Oettinger: Verleger sollen kritische Journalisten auf Linie bringen

EU-Kommissar Günther Oettinger und BDZV-Präsident Mathias Döpfner
EU-Kommissar Günther Oettinger und BDZV-Präsident Mathias Döpfner Foto: Daniel Bouhs (CC-BY-SA)

EU-Kommissar Günther Oettinger (CDU) hat die Zeitungsverlage aufgefordert, im Kampf für ein Leistungsschutzrecht ihre Online-Redaktionen auf Linie zu bringen. Anders als die Print-Redaktionen der Tageszeitungen, die positiv über die Vorschläge der EU-Kommission berichtet hätten, sei die Resonanz bei den Online-Redaktionen eher kritisch ausgefallen, klagte er. Daran sollten die Verlage in ihrem eigenen Interesse etwas ändern. „Nicht Zensur ist gefragt“, sagte Oettinger, „aber Überzeugung, Argumente“.

Oettinger, der in der EU-Kommission unter anderem für digitale Wirtschaft zuständig ist, sprach am Montag auf dem Zeitungskongress des Bundes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV). Vor zwei Wochen hat er den Entwurf einer neuen Urheberrechtsrichtlinie vorgestellt, die unter anderem ein weitreichendes Leistungsschutzrecht für Presseverleger vorsieht.

Auf Druck der Verlage in Deutschland hatte der Bundestag vor drei Jahren ein ähnliches Gesetz geschaffen, das es Verlagen ermöglichen soll, gegen die Anzeige von Textausschnitten in Suchmaschinen oder Aggregatoren vorzugehen. Geld verdienen die Verlage damit bisher allerdings nicht; der Versuch, Google gleichzeitig dazu zu zwingen, Verlagsinhalte anzuzeigen und dafür zu bezahlen, ist bislang gescheitert.

Nun soll die EU helfen. Oettinger hat die Wünsche der Verlage in seinem Entwurf weitgehend erfüllt, fordert nun aber offenbar auch stärkere publizistische Unterstützung dafür. Wörtlich sagte er am Montag in Berlin:

Ein bisschen Sorge mache ich mir – bei allem, was an Redaktionsstatut und -freiheit besteht – über die Reaktionen. In den Tageszeitungen Print war sie positiv. Besten Dank auch für Ihre Stellungnahme, die war klar. Aber in vielen Ihrer Häuser haben Sie Offline- und Online-Redaktionen. Und bei den Onlinern war die Reaktion relativ negativ. Nicht Zensur ist gefragt, aber Überzeugung, Argumente. Wenn Sie nicht als Geschäftsführer und Geschäftsführerinnen, als Verlegerinnen und Verleger in den nächsten Wochen kämpfen vor Ort, regional und lokal, dann haben Sie ein Zeitfenster für Ihre ökonomische und damit kulturell-demokratische Zukunft versäumt.

Sie dürften das Thema nicht ihren Verbandsvertretern überlassen. Oettinger rief den versammelten Zeitungsleuten zu:

„Schwärmen Sie aus und reden Sie über die Ausgewogenheit, das Level Playing Field, das für Ihre Verlage und Ihre Arbeit von morgen unentbehrlich ist, wenn Sie nicht überrollt werden [wollen?] von dem, was von den Online-Plattformen und deren Kapitalkraft und Datenübermacht besteht!“

Applaus im Saal.

Wow.

Man kann Oettingers Sätze kaum anders verstehen, als dass er die Verlage dazu auffordert, ihre publizistische Macht dafür zu missbrauchen, öffentlich Stimmung für ein Gesetz in eigener Sache zu machen. Er beklagt sich darüber, dass nicht alle Redaktionen in seinem Sinne und im Sinne der Verlegerlobby für das Gesetz trommeln. Er bemängelt, dass es aus Online-Redaktionen Kritik an seinem Vorschlag gibt, obwohl der doch so sehr den Wünschen der Verleger entspricht.

Das ist auf vielen Ebenen bestürzend. Verleger haben ganz besondere Möglichkeiten, auf Gesetzgebungsprozesse Einfluss zu nehmen. Sie haben nicht nur den üblichen Weg der Lobby-Arbeit, wenn Interessensvertreter Politiker zu überzeugen versuchen. Sie können zusätzlich auch Druck ausüben, indem sie ihre publizistische Macht nutzen.

Schon im Vorfeld der Verabschiedung des deutschen Leistungsschutzrechtes gab es Gerüchte zu hören, wonach Verlagsvertreter Politikern angedeutet haben sollen, dass sie ein Problem mit der Berichterstattung bekommen könnten, wenn sie sich den Forderungen der Verlage widersetzen. Ob das wirklich so geäußert wurde, weiß ich nicht. Aber theoretisch ist es vorstellbar.

Und dann haben die Verlage natürlich noch besondere Möglichkeiten, die öffentliche Meinung in ihrem Sinne zu beeinflussen. Klassisch ist der Fall, wie die „Bild“-Zeitung im Herbst 2007 plötzlich eine massive Kampagne gegen die Einführung von Mindestlöhnen führte – kurz nachdem Axel Springer die Mehrheit an dem Briefzustelldienst PIN-AG erworben hatte, dessen Geschäftsmodell nicht zuletzt auf Niedriglöhnen beruhte.

Vor der Einführung des Leistungsschutzrechtes in Deutschland mutierten größere Teile der deutschen Presse zu Propagandaplattformen in eigener Sache (einige Beispiele dafür habe ich in meinem Blog aufgeschrieben; eine längere Chronologie hier).

Seitdem sind in vielen Verlagen Zweifel gewachsen, ob ein Leistungsschutzrecht wirklich sinnvoll und hilfreich ist. An die Stelle einer Kampagne für das Gesetz (und gegen Google) ist an vielen Stellen, Achtung!, Journalismus getreten. Verschiedene Redaktionen und verschiedene Journalisten bewerten Oettingers Pläne und die Forderungen des Verlegerverbandes unterschiedlich. (Dass es gerade Online-Redaktionen sind, wie „Zeit Online“ und „Spiegel Online“, die sich kritisch äußern, könnte jemanden wie Oettinger natürlich auch ins Grübeln bringen, ob dort nicht womöglich ein größerer Sachverstand in solchen Fragen sitzt, aber vielleicht sind die Kollegen natürlich auch alle von Google gekauft.)

Und nun fordert der EU-Kommissar Oettinger also die Verlage auf, im eigenen Interesse etwas gegen diese Meinungsvielfalt zu tun. Natürlich nur durch Überzeugungsarbeit, was man sich wohl so vorstellen muss, dass der Verlagschef mal die Onliner zu sich ruft und ihnen erklärt, warum sie Unrecht haben, wenn sie das Leistungsschutzrecht ablehnen, aber dass sie das natürlich trotzdem weiter schreiben können, wenn sie wollen, außer, dass es natürlich gar keinen Grund mehr dazu gibt, es anders zu sehen als der BDZV und Herr Oettinger, wegen der guten Argumente, die er ihnen gerade mitgeteilt hat.

Oettinger will, dass die Verleger ihre Redaktionen auf Linie bringen, und dass er behauptet, es gehe selbstverständlich nicht darum, die „Redaktionsfreiheit“ einzuschränken, oder „Zensur“ zu betreiben, zeigt nur, dass er genau weiß, dass er hier gegen innere Pressefreiheit und Meinungsvielfalt in den Redaktionen argumentiert und Propaganda statt Journalismus fordert.

Und der Saal voller Zeitungsleute applaudiert.

[Offenlegung: Ich bin gegen ein solches Leistungsschutzrecht für Presseverleger.]

 
Medien besser kritisieren.

81 Kommentare

  1. Stell doch mal eine Umfrage hier rein, mit den zehn größten Zeitungsverlagen plus VG Media zur Abstimmung für die Frage:
    „Bei welcher Organisation wird Günter Oettinger nach dem Ende seines EU-Kommissariatspostens unterkommen?“

    Mal sehen, wie viele richtig liegen…

  2. Puh, das ist wirklich derartig abgeschmackt, schamlos und plump, das hätte ich in dieser Form selbst dem Oettinger nicht zugetraut. Aber die „Offenlegung“ unter dem Text finde ich etwas kurios. Gut, das bietet nochmal die Möglichkeit, auf die Initiative gegen das Leistungsschutzrecht zu verlinken. Aber man muss doch jetzt nicht ernsthaft, wenn man Befürworter des Leistungsschutzrechts kritisiert, offenlegen, dass man selbst ein Kritiker des selbigen ist? Naja, wie auch immer, hoffentlich trägt der Text dazu bei, dem heldenhaften Einsatz dieses schwäbischen Digital-Titans den verdienten Gegenwind zu bescheren.

  3. …obwohl meine Mutter immer gesagt hat, ich solle Journalist werden, hat es nur zum Betriebsschlosser gereicht.
    Immerhin bin ich des Lesens mächtig und in der Lage, mir eine eigene Meinung zu bilden.

    Oettinger?
    Ist das der mit z.B. Stuttgart21 und seinen vielfältigen sog. Beziehungen?
    Man wüsste es gerne noch genauer…

  4. Ich finde die Geschichte weniger empörend als viel mehr vielsagend. Oettinger weiß mal wieder nicht, was man in Mikrophone reden sollte und was nicht. Ergebnis: Vermasselt.
    Das andere ist: Oettinger hofft bei der Gesetzgebung auf publizistischen Beistand. Genau da liegt ja das Motiv, warum sich „Kerneuropa“ für kleine Zeitungen und unbedeutende Magazine einsetzt: It’s a deal.
    Was die eine Seite bietet, liegt auf dem Tisch: Immerhin so etwas nicht ganz Unbedeutendes wie das Versprechen, etwas Handfestes für die „Existenzsicherung“ zu tun. Was Oetti den Verlagen dafür abhandelt, ist unsichtbar, aber man kann davon ausgehen, dass es auch etwas mit „Existenzsicherung“ und eben Beistand bei Durchsetzung von Politik zu tun hat. Da wird ein Subventionsgesetz gegen Legitimierung gehandelt, „nicht im Sinne von Zensur, sondern Überzeugung, Argumente.“ Möglich, dass dies auch schon im Hinblick auf die anstehenden Wahlen in Fr und D geschieht?
    Darüber kann man sich natürlich leicht aufregen, muss man vielleicht auch, aber die Sachlage ist ja nicht nur in dieser Hinsicht heikel, sondern auch unter vielen, vielen anderen Aspekten. Dem redaktionellen Journalismus fließt ja tatsächlich der Boden unter den Füßen weg, wie auf der anderen Seite und vielleicht noch nicht so schnell der parlamentarischen Demokratie. Solange redaktionelle Arbeit mehr ist als nur die Addition von einzelnen Journalistinnen, solange ist unter den jetzigen Bedingungen nicht verkehrt, darüber nachzudenken, wie redaktionelle journalistische Arbeit überleben kann.
    Ich befürchte, es wird den Gegnern der vorgeschlagenen Regelungen am Ende so ergehen wie den Gegnern des LSR: weil man nur gegen-redet, kann man nicht mitreden – das Ergebnis ist viel Kampf und totale Erfolglosigkeit, bzw. noch schlimmer: es wird eben auch die Chance vertan, den redaktionellen, kollektiven Journalismus zu stützen, z.B. weil man gar nicht erst darüber diskutieren will, welche Geld denn unter welchen Voraussetzungen für welche Zwecke und an wen fließen soll. Die Sachlage ist ja viel dialektischer, als es scheint. Mit der Rettung der Hyperlinks ist ja noch lange nicht das Internet gerettet – wer sagt, denn dass Google und Facebook die künftig überhaupt noch brauchen, wenn wir „search as a conversation“ haben? Wenn alles nur noch um automatische strukturierte Daten geht und das ganze unstrukturierte Zeug höchstens noch ein paar intellektuelle Randgestalten interessiert, aber nicht die Massen der Nutzer?

