Palmer, Martenstein und die Sprachregelungen „von oben“

Wir müssen über Boris Palmer reden. Und über Harald Martenstein. Nein, halt! Bleiben Sie! Zunächst kommt gleich erstmal ein bisschen Medienbashing! Die haben nämlich Mitschuld, am Phänomen Palmer, wie Palmer selbst sagt: „Wer will was von wem? Die Journalisten bringen uns Politiker dazu, bestimmte Mechanismen zu nutzen, sonst kommen wir nicht vor, und Politiker müssen vorkommen.“

Palmer palmert also lautstark rum, um vorzukommen, und die Journaille skaliert ihn. Sie haben ihn miterschaffen, den Mythos Boris Palmer. Chef der Ortspolizeibehörde, Buchautor, „Hilfssheriff“, Politiker-Marke, Facebook-Power-Publizist und, achja, Oberbürgermeister in Tübingen. Als Student hat er in der Universität einen Preis gewonnen, „die größte Klappe Tübingens“. Es ist wirklich bemerkenswert, wie er, ohne überhaupt anzutreten, diesen Titel schon so lange verteidigen konnte.

Letzte Woche fiel unser „Forrest Trump“ ja durch seine überbordende Berlin-Liebe auf. Die bittere Armut, die Kriminalität der Clans, der ganze Drogenhandel – alles nicht auszuhalten und, nein, keine Zusammenfassung von „Dogs of Berlin“, sondern das schonungslose Berlin-Bashing von Batman Palmer. Sich selbst siezend beklagt er: „Wenn ich dort ankomme, denke ich immer: ‚Vorsicht, Sie verlassen den funktionierenden Teil Deutschlands.'“ Witzig!, genau das denke ich immer, wenn ich irgendwas von Boris Palmer lese.

Natürlich kann nicht jede Metropole einen Chef der Oberpolizeibehörde haben, der nachts augenrollenden Studenten hinterrennt, um sie zur Rede zu stellen. Denn dann wäre sicherlich bald dieses Problem mit der Kriminalität auch in Großstädten endlich gelöst.

Wie zu erwarten, ließen die Berliner die prominente Reisebewertung aus Baden-Württemberg nicht auf sich sitzen. Bürgermeisterin Ramona Pop und die gebürtige Berlinerin Sawsan Chebli kritisierten Palmers von ihm selbst so beschriebenes „spießbürgerliches baden-württembergisches“ Grün-Sein:

Unter dem Titel „Recht hat er“, gemeint war Hilfssheriff Palmer, schrieb Harald Martenstein daraufhin in seiner „Tagesspiegel“-Kolumne:

„Offenbar gibt es neue Sprachregeln von oben, statt ‚Kriminalität‘ soll man ‚Vielfalt‘ sagen. ‚Armut‘ heißt neuerdings ‚Lebenslust‘.“

Das sind bemerkenswerte Sätze, auf mehreren Gründen.

Erstens: „Von oben“? Wen oder was meint oben? Das Bat-Signal? Angela Merkel? Die Konsensgesellschaft? Die Lügenpresse? Hat Matussek ihm eine Bierkiste geliehen? Das ist für einen Journalisten eine bedenkliche Aussage.

Zweitens: Diese Formulierung stammt aus einer George Orwellschen Neusprech-Hölle, die Menschen verbieten will, zutreffende Wörter zu benutzen. Diese semantische Paranoia und den neurechten Sound dieser Klage kennt man eher aus den Nokturngassen des Internets, vornehmlich rechtslastige Kommentarspalten in denen über Sprachverbote und Genderwahn diskutiert wird. Dort, wo man denkt, man dürfe Flüchtlinge nur noch „Geschenke“ nennen; wo Leute Kommentare schreiben, die beispielsweise so klingen: „Wer Ausländer, bunt, arabisch, gender oder U-20 ist, der braucht nichts zu befürchten, der hat Recht auf alles, sogar auf Rechtsbruch, aber gegen das biodeutsche, kartoffeldeutsche, das Blut des weißen, heterosexuellen Mannes wird gewettert und gedisst, dass es nur so kracht. Er ist der Sündenbock für alles!“ Nur um ein Beispiel von Palmers Facebookseite zu nehmen.

Anschreiben geben selbstgebaute Strohpuppen

Es ist die Konstruktion einer Strohpuppe, gegen welches Martenstein da anschreibt. Die große Konspiration von denen „da oben“, die einem verbieten, mal Klartext zu sprechen und in einem Anfall angeblicher politischer Korrektheit komplett sinnentfremdende Sprache aufoktroyieren wollen. Diese Erzählung, genau eine Umdrehung vor dem Vorwurf der Lügenpresse, finden wir bei vielen von den sogenannten (diese Woche von der SZ wieder erspähten) „alten weißen Männern“, bei den Martensteins, den Matusseks und eben auch bei Boris Palmer.

In einer Diskussionsrunde im SWR in dieser Woche sagte Palmer:

Screenshot: SWR

„Ich nenne doch einen Esel nicht Pferd, nur weil die AfD klatscht, wenn ich einen Esel Esel nenne. Ich liefere keine Munition. Die Munition entsteht, nur weil ich Sachen anspreche, die viele nicht benennen wollen. Ich sage Sachen, die es wirklich gibt und die andere verschweigen.“

Der Vorwand, endlich mal das Nicht-Sagbare sagbar zu machen, ermöglicht es, abwegige Positionen plötzlich salonfähig zu machen, da sie im Impetus der Unerwünschtheit angeblich aufgedeckt werden. „Darüber wird man doch mal reden dürfen!“, ein Rhetorik-Klassiker.

