Berliner Kultursenator sieht sich von „Spiegel“-Reporter getäuscht

Im „Spiegel“ steht diese Woche ein langer Text über den Tod einer Frau, die in Berlin an einer Überdosis Drogen gestorben ist. Geschrieben hat die Reportage Alexander Osang, der seit vielen Jahren beim „Spiegel“ arbeitet, ein renommierter Reporter, eine so genannte Edelfeder, mit etlichen Preisen dekoriert. Seine neueste Geschichte aber wirft Fragen auf, auch zu Osangs Arbeitsweise.

Ausriss: „Der Spiegel“

Auf sieben Seiten zeichnet Osang Leben und Tod der Frau nach, einer Anwältin aus den USA. Voriges Jahr geht sie mit ihrem Mann auf Weltreise, sie fliegen nach Südamerika, Europa, auch nach Berlin. An ihrem letzten Abend dort besucht das Paar, gemeinsam mit einem Freund, den Techno-Club Berghain. Sie feiern, tanzen, schlucken Pillen. Bis die Frau im Getümmel verschwindet.

Als ihr Mann sie wiederfindet, in einem Hinterzimmer des Clubs, krampft seine Frau, sie glüht förmlich, hat Schaum vorm Mund, beschreibt es Osang. Ihr Zustand verschlechtert sich stetig. Wenige Stunden später stirbt sie im Krankenhaus, offenbar an einer „sehr hohen Dosis MDMA“, wie die Gerichtsmediziner feststellen. Sie ist damals, Ende Juni 2017, gerade mal 30 Jahre alt.

Osang, der zufällig auf die Geschichte stieß, wie er sagt, hat mit mehreren Menschen über den Fall gesprochen, vor allem mit dem Witwer und dessen Eltern, die ausführlich zu Wort kommen. Und noch jemand äußert sich: der Berliner Kultursenator Klaus Lederer (Die Linke), der aber nun sagt, Osang habe ihn nie mit dem Tod der Frau und den Umständen konfrontiert.

Würde sie noch leben? Um diese Frage kreist der Text.

Osang ging es offensichtlich darum, Mitschuldige für den Drogentod der Frau zu finden, zum Beispiel im Club, wo nach Angaben des Ehemannes zunächst niemand einen Notarzt rufen wollte. Würde die Frau noch leben, hätte man sie schneller versorgt? Um diese Frage kreist der Text, und er kritisiert die Lokalpolitik, die so etwas wie das Berghain duldet, sogar als Standortfaktor rühmt.

In diesem Kontext tritt dann auch der tatsächlich kühl wirkende Kultursenator auf, eingeleitet mit dem Satz, die Berliner Kulturverwaltung schaffe den „ideologischen Überbau“ – für das Drogentreiben in Berliner Clubs, vor allem diesem Berghain. Dass Lederer schwul ist und das Berghain als schwuler Club gilt, passt offenbar gut ins Bild, jedenfalls erwähnt Osang es.

Osang nennt Lederers Worte ein „halbstündiges Plädoyer“, eine „Adresse an die Welt“, und er zitiert ihn wörtlich, unter anderem so:

„In Berlin sind in den Neunzigerjahren diese Orte gelebter Akzeptanz von Unterschiedlichkeit entstanden“, sagt Lederer. „Die Regel ist: ,Leben und leben lassen.‘ Auch den Umgang mit Drogen kann man lernen. Drugscouts sind eine Form der Solidarität. Man muss an solchen Orten die Regeln untereinander aushandeln. Da können sich Politik und Medien nur schwer einmischen. Es hilft auch nicht, da mit einer Hundertschaft Polizei einzumarschieren. Die Klubs sorgen schon selbst dafür, dass sie keine Drogenumschlagplätze werden. Klubs sind weit mehr als ein Standortfaktor. Sie sind Orte von Solidarität und Toleranz und Andersartigkeit. Das ist ein Erfolg von Berlin, dass wir das aushalten. Das muss immer wieder erkämpft werden.“

Es klingt alles so, als würde Lederer den Tod der Frau für ein lebendiges Clubleben in Kauf nehmen. Er erwähnt sie in keinem Wort. Nur: Wurde er überhaupt nach ihr und ihrem Tod befragt?

Auf Twitter schrieb Lederer am Sonntag: „Von diesem tragischen Tod habe ich gestern erstmals erfahren. Dazu hab ich mich niemals geäußert.“ Das, in Anführungsstrichen: „wörtliche Zitat“ in der „Spiegel“-Reportage sei „die ziemlich willkürliche unautorisierte Zusammenfassung eines Dreiviertelstundengesprächs, das mir als ‚Hintergrund zu Clubkultur‘ angekündigt war.“ Lederer fühlt sich verschaukelt von Osang. Der Text erwecke den Eindruck, er würde den Tod der Frau „billigen“, und dass er „quasi der ideologische Täter“ sei.

Alexander Osang erklärt dazu auf Anfrage, er habe Lederer „darüber informiert, dass ich am Beispiel des Berghain einen Text über die Bedeutung der Klublandschaft in der Stadt schreiben will, der durch den Drogenunfall einer Touristin inspiriert wurde. Und genau darum ging es.“ Dass es sich um ein Hintergrundgespräch gehandelt habe, also ein Gespräch, aus dem in der Regel nichts zitiert wird, sei ihm „nicht signalisiert worden“. Dass er es selbst in seiner Anfrage an Lederer so genannt haben soll, darauf geht Osang in seiner schriftlichen Antwort nicht weiter ein.

Was untergeht: Die Frau nahm zwei Pillen. Von einem Fremden.

