Bosbach, Ditfurth – und Maischbergers „Gastgeberrolle“

Gut zwei Monate ist es her, dass Wolfgang Bosbach die Talkshow von Sandra Maischberger vorzeitig verließ, weil er Jutta Ditfurth nicht mehr zuhören wollte. Das sorgte für viel Belustigung und etwas Aufregung. Bemerkenswert war aber vor allem die Reaktion der Moderatorin, die nach dem freiwilligen Abgang des CDU-Politikers versuchte, die ÖkoLinX-Politikerin hinauszuwerfen. Später entschuldigte sie sich dafür.

Die „Maischberger“-Sendung nach dem G20-Gipfel ist ein Lehrbeispiel für eine missratene Talkshow. Am Sonntag vor einer Woche machte Ditfurth in einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ weitere Umstände der Sendung öffentlich. So sei Maischberger Bosbach sogar noch hintergelaufen:

Was man im Fernsehen nicht sieht: Die Aufzeichnung wurde für zwanzig Minuten unterbrochen. Frau Maischberger lief Bosbach hinterher. Aber der hat sich wütend ans Steuer seines Autos gesetzt und ist nach Hause gefahren. Zur Strafe durfte ich für den Rest der Sendung nichts mehr sagen. Sie haben mir den Ton runtergedreht und mich von der Regie so aus dem Bild genommen, dass man nicht einmal sah, dass ich etwas zu sagen versuchte.

Auf Anfrage von Übermedien weist die Redaktion diesen Vorwurf zurück:

Weder Ton- noch Bildregie waren in irgendeiner Weise instruiert, Jutta Ditfurth aus dem Gesprächsgeschehen auszuschließen. Selbstverständlich wurde Frau Ditfurth der Ton in den verbleibenden sechs Minuten der Sendung nicht „runtergedreht“.

Nach dem Abgang Bosbachs dauerte die Sendung noch über elf Minuten. In dieser Zeit hört man mehrmals relativ leise, wie Ditfurth etwas zu sagen versucht. Sie verschwindet auch nicht ganz aus dem Bild. Vom Gesprächsgeschehen ausgeschlossen wird sie aber von der Moderatorin: Sie kommt einfach nicht mehr zu Wort. Nach dem Abgang Bosbachs verweigert ihr Maischberger bis zum Ende der Sendung das Rederecht.

Nach Darstellung der Redaktion hat Maischberger nur „einen kurzen Versuch“ unternommen, Bosbach wieder in die Sendung zu holen. Zu der zwanzigminütigen Unterbrechung habe ein technisches Problem geführt, das auftrat, nachdem ein Einspielfilm unterbrochen wurde.

Warum ist Maischberger hinter Bosbach hergelaufen und warum wurde das nicht in der Sendung transparent gemacht? Die Antwort der Redaktion:

Sandra Maischberger hat damit ihre Gastgeberrolle und Verantwortung als Moderatorin ernst genommen. Nach der Unterbrechung hatte es in der redaktionellen Abwägung Priorität, die Sendung inhaltsorientiert zum Thema G20 fortzuführen. Unter dem Zeitdruck der bevorstehenden Ausstrahlung war es bei der Bearbeitung der Sendung zudem das primäre Ziel, einen möglichst ungestörten Gesprächsverlauf sicherzustellen. Rückblickend betrachtet hätte man die Sendeunterbrechung gezielt thematisieren sollen.

Manche Beobachter fanden es überhaupt rätselhaft, warum Bosbach so ungehalten darauf reagierte, mit abweichenden Meinungen und unangenehmen Tatsachen konfrontiert zu werden. Ditfurth hat dafür einen Erklärung:

Es sollte wohl ursprünglich eine Sendung werden, die seinen Abschied aus dem Bundestag feiert. Thema: Konservative Werte. Dann kam G 20 dazwischen und damit ein Thema, das er gar nicht wollte.

Die Redaktion sagt dazu:

Zeitweise war neben anderen auch das Thema „Konservative Werte“ angedacht. Üblicherweise legt sich die Redaktion aber nicht vor Montag auf ein Thema fest. Nach den Ereignissen rund um den G20-Gipfel in Hamburg hat die Redaktion sich für das Thema G20 entschieden und dies auch allen Gästen so kommuniziert.