Boris Palmer macht das ganz hervorragend auf seiner Facebookseite, er sagt selbst, er wisse, was „von den Algorithmen her“ gut funktioniere. In der Illusion eines halböffentlichen Raumes präsentiert und geriert er sich als medienkritischer Diskurs-Bandit, der persönliche Erfahrungen – „Ich bekomme etliche Briefe der Zustimmung“ – mit Aufklärer-Raunen in die Runde wirft, die durch das „Recht-hat-er!“-Echo bestärkt und repliziert werden. Im Spiegel der Selbstgerechtigkeit und des vermeintlichen Verstandenwordenseins verfestigt sich die innere Haltung gegen „die da oben“, das „System“, die Medien und nicht zuletzt die verblendeten Gutmenschen.

Es ist irritierend, wie überzeugt der Berufspolitiker von der festgelegten Deutungshoheit eines publizistischen Diskurses zu sein scheint:

„Es gibt eine Linie, die soll öffentlich durchgesetzt werden, das haben vielen Medien versucht, und es ist ganz lange Zeit nicht möglich gewesen, die Probleme mit Kriminalität und Gewalt in einer Weise anzusprechen, wo man einfach sagen kann: So ist das.“

Ihn zu kritisieren, sei der Versuch, die ehrliche Diskussion über Probleme zu vermeiden; das sei der Kern des Konflikt, meint er.

„Das ‚Tagblatt‘ glaubt, es hätte einen Erziehungsauftrag, aber es hat nur einen Informationsauftrag. Ich bin nicht das Kind vom ‚Schwäbischen Tagblatt‘!“

Wie Donald Trump fühlt sich auch Palmer von den Medien gegängelt und gemaßregelt, und das sagt viel über sein Verhältnis zur vierten Macht aus. Er kritisiert, dass nur auf sein Fehlverhalten geschaut werde und die lokale Berichterstattung in „Herdenjournalismus“ münde, weshalb er seine Nachrichten auf Facebook lieber selbst produziere. Auch das erinnert an einen Präsidenten auf Twitter.

Der Chefredakteur des „Schwäbischen Tagblatts“, mit dem er seit Jahren eine toxische Beziehung medialer Co-Dependenz pflegt, weist diesen Vorwurf entschieden von sich, und betont, dass es seine Aufgabe sei, Kritik zu üben und Punkte zu benennen, die kritikwürdig sind.

Viele Politiker, gerade die, die in den sozialen Netzwerken ein hohes Sendungsbewusstsein haben, scheinen eines immer noch nicht verstanden zu haben: Der Journalismus schaut in den Abgrund dieser semiöffentlichen Welt der sozialen Netzwerke hinein, es gehört zu seinen Aufgaben, Fehlverhalten zu dokumentieren und die professionelle Eignung von politischen Mandatsträgern kritisch zu beurteilen.

Kampf gegen die Sprachpolizei

Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass die, die am meisten über Sprech- und Denkverbote klagen, dies in den prominentesten Kanälen tun? Der Kampf gegen die Sprachpolizei wird geführt von den Klartext-Redern, den Querdenkern, den Diskurs-Cowboys, die auf einen Strohmann vermeintlicher Alltagszensur schießen, aber im Grunde nur ihre eigenen Schatten bekämpfen. Die Rächer der Freiheit und Selbst­verwirklichung, die für das Recht auf die eigene Stimme einstehen, das sind plötzlich die Konservativen, die schneller ihren Colt gegen die Diskurshoheit ziehen als jemand „intersektionaler Feminismus“ sagen kann.

Aber wenn man sich anschaut, was Boris Palmer alles so sagt und macht, kann ich den Vorwurf der Sprechverbote wirklich nicht nachvollziehen.

In der „Zeit“ darf er z.B. alles mögliche Schreiben:

Aber auch als er zum Beispiel eine gefakte „Eilmeldung“ postete, in der er behauptete, dass Angela Merkel und Horst Seehofer zurücktreten würden, hat ihm das keiner untersagt:

„Merkel und Seehofer stellen Ämter zur Verfügung.“
„Angela Merkel und Horst Seehofer wollen mit sofortiger Wirkung von ihren Ämtern als Vorsitzende der CDU und der CSU zurück treten. Dies erklärten sie heute morgen gleichlautend in Berlin und München. Beide wollen damit „einen Neuanfang für Deutschland, Bayern und die Union ermöglichen.“

Als er Schwarzen Rassismus gegenüber der Polizei vorwarf:

„Mittlerweile ist klar, dass es allesamt Schwarzafrikaner waren, die sich gegen die Polizei gestellt haben, um eine Abschiebung zu verhindern. Eines ist damit klar: Deren Solidarität gilt Menschen der gleichen Hautfarbe, nicht unserem Staat oder unseren Gesetzen. Unter umgekehrten Vorzeichen wäre da mal wieder ‚Rassismus‘ als Vorwurf fällig.“

Oder als er Don-Alphonso-mäßig angebliche Flüchtlinge wegen Schwarzfahrens fotografierte und unverpixelt online stellte:

„Keiner hat einen Fahrschein. Zugfahrten haben sich verändert in den letzten Jahren. Ist es rassistisch, das zu beschreiben? Ist es fremdenfeindlich, sich dabei unwohl zu fühlen?

PS: Warum so ein Beitrag mit Bild?

