„Panama Papers“: Enthüllung ohne Rückkanal

Als Anfang der Woche Enthüllungen aus den sogenannten „Panama Papers“ weltweit für Schlagzeilen sorgten, sah sich die „New York Times“ mit kritischen Fragen konfrontiert: Warum steht das nicht groß bei euch? Und warum wart ihr nicht Teil der internationalen Recherchegemeinschaft?

Die „New York Times“ hat jemanden, der sich darum kümmert, dass solche kritischen Leserfragen beantwortet werden: Margaret Sullivan, Public Editor (Ombudsfrau) der Zeitung. Sie erkundigte sich im Haus und ließ sich erklären, dass die „Times“ sich zunächst einen eigenen Eindruck von dem Material machen wollte, was eine Weile gedauert hätte. Später berichtete sie, dass die Zusammenarbeit der „Times“ mit dem Konsortium investigativer Journalisten ICIJ, das die internationale Zusammenarbeit koordinierte, wohl in der Vergangenheit nicht ganz ideal lief.

Als Anfang der Woche Enthüllungen aus den sogenannten „Panama Papers“ weltweit für Schlagzeilen sorgten, sahen sich auch die „Süddeutsche Zeitung“ und ihre deutschen Partnermedien mit kritischen Fragen konfrontiert: Warum kommen da keine Amerikaner drin vor? Liegt es an der Vorauswahl der Namen, nach denen die Journalisten in den Daten suchten? Hat es etwas damit zu tun, dass diverse amerikanische Stiftungen, die teils von der amerikanischen Regierung mitfinanziert werden, die Auswertung unterstützen? Und warum steht, andererseits, der russische Präsident Putin groß im Mittelpunkt der Berichterstattung, obwohl sein Name in den Papieren gar nicht auftaucht?

Solche Kritik wurde schon ab Montagfrüh von vielen formuliert und geteilt. Es dauerte bis zum Dienstagnachmittag, bis die SZ darauf wenigstens viertelwegs reagierte. Unter der Autorenzeile von Chefredakteur Wolfgang Krach stellte sie „Häufige Fragen zu Panama Papers – und Antworten“ auf ihre Seite. Darunter: ein kurzer Hinweis auf die Finanzierung des ICIJ sowie die Aussage: „Politiker aus Deutschland und/oder den USA finden sich bislang nicht in den Unterlagen. Deshalb können wir auch nicht über deutsche oder US-amerikanische Politiker berichten.“

Das ist ein bisschen wenig und ein bisschen spät. Die Journalisten feiern sich und werden gefeiert für eine Recherche, die allerlei Superlative für sich beansprucht. Sie haben sich offenkundig viele Gedanken über die Aufbereitung und Verbreitung gemacht, über Inszenierung und Dramaturgie. Nur vielleicht nicht so viel über den Umgang mit Kritik, mit Fragen und Einwänden, über Interaktion mit dem Publikum.

Sie werden von Kollegen gelobt für die multimediale Darstellung der Inhalte, dabei fehlt etwas Entscheidendes: der Rückkanal. Es wäre der Unterschied zwischen Im-Internet-Arbeiten und Mit-dem-Internet-Arbeiten. „Interaktivität“ beschränkt sich bei den „Panama Papers“ darauf, dass Infografiken auf Mausklicks und -bewegungen der Nutzer reagieren.

sz_panama

Während die SZ und ihre Partner seit Montag immer neue Details, vorbereitete Stücke, Kommentare, internationale Reaktionen veröffentlichten, entwickelten auf vielen anderen Seiten Widerspruch, Kritik, Fragen und Empörung eine größere Dynamik: Ein Blogeintrag des früheren britischen Botschafters in Usbekistan, Craig Murray, der schon am Sonntagabend kritisierte, dass die Informationen aus dem Leak von den beteiligten Medien in einer Weise gefiltert worden seien, die direkt der westlichen Regierungslinie folge, fand großen Widerhall. Die „NachDenkSeiten“ veröffentlichten am Montagvormittag eine deutsche Übersetzung.

Die Kritik, die sich findet, umfasst das ganze Spektrum vom leisen Zweifel bis zur hermetisch abgeschlossenen, allumfassenden Verschwörungstheorie, und eigentlich, sollte man denken, war sie nicht zu überhören. Die SZ aber schien auf diesem Ohr taub gewesen zu sein. Ihre Berichterstattung umfasste eine gewaltige Zahl von Artikeln, aber sie schien aus einem Ort zu kommen, der von dieser Kritik draußen völlig abgeschieden war.

Dabei wäre es so notwendig, darauf einzugehen, und zwar sowohl auf die völlig überzogene, vermeintlich abwegige Kritik, um ihr den Boden zu entziehen, als auch auf die berechtigte, weil sie, eben, berechtigt ist. Es als das erwartbare Krakeele der üblichen Verdächtigen abzutun, hilft gar nichts. Es helfen nur Argumente, ein Austausch, eine Auseinandersetzung.

Denn es geht ja nicht darum, die eingefleischten Anpeitscher der Lügenpresse-Rufer zu überzeugen, die wissen, dass Journalisten alle gekauft sind und in den Diensten transatlantischer Mächte stehen. Es geht darum, Leute zu überzeugen, die ein gewisses Grundvertrauen haben in die Arbeit deutscher Medien, aber auch eine erhebliche Grundskepsis. Leute wie mich. Ich lese die Vorwürfe der Kritiker und komme ins Grübeln und bin womöglich bereit, mich überzeugen zu lassen, dass sie unberechtigt sind – aber dafür muss man mich eben auch überzeugen. Mir erklären, warum die amerikanischen Geldgeber hinter den Recherchen unproblematisch sind und warum die Vereinigten Staaten so ein überraschender weißer Fleck sind auf dieser Karte. (Einen guten Versuch der Erklärung habe ich dann auf den Seiten der Zeitschrift „New Yorker“ und des Kabelkanal „Fusion“ gefunden, und natürlich ist für die amerikanischen Medien diese Frage noch drängender. Aber im Angesicht der lautstarken Kritik in Europa hätten ähnliche Antwortversuche auch der SZ gut angestanden. Es wäre auch ein Blick über den Tellerrand der eigenen Recherchen gewesen, denn angesichts der unglaublichen Datenmenge, die immer wieder betont wird, ist es leicht zu übersehen, dass das Gebaren dieser einen Firma in Panama eben nicht all die unterschiedlichen weltweiten Offshore-Praktiken abbildet.)

Es ist weniger ein persönliches Versäumnis der SZ-Verantwortlichen, die Kritik so lange und weitgehend ignoriert zu haben, es ist eher ein systemisches Versagen. Natürlich sind die Beteiligten an den Recherchen vollkommen ausgelastet damit, ihr Material zu veröffentlichen, und natürlich haben sie ein Interesse daran, die Ergebnisse ihrer langen Arbeit möglichst groß wirken zu lassen. Es braucht in solchen Situationen Personen und Stellen und Abläufe, die explizit nicht Teil dieses Flows sind; deren Aufgabe es ist, Widersprüche zu entdecken und ihnen Gehör zu verschaffen; die nicht mit der Verbreitung der Nachricht beschäftigt sind, sondern mit den Reaktionen darauf; die Kritik zum Anlass nehmen, Fragen zu stellen und Antworten zu suchen.

Es ist schade, dass bei einem so ambitionierten Projekt wie den „Panama Papers“ dieses Element der Aufbereitung vernachlässigt wurde: die Auseinandersetzung mit dem Publikum und seinen Reaktionen. Überraschend ist es nicht. Trotz all der Klage über die Beziehungskrise zwischen Rezipienten und Machern fehlen bei deutschen Medien immer noch Organe, die in professioneller, moderner und systematischer Weise Kommunikation mit Kritikern organisieren. Wenn man deutsche Medienverantwortliche nach „Ombudsleuten“ fragt, schaut man immer noch in fragende Gesichter, was das denn überhaupt sein soll.

Man könnte sich das einfach ansehen, sogar in Deutschland, aber auch, vorbildlich, bei der „New York Times“, wo Margaret Sullivan diese Position seit fast vier Jahren in beeindruckender Weise ausfüllt. Sie trägt die kritischen Leserfragen ins Haus, konfrontiert die Kollegen damit, recherchiert wie jemand von außen, und ist frei darin, die Entscheidungen der Redaktion zu verteidigen oder zu kritisieren.

Ihre Aufgabe ist es nicht, die „New York Times“ und ihre Berichterstattung gut aussehen zu lassen. Sie lässt sie dadurch gut aussehen, dass es sie gibt. Ihre Position als jemand, der als unabhängiger Interessensvertreter der Leser von außen in die Redaktion hineinschaut, aber von der Zeitung bezahlt wird und in der Zeitung publiziert, ist natürlich immer eine heikle, spannungsgeladene. (Sie selbst sagt, die frühere Chefredakteurin Jill Abramson habe ihr prognostiziert, dass sie im Laufe der Zeit alle Kollegen im Haus verärgern werde und dann niemand mehr mit ihr reden werde und sie gehen müsse: „Ich hab ungefähr drei Viertel davon jetzt geschafft.“) Gleichzeitig ist es ein so betörend einfaches Mittel, jemanden in der Redaktion zu platzieren, der eine andere Agenda hat als die Kollegen, ein Mittel, das zur Glaubwürdigkeit eines Mediums so sehr beitragen und verhindern kann, dass eine Redaktion nur noch im eigenen Echoraum kommuniziert.

Man kann es ja beklagen, dass sich nichts mehr enthüllen lässt, das die Machthaber in Russland in einem schlechten Licht dastehen lässt, ohne dass gleich gefühlt das halbe Internet „Lügenpresse“ brüllt und: Klar, der Putin, und was ist mit Amerika? Aber man kann es auch als Tatsache hinnehmen und damit umgehen. Es nicht ignorieren, sondern auf die berechtigte Kritik eingehen und erklären, warum die unberechtigte Kritik unberechtigt ist. Es ist fahrlässig, darauf zu verzichten.

