Agentur sucht große Brüste für Mario Barth, wehrt sich aber gegen Enthüllung

Sollten Sie am Freitag in der Hamburger Innenstadt einer halbnackten Frau begegnen – die schickt Mario Barth. In seiner neuen RTL-Show „Mario Barth räumt auf“, die nächste Woche aufgezeichnet wird, will der Komiker anscheinend das Verhalten von „Smartphone-Süchtigen“ untersuchen. So steht es in einer Mail, mit der eine Berliner Agentur nach einer Frau sucht, die sich vor der Kamera auszieht. Aber nicht irgendeine! Gesucht wird ausdrücklich „eine Dame mit einer Körbchengröße ab C“.

Mann in gelbem T-Shirt halt sich Mikrofon vors komische Gesicht.
Barth in „Männer sind bekloppt, aber sexy“ Foto: RTL / Sebastian Drüen

Das TV-Experiment ist denkbar einfältig: „Wie lange brauchen Smartphone-Süchtige, um zu merken, dass eine Dame ohne Shirt neben ihnen steht?“, heißt es in dem Anschreiben, das an Frauen ging, die in der Agentur gelistet sind. Drei Stunden soll der Dreh dauern, dafür gebe es 600 Euro und „natürlich auch die Möglichkeit, sich am Auto aufzuwärmen mit Getränken, warmen Jacken und der Standheizung des Wagens.“ Und dann immer raus auf die Straße: Brüste gegen Smartphones im Wettbewerb um Aufmerksamkeit, auch um mediale. Nippel im Februar – das bringt doch sicher Einschaltquote!

Die Mail landete auch bei Nina Maleika. Vor einigen Jahren hat sich die Hamburgerin in die Kartei der Agentur starboxx aufnehmen lassen, auf Empfehlung einer Kollegin. Zwar arbeite sie schon lange als professionelle Sängerin, sagt sie, aber Komparsenrollen seien ganz nett für Zeiten, in denen man mal nichts anderes habe. Mittlerweile würden sich jedoch unseriöse Anfragen von Agenturen häufen. Es werde auch öfter verlangt, sich auszuziehen.

An sich findet Nina Maleika das nicht schlimm, die Frage sei aber immer auch, in welchem Umfeld und unter welchen Konditionen das stattfinde. Sie habe schon freizügigere Fotoshootings gemacht, aber für so eine Mario-Barth-Nummer halbnackt im Winter für 600 Euro in der Fußgängerzone rumzustehen – das sei ein Witz! Dafür gebe sie sich und ihren Körper nicht her.

Sie findet auch die Auswahlkriterien der Agenturen fragwürdig: „Wenn du als Frau in deren Karteien willst, reicht es aus, wenn du hübsch bist und ein Bild hinschickst. Klar, für oben ohne braucht es keine Talente.“ Einige Angebote seien „billige Schrottliga“, möglichst günstig produziert. Die aktuelle Anfrage fand Nina Maleika so lächerlich, dass sie einen Teil der Mail auf Facebook veröffentlichte. Um darauf aufmerksam zu machen, wie in Medien mit Frauen umgegangen werde, wie sie sagt.

Obwohl sie den Namen der Agentur nicht öffentlich nannte, meldete sich deren „Casting Director“ gleich per Mail bei ihr. Der Ton: verärgert und belehrend, erzählt Nina Maleika. Die „Recherche-Anfrage“ sei vertraulich zu behandeln gewesen. Ob sie denn wisse, was sie angerichtet habe. Der Gag werde dadurch quasi vernichtet, hieß es. Fragt sich nur: Welcher Gag? Hamburgs angeblich „Smartphone-Süchtige“ schauen lieber aufs Display als auf Nippel?

Hihi, kicher.

Eine ganze Reihe Vorwürfe macht der Agenturchef der Sängerin nun, wie Nina Maleika erzählt. Er unterstelle ihr auch, Geld von Medien angenommen zu haben, damit sie die Sache öffentlich mache, und dass sie offenbar das Bedürfnis habe, auf diese Weise berühmt zu werden.

„Das ist eine Frechheit“, sagt Nina Maleika. „Man wird als Frau gleich als fame-geile Schlampe abgestempelt.“ Dabei müsse man damit rechnen, dass so eine Anfrage ins Lächerliche gezogen wird. Dass die Agentur mit solchen Klischees auf ihren Post reagiert, erschrecke sie. Als ob sich jede Frau in der Öffentlichkeit als neues It-Girl stilisieren wollte; das passe in beschränkte Denkmuster, professionelles Verhalten sei das nicht.

