Die Enteignung des Kevin-Kühnert-Interviews

Was heißt Sozialismus für Sie, Kevin Kühnert?
Ausriss: „Die Zeit“

Unter uns, ganz ehrlich: Haben sie das „Zeit“-Interview mit Kevin Kühnert eigentlich gelesen? Also nicht nur die „Spiegel“-Online-Zusammenfassung, sondern das Interview selbst?

Wenn nicht, ist das überhaupt nicht schlimm, problematisch wäre es ja nur, wenn Sie Journalist wären, der darüber schreibt, ohne zu wissen, was eigentlich gesagt wurde.

Nun scheint tatsächlich leider ein Gros der Kommentatoren, Politiker und Vom-digitalen-Spielfeldrand-in-den-Diskurs-Reinrufer tatsächlich nur Zusammenfassungen des Gesprächs gelesen zu haben – Zusammenfassungen, die fälschlicherweise mit dem Wort „Verstaatlichung“ titeln. Ein Wort, das Kühnert im Interview nicht benutzt hat, das aber dennoch für die nötige Herden-Panik sorgte. Verstaatlichung.

Im Interview steht das so:

„Die Zeit“: „Sie wollen also keine Verstaatlichung, sondern eine Kollektivierung von Unternehmen wie BMW?“

Kühnert: „Auf demokratischem Wege, ja.“

Dennoch landete die Verstaatlichung irgendwie doch in den Dachzeilen von „Spiegel Online“, „Bild“ und anderen Onlinemedien.

„Spiegel Online“ und T-Online korrigierten das Ganze dann noch, die „Berliner Zeitung“ hingegen titelt bis jetzt, dass Kühnert eine Verstaatlichung von BMW fordere.

Screenshot: „Spiegel Online“
Kevin Kühnert fordert Verstaatlichung vom BMW
Screenshot: „Berliner Zeitung“

Am meisten begeistert mich allerdings die Eskalationswut der „Bild“-Zeitung, die Entrüstung dort war so gewaltig, man hätte meinen können, Kühnert hätte den CGI-Igel im neuen Sonic-Trailer verkörpert.

Irrer Vorstoß des Juso-Chefs: Kühnert will BMW enteignen
Screenshot: Bild.de

„Bild“ behauptet ebenfalls, Kühnert wolle BMW enteignen, und nennt die von Kühnert eben nicht geäußerte Forderung einen „Irren Vorstoß“. Man fragt aufgeregt: „Wie viel DDR steckt in der SPD?“

Auch der Kommentar von „Bild“-Autor Peter Tiede steigt unter Hysterie Level 3000 gar nicht erst aus dem Bett: Er setzt Kühnert in zwei Absätzen in eine Linie mit dem Schießbefehl an der Mauer.

Landflucht: Millionen verließen das Land. Millionen konnten nicht, weil ihre sozialistischen Führer sie hinter Mauer und Stacheldraht einsperrten. Ein Land mit Schießbefehl gegen die eigenen Bürger.

Und nun liegt Kevin Kühnert im Schützengraben und träumt vom neuen Klassenkampf, trifft sich – statt mit den eigenen Genossen – mit Linke-Personal zu Sozialismus-Kongressen.

Am nächsten Tag karrte man sogar den ehemaligen Gymnasiallehrer von Kevin Kühnert heran, nur um sich von diesem versichern zu lassen, dass Kühnert bei ihm im Geschichtsunterricht über die DDR unterrichtet worden war. Natürlich als kostenpflilchtiger Exklusiv-Inhalt.

Und „Bild am Sonntag“-Chefin Marion Horn rückte Kühnert gar in die Nähe der AfD:

Trotzdem füttert Kühnert die deutsche Untertanen-Sehnsucht „Wäre nicht alles besser, wenn Vater Staat für mich sorgt?“. Dass er dafür angegriffen wird, macht ihn nur beliebter. So in dem Stil „Der steht wenigstens zu seiner Meinung“. Beides erinnert mich an die AfD.

„Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt, ausgerechnet, macht Kühnert einfach direkt dafür verantwortlich, Wähler zur AfD zu treiben.

Die atemlose Hyperbel war also das Stilmittel der Stunde – was umso kurioser und irritierender anmutet, wenn man sich das Interview einfach mal durchliest.

Betrachtet man, wie sich das Gespräch entfaltet, wie Jochen Bittner und Tina Hildebrandt BMW ins Spiel springen und wie Kühnert seine Thesen zum demokratischen Sozialismus erklärt und seine Aussagen ausdifferenziert, betrachtet man das dreimalige Nachhaken der Journalisten in Bezug auf den Sozialismus, dann wird aus „Kühnert will die DDR zurück und fordert Verstaatlichung“ recht schnell und recht unspektakulär „Kühnert denkt im Interview auf Nachfrage hin laut über demokratischen Sozialismus nach“.

FAZ-Redakteur Patrick Bahners dröselt diese Gesprächsdynamik akurat auf; eine Abiturprüfung nennt er den journalistischen Austausch. „Spiegel“-Redakteur Nils Minkmar erklärt in seinem sehr lesenswerten Kommentar, warum die Empörung derart intensiv ausfiel: die Systemfrage gilt heute schon als Tabubruch.

Und bevor sie wegen des S-Wortes auch noch nervös werden – im Parteiprogramm der SPD steht buchstäblich: „Der demokratische Sozialismus bleibt für uns die Vision einer freien, gerechten und solidarischen Gesellschaft, deren Verwirklichung für uns eine dauernde Aufgabe ist.“

Man könnte also konstatieren, dass der Jungsozialist lediglich versucht – seiner Aufgabe entsprechend – wieder mal das S für „Sparks Joy“ im Akronym “SPD” zu stärken.
Entsprechend mokierte sich die „taz“ am Freitag:

Die Reflexhaftigkeit und das trotzige Bestreben, eine Aussage bewusst verkürzt verstehen zu wollen, erinnert an die Reaktionen auf Merkels „Wir schaffen das“, als ein kleiner Teil eines langen Gesprächs plötzlich als Pars pro toto einer willentlich falsch interpretierten Aussage stehen musste, an der sich die Journalisten tagelang und grundlos die Finger wundstaunten.

Ich behaupte, einige Medien haben sich willentlich den Umstand zunutze gemacht, dass der „Zeit“-Text nicht kostenfrei verfügbar ist. Schaut man sich die Interaktionszahlen bei Twitter und Facebook an, wurden mehrheitlich die Zusammenfassungen und Zweitverwertungen geteilt und geliked, sichtbar mehr als die Quelle.

Als dann das gesamte Interview zirkulierte und so auch für Nichtabonennten einsehbar war, war die Kühnert-Forderung nach einer anstehende Verstaatlichung schon längst beschlossene Sache in der Presse, Venezuela schon direkt vor unserer Tür.

Auch der stellvertretende „Bild“-Chefredakteur Nikolaus Blome ließ sich gerne auf ein intentionales Missverstehen der Aussagen und auf die damit verbundenen Implikationen ein:

Man möchte ihm gerne kurz erklären, dass es einen Unterschied zwischen Privateigentum und Produktionsmitteln gibt, aber dann fällt einem ein, dass er das ja natürlich weiß.

Rhetorisch erinnert das mediale Framing und das bewusste Ignorieren des Gesagten an das philosophische Gedankenexperiment und Paradoxon des Schiffs von Theseus. Das geht so: Würde man an seinem Schiff progressiv die Planken austauschen, ab wann würde es aufhören, das Schiff des Theseus zu sein? Wenn die Hälfte der Planken ausgetauscht wurde? Wenn bereits eine Planke gewechselt wurde? Oder erst wenn keine Planke des alten Schiffes im neuen mehr zu finden ist?

In der Identitätsforschung steht dieses Paradox als Sinnbild dafür, wie schwer es ist, zu benennen, was die Identität eines Objekts ist, sobald man anfängt, Aspekte des Dings zu verändern. So verhält es sich im medialen Diskurs auch ein bisschen mit dem Begriff des demokratischen Sozialismus. Kühnert spricht von Kollektivierung, berichterstatterisch wird daraus Verstaatlichung, der Boulevard und Konservative machen daraus den faschistischen DDR-Sozialismus, Sigmar Gabriel erklärt es zum Trumpismus, und plötzlich ist Kühnert ein geschichtsvergessener Populist in einer Reihe mit Stalin und Che Guevara.

In diese ganze Panik um die von dem jungen Sozialisten gestellte Systemfrage, die für alle ungehörig, äh, sozialistisch ausfiel, mischte sich zudem die bewährte Taktik, einen Diskursteilnehmer zu diskreditieren, indem man auf seinen Lebenslauf oder sein junges Alter rekurriert. Oder wie bei Kühnert: auf beides.

In der „Bild“ war Franz Josef Wagner vergangenes Jahr ganz aus dem Häuschen, dass ein Juso-Chef jung ist:

Kevin Kühnert, der Juso-Chef, ist für mich ein Rebell. Rebellen sind immer jung.

