Flugtaxi

Ich gebe zu, es war ein bisschen offensichtlich, dass ich dieses Wort wählen würde, denn es haftet mir an: „Dorothee Bär? Das ist doch die mit den Flugtaxis, oder?“ Genau! Und eigentlich, um ehrlich zu sein, hasse ich dieses Wort auch gar nicht. Im Gegenteil. Ich mag es. Sonst hätte ich es nicht gesagt.

Aber was ich daran nicht mag, ganz und gar nicht, ist die Tatsache, dass es in den vergangenen Wochen dann verwendet wurde, wenn man eine eigentlich sehr ernst gemeinte Sache ohne weitere Überlegung, ohne kurzes Zwischen-Nachdenken und einzig für einen kurzen Effekt ins Lächerliche ziehen wollte.

Das finde ich nicht schön, aber sicher: Als Politikerin muss man das aushalten. Das tue ich wie immer. Also nur kein Mitleid. Wirklich schade finde ich aber, dass damit jeglicher Diskussionsprozess über die Gestaltung unserer (digitalen) Gesellschaft von vornherein zunichte gemacht wird, weil sofort die Ebene der Ernsthaftigkeit verlassen wird und man ins Persiflagenhafte, belächelnd Gleichgültige abdriftet.

Ich mag das so verwendete Wort nicht, weil es mir zeigt, wie viele hohe Rösser es hierzulande noch immer gibt, von denen hinabzusteigen dringend nötig wäre, um die Debatte um den technologischen Fortschritt und die Gestaltung der nächsten Jahre nicht ausschließlich an der Tafelrunde vermeintlich ausgewiesener oder feierlich selbsterklärter Expertinnen und Experten zu führen, sondern in die Gesellschaft hineinzutragen. Dorthin, wo sie hingehört.

Ja, und ich nenne sie hier nochmal: Es geht auch um Flugtaxis, zum Beispiel, wenn wir Fragen der Mobilität diskutieren müssen, bei der Algorithmen, Künstliche Intelligenz und ethische Fragen eine wichtige Rolle spielen werden. Oder wenn wir uns überlegen müssen, welche Daten, die bei autonomen Systemen essentiell sind, zu welchem Zweck verwertet werden, und wie wir den Transfer sicher und fair gestalten können.

Ich wurde in besagtem Interview nach meinen Plänen als Staatsministerin gefragt und ich habe sie versucht darzulegen, wenige Stunden nach meiner Benennung. Ich halte diese Pläne für richtig. Aber alles, was aus diesem Gespräch hängen geblieben ist, ist ein Hashtag. Das ist mir zu wenig. Ich werde weiter daran arbeiten, dass es irgendwann mehr sein wird.

14 Kommentare

  1. Eine wunderbar geworfene Nebelkerze von Frau Bär und natürlich haben viele Medien ganz toll beim Verschleiern geholfen.

    Wenn sie von Flugtaxis fabuliert und damit über die Zukunft sprechen möchte, vermeidet sie es mehr oder weniger geschickt, sich für das Totalversagen der CDU/CSU bei der Digitalisierung in der Vergangenheit rechtfertigen zu müssen. Geht ja um die Zukunft! Flächendeckende Breitbandversorgung? Flugtaxis!

  2. …obwohl hier in der Innenstadt, gegenüber der ehem. WestLB bzw. des heutigen Innenministeriums, seit 25Jahren Glasfasern im Bürgersteig verlegt sind, damals noch im Zuge der sog. Wohnumfeldverbesserung unter J.Rau und ISIS, längst Geschichte, bekomme ich nicht mehr als 25M/bits. Die ja, aber mehr ist nicht, sagt selbst der Test bei der Telekom.
    Da können dann alle anderen Mitbewerber(hier ungewollt seit Hansenet, jetzt O2)nicht gegenhalten.
    Vodafone ist für mich als Düsseldorfer ganz sicher keine Option. Stellt auch nur auf seiner Homepage lapidar fest, das DSL möglich ist.
    Toll!
    Grosses Kino oder schöne neue Welt? Neuland für mich seit BTX?
    Nicht ärgern, nur wundern!