Fragt man dazu bei Lederer noch mal telefonisch nach, spürt man seinen Zorn. Er schätze Osang als Journalist, deshalb sei er dessen Bitte um ein Gespräch sehr kurzfristig nachgekommen. Dass sich Osangs Geschichte um einen durch Drogenkonsum verursachten Todesfall drehe, habe er „zu keinem Zeitpunkt“ erkennen lassen. „Sonst hätte ich mich dazu entsprechend geäußert.“ Auch in Osangs Anfrage vor gut zwei Monaten sei davon keine Rede gewesen, versichert Lederers Mitarbeiterin.

Es ist schon komisch: Osang sagt, er habe Lederer „informiert“. Er sagt nicht: „Wir haben eine halbe Stunde über den Tod gesprochen.“ Und er behauptet, er habe einen Text über die „Bedeutung der Klublandschaft in der Stadt“ schreiben wollen. Darum geht es im Text aber nicht. Es geht um die Frau, um Drogen, ums Berghain. Und um die Frage, wer verantwortlich ist für das Unheil. Die Managerin, die nachts Dienst schob? Die Betreiber des Clubs? Die Politik?

Das sind Fragen, die man stellen kann. Nur problematisiert Osang einen Aspekt gar nicht: Die Frau nahm zwei Pillen in dieser Nacht. Zwei. Wie das Magazin „Vice“ mit Bezug auf den Fall schreibt, sei eine Viertelpille zum Start üblich, alles andere: völlig verrückt. Zumal die Pillen von einem Fremden kamen und die Frau obendrein Alkohol trank. Drogenberater würden das mindestens leichtsinnig nennen. In Osangs Text steht auch, es sei „zumindest zweifelhaft“, dass die Frau gerettet worden wäre, hätten die Helfer schneller reagiert. Sagt die Gerichtsmedizin.

Und was ist mit Rob, dem Freund, der das Ehepaar in den Club begleitete? Er kaufte neue Pillen, nachdem der Frau jene, die sie mitgebracht hatte, am Eingang des Berghains abgenommen wurde. Rob gab sie der Frau dann, erst eine, dann zwei, weil sie angeblich danach verlangte. „Du kennst doch Jenn“, soll er zu ihrem Ehemann gesagt haben. Aber: War ihm nicht klar, was zwei Pillen bewirken könnten? Trägt er Mitschuld? Das wird nicht mal zwischen den Zeilen thematisiert. Auch nicht, weshalb Rob ganz kurz nach dem Vorfall abreiste, noch vor dem Tod der Frau. Er ließ den Ehemann allein zurück.

So viele Fragen – aber sie werden von Osang nicht gestellt

Der Text kritisiert stattdessen, dass die Polizei zu wenig ermittelt habe. Bei Rob, der in den Niederlanden wohne, hätten sich die Ermittler nie gemeldet, dabei finde man seine Telefonnummer „in fünf Minuten im Internet“. Die Gegenfrage wäre: Wieso hat sich Rob nicht selbst bei der Polizei gemeldet? Die Familie der Frau hat ja offenbar ein Interesse daran, dass nachträglich mehr Licht in die Nacht kommt. Rob nicht? Wieso? Und weshalb äußert sich Rob nicht in Osangs Geschichte? Er ist doch so leicht erreichbar.

Das ist alles rätselhaft. Man kann so viele Fragen an diese Geschichte stellen, aber Osang stellt sie nicht in seinem Text. Dabei mangelt es ja nicht an Platz im Gesellschaftsteil, er hat ganze sieben Seiten, abzüglich Werbung. Osang schreibt stets sehr nah am Schicksal der Familie entlang, an deren Wunsch, den Tod ihrer Tochter und Ehefrau zu klären. Dabei verliert er alles andere aus dem Blick, das ein journalistischer Text dazu hätte leisten können.

Und ob er den Kultursenator Lederer hinters Licht geführt, ihn nie nach der Frau befragt hat, oder ob Lederer das bloß behauptet, lässt sich nicht zweifelsfrei klären. Der eine sagt so, der andere so. Aber: Wieso sollte Lederer das ignorieren, hätte man ihm gesagt, worum es in dem Text geht?

Nachtrag, 12.4.2018. Auch der Polizist, den Alexander Osang in seiner Reportage als balinernden Depp mit vertrockneten Gummibäumen verspottet, fühlt sich vom Reporter getäuscht und findet die Darstellung seiner Person „ehrverletzend und völlig unangebracht“. Mehr dazu in den Kommentaren.

Unbeirrt von der Kritik plant die Produktionsfirma Letterbox, eine Tochter von Studio Hamburg, eine Miniserie über den „Mythos der deutschen Hauptstadt als Club- und Partyhochburg“, die auf Osangs Reportage basieren soll, wie DWDL berichtet. Osang soll auch die Drehbücher schreiben.

Auch „taz“ und „Vice“ hatten die Reportage kritisiert.

38 Kommentare

  1. Ich habe den Artikel gestern gelesen und mich hinterher geärgert, dass ich 39 LaterPay Cent dafür ausgegebe habe , ich fand den sehr befremdlich. In 1 Satz zusammengefasst, kann man die Geschehnisse zusammenfassen mit: „Frau nimmt 2 Ecstasy Pillen (die ihr ein Kumpel besorgt hat) und stirbt daran“. Vielleicht ist das der kleine FDP Wähler in mir (Eigenverantwortung und so…und, nein, ich wähl die nicht wirklich), aber ich hab mich wirklich gefragt, warum man da 8 seiten Geschwafel drüber schreibt, dass der Ehemann unbedingt externe Schuldige daran finden will – allerdings weder sich selber noch den Kumpel da als potentielle Kandidaten ausmacht – und warum mit keinem Wort erwähnt wird, dass es gesundheitlich gesehen keine gute Idee ist Partydrogen zu konsumieren.

