Krimis und Trödel: Die ZDF-Recyclingmaschine

Neulich wurde ZDF-Intendant Thomas Bellut auf einer Pressekonferenz gefragt, warum auf ZDFneo – dem Sender, der sich als „Innovationsmotor für die Programmfamilie“ bezeichnet – fast nur Wiederholungen liefen. Gerade einmal zwei originäre ZDFneo-Formate seien da zu sehen. Bellut widersprach, es seien mehr, „gestern Abend hatten wir einige Formate“, kapitulierte dann aber schnell: „Ich kann das jetzt nicht durchzählen.“

Wir helfen ihm da gern. Wir haben durchgezählt, vier Wochen ZDFneo-Programm. Die originären Formate, die Kochshow-Wiederholungen, die Quiz-Wiederholungen, die Naturdoku-Wiederholungen, die Spielfilm-Wiederholungen, die Krimi-Wiederholungen und die Wiederholungen der Krimi-Wiederholungen.

Zunächst die Theorie: Das Programmkonzept für ZDFneo ist in einer Anlage zum Rundfunkstaatsvertrag festgehalten. ZDFneo firmiert dort noch als „ZDF-Familienkanal“. Als Ziel wird formuliert, junge Familien zu erreichen, die sich immer mehr den Privatsendern zuwenden würden. ZDFneo solle die 25- bis 50-Jährigen und ihre Kinder erreichen – mit „vielfältigen Inhalten aus den Bereichen Bildung, Kultur, Wissenschaft, Beratung, Information und Unterhaltung“. Er bediene sich aller wichtigen Genres und beschäftige sich „insbesondere mit Inhalten aus den Bereichen Gesellschaft und Erziehung, Ratgeber und Service, Wissenschaft und Natur, Geschichte und Zeitgeschehen sowie Kultur“. Im Mittelpunkt der Zuschaueransprache stehe eine „realitätsnahe Orientierungs- und Ratgeberfunktion“. ZDFneo sei „komplementär zum Hauptprogramm“.

Gemeint ist damit offenbar: Während im ZDF-Hauptprogramm sehr viele deutsche Krimis laufen, besteht ZDFneo zu einem wesentlichen Teil aus ausländischen Krimis.

Der Genre-Mix in den vier Wochen, die wir untersucht haben, sieht so aus:

Hinter der Kategorie „Wissen“ verbergen sich vor allem Wiederholungen der ZDF-Reihe „Terra X“; unter „Trödel“ sind vor allem die Wiederholungen der Schnurrbartsendung „Bares für Rares“ zusammengefasst.

Diese Auswertung zeichnet aber in gewisser Hinsicht ein verzerrtes Bild, weil sie das komplette Programm beinhaltet, rund um die Uhr, also auch die zuschauerarmen Zeiten nachts oder tagsüber. Bei einem Blick auf die Primetime, die wir von 20:15 Uhr bis Mitternacht definiert haben, ergibt sich eine andere Verteilung:

Ein gewisses Profil als Trödel- und Wissens-Sender verdankt ZDFneo also der Daytime. Am Abend wird das Programm zu ZDFCrime. Geprägt wird es vor allem von „Inspector Barnaby“, einer bisher 116-teiligen britischen Krimiserie, von der das ZDF gelegentlich sonntags um 22 Uhr eine Folge zeigt und ZDFneo immer montags um 22:15 Uhr zwei Folgen.

In einer typischen ZDFneo-Woche läuft zur Primetime nach der „Tagesschau“ montags der Krimi „Inspector Barnaby“, dienstags der Krimi „Friesland“, mittwochs der Krimi „Ein starkes Team“, donnerstags der Krimi „Das Duo“, freitags der Krimi „Lewis“ und sonntags der Krimi „Bella Block“. Nur samstags läuft um diese Zeit ein Kinofilm, der mit etwas Pech nicht einmal ein Krimi ist.

Aber auch außerhalb der Primetime müssen Krimifans bei ZDFneo selten lange warten. Nachmittags zeigt der Sender gerne zwei 40 bis 50 Jahre alte Folgen der beliebten Reihe „Columbo“. Eine davon ersetzt er neuerdings allerdings durch zwei Folgen der zuvor von RTL, Super-RTL und Vox totwiederholten Serie „Monk“.

Nur auf ZDFneo läuft allerdings die französische Krimiserie „Candice Renoir“. Der Sender zeigte zwei Folgen täglich. Die Sendeplätze wurden jetzt von der britischen Krimiserie „New Tricks“ übernommen.

