Beziehungsstreit! Jogi Löw und die Klatschpresse

Der Wendepunkt kam vorigen Sommer. Davor hatte sich die Knallpresse nie sonderlich für Jogi Löw interessiert, jahrelang nicht. Es erschienen kaum Artikel über ihn, kaum Fotos, im Grunde fand er nicht statt in den bunten Blättern. Vermutlich war er einfach nicht aufregend genug: Glückliche Ehe, skandalfreies Leben, der ganze Fußballkram – kein Stoff für die Drama-Blätter.

Aber dann, im Sommer, bemerkten die Regenbogenredakteure, dass Löw auf Veranstaltungen immer häufiger allein zu sehen war, statt, wie sonst üblich, mit seiner Ehefrau. Und plötzlich waren sie angefixt: „Warum geht das Paar so oft getrennte Wege?“, fragten sie in scheinbar großer Sorge und noch größeren Buchstaben. „Schämt Jogi sich für seine Frau?“ „Ist seine Ehe am Ende?“

Und als einige Wochen später bekannt wurde, dass sich das Paar tatsächlich getrennt hatte, bekamen sie endlich das Drama, auf das sie so sehr gehofft hatten – und Löw stieg endgültig auf in die erste Liga der Klatschprotagonisten.

Seitdem erscheinen jede Woche neue Geschichten über ihn und seine (Noch-)Ehefrau. Die Redaktionen fabulieren wild über „sein neues Leben OHNE Daniela“, sie streifen durch seinen Heimatort, um sich von Mitarbeitern irgendwelcher Drogeriemärkte die neuesten Gerüchte erzählen zu lassen, sie spekulieren über mögliche neue Beziehungen, drucken heimlich geschossene Paparazzi-Fotos, die ganze dreckige Palette.

Zu den Eifrigsten gehört natürlich Funkes Postille „Die Aktuelle“, die im September 2016 das Gerücht verbreitete, Jogi Löw sei möglicherweise …

Auf der Titelseite (von uns verpixelt) und im Innenteil zu sehen: Löw und seine Patentochter nebeneinander stehend am Strand, er in Badehose, sie im Bikini, offenbar heimlich aus einiger Entfernung fotografiert.

Jogi in der Lolita-Falle!?

… schlagzeilte „Die Aktuelle“ dazu und fragte:

Ist sie vielleicht sogar der Grund für seine Trennung?

Das ging dann auch Jogi Löw zu weit, der kurz darauf die Berliner Anwaltskanzlei Schertz Bergmann beauftragte, ihn fortan presserechtlich zu vertreten. Sie werde nunmehr gegen die „eklatant rechtswidrigen Berichte in der Yellow-Press“ vorgehen, teilte die Kanzlei mit. Und hatte viel zu tun:

Etliche Fotos, Textpassagen und Artikel mussten die Blätter seit vorigem Sommer schwärzen, einige wurden sogar zum Abdruck von Gegendarstellungen verurteilt.

Ob sie das gejuckt hat? Selbstverständlich nicht.

Anfang Mai zeigte Burdas „Freizeit Revue“ auf der Titelseite Jogi Löw zusammen mit einer Schauspielerin. „Neues Glück!“, titelte sie dazu und versprach: „Alles über ihre Beziehung“. Im Innenteil erfuhren die Leser, was wirklich dahintersteckte: Die beiden seien lediglich befreundet.

Auch gegen diese Titelseite ging Löw vor und forderte eine Gegendarstellung von der „Freizeit Revue“. Vor dem Offenburger Landgericht, wo der Fall vergangene Woche verhandelt wurde, entgegnete der Anwalt des Burda-Verlags, mit „Beziehung“ müsse ja nicht unbedingt eine Liebesbeziehung gemeint sein. Zwischen Mutter und Kind bestehe schließlich auch eine Beziehung. Oder zwischen Geschäftspartnern. Oder zwischen Richter und Gerichtspräsident. Darum habe sich die Redaktion bewusst nicht festgelegt, sondern die genaue Deutung offen gelassen.

Der Richter merkte daraufhin an, dass die Deutung wohl recht eindeutig sei, wenn plötzlich in der Zeitung stünde, dass er eine Beziehung zu seinem Gerichtspräsidenten habe. (Einen ausführlichen Bericht zu der Verhandlung gibt’s in der „Badischen Zeitung“.)

Heute hat das Landgericht das Urteil verkündet – zugunsten von Jogi Löw. Innerhalb der nächsten Wochen muss die „Freizeit Revue“ die Gegendarstellung auf der Titelseite abdrucken – sie kann aber auch noch Berufung beim Oberlandesgericht einlegen.

Drei Wochen vor der Gerichtsverhandlung hatte das Blatt übrigens klargestellt, dass Jogi Löw mitgeteilt habe, er sei in keiner Beziehung. Schlagzeile:

3 Kommentare

  1. Könnte Übermedien vielleicht ein ganz klein wenig weniger yellowpress kritisieren und die wenigen Ressourcen auf schwierigere Themen richten? Wie verlogen die yellowpress ist wissen wir jetzt. Und da ist die Kritik auch leicht. Eure Expertise wird bei anderen Medien deutlicher und das Lrsen deutlich spannender.

  2. Es ist kaum verwunderlich, dass der Burda-Verlag die Gegendarstellung in dieser Form mit allen Kräften abwehren will. Auf der Titelseite sähe das für den Verlag gar nicht gut aus.
    (Moritz Lehmann, Badische Zeitung)

    Der Satz wird besonders lustig, wenn man nun weiß, wie oft diese Heftchen Gegendarstellungen auf die Titelseite drucken müssen.

    @ 1: Die Kritik läuft zumindest teilweise in’s Leere, da Mats Schönauer und das Projekt „topf voll gold“ angeworben wurden. Das wäre als würden Sie Michalis Pantelouris bitten, jetzt aber endlich mal Artikel über Bundestagsreden zu schreiben. Mit einem Wegfall der Kritik an der Yellow Press würden also keineswegs so einfach „Ressourcen frei“.

    Ganz abgesehen davon schrieb Übermedien anfangs in einer Mitteilung (ich finde sie gerade leider nicht wieder), daß es zwar ein Leichtes ist, diese Blätter zu kritisieren, warf aber auch die Frage auf, warum es weniger wichtig sein soll.

    Ich persönlich finde es auf jeden Fall sehr gut, daß sich diesen permanenten Lügen und Fotomontagen endlich mal jemand widmet – und finde es immer wieder auf’s Neue erstaunlich, was da zum Vorschein kommt.

  3. Also ich finde es interessant den Unterschied zwischen der von der Klatschpresse geschaffenen „Realität'“ und dem juristischen Nachspiel zubetrachten und der Vermischung durch Otto Normalverbraucher.
    Wenn man dann noch darauf schaut was „Otto“ vergisst und/oder übersieht,frage ich mich wie die Menschheit
    mit einer derartig selektiven Wahrnehmung einerseits und einem ‚Rezeptions-Mischmasch anderseits
    überleben konnte …
    Also Können war es nicht ;-)

Einen Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.