Vorsicht, Ferndiagnose!

Etwas Schlimmes ist passiert, ein schwere Straftat, und alle wollen wissen, wie es dazu kommen konnte, und zwar am besten sofort. Kriminologen und Psychiater sollen in kürzester Zeit die Tat und ihre Hintergründe erklären, das Unfassbare, so komplex es auch ist. So geschieht es immer wieder.

Vor drei Wochen zum Beispiel, als ein Mann in Frankfurt eine Mutter und ihren Sohn vor einen ICE stieß. Der Junge verstarb. Die schlimme Tat machte tagelang Schlagzeilen. Dabei ging es nicht nur um die Herkunft des Mannes, sondern auch um seinen psychischen Gesundheitszustand. Er leide, wurde kurz nach der Tat bekannt, angeblich unter Verfolgungswahn, sei psychisch krank. Und etliche Psychologen gaben fragwürdige Einschätzungen ab.

Straftat in Voerde: „Bild“-Artikel vom 22.7.2019 Screenshot: Bild.de

So äußerte sich etwa der Polizeipsychologe Adolf Gallwitz, von 1996 bis 2013 zuständig für Gesellschaftslehre an der Polizeihochschule Villingen-Schwenningen. „Das sind Menschen mit einer extrem aggressiven Persönlichkeit“, erklärte er der „Augsburger Allgemeinen“ – wenige Stunden nach der Tat.

Gallwitz ließ wissen: „Diese Menschen laufen wie tickende Zeitbomben herum und warten nur auf eine Möglichkeit, ihre Aggressivität loszuwerden.“ Denn bei Leuten, denen „die Aggressivität aus den Ohren herausläuft“, reiche „oft schon ein falscher Blick“. Das sagte Gallwitz einige Tage zuvor in „Bild“ über einen ähnlichen Fall in Voerde am Niederrhein, wo ebenfalls ein Mann eine Frau vor einen Zug gestoßen hatte, woraufhin sie verstarb.

Alles „tickende Zeitbomben“, die Menschen vor Züge stoßen?

Auch der Kriminalpsychologe Rudolf Egg, früher Direktor der Kriminologischen Zentralstelle des Bundes und der Länder, gab seine Gedanken zu dem Fall preis. Im ZDF sprach er über „expressive Gewalt, Gewalt um der Gewalt willen“, und der FAZ verriet er auch, was der „Anlass“ für solch eine Tat sein könnte: „Es kann zum Beispiel eine psychische Erkrankung sein.“

Aber was heißt das? Dass psychisch Kranke, laut Gallwitz „tickende Zeitbomben“, alle kurz davor sind, Menschen vor Züge zu stoßen? Oder dass Gallwitz, Egg und Kollegen mit dazu beitragen, psychisch Kranke als mögliche Straftäter zu stigmatisieren?

Sowieso stellt sich ja immer wieder die Frage, wie seriös Ferndiagnosen sind. Oder besser gesagt: wie unseriös. Menschen zu diagnostizieren und Aussagen über ihre psychische Verfassung zu machen, ohne sie jemals auch nur gesehen, geschweige denn gesprochen und untersucht zu haben, ist in der Regel unlauter. Zuweilen kommt es vor, dass Psychologen oder Ärzte, die von Medien als „Experten“ angefragt werden, erst am Telefon erfahren, was überhaupt passiert ist – und gleich beginnen, zu diagnostizieren, zu ahnen, zu meinen.

„Goldwater“-Regel: Ferndiagnosen sind „unethisch“

Es müssen auch nicht nur Straftäter sein, die aus der Ferne gedeutet werden. Angela Merkel wurde bereits von einem deutschen Psychoanalytiker eine „narzisstische Grundproblematik“ unterstellt, ähnlich wie immer wieder auch US-Präsident Donald Trump. Dabei hat die Amerikanische Psychiatrische Gesellschaft bereits 1973 die „Goldwater“-Regel verabschiedet, die es für „unethisch“ erklärt, wenn Psychiater eine professionelle Einschätzung zu einer Person abgeben, ohne sie überhaupt untersucht und deren Erlaubnis zur Veröffentlichung dieser Einschätzung erhalten haben.

