Nur „salopp abwertend“, obwohl der Begriff stark diskriminierend ist?

In unserer Reihe Wieso ist das so? fragen wir andere, was wir uns fragen. Diesmal: Wie kommen Wörter in den Duden – und wieso sind manche diskriminierenden Schimpfwörter nur als „salopp abwertend“ gekennzeichnet, zum Beispiel „Fidschi“? Fragen an Kathrin Kunkel-Razum, die Leiterin der Duden-Redaktion.


Inzwischen geändert: der Eintrag für das Wort „Fidschi“ duden.de

Frau Kunkel, ich bin auf duden.de über den Begriff „Fidschi“ gestolpert, der dort nicht nur als Inselstaat gelistet ist, sondern auch als Bezeichnung für Personen aus Indoasien, vor allem Vietnam. Weshalb?

Die Duden-Redaktion untersucht den Sprachgebrauch. Also nicht das Wünschenswerte, wie es sein sollte, sondern wie es ist. Das machen wir mithilfe des so genannten Korpus. Das müssen Sie sich vorstellen als eine große elektronische Textsammlung, die ständig wächst und derzeit mehr als 4,6 Milliarden Wörter enthält. Dieses Material sichten wir, wenn wir neue Wörter suchen oder definieren. Um auf die Bedeutung eines Wortes schließen zu können, ist der Kontext wichtig. Vor allem, wenn Worte mehrere Bedeutungen haben. Schaut man sich das Material an, ist die Schlussfolgerung – leider –, dass „Fidschi“, auch in dieser sehr, sehr abwertenden und diskriminierenden Bedeutung benutzt wird. Deswegen findet man das so im Wörterbuch.

Nun steht dort, dass der Begriff „salopp abwertend“ sei, was ich schwierig finde. Ich bin in Dresden geboren und aufgewachsen, meine Eltern kommen aus Vietnam. Ich habe die Erfahrung gemacht, wenn jemand „Dummer Fidschi!“, „Fidschi, willst du aus meinem Hund Sushi machen?“ oder „Fidschi-Klatschen gehen“ sagt, ist das nie bloß „salopp abwertend“. Wieso stuft Ihre Redaktion das Wort also nicht als „stark diskriminierend, sollte nicht verwendet werden“ ein?

Ja, da haben Sie recht. Für „Fidschi“ sollten wir einen Erklärkasten erstellen. [Die Duden-Redaktion hat das inzwischen getan und die Markierung „salopp abwertend“ entfernt; Anm. d. Red.] Diese Kästen kommen aus dem gedruckten Duden. Das sind besondere Hinweise für Wörter, die stark diskriminierend sind und nicht verwendet werden sollten. Da machen Sie uns auf etwas aufmerksam, was wir ändern sollten. Wissen Sie: Wir haben in Duden online rund 220.000 Stichwörter. Das soll keine Ausrede sein, aber das ist viel. Da ist uns das Wort bisher nicht aufgefallen. Wir bekommen sehr viele Zuschriften, gerade zu solchen Dingen, und bemühen uns, schnell Abhilfe zu schaffen.

Neu eingefügt: „Besonderer Hinweis“ zu „Fidschi“ Screenshot: duden.de

Wer entscheidet, ob es so einen besonderen Hinweis gibt? Oder sind Sie davon abhängig, dass Sie Leser darauf hinweisen?

Wenn wir solche Wörter neu aufnehmen, denken wir als Redaktion immer darüber nach, ob wir das für angemessen halten oder nicht. Das Thema Political Correctness ist uns sehr wichtig, das können Sie mir glauben. Aber wenn etwas schon lange im Duden steht, ist uns das manchmal nicht präsent.

Und Schimpfwörter müssen in den Duden, weil sie nun mal zum Sprachgebrauch gehören?

Ja, da haben wir eine klare Position: Wir bilden den Wortschatz der deutschen Gegenwartssprache ab. Wir reglementieren nicht, welche Wörter die Deutschen benutzen, aber wir haben eine Meinung dazu, ob man sie benutzen sollte oder nicht. In dem Sinne ist das Wörterbuch eine Dokumentation dessen, was da ist. Freilich gehören auch Schimpfwörter zur Sprache, sie müssen aber ausreichend belegt sein – das ist das Kriterium. Wir nehmen kein Wort auf, das nur ein-, zweimal belegt ist.

