Warum ist die „1Live-Krone“ so ein Männer-Preis?

In dieser Reihe fragen wir andere, was wir uns fragen. In der dritten Folge geht es um den Musikpreis der WDR-Jugendwelle 1Live, die „Krone“, die vorige Woche zum 18. Mal vergeben wurde – ausschließlich an Männer. Was auch daran liegt, dass der Sender kaum Frauen nominiert. Aber wieso? Schon voriges Jahr hatten sich Musikerinnen wie Leslie Clio darüber beschwert. Wir hatten deshalb vor der diesjährigen Preisverleihung vergangene Woche beim WDR angefragt, und nun hatte dann auch jemand Zeit: 1Live-Musikchef Andreas Löffler.

Fünf Männer stehen nebeneinander auf einer Bühne, einer redet in ein Mikrofon
Hat schon fünf „Kronen“: die Männer-Band Kraftklub Screenshot: WDR

Herr Löffler, ist die „1Live-Krone“ ein Männer-Preis?

(Lacht) Das ändert sich von Jahr zu Jahr. Ich finde, wir hatten dieses Jahr ganz gute Künstlerinnen da, und wir hoffen, dass das im nächsten Jahr noch mehr sind.

Noch mehr? Dieses Jahr haben acht männliche Acts gewonnen und keine einzige Frau. Voriges Jahr haben acht männliche Acts gewonnen, keine Frau. Und im Jahr davor haben acht männliche Acts gewonnen und, oh – zwei Frauen! War da Welt-Frauenjahr?

Das formulieren Sie jetzt sehr spitz. Letztlich stimmen die Hörer ab, da kann 1Live nichts dafür. Wenn Frauen da sind, die Potenzial haben und Fans hinter sich scharen, um zu gewinnen, dann ist das doch schön und freut uns alle. Dieses Jahr gab es keine Preise für Frauen, aber ich denke, wir hatten zwei schöne Auftritte von Amanda zusammen mit Sido und Alice Merton, und mal schauen, was im nächsten Jahr geht.

Die Hörer entscheiden, aber die können ja fast nur aus männlichen Acts auswählen: Dieses Jahr waren 32 männliche Acts nominiert und nur 4 weibliche. Im vorigen Jahr: 29 männliche, 3 weibliche. 2015: 38 männlich und 5 weiblich. 2014: 36 und 2! Irgendwas stimmt da doch nicht.

Man sieht das ja bei anderen Preisverleihungen, zum Beispiel beim Echo, wie viele nationale Frauen da sind. Es sind eigentlich nicht viele, die das dominieren. Klammern wir mal Helene Fischer aus, die findet ja nicht statt im 1Live-Programm, also kann ich sie auch nicht nominieren. Es ist ein Hörerpreis, also sind es Nominierte aus dem 1Live-Kosmos. Und da ist in den vergangenen Jahren in Deutschland nicht viel nach gekommen , was eine gewisse Größe und Potential mitbringt. Denken Sie mal zurück an die Zeiten mit Wir sind Helden, Silbermond und Juli. Da gab es das, aber da wurde übrigens auch viel gemotzt: Ach, alles geklont! Hat man halt eine Sängerin, schon funktioniert es! Wir haben uns inhaltlich auch damit beschäftigt und eine super Sendung gemacht nach der „1Live Krone“ 2016, mit Valeska Steiner von Boy und Judith Holofernes, da haben über genau das Thema diskutiert. Fragt man aber die Künstlerinnen, die sich zu Recht beschwert haben, wen sie denn nominiert hätten, kommt da – ehrlich gesagt – nicht viel. Weil es eben nicht so viele gibt. Man arbeitet daran und international funktioniert es deutlich besser als in Deutschland.

Wäre es nicht an einem öffentlich-rechtlichen Radiosender wie 1Live, zu sagen: Okay, es gibt – wie Sie behaupten – zu wenig weibliche Popacts, aber die feiern wir dann umso mehr? Früher gab es ja noch die Kategorie „Beste Künstlerin“, 2010 und 2015, sonst nur „Bester Künstler“. Dieses Jahr war beides zusammengefasst, vier Männer und zwei Frauen waren nominiert, ein Mann hat gewonnen. Wie wäre es zum Beispiel mit einer Rubrik „Beste Newcomerin“, wenn es da so einen Bedarf gibt?