Polizeipsychologe Gallwitz verteidigt auf Nachfrage seine Äußerungen – und schränkt nun ein: Millionen psychisch Kranke seien nicht aggressiv, diese beiden Dimensionen müssten nicht zusammenhängen. Bei allen Gewalttaten und Kapitalverbrechen gebe es allerdings ein Interesse, darüber zu berichten. Der Schutz für Kinder und psychisch Kranke sei ja „bereits die mangelnde Zurechnungsfähigkeit beziehungsweise die Schuldunfähigkeit“, behauptet er.

Im Voerder Fall hatte Gallwitz gleich von einem „Hassverbrechen“ gesprochen – ohne den Täter je persönlich begutachtet zu haben. Er findet das so in Ordnung. Gallwitz sagt, er würde auch dann von Hasskriminalität sprechen, wenn ein Täter etwa an einer Schizophrenie erkrankt wäre und eine Psychose hätte.

Rudolf Egg sagt im Interview mit Übermedien, er könnte es „selbstverständlich so machen wie manche meiner Kollegen, die es generell ablehnen, in einem so frühen Stadium schon mit Medien zu sprechen“. Doch dann finde sich „bestimmt irgendein anderer, der es nicht unbedingt besser macht“, also erledigt er es besser gleich selbst. Gerade bei aufgeregten Diskussionen, sagt Egg, solle Wissenschaft „zu einer Versachlichung“ beitragen: „Deshalb bemühe ich mich, auch in schwierigen Fällen, unter Vermeidung von Ferndiagnosen, mein kriminologisches Fachwissen einzubringen.“

Wie im Fall getöteter Flamingos im Frankfurter Zoo zum Beispiel. Egg vermutete 2014 öffentlich, es könne sich um einen sadistischen Tierquäler handeln. Am Ende stellte sich heraus, dass der sadistische Tierquäler bloß ein (womöglich sadistischer) Fuchs war. Das Gelächter sei damals groß und berechtigt gewesen, sagt Egg, der deshalb angeblich nun vorsichtiger ist. Aber auch heute kippt Egg noch, wie im Frankfurter Fall, in Spekulationen, Vermutungen.

Auch Udo Frank, Chefarzt in den Zentren für Psychiatrie Südwürttemberg, kontaktieren bei Straftaten immer wieder Medien. Die Hauptfrage sei meist, sagt Frank: „Was sind es für Menschen“ – die Tiere quälen, Brände legen, bizarre Sexualstraftaten begehen. Das Hauptproblem für ihn seien „die impliziten Annahmen“ in den Fragestellungen, sagt Frank. Bei einem Gespräch mit einem Journalisten sei ihm etwa erst im Nachhinein klar geworden, dass bereits in der ersten Frage an ihn drei Fehlannahmen steckten.

Udo Frank: Unmöglich, psychische Vorgänge komplett einzusehen

Eine grundsätzliche Fehlannahme sei zum Beispiel, dass „zu einem spezifischen menschlichen Verhalten quasi monokausal eine bestimmte Motivation oder auch psychische Störung vorliegt“. Menschliches Verhalten sei aber vielfältig determiniert und werde zudem meistens von situativen Einflüssen mitbestimmt. Verlässliche Informationen, sagt Frank, ließen sich oft nur in Prozessen vor Gericht feststellen. Aber selbst das sei unsicher, wegen der „Unmöglichkeit, komplexe psychische Vorgänge bis ins Letzte einzusehen“. Doch diese Komplexität ist einigen Journalisten offenbar zu komplex.

Experten müssten in derartigen Fällen klarstellen, dass sie zum konkreten Fall nichts Verlässliches sagen können und nur allgemeine Äußerungen möglich sind. Frank rät zu Zurückhaltung: keine vorschnellen Deutungen! Bei Anfragen sollte in einem offen gehaltenen Vorgespräch geklärt werden, was überhaupt zu diesem Zeitpunkt gesagt werden kann. Tendenziöse Fragen wie beispielsweise „Wie viel Prozent von Brandlegungen gehen auf pyromane Feuerwehrleute zurück?“ sollten von beiden Seiten verstärkt reflektiert werden.