  2. Ich hatte schon bei einem der Eingangssätze Osangs aufgehört zu lesen: „Niemand scheint verantwortlich zu sein.“ Doch! Die Frau! Zu allererst sie, will man ihm entgegen rufen.

    Jetzt habe ich es doch zu Ende gelesen.
    Auch die Beschreibungen Schremms u.a. erscheinen sehr merkwürdig. Immerhin: Auch Schremm hat im Vorfeld nichts oder nicht das Wahre über die Themen des Gesprächspartners Osang erfahren. (Er dachte, es ginge um Legal Highs.)

  3. Ich habe den Artikel ebenfalls gestern gelesen und fand ihn jetzt nicht so wahnsinnig befremdlich – er kam mir vor wie ein passabel gebautes Rührstück ohne Erkenntnisgewinn. Kann man schon machen. Aber auch so Sätze wie (sinngemäß) „Ihr Freund wunderte sich, wie schlecht die Zivilpolizisten gekleidet waren“ hinterlassen zumindest die Frage, was man damit aussagen will. Daß sie eine passende Verkleidung gewählt haben? Erscheint mir im Kontext nicht sehr plausibel.

    Der Hintergrundartikel hier gefällt mir daher sehr gut!

  4. Ich finde die Kritik von Boris Rosenkranz in Teilen etwas unfair.

    Zum Beispiel: „Und er behauptet, er habe einen Text über die „Bedeutung der Klublandschaft in der Stadt“ schreiben wollen. Darum geht es im Text aber nicht.“

    Das ist nachprüfbar so nicht richtig. Natürlich geht es um den Tod einer Frau – aber es geht nicht nur darum, wer verantwortlich ist. Osang geht ab Seite 63 im Spiegel einer Frage nach, die (offenbar) ein Polizist handschriftlich im Kontext von zwei Drogen-Einsätzen innerhalb weniger Stunden im Berghain vermerkt hat: „Was sagt eigentlich die Spezial-Dienststelle zu solchen Zuständen im Berghain?“

    Daraus folgt ein Besuch bei eben dieser Dienststelle im LKA (ein frustrierendes Ereignis), als nächstes ein allgemeiner historischer Abriss über das Berghain und über dessen Bedeutung für den Berlin-Tourismus etc., bis Osang dann endlich auf Klaus Leder trifft. Wir sind an dieser Stelle etwa eine Lese-Seite von der toten Frau entfernt.

    Aus den allgemeinen Erläuterungen Lederers wird klar ersichtlich, dass ein Laden wie das Berghain offenbar eine Sonderstellung genießt. Jeder normale Laden würde m.E. nach nur einem eklatanten Drogen-Vorfall auf links gedreht. Das Berghain wird offensichtlich von Durchsuchungen verschont, und bei Lederer vermengt sich ebenso offensichtlich ein erstaunliches Vertrauen in die allgemeine Drogen-Selbstkontrolle von Szenedisko-Betreibern mit einer Art kumpelhafter Freundschaft zu eben diesen.

    Man kann das alles subsumieren, wenn man das Berghain als Ort eines Drogentodes beschreibt. Wo es eigentlich zur Polizei-Routine gehört hätte, den Verdacht auf eine unterlassene Hilfeleistung schnellstmöglich abzuklopfen. Dass 6 (sechs!) Monate später Gerichtsmediziner feststellen, eine frühere Rettung wäre nicht zwingend erfolgreicher gewesen wäre, kann ja diese Nicht-Ermittlung der Polizei nicht im nachhinein entschuldigen.

    Osang geht vor allem der Frage nach, wie es sein kann, dass das Berghain als eine Art schwarzes Loch geführt werden kann, aus dem nichts nach draußen dringt. Wo Polizisten offenbar ungern ermitteln, wo – offenbar auch mit politischer Rückendeckung – keine behördlichen Kontrollen stattfinden. Und dass es auch und gerade deswegen so schwer sei, Licht in die Sache mit der toten Frau zu bringen. Er behauptet nicht, dass dieser oder jener Mensch verantwortlich sei – sondern vielmehr, dass die Frage nach einer solchen Verantwortlichkeit gar nicht erst gestellt wird. Weil, wie gesagt, Läden wie das Berghain offenbar einen Sonderstatus innehaben.

  5. Kenne den Originaltext nicht und kann den Widerspruch nicht aufklären: Aber am Anfang steht, es seien die Eltern des Witwers, am Ende liest es sich aber so, als wären es ihre eigenen Eltern.

  6. Wenn ich mich richtig erinnere, ging es nur um die Eltern des Mannes, die der Frau konnten vom Reporter nicht kontaktiert werden.

  7. @ TH

    Und in Berlin untersteht die Polizei dem Kultursenator, oder wie? Deshalb bestimmt der auch, wer einen Sonderstatus hat und wer nicht. Klingt total einleuchtend. ;)

    Menschen, die für etwas Spaß eine Selbstschädigung bis hin zum Tod in Kauf nehmen, sind auch schwer zu beschützen. Was erwarten Sie da eigentlich von der Polizei? Mehr war on drugs, weil das so super funktioniert? Einziger OECD-Mitgliedsstaat mit einer sinkenden Zahl von Drogentoten ist meines (Halb-)Wissens nach Portugal und dort gehen sie in der Drogenpolitik andere Wege.