Auf unsere Anfrage will sich die Agentur nicht zu der Angelegenheit äußern. Eigentlich dürften wir davon überhaupt nichts wissen, aber nun sei das Kind ja eh schon in den Brunnen gefallen. Der Agenturchef ist sauer: Es sei ärgerlich, wenn sich jemand nicht an die Vertraulichkeit halte. Diese Vertraulichkeit, also dass die Mail „ausschließlich für den bezeichneten Adressaten“ bestimmt sei, wird in der Anfrage durch eine Standardformulierung festgelegt, wie sie in vielen Mails unter der Signatur zu finden ist.

Die Agentur droht Nina Maleika nun tatsächlich damit, rechtliche Schritte gegen sie einzuleiten. Uns gegenüber hatte die Agentur noch behauptet, man wolle „die arme Darstellerin“, also Nina Maleika, schützen und gebe deswegen keine Statements ab. Wie die Sängerin uns erzählt, war die Ansage der Agentur ihr gegenüber anders, und zwar deutlich: Ja, so wie sie sich verhalte, werde sie einen Anwalt brauchen, habe es am Telefon geheißen.

Nina Maleika hat deshalb inzwischen einen Anwalt engagiert. Sie nimmt den Ärger gelassen: Auch wenn sie die Verschwiegenheitsklausel gebrochen haben sollte, findet sie ihr Verhalten angesichts der #metoo-Debatte gerechtfertigt. „Frauen können nicht von Produktionsfirmen, irgendwelchen Castingagenturen oder sonst wem in den Medien wie Objekte behandelt werden.“

15 Kommentare

  1. Über diese komischen einseitigen Willenserklärungen „Verschwiegenheitsklauseln“, die unter manchen E-Mail stehen, habe wir doch schon vor 20 Jahren im Usenet in der Gruppe de.soc.recht.netznetze immer wieder diskutiert.

    Früher waren es vor allem Spam-Versender, die mit solchen Klauseln verhindern wollten, daß man ihre unverlangt zugesandten E-Mails öffentlich macht. Und es waren Webseitenbetreiber, die mit Verweis auf ein „Virtuelles Hausrecht“ den Zutritt zu ihren Webseiten für Polizisten, Rechtsanwälte und Gerichtsvollzieher verbieten wollten. Meistens ging es darum, für Urheberrechtsverstöße nicht haftbar gemacht werden zu wollen.

  2. Nun, da sie sich in diesen Mailverteiler freiwillig eingetragen hat, um Jobangebote zu bekommen, kann ich mir schon vorstellen, daß hier eine Verschwiegenheitsklausel (im Gegensatz zu bei Spam oder auf frei ansteuerbaren Homepages) rechtlich greift. Kommt wohl darauf an, was sie unterschrieben hat, um in den Verteiler aufgenommen zu werden.

    Nichts anderes ist es ja beispielsweise bei noch viel bloßstellenderen Formaten wie – sagen wir mal – Frauentausch. Da werden zwar hin und wieder Verträge geleakt, aber das rechtliche Risiko sehe ich – trotz der dort vorhandenen Ausbeuterei – als gegeben an. Fast sicher bin ich mir hingegen, daß Frau Maleika künftig weniger Angebote bekommen wird. Aber das muß ja ihr Schaden nicht sein.

    Wie auch immer: Ich bin gespannt, wie sich der Fall entwickelt.

  3. Puh, also ich verstehe den Punkt von Fr Maleika. Aber das könnte tatsächlich rechtlich schwierig für sie werden. Wenn es ihr das wert ist, ist es aus meiner Sicht okay. Auf solche Missstände kann man schon aufmerksam machen wollen.

    @ 1: Der Artikel hat alle Parteien zu Wort kommen lassen. Ein PR-Artikel sieht anders aus. Dass die Agentur auf der einen Seite sagt, man wolle Fr Maleika schützen, und ihr im Geheimen mit einer Klage droht, sollte man auch so schreiben.

    Das Thema #MeToo nimmt für mich erst jetzt – wo die große Aufregung verflogen ist – Fahrt auf. Der allgegenwärtige Sexismus überall in den Medien ist ein großes Problem, siehe die „Sport“-Berichte über Frauen. Männer werden als Kriegshelder glorifiziert, die Frauen als „Sexy Gold-Fee“ (kein Zitat, aber so in der Art). Da muss die Gesellschaft noch weite Wege gehen, um sich davon zu lösen.