Im Schnitt füllte ZDFneo im Untersuchungszeitraum wöchentlich die meiste Sendezeit mit diesen Krimis:

Selbst die Wiederholungen von „Columbo“ kommen jedoch an Sendezeit nicht an die Wiederholungen von „Terra X“ und die Wiederholungen von „Bares für Rares“ heran:

Wieviel originäres Programm steckt in ZDFneo? Der Anteil an Eigenproduktionen betrug in den untersuchten vier Wochen immerhin 7,9 Prozent. Dazu zählen Jan Böhmermanns „Neo Magazin Royale“, das wöchentlich ausgestrahlt und jeweils dreimal wiederholt wird, und die Sitcom „Nix Festes“, die wie ein Nachzügler des deutschen Comedy-Booms Anfang der 2000er Jahre wirkt und von der ZDFneo ganze vier Folgen in Auftrag gegeben hat.

Gut die Hälfte der 7,9 Prozent machen aber die Wiederholungen von Vorabend-Quizformaten aus, die ZDFneo im vergangenen Jahr produziert hat: „Entweder – Oder?“ mit Ben Blümel und „Kennste den?“ mit Nelson Müller. Weitere Eigenproduktionen, die im Untersuchungszeitraum wiederholt wurden, sind die Trödel-Show „Viel zu bieten“, die Ranking-Show „Die glorreichen 10“ und die Sextherapie-Comedy-Serie „Komm schon“ von 2015.

ZDFneo ist außerdem Coproduzent bei der belgisch-deutschen Serie „Tabula Rasa“, deren neun Teile gerade zu sehen waren.

Als deutsche Erstausstrahlung verringern die Folgen von „Tabula Rasa“ auch den Wiederholungs-Anteil im Programm von ZDFneo. Die einzigen anderen Erstausstrahlungen in den vier Wochen waren die Premiere „Nix Festes“ und die jeweils neue Folge von „Neo Magazin Royale“. Insgesamt beträgt der Anteil an der Sendezeit damit 1,2 Prozent.

Bei einer großzügigen Auslegung könnte man auch „New Blood“ noch zu den Erstausstrahlungen zählen: Der BBC-Krimi lief zwar bereits im vergangenen Sommer auf dem Krimiplatz am Sonntag um 22 Uhr im ZDF-Hauptprogramm, allerdings nur in einer stark gekürzten Version.

So also sieht ZDFneo in vier zufällig ausgewählten Wochen im Frühjahr 2018 aus: viele Krimi-Wiederholungen, eine Jan-Böhmermann-Show, eine eigenproduzierte Sitcom, reichlich „Bares für Rares“ und, vor allem am Wochenende, stundenlang „Terra X“ am Stück.

Dass der Sender viele Wiederholungen zeigt, ist im Programmkonzept durchaus angelegt. Er „nutzt die Programmvorräte der ZDF-Familie neu und gewinnbringend und leistet durch wirtschaftliche und inhaltliche Synergien einen wichtigen Beitrag zur Amortisation kostbarer Ressourcen im Gesamtunternehmen“, heißt es da. Er könne „die Programmvielfalt, die vorliegenden Lizenzen und die Stärke des Hauptprogramms nutzen“.

Dass damit vor allem das Recycling von Krimis gemeint war, würde man aber angesichts der Selbstbeschreibung nicht ahnen, denn der Sender sollte sich „erkennbar von den Zielgruppenangeboten der kommerziellen Anbieter unterscheiden“:

Sein Ziel ist die Vermittlung von Wissen und Werten, die zu einer positiven Gestaltung der eigenen wie der gesellschaftlichen Lebenswirklichkeit befähigen. [ZDFneo] möchte mit seinem Programmangebot dazu beitragen, das Vertrauen speziell der Familien in ihre eigene Zukunft zu festigen und die Wertschätzung der jungen Familie in der Gesellschaft zu verstärken.

Als „zentral für die Erfüllung des Programmauftrags“ wird genannt: „Wissensvermittlung, Lebens- und Alltagsbewältigung, politische und (zeit-)geschichtliche Bildung sowie anspruchsvolle Unterhaltung“:

[Der Sender] leistet mit einer großen Bandbreite an Themen, Genres und Handschriften, mit Mehrheiten- und Minderheitenprogrammen einen Beitrag zum Zusammenhalt der Gesellschaft.