„Das Spektrum menschlichen Handelns ist breit“, sagt auch Dirk Hesse vom Maßregelvollzugszentrum Niedersachsen in Moringen. „Kritisch“ findet er, dass Medien häufig Themen aufgreifen würden, die sich gut verkaufen lassen, und deshalb teils vorschnell berichten statt substantiell. „Wir psychiatrisch Tätigen haben nicht auf alles Antworten – und vielleicht auch nicht sofort“, sagt Hesse, der auch Mitglied der Akademie für Ethik in der Medizin ist. Aber was sagt man dann anfragenden Journalistinnen und Journalisten? „Wenn man seriös bleiben will, muss man an der Stelle sagen: Wir wissen es nicht.“

Dass Medien wie „Bild“ eilig Fotos und Namen von Tätern veröffentlichen, hält Hesse für „völlig falsch“: „Wenn diese Menschen behandelt sind – und viele sind gut behandelbar – wird es schwierig, sie zu integrieren, weil die digitale Welt nichts vergisst.“ Stattdessen sollten Medien ihr Publikum mehr über Behandlungsmöglichkeiten psychischer Erkrankungen informieren. „Dann ist man vom konkreten Fall weg und liefert trotzdem Informationen, die für die Gesellschaft hilfreich sein können, um das einzusortieren.“

Auch Fachverbände raten davon ab, zu versuchen, Dinge aus der Distanz zu erklären: „Ferndiagnosen entbehren jeglicher Glaubwürdigkeit und Seriosität“, sagt die Sprecherin der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). Presseanfragen, die darauf abzielten, würden von ihnen grundsätzlich nicht bedient.

Pressekodex: „besondere Zurückhaltung“

Die Fachgesellschaft hat außerdem zusammen mit dem Aktionsbündnis Seelische Gesundheit Empfehlungen für Journalisten mit Tipps zum Thema herausgegeben: Dort wird etwa auch davon abgeraten, Bezeichnungen für psychische Erkrankungen wie „schizophren“ metaphorisch zu verwenden. Die Sprecherin verweist zudem auf den Pressekodex, wo es unter Ziffer 4 heißt:

„Bei der Recherche gegenüber schutzbedürftigen Personen ist besondere Zurückhaltung geboten.“

Dies betreffe vor allem Menschen, die sich nicht im Vollbesitz ihrer geistigen oder körperlichen Kräfte befinden oder einer seelischen Extremsituation ausgesetzt sind. Und unter Ziffer 8 steht:

„Die Presse achtet das Privatleben des Menschen und seine informationelle Selbstbestimmung. Ist aber sein Verhalten von öffentlichem Interesse, so kann es in der Presse erörtert werden. Bei einer identifizierenden Berichterstattung muss das Informationsinteresse der Öffentlichkeit die schutzwürdigen Interessen von Betroffenen überwiegen; bloße Sensationsinteressen rechtfertigen keine identifizierende Berichterstattung. Soweit eine Anonymisierung geboten ist, muss sie wirksam sein.“

Und sollten „konkrete Anhaltspunkte für eine Schuldunfähigkeit des Verdächtigen oder Täters“ vorliegen, heißt es weiter im Pressekodex, „soll auf eine identifizierende Berichterstattung verzichtet werden“. Klar ist außerdem, dass Medien bei Suiziden eine besondere Verantwortung haben – unter anderem wegen möglicher Nachahmungstaten, die lange wissenschaftlich belegt sind. „Die Berichterstattung über Selbsttötung gebietet Zurückhaltung“, heißt es im Pressekodex. Aber auch dieses Gebot wird immer wieder gebrochen.

Germanwings-Absturz: Berichte „stigmatisierend“ und „riskant“

Mit das größte Problem ist die Schnelligkeit, in der nach Antworten gesucht wird, meist schon kurze Zeit nach einer Tat. Das war nicht nur im Frankfurter Fall so. Vor mehr als vier Jahren etwa, als ein Co-Pilot eine Germanwings-Maschine in einen Berg lenkte, wobei alle 150 Mitfliegenden ums Leben kamen, waren Medien voll mit Spekulation. Der Co-Pilot war vor der Tat, wie damals schnell bekannt wurde, wegen einer Depression behandelt worden. Medien walzten das breit aus. Die Berichterstattung hat die DGPPN später als „oft stigmatisierend“ kritisiert: Rund jeder dritte Artikel enthielt laut einer Studie explizite Stigmatisierungen, ein weiteres Drittel wurde als „riskant“ eingestuft.