So könnte man theoretisch argumentieren, aber was glauben Sie, wie das nachher aussieht? Es sind sehr relevante Sachen, die wir nominieren und einem breiten Publikum zur Abstimmung geben. Bei den Newcomern sieht man, wie riesig die Unterschiede sind. Ich weiß nicht, ob sich das gut anfühlt, wenn man eine Künstlerin nimmt, die einen relevanten Hit hat, und dann noch drei andere Frauen darunter schreibt, die bis jetzt kaum einer kennt. Ich glaube, das sähe ein bisschen komisch aus. Man muss das im Zusammenhang sehen. Ich bleibe dabei: Wenn man fragen würde, was relevant ist, eine gewisse Größe hat und was fehlte, wird man auf kaum etwas kommen. Ich weiß nicht, ob es nicht komisch rüberkommt, wenn man sagt: Hauptsache wir haben eine Frauenkategorie. Das finde ich ein bisschen strange. Auf halb und halb wird es sowieso nie kommen, war auch nie so, und ist auch beim Grammy nicht so. In Deutschland fehlen uns im Moment einfach die weiblichen Popstars – auch im R’n’B.

Weshalb?

Ich finde das total schwierig zu beantworten, deshalb waren wir auch froh, dass wir diese Sendung gemacht haben, weil vor allem auch Judith Holofernes eine Meinung dazu hat. Das war hochinteressant: Sie sagte, sie habe ein Casting gemacht, weil sie eine Frau für ihre Tourband suchte. Aber sie ist daran verzweifelt! Sie habe noch gerade so jemanden finden können, dabei dachte sie erst, es könne doch nicht so schwer sein. War es aber. Wenn junge Frauen anfangen, Musik zu machen, muss da irgendwo ein Haken sein, den ich nicht nachvollziehen kann, weil wir als Medium erst das fertige Produkt auf dem Tisch haben. Wir unterhalten uns seit Jahren mit Plattenfirmen darüber. Die finden das auch nicht gut, und vielleicht wird es zu wenig versucht, aber man kann nicht einfach irgendeinen weiblichen Act durchdrücken, der danach total floppt und bei wirklich niemandem eine Relevanz hat. Das wird nicht gelingen, auch wenn man den Song 100.000 Mal im Radio spielt.

Relevanz heißt bei Ihnen: Abverkäufe.

Nein. Die Abverkäufe sind mittlerweile nicht mehr ganz so relevant. Es ist ein Mix aus allem. Es geht darum, wie ein Act dasteht: Verkaufen die auch ein paar Tourtickets? Ist ein Act im Streaming stark oder auf Shazam? Hat er Relevanz im Air Play? Hat der Resonanz in unserem Programm? Sodass wir dann also sagen: Der steht für 1Live! Wir verändern uns als junges Programm auch ständig und manche Künstler finden dann bei uns nicht mehr statt. Daher ist der Pool an Künstlern für unser Programm auch eingeschränkt. Daher fehlt uns auch zum Teil die Breite für die Kategorien, vor allem im Moment bei weiblichen Künstlern. Aber auch das wird sich wieder ändern.

Wer nominiert eigentlich bei der „1Live-Krone“?

Die 1Live-Musikredaktion.

Wie viele Leute sind das?

Das ist ein Pool von sechs, sieben Leuten, die das ganze Jahr über sammeln, und zum Schluss baut man auf einer Tafel die Nominierten zusammen. Das ist dann ein Prozess von ein paar Monaten, bis die Kategorien ausgewogen an der Wand stehen.

Wie viele Frauen sind im Team?

Die Musikredaktion besteht aus zwei Frauen und vier Männern plus einem Volontär. Je nachdem, ob unser Musikvolontär männlich oder weiblich ist, verändert sich das Verhältnis entsprechend.

Und nach welchen Kriterien wird nominiert?

Nach Relevanz für unser Programm. Wir nominieren niemanden, der gar nicht in unserem Kosmos unterwegs ist. Wie gesagt: Helene Fischer findet bei 1Live nicht statt, deshalb auch nicht bei der „Krone“.

Sie nominieren also freihändig, ohne Kriterien-Katalog.