[…] Weil es die Szene verständlich machen soll. Hätte ich stattdessen geschrieben, dass es fünf junge Männer waren, die aussahen wie aus dem Maghreb, arabisch Sprachen, durch die Kontrolle als Asylbewerber erkennbar wurden – was wäre dann bitte los gewesen? Diese selbstgerechten Empörungsstürme lösen kein Problem.“

Und als er der Nutzung des Wortes „Nafri“ Absolution erteilte:

„Jeder, der in einem beruflichen Kontext unterwegs ist, weiß aber: Es gibt eine Menge Abkürzungen für Personengruppen, die nicht alle wertschätzend sind und in der jeweiligen Arbeitswelt gängig. Zum Beispiel „ein Apoplex“ für einen Schlaganfallpatienten im Rettungsdienst.“

Oder als er sich mit dem Besitzer eines Wirtshauses aufgrund einer Apfelschorle stritt und am Ende plötzlich Mistgabeln im Spiel waren:

„Dann aber wollte ich um sechs am Abend essen. Das Nägele-Haus hat offen, super. Drinnen sind 20 Gäste, die Terrasse ist voll bestuhlt. Also frage ich an der Theke, ob ich draußen ein Apfelschorle und ein Vesper bekommen kann. Antwort: „Noi“. „Warum?“, will ich wissen. „Mir welled draussa zumacha. Sie müssed nei sitza“. Ich biete an, mein Schorle und mein Vesper selbst raus zu tragen und wieder aufzuräumen. Nichts zu machen. Ich erkläre, dass ich die Sonne genießen möchte, weil sie endlich scheint. Nix. Frage nach dem Chef. Der kommt und sagt: „Sie kriaget nix. Fertig.“

Da bleibt mir nur noch die Feststellung: „Wenn mr aufm Rathaus so schafft dät wie hier, dann dätet ihr mit der Mistgabel nauf ganga.“

Das öffentliche Geld, das für die neuen Premiumwanderwege auf der Alb ausgegeben wird, kann man sich bei dem Service wirklich sparen.

Und wofür bin ich eigentlich Mitglied im Albverein?“

Palmer ist um „Klartext“ nie verlegen. So schrieb er mal als Antwort in den Kommentaren: „Sehr angemessene Reaktion. Hab dich nicht so, wenn dich ein Araber fickt. Gibt schlimmeres. Echt jetzt, Frau D.?“

(Boris Palmer nennt übrigens die Leute, die dem „Tagblatt“ damals diesen Kommentar geschickt hatten, „Petzen“.)

Und über einen Fahrradfahrer schrieb er:

„Ich wette, dass er Asylbewerber war, so benimmt sich niemand, der hier aufgewachsen ist mit schwarzer Hautfarbe“.

Moralpanik auslösen

Der Politikwissenschaftler Nikolai Huke hat für seinen Vortrag „Soziale Medien als Echokammern für neurechte Diskurse“ die Facebookseite von Boris Palmer untersucht und dort den Prozess der „Moralpanik“ ausgemacht.

Diese bezeichnet die Dynamik, in der eine als fremd wahrgenommen Gruppe unter anderem durch eine „raunende Sprache“ und das „Früher hätte es das nicht gegeben“ zur moralischen Gefahr für ein kulturelles Wir erklärt wird.

Mit der Heraufbeschwörung der Bedrohungssituation, der emotionalen Aufladung und der Pose des durch „politische Korrektheit“ Unterdrücktwerdens, löse man laut Huke eine „Moralpanik“ aus.


Ihm zufolge befeuere Boris Palmer Assoziationsketten. Das Schwarzfahren präsentiert er beispielsweise durch seinen Rückbezug auf sein allgemeines Unbehagen als Symptom für den Angriff auf das kulturelle Wir. Im Zustimmungsecho der Antworten, durch die stetige Rückbezüglichkeit auf den „gesunden Menschenverstand“ und den ausgewiesenen „Kampf gegen die political correctness“, schaffen die Kommentatoren mithilfe von Palmer auf dessen Seite eine von allen als unwiderlegbar angenommen Realität, die seine Moralpanik bestärkt.

Hierdurch gerieren sich Palmer und Martenstein, die Meinungs-Polizisten, die glauben, sie wären Punks, als haudegige Retter der Wahrheit gegen die proklamierte Hypermoral. Dabei können sie sich selbst nicht von der autoritären Überwachungsmentalität befreien, die sie so leidenschaftlich kritisieren. Wenn man „Idiot“ googelt, dann kommt heutzutage an erster Stelle ein Bild von Trump. Wenn man Zollstock sucht, vermutlich eines vom Tübinger Bürgermeister.

Boris Palmer, der Rächer der Entmündigten, lauert stets da draußen in der Nacht, und denkt dass er uns beschützt – dabei würde ich mich sicherer fühlen, wenn ich ihm weder tags noch nachts begegnete.

34 Kommentare

  1. Wieder ein sehr guter Artikel, auch wenn das grundlegende Problem wohl mittlerweile eh altbekannt ist. Aber immer wieder gruselig, die Auswüchse zu lesen.
    Leider scheint es gegen diese Art der Meinungsmanipulation ja noch immer kein echtes Rezept zu geben.

    Nebenbei noch ein Tippfehler: „Anschreiben geben selbstgebaute Strohpuppen“

  2. Palmer ist ein Vorarbeiter für Verklärung und Faschismus, es ist entsetzlich, dass er es nicht begreifen möchte.

  3. Mit den Palmers und Martensteins dieser Welt kann man Geld verdienen. Die Zielgruppe frisst alles, was „Anti“ ist und multipliziert die Inhalte dann auch noch kostenfrei und aus Überzeugung.
    Rechtsextremismus als Verkaufsförderung, in DE wieder salonfähig!

