nicht.)

  9. „Dass sich die Ermittler im Film mit einem Auto fortbewegen, um etwa zum Tatort oder zu Verdächtigen zu gelangen, ist zu einem erheblichen Teil der realistischen Darstellung der Polizeiarbeit geschuldet.“

    Dieses Zitat ist lustig, als ob es jemals das Thema gewesen wäre, dass sich die Darsteller jawohl bitte nicht mit Autos bewegen sollten.

    „Eine gehäufte, dramaturgisch unbegründete Darstellung des Fahrzeugs, wie sie Ihr Zusammenschnitt bei übermedien.de suggeriert, findet nicht statt“

    Dieses Zitat ist auch sehr lustig, da es mir zwei Fragen beantwortet. Zuerst weiß ich nun, dass das ZDF in der Werbung für BMW tatsächlich keinerlei Probleme erkennen kann. BMW hat da also gar nichts für die Werbung zahlen brauchen, nur einen Wagen mussten sie stellen, die Sendezeit hat der Beitragszahler bezahlt.

    Weiterhin ist der Umgang mit der Kritik zwar begrüßen, wann bekommt man schon zwei ausformulierte A4 Seiten als Antwort, aber gleichzeitig fehlt mir die Sensibilität dafür, dass der Sender einen Beitrag zur individuellen und öffentlichen Meinungsbildung zu leisten hat, dem er nicht nachkommt, wenn er eine Programmbeschwerde damit abweist, dass der Inhalt der Beschwerde gar nicht stattfinden würde.

    Danke für die Arbeit!

  10. Statt simpler abendlicher Entspannung nur noch psychisch gebeutelte Kommissare. Und jetzt auch noch ein künstlich herbei geschriebenes Problem: Oh, oh, Bonzen BMWs statt verbeulter Blechkarren. Bewegen Euch keine anderen Themen??

  11. Eine Frage, Herr Rosenkranz:
    Welcher Autokonzern bezahlt Sie eigentlich dafür, dass Sie so eine schwachsinnige Beschwerde einreichen und das dann hier veröffentlichen?

  12. Ich erinnere mich auch noch an die Zeiten, als Phantasiemarken das Fernsehen dominierten.

    Das allerdings

    „In meinem Fall wurde die Beschwerde in der (öffentlichen) Sitzung des gesamten Fernsehrats mit der „vielleicht längsten bisher im Fernsehrat verlesenen Begründung“ zurückgewiesen. Dort kommt auch das mit der Ironie vor. Was mir aber nie zugestellt wurde.“

    ist schon fast jammern auf hohem Niveau. Wie die auch schon erwähnten Dienstaufsichtsbeschwerden dürfte auch die Programmbeschwerde ihren rechtlichen Ursprung in Art 17 GG haben, bekannt unter dem Namen Petitionsrecht.

    Das bekanntest Petitionsrecht, das auch so heißt, ist wohl das zum Deutschen Bundestag. Der Ablauf da ist so, dass man die Petition einreicht (geht auch öffentlich und mit Veröffentlichungswunsch) und dann der Petitionsausschuss eine Stellungnahme der Regierung einholt. Die kriegt man zu sehen oder auch nicht. D.h. irgendwann kommt die zumeist ablehnende Entscheidung. Ob die Stellungnahme da mitkommt ist nicht sicher und selbst wenn sie’s tut ist das ein wenig spät, etwa wenn man auf simple sachliche Fehler darin hinweisen wollen würde. Das muss natürlich leider so sein, denn sonst ginge die Flexibilität verloren.

    https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2017/_04/_23/Petition_71211.nc.html

  13. Und keiner hat ein Problem damit, dass der schnittige schwarze Oberklassekombi als Symbol des sozialen Aufstiegs benutzt wird? Als ob sich Erzieherinnen und Müllfahrer sowas leisten können? Anstatt dass das Kind den Komissar mal fragt, ob es nicht ne Nummer kleiner geht, so viel Gepäck wird die Kripo ja nicht rumfahren und warum kommt die “Spusi“ nicht mit nem alten Ford Transit?

  14. Ich finde es interessant wie viele Leute sich auf einem Portal herumtreiben das nicht gerade dafür bekannt ist die komplizierten Themen einfach zu verkürzen, die zeitgleich nicht die Intelligenz zu besitzen scheinen zu sehen dass das Problem nicht darin besteht was die Kommissare fahren sondern wie sie es fahren und wie das Fahrzeug im Ganzen inszeniert wurde.

  15. Ich sehe bei meinen Schwiegereltern gelegentlich Filme des ZDF bzw. von der ARD. Und mir fällt immer wieder auf, dass folgender Satz unmöglich stimmen kann.

    „im Rahmen einer dramaturgisch motivierten Bildgestaltung“

    Ähnlich wie in einem Michael Bay Film scheinen mir Kamera und Regie „aufwändige Bewegung des Bildes“ gleichzusetzen mit „gut“. Ständig verheißungsvolle Kamerafahrten und ein inflationärer Gebrauch von Kameradrohnen, zeugen davon, dass die Bildgestaltung auf Bildwirkung ausgelegt ist (wie in Talkshows, wenn ständig die Kamera gefahren und geschwenkt wird, auch wenn bzw. weil da halt Leute nur sitzen). Dramaturgisch motiviert ist da schon lange nix mehr. Das Auge soll am Bildschirm kleben, weil durch die Bewegung der Eindruck erweckt wird, etwas würde passieren. Dabei ist alles simpel, statisch und nicht durchdacht.
    Und da sehe ich auch die Verbindung zur Auto-Werbung. Die funktioniert genauso. Bewegung, schnelle Schnitte, das Auge fordern. Also mehr aus dem machen, als da eigentlich ist.