Ja, das ist frei, weil wir uns da gar nicht so festfahren wollen. Durch die Verankerung im Programm sind wir doch schon gebunden. Die Musik verändert sich ja auch. Wir haben seit ein paar Jahren die Kategorie „Bester Hip Hop-Act“, die könnten wir problemlos mit zehn Acts füllen, weil das gerade angesagte Jugendkultur ist. Vor Jahren hatte wir mal die Rubrik „Bester DJ“, aber jetzt nicht mehr, weil sich diese DJs völlig zum Pop-Künstler verwandelt haben. Wir sehen die jetzt in einer anderen Kategorie, und darum halte ich es für falsch, wenn man so starr hingeht und immer die gleichen Kategorien hat. Unser Programm ist ja auch nicht starr aufgebaut. Man muss sich als junges Programm ständig bewegen.

Farbig beleuchtete Bühne mit Musikern
Frauenbesuch: Amanda (l.) und Alice Merton mit Sido Screenshot: WDR

Klaas Heufer-Umlauf hat in seiner Moderation der „Krone“ gesagt, 1Live müsste vielleicht einfach mal mehr Künstlerinnen im Radio spielen.

Das hat er schön gesagt, ja, fand ich gut. Wenn wir sehen, dass etwas erfolgreich sein könnte in unserem Programm und auch in der Breite eine gewisse Wirkung hat, dann spielen wir die Acts natürlich. 1Live spielt junge Künstler immer zu erst. Aber ich könnte Ihnen keine fünf weiblichen Acts aufzählen und Sie auch nicht, die wir nicht gespielt hätten, die aber eine gewisse Relevanz in 2017 hatten. Und jedes Jahr nach der „Krone“ ziehen wir Bilanz: Es ist noch nie so gewesen, dass wir eine höhere Anzahl von Acts vergessen hätten. Wie gesagt, international haben wir ganz tolle junge Künstlerinnen im Programm. Da ist ein ganz anderes Potential vorhanden.

Und in der Kategorie „Lebenswerk“, die inzwischen „Sonderpreis“ heißt, haben sie auch niemanden vergessen? Diese Kategorie benennt ja die Redaktion. Seit 2006 ist diese „Krone“ immer an Männer gegangen, außer 2012, da ging der Preis an Pussy Riot aus Russland. Aber das war ja vor allem ein politisches Symbol.

Carolin Kebekus hat auch den Preis bekommen!

Die Comedy-„Krone“, nicht das „Lebenswerk“. Haben Frauen keine Lebenswerke?

Schön, dass Sie es noch mal aufzählen. Aber der Preis heißt übrigens „Sonderpreis“, nicht „Lebenswerk“. Und ich glaube nicht, dass man da so dran geht. Die Geschichte mit dem „Sonderpreis“ ist die Nummer, wo wir jedes Jahr am längsten dran sitzen, bis wir finden, dass die Geschichte rund ist. Ich würde das gar nicht so aufwiegen, dass da nie eine Frau nominiert ist. Vielleicht ist es nächstes Jahr eine.

Finden Sie spitzfindig, danach zu fragen.

Nein, es ist ja Ihr gutes Recht, aber wir setzen uns nicht hin und sagen: Wir müssen jetzt dieses Jahr unbedingt einer Frau den Sonderpreis verleihen. Wir gehen zuerst vom Inhalt aus. Die Nominierung für den „Sonderpreis“ entwickelt sich das Jahr über oder eher in den letzten Monaten. Es bleibt weiterhin spannend, wo wir 2018 mit dem „Sonderpreis“ landen.

27 Kommentare

  1. Da würde mich das Verhältnis interessieren „Anteil weiblicher Künstlerinnen in den Top10 / Top100“ bzw. „Anteil weiblicher Künstlerinnen der musikschaffenden Gesamtmenge in DE“ vs. „Anteil weiblicher Künstlerinnen bei der 1Live Krone“.
    Dann könnte man auch erkennen, ob eine tatsächliche Unterrepräsentierung vorliegt, oder ob sie nur gefühlt ist.

  2. KroneSoMale?
    Jetzt nicht wirklich, oder? Die Veranstaltung ist und war schon immer so egal, dass es jeder Beschreibung spottet.