71 Kommentare

  1. Wie vermutlich alle, stehe ich auch wie der Ochs vor dem Datenberg. Aber in der Medien-Meta-Diskussion frage ich mich langsam, wo die Linie zwischen gesunder Skepsis und krankhaftem Misstrauen verläuft. Wann es angemessen erscheint, an die journalistische Sorgfaltspflicht zu erinnern und wo sich das in eine Beweislast-Umkehr verdreht: „Journalist, belege mir erst mal, dass Du nicht manipulierst.“

    Möglicherweise fehlen den beteiligten Medien tatsächlich Ressourcen und Sensibiltät für den Publikumsdialog. Aber der flinken Kritik mangelt es ein bisschen an Geduld und Vertrauen.

  2. #PanamaPapers are proudly presented by Ford Foundation, Rockefeller Family Fund, Open Socity Fondation (Soros) etc.
    Stefan Kornelius (Leiter des außenpolitischen Ressorts bei der SZ) ist Mitglied der Atlantikbrücke.

    Der ganze Mist stinkt zum Himmel….

  3. @Knopperz: schön, dass der erste Kommentar hier ein verschwörungstheoretisches Geschrei ist.
    Aktantikbrücke! Stinkt zum Himnel! Kann ja alles nur wieder verzerrt und erlogen sein! Lügenpresse!
    All das, was Niggi an kritischer Reflexion richtigetweise bringt, konterkarieren Sie wieder mit Ihrem schwarz-Weiss-Denken.
    Hätten Sie auch so reagiert, wenn jemand bei der SZ Mitglied in einem deutsch-russischen ThinkTank wäre?

  4. Ich will ungerne Salz in die schöne Verschwörungssuppe werfen, aber gibt es denn irgendeinen, naja, Beleg für die von Stefan Niggemeier hier weiter verbreitete Behauptung, die beteiligten westlichen Medien hätten die geleakten Informationen in einer Art und Weise ausgewertet, die der westlichen Regierungslinie folge? Ich kann das den Quellen, auf die sich dieser Botschafter bezieht, nicht entnehmen.

  5. Ah vorschnell gepostet… hatte das gerade im Twitter Feed, zu spät auf das Datum geschaut…

  6. @4: Angenommen, zwei Autofahrer prallen frontal zusammen. Einer stirbt. Er hatte wenige Tage zuvor für seine Frau als Begünstigte eine umfangreiche Risiko-Lebensversicherung abgeschlossen. Streng nach „cui bono“: Wer ist schuld am Tod des Mannes? „Wer hat davon einen Vorteil?“

  7. Interessant wie man den Inhalt dieses Beitrags so verkennen kann. Wenn ich es mal verkürzt darstellen darf, sagt Stefan Niggemeier nicht viel mehr als: „Liebe Süddeutsche-Redaktion (und Medien insgesamt), geht auf Kritik an eurer Arbeit ein und erklärt euch und euer Handeln. Gut geeignet dafür wäre eine Ombudsfrau/ein Ombudsmann.“ Er sagt nicht: „Die Panama Leaks sind Lügen und total doof.“ Ja, er mahnt an Fragen zu stellen und kritisch zu sein – vor allem aber kritisiert er den Umgang mit der Kritik seitens vieler Medien. Warum in den Kommentaren dann wieder von der Atlantikbrücke erzählt wird, erschließt sich mir nicht.

  8. Huch, hab ich die 2 übersehen?
    Naja, wie dem auch sei…mit den zwei Gazetten hat man sich tolle Putin-kritische Medien in’s Boot geholt. Passt doch wie die Faust auf’s Auge?

  9. Knopperz ist der Prototyp des VT-Kaspers. Er fragt warum keine russischen Medien beteiligt waren, bekommt fundierte Antwort das doch, aber baut diese gleich wieder in seine kleine VT-Welt ein, mit einem wiisnd klingenden „Passt doch wie die Faust auf’s Auge?“

  10. Am 10.Sep 2001 (einen Tag vor 9/11) hat Rumsfeld bekannt gegeben, das Ihm 2.3 Trillionen Dollar abhanden gekommen sind. Mich würde mal interessieren was in diesem Zeitbereich in den Panama Papers zu finden ist… Aber scheinbar ist das nicht „relevant“ genug.

  11. Ich habe den Eindruck, einige begreifen den Sinn dieser Seite und der hier veröffentlichten Beiträge nicht.
    Der Ansatz, Medien zu kritisieren, scheint eine gewisse mobilisierende Wirkung auf Personen zu haben, die mit Medien im Großen und Ganzen gar nichts mehr zu tun haben wollen – außer natürlich, sie stützen ihr Weltbild. Es gab hier schon deutlich gehaltvollere Diskussionen unter Beiträgen.

  12. Also ich habe von Herrn Bidden (Spon) gelernt, dass bestimmte Betroffene einen guten Grund hatten die Dienstleistungen von Panama zu nutzen … und außerdem darf man nicht vergessen, dass jetzt Panama große Probleme bekommen wird, da die dortige Finanzindustrie zusammen bricht … aber darüber haben sich die Journalisten wieder mal keine Gedanken gemacht, oder? …

  13. Warum schreibt eigentlich niemand mal deutlich nieder, dass die Amerikaner es nicht nötig haben, Briefkastenfirmen in Panama zu eröffnen, weil sie selber Staaten haben, in denen das problemlos geht?
    siehe hier:
    http://www.steuerparadiese.info/10-1/3429/Delaware.html

    oder hier:
    http://www.gevestor.de/details/steueroase-delaware-hochburg-der-briefkastenfirmen-635909.html

    „Schätzungen gehen davon aus, dass in Delaware weit über 600.000 Briefkastenfirmen ihren Sitz haben. Der Grund hierfür ist ein sehr liberales Steuerrecht. Das britische Netzwerk für Steuergerechtigkeit kam in einer Studie zu dem Ergebnis, dass Delaware die weltweit beliebteste Steueroase ist – noch vor den üblichen Verdächtigen.“

    Was für eine VERKORKSTE öffentliche Diskussion, in der so etwas nicht zur Sprache kommt, sobald solche Vorwürfe formuliert werden!

  14. @17 muriel: es besteht ein unterschied zwischen zweifeln (sinnvoll) und dem kultivieren von zweifeln (kritik um der kritik willen).

    anders gesagt: es ist schon phänomenal, wie niggemeier es schafft zu seinen eindrücken antworten zu finden und dann zu monieren, dass die süddeutsche nicht schnell genug antwortete.

    wo ist denn bei übermedien der ombudsmann oder die ombudsfrau, die sich der kritik annimmt und die schreibenden kritisch beäugt? warum müssen zeitungen wie versicherungen und banken überhaupt einen ombudsmann haben? auf keinen der kommentare hier gab es einen antwort. müsste das nicht besser sein, wenn man von anderen fordert besser zu sein?

    nicht zuletzt zeigen doch die kommentare hier, womit solch eine stelle hauptsächlich beschäftigt wäre… mit verschwörungstheoretikern. die öffentlich rechtlichen setzen sich damit doch bereits auseinander.. und ernten genau das. siehe publikumskonferenz, deren verdrahtung zudem zeifelhaft ist. und dass die süddeutsche ihre social media kanäle ja durchaus bespielt, ob in gut oder schlecht, sei dahingestellt, wird hier komplett außer acht gelassen.

    dieser text ist kritik der kritik wegen. weil man ja irgendwas machen muss. und man hätte durchaus einiges zu kritisieren. wie bspw. bidder von spon zeigt. nur hätte man sich dafür schlichtweg mühe geben müssen. man bräuchte ahnung von der materie.. die bekommt man aber nur, wenn man nachrichten nicht als unterhaltung ansieht.

    und einem guten medienkritiker wäre vielleicht auch aufgefallen, dass die kritik an dem leak va von jenen kommt, die nicht am leak teilnehmen. da hätte man bemerkt, dass manche medienhäuser sich dem debunking der einzelnen geschichten des leaks widmen, aber weniger den geschichten selbst.

    das heißt: hier hat sich jemand sehr wenig arbeit gemacht um seinen job zu erledigen und das sieht man.

    mfg
    mh

  15. @Marco Herack:

    es besteht ein unterschied zwischen zweifeln (sinnvoll) und dem kultivieren von zweifeln (kritik um der kritik willen).

    Ich hätte vielleicht andere Begriffe für die Unterscheidung benutzt, aber dass sie grundsätzlich sinnvoll und notorisch schwer zu treffen ist, ist unbestritten.

    anders gesagt: es ist schon phänomenal, wie niggemeier es schafft zu seinen eindrücken antworten zu finden und dann zu monieren, dass die süddeutsche nicht schnell genug antwortete.

    Das kam mir jetzt gar nicht so vor. Ich kann mich mit diesem Artikel hier eigentlich ganz gut anfreunden, sehe mich aber andererseits auch nicht in der Pflicht, ihn zu verteidigen. Das mag der Verfasser selber machen, wenn er mag.

    wo ist denn bei übermedien der ombudsmann oder die ombudsfrau, die sich der kritik annimmt und die schreibenden kritisch beäugt?

    Putzig, dass Sie gerade mich das fragen, der ungefähr das in seinem eigenen Kommentar, auf den Sie antworten, auch gerade gefragt hat.

  16. @24
    Gratulation. Verschwörungstheoretiker und Neidvorwurf in einem Text.
    Kommt noch was mit Substanz?
    Herr Niggemeier hat das schon ganz gut zusammengefasst.
    Schon ulkig wenn 400 Journalisten eigenen Angaben nach hochselektiv bei der Auswertung vorgehen, die Daten nicht öffentlich machen und dann noch fragwürdige Stifter haben, sich wundern das es Kritik gibt. Zum Schreien komisch wäre es, wenn die Kellog Foundation und Co. selber Briefkastenfirmen halten.
    Was bleibt? Eine Substanzlose Veröffentlichung einiger „Auserwählter“ und ein immenser Schaden für Whistleblower

  17. Knopperz #8
    DAS soll eine Neuigkeit sein?
    Na, Gute Nacht!
    Das war Schulstoff in der DDR !

    Wirts natürlich auch ein bezeichnendes Licht auf den Guardian….
    (und auf Herrn Putin)

  18. SN: „Ich lese die Vorwürfe der Kritiker und komme ins Grübeln und bin womöglich bereit, mich überzeugen zu lassen, dass sie unberechtigt sind – aber dafür muss man mich eben auch überzeugen. Mir erklären, warum die amerikanischen Geldgeber hinter den Recherchen unproblematisch sind und warum die Vereinigten Staaten so ein überraschender weißer Fleck sind auf dieser Karte.“

    Ich würde mich an Ihrer Stelle fragen, warum es Sie eigentlich überhaupt ins Grübeln bringen kann, dass auch amerikanische Stiftungen Spendengelder für die internationale Journalistenvereinigung bereitstellen, welche die Süddeutsche als Kooperationspartner ausgewählt hat. Mich bringt das nicht ins Grübeln. Begründet also bereits dieser Umstand für Sie irgendeinen Hauch eines Anscheins einer Voreingenommenheit der internationalen Journalistenvereinigung oder gar der Süddeutschen? Ich finde das höchst irritierend, wenngleich es ein bisschen in meine Wahrnehmung passt, wonach Sie seit geraumer Zeit immer mehr in die Verschwörungsecke abdriften. Es tut mir leid, aber so interpretiere ich zumindest einige Ihrer neueren Texte.