Das Programmkonzept enthält viele, relativ konkrete ambitionierte Projekte, von denen sich der Sender längst verabschiedet hat. Andererseits scheint er ein Ziel außerordentlich gut zu erreichen: Jüngere Zuschauer von den Privaten wegzulocken. Die Quoten steigen rasant. Im vergangenen Jahr legte ZDFneo bei den 14- bis 49-Jährigen um 0,5 Prozentpunkte auf 1,8 Prozent zu. Bei allen Zuschauern stieg der Marktanteil sogar um 0,8 Prozentpunkte auf 2,9 Prozent. Das ist vor allem „Bares für Rares“ und Krimis wie „Inspector Barnaby“ und „Wilsberg“ zu verdanken.

Auf die Frage, warum das ZDF den vermeintlich für Innovationen zuständigen Schwestersender ZDFneo als eine Wiederholungsplattform betreibt, sagte Intendant Bellut auf der Pressekonferenz:

Neo liegt im Augenblick bei 3,1 Prozent, bei jüngeren bei 2,6 – ich glaube, diese Erfolgsspur spricht für sich. Sie sollten uns eigentlich loben dafür, wie geschickt wir die Programmvorräte der ZDF-Gruppe nutzen, um sie dort bei Neo nochmal anzuwenden.

Tatsächlich kann man ZDFneo in der Kategorie „kostengünstige Quotenmaximierung durch geschicktes Programmrecycling“ Bestnoten geben: Die Berechenbarkeit durch Fokussierung auf Trödel und Krimi zahlt sich aus. Allerdings geschieht das um den Preis eines öffentlich-rechtlichen Profils und fast all jener Ansprüche, die im Senderkonzept formuliert sind.

Natürlich könnte das ZDF bei ZDFneo auch gezielt Perlen aus seinem Programm wiederholen, die etwas Besonderes sind – und nicht nur die Krimis, die im Hauptprogramm ohnehin schon größte Aufmerksamkeit bekommen haben. Doch das ginge vermutlich auf Kosten der Quote.

Das ZDF hat sich bei ZDFneo klar entschieden, was seine Priorität ist. Und aus der „Entwicklungsplattform“ und dem „Innovationsmotor“ eine bestens laufende Recyclingmaschine gemacht. Oder wie Thomas Bellut sagt: „Der Erfolg spricht für sich.“

30 Kommentare

  1. Ja, herzlichen Dank – genau deshalb habe ich mein Übermedien-Abo: Immer wieder den Finger tief in die Wunde „Zustand des ÖR-Rundfunk in Deutschland“ bohren.
    Kleinigkeit am Rande: in der Krimi-Balkendiagramm gibt es _zwei_ „Inspector Barnaby“-Balken. Kann ich die gedanklich aufaddieren? (Gefühlt: ja.)

  2. „dazu beitragen, das Vertrauen speziell der Familien in ihre eigene Zukunft zu festigen und die Wertschätzung der jungen Familie in der Gesellschaft zu verstärken.“

    Nichts festigt das Zukunftsvertrauen junger Familien besser wie stundenlang Mord und Totschlag und ältliche Ermittler mit Beziehungsproblemen.

  3. Mich würde mal eine vergleichbare Analyse anderer Sender interessieren. Walulis hat vor kurzem das Programm von Pro7 auseinandergenommen, die Wiederholraten sind dort auch ähnlich extrem.

  4. …es gibt ja die Alternative „ZDFInfo“. Dort konnte man sich über das sog. dritte Reich schlau machen. Bischen was mit Universum war auch noch. Oder bringe ich da was durcheinander mit „n-tv“, „Welt“?
    Ich blicke es nicht mehr. Bleibe ich bei „Arte“, aber da ist der Videotext kaputt.
    Ok, frische Luft, Fahrrad…
    Demnächst dann wieder „Dingsda“ mit der Betroffenheitsfr…e vom MDR.
    Entzückend…

  5. @Ekkehard: Auf „Dingsda“ braucht man gar nicht erst zu hoffen. Höppner ist mit dem Charme eines Besenstils eine absolute Fehlbesetzung für die Sendung, die eigentlich auch nur Leichenfledderei darstellt, und sie hat sehr offensichtlich keinerlei Bezug oder Freude am Thema.

    Wo sind eigentlich all die Inhalte hin, die mal für zdf.kultur produziert wurden? Beim Start DIESES Senders war mir eigentlich schon der Programmauftrag viel zu nah an zdf_neo. Bei der Abwicklung des Senders wurde doch versprochen, dass man ähnliche Inhalte auch auf allen anderen ZDF-Sendern zu sehen bekäme. Damit waren dann aber offensichtlich auch nur die Serienwiederholungen gemeint, die zuletzt das Programm füllen mussten.