  4. Irgendwie reden die Leute da aneinander vorbei, oder? Fr. Maleika findet es falsch, dass da Frauen so unverblümt als sexuell-optischer Reiz und sonst gar nix gesucht werden; die Agentur fährt ihr an den Karren, weil die Anfrage vertraulich zu behandeln gewesen sei.

    Aber spätestens mit Ausstrahlung der zugehörigen Mario-Barth-Sendung wäre die „guckma hier, Titten!“-Idee in all ihrer Pracht und Plumpheit natürlich öffentlich geworden – und dagegen hat die Agentur auch nix. Nur vorher verraten werden hätte die dolle Pointe vorher nicht sollen.

    D.h. die eine Seite beschwert sich über das „was“, die andere über das „wann“.

  5. @Überfall: Das glaube ich nicht. Da ist nur jemand angepisst, dass man mal auf den augenfälligen Sexismus öffentlich angesprochen wird. War man ja bisher nicht so gewohnt. Klar, ein paar verklemmte Emanzen haben immer schon rumgenörgelt, aber die brauchte man ja nicht ernst zu nehmen, diese ollen Spaßbremsen. Dass hier eine „Pointe versaut“ werde, ist doch vorgeschobenes Mimimi.

  6. Der Artikel beschreibt, daß sich die Agentur dahingehend äußert, daß die Verschwiegenheit durch eine einseitige Willenerklärung innerhalb der konkreten E-Mail eingefordert wird. Wörtlich heißt es im Text:

    „Diese Vertraulichkeit, also dass die Mail ‚ausschließlich für den bezeichneten Adressaten‘ bestimmt sei, wird in der Anfrage durch eine Standardformulierung festgelegt, wie sie in vielen Mails unter der Signatur zu finden ist.“

    Wenn tatsächlich, wie in Kommentar #3 vermutet, eine Verschwiegenheitsklausel bereits bei Aufnahme in den E-Mail-Verteiler unterschrieben worden sein sollte, so wäre das ein ganz anderer Sachverhalt – vor allem wäre es eine wesentliche Information, die in diesem Artikel fehlen würde.

  7. @ 7: Guter Punkt. Ich ging stillschweigend davon aus, daß man sich nicht ohne vorheriges Casting da eintragen (lassen) kann. Möglicherweise liege ich falsch. Möglicherweise muß man aber auch nur irgendwo ein kleines Häkchen setzen (keine Ironie).

  8. @6 Inga: Wenn das der wahre Grund fürs Angepisstsein ist, dann lässt Frau Streisand aber mal herzlichste Grüße ausrichten. :)

  9. Irgendwie bringt man Agentur ja immer in Verbindung mit Kreativität. Offenbar aber arbeiten da auch Leute, die derart plumpe und dumme Flachwitz-Ideen entwickeln, dass ein gewisser Mario Barth sich dort bestens aufgehoben fühlt und mit – äh Einfällen versorgen lässt.

    Dicke Titten – boa, was eine dolle Idee. Ich bin sicher, man hat sich dort Stunden lang beömmelt. Und der so wahnsinnig witzige Herr Barth hat am lautesten gelacht.

    Herr, schmeiß Hirn runter!

  10. Iiiih, ist das ein ekelhaftes Gemenge hier. Menschen, die ihre Prüderie mit dem gerechten Kampf für Frauenrechte verwechseln. Ein Komiker, der Verlegenheitslächeln* für Lacher nimmt. Eine Gelegenheitskomparsin, die sich an Geschäftsbedingungen nur solange gebunden fühlt, wie es ihr zuträglich erscheint. Ein(e) Autor(in), welche(r) die Nennung der Tatsache, dass Frauen sich für Geld ausziehen dürfen, für einen Beitrag zur #metoo-Debatte hält. Und ein Blog, das irgendetwas von dem vorherigen als zur Medienkritik nütze meint erkannt zu haben.

    Mein Körper gehört mir. Und der der Dame mit Körbchengröße C+ ihr. Das einzige Machtgefälle, dass hier vorliegt, heißt: Kapital. Jede Person – ist sie alt genug – darf sich für Geld verkaufen, darf ihre Körperteile enthüllen, ihren Rücken krümmen, ihre Lungen verstauben und ihr Gewissen abkaufen lassen. Und sogar** in Fußgängerzonen zotige Possen reißen.