  3. …ach ja:
    Im Bundeskanzleramt heissen StaatssekretärInnen StaatsministerInnen.
    Ebenso im Aussenamt, warum auch immer.
    Das trifft sich im Falle Bär besonders gut, da bayerische Minister immer Staatsminister sind.
    Klingt gut, ist gut, weil der einfache(?) beirische Holzbuab das zu unterscheiden wohl kaum in der Lage ist.
    Das weiß Frau Bär natürlich auch, für bescheuert sollte man sie nicht halten, zumal es keinen Anlass für sie gibt, Begriffe richtigzustellen.
    trau, schau, wem!
    https://de.wiktionary.org/wiki/trau,_schau,_wem
    Ein Schelm, wer schlechtes dabei denkt…

  4. @1: Volle Zustimmung.

    Klar muss man über die Zukunft diskutieren, besser spät, als nie, auch bei der CSU. Dann sollte man als CSU aber auch dort einspringen, wo andere bereits lange sind. Zuhören und produktive Lösungen anbieten, statt selbst gegen Pseudo-Kritik auszuteilen.
    Werden Sie bitte nicht zur Seehoferin, Frau Bär.

  5. Ich finde es ja recht erstaunlich, dass Frau Bär ihr Auftritt zur Klimakrise bei Maischberger vor ein paar Monaten kein bisschen nachzuhängen scheint. Immerhin stellte sie dort auf explizite Nachfrage den (angeblichen?) Konsens der Regierungsparteien in Frage, nach der der Klimawandel maßgeblichst vom Menschen verursacht sei. Frau Bär übernahm damals das heutzutage beliebteste Argument unter den Leugnern „Ja, es wird wärmer. Irgendwie hat auch der Mensch damit zu tun aber ob das bisschen extra CO2 wirklich den Ausschlag macht?“
    Dabei wissen wir aus der Wissenschaft, das die bisherige Erwärmung ausschließlich auf die Verbrennung fossiler Rohstoffe zurückzuführen ist, alle anderen Faktoren (inkl. „kühlenden“ Aerosol-Ausstoß) sogar einen leicht negativen Effekt haben. Der Mensch wäre also sogar für ein wenig mehr als den bereits stattgefundenen Temperaturanstieg verantwortlich. Zweifel darüber gibt es eigentlich kaum. Und ich dachte eigentlich, dass das auch die offizielle Linie der CSU sei, oder ist man dort schon vollends von „Reden, aber nichts tun“ ins „Anzweifeln und deswegen nichts tun“ abgerutscht?

    Aber passt ja zur Flugtaxi-Idee. Wo der Mensch nichts fürs Klima kann muss man sich auch über die baubedingt schlechte Energiebilanz vom fliegenden Individualverkehr keine Sorgen machen.

  6. US-Fahrdienstleister Uber will schon ab 2020 ersteTestflüge mit senkrechtstartenden Flugtaxis angehen und 2023 kommerziell durchstarten. US-Gigant Amazon hat sich das „Flying Warehouse / Airborne Fulfillment Center“ patentieren lassen, während in Deutschland immer noch (seit 2002 !) das „Cargolifter“-Insolvenzverfahren läuft und deren Aktionärsvereinigung (immer noch) auf den „ganz großen Durchbruch“ hofft.
    Vielleicht läuft 2023 in Deutschland der letzte „saubere“ Diesel (dann evtl. mit Euroschadstoffgruppe 12d?) vom Band – vielleicht auch nicht .
    Ich bin gespannt und werde ab 2023 mal öfter in den Himmel gucken – vorher nicht …