  8. #4, TH: Sie legen sich ja mächtig ins Zeug.

    Osang geht ab Seite 63 im Spiegel einer Frage nach, die (offenbar) ein Polizist handschriftlich im Kontext von zwei Drogen-Einsätzen innerhalb weniger Stunden im Berghain vermerkt hat … Aus den allgemeinen Erläuterungen Lederers wird klar ersichtlich , dass ein Laden wie das Berghain offenbar eine Sonderstellung genießt.

    Abgesehen davon, dass es schon bis hier ein bisschen viel „offenbar“ ist (geht ja auch so weiter): Wie kann etwas „offenbar“ und zugleich „klar ersichtlich“ sein?

    bis Osang dann endlich auf Klaus Leder trifft. Wir sind an dieser Stelle etwa eine Lese-Seite von der toten Frau entfernt.

    Nicht wirklich, wir werden mitten in den Ausführungen über Lederer mit der Nase auf sie gestoßen:

    „Es ist ein halbstündiges Plädoyer des Kultursenators, eine Adresse an die Welt. Es ist dunkel, und es regnet auf die Berliner Mitte, in der die Kulturverwaltung steht, ein schwarzer Regen, so schwarz wie die Garderobe von Lederer, und in diesem Moment versteht man, was Jennifer hier suchte. Man begreift, dass es kein Zufall war, der sie hierhergeführt hat.“

    Sie haben das „offenbar“ überlesen?

    Jeder normale Laden würde m.E. nach nur einem eklatanten Drogen-Vorfall auf links gedreht.

    Ja, im TV-Krimi.

    „Wo Polizisten offenbar ungern ermitteln, wo – offenbar auch mit politischer Rückendeckung – keine behördlichen Kontrollen stattfinden.

    Offenbar, offenbar …

    Weil, wie gesagt, Läden wie das Berghain offenbar einen Sonderstatus innehaben.

    Und zum Ende noch mal „offenbar“. Und nach dem Berghain-rant jetzt „Läden wie das Berghain“ …

    Seriös ist das nicht.

    Aber passt zu dem Artikel (schade um das Geld), ein sprachlich gruseliges Rührstück („ein schwarzer Regen, so schwarz wie die Garderobe von Lederer“, auweia), das kein Klischee auslässt. Und am „Mythos Berghain“ eifrig mitstrickt, indem er alles, was andere so Tolles über den Club sagen, nochmal wiederkäut. Wahrscheinlich sind die nächsten Party- und Drogentouristen aus den USA längst unterwegs, vielleicht halten sie jetzt auch nach den „schlecht gekleideten“ Zivilpolizisten Ausschau, so als Extra-Kick. Und weinen dann, wenn ihnen die oder die Türsteher die Drogen wegnehmen.

    Disclaimer: Ich lebe nicht in Berlin, ich war noch nie im Berghain und wüsste auch nicht, was ich da sollte.

  9. @Lars, 10:

    Der taz-Artikel läuft nach dem Motto: legalize den Scheiß, dann gibt´s auch weniger Stress.
    Die beiden im Spiegel aufgelisteten Zwischenfälle im Berghain mitsamt RTW-Einsätzen waren aber keine harmlosen Vorkommnisse. Außerdem hat auch der taz-Artikel eine sehr saloppe Auffassung von Polizeiarbeit. Wegen eventuell unterlassener Hilfeleistung nicht mal Leute befragt? – ach komm, Frau wäre doch vielleicht sowieso gestorben.

    @someonesdaughter:
    Ich fürchte, wenn ich mich mit Ihnen auf eine Diskussion einlasse, wird der Schaum vor ihrem Mund nicht weniger. Also lass ich es. Und: ja, ich schreibe lieber einmal mehr „offenbar“, wenn ich etwas nicht genau weiß. Dumme Angewohnheit von mir, so sorry. Aber nett, dass Sie so eine fleißige Aufzählung gemacht haben.

  10. #11, TH: Sie drehen aber schnell hohl. Heute morgen die falsche Pille erwischt?

    Der taz-Artikel läuft nach dem Motto: legalize den Scheiß, dann gibt´s auch weniger Stress.

    Unfug. Der taz-Artikel zeigt auf, wie erfolgreiche Strategien im Umgang mit Drogen aussehen können. Der prohibitive Ansatz mit immer neuen restriktiven Maßnahmen im Rahmen des sog. ‚war in drugs‘ produziert nämlich nur eines: Immer mehr Elend. Und er sorgt dafür, dass die Gewinne für die Dealer schön hoch bleiben. Aber vielleicht ist das ja auch Sinn der ganzen Sache.

    @someonesdaughter:
    Ich fürchte, wenn ich mich mit Ihnen auf eine Diskussion einlasse, wird der Schaum vor ihrem Mund nicht weniger.

    Wenn Sie schon glauben, beleidigend werden zu müssen, weil Ihnen Argumente fehlen, achten Sie doch wenigstens auf die korrekte Bezugnahme. Wer ist mit „ihrem“ gemeint? Ich? Dann muss es „Ihrem“ heißen. Und jetzt putzen Sie sich mal den Mund ab.

    Aber nett, dass Sie so eine fleißige Aufzählung gemacht haben.

    Wenn Ihnen das unangenehm ist, dass Leser sich mit dem befassen, was Sie vom Stapel lassen, schreiben Sie nichts. Oder nur in Ihrer Filterblase, wo es keinen Widerspruch, kein Hinterfragen, keine kritische Auseinandersetzung gibt.

