Und nachts ist es kälter als draußen

Ich mochte die Zeit, als Meteorologie eine in der Gesellschaft anerkannte Wissenschaft war. Als ich im Alter von zehn Jahren entschied, Meteorologe werden zu wollen, unterstützen mich meine Eltern und kauften Bücher und schenkten dem heranwachsenden Kind ein Thermometer, auf dass es seinem Hobby nachgehe und den Berufswunsch verwirklichen möge.

Heutzutage ist das anders.

Wenn ein Kind sagt, es wolle Meteorologe werden, verändert sich die betroffene Familie zu einer Art Laokoon-Gruppe, der Vater rauft sich das Haar und gibt zu bedenken, dass doch auch Türsteher oder was mit Sanifair eine tolle Sache sein könnte, während Mutter tränenerstickt sich weinend ins Paradekissen wirft: „Kind, mach Dich nicht unglücklich!“

Was ist passiert seit damals, als Elmar Gunsch und Uwe Wesp langsam das Fenster in die Welt des Wetters öffneten? Heute ist es doch sperrangelweit offen, Wetter gibt es überall und in allen Medien, allein – den Mist glaubt fast kein Mensch mehr. Der Leumund der Wettervorhersage ist etwa auf dem Niveau eines Facebook-Eintrags von Beatrix von Storch oder Erika Steinbach. Und wer ist schuld: Ja, ironischerweise sind’s in diesem Fall wirklich eine Art Lügenpresse und deren willfährige Helfer in unserer Wetterbranche, die für den eigenen Namen in einem Medium ihre Großmutter verkaufen würden.

Ich weiß nicht genau, wann es angefangen hat mit dem Schwachsinn in den Medien in Sachen Wetter. Ich weiß nur, dass es ein hauptsächlich deutsches Problem ist, frei erfundenen Wetter-Blödsinn zu schreiben –der „Economist“ wird es bald in die Sammelgeschichte übers German Disease aufnehmen.

Die Verbreitung der Gaga-Wettergeschichten in deutschen Medien hat allerdings inzwischen dazu geführt, dass auch Medien in der Schweiz („Blick“, „20 Minuten“), Österreich (vor allem die Oberwappler von „oe24.at“) und in abgeschwächter Form Medien des englischen Tabloid-Boulevards angefangen haben, von den deutschen Stussproduzenten abzukupfern.

Den Produzenten des Elends spielt dabei in die Hände, dass eine Mehrheit der Deutschen an Wunder glaubt. Nicht unbedingt im religiösen Sinn, sondern mehr einfach so, was natürlich der Scharlatanerie an sich Tür und Tor öffnet. Viele Menschen in Deutschland glauben auch heute noch im Ernst, dass…

1. … der Mond einen Einfluss auf das Wetter hat.

2. … der Hundertjährige Kalender weiß, wie das Wetter wird.

3. … Hochspannungsleitungen und Windkraftanlagen einen Einfluss aufs Wetter haben.

4. … Flüsse, Mittellandkanal und ähnliches „Wetterscheiden“ sind oder Gewitter ablenken.

5. … es am Ostersonntag sonnig ist, wenn es am Karfreitag regnet.

So konnte es auf fruchtbaren Boden fallen, als ein scharlatanesk auftretender Meteorologe in unserer Branche auf die Idee kam, ahnungslosen Journalisten weiszumachen, man könnte das Wetter einer fernliegenden Jahreszeit vorhersagen – also im Frühling wissen, wie der Sommer wird.

Nun würde im richtigen Leben ein Journalist, der seinen Beruf ernst nimmt, andere Meteorologen fragen, ob denn sowas überhaupt geht. Er würde kurz innehalten und checken, ob sein Informant vielfacher Millionär ist, weil ein solches Herrschaftswissen durch Vertreter der Branchen Energie, Tourismus und Handel mit Gold aufgewogen würde – weltweit.

Aber man will ja die Geschichte nicht zu Tode recherchieren und macht all das nicht, sondern schreibt lieber alle drei Monate Schwachsinn, der lustigerweise in der Vergangenheit fast nie eingetreten ist. Fast alle Vorhersagen der besagten Scharlataneriequelle, die die wesensverwandte „Bild“ bedient, wurden durch die Realität falsifiziert, was bemerkenswert ist und durch die Tatsache, dass dies über mehrere Jahre geschah, in die Nähe eines päpstlich anerkannten Gottesbeweises führt.

Frei erfundener Unsinn (wie herkömmliche Langfristvorhersagen oder der Hundertjährige Kalender) haben nämlich eine Trefferquote von traditionell 50 Prozent – analog der Zufallswahrscheinlichkeit durch Würfeln. In lichten Momenten wird das dem Journalisten sogar mitgeteilt:


Screenshot: Bild.de 12.3.2015

Spätestens in solchen Momenten sollte selbst einem Redakteur bei „bild.de“ irgendwas auffallen, und er könnte kurz nachfragen: „Aber das bedeutet doch, ich könnte genauso gut würfeln anstatt den Kram zu schreiben, den Sie mir erzählen?“ Passiert aber nicht. So kam es im Frühling 2015 zu der Schlagzeile:

kachelmann2
Screenshot: Bild.de 12.3.2015

Das Ergebnis ist bekannt: Der vergangene Sommer war alles andere als ein „Gruselsommer“, womit gemeint war, es würde regnerisch und kalt – er brachte neue Hitzerekorde für Deutschland.

Viele Zeitungen schrieben damals vom Leitmedium „Bild“ ab; sie haben damit deutschen Tourismusorten Stornierungen eingebracht. Keine Zeitung hat im Herbst thematisiert, dass das wohl alles nix war und dem Verbreiten von Schwachsinn abgeschworen. Das Einzige, was sich geändert hat, ist, dass die Quelle des Elends nicht mehr behauptet, dass die Vorhersagen einer hauseigenen „Prognostica Magna“ entstammen – auch diesen erfundenen Unsinn haben viele geglaubt und geschrieben. Nein, jetzt sind es „die Amerikaner“, das geht in Deutschland immer, wenn’s schiefläuft. Die machen in der Tat auch experimentelle Langfristvorhersagen, wissen aber, dass alles noch in einem frühen Stadium ist – es gehört für die US-Kollegen einfach zur wissenschaftlichen Transparenz, dass man zeigt, woran man forscht.

Dass wir noch Jahrzehnte davon entfernt sind, sowas wirklich zu können, ficht weite Teile des deutschen Journalismus nicht an. Der Wunderglaube auch in deutschen Redaktionshäusern ist ungebrochen und eine der Zentren der Verbreitung von Schwachsinnsgeschichten in Sachen Wetter, „Merkur Online“, hat vor dem vergangenen Winter einen neuen Rekord an Leserverarsche gesetzt. Und auch hier keine ironische Brechung, das Ganze nicht in der Rubrik Glosse, Humor oder Wirmusstennochplatzfüllen, sondern es wird tatsächlich so getan, als ob die Höhe irgendeiner Blume irgendwas über den kommenden Winter wüsste. Es kam, wie es kommen musste: Es wurde einer der wärmsten Winter überhaupt.