[…]

Ja, er ist jung.
Die früheren Juso-Vorsitzenden waren auch einmal jung.

Aktuell muss er sich nun von ihm als bald-dreißigjährige “Universitäts-Lusche” bezeichnen lassen, die es in keinem seiner Studienfächer Publizistik, Kommunikationswissenschaften, Politikwissenschaften zu einem Abschluss gebracht habe. Nicht mal schwielige Hände habe er!

Auch ein Kommentar in der „Süddeutschen Zeitung“ fängt mit der Info an, dass er ein Kapuzenpulli tragender Student im Alter von 29 Jahren sei.

Der Tenor ist gerne der des Kleinmachens: Der Kevin soll erstmal was leisten, bevor er sich hier so als Jusochef aufspielt. Ich wundere mich über diese fast protestantische Leistungsnachweisbesessenheit, um überhaupt autorisiert zu sein, sich am Diskurs beteiligen zu dürfen. Als müsse man sich erstmal mit einem bruchlosen Lebenslauf das Äußerungsrecht verdienen. Auch das ist eine Form von Klassismus.

Das Kuriosum: Kommentatoren, die sonst am quengeligsten die vermeintlich eingeschränkten Meinungskorridore hierzulande beklagen, sind auch diejenigen, die sich am meisten über die freche Dreistigkeit dieser Meinungsäußerung empörten. Was fällt dem denn ein, eine empfundene Ungerechtigkeit in Frage zu stellen? Das System funktioniert, basta! (Wieviel DDR steckt in den Kommentatoren?)

Außerdem: Er leistet doch was. Er arbeitet als Jusochef. Ich meine, wie könnte man sich denn besser qualifizieren für den Job, den man gerade macht – als ihn eben gerade zu machen?

Der frühere Medienwissenschaftler und heutige Twitter-Aphoristiker Norbert Bolz sieht das natürlich anders:

Das ist, glaube ich, die heißeste Interpretation: Der Jusochef arbeitet als Jusochef und fordert Juso-Sachen – schlicht aus reiner Faulheit. Das ist das all-inclusive Bändchen auf dem Schiff von Theseus. Viva la Desinformation!

73 Kommentare

  1. Ich würde das Interview gerne selber lesen, aber der Link läuft nicht.

    Was der wesentliche Unterschied zwischen „Kollektivierung“ und „Verstaatlichung“ ist, werde ich darin sicher erfahren. Hoffentlich ist er größer als der zwischen „freistellen“ und „entlassen“, sonst ist das nämlich Haarspalterei.

  2. Zwei Tippfehler, vielleicht aber auch Freudsche Verschreiber:

    „deren Verwicklung für uns eine dauernde Aufgabe ist.“ [Zitat aus SPD-Programm] Ich habe nicht nachgeschlagen, würde aber „deren Verwirklichung“ erwarten. Realiter ist aber „Verwicklung“ sogar ganz treffend. Denn außer Kühnert wollen es ja nur wenige verwirklichen.

    „Klassizismus“ – da ist wohl Klassismus (classism) gemeint, wiewohl kulturgeschichtlich die Äußerung eher in die Zeit des Klassizismus passte.

  3. Das Einzige was mich etwas stört ist das Kritisieren der Bild-Paywall – man bekäme eine Information nur wenn man zahlt – während der Artikel hier selbst nur hinter einer Paywall vollständig zu lesen ist. Schon etwas scheinheilig, hätte man sich auch sparen können.

    Ansonsten kann ich wieder mal nur zustimmen. Mir war die Berichterstattung auch etwas suspekt. Das gute alte „Aus einer Mücke einen Elefanten machen“ (Vor allem wenn die BILD den Elefanten tröten lässt) trifft offensichtlich auch hier wieder zu.

    Aber das ist halt Journalismus heutzutage. Nicht der Inhalt zählt, sondern wer als Erstes und am lautesten schreit. Klicks sind alles was zählt.

  4. Haarspalterei, in der Tat.

    Wie soll denn konkret die „Kollektivierung von BMW auf demokratischem Wege“ ablaufen – und was genau ist der Unterschied zwischen „Kollektivierung“ und „Verstaatlichung“? Und woher kommen im Fall der Umsetzung eines solchen Planes die 50 Milliarden Euro, die BMW aktuell an Börsenwert hat?

  5. Herr Kühnert sagt:

    „Mir ist weniger wichtig, ob am Ende auf dem Klingelschild von BMW „staatlicher Automobilbetrieb“ steht oder „genossenschaftlicher Automobilbetrieb“ oder ob das Kollektiv entscheidet, dass es BMW in dieser Form nicht mehr braucht.“

    Ist dann nicht auch unwichtig ob in der Überschrift „Verstaatlichung“ oder „Kollektivierung“ steht?

  6. Liebe Samira,

    wie immer ein super Kommentar, aber:

    „unter Hysterie Level 3000“

    Änder das doch vielleicht auf 9000, dann hast du auch noch eine Dragon-Ball-Referenz im Text!

  7. Schöner Text, danke. Hätten Sie noch den „Klassismus“ weggelassen, wäre ich vollkommen einverstanden (aber ganz ohne irgendwas mit Diskriminierung geht wohl nicht, selbst wenn dem vermeintlich Diskriminierten in Zukunft wenigstens ein Ministerposten sicher sein sollte).*

    Kühnerts Überlegungen – Forderungen waren es ja gar nicht – sind unter den gegebenen Bedingungen natürlich kaum realistisch, und eine Kollektivierung der Konzerne wäre auch nicht das erste, was mir einfiele, wenn ich an den ökonomischen Bedingungen etwas ändern wollte. Über die Aufregung habe ich mich aber sehr gefreut.

    Dieser Streit öffnet den ökonomischen Diskurs nach links, ganz wie die Debatte um die Enteignung der großen Wohnungskonzerne. Je lauter die Empörung, desto größer der Effekt. Wie das funktioniert, kennt man unter anderen, nämlich rechten, Vorzeichen von den Debatten um die AfD: Auf einmal wird wieder über Begriffe gestritten, die 25 Jahre lang weit jenseits des Horizontes lagen. In der Folge könnten Positionen vom Rande des Horizonts in die Mitte der Debatte geraten – z.B. die Tobin-Steuer oder das Verbot der Wohnraumspekulation. Gefällt mir.

    @ Mycroft:

    Was der wesentliche Unterschied zwischen „Kollektivierung“ und „Verstaatlichung“ ist, werde ich darin sicher erfahren. Hoffentlich ist er größer als der zwischen „freistellen“ und „entlassen“, sonst ist das nämlich Haarspalterei.

    Da kann ich helfen: Verstaatlichung meint, dass der Bund oder ein Bundesland den Laden übernimmt; Kollektivierung heißt, dass er in die Rechtsform einer Genossenschaft überführt und das Eigentum entweder unter den Mitarbeitern oder der gesamten Bevölkerung aufgeteilt wird. In beiden Fällen ändert sich zwar die Rechtsform, aber nicht die Wirtschaftsordnung. Ein kollektiviertes oder staatliches Unternehmen hört nicht auf, ein kapitalistisches zu sein – es muss sich weiterhin am Markt bewähren und muss Gewinn machen, sonst geht es Pleite (das wird sowohl von liberaler wie von sozialistischer Seite gerne übersehen).

    Einen launigen Beitrag zur Debatte – mit mehreren Originalzitaten – hat Peter Zudeick für seinen „Satirischen Wochenrückblick“ verfasst: https://www.ndr.de/info/Kevin-Kuehnert-ist-Gespenst-des-Sozialismus,audio511732.html Eine Analyse des ökonomischen Gehalts liefert Rudolf Hickel für den Podcast „Deutschlandfunk – Der Tag“ (bitte selbst googeln, da zwei Links in einem Beitrag nicht klappen).

    * Eine Haarspalterei hätte ich auch noch: „Man möchte ihm gerne kurz erklären, dass es einen Unterschied zwischen Privateigentum und Produktionsmitteln gibt…“ – nee, der Unterschied ist der zwischen dem Privateigentum an Produktionsmitteln (Rohstoffe, Boden, Maschinen) und dem Besitz von Konsumtionsgütern (Wohnung, Auto, Büchse Kaffee). Da es Herr Blome aber tatsächlich schon weiß, ist das auch egal…

  8. @7, Kritischer Kritiker

    „Kollektivierung heißt, dass er in die Rechtsform einer Genossenschaft überführt und das Eigentum entweder unter den Mitarbeitern oder der gesamten Bevölkerung aufgeteilt wird“

    Und wie soll das „auf demokratischem Weg“ genau passieren? Über die Änderung der Rechtsform einer Kapitalgesellschaft entscheiden alleine deren Eigentümer. Wenn die nicht mitmachen wollen, müssen Sie sie enteignen – die einzige Alternative dazu wären Zwangskollektivierungen wie in der DDR oder der Sowjetunion.

    Das ist Gefasel von sozialistischen, undemokratischen Traumtänzern.