  5. In was für einer Welt leben wir nur…:-( Wir entwickeln uns weiter durch den Pluralismus. Die Presse sollte mal die 4. Macht im Staate sein und den regierenden auf die Finger schauen – quasi als repräsentative Kontrollinstanz der Bürger (also ihrer Kunden). Was ist nur inzwischen daraus geworden. Die Wenigen, die noch eine eigene Meinung haben und diese auch äußern, sollen mit Druck auf Linie gebracht oder Mundtot gemacht werden. Das sind offensichtlich die Zeichen der „modernen“ Zeit in der wir leben. Ob das gut so ist? Ich habe da so meine Zweifel….
    Die Bürger (Kunden) sind ja auch nicht dumm und sehen diese Entwicklung oft. Entsprechend sinken mit der Glaubwürdigkeit auch die Verkaufszahlen der Presseerzeugnisse. Ist das ein Erfolg? Eher nicht…

  6. @3
    „Oettinger?Ist das der mit z.B. Stuttgart21 und seinen vielfältigen sog. Beziehungen?“
    Das ist auch genau der ehemalige Ministerpräsident von Baden-Württemberg, der vom ersten Tag an einen Deckel aus Nebelkerzen über den Mordfall Kiesewetter hat legen lassen. Aus heutiger offizieller Sicht würde das bedeuten, dass er einen NSU geschützt hätte (Sogenannte Verschwörungstheoretiker beharren auf der Meinung, dass er etwas ganz anderes geschützt hat).
    Man kann an diesem Fall ahnen, dass die gegenseitigen „Verpflichtungen“ von Politik und Verlegern extrem tief reichen und wie ein Myzel die ganze Gesellschaft durchziehen. Dieser gute Artikel beleuchtet nur genau einen prächtigen Pilzkörper, der aus dem Untergrund herausgekommen ist und scheinbar einsam im grünen Moos in der Sonne steht.

  7. Sehr gute Medienkritik. Peinlich für Herrn Oettinger. Peinlich für Springer und die Verleger. Leider konsequenzlos.

  8. Die Kolleginnen und Kollegen aus den Online-Redaktionen sollten doch bei aller wohlfeilen Empörung über Herrn Oettinger nicht vergesen, dass der Großteil ihrer Honorare oder Gehälter aus den (schrumpfenden) Gewinnen der Print-Marken ihrer Verlage finanziert werden. Ich kann überhaupt nicht nachvollziehen, warum schreibende – und also auch denkende – Menschen dafür eintreten, dass die Früchte ihrer Arbeit an Google & Co verschenkt werden sollen. Ich würde meiner Enteignung nicht zustimmen. Denkt nach Kolleginnen und Kollegen – wo kommt wohl Eure Kohle her?!

  9. @7

    „Wer mit Springer koaliert gewinnt auch Wahlen…“

    Glücklicherweise nicht unbedingt. Man erinnere die beispiellose Kampagne der Springer-Presse, als es in einem Volksentscheid um den Erhalt des Flughafens Tempelhof ging. Das ging für „B..d“ seinerzeit gründlich daneben.
    Und wer mit der Springer-Lügenpresse ins Bett geht, muss anschliessend mit heftigen Unterleibsschmerzen rechnen.

  10. Musste ja schon lachen, als ich Döpfi neulich über die „Enteignung der Verlage“ jaumern hörte! „Wir liefern die Inhalte kostenlos – das Geld, und zwar fast hundert Prozent, verdienen andere!“
    Mal abgesehen davon, dass Verlage die faktische Entrechtung/Enteignung ihrer Inhalteerzeuger (Total buy out) sonst nicht so problematisch empfinden…ist der Mann nicht promoviert und einer der Spitzenverleger dieses Landes? Und was sagt er? Dass er Inhalte kostenlos zur Verfügung stellt. Um sich dann zu wundern, dass nicht er, sondern andere damit verdienen??? Ich fasse es nicht! Hört sich der Mann eigentlich selbst gar nicht zu??? Mal abgesehen davon, dass sein Intellekt doch hinreichen sollte, Geschäftsmodelle von Firmen wie Google durchaus von den Geschäftsmodellen von Verlagen unterscheiden zu können…

    Und nun wieder Ötti! Herr, schmeiß Hirn vom Himmel, damit Deine (Krone der…?) Schöpfung nicht allmählich an ihrer Blödheit verreckt…

  11. So sehr ich Stefan Niggemeiers Kritik am Leistungsschutzrecht folgen kann, muss ich hier doch mit Niko (#5) darauf hinweisen, dass innere Pressefreiheit zwar als wünschenswert betrachtet werden kann, aber in keiner Weise institutionalisiert ist. Das Gesetz schützt in der Tat vor allem die Freiheit des Verlegers, über seine Publikationen seine Meinung zu verbreiten. Das lässt sich sogar demokratietheoretisch sinnvoll begründen, weil – unter der Voraussetzung von Meinungsvielfalt – die Kontrollfunktion der Presse gegenüber dem Staat so gedacht ist, dass jeweils eine Zeitung mit einer Stimme sprechen soll. Ansonsten wäre es nämlich auch ein leichtes, kritische Presse, für die vor allem die Verleger als kritisch gesinnte Persönlichkeiten bürgen sollen, mithilfe korrupter Journalisten zu unterwandern. Allerdings ist die Idee der kritisch gesinnten Verlegerpersönlichkeit im Zeitalter der Medienkonzerne natürlich andererseits ziemlich obsolet geworden. Das wäre also ein gutes Argument für innere Pressefreiheit. Darüber müsste man also offen diskutieren. Es hilft aber nicht, eine innere Pressefreiheit vorauszusetzen, die es gar nicht gibt, um damit Leute wie Oettinger zu kritisieren. Denn bislang steht Oettinger mit seiner Position auf der sicheren Seite.

  12. @18, Walter: Ich glaube, Sie haben nicht so richtig verstanden, worum es eigentlich geht. Der Text handelt doch nicht davon, ob sich Redakteure im Innenverhältnis gegenüber ihrem Verleger auf die Pressefreiheit berufen können. Sondern es geht um einen Politiker, seines Zeichens EU-Kommissar für Digitales, der allen Ernstes meint, es sei seine Aufgabe, Zeitungsverleger dazu aufzurufen, ihre eigenen Mitarbeiter bei einem umstrittenen Gesetz auf die von ihm gewünschte (bzw. von ihm bei den Verlegern unterstellte) Linie zu bringen. Das hat nur insoweit etwas mit Presse- und Meinungsfreiheit zu tun, als dass sich hier ein staatlicher Repräsentant der (privaten) Macht von Verlegern gegenüber ihren Mitarbeitern bedient, um ein kontroverses Meinungsbild in der Öffentlichkeit einzuschränken.

  13. @Hanno: Ich habe durchaus verstanden, worum es geht. Es geht eben doch im Kern um die Frage innerer Pressefreiheit, die Oettinger in der Tat offensiv ablehnt. Oettinger hat es sich zur Aufgabe gemacht, politischen Druck zu erzeugen, um ein EU-weites Leistungsschutzrecht durchzusetzen. Zu diesem Zweck appelliert er in einer öffentlichen Rede an die Verleger, in diesem seinem Sinne zu publizieren und diese Linie auch innerhalb ihrer Verlage durchzusetzen. Ich kann aber nicht erkennen, dass er dadurch ein kontroverses Meinungsbild in der Öffentlichkeit einschränkt. Die bereits entstandene Diskussion kann er ja nicht mehr zurückholen. Er hat auch keinerlei Weisungsbefugnis gegenüber Verlegern oder Journalisten. Er appelliert, nicht mehr und nicht weniger, und er kann sich dabei auf bestehendes Recht berufen. Das bestehende Recht schützt nämlich die Verlagstendenz, nicht die Redaktionsfreiheit.

  14. @20, Walter: Keine Ahnung, was Oettinger von innerer Pressefreiheit hält und ob dies der tatsächlichen Rechtslage entspricht oder nicht. Ich sehe nur keinen Zusammenhang zu Ihren rechtlichen Überlegungen und der hier geäußerten Kritik an Oettinger. Oder hat hier bislang irgendjemand behauptet, dass Oettinger gegen geltendes Recht verstoßen oder Weisungsbefugnis gegenüber Redakteuren hat?

  15. @7; @14

    Bin aus dem Keller in OWL zurück an den Rhein… :D
    Ach ja, der Oettinger. Er stoibert halt gerne…

  16. a) Ob Oettinger sich in den Augen einer kleinen überinformierten Minderheit blamiert, kann ihm egal sein. In seine machtvolle Position wurde er ebenso wenig durch Wahl-Ergebnisse befördert wie die gesamte Kommission und er wird sich auch nie allgemeinen Wahlen stellen müssen, wiederum: Wie die gesamte Kommission. Die galoppierende Diskreditierung des europäischen Projektes hat u.a. damit sehr viel zu tun. Das Brexit-Ergebnis und die Wählerstimmen Nicht-völkisch gesinnter Bürger für völkische Parteien ebenso. Als glühender Europäer könnte ich daran verzweifeln, wie diese Kamarilla den europäischen Gedanken missbraucht und vernichtet. Eigentlich fehlt nur noch Mappus als Kommissar für Bürgerdialog. Die beiden Helden haben zusammen das Wunder der Ba-Wü-Entschwarzung ermöglicht. Gebündelt mit den Junkers, Draghis und Co ist keine effektivere EU-Abrissbirne vorstellbar.
    b) Eine innere Pressefreiheit hat es natürlich nie gegeben. Das wird erst zum Problem, wenn es nur noch 3-4 Verleger-Trusts gibt, die sich bei den meisten wichtigen Themen einig sind. Vor allem in Zeiten, in denen ökonomisch keine dissidenten Medien-Neugründungen möglich sind, die auf Massenreichweite (MWR) abzielen. (Oppositionelle Medien ohne MWR gibt es auch in Russland, erreichen aber eben auch da nur den kleinen Kreis der Überinformierten)
    c) Was Oettinger hier einfordert und die Verleger scheinbar frenetisch beklatschen ist legal. Und ein Ausdruck einer Grundhaltung, die deren Kritik an der gelenkten Demokratie in Russland unter Neidverdacht stellt.
    d) Im Sinne einer sich hier gelegentlich meldenden Theo-Logie stellt sich also nur die Frage, wer hier Wasser auf die Mühlen des EU-Verdrusses bis hin zur „EUDSSR“-Hetze leitet? ÜM, weil sie darüber berichten? Oder Oettinger und die Verleger, weil die so agieren?