Dennoch haben alle Medien, die solcherlei Unfug regelmäßig veröffentlichen, den Willen zur Einsicht auf dem Niveau eines abgetauten Kühlschranks – oops, they do it again. Argument der Chefredakteure: Es mag Blödsinn sein, aber die Leute interessiert’s. Und deswegen dreht sich die Spirale immer weiter. Es stimmt weiterhin nur, wenn gerade der Zufalls-Buzzer zuschlägt.

Meteorologie ist so durch die Unseriosität vieler Medien zu einer unseriösen Wissenschaft geworden: stimmt ja doch nie. Denn wenn der eine Scharlatan irgendeinen Blödsinn erzählt, heißt es nicht in der Zeile: „Der Scharlatan, der schon die vorigen Jahreszeitenvorhersagen in den Sand gesetzt hat, erzählt uns wieder irgendwas“, sondern: „Wetterexperten sicher“. Der seriöse Teil der Branche wird in Geiselhaft genommen durch die schmierige Koalition von Vollpfostenmeteorologie und Vollpfostenjournalismus.

Das Traurige: Es hört nie auf, wie man im Hinblick aufs Osterwetter bemerken durfte. Der 19. März war der erste Tag, an dem sich ein wenig abzeichnete, in welche Richtung der Osterhase läuft. Zuvor hatten viele Medien zur Unzeit, als niemand irgendeine Ahnung haben konnte, wie das Osterwetter wird, Vorhersagen veröffentlicht, die jeder Grundlage entbehrten und geprägt waren vom Willen des Mediums, das eigene Klickschlampentum zur Erfüllung zu bringen. Nur wenig Zeit lag zwischen diesen beiden Meldungen:


Screenshot: N24 18.3.2016

Am nächsten Tag:

Screenshot: Welt.de 19.3.2016

Hat irgendein Medium thematisiert, dass das verblüffend ist, innerhalb von einigen Stunden erst das eine, dann das andere zu schreiben? Nein. Hat irgendein Medium thematisiert, dass „Meteorologen“ immer nur eine Person war, die irgendeinen Unsinn erzählt hat? Nö. Statt ehrlich zu sagen: „Wir haben noch keine Ahnung, wie das Wetter zu Ostern wird.“ Mit so einem Posting bekommt man halt keine Geschichte, aber es wäre das gewesen, was man hätte schreiben müssen – wenn es nicht verboten zu sein schiene, keine Ahnung zu haben.

Und so wurden die Leute einmal mehr verarscht, indem man ihnen erst gesagt hat, es würde tierisch kalt werden – und dann waren plötzlich 25 Grad angesagt. Beide Aussagen waren zum Zeitpunkt, als sie getätigt wurden, Blödsinn. Ich bin schon gespannt, was abgeht, wenn die Scharlatane und ihre Sprachrohre sehen, dass eines der Computermodelle einen Sturm für NRW und Umgebung am Ostermontag sehen – ist erst ein Computermodell, die anderen sehen noch nix, reicht aber sicher für die Schlagzeile:

„Meteorologen sicher: Schwerer Sturm in NRW am Ostermontag!“

Wie gesagt: Warten Sie mit der Panik, erst wenn alle Linien auf über 50 gehen, müssen wir reden. Ostern wird jetzt so wie meist, weder besonders kühl wie bei dem ersten Vorhersageversuch, noch sommerlich wie bei dem zweiten – fast überall Regen am Freitag, für den Westen ist der Samstag der netteste Tag, für den Osten der Sonntag, und der Montag wird gemischt.

Ich will, dass Menschen wieder eine minimale Achtung vor der Meteorologie entwickeln können. Darf ich deshalb wieder Merksätze ans Herz legen?

1. Niemand weiß im Frühling, wie der Sommer wird.

2. Manchmal weiß man erst einen Tag, manchmal fünf Tage vor einem Ereignis, wie das Wetter an diesem Tag wird. Wenn Sie eine Meinung zu einem Vorgang in der Politik haben wollen, fragen Sie dann immer nur den einen, der Ihnen schon immer die Bude einrennt und schreiben danach: „Politiker sicher: AfD hat in zwölf Jahren die absolute Mehrheit.“ Sehen Sie, machen Sie nicht. Warum denn bei Meteorologen?

3. Tiere und Pflanzen wissen nicht, wie das Wetter wird.

4. Medien haben eine Verantwortung gegenüber Ihren Lesern und Usern, diese nicht wissentlich zu verarschen. 80 Prozent aller Geschichten übers Wetter tun das. Bitte lassen Sie das.

Und, liebe Journalisten, ich weiß, Sie wollen eigentlich schon bald wieder Schwachsinn zu der Frage berichten, wie der Sommer wird. Besser nicht. Gehen Sie in sich. Wenn Sie Christ sind, denken Sie daran (Beispiel nicht für „Bild“-Mitarbeiter geeignet), dass Petrus Sie an der Himmelspforte empfangen wird und weiß, was Sie so alles geschrieben haben über seinen Beritt. Er wird womöglich eine große Königskerze in der Hand halten.

Medien besser kritisieren. Mit Ihrer Unterstützung.

 
Medien besser kritisieren.

62 Kommentare

  1. Großartiger Text. Launig, unterhaltsam, wissenswert.

    Wobei natürlich nicht nur die Meteorologie unter Wissenschaftsscharlatenen zu leiden hat, das betrifft zunehmend fast alle Bereiche. Es scheint als würden wie einen Gegentrend von der Ration hin zur Ideologie und Emotion erleben.

  2. Mensch Herr Kachelmann, das war wohl schon der zweite, echt lesenswerte Artikel von Ihnen hier auf dieser Website. Wenn da nicht immer wieder zwischendurch diese „Vollpfosten-Attacken“ u.ä. vorkommen würden. Da spürt man als Leser den Frust und die Wut, die sich immer wieder Bahn brechen. Und dadurch verkommt der an sich sehr gute Text sofort zu einem (besseren) Facebook-Eintrag. Lieber nochmal ’ne Nacht drüber schlafen.

  3. Viel geschrieben und letztlich doch nichts gesagt?! Ist da jemand sauer aus der Medienwelt ausgeschlossen worden zu sein?

    Und wie war das noch gleich 2008 als sich Herr Kachelmann persönlich bei Sabine Christiansen „getraut“ hat eine Jahresprognose abzugeben? WOW, alles schon vergessen?

    https://www.youtube.com/watch?v=7LGvLuOzj_w

  4. „Though very slightly“. Darauf bezieht sich nicht der hiesige Aberglaube, sondern darauf, dass bei Voll- oder Neumond das Wetter wechselt, was völliger Blödsinn ist.

  5. Aber meine Mutter weiß ganz sicher, dass es im Dorf weniger regnet, seit die Kanalisation gebaut wurde.

  6. wenn ihr Kachelmann weiter schreiben lasst,
    ist euch ein neues Abo sicher.
    Danke für den Text – herzerfrischend.