  4. @Anderer Max:
    Vielfalt heißt: Es gibt auch andere Meinungen als die vom anderen Max.
    Wer bei Palmer und Martenstein von Rechtsextremismus spricht, ist linksextrem. Geld verdienen kann man auch mit Anti-Anti.

  5. Nö, Herr Schnabel.
    Wer den inhärenten Rassismus dieser Leute leugnet, ist selbst rechtsextrem.
    Das Problem ist ja, dass man versucht, Rassismus, Faschismus und andere menschenverachtende Ideologien, als zulässige Meinung innerhalb des demokratischen Meinungsspektrums darzustellen, so wie Sie es tun.
    Das sind sie aber nicht, aufgrund der inhärenten Demokratiefeindlichkeit.
    Apropos, gilt natürlich auch für Linksextremismus, religiösen Extremismus, etc.

  6. Ja gut, ich beziehe mich natürlich eher auf Journalisten / Publizisten, wie Martenstein, Tichy, DonA, etc., denn auf einen Lokalpolitiker wie Boris Palmer. Dem würde ich z. B. auch nicht zwangsläufig inhärenten Rassismus vorwerfen.
    Wenn ein Boris Palmer z. B. die „Verachtung der ängstlichen Unterschicht“ bemängelt, ist das natürlich eher Stimmenfischen am rechten Rand.

    Herr schnabel und Andere verlangen doch immer Klartext:
    „Weil der Typ mit nacktem Oberkörper, Kopfhörer und einer unglaublichen Dreistigkeit um die Leute rum gekurvt ist. Das gehört sich für niemand und für einen Asylbewerber schon dreimal nicht.“
    Dann muss man auch mal im Klartext dasn: So ein Spruch ist rassistisch!

    Thema das Artikels war eigentlich Populismus, nicht Rechtsextremismus.
    Dessen macht sich auch ein Boris Palmer schuldig.

  7. Der Spruch mit dem selber-Siezen (da fehlt ein Komma) ist wahrscheinlich eine Anspielung auf: „Sie verlassen jetzt West-Berlin“, und für mich nicht ohne den Spruch „Wie denn?“ denkbar.

    Aber Palmer steht beispielhaft für ein Phänomenen, das recht weit verbreitet ist – wenn jemand von Armut, Kriminalität und Drogenhandel redet, und jemand anderes von Vielfalt, Tempo und Lebenslust, dann ist es für mich als außenstehenden Dritten relativ klar, dass die von völlig unterschiedlichen Sachen sprechen, die zufällig in derselben Stadt stattfinden.
    Also reden die aneinander vorbei, und zwar so weit, dass die ganze Republik dazwischenpasst. Und merken es entweder selber nicht, oder stellen sich mit Absicht doof, oder nutzen „Deutungshoheit“: „Ich deute Deine Worte so, wie es in meine Argumentation passt – wenn Du Lebenslust bzw. Drogen sagst, meinst Du doch in Wahrheit Drogen bzw. Lebenslust.“
    An der Stelle ist es eigentlich schon wumpe, ob man das Diskussion, Debatte, Diskurs, Dialog oder Länderfinanzausgleich nennt.

  8. Öffentlich rumlamentieren, wenn’s draußen kein Veschper mehr gibt, und öffentlich Fässer aufmachen, wenn Studenten mit den Augen rollen – über kurz oder lang hat Social Media noch jeden zum Deppen gemacht.

    In dieser Beziehung unterscheidet sich Palmer kaum mehr von unterirdisch publizierenden AfD-Clowns wie Vita-Cola-Bernd oder Ich-trinke-Milch-für-den-gesunden-Volkskörper-Schneider.

    Also mir macht das Spaß.

  9. #7: „Herr schnabel und Andere verlangen doch immer Klartext:“

    Jahaa, aber doch nur wenn’s um andere geht! Klartext zu sich selbst vertragen sie ganz ganz schlecht. Das führt immer, wirklich immer, zum Rumopfern. Für den Tübinger Hilfssheriff mit Oberbürgermeister-Ausweisle war ja schon „Ach nee, der auch noch“ zu viel. Majestätsbeleidigung!

    Beim Palmer könnte man sagen, der Vater war ja schon nicht ganz dicht. Aber während jener gegen Bevormundung und Behördenwillkür (oder das, was er dafür hielt) zu Felde zog, scheint das Bubele voll auf Bevormundung und Behördenwillkür abzufahren …

    Ob er bald hier aufschlägt und mit seinem Ausweis rumfuchtelt?

  10. Im Prinzip ein simples Phänomen: Die Sarazins und Palmers wollen selbst Widerspruch unterdrücken und tun das indem sie Widerspruch gegen die Thesen die sie verbreiten als Denkverbote diffamieren. Es kommt keine Polizei durch die Tür und verhaftet sie. Ihre Facebook Seite wird nicht gelöscht. Aber es könnte sein das jemand auftaucht und ihnen widerspricht und sie mit Fakten konfrontiert. Und das mögen sie überhaupt nicht.

  11. Widerspruch um des Widerspruchs Willen ist nie gut. Wird aber gern praktiziert: man kann sich dann so shcön als Revoluzzer fühlen, ohne irgendwas zu riskieren. Die Revolution findet wegen schlechten Wetters drinnen statt!