  9. @Kritischer Kritiker:
    Ok, aber dann wäre meine nächste Frage, wer alles das Kollektiv wäre. BRD, Bayern oder Mitarbeiter?
    Im Wohnungsbau gibt es gemeinnützige Genossenschaften, die ihre Immobilien aber selber kaufen oder errichten, ohne die Konkurrenz zu enteignen.

  10. @Lutz Schaarschmidt:
    Ach, man müsste einfach so viele Aktien von BMW kaufen, bis man eine hinreichende Mehrheit der Eigentümer hat, um die Rechtsform zu ändern. Total demokratisch, nur leider nicht ganz billig. 2/3 von 50 Mrd.?

  11. @10, Mycroft

    Im Prinzip richtig. Aber Sie brauchen dazu 3/4 der Aktien, nicht 2/3.

    BMW hat ungefähr 135.000 Mitarbeiter, wenn also jeder von denen für schlappe 260.000 EUR Anteile übernimmt (3/4 davon um erstmal die Kontrolle zu übernehmen, dann das restliche 1/4 der Altaktionäre auszahlen) dann wird der Traum vom BMW-Werktätigenkollektiv wahr!

    Da fragt man sich echt, wieso die nicht von alleine auf die Idee kamen und erst Kevin Kühnert diesen genialen Einfall öffentlich diskutieren musste…

  12. @ Mycroft: Bei Bayern und dem Bund wäre es kein kollektives, sondern Staatseigentum. Ein Präzedenzfall wäre Volkswagen. Zwischen 1949 und 1960 war das ein Staatskonzern des Bundes und Niedersachsens, Eigentumsrechte übertragen von den Alliierten, die den Nazi-Laden enteignet hatten. Ab 1960 wurden große Teile des Konzerns privatisiert, allerdings in Form von „Volksaktien“ – eine Form kapitalistischer Kollektivierung.

    Heute ist alles noch komplizierter: Niedersachsen hält immer noch 20 Prozent der Aktien und hat damit (aufgrund des VW-Gesetzes) eine Sperrminorität. Mehrheitsaktionär ist die Porsche Holding, in der die Familie Piech den Ton angibt. Größter Einzelaktionär ist das Emirat Katar – ein Staat in Privatbesitz. Und auch die Stammbelegschaft in Deutschland hält eine Menge Aktien in Streubesitz, womit sie nicht nur von ihren eigenen guten Löhnen profitiert, sondern auch von der gewinnbringenden Ausbeutung der Arbeiter in China oder Mexiko und der Leiharbeiter im eigenen Laden. Beziehungsstatus: Herrje.

    Worauf ich hinauswill: Die Verhältnisse zwischen Staat, Kapital und Arbeit sind zumindest in einer Industrienation wie Deutschland heute derart miteinander verwoben, dass eine einfache Gegenüberstellung von privat vs. kollektiv eigentlich kaum noch einen Sinn ergibt (denn, wie gesagt, BMW bliebe auch in Staates oder Volkes Hand ein kapitalistisches Unternehmen – und müsste es bleiben, weil es sonst unter den gegebenen Bedingungen als Reichtumsquelle ausfiele).

    Denkbar wäre es, den explodierenden Reichtum der Klattens, Piechs oder Albrechts der Allgemeinheit zugänglich zu machen – indem man sie ihrer Produktionsmittel enteignet und dafür entschädigt. Bevor ich daran gehe, erschiene mir die Wiedereinführung einer deftigen Vermögenssteuer erstmal sinnvoller.

    Genossenschaften im Wohnungswesen oder im Handel (siehe Edeka) sind tatsächlich eine andere Nummer und mit Industriekonzernen nicht vergleichbar.

    @ Lutz Schaarschmidt:

    Und wie soll das „auf demokratischem Weg“ genau passieren? Über die Änderung der Rechtsform einer Kapitalgesellschaft entscheiden alleine deren Eigentümer.

    Siehe Grundgesetz, Art. 14.

  13. „Bayern“ im Plural, also die Einwohner des gleichnamigen Freistaates.
    Ok, anstatt dass das Aktionärskollektiv entscheidet, entscheidet die neue Eigentümergemeinschaft. Beide Gruppen sind an kapitalistischen Gewinnen von BMW interessiert. Beide Gruppen werden nur dann von Staat und Gesellschaft kontrolliert, wenn diese eine Sperrminorität oder Majorität haben. Und eine gesicherte Versorgung mit hochpreisigen Autos ist kein Grundbedürfnis.
    Was bringt mir das also? Und wenn die Antwort „nix“ ist, warum sollte ich das wählen?

  14. @14, Kritischer Kritiker

    „Siehe Grundgesetz, Art. 14.“

    (Art. 14, Abs. 3) Eine Enteignung ist nur zum Wohle der Allgemeinheit zulässig. Sie darf nur durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes erfolgen, das Art und Ausmaß der Entschädigung regelt. Die Entschädigung ist unter gerechter Abwägung der Interessen der Allgemeinheit und der Beteiligten zu bestimmen. Wegen der Höhe der Entschädigung steht im Streitfalle der Rechtsweg vor den ordentlichen Gerichten offen.

    Sie wollen also durch den Staat enteignen, regen sich aber gleichzeitig darüber auf, wenn jemand Kühnerts Vorschläge als „Enteignung“ bezeichnet?

  15. „Nun scheint tatsächlich leider ein Gros der Kommentatoren, Politiker und Vom-digitalen-Spielfeldrand-in-den-Diskurs-Reinrufer tatsächlich nur Zusammenfassungen des Gesprächs gelesen zu haben“
    Ist das so oder nur so ein Gefühl. Bei den großen seriösen Medien ist genau das nicht der Fall, die haben sehr wohl alles korrekt widergegeben und nur halt auch kritisch kommentiert.

    Wenn die TAZ nun anmerkt, dass ich ein Juso-Vorsitzender sozialistisch und dies gar kein Aufreger sei, sparen wir uns auch die Aufregung über Naziparolen der AfD. Hybris ick hör die trapsen.

    Dass sich viele der Kommentatoren nicht so sehr über die Aussage an sich aufregten, sondern, zurecht hinwiesen, dass Kühnert halt populistischen Unsinn rauströttet, könnte man auch erwähnen.
    Passt dann aber nicht ins Narrativ, was?
    Was mit einer „kollektivierung“ von BMW oder anderen bezweckt werden soll, weiß bis heute niemand, was diese besser macht, weiß auch keiner. Aber hey, der ist ja Juso-Vorsitzender, das ist ja sein Job unqualifiziert von der Seite reinzurufen.

    „Das Kuriosum: Kommentatoren, die sonst am quengeligsten die vermeintlich eingeschränkten Meinungskorridore hierzulande beklagen, sind auch diejenigen, die sich am meisten über die freche Dreistigkeit dieser Meinungsäußerung empörten. “
    Das ist auch sehr so gefühlig, oder?

    Sich gut zwei-drittel des Textes an der BILD und Konsorten abzuarbeiten, ist im Ergebnis auch eher unergiebig.
    Aber hey: wenn’s ins Narrativ passt.

    Die Conclusio des Textes ist das was den Kritikern vorgeworfen wird: Verkürzungen, Weglassen, Ausblenden.

  16. Ich habe ja immer mehr den Eindruck, dass die political correctness wieder aus dem rechts-konservativen Lager bestimmt wird. Schmuddelwörter wie Sozialismus, Enteignung und Kollektivierung dürfen nicht inhaltlich diskutiert werden sondern müssen ad hoc dämonisiert werden. Wer nämlich auf die Idee kommt, dass sich bessere Lebensverhältnisse für Alle schaffen lassen, ohne die neoliberal prohezeite Apokalypse, der gefährdet das Narrativ des freien Marktes, der das Alles wohl von selbst regeln tut. Und mehr als das ist es auch nicht mehr: Ein Märchen, von dem man weiß, dass es nicht stimmt, das aber eine Aura der Angst verbreitet, die Welt würde untergehen, wenn ein Gros der Menschen nicht mehr dran glaubt. So immunisiert sich der Turbokapitalismus, indem er alternativlos (und „der menschlichen Psyche nahe“ – https://www.heise.de/tp/features/Das-verzerrte-Menschenbild-im-Kapitalismus-4411992.html) kommuniziert wird.
    Negative Buzzwords helfen natürlich bei der Dämonisierung: Kommunismus, Enteignung, Verstaatlichung, StaSi, DDR, etc. – immer schön wiederholen! Dazu noch etwas Drogenkosum unterstellen, zack ist der Vorurteils-Cocktail fertig.
    Ist das diese „linksgrüne“ Presse, von der die politisch Korrekten da immer reden?

  17. @3 Peter
    Betreffs Paywall: Diese wird bei Übermedien nach kurzer Zeit aufgehoben für neue Artikel.
    Bei anderen bleiben die Artikel meist auf Dauer hinter der Paywall

  18. @16, Anderer Max

    „Ein Märchen, von dem man weiß, dass es nicht stimmt, das aber eine Aura der Angst verbreitet, die Welt würde untergehen, wenn ein Gros der Menschen nicht mehr dran glaubt.“

    Meinen Sie etwa den sogenannten „Klimawandel“? ;)

    (Tut mir leid, den Spruch konnte ich mir einfach nicht verkneifen.)