    Und 3sat ist inzwischen auch zu einem komplett lieblos zusammengekloppten Programm verkommen. Warum man den Sender noch mitschleppen muss, ist auch so ein Mysterium. Es hat doch sichtbar niemand mehr Lust, den Sender irgendwie sinnvoll mit Programm zu füllen.

    Eigentlich kann man alle ZDF-Sender bis auf die Anteile für arte völlig rückstandslos abschalten. Wird kein Mensch vermissen.

  6. Auch das Wiederholen alter Krimis kann ja Bildungsfernsehen sein. Ich erinnere mich, daß bei „Der Alte“ mit Siegfried Lowitz als Kommissar Köster durchaus auch gesellschaftspolitische Themen vorkamen.

    So erinnere ich mich an eine Folge, in der Kommissar Köster sich mit einem Verdächtigen in einer Bar trifft und dieser seine Lebensgeschichte erzählt: Daß er für seine Homosexualität aufgrund des §175 im Gefängnis gesessen hat. Das wird inhaltlich nicht bewertet, sondern es wird sachlich dargestellt, daß es selbst noch in der Nachkriegszeit eine Zeit gab (die Zeit bis zum Jahr 1969), in der Männer wegen Sex mit anderen Männern zu Gefängnisstrafen verurteilt wurden.

    Ich erinnere mich auch an mehrere Folgen von „Der Alte“, in denen u.a. Klausjürgen Wussow mitspielte, und in denen es um die Flucht aus der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) ging.

    Fernsehkrimis können also durchaus interessante zeitgeschichtliche Dokumente sein.

    Nun schaue ich in die Statistik, die hier im Artikel zusammengetragen wurde, und ich stelle fest, daß dort weder „Derrick“ noch „Der Alte“ noch „Ein Fall für Zwei“ (mit so interessanten Folgen wie z.B. dem Dreiteiler „Morgengrauen“, wo Detektiv Matula selbst im Gefängnis landet) auftauchen. Wie kann das sein? Es geht doch um einen Sender des ZDF? Wie kann es sein, daß dieser zwar viele Krimi-Wiederholungen zeigt, aber überwiegend extern eingekauftes Material und nicht die eigenen Produktionen?

  7. @Daniel Rehbein: Gute Frage. Keine der Sendungen lief in den vier Wochen.

    Man stelle sich vor, ein solcher Sender würde alte Krimis kuratieren. Also, nicht einfach blind wiederholen, sondern zum Beispiel Themenabende zusammenstellen, besonders bemerkenswerte Folgen ausgraben und kommentieren, etc.!

  8. Toll, alte Krimis kuratieren. Das klingt nach einem wahnsinnig guten Rezept gegen den Krimi-Overkill. Bitte liefern Sie den ZDF-PR-Sprech-Abteilungen nicht auch noch Munition.

    Themenabende gibt’s doch bei arte und 3sat. Braucht es dafür noch einen dritten Sender?

  9. Was mir bei Wiederholungen und Krimis gerade einfällt: Sind eigentlich die diversen Einspieler für Programmhinweise irgendwie erhalten? Die spiegeln ja häufig den jeweils gerade aktuellen Humor und die aktuelle Fernsehlandschaft wider. Werden die mal wiederholt? Oder kann ich sie mit bestimmten Suchbegriffen bei Youtube oder in den Mediatheken finden?

    Ich erinnere mich, daß im ZDF früher das „heute-journal“ um 21:00 Uhr lief. Freitags lief aber der Krimi von 20:15 bis 21:15, deswegen kam das „heute-journal“ freitags um 22:00 Uhr. Als dann das „heute-journal“ einheitlich auf 21:45 Uhr gelegt wurde, gab es kleine Filmchen, die auf diese Programmänderung hinwiesen. Unter anderem waren da Männer in der Sauna zu sehen, die eilig nach Hause mussten, um rechtzeitig das vermeintlich um 21:00 Uhr laufende „heute-journal“ zu sehen, nur der eine informierte Mann blieb sitzen. Dieser Programmhinweis wurde auch freitags ausgestrahlt, dabei wurde an Freitagen das „heute-journal“ ja vorverlegt.

    Ich müsste auch irgendwo noch eine Kassettenaufnahme (also nur Audio) der Sendung „disco“ haben, nach der Frank Elstner eine neue Sendung mit dem Namen „Wetten dass“ ankündigt. Als eine mögliche Wette schlägt er vor „Wetten, daß Sie es nicht schaffen, die vier Beatles noch mal gemeinsam auf die Bühne zu bringen?“. Als dann die erste Folge dieser Live-Sendung lief, war John Lennon schon mehrere Monate tot. Alleine dieses kleine Filmchen mit der Ankündigung von „Wetten dass“ ist also auch schon ein historisches Dokument.