  7. @Friedrich: Ja, in den Tropen, ein Unterschied von 0.78 Mikrometer pro Stunde falls der Mond direkt über oder unter einem ist. Gemessen von Satelliten (Rückschluss auf Regenrate schwierig). Das ist bestimmt nicht, was der Mondkalenderkäufer unter „Einfluss aufs Wetter“ versteht. Und es ist ja eben auch nicht die Phase des Mondes, sondern die Position (Gezeiten). Der gravitative Effekt des Mondes lässt sich ja in ganz vielen Sachen nachweisen.

  8. @2 Ich habe weder Frust noch Wut in mir. Wann hört die Vollpfosten-Ferndiagnosen-Küchenpsychologie auf, die mir meinen angeblichen Gemütszustand mitteilt?

  9. @3 Immer zu wissen, dass der Dennis eigentlich ein Dominik ist. Also: Das damals war die Vorhersage einer globalen Temperaturabweichung im Jahresdurchschnitt. Unter Einbeziehung von El Nino/La Nina ist das wissenschaftlich machbar. Nicht wissenschaftlich sind Ihre lustigen Versuche, uns weismachen zu wollen, Sie wüssten, wie der Sommer wird. Sie werden es bald wieder tun und traditionell erbärmlich scheitern. Sie sind eine Schande für die Branche und ich bedauere das. Und ich bin nicht alleine. http://www.stefan-niggemeier.de/blog/12396/der-wetter-astrologe/ Und ein kleines PS: Wie Sie sehen, bin ich noch in der Medienwelt. Sie sind „Meteorologe“ für Bild. Da habe ich es noch gut getroffen :-)

  10. @13 Es ist sehr anzunehmen. Er hat diesen Kommentar schon etwa ein Dutzend Male geschrieben, früher mit Klarnamen, in den letzten immer mehr mit Pseudonym. Er unterhält dem Vernehmen nach originellerweise eine Armada von Zusatzaccounts, mit der das eigene Tun auf Twitter und Facebook bejubelt wird. Bild essen Seele auf.

  11. Habe beim ersten Lesen tatsächlich „Prognostica Magica“ gelesen. Passt auch irgendwie besser. Auf den Jahrmarkt bene die Frau mit der Glaskugel.

  12. Wenn der Hahn kräht auf dem Mist,
    ändert sich das Wetter oder es bleibt wie es ist!

    (Alte wetterweisheit meiner Grossmutter anno 1960)

  13. Finde ich sehr positiv wie hier die Autoren selbst mitdiskutieren. Ist glaube ich einer der besten Wege um ohne exzessives Löschen Diskussionen zivilisiert zu halten, wie ich es, um on-topic zu wechseln, in dem folgenden Artikel auch schon mal angerissen habe: http://diekolumnisten.de/2015/11/08/onlinekommentare-die-trolle-von-der-qualitaetssicherung/
    Das Wetter, ja tatsächlich gern synonym für Belanglosigkeiten benutzt, ist ein großartiges Beispiel für verzerrende bis grob falsche Berichterstattung, ohne dass etwas anderes als Gewinnsabsichten dahinter stehen müssen.

  14. @12 Jörg Kachelmann
    (Bitte halten Sie sich vor Augen, dass ich Ihnen im folgenden nicht ans Bein pinkeln möchte, sondern nur genauer nachfrage.)
    Ich hab mir das Video angesehen, das Dennis Dominik gepostet hat. Und tatsächlich gelingt es Ihnen in dem – zugegeben recht kurzen – Ausschnitt auch nicht, diese Art der Vorhersage klar von einer üblichen Wettervorhersage zu trennen. Die Nachfrage von Frau Christiansen, ob wir dann mit verregneten Ostern rechnen können, bleibt stehen. Sie ist also der Meinung, Sie könnten das vorhersagen. Das ging da sicher als recht schnell und Sie hatten keine Zeit zu reagieren. Doch offenbar glaubt man: wenn der Meteorologe was sagt, dann kann der das auch. Nur dass sich Ihre Vorhersagen eher auf Witterungen oder das Klima bezogen, oder? Wetter ist aber doch, soweit ich weiß, das konkrete „Regen oder nicht Regen heute nachmittag“, oder?
    Vielleicht lohnt es, die Zuschauer dahingehend kundig zu machen, dass diese selbst wissen, eine WETTERvorhersage über zwei Wochen ist gar nicht möglich. Aber eine WITTERUNGSvorhersage schon.
    Das müsste dann in den Vorhersagen klar kommuniziert werden, also ausdrücklich.
    Wie sehen Sie das?

  15. @21 Wuer schiesst manchmal arg quer. Ich verstehe dann nie was die Redaktion geritten hat. Siehe auch das Jammern über den Verlust von Zirkussen (Arbeitsplätze, Kultur etc.).

  16. Mist. „Quer“ natürlich.

    Warum gibt’s hier keine Editierfunktion wie bei Facebook?
    Trotzdem Hurra!

  17. Die Welt scheint da mit 25 gründlich daneben zu liegen. Bei uns hat es gerade 284 Grad.

  18. Jaja, Kachelmann. Der Mann erzählt genauso Stuß, wie die anderen. Der Unsinn fing damit an, in der Tagesschau keine Isobarenkarte mehr zu zeigen und auch in der Tagespresse eine solche zu streichen. Damit war es dem meterologisch Interessierten nicht mehr möglich seine eigenen ganz lokale Vorhersage zu machen und ganz einfach zu entscheiden, ob die Front jetzt am Ort schon durch ist oder nicht. Aber es musste ja unbedingt was die blöde Masse sein, am besten noch mit einem Wetter-Moderator. So ein Quatsch. Wozu braucht es bei einer rein technische-wissendschaftlichen Sache noch einen Moderator der wild vor der Bluebox rumfuchtelt. Damit war die Wettervorhersage im fernsehen zum absoluten SChwachsinn verkommen und ist es bis heute. Ich war es gewohnt auf See eine einige Wetterkarte zu zeichnen und die Vorhersage darus abzuleiten. Hat immer sehr gut geklappt. Und für alle anderen kommt es sowieso wie es kommt. Da die örtliche Präzision nur durch eigene Beobachtung und Vergleich mit der Wetterlage möglich ist, sind 99% Bevölkerung ohne zuverlässige Vorhersage, Modelle hin oder her.

    Da ist es nur dumm, wenn herr Kachelmann das kritisiert, was er selbst mit geschaffen hat.

