Meine DSGVO-Odyssee mit Ajay von LinkedIn

Vor kurzem erreichten mich einige seltsame Nachrichten von Familie und Bekannten. Sie hatten E-Mails von dem beruflichen sozialen Netzwerk LinkedIn erhalten und waren verwundert. In den Mails forderte ich sie angeblich dazu auf, dem Netzwerk beizutreten. Allerdings konnte ich mich beim besten Willen nicht erinnern, LinkedIn jemals dafür autorisiert zu haben.

Hallo? Mail von LinkedIn.

Irritierend war auch, dass viele meiner angeschriebenen Kontakte kein Mitglied von LinkedIn sind – einige wussten nicht mal, dass es das gibt und warum. Meine Freundin erhielt eine E-Mail, ohne je mit dem Netzwerk in Kontakt gekommen zu sein. Ein Freund schrieb mir: „Was ist LinkedIn?“ Er fürchtete, ich wollte ihn mit einem Virus infizieren. Mein Vater hingegen, bald 70 Jahre alt, legte ein Profil an, um meiner Anfrage nachzukommen.

Ich bin, wie so viele andere, ein gebranntes Kind: Im Frühjahr habe ich hunderte Mails erhalten. DSGVO. Datenschutzgrundverordnung. Unternehmen fragten, ob sie mir auch künftig E-Mails schicken dürfen. Sie baten regelrecht darum. Und nun schreibt LinkedIn ohne meine Einwilligung Freunde und Familie an, die ihre Daten nie bei dem Netzwerk hinterlegt haben.

Mal nachfragen, dachte ich mir, was sich aber als schwierig herausstellte. Ich fand nirgends eine Telefonnummer, die ich in so einem Fall anrufen könnte, keinen Ansprechpartner, nichts. Ich füllte dann ein Kontaktformular aus.

Hallo! Ich bin Ajay. Buch?

Zwei Tage später meldete sich Ajay. Laut Signatur ist er „Verbraucher-Support-Spezialist“, wobei ich die Worte Support und Spezialist, rückblickend betrachtet, leicht übertrieben finde, und ob Ajay ein Mensch ist, erscheint mir auch zweifelhaft. Aber ich tue hier mal so, als wäre er einer, was ich insgeheim auch hoffe. Denn ich habe zwei Wochen lang viel mit ihm geschrieben. Der Erstkontakt war angenehm, wenn auch sonderbar. Ajay schrieb:

Hallo Jakob ,

Danke, dass sie uns kontaktiert haben. Ich hoffe, diese E-Mail findet Sie gut und Sie sind es Ich habe einen fantastischen Tag, ich bin Ajay und ich werde glücklich sein Ihnen zu helfen!

Es tut mir wirklich leid, dass ich davon gehört habe und ich kann Ihre Bedenken verstehen. Bitte wissen Sie, dass wir nie Kontakte importieren oder Einladungen ohne Ihre Einladung versenden würden Genehmigung.

Es ist möglich, dass Sie unter Verwendung der Adresse einige Einladungen verschickt haben Buch Import-Funktion auf unserer Websit und versehentlich Ihre persönliche Adresse hochgeladen Buch. Diese Funktion hat die Möglichkeit, Einladungen an Ihre gesamte Adresse zu senden Buch, wenn das richtige Feld nicht markiert ist.

Okay, das Deutsch ist etwas holprig, aber vielleicht ist Ajay ja kein Muttersprachler. Der Ton liegt irgendwo zwischen freundlich und devot, was einen gewissen Dienstleistungswillen nahelegt. Das freut zunächst. Auch wenn mich die willkürlich…

4 Kommentare

  1. Danke für diesen Bericht.
    Ich fände es toll, wenn Sie da dran bleiben und weiter berichten.
    Es ist schließlich in unser aller Interesse, dass LinkedIn seine Praktiken möglichst bald ändert.

  2. Ich schließe mich an, vielen Dank für den Bericht!

    Dies bestätigt leider die große Befürchtung bzgl. der DSGVO: während hunderttausende (Millionen?) Firmen und Vereine quer durch die EU sich abmühen, den neuen Anforderungen nachzukommen, machen die großen Konzerne, deren komplette Missachtung des Datenschutzes das eigentliche Problem ist, munter so weiter wie bisher.
    Ich hoffe wirklich, dass hier bald Beschwerden und empfindliche Strafzahlungen folgen, sonst war die ganze Aktion echt für die Katz’.

  3. Auch die „Cookie-Richtlinie“ wird (gerade auf EN Websites) gerne ausgenutzt um da mal ein kleines Häkchen für den Newsletter einzuschmuggeln oder die Weitergabe personenbezogener Daten zu Webezwecken mal eben mit abzuhaken.
    Ist ja nur der Cookie Hinweis, klickt eh jeder auf „Akzeptieren“.

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