    Aber schön, wie Sie rechtspopulistische Phrasen raushauen. Gibt ja auch welche, die bezeichnen das Verbot der Holocaustleugnung als Denkverbot. Und schreien Diffamierung, wenn man sie nennt, was sie sind.

    Aber es ist natürlich reiner Zufall, dass Ihre substanzlosen Phrasen in die selbe Kerbe wie jene Rechtspopulisten und Rechtsextremisten hauen, ohne dabei irgendwas zu sagen. Sie fühlen sich tapfer und alle anderen fühlen sich an den komischen Alten erinnert, der früher immer auf dem Marktplatz herumlungerte und wirres Zeug brabbelte.

  12. Ich habe mir mal Ihre Webseite angesehen, Herr Pannor. Ihr Schaffen hat mich durchaus beeindruckt. Ich finde den Umfang Ihrer Tätigkeit sehr interessant.
    Ein wenig gemindert wird meine positive Einschätzung durch Ihre Tätigkeit als Kommentator hier. Mich stört Ihre häufige Herabsetzung andersdenkender Kommentatoren. Was mich betrifft, tun Sie sich keinen Zwang an, ich verkrafte das. Aber seien Sie doch mal etwas freundlicher gegenüber Leuten, die Ihr Weltbild nicht teilen. Nur Sektierer glauben, dass sie allein die Wahrheit gepachtet haben. Wollen Sie auch einer sein?

  13. es heißt oktroyieren, nicht aufoktroyieren, das ist doppeltgemobbelt und hässlich und falsch.
    und ich bin anscheinend wirklich schuld, daß das schöne foto der noch schöneren autorin nun dauerhaft verschwunden bleibt und die anderen übonnenten mich anklagen, daß ihr lesealltag so grau geworden sei.
    die these, gegen die sie antritt, daß nämlich über gewisse probleme nicht oder nur unter aufbietung aller verfügbaren sprachregelungen geredet werde und deshalb die martensteins und palmers nötig bleiben, die kann sie allerdings in ihrem freundeskreis schon auf ihre richtigkeit überprüfen. sie möge dort zb herumfragen, was den leuten zu der englischen stadt rotherham einfalle und eventuell verblüfft sein wie wenig bis nichts das ist.
    und dann kann sie anfangen darüber nachzudenken, was die mediale verbreitung der dortigen geschehnisse hierzulande damit zu tun haben könnte?
    gianno chiaro
    (@lucianocali_2) ,
    übonnent

  14. „doppeltgemobbelt“ ist übrigens auch furchtbar „hässlich und falsch“.

    „und dann kann sie anfangen darüber nachzudenken, was die mediale verbreitung der dortigen geschehnisse hierzulande damit zu tun haben könnte?“

    Könnten Sie das noch mal durch den Schwurbelfilter ziehen? Was in Rotherham los war, weiß ich schon. Der letzte Teilsatz erwürgt sich beim Bedeutungstransfer trotzdem irgendwie selbst.

    Aber in einem haben Sie natürlich Recht: Die aggressive und rücksichtslose Falschparkerei deutscher Autofahrer auf Kosten der Volksgesundheit anzuprangern, trauen sich in Deutschland wirklich nur komplett entsozialisierte Klartext-Outlaws der Kategorie Palmer bis Sarrazin.

  15. @symboltroll @17
    in rotherham geht es um etwas mehr als falschparken, aber vielleicht ist für sie das dortige geschehen auch nicht wichtiger? weil die tätergruppe keine alten weißen männer umfaßt? was vielleicht auch der grund für die mediale verweigerung ist, dem dortigen geschehen mehr als achselzuckende pflichtberichterstattung zu widmen. metoo ist ja wichtiger. weil siehe oben.
    auf die idee , daß doppelgemobbelt eine ironische reaktion auf das schlichte falsche wort aufoktroyieren sein könnte, kommen sie warum nicht?
    weil sie schon schwierigkeiten mit dem bedeutungstransfer (was zum henker i s t das?) meines letzten satzes haben woran natürlich ich schuld bin?
    und haben s i e schon mal in i h r e m freundeskreis herumgefragt, was denen rotherham sagt und die wußten es alle? wetten daß nicht? und wenn nein, why the fuck not?

  16. „auf die idee , daß doppelgemobbelt eine ironische reaktion auf das schlichte falsche wort aufoktroyieren sein könnte, kommen sie warum nicht?“

    Diese Schandtat an der schönen deutschen Orthographie inmitten einer schrecklich deutschen oberbelehrhaften Klugscheisserei zu begehen hat noch mal welche ironische Qualität? Selbstironie im Sinne von „meine Zufalls-Rechtschreibung ist gut genug für rechthaberische Zurechtweisung anderer in pleonastischen Stil-Details“?

    Da kann man natürlich auch „(auf-) oktroyieren“ gleich noch zu einem „schlichten“ Wort erklären. Vielleicht sollten Sie sich halt weniger als Sprachpapst inszenieren. Wenn das jetzt mehr Klartext war als Sie verkraften, sollten Sie Ihre Liebe für vermeintliches Klartextreden vielleicht nochmal überprüfen.