    „Schmuddelwörter wie Sozialismus, Enteignung und Kollektivierung dürfen nicht inhaltlich diskutiert werden sondern müssen ad hoc dämonisiert werden.“

    „Kollektivierung“ ist auf der Basis der Erfahrungen aus DDR und Sowjetunion aber völlig zu Recht ein „Schmuddelwort“ geworden, ungefähr so schmuddelig wie „Schutzhaft“ oder „arisieren“. Und die einzige mir bekannte Methode, um Kollektivierung gegen den Widerstand der zu Kollektivierenden durchzuführen ist Enteignung. Alleine die Zwangskollektivierung der Landwirtschaft in der Sowjetunion führte zu mehreren Millionen Toten, ist Ihnen das eigentlich klar?

  19. @ Lutz Schaarschmidt:

    Ich bin nicht für Sozialismus und weitreichende Enteignungen, schon gar nicht ohne gerechte Entschädigung. Auch rein ökonomisch meine ich, dass es ganz andere Probleme gibt.
    Dies ausdrücklich vorausgeschickt finde ich Ihre Kritik dennoch etwas überzogen. Die Idee der Enteignung ist per se sicher nicht so pervers wie die der „Arisierung“. Und die Art der Stalinschen Kollektivierungen, bei denen es offenbar auch darum ging, den Widerstand der Menschen mit Hunger zu brechen, ist nicht eine notwendige Eigenschaft jeder Kollektivierung.

  20. @LLL

    Doch, doch, der Maßstab ist genau richtig. Wer sich der stalinschen Kollektivierung der Landwirtschaft verweigerte, dem drohte nämlich die -noch so ein Nazi-Schmuddelwort- „Deportation“. Das ist genau so pervers, wie es die „Arisierung“ war.

    Jetzt entgegnen Sie natürlich, dass stalinistische Kollektivierungen gar keine richtigen Kollektivierungen waren und die tolle sozialistische Idee bisher noch nie richtig umgesetzt wurde, aber das überzeugt mich nicht. Wenn Sie ohne Gewalt BMW kollektivieren oder verstaatlichen wöllten, könnte der Staat einfach alle Aktien aufkaufen. Aber die mindestens 50 Milliarden, die das kostet, wollen oder können Sie nicht aufbringen, nicht wahr?

  21. @21, Kritischer Kritiker

    Wieso? Weil Stalinismus aus Prinzip ein besseres politisches System als Nationalsozialismus ist? Da widerspreche ich ganz entschieden. Die sind beide gleich schrecklich.

  22. @ Lutz Schaarschmidt:

    Weil Sie die – im Übrigen rein fiktive – Enteignung samt rechtsförmiger Entschädigung der BMW-Aktionäre im Rahmen des Grundgesetzes mit dem stalinistischen Massenterror gleichsetzen, Sie Witzbold.

  23. @23, Kritischer Kritiker

    Ich finde es gemein, dass Sie den Kevin nicht für voll nehmen wollen bei dem, was er sagt.

    Oder haben Sie mein Argument noch nicht verstanden? BMW ist eine börsennotierte Aktiengesellschaft. Die brauchen Sie nicht nach Artikel 14 GG enteignen, Sie können einfach alle Aktien aufkaufen. Wieso tun Sie das nicht, sondern schwadronieren von „Enteignungen“?

  24. Sie wollen doch nur Ihre Vokabeln unters Volk bringen. Sozialismus darf nicht ohne Stalin denkbar sein –> Jeder, der demokratischen Sozialismus auch nur erwähnt, geht mit Stalin ins Bett.
    Dass Sie Klimawandel-Leugner sind, wundert mich da nicht im Geringsten, bei dem Mangel an Reflexionsfähigkeit.

    Ist übrigens m. E. sehr besorgniserregend, dass die rechte political correctness (Solzialismus nicht ohne Stalin denken zu dürfen, z. B.) größtenteils auf Falschinformationen beruht:
    https://de.ejo-online.eu/qualitaet-ethik/alternative-fakten-nur-fuer-rechte

    Aber die Studie ist bestimmt auch linksgrünversifft, dann muss man da auch nciht drüber nachdenken!

  25. @25, Anderer Max

    Lockern wir es ein bisschen auf:

    Sie wollen doch nur Ihre Vokabeln unters Volk bringen. Der menschengemachte Klimawandel ist genau so real wie der Holocaust –> Jeder, der Klimawandel-Theorien auch nur kritisiert (und keine CO2-Steuer als Ablasszahlung leisten will) , ist fast so schlimm wie Hitler.
    Dass Sie Sozialismus-Befürworter sind, wundert mich da nicht im Geringsten, bei dem Mangel an Reflexionsfähigkeit.

    ;)

    Ich habe eine Frage an Sie: War die DDR sozialistisch? Und wozu brauchen wir „Sozialismus“? Was ist am Sozialismus besser als soziale Marktwirtschaft? Die ist definitiv ohne Stalin denkbar, aber soziale Marktwirtschaft wollen Sie ja anscheinend nicht.

  26. Stalin und die DDR sind recht prominente Vorbilder, wie Sozialismus aussehen kann.
    Das demokratische, rechts
    staatliche Institut „Enteignung“ ist hierzulande etwas anderes, von daher gehe ich mal davon aus, dass Kühnert das meint und nicht die Enteignung per Diktatur; aber wenn er „Umwandlung in eine Genossenschaft“ meint, sollte er vllt. nicht „Kollektivierung“ dazu sagen, auch wenn das das bedeutet. Der Begriff ist verbrannt, und es zeugt von einer gewissen Empathielosigkeit, ihn immer noch zu verwenden.

  27. @27: Agreed. Dennoch ist es lächerlich, was da jetzt draus gemacht wird, vor Allem, weil in #14 die Entschädigung bei Enteignung explizit quotiert wird.

    @26: Sie wollen provozieren, geschenkt. Ich halte die parlamentarische Demokratie für sinnvoller, besser und wehrhafter, als einen Sozialismus. Aber ich verbiete mir oder anderen nicht, darüber nachzudenken.

  28. Ach, der arme Kevin Kühnert, liefert erst seinen Gegnern eine Steilvorlage und dann sowas.
    Ja, es ist teilweise lächerlich, was man über ihn sagt. Aber was er sagt, ist teilweise auch recht weltfremd, also steht’s unentschieden.

  29. @Anderer Max

    „Ich halte die parlamentarische Demokratie für sinnvoller, besser und wehrhafter, als einen Sozialismus.“

    Na sehr gut, da sind wir sogar mal einer Meinung.

    Halten Sie Marktwirtschaft auch für sinnvoller, besser und effizienter als Planwirtschaft?

    „Dennoch ist es lächerlich, was da jetzt draus gemacht wird, vor Allem, weil in #14 die Entschädigung bei Enteignung explizit quotiert wird.“

    Ich frage Sie nochmal: Was bringt Ihnen eine Debatte um den Begriff „Enteignung“ bei einer börsennotierten Aktiengesellschaft, die Sie auch einfach so aufkaufen können? Das wird nur interessant, wenn man irgendwie die Entschädiung beziehungsweise den „Kaufpreis“ über staatliche Zwangsmaßnahmen drücken will.

    Oder glauben Sie, der Kevin hatte überhaupt keine Ahnung, dass BMW-Aktien an der Börse gehandelt werden und man den Konzern gar nicht von irgendwelchen Privatbesitzern enteignen muss um sein eigenes Kraftfahrzeugbau-Kombinat zu errichten?

  30. Die Steilvorlage war m. E. sehr wohl kalkuliert.
    Ich glaube auch nicht, dass es unentschieden steht, sondern dass KK ganz genau weiß, dass er einen kommunikativen Volltreffer gelandet hat. Erinnert mich alles sehr an Standard-AfD-PR, inkl. „falsch-verstanden“-Opferrolle.
    Ich meine, wann kriegt die SPD mal so viel öffentlichen Diskursraum?
    Traurig ist daran, dass man sich auf das Populismus-Feld der AfD begibt und deren „wirdmandochwohlnochsagendürfen“-Kommunikation damit retroaktiv legitimiert. Leider braucht es erst eine „Sozialismus“-Floskel, damit man überhaupt noch gehört / grdruckt wird – Ähnlich, so vermute ich, hat man sich in der AfD im Herbst 2015 gefühlt, als es nur Jubel-Headlines über die „Willkommenskultur“ gab und man die eigene Xenophobie nicht in den Mainstream-Medien rezipiert sah (Eine Runde Mitleid). Da wurden dann auch mal heftigere Vokabeln gebracht, wie „entartet“ oder so. So kommt man halt in die Medien. Macht die AfD bis heute so erfolgreich – Bei gleichzeitiger Zurschaustellung der Verachtung für alle Medien und eigener Fake-Fabrik, called „AfD Newsroom“ – siehe das neueste Projekt der Blitzbirnen: Klimaleugnung ohne wissenschaftliche Expertise.
    https://www.deutschlandfunkkultur.de/klimapolitik-afd-setzt-auf-klimawandel-skepsis.2165.de.html?dram:article_id=444924
    (Es gibt auch ein Video von Dr. Harald Lesch dazu, meine ich)
    „Skepsis“ ist so ein schöner Euphemismus. Man könnte auch einfach sagen: Unbelegte Behauptungen werden behandelt wie Fakten und auch so an deren Wähler kommuniziert. Resultat: Zweifel an Medien, anderen Parteien, der Gesellscahft. Self-fulfilling prophecy, leider.