    Und langsam geht mir auch die Schreierei nach irgendwelchen Quoten so ziemlich auf den [Dings], weil es der eigentlich guten Sache inzwischen eher schadet, wenn jemand ausgezeichnet wird/eine bestimmte Stelle in einem Sender erhält/etc., nur weil dadurch eine bestimmte Quote für irgendwas erfüllt wird.

    Man sieht ja, was dabei herauskam, als die Leitung des WDR-Hörfunks der Quote wegen mit einer Frau besetzt wurde. Qualifikation und/oder Kenntnis/Verständnis des öffentlich-rechtlichen Rundfunks mussten bei der Entscheidung ganz offensichtlicht zurückstehen, was man den Sendern inzwischen auch deutlich anmerkt.

  3. @2:
    „Man sieht ja, (..)“
    Ich kann nicht folgen, wen meinen Sie und was kann man sehen?

    „weil es der eigentlich guten Sache inzwischen eher schadet“
    Was meinen Sie mit „gute Sache“, den Selbstzweck der Preisverleihung?

  4. Wenn es jemanden oder etwas gibt, der oder das Frauen davon abhält, in der Musikbranche zu arbeiten, sollte man mal herausfinden wer oder was das ist.
    Ansonsten soll ein Preis, ein Publikumspreis vor allem, doch irgendwie den „Markt“ abbilden, und wenn der Markt halt sexistisch ist, ist der Preis es auch.
    Es dürfen, soweit ich weiß, auch Frauen CDs kaufen, Radio hören, Streaming nutzen oder sonstwie Medien konsumieren. UND sie dürfen bei der Krone mitabstimmen.
    Ergo wären auch Frauen frauenfeindlich.

  5. Man sollte beim Thema Repräsentanz von Frauen so langsam wirklich auch im Journalismus mal anfangen, minimal seine Fakten zusammen zu haben, bevor man den x-ten Fall von daher gemutmaßter Männerverschwörung aufmacht.

    Wie #1 schon ganz richtig formuliert, wäre es zunächst unabdingbar festzustellen, ob es nicht auch in der Breite schlicht deutlich mehr männliche Musiker gibt, oder jedenfalls innerhalb der Genre, die im Programm von 1live bedient werden (siehe Helene Fischer).

    Es ist auch reichlich seltsam, überhaupt – und dann noch als Vorwurf Richtung 1live – zu erwähnen, dass ausschließlich Männer gewonnen hätten, wenn es doch ein Zuschauervoting ist. Ansatzpunkt kann, wie Übermedien in den Folgefragen dann auch selbst einsieht, allein sein, dass deutlich mehr männliche Künstler nominiert waren als weibliche.

    Es spricht leider auch Bände, wenn Übermedien als Lösungsvorschlag formuliert, weibliche Künstler doch einfach deshalb abzufeiern, weil sie weiblich sind. Mit diese Einstellung ist Übermedien wahrlich nicht allein, ist sie doch in journalistischen Kreisen land auf land ab nach wie vor oft anzutreffen. Man sollte sich nur klar machen, dass das genau das ist, wovor Quotengegner immer warnen: es geht dann nicht mehr um eine wie auch immer geartete Leistung, sondern um Proporz. Ob das im Sinne eines Ausgleichs für gesellschaftliche Diskriminierung gerechtfertigt ist, wird gar nicht mehr untersucht (siehe oben), sondern einfach angenommen.

  6. @Anderer Max: „Die gute Sache“ ist die Gleichbehandlung von Frauen. Und bei der Suche nach der Nachfolge für die Besetzung des Postens des Hörfunkdirektors im WDR musste der Posten zwingend mit einer Frau besetzt werden. Statt den Posten mit dem Mann zu besetzen, der die beste Qualifikation hatte, musste man sich dann für die Frau entscheiden, die ziemlich weit unten auf der Liste stand, weil alle geeigneteren Kandidatinnen aus verschiedenen Gründen absagten. Die Nachfolgerin hat für eine vollkommene Verflachung unter Privatfunkniveau von WDR2 gesorgt und eine Nachrichtensendung auf allen Wellen eingeführt, die für nur leicht anspruchsvollere Hörer ein Witz ist und die Hörer von WDR3 und 5 in keiner Weise befriedigen kann, weil die „News-Show“ viel zu oberflächlich ist und mehr Wert auf Form als Inhalt legt.