Wann ist ein Wort ausreichend belegt?

Es gibt keine klare Regel in dem Sinne: Wenn wir ein Wort zehn Mal im Korpus finden, wird es aufgenommen, wenn neun Mal, dann nicht. Sie beziehen sich auf Duden online, das ist das umfangreichste Wörterbuch, das wir haben. Da reden wir im Allgemeinen über mehrere hunderte Belege. Aber wie gesagt: Es gibt keine feststehende Zahl.

Wann würde ein Begriff verschwinden?

Das ist schwierig. Wir durchforsten das Korpus ständig nach neuen Wörtern, aber nur selten nach nicht verwendeten Worten. Das ist technisch kaum möglich. Wir versuchen allgemein so wenig wie möglich zu streichen, weil wir eine bewahrende Haltung haben. Was nicht heißt, irgendwas künstlich am Leben zu erhalten. Normalerweise läuft das so: Wenn Wörter seltener vorkommen, markieren wir sie zunächst als „veraltend“, dann als „veraltet“ und irgendwann als Streichkandidaten. Auf der anderen Seite untersuchen wir die Gegenwartssprache. Das sind für uns ungefähr 70 Jahre. Erst wenn ein Wort aus diesem Zeitraum herausfällt, nehmen wir diese Streich-Markierungen vor.

Nochmal zum Wort „Fidschi“: Warum wird dessen rassistischer Hintergrund nicht erklärt? Ich habe den Eintrag Freunden gezeigt, von denen viele aus den alten Bundesländern kommen. Die kannten das Wort gar nicht, und mit der Begründung aus dem Duden hatten sie den Eindruck, dass es legitim sei, das zu sagen.

Das liegt an dem fehlenden Erklärkasten. [Der inzwischen eingefügt wurde, siehe oben.] Aber: Eine Person mit einem Wort anzusprechen, das als „abwertend“ markiert ist, ist immer abwertend und eine Erniedrigung. Ich bin mir aber nicht sicher und wäre vorsichtig mit der Erklärung, ob der Ursprung des Wortes mit den vietnamesischen Arbeitern in der DDR zu tun hat und deswegen der Begriff in Ostdeutschland stärker verbreitet ist oder war, so wie Sie sagen. Leider sind unsere elektronischen Daten nicht so alt, dass wir größere historische Betrachtungen anstellen könnten. Das wäre ein kleiner Rechercheaufwand, den wir leisten müssten.

Aber ist das nicht Ihre Aufgabe?

Doch, selbstverständlich. Aber wie ich bereits gesagt habe, gibt es da ein Problem in der Darstellung. Wir werden uns dieses Problems annehmen.

Es gibt noch mehr Beispiele. Zum Beispiel das N-Wort, da gibt es zwar einen gesonderten Hinweis. Aber für Komposita wie „N-Kind“ oder „N-Krause“ gibt es keinen Erklärkasten.

Das ist ein schwieriges Problem, das wir kennen, für das wir aber bisher keine richtige Abhilfe haben. Duden online wird gespeist aus den Print-Wörterbüchern. Im gedruckten Duden gibt es aber keinen gesonderten Hinweis für diese Komposita – aus Platzgründen, weil das Wörterbuch sonst doppelt so dick wäre.

Online erwartet man solche Hinweise natürlich, weil da der Platz vorhanden ist und jedes Wort auf einer eigenen Artikelseite steht, man also den Zusammenhang nicht sofort sieht. Im Gegensatz zu gedruckten Duden, wo das zusammengesetzte Wort ja direkt unter dem Bestimmungswort steht. Wir versuchen Schritt für Schritt, unser Online-Wörterbuch zu verbessern, aber das sind eben sehr viele Stellen, die durch Redakteure bearbeitet werden müssen für ein kostenloses Angebot. Das können wir nicht alles auf einmal machen. Bei „N-Kind“ gehen wir davon aus, dass man durch den Verweis beim „N-Wort“ landet und die diskriminierende Bedeutung sieht. Ich gebe zu, dass das für eine Online-Anwendung keine gute Lösung ist.