    Aber all diese Mechanismen sind doch auch nichts Neues?!
    Ja, das passiert jetzt alles schneller und sichtbarer, als vor dem Internet, mehr aber auch nicht. Das Internet sorgt für die Transparenz der Vorgänge, aber die Vorgänge selbst sind doch nichts Neues.
    Und vor Allem macht die AfD in Sachen PR nichts anders, als jede andere Partei auch – also keine Alternative, programmatisch sowieso nicht.

  31. Ich frage Sie nochmal: Was bringt Ihnen eine Debatte um den Begriff „Enteignung“ bei einer börsennotierten Aktiengesellschaft, die Sie auch einfach so aufkaufen können?

    Ich verstehe gerade nicht, was Sie hier diskutieren wollen. Wäre Ihre Meinung zu Enteignungen eine andere, wenn nicht über eine AG gesprochen würde? Also was genau bringt Ihnen diese Debatte?

    Nebenbei sei noch angemerkt, dass das Beispiel BMW im Interview nicht von Kühnert kam.

  32. @32, Wonko

    „Ich verstehe gerade nicht, was Sie hier diskutieren wollen. Wäre Ihre Meinung zu Enteignungen eine andere, wenn nicht über eine AG gesprochen würde?“

    Sie kapieren es offensichtlich wirklich nicht – und ich dachte, das sei eine Pose, dabei ist es wohl nur die ganz normale Wirtschaftsinkompetenz von Sozialisten.

    Ganz einfach erklärt: „Enteignen“ müssen Sie dann, wenn Sie als Staat irgendetwas unbedingt wollen, das der aktuelle Eigentümer Ihnen nicht geben oder verkaufen will.

    BMW ist eine Aktiengesellschaft. Die Unternehmensanteile von BMW, also die Aktien, werden jeden Tag an der Börse gehandelt. Der aktuell zu zahlende Preis für 1 Unternehmensanteil ist der „Aktienkurs“. Sie können jetzt sofort einen Händler damit beauftragen, BMW-Aktien zu kaufen – vorausgesetzt natürlich Sie haben das Geld dafür.

    Verstehen Sie jetzt, was der wesentliche Unterschied zwischen BMW und, nehmen wir mal das typsische linke „Enteignungen-sind-doch-was-ganz-Alltägliches“-Beispiel, einer Parzelle Acker ist, über den der Staat eine Autobahn bauen will und die einem Landwirt gehört?

    „Nebenbei sei noch angemerkt, dass das Beispiel BMW im Interview nicht von Kühnert kam.“

    Wenn Kühnert keine Ahnung hat, was eine Aktiengesellschaft eigentlich ist und wie die Eigentumsverhältnisse an ihr geregelt sind, dann sollte er besser nicht in einem Interview darüber sinnieren, sie zu enteignen. Selber schuld. Aber ist halt SPD.

  33. Kennen wir uns? Oder wie kommen Sie zu der Meinung, ich sei Sozialist?

    Ja, ich verstehe, warum Enteignung im Fall einer AG ein wenig sinnvolles Szenario ist. Ich verstehe aber weiterhin nicht, warum Sie auf diesem für die eigentliche Debatte vollkommen unerheblichen Punkt herumreiten.

    Vielmehr, aufgrund Ihrer Antwort verstehe ich mittlerweile sehr gut, warum.
    Danke für das Gespräch.

  34. „Die Steilvorlage war m. E. sehr wohl kalkuliert.“
    Ja, dann mal eine Runde Mitleid, bitte. (Warum lese ich dann überhaupt eine Kolumne, die Kühnert verteidigt, wenn er doch will, dass man ihm daraus einen Strick zieht? Achja, ich habe ein Abo, dass muss ich ausnutzen.) Wenn er das gesagt hat, weil er das denkt und darüber diskutieren will, ok, dann sind die DDR-Vergleiche eben Gegenargumente. Vllt. eher schlechte, aber dann wird er die natürlich umso leichter entkräften können. Oder er hat das gesagt, obwohl er das nicht denkt, um die SPD (und sich selbst) in den Medien stattfinden zu lassen, dann haben Sie recht, dass ist sehr AfD-artig, nur eben in die andere politische Richtung. Oder, er hat bloß laut gedacht, aber nicht zu Ende gedacht. Eine Runde Victim-Blaming, bitte.

    @Wonko: Wenn Kühnert das Beispiel aufgreift, anstatt bspw. zu sagen, dass es ihm um Güter der Grundversorgung wie z.B. Wohnraum ginge, die BMW gar nicht herstellt, ist es unerheblich, wer das Beispiel aufgebracht hat.
    Der Hinweis auf die Aktien ist schon recht wichtig; bei einer Enteignung wird ein Eigentümer gezwungen, sein Eigentum gegen seinen Willen aufzugeben, und zwar für eine Entschädigung, die ihm vermutlich zu gering erscheint. Wenn die BRD BMW einfach aufkaufen wollte, müsste sie die Aktien kaufen. Weil das per öffentliche Bundestagabstimmung passieren muss, werden alle BMW-Aktionäre WISSEN, dass die Nachfrage sich gerade extrem erhöht hat. Dann steigt der Kurs. Einige werden jetzt Aktien an die BRD verkaufen, dann steigt der Kurs. Einige werden jetzt ebenfalls verkaufen, und immer so weiter, bis entweder die BRD alle Aktien hat oder kein Geld mehr übrig ist, um hinter dem Kurswert herzulaufen.
    Bei einer Enteignung kann die BRD per Gesetzbeschluss den Aktienpreis einfach festlegen, was ein unfairer Vorteil gegenüber den anderen Marktteilnehmern und daher wahrscheinlich nicht legal ist. Von so Kleinigkeiten abgesehen, dass die BRD jeden einzelnen Aktienbesitzer ausfindig machen müsste, und dass im Ausland kein dt. Enteignungsgesetz durchsetzbar ist.
    Es wäre etwas anderes, wenn BMW-Immobilien (das Werk samt Grundstück) enteignet werden sollen, um eine Autobahn zu bauen oder für Bodenschätze, sofern die in D. stehen; weil dann die Fa. BMW als juristische Person eine Entschädigung bekäme, und mit Maschinen, Mitarbeitern und Markenrechten auf einem neuen Grundstück eine neue Fabrik aufbauen könnte. Das ist sicher _nicht_ das, was Kühnert meint, aber der Standardfall für Enteignungen in D., von daher ist die Unterscheidung wichtig.

  35. Hat denn Kühnert überhaupt von Enteignung gesprochen?
    Sehe dazu oben nix (habe aber auch das Interview nicht gelesen).

    Ansonsten ist die ganze Diskussion hier sinnlos….

  36. @Wonko

    Es gibt noch einen aktuellen Grund, wieso mein Einwand relevant ist und wieso Sie besser ernsthaft darüber nachdenken, was alles passieren könnte, wenn Sie versuchen, eine an der Börse gehandelte Aktiengesellschaft zu enteignen oder meinetwegen zu „kollektivieren“, was aufs Gleiche hinausläuft. Dazu muss ich Ihnen ein Geheimnis verraten:

    Psst, die „Deutsche Wohnen SE“, die Linke in Berlin nun definitiv gerne enteignen wollen, ist von der Rechtsform auch eine Aktiengesellschaft!

    Das „SE“ im offiziellen Fimennamen bezeichnet die Rechtsform (Europäische Aktiengesellschaft) – Kevin dachte vermutlich, das steht für „Special Edition“ oder hat was mit seinem iPhone zu tun…

  37. @Ichbinich:
    Offenbar ist er mit der jetzigen Situation bei BMW nicht zufrieden. Also insbesondere damit nicht, wie die (jetzigen) Eigentümer ihren Profit aufteilen, oder habe ich das falsch verstanden?
    Welche Möglichkeiten hätte er, bzw. die Regierung, an der er mal beteiligt sein könnte, daran etwas zu ändern, außer Aufkauf und Enteignung?
    Ich frage aus Neugier.

  38. @ Lutz Schaarschmidt (#33):

    BMW ist eine Aktiengesellschaft. Die Unternehmensanteile von BMW, also die Aktien, werden jeden Tag an der Börse gehandelt.

    Stimmt so natürlich nicht. Nicht die BMW-Aktien werden jeden Tag an der Börse gehandelt, sondern ein kleiner Teil davon – der, der auf dem Markt verfügbar ist. Gegen den Willen des Eigentümers kann man eine Aktie nicht kaufen, ob börsennotiert oder nicht. Z.B. kommt über die Börse niemand an die knapp 21 Prozent der BMW-Anteile, die sich im Besitz der „Susanne Klatten Beteiligungs GmbH“ befinden.