    Diese ganze Gender-Diskussion hat auch schon bei der BBC stattgefunden. Dort gab es irgendwann Beschwerden, weil in den beliebten unterhaltenden Panel-Shows einigen Leuten zu viele Männer rumsaßen. Die Beschwerden haben dann dazu geführt, dass die BBC geloben musste, dass in jeder Sendung mindestens eine weibliche Comedian herumsitzt. Das heißt dann zum Beispiel, dass bei „Mock the Week“ bei sechs lustigen Menschen in den Rateteams immer eine Frau dabei sein muss, bei „QI“ ist es eine Frau von 4 Ratern (inklusive Dauergast Alan Davies), wobei die Moderation der Sendung vorletzte Staffel von Stephan Fry zu Sandi Toksvig (ja, eine Frau) wechselte.
    Das dumme an dieser 16,6%- bzw 25%-Quote ist, dass höchstens geschätzt 10% aller Stand-up-Comedians weiblich ist. Folglich sind die Frauen im Grunde jetzt überrepräsentiert.
    Und in UK kommt dann natürlich auch noch der berechtigte Ruf, dass auch ein gewisser Anteil von Schwarzen und Menschen mit asiatischer Abstammung auf dem Bildschirm zu erscheinen haben. Diese Quote wird dann meist von Romesh Ranganathan erfüllt, der zwar machmal recht unterhaltsam sein kann, in letzter Zeit aber viel zu oft unoriginell ist und nur langweilt.

  7. @BlueKo/Illen: Muss ja nicht gleich eine Quote sein, und es geht auch nicht darum, Künstlerinnen nur „deshalb abzufeiern, weil sie weiblich sind“. Wäre es denn schlimm, wenn ein Radiosender sagen würde: Schaut mal, es gibt wenig weiblichen Pop! Wieso eigentlich? Und wollen wir das nicht ändern, indem wir da intensiver hinhören? Das spielen. Fördern. Weil wir finden, dass es gute Musik ist, und da stiften wir auch mal einen Preis, wieso nicht? Aber, ok: 1Live hat diese eine Sendung dazu gemacht. Das muss man natürlich anerkennen.

  8. Ich denke es steht völlig außer Frage, dass niemand einen Preis aufgrund welchen Geschlechts auch immer bekommen sollte. 1live von jeglicher Verantwortung frei zu sprechen – da die Krone ein Zuschauervotum ist – greift aber zu kurz. Schließlich nominiert der Sender nicht nur die Künstler*innen, er bestimmt (in Teilen) auch ihre Popularität. Wenn für 1live Hörer nur wenige weinliche „Acts“ präsent sind, dann wahrscheinlich auch deshalb, weil der Sender ihnen eine vergleichsweise kleine Bühne bietet. Natürlich stimmen am Ende des Tages die Hörer ab, 1live ist aber für deren Präferenzbildung verantwortlich.

  9. zu sagen: Okay, es gibt – wie Sie behaupten – zu wenig weibliche Popacts, aber die feiern wir dann umso mehr?

    Was für ein fürchterlicher Vorschlag! Da würde ich mich in jeglicher Hinsicht in meiner Ehre als Künstler verletzt fühlen. :-(

    aber wir setzen uns nicht hin und sagen: Wir müssen jetzt dieses Jahr unbedingt einer Frau den Sonderpreis verleihen. Wir gehen zuerst vom Inhalt aus

    Eine äußerst gesunde Einstellung – unabhängig davon, ob man diesen Zirkus in seiner Gesamtheit völlig unwichtig findet.

  10. @Boris Rosenkranz #7:

    Das wäre in meinen Augen nicht schlimm, auch wenn ich dabei bleibe, dass man bei weiblichen Künstlern nicht nur deshalb intensiver hinhören sollte, weil sie weiblich sind. Wie gesagt, eine Repräsentanz im Ergebnis sagt zunächst überhaupt nichts darüber aus, ob es Handlungsbedarf gibt. Es könnte schlicht deutlich weniger weibliche Künstler im Bereich Alternative Music etc. geben.