  11. Nur geliert bei Ihnen eine gewisse Menge an „Offenbars“, wo sie eben noch etwas nicht genau wussten, dann zu einem „klar ersichtlich“. Scheint mir „m.E.“ offenbar offensichtlich, dass das klar ersichtlich ist.

    „Aus den allgemeinen Erläuterungen Lederers wird klar ersichtlich, dass ein Laden wie das Berghain offenbar eine Sonderstellung genießt. Jeder normale Laden würde m.E. nach nur einem eklatanten Drogen-Vorfall auf links gedreht. Das Berghain wird offensichtlich von Durchsuchungen verschont, und bei Lederer vermengt sich ebenso offensichtlich ein erstaunliches Vertrauen“ …

  12. Someonesdaughter:

    Sie haben Recht. Ich sollte hier nicht mehr kommentieren Danke für Ihren (Sie sehen, ixh schaffe es auch ohne Tippfehler) freundlichen Hinweis, dass man hier entweder nach Ihren Regeln spielen sollte oder gar nicht. Tschüss.

  13. Zuerst: Ich habe den Spiegel-Artikel – noch – nicht gelesen, kann also nur auf die hier enthaltenen zurückgreifen.
    „…Und ob er den Kultursenator Lederer hinters Licht geführt, ihn nie nach der Frau befragt hat, oder ob Lederer das bloß behauptet, lässt sich nicht zweifelsfrei klären. “
    In meinen Augen machen gerade die Aussagen Lederers deutlich, dass es durchaus sinnvoll gewesen sein könnte, ihn zu interviewen, ohne auf den Todesfall einzugehen. Wenn Lederers Aussagen in diesem Fall andere gewesen wäre, wäre das schon recht entlarvend: Allgemein gesehen wäre Drogenkonsum in Szeneklubs also eine Frage des Aushandelns und in Ordnung – solange, bis etwas schiefgeht, dann würde sich die Haltung von jetzt auf nachher vollständig ändern?

  14. #14: Auch wenn Sie gerne persönlich werden: das sind nicht _meine_ Regeln, aber bitte: Dann werden wir halt nie erfahren, wie beachtliche Mengen raunender „offenbar“s bei Ihnen so schnell zu „klar ersichtlich“ mutieren können. Wie schade. Nicht.

  15. Vllt. nicht klar ersichtlich, aber sehr wahrscheinlich:
    Wenn man Lederer zu einen konkreten Todesfall befragt hätte, hätte er entweder etwas konkretes gesagt, oder aber, da das nicht direkt in seinen Ressort fällt, nichts gesagt mit dem Hinweis, sich deshalb an die Zuständigen zu wenden.

    Dass man an „solchen Orten“ die Regeln selbst aushandeln kann, heißt im Übrigen weder, dass man das tut, noch, dass sich dann alle dran halten. Vor allem, wenn „alle“ auch Leute beinhaltet, die unter Drogen stehen.

  16. Ich versuch‘s mal ohne Schaum vorm Mund und ohne den anderen zu unterstellen:

    @TH: Wer die Kritik von Boris Rosenkranz unfair findet, sollte diesen Fairness-Ansatz vielleicht auch gegenüber dem hier verlinkten taz-Text verfolgen. Dieser Artikel lässt sich wirklich nicht nur auf ein „Legalize den Scheiß“ reduzieren. Das klingt zwar am Ende des Textes an, aber der Großteil handelt von praktischen Strategien, das teilw. tödliche Risiko von Drogenkonsum, den es nun mal mit und ohne strafbaren BTM-Besitz gibt, wenigstens zu verringern. Ein weiteres Thema ist die Kritik am Osang-Artikel selbst: Nämlich dass dort nur der Mythos des Berghain (weiter) gehypt wird – ohne Interesse an den echten Problemen mit Drogen. Dieser Sichtweise muss man nicht folgen, um das als Inhalt des Textes anzuerkennen.

    Ansonsten frag ich mich halt auch, wie Sie sich ein „auf Links drehen“ eines solchen Tanzschuppens vorstellen. Groß-Razzia und Tausende Besucher machen sich nackig und lassen sich in alle Körperöffnungen gucken? Und was soll das bringen? Oder gleich dichtmachen? Man muss dann allerdings zur Kenntnis nehmen, dass Drogen genauso in jeder niederrheinischen Dorfdisko zum Standardrepertoire gehören (oje, ich befürchte, die Berliner Partyszene macht sich gar keine Vorstellungen über die Zustände am Niederrhein.). Ihre Vermutung, dass Maßnahmen unterbleiben, weil das Berghain irgendwie protegiert wird, ist jedenfalls mehr als vage. Auch dafür, dass Ermittlungen wegen unterlassener Hilfeleistung nicht anlaufen oder ggf. im Sand verlaufen, gibt es nun wirklich einige andere mögliche Erklärungen (nicht alle sind zwangsläufig schmeichelhaft für die Behörden).

    @Sandra: Wenn Lederer sich in Kenntnis des eigentlichen Anlasses von Osangs Reportage anders geäußert hätte, wäre das nicht entlarvend, sondern völlig normal. Jedenfalls wenn er seine Beschreibung der Berliner Clubszene dann nicht komplett konterkariert hätte. Aber es ist doch völlig klar, dass man unterschiedliche Aspekte anspricht und betont – abhängig davon, ob man gerade zum kulturellen Rang einer Clubszene befragt wird, oder zu einem konkreten Todesfall. Oder glauben Sie, dass es Zufall war, dass Osang vermutlich eher nicht erwähnt hat, dass es eigentlich um letzteres ging? Ein schöner Zufall wäre das. Denn ihm dürfte sonnenklar gewesen sein, dass das dem Spin der Story vom „Niemand will verantwortlich sein“ und „Hauptsache, die Kulturszene brummt“ nicht gerade geschadet hat.