  39. Man könnte der Susanne-Klatten-Beteiligungs-GmbH einfach ein Angebot machen. Freies Land und so.
    Man müsste einfach nicht den aktuellen Kurs anbieten, sondern einfach die Dividende, die die Susanne-Klatten-Beteiligungs-GmbH in Zukunft damit verdienen kann. Da eine GmbH nicht an Altersschwäche stirbt, ist „die Zukunft“ sehr, sehr lang, und da diese GmbH aus Dividende über eine halbe Mrd. Euro jährlich verdient – https://www.volksverpetzer.de/schwer-verpetzt/kuhnert-bmw/ – wird man mit einem Angebot über 21 Mrd. Euro, die der Kurswert der Susanne-Klatten-Beteiligungen an BMW lt. Quelle beträgt, nur ausgelacht werden.
    Aber das sind nur Details – prinzipiell kann man BMW komplett kaufen.

  40. @Mycroft

    Es geht mir darum, dass hier darüber diskutiert wird das Kühnert offenbar dumm ist weil er BMW enteignen will, das aber gar nicht geht bzw. man einfach Aktien kaufen kann. (oder alternativ — wenn ich das richtig verstanden habe — enteignen nur geht wenn man Stalin ist)

    Da halte ich schon für relevant ob Kühnert überhaupt von Enteignungen gesprochen hat. In dem Zitat oben stimmt er nur der Frage zu, ob „Unternehmen kollektiviert“ werden sollen. Ob das über Enteignungen, Aktienankäufe oder sonstwas passieren soll, steht da nicht.

  41. @ Mycroft (#40)

    „Aber das sind nur Details – prinzipiell kann man BMW komplett kaufen.“

    „Prinzipiell“ kann man auch Omas Häuschen kaufen, wenn es einem Braunkohle-Tagebau im Wege steht. Aber wenn Oma nicht verkaufen will, wird sie halt enteignet. Natürlich kann man das nicht vergleichen: Frau Klatten (Vermögen: 19 Mrd. Euro) ist eine Stütze der Republik, Oma (Rente: 600 Euro) ist eine Bremse des Fortschritts. Deshalb ist es ohne Stalinismus-Vorwurf möglich, Oma zu enteignen – während eine Enteignung der Klatten-Anteile einen Angriff auf die Grundpfeiler dieser unserer sehr sozialen Marktwirtschaft darstellt.

  42. Es geht mir nicht darum, ob Kühnert „dumm“ ist. Es geht mir darum, dass er ein vages Ziel aufstellt, ohne sich dazu zu äußern, wie man dieses erreichen kann, was mir so vorkommt, als habe er nicht zu Ende gedacht.
    Dieses Ziel – BMW in ein nicht-kapitalistisches Unternehmen umzuformen – ist mAn zu erreichen mit Aufkäufen von BMW-Aktien, mit der Enteignung nach GG §14 oder der Vergesellschaftung nach §15, was nicht viel anders ist; welche anderen Methoden könnte Kühnert sonst noch meinen? Erleuchten Sie mich!
    Weiterhin, wenn ich mir eine Vergesellschaftung von Miethäusern ja noch vorstellen kann, um der Allgemeinheit zu nutzen, welchen Nutzen hätte die Allgemeinheit von BMW? Und im Unterschied zu Deutsche Wohnen, die eine starke marktbeherrschende Stellung ausnutzt, kann BMW mir nicht mein Auto wegnehmen oder verhindern, dass ich zur Konkurrenz gehe. D.h., eine Rechtsprechung, die die Vergesellschaftung von Deutsche Wohnen erlaubt, würde nicht unbedingt auch die von BMW erlauben.
    Und das ist der Unterschied zu Stalin – demokratische Enteignungen/Vergesellschaftungen müssen rechtsstaatlich sein.

  43. @Kritischer Kritiker:
    Oh, natürlich kann man auch Omas Enteignung mit Stalin vergleichen. Ist bestimmt auch schon gemacht worden.
    Ein Unterschied dürfte aber sein, dass RWE nicht im Ruf steht, besonders sozialistisch/kommunistisch zu sein (also noch weniger als Stalin), und der andere ist, dass Oma mit ihrem Häuschen und Grundstück nicht einfach ins Ausland ziehen kann, die Quandts samt Aktien aber schon.
    (Wenn Oma das könnte, müsste sie aber auch nicht enteignet werden…)

  44. @ Mycroft:

    Ich möchte nochmal darauf hinweisen, dass ich mich hier an keiner Stelle für eine Enteignung von BMW stark gemacht habe. Es ging immer nur – hochtrabend geschrieben – um die Bedingung der Möglichkeit.

    Mit den Aktien in Ausland können die Quandts meines Wissens nicht – die Aktien sind an den Konzernsitz München gekoppelt. Um das ganze Vermögen ins Ausland zu transferieren, müssten sie also die Aktien verkaufen und den Erlös z.B. auf den Cayman-Inseln anlegen.

  45. @mycroft

    „Es geht mir nicht darum, ob Kühnert „dumm“ ist.“

    Ihnen vielleicht nicht, LUTZ SCHAARSCHMIDT aber offenbar sehr wohl.

    „Es geht mir darum, dass er ein vages Ziel aufstellt, ohne sich dazu zu äußern, wie man dieses erreichen kann, was mir so vorkommt, als habe er nicht zu Ende gedacht.“

    Naja, er wurde gefragt und hat geantwortet. Ob man immer alles bis ins letzte durchdenken muss bevor man an die Öffentlichkeit geht, weiß ich auch nicht (und ist bei anderen Politikern nun weiß Gott auch nicht der Fall).

    “ welche anderen Methoden könnte Kühnert sonst noch meinen? Erleuchten Sie mich!“

    Sie haben doch schon 3 genannt. In der Diskussion davor ging es im wesentlichen um „man ist der Kühnert doof/Stalin weil er enteignen will und nicht mal weiß dass BMW eine AG ist“.
    Der Vorwurf ist halt einfach Unsinn wenn Kühnert das nie so behauptet hat.

    „Weiterhin, wenn ich mir eine Vergesellschaftung von Miethäusern ja noch vorstellen kann, um der Allgemeinheit zu nutzen, welchen Nutzen hätte die Allgemeinheit von BMW?“

    Nicht falsch verstehen: ich halte die Idee, BMW zu vergesellschaften für ziemlich dämlich. Keine Ahnung was das bezwecken soll. Wenn man möchte, dass alle an Gewinnen von Unternehmen beteiligt sind, muss man einfach nur die Aktienquote in Deutschland erhöhen. Allerdings geht damit halt auch das Risiko eines Verlustes einher (wie bei einer Gesellschaft auch). Und das mögen die meisten Deutschen halt nicht.

    Trotzdem ist es unredlich, Kühnert Dummheit zu unterstellen aufgrund von Sachen, die er nie behauptet hat.

  46. Allerdings müsste man sich bei Bittner und Hildebrandt beschweren, die BMW an der Stelle ins Spiel gebracht haben, nicht bei Kühnert.

    Wer was gesagt hat und wer nicht, gerät bei der Wut und dem Willen, auf Kühnert draufzuhauen, aber vielen zur Petitesse.

    Wenn schon die FAZ Kühnert vor diesen Draufhauern in Schutz nimmt …

  47. Und ich habe Kühnert nicht mit Stalin verglichen. Aber gut, wenn Quandts mit ihren Aktien nicht wegkönnen, bleibt der dritte Unterschied zur Oma mit 800 Euro monatlich: die Oma lässt sich mit deutlich weniger Geld entschädigen. Zwei bis drei Stellen weniger oder so.
    Ja, voll doof von Journalisten, Kühnert mit einem Beispiel zu konfrontieren, dass nicht gut geeignet ist. Wenn er die Sache durchdacht hätte, wäre er drauf nicht hereingefallen.

  48. @ Mycroft:

    „Und ich habe Kühnert nicht mit Stalin verglichen.“

    Ja, ich weiß. Mein Hinweis war auch weniger auf Sie gemünzt, als auf die Allgemeinheit. Mir war aufgefallen, dass mir Lutz „Wirtschaftskompetenz“ Schaarschmidt zwei Tage lang stalinistische Gelüste untergeschoben hatte, ohne dass ich darauf eingegangen war. Nichts für ungut!

  49. @41, Ichbinich

    „Es geht mir darum, dass hier darüber diskutiert wird das Kühnert offenbar dumm ist weil er BMW enteignen will, das aber gar nicht geht bzw. man einfach Aktien kaufen kann.“

    In erster Linie ist Kühnert offensichtlich dumm, weil er BMW aus ideologischen Gründen enteignen will und dann glaubt, dass der Staat einen Großkonzern wie BMW effektiv führen könnte – obwohl zum Beispiel die Bundesländer Berlin und Brandenburg schon mit dem Bau eines Flughafens völlig überfordert sind.