  17. Der Symboltroll hat was an den Ohren. Wenn das „frenetischer“ Beifall sein soll, wie hört sich dann zögerlicher Beifall an?

  18. @23
    Sie sprechen mir aus meiner europäischen Seele. Danke
    Schade, dass dieses Projekt derzeit einen solchen Niedergang erlebt.
    Man möchte verzweifeln…
    Grüsse vom Niederrhein

  19. Ob das ganze wieder so eine Nullnummer wie das deutsche Leistungsschutz recht wird? Es zielte darauf ab, Google zu schröpfen, nur: Vor Google ist man eingeknickt und das Gesetz behindert nun nur maximal noch die ohnehin kaum vorhandene Konkurrenz. Kleine Newsaggregatoren machen dicht oder trauen sich gar nicht erst auf den Markt. So zementiert man das Quasi-Monopol von Google und braucht sich nicht wundern, wenn Verlage in Zukunft noch weniger Druckmittel haben gegenüber Google Forderungen zu stellen.

    Und die Verleger sollen bei der „Vorlage“ aus Deutschland auch noch auf ihre (Online-) Redakteure einwirken das positiv zu beleuchten? Bisher hielt ich Oettinger immer für einen Lobbyisten der Verlage, so langsam frage ich mich, ob der nicht für Google arbeitet..

  20. Die Überschrift impliziert, dass es kritische Journalisten gibt. Und jeder denkt sogleich: „Was’n Quatsch!“.

    In der Einleitung dann die Auflösung: Es geht nur um LSR-Kritik.

    (Welches das Ende meiner Nachrichtensuchmaschine war)

  21. @walter:

    Sie haben Recht, deshalb genügen mir oft die Texte. Das Video habe ich jetzt erst geschaut.
    Frenetisch klang der Applaus nicht. Aber Applaus es war. Beunruhigend genug.

  22. Herr Oettinger hat nicht daran gedacht, dass ihn jeder verstehen kann, da er nicht Englisch gesprochen hat.

  23. @12, Daniel Goffart
    „Ich kann überhaupt nicht nachvollziehen, warum schreibende – und also auch denkende – Menschen dafür eintreten, dass die Früchte ihrer Arbeit an Google & Co verschenkt werden sollen.“

    Da Sie sich ja offensichtlich zu den denkenden Menschen zählen, erklären Sie uns doch bitte mal, inwiefern der massive Traffic, den Google den Verlagsseiten gratis schickt, an Google abgetretene Früchte ihrer Arbeit darstellt.

  24. Wundert sich eigentlich noch irgendjemand, dass auf der Strasse immer lauter „Lügenpresse“ gerufen wird?

  25. Etwas Kluges wird nicht dumm, weil Öttinger es sagt. Aber die Idee, dass sich Online-Redakteure ausschließlich mal von den Zahlungen finanzieren sollen, die Google für Ihre Artikel bezahlt, sollte zum Nachdenken anregen. Klickzahlen von Online, aber die Kohle von Offline – da passt doch was nicht. Die Kostenlos-Kultur befördert den Paste & Copy Journalismus. Recherche kostet.

    P.S. Am Ende des Artikels steht, ich soll uebermedien kostenpflichtig abonnieren. Aha. Warum in diesem Fall?

  26. @Christoph Bauer, #37

    „P.S. Am Ende des Artikels steht, ich soll uebermedien kostenpflichtig abonnieren. Aha. Warum in diesem Fall?“

    Sie erkennen aber schon einen Unterschied zwischen einem Abonnement und Sichtbarmachung durch einen news aggregator/ eine Suchmaschine, oder? Wüsste jetzt nicht so, dass Übermedien für Links irgendwelche Forderungen stellt.

  27. Angriffe auf die freie Presse sind inakzeptabel.

    Egal ob sie von Rechten (AfD), von Plattformkapitalisten (Google) oder von Netzaktivisten stammt, die Google für ein schützenswertes Startup, Presse, Funk und Fernsehen jedoch für „Staatsmedien“ halten. (Info: Presse, Funk und Fernsehen in D sind frei und Google ist das wertvollste Unternehmen der Welt).

    Google verwertet Inhalte, auch journalistische, und möchte daher seine Einkaufspreise drücken. Ein legitimes wirtschaftliches Eigeninteresse, das Google mit seiner ganzen Lobbymacht umsetzt. Laut Lobbypedia hat Google am deutschen Leistungsschutzrecht mitgeschrieben und somit verhindert, dass Zahlungen an die Verlage fließen.

    Oettingers Vorstoß ist daher nicht nur völlig logisch, sondern auch dringend notwendig. Es geht nicht nur um das Überleben der Presse, sondern auch um die Relevanz des Mediums Internet. Denn die Filterblasen jenseits des Pressekodex sind bekanntlich nur mit rechter Lügenpropaganda gefüllt.

    Oettingers Rhetorik ist allerdings ebenfalls inakzeptabel.

  28. …pardon, hier noch der Link auf Lobbypedia:

    https://lobbypedia.de/wiki/Google

    Laut Lobbypedia hat Google am deutschen Leistungsschutzrecht mitgeschrieben und so Zahlungen an die Verlage verhindert. Ein Skandal, der bislang wenig thematisiert wurde.

    Es klingt immer ein bisschen albern, die vermutliche Lobbymacht z.B. der Presseverlage zu kritisieren, die tatsächliche Lobbymacht Googles aber schweigend zu akzeptieren. Oettingers mangelhafte Rhetorik macht die europäischen Presseverlage nicht plötzlich mächtiger, als den globalen Info-Monopolisten.

  29. @39/41:
    Google hat Marktmacht, das bestreitet wohl niemand. Aber aus meiner Sicht gäbe es genau zwei Szenarien bei einer Einführung eines LSR:
    1. Das „deutsche“ Modell. Wir schaffen ein Leistungsschutzrecht an und all die kleine Aggregatoren gehen ein, arbeiten in Deutschland nicht mehr oder fangen gar nicht in Deutschland an während Google von vorne herein gesagt hat, dass sie nicht zahlen werden und notfalls alles kostenpflichtige aus ihren Angeboten entfernen würden (Wären Snippets nicht erlaubt wird halt die ganze Seite raus gefiltert)

    Oder 2. Man beruft sich auf die Marktmacht von Google und zwingt sie die Seiten anzuzeigen und gleichzeitig dafür zu zahlen. Das ganze natürlich unter der Voraussetzung, dass die Gerichte das einfach so akzeptieren.

    Im ersten Fall gibt es einen klaren Gewinner der ganzen Sache: GOOGLE! Im Zweiten fall hätte ich ein ganz klares Problem, denn einen Zwang ein Geschäft einzugehen (War das Kontraktionszwang? ) finde ich schon bei den öffentlich rechtlichen schlimm (die Verlage ja auch, IIRC) dann kann ich das bei Google nicht plötzlich gut heißen.

  30. @Novalis:

    Welche mängelbefreite Rhetorik würden Sie Oettinger denn für eine Aufforderung, Redaktionen auf Linie zu bringen, empfehlen?

  31. Ach Gott, der Oettinger. Ist das nicht der, welcher kritischen Journalisten nach berechtigten Fragen zornig den Intendanten an den Hals hetzen wollte?

  32. @ Darin

    Pardon, leider verstehe ich Ihre beiden „Szenarien“ nicht ganz.

    Es geht darum, dass Google nationale Gesetze offenbar recht leicht umgehen kann. Bei einem europäischen LSR müsste Google sich entscheiden, ob sie den europäischen Markt teilweise aufgeben, oder für die verwerteten Inhalte zahlen. Ich tippe mal, sie entscheiden sich aus wirtschaftlichen Gründen für Letzteres. Und dann haben wir die Situation, die wir im Netz brauchen: einen wirtschaftlichen Anreiz, Inhalte herzustellen und zu publizieren.

    Der Niedergang der Musikwirtschaft und des Journalismus im Netzzeitalter bezeugen, dass dies bisher eben genau NICHT der Fall ist. Eine Prekarisierung der Kulturschaffenden schadet unserer Kultur und unserer Demokratie, deshalb muss dieser Fehler im Netz dringend behoben werden. Selbst dem trotteligen Oettinger scheint dies klar zu sein, während unseren „Netzaktivisten“ noch die Orientierung im „Neuland“ fehlt.

  33. @Symboltroll

    Gegenfrage: Wenn ein Gewerkschafter seine Mitglieder dazu aufruft, sich in großer Zahl an einem Streik zu beteiligen, oder wenn ein Politiker zu einer regen Beteiligung an einer Demonstration aufruft, um die eigenen Forderungen durchzusetzen – welches moralische Fehlverhalten möchten Sie diesen Leuten dann unterstellen?

    Oettingers drückt sich so ungeschickt aus, dass Spötter ihm jederzeit das Wort im Mund umdrehen können. Genau das ist in diesem Artikel geschehen. Niggemeier hat in der Sache Unrecht und muss daher zu diesem Mittel greifen. Nicht gerade redlich, aber die Masse jubelt ihm zu. Clickbaiting statt LSR ist hier wohl die Devise.

  34. @ Novalis:

    „Presse, Funk und Fernsehen sind in Deutschland frei“:

    Soso, und warum hat das BVerfG dann 2014 den Einfluss von Politik und Parteien auf das ZDF beschränkt?
    Sie sind verfassungswidrig überproportional in sämtlichen Rundfunkausschüssen vertretenen.

    Und warum wohl? Um dort die Freiheit dieser Institutionen – wovor/von wem oder was? – sicherzustellen?

  35. @45, Novalis: OK, sie gehen also davon aus, dass Google sich Inhalte dazu kauft? Offen gesagt, für so dumm halte ich die Alphabeten nicht. Aus zwei Gründen:
    1) Google sitzt am längeren Hebel. Das mag jetzt vielleicht gemein klingen, aber die Europäer suchen alle über Google. Was glauben sie, wer länger durchhält, Google bis die ersten Verlage einknicken und doch wieder den Traffic über das Geld stellen oder die Verlage bis die Leute alle von Google auf eine bezahlende oder freigegebene Suchmaschine wechseln. Dazu kommen noch so lästige Faktoren wie Blogs die über bestimmte Ereignisse berichten und dann eben zu Rate gezogen werden.