    Es gab ja auch mal eine Sendung extra für die Wiederholungen und Kommentierung kleiner Filmchen. Die hieß „Wiedersehen macht Freude“ und wurde von Elmar Gunsch moderiert. Gibt es ähnliches heutzutage?

  10. Wenn auch nicht unbedingt Krimis, fände ich es jedenfalls erheblich sinnvoller, jemanden dafür zu bezahlen, in den eigenen Archiven ordentliche Perlen auszugraben und durchaus mit redaktioneller Begleitung erneut zu senden, statt das Geld für den Einkauf fremder Produktionen auszugeben. Ich gucke gerne mal Bob Ross zu und irgendwo läuft auch die Tagesschau von vor 30 (?) Jahren, was durchaus manchen Erkenntnisgewinn mit sich bringt. „Neo“ ist daran zwar nichts mehr und eindampfen kann man die Spartensender schon noch ein wenig (Info und Neo zusammenlegen?), aber sowas wäre in meinen Augen besser als der Ist-Zustand.

  11. @7&8: Das Problem an der Stelle ist ein ganz dämliches: Die alten „Alte“ und „Derricks“ wurden in 4:3 produziert und liegen nicht in HD vor.

    Wenn nochmal Sendungen in diesen alten Formaten wiederholt werden, gibt es ganz böse Briefe von den Pixelzählern, die sich ganz bitterlich darüber beschweren, dass an ihren Breitbildfernsehen an den Seiten schwarze Streifen zu sehen sind. Deshalb hat besonders das ZDF Sendungen in den alten Bildformaten aussortiert.

  12. @12:
    Das wäre ja interessant, wenn es so wäre, gibt es dazu Belege, also dazu dass die ARD vor dem wütenden 16:9-Pixelzähler-Mob eingeknickt ist, meine ich?

    Btw. Star Trek TNG wurde in HD komplett neu von der Filmrolle abgescannt, die HD ist dennoch 4:3 und alle sind zufrieden. CBS hat da auch ein Statement zu veröffentlicht, bei Interesse findet man das auf YT.

    Das Problem bei der 4:3-16:9-Konvertierung ist, dass durch den Ausschnitt zuviele Inhalte (oben und unten) verloren gehen und man daher eher bei dem alten Format mit dem Manko der beiden schwarzen Balken links und rechts bleibt. Durch den Overscan kann man evtl noch Bereiche sichtbar machen, die es nicht in die 4:3 Version geschaftt haben, meist wird hier aber von abgesehen, da diese Bereiche auf dem Film oftmals nicht richtig belichtet sind oder aufgrund der physischen Nähe zum Celluloid-Rand bereits beschädigt / lädiert.
    Außerdem wird das Bild etwas schwammiger (weil quasi Zoom). Außerdem haben moderne TV Geräte eigentlich Hardwareseitig bereits diverse „Zoom“ Modi parat, die entweder oben und unten was vom 4:3 wegschneiden oder aber das Bild in der Breite „stretchen“.

    Dass die bösen Digitalos daran Schuld sind, dass alte Sendungen nicht mehr im ÖR gezeigt werden, halte ich für Mumpitz.

  13. @Anderer Max: Man glaubt gar nicht, was für einen Unfug die Sender aus Angst vor diesen dämlichen Zuschauern machen.
    Im rbb wurden vor einiger Zeit alle 100 Folgen vom Bergdoktor, die in den 90er für Sat1 produziert worden, wiederholt. Dabei war man sich nicht zu blöd, über die gesamte Laufzeit aller Folgen an den Seiten das Bild verschwommen aufgezoomt einzublenden, wie man es sonst nur bei Handy-Aufnahmen in Nachrichtenbeiträgen kennt, damit die volle Bildbreite auf Breitbildfernseher ausgefüllt war.
    Im NDR gibt es am Mittwoch kurz vor Mitternacht einen Sendeplatz für ganz alte Serien. Ich weiß nicht, wie das bei der aktuell laufenden aussieht, aber vor einiger Zeit bin ich dort auf eine Wiederholung einer Serie, die offensichtlich Ende der 60er (und zum Glück schon in Farbe) produziert wurde, die Studio Hamburg neu abgetastet, aber dabei auch auf 16:9 beschnitten hat. Das ist zwar nicht automatisch passiert, aber man sah ständig, dass oben oder unten irgendwas gefehlt hat, weil die Bilder einfach für das alte Format komponiert waren. Am wichtigsten an der Wiederholung war dann aber auch, dass man in den EPG „Produziert in HD“ schreiben konnte.