Wann ist der Begriff „Fidschi“ in den Duden gekommen? Ich meine: Vor 25 Jahren gab es die fremdenfeindlichen Übergriffe in Rostock-Lichtenhagen, wo vor allem Vietnamesen angegriffen wurden. Und dann hat sich die Redaktion für „salopp abwertend“ entschieden?

Ich habe nochmal im sechsbändigen Wörterbuch von 1976 aus der alten Bundesrepublik nachgeschaut. Da steht „Fidschi“ interessanterweise gar nicht drin, auch nicht in der geographischen Bezeichnung. In der nächsten gesamtdeutschen Ausgabe von 1993 aber, und zwar tatsächlich mit der geographischen Bezeichnung und als: „Fidschi, der; umgangssprachlich abwertend, der aus Indochina stammt bzw. Vietnamese“. Das haben wir mit „salopp abwertend“ schon verschärft.

Nun ist das alles menschengemacht. Den Begriff „Fidschi“ haben sich Leute nur aufgrund der Hautfarbe von Menschen ausgedacht. Weil sie nicht wussten, woher diese Menschen kommen.

Das ist der gleiche Prozess wie bei vielen beleidigenden Wörtern. Es werden äußere Merkmale herangezogen, um ganze Menschengruppen zu diffamieren. Wir hatten neulich eine Diskussion zum Adjektiv „hautfarben“. Da gibt es eine mitteleuropäisch-zentristische Sicht, die bei hautfarben an einen hellen Ton denkt. Das haben wir geändert. Es gibt noch viele Wörter, mit denen wir uns befassen müssen.

Beim „N-Wort“ steht in der Bedeutungsübersicht nicht nur „Mensch mit dunkler Hautfarbe“, sondern „Mensch mit [sehr] dunkler Hautfarbe“. Warum?

Naja, das ist eine Frage der Definition. Jetzt ist alles, was ich sage, schwierig. Für einen Menschen, der in Deutschland geboren wurde, deutsche Eltern, blonde Haare, eine sehr helle Hauttönung hat, für den hat ein Mensch, der zum Beispiel aus der Türkei kommt, schon eine dunkle Hautfarbe. Den würde man aber nicht mit dem „N-Wort“ bezeichnen. Die eckige Klammer ist ein Zusatz, um eine klarere Abstufung zu machen.

Finde ich trotzdem absurd.

Wie würden Sie das Wort denn beschreiben?

Ich würde es am liebsten gar nicht beschreiben.

Da sind wir uns einig, aber an dem Punkt waren wir schonmal, dass wir Wörter nicht einfach weglassen können, weil sie uns nicht gefallen. Wir müssen uns diesen Wörtern stellen. Wir sind keine Zensurbehörde, die sagt: Dieses Wort darf nicht existieren. Das ist nicht unsere Aufgabe.

Welche politische Verantwortung trägt denn die Duden-Redaktion?

Die Duden-Redaktion erfasst, untersucht und beschreibt den Sprachgebrauch der deutschen Sprache.

Und da kommt das Wort Verantwortung nicht vor?

Doch, ganz groß sogar. Aber wir können nicht sagen, dass es das „N-Wort“ nicht gibt. Dass wir das Wort einordnen, mit so einem Kasten nochmal erklären, Hinweise zu dieser Konnotation geben – das ist unsere Verantwortung.

Sollten Journalistinnen und Journalisten einfach alle Wörter benutzen?

Natürlich sollen, können oder müssen sie alle Wörter benutzen. Wenn ein Journalist oder eine Journalistin über Diskriminierung in Deutschland schreibt, wird er oder sie das „N-Wort“ benutzen, aber natürlich in Anführungszeichen! Um darüber zu reflektieren, warum es diese Wörter in unserem Sprachgebrauch gibt. Er oder sie wird sie hoffentlich nicht wortwörtlich oder unreflektiert benutzen. Das wäre fatal. Über Wörter zu reflektieren, halte ich für wichtig, um vielen Menschen die Augen zu öffnen, was es heißt, so ein Wort zu benutzen. Journalistinnen und Journalisten spielen da eine entscheidende Rolle für diesen Diskurs.