    Warum irritiert es Sie denn, dass „die Vereinigten Staaten so ein überraschender weißer Fleck sind“, dass also wenige Amerikaner unter den Daten sind? Die Frage ist doch ausschließlich: Stimmt es, dass so wenige Amerikaner unter diesen Daten sind, oder stimmt das nicht? Wenn es stimmt, ist doch alles in Butter. Wer das Gegenteil behaupten will, muss dafür Beweise oder zumindest Belege oder zumindest Anhaltspunkte liefern. Die Nachdenkseiten, auf die Sie verlinkt haben, stören sich offenkundig daran, dass dummerweise Daten zu guten Freunden von Putin gefunden werden konnten, und wittern natürlich eine amerikanische Verschwörung, wie sie das ohnehin bei nahezu jedem Thema tun. Warum muss denn Putin und sein verkorkstes, korruptes System von diesen Leuten bei jedweder Gelegenheit in Schutz genommen werden? Kann man nicht mal wahrnehmen oder darüber nachdenken, dass im Umfeld Putins offenkundig erhebliche Korruption herrscht, und dass möglicherweise Zustände wie in Russland solche Dinge eher befeuern als demokratische, transparente Systeme wie in Deutschland oder den USA? Warum immer dieser Hass auf die USA, dieser ständige Drang, alles und jedes in einen Vorwurf gegenüber den USA zu verdrehen und zu verkehren?

  19. @Stanz
    „Warum muss denn Putin und sein verkorkstes, korruptes System von diesen Leuten bei jedweder Gelegenheit in Schutz genommen werden? “

    So sehr Sie recht haben, so sehr hat es mich (eigentlich nicht) verwundert, dass die Tagesschau am Sonntag die verlesene Meldung zu den Papers mit Politikern (Poroschenko, Islands Premier) und Fußballspielern spickte, der ausführliche Filmbeitrag aber mit wem begann – dem Patenonkel von Putins Tochter!
    Da fällt es nun wirklich sehr schwer, keine Agenda zu argwöhnen….

  20. Die SZ hat ja nun schon länger Probleme mit der Transparenz und dem Feed-back zum Leser. Schließlich ist die Kommentarfunktion bei SZ-online schon seit über einem Jahr eingestellt; dafür sagt die Redaktion den Lesern jetzt, worüber sie zu diskutieren haben.
    Da ist das jetztige Verhalten nur konsequent.

  21. Jörg: Ich bin kein Journalist. Aber dürfte es nach journalistischen Kriterien nicht deutlich effektvoller sein, über Putin zu berichten als über Poroschenko oder gar „Islands Premier“, dessen Namen wir offenbar beide nicht mal auf Anhieb kennen? Und damit erklärt sich dann auch schon Ihre vermeintliche Agenda. Wäre Obama unter den Daten, wäre unter Garantie er der Aufhänger und nicht Putin. Übrigens wurde sogar über Islands Premier bereits sehr prominent berichtet, was Sie anscheinend ausblenden.

  22. @Stanz
    Mich verwundert nicht, dass Sie verwundert das andere überrascht sind … Aber eigentlich haben Sie vollkommen recht; solange nicht alle geleakten Daten ausgewertet vorliegen kann niemand mit Sicherheit behaupten, dass kein Amerikaner die Dienstleistungen dieser Firma genutzt hat. … Nur sollten Sie halt auspassen, dass Sie nicht zusehends in dieser Verschwörerecke abdriften in der alles Schlechte der Welt aus dem Osten kommt …

  23. @33 Herdir
    „(…)solange nicht alle geleakten Daten ausgewertet vorliegen(…)

    Nur mal zur Erinnerung: wir reden hier über 2,8 Terabyte und zusätzlich dazu über das Problem, dass einzelne Daten(sätze) mglw. gar nicht viel besagen. Erst die Verknüpfungen, die es aufzuspüren gilt, machen das Bild interessant. Mustererkennung mal als Stichwort eingeworfen. Da wird noch viel Zeit vergehen, bis man auch nur annähernd von einer Auswertung sprechen könnte.

    Was Niggemeiers Artikel angeht: Ich habe auch die aktuelle Arbeit von Mrs. Sullivan in der NYT gelesen. Absolut anerkennenswert.
    Nicht anderes ist Thema in dem Artikel von SN. Nämlich das diese Form von Leserwertschätzung in deutschen Medien praktisch nicht existiert, auch nicht für notwendig befunden wird.
    Wer den Unterschied zwischen einem Zweizeiler bei fb oder einem standardisierten sysop-Einwurf und der Tätigkeit von Mrs. Sullivan erkennen möchte, dem seien ihre Texte aktuell zur Causa ‚Panama-Papers/NYT‘ wärmstens empfohlen. Sie stehen online.

    Und btw: ich teile nicht die Auffassung von Sascha Lobo, dass dort vor allen Dingen die beleidigte Leberwurst wg. Nichtbeteiligung am scoop herausgekehrt und die ‚eigene edle Bedächtigkeit‘ zelebriert wird. Nein, dort werden die kritischen Fragen und Einwürfe der Leserschaft minutiös und in erstaunlicher Tiefe angenommen und die eigene Handlungsweise erklärt, begründet, transparent gemacht.

  24. Wenn es so wenig US-Kunden bei dieser einen Firma gibt, könnte das ganz banal daran liegen, dass US-Kunden lieber zu einer anderen Firma gehen, die ihre Briefkästen eine Straße weiter hat.

    Und der Patenonkel von Putins Tochter ist vllt. tatsächlich so wichtig wie der Premier von Island, global gesehen.

    Aber andrerseits fiele niemanden ein Zacken aus der Krone zu sagen, dass man auch nicht alles weiß.

  25. Was ist eigentlich konkret bekannt?
    >> WikiLeaks ‏@wikileaks 11 Std. (Twitter)
    >> „In total, Guardian has released, 2 #PanamaPapers documents. Süddeutsche Zeitung, 0 documents.“

    Alles darüber hinaus müssen wir „glauben“.
    Ich hab immer gedacht, gläubige findet man in der Kirche?

    @16 Marco Herack
    Zweifel kommen vor allem dann auf, wenn man einmal zu oft belogen wurde (und beim Lügen auffliegt). Lügen und Zweifel sind darüber hinaus ein hervorragendes Herrschaftselement.

  26. Knopperz ist ein Agent Putins. Alle Beweise dafür liegen offen auf dem Tisch. Man muss sich nur fragen: „Cui bono?“ Klare Kiste: Putin nützt es.
    Überhaupt wimmelt es in den Kommentaren von Verdächtigen, die für fremdes Interesse sich stark machen.
    Warum wohl wird hier so viel Kritik an der SZ geübt?! Wem nützt das? Springer natürlich.
    Wem nützt die Kritik an Übermedien? Klare Kiste.
    Also lassen wir mal den primitivsten Trick aus der schwarzen Rhetorik beiseite (ich wundere mich immer, dass noch irgendjemand tatsächlich in diese Kiste greift, ohne sich bewusst zu sein, was er damit seinem Hirn antut) und analysieren die Lage.
    Kann ja sein, dass der amerikanische Geheimdienst die Kiste gehackt hat (so unwahrscheinlich das ist) – in jedem Fall ist offenbar für die internationale Korrupteria, die gang großen Geldschieber und Staatskassenunterschlager die alte Gemütlichkeit hin. Bankdaten können gehackt werden – das ist die Botschaft. Putin findet das jedenfalls enorm bedrohlich und versucht daher ein gleichgewicht des Schreckens herzustellen, indem er 30 Jahre alte Geschichten aus den Archiven zu veröffentlichen droht (na hoffentlich). Die chinesische Regierung (eigentlich längst bekannt) ist ebenfalls ein Konsortium zur Selbstbereicherung – dagegenist der Fall Putin einerseits geringer, die chinesische Regierung aber noch klarer entschlossen, mehr oder minder gewalttätig ihr Geschäftsmodell zu schützen.
    Westliche Demokratien haben größtenteils ganz andere Bereicherungsmodelle als die plumpe Unterschlagung oder Privatisierung von Staatseigentum in Diktatorenhand. Die Familie Clinton z.B. … alles bekannt. Im Bundestag gehen Lobbyisten ein und aus. Politiker besorgen sich und ihren Freunden gute Posten (Niebel von der FDP hat da Großes geleistet, wohl auch bei der Auftragsvergabe, Minister sind ja auch Chefeinkäufer, immer eine korruptionsanfällige Position). Wenn man da in den USA oder Europa was aufdecken will, was noch nicht bekannt ist, müsste man nicht Bankaußenstellen in Panama hacken, sondern ganz andere Datenbestände. „So wenige Namen aus Europa“ – klar, westliche Politiker arbeiten in ganz anderen Strukturen als Diktatoren. Der Reibach wird meist nach Ende der Amtsgeschäfte eingefahren – völlig legal, aber wenig legitim. Schröder, Clinton, Blair, Fischer, etc. ad infinitum … wer hackt den mal Schröder? Wofür kriegt der aus Russland Millionen?
    Aber wie gesagt: Nobody is safe anymore. Deshalb kauen jetzt weltweit etliche an ihren Fingernägeln herum, ob sie jetzt schon zu den Publizierten gehören oder erst demnächst.
    Mein Gebet geht an Putin, dass er mal ein ordentliches Fass an alten Geheimdienstakten aufmacht. Hach, wäre das schön. Die Moskauleaks.