    Ich wage mal stark zu bezweifeln, dass von den alten ZDF-Serien bei den jeweiligen Produktionsfirmen überhaupt alle Original-Bildelemente aufbewahrt wurden, die man neu abtasten könnte. Dafür ist die Masse einfach zu groß. UND es müssten Leute bezahlt werden, die das auch tatsächlich machen.
    „Hart aber herzlich“ und andere US-Serien, die von zdf_neo und jetzt ONE wiederholt werden, wurden in Hollywood von 4:3 auf 16:9 aufgeblasen. Das müssen aber nicht die deutschen Sender bezahlen, sondern die bekommen einfach das fertige Sendematerial vom Lizenzgeber geliefert. Deshalb greift man auch lieber da zu, als sich um seine eigenen Programm-„Schätze“ zu kümmern.

  14. „(…) an den Seiten das Bild verschwommen aufgezoomt einzublenden (…)“
    Scheint Geschmackssache zu sein, ich find’s jedenfalls besser, als reine schwarze Balken.
    Ähnliches Wirkprinzip, wie TV-Hintergrundbeleuchtung (Ambilight, etc.).

  15. @Anderer Max: Man kann es natürlich als Geschmackssache bezeichnen, aber mich lenkt an der Stelle einfach ALLES vom Film ab, was nicht schwarzer Balken ist. Ich sehe dann mehr auf den Rand als die Bildmitte und lasse es dann lieber ganz bleiben, mir diesen optischen Mist anzusehen.

    Und für die Pixelzähler wichtig: Bei der SD-Ausstrahlung gehen vom eigentlichen Bild Bildpunkte verloren, es wird also unschärfer in der Mitte.

  16. @Blueko

    Nette Theorie.
    Nur das die 10:45 Stunden „Columbo“ in der Woche kaum zu dieser These passen. Deren 4:3 Ausstrahlung nervt die angeblichen Pixelzähler demnach weniger als bei „der Alte“

  17. Eine möglichst originalgetreue Bildreproduktion hat möglichst viele Pixel, auch nach A/D-Konvertierung. Die Prämisse ist jedenfalls richtig.

    Das mit der Unschärfe „in der Mitte“ müssten Sie mir noch mal erklären.
    Grundsätzlich ist jede Unschärfe, die filmisch nicht gewollt ist, zu vermeiden. Schlechter Scan ist schlechter Scan, die Kritik also berechtigt.

    Hier etwas zum Scanverfahren bei TNG:
    https://www.youtube.com/watch?v=rfYkloL3xbk

    https://www.youtube.com/watch?v=rfYkloL3xbk

    Auch „SD-Ausstrahlung“ ist Missverständlich:
    1. „SD“ ist keine aussagekräftige Bezeichnung. Nach Konvertierung in digital kann SD alles bedeuten, von 144p bis 560p (DVD). Analog kommt es da auf die Breite der Filmrolle an.
    2. SD digital oder analog? Nehme an, die Rundfunkanstalten senden alle per digital. Also wird die „Unschärfe“ durch die A/-D Konvertierug vorab entstehen, nicht durch die Ausstrahlung an sich.
    3. Auf dem Film liegen keine Bildpunkte vor, also können auch keine verloren gehen.

    Hier noch mal die Begründung, warum TNG in 4:3 gemacht wurde:
    https://www.youtube.com/watch?v=DQtWeor58rU

    Für Interessierte:
    Bonus-DVD der „The Kids are alright“ von The Who zeigt auch eine geniale Frame-by-Frame Restauration für Audio und Video, kann ich nur empfehlen!

  18. @Anderer Max: Mit SD-Ausstrahlung war der „alte“ Verbreitungsweg der Sender gemeint und nicht die HD-Variante.
    Ein SD-Bild besteht immer aus 720×576 Bildpunkten, egal ob in 4:3 oder 16:9 gesendet wird. Im Prinzip werden die Bildpunkte bei 16:9 in die Breite gezogen, aber es können nicht mehr werden. Bei einer nativen (in voller Auflösung) gesendeten 4:3-Sendung bleiben auf einem Breitbildfernseher an den Seiten automatisch die schwarzen Streifen, weil es für diese Bereiche keine Bildinformationen gibt. Wenn es aber wie beim Bergdoktor an den Rändern flimmert, werden eben auch für diese Bereiche Bildinformationen gesendet. Da sich jedoch die Gesamtzahl von 720×576 Bildpunkten nicht ändert, wird das eigentliche Bild in der Mitte mit weniger Bildpunkten gesendet als es maximal ginge.