  17. Wonko, #15

    Ich wollte ursprünglich ein ;-) dahinter setzen – dachte aber dann, dass man nicht alles mit Bedeutungs-Smileys zukleistern sollte. Ich finde es dennoch ausgesprochen leserfreundlich, dass Sie einen Witz erkennen und anschließend allen erklären.

  18. Könnte man eventuell sprachlich bitte mal etwas abrüsten? Hier geht es noch nicht mal um Flüchtlinge und trotzdem giftet ihr euch so an? Muss das wirklich sein?

  19. Lederer hat hart für die Privatisierung von Wasser gekämpft, ein Denkmal für die Terroristen von Ost-Aleppo vor dem Brandenburger Tor aufstellen lassen und versucht, die Auszeichnung eines kriegskritischen Journalisten zu verhindern. Vielleicht ist die Drogen-Clubszene ja das, womit er sich auskennt und wo er auch dabei bleiben sollte.

  20. Och da hat Irgendjemandstochter mal wieder schön nen Streit angezettelt.
    Witzig finde ich ja immer sowas: Da fasst jemand einen Post von einer Drittperson zusammen, interpretiert und macht Unterstellungen, darauf wehrt sich derjenige (oder bemängelt die Vorgehensweie) und dann wird „persönlich werden“ vorgeworfen, von exakt der Person, die vorher einen Post einer anderen Person analysiert hat.

    „Ey meine Hand tut voll weh vom dir inne Fresse hau’n, wat soll dat?“

  21. „Och da hat Irgendjemandstochter mal wieder schön nen Streit angezettelt.“

    Mimimi. Ein anderermax hat mal wieder nichts zum Thema beizutragen, ohnehin keine Argumente und versucht es halt auch auf der ad hominem-Schiene. Ist Ihnen langweilig? Da hat ja der Hass-Beitrag von Jens mehr Inhalt als Ihr Gesäftel.

  22. @Anderer Max:
    so ziemlich jede Verschwörungstheorie resp. Bildkampagne jongliert zum Einstieg mit einer Fülle pseudorelativierter „Offenbar-„Indizien, bis eine kritische Indizienmasse das Ganze „offensichtlich“ bis derart „klar ersichtlich“ werden lässt, dass die Beweisführung als abgeschlossen gelten kann.

    Und nichts hassen die Reichelts und Reichsbürger bis Chemtrailer dieser Welt dann mehr, als sich noch mal auf die (gerade eben noch selbstadelnd eingestandene) Substanzlosigkeit der Einzelteile des Müffelhaufens hinweisen zu lassen, den sie errichtet haben. Das empfinden die dann als persönlichen Angriff, der es rechtfertigt, anderen „Schaum vorm Mund“ vorzuwerfen.

    So weit, so gewohnt. Verwirrend nur, wie man die Geschichte dann derart genau falschrum attribuieren kann:
    „darauf … bemängelt jemand die Vorgehensweise“
    …per „Schaum vorm Mund“
    „und dann wird „persönlich werden“ vorgeworfen“
    …nur wegen „Schaum vorm Mund“, wie offensichtlich fehlgeleitet…
    „von exakt der Person, die vorher einen Post einer anderen Person analysiert hat“
    …also die Vorgehensweise bemängelt hat, ohne „Schaum vorm Mund“ Attacken

    Seltsam, Merkwürden, wirklich höchst seltsam.
    Ich sehe hier eine Seite, die eine „Vorgehensweise bemängelt“ und eine Seite persönlich werden.
    Wem da jetzt die Hand vom zuschlagen schmerzen müsste, überlasse ich Ihnen:
    -Der Person, die eine argumentativ VT-artige Vorgehensweise bemängelt hat, oder
    – Der Person, die darauf per „Schaum vorm Mund“ zugeschlagen hat?

    Das ist doch -über diesen konkreten Anlass hinaus- durchaus relevant. Wir können daraus lernen, welche Kritik an der argumentativen Vorgehensweise bei Chemtrailern, Reichsbürgern und Bildkampagnen angemessen und welches Niveau von Zusammenfassen und Kritisieren als „Zuschlagen“ und „Streit anzetteln“ abzulehnen ist?

  23. @ Symboltroll

    Mir ist TH allerdings noch gar nicht als Chemtrailer, Reichsbürger oder Bildkampagnen-Kommentator aufgefallen. Wenn diese oder jene Gruppen rhetorisch ebenso vorgehen, wäre es m.E. also auch angebracht auf die Unterschiede hinzuweisen. Denn ich halte # 4 im Wesentlichen einfach nur für unglücklich formuliert und würde TH keine bösen Absichten unterstellen wollen.

  24. #16 Sandra: Sehe ich ganz genauso. Wenn der Kultursenator so eine allgemeine Aussage macht, dann soll er auch dazu stehen. Ist völlig irrelevant, ob er mit dem Tod der Frau stark, ein bisschen oder gar nicht konfrontiert wurde. Ebenso irrelevant ist es in Bezug auf das Nichtermitteln der Polizei, dass sich der Freund doch selbst hätte melden können.

  25. Die Sache mit dem niederländischen „Freund“, der angeblich leicht zu finden sei, aber von Osang offenbar weder aufgesucht noch befragt wird, wäre auch so etwas, das eigentlich einer Redaktion auffallen sollte.