    2) Spalter. Auch wenn es aus ihrer Sicht kaum zu glauben sein mag, aber es wird garantiert Verlage geben, die in einer kostenlosen Lizenzierung ihrer Texte die Chance sehen ihre Reichweite zu erhöhen und so ihr Werbeeinkommen zu verbessern. Warum sollte Google also an eine Seite für etwas zahlen, das sie auf der anderen Seite umsonst bekommen kann (denn sind wir mal ehrlich, die Nachrichten zwischen den Seiten sind selten exorbitant unterschiedlich)

    Und dann möchte ich noch auf den „Niedergang der Musikindustrie“ zu sprechen kommen, den sie mal wieder auf das Internet schieben wollen. Der Journalismus und die Musikindustrie haben beide ein Problem, dass bei solchen Argumentationen immer ganz gerne unter den Tisch fallen gelassen wird: Konkurrenz. Die Konkurrenz der Musikindustrie besteht darin, dass die Menschen eben nur eine gewisse Zeit haben. Früher wurde die mit Musik hören gefüllt, denn das war etwas was man steuern konnte. Die Menschen haben auf neue Alben gewartet, wenn nichts im Fernsehen kam haben sie eine Platte aufgelegt und dieser gelauscht bis sie sich daran satt gehört haben. Was macht man heute wenn einem langweilig ist und man nichts zu tun hat? Musik hören? Vielleicht, aber die meisten spielen Computer, schauen Videos oder nutzen eines der vielen anderen Medienangebote. Die Medienzeit ist vielleicht deutlich mehr geworden, das Medienangebot ist aber sehr viel deutlicher gestiegen. Darum macht die Musikindustrie nicht mehr so viel Gewinn wie früher.

    Der Journalismus muss sich genauso an der Konkurrenz messen lassen, nur dass dies in dem Fall Blogs, Twitter und Facebook sind. Wenn etwas interessantes passiert schalten die Journalisten ja gerne Ticker. Warum sollte ich die lesen, anstatt mir die Originalnachrichten auf Twitter anzusehen? Wenn es ein Urteil des BGH gibt, warum sollte ich mir die Zusammenfassung und Bedeutung von einem Journalisten erklären lassen, wenn es genug Anwaltblogs gibt, die mir sehr genau erzählen was da abgeht? Wieso sollte ich ein aktuelles Ereignis in einer Tageszeitung oder deren Seite verfolgen, wenn ich bei Facebook nachsehen kann, was die betroffenen denken?

  36. @Daarin (48)

    Ein handwerklich gutes LSR, an dem Googles Lobbyisten vielleicht ausnahmsweise nicht mitschreiben dürfen, sollte tatsächlich geeignet sein, Google zu zwingen für verwertete Inhalte auch zu zahlen. Zumindest theoretisch sitzt Google nämlich am kürzeren Hebel – und das ist auch gut und richtig so. Auch „Spalter“ sollten gesetzliche Regelungen nicht umgehen können.

    Aber Sie haben recht, Google zu sozialem Verhalten zu erziehen ist eine Mammutaufgabe. Nur, wenn wir davor kapitulieren könnte das Netz zum Monster mutieren. Die von Ihnen erwähnte Neigung, sich über soziale Netzwerke zu „informieren“ hat ja bereits den Aufstieg der Rechten und den Brexit begünstigt. Lassen Sie uns davor also nicht die Augen verschließen, sondern das Netz so gestalten, dass es dem Gemeinwohl nützt und nicht nur den Krakeelern aus der Filterblase oder den Aktionären einiger weniger globaler Monopolisten.

    Und pardon, aber bitte verschonen Sie mich mit der x-ten, frei erfundenen Geschichte, warum die Musikwirtschaft wegen allem anderen, nur nicht wegen Napster und PirateBay zugrunde gegangen sein sollte. Es ist albern, die Irrtümer von vor 15 Jahren aufrechterhalten zu wollen. Der Schaden ist angerichtet, Popmusik war eine globale Kultur, die die Menschen geeint hat. Ihre heutige Bedeutung ist marginal. Nicht zuletzt deshalb gehen immer mehr Risse durch unsere Gesellschaften. Vielleicht retten wir wenigstens die Errungenschaft der freien Presse, bevor wir vollends im Postfaktischen versinken.

  37. @Muckusch

    Bitte nehmen Sie zur Kenntnis, dass es sich bei „Politik und Parteien“ um gewählte Volksvertreter handelt. Mit wem würden Sie das Kontrollgremium des Rundfunks denn besetzen wollen, wenn nicht mit gewählten Volksvertretern?

    Welches Gremium kontrolliert die Medien, die Sie bevorzugt konsumieren und wie ist es zusammengesetzt?

  38. @40

    Sehr geehrter Herr Niggemeier,

    es ist mir unangenehm Oettinger verteidigen zu müssen, aber was Sie ihm vorwerfen ist eine maßlos überzogene Unterstellung.

    Nach meiner Auffassung ruft Oettinger die Verleger dazu auf, ihre Mitarbeiter von der Nützlichkeit des LSR zu überzeugen und eben nicht, sie anzuweisen, positiv über das LSR zu berichten. Es dürfte wohl selbstverständlich sein, dass ein Politiker, der eine Branche per Gesetzesinitiative unterstützen will, sich umgekehrt auch der Zustimmung der Branche zu diesem Gesetz sicher sein will. Oettinger hätte dies auch bei abgeschaltetem Mikrofon ansprechen können, aber verwerflich ist jedenfalls weder dies, noch das LSR selbst.

    Es ist äußerst tendenziös, wenn Sie anschließend die publizistische Macht der Zeitungsverlage betonen und ihre Möglichkeit per Lobbyarbeit Einfluss zu nehmen, aber die ungeheuerliche Medienmacht Googles komplett verschweigen. Laut Lobbypedia hat Google am deutschen LSR entscheidend mitgeschrieben und somit dessen Wirksamkeit verhindert. Google hat offenbar nicht nur den gößten Etat für seine Lobbyarbeit, sondern vor allem auch den größten Erfolg. Die von Google gestartete Kampagne „Verteidige dein Netz“ belegt, wie skrupellos und perfide Google seine Wirtschaftsinteressen durchsetzt. Ich kann mir kaum vorstellen, dass Ihnen diese Sachverhalte unbekannt sind – warum verschweigen Sie sie also?

    Google führt einen Kampf gegen die freie Presse – das ist eine Katastrophe und ein Skandal – aber Ihnen fällt dazu nichts weiter ein, als einen schwachen Redner anhand seiner gutgemeinten, aber schusseligen Aussagen vorzuführen. Tut mir leid, aber das hat schon was vom postfaktischen Clickbaiting, das den Qualitätsjournalismus abzulösen droht. Ich hoffe dies ist nicht Ihr Anspruch.

    Gruß Novalis

  39. @Novalis
    Oh, da haben Sie aber besonders Recht, das war mir entgangen, Politiker sind vom wahlberechtigten Volk mit einer Wahlbeteiligung von rund 50 Prozent und sie selbst davon auf Listenplatz „gewählt“.
    Und das macht Sie dann staatsfern?

    Lesen Sie doch bitte das Urteil des BVerfG zum Staatsrundfunkvertrag, statt mir falsche Fragen zu stellen , jedenfalls dieses oberste deutsche Gericht will Ihre „gewählten Volksvertreter“ dort nicht zuhauf sehen wie derzeit, weil sie Staatsrundfunk machen!
    Und nur bspw. der ehem. nds. Popbeauftragte ist kein gewählter Volksvertreter, er hat bislang jede Wahl verloren.

  40. @Novalis: Ich müsste so vielen Ihrer Behauptungen widersprechen, aber ich konzentriere mich mal nur auf die eine, die Sie immer wiederholen: Dass Google Lobbypedia „am deutschen Leistungsschutzrecht mitgeschrieben und somit verhindert [hat], dass Zahlungen an die Verlage fließen“.

    Ich nehme an, Sie beziehen sich auf diesen Eintrag. Dort steht:

    Die Bemühungen des Unternehmens [Google] stellten sich als erfolgreich heraus: Der ursprüngliche Gesetzesentwurf zum Leistungsschutzrecht sah vor, dass Google für seinen Nachrichtendienst Google News Geld an Zeitungsverleger zahlen soll. Im August 2013 trat das Leistungsschutzrecht in Kraft: Die vom Dienst Google News benutzten Snippets wurden dabei von der neuen Gesetzesregelung ausgenommen.

    Das ist in dieser Form grob irreführend. Tatsächlich wurde der Gesetzentwurf kurzfristig noch geändert, aber keineswegs so, dass irgendwie besonders „Google News“ betroffen wäre, und auch nicht so, dass Snippets von der neuen Gesetzesregelung eindeutig ausgenommen wären. Die Verlage selbst zum Beispiel sind der Meinung, dass auch mit der neuen, etwas entschärften Version, Snippets keineswegs lizenzfrei erlaubt sind.

    Sie hängen anscheinend sehr an der Formulierung, dass Google an dem Gesetz „mitgeschrieben“ hat. Nun ist es in den meisten Fällen schwer nachzuweisen, welche Lobbyverbände sich mit ihren Forderungen im Gesetzgebungsverfahren inwieweit durchsetzen. Festhalten lässt sich aber: Dass überhaupt ein Leistungsschutzrecht verabschiedet wurde, ist ein Erfolg der Zeitungs- und Zeitschriftenverlegerverbände, die dafür massive Lobbyarbeit gemacht haben. Dass die ursprüngliche Formulierung geändert wurde, nach der auch kleinste Textbestandteile geschützt sind, mag Ausdruck einer erfolgreichen Lobbyarbeit Googles sein – vielleicht aber auch Ausdruck davon, dass die Politiker nach dem Aufschrei von vielen Experten erkannt haben, was für ein weitreichender Eingriff ins Netz das gewesen wäre.

    Übrigens ist das, was in Lobbypedia steht, kein Geheimwissen oder superrecherchiertes Insiderwissen. Im konkreten Fall ist die angegebene Quelle für die merkwürdige Behauptung, dass „Google News“ dank der Änderungen vom Leistungsschutzrecht ausgenommen wurde, ein „Focus Online“-Artikel. Das kann, wer will, für eine seriöse Quelle halten. In diesem Fall finden sich dort tatsächlich gute andere Argumente für die Änderung im Gesetzesentwurf als das vermeintliche „Mitschreiben“ von Google:

    Außerdem wollte man sich an einem Urteil des Bundesgerichtshof orientieren, der 2011 entschieden hatte, dass Google „Thumbnails“ genannte Vorschaubilder in Suchergebnissen zeigen darf.