    @Schnellinger: Die Programminformationen beim ZDF sind etwas spärlich und ich habe länger nicht selbst in die Sendung reingesehen. Aber bei einer schnellen Suche fanden sich im Netz Diskussionen, in denen auch zumindest für einige „Columbo“-Folgen von auf 16:9 beschnittenem Bildmaterial auf zdf_neo die Rede ist.

  19. @19:
    Äh, nein? ;)
    Also ich müsste da schon sehr viele Dinge falsch verstanden haben …

    „SD“ ist ein Modewort („Standard Definition“) und definiert rein gar nichts.
    Das wurde marketingtechnisch eingeführt um die dollen digitalen HD Auflösungen (720p, vermarketet als „HDready“ bzw. 1080p „FullHD“) klar von den össeligen SD-Formaten (z.B. DVD) abzugrenzen, damit sich der Endverbraucher noch einmal (schlecht interpolierte) Blu-Ray Versionen seiner Lieblingsfilme zulegt.

    720×576 ist das PAL Format.
    Nach Ihrer Definition wäre NTSC somit ja kein SD-Format.

    Derzeit können über Sat maximal 1080i übertragen werden, also genug um dem Bergdoktor-Bild informationen hinzuzufügen, ohne dass weniger Bildpunkte in der Mitte gesendet werden. Außerdem würde man eher homogen komprimieren, als bestimmte Bereiche zu reduzieren.
    Das reduzierte Bild müsste ja dann auch noch einmal separat nur zu dem Zweck gerendert werden – viel zu viel Aufwand.

    „Im Prinzip werden die Bildpunkte bei 16:9 in die Breite gezogen, (…)“
    Ein Pixel ist nicht dehnbar. Wenn dann wird die digitalisierte Bildinformation auf eine größere Pixelmenge aufgeteilt. Aber wie ich schon sagte, das macht man dann homogen über das ganze Bild mittels Kompression und nicht nur in der Bildmitte.

  20. @Anderer Max: Wir reden gerade an einander vorbei.
    Aber ich habe hier schon genug geschrieben und möchte diese Diskussion nicht weiter vertiefen, da sie nicht zum Thema des Artikels gehört.

    Entschuldigung an Boris und Stefan, es war nicht meine Absicht hier so viel zu schreiben.

  21. Anfang Januar wurde auf Neo die 1. Staffel SOKO 5113 wiederholt. War klasse, gerne mehr davon! Ähnlich „Auf Achse“ mit Manfred Krug, kam kürzlich auf One.
    „Derrick“ liegt beim ZDF im Giftschrank, nachdem die SS-Vergangenheit von Horst Tappert bekannt wurde und wird gar nicht mehr gezeigt.

  22. @BlueKO

    Heute Mittag kam Columbo in 4:3, auch so im VT-Programmfüher gekennzeichnet. Wikipedia weiß aber, dass Folgen ab 1989 (Season7) auch in 16:9 verfügbar sind. Also ist wohl beides richtig.

  23. Das ZDF hat in den letzten Jahren meines Wissens verschiedene Serien neu abtasten lassen.

    Für die 80er-Serie „Mit Leib und Seele“ kursierten z.B. bei den Ausstrahlungen auf den ZDF-Digitalkanälen teilweise für jeweils ein und dieselbe Folge verschiedene Master mit unterschiedlicher Bildqualität und (im direkten Vergleich) erkennbaren Unterschieden bei den Einblendungen der Credits. Diese Serie blieb aber immer im ursprünglichen 4:3-Format.

    Von „Ein Fall für zwei“ wurde offenbar eine große Zahl von Folgen remastert – in diesem Fall aber (leider) auf 16:9 umgeschnitten. Im ZDF-Hauptprogramm waren hiervon vor ein paar Jahren in einer langen Nacht die Pilotfolge von 1981 sowie ein paar spätere Schlüsselfolgen (wo z.B. die Anwälte wechselten) in HD / 16:9 zu sehen. Später gab es Wiederholungen vieler Folgen bei ZDFneo – ebenfalls mit neuem Master.

    Bei der „Ein Fall für zwei“-Pilotfolge konnte ich selbst vergleichen, daß man für die Neuabtastung zusätzliche Inhalte an den Seiten dazugewinnen konnte (das originale Filmformat bei der Aufnahme war wohl breiter als 4:3 – evtl. Super-16?) und im Gegenzug oben/unten ein paar Inhalte weggeschnitten hatte. Sah insgesamt gar nicht so schlecht gemacht aus – war aber natürlich nicht mehr das originale Bildformat.