Dabei geht es immer auch um jene Menschen, die mittelbar von solchen Berichten betroffen sind, also selbst unter einer ähnlichen Störung leiden. „Das Bild, das sich die Öffentlichkeit von Menschen mit psychischen Erkrankungen macht, wird maßgeblich durch ihre Darstellung in den Medien geprägt“, erklärte die DGPPN. „Ob und wenn ja, welche psychische Erkrankung eine Rolle spielte, war zu diesem Zeitpunkt völlig unklar“, sagte die damalige Präsidentin Iris Hauth über die Berichte zum Germanwings-Absturz. „Trotzdem wurde die psychische Vorerkrankung des Co-Piloten kausal mit der Tat verknüpft.“

10 Kommentare

  1. Ein Problem, das mir mehrfach im Laufe der Jahre selbst widerfahren ist: Man kann sich im Interview noch so sehr um Seriosität bemühen, alles relativieren und einordnen usw. – das Video kann so geschnitten werden, dass alle diese Relativierungen und Einordnungen wegfallen und nur noch Statements übrigbleiben, die ohne den fehlenden Kontext massiv unseriös sind und auch nicht die Meinung des Interviewten widerspiegeln. Ich jedenfalls beantworte keine Interviewanfrage aus TV/Radio mehr positiv (vielleicht noch DLF o.ä.).

  2. Aber was heißt das? Dass psychisch Kranke, laut Gallwitz „tickende Zeitbomben“, alle kurz davor sind, Menschen vor Züge zu stoßen? Oder dass Gallwitz, Egg und Kollegen mit dazu beitragen, psychisch Kranke als mögliche Straftäter zu stigmatisieren?

    Ferndiagnosen sollte man bleiben lassen, keine Frage. Aber hier machen Sie gleich drei Unterstellungen: Erstens hat Gallwitz nicht allgemein von psychisch Kranken gesprochen; es ging um Leute, die andere Leute vor einen Zug schubsen. Zweitens hat Egg von einer psychischen Erkrankung als möglichem Motiv gesprochen. Und drittens hat niemand eine pauschale Aussage im Sinne von „Psychische Krankheiten führen per se zu Mordlust“ getroffen.

    Es wurde schon kritisiert, dass die Herkunft des mutmaßlichen Täters genannt wurde, weil das Migranten aus Afrika stigmatisiere. Eine psychische Krankheit als Motiv zu vermuten, galt als legitimer Erklärungsansatz. Wenn nun aber der Bericht über eine psychische Krankheit des Täters zur Stigmatisierung aller psychisch Kranken führen soll – muss man die Berichterstattung dann ganz einstellen?

  3. @Nr. 2 Kritischer Kritiker
    Zitat: „Es wurde schon kritisiert, dass die Herkunft des mutmaßlichen Täters genannt wurde, weil das Migranten aus Afrika stigmatisiere. Eine psychische Krankheit als Motiv zu vermuten, galt als legitimer Erklärungsansatz. Wenn nun aber der Bericht über eine psychische Krankheit des Täters zur Stigmatisierung aller psychisch Kranken führen soll – muss man die Berichterstattung dann ganz einstellen?“

    Das haben Sie schön auf den Punkt gebracht.

  4. Mit irgenswas müssen die Medien ja „arbeiten“…
    und eine vom Fachmann erstellte Ferndiagnose…
    ist besser als nix…
    Isso!
    Irgend so ein Sprecher im TV:
    „Entschuldigung,
    wir müssen leider warten bis die Kriminalpsychologen in etwa 1,5 Jahren mit ihrer Analyse fertig sind!
    Erst dann werden wir in der Lage sein ein dem Geschehen und Beteiligten einigermaßen gerecht werdenen Bericht zu produzieren…“
    Das wäre zu schön aber:
    Wollust, Zorn, Neid, Völlerei, Hochmut, Trägheit und Habgier –
    die sieben Todsünden kann man auch auf die Medien und deren Konsum , Konsumenten und Produzenten anwenden!