    „in rotherham geht es um etwas mehr als falschparken, aber vielleicht ist für sie das dortige geschehen auch nicht wichtiger?“

    a) Ihre Großstelltaste ist kaputt
    b) Ihr Klartextdarling Palmer hat sich nun mal zuletzt an einem Falschparkdelikt abgearbeitet, da kann ich nichts dafür. Und das kostet in D. jährlich viele (wertvoll abendländisches) Leben bei Rettungseinsätzen. Aber dieses Leid und diese Opfer sind Ihnen wohl schnurz in Ihrer komfortablen SUV-Zone?
    c) Über die organisierten und massenhaften Kindesmissbrauche durch deutsche Katholikengangs wurde in englischen Mainstreammedien auch nicht viel berichtet, weil…? (Weil alte abendländische weiße Männer die Täter waren?). Aber das löst bei Ihnen selbst vermutlich nicht mehr als „achselzuckendes pflicht-“ bedauern aus?

    Ich glaube ja, dass Sie das das Leid der Opfer völlig kalt lässt. Sie instrumentalisieren nur und missbrauchen die Opfer damit ein zweites Mal.

    So kennen wir es von den Pegidisten: In alles selbst verstrickt was sie vorgaben bekämpfen zu wollen. Vermutlich ging es nur darum, neue Konkurrenz auszuschalten bei Drogengeschäften und illegaler Prostitution.

    „weil sie schon schwierigkeiten mit dem bedeutungstransfer (was zum henker i s t das?) meines letzten satzes haben woran natürlich ich schuld bin?“

    Das finde ich für den selbsternannten Sprachinquisitor jetzt schon wirklich etwas peinlich. Und zwar komplett. Versuchen Sie es doch mal -für den Einstieg- mit Großbuchstaben, vielleicht wird es dann etwas transparenter für Sie.

    Sie halten doch die Klartextfahne so standhaft hoch. Recht so? Oder werden wir jetzt plötzlich zum Schneeflöckchen, dessen zartes Seelchen nur möglichst empathische und positiv motivierende Kritik verkraftet?

  17. Guter Artikel! Entspricht meinem zunehmenden Unbehagen gegenüber Boris Palmer. Ich empfinde das so, weil er so verbissen versucht logisch zu argumentieren und die Dinge logisch abzuschichten. Die Logik ist sein „Glaubengerüst“. Das macht ihn sicher und stark und immun gegenüber kritik. Ist ja auch erst mal nicht falsch. Diese Logik greift sowohl bei Fragen der Stadtentwicklung als auch bei Fragen zur Migration. So eröffnet er sich als Grüner neue Sichtweisen und Positionen. Logisch aber unideologisch. Kommunal statt universel. Die neu gewonne Freiheit eröffnet nun auch einen neuen Blick auf die Moral. „Lassen sie uns doch mal so ganz logisch an moralische Grundsätze gehen. Können wir das heute wirklich alles noch so sehen?“ Höre ich ihn schon sagen und mich in Ohnmacht erstarren lassen, weil ich dieser mathematischen Logik neuer Moral nichts anderes als meinen diffusen Glauben entgegenhalten kann. Gott steh‘ uns, bei der neunmalkluge Dreitagebart, das Käppsele aus dem Remstal hat es gelöst das Problem. Widerspruch zwecklos. Is‘ doch logo! Ging mir schon bei S21 so. Er kam, brillierte, keiner hat‘s geschnallt und das Projekt wird gebaut. So gesehen ist S21 Palmers erster Kolletetalschaden seiner eigenen Selbstübetschätzung und unvetwüstlichen Glaube an seine Logik. Er hätte ja auch Politik machen können, statt diese Politik als Ergebnis seiner eigenen Logik zu verkaufen. Aber ok, das ist lange her.
    Ich mistraue seiner logischen Moral. Das unterscheidet ihn auch von anderen Medienskeptikern. vielleicht ist es eine medienskeptische Morallogik oder so, die er verfolgt. Auf jeden Fall, und das meine ich sehr ernst, möchte ich ihm nie Nachts auf den Strassen Tübingens begegnen, wenn er gerade in eine dieser medialen Moralphasen ist und ohne Hemmungen seine logische Medienmoral an mir ordnungsrechtlich exerziert. Da würde nur noch die Flucht helfen.

  18. Interessant, dass das Medienkritikmedium Übermedien offenbar ein Problem damit hat, als Medium kritisiert zu werden. Jedenfalls ist mein Kommentar zu den qualitativen, v.a. sprachlichen Mängeln dieses Texts nicht freigeschaltet worden.