    Ihr Interviewansatz ist mir v.a. deshalb etwas aufgestoßen, weil Sie – zumindest der relativen Schärfe und Stoßrichtung Ihrer Fragen nach – diese Unterrepräsentanz bereits per se als problematisch und vorwerfenswert erachten und sich gerade nicht in irgendeiner Weise sachlich damit auseinandersetzen, woher sie denn kommen könnte. Ich weiß, das

    @LU #8: Ich gestehe in #5 ja gerade zu, dass man das Problem an der Nominierung aufhängen kann, wenn man will. Es ist sicher richtig, dass 1live durch seine Musikauswahl Präferenzen mit beeinflusst.

    Mein Punkt war, dass man die Auswahl von 1live nicht als zu männerlastig kritisieren sollte, wenn man sich nicht die Mühe macht, zuerst einmal heraus zu finden, warum diese Männerlastigkeit überhaupt vorliegt.

  11. Ah, also sind wir wieder bei bei Gefühlen und Befindlichkeiten.
    Und Meinungen zu Quoten, um die es hier nie ging.
    (Erste Erwähnung von „Quote“ von Blueko, satte 3 Mal im ersten Beitrag)

    @5:
    Nutzen Sie bitte nicht meine Nachfrage nach einem statistischen Zusammnenhang für die Verbreitung Ihrer Meinung zu Frauenquoten, danke.

  12. Funfact:
    Gesang ist einer der wenigen Bereiche, wo es einen statistisch nachweisbaren, physikalisch messbaren, biologisch erklärbaren und nicht gesellschaftlich konstruierten Unterschied zwischen den Geschlechtern gibt: Männer haben im Durchschnitt die tieferen Stimmen.
    Vllt. sind gerade Singende mit tieferen Stimmlagen modern. Statistisch sind das sehr häufig männliche Singende.
    Moden ändern sich.

    Ansonsten ist es l1ve-Hörenden nicht verboten, andere Sachen zu hören, oder e-Mails zu schreiben: „Bitte spielt doch mal Frau xy, plz!“

  13. @Anderer Max: Natürlich wurde in Text und Interviewhaltung die Position eingenommen, dass da auch gefälligst einer Frau ein Krönchen aufgesetzt gehört. Und dabei war die störende Tatsache ob es überhaupt jemanden gibt, der preiswürdig gewesen wäre, völlig irrelevant. Ganz abgesehen davon, dass man sich auch mal vorher hätte ansehen können, wer in der Vergangenheit ausgezeichnet wurde und ob dieses Jahr nicht eher die Ausnahme als die Regel war. Dann könnte aber der schön gebaute Vorwurf zu schnell verpuffen.

    Mein genanntes Beispiel habe ich nur genannt, weil mir darüber die Zahlen vorlagen. Wie es sich im deutschen Musikgeschäft mit der Verteilung der Geschlechter hält, weiß ich leider nicht. Manchmal ist eben nicht alles 50:50 verteilt. Oder kann mir jemand aus dem Stegreif eine Speed Metal Band nennen, die ausschließlich oder zumindest zum überwiegenden Teil aus Frauen besteht?
    Andersrum geht es aber auch: Wer ist noch schnell der männliche Helene Fischer, also ein deutschsprachiger Sänger mit sinnfreien Wohlfühltexten, aber deutlich ausgeprägtem Gemächt?

  14. @blueko #13: es gehört schon mehr dazu als ausgeprägte Geschlechtsmerkmale, um eine Karriere hinzulegen wie Helene Fischer. Ich mag ihre Musik nicht, aber dass sie Stimme, Ehrgeiz und Showtalent hat sollte man ihr schon zugestehen ;)

    @Anderer Max:

    Ich hatte mich selbst gewundert dass ausgerechnet von Ihnen ein sachlicher Beitrag wie #1 kommt, aber das haben Sie dann mit #11 ja wieder gerade gebogen.

  15. Es ist manchmal echt zum Haare raufen. Über die Ursache dieser Ungleichheit wird nicht gesprochen. Denn leider verkommt die Erziehung unserer Kinder und Jugendlichen zu einem Tabu-Thema. Wir werden anders erzogen als die Realität es später von uns verlangt.

    Anstatt dessen wird breit über die Symptome debatiert. Die sind auch wichtig. Klar. Aber nicht des Rätsels Lösung. Wieder mal eine Chance vertan. Oder liegt es daran, dass die Medien Angst haben ihre Konsumenten / User direkt darauf anzusprechen? Denn auch wir sind Teil des Problems.