    Dass die Verlage mit dem Leistungsschutzrecht kein Geld verdienen, hat ganz andere Gründe. In Bezug auf Google vor allem den, dass man das Unternehmen nicht gleichzeitig dazu zwingen kann, Ausschnitte von Verlagen anzuzeigen, und dafür Geld zu zahlen. Die Verlage wollen aber genau das. Sie sagen nicht nur: Die Anzeige kurzer Ausschnitte unserer Inhalte kosten Geld! Sie sagen auch: Und ihr müsst sie gefälligst anzeigen (weil wir so sehr davon profitieren)!

  41. #Novalis46:
    Gewerkschafter —- Mitglieder aufruft in großer Zahl an einem Streik zu beteiligen,
    Politiker zu reger Beteiligung an einer Demonstration aufruft, —
    welches moralische Fehlverhalten möchten Sie diesen Leuten dann unterstellen?

    Ihre Analogie klingt nur deshalb so herrlich Alltagsnormal, weil Sie an allen 4 Hufen hinkt.

    Sie vergleichen hier
    – Einen Aufruf an den Chef, seine Untergebenen von ihren „Irrwegen“ abzubringen … mit irgendwelchen Appellen zwischen voneinander unabhängigen Akteuren.
    – Also eine Predigt eines Dorfpfarrers auf der Kanzel mit einem konkreten Aktionsappell des Papstes an die Inquisition. „Aber seid nicht gar zu grob“ *zwinker, zwinker*

    Das mag dem Papst entsprechen und einem modernen Zaren gefallen, mancher rückwärtsgewandter Demokratienostalgiker jedoch zuckt halt zusammen, wenn das einem hochrangigen EU-Minister derart selbstverständlich öffentlich von der Zunge rollt.

    Die Güte der dafür genutzten Rhetorik ist in der Sache deshalb hier nebensächlich. Die hat nur einfach wieder dieses typische Oettinger-/Stoiber-Gschmäckle, die die beiden selbst in den schwärzesten Dunkelkammern der Republik für Wahlen untauglich machte und für höchste Ämter in der EU qualifizierte.

    Das dokumentiert ein Grundselbstverständnis in den engsten Machtzirkeln der EU, welches man bei der Suche nach Ursachen für die Diskreditierung der europäischen Idee für einen relevanten Aspekt halten könnte.

  42. @

    @52

    „jedenfalls dieses oberste deutsche Gericht will Ihre „gewählten Volksvertreter“ dort nicht zuhauf sehen wie derzeit, weil sie Staatsrundfunk machen!“

    Dann ist ja alles in bester Ordnung. Warum regen Sie sich dann so auf? Hat das vielleicht doch etwas mit den von Ihnen konsultierten Medien zu tun, die von keinem Gremium, nichtmal einem staatsnahen kontrolliert werden…?

  43. @57
    Sie befinden „alles in bester Ordnung“, wenn das BVerfG mangelnde Staatsferne des zwangsfinanzierten „freien Rundfunks“ infolge seiner annähernden Übernahme durch Politiker & Parteien sowie durch Hineinschieben ihnen genehmer weiterer Kräfte in verfassungswidriger Weise rügen muss?
    Und nichts dabei, wenn Politiker & Parteien anschliessend annähernd genau so weitermachen?
    Empfehle dringend Lektüre v. Arnim, bsp. „der Staat als Beute“, denn die Durchdringung sämtlicher Ebenen der BRD von Parteigängern und ihren Günstlingen, die Erteilung bspw. von staatsfinanzierten Aufträgen (gerne zufällig ohne Ausschreibung) von ihnen an sie, ihre Familie und Freunde, die Besetzung fast jeden Beförderungspostens in allen Entscheidungsebenen mit ihnen hat ehedem brasilianisches Ausmass erreicht.

    Sie befinden an anderer Stelle (oben 39), dass „die Filterblasen jenseits des Pressekodex (für mich der Eintritt in die Zensurebene) bekanntlich nur mit rechter Lügenpropaganda gefüllt seien“, verwenden mit diesem Substantiv einen Jargon, den man derzeit wohl „Hass und Spaltung“ zu nennen hat oder gleich „Nazis“ zuordnet, verraten ein unzutreffendes Insiderwissen, von dem ich, wäre es nicht dasjenige von Trollen, gerne wüsste, welches Medium zu konsultieren ist, in ihm auch noch diese Lüge zu finden.

    Novalis, nichts ist in Ordnung, gar nichts, sämtliche Gleichgewichte sind gestört, check & balances sind weitgehend ausser Kraft, das gesamtwirtschaftliche Gleichgewicht seit über 10 Jahren durchgängig gestört, der Mittelstand trägt unter Erosion fast die gesamte Steuerlast, während die „Führung“ einschliesslich EU-Kommissaren Briefkastenfirmen pflegt, sämtliche Systeme hypertroph und im Dauerrettungsmodus „auf Sicht“ betrieben, Krankenkassen, Renten- und Pensionskassen, Pflegeversicherung pp., unter Bereicherung ihrer Führung stets vor dem Kollaps, Strassen, Schienen, Brücken, Kanalisation, Datennetz, Flughäfen – die gesamte Infrastruktur marode infolge jahrzehntelanger Unterfinanzierung zugunsten roter Null, Wiedervereinigung, Banken- und Bankiersrettung, jetzt Eindämmung der Folgen jahrhundertelangen Raubbaues ausserhalb der „1. Welt“, symptomatisch zutagetretend in der „Flüchtlingskrise“ (oder doch besser „Chance, Inzest behebend und Wirtschaftswunder bewirkend?), Schulen, Universitäten, Behörden, Bundeswehr, Polizei, Justiz, Krankenhäuser, Altenheime – alles auf Verschleiss gefahren, stressgetestete Banken in existentiellem Dauerstress – aber „alles ist gut, ist in Ordnung“?
    Novalis, ich fürchte, Sie gaben sich den Namen eines frühromantischen (adligen) Schriftstellers und Philosophen wie Mimikry und sind doch nur Politiker, Banker gar oder sonstiger Günstling irgendeiner „grossen Volkspartei“ ohne Volk, den Niederungen des Lebens in seinen eimertiefen Schlaglöchern durch selbstgewährte Privilegien meilenweit enthoben, saturiert und blind vor lauter Selbstgefallen in Ignoranz.

    Novalis – ich betrachte dieses Gespräch als beendet.

  44. @55 Stefan Niggemeier

    Vielen Dank für Ihre Antwort. Mit dieser Demonstration Ihres journalistischen Handwerks haben Sie meine Frotzeleien gut gekontert. Inhaltlich widersprechen konnten Sie mir jedoch nicht, auch wenn Sie es angeblich „müssten“. Ihre Argumente der Kategorie „bringt alles nix – Google sitzt am längeren Hebel“ sind nicht nur inakzeptabel, sondern bestätigen wohl eher, dass die Macht Googles längst beschnitten gehört.

    Ich möchte aber nicht Ihre Zeit stehlen. Daher nur eine kleine Grundsatzfrage bezogen auf das Thema. Google ist sowas wie das „Betriebssystem“ unseres derzeitigen Internets, Sascha Lobo bezeichnete Google mal „Infrastruktur“ des Netzes. In dieses Netz speisen die Menschen Ihre Inhalte ein, andere konsumieren diese Inhalte und Geld verdient letztlich nur „die Infrastruktur“!?

    Ein „Gutes“ Netz steklle ich mir so vor, dass vor allem das Einstellen von Informationen (im Sinne Text, Bild, Musik etc.) durch die Infrastruktur vergütet und somit gefördert wird. Die Einnahmen von Künstlern und Journalisten sollten durch das Netz STEIGEN, wenn es dem Gemeinwohl dient. Seit 15 Jahren SINKEN diese Einnahmen jedoch und das ist schädlich für das Allgemeinwohl. Diese digitale Allmende erfüllt ihren Zweck nur, wenn Google einen angemessenen Teil seiner Einnahmen an die Ersteller der Inhalte weiterleitet. Betroffen sind hier zumindest journalistische Inhalte sowie Musik auf Youtube. Google führt jedoch einen erbitterten Kampf gegen diese Kulturschaffenden – und das auch noch mit den unredlichsten Mitteln (siehe „Verteidige dein Netz“ oder die angeblichen GEMA-Sperren auf Youtube). Meine Frage daher:

    wie verhalten sich die „Netzaktivisten“ zu diesem Thema?

    Mir ist schon klar, dass Oettinger uncool ist, aber den Kopf in Googles Arsch zu stecken ist auch nicht gerade eine sinnvolle Lebensleistung. Die Piraten durften bereits einpacken, weil es überflüssig ist, Gratislobbyismus für ein „totalitäres Unternehmen“ (Zeitat eines Demonstranten gegen die Übernahme von Boston Dysnamics durch Google) zu betreiben und seinerseits Journalisten und Kunstschaffenden zu dissen.

    Die Popmusik ist faktisch tot, der Journalismus steht auf der Kippe, aber toll, dass die Leute immer mehr Nazipropaganda und Katzenvideos gratis konsumieren können – ist echt eine Bereicherung für unser aller Leben. Wann wachen unsere Natz-natives endlich auf und erkennen, dass es sinnvoll ist, sich für Kunst, Kultur und die freie Presse einzusetzen – und zwar ausdrücklich auch für deren auskömmliche Finanzierung? Glauben Sie hier besteht noch Hoffnung auf Erkenntnis, oder muss das Oettinger für uns regeln?

    Pardon, wenn ich Sie zutexte, die Frage ist natürlich rhethorisch.

    Wann

  45. @58

    Viel Spaß noch mit der Qualitäts-Lügenpropaganda des Dumm-Kopp-Verlags. Und immer schön Aluhut tragen!

  46. @56 Symboltroll

    „Das dokumentiert ein Grundselbstverständnis in den engsten Machtzirkeln der EU, welches man bei der Suche nach Ursachen für die Diskreditierung der europäischen Idee für einen relevanten Aspekt halten könnte.“

    Es ist sicherlich schädlich, wenn immer wieder nur der „Opa nach Europa“ geschickt wird. In diese Kategorie fallen Stoiber und insb. Oettinger. Diskreditiert wird die europäische Idee jedoch auch durch Artikel wie diesen hier. Eine maßlose und polemische Stilkritik an einem willfährigen Opfer, das nur dazu dient, Lesern mit vorgefasster meinung Lästerstoff zu bieten – nennt sich neudeutsch Clickbaiting und Sie sind auch drauf reingefallen.

  47. Oder aber Sie sind auf den „Opa nach Europa“-Köder reingefallen.

    Für mich ist das Alter der Betreffenden irrelevant.

    Gemeinsam haben die beiden inhaltlich:
    – Durch eine -Schnellaufsteigerartig- abgehobene Ignoranz der Macht die Akzeptanz des Wahlvolkes verloren zu haben, verbunden mit unübersehbar opportuner Lobby(-selbst)bedienungspolitik.
    – Eigenartige Ansichten zum Thema „Durchrassung“, „SS-Richter als Widerstandskämpfer“

    Oettinger fand Kritik an seiner Filbinger-Heiligsprechung sicher auch „Maßlos und polemisch“.