  19. @JMK
    „Wobei natürlich nicht nur die Meteorologie unter Wissenschaftsscharlatenen zu leiden hat, das betrifft zunehmend fast alle Bereiche. Es scheint als würden wie einen Gegentrend von der Ration hin zur Ideologie und Emotion erleben.“
    Ich stimme zu, dass das mehr oder weniger auf alle Wissenschaftsbereiche zutrifft. Aber diesem Aberglaube „früher war alles besser“ kann ich nicht zustimmen. Früher war es vielleicht mehr so, dass wissenschaftliche Annahmen von den Medien nur ernstgenommen und verbreitet wurden, wenn eine bestimmte Anzahl an anerkannten Wissenschaftlern sie vertraten. Das heißt aber noch lange nicht, dass diese Annahmen wahr waren. Denn auch seriöse Wissenschaftler sind nur Menschen und gefangen in Ideologien. Wie in allen Bereichen kann man auch in der Wissenschaft am Besten Karriere machen, wenn an die gerade herrschende Ideologie angepasst ist. Aber genau das beeinträchtigt sehr stark die Rationalität, die in der Wissenschaft nötig ist.
    Früher dachte man z.B. Säuglinge würden noch keinen Schmerz empfinden (da sich ihre Nervenbindungen noch ausbilden) und man operrierte sie deswegen ohne Narkose. Das Schreien des Säuglings während der OP tat man als normales Verhalten ab. Dieses totale Missinterpretieren von wissenschaftlichen Daten der Elite-Wissenschaftler entsprang der damaligen vorherrschenden Einstellung der Gesellschaft gegenüber Kindern.
    Emotion in Form von Sensibilität sollte man daher niemals aus der Wissenschaft verbannen. Denn auch sie kann wissenschaftliche Daten ermöglichen, zumindest in bestimmten Bereichen (in Bezug auf das Wetter vielleicht jetzt weniger :-p ).
    Was Sie als Gegentrend wahr nehmen, ist eher ein Zerbröseln der bisher herrschenden Ideologie. Und in so einem Prozess haben es Scharlatane leichter. Dazu kommt noch die Verbreitung des Internets, das jedem Nutzer nun Zugang zu allen möglichen wissenschaftlichen Thesen ermöglicht, ohne dass da (wie früher von den Leitmedien) gefiltert wird.
    Das kann schlecht sein. Das kann aber auch gut sein. Denn dadurch könnten die Wissenschaftler jetzt gezwungen sein, sich mehr mit den Gegenthesen zu ihren Thesen auseinanderzusetzen. Und wenn sie das öffentlich tun, kann sogar die Gesellschaft insgesamt davon lernen und einen tiefen Einblick in die wissenschaftliche Arbeit – die bisher von der Elite im stillen Kämmerchen betrieben wurde – erlangen. Das könnte letztenendes – wenn es richtig läuft – mehr Rationalität in die Wissenschaft als auch in die Gesellschaft bringen.

    Um meine These zu verdeutlichen und um zum eigentlichen Thema zu kommen: Dadurch dass Herr Kachelmann hier öffentlich die Scharlatanerie anprangert, erfährt der Normalbürger endlich mal mehr darüber, wie das bei der Wettervorhersage läuft. Dadurch dass er jetzt weiß, dass es da Scharlatane gibt, vertraut er jetzt nicht mehr blind was in den Medien steht. Er weiß jetzt, dass das Wetter nur eingeschränkt vorhersagbar ist. Und diejenigen, die die Wettervorhersage schon als Orakelei abgetan haben, wissen nun, dass auch das nicht der Wahrheit entspricht.

  20. Wer den Begriff Ostersrurm benutzt,darf sich nicht wundern wenn sich die Medien darauf stürzen.

  21. Ein wunderbarer Text. So etwas bräuchte es auch mal in den angesprochenen Medien. Aber „wir wissen es nicht“ ist genau so eine gute Schlagzeile wie „Gericht macht seinen Job unauffällig und gut“. Wir machen uns in der Firma anfangs Winter einen Spaß daraus vorherzusagen ob der erste Schnee in der BILD wohl eher „Todes-Schneewalze“ oder „Mega-Schneewand“ betitelt wird. Leider lässt sich nicht mal das vorhersagen.

  22. Der gleiche Blödsinn blüht uns auch am Jahresende, mit der wichtigen Frage, ob an Weihnachten Schnee liegt. Kurze Antwort: Ja, aber nicht hier.

  23. NEIN, ich will den Wetterologen nicht glauben.
    So nett sie sind.
    Hier ist Wetter z.Zt.
    Erlebe ich seit 63zig Jahren.
    Sowas…

  24. Guter Text, aber: Ob eine Vorhersage mit 50% Trefferquote ebensogut durch Würfeln (bzw. eigentlich durch Münzwurf) hätte gemacht werden können, hängt von der (A-Priori-)Wahrscheinlichkeit des vorhergesagten Ereignisses ab. Und wenn die viel kleiner ist als 50%, dann geht „Münze werfen“ nicht. Selbst Würfeln ist nicht wie Münzen werfen: Wenn man die nächste geworfene Zahl mit 50% Trefferquote vorhergesagt kriegt, dann ist man ziemlich gut, denn die A-Priori-Wahrscheinlichkeit ist bloß 1/6. Wenn man die Temperatur in Berlin für heute in einem Jahr auf 0.1 Grad genau vorhersagt und dabei 50% Trefferquote erzielt, dann kann man wahrscheinlich Millionen verdienen (OK, andernfalls vielleicht auch — genug Doofe scheint’s ja zu geben, wie der Text anschaulich klarmacht).

  25. Schön geschrieben, nett zu lesen, und viel Wahres dabei – keine Frage. Aber manches bleibt dann halt ungenau oder falsch, damit sich der gewünschte Tenor durchziehen lässt, scheint mir.
    Wer sich etwa den Text unter der hier (leider nicht mit Link versehenen) N24-Schlagzeile durchliest, merkt, dass die Vorhersagen dort nicht einheitlich sind und mehrere Meteorologen zitiert wurden, u.a. zwei vom DWD. http://www.n24.de/n24/Nachrichten/Panorama/d/8242850/meteorologen-machen-fuer-ostern-wenig-hoffnung.html
    Mehrere Experten fragen: Das ist doch das, was Sie fordern, Herr Kachelmann, oder?
    Ähnlich der Blick auf den welt.de Artikel (http://www.welt.de/vermischtes/article153478769/Bis-zu-25-Grad-sommerliche-Temperaturen-an-Ostern.html). Der stützt sich auch auf den DWD und eine vielfach zitierte dpa-Meldung. Unumstritten war die Prognose wohl nicht, entnehme ich etwa diesem Artikel, für den ein Medium offenbar recherchiert hat: http://www.hna.de/welt/ostern-wetter-2016-prognosen-gehen-weit-auseinander-zr-6241667.html.
    Das Jung-Zitat ist in der Tat entlarvend, sagt er doch, dass die Chance, dass der Trend wahr wird, bei 50 Prozent liegt, also 1:1. Mit Würfel hat das aber nix zu tun, Herr Kachelmann, auch wenn es schick klingt: auf dem ist für jede Zahl die Wahrscheinlichkeit 1:6.
    Und noch eine grundsätzliche Anmerkung, da Sie ja bei „vielen“ Medien Schwächen in Artikeln und Wetterberichten ausmachen. „Viele“ Medien zahlen erkleckliche Summen für meteorologische Dienste wie den DWD, Meteogroup oder andere, für ausführliche und detaillierte Daten und Vorhersagen, etwa auch die Anstalten der ARD für Radio, Fernsehen und Online. Und auch Sie haben ja davon gelebt, als Meteorologe von Medien bezahlt zu werden, oder? Wie können dann 80% aller Wettergeschichten das Publikum wissentlich (!) verarschen, wie Sie behaupten? Oder haben Sie die Zahl 80% am Ende gar nicht recherchiert?
    Disclaimer: ich arbeite für den NDR, spreche hier aber nicht für ihn oder die ARD, sondern als Journalist mit eigener Meinung.