  27. Agent Putins? Es wird immer besser… ich hab gedacht ich bin Verschwörungstheoretiker? Was kommt als nächstes?

    Putin steht auf meiner Sympathieskala weiter oben als die anderen Marionetten welche unsere (freie) Welt leiten, das mag zutreffen. Aber das hängt u.a. damit zusammen, das Putin genau das macht was sich ein Großteil der Bevölkerung wünscht.

    Hat sich Deutschland bereit erklärt Snowden Asyl zu gewähren?
    Nein, das bekommt er nur beim Lupenreinen Demokrat Putin.

    Wie siehts aus mit Monsanto…GMO Foods?
    80% der Deutschen dagegen, Merkel enthält sich…jetzt landet der Dreck trotzdem auf unseren Äckern. Was macht Putin, er organisiert den Weltweit größten GMO-freien Ackeranbau.

    Alle reden über Fluchtursachen. Bei Gabriel sieht die Lösung so aus, das er noch ein neues Waffenpaket im Wert von 2,75 Milliarden für die Saudis schnürt…was macht Putin? Er haut in der Zwischenzeit ISIS kaputt in Syrien.

    Sorry das ich dafür Sympathie empfinde >.<

  28. @Knopperz
    „Aber das hängt u.a. damit zusammen, das Putin genau das macht was sich ein Großteil der Bevölkerung wünscht.“

    Das bezweifel ich ganz, ganz stark.

    Und weshalb Fritz IV wohl nicht ganz ernsthaft unterstellt hat, Sie seien ein Agent Putins, sollte auf der Hand liegen: Sie argumentieren mit Cui Bono wie VTler, stellen wirre Unterstellungen auf und wendet man Ihre eigene Argumentation auf Sie an, kommt genau das dabei heraus: Die einzig sinnvolle Lösung ist, dass Sie für Putin arbeiten. Das ist sicher sinnlos, eben genauso sinnlos wie diese Cui Bono-Überlegungen.

    Von welchen Stiftungen hätte die Enthüllung eigentlich gefördert werden dürfen, ohne verdächtig zu sein?

    Und ich wusste auch nicht, dass es Trillionäre gibt (oder gab, Rumsfeld hat die Trillionen offenbar nicht mehr).

  29. Enthüllungen sollte man durch Beweise bekräftigen, sonst sind die Enthüllungen nichts anderes als Verschwörungstheorien.
    Womit will die Staatsanwaltschaft sonst arbeiten? Mit Zeitungsartikeln?

    Trillions Englisch, Billionen Deutsch.
    „According to some estimates we cannot track $2.3 trillion in transactions“
    http://www.cbsnews.com/news/the-war-on-waste/

  30. WikiLeaks ‏@wikileaks 6. Apr.
    „#PanamaPapers: If you censor more than 99% of the documents you are engaged in 1% journalism by definition.“

  31. @Stanz:
    Was mich wundert ist dass Sie sich nicht wundern warum ein prominenter Name der Leaks unter den Teppich gekehrt wird. Der Vater Camerons. Putin ist auf jeder Titelseite ohne namentlich erwähnt zu werden. Cameron wird mal ganz kurz unten links auf Seite 3 erwähnt. Wenn der Geiger von Putin die Kohle von Putin verwaltet, was macht dann der eigene Vater?
    Mich wundert die Island Situation. Zwar wurde nichts strafrechtliches gefunden, aber schön darauf einschießen und ne große Nummer daraus machen. Island…..sorry die Insel als Präzedenzfall zu nehmen. Ich lach mich tot.

  32. @Stanz:

    „Aber dürfte es nach journalistischen Kriterien nicht deutlich effektvoller sein, über Putin zu berichten als über Poroschenko oder gar „Islands Premier“, dessen Namen wir offenbar beide nicht mal auf Anhieb kennen? Und damit erklärt sich dann auch schon Ihre vermeintliche Agenda. Wäre Obama unter den Daten, wäre unter Garantie er der Aufhänger und nicht Putin.“

    Ich verlange ja noch nicht mal große Aufmacher. Aber vielleicht könnten sie mir auch nur einen Artikel aus Spon, SZ oder Zeit verlinken, der intensiver die Spur zu David Cameron aufarbeitet, über die zumindest Independent und Guardian berichten?

    Vielen Dank. Ich suche danach nämlich seit fast 1 Woche und finde einfach gar nichts. Wer sich als Leser nur dort informiert, hat davon bisher noch gar nichts erfahren. Was Sie hier für einen hypothetischen Fall Obama unterstellen, gilt für Cameron doch wohl ebenso?

    Ehrlich: Mich würde interessieren, wie Sie mir das erklären, ohne bei den Joffes, Kornelius‘ und Bidders politischen Unwillen und eine vermeintliche Agenda anzusprechen, wenn es um einen der Hauptprotagonisten der politischen Strömungen geht, als deren Pressesprecher die Genannten gerne „diffamiert“ werden, von uns kremltreuen VT’lern.

    Solange ich hierfür keine plausible und nachvollziehbare Erklärung bekomme, ist für mich eine weitere Diskussion über den Informations- und Nutzwert dieser Medien für Leser überflüssig(bei solchen Themen). Ebenso die Frage, ob es so etwas wie ein wiederholt überauffällig homogen-einheitlich bizarr-selektives Berichten gibt, vom Springer-Verlag bis zu den genannten scheinbar-anscheinend ehemals kritisch-liberalen Medien.

    Für mich war das jetzt der letzte finale Sargnagel auf der Gruft der liberalen deutschen Qualitätspresse als solcher.
    Retten Sie sie! Erklären Sie mir dieses dröhnende Schweigen zu Cameron. Bitte, bitte, bitte.

  33. 44: Suchen Sie bei google nach „cameron panama“. Da finden Sie ältere und neue Berichte zu genau dem Sachverhalt von SZ (vor 3 Tagen), FAZ, Welt, Handelsblatt, Tagesspiegel, Bild, ntv etc pp.

  34. 45: Das bei der SZ ist aber nie auf der SZ-Startseite zu finden gewesen, oder? Sie sprachen von „Aufmacher“. Wo ist der?
    Und Spiegel und Zeit haben überhaupt gar nichts dazu gebracht? Sie hätten es mir doch sonst sicher als Beleg für Ihre These präsentiert? Wenn Sie schon zu Leitmedien wie ntv in Ihrer Liste greifen…

    Würden Sie da jetzt sagen, das entspricht Ihrer Rede von: „Wäre Obama unter den Daten, wäre unter Garantie er der Aufhänger und nicht Putin“? Halten Sie das aufrecht?

    Oder wieso gilt Ihre geneigte steile Behauptung nicht, wenn der Satz mit
    „Wäre Cameron unter…“ begänne?

    Die anderen von Ihnen genannten Zeitungen/Medien sind für mich in dem Fall nebensächlich. Ich möchte wissen was mit den früher für mich bedeutsamen SZ, Zeit und Spiegel passiert ist, dass man solche Eigenartigkeiten in den letzten Jahren immer öfter kopfschüttelnd beobachtet. Warum interessieren die sich nicht annähernd in der Intensität für Aufklärung hinsichtlich Cameron, wie für Putin?

  35. Ist immer das gleiche mit Leuten wie Ihnen. „Zeigen Sie mir nur einen einzigen Artikel, ich finde nix. Nur einen!“ Ich schreibe Ihnen, dass man über Google zig Artikel findet und dass somit Ihr gesamter Text Unsinn ist – und übrigens auch ein bißchen unehrlich, da Sie ja keineswegs seit 1 Woche suchen. Und die Reaktion? Plötzlich wollen Sie einen Aufmacher sehen. Es ist so lächerlich. Übrigens: Sowohl bei SpOn als auch bei Zeit wird gerade jetzt sehr prominent über Cameron berichtet. SpOn hat aber auch schon gestern darüber informiert.

  36. 1. Mein Fehler: Ich hatte gesagt, ich will keinen Aufmacher. Ohne weitere Differenzierung.
    Gemeint hatte ich: Aber zumindest direkt auf der Startseite dieser 3 Bätter direkt zu finden, so dass man darauf wenigstens mal aufmerksam wird.

    2. Sie haben das allerdings genutzt, um nicht mehr darauf eingehen zu müssen, dass dieses Beispiel Ihre Behauptung klar als den nachweisbaren „Unsinn“ (Ihre Wortwahl) erkennen lässt. (Wäre der Aufmacher, wie in Sachen Putin)

    Dass Sie das nutzen, um dann Ihren „Leute wie Sie“-Sermon loszulassen, zeigt, dass Sie an Ihre eigene Argumentation überhaupt gar keine Ansprüche mehr stellen. Es geht Ihnen nicht darum, ob das eine schlüssige Argumentation ist, sondern nur darum, ob Sie damit durchkommen.

    Für den Spon-Artikel vom Mittwoch möchte ich einen Link. Dass Sie jetzt einen Bericht von 21.14 heute zu Cameron’s Geständnis als Gegenbeweis anführen, finde wiederum ich „lächerlich“ (Ihre Wortwahl)

    Aber vielleicht könnten wir uns dazu einigen, dass die gefühlt 568 Artikel auf den Startseiten zu Spuren zu Putin’s Geiger in der vergangenen Woche nicht von 568 ähnlich prominent platzierten Artikeln zu den Spuren zu Cameron’s Vater begleitet wurden?

    Wollen Sie ernsthaft das Gegenteil behaupten? Wollen Sie ernsthaft ihre Behauptung aufrechterhalten, wenn es Spuren zu einem der wichtigsten Regierungschefs des Westens (Obama/Cameron) gäbe, wäre das genauso zum Mega-Dauer-Aufmacher gemacht worden?
    Echt jetzt?

    Dann sollten Sie diese Aufmacher aus den letzten 5-6 Tagen aber parat haben. Oder was merken…

    Ich würde ja gerne auf eine Tonality ala „Unsinn“, „Unehrlich“, „Solche Leute“ usw. verzichten. Ich mag diesen Wutbürger-AFD_Pegida-Duktus nicht. Und ich habe in meinem Post 44 diesen Ton auch nicht eingeführt. Der kommt von Ihnen. Können Sie ohne nicht?