Aber damit reproduziert man diese Wörter immer wieder.

Das ist das Problem an der Geschichte. Aber sonst können wir nicht über Sprache reden. Wir müssen benennen, worüber wir reden.

Kommt „Alman“ dann auch bald in den Duden als „salopp abwertend“ für Deutsche?

Puh. Wir kennen das Wort natürlich. Aber im Korpus ist das Wort noch nicht häufig aufgefallen. Wir können Kanäle wie Twitter nicht auswerten. Das wäre sehr interessant, aber es geht aus technischen und rechtlichen Gründen nicht. Der Großteil unserer Texte stammt aus Zeitungen und Zeitschriften. Da ist es längst nicht verbreitet. Von daher ist „Alman“ im Moment kein Aufnahmekandidat für uns.

20 Kommentare

  1. „Ich habe den Eintrag Freunden gezeigt, von denen viele aus den alten Bundesländern kommen. Die kannten das Wort gar nicht, und mit der Begründung aus dem Duden hatten sie den Eindruck, dass es legitim sei, das zu sagen.“

    Ich bin ein nun schon über 50 Jahre alter Wessi, der sein Leben in Baden-Württemberg und Hessen verbracht hat und kannte das Wort bis heute so auch nicht. Ich habe unter Fidji (so hätte ich es geschrieben) bislang entweder die Inseln oder den Staat verstanden. „Dummer Fidschi“ wäre für mich ohne Erklärung schwer verständlich gewesen, etwa wie wie „Dummer Grönland“. Es klingt nach fehlerhafter Grammatik. Müsste doch wenigstens Fidjianer/Fidschianer heißen.

    Ich vermute daher dass dieser Gebrauch im Süden sehr gering ist.
    Mehr als im Duden nachsehen bleibt mir da auch nicht…

  2. „Fidschi“ wude also im deutschsprachigen Raum häufig genug verwendet um es in den Duden mit aufzunehmen aber ich persönlich habe es noch nie gehört, geschweige denn gewusst das es „stark abwertend“ ist.
    Ich nehme an, man es hat überwiegend in Ostdeutschland gehört/verwendet ?
    Hoffentlich werde ich nciht verkloppt wenn ich im Asia-Laden nach „Fiji“-Wasser frage

  3. @6 / Onkel Hotte

    Was genau soll das jetzt bedeuten? Dass die Duden-Redaktion falsch liegt, weil Ihnen der Begriff und seine stark abwertende Bedeutung nicht geläufig ist?
    Oder ist das so ein „das wird man doch wohl noch sagen dürfen“-Ding?

  4. Ich kenne auch den Begriff „Bückware“, obwohl ich ihn nie gehört habe, weil ich ihn irgendwo _gelesen_ habe. Mit Erklärung.

    Persönlich halte ich es für besser, wenn so ein Begriff mit einer Einordnung, dass er abwertend ist, im Duden steht, als wenn er gar nicht darin steht. Schon, um Diskussionen ala „ist doch nicht so gemeint“ abzukürzen. Im Zweifel gilt der Duden. Wie in der Schule.

    Ich muss allerdings auch sagen, dass ich „salopp abwertend“ nicht einordnen könnte. Offenbar soll das schlimmer sein als „umgangssprachlich abwertend“, aber wenn ich raten müsste, hätte ich 50:50 falsch gelegen.

  5. @6/ Onkel Hotte

    Ja, das ist eine (überwiegend) Ostdeutsche Bezeichnung für Vietnamesiche Vertragsarbeiter. Das hat sich nach der Wende, zumindest war das mein Eindruck, stark negativ verstärkt, als die Vietnamesen, so wie die „Einheimischen“, plötzlich ohne Arbeit auf der Straße standen und nach neuen Einnahmen gesucht haben. Viele haben dann auf Märkten gestanden und neben dem (z.B.) Obst, unter der Hand Zigaretten verkauft (Steuerhinterzieher! Sche… Fid…., usw.usf.), dadurch und das sie jetzt in direkter (Job-) Konkurenz zu den „Einheimischen“ standen, verstärkte sich bei vielen diese negative Haltung ggü. den Vietnamesen.