  16. @ Civichef „Die Hersteller geben den „Journalisten“ einen Fotografen oder Videodreher mit“

    Standard bei Ortsterminen für Autojournalisten ist, dass ein Profifotograf mit Assistent, der vom Hersteller engagiert wurde, sich ebenso ein Auto schnappt und dann Aufnahmen gemacht werden, die die meisten Schreiber so eben nicht hinbekommen würden. Die bekommt man dann, nebst schon vorhandenen Image-Aufnahmen des Herstellers, auf dem USB-Stick mit. Ob die verwendet werden, hängt vom Anspruch der jeweiligen Publikation ab: Wer seinen Autotest auf der Serviceseite der Lokalzeitung unterbringt, nimmt gerne auch die eigenen Aufnahmen, Stichwort Glaubwürdigkeit. Wessen Regionalzeitung einen magazinigen Serviceteil am Wochenende bietet, nimmt eher die Hersteller-Aufnahmen.

    Was die Qualität und Unabhängigkeit von Autotests betrifft, muss man ganz klar eine Trennlinie zwischen Onkel Otto, der ab und zu einen Stadtflitzer für sein Blättchen testet, und der Fachpresse trennen: Ersterer hat häufig keine Ahnung von Motortechnik und Branchenentwicklungen und kann sich sogar eine kritische Perspektive leisten, weil er nicht komplett von Branchenkontakten abhängig ist. Ob er die einnimmt, ist eine andere Frage. Die Vertreter der Fachpresse dagegen müssen sich mit der Technik und den aktuellen Entwicklungen auskennen, ob sie allerdings bestimmte Produkte übermäßig im Interesse des Verbrauchers kritisieren werden, hängt von ihrem Standing ab. Wer Millionen von Leser über dpa mit seinem Standpunkt versorgen kann, dem wird eine größere Autorität zugestanden. Wer dagegen ein Blog betreibt, überlegt sich, ob er allzu kritisch an die Materie herangeht.

    Neben den normalen Terminen gibt es nämlich auch VIP-Sachen, mit denen die Journalisten angefüttert werden: Mit Fiat zur Mille Miglia, mit Porsche First Class nach New York – das sind eher die Annehmlichkeiten, auf die viele nicht verzichten wollen.

  17. Irgendwie verstehe ich schon, worauf sie hinauswollen, die Frage ist, wie sollen die Regisseure tun, um mal mit Brösel zu fragen.
    Barnaby fährt Volvo. 007 Aston Martin. Polizeiruf 110 Skoda.
    Nachdem sich die Kollegen Kriminalkomissare selten zu Fuss oder mit dem Fahrrad fortbewegen, bleibt nur das Auto.

  18. Was mich wirklich mal interessieren würde, wäre die tatsächliche Ersparnis durch die „Produktionshilfe“. Mietwagen der „In Wahrheit“-Klasse kosten 50 Euro pro Tag bei einem großen deutschen Autovermieter, abholbar Saarbrücken Hbf.

    Muss sich das ÖR TV wirklich wegen der paar Kröten angreifbar machen??

  19. @20 Walter
    Deshalb kann ich den Podcast „Die Hupe“ empfehlen: Zwei „kleine“ Motorjournalisten kritisieren die Branche und sich selbst.

    @andere
    Es geht hier nicht darum, dass überhaupt Auto gefahren wird oder BMW. Sondern, wie dies dargestellt wird, nämlich werbewirksam.

  20. Hehe, die sehr gute deutsche Automobilindustrie ist ja nur in Misskredit gekommen weil Hacker-Hausmeister und Computerhackende Putzfrauen im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe die Abgaswerte massivs manipuliert haben…
    Und hinter der DUH stecken die Nordkoreaner!
    Und wenn deutsche Umweltkommisare äh Krimikommisare nicht gute deutsche Autos fahren dürfen, um den Reichen zunehmen und den Armen zu geben…äh momentmal..ich sollte nochmal drüber nachdenken..so ein Mist…
    Bei der deutschen Autoindustrie kamen mir jetzt deren Wohltäter in den Sinn Wissmann und der zukünftige heisst wie ein Erzengel….komm nich drauf….
    Herr Gabriel,der konnte doch so gut mit Medien…
    Marietta Slomka hat eine sehr liebevolle Fragetechnik und Gabriel antwortete entsprechend,hihi.
    Also dieser RocknRoll-Minister hat ja ein Füßchen in der Tür bei den Medien und wird dafür sorgen das es der darbenden Autoindustrie wieder gut geht,medientechnisch und vor allem gerecht!
    Ich prophezeihe das das hier oben ein Vorgeschmack mit den Be-em Weehs eine Pettisse war.Die Zukunft wird noch „besser“!!!

  21. Die Kosten erstmal außen vor gelassen…. ist es denn jetzt nicht so, dass grundsätzlich erstmal Aussage gegen Aussage steht (Sie sagen „Das ist (Schleich-)Werbung“ und das ZDF sagt „Nö isses nicht“), und man könnte das ganze jetzt gerichtlich klären lassen? Wäre eine Klage gegen das ZDF nicht die nächste Instanz? Oder gibt es keine rechtliche Grundlage, aufgrund derer man Klage überhaupt einreichen könnte?

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