  37. @Symboltroll
    Vielleicht besteht bei Stanz die Wertigkeit in der Artikelbewertung nicht, wie Sie (und ich) sie verstehen? Vielleicht besteht das Gleichgewicht der Berichterstattung (hier: Putin zu Cameron) Stanz indem eine vergleichbare Anzahl von Artikeln exisitiert aber unabhängig an welcher Stelle sie publiziert worden sind (Seite 1 (Putin) zu Seite 43 (Cameron) …

    Aber grundsätzlich sehe ich schon einen Unterschied ob ich mit Putin groß aufmache, der nicht einmal (bisher(?)) namentlich erwähnt worden ist oder ob ich über Cameron berichte der sehr wohl (und das war ja schon länger bekannt) diverse Verflechtungen zu dem Thema hat …

  38. Ziemlich „softy!, ihr Artikel, Herr Niggemeier. !! Noch ein wenig mehr Rückgrat und ein eigenerer Standpunkt hätte mir schon gefallen.

  39. Man sollte beim Vergleich Putin / Cameron nicht übersehen, dass es bei Cameron nicht um Korruptionsvorwürfe geht; niemand behauptet, er habe sein Amt missbraucht, um sich und/oder sein Umfeld zu bereichern. Es geht noch nicht mal um strafrechtlich relevantes Verhalten und nicht um seine Zeit als Premierminister.
    Ginge es bei Putin „nur“ um das, worum es bei Cameron geht, wäre es keine so große Story gewesen, vermutlich eine kleinere als jetzt bei Cameron.
    Und natürlich hat Stanz Recht: Wäre bei Obamas engstem Umfeld dasselbe wie bei Putins engstem Umfeld entdeckt worden, wäre es garantiert die Nummer Eins in allen Medien gewesen.
    Und das Whataboutism hat wirklich jedes Maß verloren. Das hat Stefan Niggemeier im letzten Absatz ganz gut auf den Punkt gebracht. Ich finde übrigens nicht, dass er sich in die Verschwörunstheoretiker-Ecke begibt, er lässt ja ausdrücklich offen, welche Kritik berechtigt und welche unberechtigt ist, und mahnt letztlich nur einen besseren Umgang mit Kritik an, unabhängig davon, ob sie berechtigt ist oder nicht. In ganz anderen Welten bewegen sich mittlerweile in der Tat die Nachdenkseiten. Müllers Artikel zu den Panama Papers ist nur eines der Beispiele dafür, in welchen Sumpf die sich begeben haben.

  40. @53:
    Haben Sie einen rechtskräftigen Beleg Ihrer Vorwürfe gegen Putin?
    „Man sollte beim Vergleich Putin / Cameron nicht übersehen, dass es bei Cameron nicht um Korruptionsvorwürfe geht; niemand behauptet, er habe sein Amt missbraucht, um sich und/oder sein Umfeld zu bereichern. Es geht noch nicht mal um strafrechtlich relevantes Verhalten und nicht um seine Zeit als Premierminister.“

    Wahrscheinlich nicht. Eben sowenig dürften Sie einen Beleg dafür haben ob Cameron nun strafrechtlich belangbar ist oder nicht.

    Ist schon gewagt derartiges ohne Nachweis abzulassen und dann den VT-Fingerpointer rauszuholen.

    Aber macht die AFD und Pegida bei der „Islamisierung des Abendlandes“ ja nicht anders.

  41. Hallo Seb78,
    ich habe keine Vorwürfe gegen Putin erhoben und habe nicht behauptet, dass die Vorwürfe, die ihm gemacht werden, „rechtskräftig“ bewiesen worden sind.
    Ich habe nur festgestellt, daß Vorwürfe im Raum stehen, die von der Presse thematisiert werden. Und dabei geht es nunmal bei Putin um Korruptionsvorwürfe (nicht um rechtskräftige Urteile), und im Fall von Cameron nicht. Daher ist es verständlich, wenn die Vorwürfe von der Presse anders gewichtet und nicht auf eine Stufe gestellt werden. Unabhängig davon, dass Cameron spätestens seit heute auch ein großes Thema ist.
    Und das Cameron bis dato keine strafrechtlich relevanten Vorwürfe gemacht werden, ist doch nachzulesen. Wenn Sie das Gegenteil behaupten, wären Sie in der Beweispflicht. Vielleicht habe ich ja was übersehen.
    Generell würde ich mir – das gilt auch für mich – einen weniger aggressiven Ton in der Diskussion wünschen. „Sumpf“ (ich) oder „ablassen“ / Pegida-Vergleich (Sie) muss nicht sein.
    MfG

  42. jaja der Niggemeier spielt wieder mal den Naivling, der überall Verschwörungstheorien wittert aber nirgends simple Schmutzkampagnen einer zutiefst verlogenen deutschen/westlichen Presse erkennt. Solche Einfaltspinsel als „Medienkritiker“ sind wirklich das Tüpfelchen auf dem i in Lügenmedien.

  43. Glückwunsch, liebe Propagandaschaurige, Nachdenkseitige, AfD’ler und sonstige Lügenpresse-Krakeeler. Steter Tropfen höhlt den Stein.

    Okay, so eine Art Ombudsstelle als vermittelnde Instanz zwischen Produzenten und Rezipienten halte ich auch für eine gute Idee – und zwar völlig unabhängig von der aktuellen „Lügenpresse“-Diskussion -, weil ich glaube, dass insbesondere die mit politischer Berichterstattung befassten Medien ihre tägliche, von vielen Aspekten beeinflusste Arbeit generell besser erklären und ihr das Mysteriöse nehmen sollten, statt (wie bspw. die SZ) weiter den Standesdünkel der vermeintlich all- und besserwissenden Journalisten zu pflegen, denen man bitteschön per se zu glauben habe. Die Zeiten, da das Publikum mangels Alternativen alles hinnehmen musste, was in Zeitungen geschrieben und in TV-Sendungen gesagt wurde, sind ein für allemal vorbei. Und das ist ja auch erst mal gut so.

    Aber sind wir wirklich schon so weit, dass jedem Putin-/AfD-/XY-kritischen Artikel ein Disclaimer vorangestellt werden muss, in dem die betreffende Redaktion sinngemäß versichert, es täte ihr sehr leid, aber über die jeweiligen politischen Gegenspieler gäbe es halt in diesem speziellen Kontext – ganz ehrlich! – gerade nichts Adäquates zu berichten, man solle doch morgen mal wieder reinschauen, vielleicht finde sich dann bei der neu eingegangenen Nachrichtenware was Passendes?

    Nee, danke. Ich brauche niemanden, der mir erklärt, warum eine Redaktion die Geschichte eines zum Präsidenten einer Weltmacht aufgestiegenen Ex-Geheimdienstlers und des sagenhaften Reichtums seiner Weggefährten deutlich spannender und ergiebiger findet als, zum Beispiel, das geheimgehaltene Offshore-Konto des Premierministers eines kleinen Inselstaates, welcher ansonsten vor allem durch Vulkanausbrüche von sich reden macht.

    Lesen kann man über beide (bzw. alle drei, wenn man den Vulkan mitzählt). Und noch viel mehr. Wenn man will. Und wem die Gewichtung bei, zum Beispiel, der SZ nicht gefällt, der soll halt, zum Beispiel, ND lesen, statt von der SZ zu fordern, sie solle gewichten wie das ND.

    Noch(!) gibt es diese Vielfalt. Man sollte versuchen, sie zu erhalten, und sich über solche Leaks und die Möglichkeiten zur Veröffentlichung freuen statt kleinkariert darüber zu diskutieren, wer wo warum jetzt mehr über den einen Protagonisten geschrieben hat als über den anderen. Es ist wirklich nicht zu fassen!

    Wer sich von der Meinungs- und Pressefreiheit überfordert fühlt und der besseren Übersicht wegen die Auswahl gerne in seinem Sinne weiter einschränken würde, der möge sich eben an die eingangs genannten Gruppierungen halten. Wenn’s der persönlichen Wahrheitsfindung dient …

    Aber ich möchte auch in Zukunft selbst entscheiden können, was ich wann wo mit welcher Gewichtung lese, wem ich mehr und wem ich weniger glaube.

  44. „Ich habe nur festgestellt, daß Vorwürfe im Raum stehen, die von der Presse thematisiert werden. Und dabei geht es nunmal bei Putin um Korruptionsvorwürfe (nicht um rechtskräftige Urteile), und im Fall von Cameron nicht.“

    Ich weiß nicht was Sie da vergleichen. Es gibt gar keine substantiellen Vorwürfe gegen Putin. Nur schwache Indizien auf sehr dünnem Boden. Es gibt auch keine „Vorwürfe, die im Raum stehen, die von der Presse thematisiert werden“, sondern „Ziemlich spekulative Vorwürfe, die manche Presseorgane über eine Woche als Hauptthema der PL in Heavy rotation repetierten“
    Falls ich das falsch einschätze lasse ich mich durch Links zu qualifizierten Quellen gerne vom Gegenteil überzeugen.

    Erste Hinweise zu Cameron wurden ca. Ende letzte Woche bekannt.
    Bemerkt habe ich das beim einmal täglichen Überfliegen der Startseiten von Guardian, Independent, Telegraph aus anderen Gründen spätestens am Montag. Und dann habe ich 4 Tage lang darauf gewartet, dass SZ/Spon/Zeit (SSZ) endlich dazu was auf den Startseiten anbieten, was ich beim einmal täglichen…(s.o.) Vergeblich. Nicht der geringste Hinweis.