  19. @19 symboltroll.
    ommmmmm machen.
    besser?
    -ich fahre kein auto, habe nie den führerschein gemacht.
    -ich verwende für kurze texte gerne kleine buchstaben, wie wohl über 9o % aller sprachen auf dieser welt und habe den eindruck, die kommen alle ganz prima zurecht mit der ihnen fehlenden großschreibung. bei uns hats halt konsequent nur die raf gemacht und der george und drum hat die KLEINSCHREIBUNG bei uns keinen guten ruf.
    -ich habe im september die linken gewählt, mit bauchschmerzen, aber merkel wollte ich nun doch nicht weitermachen lassen.
    -daß die bloße erwähnung von rotherham mich den pegisten zuschlagen soll, das sagt etwas über sie und nichts über mich.
    -daß ich mich als sprachpapst ansähe, weil ich oktroyieren richtig finde, das zeigt wohl wie sehr sie es hassen, wenn andere mal etwas korrigieren, weil das nämlich nur s i e dürfen.
    -daß ich vom inquisitor zum schneeflöckchen mutiere, weil sie mir jetzt mal ein paar wahrheiten gesagt haben, den eindruck hat mein stabiler blutdruck nicht. eher den, daß hier nur einer tobt.
    -daß jemand, der die gewichtung von metoo und rotherham eher umgekehrt haben möchte, irgendwelches leid instrumentalisiert, ist schlicht eine dummdreiste unterstellung, ich befasse mich seit jahren mit diesem fall und seiner medialen aufarbeitung bzw der verweigerung derselben.
    -ich verwende sehr ungern den raum von @übermedien damit, mich mit tobenden zu befassen, die nicht möchten, daß andere auch nur im ansatz das versuchen, was haltlose wie sie anscheinend den ganzen tag tun.
    -und deshalb kriegen sie ab jetzt keine antwort mehr.
    -sie können allerdings gerne meine sonstigen sprachqualitäten überprüfen, zwei blogs warten nur auf ihre kommentare. ich muß sie allerdings warnen, ich schalte die dort frei.
    gedichte:
    httpp://meleksgrafitto.wordpress.com
    (achtung viel kleinschreibung)
    prosa:
    https://lucianocali.wordpress.com
    (achtung, nicht unbedingt der schwachsinnigen rechtschreibreform folgend. also nehmen sie den beißring raus)
    -guter gruß aus baden-baden
    @lucianocali_2 (auf twitter schreibe ich auch immer klein. der papst hat gesagt, ich darf das. und sein inquistor auch)
    (sorry, @niggi, ich mache das sonst hier nicht, aber wenn einer so tobt, dann juckt es mich.)

  20. @ Phil Urban:

    „…weil ich dieser mathematischen Logik neuer Moral nichts anderes als meinen diffusen Glauben entgegenhalten kann.“

    Im engeren Sinne ist die Logik eigentlich erst mal nur dazu da, um sicherzustellen, dass sich aus den Prämissen, die man zugrundelegt, auch tatsächlich die Schlüsse ergeben, die man zieht (salopp formuliert). Ob die Prämissen richtig sind: Dazu sagt die Logik erst einmal nichts. Aus der reinen Logik lassen sich daher auch keine moralischen Thesen herleiten. Es lässt sich mit ihr nur prüfen, ob jemand, der aus einem bestimmten moralischen Prinzip eine Schlussfolgerung zieht, dies korrekt tut oder nicht. Ob die moralischen Prinzipien selbst rational oder irrational sind, menschenfreundlich oder menschenfeindlich, kann nur eine inhaltliche Analyse dieser Prinzipien selbst zeigen.

  21. a) Nicht nur geschichtlich für die RAF war das kleingeschreibsel ideologische Pflicht. Auch in gewissen, gewaltbereiten rechtsextremen Strömungen dient es gegenwärtig als stilistisches Markenzeichen und Erkennungscode. Im Vergleich mit „Aufoktroyieren“ verhält sich das aber nunmal wie Ohrfeige zu Amoklauf mit MP.
    Weshalb ich es erbarmungswürdig grotesk finde, wenn Sie sich dann zum Sprachpolizisten ermächtigen, indem Sie es als „doppeltgemobbelt“ kritisieren, ist Ihnen ohnehin noch gar nicht aufgegangen, stimmts?
    (In jedem anderen Kontext hätte ich das übrigens kommentarlos ignoriert, im Gegensatz zu Ihnen werde ich mich einer inhaltlichen Auseinandersetzung nicht durch so einen Kasperlkram entziehen UND weiß um meine eigene Fehlerhaftigkeit. Dafür dann mal kurz Rechtschreibregeln für überflüssig zu erklären, lässt für Ihre Akzeptanz sonstiger Grundregeln und Gesetze Schlimmstes befürchten.)

    b) „Beißring“, „Tobende“ usw: Sehen Sie, wie schön Sie mich bestätigen? Gib den vermeintlichen Klartextfans selbst etwas Klartext und sofort opfert es weinerlich rum. Diese groteske Empfindlichkeitsspreizung beim Sender-/Empfängerwechsel ist typisch für Extremisten jeder Couleur.

    c) Schandtaten an der europäischen Blondine und den autochtonen Kindern werden natürlich von den Medien und den staatlichen Lenkern gezielt verheimlicht/unterdrückt, weil die Täter nicht alt und weiß sind. Klar doch, sowat macht Sie nicht gesichert zu einem Pegidisten. Es könnte auch noch was viel Schlimmeres sein.

    d) Sie haben dann natürlich doch wieder recht: Es gibt eine harte, staatliche Zensur, um Nachrichten über schrecklichen Kindesmißbrauch durch bestimmte Kultur-/Religionskreisangehörige zu unterdrücken. Und die wird WELTWEIT von finsteren Mächten gesteuert:

    „Dem Kurienkardinal George Pell (77) wird in Australien Missbrauch Minderjähriger vorgeworfen. Dass man wenig über den Fall erfährt, liegt an der von der australischen Justiz verhängten weltweiten Nachrichtensperre.“

    Nun fragen Sie mal die selben von Ihnen angeforderten Leute danach, was die davon wissen.
    Für Sie natürlich zweitrangig bis nebensächlich, übergehenswert. Aus dem Leid DIESER Opfer lässt sich halt für Sie kein Abendland-Honig saugen. Weil die Täter nun mal alt und weiß sind.

    PS: Glauben Sie ernsthaft, Ihr Blog könnte mich im Geringsten interessieren? Ich habe noch ein paar Kapitel im Telefonbuch vor mir, wenn ich da durch bin, überlege ich es mir mal….
    …nicht.