    Für „Der Alte“ hatte ich mal gehört, daß es angeblich auch eine Neuabtastung für HD in 16:9 geben soll, hier fehlen mir aber weitere Informationen dazu.

    Entscheidend ist natürlich die Materiallage – also ob überhaupt noch das ursprüngliche Filmmaterial vorliegt. Bei der 60er-Jahre Kultreihe „Die Gentlemen bitten zur Kasse“ wurde das Filmmaterial irgendwann mal vernichtet, sodaß hiervon nur noch MAZ-Kopien verfügbar waren.

    Was Columbo betrifft, hatte RTL bereits in den 90er Jahren neue 4:3-Bildmaster in guter Qualität erstellen lassen (was bei einer Episode eine Verwechselung von zwei vorhandenen dt. Synchronfassungen zur Folge hatte, die bis heute nicht korrigiert wurde). Das ZDF hat aber offenbar wiederum neue Master bekommen (evtl. waren die RTL-Master noch nicht in HD) – hierdurch kamen die Columbo-Folgen der „zweiten Ära“ ab 1989 erstmalig in 16:9 nach Deutschland. Erstaunlich, denn eigentlich behält das US-Studio Universal bei seinen Serienklassikern auch für HD das 4:3-Format bei.

    Im Gegenzug gehört z.B. Sony zu den Studios, die für HD gerne auf 16:9 umschneiden. Dazu gehören neben Formaten wie Seinfeld auch diverse Krimiserien, die (um wieder auf das Ursprungsthema zurückzukommen) nach langer Zeit bei den Privaten nun wieder von ARD/ZDF für ihre Digitalkanäle eingekauft wurden – wie z.B. Hart aber Herzlich oder Drei Engel für Charlie. Evtl. hat man sogar jeweils für beide Bildformate (4:3 und 16:9) neu gemastert, denn Serien wie Seinfeld (von Sony als Distributor vertrieben) liefen in den letzten Jahren bei verschiedenen deutschen Sendern in beiden Formaten in guter Qualität (ob die 4:3-Fassung auch in HD vorlag, weiß ich nicht, es waren aber auch relativ neue Master die kein von einer NTSC-MAZ ungewandeltes Matschbild mehr hatten, wie noch in den 90ern).

    Klingt jetzt großteils alles ziemlich OT – paßt aber irgendwie doch zum Thema. Es geht ja schließlich nicht nur darum, mit welchen Inhalten man ein Programm bestückt – sondern auch wie man diese Inhalte technisch pflegt und für die Zukunft erhält. Die Digitalkanäle von ARD/ZDF können so auch eine Abspielfläche für Archivmaterial sein, um dies überhaupt mal in großem Umfange zu sichten und in geeigneter Form für die Zukunft zu sichern.

  24. Zur ÖR-Museumsdiskussion:
    Mir wäre es lieber das Archiv würde komplett online gestellt werden und diese ständigen Depublikationen hätten endlich ein Ende. Zusätzliche redaktionelle Betreuung und Themenschwerpunkte, etc. wären dann die Kür.

    Positiver Nebeneffekt: Verlinken auf ÖR-Inhalte wäre nicht mehr ausschließlich etwas für Freunde toter Links. (Vorausgesetzt das Archiv wird nicht x-mal umgebaut.)

  25. Ich bin etwas spät dran aber trotzdem:

    Wie passen den Graphik 3 und 4 zusammen? Lt. Beschriftung sind es die Sendezeiten der jeweiligen Formate in der gleichen Woche. Dennoch fehlt in Graphik 4 Columbo komplett und die anderen Krimis haben unterschiedliche Längen (z. B. Barneby 6:40 vs. 3:20).
    Ist da irgendwas schief gelaufen oder interpretiere ich dir Graphiken falsch? Und noch wichtiger: Stimmen die anderen Auswertungen trotzdem?

  26. @Ichbinich: Ja, da ist in der Beschriftung der Grafik 4 etwas schiefgelaufen. Da standen zwei falsche Sendungsnamen. („Columbo“ steht da aber zu Recht nicht: Diese Tabelle zeigt ausschließlich Nicht-Krimis, die davor ausschließlich Krimis.)

    Ja, die anderen Auswertungen stimmen trotzdem – die Rechnungen hatten damit nichts zu tun.

    Vielen Dank für den Hinweis!

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