  26. @jan Nolte :
    Sie haben da mMn einige gewaltige Fehler in ihrer Argumentation.
    1. Es gibt in der Wissenschaft keine herrschenden Ideologien. Und Wissenschaft lebt von der Veränderung. Wäre ihr beispiel richtig, würde man heute immer noch Babys ohne Narkose operieren. Dass man das offensichtlich nicht tut zeigt ja, dass ihre These falsch ist.
    2. Wissenschaft lebt von einer Diskussion, ja. Aber von der Diskussion mit Wissenschaftlern, nicht — oder selten — mit der von Laien. Das ist nicht per se schlimm. Im übrigen kann aber auch jeder Laie z. B. wissenschaftliche Veröffentlichungen schreiben und diese werden — wenn sie plausibel sind — auch veröffentlicht. Das ist aber was anderes als eine Diskussion in z. B. Internetforen in denen man sowieso niemanden überzeugen kann. Und das ist nicht die Aufgabe von Wissenschaftlern. Und da Wissenschaft immer komplexer wird ist es leider so, dass Laien da immer weniger sinnvoll mitreden können. Das will aber keiner hören weil jeder ja denkt, er hätte die Weisheit mit Löffeln gefressen. Und leider nimmt die „Meinung“ immer mehr zu, und wissenschaftliche Fakten treten aufgrund der Komplexität in den Hintergrund . (z. B. beim Klimawandel, impfgegner etc. — und offenbar auch beim Wetter)

  27. @32: Wenn es zwei mögliche Ereignisse gibt (kalt/warm, Regen/trocken), kann man das richtige Ergebnis durch Münzwurf (oder Würfeln und gerade/ungerade betrachten etc.) mit 50% Trefferquote vorhersagen. Für den Wert ist vollkommen unerheblich, wie wahrscheinlich die Ereignisse sind, die 50% liefert schlicht die Münze.
    Klar, wenn man tatsächlich etwas weiß, kommt man auf eine bessere Quote. 50% bei einer ja/nein-Frage zu erreichen, ist halt nicht beeindruckend.

  28. @Ichbinich: Mein Argument war, dass Babys heute nicht mehr ohne Narkose operiert werden, liegt nicht daran, dass die Wissenschaft, neue Erkenntnisse gewonnen hat, sondern daran, dass sich in der Gesellschaft die Einstellung zu Kindern verändert hat. Und entsprechend dieser Veränderung hat man die wissenschaftlichen Erkenntnisse anders bewertet.
    Wissenschaftler sind ebenso geprägt von Weltanschauungen wie der Normalbürger. Und auch wenn es Regeln in der Forschungsarbeit gibt, die mehr Objektivität sicher stellen, ist es naiv zu glauben, dass man Ideologie und emotionale Prägungen vollkommen aus ihr raushalten kann.
    Den Wissenschaftlern fehlte in Bezug auf die Säuglinge das nötige Einfühlungsvermögen, um an den Reaktionen zu erkennen, dass die Babys bei der OP Schmerzen empfinden. Sie haben sich blind auf die Daten über die Nervenverbindungen verlassen. Die Ärzte, die dieses Einfühlungsvermögen hatten, haben auch schon damals stets mit Narkose operiert. Dafür wurden sie von den etablierten Wissenschaftlern angefeindet. Die Außenseiter sollten dennoch recht behalten.

    Angeblich ist es in vielen Fällen sogar so, dass sich in wissenschaftlichen Kreisen neue Thesen nicht durchsetzen, weil die neuen Erkenntnisse überzeugend genug sind, sondern weil die alte Elite wegstirbt und die neue Elite den neuen Thesen aufgeschlossener gegenüber steht, da sie mit ihnen schon in jungen Jahren in Berührung kam.

    Zum 2. Punkt: ich meinte nicht, dass Wissenschaftler mit Nicht-Wissenschaftler diskutieren sollen, sondern, dass Wissenschaftler miteinander öffentlich diskutieren. Es geht nicht darum jemanden zu überzeugen, sondern Transparenz zu schaffen, wie verschieden die Positionen unter den Wissenschaftlern sind. So kann der Einzelne besser erkennen, was hat Substanz und was ist nur heiße Luft. Und er lernt besser zu verstehen, was dort vor sich geht und welchen Einfluss das auf sein Leben hat.
    Das blinde Vertrauen zu den Eliten bröckelt in allen Bereichen (aktuell am Stärksten betroffen sind die Leitmedien) und das zu recht. Es wird immer deutlicher, dass sie alle von finanziellen und ideologischen Interessen unterwandert sind (und schon immer waren). Da ist mehr Transparenz der erste Schritt zu mehr Selbstbestimmung für jeden einzelnen von uns.

  29. @35
    „@32: Wenn es zwei mögliche Ereignisse gibt (kalt/warm, Regen/trocken), kann man das richtige Ergebnis durch Münzwurf (oder Würfeln und gerade/ungerade betrachten etc.) mit 50% Trefferquote vorhersagen. Für den Wert ist vollkommen unerheblich, wie wahrscheinlich die Ereignisse sind, die 50% liefert schlicht die Münze.“

    Da haben Sie recht. Aber meistens geht es nicht um Vorhersagen mit bloß zwei möglichen Alternativen. Dieser „hundertjährige Kalender“ scheint jedenfalls wesentlich spezifischere „Vorhersagen“ zu machen. Bei dem bild.de-Zitat oben weiß ich es nicht — der Teil, auf den sich die „Trefferquote von 50%“ bezog, wird nicht mitzitiert. Wenn da sowas stand wie (jetzt mal als übertriebenes Beispiel)

    „Die Lufttemperatur auf Sylt wird nächstes Jahr am 20. Mai zwischen 14.5 und 14.6 Grad liegen, die rel. Luftfeuchte zwischen 77 und 78% und die Windstärke zwischen 6 und 7. Das ist keine echte Wettervorhersage, nur ein grober Trend. Aber der hat eine Trefferquote von 50%.“

    ..dann wäre die passende Nachfrage des Journalisten nicht, wieso der Vorhersager nicht einfach gewürfelt hat, sondern wieso zum Geier er glaubt, eine derart genaue Vorhersage über einen so langen Zeitraum noch mit 50% Eintrittswahrscheinlichkeit machen zu können.