    Hilfsweise kann man dann zeigen, dass Kühnert auch zu ahnungslos ist, um zu wissen, wie die Enteignung einer Aktiengesellschaft überhaupt in der Praxis abgewickelt werden könnte. Das ist relevant, weil die Linken in Bundesländern mit hoher Kevin-Dichte gerade auch in einem anderen Sektor (Immobilien) mit Enteignungsforderungen ankommen. Um die Ahnungslosigkeit in der Sache zu überspielen, werden dann semantische Diskussionen darüber geführt, inwiefern eine „Kollektivierung“ sich von einer „Enteignung“ unterscheidet.

    Ganz allgemein: Halten Sie es für unterstützenswert oder überzeugend, wenn jemand Handlungen fordert, von denen er keine Ahnung hat, wie diese Handlungen überhaupt tatsächlich ablaufen könnten?

    @42, Kritischer Kritiker

    „‚Prinzipiell‘ kann man auch Omas Häuschen kaufen, wenn es einem Braunkohle-Tagebau im Wege steht. Aber wenn Oma nicht verkaufen will, wird sie halt enteignet. Natürlich kann man das nicht vergleichen: Frau Klatten (Vermögen: 19 Mrd. Euro) ist eine Stütze der Republik, Oma (Rente: 600 Euro) ist eine Bremse des Fortschritts. Deshalb ist es ohne Stalinismus-Vorwurf möglich, Oma zu enteignen – während eine Enteignung der Klatten-Anteile einen Angriff auf die Grundpfeiler dieser unserer sehr sozialen Marktwirtschaft darstellt.“

    Hier haben wir das nächste Verständnisproblem: Wenn die Oma im deutschen Braunkohleabbaugebiet oder der Landwirt mit dem deutschen Autobahn-Acker enteignet wird, dann bekommen sie eine Entschädigung gezahlt, die mindestens dem Wert von Haus und Grundstück entspricht. Ob die so reich sind wie Frau Klatten oder gar kein anderes Vermögen haben, spielt für das Verfahren überhaupt keine Rolle, das Grundgesetz sieht eine entsprechende Entschädigung zwingend vor.

    Wenn Sie entschädigungslos oder mit einer „Entschädigung“ unter Marktpreis enteignen wollen, dann komme ich wieder mit meinem Stalinismus-Vorwurf, der Sie so sehr aufregt. Das sollten Sie schon aus Ihrem eigenen Interesse vermeiden.

    @43, Mycroft

    „Und im Unterschied zu Deutsche Wohnen, die eine starke marktbeherrschende Stellung ausnutzt, kann BMW mir nicht mein Auto wegnehmen oder verhindern, dass ich zur Konkurrenz gehe.“

    Bisschen Off-Topic, aber vielleicht trotzdem zum Verständnis interessant: Die Deutsche Wohnen hat keine „marktbeherrschende“ Stellung, nicht einmal ansatzweise. Der Mietwohnungsmarkt in Deutschland ist sogar viel stärker fragmentiert als der Automarkt – BMW hat einen Markanteil an allen in Deutschland zugelassenen PKW von ungefähr 7 Prozent (das ist auch weit von „marktbeherrschend“ entfernt), der Deutsche Wohnen gehören bloß ungefähr 0,8 Prozent aller Mietwohnungen in Deutschland (165000 Wohneinheiten).

    Schauen Sie mal hier: https://www.kba.de/DE/Statistik/Fahrzeuge/Bestand/MarkenHersteller/2017/2017_marken_hersteller_node.html

  50. @LUTZ SCHAARSCHMIDT

    „Ganz allgemein: Halten Sie es für unterstützenswert oder überzeugend, wenn jemand Handlungen fordert, von denen er keine Ahnung hat, wie diese Handlungen überhaupt tatsächlich ablaufen könnten?“

    Wie gesagt hänge ich noch an Schritt davor. Ich habe bisher keine Anzeichen gesehen, dass Kühnert davon keine Ahnung hat.

    “ dann glaubt, dass der Staat einen Großkonzern wie BMW effektiv führen könnte – obwohl zum Beispiel die Bundesländer Berlin und Brandenburg schon mit dem Bau eines Flughafens völlig überfordert sind.“

    Soweit ich das sehe spricht er von einer Gesellschaft. Die wird nicht vom Staat geführt. Aber regen sie sich ruhig weiter über Dinge auf, die nie irgendjemand behauptet/gefordert hat.

    @Mycroft

    „Und ich habe Kühnert nicht mit Stalin verglichen“.
    Das ging ja auch nicht an Sie, sondern sollte nur die Absurdität der Diskussion verdeutlichen. Hat offenbar nicht funktioniert…

  51. @51, Ichbinich

    „Soweit ich das sehe spricht er von einer Gesellschaft. Die wird nicht vom Staat geführt. Aber regen sie sich ruhig weiter über Dinge auf, die nie irgendjemand behauptet/gefordert hat.“

    „Die Gesellschaft“ kann auch keine Konzerne führen. Ihre sozialistische Gedankenwelt ist ja völlig konfus.

  52. @LUTZ SCHAARSCHMIDT

    Bevor Sie anderen Dummheit und konfuse Gedanken attestieren sollten Sie sich vielleicht vorher mal schlau machen.

    Eine „Gesellschaft“ kann alles mögliche sein. AGs sind auch „Gesellschaften“ (steht ja schon im Namen). Eine „Genossenschaft“ ist eine Gesellschaft. (und nach meinem Verständnis fordert Kühnert genau das)
    Und natürlich können alle diese „Gesellschaften“ ohne den Staat geführt werden. Gibt ja genügend Beispiele dass das geht.
    Aber Ihnen geht es ja offensichtlich nicht um den Vorschlag an sich, sondern darum alle für dumm zu halten, die irgendetwas fordern, was Sie nicht verstehen.

  53. @53, Ichbinich

    Ach, Sie interpretieren den Kevin-Vorschlag nun plötzlich so, dass der BMW-Konzern in eine Genossenschaft umgewandelt werden soll? (Haftungstechnisch ist das übrigens sehr ungünstig, ich würde unbedingt empfehlen, dass die Genossenschaft dann doch wiederum ein paar dieser bösen kapitalistischen Gesellschaften mit beschränkter Haftung, also „GmbH“s, gründet, um die operativen Geschäfte zu betreiben…)

    Aber ansonsten eine geniale Idee. Haben Sie auch einen Plan, wie so eine Genossenschaft die mindestens 50 Milliarden Euro Kapital einsammeln könnte, die nötig wären, um alle BMW-Aktien aufzukaufen? Zur Verdeutlichung für Sie: 50 Milliarden sind ganz schön viel Geld – das ist eine 5 mit zehn Nullen hintendran! Oder, konkreter, ungefähr 125-mal so viel wie das verschwundene Parteivermögen der SED 1990 betragen haben soll!

  54. OffT: Deutsche Wohnen ist wohl recht marktbeherrschend in Berlin, und dann nützt es Menschen in Berlin wenig, wenn die Mieten in bspw. Delmenhorst viel geringer sind. Der Weg zur Arbeit wäre teurer als die Mieteinsparung.
    Andrerseits waren iirc die Deutsche-Wohnen-Wohnungen früher mal Eigentum von stadteigenen Wohnungsgesellschaften. Ich verkaufe was, ich ärgere mich, dass der Käufer damit viel Geld verdient und ich zwinge ihn dann, mir sein Eigentum zurückzuverkaufen zu einem Preis, den ich bestimme. Tolles Geschäftsmodell, kann ich als Privater aber nur einmal machen.

  55. @ Lutz Schaarschmidt (#50)

    „Hier haben wir das nächste Verständnisproblem“

    Nein. Wenn Sie meinen, mir ständig das erklären zu müssen, was ich selbst bereits geschrieben hatte, dann liegt das Verständnisproblem bei Ihnen.

    Wissen Sie, Sie haben eine ganz simple Masche: Sie nehmen sich jeweils einen Satz aus einem (meist dem letzten) Diskussionsbeitrag und extrapolieren daraus irgendein Weltbild, für das sich Ihr Gegner dann rechtfertigen soll. Weist er Ihnen eine Fehlinterpretation oder einen Lesefehler nach (wie „eine“ Gesellschaft statt „die“ Gesellschaft), wechseln sie blitzschnell die Spur und erheben den nächsten Vorwurf – das wird auf Dauer langweilig.

    Und wer anderen eine „konfuse Gedankenwelt“ vorhält, sollte solche Sätze besser nicht schreiben:

    „BMW ist eine börsennotierte Aktiengesellschaft. Die brauchen Sie nicht nach Artikel 14 GG enteignen, Sie können einfach alle Aktien aufkaufen.“

    Ich steige hier jetzt aus, leben Sie wohl.