    @7/ Wonko
    Ich denke mal die Frage von @6 ist legitim, es ist doch gut möglich das ihm der Begriff nicht geläufig ist und ER sich deshalb die Frage stellt „wird der Begriff häufig genug verwendet um in den Duden aufgeommen zu werden“.
    Der letzten Satz von @6 ist meiner Meinung nach genauso Überflüßig, wie der deinige.

  6. @Mycroft:
    „Persönlich halte ich es für besser, wenn so ein Begriff mit einer Einordnung, dass er abwertend ist, im Duden steht, als wenn er gar nicht darin steht.“

    Sehe ich genauso. „Salopp abwertend“ wertet es aber aus meiner Sicht als harmlose Neckerei, was es als Fremdbenennung definitiv nicht ist.

    Als Eigenbezeichnung (oder unter Freunden) ist das dann wieder was anderes. Genau wie beim N-Wort.

    @ Onkel Hotte: Ja, meines Wissens kam das in der DDR auf, als Bezeichnung für die Vietnamesen.

  7. Ich finde es ja erstaunlich, wenn man behaupten kann, man habe „Fidschi“ noch nie gehört. Spätestens nach der Annektion der DDR war das Wort in aller Munde, konnte man doch bei selbigem die billigen Zigaretten erstehen und die ersten rassistischen Ausschreitungen in der NFL-Zone waren gegen diese Zigarettenverkäufer gerichtet. Spätestens mit den Schmähungen gegen den FDP-Minister Rösler als „Fidschi“ sollte man davon gehört haben.
    Aber manche Menschen hatten wohl das Glück anscheinend Jahrzehnte unter Steinen oder auf fremden Planeten zubringen zu können.

  8. @Schnelliger:
    Ich kenne den Begriff ehrlich nur aus I-Net-Diskussionen. Liegt vllt. an meiner RL-Filterblase.
    Ist nicht dasselbe wie ein anderer Planet. Schade, eigentlich.

  9. Ich (aus dem Dreiländereck: Rheinland, Bergisches Land, Ruhrgebiet) habe das Wort in diesem Kontext auch noch nie gehört. Scheint wohl nichts mit Steinen oder anderen Planeten zu tun haben, sondern eher damit, dass das Wort in dieser Form nur in Ostdeutschland gebräuchlich ist – Gott sei Dank. Es erinnert mich irgendwie an das schreckliche „Kunde“, was ich pejorativ bisher so nur in Leipzig gehört habe.

  10. „Ich lass mir meinen Körper schwarz bepinseln….“
    Da ist einer einsichtig, sein Duden nicht aktuell zu haben, arbeitet nach und dann wird so ein Artikel veröffentlicht, dem meiner Meinung nach eine Gegenfrage fehlt… „Sie haben recht und wie oft möchten Sie jetzt Ihre berechtigte Empörung durch eine weitere Frage erneut zum Ausdruck bringen?“ dabei war die Duden-Redaktion doch echt schnell…

    Die vietnamesischen Vertragsarbeiter hatten es den Ossis nach der Wende aber wirklich nicht leicht gemacht, gemocht zu werden… außer man war scharf auf unversteuerte Zigaretten…

    Noch mal zum N-Wort… was heißt noch mal schwarz auf spanisch???

  11. Für mich war F. auf demselben Abwertungsniveau wie Itaker, als ich es noch öfter hörte, also in den 80ern. Sprachlich ist zudem zu unterscheiden, ob F. ggü. einem Vietnamesen als Anrede verwendet wird (dann offensichtlich deutlich abwertend, geradezu in beleidigender Absicht, wie von der Autorin erlebt), oder aber außerhalb deren Hörweite benutzt wird („Schatz, ich geh’ rasch zum F. ’ne Stange Zigaretten holen!“), dann ist es jenes „salopp abwertend“. Es ist anzunehmen, dass letztere Verwendungen im Korpus stärker vertreten sind.

    Ein „sollte nicht verwendet werden“ sollte nicht verwendet werden, höchstens in einem Wörterbuch für Fremdsprachler. Es darf keine Instanz geben, die Ver- und Gebote in sprachl. Dingen aufstellt.