    Es wurde über die Woche hinweg nicht berichtet, wie sich das dann über geschätzt 5 Tage hinweg entwickelte:
    1 Erste Hinweise
    2 Totaldementi Cameron
    3 Weitere Infos die dem widersprechen
    4 Teil-Geständnis Cameron: Das war nur der Papa. Hatte ich gar nichts mit zu tun
    5 Weitere Nachfragen
    6 Weitere Salamiantwortscheibe Cameron: Irgendwas war da von meinem Vater, ich habe aber finanziell davon nicht profitiert
    7 Erneutes nachbohren
    8 Cameron bemerkt plötzlich, er habe davon doch auch monetär profitiert

    SSZ haben 1-7 gar nicht erst ignoriert. Ab Nummer 8 wurde plötzlich berichtet, dass er diese Vorhaltungen bestätigte und rekapitulierend, dass er es erst mit Ausflüchten versuchte. Aber die ganze Entwicklung bis dahin hatte deren Leserschaft überhaupt nicht mitbekommen(Für SZ-Print kann ich das nur vermuten. Falsch?). Würde ich für eines dieser Blätter noch zahlen, würde ich mich ganz schön verarscht fühlen. Das Gefühl, auf dem laufenden gehalten zu werden, hätte ich jedenfalls nicht.

    Abgesehen davon, dass man da noch jede Menge weitere Ansätze hätte, Berichte dazu anzureichern
    – mit seinen bisherigen öffentlichen moralisch Verurteilungen gegen solche Offshore-Konstrukte
    – mit einer Bewertung der bisherigen politischen Maßnahmen zum Umgang damit unter seiner Amtsführung und den tatsächlichen monetären Konsequenzen für diese „Branche“ und deren Kunden (also auch er und sein Vater) (in der UK Presse wird dem nachgegangen)
    – mit seinen über Tage bizarren Reaktionen und Verrenkungen, wenn darauf öffentlich angesprochen
    – mit den hämisch-spöttelnden Nachfragen von Studenten bei einem Auftritt an einer Uni „Was wollen Sie gegen solche Geschäfte unternehmen, mit denen sie sich ja persönlich bestens auskennen?“ und den allgemeinunverbindlichen, einstudierten Sprechblasen die er darauf zurückgab, ohne auf den persönlichen Teil einzugehen. Inklusive Selbstlob, seine Regierung sei auf der Welt die aktivste und rigoroseste im Kampf dagegen, aber jetzt müssen man nur den Rest der Welt noch davon überzeugen, sich diesem Anti-Offshore-Vorkämpfer Cameron anzuschliessen. (Hat da jemand gelacht?)

    Von alldem haben SSZ-Leser währenddessen nichts mitbekommen.

    Zum Vergleich zwischen Putin und Cameron:

    Ja. Falls sich nachweisen/mit starken Indizien nahelegen lässt, dass sich Putin im Amt in großem Maßstab bereichert, hat das eine erheblich größere Bedeutung als das was wir bisher über Cameron wissen und würde ein halbes Dutzend Start- und Titelseiten-Topaufmacher pro Woche rechtfertigen. (Also das, was wir bereits bekommen haben) Denkbar finde ich, dass Putin das tut. Was ich hier bisher in den Startseiten-Aufmachern dazu zu lese bekommen habe, erschien mir bisher aber wenig substantiell. Wenn man in dem Material was substantielleres findet, immer her damit. Ich würde es wissen wollen. Dann bitte auch nicht auf Seite 2 hinter der Überschrift „Die gestopfte Geige“ versteckt. (S.u.)
    Es ist allerdings nun zweifelsfrei geklärt, dass Cameron faktisch Geld in solchen Firmen hatte. Bei Putin gibt es allerdings immer noch nicht mehr als sehr vage Spekulationen. Aus denen wurde sehr viel gemacht, mehr als es eigentlich her gibt bisher. Bei Cameron wurde bis zu seinem Geständnis sehr viel weniger daraus gemacht, als es hergibt. Bei den genannten 3 Quellen sogar bis Donnerstag nacht gar nichts.

    Wenn man dieses Phänomen nun anspricht, taucht hier im Rudel die Dieckmannsch‘ erscheinende Inquisition auf, die gleich wieder das ganze Agitproparsenal von der VT über Kremltrolle bis zu den Putinisten und was sonst noch so zu Ihren Reflexwaffen gehört, auspackt und mit der Schrotflinte auf alle verschiesst, die es wagen, auch nur irgendwas zu hinterfragen.

    Um auf der selben Ebene zu reagieren, müsste ich jetzt Natotrolle, Lügenpressegläubige und Intrepid-Sockenpuppen auspacken. Wäre es für Sie stattdessen nicht befriedigender, lieber gleich nur mit den Fans der Gaulands, Tichys und Elsässers zu diskutieren, damit sie mit ihren Gesprächspartnern auf der selben Ebene argumentieren? Mir egal ob Pegidisten oder Bildzeitungs-Feinbildmalereifans: Sie sind es, von beiden Seiten, die diesen hysterischen Megaphon Hooligan-Diskurs zu verantworten haben, der jeweils die Gegenseite nur noch als konspirative 5.Kolonne des Feindes diffamiert statt mal sachlich zu diskutieren.

    @XP-User: Sie finden, wir müssen jetzt diskutieren, ob sich Niggemeier hier als Verschwörungstheoretiker betätigt hat? Echt? Wie tolerant von Ihnen, das als sich nicht zwingend aus seinem Artikel hier ergebend zu bewerten. Der Pfad, von dem man bei Ihnen nicht abweichen darf, um nicht zum langen Arm Putins ernannt zu werden, ist schon mächtig schmal.

    @Axel E.: Welches ist denn Ihre Tageszeitung? Wurden Sie dort vielleicht noch nicht darüber informiert, dass es bei dieser Insel hier nicht mehr um Island, sondern um Großbritanien geht? Und auch nicht um Grimmson, sondern um Cameron? Und welche Vulkane sind eigentlich neuerdings auf den britischen Inseln aktiv? Da fehlt eigentlich nur noch eine „Post von Wagner“-Nummer zur Abrundung. Da wird verständlich, dass Sie beim Schreiben von „Aber ich möchte auch in Zukunft selbst entscheiden können, was ich wann wo mit welcher Gewichtung lese, wem ich mehr und wem ich weniger glaube“ offenbar gar nicht merken, dass es genau darum geht, dass wir das als Leser nun mal nicht können, wenn da zu bestimmten Themen nichts zu lesen angeboten wird, gerade bei SSZ. Ihr Spruch vom Disclaimer ist dann wirklich nur noch bizarr. Dass gerade Sie sich ganz besonders hervortun mit ihrem Sprüchlein „Liebe Propagandaschaurige, Nachdenkseitige, AfD’ler und sonstige Lügenpresse-Krakeeler.“, passt gut ins Bild, lieber Bildzeitungsparolen-Krakeeler.(Unter uns dürfen wir uns doch mit dem Titel anreden, woll?)
    Wer sich die Konstruktion schlüssiger Argumente lieber spart und dafür durch solches lautstarkes Krakeelen ersetzt, findet in Ihnen einen guten Widerpart.

    Zur SZ: Habe gerade die Samstagsprintausgabe in der Hand. Auf der Titelseite nichts. „Von Paris nach Panama: Wie ein von den Nazis 1944 geraubtes Gemälde bis heute mittels Offshore versteckt wird“.

    Auf Seite 2 ein Bericht zu Cameron, dem man sein Thema auf den ersten Blick gar nicht anmerkt. Kein Bild von ihm, nur eine Weltkarte. Headline: „Nichts als die halbe Wahrheit“. Nur in der Subheadline wird sein Name genannt. Schon sehr lieblos angeteasert, oder? Hat die SZ das wenigstens gestern mal als Aufmacher auf der Titelseite gebracht und entsprechend personalisiert präsentiert wie bei Putin im gleichen Zeitraum etwa 4-5 Mal?

    Ich konzentriere mich übrigens auf jene 3 Blätter, weil die für mich jahrelang besonders wichtig waren als Gegengewicht zum Springer-Verlag.
    Diese Rolle erfüllen sie bei solchen Themen einfach nicht mehr. Hat eigentlich wenigstens die Taz ihre Leser gleich ab Wochenbeginn zu diesem Vorgang informiert, oder lief das da genauso?

  45. @Symboltroll, #58

    »Welches ist denn Ihre Tageszeitung?«

    Es gibt keine Zeitung, die mein persönliches Bedürfnis nach möglichst umfassender Information allein befriedigt. Deshalb nutze ich regelmäßig verschiedene Quellen (in denen übrigens durchaus auch Cameron vorkommt). Und wenn ich eine Quelle als unzuverlässig, einseitig oder doof empfinde, dann meide ich sie zukünftig. Dieses Vorgehen hat sich über viele Jahre bewährt. Sollten Sie auch mal versuchen.

    »Blabla […] wenn da zu bestimmten Themen nichts zu lesen angeboten wird, gerade bei SZ.«

    Herrgott, dann lesen Sie halt was anderes! Genau darum geht’s ja. Oder noch besser: Kaufen Sie was anderes – und tragen Sie damit zum Erhalt der Vielfalt bei statt einen Skandal auszurufen, weil Zeitung XY sich erdreistet, nicht das zu schreiben, was Sie lesen wollen.

    Dass Sie offenbar Buch darüber führen, wer wann wieviele Artikel zu welchem Thema veröffentlicht, um sich dann über die Unterschiede der verschiedenen Publikationen zu empören, zeigt, dass Sie die Bedeutung von Pressefreiheit nicht mal im Ansatz verstanden haben.

    Deshalb hier ganz exklusiv auch für Sie noch mal: Pressefreiheit bedeutet nicht, dass Presse frei von Meinung und Interessen zu sein hat, sondern frei in der Entscheidung, welche Meinung und Interessen sie vertritt.

    Und ja, das gilt auch für die Süddeutsche. Und für die Borbecker Nachrichten, das Weißenburger Tagblatt und den Pfaffenhofer Kurier, für FAZ, WAZ und taz, Zeit, Welt und Neues Deutschland, Jungle World, die Jüdische Allgemeine und – ja, sogar für die National-Zeitung. Um nur einige Beispiele zu nennen.

    Zum Einstieg in die trotz wirtschaftlicher(!) Zwänge immer noch relativ bunte Welt der Medien empfehle ich folgende Übersicht deutscher Zeitungen mit Angabe des jeweils dahinterstehenden Verlages bzw. ggf. auch Konzerns:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_deutscher_Zeitungen

    Ich bin sicher, da ist auch was für Sie dabei. Dann müssen Sie nicht immer (nur) die SZ lesen und sich darüber aufregen.