    Beide sind politisch mindestens ebenso fragwürdig wie ein Jebsen oder Wimmer und beidee würden Ihnen sicher beide absolut zuspflichten, dass das Problem Europas den Namen Niggemeier trägt und nicht den eigenen.

    Novalis Rat zur Rettung Europas? Mehr Oettinger, weniger Niggemeier!

  48. @62 Symboltroll

    Mit „Opa nach Europa“ wird kritisiert, dass immer wieder Leute nach Brüssel geschickt werden, für die man keine andere Verwendung mehr hat (Stoiber), oder die man schlichtweg loswerden will (Oettinger). Es würde der europäischen Idee zweifellos guttun, wenn man stattdessen Spitzenpersonal entsenden würde.

    Aber selbst ein Oettinger ist in der Lage zu erkennen, dass der Journalismus (ebenso wie fast jeder, der im Netz Inhalte bereit stellen möchte, deren Herstellung Geld kostet) im Netzzeitalter ein massives Finanzierungsproblem hat. Niggemeier weiß dies selbst wohl eigentlich auch am besten, allerdings scheint er wenig dagegen zu haben, wenn Google trotzdem immer reicher und immer mächtiger wird, während es mit der freien Presse bergab geht. Wenn ein globaler Dienstleistungsmonopolist die freie Presse bekämpft (oder zumindest bedroht) muss man aber schon reichlich verwirrt sein, wenn man sich NICHT auf die Seite der Journalisten stellt. Ist ein bisschen, als würde man Aldi zujubeln, doch die Preise der Milchbauern weiter zu drücken.

    Aber das Netz ist ja für uns alle Neuland, insbesondere auch für die Netzaktivisten. Ähnlich verwirrte Haltungen findet man daher auch bei den Digitalvandalen von Anonymous oder den Piraten, die seinerzeit in See stachen um den Popmusikgratiskonsumenten von der Geißel des Urheberrechts zu befreien. Bitte nicht jammern, wenn man vorerst kaum Anschluss an realweltliche politische Gruppierungen findet.

    Aber ich stimme zu: es ist lächerlich, wenn der Kampf für ein gutes und gerechtes Netz von Oettinger statt von Niggemeier oder Beckedahl ausgetragen wird.

  49. @Novalis, #63

    „Wenn ein globaler Dienstleistungsmonopolist die freie Presse bekämpft (oder zumindest bedroht) muss man aber schon reichlich verwirrt sein, wenn man sich NICHT auf die Seite der Journalisten stellt.“

    Bei ihrem Furor gegen Google haben Sie nur weiterhin vergessen, endlich mal zu erklären, worin genau dieser Google’sche Kampf gegen die freie Presse besteht.

    Sie meinen nebenbei das selbe Google, dass mit Google News einen wunderbaren, werbefreien Nachrichtenaggregator bereitstellt? Und mit freier Presse, diejenige Verlagspresse, deren Verleger durch einen EU-Kommissar aufgemuntert werden äh aufmüpfige Redaktionen äh argumentativ auf Linie zu bringen?

    Bitte nicht wieder ihr lustiges Beispiel aus der Lobbypedia. Das taugt nicht so ganz für den Beleg eines Kampfes gegen eine freie Presse. Ich empfehle weiterhin Stefan Niggemeiers Reihe „Lügen für das Leistungsschutzrecht“, oben im Artikel auch verlinkt.

    Das zwischen dem wachsendem Reichtum Googles und einem scheinbaren Niedergang der Presse keinerlei Zusammenhang besteht, geschenkt. Aber fragen Sie doch einmal wie es denjenigen Nachrichtenseiten, die entschieden Googles – wohlgemerkt: kostenfreie! – Dienstleistung nicht mehr in Anspruch nehmen zu wollen, erging. Bild.de könnte da ein erster Ansprechpartner sein.

    Es hat doch einen Grund, warum die VG Media eine kostenlose Lizenzierung erteilte und noch immer erteilt, was wohlgemerkt in Deutschland zu einer argen Stärkung Googles führte, weil eben diese kostenlose Lizenzierung kleineren Aggregatoren nicht gewährt wird. Wenn man Ihr Argument also weiterspinnt, bekämpfen die Verlage selbst die freie Presse. Wie amüsant.

    Übrigens: Das Ganz ist kein reines „entweder oder“. Aber sei es drum.

  50. @64

    „Bei ihrem Furor gegen Google haben Sie nur weiterhin vergessen, endlich mal zu erklären, worin genau dieser Google’sche Kampf gegen die freie Presse besteht. “

    Pardon, ich habe etwas Hintergrundwissen vorausgesetzt. Offenbar haben Sie noch nie von Googles Kampagne „Verteidige dein Netz“ gehört. Eine Graswurzelkampagne gegen das Leistungsschutzrecht – Sollten Sie sich unbedingt drüber informieren, falls es Sie interessiert, wie gewissenloser Raubtierkapitalismus im Netzzeitalter funktioniert. Ferner gibt es noch IGEL, wo sich vor allem die von Google finanzierten CC-organisationen als „nützlich“ erweisen. Und haben Sie schonmal darüber nachgedacht, warum auf Google News keine Werbung geschaltet wird? Richtig! Naiven Zeitgenossen soll suggeriert werden, Google sei ein Wohltätigkeitsverein.

    Dabei kämpfen sie mit diesem Angebot – das ihnen wirtschaftlich im Grunde bisher rein gar nichts einbringt – dafür, Presseinhalte auch in Zukunft gratis verwenden (und dann auch verwerten) zu können. Läge ihnen nicht daran, könnten sie Google News schießlich auch einstellen. Gratisinhalte sind die Grundlage von Googles Geschäftsmodell – deshalb kämpft Google erbittert gegen jegliche Kosten für Inhalte. Bestes beispiel ist wohl der perfide Kampf von Google/Youtube gegen Urheberrechtsabgaben an Komponisten. Auch hier ist europäische Gesetzesmacht vielleicht die einzige Hoffnung gegen Googles plattwalzenden Plattformkapitalismus – leider bestimmt ohne Unterstützung unsere „Netzaktivisten“.

    Auf der einen Seite haben wir also ein Unternehmen, dessen Geschäftsmodell auf Gratisinhalten besteht – auf der anderen Seite können Leute Ihre Inhalte nicht (ausreichend) monetarisieren, weil Google im Netz unumgänglich ist. Niemand auf der Welt geht jedoch wegen Google ins Netz, sondern ausschließlich wegen der Inhalte. Sinnvollerweise sollte das Einstellen von Inhalten also finanziell entlohnt werden und Google kriegt davon nur sowas wie eine Händlermarge in der Realwelt. Stattdessen kassiert der „Händler“ alles und die Inhaltehersteller nichts. Mucken sie auf, kriegen sie Googles ganz fiese Fratze zu sehen, während der Googlenutzer (also praktisch jeder) von irgendwelchen Graswurzelkampagnen des Informationsmonsters auf Linie gebracht werden. Richtig fies, aber genau so wurde Google zum wertvollsten Unternehmen der Welt.

    Die Ansichten von Herrn Niggemeier in diesem Zusammenhang sind mir herzlich egal. Ich habe ihm bei diesem Artikel tendenziöse Stimmungsmache vorgeworfen und entkräften konnte er weder das, noch meine Vorwürfe gegenüber Google. Niggemeier ist ein Netzaktivist, dem ich auch in Zukunft nicht folgen werde, weil ich ihn schlichtweg nicht für objektiv halte (ich bitte dies nicht persönlich zu verstehen). Aber ohne Einnahmen aus dem LSR muss man als Blogger vielleicht der Netzgemeinde nach dem Maul schreiben um wirtschaftlich zu überleben ….

  51. @Novalis: Es ist in jedem Ihrer Kommentare so viel falsch, dass es unmöglich ist, das alles zu berichtigen.

    Wieder nur ein einziges Beispiel: Google/Youtube kämpft nicht gegen Urheberrechtsabgaben an Komponisten. Youtube zahlt solche Vergütungen. In Deutschland haben sich Youtube und Gema allerdings nicht auf die Höhe einigen können.

  52. @novalis:

    Sie müssen mir doch den „Opa nach Europa“ nicht erklären. Dass ich das zuordnen kann, hätten Sie an meinem Post selbst erkennen können.

    Dass dieser Spruch, ähnlich wie die Rede vom „Neuland“ vor allem Flachwasserschnorchler begeistert, die gerne den Dingen auf den Grund gehen würden, ohne sich dabei nass zu machen, muss ich Ihnen dagegen erklären?

    Dass beides vor allem hilft, sehr kleine Geister zu befriedigen und abzulenken, die den Kopp-Verlag hoffentlich nie entdecken werden … ist für Sie Neuland?

    Beides selbstverräterische Pseudo-Checker-Vokabeln. Haben Sie nicht vielleicht noch mehr stumpfe Schwerter im Arsenal?

    Ihre beiden Opas haben Gemeinsamkeiten, auch mit vielen ihrer Vorgänger und Kollegen, wie Junker, Bangemann etc … und das ist nicht das Alter. Nach denen suchen Sie besser in den wirtschaftspolitischen Vorstellungen in Theorie und Praxis und in dem prinzipienfesten Vorrang der Gruppenloyalität vor Allgemeininteressen.

  53. @68

    Bin wahrhaftig kein Freund des Kopp-Verlages, las, unfreiwillig, auch erst ein einziges von diesem verlegtes Buch, es war sehr unsorgfältig zusammengeschustert worden von einem Herrn Dr. Udo Ulfkotte, und ich fragte mich angesichts dessen, wie dieser allen Ernstes studierter, promovierter Politikwissenschaftler sein und jahrelang Journalist bei der damals doch noch lesbaren faz bleiben konnte.
    Aber er ist und war es nun einmal und verdient damit m.E. grundsätzlich erst einmal einen gewissen Respekt, insbesondere auch Gehör.

    Vieles von dem, was bei ihm zu lesen war, befand ich, wenn auch meist achlecht dargestellt, als zutreffend, als wesentlich ehrlicher als bspw. die Talkshows von Will, Maischberger, Illner & Consorten, die sich bspw. seit Jahresfrist wieder und wieder fragen, was um alles in der Welt Europas Rechtsruck (dort unisono übersetzt zu einzig Deutschlands Faschismus) bewirken konnte und wie um Himmelswillen die („rechtsradikale“) AfD zu bekämpfen sei.

    Ganz so, als seien die Ursachen von Rechtsradikalität (die ich bei der AfD nicht einmal finde, ohne den Holocaust strafbar zu verharmlosen, sondern vielmehr Positionen, die CDU/CSU vor Merkel vertraten, heute heimlich und nach Merkel wieder offen vertreten werden) nicht halbwegs ordentlich untersucht und bekannt.
    Sie lassen sich ja sogar nicht nur googeln, sondern, deutschland- wie europaweit, realiter finden, selbst ohne sie zu suchen, sie sind doch evident, springen einen derart an, dass man die Augen vor ihnen bewusst verschliessen und lügen muss, sie zu „übersehen“, schönzureden, wegzumoderieren.