  26. @27, Thomas Clark: Mir reicht die allgemeine Aussage auch, und Journalisten sollten häufiger so recherchieren – mehr allgemeine Statements zusammentragen und gucken, wie weit sie zum Einzelfall kompatibel sind. Dann würde man sehen, wie weit Idealvorstellungen abweichen, wenn die Realität ins Spiel kommt. Lederer hätte auch von sich aus etwas zum Tod durch Drogen sagen können, denn der istbei Drogennutzung eben inherent.
    Ein Thema, für das ich mir diese Art der Recherche wünsche, ist „Separation“. Da reicht es eigentlich, von Staaten, Völkerrechtlern und anderen „Experten“ allgemeine Statements abzufragen und dann anhand der Kriterien zu gucken: Ist die Loslösung Sloweniens von Jugoslawien okay, wenn die Kataloniens von Spanien nicht okay ist? Sind bewaffnete gemäßigte Rebellen in Syrien okay, wenn gleichzeitig in Deutschland Reichsbürger keine Waffen tragen dürfen (um mal Deutschland ins Boot zu holen, und etwas überspitzt). Warum sollen die polnischen Verfassungsrichter nicht von Politikern gewählt werden, wenn dies in Deutschland schon lange passiert? Da bringen allgemeine Fragen und irgendwie-abstrakte Antworten mehr.

  27. Danke für Ihren Artikel. Ich konnte beim Lesen des Stücks von Herrn Osang nicht erkennen, was nun die Aussage sein sollte. Phasenweise wirkte er wie eine schlechte Collage aus Versatzstücken.
    Dass Herr Leder seine in diesem Kontext sehr befremdlich wirkenden Aussagen so nicht getätigt haben will, erklärt vieles. Eine solche Lobhudelei hätte angesichts eines Todesfalls wohl kein Politiker getätigt.

    Auch ich fragte mich übrigens die ganze Zeit: Ectasy? Von irgendwelchen Fremden gekauft? Daran soll ein Club die (hauptsächliche) Verantwortung tragen?

    Danke, dass ich bei Ihnen mehr über die Hintergründe erfahren konnte.

  28. @24: Als ob Sie was zum Thema beizutragen hätten :D
    Aber Gesäftel ist ein schönes Wort!

    @25: Wollte nur mal schauen, ob irgendjemandstochter auf die ad hominem Taktik mit Inhalt oder mit „selber“ antwortet ;)

  29. @ boris rosenkranz … Die Fragen, die Sie in dem sujet finden, stellt Osang alle. Sonst hätten Sie sie nicht gefunden ;-) Er stellt sie durch die Beschreibung als solche. Aber er präsentiert keine Lösung. Hätte man mehr gewusst über Schuld und Eigenverantwortung, wenn er Rob gefragt hätte., also hätte man etwas erfahren, was alle Fragen klärt? Wohl nicht, denn die Sicht der Protagonistin lässt sich nicht recherchieren. Damit bleibt das Bild immer unvollständig.

  30. @ Sandra: Genau das ist der Punkt. Osang hat seine Arbeit getan, ein Fahrkartenkontrolleur schreit auch nicht am Eingang des Bahnhofs: „Jetzt Fahrkarten lösen, damit ich euch nachher nicht schwarz erwische!“

    Journalisten haben ein Recht, Politiker notfalls vorzuführen. Genau das hat Osang getan. Lederer hat selbstentlarvenden Klartext geredet, Osang hat ihn dazu gebracht. Wenn gesetzlich de facto fast autonome Partyzonen und tödliches Lassez faire zum Standortfaktor wird, und Kultursenator, Polizei und erfolgreiche Clubunternehmer quasi augenzwinkernd Hand in Hand arbeiten, dann muss es jemand geben, der in dieses politisch aufgeladene Wespennest sticht. Dafür liebe ich Journalismus, und hier ist der „Spiegel“, selten genug inzwischen trotz glorreicher Tradition, nicht blind gewesen. Ich habe die 0,39 € gern ausgegeben.

    Für mich ist es kein Argument, auf welche Weise die Geschichte erzählt wird. Das ist die alleinige Entscheidung des Autors, darüber muss er den Interviewpartner nicht volltändig informieren, und wenn, kann er diese Entscheidung jederzeit ändern. Ich finde es auch nicht unfair, da Osang eine längere Aussage von Lederer offenbar wahrheitsgemäß zitiert hat. Dass diesem nun der Kontext nicht gefällt, ist dessen Problem.

  31. @ LAPPENJAMMER: Sie schreiben: „Ich konnte beim Lesen des Stücks von Herrn Osang nicht erkennen, was nun die Aussage sein sollte. Phasenweise wirkte er wie eine schlechte Collage aus Versatzstücken.“

    Sie haben recht, aber ich schätze genau diesen Stil von Osang. Er bietet das an, was die Wirklichkeit ist, beziehungsweise wie sie uns im allgemeinen erscheint: Eine widersprüchliche Sammlung von Bruchstücken, die nur lose verknüpft sind.

    Zu viele Journalisten haben in letzter Zeit zu viel von ihrer eigenen Agenda, ihrer eigenen Weltsicht in ihre Artikel hineingebracht. Das ist bei Kommentaren nützlich, bei Reportagen eher kontraproduktiv.

    Osang tut das nicht, er beobachtet nur und das ist angenehm: damit überlässt er dem Leser, die Bruchstücke zusammenzusetzen und sich daraus seine eigene Meinung zu bilden. Die Widersprüche lassen viele Deutungsmöglichkeiten zu, Osangs einziges Kriterium ist dabei, möglichst nah bei der bei der Realität zu bleiben und sensibel zu registrieren, was andere vielleicht übersehen. Damit steht er im Moment ziemlich allein da.