  7. Also sicherlich gibt es große Probleme bei der Digitalisierung in Deutschland, die auch in Hinblick auf wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung Sorgen bereiten. Das ändert aber nichts daran, wie dumm und albern sich die Menschen verhalten haben, die damals auf so wahnsinnig originelle Weise über #Flugtaxis gespottet haben. Diese Technologie wird nämlich bereits ausgiebig getestet und entwickelt, sowohl von großen Konzernen als auch von Startups. Genau wie z.B. bei selbstfahrenden Autos (teilweise auch ohne Möglichkeit des Menschen, noch selbst zu steuern) reden wir hier nicht über 100 Jahre, sondern bestenfalls über 10 oder 15. Hätten einige Leute bei Frau Bärs Aussage damals ihr Hirn benutzt, hätten sie sich vielleicht auch etwas mehr mit dem Spott zurückgehalten.

  8. Das ist leider kein guter Beitrag. Frau Bär hat das Flugtaxi ja selbst in die Welt gesetzt. Es jetzt zum „Hasswort“ zu machen (und dann doch nicht …) ist sehr klein. Und zum Witzwort wurde es ja nicht, weil wir so kleingeistig sind, wir Internet. Sondern weil Frau Bär so weltfremd „argumentiert“. Breitbandausbau ist langweilig, ich will Flugtaxi. (Und Daten! Das Erdöl der Neuen Zeit!)
    Und: #Flugtaxi war auch Frau Bär einen Witz wert, als sie in der Bahn warten musste, bis Rettungskräfte einen Verletzten versorgen.

  9. @Daniel

    ‚Guter Beitrag‘ und ‚CSU‘ ist halt ein klassisches Antonym. Dabei lebt die CSU den Traum von Donald Trump: „I could stand in the middle of Fifth Avenue and shoot somebody and I wouldn’t lose any voters.“
    Lange bevor Trump diesen Satz gesagt hat, hat es die CSU mit Otto Wiesheu schon in die Tat umgesetzt. Der tötet kaltblütig und besoffen (1,99 Promille) mit dem Auto einen Menschen und wird zur Belohnung (ausgerechnet) bayrischer Staatsminister für Verkehr. Hätte es damals nur schon Flugtaxis gegeben…

  10. Ein weiterer Beweis dafür, das die Politik von John Doe keine Ahnung hat.
    Ein Schloss bauen wollen aber nicht mal ne Papphütte bauen können…

  11. Irgendwie gebe ich mich der Illusion hin, Doro Bär könnte das (für CSU-Verhältnisse noch halbwegs irgendwie) Akzeptable darstellen. Bei aller Tapsigkeit und politikermäßigen Schrecklichkeit ist sie mir spontan nicht komplett unsympathisch. Oje, jetzt ist es raus. Hat aber nichts zu sagen, ich befinde mich eh im permanenten Irrtum.

  12. Oooch, eine Runde Mitleid für Frau Bär…

    Die Digitalisierungsstaatsministerin, eine lupenreine „Parteisoldatin“, hat den digitalen Stillstand in Deutschland mit zu verantworten (siehe Selbstdarstellung am Ende mit erster und dritter Person in einem Satz ;-) und hat die Persiflage somit als Steilvorlage bei „Themen, die uns wirklich beschäftigen sollten“ selbst geliefert. Und nun mag sie das schlimme eigene Wort und mag es wieder nicht und bekommt mit ihrem recht schizophrenen Gegreine hier eine neue Plattform, auf der sie sich weiterhin nicht mit ihrer Verantwortung belasten muss, aber ihre Abgehobenheit weiter unter Beweis stellen kann. Toll!

  13. @12: Nee, kein Mitleid, steht auch im Text. „Schizophren“ ist hier auch nichts. Und dass in der Bio erste und dritte Person in einem Satz standen, lag nicht an Frau Bär, sondern war ein redaktioneller Fehler. Danke für den freundlichen Hinweis!

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