  30. Einen Aspekt haben Sie vergessen, Herr Kachelmann: In der Aktuellen Stunde des WDR wird den Zuschauer tagtäglich als WetterVORHERsage erst einmal des Wetter des abgelaufenen Tages in epischer Breite präsentiert. Ob Sven Plöger, Karsten Schwanke oder Claudia Kleinert (letztere ist keine Wetterfee, denn sie hat von Meteorologie keine Ahnung, sondern versteht höchstens etwas von Meteorismus!!), sie alle behandeln die Zuschauer wie kleine Kinder, die tagsüber im Koma lagen und das Wetter draußen nicht mitbekommen haben. Mich interessiert es abends gegen 19.30 Uhr einen Dreck, wie das Wetter tagsüber WAR!

  31. Nunja, man sollte ihm den hinkenden Vergleich mit den Würfeln nicht um die Ohren werfen.
    Darum gehts doch nicht, ob nun Münze oder Würfeln. Es geht darum, was er meint und das hab ich schon verstanden..
    Ich arbeite beruflich nur im freien und da ist mir eine ziemlich genaue Vorhersage sehr wichtig: Brauch ich Regenklamotten oder nicht? Brauch ich noch Thermounterwäsche oder zwei Pullover?
    Ich hab vieles ausprobiert an (lokalen) Wetterberichten im Web, Apps etc. Des Herrn Kachelmann seine Seite war bislang immer die genaueste, hab aber keine Ahnung warum.
    Vorallem beim Regen. Es macht wirklich keinen Spass, die ganze Schicht mit klatschnassen Klamotten rumzulaufen. Frieren oder schwitzen kann man schon bissel kompensieren.
    Daher auch mal Danke!!
    Nun hat es diese Webseite auch zu Fefe geschafft (https://blog.fefe.de/?ts=a80ba2eb).
    Natürlich hab ich mir auch den Clip angeschaut. Und jetzt müssen Sie mir mal was erklären, Herr Kachelmann.
    Warum dies, wenn Sie doch auf Ihrer Wetterseite ZU RECHT schreiben, bei mehr als drei Tagen Forecast wirds schwierig?
    Ihr obiger Artikel ist schon in sehr vielen Teilen gut und richtig.
    Aber das passt dann doch nicht zusammen..
    Es wird nicht unbedingt unglaubwürdig dadurch, aber es hat ein gewisses „Geschmäckle“.
    Aber vielleicht weiss ich auch einfach zu wenig von der Materie.
    Mir reicht eine Wahrscheinlichkeit von 70 Prozent für die nächsten zwölf Stunden. Im Zweifelsfalle zieh ich mich so an dass es passt.
    Was mir hier in dieser Diskussion gefehlt hat: das Historische. Früher (mag jeder für sich interpretieren wie er will) gab es das gar nicht. Da hat die „Wetterkunde“ schon erstaunliche Fortschritte gemacht.
    Was klaro ohne die heutige Technik nicht möglich gewesen wäre.
    Nunja, und dann gibts ja noch diesen berühmten Witz:
    Fragt jemand einen Meteorologen: „Wie wird heut das Wetter“?
    Sagt der: „Kuck ausm Fenster.“
    Fragt der Jemand noch mal: „Und wie wird morgen das Wetter?“
    Sagt der: „Kuck morgen aus dem Fenster“.
    Das hat schon was und passt. Beeinflussen können wir es nicht.
    Aber selbst bissel kucken, aber da ist auch viel Allgemeinwissen verloren gegangen. Früher wusste man das noch.

  32. Wo’s mir gerade einfällt, eine Prognose hat bisher immer gestimmt:

    Wenn’s regnet im Mai, ist der April schon vorbei…

  33. Also, wir waren im Physikunterricht schwer beeindruckt (ist schon etwas her), als der Lehrer die Eintreffwahrscheinlichkeit der Prognose für den nächsten Tag mit 80 Prozent angab. Zumindest ich schämte mich allerdings etwas über mich, als er uns mitteilte: „Na und? Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, dann ändert sich das Wetter, oder es bleibt, wie es ist. 50 Prozent sind also locker zu schaffen.“.

    Na ja, man kann schließlich nicht alles „hinter“fragen; dann bliebe ja keine Zeit mehr zum Leben, oder

  34. Screenshot: Welt.de 19.3.2016

    Es ist zwar etwas wechselhaft heute, aber noch keine 18° in Caan.

    Wenn es im März und April und anfang Mai wirklich kaum geregnet hat, dann kommt der Regen halt irgendwann im Sommer zum ausgleich, denn eine so lange anhaltende Trockenheit die über den Sommer andauert, die gibt es nicht in Deutschland. Mit hoher Wahscheinlichkeit ist dann der Sommer am Arsch, weil er verregnet ist.

  35. Wer glaubt, dass ein amerikanischer Präsident ein zweites mal Berlin besucht – vor ausgesuchtem Publikum – auf einer Freilichtbühne – eine „glühende“ Rede hält – incl. monatelanger Planung , der Planungsstab überlässt dem Wetter seiner launischen Natur, der glaubt auch an den flotten Osterhasen.

  36. @Jan Nolte:
    1.natürlich ist Ideologie in der Wissenschaft nie komplett auszuschließen. Und ja, es ist teilweise so, dass bestimmte Theorien erst überwunden werden, wenn die älteren Herren aus der Wissenschaft aussteigen und die „Jungen“ übernehmen. Wissenschaftler sind schließlich auch nur Menschen.
    Aber das ist nicht immer der Fall. Und — was das Wichtigste ist — zur Wissenschaft gehört stetige Änderung und das Hinterfragen von Theorien. Es ist insofern keine Ideologie, weil eine Ideologie per se schwer veränderbar ist.
    2. Wissenschaft ist immer öffentlich. Ich kenne keinen Wissenschaftler der seine Ergebnisse nicht veröffentlichen will. Sie können in eine Bibliothek gehen und alle möglichen wissenschaftlichen Veröffentlichungen und Diskurse durchlesen wenn Sie das möchten. Oder sich die Veröffentlichungen selber kaufen bzw. teilweise kostenlos herunterladen — das ist kein Geheimwissen. Ihr Punkt bezüglich „mehr Transparenz“ läuft also ins Leere.
    Aber — ohne Ihnen zu Nahe treten zu wollen — Sie werden nicht entscheiden können welche wissenschaftlichen Argumente heiße Luft sind und welche nicht (und nur damit das nicht falsch rüber kommt, ich bin dazu auch nicht in der Lage). Dafür sind die Hintergründe alle einfach viel zu komplex. Lesen Sie sich z.B. mal den IPCC-Bericht zum Klimawandel durch (übrigens auch öffentlich frei verfügbar) und dann versuchen Sie eine substanzielle Kritik daran. Alle „Klimaleugner“-Seiten scheitern daran gnadenlos weil alle Argumente dort (z.B. Wolken werden nicht beachtet, die Sonne ist es etc.) in sich zusammenfallen. Aber ich möchte nicht ausschließen, dass es an den Modellen substanzielle Kritik geben mag. Nur, ich kann das nicht beurteilen weil mir die Expertise fehlt. Und so geht es vermutlich 99,99% der restlichen Bevölkerung. Und ich wüsste nicht wie man das ändern sollte oder ob das überhaupt geht.
    Und das hat mMn nix mit Elitenvertrauen zu tun sondern eher damit, ob man dem wissenschaftlichen Arbeiten vertraut. Und da ich mehrere Wissenschaftler und deren Arbeitsweise kenne, habe ich dieses Vertrauen. Aber ich habe keine Idee, wie man das der restlichen Bevölkerung begreifbar machen kann. Dazu gehört nämlich ein gewisses Maß an Demut — und das scheint heutzutage nicht „in“ zu sein.