  56. @56, Kritischer Kritiker

    „Und wer anderen eine „konfuse Gedankenwelt“ vorhält, sollte solche Sätze besser nicht schreiben: ‚BMW ist eine börsennotierte Aktiengesellschaft. Die brauchen Sie nicht nach Artikel 14 GG enteignen, Sie können einfach alle Aktien aufkaufen.'“

    Wenn Sie das für „konfus“ halten, dann begreifen Sie das grundlegende Problem bei den Enteignungsfantasien einfach nicht.

    „Ich steige hier jetzt aus, leben Sie wohl.“

    Irgendwie ein trauriges Ende, aber trotzdem vielen Dank an Sie. Sie haben mir einen Einblick in die Gedankenwelt von denen ermöglicht, die Kevins Vorschläge ernsthaft gut finden.

  57. @LUTZ SCHAARSCHMIDT

    „Ach, Sie interpretieren den Kevin-Vorschlag nun plötzlich so, dass der BMW-Konzern in eine Genossenschaft umgewandelt werden soll? “

    ICH habe geschrieben, dass ich das Interview nicht gelesen habe, aus der medialen Antwort aber das vermute, ja.
    SIE reiten die ganze Zeit darauf rum, dass Kühnert angeblich irgendetwas enteignen will — um ihm dann deswegen Dummheit zu attestieren — ohne sich darauf zu beziehen, wo er das überhaupt gesagt haben soll.

    Ist schon verrückt dass es in dem Artikel darum geht, dass jeder Kühnert etwas in den Mund legt dass er nicht gesagt hat, und Sie dann hier in den Kommentaren den gleichen Quatsch weiter machen. Chapeau!

    P.S: „Aber ansonsten eine geniale Idee. Haben Sie auch einen Plan, …“
    Ich weiß nicht, ob Sie einfach nicht lesen was ich geschrieben habe oder Ihnen das einfach egal ist. Deswegen nochmal: Ich halte diese Idee für ziemlichen Unsinn. Aber dennoch kann man Kühnert nicht einfach irgendwas unterstellen, nur weil es einem in den Kram passt.

  58. @35: Sie haben irgendwie schon recht. Wenn es Kalkül war, hat’s funktioniert. Dass das Thema denoch Relevanz hat, erkennt man an den Beißreflexen in Medien und Politik. Ich bin froh, dass man mal drüber redet.

    @54: Wir warten einfach, bis BMW und alle anderen Nazi-Nachfolgebetriebe, die Autos produzieren pleite sind, weil sie ihre Kunden entschädigen müssen (Diesel-Lügen) und die Elektromobilität verschlafen haben. Obwohl, besser nicht, dann müsste ja (wieder) der buund die Verluste eines privaten Wirtschaftssektors auffangen. Imemrhin musste der Automobilsektor nicht Subventioniert werdne. Na gut, VW-Gesetz und so, ach Schwamm drüber!

  59. @58, Ichbinich

    Kühnert schwurbelt planlos von „Kollektivierung“ herum, hat selbst keine Ahnung, was er konkret damit meint und wie er das umsetzen will und heult dann herum, er sei missverstanden worden.

    Kennen Sie die „South Park“-Folge, in der gezeigt wird, wie angeblich „Family Guy“-Folgen entstehen? Da gibt es Seelöwen in einem Wasserbecken und große Plastikbälle, auf denen irgendwelche Begriffe drauf stehen. Die Seelöwen stupsen zufällig irgendwelche Bälle in einen Trichter und aus der Abfolge dieser Begriffe wird dann die Handlung einer neuen „Family Guy“-Serienfolge geskriptet. Wahrscheinlich entwickelt Kevin Kühnert seine politischen Ideen auch so, vor dem Zeit-Interview hatte er die Bälle mit den Aufschriften „Kollektivierung“, „Sozialismus“, „Industrie“ aber herausfordernderweise auch „Demokratie“ gezogen und der Rest war dann irgendwie zusammenimprovisiert.

  60. Jetzt wird klar woher der Troll den ihr so fleißig füttert seine Ideen hat. Aus dem Kinderbällebad im Gauland-Park

  61. @LUTZ SCHAARSCHMIDT

    „..hat selbst keine Ahnung, was er konkret damit meint und wie er das umsetzen will …“

    Und genau das wissen Sie woher? Oder anders gefragt: Haben Sie das vollständige Interview (und die nachfolgenden Konkretisierungen von Kühnert) gelesen?

  62. @Lutz Schaarschmidt:
    Das waren SeeKÜHE.

    Ja, ok, ich weiß auch nicht, wie Kühnert sich das konkret vorstellt, ich diskutiere auf Basis dessen, was legalerweise gehen könnte, halte das bei BMW für eher sinnlos, aber auf jeden Fall für viel zu teuer, und bei Wohnungsgesellschaften zwar im Ergebnis für sinnvoll, aber in der Umsetzung für fragwürdig. (Für’s Protokoll: die Enteignungs-Volksabstimmung in Berlin ist nicht von der SPD/Kühnert ausgegangen, aber er spielt offenbar darauf an.)
    Wo wir bei South Park sind:
    1. Unterhosen verschenken
    2. ???
    3. Sozialismus!

  63. @Mycroft

    Unterhosen *sammeln*, nicht verschenken! (Oder ist das im Sozialismus anders?) ;) Aber ansonsten die perfekte Analogie, das gefällt mir noch viel besser als die Seekühe (stimmt, Sie hatten recht) mit den Ideen-Bällen.

    @Schnellinger

    Wollen Sie mich vielleicht noch als AfD-Unterhosenwichtel (Und Gauland wurden ja auch mal die Unterhosen geklaut, har har har…) beschimpfen, wo Sie schon so schön warmgelaufen sind?

  64. In Sowjet-Russland verschenken die Gnome Unterhosen.

    Und Kühnert wäre ohne das Interview vllt. gar nicht auf die Idee gekommen, Sozialismus bei BMW einzuführen; tja, jetzt haben wir den Salat.

  65. @ Lutz Schaarschmidt:

    Irgendwie ist mein Beitrag in der SPAM-Schleife hängengeblieben – also nochmals.

    „Jetzt entgegnen Sie natürlich, dass stalinistische Kollektivierungen gar keine richtigen Kollektivierungen waren und die tolle sozialistische Idee bisher noch nie richtig umgesetzt wurde…“

    Nö. Ich entgegne, dass daraus, dass die Kollektivierung unter Stalin höchst blutig war, nicht folgt, dass Kollektivierungen im Allgemeinen oder per se blutig sein müssten. Anders gesagt kritisiere ich folgendes extreme und fehlschlüssige Argumentations-Schema:

    „Wenn eine Person P eine Maßnahme der Art M durchführt, und wenn die Person P im Allgemeinen brutal ist und wenn die die Maßnahme M im Besonderen brutal durchgeführt wurde, dann müssen Maßnahmen der Art M grundsätzlich blutig sein.“

    Im Übrigen hatte ich in meinem Original-Beitrag (#19) ja gleich klargestellt, dass ich von Enteignungen nicht viel halte, schon gar nicht ohne Entschädigung, Und von Kollektivierungen auch nicht. Und dass ich schon aus ökonomischen Gründen anders ansetzen würde. Insofern geht Ihre Kritik eigentlich auch an meinem Beitrag vorbei.
    Nur finde ich es trotzdem ein wenig überzogen, einen wesentlichen Bezug zwischen einer potentiellen Kollektivierung unter demokratischen Vorzeichen und einer, die mit einem Millionen-Mord einherging, herzustellen. Die einzige wesentliche Gemeinsamkeit scheint hier die (höchst triviale) Tatsache zu sein, dass es in beiden Fällen um Kollektivierung geht.

  66. Vielen Dank für die erneut hervorragende Kolumne. Pöser pöser Kevin, der da den Diskurs nach links verschieben will …

  67. Unsaubere, zuspitzende Berichterstattung: klar, an jedem Eck.
    Dass der seichte Kühni statt der harten ‚Verstaatlichung‘ lieber die nebulöse ‚Kollektivierung‘ in die Debatte wirft, um Aufmerksamkeit für sich zu erzeugen, ist andererseits auch wieder geschenkt.
    Die meisten schlechtbezahlten Arbeitnehmer würden mehr Geld sofort einer Debatte über die Kollektivierung von BMW hinter dem JuSo-Horizont vorziehen. Die sind ja nicht blöd.
    Wirklich interessant finde ich die Frage, warum sich Journalisten, die sonst brutale neoliberale Spar- und Kürzungspolitiker verehren, plötzlich für einen Jungpolitiker verwenden, der auf dem Weg in den SPD-Vorstand lange abgestandene Kollektivierungsideen wieder aufwärmt.

  68. @69

    Und wieder erfolgreich die eigenen links da gelassen. Glückwunsch!

    Und @LUTZ SCHAARSCHMIDT

    Ich nehme Ihre Nichtantwort mal als „Nein“ auf meine Frage. Hätte mich aber auch stark gewundert wenn Sie das Interview, über das sie sich so schön aufregen, tatsächlich gelesen hätten…

Einen Kommentar schreiben

Mit dem Absenden stimmen Sie zu, dass Ihre Angaben gemäß unseren Datenschutzhinweisen gespeichert werden. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.