  5. muss man die Berichterstattung dann ganz einstellen?

    Nein. Aber vielleicht einfach über die relevanten, gesicherten Fakten berichten?

  6. @ Kommentar 2:

    Das Problem ist doch, dass die Frage der Relevanz noch nicht beantwortet ist. Kaum einen Mörder kann als komplett psychisch gesund gelten. Dennoch wird ein falsches Signal gesendet, wenn pauschal gesagt wird „Solchen Menschen reicht oft schon ein falscher Blick.“ Ist die Erkrankung Ursache für die Tat? Wurde der Täter misshandelt als Kind? Was ist kurz vor der Tat passiert?

    Diese Artikel sind ja in den allerseltensten Fällen nüchterne Auseinandersetzungen mit den Krankheitsbildern, sondern sollen den Täter in eine Ecke stellen. Aber die Kernfrage, ob die Psychose oder was auch immer die Tat verursacht hat oder was sonst auch immer, wird nicht berührt. Gleichzeitig werden alle mit der gleichen Erkrankung mit hineingezogen. Offen mit einer psychischen Erkrankung leben wird dadurch deutlich erschwert.

  7. Zwei ganz einfache Dinge:
    1. In dem Moment, wo klar ist, dass Täter und Opfer in keinerlei Beziehung standen, sich also nicht kannten, bleibt nur noch die Möglichkeit der psychischen Erkrankung. Das braucht dann nicht besonders betont oder diagnostiziert zu werden.
    2. Wenn sich alle Fachleute einig sind, solche Stellungnahmen und Mutmaßungen zu verweigern, dann findet sich auch nicht „bestimmt irgendein anderer…“, wie Herr Egg sagt. Vielleicht sehen diese Leute, die trotzdem drauflos spekulieren, auch nur einfach gern ihren Namen in der Zeitung oder sich selbst im Fernsehen, aber das ist jetzt eine unerlaubte Ferndiagnose.

  8. @ Harry Haferschleim (#7):

    1. In dem Moment, wo klar ist, dass Täter und Opfer in keinerlei Beziehung standen, sich also nicht kannten, bleibt nur noch die Möglichkeit der psychischen Erkrankung. Das braucht dann nicht besonders betont oder diagnostiziert zu werden.

    Nö, es bliebe auch der Amoklauf (eher ein sozialpsychologisches als ein psychiatrisches Phänomen) und das Verbrechen aus Hass oder zu Propagandazwecken: Wenn ein Rassist Ausländer umbringen will oder ein Dschihadist Ungläubige, dann braucht er keine persönliche Beziehung – es reicht, die Opfer als Angehörige der Feindgruppe zu identifizieren.

    Im Falle des Bahnsteigschubsers von Frankfurt hatte der Hinweis auf eine mögliche psychische Erkrankung also den Sinn, Gerüchten über einen Terrorakt zu begegnen. Angesichts der hiesigen Stimmung halte ich das nicht nur für erlaubt, sondern für notwendig. Und die These, dadurch würden alle psychisch Kranken zu potentiell unberechenbaren Killern erklärt, halte ich für weit hergeholt. Zurückhaltung ist natürlich trotzdem angebracht; auf Ferndiagnosen und Spekulationen sollte man so weit wie möglich verzichten.

  9. „Im Falle des Bahnsteigschubsers von Frankfurt hatte der Hinweis auf eine mögliche psychische Erkrankung also den Sinn, Gerüchten über einen Terrorakt zu begegnen.“ Ja, und wie ich den Artikel verstehe, wird ein solcher einfacher Hinweis ja auch nicht kritisiert.

  10. Beim Amoklauf von Winnenden schaltete ich zu n-tv, die hatten gerade einen Ausbilder von einer deutschen Polizeihochschule am Telefon und löcherten den (obwohl der Täter noch unterwegs war) wie genau die Polizei jetzt vorgehen würde.
    Der Mann hat die Moderatoren recht barsch abgebügelt, und sie gefragt ob sie allen ernstes glauben dass er jetzt Details über Taktiken für solche Fälle ausplaudert, und dass es grober Unfug wäre wenn er aus hunderten Kilometern Entfernung und ohne Kenntnis irgendwelcher Fakten dazu Stellung nehmen würde.

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