  16. „Oder kann mir jemand aus dem Stegreif eine Speed Metal Band nennen, die ausschließlich oder zumindest zum überwiegenden Teil aus Frauen besteht?“

    Nervosa aus Brasilien habe ich in den letzten drei Jahren fünf mal live gesehen.

    Kann aber auch ohne Probleme noch zehn weitere aufzählen, wenn nötig.

    Wieviel Speed Metal findet bei Eins live genau statt, gender unabhängig?

  17. Die Kommentare sind ja ähnlich schlimm wie die Antworten des interviewten Herren!

    Traurige Angelegenheit. Machte wenig Spaß zu lesen. Danke Boris Rosenkranz.

    😔

  18. @ Anderer Max (11):

    Ah, also sind wir wieder bei bei Gefühlen und Befindlichkeiten.

    Nunja – geht es denn jemals um etwas anderes?

  19. @14: *gähn*

    @13:
    Babymetal, Girlschool … Okay da hört’s dann auch auf bei mir. Aber die Frage, die #17 stellt ist richtig: Metal hat ja allegemein 0% Anteil im Pop-Radio, daher taugt die Analogie nicht.
    Reine Frauenbands würde ich so auf 1-2% aller Metalbands schätzen.
    Bands, in denen min. eine Frau spielt vielleicht 10%.
    Aber man kann ja auch niemanden dazu zwingen, Metal zu machen.
    Wohl kann man von Event-Organisatoren verlangen, eine Verteilung der Künstler so vorzunhemen, dass es der Verteilung der Gesamtmenge entspricht. Gerade bie einer Preisverleihung.

  20. @11 Stefan: Gebe ich Ihnen recht. Wir freuen uns über Themen-Angebote medienkritischer Kolleginnen an kontakt[at]uebermedien.de.

  21. Nennen sich Übermedien, machen aber die gleichen Fehler wie die traditionellen Medien (erziehen statt berichten, im Grunde Manipulation des Lesers). Der vorwurfsvolle Ton ist da nur die Krone.

  22. @22 Hasi:

    Wo sehen Sie denn das Erzieherische in dem Artikel? Ich fand Herr Rosenkranz‘ Fragestil kritikwürdig, aber wenn Sie das unter Erzieherisch subsummieren müssten Sie letztlich alles darunter fassen, wo ein Journalist eine eigene Meinung mit in ein Stück einfließen lässt.

    Die Art von Misere, die Sie meinen, scheint mir doch etwas enger nur dort vorzuliegen, wo kampagnenartig für eine bestimmte Denkrichtung getrommelt wird. Von Trommeln sehe ich hier nichts. Dafür, dass das Thema Repräsentanz von Frauen von großen Medien recht einseitig gefeatured wird kann Herr Rosenkranz ja nichts.

  23. (Antwort zu Heufer-Umlauf: mehr Musik v. Frauen spielen) „Das hat er schön gesagt, ja, fand ich gut. Wenn wir sehen, dass etwas erfolgreich sein könnte in unserem Programm und auch in der Breite eine gewisse Wirkung hat, dann spielen wir die Acts natürlich.“
    Diese zwei Sätze sind exemplarisch für das, was brechreizfördernd an den Aussagen des Herrn Löffler sind. Er findet angebl. eine Aussage „gut“, die er für falsch hält. Bäh, wie eklig ist das denn? Und dann: Nicht das ist wichtig für die Prögrammgestaltung, was gut ist, was ein wirkungsmächtiger Radiosender für gut hält, und entsprechend promoten könnte, sondern das, was „erfolgreich sein könnte“ und „auch in der Breite“ bla bla. Und so klingt das Programm dann auch.

  24. Leider spielen auch die meisten Gebührenfinanzierten Radio Sender das, was die Hörer vermeintlich hören möchten. Dabei sollte es gerade bei den Jungen Wellen Auftrag sein, auch neben den Tellerrand zu schauen. Dazu sollte auch die Förderung von weiblichen Talenten gehören. Ich kann mir kaum vorstellen, dass es keine gibt. Man muss nur mal die Ohren offen halten.

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