    Und so kommt es, dass all diese Organe und ihresgleichen zunächst ihre Glaubhaftigkeit verloren, seither ihr Publikum verlieren, scharenweise, wohl ebenfalls nicht zu übersehen.

    Der unbestreitbare publizistische wie wirtschaftliche Erfolg des Kopp-Verlages ist doch nichts anderes als die Kehrseite dieser Medaille, er fängt die Leser der Lügenpresse auf und gibt ihnen dort Recht, wo sie nun einmal Recht haben:

    In ihrer chancenlosen Massenarbeitslosigkeit seit Jahrzehnten, in europäischer Massenjugendarbeitslosigkeit seit 3 Generationen, die nunmehr durch nochmalige millionenweise Unterschichtung behoben werden soll.
    In grassierender Kinder- wie Altersarmut, in Dumpinglöhnen, deren Bezieher („Qualitätspresse“ lobt deutsche Lohnzurückhaltung) zu Hartz IV-Bedingungen vegetieren (Aussenminister Westerwelle nannte das, von der „Qualitätspresse“ überhört „Verletzung des Abstandsgebotes“).
    In geplünderten Krankenkassenleistungen (die einzig sie bezahlen) schlechteren Umfanges, als niemals eingezahlt habende Sozialhilfebezieher sie geniessen. Usw. usf.
    Aber Herr Oettinger wird die letzten kritischen Journalisten schon noch auf Linie bringen und vielleicht werden die Bücher des Kopp-Verlages zum Wohle aller wahren Demokraten dann ja verbrannt.

  54. @Novalis, #65

    Oookay, Sie verbeißen sich weiterhin am Leistungsschutzrecht. Können Sie gerne machen. Taugt nur nicht unbedingt, um den von Ihnen postulierten Kampf Googles gegen die freie Presse zu belegen.

    Sie haben darüberhinaus aber schon mitbekommen, dass auch Verbände wie der BDI und Bitkom deutliche Kritik am Leistungsschutzrecht übten? Nicht einmal alle Presseverlage unterstützten das Leistungsschutzrecht.

    Könnten Sie dann bitte einmal darlegen, inwieweit Google ganz konkrekt fremde Inhalte verwendet und verwertet? Dabei beziehe ich mich ausdrücklich nicht auf Youtube, da dort Google ja quasi selbst als Inhalteanbieter auftritt – auch wenn es user generated content ist. Ich ging ja bisher immer davon aus, dass Suchmaschinen mittels Algorithmen andere Webseiten und deren Inhalte sichtbar macht und somit weiterleitet, aber ich lerne immer gerne dazu.

    Natürlich geht man wegen den Inhalten ins Internet, wenn ich die Inhalte aber nicht finden kann, sind sie für mich egal. Auch sind die wenigstens Inhalte so exklusiv, dass ich unbedingt eine ganz bestimmte Seite besuchen muss, meistens ist ein Inhalt nur einen Klick weiter auch zu finden. Deswegen funktionieren Bezahlschranken doch nur eingeschränkt.

    Die schwierige Monetarisierung von Inhalten im Internet liegt also vorallem an deren schlichter Verfügbarkeit (auch ein Grund, warum Werbung so billig ist) – und nicht daran, dass Google oder jede beliebige andere Suchmaschine sie sichtbar macht. Übrigens, diese Dienstleistung berechnet Google noch nicht einmal, obwohl der Nutzen ja unleugbar ist.

    Dass den Schreibenden nur ein angemessenen Anteil an den Einnahmen aus dem Leistungsschutzrechtes zugesprochen wird, verschweigen Sie nebenbei auch elegant.

  55. @69:

    Nur so als Tipp: Zwischen diesen Talkshows und dem Kopp-Verlag gibt es auch noch ein paar erhellendere Informations-Grauzonen.

    Wenn Sie allerdings bei Ulfkotte und dem Kopp-Verlag keinen spontanen Brechreiz entwickeln, werden die hilfreicheren dieser Quellen auf Sie fade und langweilig wirken.

    Die einzigen interessanten Details in Ulfkotte’s Buch stammten übrigens auch nicht von ihm, die hatte er aus bereits bekanten Quellen kopiert, in den Fußnoten finden Sie den Ursprung.

    Und bei allem Verständnis für den Wunsch nach VerfolgtesOpferrollenÜberhöhenden Überspitzungen: Die Buchverbrennende Fraktion versammelt sich noch immer vorrangig um solche Freaks, wie man sie im Umfeld des Kopp-Verlages findet.

    Nicht alle, die den Analogkäse auf ihrer Pizza entdecken, fressen ab dann freiwillig Gammelfleisch.

  56. @ 69:

    Es ging mir nicht um Wert oder Unwert der Elaborate des öfftl. Rundfunks im Vergleich zu denjenigen Horstkottes u/o seines Verlages, sondern um den Anteil von Lügen, und da befand ich Horstkotte als ehrlicher.

    Und das, obwohl er im Gegensatz zum Öfftl. Rundfunk keinen Staatsauftrag hat, keine staatliche Zwangsfinanzierung zu seiner Alimentation und keinerlei weiteren Wahrheitsbindung unterliegt als dem (straf-)gesetzlichen Rahmen und seinem Anspruch an sich selbst.

    Ab-so-lut glaubwürdig erschienen mir bspw. seine Ausführungen zu Aufmerksamkeiten für Journalisten im Rahmen der Beziehungspflege, zur Atlantikbrücke usw., kenne bspw. Unternehmer, die ihre Zeitungsartikel selbst schreiben und die zuständigen Journalisten zur Jagd einladen.

    Woraus Sie schließen, daß sich „vorrangig um Freaks aus dem Umfeld des Kopp-Verlages eine bücherverbrennende Fraktion versammelt habe“, werden Sie sicher noch begründen? Wer verbrannte wann welches Buch? Oder wollten Sie damit nur etwas Stimmung machen, wenn auch nicht gleich „spaltend hetzen“?

    Nichts für Ungut, aber das führt doch zu nichts, insbesondere nicht weiter. Grüße – Muckusch

  57. Lach, Pardon, sehr geehrter Herr Niggemeier, Ulfkotte nat., kann mir Namen nicht merken und den Herrn Dr. Ulfkottes schon (gleich) gar nicht.
    Krame in meinem Hiiirn und stosse auf bspw. Ulf Horstkotte, wenn ich Udo Ulfkotte meine; es steht schlimm um mich.

    Grüsse – Ihr M.

  58. „Woraus Sie schließen, daß sich „vorrangig um Freaks aus dem Umfeld des Kopp-Verlages eine bücherverbrennende Fraktion versammelt habe“, werden Sie sicher noch begründen? Wer verbrannte wann welches Buch? Oder wollten Sie damit nur etwas Stimmung machen, wenn auch nicht gleich „spaltend hetzen“?“

    Das Bild von der Bücherverbrennung haben Sie eingebracht.

    „vielleicht werden die Bücher des Kopp-Verlages zum Wohle aller wahren Demokraten ja dann verbrannt“

    Als wenn die Kopp-Druckwerke kurz vor der Verbrennung stünden. Wenn wir schon nach Freunden der Bücherverbrennung suchen sollen, scheint mir die Suche unter Kopp-Lesern aussichtsreicher als unter Kopp-Kritikern.

    Oder aber wir lassen die Sache mit dem Bücherverbrennen ganz raus. Mir wärs recht, wenn Sie „sich“ da nicht gleich als Opfer auf den Scheiterhaufen imaginieren müssen.

  59. @ 75

    Eine der vielgenutzten „Argumentationsfiguren“ in nicht nur diesem Forum ist die Verunglimpfung Andersdenkender als „Alufolienhutträger, Kopp-Leser, Verschwörungstheoretiker“ u.ä., leider hat es sich mit der Argumentstiefe meist auch schon damit, etwa wie weiland bei Ostfriesen- oder Blondinenwitzen.

    Zum Verbrennungsthema:

    Die oben in Parenthese gesetzten Bevölkerungsanteile werden mit ihrer salonfähigen Verunglimpfung (auch als „Mob, Pack, Rechtspopulisten“ u.ä.) per se als nicht satisfactionsfähig ausgeschlossen, die dem zugrundeliegende Schiene findet sich nur bspw. auch in der „Rechtfertigung“ von Sklavenhaltung, völkerrechtswidrigem Angriffskrieg, Genozid:

    Es wird den Auszuschliessenden eine grundlegende Andersartigkeit zugeordnet, die ohne weiteres alles gegen sie „rechtfertigt“, schliesslich auch die Verbrennung ihrer Bücher.

    Zu diesem Zweck wird bspw. auch zwischen Soldaten (Kriegsrecht) und „feindlichen Kämpfern“ unterschieden, die in Sonderlagern wie u.a. Guantanamo auf fremdem Staatsgebiet verschärften Verhörmethoden wie water boarding und weiteren Foltermethoden unter Suspendierung selbst der Menschenrechte unterzogen werden „dürfen“, und das im Angesicht der gesamten „westlichen Wertegemeinschaft“.

    Ich halte diese Methoden für faschistisch, deshalb der Exkurs zu Bücherverbrennung im Interesse der „wahren Demokraten“.

    Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass Staatssysteme, welches auch immer, ähnlich Religionen (Kath.: nulla salus extra catholicam ecclesiam)
    durchweg von ihren Bürgern ein corporiertes Design verlangen, ihm vorhalten, wie der wahre Kommunist/Nationalsozialist/Demokrat zu denken und zu sein hat? Und dass sie alle ihre jeweilige Ideologie missionarisch in die Welt hinaustragen, als überlegen selbst mit Waffengewalt exportieren?
    Dabei bedarf niemand mehr der vielbeschworenen Toleranz der Demokratie in Pluralität als der Andersdenkende.
    Doch die derzeitig vorherrschend diktierte Ideologie versagt ausgerechnet diesen der Demokratie begriffsbildend und selbsterhöhend zueigenen Schutz mit dem „Argument“, dass sie bspw. Rechtspopulisten (mithin Feinde der Demokratie?) seien.
    Populismus ist übrigens kaum mehr als ein politischer Kampfbegriff zur Verunglimpfung des politischen Gegners, er taugt zu rein gar nichts.

  60. Bei Ihnen wird man ja geradezu zum Lanzen gezwungen:

    – In Märtyrerpose von Bücherverbrennungen schwadronieren: Gut oder spalterische Hetze?
    Die Antwort „Nur ich darf das, weil ihr alles Faschisten“ gilt nicht. Schon gar nicht, um damit von fehlender eigener Distanz zu Faschisten abzulenken. Das dokumentiert nur kindlich anmutende, mangelnde Reife.