  32. Habt ihr eigentlich nichts anderes zu tun? Für einen außenstehenden Zufallsleser ist es interessant zu verfolgen, wie schnell und gründlich sich die Diskussion vom eigentlichen Thema entfernt hat und ins Persönliche abgeglitten ist.

  33. Thema? Absicht? Hat Osang alles an der Sektion Journalistik der Karl-Marx-Universität Leipzig gelernt. Thema ist klar. Doch welche Absicht verfolgt er? Keine Ahnung. Ich schätze Osang eigentlich, ein Top-Journalist und begnadeter Schreiber. Doch hier hat er sich verannt. Die Frau ist an einer Überdosis Drogen gestorben, die sie ohne Not – oder besser aus Übermut – genommen hat. Die Schuldfrage beantwortet sich von selbst.
    Dass Lederer offensichtlich eine etwas laxe Einstellung zur Drogenproblematik hat – ein anderes Problem.

  34. Immer interessant, wer sich bei diesem/einem Spiegelwerk (heute) warum auch immer (sofort) angegriffen fühlt. Aber am besten immer das neunmalkluge Rummäkeln, was er/jemand so alles falsch gemacht hat. Hauptsache Vorhaltungen.
    Viel Bohei um…was eigentlich? Madame hat gern Drogen genommen. Verschiedene. Eigenverantwortung. Schien klug im Job und kein Opfer.
    Abgereister „Freund“ ist nur solange „Freund“, bis…
    Club hätte Rettung früher rufen müssen.
    Herr Minister wird Partyrauschvolk sowieso nicht änern können. So what? Wem will man denn hier sonst die Schuld geben, als der Drogenkonsumentin?

    Und irgendjemandstochter gehts nicht um Diskussion sondern Belehrung, Vorführen, persönlich werden usw.
    Der typisch immer Zukurzgekommene und sein Internet.

  35. Sehr geehrte Damen und Herren!
    Hiermit melde ich mich als der im Spiegelbericht zitierte Polizeibeamte des im LKA Berlin für die Bekämpfung der Drogenkriminalität zuständigen Dezernates und direkt Betroffener zu Wort.
    Herr Osang hatte um ein Hintergrundgespräch Gespräch zum Thema Clubszene und Drogenproblematik in Berlin gebeten. Diese Bitte wurde an mich weitergeleitet und ich habe dieses Hintergrundgespräch über rund eine Stunde mit Herrn Osang geführt.
    Es sollte kein Interview sein, insofern wurde auch ich getäuscht, da von mir nicht autorisierte Zitate verwandt wurden.
    Von Anfang an hatte ich Herrn Osang darauf hingewiesen, dass ich kein Hintergrundgespräch ausschließlich zur Situation im Berghain (n!) führen werde und mich zu dem Todesfall aus dem Jahr 2017 auch nicht äußern werde. Hierzu hat die Staatsanwaltschaft Berlin ein Todesermittlungsverfahren geführt. Wie bei allen Straftaten ist die Staatsanwaltschaft gem. der StPO „Herrin“ des Verfahren und damit auch allein berechtigt, Daten und Informationen aus diesen Verfahren zur Veröffentlichung freizugeben. Die Staatsanwaltschaft Berlin hat das Todesermittlungsverfahren eingestellt, die Einstellungsgründe können daher nur bei der Staatsanwaltschaft hinterfragt werden.
    In dem Hintergrundgespräch wurde sehr schnell deutlich, dass es Herrn Osang einzig und allein darum ging, diesen tragischen Todesfall zu erörtern und mögliche Verantwortliche und Schuldige außerhalb der damals im Berghain handelnden Personen zu finden. Immer wieder musste ich Herrn Osang darauf hinweisen, dass dieses nicht Thema des Hintergrundgespräches ist. Seine detaillierten Kenntnisse aus der Ermittlungsakte hatte er offenbar über die Rechtsanwältin erhalten und in seinem Artikel auch veröffentlicht (samt Foto).
    Insofern sind folgende Fakten bekannt: Die Touristen verstarb an einer Überdosis MDMA (Betäubungsmittelwirkstoff in Ecstasy). Die Dosis lag rund zehnfach über einer verträgliches Dosis. Ob dieses mit nur zwei Ectasy-Tabletten überhaupt erreicht werden kann, ist zweifelhaft.
    Laut dem gerichtsmedizinischen Gutachten ist es zweifelhaft, ob eine schnellere ärztliche Versorgung das Leben der Frau gerettet hätte.
    Es gibt nämlich nicht einfach ein Gegenmittel, das man verabreicht und danach ist Alles ist gut. Genau das macht Drogen eben so gefährlich.
    Zu guter Letzt empfand ich die Darstellung meiner Person im Spiegel-Artikel zudem ehrverletzend und völlig unangebracht. Ich äußere mich nicht zum Aussehen von Herrn Osang (Frisur, Gesicht), da das für mich unerheblich ist und keinerlei Informationswert in der Sache entfaltet. Zwar hat sich Herr Osang im Nachgang dafür bei mir entschuldigt, der Artikel steht aber unverändert im Raum. Von einem so angesehen Journalisten erwarte ich zumindest, dass er im vollen Bewusstsein diesen Artikel so geschrieben hat und schreiben wollte. Da hilft eine Entschuldigung im Nachgang leider nicht viel.
    Auch begnadete Journalisten sollten sich mindestens an Absprachen und einen wertschätzenden Umgang mit ihren Interviewpartnern halten.
    Mit freundlichen Grüßen
    Olaf Schremm, Leiter LKA 43 im LKA Berlin

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