  37. Mein Grossvater hat immer gesagt, der Reusster Berg teilt das Gewitter. Nun ist mein Grossvater verstorben und der Reusster Berg teilt das Gewitter nicht mehr. Was ist bloss passiert?

  38. @47
    Wahrscheinlich war es Ihr Großvater, der das Gewitter geteilt hat :-)

  39. Das Video bei Sabine Christiansen spricht Bände: „Das Sie sich das trauen so eine Jahresvorhersage zu machen…“

    Das spricht doch Bände. Wo ist hier die Aufklärung von Herrn Kachelman was geht und was nicht? Und das in ARD zur sonntäglichen Prime-Time?

    Im Gegenteil, man lässt sich feiern, für etwas „ganz Neues“ in der Meteorologie. HAHA

  40. @12. Kachelmann: „Nicht wissenschaftlich sind Ihre lustigen Versuche, uns weismachen zu wollen, Sie wüssten, wie der Sommer wird. “
    Aber Sie sagen bei Sabine Christiansen den Frühling voraus, mit Temperaturtrend und Aussagen zur Trockenheit. Ob da Dennis oder Dominik hinter Kommentar 3 steckt, ist beim Ansehen der Christiansen-Show ja egal.
    @49. Teile Andreas Waghäusers Sicht. Wie Bernstein so treffend formulierte: „Die schärfsten Kritiker der Elche / waren früher selber welche.“

  41. @Ichbinich: ich sage auch nicht, dass das immer der Fall ist. Je „neutraler“ ein Gebiet ist, desto fortschrittlicher ist man darin. Das betrifft besonders den Bereich Technologie.
    Aber nimmt man dagegen die Sozialwissenschaften sieht es ganz anders aus. Sie werden massiv von Ideologien bzw. dem Zeitgeist bestimmt. Denn was man in sozialwissenschaftlichen Studien findet, hinterfragt ganz persönliche Dinge im privatem Leben.
    Und das war schon immer so. Das war es nur, was ich klar stellen wollte, nachdem JMK behauptete, es gebe einen „Gegentrend von der Ration hin zur Ideologie und Emotion „.

    Es ist auch klar, dass das Hinterfragen zur Wissenschaft gehört. Aber diese Impulse kommen nicht selten von Außenseitern oder ganz von außerhalb. Das könnte durch mehr Transparenz befeuert werden.
    Zu 2.: es geht nicht darum, einzelne Studien herunterladen zu können. Es geht darum, der Öffentlichkeit zu vermitteln, welche Auswirkungen wichtige Forschungsergebnisse auf unser aller Leben haben und zu wissen welche Gegenpositionen es gibt, damit jeder für sich entscheiden kann, ob er darauf vertrauen möchte oder nicht. Das kann das Einstellen von in Fachsprache beschriebenen Studien nicht leisten (das ist im gewissen Sinne sehr wohl so etwas wie Geheimwissen).
    Auf mein Beispiel bezogen: Die Eltern damals wurden nicht darüber informiert, dass ihre Säuglinge ohne Narkose operiert wurden. Es war allgemein nicht bekannt. Obwohl es so ein garvierendes Thema war, das jeden betrifft, hat die Elite damals für sich entschieden, ihren Forschungsergebnissen folgend zu handeln, ohne die Betroffenen an der Entscheidung teil haben zu lassen.

    Demut ist angebracht ja. Aber zu viel Demut schadet auch. Dieses „wir lassen sie mal machen, sie wissen schon was sie tun“ ist sehr bequem, solange mein selbst davon nur Vorteile hat. Aber die Konsequenzen die aus diesem Denken hervorgehen, können verherrend sein. Der Klimawandel ist ein gutes Beispiel. Die Wissenschaft hat uns die tollsten Technologien gezaubert, aber viele dieser Technologien sind nun mitverantwortlich für den Klimawandel. Ihre Produktion benötigt Unmengen Ressourcen und verursacht zudem soziale Probleme.
    Diese Zusammenhänge wurden der Öffentlichkeit viel zu spät und völlig unzureichend vermittelt. Und weil das öffentliche Auseinandersetzen mit der Wissenschaft kaum stattfindet, ist der Durchschnittsbürger entsprechend naiv geblieben und glaubt dann auch gerne den Wissenschaftlern, die haltlose Gegenthesen aufstellen, die besagen, dass wir Menschen nicht für den Klimawandel mitverantwortlich sind. Sie denken demütig: „er ist ja Wissenschaftler und weiß was er tut. Was er sagt gefällt mir, denn er befreit mich von meiner Verantwortung“.

  42. Mal ehrlich Herr Kachelmann,

    als Sie mit dem Meteorologie-Studium anfingen, wie ich auch, war Taxifahrer oder Türsteher eine realistische Perspektive. Das war der Nachfragemarkt für Meteorologen. Wer da nix fand, durfte Taxifahren, mal überspitzt. Erst die Öffnung des Marktes durch Privatsender, erhältliche Daten, finanzierbare IT-Resourcen, Interesse bei Unternehmen, Globalisierung überhaupt haben daraus eine Dienstleistung in einer Marktwirtschaft gemacht. Das konnte man noch nicht absehen, als wir beide studierten. Sie haben das erfolgreich genutzt. Ein wenig ambivalent, wenn gerade Sie das Kaninchen nun wieder in den Hut zurück zaubern wollen und verlangen seriöse von fragwürdigen Wetter-Dienstleistern zu trennen. Markt eben. Mit allen Vor- und Nachteilen.

  43. Jawoll, Uwe Wesp war das damals! Vor zwei Wochen habe ich mir noch das Hirn zermartert, wie der Meteorologe hieß, der nach den 19-Uhr-heute-Nachrichten an der Prismenwand gestanden und das Wetter erklärt hat. Ich wusste, daß der Vorname Uwe hieß und der Nachname kurz war, aber auch alles Googlen hat mir nichts genützt. Und nun kommt das hier so nebenbei zur Spache. Danke!

    Das waren noch Zeiten, als die Isobaren mit Kreide auf die Primentafeln gemalt waren. Ich fand alleine diese Präsentationstechnik damals schon toll. Bei der ZDF-Hitparade war ja hinter der letzten Zuschauerreihe eine ganze Wand von Primenstäben, von denen eine Seite komplett verspiegelt war. Bei Wetterbericht der heute-Nachrichten waren es nur drei. Und Uwe Wesp hatte immer eine kabelgebundene Fernbedienung in der Hand, die aber nicht immer funktionierte. Dann musste er mit der Hand an den Dingern herumdrehen, was auch nicht immer klappte.