    * und – wie man wohl erwartet und einkalkuliert – sabberndes Grinsen
    **Ich gebe ungefragt zu, dass das meine Toleranz am meisten übte. Aber das ist mein Fehler.

  11. @ Vonfernseher

    Wenn Sie mir erklären würden, wie es im oben geschilderten Artikel zu einer wirksamen Einigung über die Standardklausel gekommen sein soll, so daß man ein Sich-Gebunden-Fühlen verlangen könnte, wäre ich Ihnen dankbar.

    Eine Zustimmung durch schlüssiges Handeln war’s ja eher nicht. ;)
    Um genau zu sein, war es offensichtlich das genaue Gegenteil und die Agentur hat es sogar mitbekommen. Aufgrund des Artikels würde ich im Ergebnis eher zu keiner Einigung und Abbruch der Geschäftsbeziehungen tendieren. Aber es schafft natürlich Jobs das durch die Instanzen zu prügeln. Also nur zu!

  12. @Telemachos OT
    Der Artikel erweckt den Anschein, als wäre sie schon einige Male über diese Agentur gebucht worden. Sie hat also bereits geschäftlich davon profitiert. Es ist ohne Weiteres einsichtig, dass die Verträge ohne eine gewisse Verschwiegenheit nicht zustande gekommen wären, da es für viele Auftraggeber hier von essentieller Bedeutung ist, dass die Angefragten die Konzepte nicht preisgeben, bevor dies der Auftraggeber tut; das trifft ja sowohl auf Film- und Fernseh- als auch Werbeproduktionen zu. Insofern könnte dem Kennenmüssen und Unterlassen eine Zustimmung folgen. Außerdem wäre es möglich (und wahrscheinlich), dass man für die Aufnahme auf den Verteiler gewissen Bedingungen zustimmen musste (was wir aber nicht wissen).

    Neben der formaljuristischen Sicht gibt es aber auch sowas wie eine wirkliche Geschäftswelt, in der wohl außerfrage steht, dass ein solches Verhalten nicht gerade die Chancen erhöht, von dieser oder einer anderen Agentur (es ist ja öffentlich) wieder gebucht zu werden.

    Mehr möchte ich aber nicht zu dem Seitenaspekt schreiben, da das hier mit Sicherheit nicht das passende Forum ist.

  13. @Überfall, # 5 und @Vonfernseher, #12
    Ziemlich treffende Zusammenfassung.

    Der ganze Beitrag lässt mich etwas ratlos zurück.
    Es wird festgestellt, dass dieses TV-Experiment „denkbar einfältig“ sei. Aha. Aber erstens geht es um Mario Barth, also ist das wenig überraschend, und zweitens ist das wohl Ansichts- bzw- Geschmackssache.

    Auch wenn sie die Verschwiegenheitsklausel gebrochen haben sollte, findet sie ihr Verhalten angesichts der #metoo-Debatte gerechtfertigt. „Frauen können nicht von Produktionsfirmen, irgendwelchen Castingagenturen oder sonst wem in den Medien wie Objekte behandelt werden.“

    Diese Empörung kommt schon ziemlich unglaubwürdig rüber, nachdem es voher hieß:

    An sich findet Nina Maleika das nicht schlimm, die Frage sei aber immer auch, in welchem Umfeld und unter welchen Konditionen das stattfinde. Sie habe schon freizügigere Fotoshootings gemacht, aber für so eine Mario-Barth-Nummer halbnackt im Winter für 600 Euro in der Fußgängerzone rumzustehen – das sei ein Witz! Dafür gebe sie sich und ihren Körper nicht her.

    Dass Wie-Objekte-behandelt-werden schint hier doch in erster Linie darin zu bestehen, dass Frau Maleika die Anfrage als unter ihrem(!) Niveau liegend ansieht, wobei man jetzt nicht so genau weiß, ob sie sich nun am Zweck des Drehs, den Temperaturbedingungen, dem Ort, der Bezahlung oder der Kombination aus allem stört. Aber es mag durchaus (im Sinne Frau Maleikas „talentfreie“) Frauen geben, die an so etwas Spaß haben und/oder das Angebot 600 Euro in drei Stunden für so schlecht gar nicht halten.

    Vielleicht hält sich ja auch deshalb die Empörung hier bislang in Grenzen.

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