    – Toleranz gegenüber dem Andersdenkenden, -lebenden bis hin zu Freaks: Gut oder aggressiv zersetzender Dekadenzliberalismus?
    Die Antwort: Find ich voll dekadent, es sei denn ich selbst bin der exotische Freak, gilt nicht. Schon gar nicht, wenn man selbst einem Verlag huldigt, der Personifizierungen des menschenverachtenden Vernichtungswillens wie Eva Herman eine Plattform bietet, die zu den 21 Toten der Loveparadetragödie folgendes öffentliches Statement zu geben hatte:
    „Eventuell haben hier ja auch ganz andere Mächte mit eingegriffen, um dem schamlosen Treiben endlich ein Ende zu setzen. Was das angeht, kann man nur erleichtert aufatmen!“

    Bei Ihr darf man wohl froh sein, wenn sie es nur bis zum Bücherverbrennen schafft. Wäre daneben auch eine Gruppe irgendwie für sie abscheulich andersartiger, benzingetränkter Menschen in Reichweite ihrer Brandfackel, möchte man Eva’s Qualen bei der Entscheidungsfindung lieber nicht beiwohnen.

    Gehe ich beim Kopp auf die Bücherliste, werden mir auf oberster Ebene folgende Kategorien angeboten:
    – Verbotene Archäologie
    – Prophezeiungen
    – Phänomene
    – Sakrale Rätsel
    – Geheimbünde
    – Mythologie
    – Enthüllungen

    Da beschweren Sie sich weil ich es wagte, von „Freaks“ zu sprechen? Und unterstellen, das sei Vorwegnahme dafür, Koppleser zu versklaven und zu verbrennen? Diese Form der wahnhaften Paranoia finden sie übrigens ziemlich immer als begründendes Motiv bei irren Menschenschlächtern egal von welcher Seite, sei es nun einer wie Breivik oder Gruppen wie der IS.

    Und dazu gesellt sich dann politisch bspw. ein Ulfrotte mit dem vorfreudig entzückten Titel „Bürgerkrieg! Was lange gärt wird ENDLICH Wut“

    „Dabei bedarf niemand mehr der vielbeschworenen Toleranz der Demokratie in Pluralität als der Andersdenkende.
    Doch die derzeitig vorherrschend diktierte Ideologie versagt ausgerechnet diesen der Demokratie begriffsbildend und selbsterhöhend zueigenen Schutz mit dem „Argument“, dass sie bspw. Rechtspopulisten (mithin Feinde der Demokratie?) seien.“

    „Unsere“ agressive Intoleranz besteht darin, dass wir der Ansicht sind, auch sie müssen Kritik aushalten können. Können Sie aber nicht. Das lässt erahnen, was man von Ihresgleichen an der Macht zu erwarten hätte. Wer auf Kritik reagiert, als stünde er kurz vor der Verladerampe, würde sie als erster wieder in Betrieb nehmen, wenn er die Macht dazu hätte.
    Nein. Echte Toleranz toleriert den Menschenhass der Intoleranten nicht. Nennen wir es „Wehrhafte Toleranz“, im Interesse derjenigen, die bei den Herman-Kopstern ganz oben auf der Liste stünden.

    PS: Wieso kommt mir diese eigenartige Mischung aus Paranoia, Esoterik, Wunderglaube und Menschenhass so bekannt vor? Gab es so was womöglich schon mal?

  61. @ 77

    Ich habe eben Punkt für Punkt repliziert, dann brach die Internetseite zusammen.
    In Kürze:
    Dass ich schwadroniere und meine mir von Ihnen sachkundig ferndiagnostizierte Paranoia Sie besorgt, tut mir leid, wollte Sie nicht erschrecken.
    Paranoia ist eine schwere Geisteskrankheit, die Sie daran leidenden Menschen jedoch nicht derart vorhalten sollen, oder können Sie auch absehen, wie wir Kranken darauf reagieren?
    Der Koppverlag führt seltsame Bücher, der Springerverlag fragwürdige Zeitungen – doch wer machte Sie zur inquisitorischen Instanz verbindlich festzustellen, wessen Leserschaft „Freaks“ sind – und mit welcher Folge?
    Unterstellt, ich schwänge mich auf, Sie zum Freak zu küren – haben wir dann ein Unentschieden oder verfügen Sie über meinen überlegene Forschungs- und Erkenntniskräfte, die Ihr Urteil obsiegen liessen?

    Ich begegne den Kopp- wie den Springerlesern mit Nachsicht, einige unter ihnen könnten intellektuell benachteiligt sein, das ist eine Behinderung, die nicht zu verlachen ich verinnerlicht habe.
    Was mich eher stört, ist die Wahlberechtigung der Leser von Zeitungen, die Altkanzler Schröder zum Regieren brauchte…..(um beim Thema zu bleiben:-).
    Was Sie als „entzückten“ Titel werten, verstehen andere als das Schüren von Ängsten und Dritte als Warnung – nur keiner von diesen mit Ihrer Apodiktion.
    Ihre Regel, dass wer auf Kritik reagiere wie auf der Verladerampe, diese, die Macht dazu vorausgesetzt, als erster wieder in Betrieb nähme findet m.W. in der Welt keine Entsprechung, sie ist unique und harrt ihres Beweises.
    Soll diese Philippika die Vorneverteidigung gegen Koppleser vorbereiten?
    Paranoia, Esoterik, Wunderglaube, Menschenhass – gab und gibt es seit Menschengedenken, sämtliche Religionen der Welt kranken manchem daran, sind vor Ihnen durch ihre Mehrheit statt Minderheit aber hoffentlich gesafed.
    Menschenhass ist nicht verboten, ist gar erlaubt, man nennt ihn Misanthropie, grossen Denkern wird sie nachgesagt, Schopenhauer bspw., und ich möchte bitte selbst entscheiden dürfen, ob überhaupt und wenn, wen oder was ich mag und warum.
    Benötige dazu das Diktat keiner Regierung, Partei, keiner Zeitung.
    Auch, wenn diese das offenbar durchweg anders sehen und mich täglich zu bestimmter Denkweise anzustossen versuchen.
    Und schrecken in ihrer Methodik selbst vor dreisten Lügen nicht zurück. Wahrscheinlich heiligt hier wieder mal der Zweck die Mittel.

  62. @ Symboltroll:

    Das ist doch eine schöne, versöhnliche Basis, mit der wir beide leben können :-)

    Grüße – M.

  63. @66 Stefan Niggemeier

    „Es ist in jedem Ihrer Kommentare so viel falsch, dass es unmöglich ist, das alles zu berichtigen.“

    Bitte verschonen Sie mich mit solchen hohlen Phrasen. Ich kritisiere im Übrigen Ihre Haltung und erachte sie als falsch. Daher verzichte dankend auf die detaillierte Darstellung Ihrer falschen Haltung.

    „Wieder nur ein einziges Beispiel: Google/Youtube kämpft nicht gegen Urheberrechtsabgaben an Komponisten. Youtube zahlt solche Vergütungen. In Deutschland haben sich Youtube und Gema allerdings nicht auf die Höhe einigen können.“

    Pardon – soll das ein zynischer Witz sein? Oder basiert Ihre Haltung, die ich als falsch kritisiere, auf totaler Unkenntnis des Neulands?

    Bitte informieren Sie sich, Herr Niggemeier. Youtube hat in jedem Land der Welt die VGs (der Komponisten) über den Tisch gezogen und sie mit Dumpingverträgen abgespeist. Bitte informuieren Sie sich über die britische PRS und ihren früheren Chef Steve Porter. Youtube hat auch in England seine berüchtigen „PRS“/“GEMA“-Sperren eingesetzt, um die überforderten Treuhändler der Komponisten gefügig zu machen. Über den Dumpingdeal waren die Mitglieder jedoch derart verärgert, dass Porter seinen Hut nehmen musste. Nur die deutsche GEMA lässt sich offenbar nicht von Youtubes Sperrdrohungen einschüchtern und kämpft weiterthin tapfer gegen den eklatanten „Value Gap“ zwischen Inhalteanbietern und Plattformkapitalisten. Eine Diskrepanz, die Sie, ebenso wie 99 Prozent der „Netzaktivisten“, offenbar bislang noch überhaupt nicht realisiert haben, oder nicht realisieren wollen.

    Stattdessen musste dieses feine Unternehmen aus Mountain View (Bzw. San Bruno) bereits wegen unlauterem Wettbewerb verklagt werden, denn die „GEMA“-Sperrtafeln sind eine Lüge, in Wirklichkeit sind das ganz willkürliche Youtube-Sperren, die dazu dienen sollen, die Nutzer der Plattform gegen die GEMA zu mobilisieren (was bei einigen Unbedarften auch wunderbar funktioniert hat). Wohlgemerkt, nicht jede Sperre auf Youtube ist willkürlich, aber alle, bei denen das Wort GEMA genannt wird. Natgürlich untersagen auch Rechteinhaber die Verwertung ihres Repertoires durch Dritte und Sony Deutschland boykottiert Youtube aus Solidarität gleich ganz, solange kein Geld an die Komponisten gezahlt wird.

    Interessanterweise zahlt Youtube aber recht ansehnliche Summen an die Plattenfirmen (allerdings nur an die drei großen, die Indies haben zuwenig Lobby). Habe kürzlich was von drei Milliarden im Jahr 2015 gelesen – davon können Komponisten nur träumen. In der internationalen Presse wurde gemutmaßt, Youtube macht dies schlichtweg, weil sie es können. Urheberrechte sind schlecht fürs Geschäft, aber die Urheber haben keine Lobby – insbesondere dann nicht, wenn man die Konsumenten mit Lügenpropaganda (aka „GEMA-Sperrtafel“) gegen die Kulturschaffenden aufbringt. Die Inhaber der (Leistungsschutz-)Rechte an Tonaufnahmen (also die Plattenfirmen) könnten Youtube aber gefährlich werden. Schließlich verdient Youtube sein Geld zum größten Teil mit Musikvideos und benötigt dazu das Repertoire der Majors – also zahlen sie dafür. Die Komponisten können aber weiterhin problemlos geprellt werden – auch weil sog. „Netzaktzivisten“ wie Sie offenbar nichts dagegen haben.

    Wir können froh sein, dass Oettinger und die GEMA den Job der Netzaktivisten machen, die wir zwar dringend bräuchten, aber leider nicht haben. Die Aktivisten, die wir haben, aber nicht brauchen, arbeiten derweil an der weiteren Prekarisierung der Kulturschaffenden (so bezeichnet Jaron Lanier, dem ich hierbei voll zustimme, die Aktivitäten der CC-Bewegung), bzw. leisten unaufgefordert Gratislobbyarbeit für den globalen Monopolisten Google. Solche Aktivisten braucht die Welt nicht – nicht einmal Google.

    Gruß, Novalis

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