    Ja, damals hatte der Wetterbericht noch nicht dieses ganze Gedudel und die Animationen von herumschwebenden und abregnenden Wolken. Da wirkte der bereits in seiner Aufmachung wesentlich wissenschaftlicher und seriöser.

  44. @ 53: Herr Wesp ist verstorben und Herr Wettervogel auch. Bleibt Frau Kleinert.
    Am Wetter hat sich deswegen nichts geändert.
    Aber das habe ich geahnt…

  45. @33

    Also Herr Heinzle, weil Sie so lange und fleissig geschrieben haben und es mich auch nicht wundert, dass jemand von NDR/ARD schreibt (obwohl es mal nicht um Sie ging), weil sich der Sender und seine angeschlossenen Beamten sicher noch lebenslang an mir abarbeiten muss, wir wissen warum. Ich habe auch einen Disclaimer: Ich habe vor Jahren ähnliche Texte mündlich bei Versuchen vorgetragen, den NDR als Kunden zu gewinnen, bin aber regelmässig gescheitert an der bräsig sitzenden Phalanx leicht übergewichtiger *wirhabendasschonimmersogemachtundsindtollpensionsberechtigt*-Abgebrühtheit, weshalb ich Ihre Argumentationsstränge schon kenne. Dennoch inhaltlich:

    1. Sie haben meinem Text nicht gelesen, sonst hätten Sie nach Klicken der Links bemerkt, dass eine Geschichte, in der „Dominik Jung“ vorkommt, nicht für Pluralität sorgt. Es ist etwa so, als ob Sie zu jedem weltpolitischen Problem immer einen Menschen fragen und dazu noch Erika Steinbach, immer Erika Steinbach. Und dann stolz in die Redaktion kommen und sagen: „Ich habe alles richtig gemacht, ich habe zwei Leute gefragt.“ Wie gesagt, lesen Sie nochmal, auch die Texte unter den Links und denken nochmal neu.

    2. Jaja, der Würfel, uiuiui, da haben Sie mich aber erwischt und der beamtete Bildungsbürger freut sich. Nur: Der Würfel, den ich mir vorgestellt habe (und viele Menschen werden das auch so verstanden haben) hatte eine je identische Anzahl von Flächen, auf denen entweder Kalt oder Warm stand, denn es ging ja um eine Jahreszeitenvorhersage, nicht um Menschärgeredichnicht. Sie können sich das nicht vorstellen als Festangestellter, aber es ist nicht vorgeschrieben, dass Würfel immer diese Punkte haben müssen. Manchmal haben sie auch einfach nur Farben drauf oder sonst allerlei Dinge, die man sich einfach so machen darf, ganz alleine selbst entscheidend, ohne im Justitiariat fragen zu müssen.

    3. Die meisten Medien zahlen wenig bis nichts mehr für meteorolologische Dienstleistungen. Die jährlichen Jammerrunden bei der ARD sind mir in lebhafter Erinnerung, wie sehr man doch sparen müsse und dass das doch alles viel zu teuer sei. Wir haben im Laufe der Zeit immer weniger Geld bekommen, viele kleinere Medienhäuser bezahlen gar nix mehr fürs Wetter, sondern gucken im Internet rum. Die Erfolgsrate heute läuft über Klicks, die meisten Klicks bekommt man leider für hanebüchenen Schwachsinn. Deshalb gibt es HuffPo und auch Dominik Jung: völligen Blödsinn schreiben, wie Sommer und Winter angeblich würde ohne jede wissenschaftliche Basis läuft. Vielleicht hülfe es, wenn die NDR-Herrenreiter sich mal darum kümmern wollten. Aber halt, dann wären Sie mit mir einer Meinung. Lieber nicht.

  46. Das ist ein interessanter Text von Jörg Kachelmann und eine noch interessantere Kommentierung seines Textes mit bislang 57 Kommentaren. Daraus lohnt sich ein Video zu machen, um auch mal die teilweise Heuchlerei und Inkompetenz von Jörg Kachelmann im Detail herauszustellen. Denn es gäbe noch mehr zu sagen zu Jörg Kachelmann und seine dubiose „klimatologische (!) Kompetenz“, die er insbesondere in dem TV-Ausschnitt vom 11.01.2008 bei „Sabine Christiansen, mein 2008“ eindrucksvoll unter Beweis stellte.

  47. @59 – Gerdos: Einfach mal googeln nach dem Video „Wie der Schwindel mit dem wärmsten Jahr 2015 funktioniert“. Durch das Video wird dir, Gerdos, in 7 Minuten erklärt, wie die „TAGESSCHAU“ am 25.11.2015 und 25.01.2016 die Zuschauer über das angeblich „wärmste Jahr 2015“ getäuscht hatte. Wenn die „TAGESSCHAU“- Journalisten, als auch Herr Kachelmann am 11.01.2008, als auch du, Gerdos, die offizielle, wissenschaftliche Behauptung über den angeblichen „Treibhauseffekt“ richtig verstanden hätten, dann würdet ihr nämlich begreifen, dass seit über 150 Jahren überhaupt KEINE gefährliche globale Erwärmung existiert. Die „TAGESSCHAU“ scheint ihre eigenen Webseiten nicht zu kennen, auf denen die „TAGESSCHAU“ den Treibhauseffekt erklärt.

    Der Magier David Copperfield könnte wohl von „TAGESSCHAU“ und von Jörg Kachelmann noch eine Menge lernen, wie die (fast) PERFEKTE SUGGSESTION funktioniert.

    Aber es gibt immer noch ein paar angeblich „subversive Klimaleugner“ in einem gallischen Dorf, die sich von den „herrschenden“ Klimahysterikern (besser: Hütchenspielern) nicht länger vera…lassen.

    Schönes Wochenende allerseits…

  48. Du merkst immer noch nicht, dass du dich weiterhin suggestiv täuschen lässt, auch mit dieser Zugspitz-Seite. Steht irgendwo auf der Zugspitz-Seite, dass das anthropogene CO2 für dieses Schmelzen verantwortlich ist? NEIN !! Nirgends. Es steht dort: „Die Ergebnisse der Szenarien-Berechnungen…“. Informiere dich mal über den Unterschied zwischen „Prognosen“ und „szenarienbedingten Projektionen“. Machst du auch das Tragen von Zahnspangen für das Auslösen von Pubertät verantwortlich, nur weil du festgestellt hast, dass Zahnspangen häufig während der Pubertät getragen werden? Deshalb: Die Korrelation zweier Sachverhalte bedeutet nicht gleichbedeutend eine Kausalität, nur weil Klimaforscher ihre Klimacomputer mit der bis heute nicht wissenschaftlich-bewiesenen Prämisse füttern, CO2 würde für Erderwärmung sorgen.

    Eigentlich müsste insbesondere Herr Kachelmann mittlerweile sehr genau wissen und erfahren haben, dass so eine Beweisführung alles andere als seriös ist.

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