  22. So richtig logisch kommt mir Palmer eigentlich gar nicht vor. Offenbar hat Berlin Probleme, die Tübingen nicht hat, und offensichtlich hat Berlin von allen möglichen typischen Stadtproblemen mehr, weil die meisten Probleme von Städten mit der Einwohnerzahl steigen.
    Dass er die Probleme von Tübingen im Griff hat, macht ihn also noch nicht zum Experten für Berlin. Wobei ich Sprüche wie „Arm, aber sexy!“ auch für daneben halte.

    Richtig komisch wird es aber bei der Formulierung „von oben“. Er IST doch „oben“. Also entweder Teil der Sprachregulierungsverschwörung, oder er weiß, dass es sie nicht gibt.

  23. Womit wir wieder bei der alten Gameshow „Dumm oder Dreist?“ wären.
    Man könnte die ganze Palmer Geschichte auch unter „Aufmerksamkeitsökonomie“ abhaken.
    Aber damit lässt sich keine Schlagzeile verkaufen (nicht böse gemeint).

    Populismus vs. Populismus – You are fake news!
    Bin ich der einzige, der es satt hat?

  24. „Thema das Artikels war eigentlich Populismus…Dessen macht sich auch ein Boris Palmer schuldig“
    Populismus war schon immer ein legitimes Mittel demokratischer Politik, keine Schuld. „Uns geht’s ja so gut“ ist auch eine populistische Aussage. Es kommt darauf an, „was hinten rauskommt“.
    „aufgrund der inhärenten Demokratiefeindlichkeit“
    Völlig unbegründete Polemik. Sowohl Palmer als auch Martenstein argumentieren ziemlich explizit, und nie gegen Demokratie. Worin die Verlautbarungen eines Stegner oder einer Barley demokratischer sein sollen, wird wohl ein Maxl-Geheimnis bleiben :-)
    Demokratisch ist eine Gesellschaft, in der sie alle ihren Senf dazugeben dürfen, auf dass der Wähler wählen kann.

  25. Ja, Boris Palmer hat sehr enge, eigene und teils sehr spießige Ansichten zu Ordnung und Betragen.
    Ja, er sucht fast zwanghaft die öffentliche Wahrnehmung.
    Ja, er ist sehr von sich eingenommen und überzeugt.
    Ja, er muss scheinbar zu fast allem seinen Senf zu geben.
    Ja, er mag offensichtlich scharfe, polternde Ausdrucksweise.
    Ja, er hat offensichtlich Stereotypen im Kopf .
    Ja, auch rassistische.
    Ja, er scheint viele von seinen Stereotypen nicht reflektiert zu haben.
    Ja, Selbst-, Stereotypen- und Ausdrucksreflexion scheint nicht seine Stärke zu sein.

    Das alles ist im höchsten Maße kritikwürdig und dafür soll und muss er ständig kritisiert werden. Nur so kann er sich in dieser Hinsicht weiterentwickeln.

    Was ich persönlich ihm niemals unterstellen würde ist, dass er nicht-kritikfähig ist, kontroverse Diskussionen scheut, für begründete Argumente nicht zugänglich ist oder nicht bereit wäre, auch mal Fehler einzusehen oder aufgrund von Einsichten eigene Ansichten zu verändern.

    Das alles gesagt, würde ich persönlich ihm deshalb auch nicht unterstellen, ein Populist (à la AfD-Kaliber) zu sein. Er ist meiner Meinung nach eher ein Posauner. Ich würde ihm auch nicht unterstellen, dass er prinzipielle Vorbehalte gegenüber Ausländern, gegenüber Einwanderung oder gegenüber dem Recht auf Asyl hat. Ich würde ihm zuletzt auch nicht im Geringsten unterstellen, die Demokratie verächtlich machen zu wollen (oder zu machen).

    Das alles, was ich hier aus meiner Perspektive über Boris Palmer schreibe, mag man kritisieren. Absolut ok.

    Ich möchte an dieser Stelle damit nur dafür plädieren, dass man auch dann ein differenziertes Bild von Menschen zulässt, wenn man deren Ansichten und/oder auch Ausdrucksweisen nicht teilt. Und dass man sie nicht zügig generell verurteilt und als Mensch verächtlich macht – oder ihnen stets „unterstellt“ absichtlich das Schlechte zu machen bzw. zu sagen (denn manche sollten es zwar besser wissen, wissen es aber leider (noch) nicht).

    Boris Palmer ist sehr kritikwürdig und manches von dem, was er sagt, ist tatsächlich einfach scheiße. Finde ich auch.
    Was nicht ok ist – wie ich finde – ist die übertrieben hämische und teils bewusst kontextlose Total-Abrechnung mit ihm in diesem Artikel hier und der Ton der spöttischen Verächtlichmachung, des In-die-Ecke-stellens und Unterstellens gegen ihn. Dies ist unwürdig – und diese Art und Weise zum Teil keinen Deut besser als das, was auch an Boris Palmers Kommunikations- bzw. Ausdrucksweise teils einfach scheiße ist.

  26. Nekropost, weil diese Tatsache einfach nie genug Aufmerksamkeit bekommt:
    „Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass die, die am meisten über Sprech- und Denkverbote klagen, dies in den prominentesten Kanälen tun?“

    Genau das nämlich ist die größte Geistesleistung in der realitätsverzerrten Wahrnehmung. Vor mehreren Jahren schon hatte sich bereits ein Bela Anda beschwert, dass man kaum noch was öffentlich schreiben dürfe – in einem Meinungsartikel in der gedruckten „Bild“!

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