Ditfurth kritisiert auch, dass ihr bis zum Sendungsbeginn nicht alle Teilnehmer genannt worden seien – insbesondere nicht Joachim Lenders von der Hamburger Polizei, wie Bosbach ein CDU-Mann. „Mir hatte man gesagt“, so Ditfurth, „es komme Gerhard Kirsch von der Gewerkschaft der Polizei. Ein Hardliner. Auf den hatte ich mich vorbereitet.“

Die „Maischberger“-Redaktion sagt dazu:

Die Redaktion hat Jutta Ditfurth am Montagmittag eingeladen und sie über die zu diesem Zeitpunkt geplante Besetzung korrekt informiert. Da Herr Krisch am Vorabend der Ausstrahlung bereits in der ZDF-Sendung „Markus Lanz“ zu Gast war, hat die Redaktion kurzfristig entschieden, an seiner Stelle Herrn Lenders einzuladen. Frau Ditfurth wurde über diese Änderung ebenso wie andere Gäste umgehend bei Ankunft im Studio zwei Stunden vor Sendungsbeginn informiert. Kurzfristige Änderungen der Gästerunden kommen bei einer aktuellen Sendung wie „Maischberger“ regelmäßig vor.

Ungefähr alles an dieser „Maischberger“-Sendung ist misslungen. Unklar ist schon, warum Wolfgang Bosbach überhaupt als Gast an der Sendung teilnimmt, wenn in der Person von Joachim Lenders ein CDU-Abgeordneter und Polizeivertreter in der Runde sitzt. Anders als seine frühere Parteifreundin Erika Steinbach wurde er nach dem Themenwechsel nicht wieder ausgeladen – vielleicht wollte die Redaktion ihm wirklich einen Abschiedsauftritt als Bundestagsabgeordneter bescheren.

Jan van Aken von der Linken beklagte in der Sendung zu Recht, dass er kaum zu Wort kam, weil er zu höflich war, anderen ins Wort zu fallen. Der Polizei- und CDU-Vertreter Lenders sprach mit großer Aggressivität – als Störenfried wurde aber Jutta Ditfurth dargestellt. Maischberger verwies zweimal darauf, dass erst nach dem Ausscheiden Ditfurths aus der Diskussion wieder die „Parität“ hergestellt wäre. Sie forderte ihr Gehen, „weil ich glaube, dass wir dann weiter in Ruhe diskutieren können“. Sie sagte kurz nach dem Abgang sogar, dass die Diskussion in der Sendung „wirklich an dieser Stelle so aus dem Ruder gelaufen“ sei „wie diese Demonstration und dieser ganze Hamburger Fall“ – als hätten im Studio Leute mit Brandsätzen geworfen.

Ditfurth hat sich in der FAS auch grundsätzlich über die Mechanismen der Talkshows geäußert.

17 Kommentare

  1. Besonders unangenehm wird es dann noch, wenn man weiß, dass Sandra Maischberger eine Duzfreundin von Claus Stunz ist. Insofern ist es gut möglich, dass das Verhalten gegenüber Dittfurth nicht nur aus der Situation heraus so abwertend war, sondern ihre generelle Haltung gegenüber Linken widerspiegelt.

    Darüberhinaus sind die sogenannten Talkshows der öffentlich-rechtlichen Sender eine Schande und eine Veralberung des Publikums. Es geht dort mitnichten um einen fruchtbaren Austausch der Diskutanten, sondern jedem Gast wird eine Rolle zugedacht, die er nach einer von der Redaktion erdachten Inszenierung spielen muss.
    Dem durchschnittlichen Zuschauer fällt das ja gar nicht so richtig auf, mit welcher Respektlosigkeit die ARD und das ZDF dem Beitragszahler solche Formate in die Wohnzimmer schicken. Da müssen erst eine ehemalige Grüne und ein Bundesrichter a.D. (http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2017-02/polizei-wir-pruegelknaben-fischer-im-recht/komplettansicht) kommen und ein paar Hintergründe erzählen.

    Es wird einem als ÖRR-Befürworter wirklich schwer gemacht, diesen noch zu verteidigen.

  2. Selten ein mimosenhaftereres auftreten erlebt als von Herrn Bosbach. Und sowas wird gewählt. Eine Schande….

  3. hm, als ich dachte, nun gehts richtig los, war der Artikel auch schon zu Ende.

    Mir fehlt so ein wenig die Einordnung/Kommentierung. Ich hatte mich auf eine tiefergehende Analyse gefreut.