  12. KLar, und Rostock-Lichtenhagen waren auch nur Zigarettenverkäufer-Kritiker und keine Rassisten, die vorm Sonnenblumenhaus zum „Fidschi klatschen“ erschienen.
    Vielleicht ist es beim mycroft aber auch nur die Gnade der späten Geburt oder taubes rechtes Ohr.

  13. Ich habe den Begriff in dem Zusammenhang auch noch nie wahrgenommen (RLP), ich hätte jetzt auch nur an die Inselgruppe oder deren Bewohner gedacht. Den einzigen Vietnamesen den ich kenne hab ich immer nur mit seinem Wohnort im Saarland aufgezogen. Aber das hat er mit einem Umzug nach Duisburg inzwischen selbst behoben. Billige Zigaretten kauft man hier in Luxemburg, wenn man’s (b)raucht.

  14. Ist wahrscheinlich eher die Gnade der frühen Geburt.

    Ich habe mir ehrlich Gedanken gemacht. Aber möglicherweise liegt’s auch einfach daran, dass ich nicht rauche.

    Wenn ich an Menschen mit vietnamesischen Hintergrund in meiner Gegend (zwischen Ruhrgebiet und Sauerland, also nicht so weit weg von Who run it?) fällt mir eine Frau aus dem hiesigen Architekten-und-Ingenieur-Verein ein und der Mann vom Lieferdienst, mit dem meine Mutter letztens eine längere Unterhaltung hatte. Sie hat ihn ganz sicher nicht das F-Wort genannt.
    Für die paar Leute mit vietnamesischen Wurzeln braucht man einfach kein neues Wort. (Braucht man auch sonst nicht, klar.)

  15. Das Wort ist wohl tatsächlich ein ostdeutsches (war mir bisher gar nicht so stark bewusst), und Westdeutschen, die es noch nie gehört haben, taube Ohren und ein Leben unterm Stein vorzuwerfen, erscheint doch ziemlich abwegig.

    @Werner L. / #15: „Die vietnamesischen Vertragsarbeiter hatten es den Ossis nach der Wende aber wirklich nicht leicht gemacht, gemocht zu werden“
    -> und das war: victim-blaming.

    Klar, DIE Vietnamesen waren Zigarettenschmuggler. Aber demnächst wieder rumheulen, wenn Ossis wegen Leuten wie Ihnen pauschal nicht gemocht werden, gell?
    Wer hat eigentlich all die billigen Zigaretten gekauft, ganz ohne Gewissensbisse? Doch oft genug dieselben Typen, die bei nächster Gelegenheit über die „kriminellen F…“ herzogen!

    „F…-Klatschen“ und andere rassistische Gewaltexzesse gab es übrigens schon in der DDR der 70er und 80er Jahre, das F-Wort sicherlich auch schon. Eine gute Übersicht dazu: https://www.mdr.de/investigativ/rueckblick/exakt/die-story/map-eds-angriffe-ddr-vertragsarbeiter-100.html
    Und da gab es noch keine Zigarettenschmuggler…

    Viele Ostdeutsche haben es den ehemaligen Vertragsarbeitern übrigens noch viel schwerer gemacht, gemocht zu werden. Trotzdem haben die sich nicht zum „Kartoffel-Klatschen“ verabredet.

    Und zum N-Wort: Wie heißt nochmal „racist creep“ auf deutsch?

    @Lars / #16: „Es darf keine Instanz geben, die Ver- und Gebote in sprachl. Dingen aufstellt.“

    Gib’t auch nicht. Wie Frau Kunkel schon sagt: „Wir reglementieren nicht, welche Wörter die Deutschen benutzen, aber wir haben eine Meinung dazu, ob man sie benutzen sollte oder nicht.“

    Der Kasten ist in dem Fall schlicht ein Hinweis, der salopp formuliert bedeutet: „Das ist eine rassistische Beleidigung. Es steht dir natürlich frei, das Wort trotzdem zu verwenden, aber dann bist du entweder ein Rassist oder ein Idiot. Sei lieber keins von beiden.“

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