  46. Lieber Symboltroll,

    okay, danke für die lange Erwiderung. Ich versuche mich mal an einer (von meiner Seite) abschließenden Antwort in den wesentlichen Punkten.

    1. Stanz schrieb, dass Niggemeier seiner Meinung nach in die Verschwörungstheoretiker-Ecke abdriftet. Ich widerspreche dem (nachdem ich Stanz in anderem ausdrücklich zugestimmt hatte) und nehme Niggemeier quasi gegen diesen Vorwurf in Schutz (nicht, dass er das nötig hätte), und Sie machen mir jetzt einen Vorwurf daraus? Hätte ich schreiben sollen, dass ich Stanz‘ Meinung teile?

    2. Ich habe bereits geschrieben, dass die Vorwürfe gegen Putin nicht „rechtskräftig“ bewiesen worden sind. Die Frage, wie „substanziell“ die Indizien und die darauf gründenden Vorwürfe sind, ist relativ. Aber es scheint mir schwer bestreitbar zu sein, dass sich nach dem, was über Putins engstes Umfeld bekannt wurde, sehr drängende Fragen auch nach der Rolle Putins gestellt haben, und es ist der Job der Presse, das zum Thema zu machen. Wie Stanz schrieb, wäre das bei Obama nicht anders gewesen, wenn über sein engstes Umfeld Ähnliches bekannt geworden wäre. Wenn, dann wäre die Aufregung um ihn noch deutlich größer gewesen. Wenn Sie bei dem Punkt anderer Meinung sind: Geschenkt, dann kommen wir hier halt nicht zusammen.

    3. Zu Cameron: Die Hinweise darauf , dass Camerons Vater in den Panama Papers auftaucht, sind schon am Montag thematisiert worden.
    http://www.sueddeutsche.de/politik/panama-papers-wie-david-camerons-verstorbener-vater-in-die-affaere-verwickelt-ist-1.2934247
    Auch in den „großen“ Startseiten-Artikeln: http://www.spiegel.de/politik/ausland/panama-papers-diese-maechtigen-tauchen-in-den-unterlagen-auf-a-1085306.html
    Mag sein, dass die Entwicklung von Camerons „Stellungnahmen“ über die Woche hinweg von den deutschen Medien nicht „in Echtzeit“ genau verfolgt und nachvollzogen wurde. Dafür wird das Thema inkl. Camerons Krisenmanagements und fast aller sonstigen Punkte, die Sie anführen (ganz ironiefrei: Respekt für die Fleißarbeit), spätestens seit gestern in aller Ausführlichkeit thematisiert, es ist eines der Top-Themen. Gemessen daran, dass niemand strafrechtlich relevante Vorwürfe erhebt, kann ich hier insgesamt betrachtet vielleicht Fehler, aber kein systematisches „Unter-den-Teppich-kehren“, keine „Verarsche“ erkennen. Erneut: Wenn Sie bei dem Punkt anderer Meinung sind: Geschenkt, dann kommen wir hier halt nicht zusammen.

    4. Ja, der Fall von Cameron ist jetzt wohl abschließend geklärt, der Fall von Putin (noch) nicht. Ändert aber nichts daran, dass es bei Putin um Korruptionsvorwürfe geht und bei Cameron um ein (nun geklärtes) noch nicht mal strafrechtlich relevantes Verhalten. Das rechtfertigt aus meiner Sicht eine unterschiedliche Gewichtung. Unabhängig davon, ob, seitdem die Vorwürfe gegen Cameron geklärt sind, in der Berichterstattung überhaupt so stark unterschiedlich gewichtet wird. Cameron ist jetzt schließlich eines der Top-Themen. Und ich bleibe dabei: Ginge es bei Putin „nur“ um das, was Cameron gemacht hat, wäre die Aufmerksamkeit geringer als jetzt bei Cameron. Umgekehrt, ginge es bei Cameron (oder Obama) um die Vorwürfe, die Putin gemacht werden, wäre die Hölle los, wahrscheinlich hätten sie längst zurücktreten müssen. Mit anderen Worten: Ich kann die Voreingenommenheit der Medien, die Sie sehen, nicht erkennen, siehe z. B. auch die lt. „Übermedien“ ungerechtfertigten Vorwürfe gegen Poroschenko. Ein letztes Mal: Wenn Sie bei dem Punkt anderer Meinung sind: Geschenkt, dann kommen wir hier halt nicht zusammen.

    Ich denke, es ist alles gesagt. Das letzte Wort haben Sie, wenn Sie möchten.

    Mit freundlichen Grüßen
    XP-User

  47. @xp-user:

    Korrekt, unsere Bewertungen fallen da nicht identisch aus.
    Bisher habe ich nur wiedergegeben, wie ich es in jener Woche als eher flüchtiger Leser erlebt habe – und dann einmal sehr ausführlich hier meine Eindrücke notiert. Danke für Ihre Lese-Geduld.

    Jetzt konnte ich die Chronik bei Spon und SZ schnell mal nachvollziehen, ihre Antwort habe ich erst danach gesehen, die anderen noch nicht gelesen. (Sorry).

    Für den Spon bleibe ich bei meinem Urteil.
    Was mir auffiel und wichtig ist:

    Die SZ hat also am 4. zu Cameron berichtet, jener Artikel dürfte doch wohl in der Printausgabe enthalten gewesen sein? Dann ist meine Aussage zum sich verarscht fühlenden Leser falsch, unfair und unberechtigt.
    War er auch auf der Startseite online? Dann ist er mir durchgerutscht. Mea culpa.

    In Sachen Schwerpunktsetzung der SZ bleibe ich kritisch, in dem Sinne, dass Sie sich nicht mehr durch das auszeichnet, was sie für mich für lange Zeit zum Blatt der Wahl gemacht hatte. Deren gutes Recht. Als nachtragender Verflossener kritisiere ich es halt gelegentlich noch. ;-)
    Völlig ungerechtfertigt finde ich es auch nicht, das im politischen Raum gelegentlich zu machen.

    Nur sachlich korrekt und angemessen muss es sein. Sonst kann ich das auch nicht in der Berichterstattung einfordern. Das waren meine letzten Vorhaltungen nicht. Dafür möchte ich mich in der höchsten Kunst der Gniffke’schen Entschuldigungsrhetorik üben und mich zerknirscht auf die unübersichtlichen Umstände und mein bestes Bemühen berufen.
    Der SZ meine Entschuldigung für die üble Nachrede und bei Ihnen dafür, dass es so lange brauchte, mir meinen Irrtum verständlich zu machen.

    Vielen Dank für die freundliche Antwort. Ebenso freundliche Grüße zurück an Sie, gänzlich unvertrollt.

  48. @ XP-user:

    Dass das eine Antwort auf Stanz war, war mir da beim Lesen nicht aufgefallen. Finden Sie nicht aber auch, dass es bezeichnend ist, wie schnell hier entsprechende Diffamierungen in die Richtung des Autors aufkommen, also: wie schmal deren Pfad ist, von dem man nicht abkommen darf?

    Zu Ihrem Verweis auf http://www.spiegel.de/politik/ausland/panama-papers-diese-maechtigen-tauchen-in-den-unterlagen-auf-a-1085306.html:
    Verzeihen Sie mir die Pedanterie, mich in der Beurteilung darauf zu fokussieren, wer namentlich die Headline dominiert oder im Begleitfoto zu sehen ist, wenn ich relevant schiefe Schwerpunktsetzungen kritisiere, also die mit der maximalen, längerfristigen Eindrucksgenerierung hinsichtlich Images&Messages beim durchschnittlich oberflächlichen Medienkonsumenten. Also:
    Headline ohne Namen, 4 Politiker im Begleitfoto, Cameron und Putin nicht darunter.
    Im ausführlichen Text zu Putin’s Vertrauten dann ein Foto von Putin und Mutmaßungen dazu wie er involviert sein könnte.
    Im auffällig uninspirierten 4-Zeilen-Text zu Cameron’s Vater ein Foto von …Cameron’s Vater und kein Wort zu David.

    Dieses von Ihnen angeführte Beispiel taugt also für mich nicht dazu, dem Spon eine ernsthafte Berichterstattung zum Fall David Cameron zu attestieren. Ich spreche denen nicht das Recht ab, das so zu machen. Man kann aber berechtigterweise darauf hinweisen, dass solche Phänomene zu jener Kritik beitragen, dass der Spon seinen Anspruch an sich selbst aus früheren Tagen zwar noch gelegentlich werblich zu reanimieren und nutzen versucht, ihm aber allzuoft nicht mehr gerecht wird.
    Was man so als Laie zufällig aufschnappt an Infobröckchen, scheint das Selbstverständnis in dieser Hinsicht aber auch Teil interner Diskussionen zu sein. Ich erwarte nicht, dass sie das teilen, aber vielleicht konnte ich es ja verständlich machen.

    Ich glaube, das war es jetzt an Longreadern von mir.

    Nur eine Rückfrage: Ich verstehe immer noch nicht, wie Sie weiter
    „wäre das bei Obama nicht anders gewesen, wenn über sein engstes Umfeld Ähnliches bekannt geworden wäre“
    …ernsthaft vertreten können, wenn doch bei aller Zurückhaltung nicht zu übersehen ist, dass bei Cameron faktisch in sehr viel weniger intensiven Umfang trompetet wurde. Dass Cameron seiner Bedeutung nach von vergleichbarer Magnitude ist, werden Sie doch nicht bestreiten?

    @Axel E:
    Vielen Dank für Ihre Antwort. Ich glaube, wir komme da nicht ins Gespräch.