    Viele Grüße aus Bremen

  4. Soso, die Maischberger duzt also den Strunz. Na dann ist ja alles klar, dann weiss man schon Bescheid was das fuer eine ist! Wer mit dem Feind spricht, muss ein schlechter Mensch sein.

  5. Und Anne Will duzt Serdar Somuncu. Muß also heimlich in „Der PARTEI“ sein.
    Ein schlichtes Weltbild ist schon was dolles.

  6. Ditfurths Benehmen war unter aller Sau. Zudem hat sie unmenschliche Äußerungen gemacht, die nicht einfach als Meinung hingestellt werden können, die Bosbach hier bekämpfen wollte.
    Selbst van Aken war dieses zu viel.

    Aber solange an den Ausnahmezuständen beim G20 nur die Polizei schuld ist und es ok wäre, wenn es nur nicht im hippen autonomen viertel gewesen wäre, so lange wird hier auch das Verhalten und die Äußerungen von Ditfurth umgedeutet.

  7. @K1L: Können Sie mal ein Beispiel für eine solche „unmenschliche Äußerung“ nennen? Oder mir erklären, inwiefern ich das Verhalten von Ditfurth umdeute? Sie ist zu einer Talkshow eingeladen worden, hat an ihr teilgenommen, durfte aber dann nichts mehr sagen.

  8. Na klar. Die Ditfurth ist an allem schuld.dabei ist das ein gutes beispie wie solche Sendungen gezielt benutzt werden eine gewisse meinung zu erreichen.ich sage nur Anne will.

  9. Unfassbar war für mich, wie jemand so unargumentativ wie Bosbach so lange im Bundestag sitzen durfte.

    Wenn er es noch nicht mal mit unserer Frankfurterin (zugezogen) Jutta aufnehmen kann, dann ist er zurecht aus dem Bundestag ausgeschieden.

    Wir brauchen Leute wie Jutta Dittfurth für eine weitgefächerte Streitkultur.

    Die Moderation hat komplett versagt, wie man auch bei Herrn von Arken sehen kann, der wirklich nichts sagen konnte.

    Maischberger hat seit Live aus dem Alabama mehr als stark nachgelassen, ebenso Günther Jauch. Der Erfolg vom Alabama war wohl wirklich Werner Schmidbauer zu verdanken.

  10. Immerhin hat Frau Ditfurth den anderen Herrn in der Sendung der „Lüge“ bezichtigt. Das ist fast immer justiziabel und im vorliegenden Fall ja auch wohl nicht wahrheitsgemäß. So etwas geht nicht. Das darf sich ein Profi nicht erlauben. Und das darf eine Moderatorin nicht durchgehen lassen.

    Die Frage ist ja mehr, warum man eine Ex-Grüne wie Jutta Ditfurth überhaupt einlädt. Sie vertritt dezidiert Auffassungen gegen das Grundgesetz, hält links-sein und Verfassungstreue für unvereinbar. War sie die einzige talkshowerfahrene und berechenbare Politikerin als Token für die Linksextremen? Was haben die Autonomen von Hamburg überhaupt mit der ollen Ditfurth gemein?

  11. @8 Stefan Niggemeier:

    Leider lassen sie die Aktion komplett außer Acht und prangern lediglich die Reaktionen an. Ditfurths Benehmen war nicht tragbar; wenn Sie dieses nicht mal erwähnen, dann sollten Sie auch die Reaktionen darauf nicht erwähnen. So verzerren Sie aber massiv das Bild.
    Ditfurth griff nicht nur Bosbach und den Polizeivertreter an, was ja nicht verwunderlich ist, sondern sogar Barley, dass die SPD nur eine Frau dort in die Runde geschickt hätte „um das freundliche Gesicht der SPD [bei diesem Thema] zu machen“.

    Neben dem verdeckten Aufruf zu Straftaten (bzgl Vermummungsverbot) wirft sie dem an Krebs erkrankten Bosbach vor, eine „ganz kleine Mimose“ zu sein.

    Ich frage mich wie blind ideologietreu Sie sein müssen, um hier Ditfurth als Opfer emporzuheben. Das ist nicht sehr weit vom Opferkult entfernt, den AFD Anhänger mit ihren Vertretern zur Zeit pflegen und der vollkommen zurecht kritisiert wird.

  12. @K1L

    „…wirft sie dem an Krebs erkrankten Bosbach vor, eine „ganz kleine Mimose“ zu sein.“

    Sie müssen zugeben, in der Sache hatte die Frau Ditfurth recht.

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