  49. @ unvertrollter Symboltroll

    Wie gesagt, ich lass das meiste mal so stehen, gehe aber noch kurz auf Ihre explizite Rückfrage ein (kann mich aber letztlich nur wiederholen):

    „Nur eine Rückfrage: Ich verstehe immer noch nicht, wie Sie weiter
    „wäre das bei Obama nicht anders gewesen, wenn über sein engstes Umfeld Ähnliches bekannt geworden wäre“
    …ernsthaft vertreten können, wenn doch bei aller Zurückhaltung nicht zu übersehen ist, dass bei Cameron faktisch in sehr viel weniger intensiven Umfang trompetet wurde. Dass Cameron seiner Bedeutung nach von vergleichbarer Magnitude ist, werden Sie doch nicht bestreiten?“

    Ich weiß nicht genau, was Sie mit dem letzten Satz meinen. Natürlich sind die Person Cameron und sein Amt auch sehr bedeutend. Aber die gegen ihn erhobenen (und mittlerweile geklärten) Vorwürfe wiegen, das vertrete ich ja hier von Beginn an, sehr viel weniger schwer als die gegen Putin erhobenen, weil es bei Putin um Korruptionsvorwürfe geht und bei Cameron noch nicht mal um strafrechtlich relevantes Verhalten. Das hatten Sie doch selbst geschrieben, mit der Einschränkung, dass Sie die Indizien, auf denen die Vorwürfe gegen Putin gründen, für wenig „substanziell“ halten. Deshalb bleibe ich dabei: Ginge es bei Cameron oder Obama um ähnliche Korruptionsvorwürfe wie bei Putin, wäre die Aufmerksamkeit mindestens genauso groß, eher sehr viel größer. Aber darum ging und geht es bei Cameron eben nicht. Daher halte ich eine unterschiedliche Gewichtung der Vorwürfe in der Presseberichterstattung für vertretbar. Abgesehen davon, dass die Aufmerksamkeit für Cameron seit spätestens vorgestern auch nicht gerade gering ist. Schon deswegen finde ich die These eines bewussten „Unter-den-Teppich-kehrens“ der Cameron-Story für abwegig.

    Und wie gesagt, die laut „Übermedien“ ungerechtfertigten Vorwürfe gegen Poroschenko (in der SZ-Hauptstory, inkl. Poroschenko-Bild auf der Titelseite; Welt Online Artikel: „Der tiefe Fall des Hoffungsträgers“; der schon verlinkte SpOn-Artikel inkl. Poroschenko-Bild ganz oben) passen auch nicht ganz in Ihr Bild.

    Apropos SpOn-Artikel (um mich nicht nur zu wiederholen): Die vier ganz oben abgebildeten Staatschefs sind Poroschenko, der isländische (Ex-)Premier, der saudische König Salman und der argentinische Präsident Macri. Fällt Ihnen was auf? Alle (!) sind westliche oder pro-westliche Politiker bzw. (im Fall von König Salman) mit dem Westen eng verbündete Monarchen. Ist aber bestimmt nur ein Ablenkungsmanöver, um die Steuerung unserer Medien durch Mossad und CIA zu verschleiern … regen Sie sich nicht auf, war nur Spaß ;) .

    Wie durch meine Antwort nochmals deutlich wird, ist alles gesagt. Wenn wir einfach unterschiedliche Haltungen haben: Gut so, dafür gibt’s die Demokratie.

    MfG, XP-User

  50. Es reduziert sich auf die Frage, ob die fraglichen Journalisten/Blätter bei bestimmten Protagonisten geradezu in Jagdfieber entflammen und sich bei anderen dagegen nur widerstrebend zur Jagd tragen lassen.

    Auch wenn die SZ zu Wochenbeginn einmal über den Fall Cameron informierte, gab es dann über den weiteren Verlauf keine Nachricht mehr, bis es wegen seines Geständnisses nicht mehr zu vermeiden war.
    Falls die Timeline der Zeit und des Spon zu den Panama Leaks vollständig ist, war diesen beiden Bättern der Fall Cameron sogar bis zum Geständnis nicht einen einzigen eigenständigen Artikel wert.

    Den Vergleich mal anders herum gedreht: Denken Sie, bei gleichgelagerten Vorwürfen gegen Putin hätte man ebenso wenig daraus gemacht und die Leser nicht an einem vergleichbaren Putin’schen Salamisschnitt-Eiertanz intensiv teilhaben lassen? Das halte ich für ausgeschlossen.

    Was den Spon-Artikel betrifft, hatten Sie den als Beweis dafür angeführt, dass Spon-Leser auch gut über den Fall Cameron informiert wurden. Weshalb ich den dafür nicht als Nachweis gelten lassen kann, habe ich begründet. Die These zu einer globalen Nachrichtenunterschlagung bei allen westlichen Politikern, die Sie mir widerlegen, habe ich noch nie vertreten und tue es auch nicht in diesem Fall. Das geht für mich deshalb ins Leere.

    Meine „Verschwörungstheorie“ im allgemeinen und wie ich sie hier bestätigt sehe:

    – Es gab schon immer Blätter, die sich eher strikt „bündnistreu“ positioniert haben, was naturgemäß Einfluss auf deren Berichterstattung hatte.
    – Daneben gab es aber auch immer Blätter, die sich die die Positionen der Falken im westlichen Politikspektrum selbstkritisch abgeklopft und hinterfragt haben, ohne deswegen die Westeinbindung in Frage stellen zu müssen und damit eine mäßigende Wirkung in eskalierenden Situation hatten.
    – Heute kann man deren Berichterstattung und Kommentierung bei relevanten aussenpolitischen Themen nicht mehr unterscheiden von der aus dem Springer/Societätsuniversum.
    – Cameron ist politisch einer der Hauptprotagonisten dieses neuen Falken-Mainstream und nicht irgendein beliebiger Westpolitiker. Wer, wie ich, in der letzten Woche eine auffällige Zurückhaltung in Sachen Cameron wahrgenommen hat, sieht das als weiteres Indiz für die Zurückhaltung gegenüber führenden westlichen Falken durch Journalisten, die sehr tief eingebunden worden sind in die Falken-Netzwerke, wie wir wissen.
    – Im Ergebnis fürchte ich, würden heute auch die drei genannten Blätter bei einer erneuten Weapons of Mass Destruction-Lüge wie beim letzten Irakkrieg, deren Glaubwürdigkeitslücke nicht mehr so kritisch aufbereiten, wie sie es damals taten. Selbst der Taz traue ich das inzwischen nicht mehr zu.
    – Damit fehlt mir im Medienspektrum zunehmend die selbstkritisch-solidarische Perspektive und das halte ich für eine bedenkliche Verarmung des veröffentlichten Meinungs- und Perspektivenspektrums. Es treibt zudem Indifferente, die hier Widersprüche wahrnehmen, in die Arme der Populisten.
    – Das führt auch zu Fehlleistungen wie in der AfD- und Pegidabearbeitung. Ohne Selbstbesinnung steigerte man sich in zunehmend selbstreferentielle Emotionalisierungen und Wahrnehmungsverengungen, die für vergnügtes Schenkelklopfen am gleichgesinnten Stammtisch gut sind, aber den Populisten eher noch mehr Zulauf verschaffen und argumentativ niemanden aus jenem indifferenten Sympathisantenkreis beeindrucken, den man eigentlich erreichen wollen sollte, wenn man der reaktionären Strömung das Wasser abgraben will.
    (Das bezieht sich auch auf Ihre „Satire“)

    Der zunehmende Erfolg der reaktionären Populisten nährt sich auch von dieser weichen Flanke. Wenn in den Hauptmedien kaum noch seriöse Kritik prominent platziert zu finden ist, suchen diejenigen, denen Lücken auffallen, sich die Infos eben woanders. Und die Indifferenten geraten in den Sog der wirklich Radikalen ohne es zu bemerken.

    Aus meiner Sicht sind es die Indifferenten, um die wir ringen müssen, die argumentativ überzeugt werden müssen. Zu beobachten, wie unsere journalistischen und politischen Eliten stattdessen sich in selbstreferentieller Eigenüberhöhung darin übertreffen, alles möglichst stumpf über Ausgrenzungs- und Diffamierungsdiskurse zu lösen, deprimiert mich, denn:

    So kann man diesen Kampf nur verlieren. Sowohl gegen die libertär-xenophoben wie auch gegen die Scharfmacher in der Globalpolitik. Und unsere eigenen Werte, auf die wir uns so gerne beziehen, erodieren dabei auch bedenklich.

    Und wohin das führt, wenn die Scharfmacher auf beiden Seiten zu dominant werden, können Sie an den letzten 20 Jahren des Israel-Palästina-Konflikts studieren. Ich habe da keinen Bock drauf.

  51. Lieber Symboltroll,

    nur noch so viel:

    „Die These zu einer globalen Nachrichtenunterschlagung bei allen westlichen Politikern, die Sie mir widerlegen, habe ich noch nie vertreten und tue es auch nicht in diesem Fall. Das geht für mich deshalb ins Leere.“

    Ich hatte Sie so verstanden, dass Sie generell eine „Schonung“ westlicher/pro-westlicher Politiker bei der medialen Behandlung der Panama Papers beklagen und das Cameron für Sie nur ein Beispiel dafür war. Dem hätte der SpOn-Artikel und insbesondere sein „Titelbild“ (Sie haben sich ja selbst auf vorhandene/nicht vorhandene Abbildungen betroffener Politiker berufen) widersprochen.
    Wenn das gar nicht Ihre These ist: Umso besser, dann ist der Dissens kleiner als bisher angenommen.

    „Den Vergleich mal anders herum gedreht: Denken Sie, bei gleichgelagerten Vorwürfen gegen Putin hätte man ebenso wenig daraus gemacht und die Leser nicht an einem vergleichbaren Putin’schen Salamisschnitt-Eiertanz intensiv teilhaben lassen? Das halte ich für ausgeschlossen.“

    Ich nicht.

    Habe übrigens vorhin die Tagesschau gesehen. Cameron war in einem längerem Beitrag (wieder) Thema, Putin nicht.

    Mit freundlichen Grüßen
    XP-User

  52. Das lasse ich so stehen.
    Dann habe Sie endlich das ersehnte letzte Wort und alle anderen atmen auf, dass wir ihnen hier auch noch ein wenig Platz lassen…

    Was mich die Tagesschaupraxis jetzt, nach D.C.’s Geständnis interessieren soll, weiß ich zwar nicht, aber: Who cares…

  53. Im aktuellen „Falter“ (S. 5), der neben dem ORF von österreichischer Seite an den Recherchen beteiligt war, entgegnet dessen Chefredakteur die Kritik. Online leider erst nach Erscheinen der nächsten Ausgabe verfügbar, also am Mittwoch.

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